Sonntag, 15. Oktober 2017

CAMP EVIL (Welp 2014 Jonas Govaerts)


Eine belgische Pfadfindergruppe reist nach Frankreich. Um sich nicht mit aggressiven Prolls aus der Gegend anzulegen, verlegt man den geplanten Campingort auf eine Lichtung im Wald, nichts ahnend, dass in diesem jemand lauert, der ihnen nach dem Leben trachtet...


Nicht nur nette Väter bauen Baumhäuser...

Was wirklich Originelles erzählt „Camp Evil“ nicht. Innovationen braucht man nicht zu erwarten, ganz im Gegenteil wird eigentlich nichts erzählt, was es nicht schon oft im Genre des Horrorfilms zu sehen gegeben hätte. Zwar mag die Eingangssequenz mit ihrem Elektronik-Gymmick und einige wenige weitere ähnliche Szenen im ersten Drittel der Story darüber hinwegtäuschen, dass man hier nur den ganz klassischen Backwood-Slasher erzählt - immerhin erwartet man eine Art „The Cabin in the Woods“-Kick, der das bereits Bekannte um eine Stufe erweitern soll - aber das bleibt Blende und lässt das klassisch Entartete, welches den Campern nach dem Leben trachtet, lediglich eine Spur moderner erscheinen als üblich. Warum sollte sich ein Hinterwäldler auch nicht mit Elektronik auskennen, wenn er doch vor dem Niedergang einer Busfabrik für gerade eben jene gearbeitet hat, zumindest wie es scheint, bestätigt wird das innerhalb der Geschichte freilich so nicht?

Es ist jedoch nicht nur der Zugang zur Technik, der den Bösewicht des Films anders wirken lässt als Leatherface, Jason und Konsorten. Trickreich ausgetüftelte Fallen zeugen von einem höheren Intelligenzgrad. Und dass sich trotz des strengen Einhaltens von Horrorfilmregeln, inklusive der moralischen Pflichttoten, „Welp“ (Originaltitel) trotz allem nicht so richtig wie „Freitag der 13.“ und Co anschaut, liegt am europäischen Herkunftsland, welches uns die Geschichte für unsere Augen realitätsnäher präsentiert, wenn auch nur im Verhalten der potentiellen Opfer zutreffend. Die Charaktere fühlen sich echter an, sie ersaufen nicht in Ami-Klischees. Mehr als Stereotype vertreten sie in der Regel zwar ebenfalls nicht, aber es sind uns bekannte Verhaltensmuster, die sie an den Tag legen, bemerkbar in den Nebensächlichkeiten die sie treiben und im authentisch wirkenden Umgang miteinander.

Das schaut sich erfrischend anders, ohne dass man das Ergebnis gleich über den grünen Klee loben muss. Im Kern erzählt Govaerts Werk die typisch stumpfe Horrorgeschichte wie jeder Genrebeitrag um Camper, die Hinterwäldlern in die Falle tappen. Es ist jedoch die Nähe zum Pfadfindergeschehen, welches das hohle Konstrukt mit mehr Leben füllt. Die Kindergruppe lernen wir ähnlich gut kennen, wie die Erwachsenen des Camps. Wir nehmen an ihrem Leben teil, lange bevor sie mit der lauernden Gefahr konfrontriert werden. Und diese schlägt zudem ziemlich spät zu, merkten die Verantwortlichen des Stoffes doch, dass es zunächst doch viel interessanter ist den Außenseiter der Kindergruppe einen Wolfsjungen in den Wäldern kennenlernen zu lassen. Erst wenn die beiden sich einander genähert haben, ist der Stoff reif für den Konflikt, der das eigentliche Horrorgeschehen in die Gänge bringt.

Für den ungeduldigen Teil Zuschauer werden anhand von Randfiguren trotzdem die ein oder anderen Morde zuvor gezeigt. Das ist ein ähnlicher Fehler wie das Zeigen der Ereignisse, die in der Eingangssequenz zu sehen sind. Die Geschichte wäre ohne diese Momente durch die Schwerpunkte der sonstigen Erzählung viel effektiver, eben weil man dann nicht schon von dem maskierten Jungen und einem bulligen Mann wüsste, die im Wald hausen. Das nimmt der Geschichte das geheimnisvolle, welches den Sehwert bei ansonsten gleicher Herangehensweise enorm erhöht hätte. Aber so ist das eben, wenn man sich einem Publikum anbiedert. Davor sind nun einmal leider auch europäische Filme nicht geimpft. Schade eigentlich!

Dank einer stimmigen Atmosphäre, einer wirkungsreichen Location und dank funktionierender Figuren ist „Cub“ (Alternativtitel) trotz bekannter Geschichte ein interessantes Stück Film geworden, welches erst im Finale ein wenig an Reiz verliert, wenn der Autor den Geschehnissen immer noch eins drauf setzen muss, in erster Linie um den Gorehound mit brutalen Bildern zu beglücken. So schön sich diese auch schauen, die erzählerische Stärke allem Vorangegangenen besitzt das Finale nicht mehr, eigentlich jene Phase im Horrorfilm, in der alles noch einmal hochbrodeln muss. Das tut es theoretisch auch, rein vom Horroraspekt her geht nun mehr denn je die Post ab. Aber die Geschichte verliert ihre Bodenständigkeit, und schneller als es dem Autor lieb ist, erkennt man auch warum dem so ist. Die vorhersehbare Schluss-Pointe muss eingeleitet werden und opfert das zuvor sympathisch Erzählte für (zugegebener Maßen nett anzuschauende) Horrorroutine. Ich wünschte Horrorfilme hätten wieder mehr Mut sich gegen die Mainstreamregeln und Horrorfanwünsche zu richten. Dann wäre sicherlich auch wieder mehr Sehenswertes darunter was es zu entdecken gäbe.


Weitere Besprechungen zu Camp Evil: 


SCHIZOID (1980 David Paulsen)


Ein Unbekannter bringt nach und nach die weiblichen Mitglieder einer Therapiegruppe mit einer Schere um...


Scherozid...

Es ist schade, dass man ziemlich zu Beginn den behaarten Arm des Killers sehen kann, werden doch somit von Anfang an die weiblichen Figuren des Filmes ausgeschlossen beim heiteren Mörderraten verdächtig sein zu dürfen, was „Schizoid“ einige Möglichkeiten beraubt, so potentiell verdächtig hier gar mehr als eine Frau erscheint. Gerade die Tochter des von Klaus Kinski gespielten Psychiaters bot theoretisch gesehen viel Spielraum zur Spekulation, so dass es schade ist so früh auf das Geschlecht des Täters hingewiesen zu werden, wenn auch scheinbar nicht beabsichtigt, so verdächtig wie man die Tochter gerade zum Finale hin in Szene setzt.

Wie auch immer, „Murder by Mail“ (Alternativtitel) ist ein netter kleiner Thriller für zwischendurch, der mittendrin immer wieder kleine Horrorelemente durchblitzen lässt. Diese kommen nicht, wie man aufgrund der Tatwaffe und der Art der Opfer vermuten könnte, auf Giallo-Art daher, sondern nehmen eher etwas von der ein Jahr später aufkommenden Slasher-Welle vorweg, die sich in der Regel jedoch mehr für jugendliche Protagonisten interessierte, wohingegen die Psychiatertochter im hier besprochenen Film die einzig junge Besetzung bleibt. Für beide verwandte Bereiche ist „Schizoid“ zu blutleer ausgefallen. Selbst dann wenn die Schere nach einem ersten Einstich zum zweiten Mal ansetzt gibt es keine blutige Klinge zu sehen. David Paulsens Werk ist diesbezüglich recht zahm ausgefallen.

Andererseits sind die Mordsequenzen recht düster und zumindest angedeutet brutal inszeniert. Allerdings sieht man den Szenen an, dass man sich eher an Hitchcocks „Psycho“ orientieren wollte, anstatt an den härteren Gangarten des Genres, die in Amerika zur Entstehungszeit des Streifens so langsam aufkamen. Trotzdem trumpft „Schizoid“ gerade in jenem Bereich, der eher Hitchcock-untypisch ist, und das ist der dreckige Look in den er gehalten wurde, der wiederum geradezu typisch für die damalige Kinophase war. Die Straßen sind dreckig. Die meisten Szenen spielen bei Nacht, dabei gerne in Dunkelheit und in abgelegenen Ecken der Stadt. Zusammen mit den atmosphärisch ausgefallenen Mordsequenzen weiß somit zumindest der Killerbereich des Streifens bereits zu gefallen.

Zunächst bietet „Schizoid“ gar mehr, fallen doch die Figuren glücklicher Weise interessant genug aus, um auch außerhalb der Killersequenzen interessante Szenarien mitzuerleben. Trotzdem bleibt das Ergebnis des fertigen Filmes stets nur ganz nett, strampelt er sich doch umsonst darin ab verschiedene Fährten zu legen, schließlich ist dem Kenner des Genres der Täter früh klar, so verdächtig wie die anderen beiden möglichen männlichen Täter agieren. Gegen Ende verlässt „Schizoid“ gar seine dreckige, leicht Horror-orientierte Art und wandelt sich inhaltlich eher in einen gewöhnlichen Thriller, wenn auch nicht ohne routiniert funktionierenden Spannungsbogen versehen.

Sicherlich wäre mehr drin gewesen, aber „Schizoid“ ist zumindest für ein einmaliges Gucken brauchbar ausgefallen, gefällt darin in nebensächlichen Szenen mit dem Zuschauer und den Figuren zu spielen, z.B. bei der Frage ob der Psychiater seine nackte, duschende Tochter aus besorgten oder aus lüsternen Gründen beobachtet. Das sind Spielereien am Rande, welche das etwas zu vorhersehbare restliche Geschehen zumindest ein wenig aufzuwerten wissen. Bewunderer Kinskis sollten ruhig einen Blick riskieren, Paulsens Werk ist zumindest keiner dieser Blender, welche nur vorgeben Kinski in einer großen Rolle zu enthalten. Der wahre Star des Streifens ist jedoch Donna Wilkes als Psychiatertochter, die mit vollem Körpereinsatz aus ihrer Rolle mehr herauszuholen weiß als es manch anderer Jungdarsteller geschafft hätte. Kürzlich spielte sie nach langer Filmabstinenz in der Horrorgurke „90210 Shark Attack in Beverly Hills“ mit, wahrscheinlich weil sie zwei Jahre vor „Schizoid“ in „Der weiße Hai 2“ Teil der Besetzung war.


MUTANT CITY (Yao Shou Du Shi 1992 Peter Mak Tai-Kit)


In der Zukunft leben die Menschen parallel mit den monströsen Reptoiden zusammen. Ein friedlicher Umgang miteinander ist schwierig. Dennoch wollen die Oberhäupter beider Spezies einen solchen versuchen. Diverse Reptoiden sind jedoch dagegen und möchten die Menschheit unterwerfen...


Blut im Pool verschwindet geschwind von selbst...

