Dienstag, 28. März 2017

HALLOWEEN 3 (Halloween 3 - Season of the Witch 1982 Tommy Lee Wallace)


Nachdem einer seiner Patienten im Krankenhaus getötet wurde, beobachtet Dr. Challis direkt nach der Tat, wie der Mörder sich selber umbringt. Zusammen mit der Tochter des Getöteten forscht er nach was es mit diesem mysteriösen Vorfall auf sich hat. Eine Spur führt zu einer Fabrik, die Halloweenmasken herstellt und sich für die Kinder zum Feste etwas Besonderes ausgedacht hat - etwas Mörderisches...


Myers-ähnliche Roboter...

Mit „Halloween 3“ visierte Produzent John Carpenter, welcher Regie und Autor von Teil 1 war, etwas anderes an als das was die Fans sehen wollten. Während diese sich über eine weitere Rückkehr des maskierten Killers Michael gefreut hätten, wollte Carpenter von nun an jährlich einen weiteren „Halloween“-Teil produzieren, der jeweils eine eigene Geschichte erzählt. Warum er für den Beginn dieser Idee ausgerechnet auf eine solch merkwürdige Geschichte, wie der hier erzählten, zurückgegriffen hat, wird ein ewiges Rätsel bleiben, denn massenkompatibel sieht anders aus, so dass „Halloween 3 - Season of the Witch“ (Originaltitel) vielen Zuschauern so gar nicht gefiel - ganz unabhängig vom fehlenden Michael Myers-Aspekt.

Freunde des anderen Films sei jedoch zu diesem ungewöhnlichen Werk geraten, denn was der Masse schmeckt, ist bei weitem kein Qualitätsurteil, wie der wahre Cineast weiß. Zwar wird auch dem Freund andersartiger Filme auffallen, dass die Hintergründe der Geschehnisse, die Beweggründe des Bösewichts und seine Taten, Quatsch mit Soße sind, aber selten wurde eine solch gewöhnungsbedürftige Idee so atmosphärisch, düster und ernst umgesetzt, wie hier geschehen. Es stimmt, was man vielerorts liest, dass „Halloween 3 - Die Nacht der Entscheidung“ (Alternativtitel) stilistisch trotz fehlendem Michael Myers näher an den beiden ersten Teilen orientiert ist, als die Fortsetzungen ab Teil 4, die Michael wieder auferstehen ließen. Und „Halloween 3“ ist der Beweis dafür, dass mit diesem nüchternen, düsteren, schleichend erzählten Stil selbst eine theoretisch unsinnige Geschichte, wenn sie ernst und professionell genug vorgetragen wird, zu funktionieren weiß.

„Halloween 3“ ist ein Film der Atmosphäre und einer der Effekte gleicher Maßen. An Brutalitäten mangelt es nicht innerhalb der Fortsetzung zu einem Streifen, der die zur Entstehungszeit von „Halloween 3“ in den Kinos frisch tobende Slasher-Welle mit beeinflusste, so dass sich mit drastischen Tötungsmethoden Momente in den hier besprochenen Film eingeschlichen haben, die dem Slasher zuzuordnen sind, ohne dass Tommy Lee Wallaces Werk diesem angehören würde.

Dem eigentlichen Schauwert, der düsteren, schleichenden Atmosphäre, bescheren diese drastischen Momente keinen Abbruch. Manch eine von ihnen weiß das Unbehagen der Geschehnisse gar zu unterstützen, vorausgesetzt man schafft es die Idiotie der Geschichte zu ignorieren. Ich persönlich lehne mich sogar weit aus dem Fenster heraus und behaupte, ganz so idiotisch wie die Geschichte klingt, ist sie gar nicht ausgefallen. Sie ist wirr und ungewöhnlich, wirkt aber nur deshalb albern, weil sie nicht zu den theoretisch ähnlich albernen Standards des Horror-Genres gehört, an die man sich längst gewöhnt hat und die man nicht mehr auf Sinn und Unsinn hinterfragt. Auch ich wunderte mich damals, warum solch eine trashige Geschichte so gut funktioniert. Heutzutage, wo ich cineastisch reifer geworden bin und seit relativ kurzer Zeit auch kein Freund des Begriffs Trash mehr bin, gehe ich mit mehr Respekt an Stoffe wie diesen heran, und begrüße die mutige Herangehensweise solcher Filme.

Dieser Umgang mit dem Film verhindert nicht, dass ich es trotzdem eher albern finde wenn aus Menschenköpfen Schlangen und Spinnen platzen, den restlichen Unsinn kann ich jedoch tatsächlich recht gut ignorieren, eben weil der Film so toll inszeniert ist und dazu einlädt sich einmal für 90 Minuten auf solch einen Stoff einzulassen. Dank der düsteren, schonungslosen und mit einer gemeinen Schluss-Pointe versehenen Umsetzung, kann dies tatsächlich funktionieren. Man mag hinterher über manchen Hintergrund der Geschichte die Augen verdrehen dürfen, gleichzeitig muss man Wallace aber auch zugestehen, dass er diese stupide erscheinenden Elemente gekonnt und wirkungsreich, und somit erfolgreich, in einen ernst gemeinten Horrorfilm verpackt bekommen hat.

„Halloween 3“ mag nicht das sein, was der Fan sich einst erhoffte, und massentauglich ist er schon mal gar nicht. Aber für Freunde, die sich ungewöhnlicher Stoffe auch ohne Trash-Denken nähern können, werden auf einen überraschend gelungenen Film stoßen, von dem mir in dieser Art kein vergleichbarer einfallen will. Schon wenige Jahre später wäre solch ein Werk nicht mehr denkbar gewesen. Die Inszenierung spricht die typische frühe 80er Jahre-US-Horror-Sprache, in welcher noch ein Hauch 70er-Atmosphäre mitatmen durfte. Eine solch hanebüchene Story in solch einem wirkungsreichen Gewandt zu erleben, rein von dem Spannungsbogen der Ermittlungen der Hauptfigur lebend, habe ich in solch einer konsequent ernsten und pessimistisch erzählten Art noch nicht erlebt. sehenswert


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Sonntag, 26. März 2017

GHOST IN THE SHELL 2 - INNOCENCE (Inosensu: Kôkaku kidôtai 2004 Mamoru Oshii)


Es sind einige Jahre vergangen, seit Batous Roboterpartnerin Major mit dem Puppet Master zusammenfloss und im Netz verschwand. Batou, mittlerweile selbst mehr Maschine als Mensch, erhält den Auftrag einer Mordserie nachzugehen, in welcher Testversionen von Liebescyborgs erst ihre Besitzer und dann sich selbst umbringen...


Puppen weinen nicht...

Der deutsche Schriftzug zu Anfang scheint im Original nicht vorhanden zu sein, zumindest vermute ich dies aufgrund fehlender japanischer Texte diesbezüglich, und soll dem deutschen Publikum scheinbar dabei helfen das zu verstehen, was der Film in seiner ersten halben Stunde ohnehin leicht verständlich vermittelt. Das ist zwar traurig, aber aufhängen will ich mich daran nun auch nicht. Dass „Ghost in the Shell 2“, der neun Jahre nach Teil 1 entstanden ist, ein wuchtiges, optisches Erlebnis werden wird, beweist er auch gleich mit seiner ersten Einstellung, in welcher wir ein Flugobjekt vor die Nase gesetzt bekommen, das einen animationstechnisch tatsächlich zum Staunen bringt.

Es bereitet eine ungemeine Freude die optischen Reize des Streifens ganz bewusst wahrzunehmen, geradezu in einen Rausch zu verfallen, das Zusehen zu zelebrieren und die verschiedenen Animationsstile aus Hintergrundgrafik und Figurendesign in sich aufzusaugen. Diesbezüglich ist „Ghost in the Shell 2 - Innocence“ ein Leckerbissen pur, ein Festmahl, kurzum etwas ganz Besonderes. Dass er zudem tastsächlich auf den Geschehnissen des Vorgängers aufbaut und somit nicht nur im Titel eine Fortsetzung ist, weiß ebenso zu erfreuen.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist das Design der Zukunftswelt ausgefallen. Ebenso wie im direkten Vorgänger, so sind auch hier die Parallelen zu der Zukunftswelt aus „Blade Runner“ noch immer deutlich zu erkennen. Allerdings beschert man ihnen einen 40er Jahre Film Noir-Touch, was durch schwermütige Soulmusik unterstützt wird. Die Parallelen passen. Batou ist zwar Mitglied einer Spezialeinheit und kein Polizist oder Privatdetektiv, aber sein Gefühlszustand ist ähnlich schwermütig wie das Gesamtbild um ihn herum und somit wie das Klischee der Protagonisten aus Kriminalgeschichten, die in besagtem Jahrzehnt spielen.

Batou leidet immer noch unter dem Verlust seiner Partnerin Major und lebt einsam, ohne wirkliches Privatleben, einzig für den Job den er ausübt. Darin ist er gut wie eh und je, was er in allerhand Actionszenen unter Beweis stellen darf. Und dass man ihm einen Menschen als Partner zur Seite stellt, ist in vielerlei Hinsicht förderlich für die Geschichte, aber gerade auch ein interessanter Gegenpol zum vorherigen, perfekt agierenden, Partner.

Aus der Film Noir-Welt wird im Laufe der Zeit eine brüchige, rostende, gar nicht so strahlende Zukunftswelt, wie sie einem vielleicht trotz der realistischen Settings diesbezüglich, die aus der Elektrowelt keine perfekte Scheinwelt machten, zunächst vorkam. Das wird in sofern verstärkt, als dass der Film in dieser Phase in einem vergessenen, gesetzlich strittigen Grenzraum spielt. Zu Beginn des letzten Drittels wandelt sich der Spielorte in virtuelle Scheinrealitäten, und zum Schluss darf das Innere eines U-Bootes als Ort der Handlung herhalten.

Die scheinbare Tiefe des Streifens scheint sich stets an den Spielorten zu orientieren. Die verspielte 40er Jahre-Welt wird unterstützt durch verspielte, aber geistreiche Denkansätze. Die rostige Elektrowelt wird begleitet durch schwermütige Poesie, die gerne mehr Tiefsinn beinhalten würde, als sie nach außen vorgibt. Und in der virtuellen Realität angekommen, spinnt auch die Philosophie und die Poesie des Streifens fleißig vor sich her, bierernst vorgetragen und doch fast nur leeres Getue vortragend. Schade! In der tristen Realität des Inneren eines U-Bootes angekommen, werden auch die Denkansätze wieder nachvollziehbarer und realistischer, sind aufgrund eines actionreichen Finales aber nicht mehr so dominant gesät wie zuvor.

Qualitativ erlebt die Geschichte von „Innocence“ (Alternativtitel) somit einige Aufs und Abs, so dass es dem Film gut tut über eine solch unterhaltsame und kurzweilige Handlung zu verfügen, um inmitten Tiefsinn vorgaukelnden Leergeschwätzes nicht in bedeutungsloses Absurdistan abzudriften. Schade ist es um einige wirklich geglückte Denkansätze, oft Fortführungen des Originals, und manch tatsächlich bewegendem, poetischen Sinnbildes.

Aber aus fast schon selbstverständlich fließenden Denkansätzen aus Teil 1 wird ein zu gewolltes Unterfangen mit zu bemühten Anflügen von Tiefsinn, die zum Gegenteil dessen werden was sie sein möchten. Damit ähnelt die Fortsetzung des großartigen Erstlings „Matrix 2“, der diesbezüglich „Matrix“ nicht nur nicht das Wasser reichen konnte, sondern elendig ersoff. Da die Filme thematisch und zeitlich nah beieinander stehen, ist der Vergleich umso spannender, auch wenn „Ghost in the Shell 2“ dank beibehaltender Restintelligenz nicht wirklich derart absäuft, wie es die erbärmlichen „Matrix“-Fortsetzungen taten.

Dem Gesamtbild schadet es leider dennoch, wäre aus „Inosensu: Kôkaku kidôtai“ (Originaltitel), den ebenfalls wieder Mamoru Oshii inszeniert und basierend auf der Manga-Vorlage geschrieben hat, doch sonst ein ebenso großer Vorzeigefilm geworden, wie es Teil 1 geworden ist. Aber wenn sich der Film in virtuelle Realitäten verirrt und dabei eine Puppenphilosophie frönt, der man kaum zuhören mag, geht auch das Besondere an „Ghost in the Shell 2“ kaputt. Selbst die Geschichte lässt in dieser Phase im direkten Vergleich nach, wird sie doch schwächer, wenn auch interessant bleibend, so dass der Film auf allen Ebenen, abgesehen von der optischen Brillanz, seinen Vorzeigestatus verliert, der den Film zu einem weiteren Meilenstein hätte werden lassen können.

So hart diese Worte auch klingen mögen, abgestiegen vom hohen Ross des ersten Teils wohnen wir trotzdem noch einem hochinteressanten Zeichentrickfilm bei, der einiges was er auf intellektueller Ebene vergeigt mit mehr Gefühlstiefe bei den Charakteren wieder aufzufangen weiß. Das macht den chaotischen Beginn des letzten Drittels zwar nicht weniger verwirrend und schädigend für den Film, verhilft ihm aber dabei genügend Sehwert zu behalten, um aus „Ghost in the Shell 2“ mehr als unterhaltsamen Durchschnitt werden zu lassen. Teil 2 kann in Konkurrenz mit seinem Vorgänger nur verlieren, ist für sich gesehen trotz seiner Schwächen aber noch immer ein überdurchschnittliches Werk, wenn auch nicht an die wahren Größen des erwachsenen Anime-Bereiches heranreichend, so wie es „Jin-Roh“, „Akira“, „Wings of Honeamise“ und "Paprika" schafften, oder eben auch der erste „Ghost in the Shell“. sehenswert


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FANTÔMAS - IM SCHATTEN DER GUILLOTINE (Fantômas - À l'ombre de la guillotine 1913 Louis Feuillade)


Der Meisterdieb Fantômas geht um und hat es jüngst geschafft einer Gräfin ihren Schmuck zu entwenden. Nun ist es Kommissar Juve gelungen den Dieb und Mörder zu fassen, so dass dessen Hinrichtung kurz bevor steht. Aber Fantômas gelingt es mit einem Trick sich diesem Schicksal zu entziehen...


Der Dieb mit der Visitenkarte...

Die Novelle um den Meisterdieb, der in allerlei Verkleidungen schlüpft, erfuhr in der Welt des Films sehr früh seine erste Umsetzung. 1913 startete die bis 1914 zum Fünfteiler herangewachsene Fantômas-Reihe, beginnend mit dem hier besprochenen „Fantômas - Im Schatten der Guillotine“. Was in den 60er Jahren auf herumalbernde Art eine Abrechnung mit dem Gebiet der Superschurken, wie wir sie aus den James Bond-Filmen kennen, werden sollte, ist in den Anfängen des Kinos noch ein schlichtes Katz- und Mausspiel zwischen Gesetz und Verbrechen, fällt doch selbst der Aspekt der Tarnung des Verbrechers noch schlicht aus, indem er falsche Bärte und Perrücken anstatt kunstvoll geformte Masken verwendet.

Es beginnt aber auch so schlicht, da wir uns am Anfang der Geschehnisse befinden. Fantômas ist zwar ein bekannter Verbrecher, aber einer dessen Grenzen man noch nicht kennt, lebt man hier doch tatsächlich noch im Glauben, mit der Festnahme des Schurken wäre der Spuk vorbei. Erst wenn Fantômas fliehen kann und Juve es haarscharf schafft jemand Unschuldiges vor der Guillotine zu bewahren, der wie Fantômas zurecht gemacht war, beginnt die Obsession für den Gesetzeshüter. Von nun an wird er einzig dafür leben Fantômas hinter Gittern zu kriegen, wissendlich es mit einem besonders gerissenen Gegner zu tun zu haben.

Ich kenne die literarische Vorlage nicht. Im hier besprochenen Film besitzt Fantômas kein kriminelles Netzwerk, wie in den 60er Jahre-Komödien mit Louis de Funès, zumindest kein sehr großes. Seine Helfer müssen Polizisten bestechen, damit Fantômas überhaupt erst fliehen kann. Was passiert wäre, wenn diese nicht bestechlich gewesen wären? Dann wäre es vorbei gewesen mit dem Superverbrecher ehe es wirklich begann. Ob er in Zukunft seine Mittelsleute bereits bei der Polizei eingeschleust hat, weiß ich nicht, das wäre aber ratsam, damit sein Tun nicht zu sehr nach Zufall aussieht wie jetzt noch im ersten Film.

Letztendlich ist „Fantômas“ (Alternativtitel) ein simpler Kriminalfilm mit einem Täter, der Visitenkarten mit Tricktinte hinterlässt (sein Name erscheint auf den Kärtchen erst nach einer kurzen Zeit) und der Verkleidungen benutzt, jedoch nicht wie in späteren Verfilmungen, um seine Identität zu wahren, die ist durch die Festnahme schließlich gelüftet, aber sehr wohl um zu täuschen.

Wie ein Phantom sieht der Täter dann erst in einer Traumsequenz des Kommissars aus, innerhalb einer Schlussszene, welche den einzigen wirklichen Spezialeffekt des Streifens präsentiert. Juve rennt auf Fantômas zu, ergreift ihn, aber der Körper Fantômas‘ verpufft, da er nur Einbildung war, so dass der Kommissar plötzlich niemanden mehr im Griff hält. Fandor, Juves Partner aus dem Zeitungswesen, wird hier noch sehr klein gehalten, ist für den Ablauf der Geschichte nicht sonderlich von Bedeutung, aber zumindest ist er bereits mit dabei. Insgesamt ist „Fantômas - In the Shadow of the Guillotine“ (Alternativtitel) ein recht gewöhnlicher Kriminalfilm geworden, aber auch einer der zu unterhalten weiß. Nicht jeder Stummfilm muss gleich ein legendärer Meilenstein des Kinos sein. unterhaltsam


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Samstag, 25. März 2017

DICK TRACY (1990 Warren Beatty)


Der Mafiaboss Big Boy bekommt die anderen Verbrecherorganisationen seiner Stadt dazu überredet als große Gemeinschaft unter seiner Herrschaft zu kooperieren. Der gewissenhafte Polizist Dick Tracy ist ihm bei seinen Vorhaben stets ein Dorn im Auge...


Der Gesichtslose mischt mit...

„Dick Tracy“ gehört zu den heftigsten Kino-Flops seiner Zeit. Im Gegensatz zu Werken gleichem Schicksals, so wie „Waterworld“ oder „Howard - Ein tierischer Held“, von denen man im Vorfeld hätte wissen müssen, dass solch ein schundiges Vorhaben nur untergehen kann, hat der von Warren Beatty inszenierte Film sein Schicksal nicht verdient, schafft er es doch tatsächlich den zu Grunde liegenden Comic Fleisch werden zu lassen mittels kunterbunter Kostüme, den am Comic orientierten Masken, überdrehten Kulissen und dem Mut das Abenteuer nicht in die Gegenwart zu transferieren, sondern es wie gehabt in einer alternativen Realität der 20er bis 40er Jahre spielen zu lassen.

Vielleicht ist dies der Grund dafür, warum das Publikum Probleme mit dem Film hatte, vielleicht ist es auch die an „Derrick“ erinnernde zurückhaltende, fast charakterlose Art des Titelhelden. So oder so schaut sich „Dick Tracy“ keineswegs massentauglich, ein Liebhaberstück für ein Randpublikum ist er aber sehr wohl geworden, das hätte man von Produzentenseite aus vielleicht von Anfang an anvisieren sollen, um finanziell nicht derart unterzugehen. Der Stoff, der schon in den 30er, 40er und 50er Jahren mal in Spielfilmform und mal im Seriengewandt umgesetzt wurde und in den 60er Jahren zudem eine Zeichentrickserie erfuhr, ist recht skurril ausgefallen, bietet bis auf seine schrulligen Figuren keine weiteren Humorelemente und steuert ansonsten lediglich eine klassische Kriminalgeschichte gegen eine Mafiaorganisation an.

Es ist nicht nur den Kostümen und Settings zu verdanken, dass der Film trotz dieser gut versteckten, simplen Krimi-Geschichte zu gefallen weiß. Es ist der Mangel an Modernisierung, der „Dick Tracy“ innerhalb dieser Rezeptur so stimmig werden lässt, wird an dem klassischen Gut-Böse-Schema von einst doch nicht herumgeschraubt. Tracy ist loyal, unbestechlich und immer auf der Seite der Guten. Dass er das Gesetz selbst öfter bricht anstatt es lediglich zu dehnen, wird nicht kritisch hinterfragt, dient es doch dem guten Zweck. Ebenso werden männliche Fehltritte von Seiten der Frauen aus verziehen, ohne dass von Männerseite aus Worte der Entschuldigung nötig wären. Willkommen in den 40er Jahren!

Namhafte Stars konnten für das Projekt gewonnen werden. Urgesteine wie James Caan sind ebenso mit an Bord wie aktuelle Stars wie Al Pacino und Dustin Hoffman. Und für die zwielichtige, weibliche, große Nebenrolle konnte Sängerin Madonna gewonnen werden, die erst gar nicht zu schauspielern braucht, ist sie doch mit dabei um zu singen und den Tracy zu verführen, so dass sie quasi das machen muss, womit sie berühmt wurde: sexy sein und Lieder trällern. Letzteres weiß sie gekonnt zu meistern, ersteres haut bei ihrem hübschen Aussehen meistens hin, wirkt manches Mal aber auch zu bemüht und würdelos, billig darauf abzielend Männer könnten den Verführungskünsten dieser Frau nicht widerstehen.

Im Film wird es so dargestellt, als ob es eine Art Superkraft Tracys wäre ihr zu widerstehen, das ist dann aber auch der einzig unfreiwillig komische Aspekt einer Geschichte, die ansonsten abenteuerlich und faszinierend zu verfolgen ist. Wer keine Kinder in solchen Filmen mag, wird Probleme mit „Dick Tracy“ haben, spielt ein Knabe hier doch nicht nur eine größere Rolle, er soll zudem je nach Szene absichtlich nerven, so dass er dieses Ziel sicher auch bei so manchem Zuschauer erreicht. Ich empfand ihn manchmal als grenzwertig, manchmal als bereichernd, ein wirklicher Gewinn für die Geschichte ist der Junge jedoch nicht.

Viel wichtiger hingegen ist jedoch die im Raum schwebende Love Story, da sie der einzige Aspekt ist, der Dick Tracy Leben einhaucht. Erst die Liebe zur Frau macht ihn zum Menschen, wärend er ansonsten der charakterlose, stets zu Diensten agierende Kriminalist ist, der weder Gefühlsregungen, noch persönliche Interessen in seine Arbeit einfließen lässt. Dass die Arbeit sein Leben ist, wird zum Konflikt zwischen ihm und seiner Angebeteten, so dass die klassische Heldentragik, wie wir sie auch aus „Spider-Man“ und Co kennen, Früchte tragen kann. Der bewegendste Moment ist meiner Meinung nach ein stiller, für die meisten Menschen unbedeutender. Selten klang ein „Danke“ so gefühlvoll, ehrlich und bewegend wie in jener Szene, in welcher Tracy es zur Femme Fatale Madonna sagt, kurz nachdem sie ihm einen Hinweis gab wo sich die entführte Geliebte des Polizisten befindet.

Warren Beatty entfacht an vielen Stellen des Filmes ein wahres Actionfeuerwerk, ein Element welches ich in diesem Film gar nicht so stark vertreten vermutet hätte, so klassisch wie hier Krimi und Comic zelebriert werden. Aber es weiß zu wirken, zumal besagte Szenen nicht dominieren und stets den Zweck des Mehrwertes erfüllen, um die Geschichte voran zu treiben. Es mag „Dick Tracy“ der letzte Schliff zum wahrlich großen Filmerlebnis fehlen, aber ein gelungenes Stück andersartige Comicverfilmung ist er definitiv geworden, so dass er damit gerade in heutigen Zeiten ewig wiederkehrender Superhelden in sich ähnelnden Filmen eine Wiederentdeckung wert ist. Im Gegensatz zu manch anderen verkannten Werken ihrer Zeit, ist „Dick Tracy“ leider auch im Nachhinein auf VHS und DVD kein erfolgreicher Geheim-Tipp geworden. sehenswert


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BAD NEIGHBORS 2 (Bad Neighbors 2 - Sorority Rising 2016 Nicholas Stoller)


Nachdem Mac und Kelly ihr Haus verkauft haben, kann der neue Besitzer 30 Tage lang überraschend vorbei kommen, um zu sehen ob mit dem Objekt alles okay ist. Falls nicht kann er den Kauf rückgängig machen. Ausgerechnet in dieser Phase des Verkaufs zieht nebenan eine Studentenverbindung ein. Im Versuch die Studentinnen von wilden Partys abzuhalten, entbrennt ein Krieg der Nachbarschaft, an welchem auch Macs und Kellys ehemaliger Erzfeind Teddy beteiligt ist...


Dildos als Kinderspielzeug...

Bereits „Bad Neighbors“, der erste Teil des hier besprochenen Streifens, war lediglich eine nette kleine Routine-Komödie ohne nennenswerte Höhepunkte, solide inszeniert, aber bis auf winzige Elemente überraschungsfrei und vorhersehbar erzählt. Wie zu erwarten ist das Ergebnis in „Bad Neighbors 2“ nicht anders ausgefallen. Dass ich mich trotzdem relativ früh nach Erscheinen der DVD an die Fortsetzung herangewagt habe, liegt am Mitwirken von Chloë Grace Moretz, die ich für eine der talentiertesten Jungdarstellerinnen halte, die Amerika zur Zeit zu bieten hat. Wie gut der Star aus „Kick-Ass“, „Let Me In“ und „Carrie“ schauspielern kann, fällt in Nicholas Stoller Film, an welchem auch Hauptdarsteller Seth Rogen mitgeschrieben hat, jedoch kaum auf.

Das ist sehr schade. Erst kürzlich in „Die Wolken von Sils Maria“ durfte Moretz ihre Vielseitigkeit und ihr Können in einem Art House-Stoff unter Beweis stellen, und unter der Fuchtel von Seth Rogen wusste sich „Harry Potter“-Star Emma Watson in „Das ist das Ende“ mit nur einem kleinen Gastauftritt gekonnt zu emanzipieren. Dass dies in der viel größer angelegten Rolle Moretz‘ in „Bad Neighbors 2 - Sorority Rising“ (Originaltitel) nicht ebenfalls der Fall ist, liegt an der oberflächlich gezeichneten Charakterisierung. Zwar wird ihre Rolle als Kämpferin gegen den Sexismus dargestellt, letztendlich verkörpert sie aber nur das übliche Party-geile Teenie-Mädchen, wie man es in jeder x-beliebigen Teenie-Komödie zu sehen bekommt.

„Bad Neighbors 2“ soll ein kurzweiliger Partyfilm sein, deswegen ist dies nicht wirklich hinderlich für den Unterhaltungswert des Streifens, es verkauft die sympathische Schauspielerin damit lediglich unter Preis. Interessant an der Herangehensweise Stollers ist die Perspektive aus welcher der zweite Teil erzählt ist. Waren trotz diverser Abstecher ins Lager der Studenten Mac und Kelly die Stars des ersten Films, beleuchtet die Fortsetzung das Treiben der Girlies ein wenig intensiver. Einige Zeit lang beschäftigt sich der Streifen intensiver mit ihrer Seite als mit jener der Helden aus Teil 1. Damit bekommt „Bad Neighbors 2“ tatsächlich einen gewissen Teenie-Komödien-Touch.

Da der Film insgesamt nichts Neues zu erzählen hat, hat die Erwachsenenseite, die gerne jünger wäre als sie ist, ihr Alter aber akzeptieren muss, dem wilden Treiben der Mädels nicht viel entgegenzusetzen, wirkt damit gehaltloser, so dass die Teenie-Perspektive dominiert. Erst in der letzten halben Stunde besinnt man sich dessen was man eigentlich mitteilen möchte, und lenkt damit wieder auf die Seite der Erwachsenen, die, wie schon in Teil 1, mit Hilfe eines entgegenkommenden Kompromisses als Sieger vom Platz laufen.

Mit „Bad Neighbors“ verhält es sich ähnlich wie mit der „Ted“-Reihe. Innovativ und böse sieht anders aus, und ich kann jeden verstehen der auf diese Komödien schimpft, die nur das Grundlagenprogramm abarbeiten und keine wirklich großen Lacher, Kreativität und Überraschungen zu bieten haben. Als solide Routine-Kost gehen sie aber beide für mich in Ordnung, die beiden Rogen-Filme sogar mehr als die Vergleichsreihe mit Mark Wahlberg, ist mir der Hauptdarsteller seit meiner ersten Begegnung mit ihm in „Shopping-Center King“ doch einfach ursympathisch. Und dass er auch noch zusammen mit Chloë Grace Moretz in einem Film auftaucht, ist für mich wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk und rettet mir somit solch einen durchschnittlichen Stoff, in Kombination mit einer soliden und flotten Inszenierung. Einfallsreich sieht anders aus, aber Langeweile bekämpft der Streifen trotz seinem braven Einhalten gängiger Erzählregeln recht ordentlich. unterhaltsam


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DIE REISE INS ICH (Innerspace 1987 Joe Dante)


Der Pilot Tuck Pendelton nimmt an einem Miniatisierungsexperiment teil, in welchem er in einer Art Raumschiff sitzend auf Sandkorngröße geschrumpft wird, um in den Körper eines Kaninchens gespritzt zu werden. Kurz nach erfolgreich vollendeter Miniaturisierung wird das Labor jedoch von Industriespionen überfallen. Der Leiter des Projektes kann die Spritze, in der sich Tuck befindet, gerade noch retten und spritzt sie auf der Flucht vor den Ganoven aus Verzweiflung in den Körper des Supermarktangestellten Jack Putter, bevor er tot zusammen bricht. Nachdem Tuck erkannt hat was passiert ist, versucht er Kontakt zu Jack aufzunehmen, doch der hat bereits ohne einen Mann in seinem Inneren genug psychische Probleme...


Der Cowboy lässt die Stiefel an...

Ich war 12 Jahre alt, als ich „Die Reise ins Ich“ seinerzeit im Kino sah. Ich kannte den Quasi-Vorgänger „Die phantastische Reise“ noch nicht, wusste zuvor auch nicht in welchen Film mich meine Familie mitgenommen hatte, war aber schnell begeistert von der abenteuerlichen Geschichte, welche die Phantasie eines Jungen nicht nur mit der Miniaturisierungsidee anzuregen wusste, sondern auch mit manch anderem verspielten Gimmick. Wie süß Meg Ryan in ihrer Rolle wirkt, habe ich erst Jahre später entdeckt, als Ryan durch ihre Dauerpräsenz in romantischen Komödien zu einer Berühmtheit wurde. Schon zuvor gab es etliche weitere Sichtungen des Stoffes auf VHS. Und wie das so ist, wenn man sich lange Zeit mit dem Medium Film beschäftigt, so werden die Pausen auch bei vielgesehenen Liebhaberstücken aus der Jugend zwischen den einzelnen Sichtungen immer größer.

Vor zwei bis drei Jahren packte ich ihn nach einer Sehpause von etwa 10 Jahren wieder aus, und ich war überglücklich dass mich Joe Dantes zu Unrecht etwas untergegangenes Werk noch zu unterhalten wusste. „Die Reise ins Ich“ ist nicht nur ein familientaugliches, abenteuerliches Erlebnis mit allerhand Schauwerten, er ist zudem noch jene Kunstform massentauglicher Familienunterhaltung, die Anfang der 90er Jahre irgendwann in Hollywood verloren gegangen ist. „Innerspace“ (Originaltitel) ist solch ein unverkrampftes Stück Popkorn-Kino, frei von Zuschaueranbiederungen und mit Blick auf interessante, wie liebenswürdige Charaktere, sowie auf eine intelligente, abwechslungsreiche Geschichte, dass das Sichten für Erwachsene nicht nur zum müde lächelnden Kompromiss wird, wenn man den Kindern zuliebe einen Familienfilm guckt, sondern für Alt wie Jung zu einem wahrhaften Seherlebnis wird. Das war Grund genug für mich ihn zwei Jahre später erneut zu sichten, um ihn ein paar Freunden zu zeigen.

Der Humor ist reichhaltig, aber nicht übermäßig vorhanden, gesund auf die Gesamtlänge verteilt und die Gags hierfür sicher und gekonnt gesetzt. Der Spannungsbogen kann sich für einen familienfreundlichen Film sehen lassen, die Action wird recht weit zurückgeschraubt und konzentriert sich eher auf Verfolgungsjagden oder kleinere Kämpfe. Gut aufgelegte Schauspieler sorgen innerhalb einer Geschichte, die stets mehr als das nötige Grundprogramm liefert, mit ihrer spürbaren Spielfreude für den nötigen Schliff, und fertig ist ein Filmerlebnis, das sich vor den bekannteren Namen seiner Zeit, wie „Zurück in die Zukunft“ und „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ kaum verstecken braucht. „Die Reise ins Ich“ mag nicht ganz an diese Vergleichsfilme heranreichen, aber er ist sehr nah dran und damit weitaus besser als viele andere Konkurrenzprodukte, ob nun aus den 80er Jahren oder von heute.

Freilich sieht man Dantes Werk die 80er Jahre an, aber sie kommen sympathisch anstatt lächerlich daher, und auch der Soundtrack greift auf angenehme Vertreter der Musik dieser Zeit zurück, und nicht auf die unangenehmen, geschmacklichen Entgleisungen. Zudem ist die Musik nicht nur aus besagtem Jahrzehnt gewählt, und die eigens für den Film komponierte Hintergrundmusik plätschert eher beiläufig, wenig aufregend komponiert im Hintergrund vor sich hin. Mir ist es lieber wenn eine solche mittelmäßig und unauffällig ausfällt, als wenn sie imposant und aufdringlich komponiert ist, so als müsse der Zuschauer erst darauf aufmerksam gemacht werden, etwas Aufregendem beizuwohnen.

Solche Manipulationen hat „Die Reise ins Ich“ nicht nötig, der, wie typisch für seine Zeit, mit handgemachten Spezialeffekten zu begeistern weiß. Die Innenaufnahmen von Jacks Körper sind mit viel Liebe zum Detail umgesetzt, und Dante beherrscht die gekonnte Mixtur diese effektvoll, zum Staunen einladend einzuführen, ohne aus seinem Werk gleich ein reines Effektspektakel zu zaubern. Ebenso wie der Humor- und Abenteuergehalt, so stimmt hier auch bei den Effekten die Gewichtung. In dieser von Steven Spielberg produzierten Science Fiction-Komödie wird jeglicher Bereich durchdacht und mit Respekt angegangen, unterhaltsam umgesetzt ohne verkopft daher zu kommen, aber schlau genug geschrieben, Zusammenhänge, die Psychologie von Charakteren und die Auswirkungen von kleinen wie großen Situationen begreifend.

Alles hat sich der Geschichte und den Charakteren unterzuordnen, während sich die Verantwortlichen des Streifens gleichzeitig den Spaß gönnen, immer wieder verspielte Nebensächlichkeiten einzubauen, welche die Geschichte nicht nötig gehabt hätte. Dies schafft man ohne Längen hervorzubringen, ganz im Gegenteil fühlen sich diese Entgleisungen als Teil der Handlung an und sind somit fast schon unauffällig in den flotten Sehspaß integriert.

„Die Reise ins Ich“ ist noch kein Formelkino der großen Studios, wie wir es von den heutigen Blockbustern kennen, auch wenn er auf die Erfolgserkenntnisse seiner Zeiten gezielt setzt. Peinlichkeiten werden stets umschifft, moralische und kitschige Aspekte treten nicht einmal kurz angedeutet auf, und die Love Story wird unterstützend integriert, klein gehalten, aber wirkungsreich. Kurzum ist „Die Reise ins Ich“ ein ideale abenteuerlicher, mit Spezialeffekten angereicherter Unterhaltungsfilm, wie er in dieser entspannten, den Zuschauer nicht erziehen wollenden, Art auch nur in den 80er Jahren entstehen konnte. Vor den Größen seiner Zeit braucht er sich nicht verstecken. sehenswert


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