Mittwoch, 19. Juli 2017

DER SCHINDERHANNES (1958 Helmut Käutner)


Johann Bückler wird als Anführer einer Räuberbande der Schinderhannes genannt. Zusammen mit seinen Mannen bekämpft er Anfang des 19. Jahrhunderts den deutschen Adel und die französischen Besatzer, beraubt sie und gibt das Geld an die leidenden Bauern weiter...


Hannes Hood...

Carl Zuckmayers Bühnenstück hatte mit „Schinderhannes“ aus dem Jahr 1957, „Johannes durch den Wald“ und zudem sogar gerade einmal ein Jahr nach Fertigstellung des Theaterstückes ebenfalls unter dem Titel „Schinderhannes“ erschienen bereits diverse Verfilmungen erhalten. Der mit Curd Jürgens und Siegfried Lowitz besetzte Film von Helmut Käutner ist heutzutage jedoch der bekannteste Vertreter von ihnen, und für diesen hat Carl Zuckmayer höchstpersönlich Veränderungen am Buch vorgenommen, sowie am Lied, welches auch bereits in der Theaterversion vorgetragen wird. Die Verwandtschaft zu "Robin Hood" ist unverkennbar, dennoch bildet „Der Schinderhannes“ nicht bloß ein blasses Abbild von diesem, was nicht nur an der herausragenden Leistung des wie immer genial agierenden Curd Jürgens liegt, sondern auch am Stück selbst, dessen erzählerische Stärke mich ohne jegliche Erwartungen an dieses Werk stark überraschte.

Für diese Verfilmung stand Käutner mit Blick auf die Ausstattung und die Anzahl der Statisten scheinbar reichlich finanzielle Unterstützung zur Verfügung, dennoch ist das Werk nicht pompös oder verschwenderisch wirkend ausgefallen. Ganz im Gegenteil guckt sich der 1958 fertiggestellte Film eher bescheiden, was zur Mentalität des Stoffes passt, ist der Schinderhannes doch ein Ehrenmann, dessen Taten einem Zweck unterliegen und nicht auf Hochmut und Eigensucht aufbauen. Zudem ist der Stoff wie sein Held selbst am Volk orientiert, strahlt „Duel in the Forest“ (Alternativtitel) doch eine leider längst verloren gegangene deutsche Kultur aus, atmet sie regelrecht, so dass es eine Wohltat ist dem Treiben der Mannen zuzusehen.

„Der Schinderhannes“ ist nah an seinen Protagonisten orientiert, und gerade die zentrale Figur des Johann Bückler wird uns derart intensiv nah gebracht, dass wir ihn selbst dann verstehen, wenn aus politischen Raubzügen eine Rebellion der Gegenwehr, das Entfachen eines Bürgerkrieges wird, so dass der Held ein Ehrenmann bleibt, einer der seinen Irrtum leider zu verspätet einsieht, und somit eine Figur im Zentrum steht, deren Vorgehen nicht verschönt wird, wie beispielsweise das Agieren des Kriegstreibers in „Braveheart“.

Was wie ein belustigender Abenteuerfilm beginnt, mündet Richtung Finale immer mehr in den Dramabereich. Trickreich verführt einen der Film aufgrund des lockeren Grundtones vergebens zur Hoffnung ein raffiniert eingefädeltes Handeln könne kurzfristig doch noch zu einem Happy End führen. Aber der Stoff bleibt konsequent, und der Zuschauer muss so tapfer sein wie das kürzlich zur Mutter gewordene Julchen. Wenn Hannes und seine Mannen auf dem Weg zur Hinrichtung stolz das Schinderhannes-Lied singen, widerfährt dem Zuschauer ein kurzer Moment des Stolzes und der Trauer, „Der Schinderhannes“ bleibt aber selbst in dieser Phase realistisch genug, stockt der Bande mit Blick auf die Guillotine dann schließlich doch noch der Atem, so dass der Gesang erstickt und verstummt.

Am Ende dieser wunderschön erzählten Rebellion, die einem die Wahrheit, dass die Mächtigen am Ende stets gewinnen, bitter serviert, werden wir aus dem Blickwinkel Julchens aus dem Stoff entlassen und müssen mit wehmütigem Blick zurück der Realität ins Auge sehen. In seinem konsequenten Blick auf die Macht der Herrschenden erinnert „Der Schinderhannes“ stark an den Rühmann-Film „Mein Schulfreund“, in dem ähnliches geäußert wird wie hier: der Krieg nutzt am Ende nur den Kriegstreibern. Die Reichen bleiben reich, die Mächtigen bleiben mächtig, egal was sich politisch ändert. Es ist schön dass dieses poltitische Thema derart volksnah und menschenfreundlich mit Hang zur guten Stimmung erzählt wurde und nicht zu bitter moralisch oder aggressiv ausgefallen ist. Ich weiß jetzt schon, dass ich eines Tages wieder gerne zu diesem unterschätzten Stück Film greifen werde, um ihn mir ein weiteres Mal zu Gemüte zu führen.


Sonntag, 16. Juli 2017

LETHAL WEAPON (1987 Richard Donner)


Kurz nach seinem 50. Geburtstag erhält Polizist Murtaugh einen neuen Partner. Riggs ist selbstmordgefährdet und deshalb risikobereit, womit er ein Gegenbild zum stets korrekt handelnden Murtaugh bildet. Als die beiden jedoch bei der Untersuchung eines Mordfalles auf einen Drogenring stoßen, der von ehemaligen CIA-Mitarbeitern geleitet wird, muss die Sache auf Riggs Art gelöst werden...


Einige Tage vor dem schlechtesten Truthahn der Welt...

In jungen Jahren liebte ich die „Lethal Weapon“-Reihe, mochte die zwei Fortsetzungen gar noch mehr als das Original und liebte die dritte Fortsetzung, die überraschend verspätet nachgerückt wurde, als man sich gerade an den Gedanken einer Trilogie gewöhnt hatte. Teil 4 war in seiner ausgeflippten Art der Höhepunkt mit seinen enormen Übertreibungen und seinem Hauptaugenmerk auf den Humorgehalt. Erst Jahre später entdeckte ich erwachsener geworden die Stärken des Erstlings, der als einziger Teil die wirklich entscheidende Dosierung zwischen Komödie und Action bot und psychologisch gesehen weit weniger dümmlich daher kam, als die Party-tauglicheren Fortsetzungen, die sich keine Gedanken mehr zum Thema Gewaltbereitschaft machten. Nicht falsch verstehen, auch die mochte ich mit kleinen Abzügen immer noch, aber an die Qualität des Erstlings kamen sie nicht heran.

Nun sind wieder viele Jahre vergangen und eine erneute Sichtung machte mir nach Jahren der Bewunderung bewusst, wie extrem „Zwei stahlharte Profis“ (Alternativtitel) ein Großer Jungs-Film ist. Noch immer versprüht der Streifen seine Sympathie, einzelne Szenen sind so toll geschrieben, dass sie einem nie aus dem Gedächtnis verloren gehen würden (der Sprung mit dem Selbstmörder, Murtaughs Test ob Riggs wirklich selbstmordgefährdet ist, uvm), aber wirklich einfühlen konnte ich mich nicht mehr ins Geschehen, dafür war es mir zu sehr im Action-Kino angesiedelt und zu weit entfernt von der Realität. Nun will der Streifen diesbezüglich nichts anderes sein, aber der fein dosierte, teilweise subtile, Humor, der ihn vor den meisten Peinlichkeiten bewahrt, indem er Distanz zu seinem Große Jungs-Getue aufbaut, rettet ihn mit Blick von heute nicht mehr so gut wie einst. Bereits in diesem bodenständigerem Teil 1 sind die Protagonisten Comicfiguren, und aus irgendeinem Grund will das bei mir nicht (mehr) so gut funktionieren wie es heutzutage noch ein „Stirb langsam“ oder „True Romance“ schafft.

Die Geschichte entblättert sich zwar erst nach und nach, weiß aber definitiv nicht mehr derart zu gefallen wie einst, zu reißerisch ist ihr Hintergrund, zu unsinnig gehen die Hintermänner vor, zu extrem ist der Schwanzvergleich auf guter wie auf böser Seite. Wirklich peinlich wird es nur einmal, das ist jene Szene am Schluss, in welcher sich Riggs fern jedwegen Nachempfindens mit einem der Hauptgegner auf Murtaughs Rasen prügelt, ansonsten bekommt „Lethal Weapon“ immer rechtzeitig den Bogen, nie so gut funktionierend wie damals, aber doch noch immer unterhaltsam ausgefallen.

Richard Donners Werk weiß immer dann am besten zu gefallen, wenn die zwischenmenschlichen Situationen stattfinden. Da mag es in vielen Szenen ordentlich knallen, Verfolgungsjagden finden statt und böse Jungs werden erschossen (Riggs darf diesbezüglich fast die Position eines Superhelden einnehmen, ohne dessen überragenden Fähigkeiten die völlig übertriebene Geschichte überhaupt nicht funktionieren würde), aber all die Schauwerte erreichen nicht die Qualität eines Blickes in Murtaughs naiv optimistisches Gesicht, wenn er Riggs fragt, ob ihm das Essen seiner Frau tatsächlich geschmeckt habe. Auch die familiären Szenen als Gegenpol zu Riggs tristem Witwerdasein wissen in ihrer Warmherzigkeit zu gefallen, auch wenn sie so realitätsfern, da aufgesetzt, wirken, wie der Rest vom Film.