Nur fünf Jahre nach der Zeichentrickversion „Wicked City“ versuchte man sich in Hongkong an einer Realverfilmung des zugrunde liegenden Mangas. Zwar war ich von der Erstverfilmung nicht sonderlich begeistert, aufgrund der dort zu sehenden Mutationssequenzen war ich jedoch neugierig auf handgemachte Action diesbezüglich in einem frühen 90er Jahre-Film, in dem Schleim-, Tentakel- und Matschetechnisch bei Videopremieren schließlich alles möglich schien. Es war etwas naiv zu hoffen in „Mutant City“ tolle Tricks beschert zu bekommen, erweist sich Peter Mak Tai-Kits Werk doch als höchst billig produziertes, das mit schnellen Schnitten und hektischen Bildern, gerne auch mit comicartigen optischen Beschleunigungseffekten, versucht von seiner Kostengünstigkeit abzulenken.

Das wäre trotz der unangenehmen Methoden eventuell trotzdem möglich, müssten doch zumindest Story und/oder Charaktere den Stoff lediglich zugänglich und interessant gestalten. Und dass man sich nicht nur von der übertriebenen Sexorientierung des Animes distanzierte, sondern eigentlich auch komplett von dessen zu banal geratener Geschichte, klang zunächst immerhin nach einem Schritt in die richtige Richtung. Aber da sieht man mal wie schnell man sich irren kann. Die Charaktere bleiben oberflächlich und völlig uninteressant. Die Erotik wurde durch einen erhöhten Ereignispegel ausgetauscht, wohingegen die dünne Story gegen eine noch dünnere Story ausgetauscht wurde. Es ist schlichtweg egal worum es in „Yao Shou Du Shi“ (Alternativtitel) geht, es reihen sich ohnehin nur hirnlose Action- und billig getrickste Monsterszenen mit hauchdünnem roten Faden versehen aneinander, so dass man dies als Fan solcher Filme entweder verspielt durchsteht, oder sich gelangweilt wegwendet.

Leider war es bei mir Zweitgenanntes, konnte ich der zu monotonen, wirren Chose doch wenig abgewinnen. Ja, was ich da sah war typisch Asien-Fantastic-Kino schräg, wild, wirr und bizarr, aber nicht dauerhaft belustigend oder anderweitig unterhaltsam, so wie es ein sehenswerter „Zeiram“ war, ein bekloppter „Invasion aus dem Innern der Erde“ oder ein schräger „Das Blut der roten Python“. „The Wicked City“ (Alternativtitel) langweilte auf Dauer mit seinen ewigen übernatürlichen Keilereien in schlechter Choreographie, mit nur seltenen optischen Highlights versehen, die aber trotzdem immerhin (zumindest für Schundfilmfreunde) vorhanden sind.

Vielleicht kann man den Effekt, welchen der Film beim Zuschauer ausrichtet, mit der Neuverfilmung „Evil Dead“ vergleichen. Auch dort ging dauerhaft die Post ab. Wer auf blutige Bilder stand, liebte diesen Film. Aber wer mehr als das sehen wollte, langweilte sich aufgrund des dauerhaften Herumgemetzels. Und so ging es mir beim hier besprochenen Fantasy-Science Fiction-Horror-Action-Mix mit seinen Monster- und Handkantenszenen. Es gibt sicherlich öderes zu sichten, immerhin bietet der Film schlichten Gemütern passable Routine in monotoner Dauerschleife. Ich fühlte mich jedoch unterfordert von dem Bildermeer zu leerer Story, die krampfhaft irgendwie auf Spielfilmlänge getrimmt wurde. Insgeheim wünschte ich mir dann doch lieber die zumindest halbwegs vorhandene Handlung der Zeichentrickversion zurück. Die ist zumindest zwischenzeitlich nicht so nervig kitschig ausgefallen, wie die wenig ruhigen Momente dieser Zweitverfilmung.


Weitere Besprechungen zu Mutant City: 


IN DEN KRALLEN DES HEXENJÄGERS (The Blood on Satan's Claw 1971 Piers Haggard)


Ende des 17. Jahrhunderts kommt es in einem Dorf zu merkwürdigen Geschehnissen, die übernatürlicher Art sein könnten. Als sich Todesfälle häufen, beginnt man erst langsam zu verstehen, dass mit der Jugend des Dorfes etwas nicht zu stimmen scheint...


Die Entfernung der Teufelshaut...

Zwar wollten die Produzenten des Streifens seinerzeit, sofern man Angaben Dritter im Netz Glauben schenken darf, vom Erfolg diverser Filme um Hexenjäger eine Scheibe vom Geldkuchen abhaben, inhaltlich ist davon jedoch nur noch die Zeit in der alles spielt zu entdecken, Hexen, geschweige denn jene die sie jagen oder verurteilen wollen kann hingegen suchen wer will. Dementsprechend unsinnig ist der deutsche Titel „In den Krallen des Hexenjägers" ausgefallen, der den Geschehnissen des Films nach „Die Erlösung durch den Teufelsaustreiber“ hätte heißen müssen und damit der Wahrheit auch lediglich nahe kommen würde, ohne sie genaustens zu treffen. Der Alternativtitel „In den Krallen des Satans“ trifft es da schon eher, wobei es nicht zwingend der Teufel sein muss, den die Gruppe Jugendlicher hier auf „Kinder des Zorns“-Art anbetet und Opfer erbringt.

Zugegeben dauert es lange Zeit, bis wir innerhalb des Filmes diesen Wissensstand erreichen. Und diesen erhalten wir über die wohl wirkungsreichste Szene des Filmes, wenn wir einen Übergriff einer größerer Menge Menschen über ein harmloses, liebenswertes junges Teeniemädchen in all seiner Härte miterleben müssen, eine Szene die sicherlich kaum wen kalt lassen wird. Dennoch kann man „The Blood on Satan‘s Claw“ (Originaltitel) durchaus als Mix klassischer, englischer Horrorfilme dieser Spielzeitdekade mit jenem Werk von Stephen King bezeichnen. Während dort lange Zeit unklar ist, ob die kultige Kindergemeinde tatsächlich etwas Übernatürliches belebt, steht der unheimliche Faktor der Geschichte im hier besprochenen Film ziemlich früh fest, wenn eine befremdliche Mensch/Tier-Klaue gelegentlich nach ihren Opfern greift. So nebensächlich sie im Laufe der Zeit auch werden wird, alle drei bislang erwähnten Filmtitel orientieren sich an ihr, sie scheint somit manch einen beeindruckt zu haben.

Ich wünschte ich könnte dies vom Film selbst ebenfalls behaupten, aber der ließ mich trotz seiner interessanten Geschehnisse und den glaubwürdigen Sets und Kostümen ziemlich kalt. Er kam mir stets etwas zu verkrampft vorgetragen vor, etwas zu bemüht, wirklich beschreiben kann ich den Zustand nicht. Ich weiß nur, dass ich in „Satan‘s Skin“ (Alternativtitel) nicht wirklich eintauchen konnte, das Geschehen blieb mir zu theoretisch, das Konzept des Films zu unsortiert, zu unsicher darin ausgelegt was er eigentlich sein möchte.

Letztgenanntes kann man auch als Pluspunkt sehen, immerhin gibt es keine tatsächliche Identifikationsfigur, die sich automatisch anbietet. Und stets passiert etwas anderes. Die Geschichte bedient sich in jeder ihrer Phasen immer an jenen Figuren, die sie gerade benötigt. Verschiedene unheilvolle Vorgänge verunsichern und lassen einen zunächst ratlos zurück. Ich weiß auch nicht, warum diese theoretisch so verlockend klingende Methode bei mir nicht fruchten wollte. Denn auch die Darsteller waren zum großen Teil nicht untalentiert zu nennen. Anstatt mit einer kreativen Verwirrung anzustecken, wirkte der Streifen auf mich jedoch eher desorientiert, bevor er sich entscheidet eine Gruppe Jugendlicher ein fremdes Wesen anbeten zu lassen.

Eingeweiht in die tatsächlichen Geschehnisse schafft es schließlich auch der Spannungsbogen zu wachsen. Und die Szene einer erotischen Verführung durch eine Minderjährige weiß ebenfalls zu wirken. So schöpft man zum Ende hin neue Hoffnung, dass wenigstens das Finale etwas aus den vorhandenen Möglichkeiten schöpfen kann, doch dann wird man von der Inszenierung plötzlich regelrecht negativ überrumpelt. Die Geschehnisse bleiben in einer hektischen Umsetzung recht banal, optische Schauwerte werden durch schlechtes Abfilmen entwertet, und ein zu plötzlich gesetzter Schluss lässt den Zuschauer verdattert zurück, nicht wissend was am Ende nun wirklich geschehen ist. Vieles was in den letzten 20 Minuten das Finale einleitet, verläuft sich ins Leere und wird somit zu einer interessanten Idee, aus der nichts weiter ausgeschöpft wird (z.B. die Teufelshaut im Glasbehälter).

Am Ende lässt einen der Film ratlos zurück, lediglich wissend dass das Gute gesiegt hat, aber nicht wissend was aus den Jugendlichen werden wird. Sind sie erlöst mit dem Zerstören der Kreatur? Sind sie für immer verbannt? Sind sie noch bösartig getrieben? Das hätte ich alles ebenso gern erfahren, wie den Hintergrund wie die jungen Dinger überhaupt auf ihre okkulte Religion gestoßen sind. „The Devil‘s Touch“ (Alternativtitel) ist jedoch kein Film der Geschichte wegen, er orientiert sich an ein Publikum der reißerischen Aufhänger. Sobald etwas hinterfragt werden muss, erhält man als Antwort lediglich ein hohles Echo, denn Hintergründe gibt es nicht. Es gibt nur den Versuch durch möglichst viele, scheinbar nicht zusammengehörende Faktoren so etwas wie eine Gruselgeschichte vorzugaukeln. Atmosphärisch gut eingefangen kann so etwas funktionieren, wie Fulcis „Geisterstadt der Zombies“ beweist, verkrampft erzählt im noch so wirkungsreichem optischen Umfeld wirkt das alles jedoch nur willkürlich.


Weitere Besprechungen zu In den Krallen des Hexenjägers: 


HUMANS - STAFFEL 1 (Humans Season 1 2015 Lewis Arnold)


In der Gesellschaft der Zukunft gehören menschenähnliche Roboter, sogenannte Synth, in jeglichem Lebensaspekt zum Alltag. Ohne Gefühle und eigenen Willen machen sie den Haushalt, arbeiten sie in diversen Jobs oder erleichtern anderweitig unseren Alltag. Obwohl Laura sich keinen Synth anschaffen möchte kauft ihr Ehemann Joe dennoch einen, als er sich wieder einmal während einer von Lauras betriebsbedingten Ausflügen allein um die Familie kümmern muss und Verstärkung im Haushalt benötigt. Während die Kleinste den Roboter Anita direkt ins Herz schließt und der pubertierende Sohnemann das neue Familienmitglied höchst attraktiv findet, beäugeln Laura und ihre älteste Tochter Mattie den Androiden mit kritischen Augen, scheint er sich doch nicht so zu verhalten, wie es für einen Synth üblich wäre. Was die beiden nicht ahnen: Anita gehörte vor ihrer Umprogrammierung zu einer kleinen Gruppe rebellischer Roboter, die über ein eigenes Bewusstsein verfügten...


In kleiner Anzahl eine nette Idee, in großer Population eine Bedrohung...

