02.04.2020

EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL (Paura nella città dei morti viventi 1980 Lucio Fulci)


Nachdem der Pfarrer des Ortes Dunwich sich erhangen hat, geschehen in besagtem Ort, von dem es heißt er wurde auf der legendären Stadt Salem erbaut, unheimliche Dinge...


Allerheiligen rückt näher...

"Ein Zombie hing am Glockenseil" kann man als eine Art Übung Fulcis für den konsequenter umgesetzten "Die Geisterstadt der Zombies" betrachten, mit dem der hier besprochene Film zusammen mit "Das Haus an der Friedhofsmauer" die "Gates of Hell"-Trilogie bildet. Während der bessere Mittelteil in seiner komplett surrealen Art in tiefer Atmosphäre getunkt lose Elemente nahezu perfekt zusammen halten kann, merkt man dem auf ähnlichen Pfaden wandernden "Ein Zombie hing am Glockenseil" noch an, dass er, aufgrund des Versuchs eine Geschichte mit rotem Faden zu erzählen, oftmals lückenhaft und sprunghaft erzählt wirkt. Dass dies trotzdem zu keiner nennenswerten Schwäche des Streifens wird, liegt mitunter an der unheilvollen Atmosphäre, in die Fulci alles zu tauchen vermag. Der Grundton des Films ist bedrohlich und unheimlich, reißt in seiner kompletten Laufzeit nie ein, und weder arg extrem geratene Goreeffekte wissen das Entfachen dieser zu verhindern, bzw. zu unterbrechen, sondern ganz im Gegenteil sogar zu stützen, noch die auf jeglichen deutschen DVDs enthaltene, gelegentliche Neusynchronisation der besonders schlechten Art. Es wäre wünschenswert der Film käme einmal ohne diese auf einer silbernen Scheibe heraus, aber selbst in solch niveauloser Veröffentlichung weiß sich die düstere Atmosphäre durchzusetzen, ein Beweis für die konsequente Umsetzung des Streifens.

An nennenswerten Momenten mangelt es nicht in einem Film, der mit Geistererscheinungen, Vorahnungen okkulter Medien, Zerstörten Hauseinrichtungen, Hexensagen und auferstehenden Toten alles und nichts zugleich erzählt. Selbst inmitten dieses Mosaiks bizarrer Elemente aufkommende Momente, die innerhalb dieses Zutatencocktails der dünnen Geschichte so gar keinen Sinn ergeben wollen, wissen aufgrund der konsequenten Durchführung in ihrer direkten und ironiebefreiten erwachsenen Umsetzung zu schocken und selbst dem hartgesottenen Dauergast im Genre ein flaues Gefühl im Magen zu hinterlassen. Und das meine ich keinesfalls einzig aufgrund des Blutgehalts solcher Momente, sondern aufgrund der Gesamtinszenierung solcher Szenen, inklusive das Hinarbeiten dahin. Als Paradebeispiel einer solch unsinnigen und dennoch funktionierenden Szene dient der Bohrermord in der Werkstatt. Zu den wahrhaft großartigen Höhepunkten des mit "Die Stadt der lebenden Toten" (Alternativtitel) besser betitelten, da nicht zwingend Zombies suggerierenden, Titels, gehört meiner Meinung nach hingegen die Friedhofsszene, in welcher ein Reporter eine lange Zeit benötigt zu bemerken, dass er sich nicht im Wahrnehmen von Geräuschen irrt, die eine lebendig begrabene Frau hinterlässt. In dieser angespannten, geradezu nervenkitzelnden Situation, möchte man der Frau zubrüllen, sie möge doch endlich laut schreien, damit der Mann, der sich immer weiter vom Grab entfernt, sie endlich hören kann. Diese Szene guckt sich auch deshalb so intensiv, weil man anhand der bisherigen Geschichte nicht mit Gewissheit erahnen kann, wie sie endet, ebenso wie man Fulci als sadistischem Regisseur knallharter Filme locker zutraut, die Szene hoffnungslos und damit tödlich enden zu lassen.

Beeindruckend wird "Ein Kadaver hing am Glockenseil" (Alternativtitzel), den es auch als "Eine Leiche hing am Glockenseil", "Eine Leiche hängt am Glockenseil" und "Ein Toter hing am Glockenseil gibt, wohingegen es mit letztgenanntem Titel eine Verwechslungsgefahr mit dem Christopher Lee-Film "Ein Toter hing am Glockenseil" aus dem Jahr 1964 gibt, immer dann, wenn er es schafft harte Gore-Momente innerhalb der bedrohlichen Atmosphäre gewinnbringend zu integrieren, ohne sie, wie es so oft im Genre passiert, losgelöst vom Rest für sich stehen zu lassen. Wenn eine Frau am Fahrersitz eines nicht mehr anspringenden Autos in Anwesenheit ihres Lovers ihre kompletten Gedärme auskotzt, während der tote Priester ihr derart intensiv in die Augen schaut, dass sie Bluttränen vergießt, dann ist das mit Sicherheit abartig anzusehen und eine Wohltat für den nimmersatten, blutgeilen Gorehound unter den Zuschauern, aber dieser Moment lebt auch den bedrohlichen Grundton des Streifens aus und wird somit Teil des Gesamten. Im Vergleich zum Mittelteil der Trilogie sind derartig harte Szenen noch nicht derart inflationär eingebaut, aber dennoch zu genüge, und dann nicht gerade zimperlich dargeboten.

