Donnerstag, 24. Mai 2018

ZOMBIE BRIGADE (1988 Carmelo Musca u.a.)


Auf einem Veteranenfriedhof soll ein Vergnügungspark gebaut werden. Aus Rache erstehen die toten Soldaten wieder auf...


Zombieclowns...

"Zombie Brigade" mag nicht sekündlich Fehler bauen wie "Die Nacht der Zombies", und er mag nicht so träge und öde ausgefallen sein wie "Oase der Zombies", aber auch er ist ein unterirdisches Produkt der damaligen Zombie-Welle, am ehesten vergleichbar mit dem "Sumpf der lebenden Toten", denn hier wie dort fragt man sich, ob trotz vorhandener Trümpfe in der Handlung irgendwer für so etwas wie ein Drehbuch zuständig war. Gelistet sind hierfür im hier besprochenen Werk die beiden Regisseure Carmelo Musca und Barrie Pattison, aber so stümperhaft wie der simple Plot von "Brigade des Schreckens" (Alternativtitel) erzählt ist und so schnell wie sich hier Widersprüche und anderweitige Logiklücken auftun, kann man wohl eher von einem Improvisationsfilm ausgehen, anstatt von einem Film nach Drehbuchvorlage.

Ein solches Vorgehen ginge in Ordnung, wenn das Ergebnis stimmen würde. Die Werke Helge Schneiders, oder auch jedes 10. Produkt geschätzt von Jess Franco wissen mit dieser Methode brauchbare Ergebnisse zu ernten, "Night Crawl" (Alternativtitel) ist jedoch derart desaströs ausgefallen, dass es kaum mehr was schön zu reden gibt. Was ist eigentlich so schwer daran das Auferstehen von Soldatenzombies des nachts unheimlich, oder zumindest atmosphärisch stimmig inszeniert zu bekommen? Die beiden Regisseure schaffen es nicht nur nicht ein solches Ziel zu erreichen, sie lassen ihre Untoten geradezu trottelig dem Massengrab entsteigen, so als schaue man der Zombieversion der "Three Stooges" zu. 

Unbeabsichtigt komisch ist das idiotische Treiben in "Zombie Brigade" nur selten, nur entscheidet man sich stets öde Szenen ernst zu gestalten, und wenn der eigentliche Gruselpart beginnen soll wird plötzlich auf die Humorschiene gedrückt. Das könnte systematisch funktionieren, so wie Laurel und Hardy mit "Hände hoch - oder nicht" eine Oper torpedierten, quasi als albern fungierende Fremdkörper in einem kulturell angelegten Werk, aber im hier besprochenen Zombiefilm scheint man mit dieser Komik eher zu versuchen das mehr als alberne Aussehen der Untoten zu kaschieren, und das will zum einen nicht funktionieren und ist zum anderen nicht vereinbar mit anderen Elementen, die den Regisseuren wichtig sind.

Wenn sich inmitten aller Verrisse im Netz lobende Worte für "Zombie Brigade" finden, dann bezüglich der humanen Botschaft eines überraschenden Umschwungs im Finale. Aber freilich ist auch dieses völlig dilettantisch erzählt und macht nur in der Theorie erkennbar, was das fast wortlos aufgezeigte Treiben eigentlich soll. Und da wir uns am Ende eines unglaublich schlecht erzählten Filmes befinden, interessieren sich die meisten Zuschauer für den plötzlichen Schlag Anspruch ohnehin nicht mehr. In wie weit dieser eigentlich lobenswerte Ansatz vereinbar sein soll mit den unangenehm klamaukigen Untotenszenen, will sich mir jedoch ohnehin nicht zu erkennen geben. Vielleicht bin ich aber auch nur ein zu starrer Zuschauer und nicht flexibel genug gemeinsam mit dem Filmstil umzuschwenken. 

"Zombie Brigade" ist ohnehin in einer Zeit entstanden, in welcher der Zombiefilm durch Werke wie "The Return of the Living Dead 2" und "C.H.U.D. 2" humoristisch umgesetzt wurden, allerdings waren besagte Beispiele glasklare Horror-Komödien, die extrem albern angelegt waren. "Zombie Brigade" hingegen lässt leichte Klamaukstöße auf einen durch Spannung und Dramaturgie ernst gemeinten Film los, und das funktioniert einfach nicht, zumal die anderen Schwerpunkte aufgrund dröger Mimen und einer uninspirierten Inszenierung ebenfalls nicht zu funktionieren wissen.


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OFDb

Mittwoch, 23. Mai 2018

VERGESSENE WELT - JURASSIC PARK 2 (The Lost World - Jurassic Park 1997 Steven Spielberg)


Ein Forscherteam soll vier Jahre nach den Geschehnissen im Jurassic Park auf einer Nachbarinsel, die einst der Zucht der Dinosaurier diente, das Leben der dort frei lebenden Urzeittiere dokumentieren. Chaostheoretiker Dr. Malcolm reist mit um die bereits vor Ort tätigen Wissenschaftler, allen voran seine Freundin Dr. Harding, von der Irrsinnsidee abzubringen. Vor Ort brechen plötzlich Mitarbeiter der neuen Leitung von InGen in die bisher unberührte Natur ein und machen Jagd auf die Tiere, um sie mit in die USA zu nehmen. Es dauert nicht lange und Jäger, Kapitalisten und Idealisten rennen vereint um ihr Leben...


Als der T-Rex noch kein Aasfresser war...

Der von Michael Crichton geschriebene "Jurassic Park" mag seine eigene Idee aus "Westworld" in groben Zügen wiederholen, wurde aufgrund völlig anderer Schwerpunkte jedoch ein sich anders anfühlendes Produkt und ein Riesenerfolg noch dazu. Freilich war der Hauptgrund dafür das Einbringen von bisher nicht möglichen Computeranimationen, welche die Fortschritte eines nur wenige Jahre zuvor erschienenen "Terminator 2" um Längen in den Schatten stellte und zum Vorreiter heutiger Trickeffekte in Großproduktionen wurde. Anstatt Puppen verwendete man rein am Computer entstandene Kreaturen, das Kino stand vor einer großen Wende. Dass das Funktionieren des ersten Teils von Spielbergs mittlerweile auf fünf Filme herangewachsenen Dino-Reihe nicht einzig auf die Spezialeffekte zurückzuführen ist, beweist dessen Fortsetzung "Vergessene Welt - Jurassic Park", der in Sachen glaubwürdige Animation den Vorgänger verständlicher Weise noch einmal überholt, am grandiosen Ergebnis des Erstlings jedoch nicht anknüpfen kann.

Dabei ist es zunächst lobenswert zu erwähnen, dass Teil 2 nicht einfach die Geschichte des ersten Teils kopiert, sondern eine eigene Handlung verfolgt, das kompromisslose Abenteuerfeeling und die gruselnahe Stimmung von Spielbergs erstem Dinofilm will in der Fortsetzung jedoch einfach nicht mehr aufkommen. Grund dafür ist u.a. der düsterere Stil, der die Verspieltheit des Originals kaum mehr aufzugreifen weiß. Diese findet sich eher noch im Verhalten der Wissenschaftler wieder, die Malcolms Worte nicht ernst nehmen wollen, immerhin Worte eines Mannes, der das Fatale hinter der Dinozüchtung am eigenen Leib erleben musste, was die Kollegen nicht davon abhält trotzdem wie Kinder im Süßigkeitenladen verspielt zu forschen. Für Kritik am Forschertum steht dies erstaunlicher Weise jedoch maximal im Ansatz, die Gesellschaftskritik im Fokus orientiert sich eher erneut am Kapitalismus und an der massentauglichen, und damit fast schon ermüdenden, Frage wer das wahre gnadenlose Raubtier ist, der fleischfressende Saurier oder der moderne Mensch.

Zwar ist Steven Spielberg, der erneut auf dem Regiestuhl Platz nahm, noch immer ein unterhaltsames, wenn auch etwas zu lang geratenes, Stück Popkornkino gelungen, aber die Schwächen, die den Film auf dieses simplere Niveau herunterdrücken hätten recht schlicht behoben werden können. So nerven zu Beginn die Klischee-überladenen Dialoge zwischen Vater und Tochter, in welchen, typisch US-Blockbuster, Kinder sich wie Erwachsene verhalten. Warum aus dem herrlich sarkastischen Dr. Malcolm ein Sprücheklopfer werden musste, weiß ich nicht. Zwar wissen viele seiner zynischen Kommentare zu wirken, diese hätte man aber auch bei gleichbleibender Charakterzeichnung des Originals erzielen können, schade. Jeff Goldblum macht als stets wirksamer Mime freilich trotzdem das Beste daraus, und das weiß "Jurassic Park 2" ein gutes Stück zu retten.

Zwar gelingt es Spielberg immer wieder dem abenteuerlichen Treiben nervenkitzelnde Momente zu bescheren, so z.B. in der legendären Szene an der Schlucht, ein durchgehender Spannungsbogen wie in Teil 1 will jedoch nicht eintreten, einfach weil man zu viel Distanz zu den Charakteren aufbaut, die im Vorgänger griffiger wirkten, sich echter anfühlten und Sympathie zu erzeugen wussten. Zwar sind die Figuren hier keine hohlen Hüllen wie in vielen anderen Großproduktionen, aber sie sind einfach zu sehr auf Stereotype getrimmt, um den Zuschauer für den menschlichen Faktor zu interessieren. Auf Routineebene weiß die Geschichte trotzdem wie erwähnt zu funktionieren, bedenkt man aber den Produktionsaufwand und die Möglichkeiten, bleibt man trotz passablem Ergebnisses etwas ernüchtert zurück.

Dass das letzte Kapitel mit dem T-Rex in New York eher angehangen wirkt, anstatt sich wie ein wirklicher Teil der vorherigen Geschichte auf der Insel anzufühlen, mag ein berechtigter Kritikpunkt sein, zumal die Laufzeit mit dem Ende auf der Insel ideal für den Schluss des Filmes gewesen wäre, letztendlich ist diese arg geistlos ausgefallene Kreisch- und Zerstörungsorgie trotz allem jedoch der Hingucker von "The Lost World" (Alternativtitel). Dass das Regisseur-Kind im Manne Spielberg dieser Versuchung im zweiten Streich nicht widerstehen konnte, kann man ihm nicht verübeln, zumal sich der gute Mann damit vor Werken wie "Panik in New York" verbeugt, die zusammen mit "Godzilla" in der 50er Jahre-Monsterwelle ihre Dinos grundsätzlich auf die menschliche Zivilisation losließen (der Restfilm verbeugt sich hingegen vor dem 20er Jahre-Klassiker "Die verlorene Welt" von Harry O. Hoyt). Dennoch halte ich es für eine gute Idee, dass sich die Fortsetzungen ab Teil 3 nicht mehr von ihren Inselabenteuern abwendeten. Ein Dinoausflug in die Großstadt reicht vollkommen aus.