Somit ist es eher die Herzlichkeit und das Miteinander der beiden Hauptfiguren inmitten von Gewaltbereitschaft, was „Lethal Weapon“ noch immer genießbar erscheinen lässt, während seine Optik (ob nun Frisuren, oder die blaue Schrift im Vorspann) und die Saxophonuntermalung auf lächerliche Art in den 80er Jahren baden, dem einzigen Jahrzehnt, in welchem ein Actionfilm so ausfallen konnte wie hier. Die Bedrohung von Gegnern des 70er Jahre Kinos ist längst nicht mehr zu spüren. „Lethal Weapon“ ist trotz vieler einfallsreicher Szenen Formelkino, genauestens auf die Sehgewohnheiten des Publikums abgestimmt und durchkalkuliert, und eben jenes wollte seiner Zeit nichts sehen was sich echt anfühlt. Dementsprechend distanziert guckt sich Donners humoristisch gehaltene Gewaltorgie heute, ohne dabei den ernsten Ur-Beiträgen a la „Dirty Harry“ und Co, auf welche er sich im Gewaltbereich stützt, das Wasser reichen zu können.


Weitere Besprechungen zu Lethal Weapon: 


MAD MAX 3 - JENSEITS DER DONNERKUPPEL (Mad Max Beyond the Thunderdome 1985 George Miller u.a.)


Nachdem er beraubt wurde, stößt Max auf die Stadt Bartertown, deren Gründerin ihm ein Geschäft unterbreitet. Als Max sich darauf einlässt, sich jedoch nicht an die vereinbarten Abmachungen hält,  wird er ins Exil geschickt. Am Ende seiner Kräfte angelangt sackt er mitten in der Wüste zusammen und wird von einer Gruppe Kinder aufgelesen, die ihn für den Messias hält, der sie dorthin Heim bringt, wo ihre Vorfahren einst herkamen...


Bratpfannen gegen Bösewichter...

Wer auch immer auf die selten dämliche Idee kam aus „Mad Max“ einen Kinderfilm zu machen, egal ob nun für Byron, dem der Film gewidmet ist, oder nicht, der sollte sich ordentlich schämen, ist das was manch einer ein mutiges Projekt nennen dürfte nicht nur nicht geglückt, es lädt auch ebenso zum Fremdschämen ein wie einst „Ein Junge und sein Hund“, der seinerzeit in einigen Dingen sicherlich Pate für „Mad Max 2“ stand.

Nicht nur dass sich die Brutalität des bereits bekannten Zukunftsbildes, auch wenn sie stark abgeschwächt wurde, nicht mit der Mentalität eines Kinderfilmes vereinen lässt, auch der komplett undurchdachte Plot, der darauf setzt dass man sich über das Gesehene bloß keine Gedanken macht („Mad Max 4“ sollte es Teil 3 diesbezüglich nachmachen), lässt es nicht zu, dass aus „Mad Max 3 - Jenseits der Donnerkuppel“ ein guter, alternativ zur Ursprungsreihe, funktionierender Film wird.

Fans der ersten beiden Teile werden ohnehin verprellt, wenn Benzin- und Diesel-betriebene Fahrzeuge nicht mehr das Hauptgeschehen dominieren, das bizarre Zukunftsbild von einst gegen eine Jahrmarkts-ähnliche Freakshow ausgetauscht wird und ein wunderlicher Stamm von Kindern, unversehrt, scheinbar nie einer Attacke durch Anarchisten ausgesetzt, in der letzten Oase der Zukunft wohnend und trotzdem auf Utopia hoffend, an die unbeliebten Ewoks aus „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ erinnern. Hier wird der Zeitgeist deutlich, in welchem der Film entstand, wurde geistreiches Provo-Kino doch immer mehr gegen undurchdachtes Unterhaltungskino für die ganze Familie ausgetauscht, und das weiß am hier besprochenen Werk auch ohne Blick auf die beiden ersten Teile zu nerven.

Wenn Kinder sich gnadenlosen Banditen per Bratpfanne zur Wehr setzen, die einzige Autoverfolgungsjagd dafür genutzt wird mit kindlischer Begeisterung Tuff Tuff Tuff-Lokomotive zu spielen und das Ganze zudem noch hin und wieder mit Musik untermalt wird, die auch in einem „Pippi Langstrumpf“-Film Platz gefunden hätte, dann atmet man nicht mehr den Stoff, den der Ur-Fan der Reihe sehen will. Dann setzt man auf ein völlig neues Publikum.

Nicht nur dass typische 80er Jahre-Schrulligkeiten dem Zeitgeistcharakter einer dystopischen Welt nach dem Krieg seine eigene Identität berauben und somit das Entstehungsjahr in eine alternative Zukunft teleportiert, auch neu aufgekommene Unannehmlichkeiten dieser Zeit, wie das Besetzen eines Stargastes, egal ob dieser schauspielern kann oder nicht, in diesem Falle die damals gerade angesagte Tina Turner, bekommen ihren Platz in einem Film beschert, der nur noch Produkt ist, Geldmacherei und somit alles andere als ein Herzensprojekt. Das zeigt allein die schlecht choreographierte Verfolgungsjagd am Schluss, die bei weitem nicht die Mühe beschert bekommen hat, die noch hinter dem großartigen Finale des Vorgängers steckte.

Viel mehr konzentriert man sich diesmal auf barbarische Spielereien, die in einer Serie wie „Lexx“ zu gefallen wissen, dort aber auch nur, weil sie augenzwinkernd betrachtet werden. Die Löwenarena namens Donnerkuppel und das selten dämliche Schicksalsrad für Gesetztesüberschreiter, wird hingegen viel zu ernst genommen innerhalb eines Filmes, in dem nicht nur Kinder sich gegen einem Haufen skrupelloser Barbaren locker zur Wehr setzen können, sondern eine neu aufgebaute Zivilisation in dieser bitteren Zeit zudem so einfach ohne Sicherheitsvorkehrungen einzunehmen ist, wie es uns Richtung Finale völlig dreist demonstriert wird.

Ich weiß nicht woran es liegt, dass sich „Mad Max Beyond Thunderdome“ (Originaltitel) trotzdem noch halbwegs brauchbar guckt, anstatt dass sein Fremdschämen ihn gnadenlos vernichtet, aber auf ganz dünnem Eis schreitend funktioniert die Umkehrung des zweiten Teiles halbwegs, vielleicht auch weil Spiegelungen zu diesem bewusst angegangen werden. Max bleibt diesmal freiwillig zurück für die bessere Zukunft einer Gesellschaft. Und auch er könnte eines Tages ein Happy End erleben, wenn er irgendwann die Lichter in der Ferne sieht und Teil der neu gegründeten Gesellschaft werden kann. Aber was ist das Hausen in den Ruinen einstiger Großstädte für ein Happy End, alternativ zum vorherigen Wohnort der Kinder, am fließenden, sauberen Wasser gelegen, in einem „Planet der Affen“-ähnlichen kleinen Dorf, an dessen Ort sogar ein paar Pflanzen wachsen?

Aber wer sich solche Fragen stellt, gehört bereits nicht zum Zielpublikum dieses dümmlichen Filmes, der sich nur auf Denkverweigerer verlässt, oder auf jene, die es so geil finden actionreiches Familienkino zu sichten, inklusive der für das junge Zielpublikum obligatorischen Rutschpartie-Szene, dass es ihnen vor lauter infantiler Schauwerte egal ist, dass alles um sie herum keinen Sinn ergibt. Damit kann man aber zumindest dem Mainstream-Publikum von heute, welches scharf auf „Deadpool“, „Transformers“ und Co ist, „Mad Max 3“ als kleinen Filmklassiker gleichem Niveaus ans Herz legen.


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MAD MAX 2 - DER VOLLSTRECKER (Mad Max 2 1981 George Miller)


Ein Krieg hat das Land zu einer öden Wüste verkommen lassen, und in dieser streifen die Überlebenden in ihren Fahrzeugen umher, immer im Kampf um Treibstoff. Max stößt auf eine Gemeinschaft, die aufgrund ihrer hohen Ölreserven einer gewaltbereiten Rockergruppe ein Dorn im Auge ist...


Der zukünftige Anführer berichtet...

Max ist nach wie vor kein strahlender Held. Ganz im Gegenteil hat er jegliche zivilisierte Eigenschaften seines Charakters gänzlich über Bord geworfen. Und auch nachdem er die Chance bekommt in einer rauen Welt wieder Teil einer Gemeinschaft zu werden, lehnt er dies als Einzelgänger ab. Konnte man in „Mad Max“ noch darüber streiten ob Max es Schuld war die Chancen da draußen zu überleben falsch eingeschätzt zu haben, besteht diesmal kein Zweifel, wenn er trotz des Wissens der lauernden Gefahr in der Nähe sich von der Gemeinschaft, mit der er einen Deal hatte, verabschiedet, um nur kurz darauf bereits zu scheitern.

Die Welt hat sich seit Teil 1 enorm verschlechtert. Nach einem Krieg herrscht die Anarchie in dem zur Wüste verkommenen Land. Eine Form von Fremdschutz existiert nicht mehr, jeder muss sich selber helfen. Jeder ist auf der Suche nach Sprit für sein Fahrzeug. Es haben sich extremistische Gruppen gebildet, die wildernd durchs Land ziehen, aber auch Einzelpersonen ist nicht zu trauen. Die einen gehen trickreich vor, andere plump. Gewaltbereit ist in dieser Welt jeder. Und da ist auch Max keine Ausnahme - und wird auch im kleinen Maße sein Anstand ein wenig zurückerweckt: er wird zu einer solchen auch nicht mehr werden.

Fehlte es dem ersten Teil an Empathie für die Hauptfigur und seine Leiden, was zu einem Schwachpunkt eines ansonsten gelungenen Streifens wurde, ist das Weglassen des Selbigen in „The Road Warrior“ (Alternativtitel) ein Pluspunkt. Der Film konzentriert sich auf die Erweiterung des bereits in Teil 1 vorbereiteten veränderten Weltbildes, zeigt nüchtern das Treiben der Menschen unter solchen Bedingungen und ist dabei, ebenso wie der Vorgänger, frei von einer moralischen Stellungnahme. Die Zukunft hat sich mehr denn je zu einem bizarren Zirkus Tempo-geiler Freaks entwickelt, und es bereitet einen Heidenspaß die verschiedenen Figurentypen, die individuell zusammengeschusterten Maschinen und die Gesetzmäßigkeiten dieser düsteren Welt zu entdecken und auf sich einwirken zu lassen.