Während "Die Geisterstadt der Zombies" definitiv als Mogelpackung in seinem Titel daher kommt, da von Zombies nicht wirklich die Rede sein kann, nähert sich "Fear in the City of the Living Dead" (Alternativtitel) dieser Kreaturen schon eher. Sie erstehen zumindest auf und bewegen sich wie Zombies, lediglich ihr geisterhaftes Erscheinen aus dem Nichts macht sie zu andersgearteten Kreaturen des Horrorbereichs, man kann sich also uneins sein, ob sie den Namen Zombies verdienen oder nicht. Letztendlich ist es ohnehin nur aufgrund des Erfolgs von Fulcis "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" dazu gekommen, dass in deutschen Titeln anderer Fulci-Filme stets von ihnen die Rede ist. Für die erzählte Geschichte in "Pater Thomas" (Alternativtitel) ist es ohnehin völlig egal, sorgt dieser in seiner effektiv angegangen Art doch nicht für Enttäuschungen, wenn man keine für seine Zeit typischen Zombies vorgesetzt bekommt. Deswegen ist die oft geführte Debatte unter Fanatikern auch unnötiger Natur. So oder so ist "Paura" (Alternativtitel) nur dem Stammzuschauer des Genres zu empfehlen, für diesen wird der Beginn der Trilogie Fulcis jedoch zum Leckerbissen, auch wenn er die Konsequenz und den intensiven Unterhaltungswert noch nicht so exakt besitzt, wie sein ein Jahr später entstandener Nachfolger. Vielleicht täuscht dies aber auch nur, und die zu oft auftauchende neue Porno-Synchro auf den deutschsprachigen Veröffentlichungen hat doch noch ihre Narben hinterlassen. Ob ich da unfair, da von der Veröffentlichung getäuscht, argumentiere oder nicht, kann man erst mit Sichtung im Originalton oder in komplett alter Deutschvertonung beurteilen. Aber so oder so sorgt unabhängig davon der Versuch einen konsequenten roten Faden aufrecht zu erhalten, für Risse in der Erzählung in Form von Sprunghaftigkeit, Widersprüchen und Lückenhaftigkeit, weshalb meine Bewertung etwas streng erscheinen mag für einen Film, der derart düster und intensiv ausgefallen ist. 3/5


Trailer,   OFDb

GODZILLA GEGEN MECHAGODZILLA (Gojira tai Mechagojira 1974 Jun Fukuda)


Außerirdische bauen einen mechanischen Godzilla, um die Erde zu erobern. Der echte Godzilla taucht auf, um ihn zu bekämpfen. Hilfe benötigt er von einer weiteren Kreatur, welche eine Gruppe von Forschern nach Entschlüsseln einer uralten Weissagung erst aufstöbern müssen...


Das Verhindern des Planet der Affen...

Ich kenne mich im "Godzilla"-Universum ńur gering aus und habe mir einfach mal blind irgendeinen Teil gegriffen, da mir der Sinn nach derartiger Unterhaltung stand. Und so fiel die Wahl unbewusst auf den 14. Teil der Endlosreihe, welcher die letzte Regie-Arbeit Jun Fukudas innerhalb dieser war, für die er immerhin 8 Jahre lang tätig war. Der Regisseur von "Der große Krieg der Planeten" inszenierte "Godzilla gegen Mechagodzilla" dafür, dass auch er eher eine ziemlich hanebüchene Geschichte erzählt, recht bodenständig, da kenne ich trashigere Beiträge der Reihe. Freilich erlebt man hier trotzdem nur den üblich trivialen Nonsens, aber eben auch jenen, den man sich beim Reinschalten eines derartigen Stoffes erhofft. Übertrieben albern wird es lediglich, wenn ein alter, scheinbar weiser, Mann durchs Bild hüpft, was sehr selten passiert, ansonsten ist man bemüht alles möglichst ernst darzubieten. Die Kloppereien zwischen den Monstern werden relativ kurz gehalten, damit nehmen nicht einmal sie einen übertrieben hohen Grad Unsinnigkeit für die Gesamtlaufzeit ein.

Ohnehin dürfen die Kreaturen oft pausieren, da die Geschichte auf menschlicher Seite gleichzeitig an verschiedenen Orten spielt und zudem außerirdische Eroberer einen großen Teil der Ereignisse besetzen. Diese sehen den Menschen zunächst sehr ähnlich, auffällig ist lediglich ihre silberne Bekleidung, wenn sie sterben verwandeln sich ihre Gesichter jedoch in Affen, scheinbar war ihr Aussehen ebenso Tarnung, wie der erste Auftritt ihres Fake-Godzillas, der sein Titandesign zunächst noch nicht offenbarte. Warum die Außerirdischen zunächst so vorgehen, wird ebenso wenig erklärt wie Hintergründe ihres Affenaussehens. "Godzilla vs. Bionic Monster" (Alternativtitel) erklärt nur das nötigste was unbedingt sein muss, bietet mit dem Aufdecken alter Höhleninschriften auf der anderen Seite dennoch mehr Handlung, als es für einen ollen Monsterstreifen dieser Art nötig gewesen wäre. Was mir persönlich gut gefallen hat, ist die Ausnahme, dass die Aliens keinesfalls schlauer und weiter entwickelt sind als wir Menschen. Ganz im Gegenteil benötigen sie sogar einen menschlichen Wissenschaftler, um Reparaturen an ihrem MechaGodzilla vornehmen zu können.