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Montag, 21. Mai 2018

A GHOST STORY (2017 David Lowery)


Ein Mann stirbt und ersteht als Gespenst wieder auf. Er beobachtet daheim seine Frau. Und als diese umzieht, bleibt das Gespenst vor Ort auf sie wartend und ein Geheimnis lüftend, welches sie vor ihrer Abreise in den Wänden hinterlassen hat...


Alles ist vergänglich...

Seit John Carpenter in seinem "Halloween - Die Nacht des Grauens" in einer Szene so beispielhaft bewies, wie gruselig ein klassisches Bettlakengespenst aus der Kinderliteratur wirken kann, hoffe ich auf einen Horrorregisseur, der den Mut besitzt ein derartiges Wesen auf Spielfilmlänge in einem Gruselfilm auf die Menschheit loszulassen. Noch immer ist es nicht so weit, aber zumindest hat Autor und Regisseur David Lowery erkannt, dass man ein solches Wesen sehr wohl für einen ernsten, erwachsenen Stoff verwenden kann, in dem speziellen Fall von "A Ghost Story" für ein Fantasy-Drama. Elemente aus "Ghost - Nachricht von Sam" und "Always" lassen zunächst vermuten eine schon oft erzählte Geschichte experimentell variiert mit dem Bettlakenbonus präsentiert zu bekommen, aber ein solcher Vergleich hinkt bereits in den anfangs noch vorhandenen Parallelen, setzt Lowery doch auf einen Minimalismus in seiner Inszenierung. Das Gespenst beobachtet lediglich, und wir tun dies auch.

In "A Ghost Story" geht es um Vergänglichkeit und Erinnerungen. Das Gespenst kann nicht loslassen, ist an dem Ort gebunden, an dem es sich befindet (wieso nicht an der vermissten Person wird erst spät angedeutet), und nachdem es etwa die Filmhälfte dem Treiben seiner Verbliebenen beobachtet, muss es nach ihrem Auszug mit den neuen Begebenheiten leben, wird aus Frust gar kurzfristig zum Spukgeist, der die neuen Besitzer vertreibt, muss aber noch weit heftigere kommende Veränderungen verkraften, welche die Zeit mit sich bringt. Wie schnell diese tatsächlich verläuft lässt sich schwer feststellen. In dem fast komplett ohne Dialoge auskommendem Streifen wird dem Zuschauer aufgrund der hypnotischen Wirkung, die jede stille Aufnahme emotional mit sich bringt, jegliches Zeitgefühl genommen. Da die Identifikationsfigur das schweigende Gespenst ist und der Zustand des Zuschauers auch dessen Wahrnehmung ist, ist dies ein gekonnter Erzählkniff. Aufgrund seines Schweigens kann man viele seiner Taten und Gedanken nur erahnen, ebenso wie die Frage an was es sich erinnert und in wie weit sein Verhalten ab einem ungewissen Punkt lediglich nur noch Instinkt ist. Ein Hinweis gibt ein weiblicher Geist von gegenüber, der im schweigenden Dialog mit der Hauptfigur zu erkennen gibt, nicht zu wissen auf wen sie wartet.

"A Ghost Story" umweht keine nervige Esoterik, ziemlich sachlich lässt Lowery höchst emotional die Zeit vergehen, zeigt auf was vor Ort in all den vielen Jahren geschieht und erlaubt sich lediglich zu Anfang, mit dem Verweigern ins ewige Licht zu tauchen, und dann erst wieder mit der Theorie einer Zeitschleife gegen Ende zum esoterischen Bereich zu wechseln. Letztgenannter Punkt hilft der Geschichte auf interessante Weise ein Ende zu finden und anderweitige Erzählkniffe nutzen zu können und ist somit liebend gerne verziehen. Zwar ist mir ein entscheidender Widerspruch in dieser Schlussphase aufgefallen, aber auch der ist bei so viel philosophischer Tiefe und derart hilfreicher Empathiebewältigung verziehen, habe ich doch selten eine solch konsequente Umsetzung einer gewagten Idee gesehen, wie hier brillant in Szene gesetzt wurde. Das Gespenst nimmt man ernst, seine Mimik verleitet zum Mittrauern, aber auch in den richtigen Momenten zur Ernüchterung. Wenn Lowery das Schweigen mittels eines Monologs auf einer Party bricht, geschieht dies auf wundervolle Art, die aus menschlicher Sicht, intellektuell aber nicht verkopft, über die Ewigkeit sinniert und darüber was auf Dauer von Wert ist, was nicht und ob auch Nichtigkeiten Wert besitzen. Das Gespenst hört aufmerksam zu, ob es tatsächlich begreift, erfahren wir nicht.

Man muss stille, sensible Stoffe mögen und freilich den gewagten Schritt alles aus der Perspektive eines Bettlakengespenstes erzählt zu bekommen, um mit dieser kleinen Genreperle etwas anfangen zu können. Der magische Mix aus greifbaren Emotionen, einer konsequenten Sachlichkeit der Dinge und einem filmeigenen Regelwerk, welches sich nie zu widersprechen scheint, liefert uns ein Filmerlebnis ab, das man nach Ende des Streifens gleich wieder erleben möchte. Man fühlt sich vom Film verstanden, man wankt zwischen lebensbejahendem Gefühl und Traurigkeit, man nimmt den enorm entstehenden Sog des schlicht Abgefilmten regelrecht in sich auf. Zwar baut die Stimmung des Streifens nach der Großstadtsequenz ein wenig ab, u.a. weil das Voranschreiten der Zeit ab hier etwas zu viel Tempo in Anspruch nimmt, aber spätestens wenn der Anschluss zum Beginn der Geschichte gefunden ist, ist "A Ghost Story" wieder auf seinem üblichen Hoch. Allein wie er auf völlig eigene Art jene "The Sixth Sense"-Theorie verfolgt, der Geist eines Toten würde nur Teile seiner Umgebung wahrnehmen, ist Gold wert, wenn Gespenst auf Gespenst stößt. Dass uns Lowery jenes Geheimnis vorenthält, was man als Zuschauer definitiv unbedingt gelüftet haben möchte, ist ein gekonnter Schachzug das Publikum auch nach dem Gesehenen mit dem Stoff zu beschäftigen. Ohnehin ist "A Ghost Story" solch ein intensives Filmerlebnis, dass es noch lange nachzuwirken weiß.


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THE TALL MAN (2012 Pascal Laugier)


In dem kleinen Ort Cold Creek, in dem es nach der Schließung der Miene aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit für alle bergab ging, verschwinden seit einigen Jahren Kinder spurlos. Die Bewohner reden von dem unheimlichen großen Mann, der die Kinder entführt. Als der stets hilfsbereiten Krankenschwester Julia ihr Sohn David genommen wird, schafft sie es noch während dessen Entführung dem Täter, einer verhüllten Gestalt, zu folgen...


Ein Tall Man ohne fliegende Silberkugeln...

Horrormeister Dario Argento lieferte den enttäuschenden "Trauma" ab, Jean-Pierre Jeunet drehte den unter seinem üblichen Niveau abgefertigten "Alien 4", Oliver Hirschbiegel lieferte mit "Invasion" lediglich netten Durchschnitt ab. So erging es immer wieder Regisseuren aus der Ferne, die nach Erfolgen innerhalb ihres Landes ihr Glück in Amerika versuchten, eingekauft als Hoffnungsträger aufgrund individueller Arbeiten daheim und gescheitert an den Produktionsmühlen der USA, die stets Mitspracherecht forderten, bis aus einer guten Idee ein massentaugliches Produkt für jedermann und niemanden wurde. Pascal Laugier gelang in Horrorfilm-Kreisen ein kleiner Erfolg mit seinem provozierenden Schocker "Martyrs". Vier Jahre später sollte sein nächster Film in den Vereinigten Staaten umgesetzt werden. Im Gegensatz zu den eben aufgezählten Vergleichspersonen tat ihm der Wechsel jedoch gut. Es ist nicht so, dass sein amerikanischer Film "The Tall Man" nicht auch unter manchen Kompromissen leiden müsste, welche die Geschichte handzahmer wirken lassen, aber wenn man bedenkt, dass es Laugier in seinem Erfolgsfilm lediglich darum ging zu provozieren, tut ein Hinwenden zum Mainstream einem Geschichtenerzähler sichtlich gut, bekommt so sein Talent interessante Stoffe atmosphärisch einzufangen doch die Chance etwas sehenswertes hervorzubringen.

Laugier ist erneut Autor und Regisseur zugleich, und das mag aufgrund der sehr unterschiedlichen Schwerpunkte beider Filme überraschen, wirkt der gute Mann doch wie ausgetauscht. Zwar weiß man in Ami-Produktionen nie in wie weit von Produzentenseite aus mit ins Drehbuch reingeredet wurde, aber auch unter deren Einfluss muss man die Vielseitigkeit des französischen Regisseurs doch als beeindruckend bezeichnen, wenn von meiner Seite aus auch erst aufgrund zwei verglichener Filme bemerkt. Anfangs fühlt sich der Streifen wie ein Stephen King-Film an, spätestens an "Es" erinnernd, in dem es ebenfalls um das rätselhafte Verschwinden vieler Kinder in einer Kleinstadt ging. Schnell löst sich dieser Vergleich jedoch auf, wenn die Geschichte sich mit jeder Wendung doch vom Vergleichsstoff entfernt und dabei immer rätselhafter wird, was scheinbar ein Fetisch von Laugier ist, funktionierte auf diesem Weg doch auch das Fortschreiten von "Martyrs". Während dieser jedoch von Wendung zu Wendung unsinniger wurde, tut das Aufdecken der Geheimnisse um den "Tall Man" dem Folgefilm sichtlich gut, zumal dessen Geschichte ohne all zu verkrampft daher zu kommen stets Gut gegen Böse austauscht und erst zum Ende hin die tatsächliche Tendenz von beidem durchscheinen lässt.

Und darin sich diesbezüglich nicht festlegen zu wollen liegt der Kniff des Gezeigten. In einer selbstgerechten Gesellschaft ewig über alles klagender Menschen, in einer Gesellschaft in der klar abgetrennt scheint was gut und böse ist und was Menschen gut tut oder nicht, da kann man über Gut und Böse, sofern man die Welt überhaupt so banal trennt, streiten. Während der Horrorpart von Schritt zu Schritt Richtung Wahrheit immer weiter schwindet, macht sich auf Seiten der Rechtschaffenheit der Geschichte ein immer größerer Zweifel beim Zuschauer breit. Laugnier signalisiert das Verstehen dessen mit den letzten Worten aus dem Off, lässt diesen Aspekt ansonsten jedoch nur subtil und ganz selten mit einfließen. Am Ende darf man darüber, ob "The Tall Man" von einem Happy End erzählt oder nicht, diskutieren, und da wird es verschiedenste Meinungen zu geben, und diese Wirkung lässt manch kleine Ungereimtheit verzeihen, bzw. jene kleinen Löcher in den Erklärungen, die weitreichende Fragen aufwerfen, gerade mit unseren technologiefortschrittlichen Errungenschaften im Hinterkopf.

Irgendwo zwischen Horror, Märchen und Drama schwankend, entsteht so eine interessante Geschichte, die düster und rätselhaft anfängt, bislang Geglaubtes gekonnt immer wieder umzuschmeißen weiß, um uns am Ende ein fragwürdiges Licht zu präsentieren, das sich wohl und gerecht anfühlt, aber einen fiesen, bitteren Beigeschmack bereit hält. Letztendlich lässt sich "The Tall Man" kaum in ein Genre einteilen und lebt zu einem großen Teil von seiner Auflösung. Dank guter Mimen, schönen Kameraaufnahmen und Laugiers bereits bekanntem Talent eine relativ spannungsfreie Geschichte aufgrund einer atmosphärisch dichten Umsetzung dennoch packend gestaltet zu bekommen, wird aus der rätselhaften Ausgangslage bis zum Schluss ein gut erzählter Film, der insgesamt sicherlich ein wenig zu blauäugig ausgefallen ist, aber auch mit diesem Manko versehen auf seine komplette Laufzeit zu gefallen weiß. Ob das gute Ergebnis nun Laugier oder amerikanischen Produzenten zu verdanken ist, wird die Zeit zeigen. Der aktuell im Kino laufende "Ghostland" ist wieder eine französische Produktion, und dürfte ebenso wie ein Blick auf "Saint Ange - Haus der Stimmen", der vor "Martyrs" entstand, eine Antwort auf diese Frage geben.


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MARTYRS (2008 Pascal Laugier)


Als Kind konnte sie sich einst aus der Gefangenschaft ihrer Folterer befreien, seit dem leidet das Heimkind Lucie unter schweren psychischen Störungen und findet einzig in der gleichaltrigen Anna eine Freundin. Als junge Erwachsene glaubt Lucie ihre Peiniger von einst aufgestöbert zu haben und bringt eine komplette Familie um. Anna, die ihr beim Aufräumen ihrer Bluttaten behilflich ist, bezweifelt aufgrund Lucies Geisteszustandes, dass es die Richtigen getroffen hat. Und plötzlich macht sie eine furchtbare Entdeckung...


Selbst hergestellt...

Als in Frankreich in den 00er Jahren mit "High Tension", "Frontier(s)" und "Inside" einst die harte Terrorhorror-Welle begann, ließ "Martyrs" als Weiterverfolgung dieser Idee nicht lange auf sich warten und wusste mit seinen harten, verstörenden Bildern erfolgreich Anschluss an besagte Publikumslieblinge zu finden. Die Geschichte um die ehemaligen Heimkinder Lucie und Anna ist in wahrlich extrem blutige Bilder getaucht, so dass es nicht verwundern muss, dass in Deutschland erst der Griff zur SPIO/JK-Fassung zum ungeschnittenen Ergebnis führt und nicht das FSK 18-Siegel. Pascal Laugier, der uns kürzlich "Ghostland" bescherte, spart nicht mit rotem Lebenssaft innerhalb einer provokativen Geschichte, die einiges vom Zuschauer abfordert. Ob es ein plötzliches Massaker nach einer friedfertigen Szene ist, oder der alte Identifikationsfiguren-Trick von Hitchcock aus "Psycho", der gute Mann, der nicht nur Regie führte, sondern auch für das Drehbuch verantwortlich war, zieht sämtliche Tricks aus dem Ärmel, um den Zuschauer herauszufordern, zu überraschen und ihm neue Blickwinkel auf die bisherigen Geschehnisse zu offenbaren.

Aufgrund guter, alles gebender Schauspieler, wunderbarer ekliger Bilder und Laugiers Gespür für Atmosphäre weiß das abartige Treiben vom Unterhaltungswert her auch tatsächlich zu funktionieren. Wahrhaft überzeugend wäre "Martyrs" jedoch erst ausgefallen, wenn er nicht rein der Provokation wegen seine wendungsreiche Geschichte vorwärts treiben würde, sondern auch psychologisch stimmig und glaubwürdig ausgefallen wäre und zudem mehr Nähe zum Innenleben seiner Hauptfigur gefunden hätte, damit wir das Drama das sie durchlebt auch emotional mitempfinden können. Die erste große Wende des Streifens empfinde ich noch als wirklich geglückt, weckt sie doch den Abenteuergehalt der Geschichte, wirft die Entdeckung Annas doch ein Rätsel auf, bei dem allein die dadurch im Raum stehende Frage ein Unwohlsein entstehen lässt, welches dem Zuschauer ein flaues Gefühl im Magen beschert. Leider beantwortet ein näheres Überprüfen dieser Entdeckung manche offene Frage zu schnell, aber das Einbringen einer neuen Figur beschert uns inmitten harter Momente, in denen sich die Verantwortlichen der Spezialeffekte freudig austoben durften, zumindest eine zu Herzen gehende Dramaturgie, die man im Restfilm nach Verschwinden besagter neuer Figur vergeblich suchen wird.

Von dem Zeitpunkt an, wo aus einer Entdeckerin ein Opfer wird, baut "Martyrs" schrittchenweise immer weiter ab aufgrund abstruser Wendungen, deren Erklärungen nicht zu überzeugen wissen - ja mehr sogar, aufgrund ihrer Naivität gar lächerlich anmuten, insbesondere die Schlusspointe, die mehr reißerisch als intelligent ausgefallen ist, aber lieber letzteres wäre. Aber dies ist ein Problem unter welchem das lange letzte Drittel der Geschichte ohnehin zu leiden hat. Laugier glaubt, und das merkt man anhand der Art wie die Geschichte ab hier ihre Überraschungen einstreut, eine recht tiefsinnige, philosophische Story zu präsentieren, tatsächlich liefert er nur pseudo-clevere Überraschungen ab, die ähnlich reißerisch ausgefallen sind wie die Brutalitäten des Streifens, im Gegensatz zu diesen jedoch nicht ihren Zweck erfüllen. Mit jeder neuen Erkenntnis wird zu schnell zuvor Rätselhaftes beantwortet, während neu aufgeworfene Fragen weit weniger interessieren, je mehr unsinnige Antworten wir geliefert bekommen. Das Geschehene ist für das anvisierte Ziel als zu umständlicher Weg gewählt, findet für die Antwortsuchenden innerhalb der Geschichte eigentlich auch zu spät statt und steht in der Umsetzung, der wir final beiwohnen dürfen, in manchem Widerspruch zu bisher gesichteten Ereignissen.

Nun könnte ich bei solch nervenzerrender Stimmung, die Laugier definitiv zu entfachen weiß, über eine unsinnige Geschichte gütigst hinwegsehen, ein Horrorfilm muss nun einmal nicht zwingend logisch sein um zu funktionieren. Aber leider vernachlässigt Laugier in seinem Drang nach Provokation außerdem das Studieren des Leidens Annas. Wir wohnen regelrecht voyeuristisch Gewalttaten bei, auf welche die Kamera minutenlang gnadenlos drauf hält, hart eingefangen aufgrund der nüchternen Art der Umsetzung (an sich ein guter Aspekt) und verstörend aufgrund der anonymen Art und der trotz gegebener Andeutungen noch immer unklaren Beweggründe (geht auch in Ordnung), aber ohne die Dramaturgie dieser Momente aufzugreifen. Was Anna widerfährt ist eine Tortur höchsten Ausmaßes, und anstatt ähnlich wie in Cronenbergs "Die Fliege" das körperliche Leiden und die hervorragenden Spezialeffekte zum mitfühlenden Drama werden zu lassen, ruht Laugier sich auf den Brutalitäten aus und vernachlässigt somit, wie an einigen anderen Stellen des Streifens aus selbigen Gründen ebenfalls, den möglichen Tiefgang seiner Terrorgeschichte. Was bleibt sind oberflächliche Gewaltbilder, beeindruckend echt in Szene gesetzt, so dass man ein harter Brocken sein muss, um nicht verstört auf das Gezeigte zu reagieren, aber zu oberflächlich abgearbeitet und wie erwähnt aufgrund der gelieferten, naiven Erklärungen leider lächerlich anstatt tiefsinnig ausgefallen.

Laugier würde mit den Geheimnissen, die "Martyrs" zu Tage fördert, gerne zum nachdenken anregen. Der Zuschauer soll sich über den Schluss hinaus noch mit den gemachten Entdeckungen auseinandersetzen, über das Unbeantwortete nachgrübeln und darüber zu welch abscheuliche Taten Angst die Menschen verleitet. Aber hierfür ist jeglicher Hintergrund zu dümmlich und aufgeblasen ausgefallen. Reißerische Beweggründe stehen als Antrieb hinter den Ereignissen, ein wackelndes Gerüst einer Organisation kreierend, die in dieser Form unglaubwürdig ausgefallen anstatt faszinierend geartet ist, zu viele Fragen aufwirft um sie so ernst nehmen zu können wie jene aus den "Hostel"-Filmen und zu wenig durchdacht ist, um die mit ihr aufkommenden Provokationen ernst zu nehmen. Gerade wenn man versucht sich in die Drahtzieher der Hintergründe hineinzuversetzen (was aufgrund der dafür zu ignorierenden Naivitäten für einen denkenden Menschen bereits unglaublich schwer ist), mach die Schluss-Pointe so gar keinen Sinn mehr und entlarvt den Streifen endgültig als reißerisch anstatt als durchdacht.

