DAS SCHWARZE MUSEUM (Horrors of the Black Museum 1959 Arthur Crabtree)


Ein Kriminalautor hilft gelegentlich der Polizei bei ihren Ermittlungen und spielt mit ihr heimlich ein bösartiges Spiel...


Toppt jede Asservartenkammer...

Arthur Crabtrees letzte Regiearbeit weiß durchaus klassisches Brit-Horror-Flair aufkommen zu lassen, so dass Freunde dieser Art Film nicht zwingend enttäuscht werden. Allerdings sollten selbst diese im Vorfeld darüber informiert werden, wie unglaublich einfältig "Das schwarze Museum" erzählt ist. Fast schon kindlich fällt sein Gemüt aus, was bereits bei der Motivation des Bösewichts beginnt, dessen offizielles Leben eine Art bösartigen Streich darstellt. Verschmitzt weiß nur er und sein Gehilfe die düstere Wahrheit. Dessen Untergebenheit seinem Meister gegenüber ist nicht minder einfältig ausgefallen, sind die Beweggründe seines Tuns und seiner Solidarität gegenüber seinem Herren doch naivster Art, ebenso seine Schritte die zum Unheil führen werden, was sie aber nur deshalb tun, weil die Vorsichtsmaßnahmen des Bösewichts eigentlich keine sind und somit ebenfalls die Einfältigkeit der zentralen Figur verdeutlichen. Ebenso leichtsinnig stolpert die Polizei durch die Geschichte, einfach, wenn auch leicht kritisch, einem Mann vertrauend, der deshalb vom Fach ist, weil er Bücher über Mörder schreibt. Es wimmelt nur so vor Blauäugigkeit in diesem Werk, egal in welche Richtung man blickt. Selbst kurz nach ihrem Kauf eingesetzte Mordwerkzeuge werden weder anonym erworben, noch weit entfernt vom Wohnort des Killers. Man braucht nicht lange zu suchen, um auf den schlichten Blickwinkel des Streifens zu stoßen.

Es kommt "Crime in the Museums of Horrors" (Alternativtitel) zu seinem eigenen Schutz zugute, dass er aus einer schelmischen Perspektive erzählt ist. Der Streifen ist nie ganz ernst gemeint, kommt in seiner Erscheinung freiwillig verspielt daher und entfacht damit seine eigene Art Charme. So werden Elemente, die einem wahren Horrorfilm geschadet hätten, zu vertretbaren Faktoren, die lediglich den Inszenierungsstil und das Erscheinungsbild des Streifens widerspiegeln. Das ist schön und gut, hindert Crabtrees Folgewerk nach "Ungeheuer ohne Gesicht" aber daran auch nur ansatzweise tatsächlich düster oder gar spannend auszufallen. Da nutzt es auch nichts, wenn in der Ausnahme auch einmal eine etwas arg perverse Mordmethode ihren Einsatz findet, die in ihrer bösartigen Raffinesse den einfallsreichen Morden aus "Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes" entspricht. Die Cover-Texter einer deutschen DVD-Veröffentlichung sprechen gar von Methoden, die dem italienischen Giallo gleich kämen, aber das ist freilich eine übertriebene Werbetrommel, die lediglich Käufer an das falsche Produkt binden soll.

Interessant ist indes ein Blick auf die Besetzung, darf doch der edle Helfer Bruce Waynes aus der TV-Serie "Batman" hier den im Zentrum stehenden Schurken mimen, und da kann man den Butler wahrlich nicht mehr drin wiedererkennen. Wirklich herausragend ist das Schauspiel Michael Goughs jedoch nicht zu nennen, aber ohnehin reißt sich hier niemand ein Bein aus. Man spielt, wie der komplette Film erscheint: charmant, aber nicht zwingend professionell. Das macht aus "Die Folterkammer des Teufels" (Alternativtitel) nicht wirklich das was man beim Griff eines 50er Jahre Horrors aus England erwartet, aber zumindest ein kurzweiliges Produkt der anderen, wenn auch etwas zu anspruchslosen Art. Es reicht eben nicht die dunklen Gassen Londons zu zeigen oder düstere Artefakte anzusammeln, die zuhauf im titelgebenden Museum präsentiert werden, um mit den Hammer-Studios mithalten zu können. Schön augenzwinkernd ist mit dem schwarzen Museum anbei nicht das gemeint, was die Polizei umgangssprachlich darunter versteht, und auch diese verschmitzte Täuschung wird dem Zuschauer über den Bösewicht in fast kindlicher Freude vermittelt. Man kann es aufgrund solcher Beispiele wohl als konsequent bezeichnen, dass "Horrors of the Black Museum" (Originaltitel) so schlicht und einfältig endet, wie er über seine komplette Laufzeit ausgefallen ist. Das würde sich zwar in einem ernster zu nehmenden Produkt unangenehmer schauen, stört aber ehrlich gesagt bereits hier. Etwas umständlicher oder geheimnisvoller hätte der mordende Buchautor sein Ende dann doch finden können, eben weil sich der Streifen so verspielt gibt.


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TAG (Riaru onigokko 2015 Shion Sono)


Nachdem während eines Schulausflugs alle Menschen außer Mitsuko von einem ungewöhnlichen Wind getötet werden, irrt die Teenagerin zunächst von diesem verfolgt umher und findet sich plötzlich in einem Schulalltag wieder, scheinbar an Amnesie leidend, wo alles wieder in Ordnung ist. Doch der Schein trügt...


Der Schweinebräutigam... 

Sicherlich darf man sich fragen warum die bislang fünfteilige Reihe "Riaru onigokko" bereits sieben Jahre nach ihrem ersten Teil neu verfilmt wurde, zumal beide Projekte aus Japan stammen. Die Hintergründe kenne ich nicht, und dem deutschen Zuschauer wird das in der Regel auch egal und nicht bewusst sein, erlebt dieser auf dem deutschen Markt mit "Tag" doch ohnehin den ersten cineastischen Zugang zu diesem Stoff. Die Originalreihe ist hier nie erschienen. Ob das ein Verlust für uns darstellt, der behoben gehört, sei einmal nach Sichten des Remakes in Frage gestellt, denn das Ergebnis ist äußerst misslungen zu nennen und weckt in mir die zusätzliche Frage, ob die Printvorlage für Jugendliche halbwegs exakt eingehalten wurde oder nicht, denn falls ja spräche das nicht gerade für diese Altersgruppe, soll die Vorlage doch ein kleiner Erfolg gewesen sein. Wo mich an Jugendvorlagen orientierte Werke Amerikas mit ihrem zu beschränkten Horizont negativ erstaunen (zuletzt mit "Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie" wahrgenommen), da fällt "Real onigokko" (Alternativtitel) auf andere Art unangenehm auf.

Dabei scheint zunächst alles in Ordnung zu sein. Nach einer kleinen, sympathischen Einführung wird man direkt in ein unheimliches Geschehen hineingesogen, welches trotz seines lauten Getöses nicht nur zu faszinieren weiß, sondern auch eine unheimliche Stimmung aufkommen lässt. Dieser unheimliche Wind von dem Mitsuko verfolgt wird, und den Regisseur Shion Sono ein klein wenig nutzt um "Tanz der Teufel" optisch zu zitieren, ist ein unsichtbares, radikales Monster, das scheinbar erbarmungslos vorgeht und es auf "Final Destination"-Art scheinbar nicht verknusen kann, dass ihm das Mädchen stets entkommt. Zumindest macht es den Eindruck, dass der Wind nicht einfach großflächig wütet, sondern bewusst Jagd auf die Menschen betroffener Gegend und schließlich speziell auf die Heldin des Streifens macht. Wenn über eine überraschende Wende zunächst wieder Ruhe ins bislang aufregende Geschehen eintritt, ist auch noch alles in Ordnung, wird die Geschichte doch nun rätselhaft, da Mitsuko in einem flüssigen Übergang plötzlich wieder zur Schule geht, ihre Freundinnen und anderen Mitschülerinnen trifft und ein ganz normaler Schultag bevorzustehen scheint. Freilich trügt der Schein, aber der Auslöser der diese Erkenntnis bestätigt ist nicht mehr der ominöse Wind. Der wird ersetzt durch ein absichtlich groteskes, comicartig absurdes Erwartungendurchbrechen, was im ersten Moment zwar nicht wirklich zu überzeugen weiß, aber doch zu faszinieren.

Wenn unsere Heldin aufgrund der dort passierenden Ereignisse erneut einen flüssigen Übergang hinein in eine andere Bewusstseinsebene erfährt, dann ahnt der Zuschauer allmählich was ungefähr erzählt werden soll, scheint es doch um Paralleluniversen oder ähnliches zu gehen, was es nach Auflösung der Geschichte dann doch nicht ist, aber zumindest ist das Prinzip sehr ähnlich zu nennen. Mitsuki hüpft von einem schrägen Ereignis zum nächsten, immer in Todesgefahr schwebend, wenn auch je auf völlig andere Art, und mit dieser Entscheidung, bzw. aufgrund der hektischen und desinteressierten Art bezüglich eines konsequenten roten Fadens, leidet nun der Film, der nicht nur nie wieder so intensiv zu gucken ist wie in seinen zehn Minuten bösartigen Windes, sondern so nach und nach auch gar nicht mehr zu funktionieren weiß. Die Szenarien wirken austauschbar, der Zusammenhang ist trotz seiner bewusst angegangenen Rätselhaftigkeit fast unbeachtet, da es den Verantwortlichen von "Riaru onigokko" (Originaltitel) nur um die Effekte und das Tempo der Geschichte zu gehen scheint. Aufgrund ihrer wechselnden Persönlichkeiten verliert man im Laufe der Zeit selbst Mitsuko als griffige Identifikationsfigur, und was bleibt ist ein müdes Achselzucken dort, wo der erfahrene Regisseur eine Atemlosigkeit vom Zuschauer erwartet.

Die Episoden werden trotz der flüssigen Übergänge, vielleicht auch aufgrund dieser, und trotz der Auflösung am Schluss, die aus allem wieder ein Gesamtes zaubert, nie zu einem griffigen Ganzen. Der ewige Szenarienwechsel sorgt für eine Gleichgültigkeit der Geschehnisse. Eigentlich bleibt man nur noch der Auflösung wegen dran, und auch da wird man enttäuscht, weil man zwar in die Wahrheit eingeweiht wird, diese jedoch auf ebenso dämlich Art offenbart wird wie man die an sich interessante Geschichte zu erzählen angegangen ist. Zudem bleiben etliche Fragen offen, besonders bezogen auf die in der Auflösung enthaltende Klonthematik, sowie das komplette Prinzip hinter der Technik und der Vorgehensweise dessen was an dieser Stelle nicht verraten werden darf. Das hat nichts mehr mit jener Art offener Fragen zu tun, die den Zuschauer noch nach Filmende absichtlich beschäftigen sollen und somit trotzdem einen tollen Schluss darstellen, das sind vielmehr fehlende Erklärungen, die dabei hätten helfen können sich mit den Fehlern der Inszenierung und der missglückten Art der Erzählweise versöhnen zu können.

Vielleicht erwartete man auch dass das Publikum die Vorgängerfilme oder die Printvorlage kennt. Vielleicht sollen kommende Fortsetzungen mehr Licht ins Geschehen rücken. An solche bin ich jedoch nicht interessiert, zumal ich ohnehin nicht weiß, ob "Tag" aufgrund seiner episodenhaftigkeit bereits alle fünf Teile der Originalreihe in einen gemeinsamen Film gepackt hat (was der Idee einer solch frühen Neuverfilmung zumindest etwas Sinn bescheren würde) oder ob nicht. Wie auch immer, mir ist das Gesamtergebnis zu sinnlos und zusammenhanglos ausgefallen, und mir gefiel nicht der ständige Stilwechsel von aufgeregt zu unaufgeregt, von spannend und mysteriös zu panisch und actionreich, da wollte man meiner Meinung nach auf unkreative Art zu viel Verschiedenes auf einmal. Schade ist es um die wirklich geglückten Spezialeffekte, um einige einzelne brauchbare Ideen und ganz besonders um das Eingangsszenario. Was hätte ich mir gewünscht, der ganze Film hätte von diesem unheimlichen Wind erzählt. Das wäre, egal ob in einer endlosen Hatz erzählt oder mit Ruhephasen versehen, ein weitaus interessanteres und packenderes Szenario gewesen, eine Idee an die sich hoffentlich irgendwann einmal ein mutiger Filmemacher heranwagt.


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PLAGUE TOWN (2008 David Gregory)


Bei ihrem Ausflug durch die schöne Natur Irlands verpasst eine amerikanische Familie ihren Bus, irrt umher und fällt schließlich einer mordgierigen Bande degenerierter Kinder in die Hände...


Von einem Kind getötet zu werden... 

Irgendwie will das komplette Terror-Kino der Neuzeit nicht so richtig bei mir funktionieren. Wo andere sich aufgrund der Hochglanzbilder beklagen, mit welchem der dreckige Ton dieser Art Film nicht möglich wäre, da fehlt mir der psychologische Gehalt, der mir derartige Werke nicht als völlig sinnlos oder unglaubwürdig verkauft. Wo ein "Das Kettensägenmassaker" ohne viel Blut zu vergießen knallhart zu schocken weiß, "Zombie" mitten in Blutlachen Tiefe aufkommen lässt und "The Last House on the Left" aufwühlend Folter und Rache präsentiert, da wollen Werke wie "High Tension", "Saw" und Co bei mir einfach nicht fruchten, und so war es schließlich auch bei "Plague Town", der eigentlich der recht reizvollen Idee nachgeht "Kinder des Zorns" mit "Hügel der blutigen Augen" zu paaren. Kinder als Aggressoren in Horrorfilmen kommen immer gut, ob bei ihren Anfängen (als im Zentrum stehende Bösewichter) bei "Das Dorf der Verdammten" oder noch mehr Horror-orientiert im unausgegorenen "Kleine Teufel", ob im schockierenden "Ein Kind zu töten", bishin zum verspielten, auf Jason und "The Stepfather" schielenden, "Mikey". Leider begeht "Plague Town" bei diesen bereits seinen ersten Fehler. Die Kinder werden in ihrem Look derart entfremdet, dass sie nicht mehr wie Kinder wirken. Der Horror ist offensichtlich da, anstatt sich in Unschuld zu tarnen.

Aber ohnehin ist alles zu offensichtlich dargestellt und geradeaus erzählt in dem Werk des Doku- und Kurzfilm-Regisseurs David Gregory, der dem hier besprochenen Werk noch den Episoden-Horror "The Theatre Bizarre" folgen ließ. Nie wird ein Geheimnis um irgendetwas gemacht, vielleicht mit Ausnahme des Mysteriums rund um die missglückte Brut, die zu Beginn einige Andeutungen Richtung "Das Omen" macht ohne dabei konkret zu werden. Während die Protagonisten lange Zeit im Unklaren bleiben, bekommt der Zuschauer ansonsten alles direkt vorgelebt, freilich möglichst blutig inszeniert, inszenatorisch aber gleichzeitig derart in Watte gepackt, dass ein Unwohlsein aufgrund von etwas Unheilvollem nicht möglich ist. Inszenatorisch wird man vor jedem Erlebnis vorbereitet, dass gleich etwas passiert. Und man bekommt derart viele Vorinformationen zugeschmissen, dass man sich gar nicht erst unsicher vor der Leinwand/dem Bildschirm sitzend orientiert bekommen muss.

In diesem überraschungsfreien und sich viel zu sicher anfühlendem Umfeld können harte Momente nicht mehr schocken. Wo ich in jüngeren Jahren einst einen Wow-Moment mit dem Würfeln einer Person in "Cube" hatte und überrascht auf das Eingangsmassaker in "Ghost Ship" reagierte, da will ein halbierter Kopf, der von der unteren Hälfte des Kopfes langsam, glitschig herabrutscht, einfach nicht mehr wirken. Das hat nichts mit Abstumpfen zu tun, sondern mit dem mangelnden Gefühl des Geschichtenerzählers wann eine solche Situation wie angebracht ist. Freilich spielt auch das Alter eine Rolle, in jungen Jahren haben mich solche Quantitäten eines Streifens mehr gereizt als heute, aber "Plague Town" präsentiert uns eben beschriebenen Moment in einem Szenario, in welchem weniger mehr gewesen wäre und derartiges zu einem späteren Zeitpunkt hätte stattfinden können. Das Alter des Zuschauers allein wird somit nicht zum Grund einer misslungenen Abartigkeit.

Wenn nun noch die psychopathischen Hinterwäldler zu präsent werden und zudem noch eine Erwachsene zur Seite gestellt bekommen, die endlos wirr quatschen darf, dann sind die letzten Chancen verschenkt aus der Rezeptur zumindest etwas halbwegs brauchbares zu machen. Schnell sind alle unnötigen Nebenfiguren auf Seiten der Helden dezimiert, um sich dem Final Girl und ihrem unglaubwürdig überlebten Anhang zu widmen. Und die darf nun eine Tortur des Grauen durchleben, die nicht vergleichbar ist mit dem, was der desinteressierte Zuschauer durchleben muss bei all dem verkrampften Bemühen Gregorys Terrorkino zu entfachen. Handwerklich gibt es eigentlich wenig zu meckern, stimmen doch Schauspieltalent, Drehorte, Kamera und definitiv auch die herrlich blutrünstigen Spezialeffekte. Aber "Plague Town" kauert nur durch was andere besser vorgemacht haben, guckt sich dabei nicht nur überraschungsfrei sondern auch erschreckend wirkungslos, was nicht nur aufgrund besagten Themenmixes ein wenig schade ist, sondern auch aufgrund der zwischenmenschlichen Situation. Hier müssen Amerikaner Zeit mit dem europäischen, sich weltgewandt fühlenden, Anhang der pubertierenden Tochter verbringen. Das Potential von dieser Konfrontation aus Kulturclash und Charakterdefizite hat der Drehbuchautor leider kaum erkannt, was aber nicht verwundert bei so wenig Gefühl für das Wesentliche und Wirksame eines solchen Streifens.


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BREAKING BAD - STAFFEL 4 (Breaking Bad - Season 4 2011 Bryan Cranston u.a.)


Walter hat jegliches Vertrauen bei seinem Chef Gustavo verspielt, so dass er von nun an um sein Leben bangt. Sein einziger Schutz ist es bislang, dass er in seiner Position als Methkoch unersetzbar ist. Doch Jesse erreicht mittlerweile ein ähnlich hohes Niveau bei diesem Produkt. Der steht zwar solidarisch wie eine Eins hinter Walter White, aber Gustavo schmiedet finstere Pläne um daran etwas zu ändern...


Das Schicksal des Kartells...

Die vierte Staffel von "Breaking Bad" ist derart intensiv ausgefallen, dass sie eigentlich das hohe Niveau der dritten Staffel noch toppen könnte. Sie tut es auch an vielen Stellen, auf die Gesamtstaffel gesehen ist der Beginn der Erzählung jedoch ein wenig monoton und zu bekannt ausgefallen, als dass das ansonsten vor Höhepunkten in Sachen Spannung und Dramatik nur so strotzende vierte Jahr der Erfolgsserie tatsächlich mit ihrem Vorgänger mithalten kann. Erkennt man was in dieser etwas schwächeren Phase vorbereitet wird, was sehr versteckt passiert und kaum vorhergesehen werden kann, ist es wichtig, dass Staffel 4 erzählt ist, wie es dies wurde. Deswegen dachte ich nun bei meiner zweiten Sichtung ich würde mit dem Beginn wärmer werden, eingeweiht in die Pläne der Autoren. Aber das war auch diesmal nicht der Fall. Erstsichter sollten sich von den ersten drei Folgen jedoch nicht täuschen lassen, was diesen folgt ist großes Kino im TV, oft Nervenkitzel pur, entfacht durch wahnwitzige Ideen, mit denen man nie gerechnet hätte und durch ein Hochkochen an Problemen an allen Ecken und Enden. 

Freilich ist mein Beklagen der ersten Folgen Schimpfen auf hohem Niveau. Immerhin sind auch diese interessant genug erzählt, um nicht einzig aufgrund der Neugier und des Suchtfaktors der Serie dran zu bleiben. Aber Staffel 3 hat nun einmal ein Niveau vorgelebt, dessen Fortführung man sich als treuer Freund der Reihe wünscht, und diesen Wunsch erfüllt der Anfang der Folgestaffel nun einmal nicht. Spannend ist hingegen in ruhigeren Momenten ebenso wie in aufregenderen der Blick hinter die Kulissen von Frings Unternehmen. Selbiges betrifft dessen trickreiches Vorgehen, welches immer wieder offenbart welch raffinierten Gegner Walter tatsächlich hat. Fring und White sind ebenbürtig, keiner darf den anderen unterschätzen. Oft weiß man als Zuschauer ohnehin nicht was man glauben soll, ist Heisenberg doch eine ebenso zwielichtige Gestalt wie der Führer des Drogenimperiums selbst. Und mit Jesse als Figur zwischen den Fronten erleben wir ein Aufwühlen dieser Situation in einer Extreme, in der wir Zuschauer selbst nicht mehr wissen wer hier wen bei was manipuliert, bis wir die Auflösung dessen, mal früher und mal später, vorgesetzt bekommen. Staffel 4 bleibt nicht nur in diesem Punkt nicht vorhersehbar. Besagter Trumpf der bisherigen Serie bleibt es glücklicher Weise auch hier.

Mittlerweile wird mit allen Mitteln gekämpft, überall nagt es an Vertrauen, aus jeder Ecke brodelt Gefahr, selbst aus der Richtung Skyler, die eigentlich bemüht ist die Katastrophe, die sie ihrem Ehemann zu verdanken hat, einzudämmen. Hierfür wird, wie so oft, eine scheinbar ehemalige Figur der Serie wieder überraschend eingebracht, und diese schafft es auf angenehm passive Art für ordentlich Unruhe zu sorgen, so dass nicht gleich jede Figur im "Breaking Bad"-Universum zu irgend etwas Zwielichtigem mutiert. Immerhin ist es weiterhin Trumpf der Serie innerhalb ihrer Aberwitzigen Idee, abgewechselt mit überdrehten und grotesken Comicelementen, stets eine gewisse Authentizität und damit Glaubwürdigkeit der Ereignisse aufrecht zu erhalten. Und dieser Linie bleibt man sich weiterhin treu. Bleibt also nur zu sagen, dass auch die vierte Staffel dieser wundervollen Thriller-Drama-Serie zu den Highlights amerikanischer Fernseherlebnisse zählt und in seinen besten Phasen auch den Höhepunkt von "Breaking Bad" selbst darstellt. Hier wird eine derart großartige Geschichte erzählt, dass es eigentlich schön gewesen wäre, wenn Staffel 4, trotz aller offenen Situationen und Fragen, das Finale gewesen wäre, ist das Schlussszenario theoretisch gesehen doch auch ein toller Schluss für die Serie an sich. Als begeisterter Anhänger dieser bin ich freilich trotzdem glücklich, dass es zu einer (länger ausgefallenen) fünften Staffel kam und auch lang erwartete Konfrontationen in dieser endlich angegangen werden. Allerdings wird es hierbei nie wieder so gut wie in Staffel 4. Aber davon berichte ich ein andermal.


SKEETER - INVASION DES GRAUENS (Skeeter 1993 Clark Brandon)


Giftmüll verursacht Riesenwuchs bei Mosquitos, was die Bewohner einer Kleinstadt auf unangenehme Art zu spüren kriegen...


Böser, böser Sheriff...

Was ist der Vorteil an einem Tier-Horrorfilm, der noch Anfang der 90er Jahre gedreht wurde? Er besitzt noch handgemachte Effekte anstatt der uncharmanten Billig-Computeranimationen, und er bekam damals noch eine Synchronisation mit professionellen Sprechern beschert. In diesem Falle sind es Wolfgang Völz und manch andere, zumindest von ihrer Stimme her, bekannte Schauspieler. Was die Mosquitos betrifft, so wissen die kleinen Viecher durch das Trashauge betrachtet recht ordentlich zu funktionieren, wohingegen ihre ins Bild gemalten Helfer selbst über 30 Jahre nach Hitchcocks überzeugender Animation in "Die Vögel" lediglich wie gemalt aussehen. Aber daran stört man sich nicht, wenn man im Gegenzug zusehen darf, wie herrlich putzige Mosquitopüppchen die Menschen aussaugen, was man gern öfter gesehen hätte, als Regisseur Clark Brandon uns zu bieten bereit ist.

Dass er mit einem geringen Budget zu kämpfen hatte, ist klar, etwas mehr an Mosquitoattacken wäre aber sicher dennoch möglich gewesen, zumal "Skeeter" außer diesen nichts zu bieten hat. Zwar schleichen einige wenige C-Prominente durchs Bild, die des öfteren Schurken in Billigfilmchen und TV-Serien mimen durften, aber bis auf die Auftritte des einen Sheriff-Schurken spielenden Charles Napier weiß da nichts zu unterhalten, und selbst dessen Auftritte wirken nur deshalb reizvoller, weil der Rest schnarchig uninteressant ausgefallen ist. In höchst konservativer Texasmentalität badend darf man einer Seifenoper beiwohnen, deren Darsteller zwar genau das mangelnde Talent besitzen, welches man dieser billigen Schnelldreh-Serien automatisch zuordnet, deren zu verkörperndes Gefühlsleben jedoch lediglich Achselzucken verursacht. Das liegt nicht nur an der völlig unsensiblen Herangehensweise und dem versteiften Spiel der Hauptdarsteller, selbst empathischer ausgefallen wüssten die zwischenmenschlichen Aspekte nicht anzustecken und zu interessieren, zumal sie ohnehin nur billigste und häufig auftretende Film-Klischees beinhalten.

Aber das trifft ohnehin auf das komplette Werk zu. Der Öko-Aspekt ist des alles auslösenden Klischees wegen vorhanden, anstatt ernsthaft eine Botschaft zum Thema Umweltschutz liefern zu wollen. Das im Zentrum stehende Paar kommt einzig der Pflicht wegen zusammen, wenn auch nur kurzfristig. Und das Jammern über das Ausbeuten armer Menschen im Zuge des unvermeidbaren Fortschritts, besitzt ebenso wenig das Herz am rechten Fleck. Auch hier fehlt es an Ehrlichkeit, denn wieder einmal, ja richtig geraten, geht es einzig um das Klischee. Ein solches darf in seltenen Fällen auch einmal comicartig sympathisch wirken, so z.B. das Gespräch des Oberschurken, der zusammen mit einem nägellakierenden Flittchen auf der Rückbank seiner Limousine sitzt, und dem ausführenden Bösewicht, der durch das heruntergefahrene Fenster draußen stehend mit seinem geheimen Boss sprechen darf, bzw. sich Befehle und Anschuldigungen anhören darf. Das könnte es alles in dieser Kombination auch in einem Donald Duck-Comic geben und weiß zumindest ein winziges bisschen zu belustigen, im ansonsten staubig uninteressantem Stil des Reststreifens, der nie die Intensität der ebenfalls hoch konservativen Texas-Tier-Horrors "Mörderspinnen" und "Taranteln - Sie kommen um zu töten" besitzt. "Skeeter - Invasion des Grauens" ist ein uninteressanter, völlig missglückter Film, an dem es einfach nichts schön zu reden gibt.


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KING COBRA (1999 David Hillenbrand u.a.)


Eine Riesenschlange, die einem genetischen Mix aus Kobra und Klapperschlange entspricht, bedroht eine Kleinstadt während eines wichtigen Bierbraufestes...


Der Biergermeister bockt...

"King Cobra", der mit dem 80er Jahre "King Kobra" nichts zu tun hat und im deutschen Fernsehen auch unter dem Alternativtitel "Killer Kobra" lief, unterscheidet sich nicht wirklich vom üblichen Tierhorror-Schema, welches spätestens seit Spielbergs "Der weiße Hai" um sich greift. Ein Tier wird übergroß, bedroht Bewohner einer Kleinstadt, eine eingeschworene Gruppe weiß bescheid, will das Tier bekämpfen und Menschenleben retten, aus Geldgründen will der Bürgermeister von alledem nichts wissen, dennoch wird ein Experte engagiert, und der böse Schöpfer der Kreatur darf freilich so wenig fehlen wie das aus zwei Geschlechtern bestehende Helden-Duo, welches zu einer romantische Zusammenführung verpflichtet ist. Glücklicher Weise erschien "King Cobra" vor der Welle computeranimierter Billig-Tierhorrors, mit denen vor The Asylum vor allen Dingen die Firma Nu Image ordentlich Geld machte. Dementsprechend ist ein liebloses "übergroße Haut wandert schlecht animiert ohne das Komplettvieh zu zeigen an den Protagonisten und Opfern vorbei", so wie es "New Alcatraz" und Co auf dem Programm hatten, nicht gegeben. So ein spaßiges Happening wie der dämliche "Python", oder noch besser "Boa vs. Python", ist "Seth" (Alternativtitel) jedoch auch nicht geworden.

Er ist zu ernsthaft und bemüht professionell inszeniert, als dass er eine partytaugliche Trash-Gurke sein könnte. Gleichzeitig ist er zu billig produziert und zu routiniert geschrieben, als dass er ein nennenswerter Zwischendurchverzehr wäre. Zumindest guckt sich die zweite Hälfte um einiges flotter und interessanter als die erste Hälfte, was hauptsächlich dem Auftauchen von Pat Morita, dem Miyagi aus den "Karate Kid"-Filmen, zu verdanken ist, der mit seiner mental ausgeglichenen Pseudo-Professionalität mehr Ironie in die Bude bringt. Und freilich ist auch das Mehr an Ereignissen am besseren Funktionieren der zweiten Filmhälfte beteiligt, ebenso wie das detailreichere und häufigere Sichten der Schlange. Diese wurde kreiert von den Chiodo-Brüdern, welche auch die "Critters" designten und uns den herrlich abgedrehten "Space Invaders" bescherten, den man heutzutage eher als "Killer Clowns from Outer Space" kennt. So toll wie deren Arbeiten der 80er Jahre ist die olle Schlange nicht geworden, besser als jedes billige CGI-Gepixel ist das Ergebnis aber sehr wohl zu nennen. Dass die Schlange je nach Aufnahme verschieden groß wirkt, liegt zumindest nicht an ihrer Arbeit, der echte Schlangenkopf wirkt von der Größe einfach nicht zum Restkörper passend wie Regie und Kameramann es gerne gehabt hätten.

Ist aber auch ziemlich egal, denn in einer routiniert-dämlichen Geschichte, die zum x-ten Mal erzählt wird und schnell und billig heruntergekurbelt wurde erwartet man keine Authentizität, erst recht wenn andere Bereiche, wie die Figurenglaubwürdigkeit, diese ebenfalls nicht streifen. Zwar wirkt "Anaconda 2" (Alternativtitel), abgesehen von der langen Einstiegssequenz im Labor, nie überkonstruiert und vollkommen lächerlich, da gibt es wahrlich extremere Werke auf dem Heimkino-Markt, aber das altbackene Szenario lebt lediglich in einer filmeigenen Wirklichkeit und versucht lieber übliche Klischees abzugrasen anstatt irgendwelche Innovationen oder irgendeinen Realismus einzufangen. Die Hillenbrand-Brüder, die für die Regie verantwortlich waren, sind nun einmal lediglich Durchschnittsfilmer, was auch ihre Teenie-Komödien-Trilogie rund um die "College Animals" beweist, die überraschend mit "College Vampires" endete. Dauergästen im Tierhorror-Bereich kann man ein Sichten von "King Cobra" nahe legen, ohne tatsächlich eine Empfehlung auszusprechen, der Rest der Welt wird sich gelangweilt abwenden. Mir hat zumindest die zweite Hälfte des Streifens Spaß bereitet, zu einem Zeitpunkt an dem ich fast schon ungeduldig ausschalten wollte.


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BLAU IST EINE WARME FARBE (La vie d'Adèle - Chapitres 1 & 2 2013 Abdellatif Kechiche)


Schülerin Adèle ist 17 als sie erkennt, dass Frauen sie mehr anmachen als Männer. Gemeinsam mit der Künstlerin Emma entdeckt sie ihre lesbische Seite und im Laufe der Zeit die Freuden und Tücken von Partnerschaft, Homosexualität und Trennung...


Warmer Mensch in Blau...

Wenn es etwas gibt, dass es an Abdella Kechiches Film "Blau ist eine warme Farbe" nicht zu diskutieren gibt, dann ist dies die Tatsache wie authentisch sich das Werk guckt. Filmklischees und cineastische Alternativwahrheiten gibt es hier nicht zu entdecken, gleiches gilt für Eitelkeit von Darstellern oder Theatralik in Dramaturgie und Musikuntermalung. Das Drama um eine junge Frau, die ihre Homosexualität entdeckt, ist weder kitschig, noch übermotiviert aufklärerisch ausgefallen. Was hier passiert ist so erzählenswert wie alltäglich, so interessant wie normal und dabei völlig unaufgeregt erzählt. So wunderbar das alles geschrieben und optisch eingefangen wurde, so stark lebt es doch hauptsächlich von seinen Schauspielern, die geradezu herausgefordert werden, was sie aufgrund ihres hohen Talentes schließlich auch zu meistern wissen. Der Film geht so subtil und holzhammerartig mit den Geschehnissen um, wie es auch das Leben tut. Stille Momente wechseln sich mit ekstatischen ab, Schönheiten werden ebenso ausgeleuchtet wie Abartigkeiten. Wenn hier jemand heftig weint, dann ist auch Schnodder mit im Spiel, wenn hier jemand Sex hat, dann streift dies die Grenze des Pornografischen aufgrund wahrhaftig ausgelebter Techniken vor der Kamera. 

Dennoch wird das Drama hier wie andernorts nie rein voyeuristisch, dafür ist er viel zu empathisch ausgefallen und lässt einen auch dann hervorragend mit der Hauptfigur und ihren Lebenssituationen identifizieren, wenn man ein mittelalter heterosexueller Mann ist. "Blau ist eine warme Farbe" zeigt nicht nur das Erwachsenwerden einer jungen Frau, sondern auch die Unsicherheit und Tolpatschigkeit dieser Lebensphase, die Überforderung, den Erfolg im nicht Perfekten, das Auseinandersetzen mit Nichtigkeiten und Wichtigkeiten, das Reagieren auf Unvorbereitetes, die Konfrontation mit Ungerechtigkeiten ebenso wie Ursache und Wirkung, Verantwortung und Konsequenzen, Lustigkeiten und Trauriges, Wahrheiten und Lügen, Fehlverhalten und Solidarität, Selbstbewusstsein und Selbstlüge, kurzum das facettenreiche Spektrum an Erlebnissen und Wahrnehmungen, welches das Leben tatsächlich zu bieten hat. Es ist aufregend Adèle bei ihren Banalitäten zu begleiten, eben weil sie weder strahlender Held noch natürliches Vorzeigemädchen ist, sondern charakterlich liebenswert, wie fragürdig ist, taff wie unsicher, klug wie dämlich. Auch die Art wie Jugendliche hier miteinander diskutieren und einen im wahren Leben in der U-Bahn genervt weghören lassen, wissen hier als Motor der Authentizität zu faszinieren und interessieren. Unangenehmes wird ebenso zum Hingucker wie Angenehmes.

"La vie d'Adèle - Chapitres 1 & 2" (Originaltitel) könnte also ganz großes Kino sein, wenn nicht, wie im Originaltitel bereits erwähnt, das Ganze aus zwei Kapiteln bestehen würde, welches aus einem Stoff für zwei Filme einen einzigen mit einer Lauflänge von 173 Minuten macht. Interessanter Weise wird nicht die Länge des Streifens zum Problem, sondern die Andersartigkeit der zweiten Hälfte, der man tatsächlich einen eigenen Film gewünscht hätte. Dann könnte man als Zuschauer die dort recht häufig angewendeten Zeitsprünge besser annehmen und dem Stoff verzeihen, dass er zuvor wichtige Personen einfach nicht mehr benötigt. Man könnte aber auch besser damit umgehen, dass das zweite Kapitel weit weniger erzählenswert ist, als es das erste war. Das beweist allein schon der Zeitpunkt mit welchem der Film schließlich endet. Der Abspann scheint völlig willkürlich zu erscheinen, ein Abschluss eines speziellen Lebensabschnitts oder das Erreichen eines höheren Entwicklungslevels der Hauptfigur lässt sich nicht erkennen, höchstens die Konsequenz Emmas. Aber ob die zu diesem Zeitpunkt ignorante Adèle diese akzeptiert, um sich von nun an anderen Träumen und Wünschen hinzugeben, bleibt anzuzweifeln, so dass die Gefühlsspirale, in der sie sich befindet, wohl nicht durchbrochen wird. So holprig die zweite Hälfte, noch immer hoch authentisch erzählt, von einer Nichtigkeit zur nächsten hüpft, dabei den Trennungsschmerz einer Partnerschaft thematisierend, deren Ende Adèle nicht überwunden hat, wirkt dieser lange Anhang unnötig und nicht mehr so engagiert erzählt wie die erste Hälfte, die sich mit dem Erwachen der Homosexualität beschäftigte.

Zwar besitzt auch die zweite Filmhälfte hochgradig aufwühlende Momente, die einen staunen lassen wie authentisch Kino tatsächlich sein kann, aber die Ziellosigkeit des dort erzählten Plots stieß mir doch etwas arg sauer auf, ist doch weder die immergleiche Gefühlsspirale der sich allein fühlenden Adèle im Laufe der Zeitsprünge auf Dauer eine erzählenswerte Geschichte, noch ihre Erlebnisse in der Arbeitswelt. Zudem hätte sie auch als Erwachsene mal auf ehemalige Mitschüler oder ihre Eltern stoßen können, gerade um den Konflikt des Restkindes in der Erwachsenenwelt besser thematisieren zu können. Die zweite Hälfte zeigt eigentlich recht lobenswert die Unreife der Protagonistin und die erstaunliche Verweigerung an diesem Zustand ernsthaft etwas Entscheidendes ändern zu wollen. So wird die Nichtweiterentwicklung, die ich an der Erzählung kritisiert habe, im Bereich der Charakterentwicklung ein faszinierender Aspekt. Da aber das Umfeld stets gleich auf dieses Verhalten reagiert ändert dies nichts an Adèles Leben oder für uns an der uns erzählten Geschichte, so dass Chapitres 2, so gut wie möglich auch erzählt, auf der Stelle tritt ohne dem Publikum das Gefühl einer erzählenswerten Geschichte zu liefern, was damit zum kompletten Gegenteil von Chapitres 1 wird.

Aufgrund der starken ersten Hälfte mag manche kritische Äußerung bezüglich der zweiten Hälfte ungerecht wirken, aber das ist es, was ich mit der Äußerung meine, dass man beiden Kapiteln einen eigenen Film hätte bieten sollen. Im direkten Zusammenhang präsentiert geht "Blau ist eine warme Farbe" einfach die Luft aus und weiß damit nach einer derart aufregend unaufgeregten Geschichte der ersten Hälfte zu enttäuschen. Auf zwei Filme aufgeteilt würde man sich sicherlich mehr für die Nichtigkeiten der Erwachsenenwelt in der nicht vorwärts schreitenden Drehtür Adèles Charakterbildung interessieren, einfach weil man neugierig wäre was eigentlich aus der verwirrten, unbedarften Schülerin geworden ist. In direkter Konfrontation zu Teil 1, zunächst nicht deutlich ersichtlich wo das eine Kapitel überhaupt aufhört und das andere anfängt, leidet der Unterhaltungswert und auch das Interesse des Zuschauers, und dies, wie bereits erwähnt, aber ruhig noch einmal betont, nicht aufgrund der langen Laufzeit. 

Für das erste Kapitel, zu welcher Minute es auch immer aufhören mag, spreche ich eine ganz klare Empfehlung aus. Hier ist "Blau ist eine warme Farbe" großes Kino, sensibel und berührend, eine Pflicht für jeden Dramen-Freund, der authentische Geschehnisse erleben möchte, anstatt die Märchenwelt eines US-Dramas. Die zweite Hälfte kann man sich, trotz theoretisch großartiger Umsetzung, Darstellung und einiger sehr intensiver Momente, allein aufgrund des sich einzig als Nachzügler anfühlenden, ereignislosen Drehbuchs, eigentlich sparen. Andererseits sollte man ruhig auch dort mit heruntergefahrenen Erwartungen einen Blick riskieren, vielleicht aber an einem anderen Tag, oder zu einer späteren Stunde geguckt, und nicht wie von Regisseur Abdellatif Kechiche gewollt mit Kapitel 1 an einem Stück. In einer Zeit des Heimkinos kann man als mündiger Zuschauer derartiges von sich aus verändern, indem man aus einem Film selbstständig zwei macht, anstatt sich eine Fehlentscheidung diktieren zu lassen, die am Sehwert nagt.


Weitere Besprechungen zu Blau ist eine warme Farbe: 


SCHREI, WENN DU KANNST (Valentine 2001 Jamie Blanks)


Damals war er für eine Gruppe Teenagerinnen die Lachnummer schlechthin, Jahre später tötet Jeremy Malton seine alten Peinigerinnen zur Valtentinstagszeit...


Der Mörder mit der blutigen Nase...

Nach dem Erfolg von "Scream" erschienen kurz darauf einige weitere Slasher. Neben "Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast" und "Düstere Legenden" folgte 2001 schließlich vom Regisseur des Letztgenannten "Schrei, wenn Du kannst", der das Thema um den umhergehenden Psychokiller ein wenig klassischer angeht als die anderen Beispiele. Konnte in den Vergleichsfilmen aufgrund einer Krimi-verwandten Auslegung jeder der Mörder sein, so orientiert sich der hier besprochene Horrorfilm an den Anfängen des Sub-Genres und zieht wie bei "Halloween", "Freitag der 13." und Co einen Bösewicht aus dem Hut, dessen Motivation und Identität bekannt ist. Dennoch schien man der alten Rezeptur nicht komplett zu trauen. Zwar weiß man im zweiten Beitrag des bekennenden Slasher-Fans Blanks wer die Morde begeht, aber nicht wie Jeremy mittlerweile aussieht, da aufgrund dessen tragischer Vergangenheit auch eine Gesichts-OP im Bereich des möglichen liegt. Somit ist der Streifen doch nicht so anders ausgefallen, und Zuschauer wie Protagonisten dürfen raten wer die Morde begeht.

Dennoch ist die klassische Orientierung deutlicher als bei der Konkurrenz zu erkennen. Wie man anhand des Originaltitels "Valentine" sehen kann bedient sich Blanks wie Carpenters Blaupause und viele Beiträge der 80er Jahre an einem speziellen Tag im Jahr, in diesem Falle den Valentinstag. Den machte sich zwar bereits in der Frühphase des Slashers "Blutiger Valentinstag" zunutze, aber das ist ziemlich egal. Letztendlich ähneln sich solche Slasher ohnehin immer sehr stark, und aufgrund der Thematik eines sich rächenden Mobbingopfers aus frühen Schülerzeiten besteht ohnehin eine viel größere Verwandtschaft zu "Monster im Nachtexpress" und "Die Todesparty". Das sind allerdings beides keine guten Vorbilder, so dass es vielleicht gar keine so schlechte Idee war stilistisch auf der zur Entstehungszeit aktuellen Modewelle mit aufzuspringen. Zwar ist Blanks kein so toller Beitrag wie sein "Düstere Legenden" gelungen (finanziell scheinbar auch kein erfolgreicher, wenn man bedenkt dass sein dritter Beitrag erst sechs Jahre später erschien und dies ohne finanzielle Beteiligung aus den USA), ein netter kleiner Slasher für zwischendurch ist "Schrei, wenn Du kannst" aber dann doch geworden.

Wieder einmal die verwöhnte Bitch spielend, ist Denise Richards in einer großen Nebenrolle als Prominente mit an Bord. Zwar bin ich kein großer Fan von ihr, aber mit dieser Person nicht zu sympathisieren lässt ihre Rolle um so intensiver wirken, gerade was ihren Todesmoment betrifft, der es wahrlich in sich hat. Ohnehin geht Jeremy nicht gerade sanft vor, was ich rein methodisch meine, denn vom Gewaltgrad her ist "Love Hurts" (Alternativtitel) nicht sonderlich nennenswert ausgefallen, auch wenn es kleine blutige Momente gibt. Dennoch blutet die Nase des Killers mehr als seine Opfer, was ihm scheinbar nicht nur ein Markenzeichen geben sollte, sondern auch eingebaut wurde, damit der letzte unter den dummen Zuschauern den Verweis zur Vorgeschichte versteht, bevor sie in der Hauptthematik aufgegriffen wird. Sowohl diese Eigenschaft, als auch die etwas albern ausgefallene Maske, die mir auf ihre spezielle Art aber trotzdem gut gefallen hat, vermeiden eine mystische Wirkung des Killers. Dementsprechend fällt ein Vergleich zu Michael Myers, Jason und Co tatsächlich flach. Dem Film schadet es nicht, ist dieser doch ohnehin nicht sonderlich spannend inszeniert, sondern einzig seiner flotten Umsetzung wegen unterhaltsam.

Mehr als Horror-Routine ist "Valentine's Day" (Alternativtitel) tatsächlich nicht geworden, aber er ist zumindest die angenehme Art Durchschnittskost, und kleine Highlights wie besagte Todesszene mit Denise Richards, aber auch die bitterböse Schlusspointe, wissen den Streifen immer wieder kurzfristig aufzuwerten. Das macht aus ihm keinen unvergessenen Klassiker, wie man am raren Bekanntheitsgrad des Streifens feststellen kann, aber zumindest einen soliden Slasher-Beitrag, wie man ihn heutzutage gerne noch einmal sehen würde. Immerhin gab es genügend Geld für eine solide Umsetzung und für extravagante Passagen wie das Videolabyrinth, und im Gegensatz zu so vielen Lückenfüllern, die direkt auf DVD heraus kommen, ist das Ergebnis zumindest noch richtig professionell ausgefallen, ohne dass man in Sachen Geduld, Talent oder Finanzen ständig ein Auge zudrücken muss. Wer nicht mit zu vielen Erwartungen heran geht, wird routiniert genug unterhalten um mit "Schrei, wenn Du kannst" seinen Spaß zu haben. Das Genre erfindet Blanks nicht neu, aber das war als Horror-Fan ohnehin nie seine Absicht.


Weitere Besprechungen zu Schrei, wenn Du kannst:


Trailer,   OFDb

CABIN OF THE DAMNED (Tarnation 2017 Daniel Armstrong)


Aus der Band rausgeschmissen und vom Freund verlassen, reist eine junge Frau spontan mit ihrer besten Freundin und derem Verlobten zu einer Hütte tief im Wald. Schnell stellt sich heraus, dass an diesem Ort eine dämonische Macht ihr Unwesen treibt...


Die Pfütze des Grauens...

Ein Jahr nach dem überraschend gelungenen "SheBorg" kehrt Billigfilmer Daniel Armstrong mit ebenso wenig Geld zurück und präsentiert uns die Horror-Komödie "Tarnation", die, passend zum Szenario, aufgrund des Erfolges von "The Cabin in the Woods" in Deutschland prompt in "Cabin of the Damned" umbenannt wurde, weil deutsche Titelschmieder nach wie vor geldgeile Idioten zu sein scheinen. Dass hier die Thematik von "Tanz der Teufel" variiert wird, ist weder zu übersehen, noch ein Geheimnis, spielt Armstrong doch gar nicht erst den Ahnungslosen, sondern beweist spätestens mit Auftauchen des Filmplakates zum Vorbild, dass sein Werk den 80er Kultfilm huldigt und in ihm ein Vorbild sah. Die technische Seite von "Tarnation" beweist schnell mit ihrer schlechten Beleuchtung und dem billigen, digitalen Videobild, dass das hier besprochene Produkt mit dem Original nie in einer Liga spielen kann. Dessen ist sich Armstrong jedoch bewusst, der ohnehin sein ziemlich eigenes Süppchen kocht.

Wer aufgrund des Vorgängers "SheBorg" glaubt Armstrong hätte erneut versucht die kranken Japan-Splatter-Komödien zu imitieren, der irrt. Der Stil von "Cabin of the Damned - Die Dämonen sind los" (Alternativtitel) ist anders ausgelegt, jedoch nicht weniger schräg als dieser, beschert Armstrong uns doch aus dem eher konventionellen Plot herausgearbeitet ein schrilles Szenario, frei von Atempausen, in denen immer mal was mehr, was weniger ausgeflipptes passieren kann. Hier ist ein Boxkampf mit einem Monsterkänguru ebenso möglich, wie ein Tausendfüßler, der aus einem Penis krabbelt. Eines der (zugegebener Maßen arg billig getricksten) Highlights ist ein bösartiges Einhorn, welches mehr als einmal das schrille Geschehen beeinflusst. Während Armstrong an manch seltener Stelle das ablässt, was die Konsequenz 30 Jahre nach "Tanz der Teufel 2" wäre, experimentiert er ansonsten recht sinnlos mit dem wenigen was das Geld herzugeben scheint herum. Dabei setzt er noch intensiver als im Vorgänger auf Humor, und der ist meist grenzwertig zu nennen, funktioniert aber hierbei überraschend gut.

So rund wie der spaßige Alienfilm des Regisseurs will "Tarnation" jedoch nicht laufen. So genau kann ich nicht erklären woran das liegen mag, immerhin gibt es viel zu lachen, und Langeweile kommt so wenig auf wie tatsächliches Fremdschämen (wer Verbohrtes wird das definitiv anders sehen). Mir persönlich hätte "Cabin of the Damned" ein wenig düsterer ausfallen können. Zwar ist es lustig mit anzusehen, wie Armstrong Vorstellungen des Vorbildes aus einer anderen Perspektive beachtet, zum Beispiel wenn Dämonen nicht nur Menschen psychisch fertig machen, sondern auch einander nicht wohlgesonnen sind, seine besessenen Menschen kommen jedoch zu albern und bunt daher. Der Schritt Richtung Troma ist getan, dabei war es gerade der Charme des Vorgängers das plumpe Niveau dieser überschätzten Produktionsschmiede nicht zu streifen. Glücklicher Weise weißt "Tarnation" nur einen Hauch Tromanonsens auf, aber dieser tut ihm bereits nicht gut. So schön es ist die Dämonen bei ihren Täuschungen der Heldin gegenüber zuzusehen, so sehr wünscht man sich auf der anderen Seite bösartigere Viecher, etwas dass dem wirksamen Humorgehalt einen halbwegs wirksamen Horrorgehalt gegenüber stellt. So einfallsreich die Ideen hier auch sprudeln mögen, letztendlich ist "Cabin of the Damned" nur eine Freakshow, obwohl seine Zutaten Möglichkeiten zu mehr geboten hätten.


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R.O.T.O.R. - DIE KILLER-MASCHINE (R.O.T.O.R. 1987 Cullen Blaine)


Ein Wissenschaftler arbeitet an einem Roboterpolizisten, der versehentlich viel zu früh aktiviert wird und schießwütig durch die Gegend streift...


Die dämlichste Killermaschine der Welt...

Noch im selben Jahr des Kinoerfolgs "RoboCop" drehte man "R.O.T.O.R.", ein billig heruntergekurbeltes TV-Produkt verwandter Thematik, schlicht umgesetzt, ohne die Möglichkeit zu besitzen aufregende Spezialeffekte einzubauen. Nicht einmal wenig spektakuläre Spezialeffekte sind vorzufinden. Von den klassischen Tricks rund um Schießereien einmal abgesehen bleibt nur noch die Optik zu nennen, durch welche der Killerroboter die Welt wahrnimmt, und über diese hüllen wir lieber den Mantel des Schweigens - aber auch nur weil die Dreistigkeit dem Zuschauer derartiges vorzusetzen jeder Freund filmischen Mülls selbst erlebt haben muss. Ja, richtig gelesen, "R.O.T.O.R." (Originaltitel) ist Trash, und er ist es jenseits von The Asylum und Co noch auf klassische, völlig missglückte Art. Er ist derart missglückt, dass man sich fragen darf, wer für dieses Projekt grünes Licht gegeben hat, und damit wird er zur Spaßgranate für geduldige Freunde schlechter Filme.

Zunächst fällt nach einer kurzen Einführung zukünftiger Ereignisse auf, dass penetrantes Hinhalten auf dem Programm steht. Zwar will ein Off-Kommentar uns immer wieder bewusst machen, dass es in diesem Film um einen durchgedrehten Roboter geht, aber der liegt fast die komplette Filmhälfte nur herum, bevor er endlich erwachen darf. Der dilettantische Stil hält den Freund missglückter Science Fiction bis es soweit ist dennoch bei Laune, denn allein dem fragwürdigen Weltbild zu lauschen, welches der Wissenschaftler höchst undurchdacht in besagtem Off-Kommentar von sich gibt, weiß hochgradig zu belustigen und offenbart bereits die Denkverweigerung Budd Lewis', der nach einer Idee von Regisseur Cullen Blaine das Drehbuch verzapfte. Intelligenzbestien scheinen beide nicht zu sein, sonst wäre ihnen vielleicht der ein oder andere derart penetrante Fehler aufgefallen, über den selbst wahrscheinlich ein Fünftklässler gestolpert wäre.

An dieser Stelle sei einmal mein Lieblingsbeispiel genannt. Eine Frau wird von der Killermaschine im Auto verfolgt. Per Funk hält sie glücklicher Weise Kontakt zum Wissenschaftler, der versucht seine Erfindung aufzuhalten. Netter Weise bietet dieser der ängstlichen und gestressten Frau seine Hilfe an, und die sieht folgendermaßen aus: er verabredet sich mit der Frau an einem Ort den beide kennen für den darauf folgenden Tag am Nachmittag und bittet sie, sie möge doch bis zu diesem Zeitpunkt weiter fahren, der Roboter würde sie so lange verfolgen und wäre abgelenkt, so dass er in der Zeit, in welcher er auf die Frau konzentriert ist, niemand anderes töten wird. Und nicht nur dass hier Stressfunktion, Gefahrenextreme, Benzinfüllstand, Ethik und allerlei anderes Naheliegendes ignoriert werden, besagte Frau lässt sich auch noch auf diese völlig wahnsinnige, unsinnige und egoistische Idee ein. Und was soll man sagen? Es funktioniert. Etwa 16 Stunden fährt die Frau mal mehr, mal weniger ängstlich umher, und der ach so gefährliche Killerroboter gurkt ihr hinterher, bis endlich besagter Zeitpunkt und besagter Verabredungsort eingehalten werden.

Bereits zuvor merkt der Zuschauer recht schnell, dass der angeblich kaum aufzuhaltende Roboterpolizist doch sehr leicht aufzuhalten ist. Jeder Volldepp bekommt ihn ausgetrickst, spätestens wenn er ein wenig Krach macht, denn unser R.O.T.O.R. verträgt das so gar nicht. Gütiger Weise lassen die beiden Verantwortlichen des Stoffes trotzdem ein paar wenige Persönchen über die Klinge springen, was freilich arg unaufgeregt umgesetzt wird, denn wie erwähnt wurde an allen Ecken und Enden Geld gespart. Das tat man freilich dann auch bei der Besetzung, so dass allein der Roboter in seiner Fehlbesetzung mit einem schnurbarttragenden 08/15-Darsteller ungemein zu belustigen weiß. 

Fast könnte man eine missverstandene Komödie vermuten, spätestens wenn der Wissenschaftler gegen Ende Hilfe von einer Kollegin bekommt, die in humoristischen Stoffen eines Zuckers, Sandlers und Co, vergleichbar besetzt in "Kick-Ass 2" sogar tatsächlich, als monströse russische Killerbraut besetzt worden wäre, so grotesk wie die muskulöse, groß gewachsene Blonde wirkt, und so Catcher-like, wie sie dem Killerroboter den Kampf ansagt. Aber nein, "Blue Steel" (Alternativtitel) ist tatsächlich ernst gemeint und dürfte dementsprechend viele, viele Menschen enttäuschen, selbst solche, die noch mit "Cyborg" zufrieden waren oder "American Cyborg" als ernsthafte Actionunterhaltung konsumieren konnten. Freunde wahren Trashs werden hingegen gut amüsiert, auch wenn sich "Robo Police" (Alternativtitel) an mancher Stelle etwas arg anstrengend guckt.


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DON'T BREATHE (2016 Fede Alvarez)


Drei junge Einbrecher sehen ihre Chance an das große Geld zu kommen, als sie von einem reichen, blinden Mann erfahren, der ganz allein in einer Geisterstadt-artigen Siedlung wohnt. Sein Hund ist schnell ausgeschaltet, aber kaum drin wird der Blinde selbst zur Gefahr. Der ist nämlich ein hartgesottener Kriegsveteran und hat das Haus derart gekonnt abgeriegelt, dass ein Entkommen kaum möglich ist. Mit Heimvorteil für den Hausbesitzer und bei wenig Licht bleibt den Eindringlingen nichts anderes übrig, als sich möglichst leise zu verhalten, denn der alte Mann geht mit aller Härte gegen seine Feinde vor...


Stinkeschuhe ja, Stinkefüße nein...

Eine interessante Ausgangslage weiß "Don't Breathe" zu bieten, jedoch auch eine solche, die einen Regisseur benötigt, der es weiß gekonnt die Spannungsschraube anzuziehen und möglichst subtil vorzugehen. Und nach dem Sichten des dauerhaft monoton blutigen Langeweilers "Evil Dead" darf man zunächst zurecht daran zweifeln, ob Regisseur Fede Alvarez der richtige Mann für das erneut von Sam Raimi produzierte Projekt ist. Recht schnell sind beim Sichten des Streifens jedoch sämtliche Sorgen über Bord, weiß der Erzählstil doch von Anfang an zu gefallen. In einer Situation, in der es weder Gut noch Böse gibt, wird der Blinde in seinen ersten Auftritten hervorragend umgesetzt und weiß tatsächlich zu beängstigen. Aufgrund seiner brachialen Vorgehensweise und einiger gelüfteter Geheimnisse um seine Person wird er zwar zu einer etwas arg Comic-artigen Bedrohung, quasi zum typischen Aggressor eines Horrorfilmes, aber das geht in Ordnung. Denn die erhoffte Subtilität ist in "A Man in the Dark" (Alternativtitel) ohnehin nicht vorhanden. Im Gegenzug wird der Streifen jedoch auch nicht zum Schlachtfest, auch in seinen härteren Szenen, so dass man das Ergebnis als gut gewähltem Mittelweg zwischen Stimmung und Mainstream bezeichnen kann.

Der Plot erinnert ein wenig an Cravens umstrittenen "Das Haus der Vergessenen" und einer Umkehrung der Idee aus dem zwei Jahre zuvor erschienenen "Late Phases", in welchem ein blinder Veteran sich der Gefahr eines Werwolfes stellen musste. Glücklicher Weise ertränkt man die Charaktere nicht in all zu viele Klischees, so dass die Frage nach der Ehre eines Soldaten nicht umrissen wird. "Don't Breathe" ist weder idealistisch, noch moralisch und will einfach seine etwas arg konstruierte Ausgangssituation bestmöglich nutzen. Wie gut sich wer Blindes in seinem eigenen Heim zur Wehr setzen kann, bewies bereits Audrey Hepburn fünf Jahrzehnte zuvor in "Warte, bis es dunkel ist", und Alvarez' Film treibt dessen Finale in Umkehrung der Identifikationsfigur auf die Spitze, gekonnt wie ich finde, ist der Film doch trotz mangelndem Gespürs für wahren Nervenkitzel durch Stille, angenehm spannend umgesetzt, auch wenn das Drehbuch stets um Action bemüht ist, anstatt dem Plot auch gelegentlich wahre Ruhephasen zu gönnen.

Freilich kann man negativ anmerken, dass die Verantwortlichen des Streifens etwas zu viel Wert auf das gute Gehör des Blinden gelegt haben und seine anderen Sinne, insbesondere den Geruchssinn, vernachlässigen. Hier kommt dem Film dann doch der hohe Grad an Ereignissen zu Gute, stiller umgesetzt hätte dieses Makel wahrlich kontraproduktiv gewirkt. Gut fotografiert, stimmig und spannend erzählt und von den Darstellern ordentlich genug verkörpert, um die jeweiligen Rollen als glaubwürdig anzunehmen, lässt sich "Don't Breathe" angenehm und wirksam zugleich schauen. Aufgrund der Kontaktlinsen für den Erblindungseffekt des Hausbesitzers und aufgrund dessen wie er teilweise phantomhaft wie Michael Myers, dann wieder brachial wie Jason in Szene gesetzt wird, wird aus einem Mann, ohne übernatürliche Elemente einzusetzen, ein wahres Filmmonster. Das wird mancher Moralist sicher wieder als behindertenbeleidigend empfinden, so wie es bei Werken wie "Das Kabinett des Schreckens" einst der Fall war, aber solchen Leuten darf man ohnehin kein Gehör schenken.


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A QUIET PLACE (2018 John Krasinski)


Seit die Erde von aggressiven Aliens überrannt wurde, existieren kaum noch Menschen auf ihr. Da die Außerirdischen einzig auf Geräusche reagieren, hat eine überlebende Familie ihr Leben auf vollkommene Ruhe ausgelegt. Schon das kleinste Geräusch lockt die gefährlichen Fremdlinge an...


Batteriebetriebene Spielzeuge tun Kindern nicht gut...

Selten habe ich einen Film über eine für den Menschen gefährliche Spezies gesehen, der seinen Aufhänger derart konsequent durchzieht, wie es "A Quiet Place" tut. Wenn es heißt jegliches Geräusch lockt die Außerirdischen an, dann meint man es hier auch so. Ausflüchte leistet sich das Drehbuch einzig an lauten Orten, auch wenn der leicht hörbare Schrei hinter dem Wasserfall die Kreaturen, verglichen mit vergleichbaren Geräuschquellen im Laufe der Erzählung, dennoch hätte anlocken müssen. Aber was soll man diesbezüglich so pingelig sein, wenn es die Verantwortlichen des Streifens ansonsten doch selber sind? Wer sich mit Untertiteln schwer tut, wird wenig Gefallen am dritten Spielfilm des ansonsten komödiantische Stoffe abliefernden John Krasinski finden, findet doch der Großteil der Kommunikation über Gebärdensprache statt, nur ganz selten gönnt man sich Ausnahmen.

Auch in anderen Bereichen geht der Film einfallsreich vor, um uns eine Familie in Stille zu präsentieren, die einer hohen Gefahr ausgesetzt ist. Auf den häufig beschrittenen Wegen draußen wird stets Sand verstreut, Glühbirnen verschiedenster Farben, aufgehangen im Garten, vermitteln den Ausflüglern beim Heimkommen ob es zu Hause gerade sicher ist oder nicht, und so manch anderes gibt es da sonst noch so zu entdecken. Um der ohnehin schon schauerlichen Grundsituation einen zusätzlichen Kick zu bescheren, ist die Mutter der Familie schwanger, so dass man sich als Zuschauer bereits im Vorfeld sorgen um den Krach macht, den das Neugeborene verursachen wird, wenn es so weit ist. Krasinski spielt gekonnt mit dieser bösen Vorahnung, überrascht uns, wenn es so weit ist, erneut mit dem Einfallsreichtum der Familie, nur um die beseitigte Sorge aufzubrechen, wenn der Plan doch nicht so exakt funktioniert wie erhofft.

Überraschender Weise ist der stets in Stille und nur gelegentlich mit Hintergrundmusik untermalte Science Fiction-Horror nicht so intensiv gruselig ausgefallen, wie ich erwartet hatte. Spannend ist er, definitiv, die Grundatmosphäre ist angespannt, das funktioniert auch, aber wirklich knisternd gefährlich guckt sich das Ganze nicht. Die Familie hat sich gut mit ihrer neuen Lebenssituation arrangiert, ein Hauptaspekt der Geschichte liegt in der Dramaturgie der Situation, und all diese Pluspunkte auf der einen Seite sorgen für ein weit weniger nervenkitzelndes Spektakel als möglich gewesen wäre. Allerdings hätte man auch die Kreaturen gruseliger animieren können, die wirken eher wie einem Action-Science Fiction im Stile von "Edge of Tomorrow" entliehen. Schattenartigere Wesen, a la "Attack the Block" hätten mehr Reiz versprüht. Mag "Hidden" auch nicht so konsequent mit den Gesetzen der Stille umgehen, wie es "A Quiet Place" tut, aufgrund des stimmigen Minimalismus dort, guckt sich der theoretisch weniger glaubwürdige Streifen besser als der hier besprochene, der sich trotz seiner Ausnahmesituation im Inszenierungsstil ansonsten eher an das Massenpublikum wendet.

Das ist ärgerlich, aber nicht in einem Maße, welches einem den Sehspaß verderben würde, ist "A Quiet Place" dafür doch viel zu kurzweilig und interessant ausgefallen. Allerdings verärgert mich hier, wie einst in "The Descent", dass die Aggressoren einzig einen Sinn haben auf den sie reagieren. Zumindest den Geruchssinn hätte man ihnen, wenn auch reduziert, zugestehen können. Derart penetrant lediglich auf das gute Gehör zu setzen, ohne auch nur im Ansatz einen anderweitigen Sinn zu besitzen, macht die Kreaturen evolutionär betrachtet nicht gerade glaubwürdig. Wie hätten sie sich derart intensiv entwickeln können, dass sie gar außerhalb ihres eigenen Planeten zu einer Gefahr für andere werden? Hinterfragt man nicht all zu viel, weiß "A Quiet Place" aber zu gefallen. Dies zwar weit weniger intensiv als man es bei seiner hervorragenden Ausgangsidee vermuten würde, aber gut genug um nicht ernsthaft enttäuscht zu werden. Gewöhnt man sich erst einmal an den weit weniger gruseligen Stil als erwartet, wird man stattdessen mit einer tollen Generationskonflikt-Thematik belohnt, in der allein die Mimik der Teenager-Tochter ungemein zu überzeugen weiß. Der weise, sanfte Blick des Familienvaters lässt jedoch ihn zur Identifikationsfigur werden.


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HIDDEN - DIE ANGST HOLT DICH EIN (Hidden 2015 Matt Duffer u.a.)


Seit nach einer Virenepidemie die Zivilisation zusammengebrochen ist, versteckt sich eine dreiköpfige Familie in einem gut getarnten Bunker vor den Atmern, die Jagd auf die Überlebenden machen. 300 Tage mussten sie sich bereits dort unten verstecken und sich dabei möglichst still verhalten, um nicht entdeckt zu werden. Als eine Ratte auftaucht, und ihnen ihre wenigen Lebensmittel wegzufressen droht, ist das erst der Anfang einer Reihe unangenehmer Ereignisse...


Überleben nach Regeln...

Minimalistische Horrorfilme können ein Maximum an dichter Atmosphäre und einen hohen Spannungsbogen entfachen, viel mehr sogar als ein actiongeladener Genre-Beitrag, der viele Spezialeffekte bietet. Allerdings muss der Regisseur eines solchen Projektes ein gutes Händchen beweisen, und auch der Drehbuchautor muss die richtigen Nichtigkeiten und Wichtigkeiten gekonnt verpacken, damit dies funktionieren kann. Wo "It Comes at Night" zwei Jahre später scheiterte, da macht "Hidden" von den Duffer-Brothers, die auch Regie bei der Webserie "Stranger Things" führten, vor wie es richtig geht. Die Regisseure fungieren hier zugleich als Autoren, was meist hilfreich und bei dieser Art Stoff keine Seltenheit ist. Ihr Clou ist so gesehen auch erst einmal kein neuer, wenn man mitten in eine Welt geschubst wird, in welcher man letzte Überlebende einer Epidemie dabei beobachten darf, wie sie unter übelsten Bedingungen versteckt überleben. Oben haust die Gefahr, nur der Bunker ist sicher. Und im Gegensatz zu "The Walking Dead" scheint es auch nicht möglich per Plünderung an Lebensmittel zu geraten.

Das verraten die wenigen Bilder von der Erdoberfläche, welche die Brüder uns zukommen lassen, und die sind auf ihre schlichte Art als wirkungsreich, da geradezu erschreckend, zu bezeichnen. Verliert man bereits beim Erblicken des eher provisorisch eingerichteten Alternativlebens mit knapp werdenden Lebensmitteln jegliche Hoffnung, so ist der relativ späte erste Blick nach draußen eine zusätzliche Ernüchterung, passend zum stets gelebten düsteren Szenario. In diesem steht immer die Hoffnung als Ablenkung für die sieben jährige Tochter im Zentrum. Es ist eine gespielte Hoffnung, die Mutter glaubt nicht dran, Vater hält sich eher aus Verzweiflung an ihr fest, die Tochter jedoch ist noch jung genug sich auf die milden Worte, die Tröstungen und die Ablenkungsmanöver einzulassen. Eine heile Welt lebt "Hidden - Die Angst holt dich ein" für den Zuschauer nicht vor. Die Autoren wissen wie hart ihre hier geschaffene Realität ist. Für eine Welt, in der man möglichst still sein muss, widerfahren den Überlebenden aber doch einige Unnötigkeiten zu viel, die über die Glaubwürdigkeit mit einem Kind nicht vollkommen ruhig sein zu können, hinaus gehen und der an sich gut erzählten Geschichte einen winzigen Grad Unglaubwürdigkeit bescheren.

Aber die gekonnte Umsetzung, auch getragen vom hervorragenden Spiel aller drei Protagonisten, lässt einen nie ernsthaft darüber schimpfen. Zwar kommt es zu wahren Innovationen erst gegen Ende, wenn im Stile eines "The Sixth Sense" und "The Others" doch ein paar Überraschungen die bisherige Wahrnehmung aufbrechen, aber es ist eben der Minimalismus von dem der längere Teil der Geschichte, der Altbackenes anders, bzw. alternativ präsentiert, lebt. "Hidden" ist kein Stoff von dem man große Neuerungen im Genre erwartet. Aber ebenso wie die Brüder als Regisseure verstanden haben, dass das Ganze stimmig umgesetzt sein muss, so wussten sie auch als Autoren, dass Charaktere und Situationen von ihrer Glaubwürdigkeit leben müssen. Die Psychologie ihres eigenen Stoffes haben sie verstanden. Sie wussten wie sie den Schleier zur Wahrheit bis zum richtigen Zeitpunkt aufrecht erhalten, und sie wussten dass das Szenario bis zu diesem Zeitpunkt nicht einfach aus Leerlauf bestehen darf, der eine Vermutung weckt, dass Richtung Ende eine Überraschung lauert. Ganz im Gegenteil ist der Hauptteil der Geschichte derart interessant und packend erzählt, dass man gar nicht auf den Gedanken kommt hier betrogen zu werden. "Hidden" mag nicht in der obersten Liga mitspielen mit seinen kleinen Schönheitsfehlern, aber er ist stimmiges Genre-Kino, in gekonnter emotionaler Wechselwirkung zwischen Spannung und Dramaturgie, etwas vergleichbar mit dem ebenfalls sehenswerten "The Last Days". 


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DIE GESTOHLENEN WEIHNACHTSGESCHENKE (How the Grinch Stole Christmas! 1966 Chuck Jones, u.a.)


Die Wers sind eine fröhliche Gemeinde, die den Zauber von Weihnachten lieben und zelebrieren. Oben auf dem Gipfel eines kargen Berges hockt der miesepetrige Grinch, der das Fest noch nie ausstehen konnte. Da ihm die Fröhlichkeit und Herzlichkeit der Bewohner von Wer-Stadt auf die Nerven geht, beschließt er ihnen Weihnachten zu zerstören, indem er des nachts jegliche Weihnachtsutensilien klaut...


Ein Drittel Herz...

Die Geschichte um den Grinch feiert zur Zeit im Kino seine dritte Verfilmung nach der Realfilmversion mit Jim Carrey und dem hier besprochenen Zeichentrickkurzfilm. Dieser wurde von Zeichentricklegende Chuck Jones umgesetzt, jenem Mann der Bugs Bunny, Roadrunner und Co erst das gewisse Etwas bescherte und Elemente in den Bereich des Zeichentricks einbaute, die zum heutigen Standard dieser Branche gehören. Doch auch eine Legende kann nur so gut arbeiten, wie die Vorlage auf die sie sich bezieht, und mit Blick auf "Die gestohlenen Weihnachtsgeschenke" kommt das Kinderbuch von Dr. Seuss, welches den drei Filmen zu Grunde liegt, nicht über seine grundlegende Idee hinaus. Der Grinch stielt Weihnachten, und ohne tatsächlichen Grund gewinnt sein Herz doch noch an Wärme und Mitgefühl, und in ihm erwacht die Freude an Weihnachten, die er zuvor verschmähte.

Der einzige Grund für diesen Wandel ist mitzuerleben, dass sich die immerfröhlichen Wers auch dann noch von Herzen singend nicht ihr Weihnachtsfest nehmen lassen, wenn alles Materielle nicht mehr vorhanden ist. Denn Weihnachten geht es nicht um Geschenke - eine wirklich schöne Botschaft - sondern um die gemeinsam verbrachte Zeit - auch eine schöne Botschaft. Sie reicht um den isoliert gelebten Grinch trotz seines um zwei Drittel mickrigeren Herzens die Dinge anders sehen zu lassen, diesen Grund jedoch so nebensächlich eingefangen, dass der Wandel des Bösewichts nicht zu überzeugen weiß.

Das wissen die kompletten restlichen 20 Minuten von "How the Grinch Stole Christmas!" (Originaltitel) jedoch ebenso wenig, nervt doch nicht nur die ewige Singerei, die einen staunen lassen kann wie viel Singsang man in poplige 27 Minuten packen kann, auch die Zeichnungen wirken billig. Aufgrund dessen wirken viele Momente, die in schrägeren und besser gezeichneten Cartoons wirken würden, zu gewollt. Stets merkt man welcher Witz gerade stattfinden soll, im Gesicht des Grinchs und im zahmen Umfeld der pseudo-besinnlichen Geschichte kann sich da jedoch nichts zum wahren Lacher entfalten. Ganz übel betrifft dies den Hund des Grinchs, der arg gewollt als humorvolle Zielscheibe eingesetzt wird und als solche einfach nicht lustig wirkt.

Vielleicht bin ich auch die falsche Person, um einen Film wie "Die gestohlenen Weihnachtsgeschenke" fair besprechen zu können, mochte ich doch auch die Jim Carrey-Version "Der Grinch" nicht, obwohl besagter Schauspieler zu meinen Lieblingsmimen gehört. Außerdem identifiziere ich mich beim Schauen der ewig fröhlichen und musikalisch penetranten Zeichentrickversion doch mit dem Grinch anstatt mit den Wers, so unglaublich nervig wie Weihnachten hier dargestellt wird und ein schönes Feiern, vor der finalen Aussage über den wahren Wert des Festes, mit Lautstärke und überschwänglichen Gefühlen gleichgesetzt wird. Da auch die Aktion des Grinchs nicht wirklich aufregend erzählt ist, trotz eines detailreichen Einblicks seiner Taten bei Nacht, bleibt nicht viel übrig was überzeugt, auch als Sympathisant des Bösewichts.

"Die gestohlenen Weihnachtsgeschenke" hat sein Herz am rechten Fleck und muss der undankbaren Aufgabe nachgehen Chuck Jones sonst so genialen Slapstick mit Gefühlsduselei zu vereinen. Das kann nur nach hinten los gehen, und unter diesen Umständen geht das Ergebnis wahrlich noch als okay durch. Aufgrund winziger Momente, in denen die Komik doch einmal stimmt, meist dann wenn Grinchs Bösartigkeit überspitzt dargestellt wird (Pate hierfür steht das Beispiel, wie er selbst den letzten Krümel Weihnachtsessen stibitzt, damit auch die hungernde Maus keine Freude am Fest hat, obwohl selbst sie davon nicht satt geworden wäre), kann man dem Ergebnis trotz eher genervter als unterhaltsamer Momente nicht wirklich bös sein. Dennoch werde ich dieses langwierige Stück Kurzfilm nicht noch einmal konsumieren.



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HUBERT UND STALLER 3 - EINE SCHÖNE BESCHERUNG (2018 Sebastian Sorger)


Während Staller aufgrund eines glücklichen Loses auf dem Weg nach Rom ist, ergibt sich für den Rest der Truppe ein Mordfall, nachdem man eine Rentnerin mumifiziert ein Jahr nach ihrem Tod aufgefunden hat, denn ihr Ableben entpuppt sich als Gewalttat. Eine verunglückte Person im Weihnachtsmannkostüm, die Herr Girwidz höchst persönlich ins Krankenhaus bringt, scheint etwas mit dem Mord an der alten Dame zu tun zu haben, doch als man dies bemerkt ist er bereits aus dem Krankenhaus verschwunden. Bleibt nur ein kritischer Blick auf den Stammtisch des Vermissten, an welchem ein Mitarbeiter der örtlichen Bank wohl zu viel ausgeplaudert hat, als er vor einem Jahr erwähnte, dass die alte Dame ihr komplettes Konto bei ihm aufgelöst hat. Als hätte Hubert mit diesem rätselhaften Kriminalfall nicht schon genug um die Ohren, steht plötzlich eine Teenagerin vor seiner Tür und behauptet seine Tochter zu sein...


Zwei Mandarinen für den Anfang...

Nach sieben Jahren "Hubert und Staller" sagt Staller-Darsteller Helmfried von Lüttichau Adieu und gibt seinen Abschied im dritten Spielfilm der Reihe. Das geht alles flotter als vermutet, seine Anwesenheit in "Eine schöne Bescherung" ist überraschend gering ausgefallen, allerdings beweist das Weihnachtsspecial mit dieser Herangehensweise bereits vor dem Fortführen der Serie unter dem neuen Titel "Hubert ohne Staller", dass die Serie auch unglaublich gut ohne die grandiose Figur des Staller funktionieren kann. Nach der etwas schwächelnden siebten Staffel gleicht das einem Weihnachtswunder, zumal viel vom Personal im Laufe der Zeit ausgetauscht wurde, und dies in allen Fällen nicht gerade von Vorteil. Zumindest Lena Winter, als weibliche Verstärkung im Polizei-Team, erhält, ebenso wie gegen Ende der letzten Staffel, mehr Profil und wird zu einer angenehmen Begleitung der Restbesetzung. Dennoch verblasst ihre Darstellerin Klara Deutschmann unfairer Weise neben dem grandiosen Spiel von Tramitz und Brandner, aber dieses Schicksal teilt mit ihr der von Anfang an dabei gewesene und immer besser agierende Paul Sedlmeier. Die Figur des Yazid fällt diesmal aus, was schade zu nennen ist, nach seinen tollen Auftritten im Spielfilm "Hubert und Staller 2 - Unter Wölfen".

"Hubert und Staller 3 - Eine schöne Bescherung" beweist neben dem guten Funktionieren ohne Staller zudem, dass die wundervolle Nebenfigur des Girwidz sich auch hervorragend als Hauptfigur eignet. Als ich erfuhr, dass er es ist, der demnächst mit Hubert zur Fallaufklärung im Auto unterwegs ist, war ich zunächst kritisch, aber es scheint zu funktionieren, vorausgesetzt die Autoren arbeiten so beispielhaft wie in diesem Film und nicht so fehlerhaft wie in der etwas schwächeren siebten Staffel. Die Fehler, die dort mit der Hubert-Figur begangen wurden, sind hier im Weihnachtsspecial glücklicher Weise nicht mehr zu entdecken, stimmt doch die Psychologie der Figur wieder. Zudem scheint man zu begreifen dass nach dem Ausscheiden der Ex-Frau des mürrischen Ermittlers aus der Serie der Charakter Hubert dringend einen emotionalen Nebenpol benötigt, um nicht einzig ein maulender Miesepeter zu sein. Dementsprechend gut tut der Figur und dem Film das eher plump klingende Einbringen einer Tochter Huberts, von der man nach dem offenen Schluss im Film nur hoffen kann, dass sie als wichtige Person für "Hubert ohne Staller" bestehen bleibt.

Durch sie für einige Momente aus der Gefühlslethargie gerissen, ist es schön mit anzusehen, dass es Hubert ist, der dem arbeitstreuen Staller nahe legt dem Herzen zu folgen und sein Leben in Rom weiter zu führen. Ein wortloser Abschied beider, in einem wunderschönem symbolischen Trennen beider Lebenswege, rundet den Abschied Stallers ab, so dass man definitiv von "Eine schöne Bescherung" behaupten darf, dass er in seinem etwas größer als sonst ausgefallenem Bereich der Seifenoper treffsicher emotional zu funktionieren weiß. Das liegt aber freilich auch am stets trotzdem rational bleibendem Drehbuch, schließlich wird es nie kitschig oder geistlos. Analytisch stimmt weiterhin alles, und da auch der trockene Humor stets geglückt und in häufiger Präsenz mit von der Partie ist, kann der gefühlvolle Part überhaupt nicht zu einer unangenehmen Entgleisung der Erzählung werden. Zudem funktioniert der Kriminalpart selbst, der nicht nur äußerst mysteriös ausgefallen ist, sondern auch zum Mörderraten einlädt, so dass man den dritten Spielfilm wahrlich als gelungen bezeichnen kann. Jetzt sind meine hohen Erwartungen von einst zurück, so dass ich nun ernsthaft hoffen kann, dass "Hubert ohne Staller" so gut funktionieren wird wie der hier besprochene Vorgänger. Trotzdem wäre es der Idealfall für die Serie, wenn Staller nach nicht all zu langer Pause wieder zurück käme. Diese Figur machte stets viel am Gelingen der Reihe aus.


MEG (The Meg 2018 Jon Turteltaub)


Forscher entdecken einen Ozean unter einem Ozean und erwecken in diesen urigen Gewässern unbewusst das Interesse eines Megalodon für sich. Als die Forschercrew unter Wasser von einem umstrittenen Experten gerettet werden kann und zurück auf der Forschungsstation ist, entdeckt man, dass der Megalodon ihnen gefolgt ist. Der Kampf gegen einen unfairen Gegner ohne natürliche Feinde steht den Menschen bevor...


Weniger für mehr...

Während in der kleinen Billigproduktion "Megalodon" eine Vielzahl ausgestorben gedachter Arten aufgrund eines unterirdisch versteckten Ozeans hinaus in die Weiten schwimmen, entkommt in der Großproduktion "Meg" lediglich eine Gattung ihrem ehemaligen Gefängnis. Sah man der ähnlichen Geschichte von 2002 ihre Kostengünstigkeit anhand der kläglichen Spezialeffekte, leider auch bezüglich des Megalodon, an, kann "Meg" gerade in diesem Bereich trumpfen, lassen die Spezialeffekte doch nichts zu wünschen übrig. Wegen nichts anderem braucht man einschalten, ist doch die Idee an sich, dass ein Urzeit-Hai entdeckt und aggressiv wird, doch nichts neues im Filmbereich. Von "Der Monster-Hai" (wo der Megalodon allerdings auch mit einem Oktopus gekreuzt war), über "Shark Attack 3" und "Shark Hunter", bis hin zur Trashreihe um einen Urzeit-Hai, begonnen mit "Mega Shark vs. Giant Octopus", hat es bereits einige Produktionen gegeben, die sich für dieses Thema interessieren. Und auch die Billigschmiede The Asylum kehrte nach ihrer Mega Shark-Reihe zu dem Thema zurück, um im Zuge von Meg" ihre Billigvariante "Megalodon" 2018 folgen zu lassen.

Dass ich "Meg" trotzdem unbedingt sehen wollte, lag nicht nur daran dass mich die unzähligen Verfilmungen von Hai-Horrorfilmen ohnehin interessieren, sondern in erster Linie auch daran, dass man ihn mit Actionstar Jason Statham in der Hauptrolle besetzte. Zwar durfte bereits Dolph Lundgren als Actionstar 2015 in "Shark Lake" einem Killerhai den Kampf ansagen, aber das war eine Billigproduktion, in welcher der eingekaufte Name mit recht wenig Szenen so hinein geschnitten wurde, dass es so aussehen sollte als wäre Lundgren der Hauptdarsteller. In der professionellen Großproduktion "Meg" ist Statham tatsächlich der Star, und neben ihm darf auf Rainn Wilson agieren, der eine kleine Semiberühmtheit über die amerikanische Version der TV-Serie "The Office" erlangt hat, diese jedoch eher durch sein geniales Spiel in "Super" und "Hesher" verdient hätte.

In "Meg" reißt er sich kein Bein aus, und das ist auch nicht weiter schlimm, denn es ist so wie ich gesagt habe: man guckt diesen Streifen aufgrund der Spezialeffekte, einen anderen Grund hineinzuschalten gibt es nicht. Leider gehört "Meg" zu jener Gattung modernem Kino, in welchem für das viele Geld zwar Stars und professionelle Tricktechniker eingekauft wurden, man aber an guten Drehbuchautoren spart, so dass das Ergebnis erschreckend einfallslos ausfällt. Wirklich rein gar nichts wird in "Meg" erzählt, was nicht schon unzählige andere Filme ähnlich variiert in ähnlicher Reihenfolge erzählt hätten. "Meg" überrascht mit nichts, verläuft völlig überraschungsfrei und bietet als einzige Innovation das tatsächliche Spiel eines Actionstars innerhalb der üblichen Hai-Soße. Statham spielt wie er immer spielt, wird inszeniert wie er immer inszeniert wird, und da sich der Streifen zu keinem Zeitpunkt realistisch gibt und ohnehin lediglich in der typischen Kinorealität amerikanischer Produktionen spielt, schadet es der Glaubwürdigkeit auch nicht, wenn der Typ als ein Mann-Armee höchst persönlich des öfteren alleine Mann gegen Hai antritt, was uns dann auch die besten und augenzwinkernsten Kameraeinstellungen beschert.

Dementsprechend ist der komplette Film aber auch hauptsächlich actionorientiert umgesetzt. Der Suspense wird keine Beachtung geschenkt. Theoretisch gute Momente werden von der Kamera eher gelangweilt eingefangen, so dass eigentlich recht interessante Haiattacken wirkungslos eingesetzt werden, weil sie nicht erschrecken, sei es weil besagte Momente aus der Distanz gezeigt werden, aus einem uninteressanten Blickwinkel, oder weil die Art der Inszenierung einem zuvor signalisiert, dass es gleich so weit ist. Aufgrund dieser Orientierung in Kombination mit dem völlig überraschungsfreien Drehbuch ist "Meg" völlig spannungsfrei inszeniert, so dass man nie mit Figuren mitfiebert und nie dem Fingernägelkauen nahe kommt. Zudem ist die Geschichte völlig überfrachtet, da sie jeglichen Aspekt der Geschichte eintüten will, inklusive eines Ausflugs zum Hai-Horror-Prototyp schlechthin, Steven Spielbergs "Der weiße Hai". So dreht sich die Geschichte nach den Stationen Unterwasserrettung, Bedrohung auf der Forschungsstation und dem Ausgeliefertsein auf einem Schiff pflichtgemäß noch Richtung bedrohte Badeurlauber, und spätestens hier stört die Actionorientierung. Denn was nutzt es die zumindest herrlich satirisch eingefangenen Bilder glücklicher Badegäste zu sehen, wenn man weiß dass das Grauen was ihnen bevorsteht ohnehin zu theoretisch umgesetzt sein wird?

Regisseur Turteletaub, der mit "Cool Runnings", "Während du schliefst" und "Phenomenon" tolle Filme hervorbrachte, bevor er mit "The Kid" und "Intinkt" zu enttäuschen wusste und erst wieder mit "Das Vermächtnis der Tempelritter" etwas brauchbares ablieferte, beweist auch recht schnell dass die Vorahnung recht behält und lässt alle guten Möglichkeiten ein solches Szenario spannend zu inszenieren außen vor und wählt den massentauglichen langweiligsten Weg. Pate hierfür steht die erste Haiattacke im Touristengebiet. Man sieht das friedliche Treiben der Badegäste in einer distanzierten Gesamtaufnahme, und anstatt in diese herrliche Ruhe und Kameraposition nun den Hai platzen zu lassen, wird ein Schnitt gesetzt, damit das Urzeitvieh in Großaufnahme aus dem Wasser schellen darf. "Meg" ist voll von solchen Fehlentscheidungen, es würde den Rahmen sprengen auf jeden Bockmist den er baut aufmerksam zu machen. Auch wenn ich nicht viel erwartet habe, etwas mehr hatte ich dann doch von diesem Kinofilm erwartet. Dass "Meg" einem während des Sichtens zu egal ist, um zu gefallen, hätte ich nicht vermutet. Dass er einem aber auch zu egal ist, um ihn wahrlich schlecht zu finden, rettet ihn zumindest, immerhin ist er trotz jeder Vorhersehbarkeit actionreich genug inszeniert um nicht zu langweilen. Einen Grund reinzuschalten gibt es leider jedoch nicht.


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