LIEBE IM RAUMSCHIFF VENUS (Cinderella 2000 1977 Al Adamson)


Auf der Erde ist der Sex verboten und wird nur von einigen ausgewählten Personen praktiziert. Darüber wacht der große Bruder. Der Gesandte einer fremden Welt landet auf unserem Planeten, um den Menschen die Liebe zu lehren, und dies bringt er zunächst einer armen Jugendlichen bei, die unter ihrer neidischen Stiefmutter zu leiden hat...


Codo...

Ein Big Brother-Staat, der die Liebe untersagt, in einem Schmuddelfilm aus den 70er Jahren, der auf herrlich billige Art am Set Science Fiction-Utensilien einbindet, das kann sympathischer Schrott für Trash-Fans werden, überraschend geistreiche Kost im Schmuddeltarngewandt, oder billiger Mumpitz zur Ausrede etliche Nackedeiszenen einbringen zu können. Wie von der Wahrscheinlichkeit her zu erwarten ist es leider letztgenannter Punkt geworden, denn das dünne Gewandt an Komödie, Kostümen und Settings, das uns Science Fiction-Elemente suggerieren soll, steht kaum im Verhältnis zu den reichlich vorhandenen Sex- und Erotikszenen. Provozierend mit höchst wahrscheinlich tatsächlich kopulierenden Darstellern umgesetzt, sieht man beim Beischlaf stets den hässlichen behaarten Arsch des Mannes ebenso oft, wie die zarte weibliche Haut, so dass beim heftigen Gefummel weit weniger von Erotik die Rede sein kann, als zumindest in der Vorphase besagter Szenen, in denen sich lediglich entkleidet wird.

Wen nackte Haut reizt, gerade im Frisuren- und Körperlook der 70er Jahre, und ansonsten nichts weiter zu Unterhaltungszwecken benötigt, der kann mit "Liebe im Raumschiff Venus" eventuell schlicht zufrieden gestellt werden. Wer aber auf simple Komödienkost hofft, wird nicht befriedigt, nicht einmal auf "Police Academy"-Niveau. Letztendlich ruht sich Billigfilmer Al Adamson, der auch für Werke wie "Flotte Teens in Amerika", "Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein" und "Black Samurai" verantwortlich war, zu sehr darauf aus lediglich einen Trivialfilm vorzusetzen, so als wäre für ein passables Ergebnis auf reißerischem Niveau nichts weiter nötig als das bloße Einbringen billiger Schauwerte. "Cinderella 2000" (Originaltitel) ist eines von vielen Beispielen dafür, dass dem nicht so ist, erst recht wenn man lediglich Holzhammerkomik präsentiert im verzweifelten Versuch eventuell damit zufällig Lacher zu verursachen, anstatt sich professionell an solch ein Ergebnis zu wagen. Wie so gern in solchen Fällen werden für diesen Zweck einige populäre Märchen geplündert, was im konkreten Film hier in einer üblen Sexszene mit Liliputanern als die sieben Zwerge beim Gemeinschaftsbesteigen auf Schneewittchen gipfelt.

Nerviger Tiefpunkt von "Sex 2000" (Alternativtitel) ist der eigentlich charmant trashig aussehende Roboter, welcher dafür sorgt, dass die Gesetze des Diktators eingehalten werden und jegliche Sexversuche vor Ort schnellstmöglich unterbunden und geahndet werden. Der Darsteller steckt in einem unübersehbar billig angefertigtem, also absichtlich trashigem Kostüm, stört jedoch penetrant mit zu viel Gerede im nervigen Roboterslang, ohne reizvoll lustige Kommentare zu äußern, Subtilität einfließen zu lassen, Ironie, oder wenigstens einen Hauch Augenzwinkern. Der politische Aspekt, der zu einer amourösen Satire auf "1984"-Trash-Basis hätte werden können, wird kaum genutzt, stellt die Prüderie der Lächerlichkeit dar und entlarvt die Moralisten als Heuchler. Viel mehr fiel den Verantwortlichen des Stoffes nicht ein. Somit wird all dieser Firlefanz lediglich als Vorwand genutzt Nackedeiszenen aneinander zu reihen. Und auch wenn man mit einigen nicht sexuellen Einlagen, wie dem Robotertanz, versucht zusätzliche Reize einzubringen, so rettet dies doch trotzdem nicht den zu monoton ausgefallenen Eindruck des Gesamtstreifens, zumal derartige Gimmicks ebenso an Humorlegasthenie leiden, wie die restlichen Komikelemente dieses völlig unsympathischen, öden Streifens für Verklemmte, Pubertierende und Allesglotzer.


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HUBERT UND STALLER - STAFFEL 8 (2019 Carsten Fiebeler u.a.)


Nach seiner Degradierung fährt Herr Girwidz zusammen mit Hubert Streife. Unter der Anleitung einer neuen Revierleiterin lösen sie erneut allerhand Mordfälle...


Ein interessanter Versuch...

Man kann es kritisch als Geldmacherei und unkreativen Prozess betrachten, dass man nach dem Ausstieg einer Hauptbesetzung ein erfolgreiches Serienkonzept weiter führt, man kann aber auch die Herausforderung dahinter betrachten, den Versuch zu wagen eine lieb gewonnene Serie unter diesen Umständen weiter zu führen, anstatt sie zu Grabe zu tragen. Die Idee den ehemaligen Chef der Polizisten Hubert und Staller nach Stallers herzzerreißender Verabschiedung im dritten Spielfilm der Reihe "Eine schöne Bescherung" zu degradieren, um den karriereorientierten Egomanen mit dem desinteressierten Egomanen Hubert zu einen, besitzt seinen eigenen Reiz. Und dass das Ganze dann noch humorvoll in "Hubert ohne Staller" umbenannt wurde, zeigt auf, dass die charmante Mentalität der Serie nicht völlig verschwunden sein kann. Mit "Hubert und Staller - Staffel 7" gab es ohnehin erstmals einen Rückschritt in Sachen Niveau und Unterhaltungswert, die Serie war somit nicht mehr auf dem Hoch der wundervollen restlichen sechs Staffeln. Nach dem überraschend geglückten Weihnachtsspecial in alter Form ist das Ergebnis von "Hubert ohne Staller", welches meist aufgrund dessen, dass es trotz Namensänderung noch immer die selbe Serie ist, als "Hubert und Staller - Staffel 8" betitelt wird, dennoch manches Naserümpfen wert, denn nun hat man auch das Niveau der bislang schlechtesten Staffel, der siebten, unterboten.

Das liest sich bei solch gelungenem Konzept härter als das Ergebnis tatsächlich zu konsumieren ist, aber wenn man bedenkt zu wie viel mehr die Serie in der Lage war, ist es schon traurig dass man sie nur noch als unterhaltsam bezeichnen kann. Geistreich ist die Serie nur noch selten, treffsicher ist ihr Humor auch nur noch bedingt, und das psychologische Feingefühl geht immer weiter flöten, was gerade die Neubesetzungen, alte wie neue, beweisen. Die Pathologin bleibt weiterhin Stichwortgeber ohne Vertiefung eines Charakters. Die Frau aus der Polizeizentrale, die einem mit der Zeit doch noch sympathisch wurde, wird nun auch ausgetauscht, wenn auch mit Abschiedsfolge versehen und wird ersetzt gegen eine junge Frau, die ganz offensichtlich wieder näher an der Originalbesetzung orientiert wurde, was zwar aufgrund fehlender ebenso treffsicherer Charakterzeichnung nicht funktionieren will, aber dennoch keinen Grund zu klagen hinterlässt. Mag die blonde Neubesetzung auch blasser als ihre Vorgängerinnen erscheinen, so spielt sie doch souverän und wird in interessante Situationen eingesetzt. In die Nesseln gesetzt hat man sich hingegen mit der Neubesetzung der Revierleiterin, die ähnlich unsympathisch daher kommt wie einst Gruber als Reporterin, unglaublich taff und pseudosexy in Lederhosenoutfit daher kommen soll, aufgrund ihres starren Festhaltens unpersönlicher Chefpflichten aber nie das Herz oder den sympathischen Spott des Zuschauers erobern kann, schade.

So sehr das auch stören mag, die Drehbücher arbeiten inhaltlich gekonnt gegen diese Defizite, setzen Fehlbesetzungen in passende, aber auch wirksame Szenarien ein, so auch weiterhin Gruber als Bäckerin, und bescheren der Serie ohnehin interessantere Kriminalfälle als bisher, denn auf die kommt es nun an, wo der Dialogwitz zurückgeschraubt wurde und etwas zu viel auf Running Gags gesetzt wird, um zu überschatten, dass der Humorgehalt weit weniger psychologisch raffiniert daher kommt und sich stattdessen eher dem Massengeschmack anpasst. Dank der guten Hauptbesetzung bleibt die Serie dennoch lustig genug, aber ohne interessante Kriminalfälle, eine Zutat welche die ursprüngliche Serie nicht wirklich benötigte, wäre das Ganze dann doch zu dünn ausgefallen, so dass ein Besinnen auf interessantere und rätselhaftere Morde der Spätphase der Serie gut tut. Dass eine Figur wie Staller, mit ihren Fantastereien eine riesengroße Humorlücke hinterlässt, die keine der alten Figuren füllen kann, ist nicht zu übersehen, weshalb ein direkter Vergleich mit den bisherigen Folgen ungerecht ist. Letztendlich kann man die Entscheidung aber auch wertschätzen, nun keinen zweiten Fantasten aus dem Ärmel zu ziehen, was der Serie sicher noch weniger gut getan hätte.

Stattdessen orientiert man sich als Autor am Ur-Charakter von Girwidz neu, hat sichtliche Freude mit den Seitenhieben, dass er einst ein Chef war und mit seinem schwerfälligen Umgewöhnen dieser Situation, ebenso wie der sarkastische Humor Huberts nun variiert zu zünden weiß, da dieser weder Mitgefühl besitzt, noch zu Chefzeiten respektvoll Girwidz gegenüber war. Gleichzeitig entsteht dennoch herrlich subtil eingefangen eine Sympathie zwischen den beiden neuen Partnern, nun wo sie am gleichen Strang ziehen müssen. Auch die bereits in den vergangenen Staffeln zu bemerkende Mehrbeachtung des Riedelcharakters wurde beibehalten, in wirklich unterhaltsame Situationen gesteckt und nun zusätzlich ein eigener Anreiz entwickelt, dass Girwidz in Riedels Kopf immer noch sein Vorgesetzter ist. In der Abschiedsfolge der Polizei-Vorzimmerdame von Staffel 7 darf Paul Sedlmeier auf mehreren Ebenen beweisen, was mittlerweile in ihm steckt, lediglich der Gag einer Doppelrolle in einem Kriminalfall innerhalb eines TV-Seriendrehs wird ordentlich vergeigt, was jedoch nicht die Schuld des Darstellers ist, sondern des schwachen Drehbuchs, welches aus der wundervollen Ausgangssituation nichts herauszuholen weiß.

So gekonnt die Bücher auch Schwachpunkte auszubügeln wissen, zwischenzeitlich gibt es immer wieder mal schwächere Folgen (immer dann wenn die Kriminalfälle so schlicht ausfallen wie früher unter besseren Rahmenbedingungen üblich). Und mit dem Kriminalfall innerhalb von Klostermauern gibt es leider auch erstmals eine richtig schlechte Folge zu sichten, wo bislang doch noch jeder Teil der Reihe, selbst in schwächster Form, angenehme TV-Unterhaltung darstellte. Dies betrifft aber auch "Hubert ohne Staller", von besagter Folge, die einen unglaublichen Tiefpunkt inmitten einer noch gut funktionierenden Serie darstellt, einmal abgesehen, bereitet die einst als "Hubert und Staller" begonnene Serie bei etwas zurückgesetzten Erwartungen noch immer genügend Freude, um interessiert und gut unterhalten am Ball zu bleiben. Mit Episoden wie der Feuerwehrfolge, der Teamstärkungsfolge in den Bergen und ganz besonders mit der letzten Episode der hier besprochenen Staffel, weiß auch diese schwächste Phase der Serie Höhepunkte aufzuweisen, die an das alte Niveau anzuknüpfen wissen. Der Rest ist Unterhaltung im schlichterem Gewandt, mit dem man sich als Freund der Reihe eigentlich gut arrangieren kann, zumal ich den Eindruck hatte, dass die Verantwortlichen gegen Ende ein immer besseres Fingerspitzengefühl besaßen mit der neuen Rezeptur umzugehen. Es ist schön zu sehen, dass Girwidz auch direkt neben Hubert agierend zu funktionieren weiß und damit nicht nur mauer Lückenfüller für Staller geworden ist. Bei dem stets brillant agierenden Michael Brandner hätte mich das Gegenteil aber auch sehr gewundert.