Dieser wird von ihnen in der deutschen Synchronisation King Kong genannt, was die Alternativtitel "King Kong gegen Godzilla", "Godzilla - Godzilla gegen King Kong", "Godzilla gegen King Kong" und "King Kong - Monster aus der Tiefe" erklärt. Neben Frankenstein und Dracula war King Kong nun einmal einer der am liebsten verwendeten ungeschützten Kreaturennamen, die man wahllos in diversen Titeln sinnlos verwenden konnte, so auch oft in der bisher 29teiligen "Godzilla"-Reihe geschehen. Der 14. Teil guckt sich recht angenehm, gönnt er einem doch genügend Pausen zwischen den Monsterszenen und erzählt er parallel zu diesen die Geschichte um die menschlichen Hauptfiguren herum doch interessant genug, um nicht nur lediglich als Füllmaterial zu dienen. Langweilig wird es nie, ein klein wenig mehr Tempo hätte "Godzilla vs. Cosmic Monster" (Alternativtitel) zwar vertragen können, aber das Ergebnis geht schon in Ordnung, wenn man nicht mit all zu viel Erwartungen an den Streifen herangeht. Für mich als Gelegenheitszuschauer dieser Gattung Monsterfilm hat er genügend Freude bereitet. 3/5


Trailer,   OFDb

28.03.2020

BATMANS RÜCKKEHR (Batman Returns 1992 Tim Burton)


Ein aufgrund seiner Mutation als Kind verstoßener Mann kehrt nach Jahren in der Kanalisation lebend nach Gotham City zurück. Der Pinguin, wie er genannt wird, soll dank der Zusammenarbeit mit dem mächtigen, aber kriminellen, Politkopf Schreck zum Bürgermeister erkoren werden. Hierfür muss die Bande des Pinguin für Angst und Schrecken in der Stadt sorgen, ohne dass dies auf ihren Anführer zurück fällt. Aber Batman weiß längst mehr als die Bevölkerung, die er zu beschützen versucht, und bekämpft den Psychopathen. Der wendet das Blatt und sorgt dafür, dass der bisherige Bürgermeister schlecht und Batman als Verbrecher dasteht. Das Einmischen einer als Katze verkleideten Dame macht die Situation noch komplizierter, lässt sie sich doch schwer einer Seite des Kampfes zuordnen...


Latex unterm Mistelzweig...

War der 1989er "Batman" in Sachen Dekoration und Kostüm noch ein wenig bescheiden ausgefallen, zeigt sich die finanzgestärkte Fortsetzung wesentlich pompöser, woraus auch direkt der Auftakt kein Geheimnis macht, wenn er zu bedeutungsschwangerer Musik das Kindheitsschicksal Pinguins thematisiert, in welchem er geradezu theatralisch vom Schicksal gelenkt in sein neues zu Hause abgetrieben wird. Was dem folgt ist ein imposant abgefilmter, meist in Düsternis gehaltener, zu Fleisch gewordener Comic. Die Alternativwelt Gotham City ist zum Augenschmaus geworden, selbst der Alltag wirkt stets ein wenig bizarr und suggeriert uns somit auch in der Normalität eine Comicwelt. Die inmitten dieser agierenden, wunderlichen Gestalten, sind für die Bürger längst zur Normalität geworden. Sollte Joel Schumacher, sich der 60er Jahre "Batman"-Serie nähernd, in seinem zweiten Streich "Batman und Robin" das Herumgekasper der bunten Gesellen zu einer Art niveauloser Travestie verkommen lassen, bietet Burton in seinem zweiten Film der Reihe eine Freakshow der Fetisch-Gesellen, stilvoll genug eingefangen, um sie nicht der Lächerlichkeit preiszugeben, skurril genug dargeboten, um sie als Comicfiguren wahrzunehmen, anstatt lediglich als alternative Gesellschaft.

Catwoman darf die Peitsche schwingen, Batman ihr gegenüber immer ein wenig devot wirken, während der Pinguin der hemmungslose, unterfickte Lüstling ohne Scham und Würde geworden ist. Danny DeVito geht voll auf in dieser klassischen, wie individuellen Schurkenrolle, die keinerlei subtile Graustufen besitzt. Und dass die Geschichte um diese drei Freaks, sowie um Politverbrecher Schreck herum als nicht so banal auffällt, wie sie eigentlich ausgefallen ist, verdanken wir zum einen den Schauwerten, welche Burton seinem Werk immer wieder beschert, in ruhigen wie in lauten Momenten, sowie dem grotesken Touch, in welchem die Hauptfiguren getunkt sind. Sie sind sich ihrer realitätsfernen Art bewusster, als der Normalbürger, der ihr Auftauchen und den Einfluss auf die Sicherheit der Stadt, wenn auch oftmals unter Angst, schlichtweg akzeptiert. Auffällig ist zudem Burtons Verwendung von Farbe und Dunkelheit, setzt er doch die Bedrohung knallbunter Farben und Elemente aus, wohingegen die beschützenden und wohlfühlenden Faktoren des Streifens die Dunkelheit verkörpern. Burton lebt seine Andersartigkeit und seinen Blick auf die Gesellschaft hier kreativ losgelöst schonungslos aus, eher analytisch, ohne sie inhaltlich zum Zentrum der Geschichte zu machen, wie beispielsweise in "Edward mit den Scherenhänden" geschehen.

