Dienstag, 27. Juni 2017

DIE WEIBCHEN (1970 Zbynek Brynych)


Eve kommt an ihrem vom Arzt verschriebenen Kurort an und stellt schnell fest dass es vor Ort kaum Männer gibt. Als sie einen solchen in der ersten Nacht zufällig erstochen auffindet, wächst in ihr der Verdacht, dass die Mitarbeiter des Kur-Hospitals systematisch das starke Geschlecht töten...


Satt machst nur Du...

Es war sicherlich damals schon werbetechnisch ein großer Schachzug Uschi Glas in einem solch provozierenden Film zu besetzen, war sie doch bereits durch ihre Auftritte bei den Lümmeln von der ersten Bank, durch Filme wie „Klassenkeile“ und diverse Wallace-Streifen, sowie ihrem gemeinsamen Auftritt mit Roy Black in „Hilfe, ich liebe Zwillinge“ bekannt geworden. Dennoch scheint es heute noch eine Spur skurriler zu wirken, wenn man ein Publikum mit den Worten „Der Kannibalenfilm mit Uschi Glas“ locken kann. Trotzdem bleibt eine Besetzung mit Uschi Glas, ebenso wie in jedem anderen Film in dem sie agierte, ein Schwachpunkt, ist die Frau doch schnellstens schauspielerisch überfordert, und das lässt sich leider an vielen Stellen nicht übersehen.

Auch in einer Geschichte, die als Groteske erzählt ist, fällt das auf. Glücklicher Weise ist „Die Weibchen“ interessant genug umgesetzt, so dass man gütigst über dieses Makel hinwegsehen kann. Köstlich ist der Gedanke, dass manch einer Brynychs Werk als lobenswerten Emanzipationsbeitrag betrachten könnte, heißt er diese Bewegung doch zwar gut, thematisiert aber eigentlich etwas völlig anderes. In „Little Women“ (Alternativtitel) geht es um Extremisten, und die sind im Emanzipationsbereich ebenso schädlich für die Gesellschaft wie im politischen, religiösen oder anderweitigem gesellschaftlichen Bereich.

Eve landet unter Extremisten, die sie zu einer der Ihren erziehen wollen. Da Eve zu Beginn geistig noch normal gepolt ist, kommt ihr das entrückte Denken der ortsansässigen Frauen, welches sie zunächst nur als sonderbares Benehmen wahrnimmt, äußerst skurril vor, während die Frauen selbst in ihrer Desorientierung dies nicht verstehen könnten. Gerade deshalb ist es auch so wichtig, dass „Die Weibchen“ in Form einer Groteske umgesetzt wurde. Der Zuschauer soll spüren zu welch verrücktem Denken Extremismus verleitet.

Glücklicher Weise begeht Brynych nicht den Fehler Emanzipation an sich der Lächerlichkeit preiszugeben. Das Verhalten der frisch im Ort angekommenen Männer weist allerhand Verhaltensweisen des starken Geschlechts auf, gegen das sich Frauen seinerzeit zu Recht gewehrt haben. Andererseits thematisiert „Die Weibchen“ mit Frauen in damaligen Männerberufen, wie jenem des Automechanikers, auch die Verwirrungen dieser Zeit des Umbruchs. Nicht jedem fiel es leicht sich an das neue Rollenbild der Frau zu gewöhnen.

Was dem Film letztendlich seine spezielle Note beschert, ist der schmuddelige Bahnhofs-Kino-Touch, der ihn mit angedeutetem Gore, nackten Tatsachen, dem Verzicht auf subtile Andeutungen und der Extreme seiner Geschichte, freilich aber auch aufgrund der von Peter Thomas komponierten Hintergrundmusik und der (teilweise absichtlich übertriebenen) Mode deutlich in den 70er Jahren festhält. „Die Weibchen“ guckt sich nicht zeitlos, und das ist auch gut so, ist er doch ähnlich wie „Sieben Tage Frist“ ein interessantes deutsches Werk seiner Zeit, wenn auch völlig anders ausgefallen als dieser.

Die Konzentration auf den grotesken Ton lässt den Film nur schwer einem Genre zuordnen. Letztendlich enthält er Elemente des Horrorfilms, des Dramas und des Kriminalfilms, ist andererseits aber gleichzeitig nichts von alledem. Hier wäre er meiner Meinung ein wenig mit „Der Bunker“, aufgrund der Entstehungszeit mehr aber noch mit „The Wicker Man“ vergleichbar, beides Filme, die ebenfalls Kritik an extremistischem Denken äußern.

