Posts mit dem Label Andy Wachowski werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Andy Wachowski werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

25.06.2022

MATRIX 4 - RESURRECTIONS

Hohe Erwartungen hatte ich nicht nach zwei derart gewöhnlichen Vorgängern und entstanden in einer Zeit, in der alte Erfolge meist innovationslos wiedergekäuert werden. Zwar ist die spät nachgereichte dritte Fortsetzung des zu Recht erfolgreichen Filmes "Matrix" ebenso banales Trivialkino wie die Teile 2 und 3, das ebenso wie diese mittels pseudo-intellektuellem Getue einem mittelmäßig intelligentem Publikum Intelligenz vortäuscht anstatt sie zu besitzen, letztendlich funktioniert die Geschichte jedoch besser als in den beiden Vorgängern, wenn auch bei Weitem nicht so gut wie es das brillante Original schaffte. Aber der verspielten Blaupause des Erstlings kann man dank einiger sympathischer Ideen nicht wirklich böse sein. Das beginnt im Spiel mit der Metaebene, anstatt rein auf Nostalgie zu setzen, zeigt sich für mich zudem im offenen Umgang mit der Ähnlichkeit der neuen weiblichen Hauptfigur im Vergleich zu Trinity, es weiß zu gefallen im erweiterten Gleichnis der Geschichte bezogen auf traurige, gesellschaftliche Veränderungen der letzten 20 Jahre (was zeigt dass nicht völlig frei von Reflexion an das Projekt herangegangen wurde) und es beweist sich in der Kurzweile eines immerhin auf 140 Minuten aufgeblähten Stoffes, der eigentlich nicht viel zu erzählen weiß. 

Anders angeordnete Elemente sind schnell wieder auf alten Kurs gebracht, viel Neues gibt es nicht zu erzählen, weder im notwendigen Bereich, noch im sinnvollen, aber dieses Nichts an Alibi-Geschichte schaut sich nett an, auch wenn man freilich erneut nicht der Versuchung widerstehen kann mit den Effektmöglichkeiten von heute herumzuprotzen. Das stört mich in einem Action-Blockbuster jedoch herzlich wenig, wenn er treffsicher auf die Gefühlswelten der Figuren setzt, auch wenn deren Motivationen nicht tiefer gehen als das komplette Konstrukt, das trotz aller Gegenbemühungen oberflächlich bleibt. Erneut begeht man den Fehler Maschinen zu menschlich zu zeichnen (womit ich nicht die elektrischen Freunde seit dem Frieden zwischen Mensch und Computer meine), ein zunächst positiv im Hintergrund gehaltener Umgang mit der Figur der Trinity wird gegen Ende leider über Bord geworfen, wenn sie auf einer Bedeutungsebene mit Neo gehievt wird, und anstatt aus der reizvollen, gut funktionierenden Ausgangslage der ersten 30 bis 40 Minuten das herauszuholen, was möglich gewesen wäre, verrennt man sich, wie bereits in den ersten beiden Sequels geschehen, zu sehr in die Action der Geschichte, anstatt diese als Instrument für eine erzählenswerte zu nutzen. 

Der einzig wirklich bittere Fehler an "Matrix - Resurrections" ist meiner Meinung jedoch der, dass man immer noch nicht begriffen hat wie schädlich es für das Matrix-Universum ist Agent Smith zu viel Bedeutung einzuräumen. Zumindest schließt die Geschichte ähnlich Phantasie-fördernd wie Teil 1, wenn auch bei weitem nicht so emotional vielschichtig anmutend wie dort, und gerade wegen der Ernüchterung des Teils 2 und der Enttäuschung von Teil 3 weiß dieser triviale Stoff aufgrund geringer Erwartungen simpel positiv zu funktionieren. Ein gelungenes, eigentlich gar großartiges Werk hätte ein "Matrix 4" jedoch nur dann werden können, wenn er endlich die Erkenntnisse aus "Matrix 2" in die Geschichte konsequent integriert hätte, anstatt sie komplett zu ignorieren, wie rätselhafter Weise bereits in Teil 3 geschehen. Obwohl ich mit den beiden Vorgängern des hier besprochenen Streifens nicht sympathisiere, bin ich jedoch froh es bei Resurrections mit einer auf ihnen aufbauenden Fortsetzung zu tun zu haben, anstatt mit einer Neuinterpretation oder einem neuen Teil 2.  OFDb

04.07.2019

ASSASSINS - DIE KILLER (1995)

Stallone hatte wenige Jahre vor "Assassins" (Originaltitel) mit "The Specialist" einen ähnlich thematisierten Film abgeliefert, dennoch musste ich beim Sichten des besser ausgefallenen Werkes um zwei konkurrierende Auftragskiller eher an "Mein Name ist Nobody" denken. Dort wie hier geht es um einen Fan, welcher dem Vorbild nicht geheuer ist, schließlich kann aus einem Fanatiker irgendwann dein Mörder werden, zumindest wenn dieser beruflich gleiche Pfade betritt und irgendwann einmal die Nummer eins sein möchte. Was in der Western-Komödie humoristisch angegangen wird, wird in dem Action-Thriller sehr ernst thematisiert. Und obwohl Humor und auch wahres Augenzwinkern fehlt, so vermittelt das Ergebnis von "Assassins" doch stets, dass er sich seiner Übertreibungen bewusst ist und eher in einer alternativen Comicwelt anvisiert ist, als in der unseren. Hier bemerkt man die Handschrift der Autoren, welche keine geringeren als die Wachowski-Brüder sind, die Jahre später mit "Matrix" einen großen Erfolg verbuchen sollten. Im Gegensatz zu diesem führen sie hier noch nicht Regie, Richard Donner, der mit den ersten drei "Lethal Weapon"-Filmen gerade große Erfolge verbuchte, schien der richtige Mann für das Projekt zu sein.

Zumindest beweist er, dass er den verspielten Actionbereich als alteingesessener, nicht nur auf ein Genre reduzierter, Regisseur auch dann beherrscht, wenn auf Komik verzichtet wird und stattdessen ein hoher Grad Ironie enthalten ist, angereichert mit dem Wissen über die Kenntnis der Gesetzmäßigkeit solcher Stoffe bei den Filmschaffenden und dem Publikum. Deswegen schauen sich Klischees hier auch nicht wie lästige Pflichten oder unkreative lange, weiße Bärte. Die Dynamik des Stoffes und ihr moderner Inszenierungsstil lassen durchblicken, dass man sich nicht auf alt Bewährtes ausruht, sondern bewusst mit den Standardeigenschaften derartiger Geschichten spielt. Das Buhlen um den ersten Platz macht die Comicposition deutlich, allein schon aufgrund dessen, dass er nur einseitig umkämpft wird, will einer von beiden Wettbewerbern doch schließlich aussteigen. Der weibliche Part des zentralen Figurentrios ist schließlich das Comic-Zugeständnis schlechthin, mit der offensichtlichen Verwandtschaft zu Cat-Woman aus dem Batman-Universum, hineinprojiziert ins digitale Zeitalter, irgendwo pendelnd zwischen taff und naiv, professionell und Amateur. Die nötige unverkrampfte Distanz verschafft sich das Werk durch den Umgang der Klischees aus dem Blickwinkel des Fanatikers, der sich in seiner irren Art an Rituale klammert, eine Zutat die dem Werk überhaupt erst die Chance ermöglicht, auf seine tolle Finalidee setzen zu können, die alles andere als Standard derartiger Werke darstellt.

Anstatt es ordentlich krachen zu lassen, lassen die Verantwortlichen des Streifens den Bösewicht in der Schlussphase schmoren - und mit ihm den Zuschauer, der die Vorbereitung des Finales hauptsächlich über ihn erfährt, anstatt über den Helden, und von Anfang an in dessen Pläne eingeweiht ist. Während man das Leiden des Gegners auf der einen Seite nachvollziehen kann, so spürbar Donner uns die Schwüle der Situation verdeutlicht, kann man sich gleichzeitig an dessen Unglück laben, wissend dass er geradewegs in eine Falle hinein läuft. Erneut zeigt sich eine Art Lustigkeit in humorloser Umsetzung, eingebettet in Nervenkitzel - welch herrliches Rezept. Freilich verläuft nicht alles nach Plan, so dass auch ein tatsächlicher Spannungsbogen jenseits des Eingeweihtseins aufkommen kann. Und dessen Wendungen wissen bis auf jene zu gefallen, die das Geschehen auch außerhalb des Konkurrenzkampfes der beiden Auftragskiller einen zu kleinen Radius beschert und damit eine arg persönliche Wendung zu viel präsentiert. Abgesehen von diesem Makel ist "Assassins - Die Killer" jedoch stilsicher erzählt, nicht immer logisch, aber doch clever umgesetzt, auch in seinen Actionszenen und mit all dem was ihn ausmacht weit mehr bietend, als das Standardprodukt um Auftragskiller. Mit dem ein Jahr zuvor erschienenen "Léon - Der Profi" kann sich "Assassins" jedoch nicht messen. Aber es würde mich wundern, wenn man solch hohes Ziel überhaupt anvisiert hat.  OFDb

07.05.2017

MATRIX (1999)

Eigentlich ist es so, dass „Matrix“ rein inhaltlich das Science Fiction-Genre nicht neu erfindet. Ganz im Gegenteil plündert er sich durch diverse Vorlagen, von denen „Welt am Draht“ und „Dark City“ wohl die einflussreichsten sein dürften. Es ist jedoch die Art wie er die Elemente neu zusammensetzt, was ihn zu einem solch hervorragenden Film macht, setzt er doch die entliehenen Komponenten nicht nur geschickt neu aneinander, wobei er selbst die nachteiligen in ein positives Licht zu rücken weiß, er vereint zudem intellektuelles Kopfkino mit einem Actionorgie-gleichenden Popkornkino, auch wenn Letzteres Ersteres dafür fast komplett zu verschlingen scheint, so dominant wie sich die Schauwerte durchsetzen und so hintergründig, wie die reizvollen philosophischen Ideen in der zweiten Reihe mitspielen.

Perfekt durchdacht ist „Matrix“ nicht wirklich, bilden sich innerhalb des selbst entworfenen Konzeptes über die Regeln in und außerhalb der Matrix doch immer wieder Logiklücken. Diese verzeiht man in der Regel jedoch, da sie das Fortschreiten der Geschichte ermöglichen und somit förderlich anstatt hinderlich sind. Zudem wird uns als Ausgleich eine durchdachte Geschichte in anderen Ebenen des Filmes geboten, so z.B. bei der Reifung Neos zum Auserwählten, dessen Fähigkeiten aufgrund der zuvor genannten Begebenheiten geradezu logisch erscheinen.

Letztendlich widmet sich der Film ohnehin lediglich der Geschichte darüber Neo erkennen zu lassen, dass er der Auserwählte ist. „Matrix“ schließt dieses Kapitel mit einer der besten Schlussszenen, die ich aus diesem Genre kenne, nutzt er mit dieser doch nicht nur den Mythos der um Neo geschaffen wird und die wuchtige Auswirkung, die glorifizierendes Kino auf das Publikum auszustrahlen weiß, er macht uns außerdem zu Mitwirkenden des Filmes, zu Menschen die am Schluss erfahren, dass es nun so weit ist aufgeklärt und befreit zu werden. Das funktioniert nicht nur aufgrund der innerfilmischen Ebene, die von einer 90er Jahre-Welt (der damaligen Gegenwart) erzählt, die von Maschinen beherrscht wird („Terminator“ lässt grüßen), es funktioniert auch deshalb, weil die Geschichte als Sinnbild für vieles in der realen Welt steht, vergleichbar mit der doppelbödigen Thematik eines Zombiefilmes.

Am ehesten bietet sich hierfür der Freiheitsdrang derer an, die verstanden haben, dass die Gesellschaft, wie sie gelebt wird, nicht zwingend so gelebt werden muss. Regeln, Normen und Gesetze wurden vom Menschen erschaffen. Diese kann man über Bord werfen und gesellschaftlich wie kulturell völlig andersartig neu ansetzen. Ob man nun glaubt dass nur wenige von diesem System profitieren, welches die anderen gedankenlos oder gar unwissend mitspielen, oder ob man glaubt dass das Spiel von einigen auf höheren Ebenen gespielt wird, während sich die Masse desinteressiert treiben lässt, beides ist auf das Konzept der „Matrix“ übertragbar, egal ob man den Ist-Zustand dieser Welt als Unterdrückung und Anpassung ansieht, oder als zufällige Variable, zu der die Gesellschaft nun einmal geworden ist.

„Matrix“ gönnt sich als Mainstream-Werk den Luxus wuchtigste Bilder zu präsentieren, mit modernsten Programmen und Techniken zu arbeiten, sprich Unsummen an Geld für das erreichte Ergebnis zu verbrauchen. Die Wachowski-Brüder, die Regie führten, sorgen jedoch dafür, dass sich die Geschichte nie den Schauwerten unterordnet. Stattdessen werden sie zu nützlichen und gern gesehenen Werkzeugen, um die Geschichte auf ein höheres Niveau zu hieven. Werden sie nicht benötigt pausieren sie.