Mag sich "Batmans Rückkehr" in der maskierten Fetischwelt alternativer Kulturen auch manches Mal ein wenig zu gewollt bizarr anfühlen, Burtons zweiter Schlag der Reihe weiß ebenso wie der Vorgänger zu funktionieren. Die gute Besetzung, die u.a. mit Christopher Walken und einer sehr sexy dargebotenen Michelle Pfeiffer trumpfen kann, sorgt für den Reststolz einer jeden Figur, so dass ihr Auftreten nie zu plump gerät. Und der Budenzauber Burtons um diese herum weiß wahrlich zu beeindrucken. Ob es eine Vielzahl an ferngesteuerten Kampf-Pinguinen im Finale sind, die wesentlich besser ausgefallenen Momente des Batmobils, dunkle Orte, schrille Masken und Kostüme, sich stets dunkel anfühlende, wechselnde Tageszeiten, Pinguins knallbuntes Entengefährt oder seine einfallsreichen Schirme unterschiedlicher Funktionen, dem Auge wird es nie müde der Freakshow beizuwohnen, die kaum noch Kriminalfall ist und in der jeder nur noch mit sich selbst und seiner Filterblase, in der er lebt, beschäftigt zu sein scheint, während die Normalität um sie herum zur Nebensache verkommt. Ob eine derartige Auslegung der lieb gewonnenen Figuren aus den Comics dem Leser dieser zu schmecken weiß, weiß ich nicht, aber das Beibehalten einer Restmystik einer jeglichen Figur sorgt im Zusammenspiel mit dem meist stilsicherem Agieren der Stars dafür, dass sich das alles nie zu würdelos anschaut. Deswegen ist man Burton auch nie wirklich bös, so verspielt wie er mit der ganzen Chose jongliert, und deswegen geht das gewagte Vorhaben, im Gegensatz zu Schumachers zweitem Streich, auch als charmant durch und somit als geglückt. 4/5


Trailer,   OFDb

DAS VERRÜCKTESTE AUTO DER WELT (1975 Robert Zehetgruber)


Um ein Eisenbahnprojekt von Nonnen für Waisenkinder zu retten, lässt sich Jimmy Bondy auf eine Wette mit deren Gläubiger ein, die besagt, dass er an einer Rallye teilnimmt, die quer durch die Schweiz stattfindet, um diese zu gewinnen. Mit seinem Wunderkäfer Dudu stehen die Chancen gut, doch der vom Wettgegner engagierte Konkurrent spielt trickreich unfair, und die Nonnen nehmen ebenfalls am Rennen teil...


Die verrückteste Rallye der Welt...

Im vierten Film um Wunderkäfer Dudu hat man endlich zu einem akzeptablen Mittelweg gefunden das Fahrzeug zu erklären. Es ist definitiv ein Computer, aber mit der Möglichkeit eigensinnig zu handeln. Somit hält es sich meist zwar an Programme, kann im gewissen Rahmen jedoch eigene Entscheidungen treffen, die interessanter Weise tatsächlich immer aus einer Computermentalität heraus entstehen. Das ist eine Bodenständigkeit, bzw. ein konsequentes Hineinversetzen in eine Idee, welche man ansonsten aus der mit "Ein Käfer geht aufs Ganze" gestarteten Filmreihe so nicht kennt. Aber ohnehin fällt auf, dass "Das verrückteste Auto der Welt" im Vergleich strukturierter erzählt ist. Das mag auf der einen Seite ein Nachteil sein, fehlen dem Streifen doch somit auch die völlig bekloppten Ideen, und damit der konsequentere anarchistische Touch eines "Ein Käfer gibt Vollgas", aber er läuft auch runder als das Erstling oder der direkte Vorgänger "Ein Käfer auf Extratour".

Die großen Besonderheiten fehlen diesmal, meist wiederholt man Ideen aus den Vorgängern. Aber da diese diesmal für eine durchgehende Geschichte nützlich eingebracht werden, geht das eigentlich in Ordnung. Die Idee einer Querfeldein-Rallye weiß zu gefallen und bietet allerhand Möglichkeiten für Pfusch, Konkurrenz und diverse Probleme, während gleichzeitig die Wiederkehr einer amüsanten Figur aus einem der Vorgänger dazu führt, dass die Kontrollszenen innerhalb des Rennens gut besetzt zu amüsieren wissen. Freilich leben wir wieder in einer Welt, in welcher man mit Nonnen sympathisiert, so dass von echter Fairness nicht die Rede sein kann, aber sie sind tatsächlich herrlich schrullig in ihrer oft überheblich wirkenden Berufung eingefangen, so dass diese Mentalität ohne bitteren Beigeschmack auf Comicebene funktionieren kann. Hilfreich ist hierfür der ohnehin vorhandene Comicton des Restfilms und das einfallsreiche Automobil der Schwestern, dass aus zwei Hälften besteht, die eigentlich beide vorwärts fahren, ohne dass ein wirkliches Rückwärts existiert.

Besonders erfreulich fällt inszenatorisch diesmal auf, dass sich die gar nicht wenigen Spezialeffekte diesmal meist der Geschichte unterordnen. Wo der Vorgänger, gerade im ersten Drittel, mit seinen Besonderheiten geradezu protzte und damit nervte, da läuft "The Maddest Car in the World" (Alternativtitel) auch diesbezüglich rund, so dass man insgesamt vom Ergebnis angenehm überrascht sein darf. Im direkten Vergleich bevorzuge ich zwar den völlig durchgeknallten "Ein Käfer gibt Vollgas", mit solch bekloppten Ideen wie aus Dudu einen wandernden Felsen zu machen, aber den Irrsinn angenehm herunter geschraubt, funktioniert der abenteuerlicher angelegte "Das verrückteste Auto der Welt" weit weniger orientierungslos angegangen recht gut, so dass ich ihn als meinen zweitliebsten Teil der Reihe bezeichnen würde. Leider war es der letzte richtige Auftritt des gelben Herbie-Klons, denn in der letzten Fortsetzung "Zwei tolle Käfer räumen auf" wurde unser lieb gewonnenes Auto auseinander genommen, und man darf stattdessen den Taten einer nervigen Computerkrabbe beiwohnen. 3/5


Trailer,   OFDb

20.03.2020

BATMAN (1989 Tim Burton)


Milliardär Bruce Wayne geht nachts in einem Fledermauskostüm gekleidet auf Verbrecherjagd. Bei einem seiner Einsätze lässt er den Mafiosi Jack in einen Behälter mit Säure fallen, der von nun an dadurch im Gesicht deformiert als Superverbrecher Joker die Stadt unsicher macht, hauptsächlich mittels schädlicher Kosmetika...


Der Raum, in dem noch nie gegessen wurde...

Mit Blick von heute mag einem Burtons "Batman" etwas schlicht erscheinen, sind doch z.B. die Bauten im Gesamten keineswegs so wuchtig ausgefallen, wie man es beim Kult-Regisseur erwarten würde. Die simple Terroraktion Jokers per Kosmetika, die Vereinfachung, dass er zudem der Mörder von Waynes Eltern ist, und ganz besonders die plump abgearbeitete Liebesgeschichte, die aufgrund ihrer Sprunghaftigkeit nicht wirklich glaubwürdig herüber kommt, sind Elemente, die man heutzutage komplexer ausgearbeitet erwarten würde. Aber seinerzeit war man einfach froh endlich einmal eine professionelle und ernste Umsetzung des "Batman"-Themas auf der Leinwand erleben zu dürfen, nachdem es ansonsten nur billig heruntergedrehte Serials in den 40er Jahren und die klamaukige TV-Serie aus den 60er Jahren zu entdecken gab, inklusive der Kinoauswertung von Letztgenanntem namens "Batman hält die Welt in Atem". Burton brachte den legendären Helden erstmals ernstzunehmend auf die große Leinwand, und dafür war man ihm dankbar. Eine große Werbewelle ging seinerzeit dem Kinostart voraus, aber ich wage zu behaupten, dass der Film auch ohne dieses Puschen ein Erfolg geworden wäre, eben weil Batman doch einfach zu den interessantesten Figuren des Superhelden-Bereiches gehört.

Mit Jack Nicholson hatte man zudem einen Star mit an Bord, und auch Western-Legende Jack Palance ist in einer kleineren Rolle mit am Start. Michael Keaton erwies sich als gute Wahl in der Rolle Bruce Waynes, setzte er doch gekonnt täuschend seinen naiven Blick ein. Nicholson hingegen wirkt heutzutage, durch so grandiose Interpretationen des Erzfeindes aus "Joker" und "The Dark Knight", etwas zu einfach dargeboten, zumal er in lockerflockig anvisierten Momenten doch etwas arg steif spielt. Mimisch trumpft er jedoch, innerhalb seiner Möglichkeiten in sperriger Maskerade, und allein das Drehbuch beschert ihm bereits wundervolle Szenen und Monologe. Einzelne Gebäude geben einen ersten Einblick in später in anderen Werken professioneller eingefangene Bilder Gotham Citys, das Batmobil und der Flieger des selbsternannten Gesetzeshüter wissen zu wirken, werden aber geradezu selbstverständlich eingesetzt. Das ist einer der Gründe, warum "Batman" trotz erwachsenem Grundton immer eine Spur zu naiv daher kommt, ebenso wenn man den Helden abseits von Actionszenen im Kostüm agieren sieht. Diesbezüglich tat es gut, dass Burton dem Ganzen in der Fortsetzung "Batmans Rückkehr" einen Mythos durch einen psychologisch interessanten Fetisch bescherte, um den Helden ernsthafter und glaubwürdiger verkleidet erscheinen zu lassen.

