13.10.2019

WESTWORLD - STAFFEL 1 (Westworld - Season 1 2016 Jonathan Nolan u.a.)


In einem Freizeitpark, in welchem Gäste mittels wie Menschen aussehenden Robotern Cowboy spielen können, beginnen sich Maschinen zu erinnern und zu begreifen wofür sie da sind...


Für wen ist das Labyrinth gedacht?...

Wer ohne den Vergleich an das großartige Original "Westworld" an die Serie herangeht, bzw. andere Erwartungen an sie knüpft, der kann durchaus gut unterhalten werden mit einem Produkt, welches völlig andere Wege beschreitet als der 70er Jahre Science Fiction von Michael Crichton und die Erlebnisse von dort nur subtil streift. Das Ergebnis kommt ähnlich intelligent daher, mit dem Unterschied dass man seinerzeit intellektuelle Themen kaum benannt den Zuschauer entdecken ließ, wohingegen man heutzutage in endlosen Gesprächen über den gesellschaftskritischen und psychologischen Aspekt schwadronieren muss. Da schweift man auch gerne mal eine Spur zu extrem ab und rutscht in den pseudo-intellektuellen Bereich ab, für ein Produkt seiner Zeit macht "Westworld" seine Arbeit aber überraschend gut, auch wenn er nicht an die Klasse des Originals oder den themenähnlichen "Ex-Machina" heran reicht. Begrüßenswert ist der neue Aspekt, der mehr in die philosophische Richtung des TV-Filmes "Welt am Draht" und den Filmen, die er beeinflusste, schlägt. Andererseits bedarf alles in der Neuversion einer Erklärung, für Mysterien, wie der in "Westworld" thematisierten Roboterkrankheit (deren Mythos mit nur einem Nebensatz angezweifelt wird), scheint in der heutigen Welt kein Platz mehr zu sein, wenn man ein intelligentes Produkt auf den Markt werfen möchte.

Der Zuschauer muss Geduld mitbringen. Lange Zeit scheint sich in "Westworld" nichts zu tun, man muss Freude an den Nichtigkeiten, den Anspielungen und an der Vielschichtigkeit von Personen, Situationen und gesellschaftlichen Themen haben, um das schleichende Geschehen genießen zu können. Das Warten lohnt sich, zumal in der recht stillen Anfangsphase bereits gut agierende Darsteller, der nötige intellektuelle Kick und der Mut zur Andersartigkeit im Vergleich zum Original positiv auffallen. Hat man die erste Staffel beendet, sind allerhand Rätsel gelöst, die einen faszinierten, eröffnen sich Blickwinkel, die zuvor trügerisch eine andere Wahrheit offenbarten und überraschen Persönlichkeiten mit ihren wahren Ichs, die man anders eingeschätzt und zugeordnet hätte. Sicherlich baut "Westworld" bewusst aufs Hinhalten, lässt sein Publikum hauptsächlich aufgrund seiner Neugierde zappeln, aber das Rezept funktioniert. Und erstaunlicher Weise bleibt das Produkt auch in seinen erlebnisreicheren Phasen im ruhigen und besonnenen Stil erzählt, so wie der fast still stehende Beginn der Staffel. Wen es nach Action lechzt, der hat hier nichts verloren. "Westworld" setzt auf seine Figuren und auf seine Geschichte, erzählt etwas Bedeutendes und setzt den Schlusspunkt zur zweiten Staffel an einer faszinierenden Stelle. Würde mich nicht immer wieder ein Hauch zu gewollter Tiefsinnigkeit in mancher zu extremen Geschwätzigkeit anwehen, könnte ich glatt von einer hervorhebenswerten Serie sprechen. So aber ist sie, sowohl im positiven, wie im negativen Sinne, ein Produkt seiner Zeit, vielschichtig erzählt und durchdacht, aber auch zu bedeutungsschwanger aufgeblasen und zu wenig das Publikum allein entdecken lassend.


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12.10.2019

IN DEN FÄNGEN DER MADAME SIN (Madame Sin 1972 David Greene)


Ein ehemaliger Agent wird von der mächtigen und legendären Madame Sin entführt, da diese ihn von einem ihrer Projekte überzeugen möchte. Mit seiner Hilfe will sie mittels einer Gehirnveränderung am zuständigen Kommandanten, ein revolutionär neuartiges U-Boot stehlen. Als der Agent erfährt, dass er einst von seinem Auftraggeber hintergangen und um seine Lebensgefährtin betrogen wurde, macht er mit. Allerdings ist nicht alles wie es zunächst scheint...


Von einem Gehörlosen, der einen Touristen für sich reden ließ...

Zwar besitzt "In den Fängen der Madame Sin" den Aufhänger sich an Dr. Fu Man Chu und den späteren Dr. Mabuse-Filmen zu orientieren (mit Madame Sin sollte wohl eine ähnliche Kultfigur kreiert werden), der Erfolg blieb jedoch aus. Madame Sin erschien nur dieses eine Mal auf der Leinwand. Das mag eventuell daran liegen, dass trotz diverser Aufhänger und Schauwerte das komplette Treiben eher ein typischer Agenten-Actioner seiner Zeit geworden ist, wie er in Europa in Serie produziert wurde. Zwar scheute man an mancher Ecke keine Kosten, und mit Bette Davis hatte man einen hochkarätigen Star in seiner Spätphase mit an Bord, letztendlich ist das Drehbuch jedoch arg billig ausgefallen, kleine Phasen des Zeitschindens sind ebenso auszumachen. David Greene, der auch die 75er Version von "Der Graf von Monte Cristo" realisierte, setzt zwar auf ein hohes Tempo, doch den Leerlauf der zu dünn geratenen, etwas zu episodenhaften Geschichte, kann auch er nicht überspielen. "Madame Sin" (Originaltitel) ist mit manchen Science Fiction-Elementen bereichert, immer dann wenn es um die wissenschaftlichen Errungenschaften und Methoden der zentralen mystischen Gaunerin geht, letztendlich dominiert jedoch die schlichte Agenten-Action, bestehend aus rasanten Autofahrten, Faustkämpfen und Helikoptereinsätzen, ins Zentrum rückend Hauptdarsteller Robert Wagner, der diesen Streifen auch produzierte.

Sein Charisma späterer Auftritte in "Austin Powers" und "Jack allein im Serienwahn" fehlt ihm hier zwar noch, so dass hauptsächlich seine magere Schauspielfähigkeit auffällt, aber da der Streifen sich ebenso wenig ernst nimmt, wie Wagner das alles, wird aus der bitteren Pille zumindest eine sichtlich verspielte, die auch keine Scheu vor Selbstironie und gewagten Pulp-Szenen besitzt. Wesentlich besser kommt Bette Davis daher, die man inmitten ihrer Aufmachung zwar kaum wiedererkennt, die aber in ihrer gelassen professionellen Art selbst aus simplem Trash feine Szenen zaubert, so treffsicher wie sie zudem speziell für diese Rolle besetzt wurde. Noch positiver fällt jedoch das Spiel ihres Begleiters aus, verkörpert von Denholm Elliott, der jede Szene in der er auftaucht verschmitzt kommentiert, und sei es nur im Hintergrund agierend auf mimische Art. Die deutsche Synchronisation ist positiv ausgefallen, der Soundtrack wirbelt wild, mal passend, mal nicht, diverse Musikrichtungen und Stimmungsmomente durcheinander, und kurzfristig gelungene Momente werten das etwas zu dröge und monotone Hauptgeschehen immer wieder ein wenig auf. Besonders fein ist diesbezüglich der Schluss des Streifens ausgefallen. Letztendlich ist das Endergebnis aber zu austauschbar ausgefallen, um noch von charmantem Durchschnitt zu sprechen. Wahre Sehwerte bietet der harmlos naiv ausgefallene Streifen nicht wirklich. Stammzuschauer dieser Art Film und Bewunderer der hier agierenden Berühmtheiten können trotzdem einen Blick riskieren.


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11.10.2019

DER MUSTERKNABE (1963 Werner Jacobs)


Der Erfinder und Unternehmer Geyer geht unter dem Namen seines jüngeren Bruders noch einmal zur Schule, um dessen Abitur zu machen, da dieser stets an der Abschlussprüfung scheitert. Mit seinem strebsamen Benehmen macht sich der falsche Schüler jedoch nicht gerade beliebt bei seinen Klassenkameraden, also denkt auch er sich Streiche an Lehrern aus. Zudem verliebt er sich in die attraktive Klassensprecherin, mit der er zunächst verfeindet ist...


Ägypten in Form von Badeurlaub mit drei jungen Damen im Bikini...

Sichtlich von "Die Feuerzangenbowle" inspiriert, ist "Der Musterknabe" die erste Zusammenarbeit von Werner Jacobs mit Peter Alexander und Gunther Philipp, dem die ebenfalls amüsanten "... und sowas muss um acht ins Bett" und "Hilfe, meine Braut klaut" folgen sollten. Das lockerleichte Lustspiel nimmt Elemente aus "Klassenkeile" und "Die Lümmel von der ersten Bank" vorweg, bietet mit Blick auf Letztgenannten sogar bereits Theo Lingen in der Rolle des Schuldirektors. Die Erinnerung an die prominente Reihe wird zudem verstärkt durch den Umstand, dass auch hier der Klassenlehrer nah an den Wahnsinn getrieben wird, und durch Peter Alexanders Anwesenheit, erst recht durch seine Szene als Stimmenimitator, die er später in "Zum Teufel mit der Penne" und "Hurra, die Schule brennt" alternativ wiederholen sollte. Das Ergebnis kommt jedoch weniger verkrampft und mit weniger Fremdschäm-Elementen daher, als besagte Lümmel-Serie, gehört aber freilich ebenfalls jener Kategorie ehemaliger deutscher und österreichischer Komödien an, mit denen sich Cineasten von heute häufig schwer tun.

Sicherlich wird hier keine hohe Kunst geboten, und selbst für einen Trivialfilm sind Sprünge, wie der Übergang von der Feindschaft zur Freundschaft beim zentralen Liebespaar, billig, einfallslos und situativ nicht nachvollziehbar vom Drehbuch ausgearbeitet. Aber ein Werk wie "Der Musterknabe" guckt man immer ein wenig blauäugig, und ich mag diese Naivität mit der solche Filme erzählt sind, bzw. ihr unverkrampfter Umgang sich weder an angepasster Coolness, noch an professionelle Filmregeln halten zu müssen, um gelassen albern und entspannt ihr Nichts an Story zu erzählen, um einen auf Spielfilmlänge amüsant zu unterhalten. Gunther Philipp dreht nur selten zu sehr auf und weiß ansonsten zielgenau pointiert zu agieren, Peter Alexander beweist sich erneut schauspielerisch zu mehr fähig, als ihm häufig angekreidet wird, und an Musikszenen wurde gespart, so dass Zuschauer, die von solchen schnell genervt sind, eine Chance bekommen hier trotzdem gut unterhalten zu werden. Die drei Musikszenen, von der nur eine kompatibel und heiter ins Geschehen eingebaut wird, werden in der Mitte des Films jedoch kurz hintereinander gesetzt präsentiert, was aber auch bedeutet, dass man vorher und hinterher seine Ruhe hat. "Der Musterknabe" ist leichte Kost, dem es weder um Logik noch um Tiefgang geht. Und in seiner treffsicheren Komik und mit den begabten drei Top-Komikern dieser Zeit in den wichtigsten Rollen besetzt, weiß er Menschen ohne cineastische Tunnelblick-Erwartungen definitiv locker leicht, naiv und trivial zu unterhalten. Damit erfüllt er seine selbst gesetztes Ziele.


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06.10.2019

THE SLEEPER (2012 Justin Russell)


Zwei Mädels nehmen an der Feier einer Studentenverbindung auf dem Campus teil, obwohl nur eine von ihnen interessiert ist beizutreten. Just zu dieser Zeit geht ein Wahnsinniger um, der einen nach dem anderen umbringt...


Eine alternative Zicke unter Zicken...

Ich betone immer wieder gern, dass ein Slasher von seinem Minimalismus lebt, dass er in den frühen 80er Jahren im schlichten Gewandt am effektivsten war und wie schön es wäre, wenn sich wieder mal wer auf diese Rezeptur besinnen würde. Da erfreut es, dass ein Werk wie "The Sleeper" daher kommt, der all diese Eigenschaften in ein 80er Jahre Retro-Flair zu packen weiß. Leider wurde dieser Beitrag des Horror-Regisseurs Justin Russell, dessen "Death Stop Holocaust" bislang nicht den Weg nach Deutschland gefunden hat, jedoch zu einem Lehrbeispiel dessen, dass aus dieser Grundlage nicht automatisch Gold zu ernten ist. Ganz im Gegenteil ist "College Killer" (Alternativtitel) ein besonders erbärmliches Stück Horror-Thriller geworden, der vormacht wie leicht ein solcher Film in die Kacke zu hauen ist. Das beginnt mit besonders mies besetzten "Schauspielern", lässt sich weiter in der erbärmlichen Umsetzung bemerken, die selbst in stillen Momenten keinen Hauch von Spannungsmoment aufgebaut bekommt, und das beobachtet man weiterhin in den Mordsequenzen, die relativ schlicht gehalten wurden, und weder den Stammzuschauer des Genres bei Laune halten, noch den Neuling solcher Werke zu schocken wüssten.

"Sorority House Nightmare" (Alternativtitel) ist derart uninspiriert billig heruntergerotzt, dass es einen verärgert solch ein Produkt überhaupt vorgesetzt zu bekommen. Wer glaubt irgendwem könne derartiges schmecken? Warum landet ausgerechnet solch ein Produkt in Deutschland (wenn auch nur in Österreich im deutschsprachigem Raum ungekürzt zu konsumieren), bei all den Produktionen, denen dieser Weg nicht beschert wird? Russells Werk guckt sich stumpf, nie hat man das Gefühl er wäre um wahren Spannungsaufbau bemüht. Trotz seines zunächst interessant erscheinenden 80er Jahre-Stils ist er billig hingeschludert. Örtlichkeiten wirken künstlich, die mies agierenden Darsteller sowieso, und der Killer wirkt weder mystisch, noch anderweitig interessant, darf meist nur schnaufen und ist nicht einmal nett/unheimlich anzusehen. Was nutzt der lobenswerteste Minimalismus, der wünschenswerte Schritt zurück, wenn jemand am Werk ist, der kein Gespür für knisternde Stimmung, düstere Atmosphäre und mystischem Unbehagen besitzt? Macht einen großen Bogen um dieses Werk, auch in der von mir gesichteten ungekürzten Fassung.


Weitere Besprechungen zu The Sleeper:


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RITES OF SPRING (2011 Padraig Reynolds)


Zwei Frauen werden von einem Farmer entführt, der Opfer benötigt, um einen Dämon sanft zu stimmen, damit die Ernte erfolgreich wird. Gleichzeitig stoßen zwei Kindesentführer auf den frisch erwachten Dämon, der jene der beiden Frauen jagt, die sich befreien konnte...


Ein Vater sieht rot...

Was man mit "Rites of Spring" abliefern wollte, wird nicht ganz klar. Das Cover-Motiv zeigt, dass man einen Slasher im Sinn hatte, was zu dem rächenden Dämon der Geschichte passt, der tatsächlich einem nach dem anderen ans Leder möchte. Das allein reichte den Verantwortlichen des Streifens jedoch nicht, also musste noch ein Hauch "Kinder des Zorns" mit integriert werden, sowie die Geschichte eines Irren, der Menschen entführt, um diese für das Wohl der Gemeinschaft zu opfern. Dass diese nicht mehr existiert, und der alte Mann nur tut was ihm einst gelehrt wurde, interessiert ihn dabei nicht. Recht soll der wirr wirkende Mann jedoch behalten. Warum der zu fütternde Dämon jedoch im Keller haust, wird nie ganz aufgeklärt und beraubt der Kreatur ihre Mystik. Da aber ohnehin jedes Rätsel des Streifens früh gelüftet wird, um sich auf den Slasher-Aspekt konzentrieren zu können, hätte besagte Mystik aber ohnehin keine Chance gehabt sich zu entwickeln. Anstatt sich an den erfolgreichen Genre-Beiträgen der frühen 80er Jahre zu orientieren, die bewiesen haben dass ein Slasher in einfachem Gewandt am effektivsten funktionieren kann, bereicherte man die ohnehin schon aufgepeppte Handlung nun noch um einen weiteren Nebenstrang.

Hier werden drei Kriminelle, von denen zwei brav gezeichnet werden, da sie sich nur an ihrem ehemaligen Arbeitgeber rächen, durch Zufall Teil besagter Dämonenstory, jedoch nicht ohne zuvor tiefer in die eigene Geschichte einzutauchen, als nötig wäre. Da wird mit Überraschungen auf Geiselseite ebenso gearbeitet, wie mit der unerwarteten Reaktion des Erpressten. Und so unnötig das Ganze auch zelebriert wird, so sehr rettet es "Rites of Spring" doch ironischer Weise vor der Selbstzerstörung. Da er zwar professionell, aber weder nervenkitzelnd, noch spannungsgeladen erzählt ist, der Zuschauer in alles zu früh eingeweiht wird und jegliche Grundlage ohnehin zur Standardrezeptur gehört, die fast jeder Filmliebhaber vorhersehen kann, verhindern die krampfhaft eingeführten Storyfäden das Aufkommen echter Langeweile. Zudem sorgen sie für Erleichterung, denkt man zu Beginn der Handlung um die beiden entführten Frauen doch, sie würden nun ewig festgehalten und gefoltert werden, wie es in so vielen schlechten Horrorfilmen sonst üblich ist, ein Aspekt der glücklicher Weise nur stark verkürzt thematisiert wird. "Rites of Spring" von Regisseur Padraig Reynolds, der bislang noch "Worry Dolls" und "Open 24 Hours" folgen ließ, weiß nicht wirklich zu interessieren, geht aufgrund seiner Bemühungen jedoch noch als okay durch. So sehr das Tiefergehen der Handlung den sonst zu laschen Streifen auch retten mag, düsterer inszeniert und den Hauptaspekt mehr auf das Monster gelenkt, hätte der Streifen jedoch trotzdem besser funktioniert. Aber für ein von Stimmung und Spannung lebenden Ergebnis benötigt man einen Erzähler mit Fingerspitzengefühl, und einen solchen findet man im Bereich des grobschlächtigen Films leider nur selten.


Weitere Besprechungen zu Rites of Spring:


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THE DINOSAUR PROJECT (2012 Sid Bennett)


Ein Forscherteam will im Dschungel nach Dinosauriern suchen, stürzt über ihm mittendrin ab und stößt schneller auf die Viecher als ihnen lieb ist...


Der Sohn im Schlepptau...

Während "Cloverfield" genau wusste, was er wollte, indem er "Godzilla" im Selbstdrehmodus präsentierte, tut sich "The Dinosaur Project" in seiner Orientierung schwieriger. Bereits der Titel und die Einblendung zu Beginn orientiert sich am Vorbild "The Blair Witch Project", deswegen beginnt der Streifen nach dem Absturz im Nirgendwo in seinem Found Footage-Format zunächst auch wie ein Gruselfilm. Autor und Regisseur Sid Bennett möchte aber auch den Abenteueraspekt integrieren, den der Dinofilm in seinen klassischen Zeiten erlebte, und zwischen diesen Zuständen hin und her schwankend ist etwas entstanden, das über kurzweiligen Unterhaltungswert nicht hinaus geht. Das ist zwar auch bereits ein sympathisches Ergebnis, gerade wenn man bedenkt welch schlechte Found Footage-Filme es spätestens seit der losgetretenen Welle von "Paranormal Activity" zu erleben gibt, es wäre jedoch so viel mehr drin gewesen, wenn man andere Schwerpunkte gesetzt hätte.