An sich ist das sehr schade, denn von der Erzählung und den Bildern her ist das alles recht ordentlich umgesetzt. Mag auch nur selten ein echter packender Spannungsbogen entstehen, verstörend ist das Treiben in "Martyrs" definitiv ausgefallen, auch in der dümmlichen Phase, da braucht man den Streifen nicht schlecht reden. Hätte Laugier dies inmitten einer durchdachten Geschichte und einer mitfühlenden Inszenierung abgeliefert, anstatt ewig nur provozieren zu wollen, wäre großes Kino entstanden. So aber ist es dies nur für Denkverweigerer und jener Gattung Zuschauer, die sich einzig an Gewalttaten aufgeilt ohne psychologische Stimmigkeit zum stützen dieser zu benötigen. Im Gegensatz zu vielen anderen harten Provowerken weiß Martyrs" aber immerhin in seinen Quantitäten derart gut zu punkten, dass er mit seinem schlichterem Ergebnis trotzdem noch zu funktionieren weiß. 

Trotz aller Defizite hat mir der gnadenlose Film definitiv gefallen, eben auch weil Laugier zumindest inszenatorisch mit Wendungen zu schocken weiß, wenn schon kaum inhaltlich. Auch der Aspekt des Perspektivwechsels zum Schluss weiß trotz missglücktem Tiefgangs zu punkten. Und eins ist klar, egal ob man "Martyrs" zum Himmel hochlobt, ihn lediglich als sympathischen Streifen annimmt, so wie ich es tue, oder ob man das Gezeigte verabscheut: so oder so wirkt das Gesehene noch lange nach. Dies nicht aufgrund der aufgeworfenen Fragen, so wie Laugier das gerne hätte, sondern einfach aufgrund der schockierenden Bilder, die uns gnadenlos vorgesetzt wurden. Die muss man erst einmal verarbeiten, auch als Dauergast in diesem Genre.


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Montag, 14. Mai 2018

DEADLY CHUCKY DOLLS (Dangerous Worry Dolls 2008 Charles Band)


Eva muss für sechs Monate in den Frauenknast. Hier wird sie unterdrückt von Mitgefangenen, Wärtern und der Direktorin. Als sie an einem Besuchstag von ihrer Tochter eine Schachtel voll mit kleinen Wunschpuppen geschenkt bekommt, offenbart sie diesen nachts ihre Probleme. Die Puppen dringen in ihren Kopf ein, und fremdkontrolliert von diesen krempelt die besessene Eva von diesem Tag an die Zustände im Gefängnis um...


Die Maus und das Heroin...
 
Was uns unter dem unglaublichen dämlichen "deutschen" Titel "Deadly Chucky Dolls" präsentiert wird, ist eine kranke Scheiße, die so auch nur wieder von Charles Band stammen kann, dem Billigfilmer und Billigproduzent von Horror- und Science Fictionfilmen seit vier Jahrzehnten. Mit krank ist nicht die Dimension einer extrem hochkochenden Gewaltschraube gemeint, oder das Verwenden besonders abartiger Ideen nahe der Würggrenze. Was typische Provokationen des Genres betrifft, so kommt der Streifen doch relativ harmlos daher, sieht man doch nur das Gebäude von außen, wenn die Direktorin durch Stromschläge dahinbrutzelt, und ihr lebloser Körper danach sieht wesentlich harmloser aus als jener Freddy Kruegers. Und auch in der blutigsten Szene, in welcher eine Hand durch einen Küchenhäcksler gejagt wird, gibt es lediglich Blutspritzer zu sehen, obwohl die Kamera bei besagter Prozedur knallhart drauf hält. Die zerstückelte Hand ist noch der ekligste Anblick in einem Genrebeitrag, der nicht viel mehr als die gerade aufgezählten Bluttaten zu bieten hat.

Ein Meer an Gore erwartet der Horrorfreund bei einem Charles Band-Film ohnehin nicht, so kostengünstig wie diese umgesetzt sind, was Band wieder einmal durch das Verwenden weniger Spielorte, weniger Schauspieler und einer Laufzeit von unter 70 Minuten beweist, auf über 70 getrimmt durch einen Abspann, der erst bei achtfacher Geschwindigkeit jenes Tempo besitzt, was ein typischer Abspann in anderen Filmen beschert bekommt - ein alter Trick des Billigfilmers.

Wer nun beim Namen Band aufgrund des deutschen Titels, oder des Originaltitels namens "Dangerous Worry Dolls" auf einen weiteren Puppenhorror a la "Demonic Toys", "Puppet Master", "Dolls" oder "Blood Dolls" hofft, der wurde wieder einmal vom Master of Zuschauer(ent)täuschung verarscht. Präsentiert werden uns zu Beginn der Handlung eine handvoll winziger 3cm-Püppchen, die kurz nach ihrer Erweckung durch das Ohr der Protagonistin in ihr Hirn steigen und diese den Rest des Filmes von nun an steuern. Zu sehen sind zwei von ihnen gelegentlich über eine Art übergroßen Mückenstich auf der Stirn der Hauptfigur, mehr Puppenszenen gibt es nicht zu sichten.

Warum die Puppen aufgrund des Hilferufs der einst zartbesaiteten Gangbitch tun was sie tun, erfahren wir nie, obwohl das alles so gar keinen Sinn ergeben will - womit wir beim kranken Scheiß wären, den ich eingangs erwähnte. Band inszeniert das grotesk plumpe Treiben als Selbstverständlichkeit, taucht damit zwar nicht in solche bizarre Welten ein wie mit "In Vitro" und manch anderer seiner Trash-Perlen, stößt insgesamt aber trotzdem noch mit einer völlig der Realität entzogenen Welt im Frauenknast vor den Kopf und kreiert damit eine plumpe, wie herrlich bescheuerte Hölle auf Erden, dass es Stammgästen seiner Filme wie mir Spaß macht dem wilden und gleichzeitig eigentlich recht drögen Treiben zuzusehen.

Man muss einen Zugang zu Charles Bands billig hingerotzten Groteskstreifen besitzen, um mit dem dünnen Plot und dem mickrigen Budget dieser hier aufgezeigten surrealen Welt etwas anfangen zu können. In dieser Welt steigen nicht nur Wunschpuppen ohne jedwede Erklärung in Hirne, in ihr dominiert zudem eine gewaltgeile Direktorin das Gefängnis, bestraft gerne nach Opas Stromstoßmethode, während sie im Keller von einem Sadistenaufseher Vergewaltigungspornos mit Insassen drehen lässt, um diese im Internet zu verhökern. Wenn es um Überraschungen oder dem Wunsch nach Aufklärung geht, interessiert sich Band weit mehr für die Frage warum besagter Aufseher mit Gummidildo anstatt mit seinem eigenen Schwanz fickt, anstatt nach den grundlegenderen Fragen der wundersamen Geschehnisse im Film. 

Sogar das Finalereignis Eves wird nicht sehr deutlich umgesetzt und überzeugt derart wenig, dass man zunächst nicht weiß ob sie geheilt ist oder diesen Zustand nur vortäuscht. Aufgrund der Anschlussszene ohne sie kann man das nur erahnen, eine wirkliche Antwort gibt es nicht, zumal auch ihre mögliche Heilung viele Fragen offen lässt. Mir persönlich ist das Wurscht, hat Band doch so ziemlich das abgeliefert, was ich mir von einem Bandfilm wünsche. Wer stattdessen dumm aus der Wäsche guckt, gehört halt nicht zum Zielpublikum, hat auch mein vollstes Verständnis mit diesem Schrott nichts anfangen zu können, aber eine Band-Produktion trumpft eben aufgrund seiner eigenen Handschrift, und mag sie auch noch so kostengünstig dreist daher kommen.


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Sonntag, 13. Mai 2018

POLICE ACADEMY 2 - JETZT GEHT'S ERST RICHTIG LOS (Police Academy 2 - Their First Assignment 1985 Jerry Paris)


Die trotteligen Kadetten von der Polizeiakademie sind nun vollständig ausgebildet und gehen an die Arbeit. In der Abteilung des Bruders von Lassard sollen sie einen heruntergekommenen Stadtteil wieder aufpeppen, indem sie eine dort wütende Rockerbande dingfest machen sollen. Gegen dieses Ergebnis arbeitet Captain Mauser, der bei einem Misserfolg die Nachfolge von Lassard antreten würde...


Ben Hur nur in der Deutschfassung...

Zur Entstehungszeit der Fortsetzung von "Police Academy" konnte man noch nicht ahnen wie langlaufend die Filmreihe mit immerhin sieben Teilen, einer TV-Serie und einer Zeichentrickserie werden würde. Dementsprechend macht es zu ihrem Zeitpunkt Sinn den nächsten Schritt zu wagen und die Kadetten als nun fertig ausgebildete Polizisten den Polizeidienst antreten zu lassen. Dementsprechend gibt es ein Wiedersehen mit vielen beliebten Figuren des Vorgängers, wenn auch einige aufgrund ihres monotonen Gag-Gehaltes nicht gerade geeignet für eine Fortsetzung sind, so allen voran Marion Ramsey, deren stille, fiepsige Art bereits in Teil 1 fertig abgearbeitet wurde und nun ihren ersten von noch vielen kommenden Aufgüssen erlebt, jedes Mal zum Ende hin zur Erkenntnis kommend, dass man seine Stimme auch lauter einsetzen kann. Gähn! Michael Winslows Geräuschimitationen vertraute man nicht mehr so ganz, so dass der eindimensionale Komiker nun noch die Eigenschaft beschert bekam besonders talentiert im Handkantenkampf zu sein. Das bietet ihm die Möglichkeit zu einer schlechten Bruce Lee-Parodie, bietet jedoch keinerlei Mehrwert für eine ziemlich nervige Figur. Zumindest gelegentlich wissen die Akustik-Gags zu zünden, so z.B. in der völlig unsinnigen Szene in einem Restaurant zu Beginn, die wie viele weitere Winslow-Gags die Akustik im realen Leben ignoriert, die dort angekommen zu Jones Tisch führen müsste.

Für Kleinkrämerei ist jedoch kein Platz in "Police Academy 2", haben wir es doch hier mit einem geistlosen Klamaukfilm zu tun, und der will lediglich Partystimmung verbreiten, weswegen er auch den Aufhänger des Vorgängers ignoriert, dass erst von dort an jeder Vollidiot Polizist werden konnte. Einzig der naive Lassard stand den Rekruten in nichts nach, was seiner Senilität geschuldet war, ansonsten war die Zulassung eines jeden Freaks auf der Polizeischule revolutionär. Blickt man auf die länger im Polizeidienst arbeitenden Figuren von Teil 2 bekommt man den Eindruck, dass die Situation des Erstlings auf der Akademie keine Neuheit gewesen sein muss, ist der Bezirk in den die besten Männer besagten Abgangs eingesetzt werden doch bevölkert von Vollidioten, die den Figuren aus Teil 1 in nichts nachstehen. Aufgrund der hier dargebotenen neuen Figuren verzeiht man diesen Widerspruch nur allzu gerne, denn dass auch die Fortsetzung innerhalb ihrer Möglichkeiten noch so prima zu funktionieren weiß, verdankt sie eher diesen anstatt den Wiederkehrern aus Teil 1. Die sind charmant wie eh und je, aber wirklich lustig sind in erster Linie die neuen Figuren ausgefallen.

Und was bekommt man da herrliches geboten, allen voran der Captain Harris-Ersatz Captain Mauser, der keineswegs zur Kopie seines Vorgängers wird, sondern eine ganz eigene Art Ekel darstellt, mit seiner schleimigen Art Vorgesetzten gegenüber und seinem zurück entdeckten Rückgrat, wenn es darum geht Leute unter ihm weiter nach unten zu treten. Art Metrano spielt seinen Part so wundervoll würdelos, dass man Ekel Harris überhaupt nicht vermisst. Metrano weiß ihn locker zu toppen und wirkt wie eine zu Fleisch gewordene Comicfigur. Ihm zur Seite steht eine der für kommende Fortsetzungen wichtigsten neuen Figuren: Proctor (gesprochen von Christian Tramitz). Der hat inmitten von allen Idioten die größte Vollmeise, gibt es doch keinen dümmeren als ihn, was er in Teil 2 nur gelegentlich unter Beweis stellen darf. Aber seine Zeit der größeren Beachtung wird noch kommen. Auf der Seite der Verbrecher glänzt Bobcat Goldthwait als Rocker mit schriller Stimme. Sein grenzwertiger Humor ist mehr denn je Geschmackssache, doch während er einigen Leuten gehörig auf den Senkel geht, finde ich sein in Sachen Überagieren nicht zu toppendes Spiel angenehm krank, was aufgrund mancher grotesker Situationen, in die der skurrile Charakter gesetzt wird, zu wundervollen Lachmomenten führt.

Als einmalige Figur ohne spätere Rückkehr ist Mahoneys neuer Partner Stuhlmann vertreten, der eigentlich aufgrund seiner Unhygiene lustig sein soll, und dies anfangs auch ist, hauptsächlich aber aufgrund der trotteligen Art wie Peter Van Norden die Rolle interpretiert so wunderbar zu funktionieren weiß. Wie jeder andere Anwesende hier ist sein Spiel und seine Komik keine Kunstform, sondern reinster Klamauk, aber es funktioniert auf solch herrlich niedrigem Niveau, warum auch immer, also warum meckern? Andere Eintagfsfliegen, wie der Bruder Lassards, sind nicht der Rede wert, dienen ihrem Zweck für diesen einen Teil, wenn überhaupt, und hinterlassen keine feuchten Augen beim Gedanken sie in den kommenden Teilen der Reihe nicht wiederzusehen. Stuhlmann hingegen hätte ich gerne wiedergesehen. Ich wüsste mal gerne warum man zukünftig auf ihn verzichtet hat.

Dass der Plot hauchdünn ausgefallen ist und erneut nur eine Nummernrevue geworden ist, die der Vielzahl an Figuren möglichst viel Manege bieten soll, dürfte klar sein. "Police Academy 2" lebt von seinen Figuren, und wenn man mit diesen nichts anfangen kann, steht man auf verlorenem Posten, auch wenn hier noch, im Gegensatz zu vielen Folgefilmen, mancher Figur auch tatsächlich lustige Szenen zugeschrieben werden. Rocker Zed darf bei einem Schnulzenfilm weinen und outet sich ohnehin immer wieder aufgrund diverser Kommentar als Weichei, Stuhlmann stört sich nicht an Katzenkot im Müsli oder an Ameisen an weggeworfenen Schokoriegeln, und als besonders treffsicher darf wohl jene Szene bezeichnet werden, in welcher Mauser im Büro vor sich hinbrabbelt dass Mahoneys Arsch bald ihm gehöre, Mahoney dies mithört, weil er nicht angeklopft hat, und Mauser dementsprechend blamiert ist. Ein dieser Situation folgender Spruch Mahoneys wäre nicht nötig gewesen, aber er rundet die herrlich peinliche Szene wunderbar ab, was u.a. beweist wie wichtig tatsächlich Unschuldsmiene Guttenberg für das Funktionieren der ersten Teile ist.

Insgesamt ist "Police Academy 2" eine Spur plumper als sein Vorgänger ausgefallen, u.a. weil das hier Gezeigte keine Ausnahmesituation mehr ist und letztendlich so gar nichts zu erzählen hat. Mehr denn je setzt man auf chaotische Charaktere, anstatt auf Inhalt, allerdings beweisen sich die Autoren und Darsteller der ersten Fortsetzung noch als recht kreativ im Gestalten absichtlich dämlicher Charaktere, so dass die Komödie mit schlichten Erwartungen definitiv zu unterhalten weiß. Leider flacht sie gegen Ende etwas ab und das zu actionreich ausfallende Finale rückt die Polizisten in ein besseres Licht, als es der Idee dieser Filme gut tut. Die Fortsetzungen sollten in diesem Punkt noch mehr in die Kacke hauen als hier, gönnt man sich im ersten Sequel doch zumindest noch das Einbauen funktionierender Gags inmitten der ereignisreichen Schlussgeschehnisse. Letztendlich funktioniert der Film aber immer abseits großer Action am besten, so z.B. wenn er Banalitäten aufzeigt, Rivalitäten untereinander austrägt, oder hirnlose Dialoge präsentiert. Letztgenanntes betreffend lohnt der Griff zur Deutschfassung, die um einiges lustiger ausgefallen ist als der Originalton. Für kommende Fortsetzungen ist "Police Academy 2" in sofern von Bedeutung, als dass hier so einige Running Gags gestartet werden.


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TREMORS 5 - BLUTLINIEN (Tremors 5 - Bloodlines 2015 Don Michael Paul)


In Afrika tauchen Graboiden auf, also wird der Spezialist Burt Gummer zusammen mit einem neuen Partner engagiert die Viecher auszulöschen. Diesmal bekommt er es mit besonders großen Exemplaren zu tun...


Burt wird silbern...

"Tremors - Im Land der Raketenwürmer" rechnete mit den B-Movies des Monsterfilms humorvoll ab und bot uns hierfür eine herrlich stinkende neue Gattung mit interessanten Eigenschaften. Die Teile 2 und 3 brachten uns einen überraschenden Zyklus nahe, den jeder dieser Graboiden getauften Viecher durchmachen muss. Da dieser mit den Arschnallern in der zweiten Fortsetzung abgeschlossen war, griff man in "Tremors 4" auf den mittlerweile gängigen Clou einer Filmreihe zurück die Geschehnisse vor den bisherigen Episoden spielen zu lassen. Ein Jahr zuvor versuchte man sich an einer "Tremors"-TV-Serie, die nur kurz lief. Scheinbar schien alles was möglich war abgegrast zu sein, so dass es ruhig um die Raketenwürmer wurde. 11 Jahre später erblickte plötzlich doch noch ein weiterer Teil das Licht der Welt und präsentierte zur Freude der Fans erneut Burt Gummer als wichtigen Teil der Besetzung, der in Teil 1 mit einer Nebenrolle angefangen von Fortsetzung zu Fortsetzung, in jedem Teil der Reihe anwesend, nach und nach bedeutender für die Filmreihe werden sollte. Wieder hat er die Hauptrolle erwischt, wieder kämpft er mit neuem Partner gegen Graboiden, ein wahrer Aufhänger fehlt diesmal jedoch.

Ein solcher ist zwar theoretisch dadurch gegeben, dass wir es mit mutierten Graboiden zu tun haben, die größer geartet sind und der Ironie, dass gerade für die Jagd auf solche nur harmlose Waffen zur Verfügung stehen, da der Waffen-geile Burt diesmal in einer Gegend unterwegs ist, in der schwere Geschütze gesetzlich verboten sind, letztendlich besitzen diese Änderungen jedoch nicht das Potential sich in einer Geschichte wiederzufinden, welche das bisherige Treiben weiter vorantreibt. Ganz im Gegenteil schaut sich "Tremors 5" wie schon oftmals geguckt, und da will auch die exotische Landschaft Afrikas nichts dran retten. Burt und Partner jagen Graboiden, die zum Ärger der treuen Freunde der Filmreihe vergleichsweise wenig vorkommen und ihre wahre Bedrohung, aufgrund Burts Routine wie man sich im Falle einer Annäherung zu verhalten hat, längst verloren haben. Da ändern auch die Mutation und das leicht andere Verhalten der Viecher wenig dran. "Tremors 5" wirkt wie ein Aufguss, und mit Blick auf Regisseur Don Michael Paul muss das auch nicht verwundern, ist er doch auch für die Inszenierung von "Lake Placid 4" und "Kindergarten Cop 2" verantwortlich, und ist er somit doch ein Auftragsarbeiter anstatt ein Visionär und erfahren im Wiedererzählen bereits bekannter Geschichten.

So gesehen geht "Tremors 5" noch in Ordnung, ist er doch nicht derart plump ausgefallen wie die SyFy-Fortsetzungen der Filme "Lake Placid" und "Anacaonda". Etwas mehr Mühe als dort ist zu erkennen, was der Aufwand und das Engagement der Besetzung zeigen, die versuchen das Beste aus dem routinierten Zustand zu ernten. Aber mehr als kaum interessanter Durchschnitt ist trotzdem nicht aus der vierten Fortsetzung einer einst so sympathischen Monsterjagd geworden. Das liegt meiner Meinung nach neben dem fehlenden Spannungsbogen aber auch daran, dass das Drehbuch Burt diesmal zu einem nervigen Maulhelden gemacht hat. War der Waffennarr bislang doch eher ein Freund weniger Worte, wenn er nicht gerade mit seinen Waffen oder einer hohen Trefferquote beim Vernichten von Graboiden protzen konnte. Mittlerweile ist er ein Sprücheklopfer geworden, selbst dann wenn er alleine ist, dokumentiert er seine Mission mittlerweile doch per Videomitschnitt, und so ist der Kerl, der einst zu den charmantesten Rollen der Reihe gehörte, pausenlos am plappern und somit nur noch am nerven. Lustige Momente, wie Burts Art sich in einem Käfig gefangen die Zeit zu vertreiben, sind rar gesät, und auch hier nervt der digitale Dokuanteil des Filmers, aber zumindest zeigt solch eine Szene welches Humorpotential einst in dieser Figur schlummerte, und dass mehr solcher Momente ausgereicht hätten, um ein zu routiniertes Treiben auf ein angenehmes Ergebnis zu stemmen.

Allerdings sind die zu jagenden Tiere mittlerweile auch nur noch Wesen aus dem Computer, was viel von ihrem Reiz nimmt, so billig digital wie sie umgesetzt sind, wenn auch nicht auf kostengünstigstem SyFy-Niveau. Dem Zuschauer von heute schien dies alles jedoch trotzdem zu reichen, war "Tremors 5" doch erfolgreich genug, um 2018 nun eine weitere Fortsetzung nachzuziehen, die leider ebenfalls wieder von Don Michael Paul inszeniert wurde. Dem nimmersatten Fan der Reihe wird also weiterhin etwas geboten, ohne dass ihm wirklich etwas geboten wird. Orientiert am hier besprochenen Film werden eher Neueinsteiger glücklich, denen die Geschichten der Vorgänger nicht bekannt sind. Ob man es als vorbildlich bezeichnen kann sich diesmal nur auf die Wurmphase der Viecher konzentriert zu haben, oder ob es von Vorteil gewesen wäre auch die Lauf- und Flugphase der blinden Graboiden mit einzubauen, bleibt sicherlich eine Streitfrage innerhalb eines Filmes, der nicht bedeutend genug ausgefallen ist um sich überhaupt über derartige Themen zu streiten.


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ASTRO-ZOMBIES - ROBOTER DES GRAUENS (Astro Zombies 1968 Ted V. Mikels)


Ein Wissenschaftler kreiert Robotermenschen, die Gedanken aus anderen Gehirnen übertragen bekommen können. Einer beginnt ein mörderisches Eigenleben...


Nachhilfeunterricht in Sachen Wissenschaft in Inklusions-Einzelunterricht...
  
Wenn die größten Special Effects aus gefärbtem Wasser als angebliche Chemikalien, roter Brei als Blut und eine Gummimaske als Robotergesicht bestehen, dann befindet man sich in einem besonders kostengünstig und alternativ umgesetzten Film, was erst einmal nichts Schlechtes heißen muss. Im Falle von "Astro Zombies" trifft jedoch der erste negative Eindruck, der sich bei solch einer Aufzählung aufdrängt, zu, ist das Endprodukt doch ein höchst einschläfernder Film, dem es gehörig an Tempo und interessantem Inhalt fehlt.

Aufgrund der im Zentrum stehenden, dialoglastigen Mad Scientist-Szenen könnte man sich in einem der etlichen Jess Franco-Filme wähnen, die ähnliche Schwerpunkte hatten, jedoch wusste der Spanier, der nicht gerade oft meinen Geschmack traf, in diesem Bereich meist Mittelmaß abzuliefern. Mikels übertreibt es derart penetrant mit sinnlosem Wissenschaftsgeschwätz, dass man dem Griff zur Fernbedienung kaum widerstehen kann. Jedes kleinste Detail seiner Versuchsreihe erklärt der eher gelangweilt spielende John Carradine seinem buckligen, scheinbar geistig zurückgebliebenem, Gehilfen, warum auch immer, wenn der doch höchst wahrscheinlich von alledem nichts versteht. Das könnte ein Zeichen von Vereinsamung sein, als irrer Wissenschaftler findet man sicherlich nur selten Gehör unter Gelehrten, von daher könnte man daraus einen humoristischen Aspekt ernten. Leider ist "The Space Vampires" (Alternativtitel) jedoch völlig ernst erzählt und schreckt auch nicht davor zurück Carradines völlig schwachsinniges Wissenschaftsgefasel mit einem sich endlos anfühlendem in Echtzeit abgefilmten Austausch von kleinen Elektronikteilchen zu unterbrechen.

Der restliche Teil des Filmes besteht hauptsächlich aus einer für seine Entstehungszeit geradezu typischen Agentengeschichte. Da werden asiatische Kriminelle (die mehr als offensichtlich von Weißen verkörpert werden) skrupellos in Szene gesetzt, Agenten kämpfen gegen Agenten, Wissenschaftler und deren Auftraggeber unterstützen diese, auf wessen Seite auch immer welcher Agent stehen mag bei solch wirrem und ödem Plot, der es einem schwer fallen lässt konzentriert dem Nichts an Story zu folgen. Der Amok laufende Roboter, von dem wir kaum erfahren warum er eigentlich tut was er tut, kommt hingegen kaum vor, so dass der titelgebende Aufhänger kaum der Rede wert ist und aufgrund der schlechten Gummimaske ohnehin nicht vom Hocker reißt. 

Scheinbar ist "Space Zombies" (Alternativtitel) trotzdem Kult in Amerika geworden, erlaubte sich Ted V. Mikels, der auch "Die Leichenmühle" inszenierte, doch den Spaß 34 Jahre später die Fortsetzung "Mark of the Astro-Zombies" zu drehen, dem bis 2012 noch zwei weitere Fortsetzungen folgen sollten. Ich bin bereits bedient und ernüchtert von dieser langweiligen Gurke des ersten Teils, wäre aber trotzdem neugierig, ob der Regisseur in den 00er Jahren einen besseren Erzählstil wählte als in den 60er Jahren. Von daher werde ich irgendwann sicher trotzdem einen Blick auf die Fortsetzung werfen, jetzt schon ahnend, dass ich es bereuen werde.


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Samstag, 12. Mai 2018

LAVALANTULA - ANGRIFF DER FEUERSPINNEN (Lavalantula 2015 Mike Mendez)


Bislang unbekannte feuerspuckende Riesenspinnen brechen in Los Angeles aufgrund vulkanischer Aktivitäten aus dem Boden und bedrohen die Menschheit. Der ehemalige Actionstar Colton West versucht die Biester zu bekämpfen...


Feuriger als die Polizei erlaubt

Mit Blick auf den Party-tauglichen "Big Ass Spider!" klingt es zunächst reizvoll, dass sich Regisseur Mike Mendez als Folgefilm erneut an ein Horrorwerk über Riesenspinnen herangewagt hat, war besagter Streifen doch schließlich keine Auftragsarbeit, sondern hatte der Kult-Regisseur dem Ganzen doch seinen eigenen Stempel aufgedrückt. Leider ist das was der Vorgänger nicht war "Lavalantula" nun aber geworden, denn viel gewöhnlicher kann man einen amerikanischen TV-Tierhorror nicht umsetzen, hätte doch auch der TV-Sender SyFy hinter diesem Werk stecken können. Die Animation ist gewöhnlicher und regelrecht lustloser ausgefallen als zuvor, nicht so übel wie ein "Ice Spiders", aber auch nicht all zu sehr davon entfernt. Die Geschichte folgt innovationslos dem üblichen Muster, Figuren kommen platt und gesichtslos daher, die wenig eingestreuten Witzchen wirken zu bemüht und der Plot benötigt, geradezu typisch SyFy, zwei lustlose Parallelhandlungen, die zu einer werden, um überhaupt auf die aufgezwungene Pflicht einer Spielfilmlänge zu kommen, wo bei Werken dieser Art doch 70 Minuten locker reichen würden. 80 anstatt 90 sind es dann doch noch geworden, was sich bei der zähen Umsetzung aber trotzdem wesentlich länger anfühlt.

Besonders ärgerlich ist dieses Ergebnis, wenn man bedenkt dass die Verantwortlichen der Besetzung sich den sicherlich kostengünstigen Clou geleistet haben die wichtigsten noch lebenden Gesichter der "Police Academy"-Filme mit an Bord zu holen. Zwar besitzt nur Steve Guttenberg als Colton West eine wirklich tragende Rolle, dennoch ist es auch schön Leslie Easterbrook, Michael Winslow und Marion Ramsey großteils vereint gealtert wiederzusehen. Sicherlich ist keiner dieser Leute eine schauspielerische Größe, und man hätte sich mehr Vereinigung gewünscht als nur zu Beginn und in den letzten 15 Minuten, aber es reicht um einen der wenig gebliebenen Freunde der Reihe wie mir kurz ein wehmütiges Schmunzeln abzuringen. Die Zusammenkunft dieser Bande wird auch der Grund dafür sein, warum ich trotz des ernüchternden Ergebnisses des hier besprochenen Streifens trotzdem irgendwann zur Fortsetzung "2 Lava 2 Lantula!" greifen werde, sind dort doch auch alle eben genannten Ex-Stars wieder mit an Bord, vielleicht ja diesmal sogar etwas dominanter mit im Rennen als in diesem ersten Versuch.

Während Michael Winslows Geräuscheinlagen und anderweitige Witzchen noch erbärmlicher wirken als zur schlechtesten Phase der Komödien um die Polizeischule, weiß der ironische Umgang Guttenbergs mit der Rolle des Coltons sein eigenes Ex-Starsein zu parodieren zumindest gelegentlich hinzuhauen. Die ihm brav folgende Anhängerschaft versucht im Gegenzug das Verhalten von Film-Fans zu parodieren. Aber wie gesagt will der Humor in diesem Streifen nicht wirklich zünden, gibt es gelegentlich doch auch Verweise auf manch andere Werke und auf Regeln dieser Art Z-Movie, die lediglich ein Achselzucken ernten und damit dem Horrorpart in nichts nachstehen. "Lavalantula" besitzt genau jene zu routinierte Mittelmäßigkeit, die ihn letztendlich unerträglicher gucken lässt als ein schlechter Genrebeitrag, zumindest begeht man inmitten dieses TV-Niveau-Standards aber keine unnötigen Zusatzfehler und kann sich wie erwähnt ein wenig mit der Rest-Prominenz längst vergangener Kinozeiten ein wenig über Wasser halten. Schlussendlich hebt sich dieser Streifen aber trotz der ungewöhnlichen Besetzung und trotz Regisseur Mike Mendez nicht von vergleichbaren Standardwerken wie "Dragon Wasps" und "Camel Spiders" ab.


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Freitag, 11. Mai 2018

DAS MONSTER VON LONDON (Dr. Black, Mr. Hyde 1976 William Crain)


Dr. Pride forscht an einem neuen Serum im Bereich der Leberheilung. Da er an den Erfolg des Heilmittels glaubt, injiziert sich der schwarze, sozial engagierte Mensch das Serum in einem Selbstversuch und verwandelt sich in einen aggressiven Weißen, der des nachts Prostituierte tötet...


Das Prostituierten-Trauma...

Im Fahrwasser der Blaxploitationwelle erblickten nicht nur sexy Actionmiezen wie "Cleopatra Jones" das Licht der Leinwand, sondern auch manche Horrorgestalt. Neben den "schwarzen Zombies von Sugar Hill" und der "Dracula"-Variante "Blacula" erschien auch eine "Dr. Jekyll und Mr. Hyde"-Version der schwarzen Bevölkerung unter dem Originaltitel "Dr. Black, Mr. Hyde", inszeniert vom selben Mann, der uns auch den farbigen Blutsauger bescherte. Als "Dr. Black und Mr. Hyde" im heimischen TV ausgestrahlt erkennt man dies auch als Deutscher schnell, unter dem ursprünglich erschienenen Titel "Das Monster von London" kann man jedoch Alles und Nichts vermuten, vielleicht sogar einen Grusel-Krimi im Wallace-Stil. Das London des Streifens ist ohnehin ein Los Angeles, ebenso wie die hier gelebte Mentalität nicht gerade in irgendeiner Weise britisch wirkt.

Inhaltlich lehnt man sich nur äußerst lose an den klassischen Gruselstoff um einen braven Arzt, der sein unzivilisiertes Ur-Ich erweckt, an. Letztendlich gönnt man sich trotz humorfreiem Produkt den Gag aus einem Schwarzen einen Weißen zu machen, wie auch der Alternativtitel "Dr. Black and Mr. White" verrät, so dass auf recht augenzwinkernde, nicht all zu aufdringliche Art Kritik am dominierenden Weißen geübt werden kann, der die schwarze Bevölkerung auf aggressive Art unterdrückt. Auf die Spitze getrieben wird dies im Finale mit einem Verweis auf "King Kong und die weiße Frau", indem beim Erklimmen eines Turms, angegriffen von einem Hubschrauber, Mr. White symbolisch als weißer Affe seinem kommenden Ende entgegen steigt.

Viel schlauer ist "Das Monster von London" nicht ausgefallen, verzichtet er doch aufgrund starker inhaltlicher Veränderungen auf den intelligenten analytischen Aufhänger des Originals und lässt aus seinem braven Doktor eher eine Art umherwütenden "Hulk" werden, der küchenpsychologisch Dr. Prides unterdrückten Hass auf Prostituierte mörderisch auslebt. Inmitten all des Schwachfuges den sich das Drehbuch beim Erzählen dieses psychologischen dünnen Plots erlaubt, zählt diese Idee noch zu den cleversten, die der Film zu bieten hat, ist er doch äußerst naiv und widersprüchlich ausgefallen. Mancher Fehler mag der deutschen Synchronisation geschult sein, ich weiß es nicht und konnte aufgrund fehlender Untertitel nicht den Originalton hören, aber insgesamt häufen sich hier Unsinnigkeiten verschiedenster Art, so dass man das Endprodukt beim besten Willen nicht mehr ernst nehmen kann.

Das beginnt bereits bei der Maskerade, die Pride als Hyde gerne mal unterschiedlich hell erscheinen lässt, manchmal gar komplett in Schwarz, jedoch nicht für die Handlung beabsichtigt, da Zeugen immer noch vom großen Weißen sprechen. Zudem wirkt Prides verwandeltes Ich nicht gerade einfallsreich oder gar bedrohlich, was recht schade ist, da der Film zu Beginn zeigt wie gut der simple Effekt grauer Haare und bleicher Farbe auf schwarzer Haut wirken kann, wenn Pride das Medikament zuvor an einer todkranken Frau testet. Ihre Verwandlung weiß zu schocken. Ein toller Effekt! Aber bereits im Verabreichen der Droge an ihr findet sich eine erste Unlogik, hatte Pride das Mittel doch bereits an einem Meerschweinchen getestet, erkannt dass es seine Pigmentierung verlor und andere Meerschweinchen im Käfig Angst vor dem Versuchstier hatten. Dieses lebte eine höhere Aggression als üblich aus, was Pride an einem Biss in den Finger am eigenen Leib erfahren musste. Und Stunden später entdeckt er lauter tote Meerschweinchen im Käfig, während das helle putzmunter auf den Leichen hockte. Wenn Pride der Patientin das Mittel spritzt, ist nie die Rede von einem weiterentwickelten Serum. Selbiges ist der Fall, wenn Pride sich das Mittel selber spritzt. Scheinbar ignoriert er willkürlich die Nebenwirkungen und glaubt trotz aller Ergebnisse an einen Erfolg, ohne je am Serum weiter zu forschen.

Wissenschaftlich herrscht hier ohnehin nur Unsinn, wird das Mittel der Todkranken doch ohne Voruntersuchung gespritzt, anhand des Wasserbeutels der Zustand der bislang dem Arzt völlig unbekannten Patientin überprüft, und im Labor darf der gute Mann Flüssigkeiten in unterschiedlich grellen Farben ineinander schütten, damit das Ganze nach tierisch wichtiger Forschung aussieht. Aber das ist einer der vielen Aspekte, die "The Watts Monster" (Alternativtitel) so sleazy wirken lassen, was dem ganzen Unsinn einen solch herrlichen Grundton beschert, dass man sich bei all den Unsinnigkeiten gut unterhalten fühlt und sich auf den nächsten kommenden Blödsinn freut, ohne dabei all zu schadenfroh auf das Gesamtprodukt zu schauen. Warum Pride die Einnahme des Serums mehrfach wiederholt wird nie thematisiert. Eine Kritikversuch am hohen Drogenkonsum in der Unterschicht, in der sich viele schwarze Amerikaner befinden, wird durch diesen Aspekt nicht anvisiert, der blitzt nur kurz auf, wenn ein Zuhälter Stress mit seinem Dealer bekommt. Zunächst vermutete ich eine Vergesslichkeit im Zustand des wieder zu sich selbst gekommenen Dr. Pride, doch auch diese Vermutung wird schnell widerlegt, so dass man erst recht nicht versteht, warum Pride stets immer wieder zum Serum greift. 

Vielleicht würde man mehr verstehen, wenn man als Zuschauer Zeuge des Verabreichens wäre, aber ab der dritten Verwandlung bekommen wir nur noch Hydes Auftritte beschert, nicht den Moment der Injektion und somit der Verwandlung und des Grundes für die Einnahme. Auch der im Original so faszinierend eingebrachte Aspekt, dass der Doktor das Mittel irgendwann nicht mehr benötigt, um zu Mr. Hyde zu werden, wird nicht aufgegriffen, was dem hier Gezeigten ebenfalls mehr Sinn beschert hätte. Warum Dr. Pride ab einem gewissen Stadium auch in seinem normalen Ich ein geisteskrankes Verhalten temporär an den Tag legt, erschließt sich innerhalb der Geschichte ebenso wenig, zumal dies die Story in keinster Weise vorwärts bringt oder ihr neue Aspekte beschert. Nie wieder kommt man auf die Momente zu sprechen, in denen der sonst so soziale Pride wirr mit seinem Spiegelbild über das Morden von Prostituierten spricht oder racheschnaubend in einem Selbstgespräch einer Freundin den Tod prophezeit.

Selbst die Dramaturgie des Stoffes ist lediglich lächerlich ausgefallen, so z.B. beim überraschenden seelischen Zusammenbruch Prides, als er einer befreundeten Prostituierten von seinem Kindheitstrauma erzählt und aus dem sich stets im Griff habenden Gebildeten ein weinerliches Häufchen Elend wird. Die gute Frau hört geduldig zu, nicht wissend warum der Mann, der keine intensive Bekanntschaft mit ihr anvisiert, ihr das alles erzählt. Auch das soziale Ich des Protagonisten wankt immer wieder stark zwischen hoch ethisch einer armen Patientin Geld zusteckend, damit diese sich die dringend benötigten Medikamente leisten kann, und völlig ignorant, wenn der Doc empört darüber ist, dass eine Frau sich weigert sein Versuchstier zu werden. An solchen Stellen merkt man, dass Crain jegliches sensibles Gespür für zwischenmenschliche und psychologische Aspekte fehlt, weswegen der Streifen sich stets zu naiv und widersprüchlich guckt. Aber so soll es sein. So bereitete der Stoff mir einen unterhaltsamen Abend als sleazy Ausnahmeprodukt. Und dank der klischeebeladenen, geradezu typischen Hintergrundmusik seiner Zeit, wird dieses Gefühl dieser Art Unterhaltung auch immer wieder angenehm gepuscht. Von daher: wir sehen uns in einigen Jahren wieder, Dr. Black!


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Donnerstag, 10. Mai 2018

KILLERSCHLANGEN (Rattlers 1976 John McCauley)


Ein Reptilienexperte wird bei Ermittlungen ungewöhnlicher Todesfälle hinzugezogen, damit dieser den Verdacht auf Schlangenattacken bestätigen kann. Zwar stimmen die Vermutungen, jedoch ergibt das Verhalten besagter Tiere keinerlei Sinn, so dass die Situation näher erforscht werden muss. Eine Spur führt in ein Militärlager, wo man mehr über die Ursache des ungewöhnlichen Verhaltens der Klapperschlangen zu wissen scheint, als man zugibt...


Der 200-Dollar-Mann...

Dank des großen Erfolges von Spielbergs berühmten Hai-Horror wurde seiner Zeit in den USA eine Welle an Tierhorror-Filmen losgetreten, in welcher allerlei Gattungen um die Furcht des Publikums wetteiferten. Selbst niedliche Hunde ("Killerhunde") und Kaninchen ("Rabbits") ließ man mörderisch auf die Menschheit los. Schlangen gibt es nicht ganz so oft zu sichten wie Haie, Krokodile und Spinnen, aber auch sie sind ein recht häufiger Vertreter dieses Sub-Genres, und der zur Hochzeit auf der Bildfläche erschienene "Killerschlangen" schafft es trotz aller Routine auf die er aufbaut zumindest die sonst ständig verwendeten Elemente eines ignoranten Bürgermeisters, der Sorge um Touristeneinkünfte und ähnliches zu umgehen. Er spielt im staubtrockenen Süden Amerikas, und dort wird eine solche Thematik eher nüchtern angegangen, wie auch "Mörderspinnen" und "Taranteln - Sie kommen um zu töten" beweist, eine Nische innerhalb der Tierhorror-Nische, die andere Reize besitzt als es bei "Der weiße Hai", "Der Alligator" und Co, die in anderen Regionen Amerikas oder gar der kompletten Erde spielen, der Fall ist.

"Unternehmen Klapperschlange" (Alternativtitel) ist ein besonders konservativer Beitrag aus der höchst spießigen Ecke der USA und kommt in so ziemlich jedem Bereich der Erzählung unsensibel daher. Dementsprechend enttäuschend sind auch die schnell dahingeschluderten, mit echten Schlangen umgesetzten, Tierattacken ausgefallen, die mit schlechten Schnitten und nicht überzeugender Anzahl Geschehnisse vortäuschen sollen, die so beim Publikum nicht ankommen. So gibt es beispielsweise eine Szene, in welcher der recht kühn mit Klapperschlangen umgehende Experte beim Sichten eines Exemplars panisch aus einem tiefen Stollen hinaus rennt, und sich erst draußen in Sicherheit wiegt. Scheinbar wollte man mit dem Zeigen einer Schlange auf ein ganzes Nest verweisen, aber das kann man als achselzuckender Zuschauer nur vermuten. Ein wenig Rückendeckung bekommt diese Szene aufgrund des erhöhten Aggressionspotentials besagter Viecher, ein Aspekt der "Killer-Schlangen" (Alternativtitel) zumindest in manchen Bereichen glaubwürdiger gucken lässt als manch anderen Werke, schließlich wird immer wieder auf das gattungsuntypische Verhalten der Klapperschlangen hingewiesen, wohingegen manch anderer Genre-Beitrag so tut, als würde das gezeigte Verhalten der jeweiligen tierischen Gegner zu ihrem natürlichen Verhalten gehören.

Ich weiß nicht warum mir diese verkrampften Südstaaten-Horrorfilme von ihrer Mentalität her immer wieder gefallen, obwohl nur ein kleiner Teil Spießer in mir steckt, aber irgendwie gelingt es diesen Filmen immer ein Restinteresse am Stoff in mir zu wecken, auch wenn alles recht routiniert und albern daher kommt, gerade hier in "Rattlers" (Originaltitel), in dem gerade aufgrund des komplett egoistischen Superexperten und der hart um Gleichberechtigung kämpfenden Emanze einiges an unfreiwilliger Komik auf das Publikum losgelassen wird. So ist die Emanze freilich eine sehr attraktive Frau, die nicht nur recht belanglose Argumente für Gleichberechtigung am Arbeitsplatz aufführt (so als ob ein Kind sich mit Luftschlägen zu wehren versucht), sie fühlt sich auch kichernd geehrt, wenn ihr auf höchst sexistische Art ein "Kompliment" gemacht wird. Der Experte hingegen ist derart von sich selbst überzeugt und irrt sich zu keinem Zeitpunkt, so dass er auch nie von seinen noch unbestätigten Vermutungen abkommt. Er erinnert an den total unsympathischen Protagonisten aus der Science Fiction-Serie "Der Unsichtbare", den man in dieser Charakterausrichtung erst einmal schaffen muss zu toppen. Übersprudelnd komisch wird es dann, wenn der höchst unsensible Film urplötzlich die Romantikkarte zieht und uns eine Klischeeaneinanderreihung an Romantikszenen präsentiert, die kein Auge trocken lassen, gerade was den Übergang von der bedrohlichen Szene zuvor zum direkt darauf folgenden Kuss nach einem plötzlichen Schnitt betrifft, der jegliches Mitempfinden ausschließt.

Trotz all seiner Negativpunkte kann man John McCauley zumindest durchaus zugestehen eine bedrohliche Grundatmosphäre geschaffen zu haben. Die staubtrockene Gegend, der ebenso ausgefallene ernste Grundton und die Sachlichkeit die stets vordergründig im Raum steht, anstatt die Action oder das Gefühl, hinterlassen einen angenehmen Eindruck, so dass "Killerschlangen" nicht als komplett gescheitert durchgeht, sondern zumindest in den Ermittlungsszenen zu funktionieren weiß. Dass man trotz aller Militärkritik gegen Ende brav wie ein Lamm das Militär huldigt und den Verantwortlichen zu einem Einzeltäter macht (der als eine Art Entschuldigung vergangener Mentalitäten als ewig Gestriger halbwegs Liberale als Kommunisten abtut), dürfte bei einem stets korrekt gehaltenen Südstaatenfilm kaum überraschen, der nie ernsthaft Kritik an allem was den Bürger beschützt ausüben würde. Aber das gehört zu dieser Art Film dazu, und wenn die Tierattacken etwas besser umgesetzt wären, könnte trotz all dieser Umstände ein brauchbarer Genrebeitrag entstanden sein. Schade dass dem nicht so ist, aufgrund der reichhaltigen Konkurrenzprodukte ist das aber durchaus leicht zu vertrösten.


Weitere Besprechungen zu Killerschlangen: 


THE BOSS BABY (2017 Tom McGrath)


Dem neuen kleinen Bruder, einem Baby in Anzug mit Aktentasche, gehört jegliche Aufmerksamkeit. Der 7 jährige Tim findet heraus, dass es sich eigentlich nur aufgrund einer geschäftlichen Angelegenheit in seiner Familie befindet, und so machen die beiden den Deal, dass Tim das babyuntypische Geschwisterchen bei seiner Mission unterstützt, wenn es danach die Familie wieder verlässt. Kein Problem für Boss Baby, das mit menschlichen Emotionen ohnehin herzlich wenig anfangen kann und somit kein Familienmensch ist - zunächst zumindest...


Eine gute Idee in der Säuglingsphase hängen geblieben...

DreamWorks fand ich immer die interessantere Alternative auf dem Markt der computeranimierten Zeichentrickfilme im Vergleich zu Pixar, deren Werken ich jedoch ebenso wenig abgeneigt war. Orientierten diese sich jedoch von je her mehr am typischen Disney-Stil einer Erzählung, herrschte in DreamWorks-Werken stets ein erwachsenerer und rebellischer Grundton, was sich deshalb nicht gegenseitig ausschloss, da man gegen die eingefahrene Erzählebene eines familienfreundlichen Animationfilmes rebellierte. Auch in Zeiten, in denen Pixar mit pseudo-reiferen Werken wie "Wall-E" große Aufmerksamkeit auf sich zog, präsentierte das Konkurrenzstudio mit "Drachenzähmen leicht gemacht" eine wesentlich unverkrampftere Variante aus dem zu fröhlich und kindlich gewordenen Standard des hart umkämpften Trickfilmmarktes auszubrechen. Mittlerweile sind interessante Stoffe rar gesät, das meiste kommt zu angepasst daher, soll besonders sanft und lieblich wirken, Innovation ist nicht mehr gefragt. Da wirkte die Idee von "The Boss Baby" doch erfrischend anders, so dass ich trotz der Ernüchterung, die sich seit einigen Jahren auf dem Animationssektor breit gemacht hat, mal wieder einen Blick in das damals so wundervolle Sub-Genre des Zeichentrickfilms warf.

Und was soll ich sagen? Auch "The Boss Bab" kann die massentauglich abgekurbelte Lethargie, in welcher sich die Trickfilm-Großproduktionen der USA befinden, nicht durchbrechen, besitzt die grundlegende Story zwar durchaus Potential, wird jedoch trotzdem nur der Standard aus diesem heraus gepresst, so dass sich selbst ein solch frisch wirkender Stoff schaut, als hätte man das alles schon etliche Male gesehen. Wie tief hätte man doch in die Eifersuchtsphase kindlichem Empfindens eintauchen können, um allein im Familienbereich dadurch eine interessante, im Emotionsbreich lebensnahe Story zu ernten? Und meine Güte, aber was bietet die herrlich schräge Idee eines Babys als BWLer doch für eine wunderbare Grundlage, um berechtigte Gesellschaftskritik am fragwürdigen, freiheitszerstörenden Treiben der Berufsgruppen um Kaufmänner, Banker und Unternehmensberater (und was es da sonst noch alles gibt, um Menschen ihrer beruflichen und finanziellen Existenz zu berauben) auszuüben. "The Boss Baby" signalisiert in beiden Bereichen das Erkennen dieser Themengebiete, indem es beide gelegentlich anstuppst, aber dann verlässt die Verantwortlichen der Story wieder der Mut und es wird wieder auf den unheimlich beliebten geistlosen, unkreativen und kritiklosen Standardkurs des Mainstreams umgeschwenkt, dabei noch weniger Tiefgang beweisend als es zumindest der eben erwähnte Roboterfilm der Konkurrenz seinerzeit gerade noch schaffte zu erreichen.

Zumindest mit Blick auf Regisseur Tom McGrath braucht das magere Ergebnis nicht zu überraschen, inszenierte er doch auch die "Madagascar"-Reihe, die neben "Happy Feet" doch die erste Welle weit weniger einfallsreicher Computeranimationsfilme auslöste, die schließlich im Standard um "Rio", "Hotel Transsilvanien" und Co mündete, und Werke wie "Rango", "Ralph reichts" "ParaNorman" und Co zu Ausnahmen im Meer der Erscheinungen machte (und selbst die erreichten meist nie ganz das Niveau eines "Antz", "Findet Nemo", "Die Unglaublichen", "Ice Age", "Shrek" und Co). Selbst sein recht sympathischer "Megamind" badete viel zu sehr im Mainstream, um mehr als seichte Unterhaltung aus der eigentlich so einfallsreichen Grundidee zu ernten. Da er jedoch nur an diversen "Madagascar"-Projekten am Drehbuch beteiligt war, kann es eigentlich nicht hauptsächlich an ihm liegen, dass ein solch interessant klingendes Projekt wie "The Boss Baby" im Sumpf an Mainstreamkrankheiten, wie zu viel Bravheit und Moral und ärgerlicher, da zu gewöhnlich und anbiedernd ausgefallener, Figurenzeichnungen (charakterlich und animationsbezogen), hängen bleibt. Mutlose Produzenten dürften ihn und die Autoren zu Auftragsarbeitern gemacht haben. Jeder andere Hintergrund würde zumindest noch mehr enttäuschen, als der Zustand der familienfreundlichen Zeichentrickfilme ohnehin schon auslöst. 

Wer alle von mir als mau bis schlecht bezeichneten Konkurrenzprodukte mochte, wird freilich auch mit "The Boss Baby" zufrieden sein, man erfüllt schließlich was der Allesfresser des Genres zu begehren wünscht. Aber für Cineasten mit einem gewissen Anspruch an Filmen ist das Werk, das ein Jahr später bereits mit einer Web-Serie fortgesetzt wurde, nur ein weiterer unbedeutender Beitrag ohne eigenes Gesicht in der Masse. Sicherlich kann man mal gelangweilt einen Blick riskieren, aber das zu überraschungsfreie Ergebnis holt einen nicht wirklich aus dieser Langeweile heraus.


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