Dennoch ist das alles Jammern auf hohem Niveau. Burtons erster Beitrag zur Filmreihe ist stimmig und kurzweilig erzählt, in wundervoll düsteren Bildern gehalten und bot damals somit endlich das, was auf der Leinwand längst fällig war. Mag das Drehbuch auch keine besonderen Kniffe beinhalten, allein das Servieren der Basis dessen, was mit dem Stoff möglich ist, weiß zu gefallen. Und besonders gut hat mir persönlich die Sichtweise zu Beginn des Streifens gefallen, die uns Batman noch nicht offiziell als den Helden präsentiert, sondern als in der Gesellschaft unbestätigten Mythos, den man ab und an aus der Distanz als wahrhaftig erleben darf, so dass es lange Zeit dauert, bis wir Batman aus Heldensicht und Bruce Wayne persönlich kennen lernen. Dafür dass mit diesem ersten Teil die sonst mittlerweile übliche Entstehungsgeschichte übersprungen wird, ist dies eine hervorragende Alternative, um einen mystischen Einstieg ins Geschehen entstehen zu lassen. Auch heute noch ist "Batman" eine sehenswerte Comicverfilmung, allein schon weil er erste Schritte vorbereitete, an denen andere Werke kreativ ausgereifter anknüpfen konnten. Dies gelingt Burton hauptsächlich durch den von Miller in den Comics kreierten düsteren Stil, was ihn glücklicher Weise nicht davon abhielt der Figur des Joker trotzdem schwarzhumorige und teilweise flapsige Momente zu bescheren. 4/5


Trailer,   OFDb

DIRTY PAIR - AFFÄRE NOLANDIA (Dâti pea: Nôrandia no nazo 1985 Masaharu Okuwaki)


Auf der Suche nach einem verschollenen Mädchen stoßen zwei junge Frauen, die im Weltraum auf chaotische Art für Recht und Ordnung sorgen, auf einen kaum bewohnten Planeten, dessen ungewöhnliche Fauna sich als Täuschung herausstellt...


Einhorn aus der Hölle...

Im selben Jahr der TV-Serie "Dirty Pair" erschien der erste Film zur Comicreihe per Videoveröffentlichung, dem innerhalb von neun Jahren noch vier Fortsetzungen und ein Kinofilm folgen sollten. Der erste Teil ist durch sein frühes Erscheinungsjahr noch relativ schlicht gezeichnet, kann sich für ein Werk seiner Preisklasse aber durchaus sehen lassen, wurde doch nicht auf preisgünstigstem Niveau animiert. Selbstverständlich orientiert sich der Look an typischen Produktionen dieser Zeit, Figuren erinnern an "Captain Future" und ähnliches, ohne dass sonderlich individuell vorgegangen würde. Anders verhält es sich im kreativen Bereich, durften sich die Zeichner doch ordentlich dabei austoben eine wunderliche Welt zu kreieren, die sich wahrlich fern der unseren anfühlt. Hier wird "Dirty Pair - Affäre Nolandia" oftmals zu einem wilden Trip, der den Zuschauer herauszufordern weiß, zumal das Drehbuch, das sich mit Erlaubnis des Zeichners der Mangas nicht komplett an diesen orientieren musste, einem nicht direkt die Zusammenhänge deutlich macht. Die Geschichte entwickelt, verästelt und entknotet sich Schritt für Schritt, so dass das Produkt trotz der Nähe zum japanischen Mainstream nie zu einem völligen Trivialprodukt wird.

Kurze Erotikmomente ziemlich zu Beginn, lassen einen noch vermuten es mit einem arg oberflächlichen Produkt zu tun zu haben. Aber die Szenen fallen zahm und zurückhaltend, fern eines Hentai-Movies, aus. Und da ähnliches danach nicht mehr auftaucht, wäre es somit unfair das fertige Produkt schlüpfrig zu nennen. Letztendlich reizte man alle Möglichkeiten für Hingucker aus, egal ob es skurrile Figuren sind, bizarre Momente, Weltraumfahrzeuge, oder eben besagte sexy Mädels. "Dirty Pair - Mystery of Norlandia" (Alternativtitel) ist mit seiner kurzen Laufzeit von gerade einmal einer Stunde flott und kurzweilig ausgefallen, langweilig und einfallslos wird es nie. Und dank einer stimmigen Umsetzung weiß das Treiben der beiden als chaotisch und zerstörerisch tätigen Gesetzeshüter, deren Ruf ihnen im Weltraum vorauseilt, gut zu unterhalten. Die Pointensetzung stimmt, der Actiongehalt ist ausreichend ausgefallen, die Charaktere oberflächlich, aber zu genüge gehaltreich dargeboten, die Geschichte rätselhaft genug ausgefallen und mit einigen Wendungen versehen, um zu funktionieren. Kurzum: mir hat die Sichtung Lust auf mehr gemacht. Umso trauriger ist es, dass von den OVAs neben dem hier besprochenen lediglich nur noch der 1990 erschienene "Dirty Pair 4 - Verschwörung um Flug 005" in Deutschland veröffentlicht wurde. Zumindest hat es außerdem der Kinofilm "Dirty Pair - Projekt Eden" aus dem Jahr 1987 hierzulande geschafft auf DVD herauszukommen, das ist zumindest ein kleines Trostpflaster. 3/5


Trailer,   OFDb

16.03.2020

JOKER (2019 Todd Phillips)


Arthur Fleck arbeitet ziemlich erfolglos als Clown, wohnt noch bei seiner Mutter und leidet unter psychischen Problemen. Die ohnehin schon angespannte Stimmung in der Stadt wird angeheizt, als Arthur unerkannt im Clown-Outfit drei Menschen in der U-Bahn erschießt, die sich als Mitarbeiter des Bürgermeister-Anwärters Wayne entpuppen. Als er seinen Job verliert und die Wahrheit seiner Herkunft erfahren muss, driftet er nach dem eigenhändigen Absetzen seiner Medikamente immer mehr in eine Psychose ab, die den unwitzigen Möchtegern-Stand Up-Comedian letztendlich mit stetig wachsendem Selbstbewusstsein und verspäteter Selbstfindung zum Schwerverbrecher Joker macht...


Zorro the Gay Blade...

Der Joker ist eine der faszinierendsten Figuren des Batman-Universums. Und mag der Superheld in Jokers Solofilm auch nicht auftauchen, das Werk macht uns klar wie eng das Schicksal beider Comicfiguren miteinander verwoben ist, innerhalb der Entstehungsgeschichte des Erzgegners des dunklen Ritters. Mögen die einzelnen Zutaten, die Arthur beeinflussen, auch arg nach Klischee klingen, das Drehbuch setzt diese plump klingenden Elemente clever ein innerhalb einer Geschichte, die facettenhafter ausfällt, als man vermuten würde. Eine traumatische Kindheit, Lügen, alternative Glücks-Phantasien, Unterdrückung vom Arbeitgeber und Fremden, Opfer von Gewalttaten, hier kommt allerhand persönliches zusammen, während zeitgleich ein gesellschaftspolitischer Hintergrund gestrickt wird, der deutlich macht wie korrupte Politik gegen das Volk zu Anarchie und Gewalttaten führen kann. Wirkliche Positionen nimmt das Drehbuch nie ein, es ist kein moralisches, es zeigt uns lediglich was warum passiert, bis die Freiheit des einfachen Mannes schließlich in etwas mündet, dessen tiefe Schattenseite diese Anhänger ihrer Clowns-Ikone noch nicht erahnen können. Die Alternative zu etwas Unangenehmen ist nun einmal nicht automatisch das Angenehme.

"Joker"erzählt seine Geschichte in ruhigem Ton, das langsame Tempo nimmt sich Zeit für die Charakterzeichnung, toll eingefangene Bilder lassen das zurückhaltende Treiben zeitgleich nie zu schlicht erscheinen. Überzeugende Schauspieler, ein durchdachtes Drehbuch und eine gute Inszenierung lassen einen schnell manche Klischeehaftigkeit vergessen, eben weil das detailreich dargebotene Schicksal Arthurs zwischen Tragik und Bedrohung zu faszinieren weiß, einen weder auf der mitfühlenden Perspektive kalt lässt, noch aus der wissenden zu was der Mann als Joker später fähig sein wird. Ich dachte schon in dem grandiosen "her" hätte Joaquin Phoenix die Vorstellung seines Lebens abgegeben, aber hier in der Rolle der Titelfigur gibt er endgültig alles, vom sensiblen, angedeuteten Spiel, bishin zum Überagieren in den richtigen Momenten. Rhythmus, Körperhaltung, Mimik in all den grauen Zwischenstufen vom untergebutterten Arthur bishin zum endgültig entfalteten Joker, seine Darbietung ist überzeugend und beeindruckend, eigenständig trotz mancher Erinnerung an das typische Spiel eines Jim Carreys, und allein diese Performance ist bereits das Reinschalten wert. Aber auch der mit den "Hangover"-Filmen bekannter gewordene Regisseur Todd Phillips, dem wir den lustigen "Road Trip" zu verdanken haben und mit dessen "Old School", sowie "Starsky und Hutch" ich nicht viel anfangen konnte, liefert eine überzeugende Arbeit ab, mittels eines zurückhaltenden Inszenierungsstils in eher unauffällig großartigen Bildmotiven gepackt, während andere Sequenzen aus der Ruhe heraus brechen und in nie reißerisch verkommene laute Momente münden, die kurz darauf wieder inmitten des zurückhaltenden Stils untertauchen und dort unterschwellig nachhallen.

Somit wird aus einem guten Drehbuch, in professioneller Besetzung, mittels guter Kameraarbeit und sensibel dirigiertem Inszenierungsstil die Entstehungsgeschichte Jokers zu einem großen Filmerlebnis, auch für Zuschauer fern von üblichen Superhelden- und Comicverfilmungen. Das Semi-Publikum wird endlich mal wieder vereint mit dem des Mainstreams, mittels eines intelligenten Plots und der Kraft in der Ruhe, ohne gleich verkopftes Arthouse-Kino zu werden. Und dass die Entstehungsgeschichte derartiger Figuren stets der interessanteste Aspekt ihrer Gesamtgeschichte ist, habe ich schon des öfteren behauptet und beweist sich um ein weiteres Mal mit diesem Werk, dessen Verantwortliche im Finanz- und Planungsbereich einmal mutig auf das richtige Pferd gesetzt haben, nachdem DC mit Streifen wie "Suicide Squad" und "Man of Steel" schon das ein oder andere Mal stark zu enttäuschen wusste. Alle Jahre wieder kommt ein Werk aus deren Comicuniversum daher, das weit über den anderen steht. Und mag "Joker" auch nicht die Intensität und Vielfältigkeit eines "The Dark Knight" besitzen, er kommt nah an dessen Genialität heran. Zumindest entpuppt er sich als ein nicht auf Nummer Sicher konzipiertes Stück individuelles Kino, welches anbei trotz seiner thematischen Nähe zur Batman-Figur keinesfalls den Bereich des Fantasy-Kinos streift. 5/5


Trailer,   OFDb

15.03.2020

JIGSAW (2017 Michael Spierig u.a.)


10 Jahre nach dem Ende der Jigsaw-Morde geht erneut ein Spiel gleichen Musters los, und alle Spuren führen zu dem Verstorbenen...


Schreien oder nicht schreien...

Ich hatte keine Ahnung, ob mich mit "Jigsaw" eine Neuverfilmung, eine Neuinterpretation oder eine Fortsetzung von "Saw 7" erwartete. Als sich schnell herausstellte, dass es sich bei der Regiearbeit der Spierig-Brüder, die auch "Daybreakers" inszenierten, um letzteres handelte, wuchs die Neugierde. Griff man auf einen Nachahmungstäter zurück, oder wie sollte etwas fortgesetzt werden, das aufgrund so ziemlich jedes toten Beteiligten der Ur-Story ein Ende erfuhr? Mein erster Verdacht fiel auf die Weiterführung der Schlusspointe des Vorgängers, was eine ziemlich einfallslose Chose geworden wäre. Viel einfallsreicher ist das Wiederauferstehen der zu Ende gebrachten Horror-Reihe, die schon immer eher mittelmäßiger Natur war, wenn auch nicht frei von Unterhaltungswert, dann allerdings auch nicht geworden. Allerdings muss ich dem Film zugestehen, mich kurzfristig überrascht zu haben, als Jigsaw plötzlich als Täter auftaucht. Ohne völligen Unsinn zu verzapfen, hätte man seine Rückkehr jedoch nicht erklären können, weswegen mich sein Auftauchen nicht gerade begeisterte.

Es war unmöglich, dass der Moral-Mörder noch leben könnte. Das Auftauchen eines urplötzlichen Zwillingsbruders, oder eines Wahnsinnigen, der sein Gesicht hat umoperieren lassen, wäre nicht weniger blödsinnig ausgefallen. Des Rätsels Lösung kann sich aufgrund eines unfairen Tricks innerhalb der Erzählung allerdings sehen lassen und wird zum Pluspunkt eines Streifens, der mich ansonsten nicht sonderlich überzeugen konnte. Ebenso in dem, was besagtem gelungenen Kniff folgen sollte. Unweigerlich fragte ich mich: wie viele Verbündete gab es denn noch? Das Ärgernis aus "Saw 4" kehrte zurück, und egal wie viel der Täter aus "Saw - Legacy" (Alternativtitel) am Ende auch in endlosem Gelaber erklären mag, damit die Auflösung auch nur halbwegs Sinn ergibt, das Endergebnis bleibt ein Konstrukt, das in seiner verästelten Art gerne unglaublich clever wäre, seine Rätsel jedoch zum einzigen Existenzzweck seiner selbst werden lässt. Letztendlich ergibt das ganze Treiben mit einem Schritt zurück betrachtet weit weniger Sinn, als uns das aufgeworfene Rätsel samt Auflösung zunächst vormachen möchte.

Und da sich alles auf das große Ziel dieses albernen Rätsels konzentriert, kommt all das zu kurz, was die besseren Teile der "Saw"-Reihe retten konnte: eine flotte Umsetzung, ein Plot der sich selbst nicht all zu ernst nimmt und Figuren mit denen man wenigstens halbwegs mitfiebern kann. All dies kann "Saw 8" (Alternativtitel) nicht aufweisen. Und selbst gelungene Irreführungen, wie das Hobby der Assistentin des Pathologen, scheitern an ihrer über-konstruierten Art. "Jigsaw" existiert nur, um eine Reihe am Leben zu erhalten, die bereits tot ist. Seine Geschichte dient diesem Selbstzweck, ein Rätsel präsentierend, dessen Drumherum alles insgesamt völlig unglaubwürdig und in sich selbst gefangen erscheinen lässt. Lässiger umgesetzt hätte das vielleicht nicht gestört, denn die x-ten Fortsetzungen von "Halloween" und Co dienen auch nur ihrer selbst und wissen mich dennoch zu unterhalten. "Jigsaw" nimmt sich jedoch viel zu ernst, und die Autoren scheinen zu glauben eine unglaublich clevere Geschichte auf die Beine gestellt zu haben. 2/5


Trailer,   OFDb