„Matrix“ besitzt etliche ruhigere Phasen, z.B. jene in der das Konzept der Matrix erklärt wird. Auch in solchen Momenten wird der Film nie Kopf-Kino, mittels optischer Spielereien sorgen die Wachowskis stets dafür, dass selbst den Denkfaulen oder Unkonzentrierten unter den Zuschauern nicht langweilig wird. Und dieses Kunststück kombiniert mit einer beeindruckenden Geschichte, sorgt mit der riesigen finanziellen Unterstützung die bereit stand für ein Filmerlebnis, welches selbst heute, fast 20 Jahre später, noch immer umzuhauen weiß.

Die im Vergleich zu heute schwächeren Computeranimationen wissen noch immer zu gefallen und zu überzeugen. Wenige mittlerweile zu gekünstelt wirkende Animationen, wie Feuer oder Aufnahmen des Raumschiffes von Morpheus, werden glücklicher Weise kurz gehalten, so dass die Illusion nicht plötzlich mitten im Film abbricht. Kampfsportszenen, die trotz versteifter Stars hochwertig inszeniert sind, bilden weitere Schauwerte. Aber der eigentliche an sich ist die fantasiereiche Geschichte, die sich nicht auf einer Idee ausruht, sondern uns in ein magisches, wenn auch pessimistisches, alternatives Universum führt, wie es einen seit „Krieg der Sterne“ nicht mehr zu imponieren wusste.

Ob es die konkreten Bilder der Erntemaschinen sind, der Gedanke dass sich junge Menschen in Wirklichkeit von alten Menschen ernähren, der etwas unsinnige, für den Film aber funktionierende, Ansatz die Versklavung mit der Nutzung des Menschen als Batterie zu erklären, das alles sind Ansätze, die zu begeistern wissen und lediglich als Nebensächlichkeit eingebracht sind. Das Gedankenspiel darüber ob Maschinen wissen wie Hühnchen schmeckt, oder darüber dass eine utopisch positiv programmierte Matrix nicht funktioniert hat, bereichern den Film, auch wenn vieles davon, wie bereits erwähnt, nicht erstmals in „Matrix“ thematisiert wird.

Neben diverser Science Fiction-Werke, von denen die Wachowskis sich inspirieren ließen, dient freilich auch das christlich geprägte Leben als Vorlage, deutlich in der Rolle Neos zu erkennen, spätestens wenn er erst auferstehen muss bevor er die Menschheit erretten kann (was selten so viel Sinn ergab, wie im hier besprochenen Film). Es ist aber auch in der Rolle des Morpheus erkennbar, der ein Prediger und Verkünder der Wunder des Auserwählten ist, was sich hier noch in die magische Wunderwelt des Streifens positiv einzufügen weiß, diese Figur in der missratenen Fortsetzung jedoch zum Phrasen dreschenden Missionar machte. Auch buddhistische Anleihen sind erkennbar, meist in den Lehren Morpheus‘, die an die Demut und Unterwerfung des eigenen Ichs zum Finden des eigenen Zentrums dieser Religion erinnern. Tom Cruise hätte sicher gern die Hauptrolle übernommen, denn selbst der Glaube der Scientology wird in den Fähigkeiten Neos erkennbar.

Wie eingangs bereit erwähnt ist es die Kombination mit welcher diese einzelnen Einflüsse und Bausteine zusammengesetzt wurden, die „Matrix“ so einzigartig macht und selbst Cineasten überzeugen sollte, die mit Action, Mainstream und/oder Science Fiction in der Regel nichts anzufangen wissen. Denn „Matrix“ ist nicht nur ausgezeichnetes Genre-Kino, er hat auch tatsächlich etwas (auf mehreren Ebenen) zu erzählen und dies innerhalb eines recht glaubwürdig herübergebrachten Szenarios, welches sich zudem Raum für Spielereien lässt. „Matrix“ ist mehr als der geglückte Blockbuster, der alle Jahre wieder inmitten des üblichen Bullshits im Massenkino erscheint. „Matrix“ ist ein Ausnahmewerk des Mainstreams, sich dessen Vorteilen bedienend, gleichzeitig die Nachteile hinter sich lassend. Bei solch grandiosem Ergebnis braucht es nicht verwundern, dass „Matrix“ die Genres, für die er steht, nachhaltig beeinflusst hat.  OFDb