Emanzipation verschreckte damals viele Menschen, das zeigt sich in der Filmwelt mit Werken wie „The Astounding She-Monster“ und „Cat-Women on the Moon“ sehr deutlich. Im Gegenzug gab es mit Werken wie „Invasion der Bienenmädchen“ auch Vertreter, die modern mit dem Gesellschaftsumschwung umzugehen wussten. Es tut jedoch gut zu wissen, dass bereits damals jemand das klassische Für und Wider, über das jeder sprach, ignorierte, um über das Thema hinweg einen filmischen Kommentar darüber ablieferte, wie der Emanzipationsgedanke von Extremisten missbraucht werden kann und unschuldige Menschen manipulieren kann. Der Schluss von „Die Weibchen“ ist nicht als Sieg der Emanzipation zu betrachten, sondern als trauriges Beispiel eines gehirngewaschenen Geistes, von Dritten ihres Verstandes beraubt für den angeblich guten Zweck.

Mir gefällt diesbezüglich die Titelgebung ganz gut. Versteht man die Bezeichnung „Die Weibchen“ zunächst noch als herablassende Bezeichnung dominanten Männerdenkens, entpuppt sich der Titel mit der Zeit doch viel mehr als Verweis auf das unreife Denken von Extremisten. Es ist schön mit anzusehen auf welch sich wohlfühlend selbstverständliche Art die jungen Dinger im Finale einen Mann mit der Säge zerlegen, eine kindlische Freude ausstrahlend, eine Unreife lebend, geistig entrückt kein natürliches Empfinden für ihre schreckliche Tat aufblitzen lassend. Es sind keine mündigen Frauen, wie sie es als Emanzen sein möchten, es sind nicht erwachsen gewordene Weibchen mit unreifem Schwarz/Weiß-Denken.


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Montag, 26. Juni 2017

DAS TODESSCHIFF (Death Ship 1980 Alvin Rakoff)


Ein Passagierschiff wird von einem Geisterschiff gerammt. Die wenigen Überlebenden finden auf diesem Unterschlupf, müssen jedoch recht schnell herausfinden, dass auf dem verlassenen Kutter unheimliche Dinge vor sich gehen...


Das Schiff braucht Blut...

Der harmlose Einstieg ins Geschehen erinnert ein wenig an den Heinz Rühmann-Film „Der Kapitän“, wenn wir davon erfahren, dass der von George Kennedy gespielte Kapitän sich nicht nur auf seiner letzten Reise befindet, sondern es ihm auch noch zuwider ist mit den dekadenten Passagieren höflich zu interagieren. Wenn im Stil von „Geisterschiff der reitenden Leichen“ und „Die Schreckensmacht der Zombies“ nun aus dem Nichts ein Geisterschiff auftaucht, hält sich nach dem Zusammenstoss beider Schiffe Alvin Rakoff nicht lange mit einem Katastrophen- und Untergangsszenario auf. Wir bekommen kurzerhand die im Wasser treibenden Überlebenden präsentiert, die weder die Toten betrauern, noch das was Geschehen ist hinterfragen, sondern einfach nur froh sind nach erneutem Auftauchen des rostigen Kahns auf diesem Unterschlupf zu finden.

Von nun an kann man „Das Todesschiff“ als eine Art Spukhaus-Horror auf dem Meer bezeichnen, könnte mit Ausnahme typischer Schiffseigenschaften und der Location selbst doch so ziemlich alles was passiert auch mehr oder weniger in einem Spukhaus stattfinden. Gegenstände bewegen sich von selbst um Menschen ins Jenseits zu befördern, der Kapitän wird von den Geistern des Schiffs besessen, merkwürdige Dinge, wie eine Blutdusche und unheimliche Allergien auslösende Bonbons halten derweil den Zuschauer auf Trab, dem mit fortschreitender Laufzeit immer mehr bewusst wird, dass „Death Ship“ (Originaltitel) eine Nummernrevue ist, die so lange unzusammenhängendes Unheimliches auf die Protagonisten niederregnen lässt, bis es sie ins Happy End entlässt.