Die Geschichte schreitet ein wenig flotter voran als im Vorgänger, ist aber trotzdem noch trocken und intensiv genug ausgefallen, um nicht zum reinen Partyfilm a la „Mad Max 4“ zu verkommen. Die schlicht gehaltenen Charaktere sind der Geschichte neben dem glaubwürdigen Weltbild das wichtigste Element welches es zu beachten gibt, und aus Letztgenanntem ergibt sich automatisch die Gesetzmäßigkeit einer schlicht gehaltenen Geschichte. Komplexe Vorgänge existieren in dieser brutalen Zukunftswelt nicht mehr. Die Zukunft ist eine Zeit der Begegnungen geworden, in einer Welt in welcher man dem Gegenüber nicht trauen darf.

Zwischen ruhigen, tristen Momenten und rasanten Verfolgungsjagden springt „Mad Max 2 - Der Vollstrecker“ immer wieder hin und her, und dank des trockenen Grundtons, der nur selten durch leichte Züge der Menschlichkeit oder durch das leise Anklingen (schwarzen) Humors gebrochen wird, und des bizarren Weltbildes weiß das alles unglaublich gut zu wirken. Interessante Gegner, ein wirksamerer Mel Gibson und ein atemberaubendes Finale, in welchem sich Regisseur Miller als ausgezeichnet darin erweist den Überblick zu behalten und eine Art Crash-Choreographie zu erschaffen, wie es sie so zuvor noch nicht gegeben hat, zeigen innerhalb einer intelligent durchdachten, minimalistisch gehaltenen Geschichte, dass solch effektgeladenes Actionkino alles andere als zwingend plump ausfallen muss, selbst dann wenn eine Geschichte gnadenlos auf direktem Wege erzählt ist und in einer oftmals wortkargen Inszenierung nur das nötigste sprechen lässt.

Dass wir am Ende gar nicht wie gedacht die Geschichte von Mad Max erlebt haben, sondern eine ganz andere, in welcher der Titelheld lediglich Mittel zum Zweck war, ist nur eine jener großartigen Ideen, die „Mad Max 2“ zu dem tollen Film macht, der er ist. Durch seine mystische Art, die er gerade in den zu Beginn und am Ende eingesetzten Off-Kommentaren auszustrahlen weiß, fällt er noch eine Spur atmosphärischer als sein Vorgänger aus. Und obwohl die Fortsetzung eine Spur lauter und schriller ausgefallen ist als der noch wesentlich nüchterner präsentierte Teil 1, und obwohl ich eigentlich ein reduzierteres Vorgehen im Filmbereich bevorzuge, gefällt mir Teil 2 gerade wegen der dichten Atmosphäre die er innerhalb einer furchterregenden Welt erzeugt, um einiges besser als sein Vorgänger, auch wenn das realitätsentrücktere Treiben einem im Gegensatz zu Millers erstem Streich nicht mehr solche Furcht vor der Gegenwart bereitet. „Mad Max 2“ ist ein durchdachter Adrenalin-Kick mit einem Helden, der zum Zweck des Sieges auch mal das Leben eines Kindes riskiert - ein schönes Beispiel dafür, wie ungeschönt Miller uns beweist wie gnadenlos die Zukunft ausgefallen ist.


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MAD MAX (1979 George Miller)


In der nahen Zukunft terrorisieren Motorradrocker die Straßen. Die Polizei ist im ständigen Kampf mit ihnen. Als Cop Max durch sie seine Familie verliert, geht er auf Rachefeldzug...


Max wird Mad...

Die Zivilisation besteht noch, aber sie steht auf wackeligen Beinen. Ihr Ende ist in Sicht. Die Polizei ist kaum noch in der Lage gewaltfrei für Gerechtigkeit zu sorgen. Max betont in einer Szene, der Unterschied zwischen der Polizei und den zu bekämpfenden Wilden sei nur noch das Abzeichen. Er glaubt noch rechtzeitig abspringen zu können, aber egal wohin es einen zieht, die Anarchie macht sich breit. Eine Familie ist nirgendwo mehr sicher. Der Schein und das Vertrauen auf Altbekanntes trügt. Das muss Max bitter erfahren, bis er schließlich zu dem wird, was er verhindern wollte: ein Outlaw auf der Straße, der im Kampf nur noch mitmischt anstatt die gute Sache zu vertreten. Er rächt sich auf selbem Niveau, und man benötigt nicht erst einen Teil 2 um zu erkennen, dass sein Zustand sich danach nicht rehabilitieren wird.

George Miller inszeniert den Film minimalistisch. Mit schlichten Mitteln erweckt er eine trostlose Zukunft, eine Art Zwischenbereich zwischen der unseren Realität und jener aus „Mad Max 2“. Überall bröckelt es, der Krieg findet auf den Straßen statt. Selbst ein Mann wie Max, der diesen Kampf jeden Tag miterlebt, unterschätzt wie weit die Gesellschaft bereits abgerutscht ist. Nach dem Verlust der Familie hat er nichts mehr zu verlieren, und Miller präsentiert uns Max‘ Selbstjustiz frei jedweder Moral oder Kritik. In einer Welt, in welcher der Straftäter durch Gesetzeslücken frei kommt, hält Max sein Tun für gerechtfertigt und tritt damit in die Fußstapfen von „Dirty Harry“. Der Zuschauer darf dies entweder ebenso sehen oder nicht, da mischt sich Miller, der am Drehbuch mitgeschrieben hat, nicht ein.

Max ist mit dem damals noch sehr jungen Mel Gibson überraschend unspektakulär besetzt. Er ist noch kein harter Haudegen, und rein optisch würde man ihm seinen täglichen Kampf auf den Straßen nicht ansehen. Gibson wirkt in der futuristischen Polizeikluft ebenso glaubwürdig wie als liebender Familienvater, aber wie ein harter Hund sieht er nun wirklich (noch) nicht aus. Da es mimisch zudem zu dieser Zeit beim guten Mel noch zu wenig zu holen gab, musste Miller durch seine rasante, direkte und brutale Inszenierung für den nötigen Wandel vom Ehrenmann zum Rächer sorgen, damit die Geschichte trotz Milchgesicht glaubwürdig bleibt.

Was Gibson in jungen Jahren noch nicht aufzufangen weiß, erledigt somit der Regisseur, und der macht seine Sache so gut wie es das dünne Drehbuch zulässt. Zwar weiß der trostlose Blick in die nahe Zukunft und der Minimalismus auf der einen Seite zu gefallen, da aber die Action wesentlich mehr im Vordergrund steht als eine brauchbare, mitzuempfindende Dramaturgie, fühlt sich der Gesamtfilm trotz sättigender Optik ereignisreicher Szenen ein wenig leer an. Dies nicht in solch einem Maße, dass „Mad Max“ nicht zu funktionieren wüsste, aber doch eine Gleichgültigkeit ausstrahlend, die ihn daran hindert eine Höchstleistung zu entfalten. Gesehen haben sollte man diesen ungewöhnlichen Film aber durchaus mindestens einmal.


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Sonntag, 9. Juli 2017

TINTORERA! - MEERESUNGEHEUER GREIFEN AN (Tintorera 1977 René Cardona Jr.)


Der reiche Stephen bezirzt am mexikanischen Strand Frauen und macht auf dem Wasser Jagd auf Tigerhaie. Ein besonders aggressiver Hai hat es auf Menschenfleisch abgesehen, und nachdem er sich dies in Form von Stephens Bekannten gegriffen hat, macht dieser sich auf die Jagd nach dem Killerhai...


Frauenheld Stiglitz...

Wer zusehen will wie ein mürrischer Egomane trotz seiner unsympathischen Art reihenweise Frauen abschleppt, der ist bei „Tintorera! - Meeresungeheuer greifen an“ im richtigen Film. Wer hingegen einen billig im Fahrwasser von „Der weiße Hai“ abgedrehten Ableger erhofft, der wird den Großteil des Streifens mit der Fernbedienung vorspulen müssen oder noch besser einen weiten Bogen um René Cardonar Jr.‘s Film machen, gibt es doch außer echter Unterwasseraufnahmen von friedlich vor sich hin schwimmender Haie lange Zeit nichts anderes zu diesem Thema zu sehen. Freilich gibt es dies auch nicht, wenn der Hai doch mal hin und wieder einen Menschen ins Jenseits befördert, werden Realaufnahmen der Bestie und des Opfers doch so schlecht aneinandergepappt, dass da nie Stimmung, geschweige denn eine glaubwürdige Attacke, stattfindet.

Meist baggert Stephen, gespielt vom nicht spielen könnenden Hugo Stiglitz, aber ohnehin nur allerhand Weibchen an. Zunächst per Fernglas aufgelauert für sich allein (ein wenig an seine Rolle in „Die Rache der 1000 Katzen“ erinnernd), schließlich vereint mit seinem Kumpel Miguel, dem er drei Szenen zuvor noch aus Eifersucht die Fresse polieren wollte. Mexikaner sind halt wahre Männer, die auch gerne mal wetten wer als erstes ein auserkorenes Mädel ins Bett bekommt. Auf solche Asozialen steht das schwache Geschlecht an diesem Strand, ach was, eigentlich auf alles was baggert, denn selbst zwei Mexikaner, die gerade zwei Urlauberinnen auf ihrem LKW vergewaltigen wollen, werden überrascht, indem die beiden jungen Frauen, die ihr Opfer werden sollten, bereitwillig ihre Höschen ausziehen.

Um dies mitzuerleben muss man jedoch die auf DVD erhältliche Zwei-Stunden-Fassung sichten, wurde „Tintorera! Tigerhaie greifen an“ (Alternativtitel) seinerzeit in Deutschland doch auf unter 80 Minuten geschnitten, was in diesem Falle ein Segen gewesen sein dürfte. Bei all dem lahmen Getue wette ich darauf, dass selbst diese Fassung ihre Längen aufgrund inhaltlichen Leerlaufs haben dürfte. Die Langfassung im Deutschton wird zudem zu einer nervigen Angelegenheit, weil wirklich ständig die Schere angesetzt wurde und das Verwenden des Originaltons somit nicht nur zur Ausnahme stattfindet, sondern in ähnlicher Gewichtung zu den Synchronszenen. Wenn dann noch der Untertitel fehlt, wie auf der unglaublichen Sharkbox, nervt das Ganze geradezu penetrant, zumal es erst ab der 10. Minute die erste deutsch gesprochene Szene zu erleben gibt.

Wer aufgrund des Titels glaubt neben Haie würden auch Meeresungeheuer ihr Unwesen treiben, der hat sich von einem reißerischen Titel in die Irre führen lassen. „Tintorera“ ist lediglich ein Hai-Horror, und dies auch nur in wenigen seiner Szenen und ein lahmer noch dazu. Zudem geht es aufgrund des Haijagd-Themas den Viechern mehr ans Leder als den Menschen, was aufgrund echter Tötungsszenen einen bitteren Beigeschmack hinterlässt. Die Helden sind nun einmal wahre Männer, und diese gehen nicht nur auf Hasenjagd, sondern suchen auch den Schwanzvergleich zu den Tigern der Meere. Freilich ist der komplette Film so blödsinnig ausgefallen wie der vorangegangene Satz, allerdings ohne dabei ein unfreiwilliger Trash-Tipp zu werden. „Tintorera“ ist ein tolles Schlafmittel und sollte in Apotheken als solches verkauft werden, anstatt in DVD-Geschäften als Hai-Horror.


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NUMBERS STATION (The Numbers Station 2013 Kasper Barfoed)


Weil er durch die Verweigerung der Tötung einer jungen, unschuldigen Frau nicht agierte, wie vom Arbeitgeber gewollt, wird US-Agent Emerson nach England strafversetzt. Auf einem geheimen ehemaligen Ami-Stützpunkt begleitet er eine Mathematikerin, die per Funk per Zahlen codierte Aufträge an die amerikanischen Agenten auf der ganzen Welt versendet. Doch als man eines Tages zum Schichtwechsel eintrudelt, wird der Stützpunkt von Terroristen bedroht. Alle Leitungen nach außen sind gehackt. Emerson und sein Schützling sind auf sich allein gestellt...


Von wegen Beschützer...

Mag der Aufhänger für den Laien auch ziemlich hanebüchen klingen, das simple Grundkonzept sich alleine gegen eine Belagerung zur Wehr setzen zu müssen, ist ein wirksames, das war es schon in anderen Werken wie „Assault - Anschlag bei Nacht“. Und da sich Regisseur Kasper Barfoed und Autor F. Scott Frazier hauptsächlich auf die Psyche der Eingeschlossenen konzentrieren, einzig deren Perspektive betrachtend und der Suspense den Vorzug geben, anstatt der Actionszenen, kann man über das Ergebnis von „Numbers Station“ eigentlich nicht klagen. Manch einem mag er etwas zu routiniert ausgefallen sein, ich persönlich mag jedoch seine direkte, Kammerspiel-artige Umsetzung, die ohne großen zusätzlichen Schnickschnack auskommt, der wahrscheinlich eher pseudohaft das simple Geschehen aufgewertet hätte.

Im Raum steht ohnehin ein zum Grundszenario passender zusätzlicher Aufhänger, und das ist der Irrtum der Mathematikerin zu glauben der Agent wäre zu ihrem Schutz auf dem Stützpunkt engagiert. Emerson steht vor dem selben Dilemma, wie er es zu Beginn des Streifens stand. Erneut soll er wen Unschuldiges umbringen, damit der Stützpunkt aufgelöst werden kann. Die Codedierein weiß einfach zu viel. Ob Emerson die Tat aufgrund des Parallelereignisses seiner Vergangenheit lediglich vor sich hinschiebt, oder ob er tatsächlich erneut handfeste Gewissensbisse hat, weiß man aufgrund seiner Ausbildung nicht konkret, die Vermutung zu Letzterem steht jedoch relativ klar im Raum, so dass man nicht wirklich mit großen Überraschungen am Schluss rechnen muss. Zumindest sorgt gegen Ende ein Dialog mit wem ähnlicher Ausbildung für einen kleinen Einblick in die traurige „Nikita“-ähnliche Welt Emersons, letztendlich ist „Numbers Station“ jedoch recht oberflächlich gezeichnet und geht psychologisch, wie analytisch nicht genügend eigene Weg, um ihn aufgrund solcher Momente als tiefsinnig bezeichnen zu können.

Ob das Treffen mit dieser Art Arbeitskollegen ein Nachdreh zum besseren Verständnis für das Publikum war, weiß ich nicht. Es wäre jedoch gut möglich, werden doch auch innerhalb des Restfilmes immer wieder Szenen unnötig eingestreut, die noch einmal das verdeutlichen sollen, was längst klar war. Tonaufnahmen werden unnötige Bildrückblicke für den Zuschauer beschert, welche unsere Protagonisten nicht miterleben, Backflashs sollen an bereits erlebte Szenarien erinnern, obwohl das Storygerüst wie bereits erwähnt nicht sonderlich kompliziert ausgefallen ist, ständig wird dem Zuschauer eine Orientierung geboten, die nicht nur nicht nötig gewesen wäre, sondern dem Geschehen auch ein gutes Stück Authentizität kostet.

Rein von der Stimmung her hätte es dem Streifen zudem gut getan nicht zu zeigen, was bildlich während der Tonaufnahmen passiert ist. Das kurz vor dem Eintreffen unserer Helden Geschehene ebenfalls nur akustisch mitzuerleben, hätte der Situation einen Suspensemoment beschert, welcher die angespannte Atmosphäre noch eine Spur konsequenter hätte erscheinen lassen, so dass man sich näher mit den beiden Hauptfiguren hätte identifizieren können. Aber dieser Gedanke scheint heutzutage zu mutig für einen Film dieses Genres zu sein, dessen Hauptpublikum nach Produzentendenken scheinbar für solche Stilmittel zu einfach gestrickt ist. Wahrscheinlich darf man schon dankbar dafür sein in „Numbers Station“ nur die eine Seite mitzuerleben, ohne die Pläne der Gegenseite vor die Nase gesetzt zu bekommen.

Atmosphärisch genug ist das fertige Werk jedoch dennoch ausgefallen. Zudem ist es mit John Cusack gut besetzt, der angenehm routiniert erneut wen spielen muss, dessen Arbeit das Töten ist. Im selben Jahr von „Numbers Station“ agierte er wesentlich lahmer im mauen „Frozen Ground“, so dass man über das bisschen Mehrengagement, welches er hier an den Tag legt, bereits dankbar sein kann. Es reicht, damit der hier besprochene Film funktionieren kann, zumal Cusack über eine Ausstrahlung verfügt, die bereits reicht um eine Rolle zu stemmen, die charakterlich nun wirklich nicht sehr tief geht. Seine Spielpartnerin Malin Akerman wirkt eher wie das zu beschützende Anhängsel und hat nicht wirklich etwas Großartiges zu leisten. Das mag ein wenig schade sein, zeigte sie doch beispielsweise in „Nach 7 Tagen ausgeflittert“ was für gute Arbeit sie leisten kann, aber auch sie weiß im zurückhaltenden Modus zu überzeugen und wirkt zudem immerhin sympathisch auf den Zuschauer.

Dieser Faktor ist auch nicht zu unterschätzen, eben weil man von der Identifikation her an den Agenten gebunden ist, und so den inneren Konflikt Emersons mitempfinden darf. Dies zwar oberflächlich gehalten wie alles im Film, ein besseres Drehbuch hätte einen richtig tiefgründiges Geschehen aus dem Psychospiel der kompletten Situation gemacht, gerade wenn man nur zwei Figuren im Fokus hat, letztendlich reicht das in seiner Lightversion Vorgetragene aufgrund einer stimmigenen Umsetzung aber bereits aus, um einem Publikum mit wenigen Erwartungen den kleinen Thriller für zwischendurch zu bieten.


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Donnerstag, 6. Juli 2017

STONEHEARST ASYLUM - DIESE MAUERN WIRST DU NIE VERLASSEN (Eliza Graves 2014 Brad Anderson)


Ende des 19. Jahrhunderts besucht ein junger Arzt aus Oxford die abgelegen liegende Nervenheilanstalt Stonehearst Asylum, um praktische Erfahrungen im Umgang mit geisteskranken Menschen zu erlangen. Die Methoden mit frei umherlaufenden Patienten kommen dem jungen Mann recht modern vor. In seiner ersten Nacht wird er durch wundersame Geräusche jedoch auf eingesperrte Menschen im Keller aufmerksam gemacht, die ihm klar machen, dass sie die Ärzte und Pfleger der Anstalt sind und dass das Haus von den Wahnsinnigen übernommen wurde. Der junge Arzt scheint ihre einzige Rettung zu sein der Gefangenschaft zu entkommen...


Humaner Betrüger, zweifelhaftes Original...

Ein wenig hat mich „Stonehearst Asylum“ an „Shutter Island“ erinnert, sind doch beide Filme professionell abgefilmt und hervorragend besetzt, lässt ihre eigentliche Geschichte aber, trotz interessantem Aufhänger, doch eigentlich zu wünschen übrig. Während man im Vergleichsfilm in die wahren Geschehnisse schneller eingeweiht war, als es dem Autor lieb gewesen ist, herrscht hier auf freiwillige Art eine ähnliche Situation. Denn wer glaubt der auf einem Werk von Edgar Allen Poe erzählte Film spiele mit der Frage, ob Wahnsinnige im Keller nur behaupten Ärzte zu sein, oder ob es sich bei den Eingesperrten wirklich um die Belegschaft des Sanatoriums handelt, der wird, so wie ich, überrascht sein, dass es von Anfang an diesbezüglich keine Zweifel gibt. Die Menschen im Keller sind die tatsächlichen Angestellten und Leiter der Klinik.

Das enttäuscht zwar, weckt gleichzeitig aber das Interesse welchen Zweck die Geschichte verfolgt, wenn sie doch von Anfang an mit offenen Karten spielt. Und tatsächlich wird ein interessanter Zusatzaspekt der grundlegenden Geschichte hinzugefügt, welcher Gut und Böse ein wenig zu vermischen vermag, besitzt der betrügerische, angebliche Leiter der Klinik doch wesentlich mehr Empathie den Patienten gegenüber, als der echte, eingesperrte Chefarzt, der mit den damals üblichen, bestialischen Methoden versuchte Geisteskranke zu heilen. Das beeinflusst die Vorhersehbarkeit der Reststory jedoch nur bedingt, so dass selbst dieser Aufhänger das Ruder nicht wirklich herumzureißen weiß aus Brad Andersons Film doch noch ein sehenswertes Werk zu machen. Zudem fußt auch diese Erweiterung auf der ewigen Gut- Bösetrennung amerikanischer Werke, eine Unterteilung mit der ich als Freund von Graustufen in einem bodenständigen Stoff nichts anzufangen weiß.

Es ist nicht so, dass „Eliza Graves“ (Originaltitel) keinen Blick wert wäre, er ist toll gespielt, imposant dekoriert und inhaltlich auch halbwegs interessant. Er ist nur leider weder spannend, noch dramatisch genug ausgefallen, als dass sich aus diesen wundervollen Zutaten etwas Gehaltvolles entwickeln würde. „Stonehearst Asylum - Diese Mauern wirst du nie verlassen“ plätschert eher sanft vor sich hin, ist nett zu schauen, aber ohne wahre Höhepunkte versehen, und ein unnötiger Schlusstwist, der alles zuvor Geglaubte auf ein weiteres umstößt, wirkt so unnötig wie konstruiert, bereichert das fertige Werk somit also auf keinen Fall.

Im Gegenzug dazu dürfen zumindest die alteingesessenen Starmimen Michael Caine und Ben Kingsley auf ein weiteres beweisen, was sie schauspielerisch drauf haben, spielen sie ihren jeweiligen Part doch keineswegs lustlos mit halber Backe herunter. Beide knien sich derart in ihre Rollen hinein, als ginge es um einen gnadenlos großartigen Film, und genau diesem Engagement ist es hauptsächlich zu verdanken, dass der Streifen trotz Vorhersehbarkeit, dem Ignorieren interessanter Chancen und dem zu häufigen Streifen von Klischees (insbesondere in der Schwarz/Weiß-Zeichnung von Gut und Böse) ein Film geworden ist, den man durchaus an einem regnerischen Tag schauen kann als kleinen Film für zwischendurch. Wer aufgrund der Story, des Autors und der Starbesetzung mehr erhofft, wird vom übermäßig vorhandem Mainstream jedoch gnadenlos erschlagen.


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Dienstag, 4. Juli 2017

THE REEF - SCHWIMM UM DEIN LEBEN (The Reef 2010 Andrew Traucki)


Bei einem Segelausflug fünf junger Menschen rammt das Schiff ein Riff. Zwar kann man sich auf das auf dem Wasser treibende Schiffswrack retten, da die Strömung es jedoch immer weiter ins Meer treibt und es zudem bald unterzugehen droht, beschließen vier der Gruppe wieder ins Wasser zu steigen und auf ein 15 Meilen weit geschätztes Festland loszuschwimmen. Mitten auf dem offenem Meer werden sie von einem Hai bedroht...


Was nach der Schildkröte kam...

Ähnlich wie „Open Water“ und „The Shallows“ versucht „The Reefs“ das Thema Hai-Horror auf Survival-Art zu verarbeiten. So wie der erstgenannte Vergleichsfilm lässt man Menschen auf offener See treiben und von einem Hai bedrohen. Mögen die Dialoge auch nicht ausgefuchst ausgefallen sein (was aufgrund der Situation auch ziemlich Fehl am Platz gewesen wäre), zumindest reden die auf dem Meer treibenden jungen Leute in „The Reef“ keinen so unnötigen Stuss wie dort. Trotz dramatischer Momente verkommt das Gesprochene hier nie zur Seifenoper, viel zu angespannt sind die Figuren inmitten der angespannten Situation, dementsprechend wortkarg fällt das Miteinander aus, glaubwürdige Grimassen der Furcht machen sich zunächst bei der Ungewissheit ob ein Hai in der Nähe ist breit und schließlich bei dem vollen Bewusstsein, dass die Befürchtung sich bewahrheitet.

Das schaut sich manches Mal entspannter als man meinen sollte, wechselt sich aber stimmig mit nervenkitzeldenen Momenten ab, in welchen man als Zuschauer vor Spannung den Atem anhält, gerade immer in jenen Szenen, in welchen der Erfahrenste der Gruppe mittels Taucherbrille Ausschau unter Wasser hält, um einzuschätzen wie gefährlich gerade die jeweilige Situation ist. Wie glaubwürdig der Aufhänger des Plots ist, weiß ich nicht zu beurteilen. Für einen Laien des Meeres klingt Lukes Vorschlag zum Aufbruch Richtung nicht sichtbares Festland jedoch plausibel. Ebenso verhält es sich mit der Situation auf dem Wasser. Wer Erfahrenes diesbezüglich mag das mit mehr Kenntniss jedoch anders sehen.

Wie auch immer, zumindest für Couch-Potatoes wie meinereiner weiß die Chose zu funktionieren, auch wenn die Protagonisten hier leider nach zu erwartender Reihenfolge ihr Leben lassen müssen. Zudem kommt der Schluss ein wenig zu plötzlich, und über das Schicksal des fünften Mannes, der auf dem Wrack zurückgeblieben ist, wäre ich gerne per Szeneneinblendung anstatt per finalem Schriftzug unterrichtet worden. Scheinbar wollte man mit dem Ausblenden seines Schicksals den Aufhänger, dass „The Reef - Schwimm um dein Leben“ nach einer wahren Begebenheit erzählt ist, authentisch aufrecht erhalten, aber wer glaubt schon noch an dieses einst werbewirksame Versprechen? Wo andernorts weniger mehr ist, hätte ich in diesem Falle gerne mitbekommen wie er da ganz allein auf dem Wrack sein Ende gefunden hat.

Auch wenn „The Reef“ nur phasenweise jenen Grad Spannungskino erreicht, den man sich von ihm erhofft, ist er doch ein unterhaltsames Stück Nervenkitzel auf offener See. Die Leistung der Mimen weiß zu gefallen, ihre Panik steckt an, die Figurenzeichnung ist glaubwürdig ausgefallen, ebenso wie der Aufhänger der Geschichte, und noch selten habe ich einen Hai-Horror mit realen Haiaufnahmen gesichtet, der diese so förderlich für den Spannungsbogen einfängt wie hier. Wo andere Filme an echten Haien scheitern, eben weil sie meist nur wie billig reingeschnitten wirken, erntet „The Reef“ mit der selben Methode sein Authentizitäts-Plus.


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THE SHALLOWS - GEFAHR AUS DER TIEFE (The Shallows 2016 Jaume Collet-Serra)


Die Studentin Nancy surft an einem abgeschiedenen Strand, wird von einem Hai attackiert und kann sich auf eine winzige Insel flüchten, die etwa 200 Meter vom Ufer entfernt ist. Der Hai lauert weiter im Wasser, und recht bald wird Nancy klar, dass sie völlig auf sich allein gestellt ist...


Auf kleinem Raum mit einer Möwe...

Wie sehr sich ein Hai-Horror, von denen es nun wahrlich genügend gibt, von Spielbergs Vorbild für dieses Sub-Genre, „Der weiße Hai“, entfernen kann, das zeigt der recht anders geartete kleine Überraschungserfolg aus den USA namens „The Shallows“, der gerade in Zeiten, in denen besagte Filme eher durch Pseudo-Trasher a la „Sharknado“ der Firma The Asylum von sich reden machen, als eine Art Ehr-Errettung zu bezeichnen ist. Schließlich beweist er, dass nicht alles Schund ist, was zu diesem Thema gedreht wird. Ebenso beweist er, dass der Reiz dieses Themas noch lange nicht abgeklungen ist, sofern man nach anderen Möglichkeiten sucht von ihm zu erzählen.

Sicherlich ist das Konzept des Streifens nicht neu zu nennen. In „Black Water“ befand man sich bei ebenfalls minimalistischer, ähnlicher Handlung recht realitätsorientiert im Visier eines Krokodils, und mit „Open Water“ versuchte man sich auf ähnliche Art bereits einige Jahre zuvor diesbezüglich am Thema Hai-Angriff. Verlor dieser seinen Realitätsansatz doch bereits in den aufgesetzten Dialogen, womit ihm auch einiges an Spannungspotential verloren ging, konzentriert man sich bei „The Shallows - Gefahr aus der Tiefe“ tatsächlich auf das Wesentliche, verwässert es nicht mit unnötigem Geschwätz oder zusätzlicher Nebenstränge in der Handlung, so dass bei dieser Konsequenz ein spannungsgeladener Horrorfilm herausgekommen ist, der fast ohne filmtypische Übertreibungen daher kommt.

Selbst in seinen reißerischeren Szenen, in denen der Hai nicht mehr ganz so glaubwürdig wie zuvor agiert, bleibt das Werk Jaume Collet-Serra, der uns auch den umstrittenen „House of Wax“ bescherte und den nicht minder zwiespältig aufgenommenen „Orphan - Das Waisenkind“, packend erzählt und auf einem guten Spannungshoch, so dass man dem Streifen nicht wirklich böse ist den Pfad der Realität gelegentlich leicht zu verlassen. Zumindest dürfte Collet-Serra diesmal ein Genre-Beitrag gelungen sein, der die Filmgemeinde nicht ganz so spaltet wie die beiden genannten Beispiele, wobei ich das als Freund beider Filme für diesen hier nur vermuten kann, kommt das „weniger ist mehr“-Prinzip doch sicherlich nicht bei jedem gut an.

Schöne Fotografien, eine gut agierende Hauptdarstellerin mit dem Mut ungeschminkt realistischer zu wirken und der Hang sich in keiner Phase des Films einer Modewelle anzubiedern (nicht einmal in den kurzen Found Footage-Momenten), sowie ein stilsicherer Umgang im Spannungsaufbau und in der Inszenierungsform allgemein machen aus „The Shallows“ einen sehenswerten Beitrag, der zwar nicht zwingend einen Innovationspreis verdient hätte, auf seine Art trotz ähnlich vorhandener Produkte jedoch trotzdem recht eigenständig wirkt. Da der Hai zudem immer im für das Funktionieren der Geschichte richtigem Maße eingesetzt wird und wahrlich zum Fürchten aussieht, steht einem wohligen Unbehagen für 80 Minuten nichts im Weg.


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DIE PHYSIKER (1964 Fritz Umgelter)


In einer Nervenheilanstalt gibt es eine Abteilung in der lediglich drei Patienten wohnen, die sich alle für berühmte Physiker halten. Im Abstand von drei Monaten wurde von zwei verschiedenen Patienten jeweils eine Krankenschwester ermordet. Kurz darauf tötet Möbius, der harmloseste der Patienten, überraschend die dritte...


Gefangen, aber frei...

Zugegeben, die Inhaltsangabe trifft nicht halbwegs das worum es in „Die Physiker“ eigentlich geht, aber mehr zu verraten wäre einfach falsch, da in dem Stück von Friedrich Dürrenmatt, der dieses eigens für die Fernsehproduktion umgeschrieben hat, alles anders ist als es zunächst scheint. Aus einem heiteren Plot, der zunächst den Eindruck eines Kriminalstücks macht, wird ein ernstes Thema mit dramatischem und gesellschaftskritischem Kern. Dürrenmatt liegt es dabei fern trotz leicht grotesker Züge sinnlose Wendungen für den Überraschungseffekt zu integrieren. Das Gesamtkonstrukt ist geistvoller Natur, bewusst gelegt wie es ist, vieles im nachhinein mehr Sinn ergebend als zuvor bemerkbar ist.

Allerdings setzt er einer gelungenen Schluss-Pointe, die das perfekte Ende der Erzählung hätte werden können, eine stärker groteske Zusatzwendung an, die eine weitere halbe Stunde Spielzeit ausmacht. Die langweilt trotz des teilweise schweren Stoffes ebenso wenig wie es die vorangegangenen 90 Minuten taten, rein vom Anspruch des Werkes her ist sie jedoch eher eine Last für „Die Physiker“. Aus einer schlauen, durchdachten Geschichte wird zum Schluss eine etwas aufgedrehte Posse, die erst dann wieder zum Restniveau zurückfindet, wenn sich die drei Physiker zum Schluss per Lebenslauf vom Zuschauer verabschieden.

Ignoriert man die schädliche letzte halbe Stunde, was aufgrund der vorherigen gelungenen 90 Minuten tatsächlich funktionieren kann, bleibt eine geistreich erzählte Warnung, ein Appell an die Vernunft, in der richtigen Gewichtung aus humorvoll und ernsthaft erzählt, ohne dem Stoff in seiner jeweiligen Phase zu schaden. Dass man für dieses empfehlenswerte Stück die zwei überdurchschnittlich guten Mimen Wolfgang Kieling und Siegfried Lowitz gewinnen konnte, wertet die ganze Sache zusätzlich auf.

Kielings zurückhaltendes Spiel lässt ihn zunächst nicht so professionell erscheinen, wie seine Rolle in Wirklichkeit tatsächlich angelegt ist. Ihren Höhepunkt hat sie dann, wenn Kieling allein durch Mimik dem Zuschauer zu verstehen gibt, dass sein Möbius so eben beschlossen hat, dass es keinen anderen Ausweg aus seiner Misere gibt, als ebenfalls einen Mord zu begehen. Dieses Schauspiel hat mir ungemein imponiert und für mich um ein weiteres bewiesen, wie brillant dieser Mann in seinem Fach war.

Dass „Die Physiker“ ein Theaterstück ist, lässt sich nicht übersehen. Zwar wird die TV-Version anfangs durch eine Autofahrt, und somit durch Außenaufnahmen, aufgepeppt, um sich ein wenig von der Bühne zu distanzieren (eine Idee, die zwar nicht nötig gewesen wäre, aber allein aufgrund der dort geführten Dialoge sympathisch zu schauen ist), wirklich ablenken wollte man trotzdem nicht von der Theaterherkunft, hört mit Ankunft im Aufenthaltsraum der drei Physiker das Bemühen um Aufpeppung des Stoffes doch auf. Von dort an konzentriert sich das Buch inhaltlich endgültig auf seine Vorlage, versehen mit leichten Kürzungen im Dialogbereich.

„Die Physiker“ schaut sich kurzweiliger als man es dem etwas verkopften Stoff zugetraut hätte, ist mit seiner zwei Stunden Spielzeit aber trotzdem ein Werk, auf das man sich aufgrund seiner trockenen, dialoglastigen Umsetzung konzentriert einlassen muss. Der Stoff ist weder inszenatorisch, noch inhaltlich eine Erzählung zum entspannen nach Feierabend. Er soll zum Nachdenken anregen, und diesen Punkt trifft auch die TV-Version sehr gekonnt, was nicht nur an der gelungenen Vorlage liegt, sondern auch an der Besetzung jeglicher Figur und dem richtigen Verständnis jedes Schauspielers für seine jeweilige Rolle. Neben den beiden eben erwähnten Stars fiel mir insbesondere Kurt Erhardt mit seiner wohlüberlegten Definition seiner Rolle positiv auf, die gerade mit Wandel der Wahrheit sehr glaubwürdig interpretiert und sensibel verkörpert wurde.


Sonntag, 2. Juli 2017

NACHTFALKEN (Nighthawks 1981 Bruce Malmuth)


Die Cops DaSilva und Fox werden zu einer Spezialeinheit zwangsversetzt, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat den internationalen Terroristen Wulfgar dingfest zu machen...


Undercover Cops auf Terroristenjagd...

„Nachtfalken“ kann man als eine Art verdrehten „Dirty Harry“ bezeichnen. War Harry der Prototyp eines Selbstjustiz-Cops, dem die Gesetze zu lasch erschienen, ist DaSilva trotz seiner militärischen Ausbildung ein Mensch der sich innerhalb seines Jobs bei der Polizei nicht als Mörder sieht, während die Kurzausbildung zum Anti-Terror-Befohlenen ihm das Gegenteil beibringen möchte. In beiden Fällen wird ein psychopathischer Killer gejagt. Hier wie dort nimmt er eine größere Gruppe als Geiseln in einem öffentlichen Transportmittel, hier wie dort gerät seine Mission in den Hintergrund, da er es im Laufe der Handlung speziell auf seinen aktuellen Gegner, die Hauptfigur, abgesehen hat.

Während der Vergleichsfilm neue Maßstäbe setzte und damit weit aus dem Durchschnitt herausragt (selbst heute noch), schaut sich „Hawks“ (Alternativtitel) eher durchschnittlich. Auf manchen wird er eventuell gar altbacken wirken, ich fand ihn jedoch angenehm routiniert erzählt, besitzt er in seiner Entstehungszeit der frühen 80er Jahre doch noch dieses angenehm pulpige 70er Jahre-Flair, und da er ziemlich geradeheraus ohne große Umschwünge erzählt ist und direkt zur Sache kommt, ist er auch recht kurzweilig umgesetzt. Der düstere Grundton verleiht ihm eine stimmige Atmosphäre, der Hundeblick Stallones verleiht dem Zuschauer Zugang zur Figur DaSilvas, die irgendwo zwischen Proleten-Cop und vernünftigem Mensch mit Sozialempfinden angelegt ist.

Sehr tief geht man bei der Charakterzeichnung nicht. Sehr tief greift aber auch die Geschichte nicht, die immer wieder kurzfristig Abstecher in Unnötigkeiten vornimmt, die hinterher kaum noch von Bedeutung sind. Dementsprechend vermutet man aufgrund dessen manchmal einen pfiffigeren Plot als jenen, der uns tatsächlich dargeboten wird. Wie erwähnt ist „Nighthawks“ (Originaltitel) sehr gerade aus erzählt. Aber die gut besetzten Darsteller kleiner wie großer Rollen, die düstere Atmosphäre und der nüchterne Grundton machen daraus ein sympathisches Filmerlebnis, und zudem eines in dem angenehmer Weise weit weniger Action enthalten ist, als man es kurz darauf von einem Cop-Thriller gewohnt war.


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FRANKENSTEINS TODESRENNEN (Death Race 2000 1975 Paul Bartel)


Im Jahr 2000 finden zur Belustigung des Volkes eines totalitären Amerikas Autorennen statt, bei welchen es Punkte für das Töten von Passanten gibt. Ein Mitglied einer Widerstandsbewegung hat sich als Navigator von Frankenstein eingenistet, dem größten Nationalhelden des Rennens...


Das denkende Tier über das französische Wort Sabotage...

Ein Jahr bevor Sylvester Stallone mit „Rocky“ zum Weltstar werden sollte, ergatterte er eine große Nebenrolle in „Frankensteins Todesrennen“, einer Roger Corman-Produktion, die zwar so kostengünstig ausgefallen ist wie alle Filme unter dessen Geldgebung, dem man diesen Zustand jedoch nicht so offensichtlich ansieht wie in den meisten Werken des Schundproduzenten. Regisseur Paul Bartel verleiht der spöttischen Science Fiction-Satire einen absichtlich trashigen Anstrich, so dass die Kostengünstigkeit Teil des Stilmittels wird, anstatt als Abstrich eventueller Möglichkeiten zu wirken.

Mit dem damals prominenten David Carradine in der Hauptrolle besetzt, erzählt der Film auf humoristische Art etwas Vergleichbares wie der im selben Jahr erschienende „Rollerball“. Beide kritisieren totalitäre Systeme, verurteilen den Spaß am Voyeurismus (der Gegenwart) anhand einer Sportart der Zukunft und stellen diesen durch tödliche und brutale Übertreibung dar. Beide Werke schaffen es gekonnt ihre Gesellschaftskritik an den Mann zu bringen, auch wenn es „Death Race 2000“ (Originaltitel) diesbezüglich etwas schwerer hat, eben weil er freiwillig schundig, teilweise gar recht albern inszeniert ist. Dennoch wird es nie zu zotig, der Klamauk wird dezent eingebracht und nie zu sehr vertieft. Carradine als ernster Mime hält ebenso dagegen, wie die spannend ausgefallenen Rennszenen.

Da wird zur Überspitzung extrem albern das Mediengeschehen mittels überdrehter Moderatoren dargestellt, meistens arbeitet man aber recht augenzwinkernd und sarkastisch mit der traurigen Normalität der Zukunft, gepaart mit bitteren Andeutungen am Rande, wie der Erwähnung staatlicher Erziehungsanstalten, in welchen die zukünftigen Fahrer regelrecht gezüchtigt werden. Während die Manipulation der Wahrheit recht lustig thematisiert wird, in dem Feinde aus dem eigenen Land als Franzosen umgedichtet werden, zeigt sich manche Kritik auch in ihrer Härte, wenn beispielsweise recht blutig den Passanten auf der Straße das Leben genommen wird.

Dank des Mixes aus allen verwendeten Faktoren wird „Herrscher der Straße“ (Alternativtitel) damit zu keinem zweischneidigen Schwert wie „Running Man“. Bartels Film lebt nicht von dem Voyeurismus, den er gleichzeitig anklagt. Die kurzgehaltenen Gräueltaten sind Mittel zum Zweck, um inmitten eines komödiantisch angelegten Plots auf die Ernsthaftigkeit des Themas hinzuweisen. Sie sind weder das einzige Mittel zu diesem Zweck, noch zu dominant eingebracht. Teilweise geschehen diese Bluttaten gar beiläufig. Das Desinteresse der Figuren diesbezüglich stärkt die Kritik an der ignoranten Zukunftsgesellschaft, und eine übertriebene Charakterzeichnung sorgt für die satirische Distanz.

Herrlich kaputt zurecht gemachte Autos, welche die Karren aus „Die Autos, die Paris auffraßen“ müde aussehen lassen, eine temporeiche Umsetzung und ein pointensicherer Umgang mit der Gesellschaft der Zukunft machen aus „Frankensteins Todesrennen“ eine unterhaltsame, gelungene Science Fiction-Satire, die es auf spaßige Art schafft ernste Bedenken der Gesellschaft der damaligen Gegenwart an den Mann zu bringen. Gerade die kostengünstige, fast schon unprofessionell wirkende Umsetzung wirkt zum Erreichen dieses Ziels vorteilhaft. Bartel hält jedoch immer die Grenze gekonnt im Auge, so dass der Streifen nie wirklich amateurhaft oder dilettantisch ausfällt. Er und Corman wussten genau wie sie stilistisch vorgehen mussten, um das gewünschte Ziel zu erreichen.


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PRAXIS DR. HASENBEIN! (1997 Helge Schneider)


Hausarzt und Vater Dr. Angelika Hasenbein hat stets Zwist mit den Bewohnern des benachbarten Kinderheimes. Als er versehentlich den Hamster der Kinder tötet, da er deren Begehren sich nach dessem Wohlbefinden zu erkunden für einen erneuten Kinderstreich hält, eskaliert die Situation...


Karges Loch...

Mit „Praxis Dr. Hasenbein!“ perfektionierte Helge Schneider seine Art des gegen alle Filmregeln verstoßenden Filmschaffens, das er mit „Texas“ bereits gekonnt eingeführt hatte und mit „Null Null Schneider“ auf eine Extreme aufgeblasen hatte. Konnte man diesem schon kaum eine Handlung anmerken, der dritte Streich des Ausnahmekomikers („Johnny Flash“ nicht mitgezählt, da er eher ein Andreas Kunze-Film ist) verweigert sich endgültig einer wirklichen Geschichte, weswegen man meine Inhaltsangabe nicht zu wörtlich nehmen sollte, ist der dort genannte Hauptaspekt der Geschichte doch ebenso sehr Nebensache wie alles andere Gezeigte, oder anders betrachtet: er ist so sehr Hauptaugenmerk wie alles andere was im Film passiert.

Helge Schneider nutzt eine „Lindenstraße“-ähnliche Situation. Er präsentiert uns die arbeitenden und lebenden Bürger des Straßenviertels in welchem Hasenbein mit seinem Sohn Peterchen wohnt, zeigt deren Alltag, der ebenso wie die Ortsansässigen selbst, höchst skurrile Züge aufweist. Aber alles was uns grotesk und merkwürdig vorkommt, ist in diesem kleinen Mikrokosmos völlig normal, da hinterfragt niemand irgendetwas, mit Ausnahme eines bizarren Filmes über einen Vogelmann, den mancher Kinobesucher dann selbst innerhalb seines grotesken Alltags als zu unsinnig empfand. Letztendlich parodiert Helge Schneider auf seine ganz eigene Art wie gehabt Medien und Bürgeralltag, liebt es mit Klischees zu spielen, was gerade in Szenen absichtlich übertriebener Gefühlsduselei seinen satirischen Höhepunkt findet, z.B. wenn Hasenbein nach Absage einer Geburtstagseinladung mit seinem Gewissen ringt, oder aber im Zeigen der Fröhlichkeit innerhalb des Kinderheimes mittels eines ständig gemeinsam gesungenen Liedes.

„Praxis Dr. Hasenbein“ ist so harmlos in seiner Art wie bescheuert, und aufgrund der reinen Schneider-Komik, völlig abgegrenzt einer erzählenswerten Geschichte oder klassischer Pointensetzung üblicher Komödien, scheidet er von allen Werken des Komikers die Geister wohl am meisten, was aber zumindest bedeutet, dass Freunde des Ausnahmehumoristen hier einen Höhepunkt seines Schaffens erleben, strotzt „Praxis Dr. Hasenbein“ doch nur so voll brillanter Ideen, so dass zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommt. Die Schwachstellen eines „Null Null Schneider“ tauchen nicht mehr auf, Schneider selbst agiert in Hochform, und da jeder Darsteller seine eigene skurrile Art an den Tag legen darf, atmet der Film die Luft gemeinschaftlichem Schaffens und wird damit nie komplett zu einer Ein-Mann-Show.

Freilich liegt es in Helges Natur sich dennoch stets in den Vordergrund zu spielen, und schließlich ist er auch die Hauptfigur, und das fertige Werk atmet an allen Ecken und Enden seinen Humor, sein Kunstschaffen und seine Mentalität. Aber der bunte Haufen Randdarsteller bereichert das Geschehen ungemein und lässt das komplette (Nicht)Geschehen um so grotesker wirken, eben weil Hasenbein kein Irrer allein unter Normalen ist. Und man darf Helge Schneider dafür loben, dass er es in dieser irrsinnig scheinenden, grotesken Alternativwelt schafft, dem guten Beobachter dennoch das Absurde des tatsächlichen Alltags unserer wirklichen Welt vor Augen zu führen.

Die Methoden mit welchen Helge wie üblich diesbezüglich förderlich arbeitet sind ungewöhnlich und eigenständig zu nennen. Spezielle eigens für diesen Film verwendete Ideen, wie das Einbringen des ewig per Handy telefonierenden Skinheads Carlos als Bewohner des Kinderheimes und dessen besten Auftrittes, wenn er Solo das Fitze Fatze-Lied singen soll, verleihen „Praxis Dr. Hasenbein!“ im Einheitsmeer klassischer Helge Schneider-Filme einen individuellen Bonus, so dass der dritte Streifen dieser Art nicht nur in seiner Extreme des Helge-typischen Vorgehens auffällt, sondern auch inhaltlich zum Highlight innerhalb des filmischen Schaffens des eigentlich auf Musikkomik spezialisierten Künstlers wird.

Seinen Höhepunkt erreicht der ohnehin genial zu schauende Streifen dann, wenn kurz vor Schluss plötzlich der Krieg ausbricht, uns Helge kurz im Off-Kommentar nahebringt wie Dr. Hasenbein den Krieg erlebt, bzw. besser gesagt ignoriert, hat, um dann auf das Nachkriegs-Viertel überzuschwenken, welches das bislang gekannte Treiben dort sehr humorvoll auf den Kopf stellt. Im Hintergrund passend hinzugefügte Gegenstände, wie der elektronische Geldautomat oder die gelbe Mülltonne, suggerieren bereits äußerlich eine Moderne, die im Gegensatz zum freien, fröhlichen Einerlei zuvor eine strengere Welt der Regelsetzung aufweist. Und mitzuerleben was aus den Figuren und Läden wurde, die man zuvor ins Herz geschlossen hat, verfehlt seinen jeweiligen humoristischen, wie kritischen Zweck ebenso wenig. Mittendrin schafft es der Darsteller des Peterchen zudem noch sich über verdrängte Vaterkomplexe lustig zu machen, indem er nach der erwachsenen Version seiner zuvor als Kind dargebotenen Rolle das zuvorige Spiel als Kind in die Erwachsenenrolle zurück mit einfließen lässt.

Dieser und viele andere Momente beweisen die Intelligenz eines Streifens, den viele aufgrund des Absurdem und der Vorurteile gegenüber Helge Schneiders ungewöhnlichem, aber ehrlichem Humors nicht erkennen können oder wollen. Mag Helge auch hemmungslos herumalbern, und dies des öfteren auch sicherlich verspielt geistlos, in anderen Momenten weiß er ganz genau was er auf seine ganz spezielle Art aufs Korn nimmt oder kritisiert und warum er es auf die jeweilige Art macht. Für aufgeschlossene Menschen ist es eine fruchtbare Bereicherung sich mit Schneiders Künsten auseinanderzusetzen, egal ob wir von Helge dem Musiker, dem Filmemacher, dem Zeichner oder dem Schriftsteller sprechen.


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DIE WURMFRESSER (The Worm Eaters 1977 Herb Robins)


Da sie ihm seinen rechtsmäßigen Besitz, den See der Kleinstadt, für ein Bauprojekt trockenlegen wollen, wehrt sich Hinterwäldler Umgar, indem er den Leuten Würmer ins Essen mischt, was zur Folge hat, dass diese sich in menschliche Wurmmutanten verwandeln...


Der Wurmflüsterer...

Regisseur und Hauptdarsteller Herb Robins hat durch seine Auftritte in „Invasion der Bienenmädchen“ und „Convoy“ bereits in einigen aufmüpfigen Filmen mitgespielt, die sich bewusst gegen gesellschaftliche oder filmische Konventionen stellten. Auch seine erste Regiearbeit „Die Wurmfresser“ stellt sich gegen die Großen, in diesem Falle den Bürgermeister und die den Kapitalismus frönende Industrie. Ihnen gegenüber wird ein schmuddeliger Hinterwäldler gestellt, und ob dieser als Gegenstück zur kritisierten Gegenseite zum Nachdenken anregt, sei einmal dahingestellt, so unsympathisch wie auch er agiert.

Mag es auch keine sympathischen Seiten in diesem kleinen Schmuddelwerk geben, „The Worm Eaters“ (Originaltitel) möchte ohnehin eine Komödie sein, und wieviel echtes Warnen vor den Großen da oben tatsächlich noch gewollt ist, oder ob Robins gegen alles schießen wollte, wird nicht ganz deutlich, kann letztendlich aber auch egal sein, so uninspiriert wie der Streifen inszeniert ist. Zwar ist er sich seines Schmuddelfilmfaktors und seiner Kostengünstigkeit durchaus bewusst, was ihm einen Hauch Charme zukommen lässt, aber die lahme Inszenierung und das ständige Hauptaugenmerk auf Wurmaufnahmen, in der Hoffnung das Zweigen der Viecher würde manch einen bereits ekeln, bremsen „Die Wurmfresser“ noch weit vor dem Vertiefen seiner eigentlichen Geschichte aus.

Das infantile Titellied während des Sichtens von Zeichnungen auf Kindergartenniveau weiß ebenso zu gefallen wie die absichtlich billig getricksten Wurmmutanten. Auch die Laute, die sie von sich geben, sind eine gelungene, kindisch gehaltene, Parodie auf das Genre des Horrors. Aber viel mehr hat „Die Wurmfresser“ sonst auch nicht mehr zu bieten. Je weiter es Richtung Finale geht, desto öfter darf man in Nahaufnahmen gehalten Menschen dabei zusehen, wie sie während der Nahrungsaufnahme zusätzlich auf Würmern herumkauen, was dann auch tatsächlich zu ekeln weiß. Und wenn es gegen Ende auch dem Anti-Helden Umgar ans Leder geht, darf auch der Hauptverantwortliche des Filmes auf allerhand Würmern herumkauen, die ihm regelrecht in die Kehle gestopft werden. Das verfehlt seine Wirkung zwar auch nicht, verursacht aufgrund des plumpen, reißerischen Schauwertes aber auch nur ein müdes Achselzucken, eben weil „Die Wurmfresser“ keinen weiteren, echten Schauwert bietet.

Er ist zu desinteressiert erzählt, lenkt sich selbst zu sehr mit Nebensächlichkeiten ab und kann weder im Humor- noch im Horrorbereich derart ausholen, als dass er auf irgendeine Art zu unterhalten wüsste. Wenn man Umgar ewig dabei zusehen muss, wie er seine Freunde, die Würmer, streichelt und mit ihnen spricht, geht das doch eher gewaltig auf die Nerven, als dass dieses Entrücken aus der Realität zum Schmunzeln anregen würde oder einen traurig, bzw. nachdenklich stimmen würde. Jeglicher Humor wird unsensibel mit dem Holzhammer präsentiert, das freiwillige Hineinstürzen in filmischen Trash wird von der Belanglosigkeit aller Ereignisse ausgebremst. Was bleibt ist ein Langeweiler mit individuellem Touch. 11 Jahre später drehte Robins noch den in Deutschland nicht erschienenden „The Brain Suckers“, danach kehrte er dem Medium Film beruflisch den Rücken zu.


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Donnerstag, 29. Juni 2017

MAKO, DIE BESTIE (Mako - The Jaws of Death 1976 William Grefé)


Außenseiter Sonny ist ein Freund der Haie. Ein Amulett beschützt ihn davor von ihnen attackiert zu werden. Wer ihnen schadet, den lässt Sonny von seinen Freunden töten...


Unterwasser-Hai-Ballett...

Der Horrorfilme mit Öko-Botschaft gab es in den 70er Jahren viele. Während „Barracuda“ beispielseweise eher ein Öko-Krimi mit Horrorfilm-Touch war, der seine Botschaft zum Thema Naturschutz sehr deutlich ausführte, ist „Mako, die Bestie“ ein zweischneidiges Schwert. Zwar nimmt er auf der einen Seite die Tiere in Schutz und plädiert für einen respektvollen Umgang mit den Bewohnern der Meere, auf der anderen Seite stellt er sie jedoch als blutrünstige Wesen da, so als ob jeder Hai ein Menschenfresser wäre und auf nichts weiter warten würde als endlich über einen von uns herfallen zu können.

In „Mako, der Killerhai“ (Alternativtitel), in welchem es weder um einen einzigen Hai geht, noch dass ein gewisser Mako von ihnen je im Zentrum stehen würde, geht es angelehnt an den recht erfolgreichen „Willard“ um einen Menschen, auf dessen Befehl Tiere morden. Was dort die Ratten waren, sind hier die Haie, und von denen sehen wir einzig reale Aufnahmen, Attrappen kann da suchen wer will. Die Aufnahmen sind zwar nicht so aufregend wie uns der Off-Kommentar zu Beginn des Films weißmachen möchte, einen gewissen Respekt kann man dieser Vorgehensweise jedoch entgegen bringen.

Ohnehin ist „Jaws of Death“ (Alternativtitel) theoretisch recht anständig umgesetzt. Er konzentriert sich auf seine Geschichte, kommt ohne zusätzliche Effekthascherei aus, ist in aller Seelenruhe erzählt und bietet zudem einen Aufhänger, der ihn zu mehr macht als zum reinen „Der weiße Hai“-Mitläufer. Nur leider ist das Ergebnis höchst langweilig ausgefallen. Den Haien geht es mehr ans Leder als den Menschen, und den mal wutschnaubenden, mal lammfromm naiven Sonny dabei zuzusehen, wie er sich für seine Freunde einsetzt, interessiert auf Dauer niemandem wirklich. Im Gegenzug zu seinen Szenen dürfen wir aufgrund der realen Aufnahmen nur angedeutete Haiattacken sichten, rote Farbe inmitten von Wasser sorgt für den schnarchigen Rest.

Wie uninspiriert die eigentlich reizvolle Geschichte erzählt ist, merkt man besonders deutlich anhand einer Rückblickszene, in der wir erfahren wie Sonny an sein Amulett geraten ist. Zwar will uns der Off-Kommentar weiß machen, unser Held hätte nach dem Durchschwimmen eines Haigewässers, ohne Schaden davon zu tragen, einen mystischen Ort mit einem sonderbaren Mann gesichtet, viel mehr sehen wir jedoch einen alten Tattergreis vor einer billig errichteten Strohhütte hocken. Und wenn die Worte im Off uns von einer magisch klingenden Zeremonie berichten, sehen wir gleichzeitig bei etwas zu, das banaler nicht ausfallen könnte. Kult sieht anders aus. Jeder Mann, der seiner Frau eine frisch geschenkte Kette anlegt, müsste nach Logik des Films damit eine Zeremonie abhalten. Viel mehr Taten vollzieht der gar nicht weise und mystisch wirkende alte Opa an Sonny auch nicht.

Man hätte mehr aus „Mako, die Bestie“ herausholen können, aber allein die Besetzung reißt bereits nichts raus. Sonny wird von einem Irgendwer dargestellt, dem es am nötigen Charisma fehlt. Einzig wenn er mit Taucherbrille bekleidet wie eine Bedrohung mit seinem Gesicht aus dem Wasser ragt, erinnert er ein wenig an die Soldaten aus „Die Schreckensmacht der Zombies“, was aber hauptsächlich an seinen blonden Haaren liegt. Die weibliche Hauptfigur nervt penetrant, der Rest spielt schnarchig oder routiniert, ein Zustand zwischen dem auch der eigentliche Film hin und her pendelt. Mir hat er nicht gefallen. Ich greife beim nächsten Mal lieber wieder zu besagtem Ratten-Horror oder zu „Kuss der Tarantel“. Dort nutzt ebenfalls jemand Tiere als Mordwaffe.


Weitere Besprechungen zu Mako, die Bestie: