06.07.2020

CREEPSHOW - DIE UNHEIMLICH VERRÜCKTE GEISTERSTUNDE (Creepshow 1982 George A. Romero)


Geschichten aus einem weggeworfenen Grusel-Comicheft: u.a. geht es um einen Farmer, der einen Meteor entdeckt und sich an ihm ansteckt, um einen mächtigen Mann mit einem noch mächtigeren Kakerlakenproblem und um ein Monster in einer Kiste aus dem 19. Jahrhundert...


Röntgenbrillen, Voodoo-Puppen...

In den 50er und 60er Jahren waren die von Erwachsenen verpönten Monster-Hefte und Grusel-Comics erfolgreiche Trivialware. "Creepshow" (Originaltitel) widmet sich in seiner Rahmenhandlung nicht nur dieser und dem umstrittenen Umgang mit derartigen Publikationen, er kommt komplett im Gewandt einer solchen daher. Die Kurzgeschichten beginnen und enden mit Zeichnungen, einige Bilder werden nebeneinander in Comicbild-Umrahmung präsentiert, die heute nostalgisch anmutenden Werbeseiten mit skurrilen Artikeln, zum Verschleudern des Taschengeldes, werden eingebaut, und auch die präsentierten Geschichten an sich baden in genau jenem charmant verschmitzten, schwarzhumorigen Ton, wie er typisch für diese Art Produkt war. Ernstzunehmender Horror wird hier nicht präsentiert, eher Schelmereien geschmückt in Horrorthematiken. Umso schöner ist es, dass diese kindliche Herangehensweise getaucht ist in oftmals blutrünstige Bilder. Die US-Amerikaner hatten noch nie Probleme damit beides zu vereinen. Für die Effekte verantwortlich zeichnet sich Tom Savini, der Genre-Künstler seiner Zeit schlechthin, das Drehbuch steuerte der gerade besonders beliebte Stephen King bei (der in der zweiten Geschichte auch sympathisch dümmlich spielend die Hauptrolle besetzt), und mit George A. Romero hatte man einen professionellen Veteran des modernen Horrorfilms auf dem Regie-Stuhl sitzen.

So braucht es gar nicht verwundern, dass direkt zu Beginn eine Zombiegeschichte auf den Zuschauer wartet. Allerdings ist sie ganz anders als Romeros "Die Nacht der lebenden Toten" und "Zombie" ausgefallen. Im zum verspielten Grundton verpflichtenden Look erinnert sie mit ihrem charmanten Monster, das dem Grabe entsteigt, und der mündlich dargebotenen Aufforderung auf einen längst fälligen Geburtstagskuchen eher an den erst später erschienen "The Return of the Living Dead". Romero beweist, dass er die Thematik auch auf völlig andere Art beherrscht. Die darauf folgende Geschichte, um einen dümmlichen Farmer, der nach dem Berühren eines frisch herunter gestürzten Meteors zum Pflanzenwesen mutiert, schlägt einen ähnlichen Ton an. "Creepshow" (Originaltitel) liefert jedoch selbst in verschmitzter Form auch ernstere, nicht ganz so extrem auf Comic getrimmte, Gangarten. So z.B. in der meiner Meinung nach besten Geschichte, in welcher Leslie Nielsen einen rachsüchtigen, besitzergreifenden Ehemann spielt, der den Betrug seiner Frau auf besonders scheußliche Art rächt. Während die meisten Episoden auf sehr direkte Art erzählt sind, kommt eine Geschichte, um ein affenähnliches Monster mit unnötigen Ausschweifungen daher, welche die Geschichte eher lang ziehen, anstatt ihr dienlich zu sein. Eine professionelle Besetzung macht einiges wieder wett, meiner Meinung nach wird diese nett getrickste Chose jedoch zum Tiefpunkt des Streifens. Eine Abschluss-Story um ein Kakerlakenproblem entlässt wieder verschmitzt sympathisch aus dem Film.

So nett das alles klingt, "Die unheimlich verrückte Geisterstunde" (Alternativtitel) macht genau jenes Problem deutlich, welches ich meistens mit Episodenfilmen, gerade aus dem Horrorbereich, habe. Die Episoden greifen nie tiefer, als ihr eigentlicher Aufhänger und enden mit einem augenzwinkernden Schluss dann, wenn es am interessantesten wird. Die liebevolle Comicgestaltung und die professionelle Umsetzung machen zwar einiges wieder wett, aber über eine Laufzeit von zwei Stunden schießt "Creepshow - Die unheimlich verrückte Geisterstunde", der bislang zwei Fortsetzungen beschert wurden, dann doch über sein Ziel hinaus. Am Stück konnte ich mir den damit viel zu lang ausgefallenen Streifen nicht angucken. Und so charmant ich auch vieles an ihm finde, letztendlich hängen mir die sympathischen Geschichten zu sehr an ihrem Aufhänger fest. Das reicht um eine Art morbid kindliche Freude zu entfachen, überfordert in seiner Überlänge jedoch. Filmfreunde, die weit weniger skeptisch mit Episodenfilmen umgehen als ich, werden mit genügend Geduld jedoch ein feines, verspieltes, wie blutrünstiges Happening erleben, wie es eben nur Freunde dieses Genres mögen, vorausgesetzt man steht nicht nur auf die bierernsten Varianten des übernatürlichen Films. annehmbar


Trailer,   OFDb