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11.01.2025

JESUS SHOWS YOU THE WAY TO THE HIGHWAY (2019)

Ein Virus hat sich in der virtuellen Realität des Psychobooks breit gemacht und gefährdet die Sicherheit der ganzen Welt. Eine Agentin stirbt eingeloggt in der realen Welt, obwohl dies als unmöglich galt. Als auch Agent Gagano in der Realität einen Hirntod erleidet, während sein Geist online ist, erfährt er innerhalb des Cyberspace nach und nach die Wahrheit über Psychobook, seine Mission und sich selbst...

Wiederkehr mit Wackelpudding...

Der mit Crowdfunding finanzierte Ausnahmefilm "Jesus Shows You the Way to the Highway" ist ein visuell beeindruckender Film, nicht obwohl er recht kostengünstig entstand, sondern weil. Weit entfernt von den Spezialeffekten einer großen Hollywood-Produktion zeigt er wie mittels simpel gestrickter Entfremdungen eine fremde Welt kreiert werden kann, ein ganzer Film gestützt werden kann, ein hohes Budget überhaupt nicht nötig ist. Zwar setzt der Streifen, bei dem man inhaltlich wie handwerklich mit allem rechnen muss, bewusst auf einen absichtlich anvisierten Trash-Charme, aber hier wird professionell mit Amateurfilm-Methoden gearbeitet. Das mag widersprüchlich klingen, passt aber hervorragend zu einem Werk der Gegensätzlichkeiten. Wir erleben eine Zukunftswelt in der Vergangenheit, einen intellektuellen Stoff im Trash, Moderne trifft auf Retro, Kommunisten tragen Nike-Schuhe, Kriegstreiber wählen den friedlichen Weg, Schwarze werden für Kung Fu-Szenen in ein chinesisches Gewandt gesteckt, religiöse Phantastereien behalten Recht, ein Kleinwüchsiger kann ein professioneller CIA-Agent sein, Fremdgehen ist mit Liebe kompatibel, Orte wie eine Schiffskajüte und ein Hochhausdach vermischen sich. Hier wird alles verdreht, vereint und entfremdet, ebenso die Genres, die neben dem Hauptaspekt der Science Fiction auch Kampfsportfilm-Passagen enthält, Abenteuer-Feeling der 60er Jahre Filme, wie man sie z.B. mit Joachim Fuchsberger besetzt kennt, Film Noir, Daily Soap und Actionfilm, gefilmt an den verschiedensten Orten der Welt, angereichert mit kurz eingebetteten, eingekauften Fremdaufnahmen.

Es findet sich allerhand wieder was man kennt, um letztendlich etwas Eigenes zu werden, etwas das was zu erzählen hat. Hier wird sich nicht bockig den Hollywood-Regeln widersetzt, sondern gekonnt gezeigt zu was Kino alternativ in der Lage ist, wie man Themen wie Behinderung, sexuelle Orientierung und Patriotismus würdevoll und für ein mündiges Publikum konzipiert auch ohne Propaganda oder politisch korrektem Getue geradezu selbstverständlich in eine erzählenswerte Geschichte integriert bekommt, so dass der billig und infantil anmutende Stoff zu einem wesentlich erwachsenerem wird, als die Heuchelei vieler Großproduktionen je sein könnte. Wenn man nun noch die Zeiten des C64 kennt, wird man zudem Gefallen am Bild und Sound vom Vor- und Abspann finden, sowie an mancher Anspielung aus der Computerwelt innerhalb der Geschichte selbst. Die orientiert sich zu einem guten Teil an "Welt am Draht", vermischt aber auch hier Eigenes wie weiteres Entliehenes, so z.B. aus "Die totale Erinnerung" oder "Max Headroom". Der sogenannte Stoff, um den es zunächst nur nebensächlich geht, entpuppt sich als Metapher für alles was außerhalb von Regierungen Macht auf das Miteinander in der Welt ausübt. Festlegen tut man sich diesbezüglich nicht, was ganz gut zum schwer durchschaubaren Gesamten passt, das aber, dank nur einem Autor, dem Regisseur Miguel Llansó, dennoch durchdacht einen roten Faden besitzt, inklusive Hintertürchen, das an den Schluss vom ersten Teil des Zweiteilers "Welt am Draht" erinnert, um uns aufgeklärt, aber dennoch rätselhaft aus dem Film zu entlassen. 

Wer es geistreich, trashig und völlig alternativ als das populäre Kino mag, der entdeckt in dieser wundervoll kreativen Perle ein Liebhaberstück, dem man sich verspielt und intellektuell gleichermaßen nähern sollte, um es im völligen Umfang genießen und inhalieren zu können. Eine Mehrsichtung macht bei derart viel Wahnsinn freilich Sinn. Es ist lobenswert anzumerken, dass der Streifen trotz seiner intensiv schrägen und eigensinnigen Art immer wieder Momente der Ruhe besitzt und seine Figuren durchaus ernst nimmt. Mein Lieblings Running Gag war anbei die Idee, dass der Protagonist stets Pizza isst, aber immer nur einmal in sie rein beißt. Diese Aussagen wirken gerade wild zusammen gewürfelt? Nun, "Jesus Shows You the Way to the Highway" auch.  OFDb

05.01.2025

CHIGGER ALE (2013)

Ein Zwerg im Hitler-Outfit wird von der feiernden Gemeinde seiner Umgebung belächelt und gehänselt. Also sinnt er auf Rache...

Klebebärtchen-Vorrat...

Das mag ja ganz amüsant anmuten, wenn ein schwarzer Kleinwüchsiger wie ein Hitler ohne Selbstbewusstsein durch die Gegend stolziert und gemobbt wird. Und so würdelos, wie es für einen Schauspieler mit Behinderung hätte wirken können, der gute Mine zum bösen Spiel macht, ist "Chigger Ale" nicht angegangen, Daniel Tadesse steht nicht nur drüber, er verkörpert es auf seine trockene, direkte Art. Und wenn der Außenseiter sich ausgerechnet mit Gas rächen möchte, besitzt das sicher einen tiefschwarzen, in meinen Augen aber auch geschmacklosen Humor. Mag sein dass mir da was entgangen ist, aber ich sehe, abgesehen von der deutlichen Spielerei mit verdrehten Realitäten, keine tiefere Aussage in dem 11-Minüter, und sein spaciger Schluss-Gag wirkt, so nett trashig er auch getrickst sein mag, eher wie eine Ausrede alles schnell beenden zu wollen, wobei mir der Aspekt des bockigen Kindes durchaus bewusst ist. Kurzum: ich wusste nicht wirklich etwas anzufangen mit "Here Come the Problems" (Alternativtitel), der seinen schönsten Moment meiner Meinung mit dem Schnibbeln eines neuen Hitlerbartes besitzt, nachdem dem kleinen Mann der letzte von einer Gruppe Mobbern entwendet wurde, dies regelrecht kindlich verspielt, also im bewusst gesetzten Klischee, und mit ihm deutlich einen Zusammenhang zur Schluss-Pointe vorbereitend. Geistreich wirkt das alles trotzdem nicht, eher die Absicht verkörpernd etwas Bizarres, Absurdes abliefern zu wollen. Dies allein würde mich bei dieser Art Film jedoch wundern, also vermute ich eher einen toten Punkt in meinem Blickwinkel, oder eine zahme Herangehensweise, weil das bereits von mir Entdeckte als Motor des Ganzen von den Verantwortlichen vermutet wurde. Ich weiß es nicht... OFDb

21.12.2024

4x4 (2019)

Ein Autoknacker kommt aus dem letzten Fahrzeug, das er aufbrach, nicht mehr hinaus. Ein Arzt, der schon oft beklaut wurde, hat eine Spezialanfertigung in Auftrag gegeben und hält in dem ausbruchssicheren, schalldichten und von außen uneinsehbaren Gefährt den reuelosen, jungen Mann gefangen. Per Autotelefon kommunizieren sie miteinander...

Das Snackversteck eines kranken Mannes...

Reizvoll klingt sie, die Idee eines Kammerspiels, mit der futuristischen Idee ein Auto derart zweckdienlich umzufunktionieren, dass ein frustrierter Verdienender sich an einem Kriminellen rächen darf. Umso schöner kommt die Idee herüber, als dass sie das verlockende Thema der Klassengesellschaft nicht einseitig betrachtet. Hier ist weder der Mann, der aus Armut kriminell handelt, ein Guter (zumal er keinerlei Reue aufblitzen lässt), noch der Reiche böse weil er reich ist. In Zeiten linken Gedankenguts, das Besitz zu etwas Bösem erklärt, hätte man gerade wegen dieser davon abgewandten, cleverer scheinenden Haltung ein intelligenteres Produkt vermutet. Dass der Stoff eher Kurzfilm-Niveau besitzt und entsprechend mit manch unnötiger Idee langgestreckt wird, bzw. mit manchen Gimmicks des Autobesitzers in die Länge gezogen werden muss, um den Gesundheitszustand des Eindringlings halbwegs glaubwürdig zu halten, verwundert nicht. Dass die Verantwortlichen des Streifens deshalb auch nicht der Versuchung nachgeben können, den Bereich des Kammerspiels irgendwann zu verlassen, ebenso wenig. Vielleicht ist es auch besser so, wenn auch nicht konsequent, denn das Spiel des Hauptdarstellers mag überzeugen, einen kompletten Film allein getragen bekommt er jedoch nicht. 

Der Hauptpart der Geschichte lebt ohnehin eher von Drehbuch und Umsetzung. Das Gefühl des Eingeschlossenseins und das der Abhängigkeit von einem Unbekannten, wahscheinlich sogar Irren, wird recht gut inszeniert und fällt mit all seinen Ausreden sogar recht glaubwürdig aus. Und freilich lebt der Stoff von der Erwartungshaltung des Zuschauers, der gespannt ist, worauf das Ganze hinaus laufen soll. Doch genau hier kann "4x4" nicht erfüllen, was an Ideen im Kopf des mintdenkenden Zuschauers umherschwirrt. Vielleicht muten auch deswegen die Diskussionsstoffe der Handlung, insbesondere gegen Ende, eher auf Bildzeitungs-Niveau an, anstatt über das Standardgeschimpfe beider Seiten von Reich und Arm hinauszuragen. Der mit Science Fiction-Elementen angereicherte Thriller ist eher für den schlicht denkenden Zuschauertyp konzipiert, schade. Zumal die eingebildete Flucht aus dem Auto in ein weit interessanteres Szenario hätte führen können, als der tatsächliche Austritt aus dem Auto, der zum eher banalen und zu lang gestreckten Straßenszenario führt, das gerne tiefgründiger wäre, als es ausgefallen ist. Nichtsdestotrotz überzeugen Darsteller, Spielort und Optik innerhalb eines Stoffes, den man eher als 45minüter hätte umsetzen sollen, so inkonsequent wie sich das fertige Produkt als Gesamtes anfühlt. Es ist schön, dass er trotz allem zu unterhalten weiß, je stumpfer man heran geht, desto mehr wahrscheinlich.  OFDb

18.08.2024

OPEN SEASON (1974)

Ein Mann und seine junge Geliebte werden von drei jungen Männern entführt, in der Einöde relativ human gefangen gehalten, bis es Zeit ist zu gehen. Denn nun sollen sie von den Entführern wie Vieh gejagt werden...

Ein Soldat tötet nie zum Spaß...

"Graf Zaroff" ist der Ur-Vater des Sub-Genres um Menschenjagd. Der vier Jahrzehnte später entstandene, auf einer Romanvorlage basierende "Open Season" löste damit eine lang anhaltende, nicht wirklich auffällige, Welle an Nachahmerstoffen und jenen aus, die das Thema anders interpretierten. Es überrascht, eben mit Blick von heute, einer Zeit, in der man weiß, dass der Film die Menschenjagd thematisiert, dass dieser Aspekt erst sehr spät ins Geschehen rückt und man ihn in der langen Laufzeit davor lediglich vermuten kann. Vom entführten Pärchen ahnt es die sich per Sex verkaufende Frau eher als der meist besonnene Mann, zwischen denen es aufgrund der Taktik des weiblichen Parts kriselt. Derartige Aspekte sind frei von Moral oder Position von Seiten der Verantwortlichen des Films eingebaut. Es wird damit absichtlich provoziert, eben weil die Frau sehr wild und hemmungslos gewesen sein soll, ein wunderbarer Stoff zur Diskussion, an dem sich die Geister scheiden werden, zumal er mit ihr seine Frau betrügt. Einig dürfte man sich hingegen gegenüber der Aggressoren sein, die stets Terror auf beide ausüben, und deren Trieb zum Mord aus einer Dekadenz geboren sind, die genügend Möglichkeiten zur sozialkritischen Analyse bietet, welche auch immer "Open Season - Jagdzeit" (Alternativtitel) vorgeschwebt haben mag. 

An sich könnte man mit "The Recon Game" (Alternativtitel) zufrieden sein, ist er doch gut besetzt, lässt sich Zeit für seine Geschichte im herrlich trockenen 70er Jahre-Stil und bietet im weiteren Verlauf die ein oder andere Überraschung. Letztendlich nervte mich das ewige Unterdrücken der Entführer jedoch, da der Film lange Zeit nur davon handelt, wie die beiden (er mehr als sie) schlecht behandelt werden. Das Spiel mit der angeblichen Gnade und Höflichkeit ist schnell ausgereizt, das Dominieren per Waffengewalt kein Thema für eine Stunde Laufzeit. Bis der Inhalt beim Thema Menschenjagd angekommen ist, hat er keine Chance mehr daraus einen brauchbaren Film zu machen. Freilich steigt die Qualität und der Unterhaltungswert in dieser Phase dennoch, findet trotz reizvoller Wendungen aber keine überzeugende Auflösung. Sie wirkt zu willkürlich, zu konstruiert, und entlässt uns entsprechend aus einem unbefriedigenden Film. Zumindest ist "Jagdzeit" (Alternativtitel) in dieser Phase hart erzählt, packt das Publikum nicht in Watte, ganz im Gegenteil, und dieser rohe Ton funktioniert auch in der in Deutschland üblichen, geschnittenen Fassung. Es wäre wünschenswert gewesen, dass der Film sich früher der Menschenjagd zugewendet hätte, dann hätte er auch tiefer ins Detail gehen können, den Nervenkitzel noch etwas ausreizen können. Denn das was uns über den Großteil der Laufzeit in der Hütte geboten wird, ist zäher Pseudo-Terror a la "Der Schlitzer".  Wiki

17.12.2023

DER MANN, DER FRANKENSTEIN WEINEN SAH (2010)

Paul Naschy ist Kult. Er ist nur den eingefleischten Horrorfilm-Freunden ein Begriff. Er war der Horror-Star des spanischen Kinos schlechthin. Genre-Verehrer feierten seine Werke für manch harten Effekt damaliger Zeit und für das klassische Grusel-Feeling. Meist fielen seine Werke hoch-naiv aus, nah an der Lächerlichkeit angesiedelt, in hochgepuschter Theatralik und Gruselmomenten schwimmend, die schon damals nur die ängstlichsten Zuschauer schauern ließen. Und Naschy war, egal ob in seiner Position als Regisseur, Darsteller oder Autor, nicht wirklich talentiert zu nennen. Aber all das Gegenteilige behauptet der Dokumentarfilm "The Man Who Saw Frankenstein Cry" (Originaltitel), der sich mit der Beweihräucherung der zentral betrachteten Figur unsachlich gibt und mit dieser übertriebenen Ehrerbietung, zu der sich auch John Landis und Joe Dante gesellen, eher wie ein US-Produkt wirkt, so wie wir es aus den schrecklichen Making Ofs US-amerikanischer Produktionen kennt, in denen niemand frei Schnauze reden darf, und alles nur der Werbung dient. 

Gerade zu Beginn macht "Der Mann, der Frankenstein weinen sah" dadurch einen unangenehmen Eindruck, ist das doch sehr unprofessionell für den Bereich des Dokumentarfilms und lächerlich noch anbei, wenn man schon einige Werke Naschys gesichtet hat. Ich mag ihn, seine Filme besitzen einen eigenen Reiz, der auch für mich nicht einzig von unfreiwilliger Komik lebt. Und Naschy schien ein sympathischer Kerl zu sein. Aber in einer dokumentatorischen Biographie erwarte ich Fakten, und die muss man hier inmitten von Fan-Getue heraus picken. Nach der ersten viertel Stunde kommt der Film von Ángel Agudo auch gleich interessanter und sachlicher daher. Wir erfahren einiges über Leben und Werk Naschys, und erst in den letzten 20 Minuten wandelt sich der 80-Minüter erneut der zu schlechten Herangehensweise der ersten Phase zu und feiert erneut fast nur noch seinen Star. Viele sympathische Filmszenen bereichern den Streifen, da sie sinngemäß zum jeweiligen Thema eingesetzt werden, und der Großteil der Doku bietet genug Informationen und Anekdoten, so dass man nicht verstimmt auf dieses etwas ungar ausgefallene Projekt zurück blickt. 

Die beiden Söhne Naschys, sowie die Witwe kommentieren viel persönlich, der politische und wirtschaftliche Zeitgeist einzelner Dekaden wird beachtet, und auch die Spätwerke und öffentlichen Auftritte eines Mimen, der im Alter überrascht darüber war, wie bekannt er auch im Ausland im Laufe der Zeit wurde, bekommen genügend Aufmerksamkeit beschert. Ein Blick auf Naschys Einfluss in "Der Totenchor der Knochenmänner", in welchem er nur eine Nebenrolle besetzte, hätte mich noch interessiert, zumal er in ähnlicher Form agierend in "Dracula jagt Frankenstein" Erwähnung erhält. Beim Blick auf sein spätes Schaffen, wird leider "School Killer" nicht thematisiert, da hätte mich auch noch mancher Hintergrundblick drauf gereizt. Aber die bedeutenden Werke seiner Karriere finden freilich alle, wie es sich gehört, ihren Platz in dieser Liebeserklärung, die der Fanatiker unter den Horrorzuschauern besser finden wird als ich. Die am Schluss genannte Anekdote, die auch zur Titelgebung der Dokumentation führte, gefiel mir anbei wirklich gut. OFDb

09.07.2023

TODESKREIS LIBELLE (1975)

Nachdem ich nun schon einige Zeit kein glückliches Händchen bei meiner Auswahl von Paul Naschy-Sichtungen besaß, begegnete mir ausgerechnet im Bereich des Kriminalfilms, anstatt in seinem Stamm-Genre Horror, ein sympathischer Film mit dem wenig talentierten Mann in einer Hauptrolle, und das war "Todeskreis Libelle". Inhaltlich vermutete ich den spanischen Versuch eines ursprünglicher Weise aus Italien stammenden Giallos, was "Una Libélula para cada muerto" (Originaltitel) sicherlich auch sein möchte, viel mehr erinnert der Streifen jedoch an die bunten Edgar Wallace-Beiträge unter der Regie von Alfred Vohrer, ein Bereich der ebenso wie der Giallo Folgewerk der vorangegangenen schwarzweißen Grusel-Krimis von Rialto ist. Was dort eher absichtlich verspielt anmutete, wird hier eher durch die Unzulänglichkeiten unfreiwillig humoristisch aufgebrochen, beispielsweise durch die kaum wahrzunehmende Ermittlung des Kommissars, während dieser sich wundert, dass sein Nichtstun zu keinem Fortschritt führt. Weit weniger Einfluss auf ein amüsantes Misslingen hat zur großen Überraschung Naschy selbst, der recht gut in die Rolle besagten Ermittlers passt und auch optisch dank des Tragens eines Schnurrbarts in ernster Mimik zu überzeugen weiß. 

Ohnehin ist "A Dragonfly for Each Corpse" (Alternativtitel) kein reiner unfreiwillig komischer Trash, bitte deutet meine Belustigung nicht als Totalversagen des Filmes oder meiner Reflexion. "Red Killer" (Alternativtitel) ist stimmig erzählt, erhält meist die zur Atmosphäre passende Musikuntermalung und weiß auch optisch das ein oder andere gelungene Bild einzufangen, freilich ohne diesbezüglich zum großen Kunstwerk manchem Giallo-Vorbilds zu werden. Zudem ist der Kriminalfall interessant gestaltet, das Mitraten des Täters ist integriert, die Auflösung akzeptabel und die Umsetzung mit quantitativen Schauwerten angereichert, so dass es an dieser kleinen Wundertüte des Gelingens und des Scheiterns in diesem wunderbaren Mix nichts zu beanstanden gibt. Gesichtet habe ich die internationale Fassung auf einer DVD, die beide Versionen bot. Hier soll mehr nackte Haut gezeigt werden, als in der spanischen Variante. Der Unterschied scheint aber nicht der Rede wert zu sein, was hier an Nackedeimomenten geboten wird, ist recht übersichtlich. Da hat manch einer sicherlich mehr erwartet, wo "Teufelskreis Libelle" mitunter doch in der Rotlichtbranche spielt. Harte Momente vermischen sich mit verspielt anmutenden, bunte Bilder vereinen sich mit einem düsteren Touch, nüchternes Schauspiel trifft auf eine reißerische Geschichte. Und genau so mag ich diesen Film, und so halte ich ihn bis zur nächsten Sichtung in Erinnerung. Und die wird kommen, bei solch sympathischem Retro-Kino.  OFDb

19.03.2023

PROJEKT 12 - DER BUNKER (2014)

Spanien und unbesiegbare Russen, anstatt die USA und Nazizombies, das klingt nach einem kleinen Unterschied im gern gesehen reißerischen Nischenbereich innerhalb seines Subgenres und macht nach Sichten nicht nur inhaltlich wenig Veränderung aus (was nicht überrascht), sondern leider auch stilistisch. Auch in europäischer Hand guckt sich das Ganze stumpf umgesetzt wie in den USA gedreht, so extrem wie ein Großer Jungs-Film daraus entstanden ist. Klar, der reißerische Aufhänger lockt nicht gerade das erwachsen denkende Publikum, stattdessen aber auch den verspielt denkenden Comic-Interessierten (frei formuliert, soviel ich weiß steht kein Comic Pate). Aber wenn jegliches pseudo-harte Verbrecher-Klischee inklusive schräg gehaltener Waffe vorhanden ist, kann man das Ergebnis nicht mehr ernst nehmen, erst recht wenn außerdem z.B. die weibliche Mittäterin stets in Pose gesetzt wird, anstatt sie natürlich einzufangen, und sie dabei wie ein Alice-Klon aus den späten "Resident Evil"-Filmen wirkt. Durch derartiges wird das optisch Bemühte zu stark verfremdet, der Zuschauer vom Gesehenen zu stark distanziert und das alles nur aus infantilen Gründen der Coolness, na toll. 

Zumindest passt es zur Videospielästhetik, findet ein großer Teil des Szenarios doch in unterirdischen Gängen statt, in denen stets Aggressoren lauern können, so dass die absichtliche Verwandtschaft mit Ego Shootern nicht zu übersehen ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Horrorbeiträgen, die in unterirdischen, endlosen Gängen spielen, findet hier keine dröge Monotonie statt. Trotz wiederholendem Szenario ist dieser Part des Streifens recht interessant und flott ausgefallen. Dies kann man jedoch ausgerechnet nicht von der langen Phase davor behaupten, die uns an abwechslungsreichen Orten mit einer nicht gerade geringen Anzahl an wichtigen Figuren eigentlich die nötigen Schauwerte und Ereignisse verspricht, mit der ewigen Suche nach damaligen Beteiligten aber viel zu viel Laufzeit verschenkt, die im späteren Horrorsektor nötig gewesen wäre. Die plumpen Möchtegern-Harten, denen wir im Komplettfilm beiwohnen, machen die Suche nach den Wissenschaftlern kein bisschen interessant. Und letztendlich geht es, egal wo die lange Vorphase gerade stattfindet, ohnehin stets nur um Verfolgung, Schießerei und Unterdrückung. 

Erst nach 40 Minuten kommt man endlich am Handlungsort Bunker an. Hier wird "Project 12: The Bunker" (Originaltitel) nun flotter, wenn auch immer noch dümmlich und infantil ausgefallen, und auch die Bedrohung hält sich bei wenig Verlust auf Seiten der Eindringlinge und den zu kurz kommenden Ergebnissen der damaligen Experimente in Grenzen, zumal Letztgenannte keinen Hintergrund aufweisen, der den Kenner derartiger Werke nun vom Hocker reißen würde. Nett anzusehen sind sie in ihrem überraschend schlicht daher kommenden Aussehen dennoch, auch wenn sie manches Mal selbst für veränderte Menschen optisch zu künstlich als Computeranimation oder gar Puppe anmuten. Für seine schlichten Möglichkeiten, die "Projekt 12 - Der Bunker" aufgrund von wenig brauchbaren Figuren und wenig kreativen Hintergründen besitzt, ist die zweite Hälfte des Ganzen recht brauchbar umgesetzt, bietet zwar nichts worauf die Cineastenwelt gewartet hat, lässt das Geschehen dort aber angenehm routiniert stattfinden, inklusive winziger Überraschungen im Zusammenhalt der Truppe. 

Dennoch ist das nach einem derart unbrauchbaren und lang gestreckten Einstieg zu wenig zur Wiedergutmachung, so dass am Schluss nur ein annehmbares Filmchen bleibt, an das sich kaum wer Jahre später erinnern wird. Der Ausgang der Geschichte bestätigt, was der Titel des Films auch diesbezüglich zum Bereich der Computerspiele erahnen lässt: der Bunker wirkt wie Level 1. Trotz abgeschlossener Geschichte, die lediglich die klassische Schlusspointe abliefert, wäre eine Fortsetzung Level 2 geworden, zu der es allerdings nie kam. Aufgrund dessen was zerstört ist und dem winzigen, gar nicht sonderlich interessanten Aufhänger, der dafür übrig blieb, hätte mich eine solche allerdings ohnehin nicht interessiert. Mit dem Untergang der Menschheit aufgrund der unbesiegbaren Truppe hätte ein Teil 2 ähnlich wie "Resident Evil 3" zumindest noch ein reizvolles Szenario bescheren können, aber das wurde von den Schöpfern nicht erkannt. Wobei man an diesem Beispiel bereits erkennen kann, wie viel Erklärungsnot bereits der hier besprochene Film besitzt, in welchem derartige Aggressoren brav 40 Jahre lang eingeschlossen keinen Versuch unternahmen den Kapitalisten außerhalb des Bunkers den Krieg zu erklären.  OFDb

29.10.2022

DIE NACHT DES EXORZISTEN (1975)

Nur wenige Jahre nach dem Erfolg "Der Exorzist" wurde eine spanisches Imitation gedreht, prominent besetzt mit dem damaligen Genre-Star Paul Naschy. Auch hier wird eine im Bett liegende, von einer fremden Macht besessene, junge Dame von einem Priester aufgesucht, sich gegen ihn wehrend nach oben räkelnd und mit fremden Zungen verachtende Worte sprechend. Aber das geschieht in "Exorcism" (Alternativtitel) alles erst am Schluss, denn jeglicher mir bekannte Name des Filmes ist eigentlich ein Spoiler. Würde der komplette Rest des Streifens nicht aus geschwätzigem Hinhalten bestehen (und selbst das ereignisreichere Finale ist äußerst geschwätzig ausgefallen), würden die Titel etwas verraten, von dem man eher überrascht werden möchte. Das würde aber voraus setzen, dass eine Erwartungshaltung aufgebaut wird, dass man sich für das Mysterium und die offenen Fragen interessieren würde, welche die Geschichte beinhaltet und nach und nach aufdeckt. Aber leider ist "Exorcismo" (Originaltitel) die lahme Art Horrorfilm ihres Hauptdarstellers, und nicht die amüsant unsinnige, wie ebenfalls häufig mit besagtem Star zu erleben. Nein, in "Die Nacht des Exorzisten" geschieht wahrlich nicht viel. Und uninteressante Figuren, alle dargestellt von talentfreien Mimen, die dank eines desinteressierten Drehbuchautoren alle gleich reden, so als wäre das Umfeld von lediglich einer Person bevölkert, machen den simpel abgefilmten, theatralisch dargebotenen, übernatürlichen Dramen-Reißer nicht sehenswerter. Zwar beginnt der Streifen auf naiver und simpler Ebene recht stimmig, aber der Stillstand ist schnell erreicht, und 90 Minuten Laufzeit fühlen sich von da an mal wieder erschreckend lang an. Zumindest weiß die Besessene im Finale optisch zu gefallen, allein ihre Kontaktlinsen sind wundervoll anzusehen. Auch hat sich für diese Art überholten Genre-Beitrag der ein oder andere blutige Moment eingeschlichen, der wie ein Fremdkörper im biederen Gesamtbild anmutet (ein Standard in unterhaltsamen, wie missglückten Naschy-Filmen). Aber mehr Schauwerte hat Juan Bosch nicht zu bieten, der in seiner bis dahin 16jährigen Laufzeit als Regisseur zum ersten und letzten Mal für einen Horrorfilm tätig war und ansonsten meist im Gauner/Thriller/Western-Bereich tätig war.  OFDb

30.05.2022

AXOLUTION - TÖDLICHE BEGEGNUNG (1988)

Wie schnarchig kann ein Slasher ausfallen? Und wie kann er dies so kurz nach der ersten Hochzeit dieses Sub-Genres, bei welchem so viele Werke zeigten wie es richtig geht und so viele Fehler von anderen Beiträgen gemacht wurden, aus denen man hätte lernen können? Ja, auch heute noch gelingen nur die wenigsten Horrorfilme dieser Art, was rege ich mich also auf? Aber "Axolution - Tödliche Begegnung" war ein besonders ärgerliches Stück misslungener Slasher, und dies obwohl er uns zumindest einen Serienkiller mit Maske präsentiert, was leider nicht jeder Nachzügler der großen Vorbilder tat. Untermalt von Fahrstuhlmusik bekommt die mager geschriebene Geschichte nie Möglichkeiten sich einmal in interessante Gefilde hoch raffen zu können. Wird es einmal etwas lauter, liegt es daran dass man zu Countrymusik wechselt, die sich als Untermalung für einen Film mit Thrill ebenfalls nicht eignet. Es dauert bis zum Finale, bis wir klassisch komponierter Horrormusik beiwohnen. Dass selbst zu dieser späten Laufzeit trotzdem nie Suspense aufkommt, liegt an den konstruierten Charakteren, die wie Fremdkörper durch ihre eigene Geschichte wandeln und an einem Drehbuch, welches uns erst 30 Minuten vor Schluss jenen Hintergrund der Ereignisse bescherte, den man nun im Finale überraschend auf links drehen will. 

Wer sich im Vorspann bereits wundert, dass da eine männliche Hauptrolle genannt wird, obwohl diese Art Film meist von sogenannten Final Girls lebt, der kann ahnen, was einem dort bevor steht. Trotz derartig frischer Versuche am Ende eine Überraschung auffahren zu wollen (was im Slasher jedoch zu diesem Zeitpunkt keine Seltenheit mehr war) bleibt "Edge of the Axe" (Alternativtitel) innovationslos, einfältig und uninteressant, zumal zu wenig Möglichkeiten bestanden wer denn nun der maskierte Mörder ist, der zu dessen Statur passt. Wer glaubt der spanische Einfluss dieser US-mitproduzierten Chose könne für Abwechslung sorgen, dem sei gesagt, dass sich "Al filo del hacha" (Originaltitel) so US-amerikanisch schaut wie die rein aus den USA stammenden Werke dieser Art. Auch hier trumpft "Axolution - Tödliche Begegnung" herzlich wenig. An stumpfsinnigen Momenten darf es freilich auch nicht fehlen. Da ruft z.B. wer im Boot auf dem See zu einer jungen Frau am Ufer herüber, sie möge eben einem jungen Mann Bescheid sagen er möge kommen, obwohl dieser nur drei Meter entfernt von besagter junger Frau steht und ebenfalls vom See aus gesehen werden konnte. Lustig auch wie die wahrscheinlich einzig modern attraktiv gekleidete Frau des Streifens (er spielt in einer typisch biederen Kleinstadt) durch eine triste, verlassene Gegend im Gewerbegebiet-Stil unpassend zur Kulisse umher stolpert, um schließlich freilich vom Killer verfolgt und gefasst zu werden. Schmunzelnd fühlte ich mich an den Postillion-Artikel um eine Frau erinnert, die absichtlich durch dunkle Gassen ging, da ihr Pfefferspray fast abgelaufen ist. 

Leider werten derartige Belustigungen das müde Treiben nicht auf, welches sich viel lieber um die alltäglichen Nichtigkeiten uninteressanter Menschen in durchschnittlichen Wohngegenden kümmert, anstatt die Gefahr hervorzuheben, dass ein maskierter Killer einen nach dem nächsten meuchelt. Nie schlägt der Killer überraschend zu, seine Szenen unterscheiden sich von Beginn an von den Momenten der öden Kleinstadtseifenoper. Zumindest ist es nett anzusehen, wie er mit der Axt auf seine Opfer einschlägt. Das ist simpel, wie nett getrickst, aber in keiner Härte dargeboten, die zumindest Gorehounds neugierig machen würde. "Axolution" weiß weder als Horrorbeitrag, noch als alternative Geschichte im Slasher-Gewand zu funktionieren. Er ist schlichtweg missglückt, obwohl Regisseur José Ramón Larraz nun wirklich schon genügend Jahre Regie- und Horrorerfahrung mit an Bord brachte. Vielleicht war er in den wenigen Horror-Komödien die er ablieferte besser aufgehoben als im ernsten Bereich des Genres. Auffällig in seinem Schaffen ist zumindest der zwei Jahre später entstandene, mir nicht bekannte, "Savage Lust", dessen Inhaltsangabe sich wie eine Fortsetzung des hier besprochenen Streifens liest.  OFDb

18.04.2022

KARNEVAL DER BESTIEN (1980)

So reizvoll "Karneval der Bestien" in der Theorie auch klingen mag, meiner Meinung nach zählt er zu den schwächsten Filmen mit Paul Naschy (der diesmal auch Regie führte), egal ob aus Trashsicht betrachtet oder bezüglich ernst gemeinten alternativen Filmgeschmacks. Der Titel ist ohnehin Augenwischerei, die Bestien (egal ob im tierischen, oder im menschlichen Sinne) bekommen nur wenige Minuten gegen Ende beschert, der Karneval ebenso. Alles was dem voraus geht schaut sich widersprüchlich zur vorhersehbaren Finalpointe und ist mit Blickwinkel auf den Aufhänger lediglich Füllmaterial. Betrachtet man dieses Füllmaterial nicht geblendet von der Marktstrategie der Produzenten als Hauptgeschichte, fällt schnell die Orientierungslosigkeit auf, die der Streifen sowohl mental, als auch in der Charakterzeichnung, sowie auf der Suche seines Zentrums besitzt. Letztendlich wohnt man hauptsächlich einem theatralisch vorgetragenen Drama bei, in dessen Geschehen eine Figur ins Zentrum gerückt wird, die uns in der recht lang ausgefallenen Vorgeschichte zuvor überzeugend als unsympathischer Mörder, Verräter, Dieb und Herzensbrecher vorgestellt wird, angekommen im Hauptszenario aber plötzlich alle Herzen für sich gewinnen soll, ohne dass das Drehbuch oder der (wie immer) überforderte Naschy selbst etwas dazu beitragen diesen neuen Fokus für den Zuschauer verständlich und nachempfindbar vorzubereiten. Da fällt am Rande mal ein Geständnis, dies jedoch derart beiläufig und nicht als Entschuldigung oder Reue formuliert, sondern doch nur vorgetragen um mit der neuen Liebgewonnenen Süßholz zu raspeln. 

Nur selten werden Spannungsmomente oder morbide Szenen eingeworfen, geschieht dies soll der Zuschauer durch den Anblick eines fremden Augenpaares, das durch Spalte in Wand und Türen schaut, beunruhigt werden. Da es an einer Heranführung mangelt, weshalb das Augenpaar gefürchtet werden muss, und nicht einmal die wenigen Anspielungen auf etwas Unheilvolles in ihre Richtung schlagen, funktioniert dies freilich nicht. Die sehr langweilig und brav gehaltene Hauptgeschichte bekommt man mit derartigem nicht aufgepeppt. Das schaffen nicht einmal die viel zu selten und meist zu spät eingebrachten Morde, die uns zumindest nett getrickste Leichenbilder nach den Taten des Unbekannten zaubern. Wenn "Human Beasts" (Alternativtitel) erst einmal zu Ende erzählt ist und sein Geheimnis, welches im Alternativtitel "Cannibal Killers - Human Beast" bereits verraten wird, offenbart, wird aus "El carnaval de las bestias" (Originaltitel) dennoch kein zusammenhängendes Ganzes, da am Ende alles keinen wirklichen Sinn ergibt, selbst die halbwegs durchdachten Elemente, denen es an psychologisch sinnvollen Zusammenhängen mangelt. "The Beasts' Carnival" (Alternativtitel) ist unglaublich langweilig und ereignislos ausgefallen, kaum Horrorfilm, auch als Drama eine Niete und lädt auch nie wirklich zum Rätselraten ein, was im ominösen Haus völlig normal scheinender Leute scheinbar merkwürdiges passiert. Gleichgültig wirft man irgendwann, erschöpft von der Ereignislosigkeit des Geschehens, die Neugierde über Bord, enttäuscht von einem Film, der nicht weiß was er will. Zumindest weiß ich nicht was er wollte. Es interessiert mich auch nicht mehr.  OFDb

30.01.2022

DIE VAMPIRE DES DR. DRACULA (1968)

Neulingen, die mit dem Namen Paul Naschys noch nichts anzufangen wissen, kann man "La Marca del Hombre-lobo" (Originaltitel) durchaus ans Herz legen, um herauszufinden ob einen der naive Touch seiner Horrorbeiträge zusagt oder nicht, spielt er meiner Meinung nach doch im Mittelfeld des Schaffens des seinerzeit erfolgreichen Darstellers. Da gab es Besseres und Schlechteres zu sichten. Vor allen Dingen aber ist es ein geradezu typischer Genrebeitrag des nicht gerade mit viel Talent gesegneten spanischen Stars, spielt er doch wieder einmal den Waldemar Daninsky, der immer alternative Geschichten darüber erlebt, wie er den Werwolf-Fluch erhält und mit diesem Schicksal lernen muss umzugehen. Theatralik und blauäugiger Grusel tummeln sich zuhauf, und es liegt am Charme des Ganzen, sei es durch den Retroaspekt erreicht, oder durch die liebevollen Settings und optischen Einfälle einer an sich simpel arbeitenden Kamera, dass das Ergebnis nicht rein zur unfreiwillig komischen Unterhaltung verkommt, sondern stattdessen zusätzlich eine gewisse stimmige Atmosphäre erreicht. Aber man muss eben Zugang zu Werken wie diesen finden, die wie Laientheater dargeboten sind und von einem ganz eigenen naiven Geisterbahn-Spuk leben, in welchem wild verschiedene Versatzstücke des Horrorbereichs verarbeitet werden. Der Titel "Die Vampire des Dr. Dracula" verrät bereits die Beimischung des Blutsaugeraspekts. 

Hexen wie im Alternativtitel "Hexen des Grauens", oder Frankenstein und sein Monster, wie der amerikanische Alternativtitel "Frankenstein's Bloody Terror" suggeriert, sind hier diesmal jedoch nicht auszumachen. Für einen Naschyfilm fällt "Hell's Creature" (Alternativtitel) zudem ziemlich unblutig aus. Stattdessen wird für den reißerischen Schauwert jedoch ordentlich gefoltert, und eine hübsche Vollbusige, die zu den ersten Opfern des wiedererweckten Vampirgrafen gehört, sorgt für zusätzliche Reize. Über die Spezialeffekte sollte man besser kein Wort verlieren, auch wenn das Werwolfsgesicht Naschys zu wirken weiß. Und der Obervampir fuchtelt mit seinem Mantel derart freudig penetrant herum, als hätte er sich diese Rolle von Kindheit an einmal gewünscht. Aber gerade diese verspielte, nie Perfektion anvisierende, sondern stattdessen in vielen Bereichen eher amateurhaft anmutende Herangehensweise ist es, was Naschyfilme ausmacht, die etwas langweiligeren ebenso, wie die kurzweiligen. Auch diesbezüglich schwimmt "The Wolfman of Count Dracula" (Alternativtitel) irgendwo in der Mitte mit Es gibt stets genug Schauwerte, öde wird es nie, aber es tut gut jemanden dabei zu haben, mit dem Mann beim Zuschauen ein wenig schwätzen kann, zumindest wenn "The Mark of the Wolf Man" (Alternativtitel) nicht der erste Ausflug in die Arbeiten Naschys ist, denn "The Werewolf's Mark" (Alternativtitel) bietet einige Elemente vergangener und zur Entstehungszeit noch kommender Werke dieses Mannes, so dass sich vieles bereits bei der Erstsichtung wie Wiederholung anfühlt. Frei von Sympathie ist aber auch dieser Streifen nicht ausgefallen, auch wenn ich etwas mehr Wohlwollen an den Tag legen musste, als bei manch anderem seiner Genrebeiträge.  OFDb

05.10.2021

PAINTBALL (2009)

Während sich "Paintball Massacre" ganz klar dem typischen Slasher-Muster zugehörig fühlt, geht der 11 Jahre zuvor entstandene "Paintball" andere Wege. Durch die Tötungsmethode mit einer Schusswaffe actionhaltiger ausgefallen und damit zunächst nicht die typisch brutalen, körpernahen Tötungsmethoden eines Jason und Co anwendend, schaut sich der spanische Horrorbeitrag trotz Wald, mordendem Irren und dem 10-kleine-Negerlein-Prinzip nicht wie "Freitag der 13." und Co. 

Wendungen, welche den Hintergrund und die Motivation des Killers beleuchten, verfrachten den Streifen schließlich zu jenem Zeitpunkt weiterhin von diesem Vergleich weg, wenn der Täter auch mal sadistischere Tötungsmethoden anwendet, die wiederum typisch für den Bereich des Slashers sind. Hier stößt zum bisherigen Mix aus "Graf Zaroff" und "Zero Boys" nun noch der zur Entstehungszeit z.B. in "Hostel 3" und "Cabin in the Woods" gern angewendete Aspekt einer dritten, übergeordneten Partei hinzu. Das fühlte sich 2009 frischer an, als es dies heute tut (siehe "The Furies"), besitzt in seiner Perversion aber dennoch seinen Reiz, zumal Regisseur Daniel Benmayor die meisten Figuren dieser spät eingebrachten Gruppierung stets nur im Schatten zeigt, was sie auf der einen Seite Phantom-artig erscheinen lässt, passend zu ihrem feigen Mittäter-Agieren im Hintergrund, letztendlich aber auch traurig verkümmert hinter dem Plexiglas stehend erscheinen lässt, so wie ihr Seelenleben letztendlich ausgefallen ist. 

Ich bin mir bei diesem Aspekt nicht sicher, wie gewollt er ist, eine Absicht diesbezüglich wäre den Verantwortlichen dieses Streifens jedoch zuzutrauen, ist "Paintball" zwar nicht sonderlich geistreich ausgefallen, aber bei weitem auch nicht so geistfrei, wie viele andere Werke der harten Gattung. Manch künstlerische Elemente sind durchaus bemerkbar. Sei es die sehr lässige und damit auch manchmal arg ruckelig ausgefallene freie Kameraführung, oder auch die Genre-brechende Idee die nicht gerade zimperlich stattfindenden Morde stets über die Wärme-Nachtsicht-Kamera des Jägers einzufangen. Das dürfte manchem Gorehound nicht schmecken, wenn er die Taten nur Facetten-artig sichtet und weiße Flecken dort entdeckt, wo er gern rotes Blut sehen würde. Meiner Meinung nach reduziert diese faszinierend anzuschauende Optik jedoch nicht die Härtewirkung der radikalen Vorgehensweise des Mörders und weiß auch in dieser Form zu schocken. 

Auch ansonsten weiß "Paintball" gut genug zu gefallen, ist er doch trotz manch zu penetrant ausgefallener Streitigkeiten innerhalb der inkompatiblen Gruppe in seinem Minimalismus interessant genug ausgefallen, dass man sich genug für das Schicksal der Personen interessiert, und insgesamt auch stimmig genug umgesetzt, inklusive diverser Spannungsmomente, um genügend zu unterhalten. Nicht jede Handlungsweise auf Täterseite muss man verstehen, weder die Hilfe per Funk, noch jene entscheidende Wendung des Jägerstolzes wirkt psychologisch sinnvoll. Aber das tut dem Unterhaltungswert keinen Abbruch, zumal man beim Sichten eines solchen Streifens sicherlich keine hohe Kunst erwartet. "Paintball" funktioniert in seinem schlichten Gewandt gut genug, eben weil er nicht zu viel anvisiert, und das was er bietet entsprechend richtig angeht. Bei all den vielen Rohrkrepierern an Horrorproduktionen ist ein solch schlichtes Ergebnis für den Vielseher im Genre somit definitiv ein Glücksgriff.  OFDb

29.08.2021

BOY MISSING (2016)

Dass es immer häufiger an guten Drehbuch-Autoren mangelt, macht sich nicht nur in den USA, dem Mainstream-Land schlechthin, bemerkbar. Auch Spanien beweist mit "Boy Missing", dass man alles andere gut im Visier hat, den mitunter wichtigsten Bereich der Filmkreation jedoch nicht. So dürfen wir hervorragend fotografierte Aufnahmen sichten, talentierte Schauspieler beobachten, wie sie gekonnt ihre Rollen ausfüllen, welche, das muss man zugestehen, vom Autor interessant charakterisiert sind. Handwerklich wirkt "Secuestro" (Originaltitel) wie großes Kino. Und ein interessanter Aufhänger, auch wenn er völlig anders ausgefallen ist als der Text des deutschen DVD-Covers vermuten lässt, ist interessanter Natur und weckt gerade mit der angeblich frühen Enttarnung des Täters Neugierde. Dies tut er jedoch hauptsächlich deswegen, weil man mit dieser frühen Auflösung inhaltlich nun etwas anderes erwartet, als die üblichen Thriller vorzuweisen haben. 

Nun kann ich nicht gerade behaupten jede Wendung des Streifens vorhergesehen zu haben, diesbezüglich weiß das Buch manches Mal zu überraschen, aber diese Wendungen führen stets zum üblichen Einheitsbrei. So bekommt der Zuschauer dennoch das Gefühl nichts neues erzählt zu bekommen. Anstatt einen raffinierten Plot um Lüge und Schein zu kreieren, spielt sich recht schnell alles zu sehr in klischeehaften kriminellen Kreisen ab. Innerhalb des eigenen Umfeldes der Anwältin hätte die Geschichte meiner Meinung nach mehr gewirkt (was die kurzen Blicke auf die Machenschaften hinter der Justiz-Kulisse beweisen), zumal ich es nicht für glaubwürdig halte wen die Hauptfigur in ihrer Vergangenheit gedatet und unwissend zum Vater gemacht hat. Dass sie mit ihrem egoistischen, selbstgerechten Verhalten nicht zur Sympathiefigur wird, ist von den Verantwortlichen des Streifens so gewollt und auch gut so, ist sie doch ein vielschichtiger Charakter, der sicherlich interessant zu verkörpern gewesen ist. Dass sie jedoch nicht wirklich als Identifikationsfigur fungiert, ist wiederum dem Drehbuch geschult, dass uns viel zu nah an die Ermittlungen der Polizei heranführt, als dass man mit der eigentlichen Hauptfigur mitfiebern könnte. Zumindest beweist der Autor, der nicht immer so durchdacht vorgeht wie es zunächst den Eindruck macht, ein Verständnis für seine Hauptfigur und für das Ziel der Handlung, so dass der Streifen zumindest in seiner Pointe sehr gelungen ist.  OFDb

26.07.2021

DER GOTT DES GEMETZELS (2011)

Der Facettenreichtum dessen, was "Der Gott des Gemetzels" an Heuchelei in unserer Gesellschaft offenbart, ist nicht von schlechten Eltern. Da geraten unterschiedliche Mentalitäten aneinander, Vorurteile, Klischees und Unterdrücktes werden thematisiert und kommen ans Licht. Geschlechter attakieren in ihrem unterschiedlichen Denken einander. Die gesellschaftliche Schicht, sowie der unterschiedlich ausgeprägte Intellekt werden zu Werkzeugen und Angriffsflächen. Die Identifikation mit der Arbeit, dem Hobby und mit der Familie werden in Nichtigkeiten und Wichtigkeiten seziert. Streitkulturelle Ehrlichkeit und politische Korrektheit, Sensibilität und grobes Verhalten, offenes Aussprechen und verblümte Umschreibungen treffen aufeinander. Und all dies zeigt uns den Menschen hinter dem zivilisierten Kompromiss, der verhindern soll dass wir alle aufeinander losgehen. "Der Gott des Gemetzels" will uns verdeutlichen, sofern wir es vergessen haben, dass das Ungeschönte in uns dennoch stets präsent ist und was passiert, wenn wir es aufgrund einer Streitigkeit heraus lassen. 

Interessant ist u.a. der häufige Perspektivwechsel. Menschen offenbaren sich als anders als zuvor ausgelebt und dargestellt, Parteien formieren sich neu, verschiedene Themen und Argumente schweißen jeweils andere Personen aneinander. Die Selbstrefelexion läuft nie so gekonnt wie die Schuldzuweisung, die Moral und das Recht auf Egoismus werden eingefordert, das Missionieren anderer wird angeprangert und der Ignoranz gegenüber gestellt, intellektuelles Denken gerät mit emotionalem Denken aneinander. Persönliche Blickwinkel legen sich Eigenschaften und Erkenntnisse so zurecht, dass sie dem eigenen Weltbild und der Selbstwahrnehmung nicht widersprechen, so dass aus ihnen Rechtfertigungen, Ausreden, Beschimpfungen und Selbstmitleid werden. Kultiviertes Verhalten wird als Lebensstrategie entlarvt und damit als purer Egoismus dargestellt, kurzum erleben wir in diesem Kammerspiel allerhand menschliche Wahrheiten aus subjektiven Sichtweisen vorgetragen, in welchen sich Reife und Unreife, Treffsicheres und Unpassendes, sowie Grenzsetzung und freies Aussprechen stets abwechseln und vermischen.

Dass man sich zum extremen Ausufern der Situation den Alkohol zunutze macht, kommt "Carnage" (Originaltitel) in seiner Glaubwürdigkeit gelegen. Denn so sehr er auch das zivilisierte Verhalten gekonnt aushebelt und die Gesellschaft psychologisch gekonnt reflektiert, nicht immer kommt der Streifen im natürlichen Fluss wirkend, unverkrampft daher. Zudem beinhaltet er, auch aufgrund dieser manchmal verkrampft wirkenden, sicher auch dem Theater-Ursprung des Skripts geschulten,  Herangehensweise, kleine Unglaubwürdigkeiten. Dass eine der vier Personen sich, nachdem sie meist der vermittelnde Part war, als vollkommen asozial im tiefsten Herzen herausstellt, wirkt psychologisch nicht gekonnt herausgearbeitet, zumal die Offenbarung sehr plötzlich, ohne passenden Auslöser, vonstatten geht. Auch das Fehlen eines Hinarbeiten zu einer gezielten Pointensetzung fehlt dem Mix aus Drama und Komödie, an welchem der Autor der Bühnenvorlage zusammen mit Regisseur Roman Polanski am Drehbuch arbeitete. Das Szenario endet willkürlich, arg plötzlich, und dass ich dies nicht als positives Stilmittel empfinde, obwohl ein Schnitt mittendrin mehr Sinn macht als ein Pseudo-Schluss, wie z.B. eine Aussprache, liegt sicher auch daran, dass ein Hamster als Pointenersatz herhalten muss. 

Mit diesem möchte sich der Film weit augenzwinkernder, distanzierter, verspielter und verschmitzter geben, auch unterstützt durch die Leichtigkeit, welche die Hintergrundmusik versucht einzufangen, als er in seinem tiefsten Herzen mit seiner alles durchschauenden, intellektuellen Vorbildposition aus allen Poren eigentlich atmet, sich subtiler wahrnehmend, als er oftmals mit dem Holzhammer hantierend stattdessen arbeitet. Somit ist auch dieses aus Menschenhand geschaffene Produkt nicht frei von den im Film angesprochenen menschlichen Schwächen. Deswegen macht diese Eigenschaft den fertigen Film auch nicht unsympathisch, zumal er auch weiß wovon er berichtet und frei von Moral und Parteiergreifung ausgefallen ist. Das Ziel der Satire verfehlt er nicht, und hervorragende Schauspieler sorgen für den Rest.  OFDb

25.07.2021

DRACULAS GROSSE LIEBE (1973)

Paul Naschy als Dracula? Dass dies von der Besetzung her nicht passt, macht selbst der Sohnemann Naschys in einem Vorwort auf der deutschen Bluray-Veröffentlichung deutlich. Ebenso erwähnt er, dass Naschy auf den hier besprochenen Streifen besonders stolz gewesen wäre. Das weiß zu belustigen, wenn man "Draculas große Liebe" erst einmal gesehen hat. Denn es ist ein naiver Film, wie es die Horrorbeiträge mit Naschy im Zentrum meistens sind, ein Genre-Beitrag der heute nicht einmal mehr einen 9jährigen erschrecken würde. Es ist eben jene Art simpler Vampirfilm, wie er auch in Peter Vincents Sendung in "Fright Night" laufen könnte, so gnadenlos klassisch wie er die Elemente um seine Vampirthematik präsentiert, so wunderbar billig wie die Optik dieser Wesen ausgefallen ist. Hinzu kommt die typische Theatralik spanischer Werke dieser Art, die man beim besten Willen nicht ernst nehmen kann. Aufgrund der herrlich unsensibel angegangenen Romantik, die sich bereits im Titel ankündigt, mündet sie in einem wundervoll unfreiwillig komischen Höhepunkt zum Schluss, wenn mit dem letzten Atemzug nach einem völlig unerwarteten Suizid der Name der Geliebten ausgesprochen wird. 

Hier zementiert sich all die Schundklassik, die der Streifen dem Zuschauer zuvor Häppchen-weise zuschmiss. "Vampire Play Girls" (Alternativtitel) lässt nichts vermissen: Kerzen, die mit magerem Licht ganze Räume erstrahlen lassen, umher schleichende Menschen mit Kerzenständern in alten Gemäuern, pseudo-erotische Momente, eine Kutschfahrt durch den Wald inklusive durchgehender Pferde, Dracula in klassischer Garderobe, die Lüsterne, die Jungfrau und die tote Verwandte Draculas, die auf ihre Wiedererweckung wartet - und freilich die Geschichte eines Fluchs, der von Draculas großer Liebe verlangt, dass sie sich freiwillig hingibt. Einer wunderbar dämlichen Zeremonie darf man ebenfalls beiwohnen, eine Mystik um den Wechsel Draculas Äußerem wird erschaffen, ohne sie konkret zu nutzen, "Cemetery Girls" (Alternativtitel) ist voll von klassischen Zutaten in dilettantischer Umsetzung, dass es eine Freude ist dem Treiben zuzusehen, und mag es auch noch so mit möchtegern-dramatischen Dialogen gestreckt sein. 

Gute Spezialeffekte sucht man vergebens, manch morbide Idee ist mit an Bord, selten schlägt Javier Aguirres Regiearbeit auch mal härtere Töne an. Der von Paul Naschy selbst verfasste Film entfacht inmitten seines blauäugigen Unsinns und inmitten seiner fehlerhafter Umsetzung (erstaunlich wie wenig man versuchte Tagaufnahmen, die nachts spielen sollen, optisch zu verfremden) Charme, auch durch kurzfristig aufkommende, stimmige Momente, die zeigen wie naiver Grusel mit etwas mehr Können tatsächlich hätte fruchten können. Aber jedweder Mime des Streifens besitzt kein Talent, jegliches Feingefühl für Dramatik und Figuren, sowie auch nur ein Hauch für psychologisches Verständnis, fehlen völlig, und so dominiert freilich der stümperhafte Großteil, der wahrlich zu unterhalten weiß. Mancher Drehort und die Ausstattung ist geglückt, fast alles weitere in "El gran amor del conde Drácula" (Originaltitel) lebt lediglich von seinem Unvermögen, eingekleidet in einer sich wohlig, klassisch, modrig anfühlenden Geisterbahn-Atmosphäre für Nostalgiker überholter Kinotage.  OFDb

29.12.2020

DIE LETZTE STUNDE (1982)

In der Theorie klingt das Vorhaben der Schöpfer von "Die letzte Stunde" reizvoll. Man nehme ein Endzeit-Szenario mit gesellschaftskritischem Hintergrund, in welchem nur eine handvoll Menschen überleben, und diese lässt man irgendwo zwischen Mensch und Tier agieren. Dies nicht nur aufgrund einer Welt, in der es keine Gesetze mehr gibt, oder durch den Überlebenswillen gesteuert, zusätzlich wirken die Figuren degeneriert, eine Entwicklungsstufe oder zwei zurückversetzt, von einem Moment auf den anderen. Das ist unglaubwürdig, da aber symbolisch gemeint lässt man sich als aufgeschlossener Zuschauer drauf ein. Die Protagonisten kein einziges Wort sprechen zu lassen, ist eine bizarre Methode die Entmenschlichung zusätzlich hervorzuheben und beschert dem Werk einen besonderen Touch. Doch die kann ebenso wenig fußen, wie der karge Spielort, der die zerstörte Erde gut widerspiegelt. Denn wirkliche Talente waren bei der Fertigstellung von "Human Animals" (Alternativtitel) leider nicht am Werk. Die dröge Landschaft wird lediglich dröge eingefangen, der Weltuntergang wirkt nicht wirklich bestürzend, geschweige denn beängstigend auf die Überlebenden, die wiederum arg plump von Drehbuch und Regie sinnbildlich Adam und Eva gegenüber gestellt werden. 

Ganz übel sieht es jedoch bei der Darstellerwahl aus. Ob es um den Machtkampf zweier Männer um die letzte Frau geht, um die Erleichterung des Überlebens oder anderweitige Momente der Freude, ob es um das wortlose Verkörpern von Alpha-Tier, Mitläufer und sich durchsetzender Unterdrückter geht, das Spiel der drei ist so amateurhaft, wie es auch der psychologische Gehalt der Geschichte und das Verständnis diesbezüglich ist. Da wird peinlich verkörpert, da zu theatralisch gekünstelt, gelacht, gestritten, gefickt und überlebt. Und um noch einen reißerischen Aspekt der Thematisierung um das Tier im Mensch einzubringen, dürfen wir zudem einer Sodomie-Szene beiwohnen, die "Animals Racionales" (Originaltitel) eine Art Kultstatus bei einem sehr genügsamen alternativen Publikum im Laufe seiner Existenz beschert hat. Dass das sperrige, dümmliche und unmotiviert dargebotene Filmchen zu lediglich zwei Arbeiten des Regisseurs Eligio Herrero gehört, die im selben Jahr abgedreht wurden, bevor besagter Mann seine Arbeit in diesem Gebiet aufgab, verwundert nicht. So innovativ und interessant dieses Fast-Experiment auch klingen mag, das scheinbar ganz bewusst auf typische Aspekte der Thematik um eine atomar verseuchte Erde verzichtet (z.B. der Möglichkeit langsam an einer Strahlenerkrankung zu sterben), das Ergebnis ist leider lediglich plump zu nennen. Dieser Begriff bringt jegliches Problem, welches der Streifen besitzt, perfekt auf den Punkt.  OFDb

11.10.2020

EIN TOTER LACHT ALS LETZTER (1973)

"Ein Toter lacht als Letzter" ist ein sonderbarer Rache-Horror, schaut er sich doch nur bedingt wie ein Beitrag seines Genres, was am stark durchschimmernden augenzwinkernden Grund-Ton liegt. Die Geschichte stellt eine Art Duell zweier Fronten dar, in welchen gekonnt Schuld und Unschuld, sowie Gerechtigkeit und Unrecht verschwimmen. Sie werden so subjektiv thematisiert, wie sie auch im wirklichen Leben erscheinen, doch von diesem ist die Groteske in ihrer charmanten Übertreibung weit entfernt. Die ganze Erzählart von "Ab in die Hölle" (Alternativtitel) kann man als verspielt betrachten. Die gar nicht so kleinen, bösen Streiche, die lediglich schelmisch anmuten sollen, kommen mit einer Penetranz daher, die unseren Helden stets fragwürdig erscheinen lassen. Vom Drehbuch strategisch gesetzte Rückzieher nach übergriffigen Taten gewinnen keinesfalls die ohnehin nie vorhandene Unschuld der Hauptfigur zurück, wie uns das Verhalten des Protagonisten eigentlich suggerieren soll. Dennoch besitzt "Brut des Satans" (Alternativtitel) kein undurchdachtes Drehbuch, man ist sich vollkommen darüber bewusst was man erzählen will und warum man jegliche Seite, die miteinander konfrontiert ist, überzogen und widersprüchlich scheinend präsentiert. 

Letztendlich ist der dritte und letzte Film von Regisseur Claudio Guerin Hill trotz seiner düsteren Art ein schwarzhumoriger, augenzwinkernder Streich, dem seine Aussage der Doppelmoral zwar wichtig ist, selbst aber zu keinem moralischen Werk wird, sondern stattdessen das Individuelle eines jeden Menschen feiert, ohne dies in vorbildlichem Verhalten zu präsentieren. Ob es die Pointensetzung ist, in welcher wir endlich die Bedeutung der im Originaltitel "La campana del infierno" und diversen Alternativtiteln erwähnten Glocke erfahren, ob es besagter Umgang mit Gerechtigkeitsempfinden und Schuldbewusstsein ist, oder schlichtweg die muntere, sehr unterschiedlich ausgefallene, Charakterisierung der einzelnen im Vordergrund stehenden Figuren, sowie diversen unscheinbar wirkenden Randfiguren, "Glocken zur Hölle" (Alternativtitel) besitzt in seinem frechen Ton und seiner verwirrenden Art eine kurzweilige, durchdacht anmutende Erzählkraft, die ihn äußerst sympathisch erscheinen lässt und manch handwerklich mögliches Defizit als ein Stilmittel erscheinen lässt. Somit wird nie hundertprozentig klar was in der oftmals ruppigen Umsetzung Absicht ist und was nicht, erst der Gesamteindruck und das Muster das hervor bricht, lassen einen klarer vermuten. In dieser Art ist "The Bell of Hell" (Alternativtitel) sicherlich kein Werk für jedermann, ganz im Gegenteil, aber Cineasten, die so verspielt an andersartige Filme herangehen, wie es Hill mit seinem hier besprochenen tut, werden ihre helle Freude mit dem sehr eigenständig ausgefallenem Sonderling von Rachefilm haben.  OFDb

01.10.2020

THE MUMMY'S REVENGE (1973)

Carlos Aureds und Paul Naschys dritte gemeinsame Zusammenarbeit widmet sich dem klassischen Mumien-Thema, was in der Gesamtarbeit Naschys als ungewöhnlich hervor sticht. Deswegen wurde ich neugierig über ein Werk, das es nie nach Deutschland geschafft hat, in den USA mit englischem Ton und Untertiteln aber immerhin in einer, für Menschen wie mich, die kein Wort spanisch sprechen, verständlichen Version zu erwerben war. Zwei Fassungen gibt es von "The Vengeance of the Mummy" (Alternativtitel), freilich gab ich mir die zwei Minuten längere Version. Leider war es die längere Version eines Filmes, der sich ohnehin schon arg lang anfühlt, ist er doch zäh wie Kaugummi erzählt, so brav wie er sich (wie zu erwarten) schlecht gespielt an den üblichen Handlungsablauf der berühmten Printvorlage hält und somit eine weitere Verfilmung des Stoffes "The Jewel of the Seven Stars" aus dem Jahre 1903 von Bram Stoker darstellt. Schon die professioneller geratenen Verfilmungen mag ich meist nicht, die Grundlage trifft scheinbar nicht meinen Geschmack. Aber ich vermute, dass die Langeweile, die "La venganza de la momia" (Originaltitel) ausstrahlt, auch jene Zuschauer befallen dürfte, die sich eigentlich für den Stoff interessieren dürften. 

Carlos Aured reichert den Streifen zwar mit einigen für seiner Zeit derben Gore-Effekten an, aber die verteilen sich rar über die Gesamtlänge und können ein Werk, welchem es ansonsten an jedem nennenswerten Pluspunkt fehlt, ohnehin nicht bedeutend aufwerten. Fast schon unerträglich sind jene Füllszenen ausgefallen, in welchen wir theatralischen Dialogen lauschen müssen, die wie schlecht gespieltes Theater anmuten und die vorhersehbare, da allseits bekannte, Geschichte lediglich ausbremsen. Manch stimmige Kameraaufnahme weiß zu gefallen, aber selbst dies lässt die eher mager ausgefallene Optik der zentralen Kreatur nicht wesentlich besser erscheinen. Einen funktionierenden Spannungsbogen, geschweige denn eine dichte Atmosphäre, fehlt völlig. Diesem Werk sollte ein Jahr später noch die Zusammenarbeit "Blue Eyes of the Broken Doll" folgen, bevor sich die Wege von Aured und Naschy trennten. Erstgenannter drehte außerhalb des Horror-Genres später u.a. noch "Teuflische Mission" und "Apocalipsis sexual", bevor er  1985 mit seiner letzten Arbeit "Gefangene der Angst" in den Horror-Bereich zurückkehrte. Seinen austauschbaren und todlangweiligen "The Mummy's Revenge", der gerade im Vergleich zu Beiträgen aus den Hammerstudios zudem äußerst mager im Bereich der Dekoration ausgefallen ist, kann man sich getrost sparen, so interessant der Gedanke Naschy in einem Mumien-Horror zu sichten auch scheinen mag.  OFDb

06.09.2020

TERMINATOR 6 - DARK FATE (2019)

Nun wird nach dem unbeliebten "Terminator 5" wieder einmal alles zurück gespult auf das Ende von "Terminator 2", dem letzten richtig anerkannten Teil der Reihe, um diesen fortzusetzen. Diesmal schrieb der Regisseur der ersten Teile am Drehbuch mit, um seine Vision einer Fortführung seiner Kinoerfolge umzusetzen, und er produzierte "Terminator - Dark Fate" zudem gleich mit, mit Ruhm hat sich James Cameron damit allerdings nicht bekleckert. Letztendlich ist dieser erneute Teil 3 nicht besser oder schlechter ausgefallen als Teil 5 und "Terminator 3". Er bezieht sich sogar auf die Idee von Letztgenanntem, dass es einfach deswegen weiter geht, weil die Entwicklung nun einmal zu einem späteren Zeitpunkt so weit ist, lässt dafür konsequenter Weise Skynet nie geschehene Zukunft sein und eine andere künstliche Intelligenz auf die Menschheit los, lässt diese aber weit weniger konsequent ebenfalls Terminatoren bauen und durch die Zeit schicken, inklusive dem flüssigen Modell aus dem ersten Sequel. Das macht keinen Sinn, allerdings legt es das Drehbuch ohnehin nicht darauf an eine geistreiche Geschichte zu servieren. 

Der Zuschauer soll möglichst nonstop wuchtige Action erleben. Ruht sich die Geschichte einmal für dramatische oder gar philosophische Momente aus, so werden diese für den geistlosen Schnellzweck dümmlich verbretzelt, anstatt aus den durchaus interessanten Ansätzen tatsächlichen Tiefsinn am Rande zu zaubern. Da kann man mit leben, erwarten tut man ohnehin nichts geistreiches mehr von einem Großprodukt dieser Art. Dass man sich jedoch keine Mühe gibt dem Zuschauer die Figuren näher zu bringen, verärgert tatsächlich, bleibt "Terminator 6 - Dark Fate" damit doch ein zu oberflächliches Produkt, zumal er ohnehin nur die Geschichten der Vorgänger variiert neu abspult, anstatt eigene Ansätze zu erfinden und einen neuen Verlauf darauf aufbauend zu konstruieren. Einziger Lichtblick ist der schnell verpuffende Aufhänger Sarah Connors ihren Sohn nach der Errettung der Menschheit ironischer Weise durch eine Macht verloren zu haben, die in Zukunft nicht mehr existieren wird, und selbst dieser sympathische Aspekt wird zu schnell und lieblos abgespult, als dass sich die Geschichte damit gehaltvoller und die Figur damit tiefsinniger anfühlt. 

Nach dem x-ten Scheitern einer gescheiten Fortsetzung hat man immer noch nichts dazu gelernt. Der Film ist für den schnellen Dollar gedreht, die drei entscheidenden Namen James Cameron, Arnold Schwarzenegger und Linda Hamilton haben als Zuschauermagnet zu reichen, anstatt endlich mal wieder mutig voran zu preschen, um sich einen Erfolg auch zu verdienen, was sehr schade ist, da es vielleicht die letzte Möglichkeit war alle drei für eine Fortsetzung zu vereinen. Was hätte dies zusammen mit einem intelligenten Projekt, welches den Schöpfern tatsächlich am Herzen liegt, für Potential geboten im sonst so feigen Blockbuster-Kino von heute? Nun ja, nun ist es nun mal, wie es ist, wie zu erwarten ist die fünfte Fortsetzung keine Offenbarung. Als geistloser Science Fiction-Action ist er aber immerhin zügig und flott genug erzählt, um nicht zu langweilen. Er unterfordert höchstens durch die immergleiche Geschichte, nicht durch zu extreme Dümmlichkeit und lässt sich somit angenehm geistlos konsumieren. 

Angenehmer wäre aber auch diese simple Art des Schnellverzehrs ausgefallen, wenn sich das Ganze nicht immer wieder derart penetrant beim Publikum mit Verweisen auf Kultszenen aus den beliebten Vorgängern anbiedern würde. Zumal man das Herz der beiden Kultfilme mit der mechanischen Mentalität lediglich eine Auftragsarbeit abzuliefern ohnehin mit Füßen tritt und sich mit dem hier vorliegenden Projekt lediglich damit absichern möchte mittels eines Generationenwechsels weiterhin fleißig Fortsetzungen drehen zu können, wenn die ehemaligen Stars längst ins Gras gebissen haben. Das klappte bei "Star Wars - Das Erwachen der Macht" und seinen Fortsetzungen etwas besser, während die beiden "Creed"-Filme zeigten wie man es richtig macht, indem man den neuen Figuren auch wahre Charaktere beschert, anstatt sie nur als hohles Gefäß durch den Film stampfen zu lassen. Und wenn man schon dies nicht schafft, sollte man sich zumindest Mimen ins Boot holen, die ein gewisses Charisma versprühen. Das mag auf der Seite der Guten ja noch recht ordentlich, zumindest aber akzeptabel, funktioniert haben, der böse Terminator ist von der Besetzung her jedoch ein schlechter Scherz.  OFDb

05.09.2020

BLUE EYES OF THE BROKEN DOLL (1974)

"Blue Eyes of the Broken Doll" stellt nach "Blutmesse für den Teufel", "Die Todeskralle des grausamen Wolfes" und "The Vengeance of the Mummy" die vierte Zusammenarbeit mit Paul Naschy für Regisseur Carlos Aured dar. Sie war auch seine letzte, widmete sich der Mann doch danach vorerst diversen anderen Genres, oftmals im Krimi- und Erotikbereich, bevor er mit "Gefangene der Angst" 1985 zum Horror-Genre zurückkehrte und mit besagtem Werk auch seine 13jährige Tätigkeit als Filmschaffender beendete. Wie in den anderen Gemeinschaftsfilmen zuvor, so widmeten sich die beiden erneut einem anderen Bereich des Horrorfilms. Nach der Thematik um Okkultismus, dem Hexen- und Werwolfsfluch, sowie der Rache einer Mumie, geht es diesmal um einen Frauenmörder, thematisch orientiert an italienischen Giallos, in seinem spanischen Flair jedoch völlig anders interpretiert und dargeboten als dort üblich. 

"House of Doom" (Alternativtitel) ist ein wundervoll abgefilmter Genre-Beitrag, dem man aufgrund der stimmigen Bilder und seines besonnenen, europäischen, langsamen und atmosphärischem Grundtons manche Länge verzeiht. Insgesamt ist "House of Psychotic Women" (Alternativtitel) dann aber doch zu langatmig und unaufgeregt ausgefallen, als dass man sich tatsächlich dauerhaft für seine Erzählung interessieren könnte. Schauspielerisch ist ohnehin wenig zu holen bei Produktionen dieser Art, die Darsteller können an diesem Zustand somit wenig retten. Wirklich missglückt fühlt sich dieses charmante Werk jedoch trotzdem nicht an. Es interessiert sich lediglich etwas zu intensiv für die Nebensächlichkeiten und vernachlässigt dabei manchen Punkt, den man unter den Schwerpunkten vermutet hätte. Die Mordsequenzen fallen oftmals fast beiläufig aus, brechen auch gerne mal abrupt ab, was immer dann besonders schade ist, wenn Kamera und Regie eine stimmige Komposition zur Einleitung einer solchen Szene setzten. 

Zudem reitet man etwas zu sehr auf dem seelischen Leiden der Protagonisten herum, was gerne in Theatralik mündet, die zwar zum offenbar absichtlichen Theater-Flair passt, welches hier immer wieder durch schimmert, aber doch stets eine Spur zu sehr über das Ziel hinaus schießt. Das mag zwar typisch für spanische Produktionen dieser Art aus dieser Zeit sein, fällt inmitten eines zu unaufgeregt dargebotenen Horrorgeschehens jedoch eine Spur zu penetrant aus. Gelungen kann man hingegen das Rätselraten um den Mörder nennen, da so einige Kandidaten zu den Verdächtigen gehören und es uns das Drehbuch nicht gerade einfach macht zu erahnen, wer da nun meist mit dem Rasiermesser tätig wird. Die Auflösung kann man als gelungen betrachten, zumal sie eine interessante Idee bereit hält. Und ohnehin sind die finalen 15 Minuten wesentlich kurzweiliger und interessanter ausgefallen, als der Rest des Streifens, so dass die stimmige Zusammenarbeit von Bild, Regie und Musik dort endlich so intensiv wirken kann, wie es der Streifen bereits viel früher verdient hätte.  OFDb