Leider ist mir die schwedische Serie „Real Humans“ bislang unbekannt. Als ich mir die erste Staffel von „Humans“ zulegte, wusste ich nicht, dass sie eine Remake-Serie zu einem schwedischen Original ist. Als ich es erfuhr, habe ich dennoch erst die britisch/amerikanische Neuverfilmung geschaut, eben weil mich die Geschichte stark reizte und sich die hier besprochene Version im Gegensatz zur anderen bereits in meinem Besitz befand. Ich kann somit nicht vergleichen, weiß nicht in wie weit „Humans“ das Original nur kopiert, oder auch eigene Ideen aufweist. Ich kann also nur unter Vorbehalt über die erste Staffel „Humans“ referieren, bin aber ohne die Kenntnis der schwedischen Version positiv überrascht.

Zugegeben, „Humans“ ist manchmal sehr direkt und geradeaus erzählt. Das Science Fiction-Drama fordert die Intelligenz des Zuschauers oder seine Neugierde nicht so stark heraus, wie es möglich gewesen wäre. Ab einem gewissen Punkt ist klar wohin das Erzählte führen wird, und mancher Soap Moment wirkt für den an sich intelligenten Stoff etwas penetrant aufgedrückt. Dank seiner interessanten Geschichte und aufgrund der Vielschichtigkeit, welche die Geschichte gerade in ihrer ersten Phase zu bieten hat, ist das aber auch gar nicht weiter wild. Mögen auch nicht alle Figuren lebensecht erscheinen, die meisten Charaktere wissen zu gefallen. Eine handvoll verschiedener Geschichten, welche der grundlegenden Thematik jeweils völlig andere Aspekte abgewinnen, wachsen mit der Zeit ineinander und werden zu einer kompletten übergeordneten Geschichte. Und wenn diese, wie bereits beklagt, vorhersehbar wird, so macht es doch trotzdem Spaß das zu Erwartende dabei zu beobachten, wie es sich wie ein Puzzle zu einem Ganzen fügt.

Dank des Serienformates kann man sich der Thematik um künstlische Intelligenzen und jener um den Einsatz willenloser Roboter im Alltag sehr umfassend annehmen und diverse Aspekte dementsprechend vielschichtig vertiefen. Während die düsteren Möglichkeiten zu dem Thema, im Sinne eines „Ex Machina“ oder „Westworld“, komplett weggeblendet werden, werden gesellschaftskritische und humane Aspekte umso stärker in die Geschichte eingebunden, mal als Randerscheinung zur Erschaffung eines umfassenden Bildes der Gesellschaft der Zukunft (die Rebellion der Arbeiter, da sie von Robotern ersetzt werden, die Entfremdung der Menschen voneinander, die Dekadenz und die Abhängigkeit durch das inflationäre Nutzen der Synth), mal als Zentrum einzelner Geschichten (der Verlust der eigenen Mündigkeit durch die Gesetzgebung, die wohl stärkste Kritik der Serie anhand des Beispieles eines kranken Mannes, der einen Synth von seiner Krankenkasse aufgedrückt bekommt und wie ein Gefangener einen gesunden Lebensstil aufgezwungen bekommt), mal das Zentrum der kompletten Geschichte bildend (die Frage über Persönlichkeitsrechte einer K.I. und der Zukunft der Menschheit durch die Existenz einer solchen, a la „Blade Runner“ und „Ghost in the Shell“).

Die Frage, ob sich die künstlichen Intelligenzen tatsächlich all zu sehr von den Menschen unterscheiden, blitzt glücklicher Weise lediglich als Randerscheinung auf und gehört somit zu den wenigen Aspekten, über die sich der Zuschauer (zumindest bislang) seine eigenen Gedanken machen darf, neigen doch auch die Roboter mit Bewusstsein zu aggressiven Taten und zur Selbstgerechtigkeit, auch wenn sie dem Menschen in anderen Dingen noch so überlegen sind. Die Kritik des befremdlichen Gegenübers besteht auf beiden Seiten, bei manchem Menschen/Androiden stärker als bei anderen. Da eine kleine Gruppe Menschen von der Existenz jener intelligenten Roboter mit eigenem Bewusstsein weiß, die es eigentlich nicht geben dürfte, und ihnen helfen möchte, während eine andere kleine Gruppe die K.I.s zerstören möchte, pendelt „Humans“ im letzten Drittel immer stärker zwischen Thriller und Drama hin und her, wobei der Dramaaspekt stets den stärkeren Part bildet, was der Geschichte bis auf einige zu kitisch geratener Ausrutscher auch gut tut.

Wirklich neue Ideen gibt es zu der Thematik kaum zu sichten, aber dafür vereinen sich viele, die man aus anderen Werken kennt, und dies stilsicher eingefangen, irgendwo pendelnd zwischen dem Begreifen der Tiefe der Thematik und dem trendsicheren Wiederkäuen professionell reflektierender Vorbilder. Der Unterhaltungswert ist bei einem solch halbintelligent umgesetzten Projekt glücklicher Weise auf einem Hoch. Selbst wenn die erste Staffel von „Humans“ in ihrer Mittelphase ein klein wenig wankt und nicht ganz die Stärke des ersten und des letzten Drittels besitzt, so bleibt sie doch auch in dieser schwächeren Phase interessant genug, um neugierig dran zu bleiben. „Humans“ ist eine Science Fiction-Soap Opera, die mal von den zwischenmenschlichen Konflikten lebt, dann wieder verstärkt von ihren Science Fiction-Eigenschaften.

Die Ballance gelingt der Serie recht gut, zumal die Figuren trotz ihrer eindimensionalen Charaktere zu echten Identifikationsfiguren werden, und dies obwohl man stets einen emotionalen Abstand zu ihnen hält. Das dürfte auch der wesentliche Unterschied zu einer klassischen Seifenoper sein. Hier sorgt der Science Fiction-Gehalt und der warnende Blick einer gar nicht so fern klingenden Zukunft für die nötige Distanz, ohne das Treiben deswegen gleich völlig unterkühlt einzufangen. Mir hat die erste Staffel zumindest gut gefallen, und wenn dieser lediglich Schrott folgen sollte, ist dies auch nicht weiter wild, denn sie endet hervorragend und in sich abgeschlossen, so dass sie auch völlig für sich alleine stehen kann.


Freitag, 13. Oktober 2017

DIE ABENTEUER DER MAUS AUF DEM MARS (1975 Miklós Temesi)


Eine Maus landet versehentlich auf dem Mars, wächst dort zur Übergröße heran und erlebt so einige Abenteuer...


Tränenreiche Befruchtung...

Mit simplen aber liebevoll gestalteten Zeichnungen versehen erzählt „Die Abenteuer der Maus auf dem Mars“ kindgerechte Geschichten in Form von 5-Minütern. Die Figuren selbst brabbeln auf verspielte Comic-Art vor sich hin, um Sprache zu simulieren, eine Sprecherin mit sanfter Stimme erzählt was passiert, so dass sich das Anschauen der Serie wie das Vorlesen aus einem Bilderbuch schaut. Rein pädagogisch gibt es da nichts zu maulen, selbst jüngsten Kindern kann man die in Budapest fertiggestellte, mitunter deutschfinanzierte, Serie bedenkenlos vorführen.

Zunächst wird der Mars als trostloser Planet eingeführt, auf dem die Maus sehr einsam ist. Durch ihre Übergröße verursachen ihre Tränen eine Überflutung, welche den Planeten fruchtbar macht, und so wird der Mars ein angenehmerer Lebensort als zunächst vermutet. Anfangs muss die Maus trotzdem mit sich selbst zurecht kommen, was sie langweilig und traurig stimmt, aber bereits nach wenigen Episoden werden ohne Erklärungen weitere Figuren eingebracht, man merkte wohl, dass sich ansonsten nicht viel erzählen lässt, selbst dann wenn die Maus so allerhand der Geschichten lediglich träumt. Woher mit einem Mal ihr Freund, der Maulwurf, auftaucht, erfährt man leider nicht. Auch wenn jede Geschichte für sich steht, so wäre es doch schön gewesen einer Episode beizuwohnen, in welcher sich die beiden kennenlernen.

Kindgerecht werden phantasievolle Geschichten erzählt, in denen mal bewusst Selbstverständlichkeiten aus der Erde zum Alltag gehören, andere Faktoren jedoch entfremdet oder komplett neu erfunden werden, um den geheimnisvollen Spielort hervorzuheben, bzw. die Maus vor Probleme zu stellen, die es zu lösen gibt. Hin und wieder gibt es kleine gesellschaftspolitische Aussagen. Oftmals muss die Maus um ihre Freiheit bangen, z.B. in jener der wenigen Episoden, die eine längere Laufzeit hätten vertragen können, landet dort doch die Maus in der Gefangenschaft eines Wissenschaftlers, der Sternenputzer in Käfigen hält, um mit deren Leistung eines strahlenden Nachthimmels vor der Welt zu prahlen.

Gelegentlich bekommt die Maus auch unerwartet Besuch von der Erde. Dem Mars entkommen kann sie trotzdem nicht. So gemütlich wie sie es sich auch auf der neuen Heimat einrichtet, am liebsten würde sie nach Hause zurückkehren. Mit diesen und vielen anderen Bedürfnissen sind die Geschichten stets nah am Empfinden ihres Zielpublikums angelegt. Dass sich stets Widersprüchlichkeiten zwischen den Episoden auftun und auch im Regelwerk der innereigenen Logik, verzeiht sich von selbst aufgrund des liebevoll erreichten Selbstzwecks und aufgrund dessen, dass dieser wackelige Zustand zwischen erfundener Welt und Bodenständigkeit grundsätzlich Bestandteil in Kinderfilmen und der Kinderliteratur ist, die derartiges in Kauf nehmen, um sich den Wichtigkeiten des Stoffes zu stellen: der Aussage, die man mit der Erzählung tätigen will.

Man müsste schon ein Miesepeter sein, um aufgrund dessen „Die Abenteuer der Maus auf dem Mars“ nicht mögen zu können, ist die TV-Serie doch höchst liebevoll und einfallsreich ausgefallen. Ihre Geschichten sind kindgerecht und gleichzeitig interessant erzählt und dies auf eine Laufzeit gebracht, die auch jüngere Kinder nicht überfordert. Ob mit Robotern und Marsmenschen, ob gegen Reporter oder Zoowärter, ob mithilfe des Maulwurfs oder eines Traumballonherstellers, stets erlebt die Maus allerhand für Kinder verständnisvolle und begreifbare Geschichten, welche die eigene Phantasie anregen, anstatt es darauf anzulegen übertrieben lehrreichen Stoff anzubieten. Gerade in heutigen Zeiten der Leistungsgesellschaft hebt sich eine solche Serie lobenswert vom überpädagogischen Handeln vieler Eltern erfreulich ab. „Die Abenteuer der Maus auf dem Mars“ fördert die Muße der Kinder und ihre Kreativität, auf der natürlich vorhandenen Wissbegierde der Kinder aufbauend.


DIE NACHT DER OFFENEN SÄRGE (Drácula contra Frankenstein 1971 Jess Franco)


Ein Wissenschaftler zieht in das Anwesen des gepfählten Dracula und erweckt diesen und Frankensteins Monster zu neuem Leben, um mit deren Hilfe und seinem Geheimnis des selbsterschaffenen Lebens die Weltherrschaft zu erlangen...


Endlich einmal kein Dr. Orloff...

Als Fan des Horror-Genres kommt man an Jess Franco nicht vorbei, auch wenn der Großteil seine Werke weder mag noch versteht. Der gute Mann ist nicht nur als Vielfilmer und Schundfilmer berüchtigt, sondern auch dafür zu improvisieren und dementsprechend ungewöhnliche Wege zu gehen. Und auch wenn sich einige Werke sehr ähneln, so kann es doch sehr interessant sein sich mit dem gerne in Deutschland und Frankreich drehenden Filmemacher zu beschäftigen, der zur Entstehung von „Die Nacht der offenen Särge“ bereits auf 15 Jahre Regieerfahrung zurückblicken konnte.

Die Idee diverse klassische Monster der Horrorliteratur und des Horrorfilms in einem Werk zu vereinen war schon damals nicht neu zu nennen, dies versuchte man bei Universal bereits in den 40er Jahren. Jüngere Werke wie „Van Helsing“ und „Die Mumie“ mit Tom Cruise zeigen jedoch, dass das Interesse diesbezüglich noch immer vorhanden ist. Franco interessiert sich dabei wenig für die tiefer gehenden Elemente der Stoffe, als viel mehr für die äußeren Schauwerte und versucht mit simpelsten Mitteln eine klassische Schauergeschichte über besagte Monster im Banne eines irren Wissenschaftlers zu kreieren.

Francos Talent ist arg beschränkt. Was er in den ersten vielen Minuten seines Werkes wortlos zusammenzimmert ist durchaus interessant zu nennen, scheitert aber eigentlich an dem Mangel wahren Talents, beeindruckt aber durch das konsequente Durchziehen es trotzdem versuchen zu wollen. Wirklich atmosphärisch sind sie nicht, die Bilder die der gute Mann mit der Kamera einfängt und aneinander schneidet. Mit recht simplen Tricks versucht er per Schnitt eine Bildsprache herzustellen, Ereignisse zu simulieren, die man aus vergleichbaren Stoffen kennt. Dabei lebt „Vampir Kill“ (Alternativtitel) mehr von dem Verstehen was Franco vorschwebte, als vom tatsächlichen Einfangen dieses Ergebnisses.

Und auch wenn man versteht, dass kein professionelleres Ergebnis anvisiert wurde, sondern der beschrittene Wege eben prinzipiell das sein soll was Franco mit „Drácula contra Frankenstein“ (Originaltitel) vorschwebte, und auch wenn ich nicht ohne Sympathie zu dieser Methode und Franco im allgemeinen (mittlerweile) stehe, so macht dies aus „Die Nacht der offenen Särge“ doch noch lange keinen interessanten Genrebeitrag auf seine komplette Filmlänge hin gesehen, ganz zu schweigen von der Ermangelung eines wahren Unterhaltungswertes.

Wortkarg bleibt der Film auch in seinen weiteren Phasen, leider jedoch nicht wenn das weltherrschaftssüchtige Wissenschaftsgenie über seine Pläne seniert, die dem naiven Stoff endgültig einen albernen Stempel aufdrücken und innerhalb dieser Schundkunst keine Frage mehr darüber offen lässt, ob der Weg den der Film beschreitet nun trivialer Natur ist oder tiefer geht. Es ist schön und gut, dass Franco daraus kein großes Geheimnis macht und offen zu dem steht, was er da treibt, aber da das Erzählte nie über die Schurken- und Monsterperspektive hinaus geht, schaut sich der Stoff noch schwerer zugänglich und anstrengender als ohnehin schon, fehlt es doch an Sympathiefiguren, an menschlichen Helden, an einer Identifikationsfigur.

„Screaming Dead“ (Alternativtitel) wird damit ein zu sperriges, theoretisches Werk in Kombination mit dem Experiment welches Franco vorschwebte und schließt damit selbst den interessierten Zuschauer aus. Anfängliche Neugierde verschwindet, und so nach und nach macht sich Desinteresse über etwas breit, das theoretisch gesehen eigentlich reizvoll erschien. Für mich war Kino immer auch ein Stück Unterhaltung, egal wie schwer ein Stoff beschaffen ist. Und wenn dieser Apekt zu kurz kommt, fehlt mir etwas.

Das mag ein Cineast mit Hang zum Experimentalfilm anders sehen, ein solcher wird sicherlich eher einen Zugang zu diesem absichtlich (da kaum anders könnend) stümperhaften Stück Bilderpuzzle stehen, in dessen längeren klassisch gespielten Sequenzen nicht gerade passend besetzte, oder sonderlich talentiert zu nennende Mimen durchs Bild stolpern. Mir jedoch, dem immer auch ein Stück Unterhaltungswert wichtig war um laufenden Bildern auf Spielfilmlänge etwas abgewinnen zu können, war das auf Dauer zu wenig. Theoretisch würde ich „Dracula Prisoner of Frankenstein“ (Alternativtitel) gerne mögen, und frei von Sympathie bin ich auch dem Endergebnis nicht zugeneigt - in Francos reichhaltigem, langjährigem Treiben gibt es wahrlich genügend Filme, die wesentlich schlechter ausgefallen sind - von einem zufriedenstellenden Ergebnis ist aber auch „Die Nacht der offenen Särge“ leider noch zu weit entfernt.


Weitere Besprechungen zu Die Nacht der offenen Särge: 


Donnerstag, 12. Oktober 2017

GINGERCLOWN (2011 Balázs Hatvani)


Ein ewig gemobbter Schüler lässt sich auf eine Mutprobe ein, bei welcher er nachts auf das Gelände eines seit Jahrzehnten stillgelegten Jahrmarktes eindringen soll. Dort trifft er auf monströse Gestalten, die ihm nach dem Leben trachten möchten...


Was Penny nicht weiß...

Während andere Horrorbegeisterte zur Zeit der Killerclownwelle fleißig in die kürzlich erschienende Kino-Version von Stephen Kings “Es” stürmen, machte ich einen Ausflug in den lediglich auf DVD erschienenden “Gingerclown”, der uns Tim Curry in der Rolle eines Clowns verspricht, jenen Mann, den man zwar immer als erstes mit der “Rocky Horror Picture Show” in Verbindung bringen wird, daneben aber eben auch mit Pennywise aus der damaligen TV-Verfilmung “Es”. Zwar wunderte ich mich, dass er sich erneut auf eine ähnliche Rolle einließ, nach Sichten von “Gingerclown” kann man diese Frage jedoch erweitern auf die grundlegende Frage warum Curry überhaupt an solch einem schrottigen Film beteiligt war.

Selbiges gilt für den stets im Genre auftauchenden Lance Henriksen und der sehr merkwürdigen Besetzung des damaligen Geräuschemachers Michael Winslow aus der “Police Academy”-Reihe. Logisch dass mit diesen mal mehr, mal weniger berühmten Namen geworben wurde, wer sich den Streifen von Regisseur Balázs Hatvani jedoch angeschaut hat, darf enttäuscht feststellen, dass sie lediglich Monstern ihre Stimme liehen, persönlich jedoch nie vorbei schauen. Wahrscheinlich hätten sie ansonsten am Set bemerkt an welcher Gurke sie beteiligt sind und hätten das Weite gesucht.

“Gingerclown” lockt zunächst nicht nur aufgrund der beliebten Killerclownthematik und durch Tim Curry in dieser angeblichen Rolle, es reizte auch die ungarische Herkunft des Streifens und das Versprechen man wäre darin bemüht das 80er Jahre Horrorkino wiederzubeleben, welches in den Videotheken bis Anfang der 90er Jahre eine ganz eigene Nische Genrebeiträge füllte. Der ungarische Touch war durch das Einbringen sämtlicher US-Klischees von Beginn an über Bord geworfen, und wo bitte 80er Jahre-Feeling wehen soll, wie nicht nur der Coveraufdruck der DVD verspricht, sondern auch Autoren von Filmbesprechungen, die alles Gelesene hirnlos nachplappern müssen, ist mir nicht klar geworden.

Sicherlich: die im Film auftauchenden Monster sind handgemacht. Optisch erinnern diese jedoch eher an einen Puppenfilm a la “Die Reise ins Labyrinth”, freilich ohne wirklich geglückt zu sein, während der Film bereits aufgrund seiner Harmlosigkeit, der Geschichte und dem Verhalten der Monster eher wie eine leicht erwachsenere Version von “Alice im Wunderland” daherkommt. “Gingerclown” hat weder mental etwas von den Videotheken-Horrors der zweitschönsten B-Filmzeit des Genres zu bieten, noch von deren Äußerlichkeiten und Zutaten. “Gingerclown” spielt lediglich selbst in den 80er Jahren, so dass die ein oder andere Mode von einst kurz aufblitzt. Da der Film großteils aber an einem neutralen Ort zwischen den Zeiten spielt, ist auch dies ziemlich egal.

Bereits die erste Szene nervt gewaltig, die ellenlang innerhalb nur eines Spielortes und Zeitpunktes alles abarbeitet, was eine ausführlichere und liebevoller angegangene Einleitung durch mehrere Handlungsorte interessanter und feinfühliger hätte vertiefen können. Erschwerend kommt dieser mies gespielten und übel beleuchteten, sowie erbärmlich abgefilmten Szene hinzu, dass jene Person, die hier am meisten plappern darf, auch gleich die schlechteste Synchronstimme beschert bekommen hat, innerhalb einer Deutschvertonung, die über Mittelmaß ohnehin nicht hinaus kommt.

Das Makel der schlechten Optik und des ebenso schlechten Schauspiels bleibt auch nach der Einleitung bestehen, nur dass nun noch weitere Negativpunkte hinzukommen, ergibt doch nicht nur der komplette Plot keinen Sinn (ein Jahrmarkt, der seit Jahrzehnten nie betreten wurde, ist klar), sondern auch das übernatürliche Treiben, was den eigentlichen Reiz der Geschichte ausmachen sollte. Warum hier spukt, was hier lebt, wird nie geklärt, warum die Teenies nicht einfach wieder über den Zaun klettern, sondern sich stattdessen dem übernatürlichem Treiben stellen, ebenso wenig. Andererseits: bedrohlich erscheint in diesem zahmen Streifen ohnehin nichts, sind die Monster doch gerne mit sich selbst beschäftigt anstatt mit den menschlichen Protagonisten, und selbst wenn sie ein Auge auf diese geworfen haben, wird das Geschehen im Film doch niemals unheimlich.

Eher episodenartig stolpern die beiden Hauptfiguren durch das dunkle, unatmosphärische Jahrmarktset, angetrieben durch die düstere Stimme des kaum zu sehenden Clowns (im Original weiß zumindest diese ein wenig zu wirken), von einem uninteressantem Geschehen zum nächsten hüpfend, was der ohnehin schon drögen, wie hirnlosen Chose endgültig den Reiz nimmt, da jeder Augenblick für sich zu stehen scheint, ohne einen echten roten Faden abzuliefern. “Gingerclown” guckt sich derart langweilig, dass es einer großen Leistung gleicht, diesen Scheißdreck bis zum Schluss sichten zu können. Mir war meine Lebenszeit dafür zu schade. Ich habe irgendwann aufgegeben.


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Samstag, 30. September 2017

ICE SHARKS - DER TOD HAT RASIERMESSERSCHARFE ZÄHNE (Ice Sharks 2016 Emile Edwin Smith)


Mitarbeiter einer Forschungsstation in der Arktis werden von einer bislang unbekannten Gattung Hai attackiert...


Der Sägefisch bekommt Konkurrenz...

„Der Tod hat rasiermesserscharfe Zähne“ heißt es im reißerischen Beititel aus Deutschland, und über den kann man erst recht schmunzeln, wenn man „Ice Sharks“ tatsächlich gesichtet hat, schließlich ließe sich der Spruch auf jeden der dutzendfachen Billig-Haifisch-Horrors anwenden, mit denen man von SyFy und Co regelmäßig zugeschüttet wird, wohingegen die Viecher aus dem hier besprochenen Streifen weit nennenswertere Eigenschaften besitzen, die es als Besonderheiten hervorzuheben gäbe. Das wäre neben der Existenz im Eiswasser und dem besonders intelligent zu nennenden Verhalten, welches die schwimmenden Killer hier an den Tag legen, in erster Linie ihre Eigenschaft mit der Rückenflosse die Eisschichten durchsägen zu können. Auch ihr Talent dünne Eisschichten per Sprungkraft zu durchbrechen, um Menschen zu attackieren, die sich auf der Eisoberfläche sicher vor dem Angreifer fühlten, gehört zu ihren Besonderheiten.

Im Genre selbst ist der im ewigen Eis auftauchende Hai keine Innovation, aber noch immer eine Rarität. Während man es in „Snow Sharks“ mit Hai-ähnlichen Kreaturen zu tun bekam, lauerte der Ur-Hai in „Megalodon“ tückisch zwischen den Eisschichten im Wasser, um urplötzlich hochzuschießen und seine Beute zu ergattern. Wer aber in einer Asylum-Produktion für den Fernsehsender SyFy ernsthaft Innovationen erwartet, kennt besagte Filmschmiede ohnehin noch nicht, werden die hervorstechenden, besonderen Einfälle eines dort produzierten Filmes, doch stets lediglich für das übliche 08/15-Storygerüst verwendet, das man als Fan des Genres schon mehrfach gesichtet hat.

Dieses wäre eine Spur erträglicher zu sichten, wenn The Asylum nicht stets auf die selbe nichtssagende, monotone Elektromusik für den Hintergrundsound zurückgrerifen würde, die aus theoretisch halbwegs spannenden Momenten lediglich ein Achselzucken zaubert. „Ice Sharks“ hat tatsächlich manchen Moment zu bieten, in dem man um Suspense bemüht ist, aber spätestens die x-fach verwendete Billigst-Einschlafkomposition verhindert ein aufregendes Szenario. All zu spannend hätte es ohnehin nicht werden können, denn „Ice Sharks“ ist selbst für seine Gattung Film, die für ihre Unsinnigkeiten regelrecht berüchtigt ist, äußerst hanebüchen zu nennen.

Spätestens wenn zur geschätzten zweiten Hälfte des Streifens die Forschungsstation auf eine Eisscholle abgekoppelt wird, nur um diese kurz darauf zu zerstören, um besagte Station zu versenken, wird es unsinniger denn je. Nicht nur dass keinerlei Wasser durch irgendwelche möglichen Ritzen eindringt und die Wissenschaftler immer weiter nach unten tauchend kühn und besonnen bleiben, da der Bau den dort unten herrschenden Druck locker aushalten kann, die irrwitzige Situation wirkt auf die Protagonisten außerdem geradezu selbstverständlich, so sehr sogar, dass eine der Hauptpersonen nebenbei erwähnt, dass eine solche Situation fataler Weise beim Bau der Anlage nicht berücksichtigt wurde.

In den 70er Jahren wurde das Genre gerne genutzt um Umweltschutzgedanken in ein solches Projekt einzubauen, damit man neben dem Unterhaltungswert auch gesellschaftspolitisch das Publikum erreichen kann. Dass das Schmelzen des ewigen Eises durch die von Menschenhand verursachte Erderwärmung hier zu Haiattacken führt, will freilich nicht mehr ernsthaft vor Umweltsünden warnen, sondern dient lediglich dem reißerischen Aufhänger.

Im selben Jahr erging es „Planet of the Sharks“ diesbezüglich ähnlich, im Gegensatz zu diesem kann man „Ice Sharks“ aber zumindest mit halber Backe gucken. Aufregend ist das Ergebnis in seiner monoton eingefangenen Atmosphäre keineswegs ausgefallen. Man muss sich in Geduld üben, um das Ende des Filmes erreichen zu können. Seine hochgradigen Unsinnigkeiten helfen aber zumindest dabei amüsierter zuzuschauen als beim eben erwähnten Langeweiler aus selbiger Produktionsschmiede. Dass es Regisseur Emile Edwin Smith jedoch besser kann, bewies er zwei Jahre zuvor mit dem ebenfalls dämlichen, aber weit unterhalsameren „Mega Shark vs. Mecha Shark“.


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Mittwoch, 27. September 2017

PLANET OF THE SHARKS (2016 Mark Atkins)


In der Zukunft ist unser Planet aufgrund der Erderwärmung ein von Wasser überfluteter Ort geworden. Während die letzten schwimmenden Städte der Menschheit darum kämpfen die Katastrophe zu beheben, werden sie von riesigen Haischwärmen angegriffen, einem Naturphänomen, welches es zuvor noch nie gegeben hat und welches die erste Stadt bereits komplett zerstört hat...


Cornelius bekommt nasse Füße...

Inmitten des umkämpften Gebietes jener Tierhorror-TV-Produktionen, die mit immer schrägeren Ideen versuchen einen letzten Rest Geld aus der Killerhai-Idee herauszupressen, klingt der Gedanke eines kompletten Haiplaneten für Freunde des Schundfilmbereiches eigentlich recht reizvoll. Was hätte das Szenario für einen Reiz bieten können, wenn man ahnungslose Astronauten auf einem fremden, wasserreichen Planeten hätte landen lassen, um sie Fischfutter werden zu lassen? Auch eine „Interstellar“-ähnliche Idee überraschend inmitten eines komplett überfluteten Planeten zu landen hätte seinen Reiz gehabt, man denke nur daran wie bedrohlich dort bereits ein Wasserplanet ohne Haie wirkte.

Aber das sind freilich Träumereien, wenn man sich auf ein Werk des Fernsehsenders SyFy einlässt, dem zu dem Titel nichts besseres eingefallen ist als sich an der Ausgangslage von „Waterworld“ zu bedienen und anstatt eines Meermutantenmannes Haie ins Zentrum dieser wackeligen Idee zu setzen. Bereits in Form einer Großproduktion machte das Zukunftsbild einer wasserüberfluteten Erde keinen Sinn, in „Planet of the Sharks“ versucht man gar nicht erst zu hinterfragen, wie überhaupt noch eine vergleichsweise ähnliche Gesellschaft unter diesen Bedingungen funktionieren soll. Mangelerscheinungen durch nicht mehr vorhandene Lebensmittel und viele andere naheliegende, mit der Idee eines Wasserplaneten direkt einhergehende Zusammenhänge, werden zu Gunsten des Hauptaspektes schlichtweg ignoriert.

Mag sein dass dies, gerade für einen stupiden Nonsens-Horror für die schnelle, triviale Unterhaltung, mehr Sinn ergibt, anstatt sich in hanebüchene Ausreden und Erklärungen zu verstricken, wirklich unterhalten will die Schnellproduktion aus dem Hause The Asylum aber so gar nicht, unterscheidet sie sich zum einen doch kaum von den gängigen Beiträgen der Fließbandproduktionen um Killerhai-Filme (einen „Sharknado“-ähnlichen Ausbrecher sollte man also nicht erwarten), zum anderen wird „Planet der Haie“ (Alternativtitel) ziemlich von Beginn an zu einem nervtötenden, dialoglastigen Langeweiler des Leergeschwätzes, gespielt in lahmer Kulisse, angereichert mit selbst unter vergleichbaren Produktionen mies zu nennenden Spezialeffekten und dargeboten von uninspirierten Darstellern, die in Studiokulissen so tun müssen, als ob sie in einem Hubschrauber sitzen würden, oder mitten auf dem Meer unterwegs wären.

Dass sich bereits nach (spätestens) 10 Minuten mit allen genannten inhaltlichen Faktoren und präsentierten Stereotypen der Rest der Geschichte vorhersehen lässt, tut dem langweiligen Plot erst recht nicht gut. Mangels individueller Ideen oder wenigstens einer Person, die sympathisch gezeichnet, oder halbwegs interessant hervorsticht, interessiert man sich null für das nicht halbwegs augenzwinkernd inszenierte Treiben, genau jenes, welches Regisseur Mark Atkins in seinem amüsanten „Sand Sharks“ so positiv zu nutzen wusste. Um es kurz zu machen: „Planet of the Sharks“ mag vom Titel her zunächst locken, er lohnt sich jedoch keineswegs, so müde wie er umgesetzt wurde und so schnell wie ihm die Luft ausgeht (wenn man das überhaupt so nennen kann, wenn von Beginn an nie Luft vorhanden war).


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Sonntag, 24. September 2017

DER KÜHLSCHRANK (The Refrigerator 1991 Nicholas Jacobs)


Ein junges Pärchen zieht in seine erste gemeinsame Wohnung. Für New York-Verhältnisse ist der Mietpreis ungeheuer günstig. Dass ein teuflischer Kühlschrank in der Küche der Grund dafür ist, begreift das Paar nur sehr langsam...


Eiskalte Morde...

Dass „Der Kühlschrank“ nie zu solch einem Kult-Trasher wurde wie „Space Invaders“, „Rabbits“ und Co, und nicht einmal ansatzweise an deren Semiberühmtheit unter eingeschworenen Cineasten heranreicht, braucht nach Sichten des Streifens nicht überraschen. Nicholas Jacobs‘ Film ist mit seiner sehr eigenen Handschrift alles andere als massentauglich ausgefallen, und die nötige Schräge für Trash-Fans ist auf den ersten Blick schwer zu erkennen. Letztendlich ist der Humor zu leise ausgefallen für den durchaus vorhandenen Comic-Touch, andererseits wiederum zu laut geraten um ihn tatsächlich subtil nennen zu können. Irgendwie schaut sich das Treiben in dieser Horror-Komödie recht grotesk, aber nicht grotesk genug um von einer Groteske zu sprechen. „Der Kühlschrank“ spricht einen entweder mit seinem individuellen Humor und seiner kaum bemerkbaren Andersartigkeit an, oder eben nicht.

Zumindest leidet „Der Kühlschrank“ nicht unter dem naheliegenden Problem, dass ein Kühlschrank unbeweglich ist und deshalb zu keinen interessanten Schandtaten fähig ist. Der Humor fängt bei Gefallen jeglichen Makel über den wackeligen Spukgehalt auf, schließlich wird nie ganz deutlich was der Kühlschrank kann, und über die Ursache seiner Bösartigkeit wird lediglich einmal kurz spekuliert ohne dabei Antworten zu liefern. Zum einen frisst der Apparat seine Opfer und erinnert dabei mit seinen Methoden ein wenig an Dick Maas‘ „Fahrstuhl des Grauens“, monströse Aufnahmen, wie der glibberige Anblick seiner inneren Höllenpforte oder das Nutzen von Fangarmen, sind zum anderen entweder Ergebnisse von Hypnose, oder Einblicke die der Kühlschrank nur speziellen Figuren gönnt. Oftmals entpuppen sich teuflische Momente auch lediglich als Traum.

Was auch immer den Kühlschrank antreibt: obwohl kaum etwas Nennenswertes passiert, was „The Refrigerator“ (Originaltitel) inhaltlich oberflächlich betrachtet von vielen anderen Horrorfilmen unterscheidet, wird der Streifen doch niemals langweilig, und dies obwohl die Geschichte recht gemütlich und vorhersehbar vorwärts schreitet. Überzogen dargebotene Eheprobleme, ein widersprüchlich gezeichneter sensibler Prolet und die spürbare Freude der Lust am Nonsens bei den (recht zurückhaltend spielenden) Darstellern und Storyverantwortlichen machen aus „Der Kühlschrank - Eiskalt, böse und gemein“ (Alternativtitel) einen sympathischen kleinen Außenseiterfilm mit eigenem Touch, nicht nennenswert genug um ihn über den grüne Klee zu loben, aber bei genauerem Hinsehen individuell genug ausgefallen, um sich vom geklonten Einheitsbrei ähnlicher Horrorbeiträge erfreulich abzuheben.


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DAS SCHLOSS IM SPINNWEBWALD (Kumonosu-jô 1957 Akira Kurosawa)


Ein böser Geist erscheint dem tapferen Samurai Taketoki und seinem Freund Miki und prophezeit ihm u.a., dass er Fürst des Schlosses am Spinnwebwald werden wird. Taketoki hilft per Mord und Lüge nach, dass sich die Prophezeiung erfüllt, aber Unheil liegt in der Luft...


Der alte Mann und das Spinnrad...

Akira Kurosawa verlagert die klassische Macbeth-Geschichte Shakespeares nach Japan und liefert damit eine besonders frühe und andersartige Version des berühmten Stoffes ab. Ich kenne mich mit der legendären Erzählung überhaupt nicht aus, kann also keine Vergleiche ziehen, „Das Schloss im Spinnwebwald“ ist jedoch eine sympathische Geschichte über das schlechte Gewissen und den Übermut, über eben jene Tür, die einmal geöffnet nie mehr geschlossen werden kann. Das kommende Unheil ist stets präsent, da ist auch das Schwarz/Weiß, in welches das Werk abgefilmt ist, diesbezüglich hilfreich. Die weit aufgerissenen Augen und die überagiert auf Theaterbasis gespielten Mimiken und Betonungen des Hauptdarstellers unterstützen es ebenso, Subtilität ist nicht immer die bessere Wahl.

Kurosawa schafft es die an sich simple Erzählung um Verrat, Schuld und Rache ereignisreich zu erzählen. In ruhigen Phasen weiß der Spinnwebwald so undurchdringbar zu wirken, wie es stets von ihm heißt, die Nutzung von Nebel hilft diesbezüglich gut. In lauteren Szenen darf man erstaunt sein wieviel Statisten Kurosawa seinerzeit aufgetrieben bekam. Und die Stereotype, die sämtliches Szenario beherrschen, gefallen aufgrund ihrer Abgründe und Hinterhältigkeit. Es ist toll mit anzusehen, wie die Frau Taketokis ihren Mann als Verführerin manipuliert und sämtliche Schandtaten in die Wege leitet. Nach und nach wird aus einem Ehrenmann ein selbstüberschätzter Egomane, der nur verlieren kann. Von seinem urprünglichen Ich ist nichts mehr übrig geblieben.

Die Fantasyelemente werden überraschender Weise recht klein gehalten. Neben dem Geist und seinen Prophezeiungen darf man noch zwei übernatürlichen Szenen zum Thema Blut beiwohnen, je nach Auslegung ließen sich jedoch beide auch weltlich erklären. Ein unheimlicher Touch liegt ebenfalls nur selten über dem Film, dafür ist das Treiben der Samurai zu laut ausgefallen. Hier wird, wie typisch für die Japaner, ein aufbrausender Charakter auch dann noch brüllend eingefangen, wenn er in Ruhe mit seiner Frau diskutiert. Da können auch die schönen Aufnahmen des düsteren Waldes nicht gegen halten, zumal die Schlosslocation im Gegenzug recht simpel ausgefallen ist.

Ohnehin ist „Komonosu-jô“ (Originaltitel) nicht gerade in aufregende Bilder getaucht. Und das Erwähnen unheilvoller Dinge liefert ohne weiteren Rückhalt auch nicht genügend unheimliche Atmosphäre. Das geht schon in Ordnung, „Das Schloss im Spinnwebwald“ ist trotzdem interessant erzählt, und das muss man erst einmal leisten bei einer Geschichte, die von etwas handelt, welches der böse Geist uns zuvor mitgeteilt hat. Letztendlich lebt der Film vom eigenen Spoiler. Die Geschichte schaut sich gut, eben weil man weiß wohin das alles führt. Darüber sollten Bewunderer des Streifens einmal nachdenken, wenn sie sich das nächste Mal darüber aufregen, dass ihnen jemand einen Film spoilert. Nur selten schadet dies tatsächlich dem Sehwert, denn man erhält im Austausch dazu einen anderen Sehwert als beim unwissenden Sichten.

Wie auch immer, optisch wie inhaltlich ist „Das Schloss im Spinnwebwald“ ein simpler, wie sympathischer Film geworden, der, sicher auch Aufgrund des Alters der Vorlage, nichts neues zum Thema schlechtes Gewissen und Verrat beizutragen hat und die Moralkeule am Ende ähnlich deutlich schwenkt wie es für US-Filme eher typisch ist, wenn das was wir aus der Geschichte lernen sollen in einem Lied noch einmal mit erhobenem Zeigefinger zusammengefasst wird. Filmhistorisch lohnt sich ein Blick ebenso wie vom Unterhaltungswert her, ein bedeutenderes Werk habe ich aufgrund des hohen Rufes des Streifens dann aber doch erwartet.


Samstag, 23. September 2017

GINGER SNAPS (2000 John Fawcett)


Die Schwestern Fitzgerald sind überzeugte Außenseiter der Gesellschaft und ein untrennbares Team. Als eines Abends Ginger von einem Wolf gebissen wird, ändert sich alles. Die nach und nach zu einem Werwolf mutierende Ginger entdeckt ihre sexuellen Reize und ihre Gier nach Blut. Brigitte versucht alles um ihrer Schwester zu helfen, doch die Situation scheint aussichtslos...


Frau mit Schwanz...

Mit ihrer abgefuckten Lebenseinstellung dürften die Fitzgeralsschwestern manchem Teenie-Außenseiter aus der Seele sprechen. Und ihre Orientierung jenseits des Mainstreams trifft auch recht gut auf den Film zu, der nur wenige Zugeständnisse an ein Massenpublikum macht. Mag er das Treiben der pubertären Schwestern auch augenzwinkernd präsentieren und beide, ebenso wie jeglichen anderen Charakter des Films, keineswegs positiv zeichnen, „Ginger Snaps“ ist ein kleiner Kultfilm für das alternative Publikum, für alternative Mentalitäten - jedoch ohne dabei Menschen auszuschließen, die nicht zu dieser Beschreibung passen. Ohnehin ist John Fawcetts Werk ein Film, der Beachtung verdient, verkommt er doch keineswegs zum Teenie-Horror a la „Der Hexenclub“ mit Mindesthaltbarkeitsdatum aufgrund des Reiferwerdens, er ist bereits distanziert und intelligent genug erzählt, um ein erwachsenes Publikum ebenso anzusprechen wie ein jungendliches.

Je nach Alter wird man den Film aus anderen Gründen mögen, und junge Menschen werden später feststellen, dass das was sie an den Film gebunden hat, eher ironisch thematisiert wird und keineswegs gutgeheißen wird. „Ginger Snaps“ geht aber ohnehin verspielt mit der Gesellschaft um, das Spießertum und die Pädagogen bekommen ebenso ihr Fett weg wie die Teenager. Und dass der wachsende Horror in der titelgebenden Figur nicht nur erneut eine Coming Of Age-Metapher ist, in welcher das sexuelle Erwachen des Körpers symbolisiert wird, macht der Autor eigentlich schon durch sein offenes Spiel diesbezüglich deutlich, wenn ein Aufklärungsgespräch in der Schule ganz deutlich die Parallelen zwischen pubertärer körperlicher Veränderungen und jenen des Werwolfwerdens humoristisch gegenüberstellt.

Die Symbolik des Drogenkonsums und der Geschlechtskrankheiten greift da schon eine Spur versteckter, will diesbezüglich aber nicht warnen, sondern auch hier eher das Spiel des Missverständnisses einbauen, bzw. das Spiel ironischer Parallelen. Schließlich braucht Ginger das auf einem Löffel erhitzte Gebräu aus gelben Eisenhuth um wieder in die Gesellschaft zurück integriert zu werden und nicht um damit Heroin-artig dieser zu entrücken. Erst die geglückte Fortsetzung „Ginger Snaps 2“ greift die mögliche Drogenthematik widerspruchslos auf.

„Ginger Snaps“ ist eine Horror-Komödie, ein Film der seine Thematik nicht nur ironisch erzählt, sondern mit lustig gemeinten Figuren und Situationen den Humorbereich deutlich hervorhebt. Dankenswerter Weise verzichtet man aber auf eine Aneinanderreihung diverser Gags, „Ginger Snaps“ bringt einem meist auf subtilem Weg zum Lachen, nie gerät die Komik zu sehr in den Vordergrund, der Horror bleibt das wichtigste Haupt-Genre. Richtung Finale wird der kanadische Horrorbeitrag gar immer ernster. Die Komik wird komplett weggeblendet. Ein düsteres Thriller-Finale findet statt und wird schließlich durch das Genre Drama abgelöst, das bislang eher belustigt immitiert wurde. Zum Ende hin wird die Dramatik jedoch ernst genommen, „Ginger Snaps“ schließt pessimistisch mit einem bitteren Ende.

Es liegt an den interessanten Figuren, der gut eingefangenen Atmosphäre und allgemein an der Kurzweile, die „Ginger Snaps“ versprüht, dass der Schluss nicht wie ein eigenes Anhängsel wirkt, bei solch anderer Schwerpunktsetzung als zuvor. Der Film schaut sich trotzdem aus einem Guss, er ist schließlich intelligent erzählt und gerade deshalb nicht drauf aus irgendwelche vorgeschriebenen Normen einzuhalten. Die Geschichte bekommt stets den Schwerpunkt aufgedrückt, den die jeweilige Phase benötigt um die Geschichte glaubwürdig und packend zu erzählen. Aus einer schwarzhumorigen Teenie-Komödie wird eine Horror-Komödie, wird ein Horror-Thriller, wird ein Horror-Drama. In vielen Momenten verschmilzt alles zu einer angenehmen Symbiose, die deshalb nicht trotz vordergründig regulärer Horrorstory belanglos bereits Bekanntes abgrast, weil sie sich mental anders mit dem bekannten Stoff beschäftigt als üblich und dies auf geistreiche Art.


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Mittwoch, 20. September 2017

DAS FENSTER ZUM HOF (Rear Window 1998 Jeff Bleckner)


Der Architekt Jason Kemps ist seit einem Autounfall querschnittsgelähmt. Von seiner Wohnung aus kann er in die Fenster des Hauses gegenüber gucken, und da ihm dies als Beschäftigung gefällt, lässt er sich zum genaueren Hinsehen eine Kamera installieren. Als eine Frau von gegenüber nach einem heftigen Streit mit ihrem Freund Tage später wie ausgetauscht wirkt, wächst in Jason der Verdacht, dass der Künstler von gegenüber seine Frau umgebracht und tatsächlich gegen eine andere Person ausgetauscht hat. Ein befreundeter Polizist glaubt nicht an einen Mordfall. Eine Kollegin Jasons hilft dem Architekten Beweise für die Anschuldigungen zu finden...


Eine andere Blondine...

Alfred Hitchcock hatte mit „Das Fenster zum Hof“ einen großartigen Film abgeliefert, der es eigentlich nicht nötig gehabt hat neu verfilmt zu werden. Bis auf die zu braven Einblicke ins Privatleben Anderer, welche der biederen Entstehungszeit des Streifens zu verdanken sind, gäbe es keine nennenswerten Neuerungen, die der Thriller benötigen würde. Letztendlich ist Jeff Bleckners „Das Fenster zum Hof“ aber ohnehin nur eine alternative Erzählung zum Original und somit keine tatsächliche Neuverfilmung. Die Figuren sind andere, der angebliche Mordfall ist ein anderer, und der Grundton des Streifens ist auch ein anderer.

War Hitchcocks Werk ein für einen Thriller recht amüsant ausgefallener Film, so herrscht in der für das Fernsehen hergestellten zweiten Version des Stoffes von Beginn an ein ernster, düsterer Grundton. Der 90er Jahre-„Rear Window“ (Originaltitel) ist konventioneller erzählt, ist gradliniger ausgefallen und in vielen Dingen direkter angegangen, also weit weniger verspielt als die Hitchcock-Version. So ist z.B. von Anfang an klar hinter welchem Fenster sich der angebliche Mord abspielen wird. Und eigentlich rätselt man gar nicht so sehr, wie es im Original der Fall war, darüber ob alles nur ein Irrtum sein könnte, oder ob Jasons Verdacht der Wahrheit entspricht.

Solche Spielereien hat „Das Fenster zum Hof“ in seiner zweiten Version auch gar nicht nötig. Nicht nur, dass er gar nicht erst versucht mit Hitchcocks Original zu konkurieren, der Aufhänger der Neuverfilmung ist ein ganz anderer. Der Held des Streifens ist querschnittsgelähmt und kann sich damit noch weniger gegen mögliche Gefahren wehren, wie der diesbezüglich bereits eingeschränkte Held der 50er Jahre-Version. Wir erfahren viel darüber wie es ist mit der Lähmung leben zu müssen. Finanzielle Fragen tauchen neben den obligatorischen medizinischen Hintergründen ebenso auf wie zwischenmenschliche und seelische Problematiken. Es dauert allein 20 Minuten bis Jason erstmals aus dem Fenster guckt, bis dahin orientiert sich die Geschichte an den Fortschritten Jasons nach dem Unfall. Dass diese „Rear Window“-Version wesentlich düsterer ausgefallen ist, liegt somit nicht nur am verstärkten Thrillergehalt, sondern auch am dramatischen Aspekt, der hier weit mehr als nur simples Beiwerk ist.

Dieser dramaturgische Effekt wird zudem dadurch verstärkt, dass Hauptdarsteller Christopher Reeve selbst seit einem Reitunfall querschnittsgelähmt war und mit diesem von ihm mitproduzierten mutigen Projekt jedem zeigen kann wie es ist mit dieser Behinderung zu leben. Letztendlich ist Reeve Kemps, denn nicht nur der bewegungslose Körper vereint ihre Person, auch den ungebrochenen Willen daran zu glauben, dass es eines Tages eine Heilmöglichkeit gibt, überträgt Reeves von seiner Privatperson auf den von ihm gespielten Charakter. Bis zu seinem Tod glaubte Reeves felsenfest an eine Heilung und überraschte alle mit seiner optimistischen Überzeugung und dem Mut zum Kampf.

Den lebt er auch in seiner Rolle als Jason, und dass „Das Fenster zum Hof“ nicht nur zu einer Mitleidsnummer mit dem wirklich querschnittsgelähmten Reeves verkommt, liegt an dem Hauptdarsteller selbst, der nicht nur mutig und selbstbewusst auftritt, sondern auch beweist, dass er als Schauspieler stets unterschätzt wurde. Mag der Film manches Mal auch etwas zu gewöhnlich ausfallen und die Love Story mit seiner Kollegin arg unrealistisch wirken, die Leistung Reeves weiß zu packen und einiges wieder rauszureißen. Irgendwer Verantwortliches hat es zudem begriffen ihn optisch packend einzufangen, wenn er kritisch das Treiben von gegenüber beobachtet. Ob in Direktaufnahmen aufs Gesicht oder hinter der Scheibe sitzend, Jason wirkt wie eine ernstzunehmende Bedrohung auf den möglichen Mörder.

Ein zweites Meisterwerk wie Hitchcocks Version ist der 90er Jahre-„Rear Window“ nicht geworden, aber dank eines routinierten Spannungsbogens und eines alternativen Kriminalfalles und in erster Linie aufgrund Christopher Reeves packender und mutiger Darstellung, lohnt es sich trotzdem auch der Zweitversion des Stoffes eine Chance zu geben. Andere Schwerpunkte und ein düsterer Grundton machen aus dem Stück TV-Film eine eigenständige Angelegenheit, anstatt zur abgekupferten Blaupause eines berühmten Kinoklassikers zu verkommen.


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WER - DAS BIEST IN DIR (Wer 2013 William Brent Bell)


In Frankreich wird eine Familie beim Camping attackiert und regelrecht zerfetzt. Nachdem zunächst von einem Tierangriff die Rede ist, wird einige Wochen nach der Tat plötzlich ein Einheimischer festgenommen. Eine amerikanische Anwältin übernimmt dessen Verteidigung, da sie von der Unschuld des Mannes überzeugt ist, schließlich leidet dieser an einer Krankheit, die ihn recht bewegungsunfähig macht, und auch die Kraft der Taten sind mit den Muskeln von Menschen nicht zu bewerkstelligen. Eine Diagnose der seltenen Krankheit soll die Unschuld des Mandanten beweisen. Sie soll anhand von Tests in einem Labor nachgewiesen werden. Doch dann passiert das Unfassbare...


Diagnose: Vollmondtaten...

Warum ein Film, der erst so spät den Wandel der Krankheit des Angeklagten offenlegt, mit dem Titel „Wer“ (Originaltitel) zu viel verrät, will sich mir nicht erschließen, ist der Film von William Brent Bell doch bei möglichst hohem Unwissen aufgrund des angeblichen Justizskandals, der damit einhergehenden Dramatik eines scheinbar Unschuldigen und mit der (wissenschaftlichen) Forschung über die Krankheit ein interessanter Stoff, der völlig überraschend mit der Werwolf-Diagnose seine Wendung erleben würde, wenn der Zuschauer aufgrund der Namensgebung nicht längst auf eben diese gewartet hätte. Manch ungeduldigem Zuschauer wird die Wartezeit aufgrund dessen, dass der Titel einen bereits einweiht, in einer solch theoretisch angegangenen Story sicherlich auch zu lang ausgefallen sein, der geduldige Zuschauer wiederum wird ebenfalls für nichts belohnt und stellt sich jene Frage, mit der ich diesen Text begonnen habe.

Doch „Wer - Das Biest in dir“ ist ohnehin ein Film der merkwürdigen Entscheidungen. Zunächst beginnt er mit einer Szene im Found Footage-Stil. Ist diese vorbei behält er die Wackeloptik eben jener Szene bei, so dass man sich zunächst fragt, ob die Anwältin von einem Kamerateam begleitet wird, während sie ihre ersten Nachforschungen angeht. Dem ist jedoch nicht so. „Wer“ ist pausenlos in eine unangenehme Wackeloptik getaucht, die es weder zulässt intensiv in den den wunderbar theoretischen Plot einzutauchen, noch gelungene Bilder zaubern kann, um eine stimmige Atmosphäre aufzubauen. „Wer“ ist ein Film der Hektik im Äußeren und ein Film der Ruhe inhaltlich. Was soll dieser Widerspruch?

Optisch gibt es ohnehin wenig Gutes zu vermelden. Wenn die CGI-Kreatur des verwandelten Angeklagten Superhelden-artig von Gebäuden hüpft, weiß dies nicht zu überzeugen, obwohl derartige Szenen mittlerweile nun wirklich relativ günstig glaubwürdig zu bewerkstelligen wären. Die eigentliche Mutation hingegen weiß zu überzeugen, muss aber auch nicht zu viel leisten in einem Film, in dem es lediglich um eine Krankheit geht, die einst den Werwolfmythos auslöste und nicht um eine tatsächliche Werwolfgeschichte.

Dieser wissenschaftliche Ansatz ist im Horrorgebiet nicht neu. Spuk wurde gerne aus Forscher-Sicht untersucht (z.B. in „Tanz der Totenköpfe“), dem Vampirismus erging es nicht anders (z.B. „Dracula 2“), im Werwolf-Genre ist mir bislang jedoch kein Versuch bekannt dem Mythos einen wissenschaftlichen Blick zu schenken, aber bei der Flut an Beiträgen zu diesem Thema ist es recht wahrscheinlich, dass ein solches Thema an mir unentdeckt vorbeigezogen ist. Letztendlich greift dieser Schwerpunkt im hier besprochenen Film Richtung Finale aber ohnehin ins Leere. Denn nun wird die Geschichte endgültig zu einer Art Superheldenfilm, wenn zwei Menschen gleicher Erkrankung einander bekämpfen, der eine durch Eigenrasur peinlich zu einer möchtegern-kultgestilten Hautversion der Werwolfthematik zurecht gemacht und ähnlich peinlich fotografisch eingefangen, immer eine Spur zu cool wirkend, um scheinbar dem Jungpublikum gefallen zu wollen.

Interessante Ansätze sind durchaus gegeben, aber die Optik lässt keinen hohen Unterhaltungswert zu und gegen Ende fühlte ich mich altersbedingt vom Film ausgeschlossen. Vieles verstehe aber auch wer will, der Widerspruch zwischen Hektik und ruhiger Geschichte findet sich vergleichsweise auch im Widerspruch zur Erzählung anfangs und gegen Ende wieder. Da wird aus einer besonnenen Geschichte des Nachforschens plötzlich ein affenartiger Kinderzirkus sich bekämpfender Mutanten, freilich ohne dabei klassischen Monsterfilmreiz auszustrahlen. Ich habe keine Ahnung was dieser Film, außer seinem Versuch dem Werwolf-Genre neue Facetten abzugewinnen, wollte. Letztendlich ist das Gesamtergebnis nur deshalb nicht völlig in die Hose gegangen, weil die Geschichte so einige interessante Elemente enthielt, von denen ich mir wünschen würde, sie wären in einem niveauvolleren Film gelandet.


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Dienstag, 19. September 2017

DAS FENSTER ZUM HOF (Rear Window 1954 Alfred Hitchcock)


Der Fotograf Jeffreys sitzt mit gebrochenem Bein zu Hause. Da er sich schrecklich langweilt, beobachtet er die Bewohner im Hause gegenüber. Zunächst vom Treiben der Nachbarn amüsiert, wächst in Jeffreys mit der Zeit der Verdacht, dass ein Mann von gegenüber seine pflegebedürftige Frau umgebracht haben könnte. Während die tratschfreudigen Frauen in seinem Umfeld schnell von dieser Idee überzeugt sind, hält ein befreundeter Polizist Jeffreys Vermutungen für zu hanebüchen...


Wofür Blitzlicht alles nützlich ist...

Dass ausgerechnet der Kinogänger schnell zum Voyeurismus zu verführen ist, braucht nicht verwundern, schaut er sich doch ohnehin die Erlebnisse Fremder all zu gerne an, und dass Hitchcock ihm diesen Spiegel vorsetzt, ist allgemeinhin bekannt. Was durch „Big Brother“ und Co heutzutage in den Medien zum Alltag gehört, fand seinerzeit in dieser Form einzig vor dem eigenen Fenster statt oder außerhalb der Wohnung, möglichst mittels eines Fernglases. Ersteres führt jedoch eher in Versuchung, fühlt man sich doch etwas verbundener mit der Nachbarschaft, die zumindest aus Bekannten besteht, wenn auch keine die wir gut kennen. Und es sind ihre Banalitäten im Alltag, die locken, eben weil sie sich in ihren eigenen vier Wänden natürlich geben, unbeobachtet wie sie sich glauben. Und dass es uns als Zuschauer solch einen Spaß bereitet von Hitchcock derart angesteckt zu werden hinzugucken, liegt an dem Grundton, den er seinem Film verleiht.

Der ist lange Zeit schließlich keineswegs düster, wie es sich theoretisch für einen Thriller gehören würde. Viel mehr schaut sich „Rear Window“ (Originaltitel) lange Zeit eher wie ein Lustspiel, so locker und leicht präsentiert er seinen Stoff. Leicht humoristisch angehaucht lebt er den Schabernack, das harmlos Verbotene, zu das sich wer zuwendet, der dies vom Typ her im Alltag eigentlich nie tun würde. Nun mit Gipsbein an die Wohnung gefesselt, fällt Jeffreys nichts besseres ein, um mit der endlosen Langeweile umgehen zu können. Es ist die verschmitzte Art, die den Charakter der von James Stewart verkörperten Rolle zeichnet, welche „Das Fenster zum Hof“ so entspannt und vergnügt schauen lässt.

Da fallen lässige Kommentare im Dialog mit der Krankenpflegerin, augenzwinkernde Angriffe werden mit seiner Herzallerliebsten ausgetauscht, und selbst in der Spätphase des Streifens bleibt dieser Grundton bestehen, z.B. in der Art mit welcher Jeffreys gegen seinen Polizistenfreund stichelt, der in den Geschehnissen gegenüber nichts Besonderes zu sehen meint.

Wer von den beiden im Recht ist, steht auch in der langsam immer spannender werdenden Thrillerphase längst nicht fest. Die Spannung wird über die Taten derer die wir kennen erzeugt. Bloß nicht beim Spannen entdeckt zu werden, sorgt schon für manch spannungsgeladenen Moment, denn Jeffreys ist freilich ebenso deutlich zu beobachten wie die Leute die er selber ausspioniert. Aber auch manch waghalsige Situation, in welcher die Protagonisten selber zu Ungesetzlichen werden (weit über das harmlos illegale Treiben hinaus), treibt den Spannungsbogen gegen Ende immer mehr in die Höhe.

Durch die Reaktionen des Verdächtigten, den wir stets nur aus der Ferne betrachten, sind wir auch nahe am Finale noch immer unsicher ob der zwielichtige Mann nun einen Mord begangen hat oder nicht, reagiert er doch recht nachvollziehbar auf die Konfrontationen der ihm Fremden. Dies treibt Hitchcock bis zum Schluss auf die Spitze. Mag man gegen Ende auch ziemlich sicher sein ob der Nachbar nun ein Mörder ist oder nicht, erst kurz vor Schluss erfahren wir es endgültig, bis dahin gäbe es stets noch alternative Erklärungen, die das Gegenteil bestätigen würden.

Mit diesem Mix aus lockerer Atmosphäre und spannungsgeladenem Thrill, mit der ansteckenden Lust am Voyeurismus, den kleinen psychologischen Kniffen Hitchcocks (wie das Einfangen des Verdächtigen, das stets nur aus der Distanz stattfindet, oder das Einweihen des Zuschauers in einen Fakt, den Jeffrey aufgrund dessen dass er schläft nicht mitbekommt) und mit der Besetzung des immer wieder charmanten James Stuart und der verführerisch süßen Grace Kelly, ist Hitchcock ein Meisterwerk geglückt, ein Film der trotz des zunächst weniger qualitativ klingenden Aufrufs zum Voyeurismus in den Feinheiten und den geistreichen Nebensächlichkeiten seine wahre Größe offenbart, gleichzeitig aber auch in den Vordergründigkeiten durch den verschmitzten Grundton nie das Niveau und die Würde des Stoffes beraubt. „Das Fenster zum Hof“ ist eine stilsichere Angelegenheit und lädt alle paar Jahre immer wieder zum erneuten Sichten ein.


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Samstag, 16. September 2017

IM TODESGRIFF DER ROTEN MASKE (The Oblong Box 1969 Gordon Hessler)


Seit er sich in Afrika eine merkwürdige Krankheit eingefangen hat, wird der unberechenbare und entstellte Edward von seinem Bruder Julian in Ketten gefangen gehalten. Durch ein Mittel, das seinen Tod vortäuscht, will er sich befreien. Doch die Mitverschworenen dieser Idee glauben, dass er durch eine ungünstige Verstrickung der Geschehnisse tatsächlich verstorben ist, so dass der wiedererwachte Edward nun auf sich allein gestellt ist und mit einer roten Maske gekleidet auf Rachefeldzug geht...


Lieber in Ketten anstatt in einer Anstalt...

Mag man Christopher Lee auch nur in einer kleinen Nebenrolle besetzen, ihn zusammen mit Vincent Price, der hier eine Hauptrolle spielt, für einen Film zu gewinnen, ist solch ein Plus für einen Filmschaffenden, dass man sich eigentlich kaum noch Sorgen um das Ergebnis machen muss - sollte man zumindest meinen. Wenn die literarische Vorlage nun noch von Edgar Allan Poe stammt und das vorliegende Produkt dem Grusel-Krimi zuzuordnen ist, dann sollte doch eigentlich nichts mehr schiefgehen, oder? Ein löchriges Drehbuch sei Dank hat dies „Im Todesgriff der roten Maske“ nicht viel genutzt. Und Regisseur Gordon Hessler dürfte auch kein Genie seines Fachs sein, hat er es doch ein Jahr später mit „Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse" erneut geschafft eine Gurke abzuliefern trotz der Anwesenheit beider soeben genannter Stars und dem zusätzlichen Mitwirken von Peter Cushing.

Mit Blick auf das Drehbuch hätte aber auch wer Talentierteres aus der lediglich an Poe angelehnten Erzählung kaum etwas Brauchbares geerntet, ist „Falsche Leichen klaut man nicht“ (Alternativtitel) doch zum einen recht umständlich erzählt, obwohl es inhaltlich keinesfalls kniffelig zugeht, zum anderen langweilt die Geschichte schneller als erwartet, da sie dem Zuschauer keinerlei Rätsel bietet, die das vorhersehbare Treiben aufwerten. Der Täter hinter der roten Maske ist bekannt, sein Wesen nicht mystisch gestaltet, seine Taten nicht aufregend zu nennen, das Abfilmen dieser nicht atmosphärisch oder zumindest angenehm morbide eingefangen und die Dialoge so realitätsfern und unsinnig runtergeschrieben, wie die Handlungsweise so ziemlich jeder hier agierenden Person.

Was nutzt eine Geschichte um Leichendiebe, Krankheit, Verschwörung und schwarzer Rituale in einem englischen Horrorfilm zu Pferdekutschenzeiten in theoretisch gotischem Flair, wenn das Treiben der Protagonisten belanglos ist und der Aggressor des Films bei seinen Auftritten in der Öffentlichkeit stets der Lächerlichkeit preisgegeben wird, was ihm noch mehr seiner Wirkung beraubt als die völlig deplatziert wirkende Maske auf seinem Gesicht? Und was nutzt einem dann noch ein stets seriös spielender Vincent Price, der selbst dann noch zu wirken weiß, wenn er sich, wie hier, nicht wirklich Mühe gibt?

Peinliche Versuche ein afrikanisches Voodoo-Ritual aufzuzeigen machen von Anfang an klar, welches Niveau einen mit „Der Fluch des Dämon“ (Alternativtitel) erwartet. Ich dachte zunächst dies sei lediglich ein schwacher Einstieg in die Geschichte, dem folgte aber leider eine umständlich erzählte Vorgeschichte, die zu lange braucht, um auf den Punkt zu kommen. Wenn nach langer Zeit endlich der Rachefeldzug der roten Maske startet, sind bereits derart viele Filmminuten vergangen, dass einem klar wird mit keiner Besserung der Zustände mehr rechnen zu müssen.

Hier setzen sich nur jene Fehler fort, die auch zuvor am Gelingen des Werkes sägten: der Mangel an Atmosphäre und Ästhetik (die Hammer Studios hätten nie solch idiotisches Inventar eingesetzt), der Mangel an psychologischem Verständnis in der Begründung der Taten der Figuren, idiotische Verwendungen von Ausreden um diversen Handlungsweisen Sinn zu geben und das Fehlen eines Rätsels oder Geheimnisses, welches den Zuschauer einladen soll Interesse für das Gezeigte zu entwickeln.

Bislang ist „Die Todesmaske“ (Alternativtitel) die einzige von mir gesichtete Verfilmung um die rote Maske von Edgar Allan Poe, aber ich bekomme Lust mir andere Versionen des Stoffes zu Gemüte zu führen, um einen kompletten Eindruck zu bekommen, wie desaströs „Dance, Mephisto“ (Alternativtitel) tatsächlich ausgefallen ist. Heutzutage würde ein Regisseur, der gleich zwei unterirdische Filme abliefert, obwohl er tolles Personal am Start hat, kaum eine weitere Chance bekommen weitere Werke für das Kino fertigzustellen. Hessler hingegen hat es auf 31 Filme geschafft plus diverse Regiearbeiten für TV-Serien. Erst 1991 beendete er diese Karriere.


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