IT CAME FROM THE DESERT (2017 Marko Mäkilaakso)


Zwei Jugendliche entdecken während einer Party in der Wüste ein verlassenes Forschungslabor eines mächtigen Konzerns und werden dort von einer Riesenameise attackiert. Schnell müssen sie feststellen, dass es von diesen Viechern eine ganze Kolonie gibt und die komplette Menschheit in Gefahr schwebt, wenn die beiden es nicht schaffen die mit Alien- und Tarantel-DNA aufgepeppten Riesenameisen zu töten...


Projekt Them...

Ich bin kein Fan von Computerspielen und kenne somit auch nicht die Vorlage dieser Videospielverfilmung, als Cineast kenne ich jedoch themenähnliche Werke, wie "Formicula" und "In der Gewalt der Riesenameisen", und deren Charme erlangt "It Came from the Desert" nie. Allerdings zählt er auch zu einer anderen Gattung Horrorfilm, steht hier doch die Action im Vordergrund, ohne je die Frage aufzuwerfen, ob einer der Helden bei den abverlangten Wahnsinnsaktionen sein Leben riskieren muss. Alles ist der Abfolge eines Videospiels verpflichtet, und somit läuft alles auf Tempo fixiert fern jeglicher Realitätsorientierung ab. Der Film soll ein Fest für Teenie-Träumer sein, visiert somit kein hohes Ziel an, und als solch flach angelegtes Produkt geht sein simples Ergebnis eigentlich in Ordnung, sofern man weder Innovation noch Einfallsreichtum erwartet. Jede Menge Motorcross-Action soll vor der Inhaltsleere ablenken, und wem diese Art Schauwert gefällt, der ist letztendlich im richtigen Film gelandet. Zwar schaut sich manche Szene wie aus "Arac Attack" entliehen, letztendlich ist Marko Makilaaksos Folgewerk seines "Yeti - Das Geheimnis des Glacier Peak" aber ohnehin nur zusammengepflücktes Stückwerk bereits bekannter Zutaten besserer Filme, also was soll's.

Eine Zeit lang arbeitet man verspielt mit Vergleichen aus "Alien" und "Jurassic Park", schenkt dem Film gar eine augenzwinkernde Vergleichsszene zum Videospiel, auf welchem er basiert, und versucht auch sonst auf simple Art mit Metaebenen zu arbeiten, letztendlich funktioniert dieser pseudo-selbstkritische, möchtegern-ironisch gemeinte Umgang mit den eigenen Unzulänglichkeiten jedoch nur eine Zeit lang, bevor sich immer deutlicher bemerkbar macht, dass "It Came from the Desert" nichts eigenständiges zu bieten hat und nur von einem Szenario, welches es zu bewältigen gilt, zum nächsten hüpft. Da ein solches Szenario den Helden keinerlei Herausforderung abverlangt, die nicht bereits im nächsten Moment, meist durch Zufall, auf simplem Wege zu lösen ist, entsteht somit auch kein Mitfiebern mit den Figuren. Das Drumherum zwischen den zu erfüllenden Aktionen fühlt sich ziemlich leer an, zumal weder Figuren noch Situationen emotional ansteckend vertieft werden und somit alles eine theoretische Hülle bleibt. Zwar weiß der Trick mit der flotten Inszenierung zu funktionieren, so dass trotz bereits bekanntem Einerlei nie wirklich Langeweile aufkommt, letztendlich ist das Ergebnis jedoch zu austauschbar ausgefallen, als dass man irgendwem über 15 Jahren den Film ernsthaft empfehlen würde.

Auf schlichte Art funktioniert der Streifen des "War of the Dead - Band of Zombies"-Regisseurs jedoch schon, vorausgesetzt man geht mit wenig Erwartungen heran und ist mit einem höchst simplem Ereignis zufriedenzustellen. Einen gewissen Charme erreicht das Ergebnis durch kleine Bereicherungen wie jenem, dass das Projekt der Firma Them genannt wird (das war der Originaltitel des eingangs erwähnten 50er Jahre Riesenameisen-Films "Formicula"), und auch manch bierselige Komik weiß so gerade eben noch auf höchst flache Art zu funktionieren, komplett ohne Sympathie ist der Streifen somit nicht ausgefallen. Dem Jugendpublikum könnte das Ergebnis somit gefallen. Wem Filmerfahrenes wird die ganze Chose jedoch zu glatt gebügelt ausgefallen sein, präsentiert in zu lupenreinen Hochglanzbildern und die einzelnen geklauten Zutaten zu oberflächlich abgearbeitet dargeboten. Meiner Meinung nach ist auch die Hauptrolle falsch besetzt, da hätte ich mir schon jene Art Loser-Gesicht gewünscht, der man auch gönnt am Ende die attraktive heimlich Angebetete zu erobern. Aber da auch derartige Nebenhandlungen lediglich kalkuliert angegangen wurden, anstatt einfühlsam, verpufft derartiges Szenario in zu glatt polierter Art, wie der Rest des Ganzen, so dass eine andere Besetzung da nur wenig hätte retten können.


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SATAN'S DOG (Play Dead 1983 Peter Wittman)


Audrey bekommt von ihrer Tante, von der sie sich entfremdet hatte, nach dem Tod ihrer Eltern einen Rottweiler geschenkt. Dieser tötet ohne ihr Wissen Mitmenschen ihrer Umgebung, denn Audreys Tante ist heimlich um alles andere als um Versöhnung bemüht...


Verwehrte Liebe vom Schwager...

Ich kann nicht gerade behaupten, dass mich irgend ein Beitrag zum Thema Hunde-Horror je umgehauen hätte. Neben schlechter Beiträge wie "Rottweiler" und magerer wie "Man's Best Friend" gab es manch nettes Werk wie "Cujo", "Killerhunde", "The Breed" und "Zoltan - Draculas Bluthund" zu sichten, also Filme sympathischer Natur, ohne wirklich nennenswert ausgefallen zu sein. Der Versuch mit "Waldile - Der schlimme Killer-Hund" das Thema parodistisch anzugehen, ging sogar komplett daneben. Wirklich gelungen war nur "Baxter", und der ist kein Horrorfilm, auch wenn das manch andere Quellen behaupten. "Der Höllenhund" war ein besonders übler Vertreter dieser Gattung Tier-Horror, im Gegensatz zum Vieh aus "Satan's Dog" aber zumindest tatsächlich ein Köter des Teufels. Unser Rottweiler im hier besprochenen Film mag zwar nicht direkt aus der Hölle kommen, natürlichem Ursprungs ist seine Bösartigkeit jedoch auch nicht, verfügt der ehemalige Besitzer, Audreys Tante, doch über okkultes Wissen und wendet dies über den Hund an der neuen Besitzerin und ihrem Umfeld an. Aber ist dieser Fakt wirklich wichtig für die Geschichte um eine kläffende Bedrohung? Eigentlich nicht, solange der Stammzuschauer des Genres genügend Hundeattacken sichten darf.

Die gibt es freilich auch in "Greta, die Hundebestie" (Alternativtitel) zu sichten, wenn auch nicht dargeboten wie erwartet, sondern über subtilere Mordvarianten ausgeheckt, die man keinem Hund als Täter zutrauen würde. Davon hätte es allerdings zum einen gern mehr geben können und zum anderen aber auch dargeboten über eine bessere Tierdressur. Doch Peter Wittmans Werk ist ein derart preisgünstiger, von Troma präsentierter, unaufgeregter Streifen in durchschnittlicher Handlung, dass man in der handvoll spektakulärer Tierszenen nicht zu viel erwarten sollte. Das wird man aber ohnehin nicht, wenn man erst einmal die Atmosphäre geatmet hat, die dieser Film auszustrahlen vermag, ist er in seiner routiniert angegangenen Art und aufgrund seiner uninteressant ausgefallenen Figuren doch ein an den Nerven zerrender Langweiler, komplett humorbefreit erzählt, so wie es sich für eine ernstzunehmende Horrorproduktion gehört, aber keinen wahren Sehwert besitzend, der 82 Minuten Erzähllänge rechtfertigt. Und diese noch halbwegs kurz ausgefallene Laufzeit kann sich bei solch dröger Umsetzung unglaublich lang anfühlen.

Ein ermittelnder Kommissar ist zwar um rationales Denken bemüht und tauscht sich stets mit einem Kollegen darüber aus, was geschehen sein mag, das verleiht "Killer Dog" (Alternativtitel) zumindest einen Hauch Realismus, letztendlich ist aber auch er zu uninteressant besetzt und charakterisiert, als dass er damit genügend frischen Wind in die öde Chose zu wehen wüsste. Regisseur Peter Wittman hat sich ein Jahr nach "Breed" (Alternativtitel) mit "Ellie" noch an einer Komödie versucht und danach nie wieder einen Film gedreht. Wenn dieser wie "Play Dead" (Originaltitel) ausgefallen ist, dürfte das auch eine gute Entscheidung gewesen sein, denn mir weiß das müde Filmchen um einen magisch gelenkten Hund zu Rachezwecken so gar nicht zu gefallen, auch wenn ich mit solch hirnlosen Schwachsinnsideen in der Regel sympathisiere. Im Prinzip war direkt nach 10 Minuten klar, dass dieser Film ein Langweiler ist, der Rest der Laufzeit war lediglich traurige Bestätigung dieser Befürchtung.


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VENOM (2018 Ruben Fleischer)


Eddie, ein gefeuerter Journalist der sich an keine Regeln hält, bekommt einige Zeit nach seiner Entlassung die Chance endlich beweisen zu können, dass der in der Öffentlichkeit als Heiler gefeierte Dr. Drake ein Schurke ist. Ein Insider schleust Eddie in dessen Forschungsstätten ein, was ausversehen dazu führt dass der heruntergekommene Journalist in Kontakt mit einer außerirdischen parasitären Substanz kommt, die ihn zum Wirt erklärt. Zunächst möchte diese dominante Substanz, die über unglaubliche Kräfte verfügt, im Körper Eddies ihrer Spezies im Kampf um die Herrschaft der Erde helfen, welcher kurz bevor steht. Doch in Symbiose mit ihrem Wirt findet sie Gefallen am Erdenleben und stellt sich gegen ihre eigene Gattung...


Zwei Loser vereinen sich...

Man kann nicht gerade sagen, dass Marvel sich ausnahmsweise einmal kreativ ausgetobt habe, inhaltlich kommt "Venom" so routiniert daher wie die üblichen Ergüsse aus diesem Hause der Comicverfilmungen. Aber immerhin gehört der Streifen zu der unterhaltsamen Gattung Superheldenfilm, auch wenn Venom als Superheldengegner, z.B. bekannt aus Raimis "Spider-Man 3", eher zur Gegenseite gehört. In Zeiten, in denen auch zwielichtige Menschen Superkräfte erhalten und erst einmal einen inneren Konflikt mit sich selbst austragen, bevor sie sich für die gute entscheiden, macht das freilich keinen wirklichen Unterschied aus. Und eine Verfilmung des herrlich fies aussehenden, außerirdischen Parasiten unabhängig einer "Spider-Man"-Geschichte spielen zu lassen, finde ich eine gelungene Idee, besitzt diese Figur, die ihrem Wirt übernatürliche Kräfte beschert, doch genügend Potential einen kompletten Film zu tragen. Schön herausgearbeitet ist der schizophrene Part dieser Partnerschaft, ist Eddie doch nicht wirklich Herr seines Körpers, wenn Venom loslegt, sondern eher Statist, und das weiß wen Comicvorlage-Unwissenden wie mich ebenso zu faszinieren, wie zu überraschen, erst recht in jener Phase, in welcher Wirt und Parasit noch im Konflikt miteinander stehen, bzw. auch in der Vorphase, in welcher Eddie noch nicht weiß was mit ihm los ist.

Dass "Venom" sich positiv von den meisten Werken aus dem Hause Marvel unterscheidet, liegt aber auch daran, dass seine Geschichte bereits dann interessant ausgefallen ist, bevor Venom ins Spiel tritt. Das ist den Hauptfiguren des Streifens zu verdanken, die nennenswert genug charakterisiert wurden, um sich für ihr selbst verursachtes Treiben zu interessieren (Eddie, Drake und Anne) und an der Besetzung, die weiß wie man halbwegs flach geratenen Individuen charismatisches Leben einhauchen kann. Die an sich überdrehte Geschichte wird in ihrer Vor- und Hauptphase möglichst zurückgehalten präsentiert, sprich man ertränkte den Stoff nicht in Spezialeffekten, weiß aber sein Stammpublikum mit genügend Einlagen dieser nicht zu enttäuschen, so z.B. in der Entdeckungsphase der Kräfte und in den Versuchen des irren Geschäftsmannes. Zumindest gehört "Venom" zu jener Gattung Marvel-Film, der ihre Computereffekte gut tun. Erst im unnötigen Kampf Parasit gegen Parasit nehmen die Spezialeffekte so sehr überhand, dass sie nicht mehr im Interesse der zu erzählenden Geschichte stehen, was zu einer kurzfristigen Phase führt, die nicht nur inhaltlich uninteressant ausgefallen ist, sondern auch in ihrer Optik nervt, da sich beide Gegner viel zu ähnlich sehen. Hat man diesen müden Kampf im Finale erst einmal hinter sich gebracht, weiß auch der Film in seiner emotionalen Tonlage wieder zu gefallen, so dass er einen solch sympathischen Ausklang erhält, wie er sich hauptsächlich schaute.

Auf diese Art präsentiert, freut man sich auf kommende Fortsetzungen, wissentlich dass auch mit Teil 1 weder das Rad neu erfunden wurde, noch anderweitig einfallsreich vorgegangen wurde. Ähnlich wie der italienische "Sie nannten ihn Jeeg Robot", den ich kürzlich sichtete, bedient "Venom" einfach die Grundbedürfnisse des Freundes von Superheldenstoffen, womit ich nicht die äußeren Schauwerte meine, sondern die inhaltlichen Aspekte, die einen solchen Film so interessant werden lassen können. "Venom" trumpft freilich auch mit der herrlich düsteren Optik seiner außerirdischen Hauptfigur, das war schon immer ihr Reiz, und im Zentrum präsentiert, anstatt nur als Randerscheinung, kann man sich daran endlich einmal satt sehen. Eingebunden in eine routinierte, aber unterhaltsame und locker leicht präsentierte Geschichte, bleibt dies nicht der einzige Höhepunkt des wilden Treibens, so dass auf Spielfilmlänge keine Ernüchterung im Laufe der Zeit aufkommt. Am Ende der Geschichte sind die Karten so gemischt, wie es sich für eine Comicverfilmung dieser Art gehört, gerade in Bezug auf Eddie und Anne, von daher könnte es in einer Fortsetzung ähnlich klassisch zugehen, wie im hier besprochenen Erstling. Aber wer kann schon einschätzen, was in den Köpfen der Geldmacher Marvels herumspukt? Teil 2 kann trotz des charmanten Ergebnisses seines Vorgängers ein ebenso nerviges Produkt wie "Deadpool" oder "Guardians of the Galaxy" werden. Bei Marvel muss man leider immer mit allem rechnen, was Mainstream so übel macht. Aber gerade desshalb ist es schön zu sehen, dass "Venom" nur kleine Ärgernisse beinhaltete, die typisch für diese Firma sind. Allerdings war auch die Wahl mit "Zombieland"-Regisseur Ruben Fleischer gut getroffen, hatte dieser mit seiner Zombie-Komödie doch genügend Erfahrung im Umgang mit lustig düsteren Stoffen mitgebracht. Und auch dass Sony mitmischte, die einst die Rechte für "Spider-Man" besaßen, und somit in Konkurrenz zu Marvel standen, könnte ein Grund für das sympathische Gesamtergebnis sein. Soviel ich gelesen habe, soll "Venom" ohnehin mehr Sony- als Marvelfilm sein, letztendlich werden aber beide Firmen vor Filmbeginn genannt.


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WAR OF THE LIVING DEAD (Zombie Wars 2007 David A.Prior)


Seit 50 Jahren wandeln die Zombies nunmehr über den Erdboden. Mittlerweile haben sie gelernt wie man Menschen züchtet. David, ein bislang in Freiheit lebender Soldat, landet in einem der von Zombies geleiteten Camps und versucht als Zuchttier gehalten das Geheimnis hinter diesem herauszufinden...


Vermehren oder harken...

Stets ist man im Filmbereich bemüht festgefahrene Muster durch neue Ideen aufzubrechen. Im Bereich des Zombiefilms ist dies aufgrund der stets zelebrierten Monotonie besonders nötig, und einer der Ansätze die allseits bekannte Thematik aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, ist der Gedankenansatz eine Geschichte um wandelnde Tote in einer Welt spielen zu lassen, in welcher die Epidemie bereits vor vielen Jahren ausgebrochen ist. "The Girl with All the Gifts" bewies erst kürzlich was mit solch einem Ausgangspunkt möglich ist, der mit Arnold Schwarzenegger überrascht besetzte "Maggie" ging noch einen Schritt weiter und zeigte uns emotional, was erzählenswert ist, wenn eine solche Idee zu einer Zeit der Normalisierung nach einer langen Zombieepidemie spielt. Die Macher von "War of the Living Dead" hatten keine so hochtrabenden Ziele wie jene der Vergleichsfilme, intellektuelle Kost lag ihnen fern. Sie wollten lediglich einen kleinen Unterhaltungsfilm auf die Beine stellen, einen neuen reizvollen Ansatz präsentieren, um auf der Grundlage von diesem entspannt den kleinen Beitrag für zwischendurch zu zaubern.

Leider benötigt aber auch ein geistfreier Vertreter mit derartigen Ansätzen einen halbwegs durchdachten Plot, und ein solcher findet sich in "Zombie Wars" (Originaltitel) so leider gar nicht wieder. Viel zu naiv kommt die uns gezeigte Welt daher, in welcher unbewachte Camps von den letzten frei lebenden Menschen bewohnt werden, die völlig furchtlos und frei jedweder psychischen Störung oder Mangelernährung ziemlich normal miteinander reden und dort leben, ohne scheinbar je ernsthaft eine Zombieattacke zu befürchten. Das Ganze erinnert ein wenig an den ärgerlichen Einstieg der erst später gut gewordenen TV-Serie "The Walking Dead", in welcher das Leben nach dem Zombieausbruch einem Picknick ähnelte. Auf der Seite der Zombies sieht es in dem Film von David A. Prior, der mit "Bio-Force" schon etwas weit schlechteres abgeliefert hat, nicht viel besser aus. Ihre Intelligenz Menschen züchten zu können oder eine Strategie planen zu können, mit welcher alle Menschencamps zur selben Zeit angegriffen werden, kauft man ihnen nicht ab. Es gibt keine halbwegs schlüssige Erklärung, warum sie sich einerseits noch wie der klassische Zombie benehmen, andererseits aber schon über Intelligenz aufgrund von Beobachtungen und Erfahrungen verfügen sollen. Beides zusammen ist nicht kompatibel, der Ansatz dass es nur einige wenige geistreichere Anführer unter ihnen gibt, wird nur angeschnitten, aber weder erklärt, noch anderweitig vertieft, kurzum fehlt es "Zombie Executioner" (Alternativtitel) an allen Ecken und Kanten an Glaubwürdigkeit.

Zwar erfahren wir zum Ende des Streifens hin etwas mehr über die Hintergründe im Camp und somit auch darüber, warum Zombies, wie hier dargestellt, ein solches überhaupt leiten können, aber auch hier wird uns nur ein kurzer Erklärungsansatz präsentiert, der unbefriedigend jede Menge Fragen offen lässt, womit der Plot so löchrig wie zuvor bleibt. Das Errichten des Menschenzüchtzungscamps wäre ohnehin die reizvoller zu erzählende Geschichte gewesen, mit dieser im Mittelpunkt wäre aber vielleicht selbst den Verantwortlichen der Story aufgefallen, dass der Grund das Camp zu errichten ziemlich unsinniger Natur ist und es weit sinnvollere Alternativen gegeben hätte das anvisierte Ziel zu erreichen. Aber was soll man von einem Film erwarten, der bereits im ersten Gedankenansatz höchst naiv ausfällt und überhaupt nicht in der Lage ist, sich in Situationen, Personen, geschweige denn in die neue Welt hineinzuversetzen? Gefühle werden nicht nachvollzogen, Gefangensein wird zur Urlaubssituation, Menschen die auf Kosten anderer leben sind simple Bösewichter, Zombieattacken sind mit links abzuwehren, so dass die hier aufgezeigte Welt nicht gerade viel Schrecken zu verbreiten weiß, kurzum, dem dreist und schlecht bei "Planet der Affen" klauenden Zombiefilm fehlt es an allem, was einer simplen Unterhaltung genügend Rückendeckung gegeben hätte um schlicht zu funktionieren. Wie man ohne großen Anspruch den kleinen, unterhaltsamen Zombiefilm für zwischendurch gestaltet bekommt, bewies im selben Jahr "War of the Living Dead 2", der nur in Deutschland mit diesem Titel zu einer Fortsetzung des hier besprochenen Filmes erklärt wurde und mit diesem so gar nichts zu tun hat. Guckt lieber den.


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SLAUGHTERHOUSE RULEZ (2018 Crispian Mills)


Don stammt aus einfachen Verhältnissen und ist frisch an einem elitären Internat aufgenommen worden, da ereignen sich im Wald, dessen Betreten aufgrund kürzlich gestarteter Fracking-Aktionen für Schüler und Lehrer verboten ist, seltsame Dinge. Irgend etwas, das im Boden heimisch war, scheint aufgeschreckt worden zu sein und ist den Menschen nicht freundlich gesonnen...


Aus einer Familie von Kriegsverbrechern stammend...

Sie bekleiden nur halbwegs klein geratene Nebenrollen und spielen diese nicht einmal in gemeinsamen Szenen, und doch sind sie nicht nebensächlich für die schwarze Horor-Komödie "Slaughterhouse Rulez". Die Rede ist von Nick Frost, sowie Simon Peck, der bereits sechs Jahre zuvor mit Regisseur Crispian Mills in dessen bislang einzigen weiteren Film "Die fürchterliche Furcht vor dem Fürchterlichen" zusammen gearbeitet hat. Beide sind die Hauptdarsteller der berühmten Cornetto-Trilogie, die mit "Shaun of the Dead" ihren Anfang nahm und mittlerweile, ebenso wie Ricky Gervais, Zugpferde der britischen Komik im Kino. Beide spielen für die Handlung entscheidende Rollen im hier besprochenen Film, trotz der geringen Größe dieser, beide sind aber auch Produzenten dieser Komödie. Dass es im einflussreichen Beisein dieser beiden nie geistlos zugeht, ist bekannt, und so steckt auch in "Slaughterhouse Rulez", wenn auch diesmal inhaltlich kaum von ihnen beeinflusst, mehr Gehalt, als dass man sich einzig an der Parodie eines gruseligen Stoffes heranwagt. Man spielt mit englischen Ständen und Traditionen, eine Zutat die für uns nicht immer leicht zugänglich ist. Ebenso wird der kapitalistische Aspekt des Frackings thematisiert, und damit auch der Umweltaspekt und der Bereich der Öko-Aktivisten, was jedoch alles nicht so tief greift, wie man vermuten könnte.

Beobachtet man die Charaktere des Streifens, so haben sie bis auf wenige Ausnahmen alle etwas gemein. Die Erwachsenen nutzen ihre jeweiligen Ideale als Vorwand, sei es der Direktor, der Lehrer, der so gerne Vorbild und Beschützer der Schüler wäre, die Eltern oder der Anführer der Umweltdemonstranten. Die Schüler hingegen imitieren ein Ideal, sich ihrer Familientradition dazu verpflichtet fühlend. Und aus diesem Dilemma der Kinder und Erwachsenen, entsteht der zentrale Humorschwerpunkt des Streifens, so dass sich die langsam anbahnende Geschichte um eine gefährliche Tiergattung, die durchs Fracking in ihrer Ruhe gestört wurde, für mich unnötig anfühlte. Dieses Gefühl verschwand auch nicht in jener Phase des Streifens, in welcher sie endgültig zum Zentrum wird und der Kampf Schüler gegen Bestien bevor steht. "Slaughterhouse Rulez" behält in diesem letzten Drittel als Randerscheinung noch besagten Humorschwerpunkt bei, konzentriert sich aber hauptsächlich nun um eine Horrorgeschichte, die nicht hätte sein müssen. Mag sie auch verwoben sein mit der Vergangenheit der Schule, und damit auch mit der Tradition und den Idealen dieser, also Teil besagtem Herzstück des Streifens darstellend, der Film lässt nach je mehr er sich dem Horror-Part zuwendet (auch wenn dieser nie außerhalb seines Komikbereichs präsentiert wird). Damit blieb der Aspekt um die aggressiven Viecher auch mit ihrer Ankunft im Zentrum der Geschehnisse ein Fremdkörper für mich, so als habe man zwei Themen miteinander kombinieren wollen, die nicht wirklich ineinander greifen wollen.

Das schränkt Crispian Mills zweite Komödie zwar in ihren Möglichkeiten unnötig ein, so als sei der Horror-Part ein pflichtmäßiges Zugeständnis an die beiden komödiantischen Berühmtheiten des Streifens, die es selbst in ihrer Actionfilm-Parodie "Hot Fuzz" nicht lassen konnten Horror-Elemente einfließen zu lassen, macht den Film aber nicht wirklich kaputt. Als sympathischer, kleiner Beitrag für zwischendurch ist "Slaughterhouse Rulez" durchaus unterhaltsam ausgefallen, zumal er einige wirklich gute Ideen parat hält, von denen man sich gewünscht hätte, sie wären in einem Film untergekommen, der ihrer wert wäre. Die Hauptdarsteller wissen den Film zu stemmen, die Maskerade Nick Frosts ist geglückt wie immer, an schwarzer und bissiger Gesellschaftskritik mangelt es nicht, gerade Freunde britischer Komik kommen nicht zu kurz. Insgesamt lebt der Streifen jedoch zu sehr von reizvollen Ansätzen, die nicht zu genüge beachtet wurden, sei es die Käuflichkeit des Direktors, der Reiz an der Gefahr des Verbotenen als Schüler im Wald, die Thematik rund ums Fracking, das Geheimnis um den Öko-Anführer, oder das komödiantische Spiel mit dem Bereich des Tier-Horrors. Mit Ausnahme des Zwangs, der Täuschung, der Missachtung und des Missverstehens von Traditionen und Idealen, sowie das Spiel um Wahrheiten hinter verehrten Erinnerungen (in diesem Falle hauptsächlich der Part um die Schullegende), wurde jeglicher Faktor nicht konsequent genug umgesetzt. Und besagter, der zu genüge beachtet und vertieft wurde, kann sich dem unwissenden, deutschen Zuschauer nicht in seiner Gänze offenbaren, da es an mancher Kenntnis darüber fehlt wie enorm Stände und Traditionen in der Gesellschaft Englands verankert sind und auf welche Arten sich dies dort äußert.


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KINDER DES ZORNS (Children of the Corn 2009 Donald P. Borchers)


Nachdem sie mitten in der Einöde ein Kind angefahren haben, landet ein zerstrittenes Ehepaar in einer verlassenen Stadt, nichts ahnend dass dort vor vielen Jahren ein religiöser Kinderkult alle Erwachsenen getötet hat und noch immer vor Ort aktiv ist...


Preise aus der Vergangenheit... 

Stephen Kings Kurzgeschichte um eine Gruppe religiöser Kinder, die alle Erwachsenen als Sünder verstehen und deswegen ermorden, wurde vor der hier besprochenen Version schon einmal fürs Kino 1984 unter dem Titel "Kinder des Zorns" umgesetzt und zweitverfilmt auch als Kurzfilm mit in die Veröffentlichung "Night of the Crow" eingebunden. Beide Versionen haben mir nicht zugesagt, obwohl die Geschichte zunächst einmal reizvoll klingt, von daher war ich nicht abgeneigt, dass man sich erneut an jenem Stoff versucht hat, der bis heute 8 Fortsetzungen nach sich zog. Freilich geht man bei einer TV-Verfilmung mit herunter geschraubten Erwartungen heran, viel erwartet habe ich trotz meiner Hoffnung auf eine bessere Verfilmung ohnehin nicht. Trauriger Weise war das auch gut so, sollte die dritte Version doch ebenfalls nichts Herausragendes bieten. Das beginnt schon damit, dass man sich anfangs ganz treu an den oberflächlichen Ablauf der Erstverfilmung hält und einzig die Figuren modernisiert. Gestrichen wurde der Aspekt um zwei Kinder, die gegen die Sekte handeln, und wie schon damals, so verzichtet auch Borchers "Kinder des Zorns" nicht darauf uns zuvor aufs Brot zu schmieren, was am eigentlichen Handlungsort Unheimliches abläuft. Erneut wird kein Geheimnis daraus gemacht, erneut vergeigt man die Chance eine rätselhafte, düstere Atmosphäre als Schleier über die kommenden Ereignisse zu werfen.

Das könnte man als Respekt vor der Vorlage verstehen, wenn sich "Children of the Corn" (Originaltitel) auch weiterhin an diese halten würde. Aber nach der langen Autophase, in welcher wir das zentrale Paar besser kennen lernen, verlässt der Streifen den gewohnten Weg und modernisiert den Stoff. Da wird noch kurz über niedrige Preise, den verlassenen Ort und anderweitiges gestaunt, dann biegt der Film urplötzlich ab, nimmt uns eine der Identifikationsfiguren (glücklicher Weise jene, die derart penetrant nervig charakterisiert wurde, dass ihre Anwesenheit Gefahr lief dem kompletten Film zu schaden) und lässt uns die eine, die sich als erfahrener Militärdienstleister entpuppt, und sich somit zu wehren weiß. Trotz des Versuchs des Schauspielers dieser Figur eine Spur Entsetzen in seine Mimik einzubauen, funktioniert die mörderische Gegenwehr ohne große Hemmungen, den Reiz der Thematik eines "Ein Kind zu töten" gar nicht erst anvisierend, in der Hoffnung über die Figur des Soldaten würde das schon glaubwürdig genug herüberkommen. Diese Zutat kann man als Ärgernis sehen, in meinen Augen war sie aber genau jenes Element, welches dem zu routinierten Film zumindest kurzfristig den nötigen Zunder bescherte und aus seiner braven Lethargie der Routine riss.

Je weiter der Film voranschreitet, desto weniger glaubwürdig wird die Hauptfigur allerdings, die in Sachen Taktik, Deckung und anderweitigem Expertenverhalten so gar nichts zu bieten hat, aufgrund einer Verletzung zwar menschlicher gezeichnet wird, aber eben so gar nicht glaubwürdig als Kriegserfahrener herüber kommt. Der Kinderkult hingegen wird ausführlich zelebriert, wir erfahren so ziemlich alles über die Sekte, was es zu wissen gibt, mit Ausnahme des zentralen Isaac, der mit Blick auf die Eingangssequenz nicht älter zu werden scheint. Ist dem so? Und warum thematisiert der Film dies nicht, wenn er alle anderen Kinder doch wachsen lässt und in alter "Flucht ins 23. Jahrhundert"-Art erwartet, dass man sich ab einem gewissen Alter opfert? Er der hinter den Reihen geht wird diesmal auf "Tanz der Teufel"-Art tricktechnisch mit lebendig gewordenem Gestrüpp als real existierend dargeboten (in der ersten Verfilmung erinnerte seine Anwesenheit eher an die unterirdischen Sandbewegungen aus "Invasion vom Mars"), den Hintergrund was er die Kinder warum tun lässt, kann man erahnen, wird aber nur angedeutet. Das wird in einem solch oberflächlich abgehandeltem Film wie diesem zu einem negativen Element, da man aufgrund fehlender Erklärungen nicht zum selber phantasieren verführt wird, sondern sich fragt warum einem das hier präsentierte, simple und brave Einerlei eines Horror-Genres vorgesetzt wurde, wenn es sich sämtlicher Vertiefungen, mit Ausnahme des Alltags im Kult, verweigert.

Zum Vorteil eines höheren Tempos streicht man allerhand Elemente, die es im Vorgänger noch mitzuerleben gab, so z.B. die Rebellion in den eigenen Reihen. Der Helfer Isaacs bleibt ein treu glaubender Partner, wissentlich dass seine Lebenszeit bald ebenfalls endet. Und mit der Streichung der Finaldebatte aus der Erstverfilmung, geht auch der einzige nennenswerte Tiefgang der Geschichte unter, bzw. jener analytische Aspekt, welcher dem oberflächlichen Treiben zumindest ein wenig Rückhalt in seiner Daseinsberechtigung gab. Die Neuverfilmung "Kinder des Zorns" bleibt oberflächlich abgearbeitet, bietet einige wenige, etwas härtere Bilder und ein höheres Tempo und vergeigt es im letzten Drittel das positivere, da flottere Seherlebnis zu einem interessanten Finale zu führen. Da das erste Drittel über die Charaktereigenschaften der Ehefrau kaum auszuhalten war, sorgt nun der Schluss dafür, dass der Streifen ein mageres Filmchen bleibt, das beweist, dass es ebenfalls nichts aus der interessanten Grundidee herauszuholen weiß. Ganz im Gegenteil erdreistet man sich uns vor dem Abspann ein pseudo-schockierendes Schlussbild zu präsentieren, so als wäre das was dort gezeigt wird, nicht selbstverständlich gewesen inmitten des Treibens, was uns in der letzten Szene dargeboten wird. Manche Denkweise Filmschaffender muss man als Cineast wohl nicht begreifen.


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THE GIRL WITH ALL THE GIFTS (2016 Colm McCarthy)


Die Menschheit versucht schon seit Jahren vergeblich inmitten einer globalen Zombieepidemie zu überleben. In einem unterirdischen Militärgelände erforscht die Wissenschaftlerin Dr. Caldwell Kinder der zweiten Generation der von einem Pilz befallenen Aggressoren, die sich je nach Situation menschlich verhalten können, denken und sprechen. Unter diesen nicht zu unterschätzenden, gefährlichen Kindern befindet sich auch die pfiffige Melanie, die, nachdem der militärische Stützpunkt von Zombies überrannt wird, gemeinsam mit ihrer Lehrerin, Soldaten und der Wissenschaftlerin fliehen muss. Sie fühlt sich als Teil der Gruppe und will sich als solidarisch beweisen...


Ein pilzumranktes Gehirn...

Häufig sind Zombiefilme um Innovationen bemüht, manches Mal geht das gehörig daneben ("War of the Living Dead", "It Stains the Sand Red"), gelegentlich führt es zu einem netten Film unterhalb der anvisierten Möglichkeiten ("The Returned", "The Night Eats the World"), hin und wieder kommt es aber auch zu tatsächlich interessanten Filmen mit tollen Denkansätzen ("Pontypool", "Fido", "Maggie"). "The Girl with All the Gifts", der auf dem Bestseller "Die Berufene" basiert, ist einer dieser Beiträge, die allerhand interessanter Ideen aus ihrem anderen Denkansatz heraus zu ernten wissen und den Zuschauer immer wieder mit auf eine abenteuerliche Reise nehmen, von der er immer wieder ab einem gewissen Zeitpunkt glaubt zu wissen wie es weiter geht. Doch das täuscht, der Film hält allerhand Überraschungen parat, dies stets auf neuen Erkenntnissen fußend, und somit nicht einfach aufgrund wilder Umschweife des verkrampften Wunsches nach Wendungen wegen erzählt. Dementsprechend sollte man vor dem ersten Sichten am besten gar nichts über den Inhalt wissen, dann schaut sich das Ergebnis noch großartiger als ohnehin schon. Und zu einer zweiten Sichtung wird es mit all den Erkenntnissen der ersten höchst wahrscheinlich ebenfalls kommen.

Ich selbst habe "She Who Brings Gifts" (Alternativtitel) innerhalb kurzer Zeit nun schon mehrere Male gesichtet und bin immer wieder aufs Neue begeistert was er so alles zu bieten hat. Das beginnt mit der Idee es bei den Zombies nicht mit Vireninfizierten zu tun zu haben, sondern mit Opfern eines fiesen Pilzes. Diese Idee ruht sich nicht darauf aus einen alternativen Auslöser zu Konkurrenzprodukten zu liefern, man weiß damit allerhand phantastischer und bizarrer Möglichkeiten zu ernten, welche die Geschichte von anderen Vertretern des Zombiefilms tatsächlich abzuheben weiß. Auch die Sonderpositionierung der Zombies der zweiten Generation bieten Potential für wesentlich mehr, als dem plötzlichen Umschwung vom täuschenden Liebchen zur gefährlichen Bestie. Gerade hier bietet "The Girl with All the Gifts" ein unglaubliches Potential an Gesellschaftsanalysen, einschließlich der immerwährenden Frage dieser Stoffe, in wie weit Menschlichkeit möglich, bzw. nötig ist und in wie weit nicht. Innerhalb dieses philosophischen, zugegebener Maßen in diesem Genre nicht neuen, Gedankenansatzes, versteht es das Drehbuch jede einzelne im Zentrum stehende Figur zu begreifen, sprich das Verhalten und Empfinden des Mädchens, der Soldaten und das der Lehrerin sind ebenso rational, wie emotional nachvollziehbar, wie jenes der oft kühl wirkenden und sachlich denkenden Wissenschaftlerin, die von Glenn Close hervorragend verkörpert wird. Je nach Mentalität stößt man bei einer dieser Charaktere auf seine persönlichen Grenzen, das Drehbuch selbst unterscheidet jedoch nicht zwischen Richtig und Falsch, sowie Gut oder Böse und lässt jeden so sein wie er ist und lädt uns dazu ein, sich in den jeweils anderen vorurteilsfrei hineindenken zu können.

Auch visuell ist der Streifen ein Genuss, sei es in der hektischen Situationsaufnahme von Melanie inmitten des gerade untergehenden Militärstützpunktes, das bizarr anmutende, simpel abgefilmte Klassenzimmer voll von Kindern der zweiten Generation, die lahmgelegten Städte, in welchen sich die Natur längst ihren Platz zurück erkämpft hat, oder auch nur die Maske der Zombies, die aufgrund ihrer Pilzerkrankung eher wie die Untoten aus der italienischen 80er Jahre-Zombiewelle aussehen, als wie Vertreter heutiger Tage. An "Terror Z" erinnernd, verweilen sie im Ruhezustand, bis sie auf eines ihrer nächsten Opfer aufmerksam werden, und das sieht schon sehr stark aus. Allerdings sorgt gerade dieser Aspekt für einen von wenigen Ungereimtheiten, funktioniert das Aufwecken der Zombies doch immer gerade so intensiv, wie es das Drehbuch gerade benötigt. Auch Kleinigkeiten, wie für die zweite Generation nie eine Bezeichnung erfunden zu haben, den "Objekten", die stets als es bezeichnet werden, allerdings jeweils einen menschlichen Namen zu bescheren, wollen nicht immer konsequent durchdacht erscheinen. Aber das sind Ausnahmen inmitten eines ansonsten intelligent erzählten Stoffes, der stets mehrere Gedankenansätze und Vertiefungen dieser besitzt, meist zu Ende gedacht ist und uns immer wieder an rational scheinende Begründungen und Denkprozessen teilnehmen lässt.

"The Girl with All the Gifts" schafft auf intelligente Art den Ballance-Akt seine Geschichte sowohl intellektuell als auch emotional zu präsentieren. Letzteres ist wichtig aufgrund der Position Melanies inmitten allem Erlebten und aufgrund bevorstehender Wendungen der Geschichte. Deswegen besteht der Soundtrack auch stets aus einem Mix aus beunruhigend und märchenhaft. "The Girl with All the Gifts" erlaubt es sich das Entdecken der untergegangenen Welt aus der Sicht eines Mädchens zu präsentieren, welches stets nur den Militärkeller kannte. Bilder, die auf uns trostlos und erschreckend wirken, wecken in ihr Freude und Faszination. Auf kindliche Art erforscht sie ehemalige Alltagsgegenstände, nimmt jede neue Information begeistert, wie ein Schwamm aufsaugend, in sich auf, betrachtet mit Begeisterung die Natur, aber auch mit Schrecken die ihr bis dahin nicht bekannten Zombies, selbstverständlich verstehend dass ein Teil ihrer aggressiven Natur auch in ihr steckt. Melanie will nicht sein wie sie, hat aber nicht die Wahl darüber zu entscheiden. Aufgrund dieser Prozesse und manch anderer Beobachtungen wird der Trip dem wir beiwohnen auch für Dr. Caldwell interessant, die stets neue Erkenntnisse über den Pilz und ihrer Opfer entdeckt, dabei aber stets an ihrer Mission fest hält. Richtung Finale kommt es zu einem gut getarnten intellektuellen Duell zwischen ihr und Melanie, dessen Ausgang zu einer sachlich überlegten Schach matt-Situation führt, ein schönes Beispiel dafür, dass der Film in seinen entscheidenden Phasen stets rationalen Rückhalt erhält - anbei auch dann wenn Emotionen die Geschehnisse bestimmen.

Ob auf inhaltlicher oder handwerklicher Ebene, ob auf emotionaler oder rationaler, "The Girl with All the Gifts" ist ein brillant ausgefallener Ausnahmefilm seines Sub-Genres, der stets genug Raum für das Abenteuerliche seiner Geschichte bereit hält, während er gleichzeitig analytischen Tiefgang beweist. Ein Hauch Märchen weht stets mit, ohne dabei die Bedrohlichkeit herunter zu schrauben, zu ignorieren oder zu unterschätzen. Beides läuft parallel nebeneinander her, eingefangen in tolle Bilder, dargestellt von talentierten Mimen, untermalt von einem stimmigen Soundtrack und von einem intelligenten Drehbuch aus einer rätselhaften Sichtweise präsentiert. Damit wird man selbst zum Entdecker der hier dargebotenen Welt, immer zwischen den Stühlen unserer Sichtweise und jener von Melanie sitzend. "The Girl with All the Gifts" ist ein hoch interessant erzählter Geheim-Tipp, welcher sich nicht einzig auf der Zombieidee ausruht, diese aber immer zentrale Basis alles Weiterführenden bleiben lässt. Der Film unter der Regie des häufig für TV-Serien tätigen Colm McCarthy funktioniert auf analytischer Ebene ebenso wie im Unterhaltungsbereich, funktioniert als Horror, Science Fiction, und Drama ebenso wie als modernes Märchen für Erwachsene und lässt einen mit seiner unerwarteten Weiterentwicklung der Geschichte oftmals staunen. Bei all der inhaltlichen Vielfalt, die der Streifen bietet, von der man überrascht sein darf, dass sie bei ruhiger Herangehensweise genügend Platz in einem zeitlich regulär laufenden Spielfilm findet, darf man erfreut feststellen, dass das Ergebnis nie zu gehetzt angegangen wird und mit seinen unterschiedlichen Schwerpunkten stets miteinander kompatibel ist. Es braucht bei der reichhaltigen Geschichte somit nicht wundern, dass man den Film mindestens noch ein zweites Mal sichten muss, um das Gefühl zu haben möglichst alles zu genüge wahrgenommen zu haben.


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DAS GEHEIMNIS DER BLUTIGEN LILIE (Perché quelle strane gocce di sangue sul corpo di Jennifer? 1972 Giuliano Carnimeo)


Ein weibliches Fotomodell zieht zusammen mit einer Freundin in ein Appartement, welches sich sonst nur Manager leisten können. Die Wohnung ist so günstig, da hier kürzlich ein Mord geschehen ist, welcher bereits der zweite in dem Mehrfamilienhaus ist. Auch das Fotomodell steht bald auf der Liste des noch nicht gefassten Frauenmörders. Die Polizei hat den Architekt des Gebäudes unter Verdacht...


Ein jeder Nachbar hat ein Geheimnis...

Giuliano Carnimeo war als Regisseur in vielen Genres zu Hause, drehte zunächst meist nur Western wie "Sartana - Töten war sein täglich Brot" und "Man nennt mich Halleluja", inszenierte aber auch Komödien wie "Flotte Teens und Sex nach Noten" und "Hilfe, meine Frau geht wieder zur Schule". In seltenen Fällen führte er auch im Bereich des Giallos Regie, so z.B. beim sympathisch ausgefallenem "Ratman", einem seiner letzten Werke. Sein "Das Geheimnis der blutigen Lilie" entstand 16 Jahre zuvor, in der eigentlichen Blütezeit des harten italienischen Kriminalfilms, und dieser Beitrag hat mir leider nicht so gut gefallen wie sein außergewöhnlicher Thriller aus dem Jahre 1988. Zwar besitzt er rein theoretisch alles was zu einem klassischen Giallo, wie wir den Begriff in Deutschland verstehen, dazu gehört (Messermorde, maskierter Killer, Frauenopfer, anrüchige Handlungsorte, amouröse Momente, im Dunkeln tappende Ermittler, ...), das rechte Feeling will hier jedoch nie richtig aufkommen, ist der Streifen dafür doch zu routiniert abgefilmt und billig runter erzählt, ohne eine gewisse Stimmung zu entfachen.

Die muss in dieser Art Film nicht immer zwingend über einen nervenkitzelnden Spannungsbogen aufkommen, wertvolle Fotografien, eine düstere oder dreckige Atmosphäre, sowie ein sleazy Unterton können ebenso hilfreich für ein positives Ergebnis sein. Carnimeo ist jedoch viel mehr daran gelegen einen klassisch trockenen Kriminalfilm mit vereinzelten blutig geratenen Messermorden abzuliefern, was an sich ebenfalls reizvoll klingt, aufgrund ewigen Laufzeitfüllens mit halb interessanten Nichtigkeiten jedoch eine Spur banaler und uninspirierter ausgefallen ist, als es dem Ergebnis gut tut. Freilich arbeitet er auch mit interessanten Zutaten, so besitzt z.B. jeder Bewohner des Hauses, den wir kennen lernen, ein eigenes Geheimnis, und auch die Mörderauflösung kann man in ihrer überraschenden Art definitiv zu den Pluspunkten des Streifens zählen. Auch manch angenehm eingebrachter schrulliger Moment innerhalb des an sich ernst erzählten Filmes, weiß sich kompatibel einzufügen und manche zu dröge Filmphase aufzulockern. Ein sympathisches Gesamtergebnis bekommt man damit allein jedoch nicht abgeliefert.

Das liegt aber auch daran, dass man in "Der Satan mit dem Skalpell" (Alternativtitel) um einen sachlichen Grundton bemüht ist, aber selbst jene Personen nicht sonderlich rational agieren, von denen man es von Berufswegen her erwarten würde. Die Rede ist von den Ermittlern, die im Gegensatz zum typischen Giallo mehr im Zentrum stehen als üblich, aber selten sinnvoll handeln. Das könnte man in dieser dümmlich anmutenden Art noch als interessantes, augenzwinkerndes Gegengewicht zur hysterischen Hauptrolle verstehen, bleibt jedoch keine Charakterzeichnung, wie zunächst vermutet, sondern wird zum Schwachpunkt des Drehbuchs, fällt dies mit seinen Ideen im Laufe der Zeit doch ebenfalls nicht gerade rational aus. Warum sollte beispielsweise eine Frau ihren Sohn vor der Welt verstecken, gar so tun als ob er nicht existiere, nur weil er Brandwunden am kompletten Körper besitzt? "Erotic Blue" (Alternativtitel) bleibt dem Zuschauer eine Antwort auf diese Frage ebenso schuldig, wie auf manch andere Ungereimtheit, einschließlich eines befriedigenden Mördermotivs, das viel zu kurz angerissen wird. Zumindest verweigert sich "The Case of the Bloody Iris" (Alternativtitel) psychologischer Erklärungen, die fallen in Werken wie diesem ohnehin meist pseudoanalysiert aus, also dürfte weniger in diesem Falle mehr sein.

In der Vorfinal-Phase bekommt "What Are Those Strange Drops of Blood Doing on Jennifer's Body?" (Alternativtitel) zumindest manch düsteren Moment inklusive funktionierendem Spannungsbogen beschert, im tatsächlichen Finale will sich ein solcher trotz düsterer Umsetzung jedoch nicht mehr wirklich einstellen. Zumindest empfand ich diese Phase trotz ihres düsteren Handlungsortes eher als routiniert umgesetzt, was mich darin bestärkte mir endlich den Schluss des annehmbaren, aber nicht wirklich unterhaltsamen, Stoffes herbei zu wünschen. Den Höhepunkt besitzt "Why Are Those Strange Drops of Blood on the Body of Jennifer?" (Alternativtitel) meiner Meinung nach in der Tötungsszene der Mitbewohnerin der Hauptfigur. Diese wird eiskalt in aller Öffentlichkeit inmitten eines Pulk von Fußgängern unauffällig niedergestochen. Blutend und sichtlich geschwächt umher wandernd wird sie in dieser anonymen Stadt von niemanden der vielen Vorbeihastenden beachtet. Erst wenn sie sterbend vor einem Bekannten nieder bricht, ist das Interesse der Masse geweckt. Nun eilt sie herbei, wie ein Mob den Mann vorverurteilend, vor dem sie nieder brach. Das ist nicht nur inszenatorisch toll eingefangen, hier besitzt auch die Gesellschaftskritik und mit ihr der analytische Teil des Streifens seinen Höhepunkt. Ohnehin ist das letzte Drittel weit flotter erzählt als der zu routiniert ausgefallene Hauptteil von "Perché quelle strane gocce di sangue sul corpo di Jennifer?" (Originaltitel), der zwar immer wieder interessante Momente aufgreift, letztendlich aber zu distanziert von allem und jedem erzählt ist, um sich für seine Geschichte richtig interessieren zu können.


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BLOOD SURF (Krokodylus 2000 James D.R. Hickox)


Vor einer Insel Australiens lassen sich zwei junge, amerikanische Surfer von einem kleinen Doku-Team dabei filmen, wie sie mit Haien surfen. Kurz nach ihrem ersten Dreh werden sie von einem Riesenkrokodil attackiert...


Surf Prolos Must Die...

Der Aufhänger der ganzen Chose präsentiert einen ähnlichen provozierenden Schwanzvergleich zwischen den Aggressoren Hai und Krokodil, wie ihn Roland Emmerich in seinem Trailer zu "Godzilla" mit dem T-Rex aus "Jurassic Park" lostrat, oder Lucio Fulci ihn bei "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" zwischen Zombie und Hai kurz stattfinden ließ. Zu "Blood Surf" passt solch ein reißerischer Vergleich ungemein, wird er doch hauptsächlich bevölkert von Proleten. Und für einen Film, der dies nicht einmal ironisch distanziert tut, funktioniert der Streifen vom "Kinder des Zorns 3"-Regisseur James D.R. Hickox unglaublich gut. Er liefert ein flott inszeniertes Standardwerk ab, das sich nie um seine Unsinnigkeiten und zusammengeklauten Ideen und Szenarien kümmert und mit dieser leichtfüßgen, wie ereignisreichen Art dem Freund derartiger Werke tatsächlich zu unterhalten weiß, auch jenseits unfreiwilliger Komik. Eine Sympathiefigur existiert nicht, der Aufhänger ist vollkommener Blödsinn, und Killerkrokodile wurden bereits schon vor diesem Film erfolgreich cineastisch eingesetzt, auf den ersten Blick gibt es keinen Grund einzuschalten. Ich sympathisiere jedoch mit dem Ergebnis, wissentlich dass es mancher Tierhorror-Freund nicht tut.

Positiv fällt zunächst einmal auf, dass "Crocodile" (Alternativtitel) noch vor jener Phase Tier-Horor entstanden ist, in welcher SyFy mit übelster Computeranimation den zentralen Schauwert derartiger Werke zum erbärmlichen Hingucker machten und dem Filmfreund fließbandartig derartig inhaltlich wie optischen Einheitsmüll zuschmiss. Nu Image brachte zu dieser Zeit bereits gelegentlich vergleichbaren lieblosen, zukünftigen Standard heraus, "Blood Surf" kommt parallel dazu noch Old School daher, ein Krokodil präsentierend das handgemacht optisch zu gefallen und zu funktionieren weiß - dies zumindest, sowie den Komplettfilm betreffend, bei geringer Erwartungshaltung. Hickox weiß, dass er nicht ansatzweise etwas für die A-Liga abliefert, füllt "Blood Surf - Angriff aus der Tiefe" (Alternativtitel) mit allerhand quantitativen Schauwerten, und ob nun zufällig oder bewusst hinbekommen, ist ihm dabei ein temporeicher, kurzweiliger Nonsensfilm geglückt, den ich in all den Jahren seit seiner Entstehung bereits des öfteren geguckt habe. Es weiß zu amüsieren, wie er nicht nur unnötig funktionierende Erotik meint einbauen zu müssen, sondern zudem einen pseudoerotischen Tanz einer flachbrüstigen Schönheit zu einem Event hochpuscht, das von entscheidender Wirkung für das Weiterkommen der simplen Geschichte ist.

Ob beabsichtigt oder nicht finden sich neben den üblichen Tier-Horror-Zutaten auch unauffällig eingestreut welche aus dem Bereich der Vampirthematik wieder, am deutlichsten wohl zu erkennen in der Schlussphase, in der wir zusehen dürfen auf welche Art das Krokodil besiegt wird, aber auch vorzufinden im Weihwasser-ähnlichen Szenario, wenn das Salzwasserkrokodil mit Süßwasser konfrontiert wird. Was dem Film an wahrer Spannung fehlt, macht er mit seiner temporeichen Umsetzung wieder wett. Was nicht ernst genommen werden kann, kann durch seine Lächerlichkeit genossen werden. Aufgrund des nicht genau erklärbaren Charmes des Streifens wirkt das Ergebnis nie peinlich, auch wenn vieles Dargebotene in diese Richtung tendiert. Andererseits macht "Krokodylus" (Originaltitel) dafür auch zu vieles wieder richtig. Oftmals schlägt das Krokodil derart gnadenlos zu, dass einem die unsympathisch gezeichneten, schlichten Hohlbrot-Charaktere tatsächlich leid tun. So flach sie auch charakterisiert sein mögen, jede Figur bringt ihre eigene Geschichte mit an Bord, so dass man sie bis zu einem gewissen Grad gut genug kennen lernt.  Dass manch eine Krokoattacke auch mal unerwartet eintritt (bei Nichtkenntnis von Handlung und Originaltitel freilich gerade auch die allererste), und somit nicht nur an zu erwartenden Orten und Zeitpunkten, wertet einen schlichten Film wie diesen freilich ebenfalls auf.

Wenn "Blood Surf" in seinen naivsten Momenten die angeblich intelligente Oberflächliche mit dem absolut dummdämlichen Schönling emotional annähert, weiß das trotz seiner Lächerlichkeit und der vielen heißen Luft, die dieser Prozess beinhaltet, überraschend zu funktionieren. Und wenn dieser Prozess zum Schluss in einer Liebesszene endet, sind alle verloren gegangenen Personen vergessen und es darf frei jeder Erinnerung kürzlicher Erlebnisse ordentlich gefummelt werden. Das ist zum einen ein herrlich unfreiwillig komischer ignoranter Schluss, gleichzeitig in dieser Extreme präsentiert aber auch ein Bruch der bisherigen Erzählung, in welcher immer mit einem gewissen Respekt mit dem erneuten Verlust einer Figur umgegangen wurde. In einem Film, der auf verschiedenste, verzweifelte Weise irgendwie mit allerhand sinnlos zusammengewürfelten Zutaten versucht zu einem halbwegs akzeptablen Ergebnis zu gelangen, verwundert das Verwerfen einer bis dahin konsequenten Vorgehensweise jedoch so gar nicht, mit derartigen Beobachtungen macht man sich wahrscheinlich schon mehr Gedanken um den Film, als es die Verantwortlichen des Stoffes je taten. Umso mehr darf man erfreut sein, dass das muntere Treiben der hirnlosen Sportler, Geschäftsmänner, Trullas und Abenteurer mit der richtigen Einstellung derart viel Vergnügen bereiten kann, in einem Mix aus unfreiwilliger Komik und tatsächlich funktionierendem Szenario. Ich weiß, dass ich in ein paar Jahren erneut wieder reinschalten werde. Ich mag diesen minderbemittelten Quatsch.


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GRADUATION DAY (1981 Herb Freed)


Eine Schülerin stirbt während eines Wettbewerbes auf dem Sportplatz. Als einige Zeit später ihre ältere Schwester die Heimatstadt aufsucht, um bezüglich dessen persönliche Angelegenheiten zu regeln, kommt es zur selben Zeit zu einer Mordserie auf der Highschool, bei welcher stets Mitglieder des Sport-Teams umkommen...


Sport ist Mord...

"Graduation Day" ist einer dieser Filme die ich mag, ohne zu wissen warum eigentlich. Früher fand ich ihn unglaublich langweilig, aber das war in meiner ignoranten vorverurteilenden Zeit, in welcher ein Film ein gewisses Muster besitzen musste, um meine Erwartungen zu erfüllen. Mittlerweile schaue ich eher was ein Film von mir erwartet, und das ist in Herb Freeds Werk nicht viel, will "Graduation Day" doch einfach nur ein simpler Slasher sein, wie er zur Entstehungszeit gerade reihenweise produziert wurde. Wie viele seiner Vorbilder ("Freitag der 13.", "Halloween", "Blutiger Valentinstag") setzt der Titel bereits einen besonderen Tag ins Zentrum, etwas das bei näherer Betrachtung der Handlung nicht nötig gewesen wäre, sich aber immer gut verkauft. Der Grund, warum ich innerlich mit einem Werk hadere, welches aus dem von mir geliebten Bereich des Slasher-Horrors stammt, ist die komplette Inkompetenz, welche der Film eigentlich pausenlos offenbart, ohne dass ich ihn deswegen rein eines Trash-Feelings her mögen würde. Ich finde er strahlt einen gewissen naiven Charme aus, und gelacht habe ich über seine Unsinnigkeiten eigentlich nie.

Und die sind tatsächlich nicht zu ignorieren, begonnen mit einer Schülerin, die an einer Hirnblutung starb, weswegen nun jeder sauer auf irgendwen ist, hauptsächlich auf den Trainer, so als könne man diese Todesart bewusst, bösartig oder versehentlich herbei rufen, so dass irgendwen Fremdes die Schuld am Tod des Mädchens treffen würde. Zudem gehört die Besetzung zu den ältesten Semestern, die wohl je Teenager verkörpern mussten, das geht noch weit über das hinaus, was da üblicherweise unglaubwürdig gecastet wird. Auch scheint nie irgendwer irgendwen Ermordetes zu vermissen, was aber immerhin ein Element ist, auf welches der manchmal leicht humorvoll ausgefallene Streifen, später zu sprechen kommt, um damit einen bestimmten Charakter in seiner augenzwinkernden Art zu bereichern. Sinn macht das freilich trotzdem nicht, aber in diesem Falle wurde Unsinn für eine unsinnige Spielerei verwendet, eine Herangehensweise die Sympathie besitzt. Würde dies auf den Großteil des Erzählten zutreffen, hätte ich eine Antwort auf die Frage gefunden, warum ich den Film mag, aber dieses Beispiel bildet eine Ausnahme im Restgeschehen. So ist z.B. immer wieder interessant zu beobachten, wie Dinge aus einer Phase des Streifens in einer anderen nicht mehr beachtet werden. So warnt die Heldin der Geschichte, die für eine solche herzlich wenig im Zentrum steht, ihren versoffenen Vater zu Beginn davor sie nicht anzurühren, sie hätte so einiges beim Militär gelernt. Im Finale benimmt sie sich wie ein wehrloses, kleines Mädchen, das nicht in der Lage ist in Gefahrensituationen entsprechend zu reagieren.

Aber so pingelig muss man gar nicht hingucken, um die ersten Unsinnigkeiten zu sichten. Und wie es sich für einen theoretisch ungelenk angegangenen Film gehört, verpasst er zudem die Zeichen seiner Zeit. Dass Anfang der 80er Jahre sich noch viele Werke wie aus den Tiefen der 70er Jahre anschauen, ist keine Seltenheit, selten wurde das neue Jahrzehnt aber derart penetrant ignoriert wie hier, sind es doch nicht nur Frisuren und Kleidung, die längst überholt wirken, auch Aktivitäten, wie das Teilnehmen an einer Rollschuhdisco, verweisen das Werk auf sein Flair von gestern bereits zur Entstehungszeit. Dass in einer solch wackelig angegangenen Chose weder das Mörderraten ernsthaft funktioniert (es kommen trotz krampfhaftem Verdächtigwerdenlassens einer jeden Person eigentlich nur zwei Leute tatsächlich in Frage, von welcher es schließlich die wahrscheinlichste ist), noch sind die Schauspieler auch nur ansatzweise hochkrarätig besetzt. Deren verkrampftes Spiel (in oft merkwürdiger Besetzung) erreicht seinen erbärmlichen Höhepunkt in kurzen Raufereien, in welchen es keine halbwegs anständige Kampfchorerographie gab, alles eine Spur zu langsam abläuft und dementsprechend keinerlei Glaubwürdigkeit aufkommt. Die besitzt "Graduation Day - 7 Tage zur Ewigkeit" (Alternativtitel) aber ohnehin nicht und damit auch nicht in der psychologischen Begründung des Täters. Der hätte sympathisch getrickst davon kommen können, hätte Herb Freed, der auch "Jenseits des Bösen" inszenierte, die Chance für einen bösen Schluss genutzt. Stattdessen wird ein unnötiger echter Schluss angehangen, der noch einiges an Laufzeit in Anspruch nimmt. Aber auch den mag ich, und wie beim Rest des Streifens ist es mir schleierhaft warum, zumal "Graduation Day" auch keinen funktionierenden Spannungsbogen besitzt. Trotz alledem fand ich ihn charmant tolpatschig erzählt, teilweise auch aufgrund seiner extremst konservativen Luft die er aus allen Poren atmet, und manche Tötungsszene ist stimmig, wenn auch durchschaubar getrickst, umgesetzt. Man muss nicht immer verstehen, warum man mit einem Film sympathisiert. Empfehlen kann ich ihn freilich nicht.


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THE PEOPLE VS. GEORGE LUCAS (2010 Alexandre O. Philippe)


Während die "Krieg der Sterne"-Saga hochgradig verehrt wird, steht der Ruf des Schöpfers dieser Filme ziemlich schlecht da, sind doch viele Fans empört was aus ihrer geliebten Kino-Reihe wurde...


Mediclorianer und Yar Yar...

Es gibt wohl wenige Filmfreunde, die sich für den Bereich des phantastischen Films begeistern und nicht die Thematik dieses Streifens nachempfinden können. Alexandre O. Philippe geht kein Risiko ein, die Thematik seiner Dokumentation ist geradezu massentauglich zu nennen. In dieser geht er der Frage nach in wie weit ein Schöpfer seinen Fans verpflichtet ist, wie sehr das Internet bei dieser Frage mitspielt, ob ein Künstler sein Werk verändern darf und wie sehr sich George Lucas als Person in all den Jahren verändert hat. Aufgrund der Coveraufmachung der DVD vermutete ich eine humoristische Aufarbeitung eines Stoffes, unter dem viele zu leiden hatten, im Fahrwasser der erfolgreichen Dokumentarfilme Michael Moores mitschwimmend, was ich passend zum Inhalt des hier besprochenen Streifens für eine tolle Idee gehalten hätte. Stattdessen bekommt man jedoch eine dieser unangenehmen amerikanischen Dokumentationen vorgesetzt, die viel zu ernst vorgetragen viel Wirbel um nichts und Nichtigkeiten machen, Übertreibungen und Meinungen als Fakten verkaufen, viel mit Musik und anderen Manipulationsmethoden arbeiten und zu selten rational äußernde Menschen reden lassen.

Meist kommt hier der fanatische Anhänger der beliebten Science Fiction-Reihe zu Wort, was bis zu einem gewissen Grad auch in Ordnung geht, immerhin entlarven sich solche Leute von ganz allein als Extremisten, deren Meinung man nicht zu ernst nehmen sollte. Allerdings betrifft das angegangene Problem nicht nur die Fans. Auch Freunde der Reihe, die aus den Filmen keine Religion zauberten, waren wie vor den Kopf gestoßen, als Episode 1 erschien und jeglichen Zauber der drei Original-Filme vermissen ließ. Bis es zu diesem Thema kommt, erleben wir das unangenehmste Drittel von "The People vs. George Lucas", geht es in diesem doch lediglich um den Hype um "Krieg der Sterne". Und dieses Drittel lobt den gelungenen Film derart hoch, dass er als unübertroffenes Meisterwerk gefeiert wird, als Gott unter Filmen, als unglaubliches Ausnahmeprodukt, welches zurecht derart kultig verehrt wird, wie es jene Personen machen, die Philippe am meisten beachtet. "Star Wars" ist keine gute Filmreihe mehr in dieser sich wie ein unreflektierter Werbespot anhörenden Phase des Streifens, er wird zu mehr als einem geglückten Unterhaltungsfilm erkoren, so als habe Kino erst mit ihm begonnen zu werden, was es werden musste, um ein geniales Medium zu sein, und als sei es die Höchste Kunstform cineastischen Schaffens etwas derartiges wie "Star Wars" auf die Leinwand zu zaubern. Das ist nicht nur ein äußerst peinliches, primitives und respektloses Denken, es wird auch in seiner bejubelnden und euphorischen Art derart langweilig thematisiert, dass man kaum noch damit rechnet, dass "PvG" (Alternativtitel) sich an anderer Stelle noch halbwegs interessant gucken lässt.

Das ändert sich mit Aufkommen der Thematik rund um "Die dunkle Bedrohung", einem Film der den Großteil der Bewunderer der ersten drei Filme unangenehm überraschen sollte und tatsächlich derart unverzeihlich schlecht ausgefallen ist, dass man kaum glauben kann, dass er es auf diese Art zur Fertigstellung geschafft hat. Zwar greift mir "The People vs. George Lucas" an dieser Stelle zu spät das Ärgernis Lucas auf, immerhin gab es auch die unsinnige Spielerei der computeraufpolierten Special Edition der Original-Reihe, diese wird mit Ausnahme der politisch korrekten Veränderungen jedoch als erfreuliches Ereignis gefeiert, da im kompletten Film fast nur "Cineasten" zu Wort kommen, denen es hauptsächlich um Quantitäten wie Spezialeffekte geht. Das ist schade, macht aber noch einmal deutlich wohin der Kinogänger erzogen wurde und wie wenig Kino noch mit Kunst zu tun hat, ein ohnehin stets interessanter Kampf in einem von Profitgründen lebendem Kreativbereich.

Zumindest wird die Dokumentation nun interessanter, muss man doch wahrlich schmunzeln wenn Leute davon berichten wie sie mit hohen Erwartungen, sich wie ein Kind freuend, die Vorstellung von Episode 1 besucht haben und wie dieser Film auf sie gewirkt hat. Hier, wie später auch an anderer Stelle, erwischt man sich dabei, wie man den Sprechern zustimmt, geradezu nur zustimmen kann, wenn sie von ihrer Verwunderung sprechen, wie sehr man eine liebevolle Schöpfung wie "Krieg der Sterne" mit Füßen getreten hat und wie man diese unangenehme Überraschung erlebt hat. Andererseits bleibt auch diese Kritik zu oberflächlich gehalten. Es ist zwar nachvollziehbar, dass als Ärgernisse Yar Yar Binks und die Mediclorianer herangezogen werden, das sind immerhin Schwerpunkte am Desaster des Streifens, oft hat man aber den Eindruck dass es für die maulenden Leute darüber hinaus kaum Ärgernisse gab, so als sei die Flut an herzlosen Computereffekten und die völlig dämliche, geradzu infantile Handlung nicht ebenfalls Grund genug sich verarscht vorzukommen.

Aber die Versöhnlichkeit mit der Reihe wird ohnehin deutlich, wenn von den Fortsetzungen des Prequels gesprochen wird, die immerhin besser ausgefallen wären, was sie als mittelmäßige Filme tatsächlich auch sind, was dann auch ausreicht um nicht mehr ganz so gehässig auf die Episoden 2 und 3 zu gucken. So wird "The People vs. George Lucas" in seinem letzten Drittel wieder eine Spur braver, wird allerdings auch dort nie wieder so nervig wie zu Beginn, auch wenn meiner Meinung nach falsche Schwerpunkte gesetzt werden. Der Wandel George Lucas vom Filmemacher zum Unternehmer bildet hier die Ausnahme, das ist ein interessantes Thema, das auch relativ ausführlich angegangen wird und im Zuge dessen auch Lucas' Unterstützung gegenüber Fan-Produkten aufzeigt. Leider nutzt Philippe diesen Zweig, um nun Unmengen an Imitationskunst zu zeigen, die Fans eigenhändig daheim fertiggestellt haben. Manches davon ist einen Blick wert, ein geringer Teil davon besitzt sogar Charme, in der hier gezeigten Menge nervt es jedoch irgendwann. Zudem bedient der Film damit erneut nur den Fan-Hype, der dazu führt, dass meist geistlose Leute sich freuen ihre Fresse zusammen mit ihrer Meinung einmal in die Kamera eines Dokumentarfilmes halten zu dürfen.

Ja, es sind hauptsächlich die Fanatiker die sich aufregen und ja, es sind sie, die damit eine Wut auf eine Person entwickeln, mit der sie nicht umgehen können. Und weil es Fanatiker sind, kommen auch mal wieder die Ewoks aus "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" schlecht weg, die gerne als Beispiel herangeführt werden, dass zum Ende der Original-Reihe schon erste Fehlentscheidungen fielen. Das ist freilich Unsinn, so toll wie dieser Teil der Trilogie ausgefallen ist, aber da geht es eben nur um Meinungen frei von Reflexion, um Fanatismus, und der Fehler von "The People vs. George Lucas" ist, dass er sich von diesem nicht wirklich distanziert. Zum Ende hin wird auf den Filmemacher Lucas außerhalb seines "Star Wars"-Imperiums verwiesen, und was er der Filmwelt Gutes tat, und so endet der Film so brav und banal wie er begonnen hat. Es ist schade dass er nicht das wahre Potential seiner Thematik erkannt hat und fast ausschließlich im Fanbereich unterwegs war um zu "recherchieren". So reizvoll die Thematik klingt, den Film kann man sich definitiv sparen. Sachlichkeit ist kaum auszumachen und war in diesem hysterischen und glorifizierenden Treiben wohl auch nie gewollt.


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HIGH SCHOOL CONFIDETIAL (Pretty Persuasion 2005 Marcos Siega)


Drei befreundete Highschool-Mädchen bezichtigen einen ihrer Lehrer sie sexuell genötigt zu haben. Da ohnehin gerade ein Reportage-Team zu Dokuzwecken vor Ort ist, macht der Fall schnell Schlagzeilen und führt zu einer von öffentlichem Interesse begleiteten Gerichtsverhandlung...


Zum Abschied Anne Frank...

Viele Inhaltsangaben im Internet gehen offen mit der Auflösung des Streifens um, so als sei sie selbstverständlich. Sie ist wahrscheinlich, es bieten sich aber auch andere Möglichkeiten an, und die unwahrscheinlichen traut man "High School Confidential" ebenso zu wie die naheliegende, denn er nimmt kein Blatt vor den Mund, passt sich nicht an und guckt sich erfrischend alternativ. Egal ob man nun in die Auflösung eingeweiht ist oder nicht, wie hier von einem der Protagonisten vorgegangen wird und zu welchem Zwecke ist schon raffiniert und doppelbödig zu nennen. Dabei ist der Streifen nicht so sehr, wie der themenähnliche "Wild Things", darum bemüht überraschende Wendungen rein des Effektes wegen einzubauen, sie sind gelegentlicher Beigeschmack eines entlarvenden Streifens, der hart mit der Gesellschaft ins Gericht geht. Stilvoll angegangen und mit ruhiger Hand inszeniert provoziert er, ohne einzig zum Skandalfilm zu werden. Er ist kein reißerischer Hohlbrotfilm, er ist durchdacht, die Spuren sind analytisch gut gelegt, psychologisch durchdacht, raffiniert in oft banal scheinenden Bereichen angegangen. Wie erwähnt geht es dabei eigentlich nicht darum, ob man den Braten riecht oder nicht, es geht um den Weg zum Ziel, so dass man am Schluss ein vollwertiges Ganzes wahrgenommen hat, glaubwürdig umgesetzt in seiner überspitzten Satireart, und nicht von Zufällen, Augenzudrücken oder Ungereimtheiten begleitet.

"Pretty Persuasion" (Originaltitel) geht sogar noch einen Schritt weiter und präsentiert uns eine Schlussszene, die wir selbst zu interpretieren haben. Auf diese wird uns keine Antwort gegeben, und sie ist wahrscheinlich der sensibelste Moment des kompletten Filmes. Unsensibel ist dieser jedoch ohnehin nicht ausgefallen, auch wenn er knallhart, bissig und satirisch erzählt ist. Das zeigt sich weniger auf der Gefühlsebene von Figuren und Geschichte, als viel mehr in der Identifizierung mit diesen. Das Drehbuch versteht seine Figuren, hat Respekt vor ihrem Umfeld, versteht Ursache und Wirkung, hält nicht einmal den moralischen Zeigefinger hoch, denn wer sich hier gesellschaftlich fragwürdig entblättert, stellt sich von alleine bloß. Da bedarf es keiner Unterstreichung mehr, so dass jeder Zuschauer von selbst so auf das jeweils Erlebte reagieren darf, wie er es tut und frei von vorgegebener Meinung dazu jeweils denken darf, was er will. "High School Confidential - Der Teufel trägt Minirock" (Alternativtitel) zeigt uns auf der einen Seite ein breites Spektrum der Gesellschaft, immerhin werden Erwachsenenperspektiven ebenso wenig ausgeblendet wie jene der Teenager, ist aber meist aus der Sicht der Hauptfigur heraus erzählt und erhält damit gewisse Grenzen diesbezüglich. Auch spielt er nicht von Anfang an mit offenen Karten. Manche Informationen erhalten wir erst per Rückblick zum passenden Zeitpunkt, die Geschichte ist nicht immer chronologisch erzählt. Zudem erlebt sie mit der Zeit einen Wandel, ist sie zunächst doch eher leichtfüßig schwarzhumorig erzählt, ein wenig im Stil eines "Heathers", wird mit der Zeit aber immer dramatischer, den Komödienpart zwar nie ganz ausblendend, aber doch das Genre Drama dominieren lassend, fußend auf bitterbösem schwarzen Humor.

"High School Confidential" gehört zu jener Art Film, der man dankbar ist, dass theoretische Stereotype die Welt des Streifens bevölkern, denn dieses Spiel mit Klischees ist trügerischer Natur, wird verwendet um im Kino Gewohntes knallhart zu entblößen, indem ungeschönte Wahrheiten geradezu selbstverständlich nebensächlich eingestreut werden und sich die Fassade einzelner Stereotype von selbst entblättert und als das outet, was es wirklich ist, bzw. was besagter Stereotyp konsequent für sich und sein Umfeld bedeutet. Interessant ist gerade hier die Figur einer muslimischen Freundin und Mitschülerin der zentralen Heldin gesetzt, die nicht des befremdlichen und skurrilen Sidekicks wegen an ihre Seite gesetzt wurde, wie es in US-Komödien häufig üblich ist, sondern ebenfalls Wahrheiten offenbart, über welche gern der Mantel des Schweigens gehüllt wird. Damit ist sie aber wie gesagt nur ein Element von vielen, und dass das alles so gut funktioniert, verdankt der Film hauptsächlich seinem interessant ausgefallenem, reflektierenden und intelligenten Drehbuch, sowie den hervorragend besetzten Schauspielern, allen voran Evan Rachel Wood in der Hauptrolle, deren perfekte Wirkung aber auch den Verantwortlichen für Make-Up, Frisur und Kostüm zu verdanken ist, strahlt sie doch eine ganz eigene Aura aus, welche die Wirkung dessen was im Film geschieht, passend zu ihrer Rolle, beeinflusst. Einzig mit der Figur des stets gekonnt spielenden James Woods tat ich mich schwer, die war mir eine Spur zu überdreht gespielt, ist zwar für ein paar Lacher gut und auch aus satirischer Sicht oftmals gewinnbringend eingesetzt, wirkt aber wie aus einem anderen Film entlaufen und bildet somit einen Fremdkörper inmitten eines ansonsten stimmigen Ganzen.


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BLOOD WIDOW (2014 Jeremiah Buckhalt)


Während einer Einzugsparty in einem Landhaus läuft wer Frustriertes ins leerstehende Haus gegenüber, einem ehemaligen Internat, und erweckt versehentlich die blutige Witwe, die schon in der Vergangenheit schreckliche Dinge tat. Diesmal trachtet sie den neuen Nachbarn und deren Bekannten nach dem Leben...


Spontane wochenlange Planung...

"Blood Widow" ist eines dieser unglaublich häufigen Werke, mit denen ein Regie-Neuling mit dem Genre des Slasher-Horrors sein Debüt ablieferte. Obwohl die Trefferquote bei dieser Art Film sehr gering ist, linse ich immer wieder gerne hinein, gehören gut gemachte Slasher doch zu meinen liebsten Horrorfilmen, und da steht immer wieder aufs Neue die Hoffnung im Vordergrund eine solche Ausnahme zu erleben. An der Geschichte kann man sie nicht ausmachen, gelungene Beiträge besitzen oft ein Minimum an Storygerüst, und das kann man "Blood Widow - Tod in der Stille" (Alternativtitel) somit ebenfalls nicht zum Vorwurf machen. Obwohl auch hier ein Minimum zelebriert wird, wird sogar versucht die offensichtliche Monotonie mit einem Konflikt der beiden frisch Eingezogenen aufzuwerten, stehen doch beide unterschiedlich zu der Idee eine Party im neuen Haus zu veranstalten, und wird der schwächere Part doch fies ausgetrickst. Damit herrscht schon einmal wenig Harmonie im Grundszenario, und man verzichtet auf ein rein brav gezeichnetes Gegengewicht zum nahenden Bösen.

"Blood Widow" gehört zu jenen Fällen, in denen mich ganz besonders die Coveraufmachung gelockt hat, wirkt die blutige Witwe auf den Bildern der DVD doch reizvoll mystisch, was sie bei Sichtung des Streifens jedoch nie wird. Lustlos runtergefilmt schafft man es nicht einmal das verlassene Haus, in welchem man auf sie stößt, unheimlich erscheinen zu lassen. Jeremiah Buckhalt fehlt es an Talent einen funktionierenden Spannungsbogen aufzubauen und hat der altbekannten Chose nicht nur nichts Neues hinzuzufügen, er kopiert auch schlecht, so als habe man ihn dazu gezwungen einen Film dieser Art anzufertigen. Uninteressante Charaktere stampfen durch uninteressante Szenarien. Selbst aus dem Beispiel des zu Beginn entstehenden Konflikts um das Überrumpeltwerden durch besagte Party, weiß man weder Geschichte, noch Charaktere aufzuwerten. Es schaut sich als reines Zeitschinden, anstatt als Vertiefung von Figuren, Vorbereitung auf das Kommende, oder als interessanter Plot. Zu keinem Zeitpunkt ist der Streifen gruselig, spannungsgeladen, unheimlich, oder zumindest atmosphärisch stimmig eingefangen.

Ein paar blutige Szenen sollen das magere Ergebnis wieder wettmachen, aber da hat man zur Entstehungszeit des Streifens schon weit härtere Beiträge gesichtet, zumal blutige Szenen noch nie einen ansonsten unterdurchschnittlichen Film zu einem besseren Ergebnis verholfen haben. Was soll man noch viel sagen? "Blood Widow" ist in seiner uninspirierten Umsetzung stinklangweilig geraten und ist somit ein Produkt, welches getrost gemieden werden kann. Selbst die optische Aufmachung der Witwe, die auf dem Cover noch so wirksam anmutete, weiß eingefangen wie hier nicht ernsthaft zu begeistern. Dennoch kann man ihr Outfit getrost als den Höhepunkt eines Slashers bezeichnen, der keinen besitzt. Dass hier Charaktertypen aufeinander stoßen, die, als Bereicherung der Vielfältigkeit eingebaut, jegliche Glaubwürdigkeit vermissen lassen tatsächlich miteinander abzuhängen, bzw. befreundet zu sein, lässt sich nicht einmal mit dem jungen Alter der Protagonisten entschuldigen, schließlich sind sie keine Teenager mehr. Da das aber ein häufig angegangener Schwachpunkt auch in besseren Filmen ist, ist dies eigentlich ebenfalls kaum der Erwähnung wert. Kurzum: Finger weg! Mieser Film!


Weitere Besprechungen zu Blood Widow:


Trailer,   OFDb

THE PEOPLE V. O.J. SIMPSON (American Crime Story: The People v. O.J. Simpson 2016 Ryan Murphy u.a.)


Nach dem Fund zweier Leichen verdichtet sich immer mehr der Verdacht, dass der ehemalige Football-Star O.J. Simpson seine Ex-Frau und ihren Liebhaber umgebracht hat. Die Gerichtsverhandlung im Schatten rassistischer Polizeigewalttaten einige Jahre zuvor, erweckt öffentliches Interesse und verkommt immer wieder zur Farce...


Kleiner O.J. - großes Script...

"American Crime Story" ist eine TV-Serie, die von echten Kriminalfällen erzählt. Und in der ersten Staffel der von John Travolta mitproduzierten Reihe, konzentrierte man sich auf den Fall O.J. Simpson, der seinesgleichen sucht. Nicht nur dass der Gerichtsprozess und die vergebliche Suche nach der Wahrheit eine hoch spannende Geschichte bereithält, weswegen bis auf die Vorgeschichte und ein kurzer Nachklang sich die komplette Verfilmung auf die Monate der Gerichtsverhandlung konzentriert, die Geschehnisse in diesem muten teilweise derart grotesk und reißerisch wendungsreich an, dass man sich immer wieder bewusst machen muss, es hier mit einem tatsächlichen Fall zu tun zu haben, wie er wirklich stattfand. Sicherlich findet "The People v. O.J. Simpson" auch Raum für Spekulationen, was in den Kanzleien tatsächlich stattfand lässt sich oftmals nur vermuten, bedenkt man aber dass mit Ausnahme des Richters noch jeder wichtige Beteiligte des Prozesses ein Buch zu diesem Thema abgeliefert hat, sind die nicht authentischen Graubereiche doch eng gesteckt. In einer gut recherchierten und flott inszenierten Serie (mit Ausnahme der lahmarschig ausgefallenen zweiten Folge, die sich leider komplett auf die legendäre Verfolgungsjagd konzentriert), erfahren wir gut zusammengefasst was den zunächst glasklar erscheinenden Fall so unglaublich schwierig werden ließ, und das hat verschiedenste Gründe.

Im Schatten der noch immer kochenden Rassenthematik, aufgrund polizeilicher Gewalttaten einige Jahre zuvor auf ein neues, trauriges Niveau gehievt, wurde der Fall O.J. Simpson von Gefühlen und nur bedingt von Fakten beeinflusst. Menschenrechtler, Heuchler und Karrieristen bevölkerten nicht nur den medialen Schauplatz rund um den Fall, auch im Gerichtssaal selbst waren sie vertreten, sich als Anwälte O.J.s selbst zerfleischend, untereinander konkurrierend. Im Gegenzug standen auf der Seite der Staatsanwaltschaft medienungeeignete Idealisten im Raum, die mit ihrer Strategie trotz unwiderlegbar geglaubter Beweise nicht weiter kamen und dementsprechend aus Verzweiflung ihre eigenen Fehler begangen haben. Sie hatten es aber auch schwer, aufgrund gravierender Fehler die andernorts vorgefallen sind, wie die unsachgemäße Lagerung von Beweisen im privaten Umfeld, oder ein rassistischer Polizist im Zentrum der Ermittlungen, von dem bekannt ist, dass er gerne Beweise manipuliert. Das Feld rund um die wahnwitzigen Ereignisse, die den Fall erschwerten, ist breit gefächert und lädt immer wieder zum Staunen ein. Wie gesagt muss man sich beim Sichten der Serie stets bewusst machen, es hier mit einem Fall zu tun zu haben, der sich ziemlich genau so abgespielt hat, und das kann man bei den unfassbaren Ereignissen, die da teilweise stattfinden, kaum glauben. Und da sprechen wir noch nicht von den Aufständen der Jury aufgrund ausgetauschtem Wachpersonals im untergebrachten Hotel, die ausufernde Schlacht um den Ausschluss von Jurymitgliedern aufgrund deren angeblich fragwürdigen Privatlebens, oder von der wahnwitzigen Verfolgungsjagd Wochen vor der Verhandlung, die medial begleitet wurde mit einem sich eine Pistole an den Kopf haltenden O.J. Und da reden wir auch noch nicht von Zufällen, wie jenem, dass urplötzlich die Ehefrau des Richters am Rande mit ins Spiel kommt und die Unparteilichkeit des Richters gefährdet, alles Punkte, die den ohnehin schon unglaublichen Fall noch unglaublicher gestalten.

Während ich mit der Beweislage um die beinah exakte DNA-Übereinstimmung im Hinterkopf immer wieder die Windmühlen im Kopf hatte, gegen welche die Staatsanwaltschaft kämpfen musste, empfand eine Bekannte von mir, welche die Serie unabhängig von mir ebenfalls geguckt hatte, den Kampf der Verteidigung einen Unschuldigen herauszuboxen als mühseliges Unterfangen. Hätte man mich nach dem Sichten gefragt ob "The Run of His Life: The People V. O.J. Simpson" (Alternativtitel) unparteiisch erzählt ist, ich hätte nein gesagt, so sehr wie vieles aus der Perspektive der Staatsanwaltschaft gezeigt wird und so sehr wie manipulative Ablenkungsmanöver und Fehler, die nicht hätten geschehen dürfen, der Wahrheitsfindung im Weg standen. Ein Gespräch mit meiner Bekannten zeigte mir jedoch, wie anders man die in der Serie gezeigten Ereignisse wahrnehmen kann, und dass das Ganze somit tatsächlich objektiv thematisiert wurde, ohne Partei für eine Seite zu ergreifen. In der Tat weiß einen zumindest der Strudel aus Inkompetenz, zusätzlicher Umstände und diversen Wendungen an der eigens erhaltenen Position zu dieser Thematik zweifeln. Nie ist man sich einer Seite wirklich sicher, selbst wenn man von der gern verwendeten Gefühlsduselei innerhalb des Prozesses (nicht hervorgerufen durch die Inszenierung der Serie (!!!), sondern bewusst als Kampfmittel vor Gericht eingesetzt) sich nicht hat anstecken lassen.

"The People V. O.J. Simpson: American Crime Story" (Alternativtitel) ist eine wahrlich spannend ausgefallene Zusammenfassung eines unglaublichen Ereignisses, hervorragend erzählt, in allen Rollen gut verkörpert (wenn auch mit einem zu klein geratenen Cuba Gooding Jr. in der Rolle Simpsons besetzt) und spannungsgeladen, wie dramatisch ergreifend erzählt. X Blickwinkel werden eingenommen, und für das enorme Spektrum an Einflüssen nimmt man sich genügend Zeit. In Staffel 2 sollte es mit einem anderen wahren Kriminalfall weiter gehen, O.J. Simpsons Geschichte ist mit Ende der ersten Staffel zu Ende erzählt - oder auch nicht. Kurz nach dem Prozess blendet sie die Geschichte aus. Ich persönlich hätte es interessant gefunden zu erfahren, wie es zum zweiten Prozess kommen konnte, in welchem der Ex-Footballer dann doch noch zu jenem Fall schuldig gesprochen werden konnte, für den er zunächst freigesprochen wurde - eigentlich ein Unding in der amerikanischen Rechtsprechung. Hier hätte man gerne noch drauf eingehen können, gehört es doch als wesentlicher und umstrittener Bestandteil mit zur erzählten Geschichte. Zumindest zeigt dieses Beispiel, dass der ungelöste Fall O.J. Simpson auch nach der Gerichtsverhandlung noch hoch interessant bleiben sollte. Und die Serie bereichert ihn in der von ihr eingegrenzten Phase zusätzlich durch das Mitbeachten des menschlichen Faktors. Eigene Tragödien der Beteiligten, die hinter den Kulissen stattfanden, werden stets mit ins Geschehen eingebunden, frei von Kitsch, sachlich genutzt, anstatt zu Manipulationszwecken eingebracht. Und da finden sich so interessante Aspekte wieder, wie der Glaube O.J.s nach der Freisprechung ginge sein Leben so weiter wie zuvor. An Reichhaltigkeit mangelt es der Serie keineswegs. Und dank einer guten Umsetzung verliert sie auch nie den Überblick.


Weitere Besprechungen zu The People v. O.J. Simpson:


Episodenführer,   OFDb