So ist es Bennett beispielsweise wichtig so viele Dinosaurierszenen wie möglich zu integrieren, anstatt auf das "weniger ist mehr"-Prinzip zu setzen. So stößt unser Forschertrupp somit nicht nur auf Dinosaurier, sondern gleich auch auf verschiedene Spezies. Familienfreundliche und realitätsferne Aspekte finden damit ebenso Einzug in ein Filmformat, das eigentlich auf Authentizität bauen sollte, wie diverse andere Filmkrankheiten, die ein gutes Werk dieser Art höchstens gestreift hätte. Zudem wird aufgrund der Dinothematik jeder weitere Aspekt, der mit der Geschichte einher geht, weg geblendet. Da baut man weder auf die weiteren Gefahren des Dschungels, noch auf Lebensmittelknappheit, die Angst des Verschollengehens, Durst und Hoffnungslosigkeit. Alles schaut sich wie ein Spaziergang durch einen Abenteuerpark und wird lediglich mit dem Zusatzaspekt, dass eines der Mitglieder der Crew eigennützige Pläne verfolgt, aufgewertet. Die parallel dazu laufende Vater-Sohn-Dramaturgie wirkt wie aus einem glatt gebügelten Kinofilm entlaufen, und so darf es verwundern, dass auf simplen Niveau "The Dinosaur Project" doch noch banal zu gefallen weiß. Zwar funktioniert seine erste Hälfte wesentlich besser als seine zweite, frei von Sympathie bin ich aber auch dieser nicht gesonnen. Wer nicht zu viel erwartet bekommt zumindest einen akzeptablen Found Footage-Film serviert. Meine wohlwollende Bewertung hängt aber sicherlich auch damit zusammen, dass dieses Filmverfahren nur selten brauchbare Ergebnisse herbei führt.


Weitere Besprechungen zu The Dinosaur Project:


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IZOMBIE FOLGE 1 - 3 (iZombie 2015 Rob Thomas u.a.)


Nach einer Bootsparty wird Liv mit einem Zombievirus infiziert. Sich von allen ihres bisherigen Lebens abkapselnd, nimmt sie einen Job in der Pathologie an, wo sie unauffällig an Gehirne zu Nahrungszwecken gelangt. Ihr Chef entdeckt ihr Geheimnis und unterstützt sie, während er nach einem Gegenmittel sucht. Durch den Verzehr der Gehirne bekommt Liv Erinnerungsfetzen und Persönlichkeitsmerkmale der Opfer übertragen. Mit diesen Eigenschaften hilft sie einem befreundeten Polizisten Kriminalfälle zu lösen...


Deal mit dem Tod...

Das Konzept der Reihe ist nicht neu. Spätestens in Bezug auf "Dead Zone" sollten Erinnerungen hoch kommen. Aber auch Serien wie "Psych" arbeiten ihr Rezept auf ähnlicher Ebene ab. Dass eine Serie nicht sonderlich innovativ daher kommt, muss noch nicht heißen, dass sie zum Scheitern verurteilt ist. Also habe ich mir einen Blick auf "iZombie" gegönnt, wissentlich dass er plump auf den Erfolgszug der Zombiewelle aufspringt, die mit "The Walking Dead" und "Z Nation" auch im TV-Serienformat gut Geld eingebracht hat. Leider ist "iZombie" aber zu sehr kalkuliertes Konzept, als dass es funktionieren könnte. Die Serie stellt zwar keine Ansprüche an sich, die sie nicht erfüllt, und ist somit als simples TV-Produkt für junge Menschen und gelangweilte Hausfrauen konzipiert, die einen kleinen Hauch Morbides in ihrem Seifenoper- und Kriminal-Cocktail bevorzugen, reizvoll ist das Ergebnis somit nur für besonders schlichte Gemüter ausgefallen. Das zeigt sich bereits in der arg schlicht und vorhersehbar gehaltenen und zu schnell angegangenen Einführung in den Grundzustand, der von nun an herrschen soll. Auf interessante Charaktere wurde dabei nicht gesetzt. Auch ihre Mimen bleiben meiner Meinung nach blass, und Synchronsprecher werden in der Deutschfassung übertrieben zur Verdeutlichung der ohnehin schon unübersehbaren Stereotype eingesetzt, was den Sehwert nicht gerade erhöht.

Ein Gegenspieler der Heldin bietet zumindest einen kleinen Zusatzreiz und rückt das Zombiethema "The Addiction"-ähnlich in den Bereich der Sucht, wenn auch aus Dealersicht betrachtet, ohne mit all zu großen Komplikationen, ethischen Randerscheinungen oder greifbarer Dramaturgie zu arbeiten. Die Serie soll nun einmal leicht bekömmlich sein für einen vergnügten, anspruchslosen Feierabend. Mir ist das alles zu lasch angegangen und zu konzipiert. Es fühlt sich nichts echt genug an, die Thematik ist nie gruselig oder verspielt genug ausgefallen, die Kriminalfälle zu banal geschrieben. Da auch der halbwegs interessante Gegenspieler mau besetzt ist, weiß der in seiner fortführenden Randerscheinung, zunächst in zweiter Reihe agierend, ebenfalls nichts zu reißen. Und da die Zombiethematik extremst nichtig ins Alltagsgeschehen integriert wird, fast völlig frei von ihrem Ursprung, dem Horroraspekt, kann man den Titel schon fast als Etikettenschwindel betrachten, aber eben auch nur fast. Letztendlich geht es den Verantwortlichen des Stoffes darum die Hauptfiguren stets sympathisch erscheinen zu lassen, den zentralen Zombie darüber hinaus niedlich, jegliche tiefer greifenden Aspekte fehlen. Das höchste der Gefühle ist diesbezüglich das Zurücklassen eines Geliebten aus der menschlichen Zeit. Aber selbst das wird oberflächlich abgehandelt und lädt nicht zum schmerzhaften Mitempfinden ein. "iZombie" ist zu brav ausgefallen, zu oberflächlich in seiner Dramaturgie, Figurenzeichnung und in seinen Kriminalfällen, schwächelnd geschrieben und verkörpert und in seiner billig durchkalkulierten, sich auf ewig wiedergekäute Rezepte stützende, Art wirklich nur dem anspruchslosen Publikum zu empfehlen, welches geistfrei 45 Minuten abschalten will. Zumindest ist die Serie weder langweilig, noch peinlich ausgefallen.


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STAR WARS - EPISODE 8 - DIE LETZTEN JEDI (Star Wars: Episode 8 - The Last Jedi 2017 Rian Johnson)


Während die Rebellen sich nach einem Kampf mit der ersten Ordnung auf einen geheimen Stützpunkt zurückziehen müssen, der sich fataler Weise als dem Feind bekannt erweist, versucht Rey Luke Skywalker zu überzeugen zurückzukehren, um die Rebellen zu retten. Gleichzeitig steht sie in telepathischen Kontakt zu Kylo Ren...


Ortung trotz Lichtgeschwindigkeit...

Wusste der Vorgänger "Das Erwachen der Macht" noch mit seiner Nostalgie und der lockeren und kurzweiligen Erzählweise zu überraschen und somit ein gelungeneres Ergebnis abzuliefern, als das was "Star Wars"-Schöpfer George Lucas uns mit seinen Prequels vorlegte, will das theoretisch selbe Rezept bei der direkten Fortsetzung nicht noch einmal so wunderbar zünden. Der Nostalgiebereich wirkt zu bemüht, die Parallelen ein Vorbild kopieren zu wollen (in diesem Falle "Die Rückkehr der Jedi-Ritter") wird deutlicher denn je und wirkt damit ideenärmer und dreister. Irgendwie wollte bei mir nie so recht der Funke überspringen, "Die letzten Jedi" ist einfach kein solch sympathischer Film geworden, wie es sein Vorgänger war. Das liegt aber auch daran, dass die Rückkehr der bekannten Gesichter dort ein wundervolles, emotionales Wiedersehen waren, wohingegen die Anwesenheit von Luke Skywalker gnadenlos verheizt wird. Das ewige Selbstmitleid, die nicht durchschaubare Motivation, die ihn antreibt das zu tun was er tut und schlussendlich auch sein finaler Schachzug und die Folgen dessen, wirken so bemüht wie der Restfilm, wollen Mystik, Tragik und Tiefgang erzeugen, bleiben aber zu theoretisch umgesetzt und zu aufgesetzt präsentiert.

Zwischendurch gibt es immer wieder geglückte Szenarien mitzuerleben, welche die unterhaltsame Luft der guten Teile der Reihe atmen. Interessanter Weise taucht dieses Feeling meist in den simpleren Momenten auf, in den Actionszenen beispielsweise, während tiefer gehende und wichtige Ereignisse zu bedeutungsschwanger aufgeblasen werden, oder unmotiviert als Blaupause umgesetzt werden. Lobenswert ist die Entscheidung sich vom Sith Lord zu verabschieden, der fehlerhafter Weise ohnehin immer wie eine Comicfigur in der ansonsten plastisch kreierten CGI-Optik der Star Wars-Welt wirkte. Zudem weiß das Drehbuch den Zuschauer mehr als einmal die lange Nase zu zeigen, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden, und Täuschungen zu überraschenden Wendungen führen. Das Potential für ein besseres Ergebnis war also durchaus vorhanden. Bei wenig Erwartungen wäre das was "Looper"-Regisseur Rian Johnson uns vorwirft auch okay gewesen, langweilig wird es in Episode 8 nie. Aber nachdem Episode 7 trotz aller Recycling-Zutaten so gut zu funktionieren wusste, habe ich einfach mehr erwartet. Und je mehr sich die Geschichte weiterentwickelt, desto mehr bemerkt man, dass sie sich um sich selbst dreht und einfach nicht von den Vorgängern loslassen kann. So wie "Terminator" zu sehr an den Ur-Figuren gebunden ist, um sich heutzutage erzählenswert fortsetzen lassen zu können, so klammert man sich hier zu sehr an den Erlebnissen der Ur-Trilogie um "Krieg der Sterne" fest, so als sei man in einer Murmeltier-artigen Wiederholungsschleife alternativer Ereignisse gefangen. Und das reizt auf Dauer nicht wirklich.


Weitere Besprechungen zu Star Wars - Episode 8:


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SURVIVAL OF THE DEAD (2009 George A. Romero)


Nach dem Ausbruch einer Zombieepidemie werden ehemalige Soldaten auf eine Insel aufmerksam, die sich als Fluchtort eignet. Dort hausen zwei verfeindete Familien, die auf unterschiedliche Art mit der Situation um die wieder auferstehenden Toten umgehen...


Der verzweifelte Versuch kulinarischer Umerziehung...

Mit "Land of the Dead" bescherte uns George A. Romero in der neuen Zombiefilmwelle einen überraschend geglückten vierten Teil seiner "Die Nacht der lebenden Toten"-Reihe und sorgte für einen chronologischen Abschluss der in den einzelnen Teilen aufgezeigten Entwicklung. Dass er diesem kurz danach "Diary of the Dead" nachschob, der einen alternativen Beginn der Zombieseuche thematisiert, war unnötig, erklärt sich aber immerhin im Versuch Romeros das Thema einmal per Found Footage-Verfahren ausprobieren zu wollen. Seine Art die durch "The Blair Witch Project" bekannt gewordene Methode zu nutzen, fehlte jedoch der Reiz, so dass Romero erstmals einen nicht geglückten Zombiefilm ablieferte. Zum Schluss ließ er noch "Survival of the Dead" folgen, der ebenfalls keine richtige Fortsetzung des ursprünglichen Vierteilers ist, und einer Anspielung sei Dank zumindest andeutet, dass er irgendwann (wahrscheinlich relativ kurz) nach seinem direkten Vorgänger spielt. Gedreht wurde das Ganze wieder im klassischen Erzählstil. Warum dieser Teil nachgereicht wurde, bleibt jedoch ein Rätsel, besitzt seine Geschichte doch weder Mehrwert zur Bereicherung des Verstehens von Romeros kreierter Zombiewelt, noch einen alternativen Blickwinkel auf die Dinge als bisher.

Erschwerende kommt hinzu, dass sich die Geschichte keinesfalls erzählenswert schaut. Es scheint, als ob man dem nimmersatten Fan, oder wahlweise der nimmersatten Geldbörse der Produzenten, noch einen Happen Zombiefilm zuwerfen wollte, weil besagte Horrorwelle ohnehin noch immer gut lief. Mit einer arg konstruierten, von Stereotypen bevölkerten, Grundgeschichte um zwei verfeindete Familien und einem Trupp ehemaliger Soldaten, wird "Survival of the Dead" zum schwächsten Beitrag Romeros um seine schleichenden Toten, da einem das Treiben aller Beteiligten und die Entwicklung der Geschichte eigentlich scheiß egal ist. Die Streitigkeiten untereinander ernten ein Achselzucken, der Erzählung fehlt schlichtweg der Auslöser, das gewisse Etwas, um Interesse für all das was uns da vorgesetzt wird entwickeln zu können. Ein paar Actionmomente, kurze skurrile Einfälle und das Zombiedesign, so wie ihre Fressattacken, schützen das Werk vor einem Totalabsturz, doch unterhaltsam sieht anders aus. Selbst der als überraschende Pointe gedachte Aspekt um das Thema Pferd, verpufft als Achselzucken, eben weil er bei Gelingen nach Plan nicht jene Rettung mit sich gebracht hätte, wie erhofft, gerade weil man sich lediglich auf einer Insel befindet. Diesbezüglich fehlte Romero wohl ausnahmsweise einmal jener Weitblick, der seine Reihe ansonsten stets bereicherte. Eine Geschichte um eine erfolgreiche Beobachtung rund um das Pferdeexperiment, und der dem folgende Aufbruch in die Welt, um diese zu retten, um an der eigenen Naivität zu scheitern, das wäre eine erzählenswerte Geschichte gewesen. Aber so wie abgeliefert, als Nebenaspekt und Schluss-Gag eines uninteressanten Szenarios, kann das Ganze nicht funktionieren.


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03.10.2019

LAND OF THE DEAD (2005 George A. Romero)


Seit einigen Jahren lebt die Welt versunken in einer Zombieapokalypse. Einige der wenigen überlebenden Menschen haben in einer wieder aufgebauten Stadt zu einem gemeinsamen, geregelten Leben zurück gefunden, wobei sich wieder eine elitäre und eine Unterschicht gebildet hat. Ein Bewohner, der für die Organisation von Lebensmitteln zuständig ist, bemerkt bei seinem letzten Einsatz außerhalb der Stadt Veränderungen im Verhalten der Zombies und vermutet, dass sie intelligenter werden. Er soll recht behalten. Unter der Anführung eines Untoten trotten die Zombies Richtung Stadt, die zeitgleich von einem ehemaligen Bewohner bedroht wird, der mächtige Waffen in seinen Besitz gebracht hat...


Die Macht des Dollars ist zurück...

Als mit "28 Days Later" und "Dawn of the Dead" eine neue Zombiewelle im Kino losgetreten wurde, da kehrte auch der Schöpfer der Kreaturen, George A. Romero, zurück, besann sich im Gegensatz zu den Konkurrenzprodukten wieder auf die unheimlichen schleichenden Toten und servierte uns mit "Land of the Dead" den vierten Teil von "Die Nacht der lebenden Toten". Wie schon in den Vorgängern, wird das Jahrzehnt der ersten Teile nicht beachtet, man orientiert sich am Jetzt, ansonsten geht Romero wie immer einen Schritt weiter. Erfuhren wir in dem 20 Jahre zurückliegenden "Zombie 2", dass Zombies lernfähig sind, so geht der Schöpfer dieser Reihe nun einen Schritt weiter und lässt die Untoten Werkzeuge benutzen, zeigt uns, dass sie sich durchaus organisieren können und Beobachtetes nachahmen können. Ich weiß noch wie enttäuscht ich beim Erscheinen von "Land of the Dead" war, fand ich ihn doch bereits in seinen ersten Denkansätzen undurchdacht und überhaupt nicht kompatibel mit den Geschehnissen der Vorgänger. Nachdem ich den Film kürzlich erneut gesichtet habe, war ich vollkommen überrascht was für ein tolles Werk Romero noch einmal gelungen ist. Sicherlich ist es nicht frei von Fehlern und meiner Meinung nach auch der schwächste Teil der Reihe, aber mittlerweile empfinde ich ihn als tatsächlich gelungen, vielleicht auch weil ich ihn nicht mehr nur mit Werken der ersten Zombiefilmwelle vergleiche, sondern jetzt auch einen Blick auf das werfen konnte, was danach kam. Da waren immerhin einige Produkte dabei, die einem den Blick erweiterten was innerhalb einer lang andauernden Zombiewelle möglich sein kann, was einem zuvor bei beschränkter Wahrnehmung unmöglich erschien.

Da "Land of the Dead" nie verrät wie lang die Epidemie bereits um sich greift, kommt sein Aufhänger gar nicht so weit hergeholt daher, wie ich ihn einst empfunden habe. Da existiert eine Stadt, die wieder Strom, Benzin, eine Armee und Waffen besitzt, Menschen haben sich organisieren können, um sich gemeinsam vor der grausamen Außenwelt zu schützen, und scheinbar sind seit dem einige Jahre vergangen, denn immer mehr unterschätzt man die Gefahr, die von den Zombies ausgeht. Romero gibt viel von dem vor, an dem sich "The Walking Dead" seit der sechsten Staffel bedient, erneut beweist er innerhalb seines Themas Weitsicht. Zudem zeigt er uns mit dem Zelebrieren scheinbar nebensächlicher Prozesse, dass er noch immer die Detailfreude und den Spannungsmoment eines "Zombie" beherrscht, so wie dort sowohl die Hauptgeschichte betreffend, als auch solch hervorragende Momente, wie jenen an der Brücke. Zudem weiß Romero noch immer gekonnt mit Wendungen und Ekelszenen zu schocken, weiß in welchem Grade das Einbringen Letztgenannter für einen Film förderlich ist und vernachlässigt dort wie anderswo nicht den kreativen Aspekt. "Land of the Dead" ist angereichert mit vielen originellen Ideen, die meist im Hintergrund zu entdecken sind, inklusive einer liebevollen, aber gut versteckten Hommage an "Shaun of the Dead", die ich ohne das Lesen des Abspanns wohl nie entdeckt hätte. Und einer Wiederkehr des von Tom Savini verkörperten Rockers aus Teil 2 gibt es auch ganz nebenbei mitzuerleben.

Natürlich ist nicht alles Gold was glänzt. Die finale Entscheidung die Zombies betreffend ergibt auch in ihrem intelligenteren Zusammenleben keinen Sinn, frisch Verstorbene werden ebenso intelligenter wie jene Zombies, die diesen Zustand schon lange besitzen und bei denen dies dementsprechend Sinn ergibt, und warum in der neu aufgebauten Stadt erneut Geld einen Wert besitzen soll, ist auch nicht wirklich nachvollziehbar. Auch ist der Fortschritt der Intelligentserlangung zu rasant gesetzt, was aber auch daran liegt, dass "Land of the Dead" in nur wenigen Stunden spielt, und so gekonnt wie das Drehbuch uns die restlichen Hintergründe, Ereignisse und Charakterzeichnungen in solch kurzem Zeitraum serviert, verzeiht man dieses Makel gerne. Eine gut besetzte Zuschauerriege, inklusive eines interessanten Staraufgebots mit Dennis Hopper und Asia Argento, machen den eh und je gesellschaftskritischen Umgang dieser Thematik Romeros zu einem glatt laufenden, kurzweiligen und noch immer hintersinnigen Stück Film, der tatsächlich kompatibel mit den drei Vorgängern ist. Manche Fehler in der Logik verzeiht man gern, Klischees ebenso, da sie sich toll in die Geschichte integrieren und "Land of the Dead" mit seinem zwei Schichten-Modell zumindest nicht moralisch daher kommt. Jede Figur, egal in welcher Position, handelt innerhalb des ihr angedichteten Charakters nachvollziehbar, Gut und Böse existiert meist in einer Person, in all diesen Bereichen guckt sich der Streifen überraschend unamerikanisch. Nach dem Erfolg des hier besprochenen Filmes entschied sich Romero mit "Diary of the Dead" keine Fortsetzung zu drehen, sondern einen alternativen Anfang der Epidemie zu Teil 1. Das war sicherlich keine gute Entscheidung, andererseits fröstelt mich die Vorstellung, was er nach den Erkenntnissen von "Land of the Dead" wohl im nächsten Film aus dem Zombies gemacht hätte. Ich glaube es ist somit gut, dass die Reihe chronologisch gesehen mit Teil 4 ihr Ende fand, bevor sie zu unsinnig geworden wäre.


Weitere Besprechungen zu Land of the Dead:


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30.09.2019

DIE ZAHNFEE WIRD DICH HOLEN! (Toof 2018 Louisa Warren)


Eine Tochter kehrt nach Jahren zusammen mit ihrem Kind auf den heimatlichen Hof zur zerstrittenen Mutter zurück, da sie bestimmte Unterlagen benötigt. Den Beteuerungen, warum ihre Mutter sich ihr gegenüber einst derart asozial verhalten hat, will sie kein Gehör schenken. Dabei hatte die Frau einen guten Grund. Sie wollte ihre Tochter vor der tödlichen Zahnfee beschützen, die als Fluch über der Familie schwebt und von ihr und der Großmutter vor vielen Jahren in einer Scheune vorerst unschädlich gemacht wurde. Dort erwacht sie gerade heute zu neuem Leben...


Deal mit Zähnen...

Bereits 2003 kam ein Horrorfilm mit der Idee daher, den Angreifer, den es zu fürchten gibt, die Zahnfee sein zu lassen. "Der Fluch von Darkness Falls" entpuppte sich zwar halbwegs als Mogelpackung, war aufgrund seiner flotten Inszenierung in seiner geistfreien Art aber angenehm anzuschauen. Nun hoffte ich mit "Die Zahnfee wird dich holen!" einen Genrebeitrag zu sichten, welcher der klassischen Zahnfee etwas näher kommt, als der Aggressor des Vergleichsfilmes. Aber leider ist das auch hier nicht der Fall. Vielmehr haben wir es hier mit einem Dämon zu tun, der Deals mit seinen Opfern aushandelt, um an die für ihn wertvollen Zähne zu gelangen. Ein Vorfahre der Hauptfiguren des Streifens hat wohl einst versucht die höllische Kreatur auszutricksen, und nun hockt noch Jahre später die Familie auf einem Fluch, wissentlich dass die Kreatur alle paar Jahre wieder zuschlagen wird. Lediglich unsere Heldin hat keine Ahnung davon, verheimlichte ihre Mutter ihr zum erhofften Schutz doch was einst geschah, und diesem Umstand verdanken wir den Tragikgehalt der Geschichte, ein Aspekt der mir bei jeder Filmrichtung mit am wichtigsten ist. Ich betone das deshalb, weil ich mich als Freund gut funktionierender Dramatik über einen Schwerpunkt diesbezüglich eigentlich freuen würde. Die Dramaturgie des hier besprochenen Streifens setzt jedoch derart auf Seifenoper-Theatralik, dass der bedeutungsschwanger dargebotene, unreflektierte und unempathische Tragikaspekt zum nervenzerrenden Aspekt des Streifens verkommt.

Leider schwebt er über allem. Er dominiert den Einstieg, füllt jede Zwischensequenz, und geht auch in Spannungsmomenten stets Hand in Hand mit. Er nervt - und das nicht zu knapp. Wirklich schade ist es nicht um den Film, der ist mit routinierter Optik und mauen Mimen ohnehin nicht dazu berufen etwas Besonderes im Meer der Slasher darzustellen. Trotz all seiner Fehler funktioniert er allerdings besser als die wahren Rohrkrepierer dieses Genres. Richtig böse wird "Toof" (Originaltitel) nur gelegentlich, z.B. dann wenn die Zahnfee einem Vagabunden übel mitspielt. Wirklich hart fallen die Tötungsszenen jedoch nicht aus, Gorefreunde bekommen hier nur den unteren Standard präsentiert. Ansehnlicher ist hingegen die Zahnfee ausgefallen, die zwar weder kreativ, noch mühevoll zurecht gemacht wurde, meiner Meinung nach jedoch optisch zu wirken weiß, was in der Inszenierung der "Scarecrow Rising"-Regisseurin Louisa Warren jedoch kaum zur Geltung kommt. Ihr Aussehen und ihr Aufhänger würde "Wishmaster"-ähnlich als Slasher-Frontmonster gut funktionieren, vorausgesetzt man würde sie in einen klassischen Slasher stecken. Die Verantwortlichen von "Die Zahnfee wird dich holen!" wollen jedoch unbedingt mehr als das abliefern, was der unnötig eingebrachte Familienfluch beweist und die Theatralik, in der alles ertrinkt.

Der Spannungsgehalt ist dementsprechend nicht sehr hoch, kann er sich in diesem Gewandt doch nicht entfalten, und so ist "Tooth Fairy" (Alternativtitel) nur ein Achselzucken davon entfernt langweilige Gleichgültigkeit zu entfachen. Manch weniger geduldige Zuschauer wird dem vorhersehbaren Treiben vielleicht sogar völlig gelangweilt begegnen, ich bin da mit meiner Wertung noch sehr großzügig. Es ist schade, dass nicht zumindest das Drehbuch eine Spur besser ausgefallen ist. Dies nervt nicht nur mit besagter aufgesetzter Gefühlsduselei, es ist auch völlig unsinnig ausgefallen, kann sich den Fluch betreffend nie entscheiden welche Regeln dieser befolgt, geschweige denn warum der Dämon erst zweitrangige Leute eliminiert, wenn die Rache an der Familie doch so wichtig ist. Ein solches Problem hätte sich ohne Fluchaspekt erledigt, die Zahnfee hätte einfach nur wahllos Menschen töten sollen, so wie es stets im klassischen 80er Jahre-Slasher der Fall war. Aber so etwas ist heutzutage scheinbar nur noch in schlechten Independentstreifen von Horrorfan-Hand geschaffen möglich. Ich frage mich ernsthaft, wen die Gefühlssülze in gehemmtem Horrorausleben rundum gefallen soll. Wer glaubt, dass sich ein Genrefreund für derartiges aufgesetzt dargebotenes Füllmaterial interessiert? Es gleicht somit einem Wunder, dass die Attacken des Monsters zumindest einen kleinen Teil des Streifens gerettet bekommen, um aus "Die Zahnfee wird dich holen!" zumindest mauen Durchschnitt zu zaubern.


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ARMY OF ZOMBIES (Kadunlakaisijat 1991 Olli Soino)


Der letzte Überlebende der Familie Kyyrölä erweckt in seiner grenzdebilen Art eher durch Zufall seine Familie. Während der stets abwesende Vater sich erneut wieder vom Acker macht, muss der wiedererweckte älteste Sohn in die Ferne ziehen, um Geld zu verdienen...


Ein paar Kräuter in der Sauna...

"Muttertag 2" ist keinesfalls eine Fortsetzung des legendären "Muttertag", stattdessen ist er eine eigene finnische Produktion, die drei Jahre später mit "Army of Zombies" fortgesetzt wurde, was wohl bedeutet dass der arg bescheiden ausgefallene Streifen daheim wohl zumindest ein kleiner Erfolg gewesen sein muss. Obwohl sich der dortige Aggressor und der vermeintlich andere in Teil 1 nicht gerade gut machten, werden sie zusammen mit der friedlichen Mutter diesmal in den Mittelpunkt gehievt, dies jedoch nicht um Teil 1 zu kopieren, sondern um des Spaßes wegen zu zeigen, was eine Hinterwäldlerfamilie aus dem Zustand des Zombieseins macht. War Soinos Erstling noch eher unterschwellig humoristisch ausgefallen, so haut "Army of Zombies - Ein dreckiger Haufen" (Alternativtitel) komplett in die Scheiße und offenbart sich als Klamaukfilm, der den Humor nicht nur nicht versteckt, sondern geradezu zelebrierend in den Vordergrund setzt, so sehr sogar, dass der eigentliche Horror-Part komplett flöten geht. Doch nicht nur aufgrund dieser zu starken Positionierung ist der Streifen trotz seiner Namensgebung keine tatsächliche Zombie-Komödie geworden, wie es bei starker Humororientierung zumindest trotzdem noch bei Werken wie "C.H.U.D. 2", "Choking Hazard" und "The Return of the Living Dead 2" der Fall ist. Abgesehen von ein paar körperlichen Defiziten (die geistigen waren bereits im Vorgänger vorhanden) verhalten sie sich halbwegs normal, zumindest benehmen sie sich nicht so wie es sich seit Romero für Zombies gehört.

Während der Zuschauer die im Titel angekündigte Armee lange Zeit vermissen darf (die schlussendlich auch nicht wirklich eine wird) und sich damit abfinden muss in einem Klamaukfilm gelandet zu sein, präsentiert uns Soino zwanglos seine Späßchen, gönnt sich zusammen mit den Akteuren die Möglichkeit durch das Geld des Erstlings in die Kacke hauen zu dürfen und einfach das durchzuziehen was man will, scheinbar ohne irgend ein Interesse zeigen zu müssen, ob das Produkt einem Publikum schmecken wird oder nicht. Was sympathisch anarchistisch klingt und fern jeder anbiedernden Produktion, wird jedoch zur Tortur für den Zuschauer, da dem werten Autor nichts einfallsreiches zu diesem Thema gelingen will. Der Film besitzt weder nennenswerte Ideen, noch gelungene Pointen, verschmitzte Situationen ebenso wenig, wie auch nur einen Hauch stimmige Atmosphäre. Das ist schade, da seine "Scheiß egal"-Mentalität auch förderlich hätte ausfallen können. Diese beweist der Film direkt zu Beginn, wenn er uns völlig unlogisch die Bergung der Leichen durch den minderbemittelten Bruder präsentiert, obwohl die Toten seinerzeit am Ende von Teil 1 von der Polizei entdeckt wurden. Haben sie diese einfach liegen lassen? Das könnte der Beginn einer schwarzhumorigen Groteske sein, wenn "Kadunlakaisijat" (Originaltitel) derartige Dinge verarbeiten, anstatt ignorieren würde, aber der geistlose Nonsens ist Soino wichtiger, und der will nicht einmal versteckt clever zünden.

Stattdessen begnügt sich der Regisseur zusammen mit den zurückgekehrten Akteuren aus dem Original mit solch banalen Späßchen, wie beispielsweise einem schlicht getricksten Running Gag um einen lose sitzenden Unterkiefer (eine Zutat, die "Braindead" ein Jahr später variiert mit einem lose sitzenden Kopf weit einfallsreicher und witziger zu verarbeiten wusste). Die Erlebnisse des in der Ferne wohnenden ältesten Sohnes, der lange Zeit zum Hauptaspekt wird, interessieren in ihrer zu ereignislosen Art überhaupt nicht, zumal der tote Mann ein Außenseiterleben als Freak führt und keines tatsächlich im Schatten seines untoten Handicaps. Seine Erlebnisse schreibt er auf und schickt sie "Fraggles"-artig per Post nach Hause, und der Briefträger dort darf als einzig gestatteter Fremder in der heimischen Hütte auf "Doc Hollywood"-Art den Analphabeten besagte Erfahrungen aus der Fremde vorlesen. Der Zuschauer darf sich währenddessen entweder unangenehm berührt fühlen von dem quälend zähen Desinteresse, welches der Film zu entfachen vermag, oder wahlweise aufgrund mangelnder Schauwerte einschlafen. Das maue Spiel der Mimen vereinfacht diesen Zustand, denn diese wissen den einfallslosen, aufgeblasenen Humor nicht einmal mit gelungenem Grimassenschneiden oder anderweitigem treffsicheren Overacting aufzuwerten. Stattdessen machen sie sich frei von Sympathie und Talent zum Affen, so wie der komplette Streifen, den ich so schnell wie möglich wieder verdrängen werde. Das hoffe ich zumindest. Übler Schund!


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29.09.2019

THE TOXIC AVENGER 2 (1989 Lloyd Kaufman u.a.)


Tromaville ist eine friedliche Stadt geworden, seit der Atomic Hero alle Verbrecher getötet hat. Ein Großkonzern möchte die Stadt übernehmen und muss hierfür den mutierten Helden beseitigen. Da dieser fast unzerstörbar ist, entfernt man ihn mit einer List aus der Stadt. Melvins Vater soll in Japan wohnen, also reist das Monster dorthin um ihn zu suchen, während die Bewohner der Stadt von nun an unter den Gräueltaten der Industrie leiden müssen...


Eine Nasenlänge Fisch-Fast Food...

Man sollte meinen, dass die Fortsetzung eines schrägen Kultfilmes, dessen Gelingen eher dem Zufall anstatt echtem Können geschult ist, keine gute Idee darstellt, zumal auf dessen Stil aufbauende weitere Werke der Troma-Studios, bishin zu den aktuell produzierten, meist unangenehmer Natur sind. Das liegt daran die Übertreibung des Grundrezeptes noch um einige Grade mehr auf die Spitze zu treiben, so dass der Klamauk eine unerträgliche Form erhält, die selbst die Geister des ursprünglichen Zielpublikums scheidet. Glücklicher Weise schaut sich "The Toxic Avenger 2" noch so klassisch wie "The Toxic Avenger" und "Class of Nuke 'em High" und damit in der irren Tromawelt halbwegs bodenständig. Wer die Werke dieser Filme kennt, weiß was das heißt, so aufgedreht und unter der Gürtellinie wie hier Humor, Brutalitäten und Nacktheiten zelebriert werden. Für den Zuschauer von Ausnahmekost kann aber auch dieser Teil 2 aufgrund seiner Treffsicherheit funktionieren. Mir hat er sogar ein klein bisschen mehr gefallen als der Vorgänger, was mitunter daran liegt, dass die Schnitte nicht mehr so amateurhaft gesetzt sind und der rote Faden inmitten der noch immer vorhandenen Episodenhaftigkeit und Sprunghaftigkeit, in der es keine tatsächlichen Wichtigkeiten gibt, eine Spur dicker ausgefallen ist als zuvor.

Zudem trumpft die Fortsetzung mit tatsächlichen Aufnahmen in Japan, die dem Streifen ein angenehm frisches Flair bescheren. Wie kompatibel der Troma-Humor mit dem üblichen Japan-Klamauk ist, wird einem erst mit Sichten dieses Werkes bewusst. Und in Japan, wie in den USA, sind alle Beteiligten mit sichtbarer Spielfreude dabei, nichts von dem Präsentierten zu ernst nehmend, trotz aller Härte in Humor und Goreszenen eine gewisse Unschuld bewahrend und doch jenen Hauch professioneller herangehend, der "Atomic Hero 2" (Alternativtitel) ein gutes Stück aus dem Amateurfilm-Flair befreit, in welchen Teil 1 gefangen war. Schön dass auf dem Weg dorthin nicht die Seele des Stoffes verloren ging, die erneute Regiearbeit von Lloyd Kaufman und Michael Herz atmet die selbe gewollte Trash-Luft, den selben Mittelfinger, der sich gegen alles richtet was den USA und Hollywood heilig ist, und das Ganze schauspielerisch überraschend geglückter ausgefallen als es zunächst scheint, auch wenn man hierfür inmitten des ganzen Overactings genau hin gucken muss. Gerade in den Japanszenen fallen als gelungenes Bonuselement die improvisierten Szenen auf, in welchen nicht eingeweihte Passanten auf den Atomic Hero stoßen. Zudem überrascht der Japan-Part bei einem solch überdrehten Film mit versteckter Ehrverbeugung der japanischen Kultur, so liebevoll wie sie hier auf absurde Art einfühlsam und vielseitig eingefangen wird.

Aber auch die Szenen, die in Tromaville spielen, sind nicht von schlechten Eltern. Gerade der Einstieg, der uns endlose Kämpfe nach einem Terroranschlag auf ein Blindenheim präsentiert, ist eine Wucht an schrägen Einfällen, derart lang zelebriert, mit immer neu auftauchenden Gegnern, dass es verwundern darf, dass die ganze Chose so gut zu funktionieren weiß. Nie erhält diese lange Szene einen Einbruch, stets bleibt sie witzig und einfallsreich, wird immer dann grotesker, wenn man nicht mehr damit rechnet, und erleichtert einem somit den Einstieg in einen ungewöhnlichen Streifen. Einige Stellen des restlichen "The Atomic Hero Part II" (Alternativtitel) mögen im Gegensatz zu dieser Eingangssequenz manche Längen besitzen, sie sind jedoch nicht mehr so nervenstrapazierend wie im Vorgänger ausgefallen und blitzen nur recht kurz auf. Wie scheiß egal den Verantwortlichen des Streifens das tatsächliche Erzählen einer Geschichte ist, beweisen sie besonders auffällig gegen Ende, wenn sie das Finale gegen einen auf die Schnelle aus dem Nichts präsentierten Endgegner stattfinden lassen, wohingegen die eigentlichen Feinde, die Leiter des bösartigen Konzerns, nur am Rande Vergeltung erfahren. Allerdings kehren diese, oder zumindest der Konzern an sich, in der im selben Jahr entstandenen Fortsetzung "Toxie's letzte Schlacht" wieder auf. Ich bin schon gespannt ob auch dieser mit den ersten beiden Teilen mithalten kann.


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DAWN OF THE DEAD (2004 Zack Snyder)


Nach dem Ausbruch einer Zombieepidemie kommt eine Gruppe Menschen in einem Einkaufszentrum zusammen, um dort Schutz zu suchen...


Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist...

Ich weiß noch wie enttäuscht ich seinerzeit von "Dawn of the Dead" war, erschien er mir doch überladen und mit seiner völlig anders gearteten Geschichte und Zombiedarstellung auch nicht wie eine Neuverfilmung von George A. Romeros legendärem "Zombie". Aufgrund einiger guter Ideen, die mir in Erinnerung blieben, und der Tatsache, dass er zusammen mit "28 Days Later" die Zombiewelle auslöste, die dank der Unterstützung der TV-Serie "The Walking Dead" noch immer anhält, wollte ich ihm nach all den Jahren, weit weniger streng, eine neue Chance geben, nun wissend dass er eigentlich kein Remake des mit "Return of the Living Dead" wohl bestem Zombiefilm ist. Er sollte wenn diesmal durch Eigenständigkeit eine Chance erhalten und ebenso durch den neuen Blick, den die lang andauernde zweite Zombiewelle auf das Sub-Genre werfen lässt, so dass man Werke wie den hier besprochenen ohnehin auf andere Art guckt als noch zur Entstehungszeit, als man die Werke der ersten Welle im Hinterkopf hatte. Und was soll ich sagen? Zack Snyders Version hat mir heutzutage auch gleich um einiges besser gefallen als zuvor, das große Werk, welches so viele in ihm sehen wollen, ist er dann aber doch nicht geworden, dafür ist er zu sehr Formelkino.

Als zu strukturiertes Produzentendenken trumpft "Dawn of the Dead" überraschend mit manch gut funktionierender Dramatik, was bei der oberflächlichen Charakterzeichnung und dem Mangel an psychologischem Nachempfinden der Situationen (der wohl entscheidendste Unterschied zu Danny Boyles großartigem, zwei Jahre zuvor entstandenem Vergleichsfilm) einem kleinen Wunder gleicht. Snyders Film bietet kaum, wie gerade bei der Zombiethematik üblich, brauchbare Analysen gesellschaftlicher Missstände, baut nur jene blassen Blaupausen ein, die er unreflektiert bewusst und unbewusst nachplappert und ist somit die geistlose Variante seiner Gattung Film. Wirklich schlecht wird er jedoch nur kurzfristig in einer Nebenhandlung, in welcher ein Mann eine hochschwangere Frau durch die Geburt begleitet, ein Element welches rein des reißerischen Effekts wegen eingebaut wurde und außerhalb der Spezialeffekte keinen wahren Sehwert besitzt. Der Rest weiß jedoch zu überzeugen. Die rennenden Toten schauen toll aus, sind in beeindruckenden Massenszenen, sowie in Einzelauftritten bedrohlich eingefangen, und ebenso wie ihr Tempo sorgt auch das der Inszenierung Snyders dafür, dass es wahrlich nie langweilig wird. Pausen zum Nachdenken gönnt sich der Film nicht, aber er ist zumindest reichhaltig genug ausgefallen, um bei seiner flotten Erzählung nicht inhaltsleer zu erscheinen und damit auf der Stelle zu treten, oder den Zuschauer zu unterfordern.

Individuelle Momente, wie der Kontakt zu einem einsamen Überlebenden auf dem Hausdach eines Waffenladens gegenüber, dem morbiden Zeitvertreib der Anwesenden in ruhigeren Zombiezeiten und den großartigen Found Footage-Aufnahmen während des Abspanns, bereichern "Dawn of the Dead", so dass er sich trotz hauptsächlich allgemein bekanntem Szenario interessant genug schaut, um ein zufriedenzustellendes Ergebnis abzuliefern. Ein wenig verärgert das Verheizen der Stars vom Original, denen hätte man besser Cameoauftritte gewünscht, und wie gesagt hätte all das Gezeigte etwas geistreicher umgesetzt werden können, als reine Zombie-Action weiß Snyders Werk mit dem täuschenden Titel jedoch zu gefallen. Zwar kommt die apokalyptische Stimmung eines solchen Stoffes hier durch das schnelle Einfinden im Mikrokosmos Einkaufszentrum erst wirklich spürbar gegen Ende auf, an spannenden Momenten mangelt es im Allgemeinen jedoch nicht, gerade dann, wenn die Gründe in einen solchen zu geraten herrlich schwachsinnig politisch korrekt ausfallen. Wäre das nicht ernst gemeint, könnte man es als Satire verstehen. Das macht den Streifen jedoch nicht unfreiwillig komisch, diese Orientierung schadet dem Werk nicht, da, wie erwähnt, solche Momente spannungsgeladen ausfallen. Somit ist "Dawn of the Dead" sicher kein Zombiefilm, den man unbedingt gesehen haben sollte, aufgrund seiner finanziellen Möglichkeiten bietet er aber zumindest Sehwerte, welche den meisten Billigproduktionen verwehrt blieben, auch jenen, die ein besseres Ergebnis als "Dawn of the Dead" ablieferten.


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28.09.2019

THE TOXIC AVENGER (1984 Lloyd Kaufman u.a.)


Auf dem dämlichen Melvin wird als männliche Putzkraft gerne von den Besuchern des Body Building-Studios, in dem er arbeitet, herum gehackt. Bei einem besonders bösen Spaß landet der arme Kerl versehentlich in einer Tonne toxischer Abfälle und verwandelt sich in den Atomic Hero, einem äußerst brutal vorgehenden, mutierten Verbrecherjäger...


Die Geburt von Tromas Markenzeichen...

Die Firma Troma produzierte so allerhand kostengünstige Filme und landete u.a. mit dem früh erschienen Slasher "Muttertag" einen finanziell erfolgreichen Kino-Hit. Erst mit dem Überraschungserfolg "The Toxic Avenger" entdeckten sie jedoch den Kurs, den sie fortan beibehalten sollten und sie zu einer begehrten Quelle nimmersatter Spaß-Splatter-Fans werden ließ. Alberne Filme mit extremen Gewaltdarstellungen und jeder Menge Seitenhiebe gegen allem was Amerika heilig ist, war ab sofort das Rezept zukünftiger Produktionen, in Frühwerken wie "Class of Nuke 'em High" und dem hier besprochenen Werk jedoch noch nicht derart extrem zelebriert, wie in späteren Geschmacklosigkeiten, die leider häufig über das Ziel hinaus schießen. "Atomic Hero" (Alternativtitel), geschrieben und umgesetzt von Lloyd Kaufman und Michael Herz, sieht man an, dass man eigentlich gar nicht so genau wusste, was man da auf die Beine stellt. Orientierungslos gesetzte Schnitte, und eine Handlung, die in ihrer episodenhaften Art kaum einen roten Faden besitzt, lassen das Produkt mit einem kleinen Hauch Amateurfilm-Flair schauen, vergleichbar mit dem völlig anders gearteten "Die Supernasen". Und in beiden Fällen darf man nicht trotzdem, sondern genau deswegen, von einem sympathischen Ergebnis sprechen.

"The Toxic Avenger" hat trotz einiger Längen sein Herz am rechten Fleck und kann von einem alternativen Publikum trotz aller Fehler und Unzulänglichkeiten angenehm konsumiert werden. Nicht nur dass die derben Albernheiten häufig humoristisch ins Schwarze treffen und der Tritt gegen die politische Korrektheit noch zielgenau und gesellschaftskritisch angegangen wird, gerade die Orientierungslosigkeit, mit welcher sich "Atomic Hero - Das liebenswerte Monster" (Alternativtitel) von einem Moment und einer Geschmacklosigkeit zur nächsten hangelt, ist es, welche dem Werk den nötigen Charme beschert. Sie kleidet den ohnehin gegen den Strich geschriebenen Film unübersehbar so, wie er gemeint ist, immerhin ist er das Gegenstück der Großproduktionen Hollywoods, billig besetzt, all das zeigend, was man dort nicht zeigen darf, die Heuchelei der Großproduktionen hervorhebend und auch manch anderer Lüge des Systems den Mittelfinger zeigend. Verstecktes Niveau ist nicht auszumachen. Die Regisseure ergötzen sich am Vorführen von Brutalitäten, Nacktheiten und Freaks, hauen ihren Humor meist unter die Gürtellinie, schaffen es aber trotzdem dass eine gewisse Unschuld über dem Projekt schwebt, eben weil hier niemand, außer vielleicht die Verantwortlichen der Spezialeffekte, professionell vorgeht. Das Herzblut aller Beteiligten sieht man dem Streifen an, so begeistert wie hier alle vereint in die Kacke hauen und den Dreh scheinbar zur Party machten.

Die Deutschfassung macht dem Seherlebnis jedoch einen kleinen Strich durch die Rechnung, ist die Synchronisation doch ebenfalls kostengünstig ausgefallen, so wie bei fast jedem Tromafilm anbei bemerkt, und da meist der deutsche Untertitel fehlt, können lediglich Zuschauer mit guten Englischkenntnissen auf den stimmigeren Originalton zurückgreifen. Dort darf man dann auch sogleich bemerken, dass die Mimen weit professioneller sprechen, als man es bei ihrem restlichen Amateurschauspiel vermutet hätte, ein weiteres Beispiel dafür, dass jeder Beteiligte mit dem Herz am rechten Fleck dabei war. "Toxic" (Alternativtitel) ist ein derart aufgeblasenes Stück Albernheit und Provokation, dass man sich niemals ernsthaft über die Berge an Unlogiken oder die Geschmacklosigkeiten aufregen würde, die hier unübersehbar vorhanden sind, so bewusst wie "Health Club" (Alternativtitel) als Spaß daher kommt und jede Ehre und Würde der von Amerikanern verehrten Superhelden mit Genuss derbst aushebelt. Einziger tatsächlicher Schwachpunkt des Streifens ist eine elendig lang gezogene Liebesszene, in welcher der "Health Club Hero" (Alternativtitel) mit seiner blinden Freundin Sex hat, und in der Kaufman und Herz meinten uns den kompletten Hintergrundsong in Endlosschleife präsentieren zu müssen, obwohl der Humor dieser Szene nach etwa einer Minute, inklusive treffsicherem Zusatz-Gag, ausgereizt ist und dem Film keinen Mehrwert mehr beschert. Der Rest ist jedoch, trotz häufigere Längen, die das Gesamtergebnis etwas anstrengend gucken lassen, holprige Handarbeit der sympathischen Art, in einem Projekt welches weit mutiger angegangen wurde, als es heute scheint, nun wo derlei Produktionen zum Alltag im alternativen Filmbereich gehören.


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22.09.2019

MUTTERTAG 2 (Kuutamosonaatti 1988 Olli Soinio)


Ein Modell soll sich auf Anraten ihres Managers in einer kleinen, abgelegenen Hütte im Wald entspannen. Doch an Ruhe ist nicht zu denken. Ein notgeiler Hinterwäldler macht ihr das Leben dort zur Hölle...


Der Stalker mit dem Traktor...

"Muttertag" aus der Troma-Schmiede war Anfang der 80er Jahre ein kleiner Erfolg im Slasher- und Backwoodbereich und für viele Horror-Fans allein schon aufgrund seines Verbotes ein Stück Kult, so dass es nicht verwundern braucht, dass irgendwann wer den nicht geschützten Titel für einen Etikettenschwindel nutzte, um ein Thema mit kleinen Parallelen zum Originalstoff als angebliche Fortsetzung zu vermarkten. Ob Olli Soinio sich absichtlich vom angeblichen Teil 1 inspirieren ließ, ist nicht klar zu erkennen, es ist aber möglich. Allerdings schielt er ebenso auf "Blutgericht in Texas" und in einer Szene auch deutlich auf "Die Nacht der lebenden Toten", wenn es darum geht die Hütte vor dem kommenden Überfall mit Brettern abzusichern. Ebenso wie "Muttertag" ist auch "Muttertag 2 - Die Söhne sind zurück" (Alternativtitel) nicht vollkommen ernst gemeint. Der Humor kommt hier jedoch eher subtil daher, so dass man nicht immer weiß was humoristisch gemeint ist, oder vom Regisseur doch nicht so gedacht ist. Erst in der Fortsetzung "Army of Zombies" haut Soinio diesbezüglich in die Vollen und serviert dem Zuschauer ein albernes Stück Pseudo-Horror, im hier besprochenen Teil 1 werden wir davon glücklicher Weise noch verschont.

Dennoch schaut sich auch "Muttertag 2", die erste von lediglich drei Regiearbeiten Soinios, eher wie ein Pseudo-Horror, will wahre Stimmung dieses Genres, ob nun dargeboten über Terror, Grusel oder Nervenkitzel, doch nie wirklich aufkommen. Die Heldin bekommt es mit einem notgeilen Stalker zu tun, der sie, und später auch ihren jüngeren Bruder, immer wieder attackiert. Dies zunächst harmlos, dann überdreht mittels eines Traktors, dann, trotz der Möglichkeit nun endlich etwas gegen das Opfer ausrichten zu können, es bei Drohungen belassend, schließlich aggressiv die Hütte der Angebeteten niederreißend. Letztendlich bleibt er blass für einen im Zentrum stehenden Aggressor, bei dem man bis kurz vor Schluss ohnehin nicht weiß, ob alles nur ein krankes Spiel sein soll, dem nie wahre Taten folgen, so infantil wie er, im Hinterland abgeschottet aufgewachsen, ist und so wenig wahre Bedrohung, wie er auszustrahlen vermag. Der Heldin und ihrem Bruder reicht dieses Affentheater jedoch bereits so sehr, so dass sie stets völlig verängstigt vor ihm weglaufen. Irgendwann ist es für den Zuschauer einfach nicht mehr aufregend, wenn sie vor ihm und seinem Traktor flüchten (was es aber ohnehin nie war). "The Moonlight Sonata" (Alternativtitel) dreht sich zu oft im Kreis, wiederholt zu viel, streckt das lediglich für einen Kurzfilm geeignete Szenario strapaziös in die Länge, und das nervt so sehr, dass selbst der Pluspunkt der verschneiten finnischen Wälder irgendwann seine unbehagliche Wirkung verliert.

Der einzige Mord im zentralen Kampf zwischen Heldin und Aggressor findet schließlich am Bösewicht selber statt, wenn das Modell mithilfe ihres Bruders sich dem Stalker entledigt, was aufgrund dessen unbeholfener Art sicherlich leichter und friedlicher zu lösen gewesen wäre. Aber wir sprechen immerhin von Protagonisten, die sich vor lauter Angst vor dem Infantilen sogar mit Möbeln und Brettern in der Hütte verbarrikadieren, da verwundert solch radikale Gegenwehr, die zum Tod des Schurken führt, auch nicht mehr wirklich. Der einzig typische Slasher-Kill findet vom Bruder des Stalkers ausgeführt statt. Hierfür wird kurzfristig ein Beamter eingeführt, der das Pech hatte ausgerechnet dann an der Haustür der Einheimischen zu klingeln, wenn der minderbemittelte Möchtegern-Leatherface sich aus seiner Hütte befreien konnte, in die er ansonsten tagsüber eingesperrt wird. Der Heldin des Stoffes darf er nur einmal begegnen und attackiert sie auf unschuldig, kindliche Art, was dann auch eine der wenig interessant ausgefallenen Szenen des Streifens ist. Zwar ist auch dieser Moment nicht spannend ausgefallen, aber der Geisteskranke wirkt zumindest aufgrund seiner Unberechenbarkeit bedrohlich. Allerdings verhält er sich aufgrund der Gegenwehr die ihm entgegen gebracht wird derart tölpelhaft, dass man sich fragen darf, ob diese Szene doch eher als Parodie auf klassische Slasherstoffe gedacht ist, immerhin erinnert sein Verhalten mehr an das dämliche Treiben der Zombies aus "Return of the Living Dead 2" und "C.H.U.D. 2", als dass es als ernsthaftes Spiel durchgehen kann.

Aber wie gesagt weiß man bei "Muutamosonaatti" (Originaltel) ohnehin nie was belustigend gemeint ist und was nicht. Sicher bin ich mir eigentlich nur bei jener herrlichen Idee, dass der entlaufene Hund der Heldin fortan immer nachts mit dem Geisteskranken unterwegs ist, der wie ein Wolf den Mond anheult, und sein Frauchen so gar nicht vermisst. Mit Ausnahme dieser Szenen und jener, in welcher er das Modell attackiert, ist der minderbemittelte Bruder des Hauptschurken für den Restfilm nicht weiter wichtig. Und die alte Dame, welche die Mutter beider Hinterwäldler ist, ist auch nicht wirklich wichtig für den Stoff, so dass der Etikettenschwindel "Muttertag 2" durch deren Position noch einmal besonders deutlich wird. In diesem Film geht es eigentlich tatsächlich nur um einen sexuell frustrierten Mann, der in der Anwesenheit eines hübschen Modells in seiner tristen und kargen Wohngegend die einmalige Chance sieht, eine solche Frau abzubekommen und nicht weiß, wie er es bewerkstelligen soll Sex von ihr zu bekommen. Das Modell begegnet ihm einerseits arrogant, andererseits, da angewidert und sich bedroht fühlend, natürlich abweisend. Die Ausgangslage ist eine an sich gute Idee, die auch das für einen Horrorfilm zurückgeschraubte Geschehen entschuldigt, da es den Plot glaubwürdiger macht. Aber da das Konstrukt nur Theorie ist und Soinio nicht in der Lage ist das Geschehen psychologisch sinnvoll und stimmig einzufangen, sowie Schrittchenweise hochkochen zu lassen, verkommt die an sich brauchbare Grundlage zu einem uninteressanten Werk, dem es an Sehwerten außerhalb seiner Location mangelt, an interessant ausgearbeiteten Charakteren und an einer empathischen Identifikation mit diesen. Im Gegensatz zur Fortsetzung "Army of Zombies" habe ich bei "Muttertag 2" aber zumindest noch tief in meinem Inneren einen Restrespekt vor mancher Entscheidung Soinios, die Fortsetzung hat er hingegen auf sehr erbärmliche Art komplett gegen die Wand gefahren.


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15.09.2019

DAS HAUS DER VERFLUCHTEN (7, Hyden Park: la casa maledetta 1985 Alberto De Martino)


Die vermögende, querschnittsgelähmte Sportlerin Joanna sitzt deswegen im Rollstuhl, weil sie als Mädchen auf der Flucht vor einem Kindervergewaltiger im Priesterkostüm einst von einer Treppe stürzte. Den Vorfall hat sie vergessen, ihr Arzt informiert aber zumindest Graig über diese Hintergründe, mit dem sich Joanna jüngst verlobt hat. Die Erinnerung an einst könnte ihrem schwachen Herzen schaden. Just zu dieser Zeit geht ein Irrer im Gewand des Wahnsinnigen von damals um und tötet Priester. Auch Joanna wird gelegentlich von ihm heimgesucht. Ist es der Täter von früher? Treibt ihr Ehemann ein übles Spiel? Oder steckt wer anders hinter diesen Vorfällen?


Jeder mit dem sie intimen Körperkontakt hatte...

"Das Haus der Verfluchten" legt die üblichen Fährten, wie es sie in derlei Stoffen seit Anbeginn des Thrillers zu erleben gibt. Das Opfer eines ehemaligen Verbrechens wird von der Vergangenheit heimgesucht, scheinbar will wer aus der Gegenwart auf diese Art der Heldin ans Leder, neu klingt das, was der "Miami Golem"-Regisseur in seinem zweitletzten Film vorweist, nicht gerade. Da wirkt der Kniff des Drehbuchs nach dem ersten Drittel plötzlich sehr interessant, das wir wesentlich früher in die Täteraufdeckung eingeweiht werden, als es allgemein im Genre üblich ist. Damit wächst im stimmig inszenierten Film die Erwartungshaltung, möchte man doch wissen warum der Autor diesen Weg wählt. Am Ende des Streifens ist er uns diese Antwort jedoch noch immer schuldig, holt er doch wenig aus dem Perspektivwechsel heraus, so dass sich "Formula for a Murder" (Alternativtitel) ähnlich schaut, wie ein Thriller ähnlicher Thematik beim zweiten Sichten. Nicht falsch verstehen, trotz Überraschungsarmut und halbwegs vorhersehbarem Plot ist "7, Hyden Park: la casa maledetta" (Originaltitel) ein unterhaltsamer Horrorbeitrag geworden, er schöpft nur eben nicht aus den Vollen seiner Möglichkeiten.

Interessant ist seine Positionierung innerhalb der Genres, in denen er sich bewegt. Mitte der 80er Jahre entstanden, ist er für einen Giallo weit nach der Haltbarkeitszeit dieses Genres auf der Bildfläche erschienen. Von diesem beeinflusst entstand Anfang der 80er Jahre in Amerika die Slasherwelle, deren erweiterte Eigenschaften nun auch in "Das Haus der Verfluchten" Zuflucht finden. Somit ist De Martinos Werk Teil beider Filmgattungen, und das beschert ihm einen recht interessanten Touch. Die Morde, die bereits im Giallo zelebriert wurden, werden typisch Slasher weit lauter präsentiert, die klassische Leichenanhäufung am Ende, wie wir sie seit "Halloween - Die Nacht des Grauens" und "Freitag der 13." kennen, wird ebenso klassisch eingebracht, freilich indem die Heldin auf sie stößt. Gleichzeitig bleibt der Grundton im ehemaligen Genre stecken, deutlich inspiriert durch die Werke Bavas und Argentos, durch die an die 70er Jahre erinnernde, stimmige Hintergrundmusik und dem Produktionsland Italien unschwer zu erkennen. Die künstlerische Raffinesse der großen Vorbilder fehlt ihm, aber auch "Das Haus der Verfluchten" hat optische Ausnahmeszenen zu bieten, beispielsweise beim Ableben der Geliebten des Täters, deren weit aufgerissenen Augen uns noch innerhalb der durchsichtigen Folie anstarren, mit welcher sie in einem Auto entsorgt wird. Auch die Größe des Hauses und die Düsternis weiß sich De Martino zunutze zu machen, um dem Horror-Thriller trotz fehlender Individualität und Überraschungen das nötige Flair zu bescheren.

Besagte Größe des Hauses, sowie ein kurzer Ausflug in die Großstadt New York, der sich innerhalb des Gesamtplots ein wenig unnötig anfühlt, ist ein psychologischer Bestandteil, den De Martino zu nutzen weiß, um das Gefangensein der Querschnittsgelähmten in ihrem Rollstuhl unterbewusst noch einmal zu verdeutlichen. Was der Blindenbehinderung ihr "Warte bis es dunkel ist" ist, ist der Querschnittslähmung, noch vor der zweiten Verfilmung "Das Fenster zum Hof", De Martinos "Das Haus der Verfluchten", der gekonnt das Handicap der Heldin einzufangen vermag, und sie aus sich heraus wachsen lässt, wenn sie deutlich unterlegen im Finale dem Aggressor direkt begegnen muss, um sich ihm als ernstzunehmenden Gegner, innerhalb der Weiten des großen Hauses, zu beweisen. Gleichzeitig nutzt der Regisseur dieses Nerven kitzelnde Szenario, um den üblichen Schluss derartiger Horrorfilme grotesk zu überzeichnen. Er legt quasi die Wiederauferstehung des klassischen nicht tot zu kriegenden Slasher-Killers im Realismus an, und zeigt uns den stets mehr verwundeten Täter immer leidender und kraftloser, aufgrund des hervorragenden Überacting seines Darstellers jedoch nicht minder erschreckend dargeboten. Hier bekommt "Formula for a Muder" fast ein comicartiges Flair beschert, während der Grundton gleichzeitig ernst genug bleibt, um das Szenario nicht zur Witznummer verkommen zu lassen. Mag De Martino auch nicht der große Wurf gelungen sein (was einzig am zu durchschnittlichen Drehbuch liegt), einige gute Gründe sich "Das Haus der Verfluchten" dennoch zu Gemüte zu führen sind somit trotzdem definitiv vorhanden. Und für einen Plot, in welchen der Zuschauer arg schnell eingeweiht wird, ist es dem Regisseur überraschend gut gelungen mittels lauter Methoden effektiv Aufregung und Spannung in die Routine einzubinden. Hut ab!


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