PS: Die angebliche Tochter Huberts wurde anbei nicht mehr weiter eingebaut, was ich aufgrund meiner im Review zum Weihnachtsspecial getätigten Aussagen für eine Fehlentscheidung halte, so gut wie sie der Hubert-Figur tat.


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DER GIGANT DES GRAUENS (War of the Colossal Beast 1958 Bert I. Gordon)


Als ein Transporter mitten im Nirgendwo von Mexiko spurlos verschwindet, wächst in Joyce die Hoffnung, ihr nach einer Atomexplosion zu 18 Metern herangewachsener Bruder Glen, der nach einem Amoklauf vom amerikanischen Militär getötet wurde, könne doch noch leben. Sie leiert eine Suche nach ihm an, und tatsächlich wird man fündig. In Gefangenschaft geraten, hofft man dem aggressiven Riesen helfen zu können, deswegen steht eine Untersuchung seiner Hirnfunktionen an...


Auch Giganten können sich gut verstecken...

"Der Gigant des Grauens" ist die Fortsetzung des ebenfalls von Bert I. Gordon gedrehten und Samuel L. Jackson produzierten "Der Koloss", den ich vor ewigen Jahren einmal im Fernsehen gesichtet habe und nicht mehr so gut in Erinnerung habe, so schlecht wie ich ihn damals fand. Da sich mein Filmgeschmack seit dem gravierend verändert hat, hat die Fortsetzung, die im Gegensatz zum ersten Teil in Deutschland eine Veröffentlichung auf DVD erhielt, von mir freilich dennoch eine Chance erhalten, und ich muss gestehen ich bin überrascht, dass das gerade einmal ein Jahr später nachgereichte Sequel weit weniger plump ausgefallen ist, als ich es vermutet hätte. Zwar entstand "Revenge of the Colossal Man" (Alternativtitel) zu einer Zeit, in welcher im Genre-Kino die Atombombe noch als Ursache für Riesenwuchs herhalten konnte, und auch ansonsten lässt der Film nicht den üblichen naiven Charme der 50er Jahre Science Fiction-Horrorfilme vermissen, Autor George Worthing Yates überrascht jedoch mit einem zu seiner Zeit recht empathischen Drehbuch.

Nicht falsch verstehen, im Vergleich zu heute guckt sich "Der Gigant des Grauens" noch immer höchst egoistisch, nur wenig Platz lassend für das Hineinversetzen in das Denken und Empfinden alternativer Mentalitäten und Lebewesen, aber immerhin kommt es zu Ansätzen diesbezüglich in einer Zeit, in der alles was nicht normal war üblicher Weise gleich zum Monster erklärt wurde. Dass das Ergebnis nicht wirklich zum Horror-Drama a la "Frankenstein", "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" oder "Splice - Das Genexperiment" geworden ist, liegt einzig daran, dass der Film stets aus der Perspektive der anderen erzählt ist und den Giganten zur zerstörerischen Nebenfigur verkommen lässt. Um ihn unheimlicher wirken zu lassen, hat der Riese den Sturz von einst nicht gut verkraftet, so dass eine monströse Wunde sein Gesicht ziert, die den Wüterich unheimlicher wirken lässt, als im Vorgänger. Dieser kleine, simple Trick unterstützt die Wirkung der Erzählung ungemein, da darf man sich nicht vertun. Doch mag der Riese auch monströser und gefährlicher damit wirken, klassisch herumwüten, wie im Original, darf er zunächst nur einige Zeit nach seinem ersten Erscheinen.

Gefangen gehalten, nun wo die Menschheit halbwegs vor ihm in Sicherheit ist, geht es um die Frage ob Glen zu helfen ist oder nicht, sprich ob sein Gehirn unter Amnesie leidet, oder einen bleibenden Schaden genommen hat. Dementsprechend wird er untersucht, freilich nicht so intelligent thematisiert wie in einem "Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All", ja nicht einmal wie in Cronenbergs "Die Fliege", wir befinden uns schließlich trotzdem in den stumpfen, trivialen 50er Jahren des Horrorfilms. Doch selbst wenn das schockierende Ergebnis zu Tage tritt, erntet der Mutierte keine reine blinde Wut von der Menschheit, es wird überraschend mitfühlend ein Plan ausgedacht, wie man dem Opfer der Atomexplosion ein Leben bescheren kann, in welchem es ihm halbwegs gut geht, ohne dass er der Menschheit schaden kann. Doch Drama, wie "The Terror Strikes" (Alternativtitel) nun einmal ist, wenn auch heruntergeschraubt im Vergleich zur tatsächlichen Horror-Drama-Konkurrenz, kommt es gar nicht erst so weit. Der Aggressor bricht erneut aus, bedroht gar einen ganzen Schulbus voll mit Kindern, bevor der Film einen überraschenden Schluss erlebt, mit dem ich wahrlich nicht gerechnet habe.

"Der Gigant des Grauens" kommt weit vielschichtiger in seiner Erzählung daher, als ich vermutet hätte, sprich er besitzt mehr roten Faden als erwartet, kann aber trotz seines Ideenreichtums die eindimensionale Erzählung zu bereichern nicht vollkommen überzeugen, und ich kann nicht genau benennen warum dies so ist. Einzig der zu lange Rückblick auf Teil1 zur Mitte des Filmes weiß den Bogen etwas zu sehr zu überspannen, zeigte man doch gleich alle nennenswerten Schauwerte des Vorgängers, anstatt einfach nur fehlende Informationen für jene nachzureichen, die Teil 1 entweder nicht gesehen, oder wie ich vergessen haben. Ansonsten gibt es eigentlich nicht wirklich etwas zu klagen. Selbst die wackelige Hochprojektion, mit welcher Bert I. Gordon stets arbeitet, ist nicht so übel ausgefallen wie in seinen schlechteren Werken a la "The Cyclops" und "Beginning of the End". Zwar stampft auch sein Gigant zu überbelichtet durch eine sonst dichte Bildqualität und besitzt aufgrund fehlender Möglichkeiten bei dieser plumpen Tricksetzung keinen Kontakt zu den Menschen, die er attackiert, aber zumindest versuchte man die Optik reizvoller zu gestalten, beim Zeigen wo der Riese auftaucht und wieder verschwindet. Da gab man innerhalb schlechter Spezialeffekte sein Bestes, so dass sich die Wirkung des Giganten dann doch bei Gordons besseren Ergebnissen a la "Die Rache der schwarzen Spinne" und "In der Gewalt der Riesenameisen" einreihen darf.

Ich kann somit nicht genau benennen, warum "War of the Colossal Beast" (Originaltitel) trotz seiner überraschend reichhaltigen Zutaten bei mir nicht wirklich zünden konnte, irgendetwas störte den Erzählfluss, irgendetwas störte den Unterhaltungswert. Und ich weiß nicht ob dieser unbekannte Faktor in meiner Tagesform zu finden war, oder im Film selbst, den ich theoretisch weit besser empfand als in seiner Praxis. Dennoch ist "Der Gigant des Grauens" weit davon entfernt einer der Langeweiler seiner Gattung Film zu sein, die es ebenfalls bereits damals zuhauf zu sichten gab. An Schauwerten mangelt es dem Film ebenso wenig, wie an dem Versuch blindes Schwarz/Weiß-Denken zu durchbrechen. Und allein aus diesen Gründen sollten sich Filminteressierte dieser Dekade und dieses Genres nicht von meinen Zweifeln abhalten lassen dieses Werk zu sichten. Es gehört definitiv zu Arkoffs liebenswerteren Produktionen.


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SUKEBAN DEKA 2 (Sukeban deka: Kazama sanshimai no gyakushû 1988 Hideo Tanaka)


Um etwas gegen die wachsende Jugendkriminalität zu unternehmen, wird eine Einheit jugendlicher Cops eingesetzt mit konsequenter Härte gegen die Delinquenten vorzugehen. Yui kann nicht mehr mit ansehen, wie selbst leichteste Delikte hart bestraft werden und wendet sich gegen die immer fragwürdiger werdende Organisation. Deren neuer Befehlshaber hat jedoch noch ganz andere Pläne, die ihn an die Spitze der Macht bringen sollen. Zusammen mit den Anwohnern einer linken Kommune versucht Yui den Wolf im Schafspelz aufzuhalten...


Vor der Pferdeweide ist nach der Pferdeweide...

Während es im Kinofilm "Sukeban Deka", der auf einer zwei Jahre zuvor erschienenen gleichnamigen TV-Serie basiert, um den Girl Cop Yôko ging, erzählt "Sukeban Deka 2" von der ebenfalls zu Kampfzwecken mit einem Jojo ausgestatteten Yui, die im Vorgängerfilm eine Nebenrolle einnahm und Star der dritten Staffel der Originalserie war. Ich kenne die zu Grunde liegende TV-Serie ebenso wenig wie die Printvorlage in Comicform, aber ein wirklicher Zusammenhang zwischen den beiden Kinofilmen besteht nicht, besitzt die sogenannte Fortsetzung doch einen ganz anderen Ausgangspunkt. Die Gruppe der jugendlichen Friedensstifter hat sich mittlerweile in eine Macht ausnutzende Organisation verwandelt, die nach Außen zwar immer noch offiziell das Gesetz vertritt, mit fragwürdigen, gewaltbereiten Methoden jedoch keinen moralischen Grundsätzen mehr folgt, weswegen die Heldin des Streifens auch aussteigt. In ihrem Plädoyer an ihre Mitstreiter verweist sie auf das Gute, das einst mit dieser Organisation vertreten wurde, was scheinbar im Widerspruch zu Elementen der TV-Serie steht, wurden manche der Mädchen dort doch von Kindheit an gezwungen für diese Organisation zu arbeiten. Die Verharmlosung dieser verstärkt den Eindruck, es mit "Girl Gang Boss Detective: Revenge of the Three Kazama Sisters" (Alternativtitel) mit einem eigenständigen, inhaltlich unabhängigen Produkt zu tun zu haben, auch wenn die Besetzung in einigen Punkten mit den Vorgängern überein stimmt.

Ein Vorspann, der sich eher wie der Vorspann eines Pilotfilmes zu einer zukünftigen Serie anschaut, was für ein Kinoprodukt höchst ungewöhnlich ist, verstärkt diesen Eindruck ebenfalls. Es mag sein, dass "Sukeban Deka 2" als Start einer neuen Kinoreihe geplant war, zu einer weiteren Verfilmung sollte es jedoch erst 2006 mit "Yo-Yo Girl Cop" kommen. Schaut man sich das Ergebnis des hier besprochenen Filmes an, braucht es nicht verwundern, dass es im Realfilmbereich erst einmal nicht weiter ging und man sich stattdessen entschied, den Manga 1991 lieber mit einer Animeserie weiter umzusetzen. Obwohl nur ein Jahr zwischen dem ersten und zweiten Kinofilm um die mit Jojos kämpfenden Girl Cops liegt, und Teile des Teams vor und hinter der Kamera an beiden Projekten und der TV-Serie beteiligt waren, inklusive Hideo Tanaka in seiner Funktion als Regisseur, gucken sich beide Werke doch höchst unterschiedlich. Angesiedelt in einer düsterer ausgefallenen Zukunft, inszenatorisch jedoch kindlich orientierter ausgefallen, macht "Sukeban Deka: Counter Attack from the Kazama Sisters" (Alternativtitel) den Eindruck eines Jugendfilmes, mit der Kommune im Zentrum der Geschehnisse überraschend links orientiert gegen Gesetzgeber vorgehend, und insgesamt noch blauäugiger daherkommend als der ohnehin schon naive Vorgänger.

Ein wenig fühlte ich mich an "Mad Max 3 - Jenseits der Donnerkuppel" erinnert, so jugendlicher orientiert mit großem Kindereinfluss "Sukeban Deka 2" umgesetzt ist und nervige Fröhlichkeit, beispielsweise in den Reitszenen, mit einem brutalen Szenario abwechselt, wobei Letztgenanntes, ähnlich wie im australischen Vergleichsprodukt, weit familienzahmer daher kommt als im Vorgänger. Guckt sich die erste halbe Stunde noch recht angenehm, wenn auch noch extremer nach TV-Herkunft ausschauend als der erste Kinofilm und auch finanzschwächer umgesetzt, so schwächt der Löwenanteil der letzten beiden Drittel des Streifens gewaltig ab, trotz der sehr reizvollen Idee des Grundplots. Zudem verirren sich im an sich simplen Plot Fehler in der Logik, in Bereichen die auch ein trivialer Unterhaltungsfilm dieser Art nicht auffahren sollte (wieso weiß die jugendliche Anführerin der mittlerweile faschistoiden Gesetzeshüter von den Plänen ihres Oberkommandeurs?), was das Gesamtergebnis des weit weniger aufregenden Sequels noch mehr verwässert. Zwar ist die Geschichte noch immer interessant genug ausgefallen, um bis zum Schluss dran zu bleiben, inszenatorisch guckt sich die Fortsetzung jedoch wesentlich mauer als ihr Vorgänger und unterhaltungstechnisch erst recht. Zumindest wurden die Bösewichter wieder treffsicher besetzt, mehr sogar als die Helden. Und bei weit heruntergeschraubter Erwartungshaltung weiß auch dieser missglückte Versuch der Fortführung einer erfolgreichen Reihe halbwegs zu unterhalten.


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SUKEBAN DEKA (1987 Hideo Tanaka)


Die junge Yôko wurde als Girl Cop am Jojo im Kampf gegen das Verbrechen innerhalb einer Polizeieinheit ausgebildet, die über dem Gesetz steht. Zwar hat sie dieser Gruppe den Rücken gekehrt, doch nun will sie zurückkehren, um den Tod an einem Freund zu rächen, welcher düstere Machenschaften aufdecken wollte, die auf einer Schule für kriminelle Jugendliche abgeschottet auf einer Insel stattfinden. Da man sie jedoch nicht in den Polizeidienst zurückkehren lässt, infiltriert Yôko die Insel mit ihren Girl Cop-Freundinnen privat...


Murmel-Okyô Seite an Seite mit Jojo-Yôku...

Basierend auf einem Manga erschien der Kinofilm "Sukeban Deka" zwei Jahre nach der Ausstrahlung einer gleichnamigen TV-Serie zu dem Comic, und trotz seiner schrägen Ideen, wie dem zentralen Kampfwerkzeug der Heldin, guckt er sich aufgrund seiner Entstehungszeit noch weit weniger ausgeflippt als japanische Werke des phantastischen Films heutzutage meist angelegt sind. Es herrscht sogar ein recht nüchterner, ernst angegangener Erzählton innerhalb eines Streifens, dem ein Jahr später die Fortsetzung "Sukeban Deka 2" folgen sollte und im Jahr 1991 die Zeichentrickserie "Sukeban Deka". Aufmerksam bin ich auf den Film über die Neuverfilmung "Yo-Yo Girl Cop" geworden, die im Jahr 2006 erschien und mir viel Spaß bereitete. Zwar ist auch sie weit weniger schräg ausgefallen, als man bei einem Beitrag zu solch einem Thema meinen sollte, freilich war diese Version aber schon aufgepeppter als der sich wie ein TV-Film anfühlende hier besprochene Streifen.

Besagter heutzutage meist vernachlässigter nüchterner Grundton tut dem Streifen sichtlich gut, der aus der Trivialität in der er badet kein Geheimnis macht. Hoch emotionale Ausbrüche, ein kindliches Weltbild und ein Kampf Gut gegen Böse, wie es ihn auch nur in der Klischeewelt des Kinos geben kann, bestimmen den Inhalt dieses kurzweilig ausgefallenen und stimmig umgesetzten Streifens, der inhaltlich manches Mal ein wenig an "Der Mann mit der Todeskralle" erinnern mag, allerdings auch an James Bond und allerhand anderer angesagter Modewellen des Kinos. Von kleinen optischen Ärgernissen einmal abgesehen, die Rasanz vorgaukeln wollen, mit ihrer Bildentfremdung jedoch eher störend eingesetzt sind, gibt es an dem kleinen Unterhaltungsfilm, der stets zwischen ruhigem und flotten Erzählstil hin und her pendelt, nicht wirklich etwas zu meckern. Freilich erleben wir hier keine ausgefuchsten Choreographien, und die Geschichte steuert keinem überraschenden Geschehen entgegen und bietet lediglich das was man von ihr erwartet, aber eben dies weiß "High School Superheroine" (Alternativtitel) zumindest einzuhalten.

Es bereitet unglaublich viel Spaß den jungen Girls mit ihren bescheuerten Waffen dabei zuzusehen, wie sie einen diabolisch überheblichen Bösewicht bekämpfen, der eine Armee Gehirngewaschener zum großen Staatsputsch nutzen möchte und so ziemlich jede Eigenschaft eines comicartigen Filmbösewichts besitzt, inklusive metallener Geheimnisse, die ihn im Finale fast wie einen Cyborg wirken lassen. Mag das zu simple Abfilmen auch die Herkunft aus dem Fernsehen vortäuschen, in den explosionsfreudigen Actionszenen erkennt man schließlich doch das Budget eines Kinofilms, so dass auch hierdurch weitere Schauwerte das Gesamtergebnis zu bereichern wissen. Dass es sich hierbei stets um Quantitäten, anstatt um wahre Qualitäten handelt, ist in einem derart absichtlich auf Trivialfilm getrimmten Streifen keineswegs ärgerlich zu nennen. Ganz im Gegenteil lebt der Streifen von seiner verspielten Art mit typischen, geradezu als Klischee anmutenden, Zutaten und erfindet dabei das Genre weder neu, noch wird daraus ein zu gewöhnlicher Langweiler. Eingetaucht in emotionalem Kitsch, wie er auch nur im Japan-Kino nicht schädlich sein kann, liefert er Freunden asiatischer Filme, die auch mit dem sich arg retro anfühlenden 80er Jahre-Stil etwas anfangen können, genau jene unterhaltsame Kurzweile, wie man sie sich von Werken dieser Art im Vorfeld stets erhofft.


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IN DEN KLAUEN DES GIGANTEN (Giant from the Unknown 1957 Richard E. Cunha)


Forscher stoßen in einem Gebiet, in dem es oft zu Verwüstungen und sogar zu Mord gekommen ist, bei ihren Ausgrabungen auf der Suche nach Spuren von Spaniern auf einen übergroßen Krieger von einst, der wiedererwacht ist und Terror verbreitet...


Kleiner Mann ganz groß...

Richard E. Cunha kann wohl nicht anders. Der Mann, der uns mit "Bestie des Grauens" eine noch naivere Version des ohnehin schon blauäugigen "Cat-Women of the Moon" vorgelegt hat, präsentiert mit "In den Klauen des Giganten" einen kaum weniger naiven Plot, weit über jener simplen Denkweise pendelnd, als die US-Autokino-Produktionen im Horror- und Science Fiction-Bereich der 50er Jahre ohnehin schon von uns abverlangen. So kommt es selbst im schlichtesten Plot zu Widersprüchen, Vereinfachungen, weltfremdem Gezeigten, einer Anhäufung von Schwarz/Weiß-Denken, auch im Bereich des Rassismus und der Frauenfeindlichkeit, sowie dem Erwarten einer visuellen Blauäugigkeit, so wenig wie hier versucht wurde mit Spezialeffekten den im Zentrum stehenden Aggressor groß erscheinen zu lassen.

Seltenst wird versucht den Schauspieler des Giganten leicht von unten gefilmt zu vergrößern, was aufgrund eines zu schlicht gewählten Winkels, wenn denn mal angegangen, nicht funktioniert. Und dünne Ästchen anstatt echte Bäume neben den angeblich überdimensionalen Krieger zu platzieren, will das Auge des Zuschauers ebenso wenig täuschen, zumal man inkonsequent wie man war nur eine handvoll Aufnahmen mit diesem Trick abfilmte. Ansonsten stampft der auf mich arg klein wirkende große Mann durch die Botanik, wie sie nun einmal gewachsen ist. Größere Körperteile bei Übergriffen auf Tier und Mensch standen nicht auf der finanzschwachen Spezialeffekt-Liste. Wenn der Gigant pflichtgemäß gegen Ende die weibliche Hauptrolle in den Armen haltend abschleppt, wird erst recht kein Geheimnis aus dem Miniaturriesen gemacht. Lustiger Weise hätte man seine Größe im Vorfeld gar nicht derart penetrant anpreisen müssen, dann hätte "The Diablo Giant" (Alternativtitel) diese Eigenschaft ignorierend lediglich vom Geist eines Kriegers handeln können, oder eben, wie im hier vorliegenden Fall, von einem Krieger aus der Vergangenheit, der aus bestimmten geologischen Gründen überraschend überlebt hat.

Aber nein, die Verantwortlichen von "Giant from Devil's Crag" (Alternativtitel) wollten unbedingt einen Riesen als reißerischen Aufhänger, und somit wird ihr blödsinniger Film noch blödsinniger als ohnehin schon. Komischer Weise guckt er sich auf seine streng naive und unsinnige Art halbwegs angenehm, auch in der langen Phase, in der eigentlich nichts aufregendes passiert. Streitereien mit dem Sheriff wirken in ihrer zu friedlich vorgetragenen Art und aufgrund dessen, dass man den Zwist zwischen den Fronten nicht nachvollziehen kann, noch naiver als in "Blob - Schreckenohne Namen". Und selten durfte man im biederen Amerika einen Filmvater erleben, dem es derart egal war, dass seine volljähriges Singletochter derart schnell umgarnt wird, wie im hier vorliegenden Fall - freilich trotzdem höchst bieder 50er Jahre-Kino-typisch vorgetragen. Der friedliche Grundton, die Stimmung einer Welt einfangend, in der es keine ernstzunehmenden Probleme gibt, funktioniert bei schlichten Gemütern bereits als Motor des unfreiwillig komischen Kinos. Und zu mehr schafft es "Giant from Diablo Point" (Alternativtitel) ohnehin nicht, egal wie wohlwollend man an ihn herantritt.


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HEIL (2015 Dietrich Brüggemann)


Das Versagen des Gedächtnisses eines afrodeutschen Buchautors eines linken Bestsellers, nutzen Nazis, um dem guten Mann rechte Parolen zu indoktrinieren, die dieser in den öffentlichen Medien von nun an eifrig heraus posaunt. Dieses Ereignis bringt eine chaotische Welle von Links und Rechts in Bewegung, welche darin mündet dass eine kleine Gruppe Nazis versucht in Polen einzumarschieren...


Das Hakenkreuz entschwebt einer Feuerschale...

"Heil" ist eine um Vielschichtigkeit bemühte Komödie, die fast einzig in den Händen von Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Dietrich Brüggemann entstanden ist. Im Gegensatz zu dem im selben Jahr erschienenen "Er ist wieder da" versucht er nicht einfach dem populistischen Denken seiner Entstehungszeit nachzueifern, sondern einen geistreichen, allumfassenden Blick auf das Phänomen der in die Gesellschaft zurückgekehrten Fremdenfeindlichkeit zu werfen. Dabei geht es ihm nicht um ein Analysieren von Ursachen, orientiert an Fakten, Realismus und genauester Recherche. Vielmehr bietet er gut beobachtet einen Rundumschlag jeglichem Schwarz/Weiß-Denkens, welches für das Hochkochen der Situation (mit)verantwortlich ist. So geht es nicht nur der braunen Brut an den Kragen, sondern auch eindimensional denkenden Linken, egogeilen Prominenten, dem kaum kontrollierten Verfassungsschutz, reißerischen TV-Talkshows und ihren Marionetten von Moderatoren, sowie realitätsfernen Politikern. Sie alle bekommen ihr Fett weg, oftmals treffsicher und pointenstark umgesetzt, da auf guter und neutraler Beobachtungsgabe fußend, und freilich aufgrund dessen das zu besitzen, was die zu kritisierenden Gruppierungen nicht aufweisen: das Denken und Wahrnehmen in Graustufen.

Was soweit löblich klingt und im Ansatz auch funktioniert, will als Komplettwerk jedoch nicht derart gelingen, wie es jemandem lieb wäre, der das Graustufendenken in unserer heutigen Gesellschaft immer mehr vermisst. Brüggemann übernimmt sich aufgrund der Vielzahl an Personen, Fronten und satirischen Seitenhieben. Zwar behält er auch inmitten vom großen Chaos den Überblick, Hut ab, das ist bei all den Einflüssen und Vermischungen, von denen "Heil" erzählt, wahrlich schwierig beizubehalten, und dies bereits als Zuschauer, aber das Werk guckt sich dadurch zu überfrachtet. Eine Identifikationsfigur gibt es nicht bei all den vielen, fast stets gleichrangig dominierenden Charakteren, von denen jedoch keine wahre Tiefgründigkeit erfährt, zumindest im Sinne einer zentralen Figur, die durch das vielschichtige Geschehen leitet. Zwar wird aus den jeweiligen Parodiefiguren mehr als das Abziehbild eines eindimensionalen Witzes, zu wahrer satirischer Tiefe, wie es ein "Schtonk" zu liefern imstande war, schafft es "Heil" in dieser Vorgehensweise trotz aller Ambitionen jedoch nicht.

Letztendlich ist ihm dafür aber auch der schnelle Witz in Donnerschlagform zu wichtig, so dass das fertige Produkt trotz Tiefsinn und einiger subtiler Elemente eine Spur zu albern daher kommt und aufgrund der massentauglichen Orientierung seiner ihm am wichtigsten scheinender Ziele auch doch noch einen Rest zu anbiederungswürdig daher kommt, wenn auch nicht so stark vertreten wie im oben genannten Vergleichsfilm, der auf einem Buch ganz anderer Ambitionen basiert. "Heil" kommt trotz durchdachtem Plot und dem Behalten der Übersicht zu wirr und albern daher, durch die zu häufig wechselnden Schwerpunkte auch zu willkürlich, ein Eindruck der zusätzlich genährt wird durch den Ansporn möglichst viele Zutaten ins Gesamtergebnis einbringen zu müssen, um innerhalb eines wahnsinnigen Plots Atemlosigkeit zu erzeugen. Das ist auf der einen Seite raffiniert, ist es doch die Unübersichtlichkeit in den Medien aufgrund von zu vielen Informationen, die in der Welt vieles nicht so laufen lässt, wie es laufen könnte. Aber ob "Heil" dies gekonnt einzufangen weiß, oder letztendlich selbst nur diese Überfrachtung lebt, an die sich viele arg gewöhnt haben, weiß er dem Zuschauer gegenüber nicht zu offenbaren.

So bleibt am Schluss zwar ein lobenswertes und liebenswertes Produkt mit allerhand guter Ideen, treffsicherer Seitenhiebe und gut aufgelegten Darstellern, oftmals kommt "Heil" aber auch zu gewollt und wirr daher. Und ohne das Einbringen emotionaler Tiefe einer charakterstarken Identifikationsfigur, ist das Ergebnis ohnehin nur eine zu kühl ausstrahlende Nummernrevue, die zwar in vielen Momenten zu amüsieren weiß, ihr eigentlich vorhandenes ernstes Engagement jedoch nur vereinzelt zu verdeutlichen weiß. "Heil" mag ein Lehrstück über die Unübersichtlichkeit von zu viel egomanischen Schwarz/Weiß-Denker-Gruppierungen sein, die alle nie den Kern einer Situation greifen, um Probleme tatsächlich lösen zu können. Er weist ebenso treffsicher auf, wie auch Gegengruppierungen aufgrund ihrer ähnlichen Art selbst zum Problem der Sache werden. Er liebt es aber auch zu sehr den Zoten zu frönen und "Heil" damit sein anspruchsvolles Satireanliegen zu verwässern. Würden diese Albernheiten nicht all zu oft die Lachmuskeln des Massenpublikums anvisieren, würde mich ein solcher Mix nicht stören, Stammleser wissen dies eventuell bereits. Aber so wie umgesetzt ist "Heil" in meinen Augen nichts Halbes und nichts Ganzes, alles wollend ohne klar machen zu können, was er wirklich sein will. Was sich hier arg streng liest guckt sich in seiner wirren, verfahren wirkenden, aber doch gut strukturierten, Art jedoch äußerst kurzweilig, wenn auch nur für den kleinen Unterhaltungsmoment für zwischendurch.


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DER DIEB VON BAGDAD (The Thief of Bagdad 1940 Ludwig Berger u.a.)


Blind und verarmt erzählt Achmed wie er einst als König von Jaffar ausgetrickst und entmachtet wurde und zusammen mit seinem neu gewonnenen Freund Abu, einem jungen Dieb, der Liebe seines Lebens hinterher gejagt ist. An dieser ist auch Jaffar interessiert, so dass er Achmed mit seinen magischen Kräften zur Strafe erblinden lässt und Abu in einen Hund verwandelt. Doch die beiden geben nicht auf...


Die Rachegelüste entstanden in den zweiten tausend Jahren...

Als Kind habe ich diese zweite Verfilmung von "Der Dieb von Bagdad", welches die erste Tonfilm-Version ist, häufig gesichtet, und dann all die Jahre nicht mehr. Einige Kindheitserinnerungen schwebten in meinem Kopf, kein Wunder bei solch prägenden Bildern, die der Film der drei Regisseure Ludwig Berger, Michael Powell, Tim Whelan und drei ungenannten weiteren Regie-Assistenten zu bieten hat. Wie für mein damals junges Alter typisch haben sich hauptsächlich die Spezialeffekte in meine Erinnerung gebrannt, so dass mir die ganzen Feinheiten der Geschichte, sprich der eigentliche Verlauf und seine Zusammenhänge, nicht mehr bekannt waren. Und so sichtete ich eigentlich einen mir unbekannten Film, der mich als Erwachsener fast ebenso zu begeistern wusste, wie als kleiner Junge. Und abermals haben mich erneut, ganz gegen meiner üblichen Art Filme wahrzunehmen, die Schauwerte beeindruckt.

Wie könnte man auch nicht fasziniert sein von solch tollen Szenarien wie dem mörderischen Spielzeug, dem Kampf gegen die Riesenspinne und weit voran dem übergroßen Djin, dessen Darsteller Rex Ingram sichtliche Spielfreude erkennen lässt? Eingetaucht in intensiv kolorierte Bilder ist der Film ein typisches Großprodukt seiner Zeit, mit hoch klassisch ausgefallener Liebesdramaturgie, einem angenehm nostalgisch anmutenden Soundtrack und längst überholten Spezialeffekten, die trotz ihrer sichtbaren Mängel aber nach wie vor zu begeistern wissen. Hier wurde einst nicht gespart, was man auch an der großen Anzahl an Statisten sieht, und so ist der Film, der manch interessante Parallele zu "Das zauberhafte Land" aufweist, ein aufregend erzähltes Werk, das keinen seiner vielen Höhepunkte einsparen muss, sondern dank vorhandener Finanzspritze jeder schwierigen Szene noch so tapfer umgesetzt zu begegnen weiß, ebenso wie der kleine Held Abu, um seinem Freund Achmed zu helfen.

Freilich ist das Ergebnis dieses Filmes aus den 40er Jahren, der auf wesentlich älteren Erzählungen beruht, recht naiv ausgefallen, schließlich muss er möglichst klassisch und traditionell erzählt sein, um der Vorlage gerecht zu werden. Für die 40er Jahre ist das Produkt, wenn für den Laien auch heute kaum erkennbar, jedoch trotzdem höchst modern ausgefallen, was nicht nur die enorme Beachtung der damals aktuellsten Spezialeffekte erkennen lässt, sondern auch der freche Grundton, die Musikwahl, und manch andere Eigenschaften, die im Kino der Entstehungszeit dieser Version eines mindestens vier Mal verfilmten Stoffes häufig anzutreffen sind. Dennoch ist "The Thief of Bagdad" (Originaltitel) ein innovatives Produkt für sich, bei all seinen eigenständigen Schauwerten. Und dank überzeugender Mimen, einer Geschichte, die trotz allerhand Höhepunkte nicht nur schleunigst von einem zum nächsten springt, und einem liebevollem Grundcharme ist er nach wie vor eine Empfehlung wert, irgendwo pendelnd zwischen funktionierendem Unterhaltungskino, charmantem Retrocharme und Fantasy-Abenteuer für das kindliche Gemüt.


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ANGRIFF DER KILLERTOMATEN (Attack of the Killer Tomatoes! 1978 John De Bello)


Amerikaner werden urplötzlich von Tomaten bedroht. Ob als Saft, in ihrer ursprünglichen Größe attackierend, oder zur Übergröße mutiert, ob an Land, zu Wasser oder in der Luft, überall lauert die Gefahr. Während die Regierung versucht die immer größer werdende Bedrohung möglichst vor den Bürgern zu vertuschen, wird ein Team von vier Spezialisten zusammengestellt, in der Hoffnung der Lage Herr werden zu können...


Puberty Love...

Kurz nach der Hochphase der 70er Jahre Tierhorror-Welle in den amerikanischen Kinos, kam John De Bello auf die Idee, die immer unsinniger werdende Tendenz, sich auf harmlose Tiere als Aggressoren zu versteifen, zu nutzen, um etwas völlig Blödsinniges auf die Menschheit loszulassen: Killertomaten. Um die wirklichen Gesetzmäßigkeiten des Tierhorrors geht es De Bello bei der Umsetzung eigentlich gar nicht, eine wirklich zielorientierte Parodie auf das Sub-Genre ist der Streifen nun wahrlich nicht geworden, höchstens in einigen wenigen Passagen, wie jene in welcher überdeutlich "Der weiße Hai" zitiert wird. Viel mehr schwebte dem guten Mann das Mitreiten auf einer anderen gerade aktuellen Kinowelle vor, und so reiht sich "Attack of the Killer Tomatoes!" (Originaltitel) in jene Art Komödienmode ein, in welcher auf anarchistische Art die Regeln eines Filmes ausgehebelt werden, Sehgewohnheiten satirisch hinterfragt werden und das ganze Wertesystem eines konservativen Amerikaners auf den Kopf gestellt wird. Ob der diesbezüglich eher im Ansatz orientierte "Frankenstein Junior", die Medienparodien "Big Gäg - Movie Station" und "The Kentucky Fried Movie", oder der am meisten mit dem hier besprochenen Streifen verwandte "Schlock - Das Bananenmonster", sie alle gehören mehr oder weniger zu dieser Gattung Film dazu, so dass "Angriff der Killertomaten" mit seinem ungewöhnlichen Stil nicht ganz so innovativ und provokativ ausgefallen ist, wie er einem zunächst vorkommen mag.

Interessant ist hingegen die Humororientierung des fertigen Werkes, liegt sein Reiz doch nicht nur in der amateurhaften Umsetzung und Darstellung, die ganz freiwillig Professionalität ausgrenzt und mit Unvermögen in Sachen Schauspiel, Spezialeffekte und funktionierender Geschichte provoziert. Viel mehr macht man sich die Eigenschaft des trockenen Erzähltons der 60er und 70er Jahre zunutze, indem "Angriff der Killertomaten" einen ebenso trockenen Grundton präsentiert, und man in dieses Format pausenlos Albernheiten und Zoten hinein schmeißt, mal klamaukig dargeboten, mal subtil, mal pseudo-subtil, aber immer plump und so gar nicht tiefsinnig. Das mag manchem zu niveaulos sein, wer sich aber auf diesen Nonsens einlassen kann, der bekommt aufgrund dieses sich fremd anfühlenden Mixes eine ungewöhnliche Komödie geboten, zwischen Affentheater und drögen Bildern / drögem Erzählton pendelnd. Da John De Bello sich zusätzlich einer tatsächlich flüssigen Erzählung verweigert, und uns hauptsächlich eine Nummernrevue des Unvermögens präsentiert, weiß diese einfallsreich einfallslose Wundertüte so überraschend gut zu funktionieren. Witze, für die man manch anderes Werk verurteilt hätte, können hier fußen, frei von der Interpretation ob es sich um einen funktionierenden, missglückten oder absichtlich missglückten Witz handelt. Da wird die Sicht von Zuschauer zu Zuschauer und von Moment zu Moment unterschiedlich ausfallen.

Letztendlich funktioniert dieses wilde Zusammenwürfeln unterschiedlicher schräger Ideen und Ansätze zu dem übergeordneten Thema Killertomaten so gut, weil man sich für nichts zu schade ist. Eine urplötzlich aus dem Nichts auftauchende Gesangsszene, die in ihrer Art so gar nicht zu den Umständen passen will, ein sprechender Hund, der nie wieder auftaucht und auch innerhalb seiner Szene nie von Bedeutung war, ein absichtlich peinlich drein guckender Android, eine völlig unmusikalische Parodie auf Teenager-Love-Songs, Riesentomaten auf Rollbrettern (ein nicht verschleierter Spezialeffekt), absichtlich verkrampftes Schauspiel (sehr skurril dargeboten durch die Rolle der Journalistin), Finletters ständiges Herumstolpern mit einem nicht abmontierten Fallschirm, eine Besprechung in einem viel zu kleinen Raum, alles was einem Gutes und Schlechtes einfällt, wurde in den offenen Plot integriert, meist im Stil eines Amateurfilms umgesetzt.

Da scheiden sich sicher die Geister, auch in der heutigen Zeit, in welcher alternatives Kino in verschiedensten Formen bekannt ist (man denke nur an die tollen Helge Schneider-Filme), aber der Titel hält zumindest was er verspricht. Wer ihn dämlich findet, wird auch mit dem dazu gehörenden Produkt nichts anfangen können, wer darüber schmunzelt hat gute Chancen auch mit dem Humor des Filmes zu sympathisieren. Mir persönlich gefällt zwar die Fortsetzung "Die Rückkehr der Killertomaten" besser, aber vom Erstling habe ich mich ebenfalls gut unterhalten gefühlt. Erst mit "Die Killertomaten schlagen zurück" und "The Killer Tomatoes Eat France!" wurde mir die Reihe zu mainstreamig und funktionierte meiner Meinung nach deshalb auch nicht mehr wirklich. Albern blieb die Reihe jedoch bis zum Schluss. Anbei gab es auch eine Zeichentrickserie zu dem oft für Gemüse gehaltenen Killerobstes, und auch sie trägt den Titel "Angriff der Killertomaten".


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NECROPHILE KISS - DER TODESKUSS (Kissed 1996 Lynne Stopkewich)


Seit ihrer Kindheit ist Sandra auf einer wundersamen emotionalen Ebene mit dem Tod verbunden. Als junge Erwachsene organisiert sie sich eine Stelle in einem Bestattungsunternehmen und öffnet sich dort ihrer nekrophilen Neigung. Der Medizinstudent Matt ist an der jungen Frau interessiert, und als er von ihrer ungewöhnliche Neigung erfährt, fasziniert ihn dieses Thema. Er versucht Sandra zu verstehen, stößt dabei aber an seine Grenzen...


Tote Individuen...

Während das Thema der Nekrophilie meist in Horrorfilmen wie "Nekromantik" und "Necrophile Passion" auftaucht und reißerisch angegangen wird, geht "Necrophile Kiss" einen ganz anderen Weg. Als sensibles Drama ohne Effekthascherei inszeniert geht er das schwer nachvollziehbare Thema empathisch auf der emotionalen Ebene an und greift in seiner Erzählung auf einen raffinierten Trick zurück. Er bringt uns von Kindheit an die Figur der Sandra nahe, lässt uns Teil ihrer Welt werden, in welcher sie ihre Nekrophilie weder verdammt, noch dämonisiert, sondern als hohe emotionale Anteilnahme an den Leichnamen versteht, so dass ihre Neigung nach einer Zeit der Eingewöhnung für die Geschichte zu etwas solch Selbstverständlichem wird, wie für Sandra selbst. Hier wird nicht nach einer Störung gesucht, hier wird nicht hinterfragt wie es so weit kommen konnte. Letztendlich ist genau das Gegenteil der Fall, und hierfür benötigt die Geschichte die Figur des Matt.

Dieser junge Mann ist in Sandra verliebt und erfährt überraschend früh von ihrer grenzüberschreitender Neigung, was ihn jedoch keinesfalls abschreckt, sondern zu faszinieren beginnt. Zunächst studiert er Sandra, um sie zu verstehen, was dieser so gar nicht gefällt, also offenbart sie ihm den spirituellen Einblick, der ihr ihre Nekrophilie beschert. Anstatt verstört über die Neigung Sandras zu sein, verstört Matt das Ausgegrenztsein. Er kann nicht nachvollziehen was in seiner Herzensdame vorgeht, er will ebenso wie sie Grenzen überschreiten, um das Verständnis einer Sache zu erlangen, die Sandra mit keinem Außenstehenden teilen will. Er will erleben und nachfühlen was Sandra erlebt und fühlt, doch kann sie ihm dies nicht begreifbar machen, so dass Matts Irrweg der verstörende Faktor des Streifens wird und nicht der nekrophile Aufhänger, der im Originaltitel und dem Alternativtitel der deutschen Erstveröffentlichung, "Kissed", nicht erwähnt wird.

Nun verharmlost der Streifen Nekrophile nicht. Sandra wirkt durchaus weggedriftet, ganz klar bei Verstand ist sie nie, dabei wirkend wie Extremesoteriker, die mit Engeln und Kobolden reden, sich in ihrer Blase also vollkommen wohl fühlen und nichts Schlimmes in ihrem Tun und ihrer Neigung bemerken wollen. Sie hält sich für unglaublich empathisch, und sieht kein Verbrechen oder eine Störung in ihrem Tun. Der Film selbst betrachtet diesen Punkt neutral, er bleibt unausgesprochen. Selbst das geistige Entrücken Sandras, das in seiner subtilen Art nur gestreift wird, kann Interpretationssache bleiben, so sehr erwartet der Streifen das eigene Einordnen des Gezeigten beim Zuschauer. Um derartige Punkte geht es in "Kissed - Todeskuss" (Alternativtitel) in der Hauptsache auch nicht. Wir lernen einen Film lang Sandra fast zu verstehen, bzw. ihre Neigung zu akzeptieren, ähnlich wie die Tierliebhaber es in der Sodomie-Doku "Zoo" versuchen. Wir erhaschen einen Blick hinter den Vorhang, ohne durch Hausmütterchen-Psychologie manipuliert zu werden. Und völlig überraschend erleben wir den wirklich dramatischen Aspekt der Geschichte durch die Perspektive Matts und seinem Verrennen in eine Thematik, die er nicht begreift - allein schon deshalb nicht, weil in Sandras Welt die Leichen keine Konkurrenz zu Matt sind, in Matts Welt aber sehr wohl.

Wäre nicht das ungewöhnliche Thema Zentrum, umgesetzt in einer faszinierend offenen Selbstverständlichkeit, man könnte "Necrophile Kiss - Der Todeskuss" vorwerfen sich etwas zu viel dem gängigen Dramenschema empathischer Genrebeiträge anzubiedern. So ist für das Stammpublikum derartiger Filme, die ihre Aussagen den Zuschauer selbst entdecken lassen, der Ausgang der Geschichte lange klar, bevor er geschieht, so als gäbe es kaum einen anderen Ausweg eine solche Geschichte beenden zu können. Dass sie jedoch gerade zu diesem Thema reizvoll erscheint, liegt auf der Hand. Und so kann man dem Film aus einem weiteren Grund nicht bös sein, den üblichen Weg zu gehen. Und dank der überzeugenden Leistung der passend besetzten, oder zumindest passend zurecht gemachten, Molly Parker in der Rolle der Sandra, gelingt es dem Film tatsächlich uns ihren Blickwinkel zu öffnen. Zwischen Widerwärtigkeit, Faszination und Mitempfinden pendeln wir als Betrachter ihrer Erlebnisse hin und her, erfahren irgendwann eine Art Gewöhnung der nicht provokativ eingefangenen, ungesetzlichen Neigung und können uns auf dieser Basis gekonnt auf das Drama Matts konzentrieren, freilich ohne völlig losgelöst von der widernatürlichen Grenzerfahrung zu sein, die wir über Sandra passiv erleben.

Der Film fordert geradezu eine Empathie des Zuschauers, ohne welche der Film nicht wirklich funktionieren kann. Aber meiner Meinung nach wird einem der Weg zu dieser Basis in der ersten langen Phase des Films recht einfach gemacht, eben weil die innere Wohlfühlatmosphäre Sandras, an der wir teilnehmen, das Thema weit weniger abartig erscheinen lässt. Dass Film stets geruchs- und geschmacksfrei ist, kommt dabei ebenso zu Hilfe, wie das Ausblenden körperlicher und geistiger Gesundheitsproblemen von Nekrophilen, sowie manch andere ausgeblendete Teilbereiche, die uns aus der Träumersicht Sandras hinein in ein Realitätsempfinden hätten reißen können. Die Verantwortlichen des Filmes wissen dass sie dies für die gesetzten Ziele des Streifens nicht verwenden müssen. Diese Aufgabe müssen andere Werke zu diesem Thema angehen. Das anvisierte Ziel von "Necrophile Kiss" ist hingegen gekonnt erfüllt worden, Hut ab, wenn auch sicher nicht für jeden zugänglich zu sichten.


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BESTIE DES GRAUENS (Missile to the Moon 1958 Richard E. Cunha)


Eine Gruppe Menschen landet mit einer privat gebauten Rakete auf dem Mond und stößt dort auf ein Volk von Frauen, welches ihnen bald ans Leder möchte...


Vom Knast auf den Mond...

Gerade einmal fünf Jahre nach "Cat-Women of the Moon" wurde eine Neuverfilmung gedreht. Warum ausgerechnet Arthur Hiltons eher mauer als unterhaltsamer Science Fiction-Film neu erzählt werden musste, bleibt ein Rätsel für sich, verstecktes Potential ist in der Geschichte nicht zu entdecken. Immerhin schaffte es Richard E. Cunha, der auch für "In den Klauen des Giganten" verantwortlich war, ein etwas besseres Ergebnis abzuliefern, als es der Originalfilm zu bieten hatte, gut sieht aber noch immer anders aus. "Bestie des Grauens" ist ein flink kostengünstig zusammengestellter C-Movie, der in seiner Lächerlichkeit kaum mehr zu überbieten ist, ist er doch noch naiver ausgefallen, als die kleinen geistlosen Werke dieser Art in der Regel ohnehin schon sind.

Warum man gerade den Beginn des Originals geändert hat und gegen einen völlig blödsinnigen Plot ausgetauscht hat, bleibt eine der offenen Fragen dieser Produktion, jedoch verdankt der Film seine Kurzweile u.a. derartigen Fehlentscheidungen. Im hier besprochenen Film dürfen wir uns nicht nur an einer billig getricksten Rakete erfreuen, an blinkenden Lichtern und all dem anderen klassischen Firlefanz, uns wird letztendlich auch offenbart, dass ein Flug zum Mond ähnlich einfach zu meistern ist, wie das Erlernen des Fahrradfahrens. Amateure helfen dem Konstrukteur der Rakete, der diese privat gebaut hat. Und als dieser versehentlich mitten auf der Reise verstirbt, ist niemandem Angst und Bange. Man befindet sich schließlich nur im Weltraum und wird sicherlich unbeschadet auf dem Mond landen und auch wieder gesund und munter auf die Erde zurückkehren können.

Zwar erhalten wir im weiteren Verlauf des Filmes, wenn der Stamm Mondfrauen ins Geschehen tritt, einige Informationen, welche den Einstieg in den Film einen Hauch plausibler darstellen, letztendlich ist der Filmbeginn jedoch derart hochgradig naiv ausgefallen, dass der Rest Blauäugigkeit rückwirkend nach der Korrektur von seinem Gehalt her kaum einen Unterschied zu vorher macht. Allein der Blick auf die Regierung, wie diese auf einen privaten Raketenbau reagiert, und der blamable Glaube die Entdeckung würde von der Regierung lediglich zum Wohle der Menschheit eingesetzt, ist manch drollige Schmunzler wert. Da kann man den hier agierenden Wissenschaftler schon verstehen, der sich gegen die vom Volk gewählten Verbrecher wehrt und stattdessen gerade eben aus dem Knast entflohene Verbrecher zu seinen Crew-Mitgliedern macht. Diese sind ohne großes Anlernen tauglich genug um eine Weltraummission zu meistern und haben auch kein Problem damit ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Schön ist auch die Logik rund um ein zusätzlich eingebautes Ehepaar anzuschauen: seine Ehefrau kann man im Glauben, dass die Flüchtigen in der Nähe sind, zwar nicht allein im Haus lassen, im Weltraum angekommen wird sie aber wissentlich mit dem Oberschurken in der Kommandozentrale allein gelassen, der sich sodann notgeil an die einzige Frau in der Rakete heranmacht. 

Ähnlich putzig bleibt der Film mit Ankunft auf dem Mond, wo mein persönliches Highlight des Streifens auf uns wartet, und dies sind die Gesteinsmonster, die in Gummianzügen gekleidet von Menschen verkörpert werden, aber herrlich schlicht und gleichzeitig Phantasie anregend anzuschauen sind. Zum Fürchten sind sie nicht, wahrscheinlich auch damals schon nicht, so dass es nicht verwundern braucht, dass die Amateuer-Crew keine echte Gefahr in den Kreaturen sieht. Anders lässt es sich auch nicht erklären, warum man ausgerechnet in eine Höhle vor ihnen flüchtet, ist man dort doch schließlich eingesperrt und den Wesen theoretisch gesehen  erst recht ausgeliefert. Aber das dämliche Drehbuch gibt den Helden wider aller Wahrscheinlichkeit recht, schenkt ihnen zudem, wie in der Erstverfilmung, Sauerstoff innerhalb der Höhle, und kurz darauf dürfen wir sogleich den Stamm Frauen kennen lernen, der nur deshalb freundlich zu den Eindringlingen ist, weil ein Missverständnis im Raum steht.

Dieses macht die Situation vor Ort weder raffinierter, noch interessanter, letztendlich ist diese Phase, in welcher kaum etwas Aufregendes passiert, zumindest angenehmer ausgefallen als im geschwätzigen Original. Dafür sorgt unter anderem auch die im Titel erwähnte Kreatur, die leider nicht so sehr Mittelpunkt ist, wie der deutsche Name uns suggerieren will. Aber mag die Riesenspinne auch nur gelegentlich auftauchen, ihre Auftritte gehören zu den Highlights, so herrlich bekloppt wie sie mit ihrem "unheimlichen" Gesicht aussieht, und da sie gezielt als Waffe der Einheimischen eingesetzt wird, gibt es immer wieder kleine, aufregende Momente mit ihr inmitten der ansonsten lahmen Amazonenthematik. Somit wird die etwas zu dröge zweite Hälfte damit ein wenig aufgepeppt inmitten eines Plots um Intrigen, Macht, Gedankenkontrolle, Hochzeitsvorbereitungen, Gier und einer mörderischen Hitze. Weder Außerirdische, noch Menschen handeln in diesem Klischeemeer halbwegs logisch, und dies in einem Ausmaß, dass man sich schon fragen kann wie extrem egal einem Filmschaffenden der Bereich Sinn und Logik sein kann. 

Das Happy End fällt schließlich gar noch naiver aus als der Einstieg ins Geschehen, und glücklicher Weise ist der Film, wie Beiträge dieser Art zur Entstehungszeit üblich, mit unter 75 Minuten Laufzeit auch schneller vorbei, als er einem tatsächlich Langeweile bescheren könnte. Ein wirklich netter Film der Gattung naiver, trashhaltiger Retro-Science Fiction ist er meiner Meinung nach jedoch nicht geworden, auch wenn er sich für das Zielpublikum solcher Werke besser schaut als die erste Verfilmung. Herrlich dusselige Fehler, wie der pseudo-weltfremde Bau der Amazonenbehausung, der urplötzlich eine klassische Tür präsentiert, was so gar nicht zum restlichen Umfeld passen will, lassen einen zumindest zwischendurch schmunzeln. Und völlig desinteressiert schaut man dem unbeholfenen Treiben hier ohnehin nicht zu, eben weil so gar nichts Sinn ergeben will. Letztendlich bin ich jedoch dankbar dafür, dass es nicht fünf Jahre später, oder überhaupt irgendwann, erneut eine weitere Fortsetzung zu diesem mittelmäßigen Stoff gab. Es sei denn man würde die Parodie "Amazonen auf dem Mond" dazu zählen, die anbei vom hier besprochenen Remake scheinbar mehr inspiriert wurde, als vom Original.


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THE HAPPYTIME MURDERS (2018 Brian Henson)


In einer Welt, in welcher Menschen und lebende Puppen ko-existieren, wird ein ehemaliger Puppenpolizist in einen Kriminalfall hineingezogen, in welchem die Darsteller einer ehemals beliebten TV-Serie von einem Unbekannten ermordet werden. Zusammen mit seiner menschlichen, ehemaligen Partnerin versucht er herauszufinden, wer die Darsteller, die dem Ex-Cop einst sehr nahe standen, auf dem Gewissen hat...


Meet the Muppets...

Die Firma Disney mag mittlerweile die Rechte an den Muppets besitzen, womit Brian Henson, Regisseur von "Die Muppets Weihnachtsgeschichte" und Sohn von Muppetsschöpfer Jim Henson, aus der familiären Chose heraus ist, aber das hindert ihn glücklicher Weise nicht daran sein Werk weiter zu führen. Denn rein Puppen-technisch hat er von seinem Vater einiges gelernt, was er mit der brillanten, wie verkannten Serie "Muppets Tonight!" auch bereits in den 90er Jahren herzerfrischend bewiesen hat. Und so drehte Brian erneut eine Komödie in welcher menschliche Darsteller gemeinsam mit Puppen auftreten, ganz ohne das Markenzeichen Muppet, dafür mit dem Markenzeichen Henson versehen. Und um gar nicht nach echter Konkurrenz auszusehen, orientiert sich der gute Mann an einem erwachseneren Plot. "The Happytime Murders" ist wahrlich nichts für Kinder. Allerdings ist er auch nicht immer etwas für Erwachsene, ist er in seinem pseudo-provokativen Ton doch gelegentlich eine Spur zu infantil ausgefallen.

Wenn die Worte Penis und Eier, Beschreibungen sexueller Anspielung und vulgäre Beleidigungen fallen, dann ist eher das Jugend-Publikum angesprochen, als der erwachsene Freund von Hensons bis dahin üblichen harmloserem Anarchohumors. Zwar ist "The Happytime Murders" aufgrund seiner kindischen Pimmeleskapaden keineswegs so plump ausgefallen wie der grottenschlechte "Deadpool", ein "Falsches Spiel mit Roger Rabbit" für die Puppenwelt, wie man aufgrund der Zutaten vermuten könnte, ist der Streifen allerdings auch nicht geworden. Zwar kommt er annähernd an dessen Detailverliebtheit heran, aber Drehbuch und Charme der Figuren sind weniger anspruchsvoll und treffsicher geraten, wie im großen Zeichentrickvorbild, so dass einem aufgrund der infantilen Provokationen in augenzwinkernd "harten" Bildern eher "Meet the Feebles" in den Sinn kommt. Manch einer mag bei diesem Vergleich leuchtende Augen kriegen, ist Peter Jacksons Puppen-Komödie doch allgemein sehr beliebt, ich selbst konnte mit dem Treiben dort jedoch nur bedingt etwas anfangen und sehe den Vergleich somit als Kritikpunkt.

Freunde des Vergleichsfilms mag "The Happytime Murders" zu harmlos ausgefallen sein, immerhin kommt der zentrale Humor von dort hier eher am Rande vor, während allgemein noch Brian Hensons Muppet-Humor mitten im Raum steht und sich bis auf kleine, unangenehme Ausrutscher auch recht kompatibel mit dem raueren Ton schaut. Somit bin ich trotz größerer Erwartungen und der Verwunderung darüber, dass Henson überhaupt gelegentlich auf zu primitiven Humor zurückgreift, trotzdem noch recht zufrieden mit dem Ergebnis, zumindest ab jenem Zeitpunkt, wo ich mich damit abgefunden habe gelegentlich nicht zündende vulgäre Elemente vorgeschmissen zu bekommen. In der Ausnahme wissen auch sie zu funktionieren, so z.B. der Blick auf einen Pornofilm-Dreh, in welchem eine Kuh von einem Oktopus gemolken wird. Auch die Anspielung an "Basic Instinct", die detailreicher ausgefallen ist als im Original, weiß zu gefallen. Am angenehmsten guckt sich der Film jedoch immer dann, wenn ihm menschliche Aspekte und Absurditäten des Alltags und die Verschmelzung von Puppen- und Menschenwelt wichtig sind, und glücklicher Weise ist dies trotz des Sumpfes an Drogen und Sex der Mittelpunkt des Streifens.

Während man wahre Prominenz kläglich vermisst, wissen zumindest die Puppen ein vertrautes Gefühl zu erwecken, sieht man ihnen ihre Muppetsverwandtschaft doch sofort an, auch wenn sie nicht zum bekannten Franchise dazu gehören. Sie und der Trupp meist unbekannter, aber spielfreudiger, menschlicher Darsteller sorgen für das nötige Feeling. Emotional bleibt "The Happytime Murders" aufgrund seines rauen, Actionfilm-parodierenden Grundtones eine Spur zu zurückhaltend, zumindest dauert es bis die harten Schalen aufbrechen und uns wahre Charaktere spüren lassen. Doch das wird wieder aufgewogen durch das verspielte und pointensichere Miteinander von Puppe und Mensch und durch viel flachen Humor, der sehr herzlich und angenehm kindlich albern daher kommt, so dass man trotzdem in das zu kühl angegangene Szenario einsteigen kann. Vielleicht guckt sich die Puppenkomödie diesbezüglich beim zweiten Sichten auch eine Spur besser, fand ich das späte emotionale Vertiefen der Charaktere, aufgrund des passenden Zeitpunkts und der einfallsreichen Herangehensweise das raue Verhalten der Protagonisten zu erklären, doch gut und in dieser Filmphase wohltuend eingesetzt. Vieles worüber man sich zuvor (leicht) geärgert hat, wird mit dem Gesamteindruck bereinigt.

Zudem tat es gut, dass der kurze Anflug die Puppen für das Thema der Rassenproblematik Amerikas einzusetzen, nicht zum Mittelpunkt wird, wie anfänglich vermutet, das wäre dann doch inmitten der ansonsten herrlich verspielten Art eine Spur zu moralisch und bemüht ausgefallen. Immerhin will "Happytime Murders" Satire und Parodie sein, und in seinem, trotz durch infantilem Getue noch zu erkennenden, wenn auch verwässertem, Anarchohumor kleidet sich diese angedeutete Thematik auch gleich viel wirksamer als bei zunächst zu moralisch aufdringlich scheinender Herangehensweise. Henson findet jedoch allgemein meist den richtigen Ton, haut aber, wenn er daneben liegt, immer eine Spur zu derb daneben, so dass man ihm die Ausrutscher nicht wirklich verzeihen möchte, zumal sie sich, zumindest in besagten infantilen Provokationen, wie eine Anbiederung ans Jugendpublikum anfühlen.

An sich ist das Ergebnis jedoch positiv ausgefallen. Der Film ist optisch gut abgefilmt, lustig genug ausgefallen um mit ihm zu sympathisieren, und mag der Komödie auch die Komplexität eines Krimi-Plots a la "Falsches Spiel mit Roger Rabbit" fehlen, so ist die Geschichte doch immerhin noch weit interessanter und verfahrener ausgefallen, als es für diese Art Film und das anvisierte Publikum heutiger banaler Kinozeiten nötig gewesen wäre. Da darf man in heutigen Zeiten schon dankbar dafür sein, dass das Storygerüst im Vergleich zum Kultfilm aus den 80er Jahren nur leicht vereinfacht wurde. Ich denke bei einem zweiten Sichten, mit weit weniger Erwartungen an den Stoff, wird mir "The Happytime Murders" noch eine Spur besser gefallen als nach dieser ersten Sichtung. Aber nach den bisherigen großartigen Puppenproduktionen des Sohnes Jims ist es schließlich kein Wunder, dass ich mir zuvor mehr von dieser Art Ausnahmeprodukt erhofft habe. Leider ist der Film zu unberühmt, so dass es fraglich ist, ob Brian Henson weiterhin derartiges vorlegen kann. Der Vielfältigkeit der Filmwelt wäre es jedoch zu wünschen, dass Brian seinen Kurs weiter finanziert bekommt.


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DER WERWOLF VON WASHINGTON (The Werewolf of Washington 1973 Milton Moses Ginsberg)


Kurz bevor er den Job als Pressesprecher im Weißen Haus annimmt, wird Reporter Jack in Ungarn von einem Werwolf attackiert. Da er das Erlebnis überlebt, wird er in Washington angekommen nun selbst bei Vollmond stets zum Werwolf...


Auf politische Gehirnwäsche hoffend...

In Anlehnung an den Filmtitel "Der Werwolf von London" präsentierte Autor und Regisseur Milton Moses Ginsberg, der mit diesem seinem zweiten Film auch gleich seinen letzten ablieferte, mit "Der Werwolf von Washington" eine komödiantische Variante des Werwolfthemas, aufgrund des Spielortes freilich mit politischen Seitenhieben versehen. Das Produkt soll ein Horrorfilm und Komödie in einem sein, der Streifen wird somit kein "Liebe mit Biss" oder "Teen Wolf", dafür ist der Humor auch großteils zu nüchtern vorgetragen. Hin und wieder grenzt er jedoch auch an Klamauk, subtiler freilich eingebracht, kein "Police Academy" werdend, aber doch auf trockene Art mit etwas arg albernem Touch versehen. Da kann der Horrorgehalt nicht wirklich wirken, und ein Werwolfkostüm, welches während der attackierenden Szenen und jenen der Verwandlung heutzutage nicht einmal mehr einen 10-jährigen erschrecken würde, ist auch nicht gerade hilfreich bei der Unterstützung unheimlichen Feelings.

Das liegt aber auch an der zu banalen Regieführung und Erzählweise, die uns Jack nie wirklich nahe bringt, innere Prozesse überschlagend präsentiert, und Jack nie wirklich bedrohlich oder mitempfindbar verzweifelt wirken lässt. Allerdings kann im letzten Punkt auch die deutsche Synchronisation täuschen, ist die Stimme der Hauptfigur doch selbst in ernster Betonung etwas arg sonderbar ausgefallen, wirkt grundsätzlich witzig und damit zu aufdringlich für einen Film, der sein humoristisches Anliegen eher dezent einsetzen möchte. In einer Gewichtung beider Genres, die nichts Halbes und nichts Ganzes abliefert, und bei der man durch die oftmals zu stümperhafte Umsetzung in eigentlich routinierter Inszenierung nicht immer weiß ob gerade Gezeigtes ernst oder witzig gemeint sein soll, kommt "The Werewolf of Washington" (Originaltitel) ohnehin in allen Bereichen zu weichgespült daher. Als Horrorfilm ist er nicht düster genug ausgefallen, als Politsatire zu zahm daherkommend, als Komödie ist er nicht witzig genug. Diese drei Faktoren sind das Dilemma eines Streifens, den man aufgrund seiner unangepassten Bemühungen sympathischer finden möchte, als er ausgefallen ist.

Letztendlich hat mich das Ergebnis gelangweilt, war es in seiner zu zahmen Art, gerade humoristisch gesehen, doch noch weit entfernt vom gewagten Grundton, den John Landis in den 80er Jahren mit "American Werewolf" erreichen sollte, trotz zurückgeschraubter Anarchohaltung im Vergleich zu seinen 70er Jahre-Werken und ebenfalls auf den 30er Jahre Filmklassiker im Titel verweisend, so wie der hier besprochene Film. Der Möglichkeiten, gerade aufgrund der Arbeit im Weißen Haus, politisch treffsicher vorzugehen, gab es viele. Ob nun für wahnsinnig gehalten oder als Werwolf geoutet, beide Möglichkeiten hätten das Weiße Haus in seinem Drang nach Außen korrekt zu wirken, als manipulativ und Verbündete verstoßend entlarven können. Nichts davon geschieht. Meist orientiert man sich am Standardrezept des Werwolf-Themas (Halte Dich von mir fern, töte mich, ...), und selbst da wirkt der Film, der in seinen modernen Bemühungen zu inkonsequent ausgefallen ist, ziemlich altbacken, zumindest mit Blick heutiger Sehgewohnheiten. Kurze Anflüge treffsicherer Gedankengänge, wie die Hoffnung es aufgrund der Symptome anstatt mit einer Werwolftransformation mit einer politischen Gehirnwäsche zu tun zu haben, lockern das zu durchschnittliche Geschehen ein wenig auf, sind aber zu rar gesät, um "Der Werwolf von Washington" zumindest anspruchslosen Vielsehern nahezulegen.


Weitere Besprechungen zu Der Werwolf von Washington:

NECROPHILE PASSION (2013 Tom Heidenberg)


Ein Mann stößt während eines Waldspaziergangs auf eine nackte, blutüberströmte Frauenleiche. Anstatt die Polizei zu rufen, nimmt er sie mit nach Hause und vergeht sich an ihr. Das Erlebnis lässt den ohnehin schon psychisch labilen, isoliert lebenden Mann über sich und seine Vergangenheit nachdenken...


Zuvorgekommen...

Zur Thematik der Necrophilie gibt es mittlerweile eine erstaunliche Anzahl an Filmbeiträgen, nicht nur verteilt auf das Horror-Genre. Buttgereits Tabu-brechendes Original "Nekromantik" diente dem hier besprochenen Film als Vorbild, nicht nur aufgrund seiner Amateurfilm-Herkunft, auch orientiert am psychologischen Umgang und an der doch recht stark übereinstimmenden Handlung. Was wirklich Neues hat Tom Heidenberg mit seiner ersten Regiearbeit nicht abgeliefert, die direkten Bilder, die sein Werk liefert, sind allerdings wirklich schwer verdaulich, kein Wunder, ist sein Streifen doch ein Undergroundfilm für ein sehr spezielles Publikum, dem nichts mehr so leicht den Magen umdreht. Sich freizügig zeigende, mutige Darsteller sorgen für ein möglichst realistisches Agieren im sexuellen Bereich, zwei Arten von Leichen, die eine frisch, die andere vermodert, lassen die Art der Provokationen auf verschiedenen Ebenen zu.

Leider geht es kaum um mehr, als um Provokation. "Necrophile Passion" ist ein reißerischer Film, der beim Sexualakt auch stets Blut eine wichtige Rolle spielen lässt und ständig um Schauwerte bemüht ist, freilich auch nackter Natur. Zwar versucht man der Rolle der für einen Amateurschauspieler gar nicht schlecht agierenden Hauptfigur einen tragischen, analytischen Hintergrund zu bescheren, doch fehlt es den Verantwortlichen des Streifens an wahrer Empathie. Was sie hierzu abliefern ist keinesfalls tiefgründig, berührend und nachvollziehbar. Stattdessen wirkt die Psychologie zu gewollt, zu bedeutungsschwanger, einfach zu sehr nach Hausfrauen-Psychologie, eben das was heraus kommt, wenn man sich ohne Einfühlen in die Thematik fragt was einen zu solch einem Verlangen ziehen mag, bzw. woher die Veranlagung für eine derartige Grenzüberschreitung herkommen mag.

Auch wenn dies in seiner Dramaturgie nicht glaubwürdig erscheint, für einen reißerischen Undergroundfilm geht auch das in Ordnung, verleiht es dem sauber abgefilmten Werk doch wenigstens etwas Mehrwert, so dass man nicht einfach nur Sexualprovokationen und Blut vorgesetzt bekommt. Dass sich "Necrophile Passion" auch in den selbstquälenden Szenen des Protagonisten nicht dröge guckt, obwohl dieser oft nur herumsitzt und einer fremden Stimme in seinem Inneren lauscht, liegt neben dem brauchbaren Schauspiel Günther Brandls an der passenden Musikuntermalung, die nicht so plump ausgefallen ist, wie im Amateurfilmbereich üblich. Einen wahren empathischen Touch fehlt auch ihr, das Ergebnis der stilleren Lieder ist noch immer einen Hauch zu dahingedudelt, aber der Stil geht in die richtige Richtung. Die Vor- und Abspannmusik ist im Vergleich gelungener ausgefallen, insgesamt weiß aber ohnehin der komplette aus vier Liedern bestehende Soundtrack das Gezeigte treffend zu untermalen.

"Necrophile Passion" mag nichts Besonderes im Meer deutschsprachiger Amateurfilme sein, eben auch weil es bereits "Nekromantik" gibt, erfreulicher Weise ist er aber nicht so dahingeschludert ausgefallen wie manch andere Hobby-Beiträge, Bild und Ton wissen zu gefallen, und durch das Fehlen langweiligem, ewig anzuschauenden Gemetzels, wie für den Undergroundbereich eigentlich üblich, macht das erfreuliche, nur 50 Minuten lang laufende Ergebnis für Freunde abartiger Grenzerfahrungen auch relativ Spaß. Ein ernstzunehmender Beitrag dieser verstörenden Thematik ist er in seiner zu reißerischen und psychologisch oberflächlichen Art jedoch nicht. Dafür guckt sich das Ergebnis dann doch zu bemüht. Dass er sich trotz ernster, staubtrockener Umsetzung jedoch selbst nicht bis zur letzten Konsequenz all zu ernst nimmt, beweist der Streifen mit seiner augenzwinkernden, schwarzhumorigen Schlusspointe, die endgültig beweist, dass psychologische Glaubwürdigkeit nicht zu den Talenten der hier Verantwortlichen zählt. Unabhängig davon hat mit der Schluss jedoch gefallen.


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DIE NÄCHTE DER WÜRGERIN (Cat Girl 1957 Alfred Shaughnessy)


Leonora mag ihren Onkel nicht und bittet deswegen ihre Freunde sie zu begleiten, als dieser sie aufgrund von Erbschaftsvorbereitungen auffordert ihn zu besuchen. Er offenbart ihr etwas von einem ominösen Familienfluch, in welchem sein Haustier, ein Leopard, eine wichtige Rolle zu spielen scheint. Kurz darauf stirbt er, und Leonora fühlt sich verändert...


Mit Deinem Haustier auf Du... 

Auch wenn sie thematisch in eine andere Richtung schwenkt, so ist doch nicht zu übersehen, dass die britische Produktion "Die Nächte der Würgerin" von dem 15 Jahre zuvor entstandenen amerikanischen Horrorfilm "Katzenmenschen" inspiriert wurde, und allein schon aufgrund des Fehlens des dort so wertvollen analytischen Aspekts kann Alfred Shaughnessys Werk diesem so gar nicht das Wasser reichen. Stumpfer kommt er daher, verworrener, nicht wirklich durchdacht erscheinend, was ihn im Gegensatz zu seinem Vorbild eher zum schlichten Werk seiner Gattung macht, anstatt zu einem großen Genre-Beitrag.

Nun bietet uns der Horrorbereich jede Menge derart geprägte Ergebnisse, die sich vom Unterhaltungswert jedoch angenehm von den tatsächlich missglückten Streifen ihrer Art unterscheiden, doch zu solch einem Produkt will "Cat Girl" (Originaltitel) ebenfalls nicht werden. Hierfür schafft es Shaughnessy, dessen hier besprochenem Debüt lediglich zwei weitere Filme folgen sollten, einfach nicht eine spannende, düstere und/oder dichte Grundatmosphäre zu schaffen, die das zu belanglose tatsächliche Treiben ein wenig auffangen könnte. Positiv fällt auf, dass die Hauptfigur nicht sympathisch gezeichnet ist, und die Beziehung in der sie sich befindet alles andere als harmonisch und durchschnittlich zu nennen ist. Stößt diese ungewöhnliche Hauptfigur auf den schrulligen Butler und ihren Onkel mit unfreundlichem Auftreten und ungewöhnlichem Haustier, besitzt "The Cat-Woman" (Alternativtitel) nach banaler Anfangsphase zumindest einen gewissen skurrilen Touch. Die simplen Attacken auf schwache Nerven mittels des Raubtieres und anderweitige maue Versuche dem Zuschauer mit schlichten Mitteln Angst und Unbehagen zuzuführen, rücken jedoch zu gewollt in den Vordergrund und bieten den ominösen Elementen somit zu wenig Raum, um grotesk genug faszinieren zu können.

Begreift man erst einmal, dass das Ergebnis wesentlich gewöhnlicher ausgefallen ist, als es (ohnehin viel zu banal abgefilmt) bislang schien, wird dem Streifen nun auch die verworrene Art zum Verhängnis, mit welcher er es einfach nicht schafft uns die Umstände, in denen sich die Hauptrolle befindet, erklärbar zu machen. Das beginnt mit wenig aufklärenden Worten des Onkels seiner Nichte den Fluch bezüglich gegenüber, mit welchen niemand auf das was kommt vorbereitet wäre, und das endet mit einem unausgegorenen Blick auf die Frage ob Leonora nun ein Katzenwesen ist, lediglich per Gedankenkraft den Jaguar lenkt, oder einer familiär ansteckenden Geisteskrankheit unterliegt. Eine Zeit lang mag diese offene Frage dem mauen Film noch einen halbwegs funktionierenden Motor liefern, ernüchternd stellt man jedoch fest, dass der Weg zum Ziel weder aufregend, noch befriedigend auflösend ausgefallen ist. Verhängnisvoll kommt dem Gesamtergebnis zusätzlich noch die zu sprunghafte Entwicklung seiner Protagonistin in die Quere, welche der Glaubwürdigkeit des Stoffes und dem ohnehin schwer zu findenden Zugang zur Filmrealität ein weiteres Beinchen stellt. "Die Nächte der Würgerin" fehlt es an qualitativen, wie quantitativen Schauwerten um zu gefallen, und selbst aus nostalgischer Sicht ist das Ergebnis zu belanglos ausgefallen, als dass man es, bei all der vorhandenen interessanteren Konkurrenz, ernsthaft wem Filminteressiertes ans Herz legen könnte.


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ZOMBIE DEATH HOUSE (Death House 1987 John Saxon)


In einem Hochsicherheitsgefägnis wird mit den Insassen mittels eines ungetesteten Serums herumexperimentiert. Vietnamveteran Derek, der den Mord an seiner Freundin von einem Mafiaboss in die Schuhe geschoben bekam, sitzt erst kurz dort ein, da bricht plötzlich aufgrund der illegalen Forschung eine Seuche aus, und die menschlichen Versuchskaninchen verwandeln sich in gewaltbereite Bestien...


Damit sie für etwas wertvoll sind...

Mit "Zombie Death House" hat John Saxon, Nancys Vater aus "Nightmare - Mörderische Träume", sein Regie-Debut abgeliefert, und es sollte seine letzte Tätigkeit in diesem Feld bleiben. Das ist verständlich, wenn man sich das Ergebnis dieses eigentlich reizvoll klingenden Stoffes angesehen hat. Nun geht einiges Missglücktes auch auf das Konto der drei Drehbuchautoren, immerhin ist die Chose zur Kosteneinsparung unglaubwürdig ausgefallen, vieles ergibt keinen Sinn, und der simple Plot wird unnötig umständlich erzählt. Aber die dröge Umsetzung, das Fehlen der Gesamtübersicht, die unnötigen Wiederholungsschnitte zu Beginn, und das dort unübersichtliche Treiben, vernachlässigt aufgrund in den Vordergrund gerückter, zu aufgesetzter Actionszenen, zeigen neben unbrauchbarer Schauspielführung, dass der liebenswerte B-Darsteller in seinen sympathischen Schmuddelfilmchen als Darsteller besser aufgehoben ist, als auf dem Regiestuhl.

Die recht nett zurecht gemachten mutierten Amokläufer sind zu wenige an der Zahl und zu selten zu sichten, als dass deren Treiben die lahme Umsetzung etwas angenehmer beeinflussen könnte, und die Goreeffekte gehen zwar in Ordnung, sind aber nicht halb so extrem ausgefallen wie das was die Filmfiguren über die Geschehnisse äußern. Der Hauptdarsteller weiß nicht zu wirken, den Vietnamveteran kauft man ihm ohnehin nicht ab, und es ist lächerlich dass er auf den Erinnerungsfotos von dort bereits seine mittellangen Haare hatte. Derartige unfreiwillige Witzigkeiten sind leider ebenfalls rar gesät, zur Trashperle verkommt "State Prison" (Alternativtitel) somit leider nicht. Dabei würde gerade das versteifte Spiel vieler schlecht Besetzter hierzu beitragen. Wie verkrampft hier Prügeleien stattfinden, anderweitige Choreographien u.a. durch zu langsames Umsetzen, missglücken, oder im Falle der blonden Wissenschaftlerin bereits das Agieren in Form von verkrampftem Stehenbleiben nach ihren aufgesagten Sätzen innerhalb der selben Szene negativ auffällt, ist wahrlich ärgerlich zu nennen, auch für einen simplen, kleinen B-Movie, der kein großes Kino sein möchte.

Die ersten 20 Minuten werden mit einer zu ausführlichen Vorgeschichte verplempert, in welcher eindimensionale Figuren eindimensional bleiben, Unnötigkeiten erzählt werden, bereits Gewusstes noch einmal verdeutlicht wird und an sich nur reißerische Sehwerte wie Nacktheiten und Verfolgungsjagden präsentiert werden, wahrscheinlich weil sie auf diese Weise im Handlungsort Gefängnis angekommen nicht mehr einzusetzen sind. Off-Kommentare, um überhaupt mit der zu ausführlich ausgefallenen Vorgeschichte mitzukommen, sprunghafte Handlungsabfolgen und anderweitiger Mist zeigen auf, dass selbst das unnötig gestreckte Vorgeschehen noch zeitlich eingedämmt wurde, um irgendwann endlich mit der Hauptgeschichte zu beginnen. Mich würde es nicht wundern, wenn da erst im Nachhinein getrickst wurde und viele fertiggestellte Szenen entfernt und zurechtgestutzt werden mussten, um die Eingangsphase zeitlich nicht noch extremer auszureizen. Leider ist auch mit Ankunft im Gefängnis weiterhin das große Warten angesagt. Hier versagt auch der relativ häufig anzutreffende humoristische Grundton, wenn es um die Schwulitäten der ein Leben lang Einsitzenden geht.

Kurzum zeigt uns "Death House" (Originaltitel) nichts was uns gelungene Mutanten- und Zombiefilme zuvor, sowie Stallones "Lock Up" zwei Jahre später, besser vorgesetzt haben. Saxons Werk weiß nicht was es wirklich sein will, ist für einen Fun-Horror zu ernst ausgefallen, für einen guten Genrebeitrag zu schluderig und für die kleine Unterhaltung zwischendurch zu dröge. Hier wird der in den Spät-80ern noch vorhandene trockene Erzählton, der meist zu gefallen weiß, zu einem mörderisch langweiligen Stilmittel. Und der leichte Anflug analytischer Raffinessen (Zum Tode Verurteilte Mörder werden ironisch gemeint zu mordenden Bestien, Gefangene werden zu den Guten, wohingegen das Militär böse Absichten tätigt und dabei das Volk in Gefahr bringt, anstatt es zu beschützen, durch Überspitzung verschiedene Formen des Strafvollzugs als Experimentieren mit Gefangenen zu kritisieren, die Verschlechterung im Verhalten der Häftlinge hervorheben, anstatt dass eine Verbesserung des Sozialverhaltens stattfindet...) wirkt nie intellektuell sinnvoll oder überzeugend vorgetragen und ist an mancher Stelle vielleicht auch eher Zufall anstatt beabsichtigtes Einbringen. "Zombie Death House" klingt theoretisch nach einem netten, kleinen Happening für zwischendurch, ist aber guten Gewissens jedem Freund der 80er Jahre Videothekenfilmchen von abzuraten.


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PUPPET MASTER 11 - AXIS TERMINATION (Puppet Master: Axis Termination 2017 Charles Band)


Zwei Gruppen paranormal begabter Menschen, eine auf der Seite der Amerikaner, die andere auf jener der Nazis, kämpfen mit ihren übernatürlichen Kräften und dem Einsatz von Killerpuppen um eine altertümliche Schriftrolle, mit welcher man ein Lebenselixier erschaffen kann...


Endlich im Einsatz...

Ein Jahr bevor Fangoria mit "Puppet Master 12 - Das tödlichste Reich" ein Splatterfest entfachte, lieferte Charles Band seinen letzten Beitrag der von ihm erschaffenen Reihe ab, und toppt mit dieser vom Blutgehalt her all die Vorgänger, die unter seiner Produktion entstanden sind. Mag der Hauptteil des Streifens, der die Axis-Trilogie innerhalb der langlebigen Reihe beendet, auch das typische kostengünstige Hinhalten mit viel Geschwätz sein, wie es sich für einen Full Moon-Film gehört, so holen die Puppen im Finale doch all das nach, was dem Fan in manchem Teil oft vorenthalten wurde. Hier dürfen sie fleißig schnitzen, zerquetschen, Blutegel absondern, schießen und bohren. Auch ihre in "Puppet Master 10 - Axis Rising" erschaffenen Puppengegner kommen hier endlich zum Einsatz, wohingegen sie im Restfilm lediglich gelegentlich eingeblendet und einmal halbherzig eingesetzt werden. Neue Killerpuppen hat "Puppet Master 11 - Axis Termination" nicht zu bieten, weder auf der Seite der Guten, noch auf jener der Bösewichter.

Band gönnt sich lediglich eine Spielerei auf der Seite der positiv besetzten Schurken, darf doch eine untergebene Nazischlampe, typisch Bands skurrile Filmwelt, eine Spritzenhand besitzen, die sie gerne zum Einsatz bringt, was sie zu einem herrlichen Puppenersatz macht. Vielleicht soll aufgrund ihres strengen Tussiauftretens auch die Doppeldeutigkeit des Wortes Puppe hervorgehoben werden, keine Ahnung, Band denkt eigentlich nie um die Ecke, zumindest nicht ohne ganz direkt darauf zu verweisen, aber zu gefallen weiß diese eigentlich unnötige Spielerei definitiv. Freilich muss man sich im Vorfeld wie gehabt damit abfinden, dass alles sehr kostengünstig mit wenig Menschen an wenig Orten abgefilmt ist. Mancher Puppenmoment mag besser als bisher getrickst sein, für das Jahr 2017 ist das Niveau der Spezialeffekte trotzdem übel zu nennen. Man muss mit der Handschrift Bands sympathisieren, und die ist mit dem Finale der Trilogie glücklicher Weise wieder ebenso enthalten, wie im direkten Vorgänger. Der Start mit "Puppet Master 9 - Axis of Evil" war hingegen nicht typisch Band charmant ausgefallen. Stammzuschauer von Full Moon werden also ordentlich bespaßt, der Rest wird entweder zukünftiger Stammzuschauer, oder am infantilen Getue einer blödsinnigen Produktion verzweifeln.

Die menschlichen Figuren des Vorgängers treten nur zu Beginn des Filmes auf, um auch direkt sterben zu dürfen. Das ist besonders schade aufgrund des zwielichtigen Wissenschaftlers zu nennen, der mit seinem Wissen nun heimlich weitere Killerpuppen unabhängig von den Nazis hätte kreieren können. Vielleicht liegt es daran dass zwischen dem Mittelteil und dem hier besprochenen Schluss der Trilogie ganze fünf Jahre lagen und das Projekt somit nicht wie ursprünglich geplant beendet werden konnte. Aber da Band ohnehin ein Billigfilmer sondergleichen ist, verwundert einem das Neumischen der Karten nicht wirklich, wer weiß ob er überhaupt fünf Jahre zuvor einen Plan für eine Fortsetzung hatte. Der Typ macht halt einfach immer irgendwie weiter, seine Produktionsfirmen ebenso betreffend wie seine Filme.

Der Neuansatz erlaubt es ihm in seinem letzten Teil der Reihe noch einmal das Umfeld des Erstlings "Puppetmaster" aufzugreifen, in welchem sich ebenfalls medial veranlagte Menschen trafen. Hier kämpfen nun zwei dementsprechende Gruppierungen gegeneinander, stets Zauberkräfte a la "Rexosaurus" demonstrierend, um von dem Umstand abzulenken, dass eigentlich nichts wirklich passiert, damit aber auch direkter den Bereich der Fantasy streifend, als für diese Horrorreihe eigentlich üblich ist. Zu Begegnungen zwischen den beiden Fronten kommt es fast nie, Hinhalten ist lange Zeit angesagt, wenn auch nicht auf die öde Tour. Und das Finale weiß dann, wie erwähnt, für alles zu entschädigen, hier geht die Post ab, hier bekommt der Fan der Reihe noch einmal alles geboten, was die schlichten Killerpuppen leisten können. Von nun an wird die Reihe in den Händen anderer Filmemacher sein. Aber ich glaube das wird der stets zu schlicht ausgefallenen Serie tatsächlich gut tun, auch wenn ich eigentlich mit dem Vieldreher Band sympathisiere.


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