14.01.2020

NEGADON - DAS MONSTER VOM MARS (Wakusei daikaijû Negadon 2005 Jun Awazu)


Die Rohstoffe der Erde werden knapp, also wird ein Projekt gestartet Planeten in Lebensräume für Menschen umzuwandeln. Bei einem Transport vom Mars zurück zur Erde wird ungeahnt ein Monstrum mitgeschleppt, welches sogleich damit beginnt Zerstörung und Unheil anzurichten. Ein Entwickler von Riesenrobotern stellt sich ihm mittels eines solchen entgegen...


Im Gedenken an die Tochter...

"Negadon - Das Monster vom Mars" erschien zum 50 jährigen Jubiläum der sogenannten Kaiju-Filme, von denen "Godzilla" mit über 25 Fortsetzungen wohl der berühmteste Vertreter sein dürfte. Das Werk des Kurzfilmers Jun Awazu, dessen einziger Langfilm "Planzet", soviel ich weiß, bislang nicht in Deutschland erschienen ist, ist ein computeranimierter Anime, der ähnlich wie seinerzeit "Final Fantasy" versucht Menschen und Umgebung möglichst realitätsnah zu zeichnen. Er erweitert diese Idee jedoch mit der sympathischen Herangehensweise dennoch einen gewissen Grad Retro-Charme mit in die Optik zu integrieren. Von seinem Erscheinungsbild her ist "Negadon: The Monster from Mars" (Alternativtitel) tatsächlich beeindruckend umgesetzt. Nicht nur die realitätsnahe Menschenanimation, auch Kleinigkeiten wie herab fallende Regentropfen oder eine ausgedrückte Zigarettenglut wissen hervorragend gezeichnet aufzufallen und bilden meiner Meinung nach mindestens genauso viel Sehwert, wie die eigentlichen Hingucker des Werkes: das Monster und der Riesenroboter, der es bekämpft.

Inhaltlich darf man bei einem 26minüter nicht viel erwarten. Da wird der Standard abgegrast, inklusive des für Japan traditionellen emotionalem Aufbauschen von Ehrgefühl, hier zusätzlich angereichert mit dem Verarbeiten von Verlust und Schuldgefühlen. Das reicht aus um der Hauptfigur zumindest etwas Charakter zu bescheren. Und ein Einstieg ins Geschehen, der sich Zeit für die Hintergründe nimmt, bevor der Schrecken über die Erde einbricht, zeigt, dass es Awazu, der Autor und Regisseur in einem ist, hier nicht nur um reine Zerstörungswut ging. Das beschert "Wakusai daikaijû Negadon" (Originaltitel) zusätzlichen Charme. Den hat er bei solch simplen Plot auch nötig. In einem Kurzfilm kann man zwar nicht viel mehr erwarten, aber vom Monster hätte ich doch schon gern etwas mehr mitbekommen. Wirklich verstehen wie es funktioniert und was es überhaupt ist (Maschine? Organisch? Beides?) kann man bei so wenig Information nicht, zumal es für meinen Geschmack auch ruhig ein wenig mehr Zeit an demonstrativer Zerstörungsorgie hätte geben dürfen, bevor der Kampf mit dem Riesenroboter beginnt. Und auch dieser dauert nicht all zu lang.

Aber das war sicherlich auch alles eine Kostenfrage, was auch das Schlussszenario im eher schlicht zu animierenden Weltraum vermuten lässt. Letztendlich beinhaltet der Streifen jedoch alles was er zur Ehrerbietung seines Genres Film nötig hat, und als erster animierter Vertreter dieser Gattung Film gebührt ihm ohnehin Pionierstatus. Awazu hat alles was mit den vorgegebenen Finanzen möglich war reingepackt, hat damit zwar kein Meisterwerk geschaffen, aber durchaus ein charmantes Stück Unterhaltung, das einem zu wenig Zeit raubt, als dass man über jene Schwächen schimpfen würde, für die der Film in seiner gewählten Form schlussendlich auch nichts kann. Vom Deutschton sollte man die Finger lassen, der ist übel ausgefallen. Glücklicher Weise beinhaltet die hierzulande veröffentlichte DVD den Streifen aber zusätzlich noch im Originalton mit deutschen Untertiteln.


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13.01.2020

THE SILENCE (2019 John R. Leonetti)


Als die Wand einer bislang unentdeckten Höhle durchbrochen wird, tritt eine unbekannte Gattung Fledermaus ähnlicher Kreaturen aus, die mit ihrem überragenden Gehör in nur kurzer Zeit halb Amerika überrennen und zur Spitze der Nahrungskette werden. Der Mensch kann nur in totaler Stille überleben - so wie es die Familie rund um die gehörlose Teenagerin Ally versucht, die nach einer ereignisreichen Flucht Zuflucht in einem einsam gelegenen Landhaus findet...


Leises Flüstern erlaubt...

Horrorfilme um Stille zum Überleben häufen sich allmählich. In "Don't Breathe" mussten Einbrecher sich muxmäuschenstill im Haus eines blinden Veteranen verhalten, in "Hidden - Die Angst holt dich ein" musste man sich so leise wie möglich unterirdisch vor einem rätselhaften Feind verstecken, bislang war meines Wissens nach aber nur "A Quiet Place" konsequent genug eine derartige Idee umzusetzen. Dort organisierte sich eine Familie in einer Welt, die von einer hellhörigen Spezies überrannt wird, innerhalb eines abgelegenen Hauses, fast einzig über Gebärdensprache kommunizierend. Was unglaublich gruselig in dieser Konsequenz klingt, entpuppte sich als Film, der unterhaltungs-technisch in Ordnung ging, in Sachen knisternde Spannung aber nicht die Erwartungen einhalten konnte, die das Potential einer solchen Geschichte bereit hält. Nun kommt mit fast exakt gleicher Idee, aber immerhin auf einer eigenständigen Novelle basierend (die selbe Buchvorlage des Vergleichsfilms? Ich weiß es nicht.) "The Silence" daher. Der ist etwas simpler angelegt, meiner Meinung nach aber effektiver umgesetzt.

Vieles in "The Silence" orientiert sich am typischen Handlungsablauf eines Horrorfilmes. Selbst die Figurenkonstellation macht schnell klar auf wen hier hauptsächlich ein Auge geworfen wird, und somit auch wer das Ende der Geschichte höchst wahrscheinlich lebendig erreichen wird und wer nicht. Die Regie übernahm John R. Leonetti, der mich weder mit seinem mauen "Butterfly Effect 2" bislang überzeugen konnte, noch mit seinem unterirdischen "The Conjuring"-SpinOff "Annabelle". Das macht nicht gerade Mut in Kombination mit der Information, dass "The Silence" nicht ganz so konsequent wie der themenähnliche Genre-Beitrag aus dem Jahre 2018 ausgefallen ist. Aber es geschehen noch Zeichen und Wunder. So simpel die eigentliche Handlung auch ablaufen mag, sowohl eine lobenswerte Besetzung, als auch eine spannungsgeladene Umsetzung lassen es nicht zu, dass sich das Ergebnis durchschnittlich schaut. Leises Flüstern wechselt sich mit Gebärdensprache ab, klitzekleine Geräusche sind erlaubt, und dennoch hält man stets den Atem an, bei der fortwährenden Gefahr dass jederzeit irgendwie ein nennenswertes Geräusch ausgelöst werden kann. Als Zusatzreiz beschert uns die Geschichte einen weiteren, nicht zu unterschätzenden, Feind, den ich in seiner Motivation ebenso reizvoll finde, wie in seiner optischen Wirkung.

Die eigentlichen Aggressoren des Films sind optisch an Fledermäusen orientiert, was nicht auf dem obersten Stand der Computeranimation umgesetzt wurde, aber ordentlich genug um zu wirken und zu gefallen. Zudem weiß diese theoretisch einfallslosere Variante Monster in den Attacken besser zu wirken, als die CGI-Kreaturen der Konkurrenz, so dass auch die aufregenderen Momente den Zuschauer meiner Meinung nach hier mehr zu packen wissen. Zudem wird die Tragik der Charaktere emotional eingefangen, so dass einen viele Erlebnisse nicht kalt lassen, selbst dann, wenn sie fast nebensächlich eingefangen werden und uns somit nur mit einem minimalen Anteil Information vorgesetzt werden. Vielleicht hätte man noch Themengebiete, wie das eventuelle Schnarchen einer der Beteiligten, mit in die Geschichte integrieren können, aber auf 90 Minuten ist schon einiges an reizvollen Ideen zum grundlegenden Thema enthalten. Letztendlich kann man dem hier angegangenen Aufhänger aber ohnehin nur konsequent in einer Serie gerecht werden. Umso mehr freut es mich, dass trotzdem für die Thematik um fanatische Gläubige noch Platz gefunden wurde, ein derartiger Sub-Plot reizt doch eigentlich fast immer. Kurzum: das Rezept ist simpel, kleine Geräusche leider noch erlaubt, womit "The Silence" nicht konsequent genug erzählt ist, und auch einige Logiklücken sind definitiv vorhanden, gerade was den Zeitrahmen aller Ereignisse betrifft. Aber der Spannungsgehalt, die bedrohliche Atmosphäre, empathische Gefühlswelten und sympathische Darsteller sorgen dafür, dass das Ergebnis doch noch überdurchschnittlich ausfällt. Eine Empfehlung meinerseits ist somit gegeben.


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12.01.2020

IN DER FALLE - ANGRIFF DER KILLERHUNDE (Trapped 1973 Frank De Felitta)


Seine Frau zieht mit ihrem neuen Mann und der gemeinsamen Tochter aus erster Ehe nach New Mexico. Der Flug steht kurz bevor, und Chuck möchte seinem Kind zum Abschied noch eine Puppe kaufen. Kurz vor Ladenschluss wird er auf der Toilette des großen Kaufhauses überfallen und fällt ins Koma. Als er erwacht ist das Geschäft geschlossen, welches über Nacht von aggressiven Hunden bewacht wird. Chuck wird bei einer Attacke eines Wachhundes verletzt und versucht sich in diesem Zustand immer weiter schwächelnd gegen die Bedrohung der Vierbeiner zu schützen. Währenddessen ist seine Ex-Frau mit ihrem Mann in der Stadt unterwegs, um Chuck zu suchen, der nicht wie versprochen am Flughafen erschienen ist...


Chuck und sein Allzweckgürtel...

An Killerhunde-Filmen mangelte es innerhalb der ersten Tier-Horror-Welle nicht. Egal ob "Killerhunde", "Cujo", "Der Höllenhund", "Play Dead", "Bloodline - Zum Killen dressiert" oder "Zoltan - Draculas Bluthund", sie alle sind jedoch erst nach "In der Falle - Angriff der Killerhunde" entstanden, den man zwar ebenfalls als Tier-Horror verstehen kann, der aber hauptsächlich als eine Art Survival-Thriller daher kommt. Mit James Brolin scheint er in der Hauptrolle gut besetzt zu sein, aber der überzeugt nicht wirklich, zumindest spielt er weit entfernt von seiner gelungenen Darbietung in "Westworld". Vielleicht benötigt der Mann, von dem ich keine weiteren Rollen kenne, auch einen guten Regisseur, der ihn an die Hand nimmt. Einen solchen hatte er mit Frank De Felitta jedoch nicht am Start, der zwar mit "Die Nacht der Vogelscheuche" einen akzeptablen Beitrag zum Genre Horror hinbekommen hat, jedoch nie mehr als TV-Niveau ablieferte. Sein fünfter und letzter Film sollte "Final Instinct" sein, der mit Sharon Stone besetzt wie ein billiger Nachzügler von "Basic Instinct" klingt, interessanter Weise jedoch ein Jahr vor diesem Kinoerfolg entstanden ist. Wie auch immer, auch sein "Trapped" (Originaltitel) ist lediglich Mittelmaß geworden, obwohl er sich deutlich vom später üblichen Hunde-Horror unterscheidet.

Durch die starke Betonung auf die menschliche Gebrechlichkeit, kommt "Doberman Patrol" (Alternativtitel) eine Spur realitätsorientierter daher, als man vermuten würde. Chuck blutet, und je mehr er mit seiner mit einem Gürtel abgebundenen Wunde unterwegs ist, umso mehr schwinden seine Sinne und seine Kraft. Abwehrmethoden funktionieren meist ganz knapp, manch andere lassen sich nicht durchsetzen wie erhofft, oder scheitern gar, wofür insbesondere die angenehm lang gezogene Situation steht, in welcher der kurz vor dem Zusammenbruch stehende Protagonist mittels einer Angel versucht an ein Bogenschieß-Set zu gelangen. Leider ist diese gelungene Szene jedoch ein recht einsamer Moment inmitten eines Filmes, der das eigentlich wunderbar minimalistische Potential seiner Geschichte kaum wahrnimmt. Zum einen konzentriert sich das Drehbuch viel zu sehr auf die zukünftigen Retter des Mannes, welche in ihren schrecklich überzogenen Geschlechter-Klischee-Rollen immer wieder pseudo-dramatische Dialoge von sich lassen, zum anderen wird Chuck zu wenigen Situationen mit den Hunden ausgeliefert. Da wäre sowohl im Bereich der Schauwerte und der Action mehr möglich gewesen, als auch in bedrohlichen, langsam angegangenen Momenten, die ebenfalls zu kurz kommen.

Oftmals nicht überzeugen wollende Tierdressuren stehen einem besseren Erlebnis ebenfalls im Weg, so dass Werke, wie der eigentlich viel zu arg konstruierte "Mamba", bei vergleichbarer Geschichte tatsächlich besser weg kommen. Selbst der herrlich trashige "Shopping", der Mitte der 80er Jahre die Hunde gegen Killerroboter und Chuck gegen eine Gruppe Teenager austauschte, guckt sich wesentlich kurzweiliger als der gut gemeinte "In der Falle" (Alternativtitel), der aber zumindest manch interessante Ansätze bietet. Neugierig gewordene Stammzuschauer des Genres können bei wenig Erwartungen somit trotzdem einmal einschalten, sollten jedoch nicht unbedingt zu einer der bislang in Deutschland erschienenen DVDs greifen. Ich habe noch selten eine derart billig zusammengeschusterte Veröffentlichung erlebt. Das Bild des nur auf deutsch abzuspielenden Filmes ist auf VHS-Niveau, inklusive mancher Bildverunreinigungen der als Vorlage dienenden Kassette, und das Menü der Disc bietet lediglich eine Abspielfunktion. Es gibt zusätzlich zu den fehlenden Extras somit nicht einmal ein Kapitelmenü anzuwählen. Andererseits bin ich froh um jeden Film, der es irgendwie auf das Medium DVD schafft. Aber ich bin schließlich auch mit VHS-Kassetten cineastisch aufgewachsen und dementsprechend schmerzfreier was dies betrifft, als der durchschnittliche Film-Fan von heute.


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11.01.2020

DER FUHRMANN DES TODES (Körkalen 1921 Victor Sjöström)


Schwester Edit ist an Tuberkulose erkrankt und liegt in der Silvesternacht im Sterben. Sie bittet darum noch einmal David zu sehen, jenen Obdachlosen, dem sie in ihrer Funktion als Schwester der Heilsarmee innerhalb des Jahres geholfen hat und bei dem sie sich schließlich auch angesteckt hat. Dieser besäuft sich gerade auf dem Friedhof mit Kumpanen und sieht es gar nicht ein der Sterbenden, welcher er so viel Leid angetan hat, einen Besuch abzustatten. Es kommt zu einem Streit unter Kumpels, David stürzt unglücklich, stirbt und wird vom Fuhrmann heimgesucht, welcher die Seelen frisch Verstorbener einsammelt. Da David der letzte Verstorbene des Jahres ist, muss er im folgenden Jahr diese Aufgabe übernehmen. Aber zuvor will der Fuhrmann, der nicht ganz unschuldig an Davids Lage ist, dass Schwester Edit aufgesucht wird. Seine Gründe macht der Fuhrmann ihm klar, indem er David verdeutlicht welches Unglück dieser über alle Menschen gebracht hat, die es gut mit ihm meinten...


Der Letzte der Silvesternacht...

Die schwedische Novelle Selma Lagerlöfs, um die Aufgabe des letzten Verstorbenen des Jahres, wurde bislang dreimal verfilmt, erstmals 1921, dann als erste Tonverfilmung 1939 in Frankreich als "La charrette fantôme" a la "The Phantom Wagon" und schließlich ein bislang letztes Mal erneut in Schweden 1958 noch einmal als "Körkalen", der bei uns ebenfalls unter dem Titel der hier besprochenen Erstverfilmung erschienen ist. Dieses schwedische Original ist wie für einen Stummfilm üblich in verschiedene Akte unterteilt, die teilweise jedoch an merkwürdiger Stelle eingefügt werden, so abrupt wie sie eine Szene unterbrechen lassen und so überraschend, wie danach hin und wieder in die selbe Szene zurück eingeblendet wird. Das mag zwar unprofessionell wirken, aber das ist ein Adjektiv, welches sich auf das eigentliche Werk nicht anwenden lässt. Gekonnt, wie üblich zu dieser Filmschaffenszeit, geht man vor, vielleicht nicht das große Ergebnis mancher Konkurrenz abliefernd, aber interessant genug umgesetzt, um heute noch zu unterhalten. Je mehr sich "Der Fuhrmann des Todes" dem Ende nähert, desto moralischer wird er, ein wenig erinnernd an Dicken's berühmte Weihnachtsgeschichte und zusätzlich versehen mit religiösem Touch. Aber das verwässert das Ergebnis des Dramas mit Fantasyeinfluss nur gering und ist in seiner Theatralik zudem der Entstehungszeit geschult, in welcher derartiges üblich war.

Die eigentlich überraschend schlicht ausgefallene Geschichte ist auf interessantem Wege aufgearbeitet, ist sie doch weder chronologisch angelegt, noch weiß man am Ende was Einbildung und was Wirklichkeit gewesen ist (auch wenn das Einbringen eines Selbstmordversuchs uns einen Hinweis darauf gibt). "Körkalen" (Originaltitel) beginnt im Jetzt, wird dann kurzfristig über einen Rückblick erzählt, während im Jetzt zurück gekehrt ein Teil des zu Sehenden über eine erzählte Geschichte stattfindet. Nach dieser kommt es zum Todesfall der Hauptfigur, wo sich von nun an das Jetzt mit Rückblicken abwechselt, die von nun an chronologisch sortiert von den Ereignissen erzählen, die zur Situation im Jetzt führten. Zwar liegt die Schuldzuweisung und damit die Aufgabe der Läuterung eindeutig beim Protagonisten David, dennoch überrascht das schwarz/weiß-Schema aufbrechende Einbringen eines Schicksals seines Leidenswegs, für das er nur bedingt etwas kann, verlässt ihn seine Frau doch ausgerechnet an jenem Tag, an dem er Besserung gelobt. Aufgrund dieses frustrierenden Ereignisses verliert er sich und wandert aus Rache durch Schweden auf der Suche nach seiner Frau. Das ist alles sehr bewegend und dramaturgisch gekonnt erzählt, einzig Edits Verlieben in den Problemfall weiß nicht zu überzeugen und wird zu unsanft eingearbeitet, urplötzlich mit einem Nebensatz ins Szenario geschubst. Es mag das Leiden Edits vergrößern und ihre Naivität bestärken, ist in der Version wie hier vorgetragen für die Erzählung jedoch nicht von Relevanz.

Das sind die Kleinigkeiten, die am Gesamteindruck von "The Phantom Carriage" (Alternativtitel) nagen, was aber nicht verhindert, dass er mit seiner angenehm entrückten Atmosphäre zwischen Diesseits und Jenseits zu gefallen weiß. Die Tricktechnik ist mit überlagernden Bildern, welche die Phantomhaftigkeit der Verstorbenen verdeutlicht, schlicht gehalten, verfehlt aber ihre Wirkung nicht, zumal in Ausnahmesequenzen Schauspieler hier bereits jene Aufgabe erfüllen müssen, die zu Bluescreen- und Greenscreenzeiten Standard wurden: das Sprechen mit unsichtbaren, am Set nicht anwesenden, Personen. Auf eine überzeugende Umsetzung dieser Szenen, durch korrekt angeordnetes Einbringen der überlagerten Bilder, wurde Acht gegeben. Hier sticht jene Szene hervor, in welcher das Schicksal des Fuhrmanns in einer extremen Situation verdeutlicht wird, wenn er selbst auf hoher, stürmischer See zum Einsammeln der Seelen verdonnert wird. Gegen Ende erfahren wir zudem, dass er nicht stets nur nach dem Ableben auftaucht, oft liegt sein trauriges Schicksal auch in der Tatsache begründet, dass er Menschen beim Sterben zusehen muss.

Diese bitteren Gedanken in Kombination mit dem Leid der Menschen im Umfeld Davids, machen seine Läuterung recht glaubwürdig, auch wenn sie in aufgeschreckter und damit sehr plötzlicher Form nicht so langlebig sein müsste, wie uns der Schluss des Films weiß machen will. Aber das ist in einem psychologisch so schlicht reflektiertem Werk auch nicht weiter wild und gehörte ohnehin nicht zu den zentralen Aufmerksamkeiten der Stummfilmzeit, selbst in Werken wie "Geheimnisse einer Seele", die bewusst auf psychologische Themengebiete bauen. Von daher ist dies "Thy Soul shall bear Witness" (Alternativtitel) gerne verziehen. Etwas unangenehmer drängt sich jedoch die Frage auf, inwiefern die Familie am Schluss ein tatsächliches Happy End erleben kann, wenn David doch weiterhin unter Tuberkulose leidet und somit seinen Liebgewonnenen auch im geläuterten Zustand weiterhin Schaden zufügen kann. Derartige Lücken muss man akzeptieren, um sich mit "The Stroke of Midnight" (Alternativtitel) anfreunden zu können. Letztendlich können Stummfilm-Interessierte aber bei diesem sympathisch dargebotenen Mix aus Drama und Fantasyfilm, aus Düsternis und Hoffnung und aus Traum und Wirklichkeit nichts falsch machen, sofern sie sich auch mal gerne mit einem schlichterem Ergebnis zufrieden geben.


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Z NATION - STAFFEL 2 (Z Nation - Season 2 2015 John Hyams u.a.)


Auch nach der Explosion und nach seiner fortschreitenden Mutation zum zombiekontrollierenden Mischwesen, gilt es als oberste Priorität Murphy aufgrund seines wertvollen Blutes nach Kalifornien zu transportieren...


10.000 erreicht die 4000...

Nach dem herrlich extremen Cliffhanger, der neugierig auf die Veränderungen, die er verursacht, machte, tritt zwar kurzfristig eine Ernüchterung ein, da dieser banalisiert wird und damit fast ungeschehen gemacht wird, aber das ist schnell verziehen und vergessen. Denn in Sachen Kurzweile und Kreativität steht die zweite Staffel der ersten in nichts nach, und so ist man schnell wieder drin im wilden Treiben dieser. Verspielte Drehbücher, ein weitestgehender Verzicht auf zu viel Ernsthaftigkeit und das Gekabbel der Protagonisten untereinander und mit anderen bereitet auf simplem Unterhaltungsniveau genügend Freude, um weiterhin mit der Serie zu sympathisieren. Da die erste Staffel zunächst in einer Selbstfindungsphase steckte, bis sie ihren eigenen Ton fand, schaut sich Staffel 2 als Gesamtprodukt dementsprechend sogar stärker, zumal sie die lieb gewonnenen Charaktere aus dieser weiterhin gewitzt präsentiert und den herrlich abgedrehten Comic-Stil noch eine Spur weiter anhebt, ohne dem Geschehen damit zu schaden. Gerade was Cassandra und Murphy betrifft, wird mit Absurdem nicht gegeizt. Und für Abwechslung im theoretisch immer gleichen Szenario sorgen herrlich schräge Ideen, wie das Einbringen von Pflanzenzombies und Alienzombies, sowie gesellschaftskritische Spielereien, wie in den hervorhebenswerten Folgen "Der Sammler" und "Konfliktbewältigung". In Letztgenannter darf man Anthony Michael Hall, der als Teenager hauptsächlich durch seine Rollen in "Der Frühstücksclub" und "L.I.S.A. - Der helle Wahnsinn" auffiel, in der wichtigsten Gastrolle erleben.

"Z Nation" ist in seinem zweiten Jahr eigentlich immer in den einzeln abgeschlossenen Episoden am besten. Jegliches Fortsetzungsgeschehen, wie die Ereignisse an der mexikanischen Grenze, sind zwar nicht frei von Sympathie und unterhalten ebenfalls ordentlich, erreichen aber nie die entspannte Intensität der kurzfristigen Erlebnisse, die in ihrer Verspieltheit ein wenig an den Mut der klassischen "Raumschiff Enterprise"-Serie erinnert. Immer wenn es um die Hauptgeschichte geht, und somit gerade auch Richtung Finale, flacht das Geschehen durch die verstärkte Ernsthaftigkeit ein wenig ab. Eine große Teilschuld an diesem der Serie nur minimal schadenden Makel trägt auch das neue Mitglied der Gruppe, das als Kopfgeldjäger und ehemaliger Polizist einen tragischen Hintergrund beschert bekommt, den Staffel 2 leider stark ausreizt. Somit bekommt die Serie erneut, obwohl sie endgültig zum reinen Comic-Fun hätte mutieren können, Seifenoper-Momente beschert, die emotional nicht wirklich griffig und ansteckend präsentiert werden. Komik liegt den Autoren nun einmal mehr, und mit dem Einbringen pseudo-dramatischer Momente nähert man sich leider genau jenem "The Walking Dead"-Flair, von dem man sich ansonsten erfrischend unterscheidet.

Aber da dies nur den geringsten Teil der Staffel betrifft, ist auch dies gern verziehen. Es fällt nur deshalb ein wenig bitter auf, weil es gerade zum Staffelfinale hin immer verstärkter auftritt. Dieses weiß zwar diesmal kein Knallbonbon der extremen Art wie in Staffel 1 zu präsentieren, geizt aber wahrlich nicht mit einem neugierig machenden Szenario für Staffel 3, der mittlerweile nach Staffel 5 beendeten Serie. Allein schon, dass die Truppe jetzt schon am Schluss ihr Ziel Kalifornien erreicht hat, macht neugierig auf das was hier nun schief laufen kann, schließlich hatte man mit der Ankunft dort erst am Schluss der Serie gerechnet. Der Mut, dieses Ereignis hier vorzeitig aufzugreifen, bereichert freilich die Möglichkeiten zukünftiger Staffeln, so dass man nun nicht mehr zwingend ans Ur-Geschehen gebunden ist. Bei solch einem verspielten Produktions- und Autorenteam darf man nun entsprechend gespannt sein für welch herrlich krankes Treiben sie diese neue Phase nutzen werden. Es wäre jedoch wünschenswert, wenn qualitative Schwächen, wie der Verzicht einer Erklärung warum eine interessante Figur, die nun zum Team dazu stößt, noch lebt, obwohl sie einige Folgen vorher von Zombies aufgemampft wurde,  nicht wiederholt würden. Ich hoffe Staffel 3 beschert uns eine Antwort auf solch offene Fragen und erspart uns weitere derartige unnötige Ärgernisse, die eigentlich mit nur einem Satz zu beheben wären.


Episodenführer,   OFDb

04.01.2020

DIE TODESSTRAHLEN DES DR. MABUSE (1964 Hugo Fregonese)


Als ein Wissenschaftler einen Spiegelstrahl erfindet, der jeglichen Punkt auf der Erde gezielt zu vernichten vermag, ist Dr. Mabuses Interesse an dem Gerät groß. Major Anders versucht auf jener Insel, auf welcher der Erfinder wohnt und seine Entdeckung beherbergt, dem Superverbrecher zuvor zu kommen...


Im Bordell wie eine Nonne leben...

Angesehen von den im Zentrum stehenden Todesstrahlen, die jedoch nie zum Einsatz kommen, ist der letzte Teil der 60er Jahre Mabuse-Reihe eigentlich lediglich ein reiner Kriminalfilm auf Agenten-Basis, dessen Science Fiction-Zutat weder wirklich von Bedeutung ist, noch Mabuse selbst, der schlichtweg der Anführer einer Verbrecherbande ist. Er wird zum austauschbaren Bösewicht, weswegen die unbedeutende Täteraufdeckung am Schluss einem auch lediglich ein Achselzucken beschert, obwohl es das Drehbuch schafft einen halbwegs interessiert grübeln zu lassen, welche der dargebotenen Personen denn diesmal hinter dem anonymen Schatten steckt, der seinen Untergebenen Befehle erteilt. Das Ergebnis kommt leider noch enttäuschender daher, als im Vorgänger, wenn auch gerade noch ebenfalls schlichtes Mittelmaß bietend, zumindest für Filminteressierte, die keine hohen Erwartungen an den Tag legen.

Man schien nicht recht zu wissen, was man mit dem Mabusestoff anfangen soll. Ständig wurden von Film zu Film Schwerpunkte gewechselt, neue (meist aus der Wallace-Reihe entliehene) Ideen eingearbeitet, usw., so dass man nun bei der x-ten Variante einem Agentenfilm beiwohnt, in welchem der zum dritten Mal besetzte Peter van Eyck wie ein lahmer Bond-Verschnitt wirkt, dem alle Frauen zu Füßen liegen. Das wird relativ humoristisch eingefangen, spätestens dann wenn sich der gute Mann auch mal unter dem Vorwand von Kopfschmerzen dem Beischlaf verweigert, aber das unerreichte Vorbild schimmert trotzdem stets überdeutlich durch. Deswegen darf es auch unübersehbar amourös zur Sache gehen, freilich ohne tatsächlich Schlüpfriges zu zeigen, zwischen frech und bieder pendelnd, in einem Film, in welchem dies eigentlich die falsche Zutat ist. Jene Frau, die besonders sexbedürftig ist, wird zudem als neue zentrale Variante der Humorquelle genutzt, welche sie lediglich zur Dumpfbacke degradiert, so dass die Komik nicht wirklich zündet, sondern eher zum Fremdschämen animiert, so wie von oben herab das Frauenbild der Lächerlichkeit preisgegeben wird.

Freilich braucht man nicht überzogen streng mit solch einem leichtfüßigen, gewollten Trivialprodukt ins Gericht gehen, aber da dem Streifen jegliche tatsächliche Pluspunkte fehlen, stoßen die bitteren Fehler und Versäumnisse um so extremer auf. Während in "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse" viel geschwafelt und großteils auf Schauwerte verzichtet wurde, scheint man den Fehler hier bereinigen zu wollen. Deswegen werden uns viele Unterwasserszenen geboten, die dick aufgetragen im Vorspann angekündigt werden. Aber das sind schon recht plump abgefilmte Sequenzen, die den Streifen nicht wirklich bereichern, zumal Unterwasser-Action auch in besseren Werken auf mich immer arg lahmarschig wirkt. Trumpfen tut "The Secret of Dr. Mabuse" (Alternativtitel), welcher der erste seit "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" ist, der wieder in Kooperation mit Italien und Frankreich entstanden ist, eigentlich lediglich mit seiner sympathischen Besetzung und der unschuldigen Darbietung, die fast schon mitteilen möchte, dass es hier nichts Ernstzunehmendes zu sichten gibt. Manche Figuren werden halbwegs reizvoll interpretiert, manche Witzchen zünden, wie z.B. das offene Geheimnis, dass Anders ein Geheimagent ist, am Ende hat man aber nicht wirklich das Gefühl einer tatsächlichen Geschichte beigewohnt zu haben.

Dass man sich in der x-ten und tatsächlichen Schlussszene zudem an einer wesentlichen Idee der Auflösungssequenz von "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" bedient hat, zeigt endgültig wie wenig Mühe man sich gegeben hat etwas Erzählenswertes, geschweige denn Einfallsreiches, abzuliefern. Preiss erfuhr anbei erst über eine Plakatwerbung von jenem Projekt, das mit seinem Namen warb, ohne dass er je bei den Dreharbeiten dabei gewesen wäre. Nach "Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse" war schließlich Schluss mit der Reihe, bislang wurde kein weiterer offizieller Mabuse-Film mehr gedreht. Einzig die Franzosen deuteten in dem 90er Jahre-Projekt "Dr. M" an, dass der mysteriöse Bösewicht ihres Filmes Mabuse wäre, jedoch ohne dass der Name im Film außerhalb des Abspanns fällt. Meiner Meinung nach zählt dieser unterschätzte und fast vergessene Kriminafilm zu den Mabuse-Verfilmungen dazu, auch wenn es scheinbar keine Legitimation gab den Namen verwenden zu dürfen. Hoffentlich kommt irgendwann irgendwer mal wieder auf die Idee, sich an einen Mabuse-Film zu wagen. Die Figur ist hoch interessanter Natur, gerade wenn man sie so phantom-artig wie in Langs "Das Testament des Dr. Mabuse" einsetzt. Und allein der Name des Doktors hat auf mich stets eine unglaubliche Wirkung ausgelöst, weht doch meinem Empfinden nach irgendetwas unterschwellig Unheilvolles in dem Wort Mabuse mit.


Weitere Besprechungen von Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse:


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02.01.2020

SCOTLAND YARD JAGT DR. MABUSE (1963 Paul May)


Der von Dr. Mabuse besessene Irrenarzt Dr. Pohland kommt in den Besitz eines neu entwickelten Hypnosegerätes. Er verlagert seine Aktivitäten nach England, um mit besagter Erfindung die Vorbereitungen einer staatlichen Machtübernahme anzugehen...


Absurd, aber möglich...

Nachdem bislang jeder triviale Teil der 60er Jahre Mabuse-Reihe bei lockerer Herangehensweise zu unterhalten wusste, bekommt sie mit "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse" erstmals einen Tiefpunkt beschert, keinen dessen Inhalt und Herangehensweise völlig uninteressant ausgefallen wäre, aber mit deutlicheren Schwächen versehen als zuvor - auch in der Inszenierung. Paul Mays maues Ergebnis kann man nicht einzig auf die offensichtlich vorhandene Geldknappheit zurück führen, die dem Film kaum tatsächliche Schauwerte bietet. Er setzt der mageren Chose zudem mit einer oft trägen Umsetzung noch eins drauf. Dialoge wirken wie aufgesagt, Walter Rilla mimt und spricht seinen Mabuse im Halbschlaf, ohne ihm dämonische Blicke zu gönnen, oft sitzen die Protagonisten lahm herum und redet trocken über Ereignisse und (viel zu schnell gewonnene) Erkenntnisse, die man auch auf flottere Art hätte einbringen können. Die jungen, weiblichen Figuren und der damit verbundene obligatorische romantische Part, sind nicht von Bedeutung für die Geschichte und dementsprechend auch austauschbar besetzt. Die Musik und der Plot mögen einen Teil der harten Welle suggerieren, "Dr. Mabuse vs. Scotland Yard" (Alternativtitel) kommt jedoch trotz gelegentlicher Schießereien zu brav für diese daher, oftmals sogar arg bieder anmutend, gerne dann wenn sich der Streifen äußerst locker gibt.

Um die Identität Mabuses wird diesmal kein Geheimnis gemacht, was ich für eine sinnvolle Entscheidung im x-ten Teil halte, von dem man damals sicher dachte, dass ihm noch etliche folgen würden. Leider agiert Mabuse jedoch ebenso offen vor seinen Untergebenen, sprich er ist nicht nur dem Zuschauer bekannt, er ist auch nicht mehr der anonyme, zu fürchtende Arbeitgeber. Oft wirkt er glatt wie ein Kumpel und fragt sogar in einer Szene einen Mitarbeiter nach einer Idee des weiteren Vorgehens. Nun gut, wir haben es ohnehin mit einem neuen Mabuse zu tun, der Irrenarzt aus dem Vorgänger "Das Testament des Dr. Mabuse" geht nun als dritter Kandidat heran die Herrschaft des Verbrechens zu errichten. Wie kurze Aufnahmen mit Wolfgang Preiss zeigen, ist er besessen vom toten Geist des zweiten Mabuse, dessen Kraft somit über seinen Tod hinaus reicht. Das beschert dem Film zusätzlich zur im Zentrum stehenden Erfindung einen übernatürlichen Touch. Scheinbar ist seine Macht vom Jenseits aus, die durch das Finale keine alternative Deutungsmöglichkeit erlaubt, nicht sonderlich stark, sonst würde der neue Mabuse wohl kaum eine Hypnosemaschine benötigen. Bislang konnte Mabuse die Leute noch höchst persönlich durch Gedankenkraft steuern, zumindest in den meisten Teil seit Langs Erstling von 1922.

Um Sinn und Unsinn braucht man gewohnter Maßen aber ohnehin nicht lamentieren. "Die scharlachrote Dschunke" (Alternativtitel) soll schlichtweg unterhaltsames Trivialkino sein, und mit weit herunter geschraubten Erwartungen geht das hier zu steril dargebotene Affentheater gerade noch in Ordnung. Schade ist es um die verheizte Besetzung, die mit Peter van Eyck, Klaus Kinski und Werner Peters (diesmal in einer Kommissarenrolle) besonders reizvoll ausgefallen ist. Der Drang sich erneut an der erfolgreicheren Wallace-Reihe zu bedienen fällt diesmal durch die Besetzung Kinskis auf, durch die Verlagerung der meisten Geschehnisse nach England und durch den erneuten Versuch Humor in die Reihe zu integrieren. Nachdem Eddi Arent-ähnliche Persönlichkeiten in den Vorgängern versagten, versuchte man es diesmal mit einer pseudo-sympathischen Mutter des ermittelnden Agenten. "Scotland Yard vs. Dr. Mabuse" (Alternativtitel) ist die Blaupause einer Blaupause und damit nur noch ganz treuen Fans der Reihe zu empfehlen. Zumindest kommt der Film nach einer etwas arg trägen ersten halben Stunde genug in Fahrt, um doch noch auf besonders schlichte Art unterhalten zu können.


Weitere Besprechungen zu Scotland Yard jagt Dr. Mabuse:


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01.01.2020

DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE (1962 Werner Klingler)


Als eine Welle perfekt geplanter Verbrechen die Stadt unsicher macht, vermutet Kommissar Lohmann Dr. Mabuse hinter diesen Aktionen. Doch dieser sitzt gut verwahrt in einer Nervenheilanstalt. Dennoch wird Lohmann das Gefühl nicht los, dass Mabuse etwas mit den den Aktionen zu tun hat, und er soll Recht behalten...


Ausführung ist Ihre Sache...

Dachte ich zunächst Klinglers "Das Testament des Dr. Mabuse" sei lediglich eine Neuverfilmung von Fritz Langs 1933 inszenierter, gleichnamiger Fortsetzung von "Dr. Mabuse, der Spieler", so entpuppt sich der Streifen als Fortsetzung des im selben Jahr veröffentlichten "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse". Der Film ist Quasi Remake und Fortsetzung in einem, eine herrlich skurrile Idee inmitten einer Filmreihe, die mit ihrem völlig kunstbefreitem Eintritt in die Trivialfilmwelt der 60er Jahre ohnehin auf immer groteskere Ideen abonniert war. Der hier besprochene "Das Testament des Dr. Mabuse" guckt sich dementsprechend kompatibler mit den anderen Werken dieser Reihe besagten Jahrzehnts, als es das Original tut, leidet aufgrund des Personenunterschieds der beiden Mabuse-Identitäten, von der eine stets im Schatten des wahren Genies stand, allerdings auch unter Ungereimtheiten. Der Mabuse seit "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" war alles andere als ein Genie, es war ein Dilettant, der sich die Ideen des verstorbenen Verbrecher-Genies zu Nutze machte. Nun ist er doch hoch intelligent, und auch auf die Idee der überragenden hypnotischen Fähigkeiten des Mannes wird wieder gebaut.

Da hier ohne wirklichen Anspruch gearbeitet wird, leidet Klinglers Werk nicht unter der unausgegorenen Herangehensweise. Ganz im Gegenteil weiß seine verspielte Art mit der Fortführung des Trivialen, sowie der Wiedererzählung einer intelligenteren Geschichte, zu gefallen, schaut sich der Streifen aufgrund letztgenanntem Antriebs doch pfiffiger als seine Vorgänger seit "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse". Letztendlich sind jedoch die aus dem Originalfilm entliehenen pfiffigen Ideen weit reißerischer eingefangen als dort. Was Lang subtil einzuweben wusste, muss hier in flottem Tempo und geradeaus ausgesprochen eingefangen werden. So werden nicht nur angedeutete Fakten der 33er-Version hier klar heraus formuliert, auch im Ungewissen schwebende Möglichkeiten, die den Zuschauer von einst lediglich vermuten ließen, werden nun zu eindeutigen Fakten. Nicht nur diese direktere Art unterscheidet den Streifen von Langs "Das Testament des Dr. Mabuse", Klinglers Werk bietet eigene Ideen, gerade zu Anfang und kommt, gerade gegen Ende, weit sadistischer daher, was aber hervorragend ins reißerische Bild der Neuverfilmung passt.

Gert Fröbe ist hier zum dritten und letzten Mal in einem Mabuse-Film besetzt. Holte man sich im Vorgänger wen anders für die Ermittlungen, macht sein Einsatz im wahrscheinlich zeitgleich entstandenem Film (wohl der Grund warum er im Vorgänger nicht mitspielt) mehr Sinn, da er doch seinerzeit in "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" als hervorragend passender Ersatz für den im Vorgänger spielenden Otto Wernicke besetzt wurde, der ihm im Aussehen und der ruppigen Art stark ähnelte. Nun darf die ähnliche Besetzung einen direkten Vergleich stand halten, und da wissen beide Darsteller gleichermaßen zu gefallen, auch wenn Fröbe weit entspannter inmitten einer pulpigen Version eines einst anspruchsvollen Stoffes spielen darf, was beispielsweise die Elektroschock-Szene zeigt. Professionelles Spiel wurde nur bis zu einem gewissen Grad gebraucht, auch hier zeigt sich der Trivialfilm-Charakter eines Werkes, der sich aber auch der Pluspunkte einer entspannteren Herangehensweise bewusst ist. Mabuse tatsächlich dabei zuzusehen, wie er den Arzt manipuliert, ist das beste Beispiel für ein gelungenes Szenario, das davon lebt, dass es eben nicht subtil erzählt ist und mehr zeigen darf als der Film, den er kopiert. Freilich kommt Klinglers "Das Testament des Mabuses" qualitativ nicht an das Original heran, aber er ist ein sympathisch ernst dargebotenes Narrenstück, das sich seiner Natur bewusst ist und meist dank der Nachahmung trotzdem noch einmal im direkten Vergleich anspruchsvoller daher kommt, als seine beiden Vorgänger. Einzig unangenehm ist mir hier nur das Verheizen von Harald Juhnke aufgefallen, mit dem ein erneuter Versuch angegangen wurde, den Eddi Arent-Humorpart der Wallace-Reihe auf die Mabuse-Reihe zu übertragen. Ansonsten sind die Anbiederungsversuche an die Konkurrenz hier weit weniger zu bemerken, als in den beiden Mabuse-Filmen zuvor.


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