Sonntag, 28. August 2016

ALLES IM EIMER (1981 Ralf Gregan)


Leo Bergert hat Schulden und wurde von seiner Verlobten verlassen. Und da ihm der Selbstmord nach diversen Versuchen einfach nicht gelingen will, engagiert er eine Zufallsbekanntschaft, den Einbrecher Max, den Mord an sich innerhalb der nächsten zwei Tage zu übernehmen. Zu dumm nur dass einen Tag drauf die Welt finanziell wie auch Beziehungs-technisch wieder in Ordnung ist, und Leo dementsprechend keine Lust mehr hat zu sterben. Aber wie kontaktiert man einen Auftragskiller der nicht gefunden werden will? Da Max überraschend und schmerzlos vorgehen soll, wird Leo in den kommenden zwei Tagen zum reinsten Nervenwrack und vermutet hinter jedem Schatten seinen Mörder...


Leo und der Balkon...

Ein Jahr nach ihrem wunderbaren „Mein Gott, Willi“ drehten Regisseur Ralf Gregan und Hauptdarsteller Dieter Hallervorden zusammen mit einigen anderen Mitwirkenden besagten Streifens ihre nächste gemeinsame Komödie. „Alles im Eimer“ mag nicht eine solch ganz runde Nummer wie der Vorgänger sein, dessen Kritikpunkt etwas zu Sketch-artig ausgefallen zu sein muss sich auch der Nachfolger gefallen lassen, aber ein sympathisches Stück Unfug ist der hier besprochene Film trotzdem geworden.

Zwar darf es überraschen, dass sich die Autoren nicht auf der in der Inhaltsangabe erwähnten Idee ausgeruht haben, wie es manch andere Filmschaffende taten, sondern stattdessen immer neue Wendungen und Ereignisse das Chaos regieren lassen, womit man sich gelegentlich übernimmt und auch den Zuschauer manches Mal ein wenig aufgrund des sich auftuenden hektischen Szenarios überfordert, da man aber schnell erkennt dass hier lediglich ein Theaterstück, oder zumindest das Prinzip eines Theaterstückes, auf das Medium Spielfilm übertragen wurde, versteht man schließlich auch warum die Autoren so vorgegangen sind.

Mag „Alles im Eimer“ auch manches Mal etwas wirr wirken und kurzfristig auch mal auf der Stelle treten, so verzeiht man dem Streifen solche Schwächen doch gern, ist er doch mit einigen liebgewonnenen deutschen Schauspielern charmant besetzt, und da weiß die gut aufeinander abgespielte Bande manche Hürde gekonnt zu überwinden. Ebenso weiß Dieter Hallervordens Blödelkunst so einiges zu retten. Was er hier an mal extremen und mal subtileren Grimassen wirksam zu witzeln weiß, weiß den Liebhaber seiner frühen Stücke zu gefallen, zumal der lange Zeit unterschätzte Schauspieler, wie in all seinen Werken, dabei stets seine Würde bewahrt und sich nie komplett zum Affen macht.

Die Qualität des Vorgängers und freilich auch der drei großen Komödien Didis, „Didi - Der Doppelgänger“, „Didi und die Rache der Enterbten", sowie „Der Experte“, weiß das schlichte Lustspiel nicht zu erreichen. Während aber andere frühe Werke wie „Ach du lieber Harry“ und „Der Schnüffler“ sich der Komik Hallervordens noch nicht ganz sicher schienen und dementsprechend nicht durchgängig unterhaltsam ausgefallen sind, finden sich diese Schwachpunkte im hier besprochenen Streifen überhaupt nicht. Die Komik ist ebenso treffsicher auf Didi abgestimmt wie der hier verkörperte Personentyp, und zu unterhalten weiß diese chaotische Aneinanderreihung schräger Situationen durchaus.

Nach 95 Minuten ist man dennoch ganz froh dass doch mal Schluss ist, immerhin erfordert der Film einiges an Nerven vom Zuschauer ab, wenn man mit dem sympathischen Chaoten mitfiebert sobald sich wieder ein neuer Abgrund auftut, der überwunden werden muss. Das zeigt aber auch wie eng man am Leiden der Hauptfigur gebunden ist und wie sehr man mitfiebert, egal wie realitätsfern das ganze Szenario aufgrund immer weiterer Übertreibungen auch manches Mal scheinen mag. Was für Pierre Richard „Der große Blonde auf Freiersfüßen“ war, das war für Hallervorden „Alles im Eimer“: ein Theaterstück voller Verwechslungen, Tolpatschigkeiten und überraschender Wendungen. Manche etwas zu anstrengende Länge ist mit dem nächsten Lacher wieder wie weggebügelt.
unterhaltsam

Donnerstag, 25. August 2016

BEHIND THE MASK (Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon 2006 Scott Glosserman)


Ob in Haddonfield, an der Elm Street oder am Crystal Lake, immer wieder werden Teenager in Amerika Opfer legendärer Killer, ein Phänomen dessen Hintergrund die junge Dokumentarfilmerin Taylor nachgeht, indem sie Leslie Vernon bei seinen Vorbereitungen begleitet ein ebensolcher Serienkiller wie Freddy, Michael und Jason zu werden...


Wie wirkt man mystisch?...

Es ist schön dass Regisseur und Autor Scott Glosserman seinen Film in einer Welt spielen lässt, in welcher die Ereignisse aus „Halloween - Die Nacht des Grauens“, „Nightmare on Elm Street“, „Freitag der 13.“ und Co in der Realität passiert sind. Das gibt der Geschichte mehr Faszination als der olle Gedanke ein junger Spinner wolle solche Filme Realität werden lassen. Letztendlich gibt es laut des Films eine Sub-Kultur an Legendenkillern, deren Vernetzung oder Nicht-Vernetzung nicht näher beleuchtet wird. Zumindest steht der hier ins Zentrum gesetzte zukünftige Serienkiller in Kontakt mit wem Alteingesessenem aus der Branche, eine Idee die einiges an Zusatzideen ermöglicht und ungeklärt mehr Reiz besitzt als den Ursprung der Freundschaft der beiden Killergenerationen zu beleuchten.

Wer nun glaubt aufgrund der Anwesenheit von Freddy Krueger-Darsteller Robert Englund würde dieser besagten Part des älteren Psychopathen übernehmen, der irrt, wird Englund doch die Ehre zuteil den ebenso legendären Psychopathen-Jäger zu spielen, wie Dr. Loomis jener für Michael Myers war. Man liest bereits heraus, dass „Behind the Mask“ sich an jenem Publikum orientiert, welches mit den meist amerikanischen Slasher-Filmen vertraut ist. Man muss die Regeln, den Mythos, ja selbst die Unsinnigkeiten kennen, um tatsächlich etwas mit der Geschichte anfangen zu können, zumindest kann man dann tiefer in die Materie eintauchen als völlig Unwissende.

Da bereits die Originale nicht zur hohen Filmkunst gehören, braucht man bei der hier angegangenen augenzwinkernden, parodistischen Betrachtungsweise, die zwar immer wieder den Bereich der Komödie streift, meiner Meinung nach aber nie wirklich zu einer solchen wird, auch nicht all zu pfiffige Kost erwarten. „Behind the Mask“ lebt in einer Welt, in welcher sich Abende wie die Nacht des Schreckens planen lassen und sich Menschen aufgrund bestimmter Situationen selbst dann wie vorbereitet verhalten müssen, wenn diese bereits in den Plan eingeweiht sind. Das unterstützt zwar zum einen das Klischee der eher dümmlich gearteten jugendlichen Gegenspieler, betrachtet den Handlungsort aber auch zu sehr als Set, so als sei es nicht möglich nach links oder rechts zu laufen anstatt gerade aus wie vorgesehen.

Auch deshalb ist es ganz gut, dass „Behind the Mask - The Rise of Leslie Vernon“ (Originaltitel) nicht in unserer Realität angesiedelt ist, sondern in eingangs erwähnter Alternativ-Welt zu unserer. Und da Glossermans Film ohnehin nur eine verspielte Idee mit dem bereits Bekannten ist, und durchaus eine in der Theorie reizvollere besitzt als die Vergleichsstoffe „The Cabin in the Woods“ und „Scream“ (deren Klasse „Behind the Mask" jedoch nie erreicht), sollte man auch nicht all zu streng mit ihm umgehen, will er doch weder Goethe noch Kant sein, sondern einfach ein Fun für Fans.

Selbst hierfür hätte er ruhig etwas pfiffiger ausfallen können, aber bezogen auf das was Glosserman will funktioniert „Behind the Mask“ ganz gut, schließlich outet er die junge Generation als mediengeil, morbide und oberflächlich (anbei alles Zutaten die auch „Scream 4“ so schmackhaft machten), und entlarvt bezüglich dieser fragwürdigen Geilheit selbst uns, das Publikum, welches die Mörder zu Helden erklärte und uns mit der Rolle der Dokumentarfilmerin nun den Spiegel vorhält - jedoch nicht ohne sich selbst als Fan-Produkt zu outen. Da werden sicher einige klagen: nichts Halbes und nichts Ganzes, aber solche Kritik am hier besprochenem Film hätte nur dann Hand und Fuß, wenn man tatsächlich etwas Bedrohliches im Verspieltem Umgang mit den Slasher-Filmen sehen würde. Und dann müsste man so ticken wie die konservativen Gewaltspiele-und Horrorfilm-Zensoren, welche Bluttaten gern dem Konsum abseitiger Medienbeiträge zuordnen.

Da es beim Stammzuschauer des Genres nie zu einem solch verdrehtem Weltbild kommen kann, eben weil er Gefallen an diesen Stoffen gefunden hat, sind die Voraussetzungen etwas mit „Behind the Mask“ anfangen zu können somit gegeben, so das es nun nur noch auf die Erwartungshaltung des Fans ankommt. Ist diese nicht zu hoch und erwartet man lediglich eine nette kleine Horror-Unterhaltung für zwischendurch, geht alles in Ordnung, vorausgesetzt man kann mit dem hohen Anteil des umstrittenen Found Footage-Verfahren etwas anfangen, welches mehr als die Hälfte des Filmmaterials ausmacht. Zudem sollte man sich damit abfinden müssen, dass das Finale nicht anders ausfällt als in den hier zitierten Vergleichsstoffen. Ebenso liegt die sich zu Beginn des Finales auftuende Wendung für jeden Kenner des Genres lange vor dem geistigen Erwachen der Heldin klar auf der Hand, eine Überraschung ist die Umpositionierung von Taylors Rolle in Leslies Spiel sicherlich nicht.

Es liegt also genau an diesen Punkten ob der Genre-Freund mit der hier vorliegenden Umsetzung einer tollen Idee etwas anfangen kann oder nicht. Wer nicht alles zu Ende gedacht braucht kann mit dem Ergebnis jedoch zufrieden sein, auch wenn ein guter Autor mehr aus den Möglichkeiten herausgeholt hätte als es Glosserman tat. Meiner Meinung nach findet sich das Gelingen des Stoffes jedoch in einem ganz anderen Bereich, und den hat Glosserman definitiv erreicht: er hat Leslie Vernon trotz dem Blick hinter die Kulissen nicht seiner Mystik beraubt, sondern ihm eine neue hinzugefügt. Außerdem wirkt der toll geschminkte Maskenmann selbst dann, wenn man den Menschen dahinter zuvor kennen lernen durfte.
unterhaltsam


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Mittwoch, 24. August 2016

DIE NACKTEN AUGEN DER NACHT (Les cauchemars naissent la nuit 1970 Jess Franco)


Die Stripperin Anna bekommt das Angebot für Cynthia zu arbeiten, die eine Stammzuschauerin von Annas Show ist, und deren Bann sich die Tänzerin nicht entziehen kann. Sie zieht bei der dominanten Frau ein, und es entbrennt eine Liebschaft zwischen den beiden. Als Anna sich im Schlaf merkwürdig benimmt schaltet Cynthia einen befreundeten Psychiater hinzu. Der kann zunächst nichts feststellen, doch eines Nachts tötet Anna einen Mann...


Die Schmuddel-Traumwelt des Jess Franco...

„Die nackten Augen der Nacht“ ist ein lupenreiner Jess Franco-Film, entwickelt der Schundfilm-Künstler um das Nichts an Story doch eine traumartige Atmosphäre, voller Lust und Frust, eingelullt in einem hypnotisch anmutenden Soundtrack, erzählt im Zeitlupentempo, gefüllt mit allerhand Nackedeiszenen. Franco geht keine Kompromisse ein. Hier wird nur der hartgesottene Fan des Kult-Regisseurs fündig, und so sehr ich auch einige seiner Werke mag, so gehöre ich zu dieser Extremgruppe Franco-Bewunderer doch trotzdem nicht dazu. Für mich war das hier besprochene Werk, welches einige Jahre vor seiner ersten Veröffentlichung entstanden ist, ein Stück Schlafmittel sondergleichen, von dem ich selbst nicht verstehe wie ich es bis zum Schluss ohne Bildvorspul-Taste ausgehalten habe.

Es ist nicht so dass mir der Stil den Franco hier entfacht nicht kurzfristig fasziniert hätte, aber ich persönlich brauche zusätzliche sleazy Eigenschaften um mich in solch einem Plot wohl zu fühlen. Ewiges Gefummel reizt mich nicht, und wenn es so angeödet und lustlos daher kommt wie in so ziemlich jeder Sex- und Stripszene dieses Streifens, dann erst recht nicht. Mühsam erzählt Franco seinen Film über einen ellenlangen Rückblick, der freilich ebenfalls fast nur aus möchtegern-erotischen Momenten besteht. Und die Fährten die er uns für die kommende Geschichte legt, wirken verkrampft, psychologisch nicht durchdacht und outen sich zu früh als das was tatsächlich geschah, anstatt den Zuschauer von der Wahrheit abzulenken.

Aber da reden wir von etwa 10 Minuten Handlung, die hauptsächlich am Schluss stattfindet, während das restliche Füllmaterial aus besagten Fummelszenen minderer Machart besteht. Die das Publikum in eine Art Traum ziehende Atmosphäre besitzt zwischenzeitlich durchaus ihren Reiz, reißt einen jedoch nicht in den nötigen Bann um daraus einen kompletten Film zu speisen. Ganz im Gegenteil ist es schließlich das hypnotisch langsame Verfahren des Streifens, das mir irgendwann auf den Senkel ging, obwohl ich geduldig dem Film länger eine Chance gab, als es viele andere Cineasten getan hätten.

Warum Franco ausgerechnet dieses Werk noch weitere zwei Male verfilmte, einmal 1977 als „Der Ruf der blonden Göttin“ und noch einmal 1984 als „Mil sexos tiene la noche“, will sich mir nicht erschließen. Sinn würde ein Remake ohnehin nur machen, wenn Franco den meiner Meinung nach größten Fehler der hier besprochenen Version versuchen würde wett zu machen. Wir erleben hier zwar die meisten Szenen aus dem Blickwinkel einer traumatisierten Frau, deren Erinnerungen schleierhaft sind, so dass auch unser Blickwinkel getrübt wird, was ganz gut zur Auflösung passt, die wichtigsten Hintergrundinformationen erfahren wir jedoch über Dritte in normal umgesetzten Szenen.

Den Film im Trance-artigen Zustand der Hauptrolle zu erzählen würde jedoch nur dann pfiffig wirken, wenn wir wirklich alles über diesen Blickwinkel erleben würden, so dass die aufklärenden Momente den Zuschauer inmitten einer eingelullten Atmosphäre hart treffen und wie aus einem Alptraum zum Aufwachen zwingen würden. Diese Chance hat Franco leider vertan und lässt auch die Hintergrundmomente einzig über Leergeschwätz passieren, eine Eigenschaft die schon die Erotikszenen des Films nicht retten konnten, legte Franco über diese doch stets Off-Kommentare der Hauptfigur, die tiefsinnig und sinnlich klingen (sollen), letztendlich aber doch nur aufgeblasenes Blabla ohne Gehalt sind.
schlecht


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Dienstag, 23. August 2016

DAS FRAUENHAUS (1977 Jess Franco)


In den geheimen Hinterzimmern des Stripclubs Blue Rita werden Männer von lesbischen Frauen im Auftrag des russischen Geheimdienstes gefoltert...


Der grüne Lustmacher der blauen Rita...

Schmuddelfilmer Jess Franco beherrscht es wie kein anderer im Schundfilmbereich ordentlich auf die Kacke zu hauen und nicht an sleazy Elementen zu sparen. Es gibt kaum eine Szene, in welcher die hier agierenden Frauen nicht nackt sind, Sexentzug wird als Foltermethode verwendet, Männer-hassende Lesben vollziehen diese Prozedur. Warum hierfür zunächst mit den Männern geschlafen wird, bevor sie mit einem Gas eingenebelt, dann eingesperrt werden und schließlich mit Sexentzug bestraft werden, bleibt das Geheimnis der unsinnigen Welten des Regisseurs, solche Widersprüche machen aber zu einem guten Teil den Reiz seiner Filme aus.