Warum das so wunderbar selbstständig funktionierende Schiff einen besessenen Kapitän benötigt, um seine Arbeit zu verrichten, ergibt innerhalb des ohnehin keine Regeln befolgenden Spuks keinen Sinn. Dieser Aspekt dient einzig dem Drehbuchautor etwas vorweisen zu können, gegen das die Helden zum Ende hin kämpfen können. Mit dem Schiff selbst können sie sich logischer Weise nicht anlegen. Dass auch das Zerstören diverser Gerätschaften auf diesem Spukkahn keinen Sinn ergibt, beweist eine Szene, in welcher ein die Protagonisten in den Wahnsinn treibender Film selbst dann noch munter läuft, wenn der dazugehörende Projektor zerstört ist.

Alle Macht gehört dem Geisterschiff, deswegen darf man am Ende auch ein wenig überrascht sein, warum mit einem Mal den letzten vier Überlebenden die Flucht gelingt, und dies urplötzlich auch auf einfachstem Wege. Aber wer fragt schon nach Sinn in einem Film, in welchem man mitten in der Nacht trotz aller vorherigen Geschehnisse eine Dusche nimmt, oder die Kinder in ihrem eigenen Zimmer unbewacht nächtigen lässt. Wenn uns der Film nach etwa einer Stunde Laufzeit einen Hintergrund der Geschehnisse von einst liefert, bekommt der Spuk damit keinerlei Erklärung, geschweige denn Sinn, zumal es die Nazis sind, die spuken und nicht ihre gepeinigten Opfer.

Ja, das guckt sich alles recht zusammenhanglos, aber von Alvin Rakoff teilweise gar nicht mal schlecht umgesetzt. Er weiß das Schiff auf schlichte Art unheimlich einzufangen, freilich mit Hilfe der Set-Designer, die den staubig, rostigen Kahn allerhand Spinnweben beschert haben, um auch klassische Gruselelemente zu integrieren. Und das Geisterschiff selbst weiß in seinem düster-rostigen Look ohnehin zu gefallen und erinnert ein wenig an das Biest von LKW in Spielbergs „Duell“, was ich definitiv als Lob verstanden haben will. Trotz kurzer Nackedeiszenen und einem brutalen Ableben des Kapitäns kommt „Das Todesschiff“ eher konservativ und trocken erzählt daher, was mir persönlich aber ganz gut gefiel. Langeweile kommt nicht auf, und die Schauspieler schlagen sich wacker. Gäbe es nur einen Hauch roten Faden mehr, der Film käme in meiner Bewertung besser weg, so aber ist er lediglich angenehm zu schauende Routine, welcher inhaltlich ein Kapitän am Steuer gefehlt hat, der den Kurs hält.


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MILLION DOLLAR CROCODILE (Bai Wan Ju E 2012 Lin Lisheng)


Ein Polizist hilft einer hysterischen Frau, die steif und fest behauptet ein Riesenkrokodil habe ihr Geld gefressen. Tatsächlich entpuppt sich die Geschichte als wahr und schon bald muss sich der Polizist um sein Leben, das der hysterischen Frau und jenes seines Kindes sorgen. Die Jagd beginnt...


Wer jagt hier wen?...

Der Krokodil-Horrorfilme gibt es viele, und etwas wirklich Neues hat die chinesische Produktion „Million Dollar Crocodile“ dem Sub-Genre nicht hinzuzufügen. Aber zumindest kann man dem Film zugestehen kein liebloses Schnellschuss-Produkt wie die Werke des TV-Senders SyFy zu sein. Allein die Krokodilanimation ist dafür viel zu geglückt. Und mag die Geschichte auch keinen Innovationspreis gewinnen, derart einfallslos 08/15 wie die Beiträge besagten Fernsehsenders ist sie nun auch nicht ausgefallen, das beweist allein die sympathische Figurenzeichnung, die eher augenzwinkernd mit Stereotypen umgeht, anstatt diese tatsächlich, wie es zunächst scheint, zu verkörpern.

Zugegeben, die hysterische Frau ist gewöhnungsbedürftig. Freundet man sich mit ihrer Art jedoch an, kann man einiges zu lachen kriegen. Auch die Schießkünste des nie ernst genommenen Polizisten sind ein humoristisches Element. „Croczilla“ (Alternativtitel) ist eine Horror-Komödie, reduziert seine Komik jedoch in der Story und holt diesbezüglich aus bei den Charakteren. Nicht nur dies geht zu Lasten des Spannungsbogens. Ein Kind im Zentrum, nur wenige Tote und der gefühlvolle Umgang mit dem Krokodil machen aus dem Stoff die weichgespülte Version seiner Gattung Film. Und dieser Rezeptur tut es nicht gerade gut, dass in den meisten Szenen die Menschen Jagd auf das Krokodil machen und nicht umgekehrt.

Da jedoch das Herz am rechten Fleck sitzt und auch die Schurken des Streifens sympathisch dämlich verkörpert werden, diesbezüglich eher an Kinderstoffe a la „Pippi Langstrumpf“ erinnernd, geht „Million Dollar Crocodile - Die Jagd beginnt“ (Alternativtitel) trotzdem als okay durch. Er ist zwar nicht das was ich erwartet hatte und auch in seiner anderen Art nichts Nennenswertes im Sektor der Filme um angriffslustige Krokodile, und auch die Geschichte selbst dreht sich für meinen Geschmack viel zu sehr im Kreis, die Charaktere und die Schauspieler, die sie so liebevoll verkörpern, schenken dem Streifen jedoch den nötigen Charme, um auf das Ergebnis trotzdem nicht all zu böse zu sein.


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TORNADO (Cyclone 1978 René Cardona Jr.)


Diverse Verunglückte, die während eines Tornados unterwegs waren, finden auf einem Schiff zueinander und versuchen gemeinsam zu überleben...


Das zweite Sakrileg...

Oh man, wenn man „Tornado“ erst einmal gesichtet hat, versteht man warum er Teil der Trash-Collection von CMV wurde. Es ist nicht so, dass er vor unfreiwilliger Komik nur so sprudeln würde, ganz im Gegenteil ist „Sea Twister“ (Alternativtitel) über weite Strecken gar ziemlich zäh ausgefallen. Aber die fast ereignislose Erzählung ist derart angereichert mit reißerischen Elementen, dass man davon ausgehen kann dass man beim Durchforsten des hauchdünnen Drehbuchs sicher nach Lücken gesucht hat, in welche man weitere reißerische Elemente hinein quetschen konnte. Der böse Großunternehmer, die leidenden Hinterbliebenen, der Kannibalismus in der Not, ob in großen Ereignissen oder kleinen Nebensächlichkeiten, stets wird ein quantitativer Schauwert hervorgezaubert, der schon irgendein Zielpublikum locken wird.

Wahrscheinlich würde sich heute kaum wer an „Terror Storm“ (Alternativtitel) erinnern, wenn der mit Hugo Stiglitz in einer eher kleinen Rolle besetzte Film inmitten der langen Schlange reißerischer Elemente nicht auch hungrige Haie mit an Bord gehabt hätte (nicht wörtlich zu nehmen, sie schwimmen freilich im Wasser), ein Element das so kurz nach dem Erfolg von „Der weiße Hai“ von Geldmachern gern als Hauptattraktion hervorgehoben wurde. So ziemlich jeder Film in dem sich ein Hai befand, wurde zu dieser Zeit für den deutschen Markt aufgekauft um ihn als neuen Hai-Horror zu präsentieren. Dieser Hype bescherte dem im Erscheinungsjahr von „Der weiße Hai 2“ entstandenen „Cyclone“ (Originaltitel) die Alternativtitel „Killer Shark“ und „Tornado und Haie“.

In der Trash Collection ist er schlicht als „Tornado“ erschienen, und auch dieser Titel täuscht eher, anstatt dass er der Wahrheit entspricht, ist der titelgebende Tornado doch lediglich der Auslöser des darauf folgenden Abenteuerfilmes. Zur Kategorie Katastrophenfilm gehört der Streifen damit nur bedingt, und wer erst einmal jene Effekte gesichtet hat, die uns einen tosenden Tornado vorgaukeln sollen, kommt ohnehin nicht mehr aus dem Lachen heraus. Da wird an Bäumen geruckelt, Gegenstände werden ins Bild geschmissen, und selbstverständlich darf, zur Erweiterung der reißerischen Elemente, eine flüchtende Mutter mit ihrem Kleinkind mitten im Unwetter gezeigt werden. Beim minder gebildeten Publikum kommt das Klischee Kinder wären die tragischsten Opfer bei Katastrophen, stets an.

