UNBREAKABLE - UNZERBRECHLICH (Unbreakable 2000 M. Night Shyamalan)


David Dunn überlebt als einzige Person eine schwere Zugkatastrophe, ohne eine Schramme davongetragen zu haben. Nach dem Gedenkgottesdienst an die Opfer findet er an der Windschutzscheibe seines Wagens einen Zettel, auf welchem die Frage steht, wann er das letzte Mal krank war. Geschrieben wurde sie von dem unter Glasknochen leidenden Comicheftsammler Elijah Price, der einer irrwitzigen Theorie nachgeht...


Die Wahrheit hinter den Übertreibungen...

Mit "The Sixth Sense" hatte Regisseur und Autor M. Night Shyamalan gerade auf sich aufmerksam gemacht, da folgte dem zurecht gefeierten Film im Anschluss ein völlig anderes Werk. Es war kein Aufguss des Erfolgsfilmes, auch wenn er zwei dessen wichtigster Eigenschaften ebenfalls enthielt: Unaufgeregtheit aufgrund eines langsamen Erzähl- und Inszenationstils und der überraschende finale Twist, der dem Publikum vor den Kopf stoßen soll. Nun mag dieser in "Unbreakable" nicht so gewaltig ausgefallen sein wie im ebenfalls mit Bruce Willis besetzten Geisterhorror, aber er geht definitiv über das bereits Geahnte hinaus und offenbart eine Bösartigkeit, gewachsen aus einem dramatischen Aspekt. Den kompletten Film umweht auf unterschwellige Art der dramatische Unterton. Es ist jener dramatische Aspekt dieses Filmes und seines Vorgängers, der die beiden Shymalan-Werke zu den zwei besten Arbeiten macht, die der gute Mann bislang gedreht hat. Seine weiteren Filme waren mal qualitative Aufs, mal Abs, wie es bei fast allen Regisseuren der Fall ist, aber immerhin kann er auf diese beiden tadellosen Werke verweisen, die bei gleicher Handschrift etwas völlig anderes erzählen.

Während das Spukdrama inhaltlich einer oft gesehenen Geschichte frische Impulse einhauchte, gelang es Shyamlan mit "Unbreakable - Unzerbrechlich" eine völlig eigenständige Idee auszubauen, zugegeben von einem popkulturellen Massenphänomen inspiriert und teilweise auch handelnd, aber durch das Zurückrudern der Extreme eine völlig eigene Welt in der unseren entstehen lassend, ohne auf den üblichen Comic-Hokuspokus zurückgreifen zu müssen. In seiner ruhigen, unaufgeregten Art, in der selbst die Zugkatastrophe ausgeblendet wird, um dem zarten Erzählstil nicht zu schaden, herrscht trotz der gewagten Thematik eine Sachlichkeit, ein Drang nüchternen Experimentierens. Erzählt wird der langsame Aufbruch eines Zweifels bis hin zur Erkenntnis. Und selbst im Endergebnis kann man nie ganz sicher sein, ob die Idee von Price nicht doch ihre Risse besitzt, und der Zufall nicht doch eine Spur zu intensiv mitspielte. Kann doch alles nur ein Irrtum sein? Geht die Theorie über Dunns intuitive Eingaben vielleicht doch nicht hinaus? All zu sehr lässt Shyamalan diesen Zweifel nicht im Raum stehen. Im ersten Moment glauben wir an das hier Erzählte. Der Zweifel soll nur unterschwellig, frei von Bedeutung nach dem Sichten nachhallen. Letztendlich spricht vorerst jedoch alles für die Theorie des Comic-Fans im Rollstuhl.

Interessant ist wie glaubwürdig Shyamalan seine Geschichte erzählt. Sicherlich darf man sich zurecht fragen, warum es Dunn nie auffiel niemals krank gewesen zu sein, ansonsten stimmt die innereigene Logik des Streifens und damit auch die Konsequenzen, welche die Geschichte durch sie erhält. Dank tiefgehender Figuren, selbst jene die nur für Nebensächlichkeiten bedeutend sind, wird der langsame, gleichermaßen nüchterne und dramatisch erzählte, Film solch ein intensives Erlebnis für jenen Zuschauer, dem es nach ruhig erzählten Stoffen dürstet. Hier sichten wir atmende und mit zwischenmenschlichen Problemen kämpfende Menschen, deren Schicksale und Charaktere sich echt anfühlen, egal wie sehr es sie in Klischees und Phantastereien hinzieht. Sensibel erzählt, jeglichen Knopf erst zum richtigen Zeitpunkt drückend, hervorragend inszeniert und fotografiert und ebenso professionell von den Mimen dargestellt, offenbart sich der Film mit seiner eigenen, wahnwitzigen Idee als großes Genre-Kino, nicht gerade für die Masse entworfen, aber durchaus für den Liebhaber besonderer Filme. Frei von reißerischen Aspekten und Kitsch atmet der Streifen eine sachliche und unaufgeregte Luft, bis zu jenem Zeitpunkt, in welcher er sich mit leicht erhöhter Aufregung entlädt. "Unbreakable" ist ein Liebhaberstück, und ich freue mich schon auf die direkte Fortsetzung "Glass", die 2019 ins Kino kommt und das hier besprochene Werk mit dem mir bislang unbekannten Horrorfilm "Split" vereinen wird.


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SIEBEN JUNGFRAUEN FÜR DEN TEUFEL (Nude... si muore 1968 Antonio Margheriti)


Auf einem Mädchenpensionat hausen während der Ferienzeit nur wenige Schülerinnen, die in Gefahr geraten als ein Mörder sein Unwesen treibt. Auch Mitarbeiter des Internats sind ihres Lebens nicht sicher...


Derrick und Leslie Nielsen in einer Person...

Wer aufgrund des deutschen Titels einen okkulten Horrorfilm vermutet, ist im falschen Film, geht es im hier besprochenen Werk doch um einen menschlichen Killer mit klassischem Mordantrieb, und mit Teufel wird lediglich sein ausgeprägter Sadismus angesprochen. Wer aufgrund der tatsächlichen Handlung jedoch vermutet einen Giallo oder einen Grusel-Krimi zu sichten, der wird ebenso vor den Kopf gestoßen, "Sieben Jungfrauen für den Teufel" entpuppt sich als Bastard von einem Film, der sich in keine Schublade stecken lässt, und dies einfach deswegen, weil sich Regisseur Antonio Margheriti kaum für einen funktionierenden Spannungsbogen interessiert, die Szenen stattdessen meist im Hellen stattfinden lässt, untermalt von Musik mit fröhlichem Touch. Die nicht wirklich tief gehenden Figuren interessieren ihn umso mehr, und da einige von ihnen einen ungewöhnlichen Spleen haben und auch manche Situation individuell aus dem Alltag zu entstammen scheint, anstatt aus den festen Regeln eines engstirnigen Drehbuchautors, kann sich das Ergebnis auch sehen lassen.

"Schoolgirl Killer" (Alternativtitel) ist ein Film für ein Publikum, das nicht in Schubladen denkt und sich an Nebensächlichkeiten erfreuen kann. Die Mordszenen sind nicht wirklich alternativ gut ausgefallen, das Mörderraten fällt leicht (aufgrund eines Ärgernisses in der Deutschvertonung weiß man nicht nur schnell wer der Täter ist, sondern auch was sein Trick der Tarnung ist), und wie gesagt existieren kaum spannende Szenen, nervenkitzelnde sogar gar keine. Für das bisschen Restpublikum, das mit dieser Herangehensweise nicht verprellt wird, kann der ursprünglich in Schwarzweiß in deutschen Kinos gelaufene Kriminalfilm auf rein menschlicher Ebene recht gut funktionieren, zumindest für Filmfreunde mit einem Faible für naive Stoffe, ist das Ergebnis doch auch mit all meinem Wohlwollen noch immer ein schlichtes Unterhaltungsfilmchen, aber eben eines mit Charme für seine Andersartigkeit und eines mit Sympathie für seine Figuren.

Der klassische Krimipart, mit einem Kommissar und seinen Ermittlungen, beginnt erst spät. Giallo-ähnlich übernehmen zunächst erst Privatpersonen die Ermittlung. Da lange Zeit für die meisten Anwesenden im Internat nicht klar ist, dass ein Mörder umgeht, wird die Polizei erst sehr spät gerufen. Im letzten Drittel darf sie sich aber um so intensiver ins Geschehen einmischen, inklusive kombinieren und nachdenken (bei den meisten Italofilmen ist dies schließlich eine der entscheidenden Eigenschaften die den Kriminalpolizisten fehlt). Und dank der herrlich verkrampften, wenn auch nicht unsympathischen Besetzung mit einem langen Grauhaarigen als Inspektor, kommt einem in seiner rationalen Art sogleich "Derrick" in den Sinn, ebenso wie das herrlich verkrampfte Spiel Leslie Nielsens aus "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug". Nicht dass dieser Aspekt wichtig zu nennen wäre, aber er hat mich derart belustigt, dass ich es unbedingt erwähnen wollte.

Aufgrund dieses Beispieles darf man jedoch nicht davon ausgehen, dass mir "The Young, the Evil and the Savage" (Alternativtitel) aufgrund unfreiwilliger Komik gefallen hätte. Die taucht hier glücklicher Weise kaum auf, zumal Margheriti auch immer wieder freiwillige Komik aufkommen lässt. Der augenzwinkernde Schlussgag steht hierbei Pate für den Charme, das Funktionieren und auch die ungewöhnliche Art des Filmes und seiner Komik, ein Kriminalfilm der jedoch auch nie zu stark humoristisch angereichert ist, als dass er als Komödie durchgehen könnte. Wie erwähnt darf man in solchen Kategorien nicht denken. Margheriti, der von sympathisch schlichtem Horror wie "Das Alien aus der Tiefe", über einzig unfreiwillig komischen Schrott wie "Einer gegen das Imperium" bis hin zu oft reißerischem Durchschnitt wie "Asphalt-Kannibalen" auf B-Film-Basis stets unterschiedliche Ergebnisse ansteuerte, lieferte mit "Naked You Die" (Alternativtitel) einfach eine Rezeptur ab, auf die er selber Lust hatte. Zielpublikumsorientiert kann man den Streifen zu keinem Zeitpunkt nennen, auch wenn Trailer, Plakate und Titelgeber noch so darum bemüht sind ihn dem falschen Publikum anpreisen zu wollen. Dieses entspannte Herangehen weiß zu gefallen, und das Ergebnis gibt dem Regisseur recht, auch wenn dieser mit "Nude... si muore" (Originaltitel) nichts prägendes oder grandioses abgeliefert hat.


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GESCHICHTEN AUS DER SCHATTENWELT (Tales from the Darkside: The Movie 1990 John Harrison)


Um die Hexe hinzuhalten, die kurz davor ist ihn in den Ofen zu schieben, liest ein kleiner Junge in seinem Käfig seiner Entführerin drei Horrorgeschichten aus einem alten Buch vor. Darin geht es um eine Mumie, eine mörderische Katze und um den Pakt mit einer monströsen Gestalt...


Die Vororthexe...

Sechs Jahre nachdem die Serie "Geschichten aus der Schattenwelt" startete, drehte John Harrison die Spielfilmvariante davon, die ebenfalls diverse Horrorepisoden beinhaltete. Zusammengehalten werden sie durch die Rahmenhandlung eines von einer Hexe gefangengehaltenen Jungen, der die drei Hauptgeschichten aus einem Buch vorliest. Sicherlich darf man sich fragen, ob ein solches Vorhaben Sinn macht, wenn bereits die TV-Serie nicht miteinander verbundene Horrorgeschichten präsentiert, aber vielleicht lag der Reiz im finanziellen Umfeld. Ich kenne die Serie nicht, auf welcher der hier besprochene Film beruht, aber an Geld für tolle Spezialeffekte schien es nicht zu mangeln, lassen diese doch nichts zu wünschen übrig. Mit John Harrison hatte man zudem jemanden für die Regie verpflichtet, der innerhalb der Serie bereits mehrfach tätig war, und sein Gespür für Stil ist es dann auch, der "Tales from the Darkside - The Movie" (Originaltitel) so wundervoll funktionieren lässt.

Denn auch mir als jemand, der sich mit Episodenfilmen ein wenig schwer tut, hat dieser Ausflug in harmlose, kleine Horrorideen durchaus gemundet. Wahre Highlights präsentiert uns der Film nicht, aber alle drei Geschichten sind eine wunderbare Ablenkung von der grauen Realität. Der fast schon familiengerechte Touch wird nie zu extrem zelebriert, als dass das Ergebnis zu harmlos ausfallen würde. "Geschichten aus der Schattenwelt" schwankt zwischen blutleer, aber morbide. Seine Geschichten umweht ein düsterer Touch. Und schwarzhumorige Pointen weiß jede der vier Erzählstränge aufzuweisen. Wie bei einem Episodenfilm üblich fehlt jeder Geschichte eine entscheidende Zutat, und so kann jede von ihnen aufgrund ihrer begrenzten Spielzeit nicht sein volles Potential ausschöpfen. Um so verwunderter darf man darüber sein, dass die sich oft halb anfühlenden Erzählungen gelungen genug umgesetzt wurden, selbst dann, wenn sie wie in Geschichte Nummer 1, so gut wie keine eigenen Ideen aufweisen, die es nicht anderswo bereits gegeben hätte.

Der einzige wirkliche Schwachpunkt des Streifens liegt in der Rahmenhandlung, die zwar eingangs, wenn der Vorspann läuft, liebevoll und augenzwinkernd umgesetzt ist, mit der Auflösung der Identität der Frau und ihrer Pläne jedoch die letzte schöne Idee dieser Zwischensequenzen präsentiert, da von da an nur noch stur vorgelesen wird. Und auch die Schlusssequenz lässt Einfallsreichtum kläglich vermissen. Manch nette Pointe steckt zumindest in den Dialogen zwischen Kind und Hexe, und da die Sequenzen recht kurz ausgefallen sind, macht es die angenehm routinierte Qualität des Restfilmes auch nicht kaputt. Während die Mumiengeschichte trotz ihres Mangels an Innovationen verspielt und düster ausgefallen ist, besetzt mit Christian Slater und Steve Buscemi, ist es ausgerechnet sie, die zum Höhepunkt des Streifens wird, obwohl sie die banalste Geschichte erzählt. Der sehr interessant klingende Aufhänger der zweiten Geschichte, dass ein reicher Mann einen Auftragskiller engagiert um eine angebliche Killerkatze zu töten, wird leider nicht vollends genutzt (hier gefiel mir die Katzenhorror-Kurzgeschichte aus "Der Makler" besser), aber bis man erkennt, dass aus der hervorragenden Grundidee zu wenig herausgeholt wurde, lebt sie immerhin von ihrer hervorragenden Grundidee (von den tollen Settings, die jede der drei Geschichten zu bieten hat, einmal ganz zu schweigen).

Die letzte der drei Geschichten, besetzt mit der kurzfristig berühmteren Rae Dawn Chong, fängt sehr interessant an, konzentriert sich aber zu sehr auf die Schlusspointe, als dass sie im Mittelfeld mit den stimmigen zwei Geschichten zuvor mithalten könnte. Das Monster hat mir optisch wenig zugesagt, die Charakterzeichnung des Künstlers war mir nicht interessant genug angegangen, aber die Schlusspointe gibt der Geschichte recht, und ein stimmiger Einstieg, in einer dunklen Gasse spielend, ist besonders düster inszeniert. So hat jede der hier erzählten Geschichten ihre Schwachpunkte, aber das Restergebnis weiß zu gefallen, so dass "Geschichten aus der Schattenwelt - mehr als ein Film" (Alternativtitel) dem neugierigen Horror-Fan für zwischendurch trotzdem schmecken müsste. Immerhin bietet er solides Grundlagenprogramm, in welchem die inszenatorischen Aspekte mehr beachtet wurden als die Innovation der Geschichten. Wirklich schade ist es aber eigentlich nur um den Katzenhorror, den ich gern woanders noch einmal neuverfilmt sichten möchte, das volle Potential ausschöpfend, welches in ihm schlummerte.


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PACIFIC RIM 2 - UPRISING (Pacific Rim: Uprising 2018 Steven S. DeKnight)


Als die Monster-Aliens einer Paralleldimension zurück kommen, um der Menschheit erneut den Krieg anzusagen, tut sich ein erfahrener Jungpilot mit einer taffen Teenagerin zusammen, um den Biestern mithilfe von Riesenrobotern den Kampf anzusagen...


Pokemon-Roboter...

"Pacific Rim" gehörte für mich neben "Edge of Tomorrow" zu den wenigen Blockbustern heutiger Tage, die mir uneingeschränkt gefallen haben, ohne unter nennenswerten Blockbuster-Krankheiten zu leiden, die den Sehwert schmälern. Beides sind Filme die vormachen, was Kino könnte wenn man sich nicht einzig den Spezialeffekten widmet, diese aber dennoch auf höchstem Niveau mit einbaut. Beides sind Filme für groß gewordene Kinder, ohne, wie im heutigen Mainstream-Unterhaltungskino üblich, dabei infantil zu werden. Mit Neugierde und einer unterschwelligen Panik zugleich wagte ich mich an die Fortsetzung des Science Fiction-Filmes um Riesenroboter und Aliens aus einer Paralleldimension heran, und das ungute Gefühl, dass ein solches Projekt nicht noch einmal so brillant ausfallen würde, bestätigte sich sehr schnell. Nicht nur dass "Pacific Rim - Uprising" dem ersten Teil nicht das Wasser reichen kann, er ist eine peinliche Enttäuschung geworden, die sich in Sachen Fremdschämen nicht hinter "Transformers", "Deadpool" und Co verstecken muss.

Aus einem Film, an dem auch mitdenkende Erwachsene ihren Spaß haben konnten, ist in der Fortsetzung ein reiner Kinderfilm geworden, ein Werk dass sich den Schauwerten ebenso extrem widmet, wie dem hektischen zwischenmenschlichen Kitsch und eines sich künstlich anfühlenden Miteinanders, gefangen in billigsten Kino-Klischees. Die Roboter werden uns präsentiert wie Pokemons, wahrscheinlich damit das neue, wesentlich jüngere, Zielpublikum fleißig die Spielzeuge zum Film kauft und, falls vorhanden, Karten ihrer Lieblingsroboter austauschen können, so wie einst in den 90er Jahren der Pokemonkartentausch derart intensiv stattfand, dass er in einigen Schulen und Horten untersagt wurde. Quantitative Schauwerte vereinen sich mit irrationaler psychologischer Motivationen, die hier entworfene Welt und das was sich in ihr abspielt werden bereits im ersten Hinterfragen als unsinnig entlarvt, durchdacht ist hier wenig. Zwar kehren einige bekannte Gesichter aus dem Original zurück, so z.B. die dort liebgewonnenen schrägen zwei Wissenschaftler, aber auch die können in dem hier gelebten Kindergarten nichts mehr retten.

Nur selten habe ich einen derartigen Schlag in die Fresse von einer Fortsetzung erhalten, wie es hier der Fall war, fühlte ich mich doch an "Rasenmähermann 2 - Beyond Cyberspace" zurück erinnert, der dem sehr schönen, völlig unterschätzten Teil 1 ebenfalls eine undurchdachte, hektische und wirre Fortsetzung für Kinder bescherte und das ursprüngliche Publikum ausschloss. Genau das ist auch mit dem hier besprochenen Werk geschehen, was die Frage aufwirft, warum man für Kinder nicht, wie sonst auch, etwas eigenes geschaffen hat oder einen TV-Ableger des Urfilmes, eventuell in Zeichentrickform. Warum muss eine offizielle Kinofortsetzung stilistisch derart abgeändert werden, dass sie dem Freund des Originals nur noch Würgreiz beschert? Was bin ich froh, dass mein ungutes Gefühl mich einst davon abhielt ins Kino zu gehen. Ich wäre mir noch verarschter vorgekommen als seiner Zeit im enttäuschenden "Matrix 2". Der bot immerhin noch mittelmäßige Unterhaltung mit einigen Schauwerten. In "Solar Rim" (Alternativtitel) gibt es nur professionelles Gepixel ohne nennenswertes Existenzrecht und infantile Handlung für Denkverweigerer.


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CREEPS - EINE UNHEIMLICHE GEISTERSTUNDE (The Midnight Hour 1985 Jack Bender)


Jugendliche brechen am Abend vor der Halloweennacht ins Ortskundemuseum ein, um sich authentische historische Kostüme der legendären Stadthexe zu besorgen und finden zwischen den Requisiten ein Pergament auf dem eine alte Beschwörungsformel zur Erweckung von Toten aufgeschrieben wurde. Die wird sogleich auf dem Friedhof ausgetestet, und noch ehe die Kids mitbekommen, dass das Ritual Wirkung zeigt, sind sie auch schon wieder unterwegs nach Hause. Erst während einer Halloween-Party, als die Zombies und Vampire sich unter das Volk mischen und durch ihr ungewöhnliches Verhalten für Verwunderung sorgen, geht einem der Teenager langsam ein Licht auf. Zu dumm dass der sich inzwischen in eine der Wiedererweckten verliebt hat...


Halloween-Terror für 8jährige...

"Creeps - Eine unheimliche Geisternacht" beginnt wie der klassische bunte, aber taugliche 80er Jahre-Horror mit Komödieneinfluss, eine eigene Gattung Genrebeitrag zu der auch solch sympathische Werke wie "Die Nacht der Creeps" und "Night Life" gehören. So macht das augenzwinkernde, nie düstere Treiben zunächst routiniert genug Spaß um guter Dinge zu sein, und bis zum Ritual auf dem Friedhof hält man dieses schlichte, brauchbare Niveau auch durch. Doch die funktionierende Fassade beginnt ziemlich direkt kurz nach dem ernüchternden Knalleffekt, mit welchem die Kreaturen auferstehen, zu bröckeln, fängt "Halloween - Besuch aus dem Jenseits" (Alternativtitel) doch nun bereits an Horrorkreaturen bunt, und in ihren Aufgaben nicht wirklich voneinander getrennt, zusammenzuwürfeln. Vampire, Hexen und Zombies existieren gleichrangig nebeneinander, das könnte man mit weniger engstirnigem Denken noch tolerieren, doch sind die Horrorfiguren optisch viel zu zahm ausgefallen, als dass sie für leichten Grusel sorgen könnten.

In seinen schwächsten Momenten schaut sich das Agieren der Monster wie das Treiben Streiche spielender Kostümierter zu Halloween. Die Zombies wissen in ihrer Maske etwas mehr zu wirken als die Hexen und Vampire, sind jedoch ähnlich arg und damit ungruselig an Michael Jacksons "Thriller"-Musikvideo angelegt wie drei Jahre nach dem hier besprochenen Werk die Untoten aus "Return of the Living Dead 2". Während dieser zumindest inmitten seiner etwas zu präsenten Lustigkeit auch funktionierende Szenen zu bieten hatte, allein weil die Zombies dort trotzdem eine Bedrohung ausstrahlen, gruselt "Eine unheimliche Geisternacht" (Alternativtitel) nicht einmal mehr wen 12jähriges, so brav wie all die familiengerechten Ereignisse hier eingefangen werden. Im Vergleich siegt selbst der viel zu albern ausgefallene "C.H.U.D. 2", eben weil dort zumindest mancher Gag zündete. "The Return of the Living Zombies" (Alternativtitel) ist hingegen humoristisch so zahm ausgefallen wie im Gruselbereich, so dass man das Gefühl bekommt irgendeine Religionsgemeinschaft der Vereinigten Staaten von Amerika hätte sich, ähnlich wie später bei "The Hangman's Curse", dazu entschlossen einen Horrorfilm zu drehen.

Dass es zumindest Regisseur Jack Bender besser kann, bewies er mit dem sympathischen, wenn auch nicht großartigen, "Chucky 3". Sein Ausflug ins Gruselkomödien-Fach um vielerlei Horrorkreaturen kann man jedoch getrost in die Tonne kloppen, allein schon weil er sich zu all seinen Minuspunkten zusätzlich erdreistet einen romantischen Sub-Plot zwischen Mensch und menschlich aussehendem Zombie abzuliefern. Diesem fehlt weder die richtige Tonlage zum romantischen Verzaubern des Publikums, noch wird je geklärt warum besagtes Mädel als einziges unmonströs aussehend auferstanden ist. Während "Die Munsters"-Autoren in ihrer Serie diesen Trick für eine Vielzahl gelungener Witzchen nutzten, weiß man außerhalb der Love Story mit diesem Gymmick in "The Midnight Hour" (Originaltitel) nie etwas anzufangen. Nach 10 sympathischen Minuten geht es mit dem Film steil bergab, so sehr dass er schnell beginnt zu nerven, anstatt zu unterhalten. Und diesen Kurs hält der Streifen, der auch als "In the Midnight Hour" erschienen ist, leider bis zum Schluss konsequent durch. Mein Rat: Finger weg, selbst dann wenn man familientauglichen Grusel mag. Dann lieber zu "Monster House" greifen!


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VAMPIRA (1974 Clive Donner)


Dracula hat aus seinem Schloss eine Touristenattraktion gemacht, freilich ohne dass wer weiß, dass der berühmte Blutsauger tatsächlich existiert. Schon lange wartet er auf einen Menschen mit einer höchst seltenen Blutgruppe, die seine ehemalige Weggefährtin wieder erwecken könnte. Als es endlich so weit ist staunt Dracula nicht schlecht. Seine Angebetete erwacht als Schwarze, da das Blut von einer eben solchen stammt...


Blacira...

An sich hat das wesentlich mehr auf Komödie anstatt auf Horror getrimmte Werk sein Herz am rechten Fleck. Es ist theoretisch nicht so lieblos inszeniert wie der holprige "Die Herren Dracula", fällt trotz Schwerpunkt Komödie nicht all zu albern aus wie "Gebissen wird nur nachts", doch den Charme eines "Liebe mit Biss" und Co fehlt ihm dann doch. Dabei ist David Niven eine stilvolle Wahl den Grafen Dracula zu spielen, unterstützt durch eine ebensolche Synchronstimme innerhalb einer Deutschvertonung, die sich ohnehin hören lassen kann. Ebenso ist der Diener passend besetzt, und dass Clive Donner etwas vom Komödienfach versteht bewies er bereits zuvor mit seinem Erfolgsfilm "Was gibt es Neues,Pussy?" und danach mit dem geglückten "Die nackte Bombe".

Zudem gehöre ich nicht zu den Menschen die Probleme mit der Thematik des Stoffes haben, immerhin existieren nun einmal verschiedene Hautfarben, und da kann man das Thema ruhig einmal veralbern, zumal "Old Dracula" (Alternativtitel) diesbezüglich recht harmlos ausgefallen ist und sich in seinen Veralberungen nicht einzig auf diesen Aspekt bezieht. Was "Soulman" in den 80er Jahren war, war nun einmal "Vampira" in den 70ern, lediglich mit weniger Erfolg versehen als die Teenie-Komödie, die auch kritische Töne zu dem Thema zuließ. Der Grundton stimmt, die Komödie ist eher mit seichter Komik angelegt und manch kleine Schmunzler wissen zu treffen. Die Dekoration krankt an der typischen 70er Jahre-Mode, ist aber mühevoll genug eingerichtet, damit auch sie innerhalb des Streifens zu funktionieren weiß. Und Vampira selbst ist in Ordnung besetzt, kein Highlight des Streifens, aber überzeugend genug für ein passables Ergebnis.

Und doch, ich weiß nicht ob es an meiner Tagesform lag oder daran, dass ich emotional anderweitig abgelenkt war, irgendwie wollte der Funke nicht überspringen. Zu belanglos erschien mir das ganze Getue, zu wenig morbides Flair wollte sich ins Komödiengetöse einschleichen, um auch wahrlich den Horror parodieren zu können. Über kleine, funktionierende Witzchen kam "Vampira" einfach nicht hinaus. Der an sich leichtfüßig inszenierte Film wies keine nennenswerten Höhepunkte auf, funktionierte einfach auf zu harmlosem und belanglosem Erzählniveau, und das konnte mich gestern nicht bei der Stange halten. An einem geduldigeren Tag wäre ich sicherlich trotzdem aufgrund der oben genannten Stärken bis zum Schluss dran geblieben, gestern schaltete ich jedoch voreilig aus. Und da ich glaube dass "Vampira" von mir keine zweite Chance bekommt, habe ich trotzdem mal diese Review zu einer halbfertigen Sichtung geschrieben.


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HALLOWEEN (2018 David Gordon Green)


Es ist 40 Jahre her, dass Michael Myers einst in der Halloweennacht fünf Jugendliche umgebracht hat. Als er in eine andere Anstalt verlegt werden soll gelingt ihm nach all der Zeit die Flucht. Laurie Strode, die sich ihm einst zur Wehr setzen musste, hat sich seit damals darauf vorbereitet, dass er eines Tages zurückkehren könnte und hat sich in ihrer militanten Vorbereitung derart auf diese Idee eingeschossen, dass sie den Kontakt zu ihrer Familie fast gänzlich verloren hat. Und genau diese gilt es nun zu beschützen, ob sie will oder nicht, denn Michael zieht es erneut in seine Heimatstadt Haddonfield...


Von wegen Käfig...

Bereits im in der "Scream"-Welle entstandenem "Halloween 7 - H 20" kehrte Jamie Lee Curtis zu ihrer ersten Hauptrolle aus John Carpenters Erfolgsfilm "Halloween - Die Nacht des Grauens" zurück. Damals setzte man die Teile 3 - 6 ignorierend "Halloween 2" fort, nun nach zwei umstrittenen Remakeepisoden von Rob Zombie, pünktlich zum 40. Jubiläum, wird das Original direkt fortgesetzt, auch die erste Fortsetzung von einst ignorierend. Produziert haben das Ganze John Carpenter und Jamie Lee Curtis höchstpersönlich. Auch die Familie Akkad ist nach dem Tod Moustapha Akkads, der bislang noch jeden "Halloween"-Film produzierte, mit an Bord. Lediglich das Drehbuch überließ man anderen, ebenso wie die Regie, die überraschender Weise David Gordon Green überantwortet wurde, der eher mit Komödien wie "Bad Sitter" und dem herrlich kultigen "Ananas Express" Erfolge erntete.

Nach dem Sichten des aktuellen "Halloween", in welchem Laurie nicht mehr die Schwester des legendären Babysittermörders ist, kann man Green als die richtige Wahl bezeichnen, hinterlässt er doch die nötige Handschrift aus Verehrung des Originals und dem Fortsetzen dessen Geschichte, ebenso wie er inszenatorisch Old School-Horror abliefert, ohne die extreme Langsamkeit von Carpenters Kultfilm anzugehen, mit der man das Publikum von heute großteils wohl eher verscheucht hätte. Für heutige Sehgewohnheiten ist "Halloween Returns" (Alternativtitel) noch immer recht langsam ausgefallen, das weiß zu gefallen, und auch der hochgeschraubte Blutgehalt ist in Zeiten wie heute kaum der Rede wert, Michaels Rückkehr verkommt nicht zum sinnlosen Massaker, auch hier bin ich positiv überrascht. Orientiert an Teil 1 ist auch die Figurenzeichnung der wichtigsten Personen schlicht und natürlich eingefangen, lediglich die Reporter, mit denen alles losgeht, wirken wie erfundene Hollywood-Figuren und sind sogleich auch richtig unsympathische Gestalten.

Leider muss man sie zu lange ertragen, bevor man erleichtert feststellen darf, dass sie keine Hauptfiguren werden, als Entschädigung ist die Szene, in welcher beide ihr Lebenslicht verlieren, jedoch um so intensiver ausgefallen und zählt zu einem der Höhepunkte des Streifens. Wirklich negativ wirkt allerdings eigentlich nur die erste Szene vor dem Vorspann, die mir auch aus Reportersicht herzlich wenig Sinn in ihrer reißerischen Art macht, zumal hier ein Kult um die Maske Michael Myers gemacht wird, ebenso wie im Restfilm, der keinen Sinn ergibt, wenn nach den Ereignissen von Teil 1 nichts mehr geschah. Dies betrifft aber auch die extreme Verbissenheit von Lauries Charakter, wirkt es doch nicht überzeugend dass ein einziger Kampf vor 40 Jahren eine derart hochgebildete, taffe Schülerin zu einer stets unter Verfolgungswahn  leidenden Kampfbestie a la Sarah Connor aus "Terminator 2" werden lässt. Mit Blick auf die Ereignisse im Krankenhaus in der 80er Jahre-Fortsetzung hätte das schon mehr Glaubwürdigkeit bewiesen. Aber was soll's, letztendlich ist "Halloween" lediglich ein kleiner Slasher, der den Ur-Typ dieses Horror-Sub-Genres fortsetzen möchte, und das ist nun einmal Popkornkino und kein Art House, was soll man sich also am psychologischen Aspekt der Figuren aufhängen?

Wichtig ist, dass psychologisch gesehen der Spannungsgehalt stimmt, und der hätte meiner Meinung nach noch einen Grad höher ausfallen können, ist aber nach kurzen Einbrüchen immer wieder mal auf einem stimmigen Hoch, so dass es eigentlich nichts zu klagen gibt. Mit hohen Erwartungen wird sicherlich kaum wer an dieses Experiment nach 40 Jahren herangegangen sein, und so liefert Green uns jene angenehme Routine dieser Art Film ab, die es aufgrund zu hohem Blutgehalts und zu wilder Trips heutzutage kaum noch zu sichten gibt. Allein dafür sollte man dankbar sein. Spielereien für Kenner der Reihe sind mit eingebaut. Das beginnt mit der kurzen, eher zu künstlich eingebrachten, Erwähnung, dass Laurie nicht die Schwester des Killers ist, das wird weiter fortgeführt bei Parallelszenen zum Original, in welchen Michael durch Laurie ersetzt wird, und das geht hin bis zu absoluten Insidergags, wie den Halloweenmasken, welche von der Firma aus "Halloween 3" stammen. Glücklicher Weise orientiert man sich nicht einzig aufs Kopieren, Verehren und Variieren, gerade der zunächst nach Schwachsinn klingende Aspekt aus Laurie eine Kampfbitch zu machen erweist sich als der frisch wirkende, laufende Motor dieses neuen Teil 2, toll verkörpert von einer sichtlich gealterten Jamie Lee Curtis.

Ansonsten bietet der Streifen einen neuen Dr. Loomis, der glücklicher Weise nicht nur den alten kopiert, leider aber in seiner Abweichung des Vorbildes nicht all zu glaubwürdig herüber kommen darf. Wir erleben die Rückkehr eines unscheinbaren alten Bekannten, der sowohl am Tatort des 60er Jahre-Mordes, als auch bei der Jagd 15 Jahre später mit dabei war. Wir nehmen an der Erkenntnis teil, dass die Jugendlichen rund um die Protagonisten herum ähnlich dämlich und unsympathisch geblieben sind, wie man es nach Carpenters Original in Werken wie "Und wieder ist Freitag der 13." erleben musste, sprich einzig die Straude-Familie bleibt in ihrer versimpelten Darstellung sympathisch, da glaubwürdig. Und wir müssen erneut feststellen, dass Filmemacher aus etlichen Fehlern noch immer nichts gelernt haben. Am Ende der ganzen Chose wird auf subtile Art auf eine mögliche Fortsetzung hingewiesen, die auf der Idee des Schluss-Gags von "Halloween 4" aufbaut. Diese beweist, dass man scheinbar noch immer nicht den Fanatismus der Filmanhänger der Reihe begriffen hat und damit diese nicht glücklich machen würde. Die Geldgeber von "Halloween 5" haben das einst dann doch kapiert. Wollen wir einmal hoffen dass es auch die Geldgeber der möglichen Fortsetzung des hier besprochenen Filmes verstehen werden und doch noch umschwenken werden. So unauffällig wie hier am Schluss angedeutet käme man damit keinem Widerspruch gleich, wie jenem extremen aus "Halloween 8 - Resurrection", auch wenn man sich wie dort eine bizarre Ausrede zu Nutzen machen müsste.


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BELLADONNA (Kanashimi no Beradonna 1973 Eiichi Yamamoto)


Kurz nach ihrer Hochzeit wird die junge Jeanne vom Fürsten und seinen Mannen gnadenlos vergewaltigt. Doch damit beginnt erst ihr Leidensweg, der sie über einen längeren Zeitraum in die Fänge des Teufels treiben wird, bis sie bereit ist sich von allen verlassen dem Bösen hinzugeben...


Ich bin alle...

"Belladonna" ist der letzte Teil einer ungewöhnlichen Trilogie. Allerdings kann ich ihn nur losgelöst der anderen beiden von Eiichi Yamamoto inszenierten Filme besprechen, sind sie mir doch nicht bekannt. Erst mit der Vorbereitung zu meiner Besprechung erfuhr ich überhaupt, dass es diese Vorgänger gibt. Da sie inhaltlich jedoch losgelöst vom hier besprochenen Werk existieren (die Titel "A Thousand and One Nights" und "Cleopatra" sagen es bereits), dürfte das auch ziemlich egal sein. Obwohl mich die Frage sehr wohl reizen würde, ob diese beiden Werke so interessant und grenzwertig zugleich animiert sind, wie es "Belladonna der Trauer" (Alternativtitel) ist, kommt man aus dem Staunen doch nicht heraus wie hier unterschiedliche künstlerisch hochgradig wertvolle Zeichenstile durcheinander gewirbelt werden und dem Zuschauer Bilder zaubern, die wahrlich zu faszinieren wissen. Mag die Geschichte auch eher schlicht, traditionell und episodenhaft ausgefallen sein, letztendlich ist sie ohnehin fast egal, gibt man sich doch all zu gern dem Bilderrausch hin, der einen schnell in seinen Bann zieht.

Das schafft er selbst dann, wenn man manchen sexuellen Aspekt, von dem es in "Belladonna of Sadness" (Alternativtitzel) zu genüge gibt, als etwas arg pseudo-provokativ oder lächerlich empfindet, manchmal arg nah an Altherren-Gelüsten orientiert, revidiert sich im Laufe der Zeit doch dieser Eindruck und der sexuelle Aspekt bekommt tiefere Bedeutung, sowie er ohnehin stets auch ein tatsächlich wichtiger Aspekt für die Geschichte ist, vordergründig wie analytisch. Dabei schaffen es die Verantwortlichen der Animationen immer wieder sexuelle Praktiken überdeutlich symbolisch aufzuzeigen, ohne je tatsächliche pornografische Bilder abzuliefern. "Belladonna" ist nicht nur inhaltlich ein Fantasiefilm, auch seine Bilder scheinen einer bizarren, düsteren und lüsternen Traumwelt entsprungen, so dass Farben und Formen ebenso zu Symbolen werden wie Figuren und Gegenstände. Dies freilich nicht nur sexuelle Aspekte betreffend, denn mag der amouröse Touch auch wesentlicher Bestandteil der Geschichte sein (wenn zu einem guten Teil auch nicht erotisch gemeint), so steckt die Erzählung doch auch voll von Tragik und düsteren verschlungenen Fantasypfaden, die alle vom Bilderrausch zehren.

Der lässt die Kunstversuche eines "Fantasia" locker hinter sich, erinnert in seinem psychedelischen Spiel eher an "Yellow Submarine" und hinterlässt ähnlich wie dieser den Eindruck die Künstler hätten LSD benötigt, um zeigen zu können was sie hier bizarres zeigen. Allerdings verweist der Titel Belladonna bereits auf eine andere Droge, die schwarze Tollkirsche. Ob dies ein Beweis dafür ist, dass die Zeichner im berauschten Zustand gearbeitet haben, sei aber einmal dahingestellt, immerhin werden Künstler gerne unterschätzt auch im klaren Zustand beeindruckende Werke zu kreieren, und passt Belladonna in seinen Eigenschaften als gern auch zu Vergiftungen führende Droge doch hervorragend zur späten Charakterentwicklung der im Zentrum stehenden Jeanne. Sinnbild ist die Droge hier also ganz bewusst, was wiederum den gewagten Zeichenstil legitimiert, so dass inhaltlich, analytisch und künstlerisch alles durchdacht ineinander greift. Wer mit eingeschaltetem Kopf zusieht und sich nicht nur berauschen lässt, der wird bemerken wie wohlüberlegt gewählt besagte, oft surreal scheinende, Bilder sind. Hier wurde nicht wild drauf los gearbeitet, die Erschaffer des Filmes mussten das Konzept bei klarem Verstand verfassen, lediglich das Publikum darf sich einem Rausch hingeben.

Eigentlich habe ich den Film großteils nur theoretisch wahrgenommen. Ich konnte mich nicht wirklich in diesen Sog aus Gewalt, Sex und Sehnsucht hineinträumen, bzw. mich in diesen hineinreißen lassen, was nicht bedeutet, dass mich das Werk nicht beeindruckt hätte, das hat es von Beginn an sehr wohl. Aber erst gegen Ende, als die Gefühlswelt der mir sonst zu distanziert wirkenden Jeanne auch mich in ihren Bann riss, da konnte ich mitfühlen. Am besten gefiel mir gegen Ende diesbezüglich dass die brennende Jeanne (orientiert an Jeanne d'Arc, während der Großteil der Geschichte eher auf einem Originalkonzept von Osamu "Astro Boy" Tezuka beruht) nicht einfach nur niedergebrannt wird, ihre düstere Ader genießt diese Prozedur regelrecht, was sich u.a. in den sinnlich um ihren Körper schlingenden Rauchschwaden zeigt, ein wahrlich großartiger Moment in einem Film, der eigentlich ohnehin nur aus solchen besteht. Dies betrifft übrigens auch die sehr gut gewählte Filmmusik, die bis auf kleine Ausnahmen ebenfalls nur passend unterstützende Highlights präsentiert. Auch die Botschaft ganz zum Schluss weiß zu gefallen, die ich mir vereinfacht für meine Überschrift dieser Review zu eigen gemacht habe, um nicht noch mehr zu spoilern als ohnehin schon.

So bleibt ein rundum gelungener Film der völlig anderen Art, der wieder einmal zeigt wie vielschichtig Kino sein kann, wenn man es finanziell wie intellektuell nur einmal zulässt. Mag der Zeichenstil ihn auch in den Bereich des Experimentalfilms hinein zwängen, eigentlich folgt der Film mit seinen ablenkenden Bildern einer zu geradlinigen Geschichte, bzw. einer zu klar verlaufenden Charakterentwicklung, als dass er wirklich zu diesem Genre passen würde. Aber da die Ablenkung der dominierende Teil dieses Filmes ist, geht die Einordnung in diese Kategorie dennoch in Ordnung. Erwähnenswert wäre zum Schluss vielleicht noch, dass auch die japanische Synchronisation sich der hohen Qualität des Restfilmes anschließt. Der lediglich im Originalton mit deutschen Untertiteln versehene Film wäre von den Charaktereigenschaften seiner Figuren her selbst dann inhaltlich zu verstehen, wenn es keine Untertitel gäbe, so stark wissen die Stimmen den Charakter der Figuren und ihre Antriebe widerzuspiegeln. Spätestens zusammen mit den mal klaren und mal symbolischen Zeichnungen könnte man die Geschichte, wenn auch etwas zu grob, auch ohne ein Wort zu verstehen begreifen.


Weitere Besprechungen zu Belladonna: 


WIR FEIERN CHARLIE BROWN (A Charlie Brown Celebration 1982 Bill Mendelez)


Die Kinder rund um Charlie Brown und seinem Hund Snoopy erleben allerhand Tücken ihres Alltags, so z.B. Peppermint Patty, die ahnungslos ihr Diplom auf einer Hundeschule macht, im Glauben es handele sich um eine Privatschule für Menschen. Auf einem Ausflug trifft Linus auf eine ehemalige Bekannte, was Charlies Schwester so gar nicht schmeckt, und Lucy wirft Schröders Kinderklavier in die Kanalisation, da sie zu wenig von ihm beachtet wird...


Vier Kinder und ein wild gewordener Drachen...

Ein Jahr bevor die Peanuts-Comicfiguren im Fernsehen nach diversen Kurzfilmen in Serie gingen, erschien das Special "Wir feiern Charlie Brown", welches vom Schöpfer der liebenswerten Kreaturen Charles M. Schulz höchst persönlich mit einem Kommentar eingeleitet wird und neben diverser Kurzsequenzen vier längere Episoden beinhaltet. Der Zeichenstil ist, wie schon in den Kurzfilmen, sehr direkt an der Comicvorlage orientiert, lediglich ein paar Spielereien gönnt man sich, die auf dem Papier nicht möglich waren. Hervorhebenswert wäre diesbezüglich Snoopy als von Woodstock gesteuerten Hubschrauber, dessen Ohren herrlich albern propellerartig rotieren.

Zwar wissen die Stimmen im Original zu gefallen, zu empfehlen sei jedoch die schwungvoller ausgefallene Deutschvertonung, die auf der deutschen DVD-Veröffentlichung leider nicht mit enthalten ist. Da "A Charlie Brown Celebration" (Originaltitel) lediglich als Bonusmaterial auf der 12. und letzten DVD-Edition zur Serie "Peanuts - Die Charlie Brown und Snoopy Show" enthalten ist, muss man leider Vorlieb mit dem englischen Ton begleitet von deutschen Untertiteln nehmen. Da es sich bei der Auswahl der hier präsentierten Kurzgeschichten jedoch um tolle Ideen in humorreicher Umsetzung handelt, lohnt sich das Sichten definitiv trotzdem. 

Traditionsgerecht bekommt jede bekanntere Figur des Peanuts-Universums einen ausfüllenden Auftritt, bei welchem die aus den Comics bekannten Rituale brav eingehalten werden, inklusive mancher Ausnahme vorhandener Running Gags. Wie das zunächst traurige Thema um Charlie Brown im Krankenhaus in einem großen Lacher für die treuen, eingeweihten Peanuts-Fans endet, ist allein diesbezüglich das Reinschalten wert. Und als Highlight darf man Peppermint Patty dabei beobachten wie sie ahnungslos das Diplom auf einer Hundeschule absolviert, ohne dass ihr irgendwer der Erwachsenen mitteilt, dass dies keine Privatschule für Menschenkinder ist. Hier siegt die Vorstellung als Lacher, da die Erwachsenen gewohnter maßen freilich nicht gezeigt werden und nur über eine Tuba vertont werden. Die herrliche Böswilligkeit Schulzes, die wie immer nur unterschwellig mitschwimmt, ist hier auf einem herrlich schadenfreudigen Hoch.

So bleibt nur zu sagen, dass man "Wir feiern, Charlie Brown" (Alternativtitel) gerade als treuer Fan der Comicfiguren unbedingt gucken sollte. Und auch Neulingen kann man zu diesem 45minütigen Ausflug in die Welt der Peanuts raten, eben weil er wundervolle Highlights präsentiert, die auch dann funktionieren, wenn man die Running Gags der Comics nicht kennt. Allein die Soundkulisse weiß wie gewohnt zu gefallen. Die Peanuts-typischen Schreie bei Stürzen und anderweitigen Unfällen, die liebevoll zurückhaltende Jazzmusik im Hintergrund, das Gebrabbel von Snoopy, das alles ist eine Bereicherung zu den ebenfalls genialen Ergüssen auf dem Papier. Lediglich der Kurzfilm "Wer hat das Nest geklaut, Charlie Brown?" weiß meiner Meinung nach dieses TV-Special noch zu toppen.


HALLOWEEN - DIE NACHT DES GRAUENS (Halloween 1978 John Carpenter)


Mit sechs Jahren tötete Michael Myers seine Schwester mit einem Küchenmesser. Seitdem saß er stumm und regungslos in einer psychiatrischen Anstalt, bis ihm 15 Jahre nach der Tat die Flucht aus dieser gelingt. Sein Psychiater Dr. Loomis, der Michael eher für ein Monster als für einen Menschen hält, vermutet dass er in seine Heimatstadt reisen wird. Und er hat recht. In besagter Stadt gerät die junge Laurie ins Visier des Mörders, und in der Halloween-Nacht wird er zuschlagen während Laurie einem Babysitterjob nachgeht...


War das der schwarze Mann?...

... klingt im Deutschen wahrlich besser als der Boogeyman im Original, dennoch sei das Sichten der englischsprachigen Fassung empfohlen, werden Kinder in der Deutschsynchro doch verkitscht und unüberhörbar von erwachsenen Frauen gesprochen, was dann doch etwas arg nervt. Von einigen kleinen Logiklöchern (der Sekundensex in zwei Fällen, ruppiger Tag-Nacht-Übergang,...) abgesehen, sind das auch die einzigen Kritikpunkte, die sich Carpenters legendäres Werk gefallen lassen muss, ist es ansonsten inszenatorisch doch eine Meisterarbeit und einer meiner absoluten Lieblingsfilme des Horror-Genres. Carpenter ist inspiriert durch Hitchcocks "Psycho" und dem damals modernen italienischen Giallo, der sich zur Entstehungszeit bereits rar machte, die Blaupause des heute üblichen Slasher-Horrors gelungen, die durch "Freitag der 13." später noch einmal versimpelt wurde. In Carpenters Ur-Werk, für welches er im TV-Film "Das unsichtbare Auge" kurz zuvor bereits spannungstechnisch üben durfte, handeln die Teenager noch glaubwürdig, sprich ihre Naivität und Dummheit ist dem Alter geschult und nicht der Schwäche des Drehbuchautors, und gerade die maximal durchschnittlich anzuschauende Jamie Lee Curtis wirkt in ihrer unscheinbaren Art innerhalb ihrer ersten Hauptrolle ungemein authentisch, was der unattraktive Kleidungslook, der ihr beschert wurde, perfekt zu unterstützen weiß.

Myers hingegen darf nicht nur der schwarze Mann genannt werden, der schlanke Typ wird in dunkle Klamotten gesteckt und mit einer unverkennbaren und ungemein wirksamen weißen Maske verkleidet, so dass auch er optisch perfekt zu seiner Phantompräsenz eingefangen wird, freilich unterstützt von der diesbezüglich hervorragenden Kameraarbeit, die nicht nur Laurie ein Gefühl der ungewissen Verfolgung beschert, sondern auch dem stets mehr wissenden Zuschauer. Das schwere, triebtäterartige Atmen Myers, als Verfolger am Rand des Bildes stehend oder klein mitten ins breite Bild hinein gesetzt, Myers ist unheimlich und meiner Meinung nach (auch durch die Fortsetzungen) eines der interessantesten Monster der Horrorfilmgeschichte, eben weil ihn eine Mystik umweht, die unerklärbar ist. Scheinbare Unlogiken, wie die Stärke des schmalen Hemdes, der schleichende Gang und das Wissen über Dinge, die er aus der Klinik nicht wissen kann, ebenso wie das stille Signal von dem in fast jedem Teil die Rede ist, unterstützen besagte Rätselhaftigkeit seines Wesens, die glücklicher Weise nie zu stark hinterfragt wird. Michaels Wesen, sein Drang, die Frage wie wurde er was er wurde und was ist er eigentlich gehören unbeantwortet, damit "Halloween" und seine Fortsetzungen funktionieren können.

Das mag manchem modernen Zuschauer, der Antworten auf jegliche Fragen beschert haben will, nicht schmecken, aber für die Art Publikum ist "Halloween - Die Nacht des Grauens" ohnehin nicht gedreht, ist er doch zudem in einer fast ereignislos scheinenden Langsamkeit inszeniert, und da er der Prototyp dieser Art Film ist, freilich ohne weitere Überraschungen seines minimierten Plots versehen. Für mich und viele andere sind dies freilich die Pluspunkte eines Streifens, der spannungstechnisch schnell zu packen weiß und dies konsequent bis hin zu seinem nervenzerreißenden Schluss. Der von Carpenter selbst komponierte Soundtrack unterstützt dies, und so theoretisch überladen wie dieser von Carpenter eingesetzt wird, weiß man auch wie sehr dies dem Regisseur bewusst war. Der Erfolg gibt ihm recht, der dominante Einsatz des genialen Sounds steht im krassen Gegensatz zum ansonsten angegangenen Minimalismus, der "The Babysitter Murders" (Alternativtitel) jene Genialität beschert, die ihn schließlich auch ausmacht. "Halloween" muss man als Horror-Fan gesehen haben, da geht kein Weg dran vorbei. Er gilt als Meilenstein des Genres und dies zu Recht. Alle Jahre wieder sehe ich ihn mir an und bin immer wieder aufs neue fasziniert davon wie gut er funktioniert. Zudem ist er in unscheinbaren Szenen, wie dem Mord im Auto, der Szene im Kleiderschrank, oder der Bettlaken mit Brille-Aktion, hervorragend fotografiert. Auch dies beeindruckt noch nach der x-ten Sichtung.


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NACKT UNTER AFFEN (Eva, la Venere selvaggia 1968 Roberto Mauri)


Söldner Burt ist noch immer sauer, dass er einst von einem Verbündeten um seinen Anteil eines Schatzes betrogen wurde. Nun führt ihn eine Fährte zu besagtem Erzfeind, da der Betrüger im Urwald per neuester Elektronik Gorillas fremdsteuert, um auf kurz oder lang die Weltmacht zu erlangen...


Der neue Chef der Affen...

Inmitten eines Laubwaldes, welcher den Filmemachern als Urwald zur Verfügung stand, springt halbnackt eine Tarzan-ähnliche, dümmlich dreinblickende, Frau umher, belustigt mit einem Schimpansen auf einer albern klingenden, angeblichen Tiersprache plaudernd, als Ersatz für ihre Gorillas, mit denen sie ansonsten Vorlieb nahm. Die Frau ist mit ihrer braunen Haut versehen immerhin die weiße Göttin des Dschungels, und die Gorillas waren ihre Leibwächter, bis ein besonders irrer Wissenschaftler den Viechern per Operation Mikrochips in die Schädel einpflanzte, um sie kontrollieren zu können. Als Sklaven erfüllen sie dem Mann, für den sich auch James Bond interessiert hätte, wenn er je ansatzweise mit einer derart idiotischen Idee an der Weltmacht hätte kratzen können, jeden Wunsch, und die holde Halbnackte kann sich gegen ihn nicht zur Wehr setzen. Allerdings macht sie bis zu ihrer Gefangenschaft Richtung Finale auch nie den Eindruck dies zu versuchen.

Stattdessen wird es der Söldner Burt sein, der dem Psychopathen dazwischen funkt, und als vom Irren betrogener Mensch nimmt er sich dieses Recht all zu gerne heraus. Bis es so weit ist muss der gute Mann jedoch durch viel Laubwald wandern, welcher pflichtgemäß mit einer Machete selbst dort freigeschwungen werden muss, wo sich ideale Wanderwege abzeichnen. Nebenfiguren mit ihren zwischenmenschlichen Problemen, die urige Musik und die Legende um die weiße Göttin, die wir erst viel später tatsächlich antreffen, helfen dabei eine Geschichte, die keine ist, zu strecken. Hätten wir nicht kurz nach der Einstiegsszene der Operation eines Gorillas beigewohnt, wir wüssten lange Zeit nicht dass es sich hier um einen Abenteuer-Horror-Mix bezüglich Affen handelt, der die Popularität von "King Kong und die weiße Frau" mit all seinen etlichen Nachahmern nutzt, um eine völlig gewagte Variante billig abgekurbelt zu präsentieren. Wenn sich die herrlich zottelig anzusehenden Gorillas ihr erstes Opfer aus der Gruppe jener Menschen holen, deren Schicksal wir per Expedition ins Reich der weißen Göttin verfolgen, kommt auch sogleich eines der Mitglieder auf die Idee, die Gorillas würden so handeln, als habe ihnen wer einen Chip zur Fremdkontrolle ins Gehirn gesetzt. Klar, welche andere Möglichkeit gäbe es auch für ihr ungewöhnliches Verhalten? Etwas anderes kann es einfach nicht sein.

Selbstverständlich krankt unser Mad Scientist inmitten all der im Film präsentierten Klischees (gebrochen sprechende Neger, Menschen die an Holzstäben gebunden von Wilden abtransportiert werden, ...) an der Urgewohnheit eines jeden dämlichen Wissenschaftsgenies der Filmwelt, zu vieles seiner Pläne einer für ihn austauschbaren, aber für uns wichtigen Person auszuplaudern. Und so verrät er anbei auch die einzige Schwachstelle seines Plans, reicht doch ein Schuss auf eine ganz bestimmte Stelle der von ihm verwendeten Elektronik, um die Kontrollchips durchschmoren zu lassen, und die Gorillas freien Handelns, für ihr hoch entwickeltes Hirn bekannt (hüstel, hüstel), wieder frei denken zu lassen und sich am Wahnsinnigen zu rächen. Glücklicher Weise gelang dem Helden der Geschichte dieser Clou, nachdem er sich unbemerkt an die Gefangenen und ihren Peiniger herangeschlichen hat. So will es uns zumindest der Schnitt und die Kameraperspektive einbläuen, fällt es jedoch schwer zu glauben, dass inmitten eines relativ kleinen Raumes ohne Ecken und sehbehindernden Inventars jemand sich derart nah einer Gruppe theoretisch aufmerksamer, wacher Menschen nähern kann, ohne entdeckt zu werden, steht Burt doch lediglich drei bis fünf Meter entfernt vor seinem Erzgegner, ehe die plauderfreudige Truppe auf ihn aufmerksam wird.

Man liest es heraus, die italienische Produktion "Nackt unter Affen", die auch als "King of Kong Island" berüchtigt ist, von Regisseur Roberto Mauri inszeniert, der u.a. Werke wie "Und dem Henker im Nacken", "Die Rache des Vampirs" und "Le porno killers" verbrochen hat, sprudelt nur so vor Unsinnigkeiten und gut funktionierender unfreiwilliger Komik, ohne im Ausgleich ein gelungenes Stück Film für ein alternatives Publikum abzuliefern. "Eve, the Wild Woman" (Alternativtitel) funktioniert einzig über seinen Trash, was ihn trotz einiger nah an Langeweile grenzender Momente immerhin konsumierbar genug macht, um ihn tatsächlich bis zum Schluss sichten zu können. Das Finale mit all den blinkenden Apparaturen in einer Höhle macht ohnehin am meisten Spaß, aber auch viele andere Szenarien wissen in ihrer herrlich naiven Art zu gefallen. Darunter fällt u.a. auch die gleich zu Beginn gezeigte Szene, in welcher Burt tatsächlich zu glauben scheint, der Verräter hätte es nur auf den Anteil der Beute ihres gemeinsamen Verbündeten abgesehen und nicht auch noch auf seine eigene. Einen Schuss in seinen Körper lässt Burt schließlich unter dem Lachanfall des Zuschauers das begreifen, was er naheliegend zuvor schon hätte erkennen können. Ach schade, warum finden sich all diese lustigen Momente eigentlich in einem solch unausgegoren unterhaltsamen Film? Zumindest die sympathische, im damaligen Zeitgeist badende, Filmmusik weiß den Streifen zusätzlich zur unfreiwilligen Komik zu unterstützen.


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ABWÄRTS INS GRAUEN (The Strangeness 1985 David Michael Hillman)


Eine Gruppe Menschen untersucht eine stillgelegte Mine und stößt dabei auf eine jüngst erweckte, aggressive Kreatur...


Abwärts ja, Grauen nein...

In das Plakatmotiv des recht unbekannten "Abwärts in das Grauen" habe ich mich bereits vor vielen Jahren verliebt, ein Kauf auf kurz oder lang ließ sich für einen Filmnerd wie mich somit nicht vermeiden, und so schlug ich zu als sich die Gelegenheit ergab und mich besagtes schönes Motiv auch auf dem Cover einer DVD anlächelte. Freilich sollte man von früh auf als Filmfreund gelernt haben sich nicht von Postermotiven beeinflussen zu lassen, aber das funktioniert in der Theorie stets besser als in der Praxis, und eine DVD mit schönem Cover bleibt auch bei einem schlechten Film noch immer eine DVD mit einem schönen Cover im Sammlerreagal, also was soll's. Dennoch hätte ich mich gefreut, wenn das Ergebnis des hier besprochenen Werkes etwas positiver ausgefallen wäre, trat doch sehr früh eine sehr heftige Ernüchterung ein, ohne Lichtblick auf Besserung.

Es ist nicht nur das Cover, das einen auf mehr hoffen ließ, auch das eigentliche Engagement der hier tätig gewordenen Jungfilmer hätte auf mehr hoffen lassen, gingen diese für ihr Erstling doch nicht den einfachsten Weg, so dass sich im Vorfeld trotz zu dunklem Filmmaterials eine gewisse Sympathie für die Crew und ihr Projekt einstellte. Aber Wohlwollen allein rettet keinen Film, und so muss auch der geduldigste und versöhnlichste aller Filmfreunde irgendwann ernüchtert feststellen, dass "The Strangerness" (Originaltitel), die einzige Regiearbeit von David Michael Hillman, ein purer Langeweiler ist, in dem kaum mehr passiert, als dass Leute durch eine alte Mine stampfen und miteinander reden und streiten. Der Ort mag toll gewählt sein, nur bekommt man von ihm aufgrund der schlecht ausgeleuchteten Bilder recht wenig mit. Somit weiß das Gefühl der Enge weit unter der Erde nicht zusätzlich zu wirken, und was bleibt ist das Gelaber im Dunkeln.

Auch eine bedrohliche Atmosphäre aufgrund der Düsternis wird nicht eingefangen, nicht einmal zufällig, und so wird aus einem zunächst erfreulich trockenen Stil ein starrer, unflexibler in ständig geschwätziger Monotonie. Der Hang zur Langfilmlaufzeit wird zum größten Feind eines Streifens, der auch als Kurzfilm unter diesen Bedingungen nur mittelmäßig ausgefallen wäre, so dass man den Zuschauer eigentlich nur für die letzten Minuten des Streifens ewig hinhält, die immerhin für Nostalgiker mit blauäugigen Blick einen kleinen Bonuspunkt bereit hält: die handgemachte Kreatur. Diese wird nicht vereinfacht als Marionette oder durch eine Person im Gummikostüm umgesetzt, sondern mühevoll in Stop Motion präsentiert, was erneut das Engagement der Crew spüren lässt. Allerdings muss man nach Sichtung der ruppigen und zu rar eingesetzten Effekte doch eingestehen, dass eine simplere Herangehensweise auch effektiver gewesen wäre. Ja, okay, auch ich fand den Einsatz der Kreatur ganz niedlich, aber ein Gummikostüm wäre mir trotzdem lieber gewesen. Und die lange Wartezeit innerhalb der todlangweiligen Minenerkundung waren weder diese seltenen, schlecht sichtbaren Momente wert, noch manch möchtegern-härterer Kill.


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LETHAL WEAPON 4 (1998 Richard Donner)


Per Zufall stoßen Murtaugh und Riggs während einer Bootstour auf ein chinesisches Schiff auf dem Schüsse zu hören sind. Nach vielen Toten und enormen Materialschaden entpuppt sich der Kahn als Transporter für illegale Einwanderer, von denen eine Familie ungeahnt in etwas verstrickt ist, das weit krimineller geartet ist als der olle Personenschmuggel...


Fröschi, Tüdelüdüüü und Ehezeremonie mit Blablabla...

Neben dem ersten Teil dürfte "Lethal Weapon 4" wohl der kultigste Beitrag der Reihe sein, wenn auch der umstrittenste. Der Komödienpart rutscht noch ein wenig mehr in den Vordergrund als ohnehin schon, und der düstere Aspekt ums familiäre Umfeld herum wird weit optimistischer gezeichnet und mit dem versöhnlichen Schluss endgültig aufgehoben. Das in Teil 3 bereits zu erkennende anderweitige Familiengefühl einer alle Jahre wieder zusammen kommenden Filmcrew, wird in direktem Zusammenhang damit zu diesem Zeitpunkt zu seinem Höhepunkt geführt. Das schmeckte nicht jedem, das war für manch einen zu viel privates Getue, dabei verzichtet der Streifen im Gegenzug nicht auf seine Brutalitäten, die er in Teil 3 so gut wie ausgeblendet hat. Das ist auf der einen Seite eine Versöhnung mit dem dort enttäuschten Publikum, als Spagatversuch es auf der anderen Seite gleichzeitig jenem Publikum recht machen zu wollen, welches wie ich die Handschrift des dritten Teiles mochte.

Sicherlich ist dies einer der Gründe, warum Teil 4 trotz aller Sympathie nicht ganz so gut funktioniert, wie er hätte können. Man will es allen recht machen, man möchte wieder alle liebgewonnenen Figuren unter einen Hut bringen und gleichzeitig neue Kultfiguren schaffen. Mit anderen Worten: der Schritt zurück, den Teil 3 so lobenswert selbst in seinem Finale präsentierte, wird wieder über Bord geworfen für das große Mehr. Mehr Action, mehr Gewalt, mehr Gags, mehr Figuren, mehr Tammtamm. Überall muss noch inmittem großen Trubels irgend eine Lücke gefüllt werden, um mehr zu bieten, und so schaut sich "Lethal Weapon 4" ein wenig überfrachtet, wenn diesbezüglich auch eine Menge geglückter Momente erntend. Die Lachgasszene, die Pseudohochzeit mit dem Rabbie, die Funknetztelefondiskussion, der gefangene Hai, das alles sind Ideen welche die Geschichte theoretisch gesehen unnötig strecken, aber unglaublich zu gefallen wissen.

Ohne, wie für seine Entstehungszeit üblich, politisch korrekt daher zu kommen begradigt Teil 4 zudem so manches Unschöne aus den Vorgängern. Zu Herzen geht die Versöhnung mit dem stets gepeinigten Leo Getz, sinnloser Wandalismus ersetzt den sonst zu übertriebenen Sadismus der Helden, und der sonst so fremdenfeindliche Aspekt der "Lethal Weapon"-Mentalität bietet diesmal zumindest in Form der Familie Honk einen sympathischen Gegenpart, so dass die Asiaten nicht einzig dem Feindbild dienen. Sicher, in Teil 4 ist manches zu gewollt angegangen, so unverkrampft wie die Teile 1 und 3 schaut er sich nicht, und auch der späte 90er Jahre Farbfilter hinterlässt nicht mehr den klassischen Eindruck der Reihe, den er bis zur zweiten Fortsetzung beibehielt. Aber letztendlich ist "Lethal Weapon 4 - Zwei Profis räumen auf" (Alternativtitel) eine unterhaltsame Party für Fans der Reihe, für große Kinder, also für das Stammpublikum, und da geht es schon in Ordnung, dass die Verantwortlichen des Streifens zu viel wollten. 

Die guten Aspekte dominieren, und Jet Li mit seiner beeindruckenden Kampfkunst als interessanter und wahrhaft bedrohlicher Gegner mit an Bord zu haben ist auch alles andere als ein Nachteil. Seine Kämpfe kann man als eine Entschuldigung für den Straßenköterkampf Rene Russos aus Teil 3 empfinden, der dort unverschämter Weise mit einer asiatischen Kampfkunstart betitelt wurde. Eine kurze Kampfsequenz mit Russo (erneut mit zu vielen Schnitten anstatt gekonnter Choreographie versehen) revidiert diesen positiven Eindruck ein wenig, und dieser unschöne Moment ist gleichzeitig der einzig beeindruckende Auftritt der in Teil 3 noch so gleichrangig emanzipiert aufgetretenen Frau. Im hier besprochenen Werk muss Russo dem ewig glattgebügelten, überholten Klischee-Familienbild der Amis treu bleiben, was dann auch der schwerwiegendste Kritikpunkt eines Filmes ist, der an so einigen Schwächen krankt. Trotzdem ist es schön zu sehen dass an so ziemlich jeder anderen Stelle die Charaktere inmitten einer explosiven, actionreichen Geschichte den Autoren wichtig bleiben, was spätestens dadurch bestens bewiesen wird, dass mancher zwischenmenschliche Höhepunkt des Streifens in der angenehm langen Phase nach dem Finalkampf stattfindet. Aber auch hier wird es wieder Tunnelblick-Zuschauer geben, die in ihrer Gier nach Quantitäten über solche Pluspunkte lediglich zu schimpfen wissen, ich hingegen bin dankbar dafür, dass die Autoren sich hierfür die nötige Zeit genehmigt haben.


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HYPOTHERMIA - THE COLDEST PREY (Hypothermia 2010 James Felix McKenney)


Wie jedes Jahr, so kommt auch in diesem Jahr Ray mit seiner Familie an den zugefrorenen See zum Eisangeln her. Diesmal beißt kein Fisch an, und auch eine unerwartete Konkurrenz, in Form eines anderen Vaters mit seinem Sohn, die auf modernere Fischfangmethoden setzen, hat kein Glück. Der Grund dafür liegt in den Tiefen des Sees, denn dort haust eine Kreatur, die auch vor Menschenfleisch nicht halt macht...


Das Ding unter der Eisplatte...

Zwei zerstrittene Familien auf dem Eis, während unter ihnen ein Monster lauert, das klingt so klassisch wie interessant und weckte bei mir ein wenig zu viel Neugierde, wie sich zeigte, ist "Hypothermia" doch alles andere als geglückt. Und das muss schon was heißen, immerhin hält er eine nostalgische Mensch-im-Kostüm-Kreatur bereit, jene Art Monsterdarstellung, die mir besser schmeckt als das Gepixel aus dem Computer, selbst bei detailreicherer Umsetzung - und damit jene Art Umsetzung, die heutzutage Mut erfordert, so sehr wie das aktuelle Horrorpublikum modernen Sehgewohnheiten zugewandt ist. Während die oberflächlich geratene Charakterzeichnung der Mitglieder beider Familien, trotz ihrer Herkunft aus dem Stereotype-Lager für einfallslose Autoren, noch als interessant genug durchgeht, um durchschnittliche Filmkost zu präsentieren, ist es leider der eigentliche Hauptaspekt, die Geschichte um die Gefahr aus der Tiefe, welche die Rechnung selbst als belangloser Durchschnittsverzehr nicht aufgehen lässt und den weiter oben erwähnten Mut vermissen lässt. 

James Felix McKenney arbeitet in seinem fünften und bislang letzten Film leider nie mit der unterschwelligen Bedrohung zu Beginn. Da darf kein ungewisses Unbehagen herrschen, da darf nicht mit dem Unsichtbaren oder dem eventuell sogar noch nicht anwesenden Bösen gespielt werden, nein, von Anfang an muss er klar machen, dass da definitiv etwas unter der Erde ist. Ein Schatten durch das Eis, ein Blick aus der Perspektive der Kreatur, viel zu schnell spielt er mit offenen Karten. Und trotz der Anwendung klassischer Monsterdarstellung verwendet er für die Perspektive aus der Sicht des Monsters die ewig ätzende computerentfremdete Technik, die bereits etlichen Werken wie "Mexican Werewolf" keinen atmosphärischen Touch bescherten. So etwas sieht lediglich billig aus, beeindruckt weder, noch weiß es Stimmung zu erzeugen. Reißerisch wird immer wieder auf die Kreatur verwiesen, indem wir mehr wissen als die Protagonisten, dabei wäre bei einem Horrorfilm der tagsüber wie nachts auf dem Eis spielt, das Gegenteil vorteilhaft gewesen, dann hätte der Streifen zumindest ansatzweise Gruselfilm-Flair versprühen können. Für ein solches interessiert sich McKenney jedoch überhaupt nicht und liefert stattdessen dumpfe, einfallslose und deshalb austauschbare Monsteraction aus der Masse ab.

Mag der ein oder andere diplomatisch angegangene Zwist der zwei sehr unterschiedlichen Familien noch seinen Reiz besitzen, eben weil hier zumindest ein Hauch von Feingefühl unterschiedlichem Empfindens zu spüren ist, so weiß die Umsetzung des eigentlichen Horrorparts mit nichts zu trumpfen. Ohne eigene Ideen hämmert man den schon x-mal erzählten Plot etlicher anderer Horrorfilme herunter, und trotz ungewöhnlicher Fangmethoden weiß nicht einmal jene Phase zu gefallen, in welcher die Menschen noch daran glauben die Kreatur zu jagen. Hier hätte man einiges von Spielbergs "Der weiße Hai" lernen können, verschenkt diese Möglichkeit jedoch, um sich auf uninteressantere Aspekte der Geschichte zu konzentrieren, so z.B. auf die Mutation eines vom Wesen gebissenen Menschen, der nach seiner Verwandlung ohnehin schnell wieder ableben darf. Orientiert sich die Handlung schließlich auf die Jagd des Monsters auf die Protagonisten geht "Hypothermia - The Coldest Prey" endgültig die Puste aus und aus einem hauchdünnen Restinteresse wird komplette Gleichgültigkeit für das Geschehen. Aus dem schlichten Aufhänger der Geschichte hätte ein begabter Geschichtenerzähler weitaus mehr ernten können.


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MONSTER X GEGEN DEN G8-GIPFEL (Girara no gyakushû - Tôya-ko Samitto kikiippatsu 2008 Minoru Kawasaki)


Während acht der mächtigsten Regierungschefs der Welt zu einem Gipfel in Japan zusammen treffen, landet ein außerirdisches Monster per Meteoriteneinschlag auf der Erde. Während es dabei ist eine große Stadt in Japan zu zerstören wechseln die Regierungschefs das Thema vom Klimawandel zur gemeinsamen Bekämpfung der monströsen Bedrohung aus dem All...


Ein durch Tanz erschaffener Gegner...

Das besagte Monster X im deutschen Titel ist niemand geringeres als Guila, eine der beliebtesten klassischen Kreaturen für Fans japanischer Monsterfilme, die sich, auch wenn andere Quellen von einer Fortsetzung sprechen, Regisseur Kawasaki und sein Autor Migita vom Film "Guila - Frankensteins Teufelsei" entliehen haben, um eine Parodie auf besagte Monsterfilme im Fahrwasser von "Godzilla" zu drehen. Wie es sich für eine echte Parodie gehört wird hierfür das Vorbild nicht nur veralbert, sondern auch geehrt, und so macht es Spaß dem Schauspieler im Guila-Kostüm dabei zu beobachten, wie er sowohl klassische Monsterbewegungen dieser Film-Ära imitiert, als sich auch mittels Übertreibungen und comic-orientiertem Klischeeverhalten per Überagieren einer theoretisch im Original schon überagierten Spielweise darüber lustig macht. "Monster X gegen den G8-Gipfel" gelingt der Spagat zwischen Albernheiten und echter Verehrung, und dabei ist dies nicht einmal der tatsächliche Sehwert des Streifens.

Denn erst die Verballhornung tatsächlich existierender politischer Prominenz, wenn auch in Alibinamen gekleidet, macht aus dem albernen Affentheater das was ihn letztendlich so liebenswert macht, orientiert sich Trash-Filmer Kawasaki zwar an Klamauk, der dem Feingeist nicht schmecken dürfte, dem humorvollen Part von Monsterfilm-Fan aber sehr wohl. Zumindest ist dies sehr wahrscheinlich, so nett wie der Streifen die Mentalität damaliger Filme atmet, bzw. sie orientiert an der uns bekannten Politprominenz parodiert. Die Menschheit muss im Kampf gegen die gemeinsame Bedrohung zusammen halten, und das kann sie inmitten von Egomanen nur durch jeweils einen Anführer. Der wechselt im Laufe der Geschichte ständig, da jedes einzelne Land seine eigenen Vorstellungen davon hat wie man eine Schlacht gewinnt, was in einem herrlichen Running Gag um ein Aushang-Pergament mündet, das ständig gewechselt wird. Eben erwähnter Schwanzvergleich wird genutzt um in einem Atemzug die jeweils gängigen Länderklischees durchzukauen, vom notgeilen Franzosen bis hin zum dummen, gewaltbereiten Ami.

Gerade der Merkel-Klon weiß treffsicher zu belustigen, aber auch das Schielen auf Berlusconi weiß zu gefallen. Zudem darf ein politischer Aggressor, der definitiv nicht zum G8-Gipfel gehört, das Szenario im letzten Drittel zusätzlich aufmischen, und das weiß den Unterhaltungswert in dieser späten Phase noch einmal deutlich hochzuschaukeln. Wenn die Bekämpfungsideen der Wirtschaftsmächte auf ein eher gleichgültiges Monster stoßen, das einfach nicht kleinzukriegen ist, dann geht die Rechnung humoristisch gesehen auf und katapultiert "The Monster X Strikes Back: Attack the G8 Summit" (Alternativtitel) zur Gattung der unterhaltsamen Variation dieser Art Film. Wo andere Projekte, gerade aufgrund ihrer überdrehten Art, eher nerven anstatt zu bespaßen, da stimmt die Chemie des hier besprochenen Streifens, auch wenn dieser sich nicht ganz von Leerläufen frei sprechen kann. Die sind jedoch kaum der Erwähnung wert. Und ein Sub-Plot um die wahren Helden des Streifens, die fast schon zur Nebensache verkommen, schafft es trotz trockenerer Thematik spätestens mit einem herrlich dämlichen Gruppentanz zu punkten, so dass jeglicher Handlungsstrang, und mag er auch noch so abgegrenzt von den restlichen sein, zu funktionieren weiß.


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