Dies macht es zumindest mehr als die schlaffe Erotik, mit welcher Franco provozieren will. Männer mit schlaffer Nudel imitieren den Beischlaf, Frauen schauen währenddessen lustlos drein. Stripszenen geschehen mit selbigem desinteressierten Blick wie in Trance, werden aber bejubelt und beklatscht als hätte man gerade eine saugeile Nummer gesichtet. Auch in anderen Bereichen darf man sich optisch verarscht fühlen. So imitiert rote Fingerfarbe Blut, während grüne, inhaltlich belustigend, zu einem sexuell stimmulierenden Mittel wird, ein Gimmick welches dem Stoff seine satirische Note nimmt, hätte ohne das Aphrodisiakum die Idee von mit Sexentzug gefolterten Männern doch eine wunderbare Antwort auf die cineastisch gesehene sexgeile Zeit sein können, in welcher „Das Frauenhaus“ entstand. An anderer Stelle bekommen auch die Schulmädchenwünsche des damaligen Kinopublikums in einer Stripnummer ihr Fett weg, von daher hätte das gepasst.

Aber so absichtlich lustig Stelzbock Franco seinen Sex-Thriller an mancher Stelle auch inszeniert, Satire ist das nicht. Es ist nicht einmal ein halbwegs intelligenter Stoff dem wir hier beiwohnen, selbst dann wenn die Finalereignisse dem Stoff so einige überraschende Wendungen bescheren. Schließlich reiht Franco zunächst nur Sex- und Erotikszenen wahllos aneinander, weiht uns zwischendurch in die Foltermethoden einer lesbischen Sekte ein, nur damit diese viel später im Film endlich bei so etwas wie einer Handlung angekommen, für irgendeinen Geheimdienst arbeiten. Wie unsinnig das ist, ist freilich in solch einem freiwilligen Schundfilm egal, wird durch einige Momente am Schluss jedoch zumindest halbwegs begradigt.

Dass „Blue Rita“ (Alternativtitel) in diesem Zustand nicht einfach nur zum Kopfschütteln animiert, sondern bis zu einem gewissen Punkt sogar zu unterhalten weiß, verdankt solch ein unterirdisch dämlicher Stoff schließlich Francos Gespür für Schundkunst. Musikalisch ist der von einer Combo begleitete Film hervorragend untermalt, mal mit Blasmusik im Zentrum der Melodie, mal mit Klaviermusik, in beiden Varianten aber edel und schlüpfrig zugleich ausfallend. Und wenn Franco uns in einer Szene den lesbischen Akt kaum erkennbar verschwommen im Hintergrund präsentiert, während gut sichtbar im Vordergrund die Fische im Aquarium schwimmen, dann zeigt das sein Gespür für das Spezielle, welches das Reinschalten in seine Werke fast immer wieder lohnt.

Für meinen Geschmack steckt „Das Frauenhaus“ für einen Franco-Film irgendwo zwischen den Stühlen fest. Dass Freunde des Mainstream-Kinos die Werke dieses improvisierenden Künstlers grundsätzlich meiden dürfte klar sein, die Hälfte der Bewunderer des sogenannten Bahnhofkinos meiden ihn schließlich ebenso. Oft zu Recht, wie ich finde. Und obwohl ich mich mittlerweile mit dem Stil des ungewöhnlichen Filmemachers angefreundet habe und einige seiner Werke mag, so kann ich mich für den 1977 in der Schweiz und in Frankreich gedrehten Streifen doch nur stellenweise begeistern, ist er mir in seiner ersten Hälfte doch eine Spur zu lahm ausgefallen.

Diese lustlosen Sexszenen die dort aneinander gereiht werden verlieren mit der Zeit ihren Schundfilmreiz. Und von einer provokativen Maschine mit Dildo-Hebeln und bunten Lichtern einmal abgesehen, sowie von interessant in Szene gesetzten Räumen, hat diese in ihrer Endloswiederholungsschleife der immergleichen Szenarien auch nur wenig zu bieten. Die zweite Hälfte gefiel mir da schon wesentlich besser, bereitete diese doch gar unterhaltsame Minuten, was den Film in seiner Gesamtheit damit jedoch auch nicht retten kann. Ich sympathisiere mit dem Streifen, kann ihm jedoch nicht genug abgewinnen, als dass ich ihn tatsächlich als gelungenen Schundfilm des Vielfilmers bezeichnen könnte. Reinschalten sollten ohnehin nur Stammzuschauer Francos. Im Gegensatz zu vielen anderen seiner Werke ist „Das Frauenhaus“ aber zumindest nicht langweilig ausgefallen.
mittelmäßig


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Sonntag, 21. August 2016

UNDER THE SKIN (2013 Jonathan Glazer)


Eine Außerirdische bemächtigt sich dem Aussehen einer Menschenfrau, fährt mit dem Auto durch die Gegend um Männer anzusprechen und nimmt diese mit nach Hause, um sie in einer ominösen Flüssigkeit zu ertränken, in der sich ihre Körper zersetzen. Je mehr Einfluss das Leben auf der Erde auf das Alien hat, um so seltsamer benimmt es sich. Es lässt sich auf die Alltagssituationen des Menschenlebens ein...


Das Leben ist ein Lernprozess...

Wer schon Probleme mit dem sonderbaren aber auch höchst unterschätzten „Birth“ hatte, der wird mit Jonathan Glazers Folgefilm, der 9 Jahre auf sich warten ließ, nichts anfangen können, ist er im Gegensatz zum Vorgänger doch recht sperrig erzählt, da er auf den gängigen Erzählfluss einer Geschichte verzichtet. „Under the Skin“ ist aus einer weiten Distanz erzählt. Unterkühlte Bilder, der meist emotionslose Blick von Scarlett Johansson (der sie für eine Idealbesetzung eines weiblichen Terminators prädestiniert) und die mehr sterrile als hypnotische Musik sperren in einer dialogarmen Umsetzung den Kinofreund, den es einzig nach leichter Unterhaltung dürstet, von Anfang an aus.

Erzählt wird in einem Mix aus „Der Mann, der vom Himmel fiel“, „Big Harry“, „Meine Stiefmutter ist ein Alien“ und „Phase IV“ theoretisch lediglich die Rollenentwicklung einer Frau in unserer Gesellschaft. Kaum die eigenen Reize entdeckt werden mit dieser Männer gelockt, um sie schließlich unbefriedigt zurück zu lassen. Dann wird die eigene Sexualität erkannt und aufgrund der damit verbundenen Gefahren wird die Jägerin zum Gejagten. Und wenn sie aus der ihr zugeordneten devoten Rolle herausbricht, indem sie ihr wahres Ich entdeckt, will der Mann sich ihr entledigen. Das ist ein sehr konservativer soziologischer Blick, aber er passt auf das was uns, freilich in einem Science Fiction-Stoff verfremdet, von Glazer hier gezeigt wird.

Wer andersartige Filmmethoden mag, dürfte eigentlich Gefallen an dem sehr langsam erzählten „Under the Skin“ finden, der je nach dem was Glazer gerade vorschwebt in dokumentatorisch wirkende Bilder ohne Farbfilter getaucht ist, aber auch hin und wieder in völlig verfremdete, geradezu realitätsferne Bilder. Spezialeffekte gibt es wenige, die paar vorhandenen sind dafür aber auch gleich ein Augenschmauß, auch wenn sich Glazer anfangs begnügt eher mit optischen Spielereien zu arbeiten, wie wir sie aus diversen Science Fiction-Beiträgen der intellektuellen 70er Jahre kennen.

Glazer nutzt für seine Erzählung sowohl die Isolation der Gesellschaft, als auch die Hilfbereitschaft unserer Spezies, die selbst in einer Stadt voller Anonymer stattfindet. Über Alltagssituationen lässt er sein Alien den Körper entdecken. Wenn dieser Prozess den sexuellen Punkt erreicht, bleibt der Film und seine Bilder so verkopft und realistisch wie gehabt. Da wird der weibliche Körper dokumentarisch abgelichtet wie zuvor das Alltagsleben auf der Straße oder die Vegetation eines Waldes bei Unwetter. Erotisch ist das nicht, und das ist auch so gewollt. Dies dient ohnehin nur dem Prozess der wachsenden Selbsterkenntnis, also dem Hauptanliegen der Geschichte, und ist von dieser nur ein Teil unter vielen.

Der Zusammenprall aus Realismus und völliger Entfremdung, der sich auch im lediglich vorgegaukelten Körper des Aliens wiederspiegelt, macht den Reiz einer hauchdünnen Geschichte aus, die sich nie darum kümmert uns einen Grund für die tödlichen Aktionen der Außerirdischen zu nennen. Ebensowenig wie nie ausgesprochen wird was es mit der Existenz des Motorradfahrers auf sich hat, der hinter ihr aufräumt. Selber deuten und selbst entdecken ist die Devise dieses für Mainstreamaugen sperrigen Kunstfilmes, dem man seinen Reiz wahrlich nicht abstreiten kann. Vielleicht ist er hin und wieder eine Spur zu sterril ausgefallen, eine hypnotische Grundstimmung wäre intensiver gewesen als dieses kalte, intellektuelle Gefühlsnichts, welches das sensible Geschehen aus weiter Distanz betrachtet. Andererseits ist es genau diese Haltung, die das Interesse für den Streifen, für Menschen die mit diesem Stil etwas anfangen können, überhaupt erst weckt.
unterhaltsam


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DIE WOLKEN VON SILS MARIA (Clouds of Sils Maria 2014 Olivier Assayas)


Vor 20 Jahren begann die Karriere der Schauspielerin Maria Enders in einem Film ihres Mentors, dem Autor Wilhelm Melchior. Nun kurz nach seinem Tod, soll sie in einer Theaterversion erneut im selben Stoff mitspielen, jedoch den Gegenpart verkörpernd, die mitten im Leben stehende Geliebte der jüngeren, ehemaligen Hauptrolle Enders. Maria identifiziert sich gern mit der Rolle die sie einst berühmt machte und kann den Figurentyp den sie nun darstellen soll nicht leiden. Dennoch lässt sie sich auf das Angebot ein...


Die Schlange von Sils Maria...

Wunderschöne klassische Musik, imposante Bilder, talentierte Schauspieler in tiefgehenden Charakteren und gehaltvolle Dialoge machen es dem Zuschauer einfach sich dem eigentlich recht schwermütigen Stoff hinzugeben, den Regisseur Olivier Assayas selbst verfasst hat. Schnell merkt man, dass man etwas Großem beiwohnt. „Die Wolken von Sils Maria“, so sehr der Titel auch das Klischee manch verkrampfter Kino-Kunst verkörpert, schaut sich in seiner ruhigen wie intellektuellen Art nie bemüht. Man erkennt dass Figuren und Situationen verstanden wurden, aber auch dass ihre Eigenschaften nicht fest in Stein gemeißelt sind, sondern der Interpretation des Zuschauer unterliegen.

Das ist insofern wichtig, als dass dies auch ein wichtiger Aspekt innerhalb der Geschichte ist, gerade dann wenn wir Maria Enders dabei begleiten alte Erinnerungen an den Stoff Revue passieren zu lassen, und sie es nicht zulassen möchte aus reiferer Sicht von der von ihr geliebten Figur, die sie früher spielte, loszulassen. Obwohl sie über ihre junge Assistentin einen anderen Blickwinkel auf den Stoff erhält, tut sie diesen als naiv ab, als oberflächlich, anstatt sich dieser Alternative, abgestiegen von dem hohen Sockel auf dem sie thront, einzulassen. Symbolisch für diese Haltung Enders steht auch die gerne von kultivierten Menschen gelebte Tunnelblick-Haltung Tiefe könne in einem übernatürlichen Stoff nicht existieren.

Wie Enders am Ende des Films zu ihrer Rolle steht bleibt Interpretation, liegt also an der Sichtweise des Zuschauers wie so vieles mehr. Damit schaut sich „Die Wolken von Sils Maria“ auf mehreren Ebenen. Das was der Film erzählt, erlebt auch der Zuschauer in seiner Rolle als Zuschauer. Intensiver wird dies in den Charakterzeichnungen der Figuren und ihren Einfluss aufeinander angegangen, zeigt das eingeprobte Stück doch Parallelen zu dem was in der Filmrealität stattfindet oder sich zumindest unterschwellig andeutet, was wiederum Parallelen zu der unseren Realität und den hier agierenden Darstellern aufweist.

Nicht dass die Geschichte einen solchen Zusatzaspekt nötig gehabt hätte, die Dramaturgie des Stoffes ist hervorragend ausgearbeitet und sehr sensibel und subtil eingefangen. Aber diese doppelten Böden bereichern das Werk in seiner analytischen Deutungsvielfalt und den verschiedenen Blickwinkeln unter denen wir den Stoff verstehen oder nachempfinden können. Ohne je all zu schwermütig oder zu dick aufgetragen emotional zu werden, kommt „Die Wolken von Sils Maria“ mit einer Natürlichkeit daher, die einen fast schon glauben lässt einem leichten Stoff beizuwohnen, so entspannt ist das ethisch sensible Werk ausgefallen.

Die drei ausgezeichneten Hauptdarstellerinnen agieren nicht nur in Bestleistung, der Kenner dieser Schauspielerinnen erkennt zudem das Durchbrechen der vierten Wand. Binoche arbeitete mit dem stets verkopften Michael Haneke in „Caché“ zusammen, kennt somit das Arbeiten im Kunstfilmbereich ebenso wie die Kommerzseite des Filmgewerbes, wirkte sie im selben Jahr vom hier besprochenen Film doch auch in „Godzilla“ mit. Kristen Stewart, die mir mit ihrem bewundernswerten intensivem Spiel zum ersten Mal (positiv) aufgefallen ist, nimmt hier im Film phantastische Stoffe in Schutz, befreit sich aber gleichzeitig aus dem oberflächlichem „Twilight“-Gefängnis, in welchem sie Jahre lang festsaß. Und Chloë Grace Moretz mimt die Skandalnudel, nur um schließlich seriös zu wirken und im nächsten Schritt den Zuschauer im Unklaren zu lassen was davon nun die echte Jo-Anne Ellis ist.

Das passt zu Moretz Rollenauswahl, ist sie mit „Carrie“, „Let Me In“, „Runaway Girl“ und ganz besonders mit ihrer Rolle des Hit-Girls in „Kick-Ass“ und „Kick-Ass 2“ auf provokante Charaktere abonniert, so dass die Rolle des skandalösen Hollywood-Sternchens hevorragend in ihr bisheriges Repertoire passt. Obwohl sie die kleinste der drei wichtigsten weiblichen Rollen erwicht hat, eigentlich sogar nur eine Nebenrolle, gibt ihr der Stoff die Möglichkeit sich auf vielschichtige Art schauspielerisch zu üben und zu beweisen. In einer Kino-Sequenz den Zukunftsmutanten mimend, in einem Interview die Provozicke zur Schau stellend, im realen Leben als charmante junge Dame auftretend und im Theater die kämpferische, etwas arg arrogante, zickige aber auch gleichzeitig souveräne Schauspielerin verkörpernd, Assayas gibt Moretz die Chance aus ihrem Popkornschatten zu treten, während sie ihn gleichzeitig zelebriert. Das muss sie auch, denn dem Autor ist das Loslassen von Vorurteilen in der Kunst so wichtig wie der weiter oben erwähnte Interpretationswechsel von Zuschauer zu Zuschauer.

Locker hätte man aus dem Stoff ein Psycho-Drama zaubern können, in welchem die Parallelen zwischen Realität und Theaterstück auf morbid dominante Art in den Vordergrund treten. Assayas gibt dieser Versuchung nie nach, liebt es dass solche Gedanken im Raum schweben, wissendlich dass der Zuschauer derartiges vermuten könnte, aber er belässt es die alltäglich Dramatik zu thematisieren, macht aus „Sils Maria“ (Alternativtitel) niemals Hollywood, sondern liefert vergleichbar mit „Das Mädchen, das die Seiten umblättert“ einen vordergründig schlichten Stoff ab, dessen Tiefe man erst entdeckt, wenn man sich mit den Figuren und das was sie bewegt tatsächlich auseinander setzt.

Es ist schön dass „Clouds of Sils Maria“ (Originaltitel) trotz seines künstlerichen und intellektuellen Gehalts kein stures, verkopftes Stück Pseudo-Drama geworden ist, sondern ein gleichsam unterhaltsamer wie tiefgründiger Film, sensibel, natürlich und durchdacht erzählt, von einer scheinbaren Nichtigkeit berichtend, um tiefer gehend über Kunst, Kultur, Erfahrungswerte, Vergangenheitsbewältigung, Selbstlüge, medialer Manipulation, den Gesetzen Hollywoods und verdrängten Gefühlen zu sinnieren. Schön dass Stewart und Moretz die Chance zuteil wurde sich in einem solchen Stoff zu beweisen, während die erfahrene Binoche trotz großartigem Spiels den jungen Mitmimen hierfür genügend Raum lässt, ohne dabei in den Hintergrund zu fallen.
sehenswert


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