Dementsprechend darf es in der eigentlichen Hauptgeschichte, in welcher diverse Überlebende auf einem Schiff zusammenkommen, einen Hund und eine schwangere Frau, bzw. nach der Geburt einen Säugling geben. Schwache Geschöpfe kurbeln das Leid aller Beteiligten beim stumpfen Publikum an, und genau das soll hier bedient werden. Wirklich glaubwürdig will die Chose auf dem Schiff, trotz des Einbringens jedes möglichen Elends, nicht wirken. Zu friedfertig geht die Ansammlung unterschiedlichster Charaktere miteinander um, selbst dann wenn der letzte Tropfen Wasser verteilt ist. Zusammenhalt ist am Ende das wichtigste. Und eine feuchte Haut und gut sitzende Frisuren stehen einem realistischem Eindruck ebenfalls stark im Weg.

Genau daraus zieht die Co-Produktion aus Italien, Mexiko und Amerika aber ihren wahren Schauwert. Der Mangel sich in die Situation hineinzufühlen, von welcher der Hauptteil der Geschichte leben soll, dominiert als unfreiwillige Komik noch weit vor den reißerischen Elementen, die jedoch, das muss man anerkennen, gerade deshalb noch bescheuerter wirken als ohnehin schon. Müde Dialoge sollen einen Hauch Gesellschaftskritik vortäuschen, z.B. wenn ohne wahre Argumente darüber diskutiert wird, ob man nun einen Hund, oder später auch einen Menschen, essen darf, wenn die Alternative dazu doch das Verhungern ist. Freilich wirkt das aufgesetzt, zumal der Autor deutlich Position bezieht, aber noch bevor es Grund zu klagen gibt, geht es mit anderen Dümmlichkeiten bereits weiter.

Der einzige Schauwert der neben tatsächlich guten Spezialeffekten fehlt, ist die nackte Haut diverser hübscher Frauen. Warum gerade dieser Aspekt in einem Film dieser Entstehungszeit fehlt, ist mir ein Rätsel - zumal man wie erwähnt ansonsten nicht an Quantitäten spart. „Tornado“ ist kein Highlight für Freunde schlechter Filme geworden, dafür wird er zwischenzeitlich immer wieder zu langweilig. Akzeptabel genug um als Freund schlechter Filme einmal einen Blick zu riskieren, ist er aber dann doch.


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Sonntag, 25. Juni 2017

NULL NULL SCHNEIDER - JAGD AUF NIHIL BAXTER (1994 Helge Schneider u.a.)


Weil er vom Verkauf seines Wagens nicht zurücktreten will, wird Zirkusclown Metulski vom Kunstsammler Nihil Baxter getötet. Dies ruft Kommissar Null Null Schneider zurück in die Kriminalistik, der sich mit seinem Gehilfen Körschgen mehr oder weniger direkt dran macht den Fall zu lösen...


Kombiniere: ein Wadenkrampf...

Befanden sich Helge Schneiders Vorgängerfilme „Johnny Flash“ und „Texas - Doc Snyder hält die Welt in Atem“ noch halbwegs im Bereich des Geschichteerzählens, wenn auch dort bereits das Publikum damit vor den Kopf schlagend sich an wenige gängige Regeln filmischer Erzählungen zu halten, da überrumpelte der Komiker mit seinem Folgewerk „00 Schneider - Jagd auf Nihil Baxter“ den Zuschauern endgültig, indem er eine sich an keinerlei Filmregeln haltende Nummernrevue ablieferte, die derart improvisiert war, dass Ausrutscher wie das Schauen in die Kamera oder plötzliche Lachflashs enthalten blieben. Parkplatzwärter Helmut Körschgen wurde gar absichtlich aufgrund jeglicher fehlender Schauspielleistung überhaupt erst besetzt.

Klassische Komödienwitze, wie sie der Zuschauer aus Otto-Filmen oder Werken von Dieter Hallervorden kannten, sind kaum noch enthalten, und wenn sie es sind, fallen sie ziemlich einfach gehalten und infantil aus. Wer etwas mit dem Film anfanfangen möchte, und noch mehr mit dem Folgewerk „Praxis Dr. Hasenbein“, in welchem Helge sein Verfahren der improvisierten Nichterzählung, wie ich sie einfach einmal nenne, auf die Spitze trieb, der muss etwas mit der Improvisationskunst Helge Schneiders und Konsorten anfangen können, der muss einen Hang zur schlechten Erzählung mögen, der muss aber auch die Kunst hinter dem vermeindlichen Schund erkennen, der beileibe kein Schönreden desaströser Zustände ist. Denn wer gut beobachtet, der erkennt die geistreichen Intentionen gesellschaftliche Normen und Kinoklischees zu zerlegen, mit ihren Eigenschaften zu spielen und sich mit ihnen auf absurde Art auseinanderzusetzen.

Wer also die Arbeiten Helge Schneiders, egal ob im Musik- oder im Filmbereich, auf albernen Klamauk reduziert, der verkennt das Genie dahinter. Jener der sich auf das was uns Helge Schneider als Film verkaufen möchte, einstellen kann, der erlebt nicht nur hemmungslosen Klamauk, der zu großen Lachanfällen führen kann, er kann auch intellektuell gefordert werden, vorausgesetzt die Scheuklappen konservativen Kunstgefühls sind abgelegt. Im Vergleich zum Vorgänger und Nachfolger haben sich meiner Meinung nach aber dennoch Schwächen eingeschlichen, die das Erleben auf Unterhaltungsbasis im Vergleich ein wenig reduzieren.

So ist die recht dominant eingebrachte Rolle des Nihil Baxter zu nervenzerrend interpretiert, selbst bei Wohlwollen in ihrer extrem vorgetragenen Art kaum auszuhalten und eher der noch vorhandenen Unreife des Komikers zum Überagieren geschult, sprich eine Art Übertreibung darbietend, die es viele Jahre später in „Null Null Schneider 2“ (und ich behaupte mal auch in anderen Filmen, hätte Helge solche gedreht) nicht ohne Grund mehr gegeben hat. Auch kurze Momente des Stillstands, die in anderen Werken des Komikers meist für überraschend stillere Komik genutzt wurden, nagen aufgrund ihrer Länge an den Nerven des Publikums, z.B. dann wenn Baxter ewig klagt wie langweilig ihm ist, während er sich lustlos mit seiner Kunstsammlung befasst.

Auch das zu häufige wiederholen recht sympathischer Witze, wie dem Ersatzreimen aus Kinderzeiten a la Hase, Hase, Popase tut dem Film nicht gut, verliert der Humor doch damit langsam seinen Charme und wirkt wie das Hinwegtäuschen von Einfallslosigkeit. Ich schreibe wirkt, denn schaut man sich das Gesamtwerk an, ist dies kaum möglich, bei all den schrägen Ideen die Helge und sein Team uns in meist grotesker Art vorsetzen. Denn den aufgezählten Schwachpunkten stehen Stärken gegenüber, welche die konfuse Fasterzählung gestemmt bekommen. „00 Schneider“ mag ein anstrengend zu schauender Film sein, aber auch ein unglaublich witziger und unterhaltsamer.

Running Gags, wie die von Kunze gespielten Frauenrollen, so ziemlich jeder Auftritt Helmut Körschgens und das Gespür fürs Absurde (wunderbar herrlich die Pilotenkommentare während eines Flugzeugfluges, oder die Kameraaufnahme beim Rennen eines in Unterhose gekleideten, scheinbar geistig Verwirrten) sind bereits dominante Trümpfe innerhalb eines Filmes in welchem man mit allem rechnen muss, eben weil es keine Regeln zu geben scheint. Satirische Ansätze sind stark verkleidet vorhanden, ebenso wie besagte Filmklischees, die oft kaum noch zu erkennen sind, so bizarr wie der Ausnahmekomiker sie verarbeitet.

Manches Mal wäre es schön gewesen Helge hätte seinen Mitspielern mehr Raum zur Entfaltung gelassen, manches Mal ist es gut dass er dies nicht zulässt, oder in der Ausnahme eben doch. So ist sie eben, die Improvisation, macht man sie rückgängig, um zu wiederholen und Fehler auszubügeln, manipuliert man sie bereits. Helge Schneider wird schon gewusst haben wann eine Szene im Kasten ist und wann eine Wiederholung von Nöten war. Das Gespür dafür erkennt man dem herrlich kaputten Gesamtwerk stilistisch an. Dass Christoph Schlingensief als Kameramann und Mitregisseur beteiligt war, verwundert mit Kenntnis dessen Filme kaum, ist seine Art der Filmschundkunst jener von Schneider doch recht ähnlich, nur dass Helge sich dem humorvollen Part verschrieben hat, während Schlingensief stilistisch ähnlich vorgehend eher gesellschaftskritische Dramen umgesetzt hat. Im Gegenzug war Helge häufig an Prokten Schlingensiefs beteiligt.


Weitere Besprechungen zu Null Null Schneider: