Dienstag, 17. Januar 2017

DAS SCHLOSS DES GRAUENS (La vergine di Norimberga 1963 Antonio Margheriti)


Ein Unbekannter, im Kostüm eines vor 400 Jahren lebenden, für seine bestialischen Urteile gefürchteten, Richters, foltert und tötet Menschen in einem Schloss, in welches vor kurzem erst die junge Gemahlin des Burgherren eingezogen ist...


Der Kapuzenmann geht um...

Als die Erfolge der Rialto-Wallace-Filme zu Ende gingen, da übernahmen die Italiener in den 70er Jahren das Ruder der 1959 begonnenen Reihe. Doch anstatt auf halbwegs ähnlichen Pfaden zu wandern, lieferten sie Giallos ab, was manchem Fan der ursprünglich deutschen Beiträge so gar nicht geschmeckt hat. Wie ein waschechter Rialto-Wallace in den Händen von Italienern hätte aussehen können, zeigt der mit Christopher Lee in einer Nebenrolle prominent besetzte „Das Schloss des Grauens“, der 1963 fertiggestellt wurde, als sich die Wallace-Welle in Deutschland gerade auf einem Hoch befand.

Es mag also sein, dass sich die Italiener bewusst dazu entschieden haben aufgrund der Erfolge in unserem Land ähnliches auch für ihr Land fertigzustellen, ohne dabei auf einen Roman des berühmten Schriftstellers zurückzugreifen. Herausgekommen ist, ob beabsichtigt oder nicht, ein an mancher Stelle etwas unsinnig ausgefallener, aber stimmiger Mix aus besagtem Wallace-Feeling und Gothik-Horror, zu Beginn mit einem Hauch Giallo-Prise versehen, ein Genre welches zu diesem Zeitpunkt noch nicht existierte. Erst gegen Ende, wenn der Film sich auf zeithistorische, fast frei erfundene, Ereignisse beruft, schwindet die Wallacefilm-Atmosphäre kurzfristig, flammt im ereignisreichem Finale jedoch noch einmal auf, angereichert mit einer gelungenen Mörderaufdeckung mit Schauertouch.

Antonio Margheriti, der oft Filme ablieferte die mich ungewollt belustigen (z.B. „Einer gegen das Imperium“) oder lediglich auf recht schundige Art zu gefallen wussten („Das Alien aus der Tiefe“) war für mich selten so nah an einem kompromisslos akzeptablen Ergebnis dran wie mit dem hier besprochenen „Die Gruft der lebenden Leichen“ (Alternativtitel), auch wenn manche Lücken in der Logik, gerade in der widersprüchlichen Charakterisierung der Heldin, die immer zwischen taff und höchst naiv springt, auch hier für unfreiwillige Komik sorgt. Eine dichte, charmant verspielte Grundatmosphäre mit leichtem Geisterbahn-Touch in Kombination mit einer überraschend schnell verlaufenden Aufdeckung einzelner Hintergründe sorgt für die nötige Stimmung.

Erst wenn sich die Geschichte gegen Ende im Kreis zu drehen droht, kommt kurzfristig Ernüchterung auf. Aber auch hier zieht Margheriti noch schnell genug die Reißleine und führt „Horror Castle“ (Alternativtitel) doch noch früh genug zum Finale. Somit guckt sich der Großteil der angenehm kurzen 80 Minuten Laufzeit flott und interessant. Und dass der ewig gleiche Handlungsort des Schlosses nicht zu langweilig ausfällt, liegt an der wunderschön morbiden wie stimmigen Dekoration, die gerade immer dann besonders klassisch zu wirken weiß, wenn die Heldin mit weißem Nachthemd nachts durch die Gegend schleicht.


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DIE BESTIE MIT DEM FEURIGEN ATEM (L'iguana dalla lingua di fuoco 1971 Riccardo Freda)


Im Kofferraum eines Diplomaten wird eine Frauenleiche gefunden. Zwar bietet der Diplomat überraschend seine Kooperation mit der Polizei an, da im Prozess der Befragung jedoch alles eher Schein statt Sein zu sein scheint, engagiert der Kommissar seinen frühzeitig aus dem Dienst ausgetretenen Vorgänger, um hinter die Fassaden des Diplomatenhaushaltes blicken zu können...


Bestialisch ätzender Atem...

Wer sich in das Sub-Genre des Giallo neu einfinden möchte sollte einen anderen Film als den merkwürdig betitelten „Die Bestie mit dem feurigen Atem“ sichten, könnte man doch sonst den Eindruck gewinnen diese Filmgattung stünde für Krimi-Routine angereichert mit harten Effekten. Viel mehr bietet Riccardo Freda dem Publikum nicht, was nicht weiter wild ist, da es reicht um den Stammzuschauer zu unterhalten, hervor im Meer der anderen Giallos tritt sein Werk jedoch nicht, was mitunter daran liegt, dass sein Held der Geschichte wenig charismatisch besetzt ist, ein Element das häufig beim italienischen Thriller dieser Zeit von tragender Wirksamkeit ist.

Obwohl Freda sein Werk mit harten Momenten ausstattet finden viele der Morde nicht vor laufender Kamera statt. Nicht nur dass wir ihnen als Zuschauer nicht beiwohnen dürfen, sie finden meist nicht einmal im Off statt oder werden durch das Auftauchen des Unbekannten angekündigt und abgebrochen. Oftmals bekommen wir lediglich plötzlich die Leiche des nächsten Verstorbenen präsentiert, was manch einem nicht schmecken dürfte, gehört es doch zur Rezeptur eines guten Giallos dazu, dass die Morde geradezu zelebriert werden.

Der ungewöhnliche Drehort Irlands und die zärtlich angenehm routinierte Hintergrundmusik federn einiges wieder von dem ab was „The Iguana with the Tongue of Fire“ (Alternativtitel) an anderer Stelle vermissen lässt. Der Film bietet weder einen raffinierten Kriminalfall, noch eine akzeptable Lösung. Die Hauptfigur ist wie erwähnt blass besetzt, und folgen kann man den Ermittlungen des Mannes nicht wirklich, so dass der Film lediglich ein verpuzzeltes, da fast schon sinnlos aneinandergereihtes, Szenario präsentiert, das irgendwann mit der Aufdeckung irgendeines Mörders zu einem Schluss geführt wird.

Freda hält sich nicht einmal daran die häufigste Mordmethode des Killers, das Gesicht der Opfer mit einer Säure zu verätzen, zur Standardmethode zu machen. Warum der Killer mal so und mal ganz anders vorgeht, bleibt ein Geheimnis wie so vieles im Film. Lediglich am Schluss erfahren wir eine zusätzliche Erkenntnis des Ermittlers, die zu einer gerechten Schluss-Pointe führt und uns deutlich macht, dass unser Killer nicht für alle Morde zuständig war.

Trotz manch wunderschöner Landschaftsaufnahmen und manch morbiden optischen Leckerbissen, wie die tote Katze im Kühlschrank, ist „L‘iguana dalla lingua di fuoco“ (Originaltitel) fotografisch längst nicht so schön eingefangen, wie man es von den meisten Giallos gewohnt ist. Im charakterlichen Bereich sticht die Schrulligkeit der Mutter des Ermittlers als angenehme Ausnahme hervor, was die ansonsten zu verkrampft eingefangene Ernsthaftigkeit ein wenig auflockert. Auch manch eher unmotivierte Nacktszene sorgt für einen weiteren quantitativen Sehwert. Das Alter des Films erkennt man diesbezüglich an der Freizügigkeit einer sehr jungen weiblichen Darstellerin gegen Ende, die längst noch nicht das Erwachsenenalter erreicht zu haben scheint.

„Die Bestie mit dem feurigen Atem“ ist schnell vergessene Routinekost, nicht mehr und nicht weniger und deswegen nur den Stammzuschauern des Giallo-Genres zu empfehlen. Andere werden zwischen gelangweiltem Schulterzucken und Ekelgefühlen hin und her pendeln, nicht wissend dass es den Fan dieser Art Film bereits entzückt, wenn ein mit Handschuhen bekleideter Unbekannter ein Rasiermesser zuckt.


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Samstag, 14. Januar 2017

DAREDEVIL - STAFFEL 1 (Daredevil - Season 1 2015 Phil Abraham u.a.)



Der blinde Anwalt Matt geht nachts maskiert auf die Straße um die Verbrecher seiner Stadt zu bekämpfen. Während sein Anwaltspartner nichts von Matts nächtlichen Aktionen ahnt, kommt der maskierte Mann einem Verbrecherring auf die Spur, an dessen Drahtzieher nur schwer heranzukommen ist...


Wie Matt seine Hörnchen bekam...

Viele mögen die erste Verfilmung von „Daredevil“ mit Ben Affleck in der Titelrolle nicht. Und obwohl ich persönlich die entspannt verspielte Art des Streifens mochte, so verstehe ich doch warum die Masse nicht begeistert von der Umsetzung war, bietet die interessant gezeichnete Figur des Daredevil doch wesentlich mehr Potential als das was man uns 2003 mit der Kinoumsetzung bot. Aufgrund des Flops und der vernichtenden Kritiken von Zuschauerseite aus verwunderte es nicht, dass man sich nicht an eine weitere Kinoauswertung heranwagte. Also beschloss man das Thema im Serienformat umzusetzen. Und als jemand der den Marvel Kinofilmen recht kritisch gegenüber steht, freue ich mich über diese Entscheidung, ist der Stil den die Serie ausmacht doch wesentlich anders gelagert als die kunterbunten Popkornfilme, die ich meist nicht ernst nehmen kann.

Nicht nur dass die erste Staffel von „Daredevil“ recht ernst, düster und langsam erzählt ist, sie gönnt sich auf 13 Episoden das was sonst den ersten Kinofilm eines Helden ausmacht: sie erzählt die Entstehung Daredevils, samt Hintergründe, Stolpersteine und Verbrüderungen. Sie erzählt wie der Held zu seinem Kostüm kam (was erst in der letzten Folge passiert), und sie erzählt wie Fisk und Daredevil zu Gegnern wurden. Wenn man, wie ich, die Comicvorlage nicht kennt, hagelt es manche Überraschung darüber wer (nicht) überlebt und wer (nicht) in Matts Geheimnis eingeweiht wird. Freunde der Comics werden es hingegen sicherlich begrüßen, dass die Fäden die zueinander finden müssen sich Zeit bis zur Verknüpfung lassen.

„Daredevil“ genießt den Luxus einer jeden Serie viel Zeit im Gepäck zu haben, und dies wird von den Autoren gekonnt genutzt, darf man jegliche Figuren doch bestens ausgeleuchtet kennenlernen und erlaubt die Lauflänge dem Drehbuch doch Parallelhandlungen zu stricken, in denen selbst die eigene Seite nicht immer weiß was alternativ zu den eigenen Ermittlungen von wem Unerwartetes ermittelt wird. Das Formen von Freundschaften, Feindschaften und Interessengemeinschaften wird in aller Seelenruhe angegangen, mancher Part diesbezüglich sogar bis zum Schluss der Staffel nur angedeutet. Da man stets Einblicke von der Gegenseite erhält, und da es weder an einer interessanten Geschichte noch an Actionszenen mangelt, wird diese Vorgehensweise auch nie zur Geduldsprobe für den Zuschauer. „Daredevil“ ist flott genug inszeniert um dem modernen Publikum zu gefallen, gleichzeitig aber auch bedacht und wohlüberlegt erzählt, wie es der Zuschauer klassischer Stoffe mag. Für keine von beiden Seiten wird das Ergebnis zum Kompromiss, „Daredevil“ findet den unterhaltsam angenehmen Mittelweg.

Während die etwas zu naiv kindlisch charakterisierte Figur des Anwaltspartners Foggy das Gesamtbild ein wenig verwässert, gibt es auf der Seite der Bösewichte nicht wirklich etwas zu klagen. Einzig der stählerne Zusammernhalt zwischen Fisk und seiner frisch eroberten Lebenspartnerin wirkt in Zeiten von Fisks Untergang zu unglaubwürdig, hier wäre es besser gewesen, wenn die beiden sich schon Jahre gekannt hätten und über Rückblicke das Kennenlernen erzählt worden wäre. Zum Stoff hätte es gepasst, werden doch viele Aspekte, wie die Kindheit von Fisk und Matt, sowie die Ausbildung Matts in Kindertagen, in Rückblicken parallel zur aktuell laufenden Geschichte erörtert.

Ansonsten gibt es nichts zu meckern. Allein die Besetzung von Vincent D‘Onofrio als Fisk, der erst mit Ende der dritten Folge in Erscheinung tritt, ist ein großer Trumpf der Reihe, verkörpert er den zerbrechlichen Part der Rolle ebenso wie den bösartigen, der nach Sichten der sensiblen Seite der Figur um so unheimlicher wirkt und Fisk zu einem Monster mit starker Wirkung macht. Allein den Mut zu besitzen dem Oberschurken so viel Verletzlichkeit zuzugestehen spricht für den recht erwachsenen Stil des Streifens. Der Verzicht den Großteil der Story im Fantasybereich anzusiedeln, macht die Serie aus und schenkt ihr die Qualität die anderen Stoffen um Superhelden fehlt. Es ist nicht so, dass die fast unverletzliche Kampfkraft, die übernatürliche Begabung des Helden und manch andere Superheldenpflicht ein wenig gegen diesen erwachsenen Touch und die Glaubwürdigkeit des Stoffes arbeiten, aber das nimmt man in Kauf, zumal es eben zu einer Superheldengeschichte dazu gehört.

Der erste Verweis auf eine bevorstehende Schlacht des Übernatürlichen, sowie das zum Ende der Serie erworbene Kostüm machen bereits klar, dass „Daredevil“ diesen realitätsbezogenen Stil nicht ewig beibehalten wird. Das ist sehr schade, verlieh doch gerade dies der ersten Staffel seine Sympathie. Zumindest die zweite Staffel dürfte noch halbwegs die selben Wege gehen, zeigen die Fantasyvorbereitungen doch dass das Geschehen noch in weiter Ferne ist. Aber allein dass der Held in den kommenden Folgen nicht mehr mit jenem dunklen Tuch im Gesicht kämpfen wird, das ihn geradezu mystisch wirken ließ, sondern stattdessen mit einem dämlich klassischen Superheldenkostüm samt Hörnchen auf der Maske, wird der zweiten Staffel bereits ein wenig schaden. Um so schöner ist es, dass man als Zuschauer des alternativen Geschmacks zumindest eine volle Staffel lang mit einer ernstzunehmenden Superheldengeschichte unterhalten wurde, die mit den Abenteuern der verkleideten Kasperles im Kino nur wenig gemein hat.


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RÜCKKEHR ZUM PLANET DER AFFEN (Beneath the Planet of the Apes 1970 Ted Post)


Der Flugbahn von Taylor folgend, erleidet auch das Team von Astronaut Brand eine Zeitanomalie und landet auf dem Planet der Affen. Vor denen flüchtet Brand als einzig Überlebender seiner Crew in die verbotene Zone, wo er auf eine weitere Zivilisation der Zukunft der Erde trifft...


Geheiligt sei die Atombombe...

Es hätte Sinn gemacht Taylor bei seinen weiteren Abenteuern auf dem Planeten der Affen zu begleiten, wenn man denn überhaupt meint „Planet der Affen“ fortsetzen zu müssen. Stattdessen lässt man völlig fern jeder nachvollziehbaren Wahrscheinlichkeit einen weiteren Astronauten in Taylors Situation geraten und begründet dies mit physikalischen Unsinnigkeiten, wie sie auch nur amerikanische Autoren verwenden würden. All zu hart sollte man dennoch nicht mit „Rückkehr zum Planet der Affen“ umgehen, wagt er es doch immerhin nach anfänglichen Parallelen zum Original einen eigenen Weg zu gehen die Geschichte weiterzuerzählen, ein Weg der vielen nicht schmeckt, der aber orientiert an der Auflösung des ersten Teiles an einem sinnigen Punkt ansetzt.

Von der Klasse des Originals sollte man sich als Zuschauer distanzieren, beweist „Beneath the Planet of the Apes“ (Originaltitel) doch gleich an mehreren Stellen, dass er lediglich der Trivialunterhaltung angehört und längst nicht mehr zum Kino gehören möchte, welches ernsthafte gesellschaftspolitische Aussagen trifft. Ein mahnender Zeigefinger ist zugegebener Maßen in der Geschichte noch immer enthalten, aber viel zu vieles erinnert eher an das Niveau einer Folge „Raumschiff Enterprise“ als an ernstzunehmendes Kino. Und die Widersprüche zu Teil 1, die sich nicht nur in der fehlerhaften Deutschvertonung finden lassen, machen nur all zu deutlich wie einfach es sich die Autoren gemacht haben.

Das Schicksal und der soziale Zusammenhalt der drei Hauptaffen widerspricht dem Ende von Teil 1 (auch wenn aufgrund des Krieges nicht geäußerte Erklärungen für die hier gewählten Veränderungen vorhanden wären), der Auslöser der die Affen in den Krieg ziehen lässt widerspricht der kompletten bisher bekannten Affenkultur, die sich an ihre Schriftrollen klammert, und die Gut/Böse-Zeichnung durch die Rassenthematik verschiedener Affenarten verfällt noch mehr in Schwarz und Weiß als es bereits im Original der Fall war.

Und doch, als kleiner Abenteuerfilm im Science Fiction-Bereich, weiß „Planet of the Men“ (Alternativtitel) zu gefallen. Erneut wird ein Geheimnis um die Zukunft der Erde gelüftet, erneut gehen die Autoren pessimistisch vor und schonen niemanden und damit auch nicht den Zuschauer, und erneut bietet man uns eine Schluss-Pointe, die es in sich hat. Mag man sie nach dem x-ten Gucken auch kennen oder sie bei der Erstsichtung zuvor erahnen, der Schluss steckt jedes Mal wieder wie ein Kloß im Hals, nicht nur aufgrund des wundervollen Off-Kommentars, auch aufgrund dessen welcher Fanatiker über das Schicksal bestimmt.

Manch einer hätte dieser Figur solch ein Handeln nicht zugetraut, aber das sind nur jene, die sich von Heldenelementen ablenken lassen und nicht die wahre Natur eines Charakters hinter der strahlenden Rüstung erkennen (Leute welche z.B. die jeweilige Hauptfigur in „Breaking Bad“ oder „Braveheart“ zu Helden erklären). Völlig gedankenlos können die Autoren somit nicht gehandelt haben, wenn sie den wahren Charakter Taylors aus Teil 1 erkannten und hier weitergestrickt haben. Ebenso klar war den Herren, dass Brand kein neuer Taylor ist, auch wenn er zur Tarnung in die Rolle des Helden gesteckt wurde. Das könnte auch erklären, warum man jemanden mit so viel weniger Charisma als Heston in der Fortsetzung mit der Hauptrolle besetzte. Diese beiden Punkte plus jene die Geschichte am entscheidenden Punkt des Vorgängers weiterzuerzählen, zeigt auf wieviel Potential in „Planet of the Apes Revisited“ (Alternativtitel) steckt, und wieviel besser er außerhalb des schlichten Niveaus der Trivialunterhaltung hätte ausfallen können.

„Rückkehr zum Planet der Affen“ darf man nicht all zu streng gucken, wenn man seine Freude mit ihm haben will. Aber die kann man durchaus haben, weiß es doch auch Ted Post, der hier die Regie übernahm, eine dichte Atmosphäre aufkommen zu lassen. Und so viel Nonsens die Geschichte auch umwehen darf, sie wird innerhalb ihres eigenen Kosmos doch konsequent und recht glaubwürdig erzählt und stößt immer erst dann an ihre Grenzen, wenn man Teil 2 mit Teil 1 vergleicht, was man unweigerlich tut, so direkt wie der hier besprochene Film an das Original anschließt. Das sieht man bereits daran, dass die letzten Sequenzen des Vorgängers zu Beginn des Sequels erneut gezeigt werden, ein Verfahren welches man heute eher aus Fernsehserien kennt. Aber auch dies braucht nicht verwundern, hat man beim Sichten der Fortsetzungen doch ohnehin immer das Gefühl eine TV-Sendung zu sichten, so wunderschön die liebevoll gestalteten Masken und Effekte auch dagegen halten.


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PLANET DER AFFEN (Planet of the Apes 1968 Franklin J. Schaffner)


Der Astronaut Taylor und zwei seiner Kollegen überleben einen Absturz über einen fremden Planeten, Jahrtausende nachdem man sie einst von der Erde los schickte. Taylor gerät in die Gefangenschaft von Affen, die auf dem Planeten dominierende und intelligente Gattung, wohingegen Menschen auf dem Planeten primitive Geschöpfe sind...


Wissenschaft gegen Religion...

Eigentlich ist es schade, dass Franklin J. Schaffners Film „Planet der Affen“ (bzw. im Original „Planet of the Apes“) heißt, bereitet es doch eine große Freude den Experimentierdrang und die Tortur der drei Astronauten zu Beginn des Streifens mitzuerleben, wenn sie zu Überlebenszwecken den fremden Planeten erforschen, kurz nachdem sie die bittere Pille schlucken mussten Jahrtausende nach ihrem Start aus dem Kälteschlaf aufzuwachen. Der Titel verrät dem mitforschenden Zuschauer leider etwas, das er gerne überraschend entdeckt hätte, gepackt von der stimmigen Atmosphäre die u.a. dadurch entsteht, dass Schaffner sich viel Zeit für diese Phase nimmt, begleitet von einem bizarr klingenden Soundtrack, der damals sicherlich die Gemüter gespalten hat.

Dies hat der Film auch in seiner kritischen Form der Religionsthematik und des Umgangs mit dem Menschen, der wie Vieh behandelt wird. Affen, die sich nach der Jagd brüsten, indem sie sich mit ihrer Beute fotografieren lassen, mögen nicht zur Restkultur und der Technik der Affengesellschaft passen, die wir kurz darauf kennen lernen, aber die Provokation sitzt, in abgeschwächter Form selbst heute noch, fordert der Film uns doch heraus das Thema „Umgang mit Tieren“ auch einmal von der anderen Seite aus zu betrachten, was auch in Zeiten von einer Tierschutz ausübenden Gesellschaft wie der unseren ein interessanter Aspekt der Geschichte bleibt.

Derart zu provozieren wie zur Entstehungszeit weiß „Planet der Affen“ trotzdem nicht mehr, aber diese Abschwächung macht um so deutlicher, dass der Film, bereits damals schon, nicht nur von seinen Provokationen lebte, mit denen er wachrütteln wollte, sondern auch ohne dieses Element bestens zu unterhalten weiß. Liebevoll gestaltete Masken, Effekte und Bauten, ein Drehbuch, welches Nähe und Sympathie zu seinen wichtigsten Figuren aufbaut, und die Idee, dass der Zuschauer nie über mehr Wissen verfügt als der Held der Geschichte selbst, sorgen in Kombination mit einem atmosphärisch stimmig umgesetzten Film für einen hohen Grad Unterhaltungswert, aufgrund seiner Thematik mit leicht intellektuellem Touch versehen, durch seine plumpe Gut/Böse-Trennung diesbezüglich jedoch noch nicht so reif ausgefallen wie die großen 70er Jahre Science Fiction-Beiträge wie „Phase 4“, „Rollerball“, „Colossus“ oder „...Jahr 2022... die überleben wollen“, um nur einige wenige genannt zu haben.

Aber mag die Thematik um den Verrat der Wissenschaft zu Gunsten der Religion auch etwas plakativ ausgefallen sein, so ist „Planet der Affen“ ansonsten doch sehr stimmig und raffiniert geschrieben, zumal die aggresssive Form des Religionsschutzes sich im Finale lediglich als Vorwand herausstellt um eine viel bedeutendere Wahrheit zu beschützen, was schließlich auch zu einem der legendärsten Schluss-Twists der Filmgeschichte führt, einen den man mitdenkend sicherlich erahnen kann, der in der Form seiner Umsetzung und aufgrund der letzten Worte des ideologischen Fanatikers Taylor aber auch heute noch aufzuwühlen weiß.

Dass manche Stimmen dem Film vorwerfen rassistisch geprägt zu sein, indem in die Affen die schwarze Gesellschaft hineininterpretiert wird und in Taylor der Weiße, der die Macht der Weißen zurückgewinnen will, halte ich für überanalysiert, passt es doch nicht zur restlichen gesellschaftspolitischen Hintergrundthematik des Streifens, zumal „Planet der Affen“, wenn auch auf kleiner Flamme, eine eigene Thematik zum Thema Rassenkonflikte besitzt, die erst in der unterschätzten Fortsetzung „Rückkehr zum Planet der Affen“ vertieft werden sollte.

Dass eine Fortsetzung des hier besprochenen Werkes eigentlich unnötig, da logisch kaum machbar, ist, lässt sich nicht von der Hand weisen, wird durch die Widersprüche der Story von Teil 2 sogar bewiesen, schwächt aber weder das Originalwerk, noch schadet es den ersten Fortsetzungen kaum, hat sich die Weiterführung dieses großartigen Science Fiction-Abenteuers doch als Glücksgriff für Genre-Fans herausgestellt. Schließlich bereitet das Thema mit ihren Neuverfilmungen, die thematisch ohne die Fortsetzungen des Originals anders ausgefallen wären als geschehen, doch selbst heute noch den Filmfreunden große Freude. Im direkten Vergleich kommt kein weiterer Beitrag der Reihe, egal ob Fortsetzung oder Neuverfilmung, an das Original des „Papillon“-Regisseurs Schaffner heran. Vielleicht auch weil er sich längst nicht so blauäugig wie die Versionen heutiger Tage schaut, fordert einen „Planet der Affen“ mit seinem pessimistischem Grundton doch einiges an bösen Wendungen und menschlichen Verlusten ab, eine Rezeptur die Serien-Fans von heute gefallen dürfte.


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Sonntag, 8. Januar 2017

TRAPPED - DIE TÖDLICHE FALLE (Trapped 1982 William Fruet)


Vom Ältestenrat unterstützt begeht Henry, der Anführer eines Hinterwäldlerdorfes, Selbstjustiz. Als seine Tat von vier Studenten aus der Stadt auf einem Ausflug zufällig beobachtet wird, eröffnet er die Jagd auf sie. Als die Situation eskaliert, spaltet sich die Meinung im Dorf über Henrys Verhalten...


Und der Professor behielt Recht...

Trotz seiner viel zu reißerischen und auf Stereotypen setzende Art ist „Trapped - Die tödliche Falle“, ähnlich wie „Massaker in Klasse 13“, eine recht interessante Mikrokosmos-Studie über Macht, Machtmissbrauch und Entmachtung, über die Hilflosigkeit und Tatenlosigkeit der Masse und darüber hinaus über die weltfremden Perspektiven von Idealisten und wie sie, eingeholt von der Realität, ihren zwanghaften Irrglauben verlieren können. Das wird mit lautem Getöse thematisiert, mit Schwarz/Weiß-Malerei, Vorurteilen über Hinterwäldlern und Städtern, wahrlich frei jeglicher Graustufe, und doch gibt der Unterhaltungsgehalt einer angespannten Situation, die sich immer weiter zuspitzt und nach Befreiung lechzt, dem Regisseur für sein Vorgehen recht.

„In der Falle“ (Alternativtitel) beginnt so 08/15 wie er theoretisch auch schließt, dennoch überrascht zum Ende hin die Passivität der meisten Anwesenden, gerade deshalb weil einige von ihnen bewaffnet sind. Der Ausnahmezustand lähmt, die Angst sitzt tief in den Knochen, und William Fruet verzichtet darauf der Hauptfigur eine Heldenrolle zuzuordnen. Hier wird kein Durchschnittsbürger gezeigt der über sich hinauswächst. Im Finale entscheidet häufig nur der Zufall. Ein Held wird hier niemand. Ganz im Gegenteil sollten und werden sich die meisten Figuren für das was sie taten, bzw. nicht taten schämen, und dies schließt die Polizei mit ihrer unterlassenen Hilfeleistung aufgrund von Vetternwirtschaft mit ein.

Fruet arbeitet ganz gut heraus wie der Aggressor einer eskalierenden Situation in seiner eigenen Situation gefangen ist. Ähnlich wie im professioneller durchdachten „Das Experiment“ von Oliver Hirschbiegel denkt er nicht mehr über Konsequenzen und Auswege nach. Er hat alle gegen sich, er bekommt sich mit seinen nicht rückgängig zu machenden Missetaten nicht mehr aus der Verantwortung geschwätzt, und doch wird blind für alles Drumherum der Weg zu Ende beschritten. Die Opferrolle des Täters läuft in direktem Zusammenhang zu seinen Taten, so dass der eigentlich viel zu klischeehaft gespielte Henry ein interessantes, personifiziertes Psychogramm darstellt.

Obwohl dies alles meisterlich herausgearbeitet ist, darf man „The Killer Instinct“ (Alternativtitel) dem analytischen Teil nicht zu viel Bedeutung zusprechen, weiß man aufgrund der plumpen Schwerpunkte des Filmes doch nicht was sich zufällig psychologisch Cleveres in den Film eingeschlichen hat und was beabsichtigt wurde. Immerhin zielt der eher an oberflächlichen Projekten wie „Krieg der Welten - Die Auferstehung“ und „Killer Party“ beteiligte William Fruet auf niedere Instinkte ab, will den Hass im Zuschauer schüren, damit sich dieser im Finale entladen kann. Und zwischendurch gibts Titten, Verfolgungsjagden und Morde mit erhobenem Zeigefinger inszeniert, aber doch nur nach dem Sehwert lechzend ausgerichtet, zu sichten. Das ändert aber nichts daran, dass der Film, wenn auch mit qualitativen Abzügen versehen, beim mitdenkenden Zuschauer ganz anders funktionieren kann als wie von den Verantwortlichen des schnellen Dollars gewollt.


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