TÖDLICHE NEBEL (I diafanoidi vengono da Marte 1966 Antonio Margheriti)


Man feiert im All gerade Silvester, da wird eine Raumstation von einer gasförmigen Substanz angegriffen und lässt die Mitarbeiter dort leblos scheinend erstarren. Während man den Vorfall untersucht, entdeckt man fremdgelenkte ehemalige Kollegen, gesteuert von einem durchs All wandernden, körperlosem Wesen, welches in der menschlichen Spezies den idealen Wirt vermutet...


Körperfresser auf dem Mars...

Ich erinnere mich an ein Wolkenwesen, welches die Crew von "Raumschiff Enterprise" beschäftigte. Und kürzlich war ich von der Idee aus "Tag" fasziniert, dass ein Wind ganz bewusst einen Menschen verfolget. Körperlose Erscheinungen, die an ein Wetter erinnern, wecken bei mir ein gesondertes Interesse, warum auch immer, weshalb mich der Titel "Tödliche Nebel" lockte. Dieser stellt den zweiten Teil einer relativ zusammenhanglosen, 5 teiligen Science Fiction-Reihe dar, die mit "Raumschiff Alpha" ihren Anfang nahm, und mit der japanisch/amerikanischen Co-Produktion "Monster aus dem All", dem einzigen Beitrag den nicht Regisseur Antonio Margheriti beisteuerte, ihr Ende nahm. Auslöser der Ereignisse im hier besprochenen Film sind tatsächlich Nebelwolken, aber auch funkelnde Lichter, die scheinbar für die selbe Kreatur stehen. Allerdings begnügte man sich nicht mit der Bedrohung eines körperlosen Wesens, letztendlich steuert man schließlich auf eine Variante der Körperfresser aus "Die Dämonischen", bzw. dessen Inspiration von Heinleins "Puppet Masters" hin, filmisch erstmals umgesetzt mit "The Brain Eaters".

Die Menschen werden vom Nebel besetzt, also fremdgesteuert wie in Heinleins Idee, jedoch von innen anstatt von außen. In "Planet der Verdammten" (Alternativtitel) mündet dieser Ansatz trotz des Anliegens lediglich triviale Unterhaltung abliefern zu wollen, in der Kritik fremdgesteuerter Lebensweisen. Da das fremde Wesen davon überzeugt ist der Menschheit mit der Gleichschaltung ein besseres Leben zu bescheren, wird deutlich Kritik an Gruppenformen, die dies ansteuern, geübt, also Religionsformen, extremistische Politorientierungen und freilich auch Sekten, die sich keiner göttlichen Orientierung annehmen. Da wird von Menschenseite aus die Freiheit des Individuums angeführt in den sinnlosen Debatten mit dem arroganten Wesen, und auch wenn die Zukunft, wie sie uns der italienische Genre-Beitrag aufzeigt, militärisch geordnet ist, und somit ebenfalls in Extremsituationen einer Gleichschaltung bedarf, so ist die zentral getroffene Aussage doch im richtigen Film zu Hause. Immerhin zeigt uns dieser zu Beginn die Lebensfreude und freie Lebensansichten jener Menschen, die später vereint gegen die Bedrohung kämpfen müssen. In einer Zeit der Anpassung wirkt solch ein vergangenes Relikt zunächst belustigend, gerade in einem Weltallabenteuer. Aber warum eigentlich? Es ist doch gut was wir hier zu Beginn des Streifens sichten dürfen. Schließt sich das Ziehen am gemeinsamen Strang und individuelle Charaktere mit Lebenslust gegenseitig aus?

Freilich ist "In der Gewalt des Todesnebels" (Alternativtitel) so sinnig und unsinnig wie es schlichte Schnellschuss-Werke dieser Zeit in diesem Genre nun einmal waren. Wissenschaftliche Unsinnigkeiten, zwischenmenschliche Blauäugigkeit, in Margheritis Werk findet sich alles wieder, was den B-Film-Bereich zu einem solch berüchtigten Bereich macht. So darf der Mensch beispielsweise sinnlos mit Pistolen um sich schießen, wissentlich auf ein körperloses Wesen abzufeuern, dem das herzlich wenig ausmacht. Der Aggressor begeht in seiner extremen Überheblichkeit völlig bescheuerte Fehler, und das Drehbuch freilich auch, z.B. dann wenn es uns zeigt wie sich Wehrende von der Kreatur getötet werden, unsere Helden in selber Lage aber erst fort geschickt werden, bevor man sich ihrer entledigen will. Aua, aua!

Aber gerade wegen dem Mix aus faszinierender Abenteuer und nicht zu Ende gedachter Szenarien schaut man sich als Freund der leichten Unterhaltung derartige Filme schließlich an. Glaubt man den Worten des menschlichen Anführers, der freilich selbst fremdgesteuert wird, handelt es sich bei dem licht- und nebelartigem Wesen um eine einzige Kreatur, was im Widerspruch zu manchen Inhaltsangaben im Netz steht, die aufgrund des Auftretens mehrerer Wolken, von mehreren Wesen sprechen. Der Gedanke dass eine Kreatur so viele Menschen bewohnt fühlt sich jedoch weit mehr bedrohlich an und passt freilich zur Religions- und Führerkritik des Streifens. Dass in einem blauäugigen Film sich trotzdem nichts wirklich bedrohlich anfühlt, dürfte klar sein, sprechen wir hier doch von einem naiven Abenteuer, dem wir beiwohnen - und leider auch von einem das einige Längen besitzt und als 45 minütige Folge einer Science Fiction-Serie, wie der eingangs erwähnten, besser aufgehoben gewesen wäre. In diversen Hintergrundtätigkeiten, so z.B. auch als Regieassistent, war anbei Ruggero Deodato mit am Film beteiligt.


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DER SCHRECKEN AUS DER MEERESTIEFE (Destination Inner Space 1966 Francis D. Lyon)


Mitarbeiter einer Unterwasserstation sichten in den Meerestiefen ein Ufo. Als es nur wenige Meilen von der Station stillsteht, tauchen Forscher zu dem fremden Objekt, erkunden es und bringen einen ungewöhnlichen Gegenstand von dort mit. Im Labor entdeckt man, dass das mitgebrachte Ding wächst, und kurz darauf hat man einen Außerirdischen vor Ort, der die Crew attackiert. Er flüchtet zwar, sucht aber immer wieder die Forschungsstation auf um Menschen anzugreifen...


Die Amphibie aus dem All...

Im Gegensatz zu den Monsterfilmen der 50er Jahre setzte man in den 60ern bereits auf den Farbfilm, tauchte Geschichten wie diese etwas mehr in den Abenteuerfilmbereich und reduzierte die aufregende Terrormusik ein wenig, ohne komplett auf sie zu verzichten. Modern schaut sich "Der Schrecken aus der Meerestiefe", der es in Deutschland lediglich zu einer deutsch untertitelten Super 8-Fassung schaffte, deswegen noch lange nicht, wirkt er doch auch für sein Jahrzehnt recht antiquiert, so sehr wie er noch auf den Erzählstil des Vorjahrzehnts setzt. Und die unprofessionelle Herangehensweise entlarvt ihn immer wieder als Billigprodukt, welches mehr möchte als es liefern kann. Inhaltlich haben wir es in etwa mit einem Mix aus "Der Schrecken vom Amazones" und "Auf U-17 ist die Hölle los" zu tun. Das sind beides keine großen Vorbilder, und doch sind sie unterhaltsamer ausgefallen als der zu schleppend erzählte Film von Regisseur Francis D. Lyon, der nach diversen Arbeiten an TV-Serien hauptsächlich Western drehte, sich letztendlich aber an fast jedem Genre versuchte. Die beiden Horrorfilme "Cult of the Cobra" und "Castle of Evil" gehen ebenfalls auf sein Konto, der hier besprochene Film streift dieses Genre jedoch nur, da er sich eher dem abenteuerlichen Aspekt der Begnung einer fremden, aggressiven Kreatur widmet, anstatt dem gruseligen.

Das Wesen, um welches es zentral geht, wird klassisch mit einer Person im Gummikostüm dargestellt, jedoch nutzte man die Umsetzung per Farbfilm, um der grünen Kreatur zusätzlich einen farbenfrohen Iro-artigen Körperschmuck zu bescheren. Das Alien sieht zudem recht putzig aus, funktioniert also freilich nur aufgrund seines Retro-Charmes und nicht deswegen, weil es tatsächlich furchterregend wirken würde. Bis zu seinem ersten Auftritt warten wir 39 Minuten, davor darf lediglich geforscht werden, jedoch nicht auf dem intellektuellen Niveau eines "Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All" und "Phase IV", sondern auf die plumpe, reißerische und militante US-Art, wie üblich für das Genre vergangener Sehgewohnheiten. Hier wird mit einer Selbstgerechtigkeit, Überheblichkeit und im Sinne Gottes wichtigstes Geschöpf zu sein gehandelt, dass gar nicht erst die Frage aufkommt, ehrfürchtigen Kontakt mit der fremden Spezies aufzunehmen. Das Raumschiff erkundet man freilich auf die Schnelle, ohne tatsächlich etwas zu erforschen oder die eventuell einmalige Gelegenheit dafür zu nutzen zumindest ein paar Fotos zu schießen, stattdessen macht man sich über das unbekannte Ding her, wie Kleinkinder ein Objekt erforschen. Da wird überall sinnlos drangetatscht, Klappen geöffnet und alles mit weit aufgerissenen Augen betrachtet. Es fehlte nur noch dass unsere Forscher das Ding in den Mund nehmen, aber das ist aufgrund der Größe ja ohnehin nicht möglich.

Theoretisch zumindest - denn dass es sich bei dem Raumschiff nicht gerade um ein großes Objekt handelt, verrät der Meeresboden. Der lässt es nicht zu, dass die Miniatur so groß wirkt wie es die Verantwortlichen des Streifens gerne hätten. Gleiches gilt für die Forschungsstation, die nicht einen Augenblick lang jene Größe vortäuschen kann, welche Lyon uns eigentlich vorgaukeln möchte. Da der glaubwürdige Zauber fehlt und sich alles stets so schaut, wie tatsächlich umgesetzt, inklusive des Wassertanks im Filmstudio, entführt uns "Terror of the Deep" (Alternativtitel) nie wirklich in eine fremde Welt und verzaubert uns somit auch nicht mit dem verspielten Gedanken ein außerirdisches Unterwasserwesen würde die Menschheit bedrohen. Wobei dieser Ansatz ohnehin viel zu übertrieben ausgedrückt ist, terrorisiert es doch lediglich ohne all zu viele tatsächliche Erfolge eine handvoll Leute, die trotz ihres tolpatschigen Verhaltens am Ende als die Sieger hervorgehen. Putzige Momente hat "Destination Inner Space" (Originaltitel) zu bieten, aber wirklich interessant oder gar kurzweilig ist er nicht ausgefallen, zumal er aufgrund seines Jahrzehnts auch gleich über 80 Minuten laufen muss, wohingegen viele 50er Jahre-Vertreter angenehme 75 Minuten Laufzeit hatten. Dass so ziemlich keiner das fertige Produkt ernst nehmen kann, ist aus meiner Sicht verständlich. In den USA kam es dann auch gleich spottend unter dem Label "Cheezy Flicks Entertainment" auf DVD heraus, auf dem Rückencover gleich ein paar Filmfehler aufzählend, den dieser herrlich missglückte Film vorzuweisen hat. Leider ödet er mehr an, als dass er unfreiwillig komische Kurzweile versprühen würde.


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DAS TODBRINGENDE UNGEHEUER (The Deadly Mantis 1957 Nathan Juran)


Eine prähistorische Riesengottesanbeterin, die im arktischen Eis eingeschlossen war, erwacht nach einem Eisbeben zu neuem Leben und bedroht die Menschheit...


Das Militär als Kammerjäger...

Inspiriert durch "Formicula" und Co erschien mitten in der 50er Jahre Monsterfilm-Welle "Das todbringende Ungeheuer", ein bei uns in Deutschland bislang nur auf Super 8 erschienener Horrorfilm, der eine übergroße Gottesanbeterin als Bedrohung präsentiert. Wo oftmals Mutationen oder der Wahn der Forschung zuständig für die Übergröße der Tiere in solchen Werken sind, da handelt es sich diesmal um eine prähistorische Kreatur, die nun auf die moderne Welt losgelassen wird. Zunächst interessiert sie sich für die Militärflugzeuge, dann in einem sehr stimmig umgesetzten Szenario auch für die Forschungsstation in der Arktis, bis sie sich schließlich pflichtgemäß auf den Weg in die USA macht, damit der Zuschauer von einst sich besser mit der Bedrohung identifizieren kann.

Prinzipiell folgt man dem üblichen Ablauf einer solchen Geschichte, überraschend ist an "The Deadly Mantis" (Originaltitel) so gut wie nichts ausgefallen, außer eventuell die Schlusspointe, die sich nach dem Tod der Bestie noch einen augenzwinkernden Moment gönnt, in welchem gekonnt mit dem möglichen Erwachen der eventuell nur tot scheinenden Kreatur gespielt wird. Ansonsten erleben wir das klassische Heldengetue des Militärs dieser Zeit, den Wissenschaftler, der sich diesem System verpflichtet fühlt und ehrenhaft seine Arbeit verrichtet, und eine Angst auslösende Kreatur, die weit weniger Miniaturbauten zerstört als man meinen würde. Zur Belustigung der Männer darf es noch eine emanzipierte Frau zu sichten geben, die drolliger Weise einer Arbeit nachgeht, was gerade in der Schlussszene nicht gerade ernst genommen wird. Und natürlich fragt sich auch diesmal niemand, ob es weitere Tiere dieser Art gibt - und seien sie auch noch nicht geschlüpft.

Während der auf reißerischen Dokumentarfilm getrimmte Einstieg ins Geschehen, der ordentlich Werbung für das Militär und ihr tolles Radarsystem macht, eher sperrig daher kommt, fällt der restliche Streifen trotz Mangel an Überraschungen recht charmant und kurzweilig aus. Das liegt aber auch daran, dass die Gottesanbeterin die Protagonisten stark auf Trab hält. Allein bis man endlich einmal anhand eines abgebrochenen Körperteils der Bestie herausgefunden hat um welche Gattung Insekt es sich handelt, benötigt einiges an Laufzeit. Danach ist es das Vieh höchst persönlich, welches immer wieder optisch simpel, aber hübsch eingefangen, für Aufregung sorgt. Die Insektenattrappe weiß weit mehr zu wirken als manches Konkurrenzprodukt wie z.B. jenes aus "The Monster from Green Hell" oder "Tarantula". Und im Sinne eines bösartigen Aussehens hat man mit einer Gottesanbeterin wahrlich zum richtigen Tier gegriffen, das weit mehr zu erschrecken weiß als spätere Tier-Horror-Versuche mit Kuschelhunden oder Hasen.

Mit Nathan Juran hatte man ohnehin einen Routinier an Bord, bescherte uns der gute Mann doch u.a. auch "Die Augen des Satans" und "Angriff der 20-Meter-Frau" bevor er 1973 mit "The Boy Who Cried Werewolf" seinen letzten Film ablieferte. "The Giant Mantis" (Alternativtitel) erfindet den Monsterfilm nicht neu, sondern hält sich ganz brav an die damaligen Sehgewohnheiten eines Standard-B-Monstermovies. Aber die gut gewählte und optisch bedrohlich eingefangene Kreatur (außer wenn sie fliegt, dann sieht sie nicht erst mit Retroblick lediglich drollig aus), sowie das häufige Auftauchen des Aggressors, und der Versuch es möglichst detailreich aus verschiedenen Perspektiven einzufangen, inklusive schleimtropfender Nahaufnahme, lassen "The Incredible Praying Mantis" (Alternativtitel) die angenehme Art Routine sein, so dass keine ernsthafte Chance auf einen Anflug von Langeweile besteht. Innovativ sieht anders aus, aber der Monsterfilmfreund bekommt wonach er sich sehnt, und das ist doch schließlich die Hauptsache.


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GHOST KILLER (Ghosts That Still Walks 1977 James T. Flocker)


Eine Psychologin untersucht per Hypnose einen Fall, in welchem eine ganze Familie unter einer ominösen Pechwelle leidet, und entdeckt dadurch eine übernatürliche Ursache, die sich während eines Urlaubs zugetragen hat...


Seelenwanderung...

"Ghost Killer" ist nicht gerade ein passender Name für den im Original betitelten "Ghosts That Still Walks". Es ist nicht so, dass er völlig daneben liegt, letztendlich suggeriert er jedoch einen anderen Inhalt als er tatsächlich, die Wörter einhaltend, präsentiert. Hier kehrt kein Mörder aus dem Jenseits zurück, wie es beispielsweise später bei "Horror House" geschehen ist. Viel eher handelt der Film von einem Mysterium, dessen Erklärung die Auflösung des Streifens ist, weswegen es hier nicht verraten werden kann. Nur so viel sei erwähnt, der Weg zum Ziel ist gepflastert mit manch ominösen Vorkommnissen, die uns meist aufgrund der Hypnose erst per Rückblick offenbart werden. Diese Methode ist ungewöhnlich gewählt und verleiht dem kostengünstig produzierten Streifen einen besonderen Touch. Letztendlich tut das zeitliche Zusammenwürfeln der Handlung sogar recht gut, da der Film selbst für seine Entstehungszeit übertrieben knochentrocken erzählt ist und in seiner Langsamkeit selbst bei einem engagierten Publikum viel Geduld erfordert. Die Erzählform in zeitlich linearer Orientierung hätte da sicher zwischen unaufgeregt und aufgeregt mit zu langen Pausen hin und her gependelt und somit noch mehr Geduld vom Publikum abverlangt als ohnehin schon.

Zwar störe ich mich ein wenig am zu dominant eingebrachten Esoterik-Touch, allein die Orientierung der Psychologin ist äußerst lächerlich zu nennen, zumal jedwede Person trotz dieser zwielichtigen Berufsrichtung vollstes Vertrauen in die Frau hat. Diese Kritiklosigkeit lässt vermuten es bei den Verantwortlichen des Streifens tatsächlich mit Esoterikern zu tun zu haben. Aber wie auch immer, trotz dieser, zumindest für mich, dunklen Wolke, die da über den Geschehnissen dieses Horrorfilmes schwebt, weiß der Film mitunter aufgrund seiner zähen Erzählweise eine gewisse Faszination zu entfachen. Ich sage es gleich vorweg, diese Faszination konnte mich keinen kompletten Film lang fesseln, irgendwann empfand ich das Ergebnis von "Besessen von Dämonen" (Alternativtitel) als zu langweilig. Und seinen Schluss würde ich in der Überschwemmung an gefühlsduseliger Esoterik gar als lächerlich bezeichnen, man verzeihe mir meine Arroganz. Aber eine Zeit lang funktioniert Flockers vierter Spielfilm recht passabel, zumal er in der Hauptrolle der alten Dame faszinierend besetzt ist.

Kleine Besonderheiten werten das eher nüchterne Gesamtbild ein wenig auf. Zwar fragt man sich während der ganzen Vorkommnisse, warum das bislang unbekannte Übernatürliche so wirkungslos und fast schon unbeholfen agiert, allein schon weil man die Zusammenhänge zwischen Spuk und unserer Wirklichkeit noch nicht verstehen kann, aber dieser sich sinnlos anfühlende Terror, den diese Macht da entfacht, sorgt für gute Momente. Allen voran sei freilich die recht ordentlich getrickste Attacke sich selbst bewegender Steine und Felsbrocken genannt, die für wenige Minuten wahren Terror zu entfachen vermag, aufgrund des zu lang laufenden Szenarios jedoch an Intensität verliert. Das sind kleine Lichtblicke innerhalb eines Filmes, der auf seine nüchterne Art interessant beginnt und mit fortschreitender Laufzeit immer unbedeutender und langweiliger wird.

Wirklich ernst nehmen konnte ich den Film nicht. Dass er in der Trash-Collection erschien verstehe ich, auch wenn ich den Stempel Trash selber nicht verwenden würde, dafür ist "Erinnerungen an die Vergangenheit" (Alternativtitel) zu engagiert ausgefallen und außerdem umgesetzt wie gewollt. Trash ist in meinen Augen eher ein humoristisch gehaltenes Scheitern, welches ein Unvermögen verdeutlicht. Sicher war es nicht das Ziel mich zu langweilen, von daher kann man im gewissen Sinne von Unvermögen sprechen. Aber "Ghosts Killer" (Alternativtitel) ist kein peinlicher Film, selbst für Esoterik-Kritiker wie ich einer bin. Das Ergebnis ist freilich so oder so keine Empfehlung wert. Vielleicht mag ihn wer, der sich länger auf trockene Stoffe konzentrieren kann, als ich es tu, wobei ich mich eigentlich schon als recht hartnäckig bezeichnen würde, was dies betrifft, liebe ich doch den trockenen Erzählstil des 70er Jahre-Kinos.


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YETI, DER SCHNEEMENSCH (The Abominable Snow Man 1957 Val Guest)


In einem buddhistischen Kloster stößt der englische Forscher Dr. Rollason auf ein amerikanisches Team, welches aufgrund neuer Beweise hoch oben im Himalaya-Gebirge eine Expedition auf der Suche nach dem Bigfoot starten will. Rollason bekommt die Chance teilzunehmen und nimmt diese wahr, obwohl es sich nicht gerade um ehrbare Leute handelt...


Das große Warten auf des Menschheits Untergang...

Ich habe in meinem Cineastenleben schon allerhand Fantasy- und Horrorfilme zum Thema Bigfoot, Yeti und Sasquatch gesehen, und so ziemlich jeder Beitrag dazu war Mist. Ausnahmen boten lediglich zwei schlichte Unterhaltungsfilmchen, und das war die Komödie "Bigfoot und die Hendersons", die nicht ins Genre passt mit ihrer zahmen Familienunterhaltung, sowie der B-Film "The Abominable", der mit wenig Anspruch gesegnet recht gut zu funktionieren weiß. Der Titel verweist auf den jüngst von mir gesichteten "The Abominable Snow Man", der bei uns als "Yeti, der Schneemensch" erschien und eine Hammer-Produktion besetzt mit Peter Cushing ist. Wenn es eine Chance gab ein gelungenes Produkt zu dem Mythenwesen zu erhaschen, so dachte ich mir, dann doch in diesem Falle. Nach Sichten des Streifens habe ich zwar noch immer keinen wahrlich guten Yeti-Film gesehen, aber zumindest ist der mit Retrocharme gesegnete Beitrag von Val Guest, der für Hammer auch die Quatermass-Filme "Schock" und "Feinde aus dem Nichts" inszenierte, so sympathisch ausgefallen wie besagter B-Film aus den 00er Jahren. Das ist bei der schlechten Quote zu diesem Thema immerhin bereits ein Glücksgriff.

Wirklich gut geht der Streifen nicht los, denn die Szenen im buddhistischen Kloster sind etwas arg geschwätzig ausgefallen. Gerade der optisch an Boris Karloff in "Der Rabe - Duell der Zauberer" erinnernde Oberbuddhist geht mit der Zeit gewaltig auf den Senkel, reißt er doch stets die Augen weit auf um zwielichtig oder zumindest grotesk zu wirken, aber er liefert lediglich ein monotones Affentheater ab, welches in seiner leeren, pseudowichtigen Geschwätzigkeit nicht gerade dabei hilft atmosphärisch gut durchzustarten oder Interesse für den Zuschauer zu wecken. Mit Ankunft der Amerikaner kommt Stimmung in die Bude, macht Guest den kulturellen und damit einhergehenden intellektuellen Unterschied zu den Engländern doch ohne große Umschweife deutlich, und das soll einer der Pluspunkte des Streifens im allgemeinen bleiben. Selbst oben im Himalaya, egal ob in ruhigen Szenen oder in Augenblicken der Angst, der kulturelle Unterschied wird stets hervorgehoben, zeigt uns die Unhöflichkeit der Amerikaner mit der groben Kelle, aber auch (ob beabsichtigt oder nicht) jene der Engländer auf subtilere Art. Rollason ist voll von Vorurteilen, Selbstgerechtigkeit und sieht sich, nicht immer zu recht, über den Ungebildeten stehen. Somit gibt es Sympathiefiguren nur in den Nebencharakteren, und das ist ungewöhnlich für seine Zeit zu nennen, wie gesagt eventuell auch gar nicht so gewollt, aber es weiß zu wirken.

Im Himalaya am erhofften Stützpunkt angekommen, kommt "The Snow Creature" (Alternativtitel) endgültig in Fahrt. Hier kommt nun atmosphärische Stimmung auf, auch aufgrund der glaubwürdig umgesetzten Location, die zu guten Teilen tatsächlich im Freien spielt und von der Kamera imposant eingefangen wird. Hier mitten im Frost will man sich schon ohne Bedrohung im Rücken nicht den Arsch abfrieren, die gefährliche Situation macht das Ganze um so unangenehmer, und ein Schneesturm soll dafür sorgen, dass es noch ungemütlicher wird als ohnehin schon. Erschwerend kommt hinzu, dass man sich einer Bedrohung nicht stellen kann, wenn man so gut wie nichts sehen kann. "The Abominable Snowman of the Himalayas" (Alternativtitel) entpuppt sich mit der Zeit jedoch als humaner Streifen, sprich die Thematik orientiert sich schließlich an der Frage, wer die wahre Bedrohung ist, der Schneemensch oder der Mensch. Um dies konsequent umzusetzen, verzichtet der Film lange Zeit auf das Zeigen der Kreatur, lediglich Körperteile wie Arme und Beine bekommen wir zu sichten. 

Das Warten bis zum Erblicken des kompletten Wesens lohnt sich und hält eine Überraschung parat, die das Erwartete entgegen kehrt. Vielleicht enttäuscht die Richtung, die "Yeti, der Schneemensch" gegen Ende einschlägt manchen Freund härterer Stoffe, immerhin fährt der Horrorgehalt hier stark zurück, aber da man sich damit an die klassische Form des Horror-Dramas a la "Frankenstein" orientiert, geht das Ergebnis eigentlich in Ordnung, vorausgesetzt man hat zu solch eher lächerlicher Thematik nicht ernsthaft mit einem großen Filmerlebnis gerechnet. Wahrscheinlich gibt es zu diesem Thema deshalb keinen gelungenen Film, da der Gedanke an solch eine Kreatur, bzw. der Glaube es könne ein derartiges Wesen existieren, einfach zu lächerlich ist um es konsequent umsetzen zu können. Die hier besprochene Produktion ist diesbezüglich den besten Weg gegangen und hat es tatsächlich halbwegs geschafft die Peinlichkeit der Thematik zu umgehen. Hut ab!


EIN DICKER HUND (1982 Franz Marischka)


Millionär Bittermagen und sein Hausarzt Pfiff sind zwei alte Herren, die gerne Wetten abschließen. Um die neueste zu gewinnen tischt Bittermagen seinem Neffen Tommi und Pfiffs Tochter Julia auf, dass er sterbenskrank wäre und schickt die beiden als konkurrierendes Team mit jeweiligem Partner auf eine ereignisreiche Schnitzeljagd...


Ein dünner Plot...

Dass die 60er und 70er Jahre Klamaukkomödien Deutschlands mit Heimatfilmcharakter und Schlagersingsang ihr Ende gefunden haben, wollte manch einer in den 80er Jahren einfach nicht wahr haben. So tauschte man beispielsweise besagten Schlager gegen NDW aus, um Nena und Markus in "Gib Gas - Ich will Spaß" gegen die alte Garde auszutauschen, oder, wie im hier vorliegenden Falle, sparte man sich die Musikeinlagen fast komplett und mixte alte Vertreter besagter Gattung Film mit neuen, bzw. gerade wieder aktuellen Stars. Während Relax als eine der miesesten NDW-Bands tatsächlich als Band, anstatt als gespielte Rolle, zwei Hits beitragen darf, wird von Schauspielerseite aus überhaupt nicht gesungen. Der Humor der alten Dekade bleibt jedoch erhalten und zeigt in seiner Gnadenlosigkeit das Untalent der hier beteiligten Verantwortlichen hinter der Kamera auf.

Ich selbst habe mich im Laufe der Zeit der Komödienkost der 60er und 70er Jahre geöffnet und bin von meiner bisherigen Arroganz herabgestiegen, um den Werken eine tatsächliche Chance zu geben. Tatsächlich habe ich dadurch einige sympathische Werke entdeckt, sei es der grenzwertige, aber überraschend gut funktionierende, "Otto ist auf Frauen scharf", oder der harmlosere, aber äußerst unterhaltsame, "Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut", in welchem man es sogar schaffte Paul Löwinger positiv agieren zu lassen, dem es im selten dämlichen "Musik, Musik, da wackelt die Penne" inmitten von Peinlichkeiten gelang am peinlichsten zu agieren. "Ein dicker Hund" strahlt weder die Sympathie, noch den gelungenen Humor der ersten beiden Beispiele aus, wird in seiner grenzdebilen Infantilität und dem Unvermögen der meisten Beteiligten aber auch keine Trash-Granate wie letztgenannter Streifen. Zu verkrampft auf lustig getrimmt, ohne das Gespür für Timing, Choreographie und guter Witze zu besitzen, setzt er jeden seiner Darsteller des gnadenlosen Fremdschämens aus, was je nach Schauspieler überraschend oder als Dauerzustand ausfällt.

Willy Millowitsch spielt wie früher, also peinlich und wenig überzeugend, Heinz Schenk absolviert einen Gastauftritt, der eher Leergeschwätz als tatsächliche Lustigkeit beinhaltet, Gunther Philipp, einer der Lichtblicke der vergangenen Komödien-Dekade, wird verheizt, bekommt kaum Chancen zu zeigen was er kann, ist sich aber ebenso wie der Rest für keine Peinlichkeit zu schade (was in anders gearteten Werken oftmals ein Vorteil sein konnte), Helga Feddersen lässt wahrlich alles bis zur Ekelgrenze mit sich machen, im verzweifelten Versuch dadurch ein witziges Ergebnis zu ernten, was sie inmitten all der unlustigen Zoten am würdelosesten erscheinen lässt, und als Jungstar engagierte man Thomas Ohrner, der nicht nur ebenso unbegabt wie Hansi Kraus, der Jungstar der vergangenen Dekade, schauspielert, sondern zu alle dem auch noch unsympathischer wirkt als dieser. Man muss fast gesehen haben wie dilettantisch hier alle gemeinsam ein Kräftemessen des schlechten Humors abliefern, um wahrlich ein Ergebnis untersten Niveaus zu erreichen. Selbst Zuschauer die in den vergleichbaren Werken der zwei Jahrzehnte zuvor den Kopf schüttelten, werden einen extremeren Niveauabfall bemerken, als es bei den umstrittenen Klamauk-Komödien ohnehin schon immer der Fall war.

Franz Marischka, dem wir auch die üblen Filme "Sunshine Reggae auf Ibiza", "Die unglaublichen Abenteuer des Guru Jakob" und die "Lass jucken Kumpel"-Reihe zu verdanken haben, zeigt wieder einmal dass er es nicht kann. Verzweifelt versucht er dieses Meer an Peinlichkeiten, welches von einer nicht vorhandene Geschichte ablenken soll, mit zusätzlichen Schauwerten aufzuwerten, so z.B. mit einer längeren Szene bei den Winnetou-Festspielen, freilich kann man aber mit solchem Blickfang inmitten von dauerbestrahltem Unvermögen nichts mehr retten. Zahm umgesetzt, aber doch vorhanden, versucht es der gute Mann gelegentlich gar mit etwas weiblicher Nacktheit, wohingegen sich die Frauen mit Thomas Ohrner in Unterhose begnügen müssen, aber auch hier siegt selbstverständlich das Fremdschämen - leider auch mit Blick auf Gunther Philipp, der in solchen Momenten als Lustgreis nichts von seinem üblichen grotesken Charme zu versprühen weiß. Ich weiß nicht wie ich es in geselliger Runde geschafft habe diesen Müll bis zum Schluss zu schauen, aber ich habe es geschafft, ständig über die Dreistigkeit jemandem derartiges gegen Geld vorzusetzen lachend, anstatt über die gewollten Witze.


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PARANORMAL ACTIVITY 2 - TOKO NIGHT (Paranômaru akutibiti: Dai-2-shô - Tokyo night 2010 Toshikazu Nagae)


Haruka kommt mit zwei gebrochenen Beinen aus ihrem Amerikaurlaub zurück. Im Haus des Vaters kümmert sich ihr Bruder Koichi um sie. Als unheimliche Vorkommnisse geschehen, beginnt Koichi diese mit Videokameras aufzuzeichnen. Von Nacht zu Nacht schaukelt sich die Extreme der paranormalen Ereignisse hoch...


Parallele Aktivitäten...

Im selben Jahr, in welchem "Paranormal Activity 2" einen der gruseligsten Filme den ich kenne enttäuschend fortsetzte, entschied sich jemand in Japan von "Paranormal Activity" inspiriert seine eigene Fortsetzung zu drehen. Was sich zu Beginn als alternatives Szenario zum amerikanischen Original schaut, entpuppt sich im Laufe seiner Geschichte als direkte Fortsetzung, stehen doch die Ereignisse von einst im Zusammenhang mit dem was in Japan geschieht. Dennoch schaut sich der von Toshikazu Nagae inszenierte "Paranormal Activity - Tokyo Night" (Alternativtitel) großteils eher wie eine Neuverfilmung des nervenzerrenden Erstlings. Mag die Rahmensituation auch eine andere sein, die Stationen der Geschichte sind die selben. Das unsichtbare Wesen geht Schritt für Schritt vor wie in Amerika, es wird jemand mit paranormaler Erfahrung kontaktiert, selbst der Schluss gleicht dem des Originals etwas zu sehr, so dass manch einer das hier Gezeigte aufgrund zu vieler Wiederholung als arg nüchternes Ergebnis empfinden mag.

Einfallsreich sieht anders aus, aber gerade mit Blick auf den amerikanischen Teil 2 trumpft das schlichte Ergebnis von "Paranômaru akutibiti: Dai-2-shô - Tokyo night" (Originaltitel) als die bessere Fortsetzung. Vergleichbar in seinem Ergebnis wäre er am ehesten mit "Paranormal Activity 3", auch was das Gruselergebnis betrifft. Schlaflose Nächte wie Oren Pelis Erfolgsfilm bescheren beide Filme nicht, aber gelegentliche Gruselmomente blitzen definitiv auf, so dass keiner von ihnen zum Langeweiler verkommt. Zumindest ist man bemüht Situationen, egal ob schlicht oder gruselig geraten, und die Charaktere die sie erleben interessant zu gestalten, so dass man nicht seelenlosen Hüllen dabei zusehen muss, wie sie sich fürchten und das Treiben sinnlos abfilmen. Sicher ist wie so oft im Found Footage-Bereich nicht jede gefilmte Situation nachvollziehbar, manch einer von uns hätte, selbst mit Blick auf solch ein Videoprojekt, manches mal die Kamera liegen gelassen, gerade dann wenn man panische Schreie in Todesangst von der Schwester hört. Aber das ist ein Makel mit dem der Bereich der selbstgedrehten Optik nun einmal mitunter leben muss, wird also nur die engstirnigsten Zuschauer ernsthaft verärgern.

Seine wahren Negativpunkte beweist "Paranormal Activity 2 - Tokyo Night" eigentlich immer in den vergeigten Möglichkeiten sich von Teil 1 abheben zu können. Den Japanern traut man aufgrund dessen, dass sie ihre Zuschauer nicht zwingend in Watte packen und aufgrund der dort häufig anzutreffenden Filme, die etliche Genres miteinander vereinen, überraschende Wendungen zu. Aber nichts passiert in dieser Richtung, brav folgt man den klassischen Spukgeschehnissen, dicht orientiert an jenem amerikanischen Film, der einen inspirierte. Veränderte Situationen, wie die beiden gebrochenen Beine oder die parallelen Videoaufnahmen aus zwei Räumen gleichzeitig, werden kaum bis gar nicht kreativ genutzt. Hier hätte man nun wirklich die Erwartungen des Publikums sprengen können, um den bislang gewohnten Pfad zu verlassen und Richtung eigenen Terror abbiegen zu können. So bleibt der Streifen jedoch bis zum Schluss eine Blaupause des Originals, nicht ohne Sympathie inszeniert, aber doch nicht mehr als simple Unterhaltung bietend, die dem Gruselgehalt des Erstlings nicht im Ansatz das Wasser reichen kann. Die Tokyo Night-Variante ist definitiv die bessere Alternative zum amerikanischen ersten Sequel, ein nennenswerter Film ist diese Ehrverbeugung von Toshikazu Nagae, der auch die Zeichentrickversion von "Eko eko azaraku" inszenierte, jedoch nicht geworden.


Weitere Besprechungen zu Paranormal Activity 2 - Tokyo Night:


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EIN KÄFER AUF EXTRATOUR (1973 Rudolf Zehetgruber)


Ein windiger Geschäftsmann verschwindet mit dem Gewinn eines Crashrennens ohne die Gehälter der Fahrer auszuzahlen, also suchen Jimmi Bondi und sein Kumpel Aldo zusammen mit dem Wunderkäfer Dudu nach dem Betrüger. In der Schweiz werden sie fündig, wo der Flüchtende einige Tage vor einer Oldtimer-Parade einem Sammler einen besonders schönen Oldtimer verkaufen will. Trickreich mischen sich Jimmi und Aldo unauffällig ein, um über den Preis des Autos an ihr Geld zu gelangen...


Dudu macht das schon...

"Ein Käfer auf Extratour" stellt den Mittelteil der erfolgreichen, sich auf fünf Teile belaufenden Dudu-Reihe von Rudolf Zehetgruber, dar, die mit "Ein Käfer geht aufs Ganze" ihren Anfang nahm. Übernahm Zehetgruber in den beiden Vorgängern sowohl Regie, als auch Hauptrolle und die Position des Produzenten, so ergänzt er hier diese stolze Aufzählung noch um den Beitrag des gesungenen Dudu-Liedes, womit er also auch zum Soundtrack beitrug. Zwar hatte mir der erste Teil der Reihe bei meiner ersten Sichtung nach Kindertagen nicht mehr sonderlich gefallen, aber der überraschend gegenteilige, sehr sympathische "Ein Käfer gibt Vollgas", der erstmals das Dudu-Erstling fortsetzte, machte Mut auf die nächste Fortsetzung. Und da auch diese nicht laut Inhaltsangabe von einem Autorennen handeln sollte, ein Szenario an welches ich aufgrund seiner wahrscheinlichen Monotonie skeptischer heran gegangen wäre, ging ich guter Dinge an "Superbug, the Wild One" heran, wie Teil 3 im Ausland alternativ genannt wird.

Zwar fällt "Ein Käfer auf Extratour" keinesfalls so öde aus wie das zu gewollte Treiben des Erstlings, an den Charme des direkten Vorgängers kann er zunächst jedoch auch nicht anschließen. Viel zu sehr ist Zehetgruber damit beschäftigt dem Zuschauer unbedingt Schauwerte vorzusetzen. Mal muss Dudu, freilich billig getrickst, zeigen was er kann, mal werden uns exotischere Landschaften, Fahrzeuge oder Crashs als optisches Futter bereitgestellt. Leider findet parallel dazu die Geschichte teilweise zu sprunghaft, insgesamt aber definitiv zu desinteressiert statt, so als wäre sie lästiges Beiwerk. Der stets infantile Touch der Reihe prägt sich je nach Charakteristik eines Filmes unterstützend oder schadend, der Schwanzvergleich Zehetgrubers zu zeigen was er für seinen neuen Teil alles finanzstark aufgefahren hat lässt Teil 3 eine gute Zeit lang nach letzterem aussehen.

Glücklicher Weise erhält der Film eine positive Wendung mit Ankunft in der Schweiz, wo zunächst der Geschäftsmann und Sammler Stützli zusammen mit seiner unerwarteten Eroberung für jenen Spaß sorgt, den die Rolle des Bondi und zu großen Teilen auch jene Dudus uns bislang vorenthalten hat. Aber auch die ziehen im Laufe einer Handlung, die kaum eine ist, nach, je krimineller das Umfeld wird. Dann gibt es Schlägereien mit Bud Spencer-Sound, infantile Momente der lustigen, leichtlebigen Art und freilich Spezialeffekte, die mich zumindest als Kind einst staunen ließen. Damals gehörte der hier besprochene Teil der Reihe gar zu meinen Lieblingsfilmen, liebte ich doch die Szene, in welcher Dudu mit ausgefahrenen Reifen zwei Hauswände hinauf fährt, oder der Trick mit welchem es dem gelben Käfer gelingt aus einer zugeparkten Situation herauszukommen. Spätestens mit Retroblick und persönlicher Erfahrung aus Kindertagen funktionieren solche Spielereien recht gut, auch wenn sie freilich im Gesamteindruck wenig Sinn ergeben. Mit mehr Sinn und Realitätsbezug würde aber ohnehin keiner der Dudu-Filme funktionieren, die Grundlage dessen was man erzählen will würde flöten gehen. Deswegen ist es gut auf Nonsens nicht zu verzichten, auch wenn er in dem Maße wie hier dargeboten freilich nur für ein ganz spezielles Publikum zu funktionieren weiß, nach all den Jahrzehnten seit der Entstehungszeit mehr denn je.

Mittlerweile schaut sich "Ein Käfer auf Extratour" aufgrund seiner Entstehungszeit Anfang der 70er Jahre auch anderweitig interessant, tut man sich doch noch schwer die Emanzipation der Frau ernst zu nehmen, so wie hier eine von Frauen geführte Autowerkstatt belächelt wird. Sie dient nicht dem positiven Aufzeigen der Entwicklung, sondern lässt ihre Betreiber wie Träumer wirken und bestätigt die im Zentrum stehenden Herren in ihrer Männlichkeit. Zum Schluss machen sich die sonst im Blaumann gezeigten Frauen doch noch für ihre Männer Lady-like schick, eine hilft zwar schlagfertig bei ihrer Befreiung, und der Beruf wird aufgrund von Gewöhnung schließlich doch akzeptiert, aber ein Zugeständnis der Gleichberechtigung findet nicht wirklich statt. Politisch will der Film aber ohnehin nicht sein, schließlich geht es hauptsächlich um geistlose Unterhaltung mittels quantitativer Schauwerte, also muss man da nicht all zu streng mit umgehen.

Gleiches gilt für den Film. Mag das erste Drittel auch schwächeln, die Stunde drauf bereitet wieder Popkorn-Spaß wie Teil 2, obwohl ich es schade finde, dass der so spaßig mitzuerlebende Stützli, dargestellt von Walter Roderer, für das etwas zu lang ausgefallene Finale nicht mehr von Nöten ist. Er ist der heimliche Star des Films. Wer anbei einmal einen Babykäfer sichten will, der sollte sich den Schluss des Streifens anschauen, in welchem ein plötzlich verliebter Dudu überraschend lebendig dargestellt wird, wohingegen er im Restfilm lediglich eine seelenlose Maschine mit ungewöhnlichen Gymmicks darstellt. Aber zumindest ist dies die einzige Szene, die das Dilemma von Teil 1 wiederholt, also was soll's.


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AFTER DEATH - DAS BÖSE IST WIEDER DA (After Death 1989 Claudio Fragasso)


Eine Gruppe Reisende kommt mit ihrem Boot an einer Insel an, auf der vor Jahren ein Voodoo-Priester aus Rache vor seiner verstorbenen Tochter Tote auferstehen ließ, welche sich dort ansässig gemachte Wissenschaftler dezimieren sollten. Die Toten werden von Archäologen unabhängig von der Ankunft der Touristen erneut in ihrer Ruhe gestört. Eine der Reisenden war einst als Kind Zeuge der unheimlichen Vorkommnisse dieser Insel, konnte gerettet werden, kann sich aber an nichts Konkretes mehr erinnern. Mit dem Erwachen der Zombies ändert sich dies...


Trotz Voodoo kein zweiter Woodoo...

Ende der 80er Jahre war es mittlerweile so weit, dass Billigproduktionen, denen man keine Aussicht auf ein großes Publikum machte, schlechter deutsch vertont wurden als größere Produktionen. Das hapert stark am Sehvergnügen von "After Death", in welchem "Horror House 2"-Regisseur Claudio Fragasso unter seinem Standard-Pseudonym Clyde Anderson versuchte die längst zur Ruhe gekommene Zombiewelle der späten 70er und frühen 80er Jahre noch einmal anzukurbeln. In Amerika hatte sich eher die komödiantische Variante des Stoffes um lebende Tote durchgesetzt, und italienische Ausnahmeproduktionen wie "Friedhof der Zombies" konnten bereits einige Jahre zuvor ebenfalls nicht am Erfolg von einst anknüpfen. Fragassos Werk orientiert sich mit dem dominanteren Bezug des Voodoo-Kultes sowohl stark an den Ursprung des Zombiefilms, also jener Phase vor George A. Romeros neuer Interpretation der Untoten mit "Die Nacht der lebenden Toten", im Härtegrad und dem Verhalten der Kreaturen aber auch auf den von diesem und seinem Nachfolger "Zombie" beeinflussten "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies", der die eben erwähnte Eurowelle einst endgültig auslöste.

Zur Orientierung ist dies kein schlecht gewählter Film, weiß Fulcis Werk, in welchem ebenfalls Zombies eine Insel einnahmen, doch durchaus zu gefallen. Dass "After Death - Das Böse ist wieder da" jedoch einer ganz anderen Dekade Film angehört, merkt man bereits im Vorspann. Jegliche Namen sind aufgrund des internationalen Marktes in englisch gehalten, und ein schreckliches, an der damaligen Mode der Popmusik orientiertes, Titellied beraubt dem Streifen eines atmosphärischen Einstiegs, verleiht ihm je nach Publikum sogar bereits schon einen lächerlichen Anstrich, noch bevor das erste Bild in diesem im schwarzen Hintergrund gehaltenen Vorspann gesichtet werden kann. Mit Einblendung des Bildes wechselt der Sound zu Trommelrhythmen, die den Voodoo-Kult vor Ort verdeutlichen sollen. Und mit dem Beiwohnen einer Zeremonie, in welcher ein Voodoo-Priester seiner Frau dabei verhilft in die Hölle abtauchen zu können, ist auch einer der entscheidenden Unterschiede zum Vorbild von 1979 vorgenommen worden, wird hier der Einfluss des Voodoo doch von Beginn an bestätigt, wohingegen Fulcis Werk die Frage nach rationaler Ursache oder Zauber bis zum Schluss stets in der Schwebe ließ.

In besagter Szene stößt schlechte deutsche Synchronisation auf überzogenes, nicht überzeugendes Schauspiel, begleitet von einem arg gewollten Dialog über verschiedene Ansichten von Schuld und Unschuld der Wissenschaft. Unglaubwürdig besetzte Personen, ein Priester dem man ein umgedrehtes Kreuz zwischen die Augen aufgemalt hat, um auch definitiv deutlich zu machen, dass sich dieser Mann dem Bösen zugewendet hat, all das sorgt nicht gerade für einen stimmigen Einstieg ins Szenario. Anders verhält es sich mit dem plötzlichen Auftauchen der Ehefrau aus der Hölle, die so wie zurecht gemacht auch in Lamberto Bavas "Dance of the Demons"-Filmen wirksam hätte auftauchen können. Sie weiß optisch zu überzeugen, in der schlechten Inszenierung jedoch keineswegs Terror zu verbreiten, auch wenn die Effektverantwortlichen begriffen haben, dass es ordentlicher Gore-Effekte bedarf um an die Erfolge von einst anknüpfen zu können, und die Taten der Zurückgekehrten somit keinesfalls zahm ausgefallen sind.

Dass dies allein nicht ausreicht, beweist Fragasso im Laufe seines Filmes immer deutlicher. Mögen die Zombies auch passabel zurecht gemacht sein (auch wenn sie nicht dem Niveau der Priesterbraut entsprechen), jeglicher andere Fakt arbeitet gegen einen erfolgreichen Horrorfilm, bis hin zu den modisch gekleideten, keinen fühlbaren Charakter verkörpernden Urlaubern, die großteils lediglich, ebenso wie die zu zufällig ebenfalls ansässigen Archäologen, als Zombiefutter dienen. Mag sein dass sich "Zombie 4" (Alternativtitel mit allerhand verschiedenen Beititeln) im Original zumindest einen Hauch unterhaltsamer guckt als in der schlechten Synchronisation unseres Landes, aber letztendlich ist er weder als Horrorfilm wirklich geglückt, noch als unterhaltsamer Trash. Dieses Ergebnis hat Fragasso zumindest noch mit seinem Folgefilm "Troll 2" erreicht. Sein Ausflug in alte Zombiezeiten hingegen ist von einigen gelungenen Goreszenen einmal abgesehen jedoch nur Zeitverschwendung. Er ist zu sehr Produkt, arg darauf bedacht sich an die Klassiker der Anfänge seines Jahrzehnts zu orientieren, und doch an entscheidenden Stellen das meiste falsch machend, was dieses Sehvergnügen hätte zurück zaubern können.


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GROSSANGRIFF DER ZOMBIES (Incubo sulla città contaminata 1980 Umberto Lenzi)


Auf einem Flugplatz landet eine Maschine mit stark radioaktiv verseuchten Menschen, die übernatürliche Kräfte entwickelt haben und alle Menschen töten, die ihnen begegnen. Ein Fernsehjournalist versucht die Öffentlichkeit zu warnen, doch das Militär verhindert dass er auf Sendung geht. Auf der Suche nach seiner Frau nimmt zusehends das Chaos auf den Straßen zu. Die Anzahl der verseuchten Bluttrinker nimmt stetig zu, da ihre Opfer ebenfalls zu mordenden Bestien werden...


Vorgeschmack auf das was kommt...

Sie können rennen, sie benutzen Werkzeug und sind in der Lage gewollt zu handeln. Die Wesen aus "Großangriff der Zombies" verhalten sich alles andere als üblich für die erste Zombie-Welle, die damals mit "Zombie" und "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" ausgelöst wurde. Lenzi betonte noch Jahre nach Erscheinen seines Filmes immer wieder er habe keinen Zombie-Film gedreht, sondern einen Seuchenfilm. Ganz verkehrt ist das nicht, aber da die Verstrahlten nicht sterben, es sei denn man schießt ihnen in den Kopf, und da ihre Opfer ebenfalls zu mordenden Bestien werden und man jeden Menschen attackiert, ohne auf die eigene Gattung loszugehen, ist die Übereinstimmung mit dem Gebiet des Zombie-Films ähnlich stark ausgefallen wie beim Infizierten-Horror "28 Days Later". Und da macht es keinen Sinn zu streiten ob ein solcher Film dazu gehört oder nicht. Ein "Outbreak - Lautloser Killer" oder "Cazies", die sich deutlich vom Zombiefilm distanzieren, sind beide Werke nicht geworden, von daher ist es doch recht legitim Filme wie den hier besprochenen dazu zu zählen.

Aber dass es sich bei den hier präsentierten Aggressoren definitiv um Mischwesen handelt, ist nicht abzustreiten, sind sie doch nicht nur wahnsinnige Infizierte und Zombies in einem, wenn sie das Blut ihrer Opfer meist aus dem Hals trinken erinnern sie zudem ganz klar an Vampire, ebenso wie die Untoten aus "Die Nacht der reitenden Leichen". In ihrer Beschreibung als zu einer Art Supermännern mutierte Angreifer erinnern die Wesen aus "Zombies in der Stadt des Todes" (Alternativtitel) noch am ehesten an die untoten Soldaten aus "Die Schreckensmacht der Zombies", die sich allerdings als gar nicht so super erwiesen, wie stets im Film von ihnen behauptet wird. Im hier vorliegenden Film ist das anders, die Wesen sind tatsächlich schwer aufzuhalten, und ihr Handeln geht definitiv von einem Bewusstsein aus, nur dass jegliche Menschlichkeit verloren gegangen ist auf der Suche nach menschlichem Blut zum Überleben. Der Film berichtet Schritt für Schritt von der Landung bis hin zu einer nicht mehr aufzuhaltenden Epidemie, besitzt jedoch nicht den Anspruch an sich ein logisches und intelligentes Szenario zu kreieren, sondern setzt hauptsächlich auf reißerische, besonders auf blutige Elemente und will schlichtweg ein Unterhaltungsfilm sein.

Dank der gekonnten Inszenierung des mir meist nur als Routinier bekannten Umberto Lenzi guckt sich "Nightmare City" (Alternativtitel) trotzdem nicht nur wie ein strunzdummer No Brainer. Sicher ist die Besetzung mit Hugo Stiglitz nicht gerade förderlich für ein besseres Ergebnis (wobei er wirksam eingesetzt wird, ich bin überrascht), aber Lenzis spannungsfördernde und apokalyptische Umsetzung steuert gekonnt gegen Schwachpunkte der Schnellproduktion. Das Grauen das über die Menschen hier hereinbricht ist spannungsgeladen und schockierend erzählt. Gern nutzt der Regisseur auch Momente der Dunkelheit, um kurze Gruselsequenzen einfließen zu lassen. Da die Mutanten nicht gerade toll aussehen, auch wenn das Sub-Genre schon plumpere Kreaturen auf die Menschheit losgelassen hat, ist der Einsatz von Szenen im Dunkeln, auch außerhalb der Gruselmomente, nicht von Nachteil. Das merkt man gerade in der lang andauernden Krankenhausszene während eines Stromausfalls, wo der Massenangriff der Kreaturen im Schatten agierend weit mehr zu wirken weiß als jener zu Beginn auf dem Flughafen bei strahlendem Sonnenschein. Dass auch in dunklen Momenten die Goreszenen gut genug zu erkennen sind, dafür sorgt Lenzi freilich, so dass gerade der Gore-Hound bekommt wonach er lechzt.

Dass aufgrund der verschiedenen Blickwinkel verschiedener Beteiligter die Schlussauflösung eher an unfreiwilliger Komik gewinnt, anstatt sich so bedrohlich zu schauen wie Lenzi es gerne hätte, lässt sich nicht verhindern. Zu detailgetreu wurde hier geträumt, da hätte man den Film lediglich aus einer Perspektive erzählen müssen. Aber das ist ein schlichter, kleiner Wermutstropfen in einem für sein Produktionsniveau gelungen ausgefallenen Infizierten/Zombie-Horror, den ich bei meiner letzten Sichtung vor einigen Jahren weit weniger gut fand als nun, wo ich mich ihm scheinbar besser nähern konnte. "Zombies - Der Großangriff" (Alternativtitel) ist von Anfang an in typischer, trockener 70er Jahre-Atmosphäre stimmig umgesetzt und schafft gekonnt den Mix aus Langsamkeit und flottem Tempo. Zwar setzt Lenzi nie auf die Dramaturgie des Szenarios einer untergehenden Zivilisation und dem womöglichen Untergang der Menschheit, stattdessen wird geistlos reißerisch über den Mensch und sein selbst herbei geschworenes Ende debattiert, aber der düstere und bedrohliche Faktor, auf den Lenzi setzt, bricht definitiv durch und weiß aus dem quantitativen Streifen das beste was möglich ist zu schaffen. Freilich sollte man Freund harter italienischer Horrorfilme dieser Dekade sein, sonst wird man mit dem Ergebnis in der Regel nicht warm. Aber dem Zielpublikum wird gefallen was Lenzi uns beschert hat.


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ZOMBIE (Dawn of the Dead 1978 George A. Romero)


Amerika ist von Zombies überrannt, der Ausnahmezustand wurde in den meisten Großstädten ausgerufen. Als die Lage immer brenzliger wird flieht eine Gruppe von vier Menschen mit einem Hubschrauber, Ziel unbekannt. Auf der Suche nach Sprit entdecken sie ein abgelegenes Einkaufszentrum. Zunächst wollen sie dort Proviant plündern. Schließlich kommen sie auf die Idee vor Ort zu bleiben...


Die Made im Speck...

10 Jahre nach Romeros Überraschungserfolg "Die Nacht der lebenden Toten" hat sich im Bereich Film viel bezüglich dessen getan, was man im Kino zeigen durfte und was nicht. Dementsprechend extrem sprunghaft wirkt mit Vergleich zu Teil 1 der Gewaltgehalt der Fortsetzung. In Farbe gedreht, auf modernem Niveau gehalten und mit packender Musik gesegnet, anstatt mit dem antiquierten Soundtrack des 50er Jahre-Niveaus, auf welches der Vorgänger noch setzte, wirkt "Zombie" wie aus einer anderen Zeit - was er schließlich auch ist. So wirklich kompatibel sind die beiden Filme auf dem ersten Blick nicht, weswegen es 1990 eine recht gute Idee von Tom Savini war, das Erstling mit "Night of the Living Dead" neu zu verfilmen, der sich zusammen mit dem hier besprochenen Film und der zweiten Fortsetzung "Zombie 2" wie aus einem Guss schaut. Dennoch ist freilich das Original der tatsächliche Vorgänger dieses radikal gnadenlosen Werkes, und auch in der filmeigenen Welt, die uns hier präsentiert wird, hat sich einiges getan. Spielte Teil 1 nur wenige Tage nach dem Ausbruch, so sind bis "Dawn of the Dead" (Originaltitel) gerade einmal drei Wochen vergangen. Es herrscht eine Art Gleichgewicht zwischen Mensch und Zombie. Da der Mensch jedoch unorganisiert ist und sich in endlose Diskussionen verstrickt anstatt zu handeln (das Gegenteil dessen worauf das Erstling hinaus wollte), werden die Zombies immer mehr und die Aussicht zurück ins gewohnte Leben kehren zu können immer geringer.

Wo der nach immer mehr lechzende Zombie-Fan dazu neigt die 150minütige Langfassung von "Zombie" zu sichten, die sinnlos jegliche je gedrehte Sequenz in richtig angeordneter Reihenfolge aneinander reihte, da greife ich am liebsten zur europäischen Fassung, die unter Aufsicht von Dario Argento dramaturgisch sinnvoll zusammen geschnitten wurde. Sie beinhaltet großteils nicht mehr die humoristischen Szenen, die Autor und Regisseur Romero in die US-Fassung einfließen ließ und wird vom großartigen Soundtrack der Band Goblin begleitet, die es verstand dem Streifen den passenden Touch zu bescheren. Ihre Musik ist spannungsfördernd und puscht somit noch einmal das ohnehin exzellent inszenierte Szenario. Dieses wirkt auf den ersten Blick etwas zerfahren, zu Beginn nach der Fernsehstudioszene gar wie ein billiger Actionreißer. Aber wer es wagt mit funktionierendem Verstand ohne Tunnelblick sich auf das zunächst unübersichtliche und in harte Bilder gekleidete Treiben einzulassen, der wird mit dem meiner Meinung nach besten ernst erzählten Zombiefilm belohnt, der je herausgekommen ist. Zusammen mit der Horror-Komödie "The Return of the Living Dead" gehört die Argento-Version von "Zombies im Kaufhaus" (Alternativtitel) zu dem besten, da intelligentesten und unterhaltsamsten, was dieses Sub-Genre je hervorgeholt hat, und es sollte bis "28 Days Later" und "Pontypool" in der zweiten Zombiewelle dauern, bis wieder wer auf deren Niveau anknüpfen konnte.

Romero wirft uns selbst mit Kenntnis des ersten Teiles unvorbereitet mitten ins Geschehen hinein. Wir dürfen erleben wie extrem die Situation geworden ist, aber auch dass inmitten des Untergangsszenarios manches noch gleich geblieben ist. So muss eine Spezialeinheit gegen Verbrecher anstatt gegen Zombies kämpfen. Ein Teil des öffentlichen Lebens ist schließlich noch aktiv und damit auch das Verbrechen und ihre Bekämpfung. Mit der Flucht per Hubschrauber wird noch einmal das Extreme der Zombielage deutlich, wenn wir mittels Luftaufnahmen sichten dürfen, wie verstreut sich die lebenden Toten bereits im Nirgendwo verteilt haben, wirklich überall lauernd, während Bürgerwehren halb besoffen, so wie wir es aus Teil 1 kennen, noch optimistisch ihrem Treiben nachgehen. Von Untergang will kaum wer was wissen, einzig unsere Helden folgen ihrem Instinkt und treten die Flucht an. Der Blick auf das verlassene Einkaufszentrum wiederum macht uns klar wie wenig der Alltag doch noch funktioniert, ist der Ort zu dem sonst tausende Kunden strömen doch lediglich von Untoten bevölkert. Auch an diesem Ort angekommen, an dem der Rest des Streifens spielen soll, will sich noch kein wirklich klarer roter Faden erkennen lassen. Wer Nase rümpfend geistlos den kommenden 90 Minuten folgt, wird sich diesbezüglich auch bis zum Schluss mit diesem Denken bestätigt fühlen, so auch das Team, das zur Beschlagnahmung des Streifens in Deutschland einst beitrug. Verstehen werde ich diese Sicht auf dieses Meisterwerk nie, ist er doch ein hervorragendes Soziogramm, das uns aufweist wohin bei guter Planung Teamwork hinführen kann, und wie zeitlich begrenzt jeder erreichte Zustand letztendlich doch ist.

Gerade der Konflikt aus "Die Nacht der lebenden Toten" unter den Menschen selbst wird gegen Ende hier noch einmal zelebriert, diesmal mit Taten anstatt mit Worten, wenn Plünderer ins Einkaufszentrum hinein wollen, unsere Helden aber nicht teilen. Ironischer Weise war es das Üben zum Überleben, welches die Gruppe Rocker auf unsere Protagonisten aufmerksam machte, übte eine Frau doch den Flug mit dem Hubschrauber, um bei eventuellem Ableben des Piloten in der Lage zu sein von hier zu flüchten. Nun wird zerstört was mit viel Mut, Intelligenz, Körperkraft und Solidarität aufgebaut wurde. Die Anarchie der mörderischen Art bricht in das anarchistisch erfolgreiche Gemeinwesen ein, welches sich hier vor Ort gebildet hat. Das Fehlen von Gesetzen, welches unseren Helden zuvor von Vorteil war, wird nun zu ihrem Nachteil. Dieser gesellschaftskritische Ansatz ist nur einer von vielen, die man in "Dawn of the Living Dead" (Alternativtitel) hinein deuten kann. Was alles von Romero diesbezüglich tatsächlich gewollt war, und was sich lediglich so alles dafür anbietet ist ebenso wie in Teil 1 kaum nachvollziehbar. Aber Kino findet immer auch im Kopf des Zuschauers statt, egal was Regie und Autor wollen oder nicht, und so ist es auch hier in diesem unter Horror-Fans kultisch verehrten Werk, welches man als Freund des harten Kinos, und definitiv als Bewunderer des Zombiefilms unbedingt gesehen haben sollte. Revolutionierte der Vorgänger die Thematik der Zombies und bot erzählerisch bereits jegliche Besonderheiten des Stoffes, so wurde "Zombie" stilistisch wegweisend, in Europa zusammen mit dem kurz darauf folgenden "Zombi 2" von Lucio Fulci, der keine wirkliche Fortsetzung des hier besprochenen Streifens ist, in seinen anderen Stil gekleidet jedoch ebenso wegweisend wurde wie der Film den er vorgab fortzusetzen.


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DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN (Night of the Living Dead 1968 George A. Romero)


Barbara besucht das Grab ihres Vaters auf einem abgelegenen Friedhof, da wird sie plötzlich von einem Unbekannten attackiert. Auf der Flucht vor ihm findet sie Schutz in einem Landhaus und muss feststellen, dass sich noch andere Leute angriffslustig benehmen. Hilfe findet sie bei Ben, der das Haus vor den Verrückten verbarrikadiert. Im Radio erfahren die beiden, dass es sich um wieder erwachte Tote handelt, die Menschen fressen, und dass sich dieser Zustand über große Teile des Landes erstreckt...


Sie kommen Dich holen, Barbara...

George A. Romeros Schwarz/Weiß-Film sollte den Bereich des Zombie-Horrors revolutionieren. Bislang wurden die Wesen als durch Voodoo beeinflusste Fremdgelenkte gedeutet, mal tot, mal totgeglaubt. Nun sind es Menschenfresser, fern jedem Zaubers, und jeder nicht beerdigte Verstorbene erwacht wenige Minuten nach seinem Dahinscheiden. Es ist schwer "Die Nacht der lebenden Toten" für sich allein zu besprechen, bei all den Nachahmern die folgten, bis hin zur heute noch immer beliebten TV-Serie "The Walking Dead". Es überrascht welche Elemente wichtiger, späterer Werke sich zu diesem Thema bereits hier vorfinden. Die fehlende Farbe und das Jahrzehnt 1960 mögen einen zunächst glauben lassen es mit Romeros erstem unabhängig produzierten Film mit einem naiven, nostalgischen Streifen zu tun zu haben, aber mag er auch nicht alle Brutalitäten vor unseren Augen geschehen lassen, er ist bereits Terror-Kino pur und alles andere als kurzweilige Unterhaltung zur Berieselung.

Die Bedrohung ist stets präsent und glaubwürdig, die Wissenslücken werden zu einem der laufenden Motoren des Films. "Night of the Living Dead" (Originaltitel) ist direkt, schonungslos und konsequent erzählt, und einzig die Filmmusik hält ihn in seiner Entstehungszeit fest. Was los ist erfahren wir erst mit der Zeit, und dies zudem über Medien. Bis dahin darf gerätselt werden was los ist. Geht es um Geisteskranke? Eine Seuche? Man würde gern mit dem ahnungslosem Zuschauer von einst tauschen, der noch nicht weiß dass es hier um Zombies geht. Und dem dürfte sich der Magen umgedreht haben bei all der schonungslosen Gewalt, die sich den Protagonisten offenbart. Kinder werden ebenso wenig verschont wie Erwachsene, Menschen müssen hier bereits damit leben verstorbene Familienmitglieder und Freunde als unmenschlich zu akzeptieren, Zombies fressen hier bereits die Innereien der Menschen, ein Happy End bleibt aus, auch wenn der Film im Gegensatz zu dem was ihm meist folgen sollte die Situation nicht als aussichtslos darstellt. Über welche Art Mensch der Sieg errungen werden kann, ist jedoch sehr wohl schon Thema, hauptsächlich eingefangen in den gnadenlosen Schnappschüssen, die uns im Abspann präsentiert werden.

Aber schon im Krieg sind es jene, die uns vor Gefahren beschützen, die nicht unsere Ethik vertreten, oder zumindest trotz dieser handeln können, wo das Handeln anderer versagt. "The Flesh Eaters" (Alternativtitel) ist voll von solchen gesellschaftspolitischen Aussagen. Die Zombies als der Aufstand einer Minderheit, die Seuche als das Ende der Wohlstandsgesellschaft, der Aufbruch von Anarchie, das Ende der Gesetzgebung und damit des Schutzes durch den Staat, hinein zu interpretieren gibt es viel. Wenn relativ sicher verbarrikadiert der Unmut zwischen den Überlebenden hoch lodert, thematisiert der Streifen zudem die Unmenschlichkeit unserer Spezies. Mordet der Zombie aus Instinkt und Hunger, so geht es dem Menschen um Macht und dem Glauben die eigene Meinung sei die einzig richtige.

Überrascht hat mich nach meiner ersten Sichtung seit vielen Jahren, dass der Theorie der Raumsonde, die von einem Venusflug zurückgekehrt ist, weit mehr Beachtung geschenkt wird, als ich es in Erinnerung hatte. Sie ist nicht nur eine von vielen Theorien, das wird erst in der Fortsetzung "Zombie" der Fall sein, sie wird von Wissenschaftlern im Fernsehen bestätigt und lediglich vom Militär als Humbug abgewiesen. Eine gute Portion Science Fiction und eine Erklärung warum die Epidemie zahlenmäßig zunimmt nimmt somit Einfluss auf das Geschehen und ist nicht einzig eine Nebensächlichkeit. Der Kniff diese Informationen stets gemeinsam mit den Protagonisten über die Medien zu erhalten ist nicht ohne und macht viel am Spannungsbogen des Streifens aus, der eben nicht nur durch den Zombieterror entfacht wird, sondern auch durch die Wissbegierde des Zuschauers. Nüchterne Spannung paart sich mit nervenkitzelnder, düsterer Momente. Und durch diese Sachlichkeit, die sich auch im Verstehen der Charaktere bei den Verantwortlichen des Filmes zu erkennen gibt, wird aus einem kostengünstig produzierten Reißer ein intelligenter Gedankenansatz wie der Mensch in Extremsituationen zu agieren weiß, wenn das Schulwissen nicht mehr greift.

Da nicht all zu sehr auf Stereotype gesetzt wird, verschwimmt das Gut und Böse recht gekonnt. Ben handelt oft ebenso fragwürdig wie Cooper, der als Aggressor dient. Frauen lassen sich von Männern beschützen, Wahrheiten will man sich nicht eingestehen, drohende Gefahren erkennt man nicht, unterschiedliche Meinungen werden in Frage gestellt anstatt ernsthaft ausdiskutiert. Viel Zeit zum Nachdenken hat man ohnehin nicht, "Die Nacht der lebenden Toten" handelt von einer uns überrollenden Situation, in der klares Denken zu einer Schwierigkeit wird. Romero setzt auf Ruhe anstatt auf dauerhafte Zombie-Action, der Beginn des Streifens schaut sich gar recht Stummfilm-orientiert. Auch diese Herangehensweise ist nicht nur stilistisch hervorragend zu nennen, sie täuscht zudem, da wir es im Nachhinein schließlich mit einem sehr modernen Film zu tun haben, der selbst heute 50 Jahre später noch kaum nostalgisch anmutet in seiner Endzeitstimmung, der Hoffnungslosigkeit und der Direktheit mit der man sich gegen die Bedrohung zu Wehr setzen muss. Mit "Monster Flick" (Alternativtitel) ist eigentlich schon alles zu dem Thema erzählt, zumindest das was die meisten Zombiefilme abzuliefern wissen. Danach folgten entweder nur drastischere Gewaltdarstellungen oder tiefer gehende Beleuchtungen dessen was "Die Nacht der lebenden Toten" teilweise nur streift. Ausnahmen gab es jedoch auch.


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WOODOO - DIE SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES (Zombi 2 1979 Lucio Fulci)


Nach rätselhaften Ereignissen auf einem herrenlosen Boot, die zu dem Tod eines Mitarbeiters der Küstenwache führten, reist ein Reporter zusammen mit der Tochter des Bootsbesitzers auf jene abgelegene Insel von der das Boot kam, um Antworten zu finden. Vor Ort ist eine rätselhafte Krankheit ausgebrochen, die Tote wieder lebendig macht. Ein Arzt versucht vergeblich die Ursache zu finden...


Wie alles begann...

Als George A. Romero mit "Zombie", seiner drastischen Fortsetzung von "Die Nacht der lebenden Toten", einen erfolgreichen Film vorlegte, da versuchte sich auch Lucio Fulci an dem Stoff, zwar die Ur-Thematik des Voodoo, wie die Zombies in Klassikern wie "Ich folgte einem Zombie" und "White Zombie" manipuliert wurden, einbauend, im allgemeinen jedoch auf die neuen Regeln Romeros setzend. Hier wird niemand totenähnlich fremdgesteuert, hier wandeln tatsächlich Tote auf Erden, angetrieben durch Hunger. Fulcis Werk wurde in Italien dann auch gleich dreist als "Zombi 2" herausgebracht. Bis zum tatsächlichen dritten Teil von Romeros Reihe dauerte es noch bis zur Mitte der 80er Jahre, als schließlich endlich "Zombie 2" erschien, aber wenn schon ein Imitat sich dreist als Fortsetzung des amerikanischen Erfolgsfilmes ausgeben darf, dann gebührt diese Ehre "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies", könnte man ihn aufgrund gleicher Gesetzmäßigkeiten doch als Vorgeschichte zu diesem verstehen.

Fulci geht der Ursache der Seuche auf den Grund, ohne Antworten zu liefern. Von Voodoo ist wie im Titel die Rede. Ein ortsansässiger Arzt will den Humbug nicht glauben. Er forscht, doch er findet nichts heraus. Kurz vor seinem Ableben betont er, dass er noch immer an eine logische Ursache glaubt. Und dann zählt er all die Möglichkeiten auf, die er erforschte und die es nicht gewesen sind. Ob doch etwas an dem Aberglauben dran ist? Immerhin wandeln nicht nur Opfer der Krankheit tot umher, auch erheben sich die vor langer Zeit beerdigten Toten wieder aus ihren Gräbern, aufgezeigt in einem stimmigen Szenario, welches ich mir im modernen Zombiefilm, der sich lieber auf Virenepidemien konzentriert, des öfteren wieder wünschen würde. Fulci zeigt zumindest wie man es richtig macht. Modrige Leichen erheben sich auf einem alten, vergammelten Friedhof. Manche von ihnen tragen Würmer im Gesicht. Zunächst greifen Arme aus der Erde nach unseren Helden, dann entsteigen sie komplett dem Erdboden, mal in Nahaufnahme festgehalten, mal aus der Ferne für den düsteren Gesamteindruck. Die Szene kommt spät, aber auch die bis dahin eingebauten Untoten sind herrlich modrig anzusehen und wissen den Horror-Freund definitiv zu gefallen.

Ohnehin ist es schön zu sehen, dass Fulci nicht einzig die Werke Romeros nachahmt, er entwickelt seinen eigenen Stil, allein schon aufgrund der Haupthandlung auf einer Insel, die von Beginn an herrlich trist eingefangen ist und zu keinem Zeitpunkt wie ein wunderschöner Urlaubsort wirken will. Was bei Romero global passiert, das geschieht hier auf kleinem Raum. Der Film zeigt recht drastisch, wie selbst auf kleinem Raum eine solche Epidemie chaotisch und unübersichtlich verlaufen kann. Dass Zombies selbst im kleinen Rahmen und langsam umher schleichend, so gut wie gar nicht besiegt werden können. Er nutzt diesen zentralen Aspekt für den finalen Schock, der, wie ich oben bereits erwähnte, eine wunderbare Überleitung zu Romeros Untoten-Fortsetzung liefert und heute fast noch genau so zu schocken weiß wie einst. Zugegeben, wir sind heutzutage mit der Thematik um Zombies vertrauter, aber Fulcis rohe und direkte Art lässt viele noch so blutige Vertreter von heute blass aussehen, eben weil sie nicht in voller Konsequenz den Zuschauer mental attackieren. Meist wird man per Übertreibung oder Vorhersehbarkeit in Watte gepackt. Nicht bei Fulci! Dessen Spezialeffekte sind in ihrem Blutgehalt zwar auch völlig übertrieben und trotz sympathischer Umsetzung alles andere als realistisch ausgefallen, aber der raue Grundton, mit welchem die eigentliche Geschichte erzählt ist, lässt sie erschreckender erscheinen - und den Film als Gesamtwerk ebenso.

Es ist nicht so dass in Fulcis Film immer alles logisch vonstatten gehen würde. Allein das Unterschätzen der Seuche und die mangelnden Versuche von der Insel zu verschwinden wirken nicht gerade glaubwürdig. Dennoch entwickelt die Geschichte zu keinem Zeitpunkt eine Lächerlichkeit, so ernst wie der Film umgesetzt ist und so bedrohlich wie Fulci die Grundatmosphäre einzufangen weiß. Selbst wenn in einer völlig unnötigen Szene ein Zombie während eines Tauchgangs einen Hai attackiert, entsteht keine unfreiwillige Komik. Zwar sieht man deutlich wie zahm der Hai umher schwimmt, während der Zombiedarsteller sich an ihn heftet um ihn zu beißen, aber die Umsetzung ist derart überraschend geglückt ausgefallen, dass die theoretisch zu reißerische und sich schwachsinnig anfühlende Szene tatsächlich zu funktionieren weiß. Dem Film selbst beschert sie kein Weiterkommen, und ein tauchender Zombie ist aufgrund des Eingangsszenarios des Streifens auch nicht nötig um den finalen Angriff auf New York zu erklären. Aber es sind diese Unnötigkeiten die Fulcis Werk eher bereichern, anstatt es zu stören. So auch die extremen Gewaltszenen, die sich nicht damit ausruhen, dass Zombies Menschen attackieren, ausweiden und auffressen. Da darf auch mal in Großaufnahme ein Auge aufgespießt werden, langsam zelebrierend und per professionellen Schnitt detailgetreu eingefangen. Ohnehin erweist sich Fulci immer dann als Profi, wenn per Schnitt ein gezeigtes Erlebnis ohne Anschlussfehler und mit interessanten Perspektivwechseln eingefangen wird. Die Auferstehung eines begrabenen Toten, beobachtet von einer der zentralen Nebenfiguren, ist ein weiteres Beispiel hervorragender optischer Umsetzung.

So banal die eigentliche Geschichte von "Island of the Flesh-Eaters" (Alternativtitel) auch ausgefallen sein mag, Fulcis Handschrift macht aus diesem makaberen Reißer der Quantitäten ein stimmiges Filmerlebnis und den Prototyp dessen, wie der klassische moderne Zombiefilm zu funktionieren weiß. Ein guter Soundtrack, der sich mit etwas zu nervigem Voodoo-Getrommel abwechselt, unterstützt das Feeling der Ausweglosigkeit. Und ohne auf tatsächliche Dramaturgie oder Empathie zu setzen, ohne psychologische Zusammenhänge sinnvoll aufzuzeigen und Charaktere tief zu durchleuchten, gelingt es Fulci ein auf Schundfilmbasis hohes Niveau zu erzeugen, eben weil der Weitblick ernüchtert, das übertrieben Gezeigte schockiert und man schnell merkt, dass es eigentlich keine Hoffnung gibt der Situation zu entkommen.

Fulci gönnt seinem Werk zudem keinen Anflug von Komik, weswegen der Film besser zu Argentos Europa-Version von "Zombie" passt, als zur eigentlichen US-Version, die sich erlaubte aufgrund des Satire-Gehalts auch humorvolle Momente einzubauen. Man muss den Mann, der nun wahrlich kein Genie seines Fachs war, einfach dafür respektieren "Woodoo" so konsequent ernst und staubtrocken umgesetzt zu haben auf die Gefahr hin zu scheitern. Doch weder unfreiwillige Belustigung noch Langeweile kommt auf, wenn man sich vorurteilsfrei dem kostengünstigen Werk nähert. Und bei solch wunderbar modrigem und sich nach Endzeit anfühlenden, dreckigen Ergebnis braucht es nicht wundern, dass innerhalb Europas, und ganz besonders in Italien selbst, von Fulci eine Zombiewelle ausgelöst wurde, die sich mehr an sein Werk, als an die von Romero orientierte. Mag der Mann den Ruf des Zombie-Regisseurs auch nie losgeworden sein, er sei ihm positiv gemeint auf jeden Fall gegönnt.


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TSUNAMBEE - ANGRIFF DER ZOMBIE-BIENEN (Tsunambee: The Wrath Comet 2015 Milko Davis u.a.)


Eine Polizistin hat gerade zwei rivalisierende Gruppen davon abgehalten sich gegenseitig zu erschießen, da werden sie alle von einem Schwarm Bienen angegriffen. Während sie vor diesem auf der Flucht sind, ersteht eines der Opfer dieser Insektenattacke wieder auf und greift einen seiner Freunde an. Er ist durch den tödlichen Bienenstich zum Zombie geworden, und weitere Untote sollen folgen...


Summbies...

Manche Filmideen klingen so bescheuert, dass ein Filmfreak wie ich selbst dann zugreifen muss, wenn es offensichtlich ist es mit einem TV- oder Billigprodukt zu tun zu haben. Gerade seit der TV-Sender SyFy in Amerika losgelegt hat Tier-Horrors in Massen zu produzieren und es dabei sogar wagte kleine Kinoerfolge weiter fortzusetzen, entdeckt man oftmals nett klingende Beiträge in innovationsfreier Routine, so auch geschehen mit "Black Swarm", der 2007 mit Robert Englund als Genre-Star im Gepäck bereits die Idee von "Tsunambee" vorweg nahm, bzw. eine ähnliche Thematik präsentierte. Die umher wandelnden Zombies dort durften vor sich her summen, da Bienen Besitz von ihnen ergriffen. Im hier besprochenen Streifen erstehen lediglich Tote nach einer Bienenattacke wieder auf. Es sind leicht größere Bienen, aber keine wirklichen Mutanten. Wahrscheinlich sind sie nur deshalb größer ausgefallen, weil man darin bemüht war sie in der Computeranimation auch bloß als Bienen erkennen zu lassen. Wie das Ergebnis einer solchen Umsetzung ausgefallen ist kann man sich denken. Selbst die Spezialeffekte diesbezüglich im ersten Bienenhorror 1967 namens "Die tödlichen Bienen" sind besser ausgefallen.

Zwar rechnet man in einem Schrottfilm dieser Art mit schlechter Computeranimation, selbst der Überraschungshit "Sharknado", an dem man sich hier im Titel eindeutig orientiert, präsentierte diesbezüglich nicht das Gelbe vom Ei, aber eine derart dahingerotzte Pixelorgie habe ich lange nicht mehr gesichtet, bleiben doch selbst mit ganz viel Phantasie gesegnet die ins Bild integrierten Bienen ein Fake, was ihrer Szenen jeglichen Reiz beraubt. Wo der Film um per Wirbelsturm herbei gefegte Haie mit unfreiwilliger (?) Komik punkten konnte, da stellt sich in "Waspnado" (Alternativtitel) lediglich Ernüchterung ein. Das liegt aber auch daran, dass Regisseur Milko Davis, der einen Co-Regisseur namens Thomas Martwick zur Seite gestellt bekam, seinen theoretischen Selbstläufer extremst unterhaltungsfeindlich umgesetzt hat. Zäh wie Kaugummi zieht sich bereits die verkrampfte Figurenvorstellung hin. Und auch bei Bienenattacken gewinnt der lahme Streifen nie an Tempo hinzu. Die miesen Schauspieler sind überfordert im Kampf gegen den unsichtbaren Angreifer, der freilich erst im Nachhinein ins Bild gepixelt wurde, und die Insekten könnten lahmarschiger kaum agieren.

Man hört sie aus der Ferne, dennoch dauert es ewig bis sie auch einmal angekommen sind. Und wenn sie wild durchs Bild schwirren, freilich ohne echten Kontakt mit den Darstellern zu haben, dann passiert recht wenig. Die Figuren gehen in Schutz, sind weder gestochen, noch gebissen, vereinzelt auch mal tot, zugegeben, aber letztendlich scheint der Schwarm Bienen eher lästig als gefährlich zu sein. Und dass ihnen Kugeln nichts ausmachen verstehen unsere Helden im kompletten Film nicht, wird doch stets immer wieder in den Schwarm hinein geschossen, was auch immer das soll. Ich wünschte ich könnte zumindest Positives vermelden, wenn es um das Aussehen der Zombies geht, doch auch diese sind nur billig zurecht gemacht, was vielleicht auch besser so ist. "Tsunambee - Angriff der Zombie-Bienen" ist immerhin derart anstrengend, zäh, verkrampft und lustlos inszeniert, das es schade gewesen wäre irgend etwas Positives für diesen Bockmist zu verschwenden. Zumindest ist er wahrlich in jedem Punkt eine Gurke und damit definitiv niemandem zu empfehlen. Schade ist es um den Aufhänger, da hätte mir bereits ein so simples Ergebnis wie jenes aus "Zombiber" gereicht, um mich halbwegs zufriedenzustellen.


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FRIEDHOF DER ZOMBIES (Cementerio del terror 1985 Rubén Galindo Jr.)


Dr. Cardan möchte den zur Strecke gebrachten Massenmörder Devlon so schnell wie möglich verbrannt wissen, da er um seine unheimliche Macht weiß. Kurz bevor er auf illegale Art sein Ziel erreicht stehlen Jugendliche den Leichnam an Halloween, um auf dem Friedhof nachts eine Beschwörung zu zelebrieren. Der Tote erwacht, tötet jene die ihn erweckten und lässt mit Hilfe eines satanischen Buches die Leichen auf dem Friedhof auferstehen. Just in diesem Augenblick finden sich Kinder zu einer Mutprobe auf dem Friedhof ein...


Die Nacht des lebenden Grauens...

Während in Amerika die großartigen Filme "Re-Animator" und "The Return of the Living Dead" eine Welle mäßig ausgefallener Zombie-Komödien ins Leben riefen, versuchte man in Mexiko anderweitig dem aus der Mode gekommenen Zombiefilm neuen Zunder zu bescheren. Die Lösung zwei nicht mehr auf dem Hoch befindliche Horrorgattungen zu vereinen klingt nicht gerade clever, Regisseur Rubén Galindo Jr. versuchte es mit seinem Team trotzdem und vereinte "Halloween - Die Nacht des Grauens" mit "Die Nacht der lebenden Toten", freilich ohne das Talent derer Autoren und Regisseure zu besitzen. Und dass ein Hugo Stiglitz als Frontmann selbiges nicht unter den Schauspielern besitzt, dürfte klar sein, ist dieser Mann doch einer der lächerlichsten Filmstars seiner Zeit und sorgt stets nur für unfreiwillige Komik. Hatte er in seiner damaligen Rolle den "Großangriff der Zombies" fünf Jahre zuvor nur geträumt, so passt es eigentlich ganz gut, dass "Friedhof der Zombies" damit beginnt ihn uns schlafend und träumend zu zeigen.

Sein weiteres Agieren in diesem Streifen kann man fast als Mogelpackung bezeichnen, wäre man ernsthaft daran interessiert ihn in einer echten Hauptrolle sichten zu wollen. In seinen wenigen Auftritten darf er zunächst wenig überzeugend als eine Art mieser Dr. Loomis Leute vor Devlon warnen, der unbedingt verbrannt werden muss. Und wenn er schließlich allein unterwegs ist, weil er penetrant einem Helfer seinen Polizeiwagen entwendet hat, gurkt er mit diesem per Blaulicht immer wieder zwischen den tatsächlich mit Handlung gefüllten Szenen durch die Gegend, bis er kurz vor Schluss schließlich auf die von Zombies bedrohten Kinder stoßen darf, von denen er eher gerettet wird, als diese von ihm. Sagen wir mal es steht diesbezüglich 1 zu 1, ständig wechselt man sich mit gegenseitigem Retten ab, innerhalb eines gar nicht so gefährlich wirkenden Szenarios. Denn seit die Kinder den Friedhof betreten haben, schon vorher stets unnatürlich als Gruppe agierend wie in einem Kinder-Abenteuerfilm, wird "Friedhof des Satans" (Alternativtitel) zu einem zahmen Filmchen, welches einer Geisterbahn gleicht. Da erwachen zwar allerhand Zombies, aber sie schnappen stets erfolglos nach den Kids, wie Angestellte einer aufwendiger ausgefallenen Geisterbahn. Blutig vonstatten geht da nichts, bedrohlich wirken die Untoten ebenso wenig, "Cemetery of Terror" (Alternativtitel) ist zum Kinderfilm verkommen.

Ganz anders verhält es sich da mit der ersten Filmhälfte, in welcher es einzig um den entwendeten Devlon geht, der, wenn er nach einer halben Ewigkeit endlich einmal erwacht ist, Michael Myers-artig heim kehrt, um sein schwarzes Buch zu erhaschen. Dabei trifft er auf jene Jugendliche, die ihn erweckten. Mit Soundeffekten und manchen Perspektiven wie aus Carpenters Film, aber nie so spannend wie dieser oder auch nur im Ansatz treffsicher umgesetzt, zieht man das Slasher-Konzept bis zum Ableben des letzten Teenagers durch, ergänzt durch übernatürliche Elemente, da Devlon nicht nur ein Untoter ist, sondern auch noch außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt. Von Satan ist da immer wieder die Rede, und dieses Versprechen löst der Streifen auf traurige Art schließlich auch in jener Phase ein, in welcher die nervige Gruppe Kinder die nervigen, mittlerweile toten, Teenager ersetzen, denn hier dürfen die Zombies nun mit einem Kreuz im Bann gehalten werden, wie dies sonst in klassischen Vampirfilmen der Fall ist. Das lässt die ohnehin schon wenig bedrohlichen Untoten nur noch lächerlicher wirken.

Lustig ist das alles trotzdem nicht, "Friedhof des Teufels" (Alternativtitel) will trotz allem nicht als unfreiwillig komische Kost funktionieren, da er mit seiner zähen und penetranten Art ziemlich auf die Nerven geht. Das fängt mit Synchronsprecherinnen an, die Kinder sprechen (eine erneute Übereinstimmung mit "Halloween"), besitzt seine größte Penetranz jedoch mit dem Langziehen von Szenen und Situationen. Nervt das Füllmaterial besonders in der ersten Hälfte, den Geduldsfaden in stimmungsloser Atmosphäre malträtierend bis endlich was geschieht, so reizt die zweite Hälfte negativ mit zu lang gezogenen Momenten. Sei es das Schlussszenario, in welchem die Kinder stets einem anderen Kind zurufen es möge das magische Buch verbrennen, bis es dies eine gefühlte Ewigkeit später auch endlich einmal tut, oder seien es die unsinnigen Pausen, z.B. während einer Verfolgungsjagd, in denen den Kindern plötzlich völlig sinnfrei eine Atempause gegönnt wird, obwohl Devlin gerade noch hinter ihnen war - das Erzähltempo ist schlecht, entlarvt den Regisseur in seiner Überforderung die Übersicht zu behalten und nervt wie erwähnt den Zuschauer gewaltig.

Am Ende hat man nichts Halbes und nichts Ganzes gesichtet. Während die Versuche einen Slasher zu integrieren noch kurze stimmige Momente inmitten von Untalent aufkommen lassen, will der kinderzahme zweite Part so gar nicht funktionieren, zumal er die Teenieleichen der ersten Hälfte dort nicht ausblendet und von Minderjährigen somit nicht geguckt werden kann. Dem erwachsenen Zuschauer hingegen kommt das Ganze wie ein Kasperletheater vor, so dass dieser auch nichts von "Cementerio del terror" (Originaltitel) hat. Da das alles auch noch unglaublich stümperhaft umgesetzt und schlecht geschauspielert dargeboten wird, lohnt sich auch nicht der Versuch sich in den an "Die Nacht des Jägers" erinnernden Stil-Mix heran zu wagen. "Friedhof der Zombies" ist Schrott und dies noch weit mehr als "Black Zombies", der später ebenfalls keineswegs eine Rückkehr in urig schöne Zombiefilmzeiten bescherte.


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