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08.02.2020

WIR HAU'N DEN HAUSWIRT IN DIE PFANNE (1971)

Diese deutschen Komödien Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre entstanden, sind eine Gattung Film für sich und lösen bei den meisten Menschen mit ihrer übertrieben klamaukigen und unbedarft amateurhaften Art Fremdschämen aus. Am unangenehmsten ist es, wenn man einen dieser drögen Kandidaten a la "Rudi, benimm Dich" erwischt. In der Ausnahme begegnet man auch mal hin und wieder angenehmen Vertretern, wie der Reihe um "Die Lümmel von der ersten Bank", "Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut" oder "Otto ist auf Frauen scharf". Besonders lustig wird es aber eigentlich dann, wenn sich eine unfreiwillig komische Chose kurzweilig in kleiner Gruppe schauen lässt, wie beispielsweise bei "Musik, Musik - Da wackelt die Penne" geschehen. Wenn grotesk anmutender Extremklamauk verzweifelt irgendwie Lacher einfangen möchte, ohne zu wissen wie, dann ist bei gutem Timing, flotter Umsetzung und interessanter Besetzung diese schönste Variante bescheuerter Komödienunterhaltung besagter Entstehungszeit gegeben. So auch mit "Wir hau'n den Hauswirt in die Pfanne", den man auch als jene Art Cineast, der selbst solchen Werken immer wieder eine faire Chance bietet, nicht mehr schön reden kann.

Das Affentheater welches Franz Josef Gottlieb als ersten von fünf Filmen dieser Art im Jahr 1971 inszenierte, ist ein peinlicher Versuch ohne nennenswerte Geschichte 90 Minuten lang Lustigkeit an Lustigkeit zu reihen. Dabei ist die grundlegende Idee alles in einer Art Minikosmos rund um die Bewohner des Hauses spielen zu lassen nicht ohne Reiz. Aber egal ob es um den Hauptplot der bald auf der Straße lebenden Kleinschmitzes geht, dem Zwist zweier Zusammenlebender, die nicht ahnen, dass sie sich per Kleinanzeige gerade anonym ineinander verlieben, oder die vorprogrammierte Enttäuschung des Ehepaares Zwicknagel, welches glaubt die Tochter würde sich mit wem Reiches liieren, wirklich jede dargebotene, meist aus dem Zusammenhang gerissene, Situation weiß nicht auf gelungene Art zu belustigen, sondern demonstriert stets nur das Unvermögen von Autoren und Regie. Auf Seiten der Darsteller ist theoretisch gesehen nicht nur Untalent mit an Bord. Rudold Schündler kann anders, und dass Fritz Tillmann, der hier den Hauswirt mimt, mit seiner Stimme wie geboren dafür ist den laut los schimpfenden Tyrannen zu spielen, bewies er mit seiner Synchronisation des Bösewichts in "Herbie groß in Fahrt". Inmitten des großen Fremdschäm-Chaos in "Wir hau'n den Hauswirt in die Pfanne" versucht jedoch keiner von beiden etwas von seinem Können zu demonstrieren, und das kann man auch verstehen.

Dennoch sind alle mit komplettem körperlichen Einsatz dabei, wenn es darum geht sich zum Affen zu machen. Gerade Tillmann stolpert von einem Fettnäpfchen ins nächste und darf in einer Szene, die in einem Tante Emma-Laden spielt, gar eine Art Lebensmittelmassaker anrichten, was derart gewollt, verkrampft gespielt und schlecht choreographiert eingefangen ist, dass auch hier kein winziger Moment gelungen erscheint. Neben groteskem Grimassenschneiden, herunter fallenden und Krach machenden Gegenständen, albernem Herumgehampel, obligatorischen Lümmel-Szenen, hektischen Sturzstunts und dem Zerstören diverser Utensilien darf aufgrund der integrierten Liebesgeschichte zwischen Uschi Glas und Christian Anders auch das penetrante Rollenbild Mann und Frau nicht fehlen. Sie sollen verschmitzt und dreist, aber doch liebevoll wirken, sind aber doch nur unsympathische Menschen, die man am liebsten ohrfeigen möchte. Eigentlich mögen sie sich zurecht nicht, finden aber wider aller Naturgesetze und Empfindungen am Ende doch zusammen. Aber um Gerechtigkeiten geht es in einem Film voll von unsympathischen Figuren ohnehin nicht. Die Kleinschmidts stehen in ihrer asozialen Art dem bösen Hauswirt und dessen Frau in nichts nach, dennoch bemerken Drehbuch und Regie nur die Schuld der Zwicknagels, so dass das Gefühl der Gerechtigkeit für den kleinen Mann, welches oft in dieser Art Komödie thematisiert wird, nicht eingefangen wird. Schön dass es besonders peinlich, ungerecht und unlustig als eine Art negativem Höhepunkt als Paukenschlag in der Schlusspointe zugeht, so dass der Film inhaltlich, vordergründig und psychologisch gesehen so unangehm und bemüht um Lustigkeit schließt, wie er sich die komplette Laufzeit über schaute - glücklicher Weise kurzweilig ausgefallen, frei von zähen Momenten erzählt und immer auf jene Art peinlich wirkend, wie es dem Trash-Fan unfreiwilliger Komik in der Regel zu gefallen weiß.  OFDb

P.S.: Highlight der unfreiwilligen Komik ist übrigens der Gesangsauftritt der immer grinsenden Schlagersängerin Olivia Molinad, die es schafft in einem Jahrzehnt der schauderhaftesten Frisuren, die skurrilste zu tragen, irgendwo zwischen Frau mit Koteletten und Frau mit Stoßzähnen wirkend, und damit garantiert lautes Lachen verursachend.

01.03.2017

DER SCHWARZE ABT (1963)

Ich hatte Franz Josef Gottliebs „Der schwarze Abt“ als sehr schwachen Beitrag der Rialto-Wallace-Reihe in Erinnerung und muss gestehen, nun bei meiner erneuten Sichtung recht gut unterhalten worden zu sein. In dem Plot, der kaum einer ist, werden Irrungen, Wirrungen, Irrglaube, Irrsinn, Geheimnisse und Wendungen so extrem aneinandergereiht, dass allein dies fast reicht eine Geschichte zu ersetzen. Wie Schurken sich gegenseitig, meist durch Erpressung, das Leben zur Hölle machen, wie die Autoren (u.a. Gottlieb selbst) es trotzdem schaffen noch ein Familiengeheimnis zum Thema Geisteskrankheit mit in die Geschichte zu integrieren, das hat schon meinen Respekt erlangt.

Da stört es auch gar nicht weiter, dass der schwarze Abt eher Gast im eigenen Film ist, gar nicht so wichtig ist wie der Titel vermuten lässt, so dass der Film sich am Ende sogar selbst einen Spaß daraus macht damit zu spielen, dass wir es mit mehr als einer Person bei der titelgebenden Figur zu tun zu haben. Ohnehin wird die Identität des eigentlichen, echten schwarzen Abtes relativ früh gelüftet, während die Fälschung bereits 25 Minuten vor Schluss das Zeitliche segnet. Spätestens ab dann ist der Kuttenträger endgültig uninteressant für die weiteren Vorkommnisse und wird nur noch am Rande erwähnt, damit die Person, die den Originalen mimte, erfährt, dass die Polizei längst wusste wer er war.

Viel aufregender ist aber ohnehin die zentrale Geschichte um eine Erpressung ausgefallen, in welcher Werner Peters es wieder einmal schafft den hinterlistigen Schurkentypen perfekt zu verkörpern, inklusive eines minimalistischen Gehaltes Unsicherheit. „Der schwarze Abt“ lebt viel von seiner Figur, auch wenn die zweite Filmhälfte ihm weit weniger Beachtung schenkt als die erste. Schwerpunktmäßig wechselt die Bedeutung einzelner Personen ohnehin immer wieder. Die Frauen werden trotz zentraler Eckpfeiler der Geschichte niemals wichtig, Charles Regnier, der den Kommissar treffsicher mimt und in seiner Darstellung ein Unikum innerhalb der Wallace-Kommissare darstellt, darf aufgrund nicht gezeigter Ermittlungen in London auch mal für längere Zeit pausieren, während die zwielichtige, aber doch recht sympathisch gestaltete Rolle Joachim Fuchsbergers immer mit kurzen Unterbrechungen versehen wichtig für das Komplettgeschehen ist.

Das Finale wiederum kümmert sich neben der Ermittler hauptsächlich um Lord Chelford, dessen Szenen die Geduld des Zuschauers einen Hauch zu sehr auf die Probe stellen. In der Schlussphase habe ich mir dann doch gewünscht, dass das Treiben endlich ein Ende findet. Aber bis es soweit ist wird man solide unterhalten. Die Schloss-Location wirkt, der Pseudo-Handlungs-Mix aus Schatzsuche, Erpressung und Geisteskrankheit weiß zu gefallen, und Kinski und Arent dürfen ihre Stärken erneut in Nebenrollen beweisen und werden damit zu wirksamen Randerscheinungen des Filmes (bis auf einige wenige Arent-Ausrutscher, die dann doch zu viel des Guten sind).

Das führt alles nicht zu einem großen Ergebnis, aber definitiv zu einem unterhaltsamen Beitrag der Reihe, vorausgesetzt man kann sich mit Irrungen und Wirrungen begnügen und auf eine tatsächliche Handlung verzichten. Meiner Meinung nach funktioniert dies aufgrund der interessanten Figurenkonstellation recht gut, so dass die gelungenen Charaktere den Film bis zum Schluss stemmen können, ohne dass es zu einer uninteressanten Phase käme. Ob man am Ende noch durchblickt, hängt von der Konzentration des Zuschauers ab. Wer nur mit halber Backe hin geschaut hat, hat trotzdem seinen Spaß, geht es doch nicht wirklich um einen Sinn, sondern lediglich um einen abenteuerlichen Kriminalfall - oder um zwei, oder drei.  OFDb

08.08.2016

DIE GRUFT MIT DEM RÄTSELSCHLOSS (1964)

Fand ich die Leistung Eddi Arents im Folgefilm „Das Verrätertor“ lobenswert, da für das Gesamtwerk sehr erfrischend, wird der gute Mann im Vorgänger „Die Gruft mit dem Rätselschloss“ für meinen Geschmack etwas zu inflationär ins Geschehen eingebunden. Nicht dass er nicht wieder wundervolle Momente beschert bekommen hätte, welche dem Zuschauer ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern, aber die Hälfte dessen hätte locker gereicht, überspannt Arent den Bogen doch etwas zu sehr und ruiniert damit manchen Moment, der mehr Ernsthaftigkeit hätte vertragen können.

Aber auch ohne Arents Zutun steht Franz Josef Gottliebs zweiter und letzter Beitrag der Rialto-Wallace-Reihe auf wackeligen Beinen und gehört damit ebenso wie sein „Der schwarze Abt“ zu den weniger aufregenden Filmen der Serie. Während er für Konkurrenzprodukte so unterhaltsame Werke wie „Der Fluch der gelben Schlange“, "Das Phantom von Soho" und „Das siebente Opfer“ zauberte, hatte er der berühmten deutschen Wallace-Reihe somit nichts Nennenswertes hinzuzufügen, was schon schade ist, denn die Idee einer voll mörderischer Gymmicks angereicherten Gruft, an der jegliche Banditen sich die Zähne ausbeißen, klingt doch recht reizvoll für eine Serie, die schon sehr früh damit begann seichte Komik mit morbidem Kriminalfilm zu mixen.

Im hier besprochenen Beitrag der Reihe stört mich jedoch bereits der Aufhänger, will es doch nicht ganz ins Bild des Wallace-Universums passen, dass ein greiser Verbrecher plötzlich ein schlechtes Gewissen entwickelt und sein ganzes Vermögen einer jungen Frau vermachen möchte, dessen Vater er einst ausbeutete. Grund: die Frau habe am Grab ihres Vaters im Kindesalter einst so traurige Augen gehabt. Da haben andere Filme der Serie zu ähnlicher Thematik bessere Aufhänger parat gehabt, um wen Erbberechtigtes nach London reisen zu lassen.

Ärgerlich ist zudem, dass es außerhalb der Gruft keinerlei Rätsel zu lösen gibt. Die Bösewichter sind schnell präsentiert. Die Beweggründe und wer auf wessen Seite steht ebenso, und von da an kümmert sich die Geschichte einzig um den Kampf ums Vermögen und um das Festhalten der Erbberechtigten. Einzig die Rolle von Harald Leipnitz, der hier zum ersten Mal in der Wallace-Reihe auftaucht, bleibt undurchsichtig, irgendwo zwischen den Fronten stehend. Aber da es in dieser Geschichte zusätzlich einen Kommissar mit lupenreiner Arbeitsmoral gibt, weiß der erfahrene Wallace-Gucker trotzdem recht schnell wie er die Rolle des fremden Helfers einzuschätzen hat.

Während viele der Vorgänger smarte Kommissare präsentierten, geht man in „Curse of the Hidden Vault“ (Alternativtitel) scheinbar bewusst anders vor, lässt den Ermittler fast schon charakterlos lediglich seinen Job machen, stellt ihn aber so dar als habe man es mit einem rechthaberichen, humorlosen Fatzke vom Finanzamt zu tun, der selbst das augenzwinkernde Spiel in den Szenen mit Siegfried Schürenberg als Sir John einspart und diesem auf hanebüchene wie unsympathische Art auf der Nase herumtanzt. Das nimmt Sir John die Würde und damit seinen Haupttrumpf humoristisch aktiv werden zu können, womit sich der Streifen des schönsten Running Gags der Reihe beraubt.

Wenn schließlich die Gruft in einer sich ewig anfühlenden Einbruchsszene zu blinken und musizieren beginnt, wird der bis dahin routiniert zu schauende „Die Gruft mit dem Rätselschloss“ kurzfristig sogar recht nervig, macht aber immerhin nachvollziehbar warum der Eindringling nach einiger Zeit des Gefangenseins zum Suizid neigt. Da auch Klaus Kinski als schweigender Killer der ganzen Chose nicht viel hinzuzufügen hat und es der rätsellosen Geschichte an Reiz und Esprit fehlt, kann man Gottliebs Film somit wahrlich nur den Komplettisten unter den Wallace-Fans nahe legen. Zwar ist er nicht so schlecht ausgefallen wie „Das Geheimnis der gelben Narzissen“, aber mit Ruhm hat man sich hier nicht bekleckert, so dass ich verstehen kann, dass Gottlieb für die Weiterführung der Reihe nicht mehr benötigt wurde.  OFDb

23.12.2012

TRUBEL UM TRIXIE (1972)

Ein Wiener Spielwarenhersteller übernimmt sich mit einem Auftrag eines weltweit agierenden Konzerns. Von dem wird eine Spionin geschickt, um zu überprüfen, ob das kleine Unternehmen seinen Verpflichtungen nachkommen kann. Die Dame nennt sich Trixie und wird durch einen glücklichen Zufall Sekretärin des Juniorchefs Teddy, der jedem hübschen Rock hinterher jagt. Da sie sich als Bürokraft hässlich macht, trifft dies nicht auf sie in dieser Rolle zu, aber in das hübsche Original aus dem Hotel hat Teddy sich verliebt. Während Trixies Doppelleben droht aufzufliegen, sind Teddy und sein Vater, der Leiter des Betriebs, bemüht 10 Millionen Mark aufzutreiben, um ihren beruflichen Verpflichtungen nachzukommen...

Zur Sache, Schätzchen... 
 
Das Gespann Franz Josef Gottlieb, Regiekollege Peter Weck (als Schauspieler) und Uschi Glas rauften sich erneut zusammen, um eine Heimatkomödie herunterzudrehen. Georg Thomalla blieb diesmal zu Hause, große Namen gab es weitere ohnehin nicht. Zwar taucht das ein oder andere bekannte Gesicht dieser Zeit auf, aber berühmt wurden die alle nicht.

1972 kann man schon als Spätphase dieser Art deutscher Komödie ansehen. Dieser späten Phase haben wir es jedoch auch zu verdanken, dass Änderungen bereits erkennbar sind. Der Film kommt nicht halb so albern daher wie Vergleichswerke und man konzentrierte sich mehr auf eine tatsächliche Geschichte.

Diese ist weder originell in sich, noch innovativ hinsichtlich der Konkurrenzprodukte seiner Zeit. Pennälerfilme wurden langsam out, Uschi Glas brauchte erwachsenere Rollen und diesmal huscht auch kein Schlagerbarde vorbei, um ein Liedchen zu trällern. „Trubel um Trixie“ bleibt komplett musikeinlagenfrei und konnte damit bei mir trumpfen. Die oben erwähnten Schul-Klamotten im Hinterkopf, baute man einen kleinen Lausejungen ein, der den Erwachsenen ab und an einen Streich spielen darf, aber das sind kurze Momente.

Geht diese Rezeptur auf? Nein! Nicht nur das Gewöhnliche der Geschichte ist völlig frei von Tempo, auch die Zusammensetzung positiv klingender Veränderungen will nicht zünden. Der Lausejunge ist schlecht besetzt und einfach nur nervig, Uschi Glas ist schauspielerisch komplett überfordert, wenn sie eine Frau mit Doppelleben spielen darf, und Peter Weck als der Star des Romantik-Teils verblasst neben der damals süßen Uschi, ist ohnehin viel zu alt für sie und bietet auch charakterlich kein Mitfiebern, ist seine Rolle doch als asozialer Frauenheld angelegt.

Die Geschichte auf der Suche nach 10 Millionen Mark outet sich als zusammengeflickt, wenn der Versuch Geld aufzutreiben über lebensfernste Situationen stattfindet. Gottlieb konzentriert sich in seinem Film ohnehin viel zu sehr auf Nebensächlichkeiten, wie dem Großmaul des Chefs (mit immerhin manch witzigem Kommentar) und seiner Vielfräßigkeit und einem trotteligen Mitarbeiter, der außer manch geglückter Akrobatik zum Thema Witz nichts positives beizusteuern weiß. Ein Nebenstrang der Hauptgeschichte um einen Zug wird zu seinem peinlichsten Auftritt, und ein Nebenstrang um ein Schiff erweist sich innerhalb der Geschichte als völlig unlogisch.

Komplett unsympathisch ist der Film durch seine lockere Art nicht geworden. Außerdem vergnügt es zuzusehen, wie hier fast auf Science Fiction-Art die Zentrale eines Großkonzerns gezeigt wird, der sich einzig auf die Logik eines Supercomputers stützt. Wien gehorcht jedoch nicht den Gesetzen der Logik, wie uns dieser in Österreich spielende deutsche Film zeigt.

Toll war „Trubel um Trixie“ nun wirklich nicht, aber wer innerhalb eines anspruchslosen Genres seinen Anspruch noch ein wenig weiter herunterschrauben kann, der wird immerhin Spaß daran haben diesmal eine echte Geschichte sichten zu dürfen und nicht nur eine sinnfreie Aneinanderreihung von Extremklamauk. Dieser blieb diesmal sowieso zu Hause.  OFDb

23.11.2012

DAS PHANTOM VON SOHO (1964)

In London geht ein Mörder um, der stets in der Nähe der Sansibar in Soho zuschlägt, einem Etablissement für einsame Herren. Die Opfer werden erstochen und nach der Tat steckt das Phantom von Soho, wie die Presse den unbekannten Killer nennt, den Ermordeten einen Briefumschlag mit Geld zu. Chefinspektor Patton geht gemeinsam mit einem Gehilfen und dem Chef von Scottland Yard persönlich der Mordserie auf den Grund. Auch eine Kriminalautorin versucht sich an der Aufdeckung des unbekannten Straftäters. Die Polizei findet heraus, dass die Opfer etwas verband, etwas das mit einem untergegangenem Schiff zusammenhängt...

Erst Oper, später Paradies, mittendrin Londons Reeperbahn...
 
In den 60er Jahren war in Deutschland die harte Welle eine der wenigen Alternativen zur grausamen Fröhlichkeit anderer Kinoproduktionen unseres Landes. Neben den Mabuse-Filmen und jenen nach Edgar Wallace machten auch die Verfilmungen nach den Büchern dessen Sohnes Bryan Edgar Wallace scheinbar gut Kohle.

1964, in einer Zeit in der die Wallace-Filme mittlerweile so eingeleitet wurden, wie es heute Kult ist, nämlich mit Wallace’s Stimme aus der tropfenden Totengruft, leitete man auch diesen Film von Sohnemann Bryan ähnlich ein. Nur dass dieser persönlich abgefilmt werden konnte, während eine grimmige Stimme seinen Namen erwähnt.

Die selbe Wirkung hat das nicht, aber der trashige Versuch auf einen Erfolg aufzuspringen, innerhalb eines Bereiches, wo man auf einen Erfolg aufspringt, hat unfreiwillig komischen Charme und erinnert ein wenig an die Geschäftspolitik von Sat 1, die jeden Erfolg anderer Sender nachäfft.

„Das Phantom von Soho“ hat dann auch bei näherer Betrachtung kaum eigene Ideen. Aber inmitten trivialster Krimikost, die ohnehin nicht so ernst gemeint ist, ist das auch nicht weiter wild. Zwar kann aus dieser Saat kein Glanzstück wie „Das indische Tuch“ oder „Das Gasthaus an der Themse“ werden, aber immerhin netter Durchschnitt für den Nimmersatten dieser Genregattung. Und genau das ist dieser Beitrag von Franz Josef Gottlieb auch geworden.

Mit „Der Fluch der gelben Schlange“ drehte Gottlieb zuvor einen Kriminalfilm nach Vater Wallace, in einer Besetzung wie sie für dessen Filme in den 60er Jahren geradezu typisch war, jedoch für eine Konkurrenzfirma. Ein solches Imitat wurde für die Zukunft unterbunden, in dem Dauerstars wie Fuchsberger und Arent unterschreiben mussten nur noch in der Hausfirma bei Wallace-Filmen mitzuspielen.

Auch Gottlieb wechselte daraufhin dort hin und drehte für die klassische Wallace-Reihe, die mit „Der Frosch mit der Maske“ begann. Doch sein Beitrag „Der schwarze Abt“ war schlicht und damit weit entfernt von der dichten Erzählung seines „Der Fluch der gelben Schlange“. Mehr noch, in der Zeit bevor sich Briten und Italiener in die Wallace-Produktion einmischten, war „Der schwarze Abt“ gar eine der schwächsten Umsetzungen.

Ähnlich mittelmäßig, aber wenigstens atmosphärischer umgesetzt, geht es nun in diesem Bryan Edgar Wallace-Streifen zu. Die Musik lieferte Martin Böttcher, der sich hier stark an seinen Ohrwurm aus dem zwei Jahre zuvor gedrehten „Das Gasthaus an der Themse“ orientiert, leider ohne den Charme des Liedes dort zu erreichen (Mittelmaß, wie der komplette „Das Phantom von Soho“). Auch dass zu seiner Melodie gesungen wird, erinnert an den Themse-Film, doch auch hier schaut die Kopie blasser aus, allein weil der Text des Songs hier arg plump, ja sogar leicht lächerlich wirkt.

Zum Glück ist immerhin die Restinszenierung nicht ähnlich lächerlich, sie ist nur ein wenig zu gewöhnlich und überraschungsarm ausgefallen. Unterhaltsam ist das ganze dennoch, sind doch die Schauspieler mit Spaß an der Sache dabei, wirken auch nicht so untalentiert wie in dem im gleichen Jahr entstandenen Bryan Edgar Wallace-Krimi „Das Ungeheuer von London-City“. Ihre Charaktere erinnern stark an das typische Konzept der Filme seiner Zeit, etwas negativ fällt lediglich der lustige Part auf, ein Eddi Arent-Ersatz mit bierernstem Aussehen und der nicht immer richtigen Betonung beim Sprechen, aufgrund seiner Nebensächlichkeit aber auch kein echtes Manko.

Etwas negativer fällt da schon die mangelnde Anzahl an Verdächtigen auf. Die meisten zwielichtigen Figuren stehen auf der Liste des Phantoms, lediglich vier Personen sind verdächtig, zwei davon von der Liste. Diese Zwei sind im letzten Drittel zu offensichtlich Opfer statt Täter, bleiben nur noch zwei, von denen einer aufgrund seiner Position in der Geschichte viel zu unwahrscheinlich wäre, so dass die Mörderauflösung am Schluss zwar einen passablen Hintergrund liefert, die Person selbst jedoch bereits zu erwarten war. Spätestens wenn der starke Kapitän stirbt, ohne sich zu wehren, ist klar was Sache ist.

Dank atmosphärischer Locations, für seine Zeit harte Mordszenen, gut aufgelegter Stars und einem engen Festhalten an die gewohnten Regeln des Genres Grusel-Krimi, weiß „Das Phantom von Soho“ als eine Art Light-Version der bekannteren Wallace-Filme zu gefallen, zumindest dem Stammpublikum dieser Filme.

Franz Josef Gottlieb lieferte uns im selben Jahr noch den Wallace-Film „Die Gruft mit dem Rätselschloss“ und den Bryan Edgar Wallace-Film „Das siebente Opfer“, bevor er sich von diesem Subgenre entfernte. Eigentlich schade, denn auch wenn keiner seiner Streifen ein Meisterwerk geworden ist, so ist doch meist immerhin sympathischer Durchschnitt entstanden.  OFDb

14.10.2012

DAS SIEBENTE OPFER (1964)

Auf einem Schloss wird die dort ansässige Adelsfamilie, die ohnehin nur noch wenig Nachkommen hat, nach und nach von wem Unbekanntes umgebracht. Zeitgleich versuchen mehrere zwielichtige Individuen das dem Lord gehörende Pferd Satan zu schwächen. Es gilt als ungeschlagener Favorit im nächsten Rennen und viele sähen gern sein Scheitern...

Wenn ein Pfarrer Satan ruft...
 
Warum der Film „Das siebente Opfer“ heißt erfährt man erst in der letzten Szene als eine Art Schlusspointe. Irgendwie klamaukig, irgendwie grotesk, trotzdem leider unpassend und unwitzig. Aber was soll’s, der Film ist nun ohnehin vorbei, und das was man zuvor sichten durfte hat Spaß gemacht.

Was man sah ergab nicht alles Sinn, und vieles davon wirkte arg konstruiert, aber es war kurzweiliger, nicht all zu ernst gemeinter, Krimi-Nonsens aus der Trivial-Ecke, und allein die Bezeichnung Kurzweile trennt dieses Werk von den bisher von mir gesehenen Werken nach Bryan Edgar Wallace.

Die Verfilmungen seiner Romane erlangten nie das selbe Niveau wie die kultigen Werke nach Edgar Wallace. Mit „Das siebente Opfer“ habe ich den ersten gelungenen Beitrag gesehen. Auch dieser ist nun kein echter Geheimtipp, aber wer solch antike Krimi-Kost gerne konsumiert, sollte diesem unbekannten Stück Film ruhig einmal eine Chance geben.

Wie man es von den beiden Wallace gewohnt ist schwirren allerhand zwielichtige Personen durch die Handlung. Diese werden erst gar nicht versucht realistisch zu halten, dafür dürfen sie von Anfang an viel zu augenzwinkernd gemeinte Kommentare ablassen, sich in jeglichem Krimi- und Sozial-Klischee suhlen, schlichtweg wirken sie dafür einfach viel zu comichaft. Allein dass der Pfarrer während des gegen Ende stattfindenden Pferderennens „Satan! Satan!“ ruft, spricht schon für die augenzwinkernde Erzählweise dieses etwas trashigen Streifens.

Aber das geht schon in Ordnung. Die Figuren bringen Schwung in die Bude, worum es wirklich gehen soll wird nicht so schnell klar, und mit diesen zwei Trümpfen ist der Zuschauer nun auch beschäftigt und unterhalten genug, um über kleine Mängel hinwegzusehen. Einzig die Kommissaren-Rolle wirkt eingangs zu dick aufgetragen, pöbelt dieser doch in Überheblichkeit alles und jeden an, der ihm in den Weg kommt. Mit der Zeit schafft er es jedoch, dass seine Figur einen schrulligen Touch bekommt, so das die anfangs fehlende Sympathie nachrückt.

So mancher Spruch wäre des Zitates wert, ein Tag später und ich konnte mich schon an keinen mehr konkret erinnern. Worum es in dem Kriminalstück geht ist ein wenig wirr umgesetzt, eigentlich auch Nebensache, man lauscht belustigt den Dialogen und schaut, was die Schar bunter Figuren wohl als nächstes treibt. Trude Herr bleibt in ihrer recht kleinen Rolle eher unbedeutend. Als großer Trumpf erweist sich hingegen der Schauspieler in der Rolle des Hausdieners, dessen Namen ich leider nicht kenne. Er dürfte die beste Rolle erwischt haben und füllt diese mit seinen verschlagenen und verschmitzten Blicken mit Leben.

Für viele ist „Das 7. Opfer“ sicherlich unbedeutende und zurecht vergessene Krimi-Kost, für andere ein untergegangenes Stück deutsches Film-Juwel. Irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit. Eine kleine Empfehlung für Freunde des Genres ist dieser Schwarz/weiß-Film definitiv.  OFDb