08.12.2019

PUPPET MASTER 2 (1990 David Allen)


Die Puppen erwecken ihren Schöpfer André Toulon zu neuem Leben. Sie schwächeln und benötigen dringend Hilfe. Just in dieser Zeit findet sich eine Gruppe Forscher im Bodega Bay Inn Hotel ein, um herauszufinden, was es mit dem Verschwinden ihrer Forscherkollegen auf sich hat...


Wenn die Liebe einen zum Verräter macht...

"Puppet Master 2" schließt direkt an den Ereignissen des Erstlings an, wenn eine Gruppe Forscher herausfinden möchte, was mit der Forschergruppe aus "Puppet Master" geschehen ist. Nötig wäre das nicht gewesen, wenn man den Fortlauf der Geschichte betrachtet, welcher die Erzählung von Teil 1 lediglich variiert. Denn letztendlich ist es egal, dass die Parawissenschaftler sich aufgrund der anderen Gruppe hier aufhalten. Schön ist, dass trotz Regiewechsel zu David Allen, der nur zwei Mal für Produzent Charles Band tätig war, der Ton der Fortsetzung mit jenem des Vorgängers zwar übereinstimmt, "Puppet Master 2 - Die Rückkehr" (Alternativtitel) in seiner nüchtern vorgetragenen Art dennoch eine Spur schräger zu nennen ist. Hierfür sorgt hauptsächlich der auferstandene Toulon, der mit einer Gesichtsbandage einen auf "Der Unsichtbare" macht, höchst skurril wirkt, dies aber scheinbar nur bedingt auf die Gruppe Wissenschaftler. Die traut dem guten Mann zwar nicht, hält ihn aber für halbwegs normal, trotz seines schrägen Auftretens, seinem rätselhaften Verhalten und dem Fakt dass er eigentlich nicht vor Ort sein dürfte. Gerade mit Blick auf die Vorgeschichte, hätte man ihm eigentlich mehr auf den Zahn fühlen müssen, als es unsere Forschergruppe tut.

Die verhalten sich aber ohnehin nicht wie Wissenschaftler, was ziemlich egal ist, wenn man einen Charles Band-Film sieht, denn in einem solchen erwartet man als erfahrener Gast seiner Werke derartige Korrektheiten nicht. Ebenso wenig wie geglückte Spezialeffekte, aber um diese hat sich der Billigproduzent zu dieser Zeit noch aufmerksamer gekümmert, als in späteren Produktionen, deswegen weiß die Puppenanimation auf schlichte Art auch zu gefallen, auch wenn sie nicht professioneller ausgefallen ist als jene aus Teil 1. Eine neue Puppe mit Flammenwerfer ist zur üblichen Truppe Killerpuppen hinzu gestoßen, die mir vom Design her besonders gut gefällt. Und gegen Ende, wenn "Puppetmaster 2" (Alternativtitel) in eine andere Richtung lenkt, gibt es noch einen anderen puppenartigen Schauwert zu sichten, den Teil 1 nicht zu bieten hatte, der Freunden schräger Gimmicks ebenfalls gefallen dürfte. Mit dem dort vollzogenen Wandel, der von Liebe und Betrug handelt, gewinnt der seinem Vorgänger ansonsten recht ähnliche Film endgültig seine Daseinsberechtigung als sympathischer Zwischendurchverzehr ohne Anspruch. Zwar wurde die stimmige Atmosphäre des ersten Teils durch das Verwenden derartiger Quantitäten ein wenig aufgebrochen, meiner Meinung nach tut dies Teil 2 jedoch auf andere Art gut, so dass der eine Teil dem anderen in nichts nachsteht. Beide bereiten mit unterschiedlichem Schwerpunkt bei sehr ähnlicher Umsetzung Freude, sofern man mit schlichten Erwartungen heran geht. Denn auch als Stammzuschauer der langlebigen Reihe bin ich mir dessen bewusst, dass keiner der bislang 13 Filme, in denen die Killerpuppen aufgetaucht sind, eine Offenbarung war.


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07.12.2019

BLACK MOUNTAIN SIDE - DAS DING AUS DEM EIS (Black Mountain Side 2014 Nick Szostakiwskyj)


Am nördlichsten Forschungspunkt Kanadas fordert man einen wissenschaftlichen Experten an, da man im Eis auf ein altes Artefakt mit rätselhaften Schriftzeichen gestoßen ist. Während die Forscher versuchen das Geheimnis dieses Ortes zu erörtern, geht eine rätselhafte Krankheit um...


Gott ist ein Rentier...

Nick Szostakiwskyjs Debüt ist seine bislang einzige Regiearbeit. Er selbst hat die hier erzählte Geschichte geschrieben, und glücklicher Weise bekam er dafür Geldgeber. Zwar schaut sich seine Erzählung wie ein Mix aus "Shining", "Cabin Fever" und "Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All", was erst einmal nach einer munter zusammengeklauten Chose klingt, es ist aber der rational, fast schon nüchtern vorgetragenen Old School-Inszenierung zu verdanken, dass aus einem routiniert klingendem Stoff ein interessantes Stück Horrorfilm geworden ist. Stille Momente, längere, auch gerne mal ereignislose, Aufnahmen und ein unaufgeregt vorgetragener Plot bescheren den nötigen Charme. Überzeugende Darsteller agieren in glaubwürdigen Situationen. Rationales Denken und ein entspannt gedehntes Zeitfenster der Geschehnisse unterstützen die Authentizität des Stoffes. Man verweigert sich der hektischen Erzählweise heutiger Tage, setzt auf Qualitäten, anstatt auf Quantitäten, und es wäre schön gewesen, wenn die Verantwortlichen der deutschen DVD-Veröffentlichung es ebenso gesehen hätten. Die bescheren einem leider eine mäßige Synchronisation. Das Verweigern eines deutschen Untertitels, um in den Originalton flüchten zu können, und das Fehlen eines Trailers zum Film unter den Extras, wissen passend dazu ebenso zu enttäuschen.

Der Film selbst hingegen, ist atmosphärisch inszeniert, hätte vielleicht fotografisch eine Spur kunstvoller ausgefallen sein können, letztendlich weiß die lebensfeindliche Umgebung aber dennoch zu wirken, ohne auf großartige Bilder zu setzen. Während die Figuren rational vorgehen, nachvollziehbare Überlegungen äußern und ohnehin glaubwürdig wie Wissenschaftler wirken, verlässt "Black Mountain Side" in seiner Aufgabe als Horrorfilm irgendwann den rationalen Bereich und erlaubt sich gewagte Ideen, die manch einer sicherlich als zu schwachsinnig empfinden könnte. Es ist dem Talent des Autors zu verdanken, dass diese vollkommen ernst vorgetragenen "Idiotien" zu keiner unfreiwilligen Komik führen, oder zumindest zu einer Beendigung der bisher dargebotenen Glaubwürdigkeit. Bis einschließlich zum Schluss schwanken diese eingestreuten Horrorelemente zwischen möglicher Einbildung und personenübergreifender Wahrnehmung, so dass nie schlüssig enträstelt wird was Wahn und mystische Wirklichkeit ist. Uns wird nicht deutlich erklärt, auf was die Forschercrew gestoßen ist, eben weil wir nur das erfahren, was auch sie heraus finden, erleben und glauben zu erleben. "Black Mountain Side" wird somit zu jener Art Horror mit offenen Fragen, der den Stoff damit bereichert, anstatt damit lückenhaft zu wirken, oder gar dreist anzumuten. Ich kann dieses wundervolle Ausnahmeprodukt nur wärmstens empfehlen. Trotz des Handlungsortes und dem zentralen Einbringen einer Infektion, ist der im Beititel angedeutete Verweis auf "Das Ding aus einer anderen Welt" freilich irreführend und nicht zutreffend, was ein weiterer Beweis dafür ist, dass der deutsche Verleih nicht wirklich wusste, was er mit diesem starken Stoff, der sich angenehm sowohl dem Mainstream, als auch dem Arthouse verweigert, anfangen soll.


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TREMORS 6 - EIN KALTER TAG IN DER HÖLLE (Tremors: A Cold Day in Hell 2018 Don Michael Paul)


Graboidenvorkommen in Kanada stellen alles auf dem Kopf, was man glaubte von den Raketenwürmern zu wissen. Der unter einem Graboidenparasit erkrankte Burt nimmt gemeinsam mit seinem Sohn den Kampf gegen die Biester auf...


Wenig Schnee in kalter Hölle...

Nach "Tremors 5" übernahm erneut Don Michael Paul die Regie, unabhängig davon, dass er mit dem Vorgänger eigentlich nur Routine abgeliefert hatte. Die Geldgeber schien das nicht zu stören, und mit dem Aufhänger mit Graboiden im Eis lockt man selbst den ernüchterten Stammzuschauer der Reihe zurück. Verglichen mit dem etwas zu müde ausgefallenen Vorgänger ist Teil 6 der kultisch gestarteten Reihe ein klein wenig besser ausgefallen, das Gelbe vom Ei ist aber auch er nicht geworden. Dabei macht er auf dem ersten Blick eigentlich nichts falsch. Eigentlich scheitert "Tremors 6" beim eingeweihten Publikum lediglich daran, zum x-ten Mal das selbe Rezept präsentiert zu bekommen. Während ich bei "Freitag der 13.", "Halloween" und Co immer wieder den nächsten Aufguss mit Vergnügen sichten kann, gibt mir die Blaupause der Graboiden nicht selbigen, simplen Kick. Zu bekannt ist das alles präsentiert, selbst der lange Zeit überraschend gut funktionierende Waffennarr Burt wirkt mittlerweile nur noch blass, ist aber zumindest nicht mehr wie im Vorgänger derart stark zum Maulhelden mutiert.

Das Tempo ist eigentlich okay zu nennen, ebenso die Tricktechnik, welche die Graboiden banal überzeugend in Szene setzt. Man baut recht häufig die Arschknaller ein, was eine Art Zugeständnis an den Stammzuschauer ist. Und mit dem Aspekt eines Parasiten, den Burt sich einst im Magen eines Raketenwurms geholt hat, baut man nicht nur auf eine für Fans vertraute Erinnerung, sondern auch auf eine interessante neue Idee. Letztendlich hat diese dem Ergebnis des Streifens jedoch so wenig tatsächlich frischen Wind zu bieten, wie die Entscheidung "Tremors 6" in der Kälte spielen zu lassen. Diese Idee entpuppt sich ohnehin als Mogelpackung, dürfen die Graboiden doch kaum im Schnee tätig werden. Der Hauptteil der Geschichte spielt frei von Schnee und Eis, es ist lediglich saukalt da draußen. So grüßt eigentlich doch nur täglich das Murmeltier, "Tremors 6" erhält trotz diverser Anlaufversuche keinen individuellen Touch und bleibt austauschbar wie sein Vorgänger und Tremors 4". Wie erwähnt macht man nicht wirklich etwas falsch. Die Dosierung aus Rahmenhandlung, Figurenvertiefung und Graboidenszenen geht vollkommen in Ordnung, das Szenario ist weder spannend, noch langweilig ausgefallen, und eine Restsympathie bleibt stets bestehen. Und doch fühlt sich "Tremors: A Cold Day in Hell" (Originaltitel) unbefriedigend an, für den anspruchslosen Zwischendurchverzehr als okay durchgehend, letztendlich aber nur mit einem Achselzucken in Erinnerung bleibend.


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FRANKENSTEINS KUNG-FU MONSTER (Shan Dian Qi Shi V3 1975 Lin Chung-Kuang)


Eine Gruppe Superhelden kämpft gegen Monster, die der verrückte Dr. Frankenstein kreiert hat, und die unter der Führung eines gewissen General Skorpion eine Substanz bergen sollen, die menschliche Körper komplett aufzulösen vermag...


Explodierende Verlierer...

Im asiatischen Raum gab es allerhand Produktionen rund um die "Kamen Raidâ", die ihren cineastischen Ursprung als TV-Serie und Kinofilm-Version Anfang der 70er Jahre in Japan fanden und deren Abenteuer bis ins heutige Jahrzehnt dort noch verfilmt werden. Nach Deutschland kommen kaum welche dieser Produkte, und der hier besprochene ist ein Aufsprung auf den finanzstarken Erfolg des Originals, nachgedreht in Taiwan, wenn auch mitunter Filmmaterial von der japanischen Versionen verwendend. Dass "Frankensteins Kung-Fu Monster", ebenso wie seine Fortsetzung "Krieg der Infras", ein Kinofilm sein soll, ist ihm kaum anzusehen, so herrlich schrottig wie er inszeniert ist. Er beginnt gleich fernab der eigentlichen Geschichte mit später ebenfalls verwendeter Motorcross-Action, schnell, schlicht und sinnlos aneinander geschnitten, eingebracht um den Film ein wenig in die Länge zu ziehen. Der geht mit all seinem Streckmaterial, wie mehrfach verwendeter Aufnahmen, lediglich knapp über 70 Minuten, wer weiß wie kurz er ohne diesen Pfusch wäre.

Bös kann man diesem kleinen Vertreter billiger Fantasy- und Science Fiction-Kampfkino-Unterhaltung ohnehin nicht sein, ist er doch sympathisch dämlich ausgefallen und seinerzeit ohnehin nur als Unterhaltung für Kinder gedacht gewesen. Der plumpe Umgang mit Schnitten und sinnloser Aneinanderreihungen von Szenen, wie wir ihn in den ersten Streckmaterial-Minuten erleben durften, begleitet auch den Komplettfilm, der nur selten so etwas wie einen roten Faden aufblitzen lässt und uns erst sehr spät einweiht, um was es eigentlich gehen soll. Dass selbst die durchschaubaren, als Inhalt zu bezeichnenden, Momente noch immer völlig unsinnig und hanebüchen ausgefallen sind, unterstützt den ohnehin vorhandenen Trashcharme, denn bei aller Liebe kann man mehr in diesem dilettantischen zusammengeschusterten Streifen nicht sehen. Erstaunlicher Weise macht sein komprimiert dargebotener Unsinn bis zum Schluss Spaß, obwohl das Treiben eher monotoner Natur ist und "The Super Riders V3" (Alternativtitel) eigentlich nur von einer schlecht choreographierten Kampfsequenz zur nächsten springt.

Die herrlich billig konstruierten Kostüme schauen sich angenehm schäbig und grotesk, die schlechten Spezialeffekte, meist durch Rauchbomben und Schnitten dargeboten, wissen zu amüsieren, und das extrem naive und meist sinnlose Treiben aller Figuren, eben auch weil "Kung-Fu Raiders" (Alternativtitel) ein Kinderfilm ist, bildet das Sahnehäubchen auf dem kläglichen Versuch ein Werk dieser Art kinotauglich erscheinen zu lassen. Mich persönlich begeisterten insbesondere die explodierenden Tode der Monster, ein braunes Monsterkostüm, welches inklusive deutscher Synchronstimme an den Pizzamampf aus "Spaceballs" erinnerte, der herrlich fröhliche Soundtrack und manch inhaltliche Unsinnigkeiten, die großenteils wohl der Deutschvertonung zu verdanken sind. So weiß beispielsweise die Aussage zu belustigen, dass Frankenstein seit je her dafür bekannt ist, stets die Welt erobern zu wollen, oder das viel zu lange Grübeln der Helden darüber, warum ein zweiter Krankenwagen an dem Ort ihres verletzten Freundes auftaucht, bevor sie begreifen, dass der erste eine Täuschung der Gegner war. Mit am witzigsten ist gar die Sequenz, in welcher sich General Skorpion über das rote Alarmlicht in seiner Festung wundert, als die Raiders dort eindringen. Scheinbar hat ihm niemand etwas über diese nützliche Vorrichtung erzählt, weder dass sie angebracht wurde, noch welchen Zweck sie erfüllt. Was er wohl vermutet hätte, wenn er hätte raten müssen wofür es angebracht wurde? Kommen die Prostituierten? Ist die Mikrowellen-Lasagne fertig? Seine verdutzte Reaktion lässt einen laut auflachen.

Merkwürdiger Weise bremst sich "Shan Dian Qi hi V3" (Originaltitel) im letzten Drittel ein wenig aus, wenn nach einer flott umgesetzten Aneinanderreihung sinnloser Kampfsequenzen eine Art Ruhephase in die Erzählung Einzug hält, was gerade zu dieser Zeit weder nötig wäre, noch cineastisch handwerklich Sinn ergibt. Glücklicher Weise ernüchtert diese Pause nicht, sprich es bleibt unterhaltsam genug, anstatt nun kurz vor Schluss zu langweilen, aber es dauert schon einige Momente, bis "Frankensteins Kung-Fu Monster" wieder an Fahrt aufnimmt, um die Alibi-Geschichte zu einem Schluss zu führen. Ist dieser vollzogen, werden uns noch einmal zu wilder Musik jene Motorcross-Sequenzen vor die Nase gesetzt, die wir ohnehin schon kannten, auch hier war wieder Zeitstrecken angesagt, bevor die Ende-Schrift uns erlöst. So wenig der Durchschnittszuschauer mit dem Produkt etwas anfangen kann, so viel Freude bereitet er wiederum dem Cineasten alternativer Kost. Lin Chung-Kuangs Werk ist Sinnloskost pur, die infantiler kaum ausfallen könnte und in jeder Pore ihre kindliche Naivität zelebriert. So darf man sich z.B. fragen, warum die Raiders stets erst menschlich gegen die Monster kämpfen, bevor sie sich entschließen per magischem Spruch zum Superraider zu werden. Und selbstverständlich drängt sich auch die Frage auf, warum die kämpferischen Fähigkeiten sich im Superheldenmodus nicht von denen unterscheiden, welche unsere Helden als Menschen vollbringen. "Frankensteins Kung-Fu Monster" hat mich trotz seines ewig im Kreis drehenden Szenarios wundervoll unterhalten, so dass ich mich jetzt schon auf die Sichtung der Fortsetzung freue.


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30.11.2019

CHUCKY - DIE MÖRDERPUPPE (Child's Play 1988 Tom Holland)


Auf der Flucht vor der Polizei wird der Mörder Charles Lee Ray angeschossen und findet Zuflucht in einem Spielzeuggeschäft. In Mangel an Alternativen schnappt er sich kurz vor seinem Tod eine Good Guy-Puppe und versetzt seine Seele mittels Voodoo-Zauber in dieses Objekt. Genau diese Puppe bekommt der junge Andy zum Geburtstag geschenkt. Es dauert nicht lange, und in Andys Umfeld geschehen mysteriöse Todesfälle...


Das nächste Mal lieber eine Obdachlosen-Zeitung kaufen...

Drei Jahre nach seinem großartigen Regie-Debüt "Fright Night" kam Tom Holland mit seinem nächsten Horrorfilm daher, und ließ diesmal eine Spielzeugpuppe auf das Publikum los. Im Gegensatz zu seinem Erstling lässt er die Komik weitestgehendst zu Hause und serviert uns einen humorbefreiten Genre-Beitrag. Lediglich manch schwarzhumoriger Spruch der Killerpuppe findet seinen Platz inmitten einer theoretisch durchschnittlichen Geschichte. Der Erfolg Freddys aus der "Nightmare on Elm Street"-Reihe verpflichtete wohl zu dieser Zutat, sie wurde aber wie dort im Erstling auch hier noch zaghaft eingesetzt und wirkt bei einer morbiden Puppe zudem passender, als beim mit der Zeit zu geschwätzig gewordenen Traumdämon. Der Erfolg sollte den Verantwortlichen dieser Entscheidung recht geben, "Chucky - Die Mörderpuppe" wurde ein Kino-Hit und erschuf eines der letzten modernen, immer wieder kehrenden Monster dieser Horrorfilm-Dekade, angelehnt an Michael, Freddy, Jason und Co, und doch inmitten dieser Aufzählung völlig aus der Art geschlagen.

Freilich ist es nur bedingt der Charakterisierung Chuckys und ihres beeindruckend getricksten Designs zu verdanken, dass "Child's Play" (Originaltitel) so gut funktioniert. Tom Holland lädt uns zu einem aufregenden Horrortrip ein, der als kleiner Grusler beginnt, mit dem alle ihr Grauen erleben, die sich vor trippelnden, kleinen Füßchen im eigenen zu Hause fürchten, sich schließlich zum Slasher mit hartem Krimi-Einfluss wandelt, um uns gegen Ende eine völlig ausrastende, bedrohliche Monsterpuppe zu präsentieren, die Leichtbesaiteten wahrlich das Fürchten lehrt. Das hart gesottene Publikum hingegen wird anderweitig gut unterhalten, eben weil "Die Mörderpuppe" (Alternativtitel) konsequent erzählt ist und keine halben Sachen macht. Mag der Plot an sich auch schlicht ausgefallen sein, und der Rahmen rund um den Voodoozauber selbst innerhalb seiner Möglichkeiten ziemlich unglaubwürdig anmuten, Holland schafft es das Ganze flott und packend zu erzählen, während das Drehbuch es schafft uns sowohl die Motivation Chuckys näher zu bringen, als auch einen kleinen Jungen im Zentrum frei von nervenden Elementen zur Identifikationsfigur zu machen.

Die überraschend extremen Ausraster Chuckys gegen Ende, seine blutigen Taten und die Begründung dessen, warum der Puppe gegen Ende die Zeit knapp wird, gehören zu den gelungenen Zutaten des Streifens, der aus einem gern belächelten Bereich ein funktionierendes Stück Horror-Kino zaubert. Holland bewies mit "Child Play" (Alternativtitel), dass Puppen auch im Zentrum eines Horrorfilms und jenseits von Bauchrednerpuppen und Vergleichbarem zu funktionieren wissen. Sein Erfolg zog nicht nur sechs Fortsetzungen nach sich, eine dämliche Neuverfilmung und bald auch eine TV-Serie, er beeinflusste auch Produktionen wie "Puppet Master", "Dolls" und einige Nachahmer wie "Dolly Dearest". Werke wie "Annabelle" und "Robert - Die Puppe des Teufels" machen deutlich, dass das Einbringen einer Killerpuppe als zentraler Aggressor keinesfalls leicht zu bewältigen ist. Sie alle haben nicht aus "Chucky - Die Mörderpuppe" gelernt, der nicht nur die harmlos scheinende Puppe wirksam grausam zu beleben vermag, sondern auch der Geschichte und ihren darin enthaltenden Figuren genügend Raum schenkt, um auch den menschlichen Aspekt genügend zu beachten, also genau jenen Bereich, der dem Zuschauer überhaupt erst den Zugang zu den übernatürlichen Geschehnissen ermöglicht. "Chucky" ist flott erzählt, schwankt zwischen Grusel, Thrill und Terror, und beinhaltet in Sachen schwarzer Humor und Härtegrad genau jene Dosierung, die dem Film gut tut, ohne ihn zu überfrachten oder von seinen Hauptaspekten abzulenken. Noch heute funktioniert der Streifen unwahrscheinlich gut, was aber auch auf die meisten seiner Fortsetzungen zutrifft - allerdings sind diese nicht mehr derart spannungsgeladen ausgefallen wie Chuckys Premiere, da sie auf andere Schwerpunkte bauen.


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ARACHNOPHOBIA (1990 Frank Marshall)


Der unter Spinnenangst leidende Dr. Jennings ist frisch von der Großstadt in eine kleine gezogen, um dort als Arzt zu praktizieren. Aufgrund seltsamer Todesfälle stößt er auf eine hoch giftige, neu entstandene Spinnengattung, die es so schnell wie möglich zu vernichten gilt...


Dr. Tod...

Es gibt nur wenige Horror-Komödien, die es tatsächlich schaffen beide Bereiche in einem Gleichgewicht zu präsentieren, der sowohl ängstigt, als auch belustigt. "Arachnophobia" gehört zu diesen seltenen Glücksgriffen, und man muss nicht einmal unter der titelgebenden Spinnenangst, bzw. unter dem Ekel leiden, den die Achtbeiner verursachen können, um beim Sichten in beide Bereiche eintauchen zu können. Selbst neutral eingestellt versteht es Regisseur Marshall einen Spannungsbogen zu erzeugen, der es in sich hat. Während das Drehbuch auf der Horrorseite eigentlich keine sonderlich neuen Aspekte setzt, erweist sich Marshalls Inszenierung als hochgradig spannungswirksam. Das Szenario wirkt bedrohlich, anstatt ausgelutscht, in seiner Hochphase sorgt diese Stärke gar für puren Nervenkitzel. Dies allerdings auch deshalb, weil dem Drehbuch seine Figuren wichtig sind, und wir den durch Jeff Daniels so glaubwürdig verkörperten Dr. Jennings gut genug kennen lernen, um sein Spinnenangst-Leiden in allen Poren nachvollziehen zu können, gerade im gnadenlos mit ihm umgehenden Finale. Gleichzeitig dürfen wir uns an seinem Gebrechen erfreuen, denn gerade hier im Finale schaffen es Regie und Drehbuch vereint die beiden Genres zeitgleich zusammenzuführen. Spinnenekel, Schockeffekte und Nervenkitzel treffen auf eine schwarzhumorige, comicartige Umsetzung, die den Zuschauer zwischen den Zuständen des Schmunzelns und Angespanntseins fesseln, was alles durch eine glaubwürdige und professionelle Inszenierung so treffsicher zu funktionieren vermag, sowie durch den kurzfristig in den Wahnsinn abrutschenden Dr. Jennings.

Aber auch der Restfilm ist auf hohem Niveau präsentiert. Der Einstieg im Dschungel wirkt nicht wie ein zwanghaftes Kapitel, das es pflichtbewusst schnell abzuarbeiten gilt. Er ist in Ruhe erzählt, gönnt auch nebensächlichen Charakteren genügend Aufmerksamkeit zur Entfaltung, und die präsentierten Erlebnisse sind interessant und packend umgesetzt. Bereits hier herrscht ein funktionierender Spannungsbogen, wie im Komplettfilm Zuschauer mit Problemen mit Spinnen spannungstechnisch bevorzugend, alle anderen aber nicht ausgrenzen lassend. In der Kleinstadt angekommen, in welcher fast der komplette Restfilm spielen soll, hält der Humor verstärkt Einzug ins Geschehen, das Ergebnis jedoch nie rein Komödie werden lassend, dafür ist der Witz meist zu schelmisch und subtil eingestreut. Hin und wieder gönnt man sich aber auch lautere Humormomente, oft eingebracht über den herrlich prollig spielenden John Goodman, der es schafft eine Brücke zwischen dem anspruchslosem Mainstream-Publikum und dem erwartungsvollem Cineasten zu spannen. "Arachnophobia" ist kurzweilig, interessant und emotional nachvollziehbar erzählt, bietet tolle Bilder innerhalb einer verspielt genutzten Kameraarbeit, weiß tricktechnisch zu gefallen, und präsentiert das sonst als B-Film genutzte Szenario über Durchschnitt dargeboten von professionellen Mimen, finanziell unterstützt durch den namhaften Produzenten Steven Spielberg. Lediglich der Soundtrack ist etwas arg durchschnittlich komponiert, weiß aber das Szenario akzeptabel zu unterstützen, wenn auch kaum auffallend. Ein gelungener, individueller Schluss-Gag der anderen Art entlässt entspannt aus einem aufregenden Film, der im Tier-Horrorbereich neben "Der weiße Hai", "Phase IV" und "Die Vögel" seinesgleichen sucht, im Bereich der gleichberechtigten Genre-Kreuzung Horror und Komödie seinesgleichen neben "Tanz der Teufel 2" und "The Return of the Living Dead".


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PHENOMENA (1985 Dario Argento)


Die junge Amerikanerin Jennifer trifft als neue Schülerin eines Internats ausgerechnet zu einer Zeit in der Schweiz ein, in der ein Mädchenmörder umgeht. Ihre Fähigkeit mit Insekten zu kommunizieren hilft der schlafwandelnden Teenagerin dabei, gemeinsam mit einem neu gewonnenen Freund, der Insektenforscher ist, dem Mörder auf die Spur zu kommen...


Die große Sarcophaga...

"Phenomena" beginnt thematisch wie ein Giallo, jenes Sub-Genre, welches Dario Argento mit Werken wie "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" und "Profondo Rosso" mit prägte, angereichert mit Elementen, die auch den Einstieg von "Suspiria" begleiteten. Trotz dieser aus anderen Werken bekannter Zutaten ist der hier besprochene Streifen ein recht eigenständiges Werk inmitten des Schaffens des berühmten italienischen Regisseurs geworden, so wild wie hier mit Ideen und verschiedenen Schwerpunkten je Filmphase um sich geschmissen wird und so raffiniert wie der gute Mann den Zuschauer oftmals ratlos zurück lässt, der nie ahnen kann, was ihm auf dem wilden Ritt zum Ziel als nächstes geboten wird. Den stärksten Einfluss auf das bizarre Ergebnis hat freilich der gewagte Einfall, die Protagonistin mit Insekten kommunizieren lassen zu können. Wenn sie einem Glühwürmchen zu einem wichtigen Beweisstück folgt, schwebt gar ein Hauch Anime-Feeling über dem Horrorfilm, aber ohnehin arbeitet Argento in diesem Werk stets auch mit zauberhaften Fantasyelementen, seien es die verträumten, eiskalt inszenierten Schlafwandler-Momente, oder phantastisch anmutende, geradezu realitätsentfremdete Szenenübergänge, wie der Übergang hin vom scheinbaren Finalkampf in einem Haus zum ruhig startenden Ausflug auf einem Motorboot. Deutlich wird das Arbeiten mit derartigen Elementen aber auch in nur angehauchten Momenten, wie jenem, in welchem Jennifer auf an "Alice im Wunderland" erinnernde Art dem Geheimnis eines Ortes auf die Spur kommt.

Dass der eigentlich oft sinnlos anmutende Plot so gut funktioniert und aus "Phenomena" eines der besten Werke eines ohnehin großartigen Regisseurs macht, liegt hauptsächlich an diesem morbiden Mix aus Horror und Märchen, dessen Wagnisse nie lächerlich wirken, den Zuschauer ganz im Gegenteil stets von anfänglichen Verwunderungen zu wahren Schockempfindungen entführen, das Ganze in einer drastischen Art münden lassend, die aus einem verspielten Film ein Werk für hartgesottene Horror-Fans werden lässt. Ob Jennifer auf "Carrie"-Art einen riesigen Schwarm Insekten das Internat fluten lässt, oder ein niedlicher Affe, weit radikaler als ein Jahr später in "Link, der Butler", eine brutale Tat begeht, stets tritt in "Phenomena" der wahrhaftige Horror ein. Eingeladen ist hier ein aufgeschlossenes Publikum, das sich auf die Andersartigkeit spottfrei einlassen kann und in der Lage ist zu begreifen, dass die Logiklücken und unsinnigen Wissenschaftsbehauptungen den ver(alp)träumten Stil unterstützen, ein eigenes Paralleluniversum schaffend, anstatt den Gesetzmäßigkeiten des unseren zu folgen. Der wirkungsvolle Kunstaspekt entschuldigt manch theoretisch dämlich anmutenden Bruch und manche Willkür des Regisseurs. "Phenomena" ist zudem interessant abfotografiert, und eine stimmige Atmosphäre, stets zwischen Bedrohung und Verzauberung pendelnd, schwebt konsequent über den Ereignissen. An diesem Bann, in den "Phenomena" den Zuschauer zu ziehen vermag, trägt auch der grandios gewählte Soundtrack einen starken Einfluss, der nur dann nicht zu funktionieren weiß, wenn Argento, typisch 80er Jahre, meint eigens für den Film komponierte Musik gegen Heavy Metal-Untermalung eintauschen zu müssen. Während sein "Terror in der Oper" sich aus diesem Grund nicht gut genug entfalten konnte, lähmt zwei Jahre zuvor diese unpassende Musikuntermalung "Creepers" (Alternativtitel) nur für winzige Augenblicke, so dass der Film keinen wirklichen Schaden davon trägt.

Der Clou Donald Pleasance, spätestens bekannt durch die "Halloween"-Filme, für die Besetzung des Professors zu gewinnen, weiß zu gefallen. Aber auch die subtil attraktiv eingefangene Jennifer Connelly beweist sich als Glücksgriff und durfte ein Jahr nach ihrer ersten Hauptrolle auch jene in Jim Hensons "Die Reise ins Labyrinth" übernehmen. Es folgten so toll gemeisterte Filmrollen wie jene aus "Dark City", "Dark Water" und "Rocketeer - Der Raketenmann". Die restliche Besetzung bleibt eher unauffällig, da für einen italienischen Film typisch, besetzt. Aber ohnehin klauen hier auch den guten Akteuren die Tiere die Show. Die Auftritte des Affen wissen ebenso zu begeistern, wie manch unübersehbar künstlich aufgemalter Auftritt von Insekten. Mit dem Einsatz ihrer Sequenzen steht und fällt ein guter Teil des Gelingen von "Phenomena", dessen Glück es ist, dass er in seiner realitätsentrückten Art keinen Schaden nimmt, wenn mancher Tiermomente nicht vollkommen echt wirkt. All diese Momente, Elemente und Beteiligten vor und hinter der Kamera sorgen dafür, dass aus einem bizarren Horror- und Fantasy-Mix ein wahrer Alptraum wird, der einen in einen anderen Blickwinkel auf die Dinge entführt, ohne dass sich das Ergebnis in seiner befreiten Logik und dem Wunsch nach alternativer Gesetzmäßigkeiten der Natur in irgend einer Weise esoterisch schaut. "Phenomena" schwankt immer zwischen psychologischen Glücksgriffen, die Drehbuchschwächen aufzufangen wissen, und einem wohl überlegten Psychospiel mit dem Zuschauer, zum Beispiel dann wenn der wahre, harte Horror gerade dann über den Zuschauer einregnet, wenn die Vorphase uns glauben machen will, dass nun der anfängliche Krimi-Aspekt wieder aufgegriffen wird.


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25.11.2019

CHILD'S PLAY (2019 Lars Klevberg)


Die elektronischen Good Guy-Puppen, die sich mit alles im Haushalt vernetzen können, sind der größte Renner. Als ihr Sohn Andy, der aufgrund seiner Hörbehinderung und eines kurz zurück liegenden Umzuges Schwierigkeiten hat Kontakte zu knüpfen, Geburtstag hat, organisiert Karen ihm trotz knappen Budget eine solche, die in dem Geschäft, indem sie tätig ist, aufgrund einer Fehlfunktion umgetauscht wurde. Tatsächlich funktioniert Chucky, wie die Puppe sich nennt, nicht so korrekt wie sie soll, aber Andy gewinnt sie gerade deshalb lieb. Im Engagement ein guter Freund zu sein, geht die fehl-programmierte Puppe jedoch zunächst fragwürdige, schließlich aber auch morbide Wege. Als sich Andy aufgrund dessen von Chucky distanziert, wird die künstliche Intelligenz eifersüchtig...


Katze im Hausmüll, Mamas Freund unter'm Rasenmäher...

Nach sieben "Chucky"-Filmen war ich nicht böse um eine Neuorientierung der sich angenehm schauenden Horrorfilm-Reihe, zumal es auch mit der alten Version weiter geht, zunächst wohl per TV-Serie, wie ich kürzlich las. Den Ansatz Chucky "Evolver"-ähnlich als durchdrehendes Elektronikspielzeug zu präsentieren, anstatt als per Voodoo besetzter Körper einer Massenmörder-Seele, fand ich nach erster Skepsis einen interessanten Ansatz, und so war ich neugierig angefixt eigentlich recht guter Dinge, was den Neustart jener, welche die Rechte am 88er Original besaßen, anging. "Child's Play" lief nicht lang, als sich bei mir erstes Misstrauen einstellte. Das Design des neuen Chucky sieht Scheiße aus, da muss man nichts schön reden, die Modernisierung des Stoffes kommt arg gewollt daher, von der Einstellung des Drehbuchautors, wirklich alles zu verraten, bevor der Zuschauer selbst etwas entdecken darf, einmal abgesehen. Ohnehin will die Neuverfilmung psychologisch so gar nicht funktionieren. Der olle Verpacker in Asien ist gleichzeitig der Programmierer einer solchen Puppe, ist klar, und das Umfeld Andys ist künstlich aufgeblasen auf modern getrimmt, zaghaft im White Trash-Umfeld angesiedelt, wie es seit Rob Zombies Filmen angesagt ist, dies freilich ohne dessen Radikalität zu wagen. Letztendlich spielt das Geschehen in keiner ersichtlichen nahen Zukunft, wie die übertriebenen Eigenschaften der Good Guy-Puppen vermuten lassen könnten. Auch hier will sich keine Glaubwürdigkeit einstellen.

Wirklich unangenehm wird "Child's Play" jedoch erst mit der Einführung Chuckys, der im Deutschton zudem eine nervige Stimme beschert bekommen hat, wohingegen im Original zumindest Mark Hamill der Puppe seine Stimme lieh. Die Versuche des Autors uns den Leidensweg und das Verständnis Chuckys nahezubringen, um uns aufzuzeigen warum er wurde, wie er wurde, sind erbärmlich zu nennen, das ist billigste Psychologie ohne das Verständnis für Ursache und Wirkung, eingebettet in Sozialkitsch das Umfeld Andys betreffend. Der per CGI integrierte Chucky wirkt weder als harmlose Puppe, noch psychisch entgleitend und erst recht nicht im wütenden Zustand. Sequenzen mit ihm in Großaufnahme schauen sich wie ein computeranimierter Zeichentrick, um ein realistisches, plastisches Aussehen wurde sich nicht bemüht. Und wenn Chucky recht bald zu morden beginnt, ist man als Zuschauer eigentlich schon zu abgefuckt, um an den eigentlich ordentlich inszenierten Mordsequenzen noch seine Freude zu finden. Mal ganz davon abgesehen, dass die Motivation der Puppe nervt und den Zuschauer nicht anzustecken vermag. An "Child's Play" wurde so ziemlich alles falsch gemacht, was man machen konnte, fortgeführt bei zu brav besetzten Nebenrollen und Chuckys weiterer Fehlentwicklung. Es will keine düstere Stimmung entstehen, und den einzig brauchbaren satirischen Ansatz sehe ich darin, Chuckys Mordlust im Medienkonsum zu begründen, was ein guter Seitenhieb auf Verfechter dieser Theorie ist, begründete man mit "Chucky 3" damals doch auch die Taten eines Mörders in den USA, was zur siebenjährigen Einstellung der Horrorreihe führte und der Filmfirma sicherlich ordentlich Geld gekostet hat. Andererseits weiß man in der undurchdachten Mainstream-Art der Neuverfilmung nicht, ob sich der Film tatsächlich direkt darauf bezieht, oder nur gedankenlos einen Weg suchte, Chuckys Mörderpersönlichkeit zu erklären. Wie auch immer, da gebe ich mir lieber zum x-ten Mal das Original und die ersten Fortsetzungen, die wussten noch wie man es richtig macht.


Weitere Besprechungen zu Child's Play:


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23.11.2019

THE DEAD DON'T DIE (2019 Jim Jarmusch)


Frackingarbeiten haben die Erdachse verschoben. Im Nest Centerville fällt dies zunächst nur durch einen verschobenen Tag- und Nachtrythmus auf. Einige Zeit später erheben sich jedoch zudem die Toten aus dem Erdboden. Mit der Alltagsruhe und der ansonsten gelebten Gemütlichkeit in diesem Ort ist es somit fast vorbei...


Im Baumarkt verbarrikadiert...

Wenn man hört, dass sich Jim Jarmusch, seines Zeichens eher im Gebiet des Arthouse unterwegs, an einen Zombiefilm versucht, dann wird man neugierig, fragt man sich doch was wer Geistreiches wie er, der gern zu stiller Komik greift, dem überlaufenen Sub-Genre Neues bieten kann, ist es doch ohnehin häufig Zielobjekt motivierter Autoren und Regisseure und somit nicht arm an Gesellschaftskritik und kreativen Variationen. Nach dem Vampirfilm "Only Lovers Left Alive" sind also nun die Zombies dran. Jarmuschs anderen Versuch aus dem Horrorbereich kenne ich nicht, ich kenne ohnehin bislang nur "Broken Flowers" und "Down By Law", die mir beide gut gefallen haben, stelle aber bereits anhand mit Kenntnis dieser fest, dass "The Dead Don't Die" etwas zu bemüht, wenn nicht sogar zu bequem, den typisch reduzierten Stil des Regisseurs verwendet. Die hier gezeigten Geschehnisse sind derart zurückgeschraubt worden, dass der Film weit gehaltloser daher kommt, als man es zuvor vermutet hätte. Pseudo-subtil wird alles mit dem Holzhammer präsentiert, jegliche Gelassenheit der Protagonisten, jedes Augenzwinkern, jedes Verbeugen vor den Vorbildern, jedes Andersseinwollen als der Mainstream. Das kommt alles derart verkrampft gekünstelt daher, dass man geradezu erschlagen wird von der Passivität, die der Streifen ausstrahlt.

Zunächst genießt man den ruhigen Stil noch, sowie die Anspielungen an Ignoranzen unserer Zeit. Im Laufe der Zeit bemerkt man jedoch, dass Jarmusch auf nichts weiter hinaus will, nichts versteckt oder offen thematisiert, was nicht längst schon einige andere Zombiefilme verarbeiteten. Da es an subtilem Humor ruhig noch einige Schippen mehr hätte geben können, verkommt das trostlose Treiben somit recht schnell zu Langeweile, anstatt zu einer Herausforderung des Publikums an einen mainstream-feindlichen, alternativen  Erzählstil, der einem zeigt zu was Kino sonst noch in der Lage ist. Metaebene durchbrechende Witzigkeiten fügen sich nicht dem Rest, die Geschichte läuft auf ihr vorhersehbares Ende hinaus, Bill Murray spielt mit halber Backe, und tolle Ideen, wie wiederkehrende Wortspiele, kann man an einer Hand abzählen. Der Witzversuch mit dem immergleichen Song, auf den man überall trifft, will nicht bis zum Schluss funktionieren, und dem Zombie-Genre an sich bietet "The Dead Don't Die" nichts, was es nicht schon zuvor gegeben hätte, sei es im humoristischen, als auch im Horrorbereich. Das ist schon schade, zumal Jarmusch endlich mal wieder Untote dem Erdboden entsteigen lässt, eine Zutat, die mittlerweile all zu selten die Zombiefilme heimsucht. Manch schöne Aufnahmen wie diese wissen kurzfristig zu versöhnen, ebenso das Verwenden der schleichenden Gattung Zombie, insgesamt gibt es jedoch nichts Positives zu berichten, was den kompletten Film halbwegs gerettet bekommt. Man weiß was Jarmusch will, man weiß was er ansonsten abliefert, letztendlich bekommt man jedoch das Gefühl, der Regisseur habe zwanghaft im gewohnten Stil gearbeitet, so als sei es seine Pflicht sein Stammpublikum auf diese Art zu bedienen. Was bei "Down By Law" frisch und entspannt jenseits dem Mainstream funktionierte, wirkt hier nur dröge und gewollt. Mit solch einem mauen Ergebnis habe ich so gar nicht gerechnet.


Weitere Besprechungen zu The Dead Don't Die:


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REPO MEN (2010 Miguel Sapochnik)


Vorbei sind die Wartezeiten auf eine Organspende, in der Zukunft gehören künstliche Organe zum Alltag. Allerdings kosten die künstlich hergestellten Produkte viel Geld, so dass die meisten Menschen darauf einen Kredit aufnehmen müssen. Und wer mit der Ratenzahlung zu sehr in Verzug ist, muss mit den Repo Men rechnen, die einem die Organe wieder aus dem Körper entfernen. Ein solcher ist Remy, der viel Freude an seinem Beruf hat und das unmenschliche Treiben erst hinterfragt, als er selbst ein künstliches Herz benötigt und mit der Zahlung in Verzug gerät...


Die vier KO's...

Zwei Jahre nach dem Gothic-Musical "Repo - The Genetic Opera" greift wer anders die morbide Idee um Rückholer in Zahlungsverzug geratener Fremdorgannutzer auf, um diesmal eine Science Fiction-Satire abzuliefern, die in nicht all zu ferner Zukunft spielt und die Gesellschaft von heute kritisch hinterfragen soll. In der hier aufgezeigten Zukunftsmentalität, insbesondere die beiden zentralen Repos betreffend, zeigen sich einige Parallelen zu Kubriks Vision aus "Uhrwerk Orange". Gerade in der Frühphase von "Repo Men" atmen beide Film oft die gleiche Luft. Für die Hauptrolle konnte man Jude Law verpflichten, der 13 Jahre zuvor bereits erfolgreich die Hauptrolle in dem Kino-Hit "Gattaca" verkörperte und somit für gesellschaftskritische Blicke auf eine perverse, aber nicht unwahrscheinliche Zukunft, bereits Erfahrung mit an Bord bringen konnte. Zur Seite setzte man ihm Forest Whitaker, zunächst als Kumpel und dann als Rivalen, eine Rolle in welcher der oft zu brav besetzte Mime endlich wieder zeigen konnte, was alles in ihm steckt.

Während die erste Phase der Geschichte zunächst den Eindruck des immer wieder variierten Plots aus "Fahrenheit 451" und Co macht, überrascht der Film nach anfänglicher Bestätigung mit unerwarteten Wendungen, die, so wie dargeboten, individuell anmuten, auch wenn sie es nicht wirklich sind. Die Art der Umsetzung, der Stil, die Tonart des Ganzen, sind es, die das Geschehen so frisch und positiv schauen lassen. Laute Töne mischen sich mit geistreich unauffälligen, Poesie und Brutalitäten gehen Hand in Hand, Sinnlichkeit und gesellschaftliche Perversitäten dominieren gleicher Maßen den Film, all diese Gegensätze gehen so harmonisch und bezaubernd miteinander einher, so als würde man sich in einem asiatischen Werk dieser Art befinden. An "Repo Men" ist alles durchdacht, mal wahrhaft geistreicher Natur, dann wieder nur Bauerntricks des Mainstream-Kinos ausspielend, am Ende aber ein Ergebnis über dem Standard abliefernd. Miguel Sapochniks Zukunftsvision ist Science Fiction-Kino wie es sein soll: kurzweilig, geistreich, pointiert und fantasiereich. Man kümmert sich neben der wichtigen Handlungsaufhänger zudem um gut gezeichnete Charaktere und sehenswerte Bildkompositionen. Da wird auch gerne mal bei Größen wie "Metropolis", "Blade Runner" und "Brazil" abgeguckt, aber dieser Mix aus Ideenübernahmen und eigenen, sowohl inhaltlich, wie inszenatorisch, weiß zu gefallen und bildet ein überzeugendes eigenes Flair, welches "Repo Men" zu einem eigenen modernen Klassiker seines Genres macht.

Wie es sich für einen gut gemachten Kinofilm gehört, warten innerhalb eines ohnehin schon gelungenen Werkes die Höhepunkte im letzten Drittel. Optisch wäre da der schwarz gekleidete Auftritt innerhalb des weiß gekleideten Labors zu nennen, oder die Ausweideszene, die nicht nur vom Look her ein Augenschmaus ist, sondern auch ein morbides Szenario in einen romantischen Moment verwandelt. Aber auch der sehenswert choreographierte Kampf vor der rosa Tür, der die bisherige ohnehin schon für einen FSK 16-Film recht hohe Brutalität noch einmal hoch schaukeln lässt, ist ein Augenschmaus für sich. Auch in seiner Cleverness weiß dieses letzte Drittel zu gefallen, bietet es doch nicht nur großartige Wendungen, sondern auch einen gewitzten Umgang mit der Glaubwürdigkeit des Plots, den man ohne zu spoilern nicht all zu sehr vertiefen kann. Nur so viel sei verraten: die bisherige Bodenständigkeit eines durch Satire überspitzen Stoffes, wird aus einem bestimmten Grund ab dort mit Füßen getreten. Begreift man dieses absichtliche Spiel mit Filmklischees und damit einhergehend mit der Glaubwürdigkeit innerhalb der filmeigenen Gesetzmäßigkeiten, bereitet eine Zweitsichtung dieses wundervollen Filmes gar noch mehr Freude als die erste. Ohnehin fällt "Repo Men" intelligenter aus, als er zunächst scheint. Das sieht man allein daran, dass fast jegliches persönliches Schicksal und die Verarbeitung der jeweiligen Person dessen an der ignoranten Gesellschaft der Zukunft gebunden sind und damit als Selbstverschuldung gar nicht erst erkannt werden.  Von meiner Seite aus ist "Repo Men" aus diesen Gründen und vielen anderen definitiv zu empfehlen, und ich kann es kaum glauben, dass es so lange gedauert hat, bis ich ihn für mich entdeckt habe.


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THE WALKING DEAD - STAFFEL 9 (The Walking Dead - Season 9 2018 Greg Nicotero u.a.)


Auch 1 1/2 Jahre nach dem Krieg fällt es Rick schwer die verschiedenen Seiten friedlich zu vereinen. Ein gemeinsamer Brückenbau soll helfen die Fronten zu entschärfen. Als das schief geht, entfremden sich auch die befreundeten Gemeinden. Erst als sich Jahre später eine neue Bedrohung anbahnt, müssen alte Kontakte neu geknüpft werden...


Flüsternde Zombies...

Während ich in den beiden Vorgänger-Staffeln das Gejammer der Fans früher Staffeln nicht teilen konnte, betrachte auch ich das neunte Jahr der Erfolgsserie "The Walking Dead" als Wackelkandidat. An zu wenig Zombieszenen hänge ich mich nicht auf, solange die Geschichte stimmt, wobei diesmal selbst die relativ wenigen Momente kaum stimmig umgesetzt sind, und die Untoten meistens nur noch zum Wegmetzeln eingesetzt werden, nicht aber als Bedrohung. Dass auch die guten, erwachsenen Themen stets arg blauäugig vorgetragen werden, ist für mich kein Argument gegen den Sehwert, ist die Serie von Anfang an doch stets lediglich eine Seifenoper gewesen, die in einer Zombiewelt spielt. Da wird stets viel geredet, mal mehr, mal weniger theatralisch auf Gefühle gesetzt, meist Leidenswege aufzeichnend, das geht als leichte Trivialkost in all den Jahren seit Staffel 2 schon in Ordnung. Und die erste Hälfte, um den verzweifelten Versuch des Zusammenwachsens unterschiedlicher Mentalitäten, ist den Verantwortlichen der Serie innerhalb der Möglichkeiten eines solchen Serienkonzeptes meiner Meinung nach geglückt. Hat man erst einmal die etwas handlungsarme erste Folge hinter sich gebracht, ist Ricks sozialer Kampf an sich doch interessant anzuschauen, einfach weil es eine konsequente Fortführung der letzten Ereignisse ist, die der bisherigen Geschichte weiterhin Sinn beschert.

Zu wackeln beginnt Staffel 9 eigentlich erst, wenn nach einem Zeitsprung die neue Bedrohung lauert, die durch eine in unheimlicher Atmosphäre gekleideten Einführung zunächst wie eine gute Idee wirkt, mit jedem Blick mehr hinter den Vorhang jedoch an Glaubwürdigkeit und Wirkungskraft verliert, da keine der präsentierten Ideen psychologisch nachvollziehbar ist, konsequent umgesetzt wird, oder einen wenigstens kindlich naiv in eine fantastische Idee entführt. Hier wurden Möglichkeiten in den Sand gesetzt, die der Serie tatsächlich frisches Blut hätten bescheren können. Zwar stimmen noch immer zwischenmenschliche Aspekte, und manch positiv unangenehme Momente fordern den Zuschauer weiterhin heraus, letztendlich guckt sich dies alles aber selbst für eine triviale Seifenoper etwas arg lächerlich, während freilich verkrampft bemüht wird alles bedrohlich, dramatisch und intelligent zu präsentieren. Die bekannten Gesichter und nachvollziehbare Schicksalsschläge helfen dabei trotzdem nicht all zu enttäuscht dran zu bleiben, ein wirkliches Interesse entwickelt man an der Flüsterer-Chose jedoch nicht. Das Rätsel um Ricks Verschwinden und der uns bislang unbekannten Gemeinschaft, die sogar über Hubschrauber verfügt, lässt einen langfristig freilich trotzdem interessiert dran bleiben, auch wenn der etwas zu weit gesetzte Zeitsprung die mir vorgeschwebten schmackhaften Möglichkeiten verspielt. Aber wer weiß was sich die Autoren dazu aushecken werden, erst dann kann man darüber urteilen. Letztendlich merkt man aber auch den besseren Momenten der schwächeren zweiten Staffelhälfte an, dass Rick als Identifikationsfigur fehlt und bislang durch keinen Anwesenden tatsächlich ersetzt werden kann.


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19.11.2019

MAI-CHAN'S DAILY LIFE (Mai-chan no nichijô 2015 Sado Satô)


Eine junge Frau nimmt am Rande der Hauptstadt eine Stelle als Hausmädchen eines reichen Mannes an und muss schnell feststellen, dass die hier gefragten Fähigkeiten recht bizarrer Natur sind… 


Fallbeispiel Vorgängerin

„Mai-chan‘s Daily Life“ basiert auf einem Manga, was meist erst einmal von Vorteil ist, und eine schöne Cover-Gestaltung der gelungenen Media Book-Veröffentlichung im deutschsprachigen Raum macht ebenfalls Laune auf mehr. Doch recht schnell wurde mir klar welche Art Comicvorlage hier diente, und dass ich wahrscheinlich doch nicht zum Zielpublikum zähle. Da ich allgemein an bizarren Storys interessiert bin, und die Geschichte selbst vor so herrlich banalschrägen Ideen nicht zurück schreckt, wie jener dass sich der Arbeitsplatz weit abseits ländlich gelegen am Rande von Tokyo befindet, blieb ich dennoch neugierig dran, versucht dem Film eine echte Chance zu geben.

Das stellte sich als schwierig heraus, denn der in kalten Digitalbildern gepackte Film ließ es nicht zu sich an einer künstlerischen Bilderkomposition zu sättigen, strahlt der Streifen in dieser Art und aufgrund seines minimalen Budgets doch stets ein Amateurfilm-Flair aus. Damit verfliegen auch die Möglichkeiten einer atmosphärischen Stimmung, in welche die Sexualprovokationen einen sinnfrei entführen könnten, und somit bleibt am Schluss ein kühl dargebotenes Schmuddelfilmchen, eher episodenhaft von einer Entdeckung und einem Erlebnis zum nächsten springend, anstatt eine tatsächliche Geschichte zu erzählen. Die ganze Chose um Bestrafung, Nacktheit, Heilung, Begehren und Unterwürfigkeit pendelt irgendwo zwischen wahrer Provokation und den Phantasien biederer Verklemmter. Die eher durchschnittlichen Darsteller geben ihr bestes, agieren zumindest recht mutig und freizügig, aber selbst bei talentierterer Besetzung wäre wenig zu retten gewesen. „Mai-chan‘s Daily Life“ guckt sich anstrengend anstatt berauschend, gewollt anstatt sinnlich, dröge anstatt bedrohlich und peinlich anstatt wagemutig. 


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18.11.2019

ANNA UND DIE APOKALYPSE (Anna and the Apocalypse 2017 John McPhail)


Teenagerin Anna hat große Pläne nach dem Schulabschluss. Als kurz vor Weihnachten eine Zombieepidemie ihren Heimatort heimsucht, muss sie sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren, um überleben zu können...


Vom Licht geleitet...

So neu die Idee eines Zombie-Musicals auch klingen mag, sie ist es nicht, präsentierte uns Amateurfilmer Mark Pirro doch bereits 1991 mit seinem "Nudist Colony of the Dead" ein eben solches. Es könnte jedoch unterschiedlicher als "Anne und die Apokalypse" kaum ausgefallen sein, lebte es doch von seinem anarchistischen Unsinn, wohingegen der professionell produzierte Beitrag zwar durchdachter und kompakter ausfällt, aber auch recht stark im Mainstream daheim ist. Mögen Lieder auch während Zombieattacken und Schlachten vorgetragen werden, so dass eine Kampfchoreographie zum Rythmus der Musik stattfindet, derlei reizvolle Frechheiten und Ideen hat John McPhils Debüt-Film nur eine handvoll zu bieten. Ansonsten präsentiert er uns ein etwas arg brav ausgefallenes Teenie-Grusical, die herzlich mitreißende Musik vergleichbar dargeboten wie in "Repo - The Genetic Opera", auch wenn dieser im Gothic-Bereich angesiedelte Film ansonsten musikalisch und inhaltlich völlig anders ausfällt. Zwar mangelt es nicht an Zombies und dem üblichen Ablauf einer solchen Geschichte, die Konsequenzen einer solchen Welt wurden jedoch nicht beleuchtet, das Darbieten der Musik steht im Vordergrund und bestimmt die Filmrealität. Unheilvolle Stimmung, Spannungsmomente und düstere Entscheidungen gehören nicht zu den Zutaten dieses Filmes, sie sind lediglich unterhaltsam bunt in der Theorie mit eingebunden.

Für echte Freunde eines harten Weltuntergangfilms ist das nichts, nicht einmal als Parodie auf einen solchen. Für ein anderes Publikum ist "Anna and the Apocalypse" (Originaltitel) jedoch trotzdem sympathisch genug ausgefallen. Wer schöne Lieder gut vorgetragen in einem leicht humoristischen Teenie-Film mag, der sich auch nicht davor scheut den dramatischen Aspekten seiner Geschichte genügend Zeit frei zu räumen, der kann eigentlich recht glücklich mit dem vorliegenden Ergebnis werden, auch wenn hier definitiv kein Highlight abgeliefert wurde. Von allem hätte es mehr geben können: dem schwarzen Humor, den Ausweideszenen, den zwischenmenschlichen Aspekten, an Zeit zur Vertiefung der Geschichte, lediglich an gefühlvollem, professionell dargebotenem Singsang mangelt es nicht. Letztendlich ist aber alles ausgewogen zu genüge präsent, als dass das gar nicht so freche Filmexperiment auf seichter Ebene funktionieren kann. Comicelemente, wie ein diabolischer Schuldirektor finden Einzug innerhalb einer innovationslosen Teenie-Geschichte über Zukunftswünsche, Liebe und Selbstbestimmung. Und dass das Ganze nicht nur eine Anbiederung an das gerade moderne Zombie-Genre wird, beweisen die halbzeitige Ignoranz des Horrorthemas, sowie ihre gekonnte Umsetzung in Zombie-Make Up und Fress-Szenen. "Anna und die Apokalypse" kommt bunt, lebensfroh und optimistisch daher und ist somit das komplette Gegenteil dessen was sich zynische Horror-Fans und Gothik-Romantiker gewünscht hätten. Nun ist das Zielpublikum dieser Produktion jedoch nicht der Zombie-Fan, sondern völlig überraschend der Freund von Teenie-Filmen und Musicals.


Weitere Besprechungen zu Anna und die Apokalypse:


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CAMP - TÖDLICHE FERIEN (Summer Camp 2015 Alberto Marini)


Zwei Amerikanerinnen arbeiten in den Ferien in Spanien für ein Englischcamp und kommen einen Tag vor den Kindern an. An dem abgelegenen Ort geht jedoch eine unbekannte Infektion um, die Befallene zu mörderischen Bestien macht...


Der verschwommene Unterschied zwischen Angriff und Verteidigung...

Was vom Titel her wie der nächste Aufguss von "Freitag der 13." und Co klingt, gehört einer anderen oft gemolkenen Kuh des Horror-Genres an: dem Infizierten-Horror in den Fußstapfen des Zombiefilms. Regie-Debütant Alberto Marini und die Autoren schaffen es durch minimale Änderungen der oft verarbeiteten Chose andere Aspekte abzugewinnen, die sich weniger in einer ausgeklügelten Entwicklung der Geschichte äußert, als viel mehr in den Verhaltensweisen der Protagonisten. Abgesehen von diversen Verletzungen, die filmtypisch ignoriert werden können, anstatt dass sie realistisch gesehen den Betroffenen handlungsunfähig machen, haben wir es mit echt scheinenden Verhaltensweisen zu tun. Um überleben zu können, muss man schnell reagieren. Also darf man nicht zögern. Deswegen werden Infizierte und Gesunde gern durcheinander gebracht, zumal "Summer Camp" (Originaltitel) von der Idee einer Infizierung lebt, die nach einiger Zeit wieder abebbt. Die alles überkochende Situation lässt jedoch nicht zu, dass man sich erst Gewissheit verschaffen kann, bevor man sich wehrt, zumal es einige Zeit dauert die Umstände der Infektion und ihre Gesetzmäßigkeiten zu verstehen. Die Stärke des Drehbuchs ist es die Figuren immer da abzuholen, wo sie sich befinden. Sie wissen nur das was sie wissen können, und dies beeinflusst ihr Verhalten.

Von einer zu ruckeligen Kameraarbeit einmal abgesehen, ist "Camp - Tödliche Ferien" somit ein interessanter Beitrag im Meer der Zombiefilm-Veröffentlichungen geworden, der sein Minimum an Geschichte, von einigen Filmklischees einmal abgesehen, clever erzählt, bishin zu einem Schlussszenario, welches man sich als Hauptaspekt einer Fortsetzung wünschen würde. Der Kniff des Streifens ist es, das bekannte Geschehen nur gering zu verändern, aber entscheidend genug um Gewohnheiten für Vielseher dieser Art Film zu brechen. Infizierte Tiere werden dabei ebenso wenig ausgeblendet, wie menschliche Fähigkeiten nach Ausbruch der Seuche. So können die Infizierten noch sprechen und Werkzeug benutzen, was sich sicherlich etwas befremdlich schaut, aber nicht ohne positive Wirkung bleibt. Mögen diese Zusatzelemente auch schon andere Zombie-und Infiziertenfilme heimgesucht haben, wie in "Großangriff der Zombies", "Die Rückkehr der Zombies" und "The Return of the Living Dead", gemeinsam mit dem Clou einer Krankheit auf Zeit und dem Fakt dass sie wiederkehren kann, werden die Zutaten derart neu gemixt, dass tatsächlich ein frischer Wind im Altbekannten weht. Es ist dem konsequenten Drehbuch zu verdanken, dass dieser Versuch so gut funktioniert. Der Vorteil alles in einem Mikrokosmos spielen zu lassen, um den Überblick zu behalten und nicht in Unsinnigkeiten zu versinken, ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen, auch wenn eine Abwicklung der hier präsentierten Erlebnisse innerhalb einer Großstadt dennoch ihren Reiz besäße.


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MESSER IM HERZ (Un couteau dans le coeur 2018 Yann Gonzalez)


Der Schwulenporno-Regisseurin Anne sterben die Darsteller weg, als ein Maskierter mit Phalluswaffe in der Szene umgeht. Da der Fall für die Polizei zweitrangig ist, beginnt die gerade unter einer Trennung leidende Anne selbst nachzuforschen...


Messer im Po...

Der sinnlich klingende Titel, der erst gegen Ende faktisch in den Film tritt, kann als Provokation gesehen werden, wenn die Opfer von einem Mörder mit Phallusmesser in den Hintern hinein erstochen werden. Aber der ohnehin auf Provokationen und direkte Thematisierung gebürstete Film ist in seiner morbid verträumten und hübsch fotografierten Art nicht wirklich dem reißerischen Ergebnis zugeneigt, sondern dem sanften. Er kommt verträumt, dramatisch und sehnsüchtig daher, während er stilistisch mit seiner Thematisierung und Farbsetzung eine Hommage an den italienischen Giallo ist. Gerade zu Beginn gibt es einige Aufnahmen, die Mario Bava heute so inszenieren würde, wenn er noch leben würde und Franzose wäre. Und Dario Argento bekommt während einer farbenfrohen Autofahrt eine sehr direkte Ehrerbietung auf sein Meisterwerk "Suspiria" beschert. Der Aufhänger der hier gewählten Mordwaffe und der Körperstelle, in welcher er eingesetzt wird, ist alternativ bekannt aus besagter harten Krimi-Richtung Italiens durch Werke wie "Die Todesbucht" und "Das Geheimnis der grünen Stecknadel", und der Einsatz des toll anzusehenden Killers bleibt dem Vorbild-Genre ebenfalls treu.

Allerdings interessiert sich Yann Gonzalez ebenso intensiv für den sexuellen Bereich. Der würde im Umfeld der Geschehnisse ohnehin nicht auszublenden sein, Gonzalez zelebriert die Nacktheit und Geilheit hier jedoch regelrecht, dies frei von Pornografie in überraschend deutlichen Bildern, vom Gehalt her den Film meiner Meinung nach jedoch ein wenig überfrachtend. Etwas mehr hätte man sich schon dem Krimi-Bereich zuwenden können. Stimmt die Gewichtung in der ersten Hälfte noch, so wirkt die zweite etwas zu schlüpfrig und voyeuristisch geraten, dies zwar nie ohne beeindruckende, künstlerisch wertvolle Bilder und Analysen zeitgleich abzuliefern, jedoch etwas zu sehr auf einen sexuellen Rausch setzend, der mich nur ansatzweise angefixt hat. Hierdurch erkennt man deutlich das Herkunftland Frankreich, welches gern derartige Themen hart und bizarr bis surreal präsentiert, so auch hier, rutscht das Werk teilweise doch fast in den Fantasybereich ab, bevor eine etwas arg plumpe Auflösung beweist, dass doch alles in der Realität stattfindet. Um interessante Auflösungen war das Genre des Giallo ohnehin kaum bemüht, der Weg war das Ziel. Und der ist selbst als wackelige Angelegenheit in "Messer im Herz" beeindruckend anzuschauen. Man staunt selbst dann noch fasziniert und genießt das Bildermeer, wenn man von der falschen Schwerpunktsetzung enttäuscht ist.

Der Mix aus Gewalt und Sinnlichkeit, der den kompletten Film begleitet, in der Eingangssequenz jedoch mitunter am effektivsten eingefangen wird, packt einen ähnlich wie die romantische Ausweideszene aus "Repo Men" oder die weichherzigen Amokläufe aus "I'm A Cyborg, But That's Okay". Hier ist "Un couteau dans le coeur" (Originaltitel) großes Kino, geradezu gemacht für dieses Medium, wohingegen der dominante Blick auf das sexuelle Umfeld in dieser Extreme nur jenen gefallen dürfte, die tatsächlich des öfteren im französischen Kino zu Hause sind. Trotz geradezu provokativ angegangener Direktheit und Deutlichkeit verkommt das Ergebnis jedoch nie zu einem reinen Provo-Film wie "La bête" oder "Meine Mutter", dafür ist "Messer im Herz" dann doch zu poetisch, geistreich und sexuell befreiend ausgefallen. Dass er in den 70er Jahren spielt, passt hervorragend zu seinem Giallo-Herz, das in ihm schlägt, sowie der fast schon Leatherface-artige Mörder zu seiner Phalluswaffe passt, nutzte der Kultkiller Hoopers seine Kettensäge spätestens in "The Texas Chainsawmassacre 2" doch ebenfalls unübersehbar in dieser Symbolik. Gonzalez Werk ist somit stilistisch, analytisch, wie inhaltlich eine Liebeserklärung an das alternative Kino, vielleicht manchmal eine Spur pseudo-intellektuell ausgefallen, aber trotz all seiner Fehler effektiv genug umgesetzt, um einen in seinen Bann zu ziehen.


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17.11.2019

FREDDY VS. JASON (2003 Ronny Yu)


Da Freddy in der Elm Street längst vergessen ist und er deswegen aufgrund mangelnder Kräfte den Kindern nicht mehr in ihren Träumen auflauern kann, beschließt er mit Hilfe des immer wiederkehrenden Jason Vorhees die Erinnerung an sich selbst in seinem Heimatort wach zu rütteln. Der Plan funktioniert. Doch als Freddy endlich kräftig genug ist um zu morden, sieht es Jason gar nicht ein von der Bildfläche zu verschwinden...


Traumunterdrücker...

Zwar war das Zusammentreffen der beiden kultigen Horrorfiguren Jason und Freddy bereits in "Jason Goes to Hell" angekündigt, es dauerte jedoch 10 Jahre bis zur Realisierung. Auf den Weg dorthin wurden viele kreative Szenarien mit reizvollen Ideen verworfen. Am Ende kam man inhaltlich mit einem schlichten Produkt daher. Aber so interessant einige verworfene Ansätze auch hätten sein können, ich persönlich glaube, dass es die richtige Entscheidung war die beiden eher in einem üblichen Plot aufeinander treffen zu lassen, so können sich die lieb gewonnenen Monster immerhin innerhalb ihres persönlichen Umfeldes austoben, ohne dass Störfaktoren kontraproduktiv wirken können, bzw. den Film überfrachten. "Freddy vs. Jason" mag keinen Innovationen-Wettbewerb gewinnen können, aber er besitzt genügend andere Stärken um zu funktionieren. Letztendlich ist aus ihm ein partytauglicher Slasher geworden, den ich alle Jahre wieder gern mit Gleichgesinnten konsumiere. Selten war ein auf Nummer Sicher gesetztes Szenario so wundervoll anzuschauen wie hier, wobei man freilich anmerken muss, dass die klassischen 80er Jahre Horror-Reihen ohnehin genau deshalb so viele Fortsetzungen lang so gut und zeitlos funktionierten, weil sie sich nicht stets neu erfanden.

Wie sicher man an ein Projekt heran ging, von welchem man von Zuschauerseite aus so oder so einen Gewinn an den Kinokassen prognostiziert hätte, beweist allein die Wahl der Regie, hatte Ronny Yu doch erst 5 Jahre zuvor die lahm gelegte Chucky-Reihe mit "Chucky und seine Braut" wiederbelebt. Und die Rechnung sollte aufgehen. Der kreative Umgang Yus mit dem Medium Film peppt den schlicht gestrickten Streifen ungemein auf. Das Tempo ist flott gesetzt, die Bilder schön anzuschauen, der Humor treffsicher eingestreut. Denn eines war man sich bewusst: "Freddy vs. Jason" musste eine Art Comicfilm werden, eben das Medium bedienen, aus dem die Idee entliehen war. Und da kümmern sich Yu und die Drehbuchautoren herzlich wenig um Logik, Sinn und Verstand, da wird basierend auf den Regeln der bedienten Horrorfilm-Reihen ordentlich in die Kacke gehauen, indem man die Killer herrlich bösartig und dümmlich zugleich agieren lässt, menschliche Stereotype auf satirische Art noch mehr ins Filmklischee drückt, als ohnehin schon und die ganze Chose mit einem durchgehend angenehmen schwarzen Humor untermalt. Der Horrorpart kommt deswegen glücklicher Weise nie zu kurz, und, von einer Wasserphobie einmal abgesehen, dürfen Freddy und Jason auf die von ihnen gewohnte Art innerhalb der bei ihnen üblichen Gesetzmäßigkeiten an jenen Orten auftreten, in die sie gehören.

Die menschlichen Figuren und ihre Erlebnisse sind glücklicher Weise interessant genug ausgefallen und wurden gut genug besetzt, damit das an sich plumpe Szenario ohne Leerlauf und ohne zu viel Wiederholungen funktionieren kann. Freilich ist die Geschichte um Jugendliche, die zum Schutz der anderen weg gesperrt werden und einen experimentellen Traumunterdrücker verabreicht bekommen, so sinnlos ausgefallen wie der Rest des hier zu Erlebenden, aber das muss in dieser Art Film auch so sein. Ebenso wenig jucken einen übersprungene Szenarien zur Tempoerhöhung, wie die Frage wie die Jugendlichen denn eigentlich scheinbar sehr leicht in die Klinik einbrechen konnten. Und warum ist Jason dort überhaupt vor Ort? Und wie weit ist die Elm Street eigentlich vom Crystal Lake entfernt? Das Tempo und der Spaß an der ganzen Sache geben den Verantwortlichen derartiger Entscheidungen recht. "Freddy vs. Jason" macht unglaublich Laune, geizt nicht mit Sehwerten und ist aufgrund seiner ehrlichen Orientierung gerade deswegen nicht dümmlich zu nennen, weil er sich der obligatorischen Dümmlichkeiten derartiger Werke bedient und sie ad absurdum führt. Freunde der Reihen werden bestens bedient, freilich mit einem mit Robert Englund besetzten Freddy. Lediglich auf Kane Hodder wurde aus mir unbekannten Gründen verzichtet. Allerdings spielt die Neubesetzung den mir etwas zu haarig aussehenden Jason ebenfalls gelungen. Gerade seine Auftritte werden in wundervollen Bildern präsentiert, an die sich ruhig mal wer orientieren sollte, der eine Wiederkehr Jasons auf die große Leinwand plant.


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12.11.2019

KILLERKILLER (2007 Pat Higgins)


Insassen einer Station für Serienkiller sind nach dem Erwachen allein in dem plötzlich verfallenen Gefängniskomplex, in welchem sie bislang verwahrt wurden. Einer nach dem anderen wird umgebracht, eine Flucht ist nicht möglich, da das Gebäude von einem undurchdringlichen Nebel umschlossen wird...


Der okkulte Grufty...

Wenn in der Eingangssequenz von "KillerKiller" ein Michael Myers-ähnlicher Psycho-Killer von seinem vermeintlichen Duschopfer massakriert wird, dann baut der Streifen auf das, was ich mir von ihm erhoffte. Leider lässt er diese Idee alsbald wieder fallen, um nach der Titeleinblendung in jenes Szenario einzutauchen, welches bis zum Schluss Hauptplot bleiben soll. Und da trennt man sich von der amüsanten Idee einer Umkehrung der Situationen aus "Halloween" und Co und serviert uns stattdessen einen Überlebenskampf ziemlich gewöhnlicher Mörder gegen einen scheinbar unsichtbaren Feind. Higgins setzt auf ein übernatürliches Flair, da macht er von Beginn an kein Geheimnis draus, und vorbei ist die reizvolle Magie einer Idee, die man anders umgesetzt hätte sehen wollen. Freilich werden noch immer Killer gekillt, so wie es der Titel verspricht, dies aber auf wesentlich uninteressantere Art, allein schon aufgrund der Charakterzeichnungen der Kriminellen, die sich vom realitätsentrückten Psychokiller, bishin zum sich zu Unrecht eingelocht empfundenen, scheinbaren Normalo erstrecken.

Nimmt man den Wechsel des Szenarios einmal großzügig an, will "KillerKiller" dennoch nicht wirklich funktionieren. Das beginnt mit den viel zu normal angelegten Dialogen, die zu einer Gruppe Durchschnittsmenschen passen würde, nicht aber zum psychopathischen Verhalten schnell aggressiver Randelemente der Gesellschaft. Zudem ist der Streifen derart kostengünstig umgesetzt, dass ihn stets ein Amateurfilm-Flair in unecht gesetztem Farbfilter umweht. Zusammen mit einem zu simpel abgefilmten Szenario beschert dies "Killer Killer" (Alternativtitel) keinen optischen Reiz. Auch hier überzeugt am ehesten die Eingangssequenz mit kleinen Spielereien der Blickwinkel der Kamera. So bleibt uns als Pluspunkt lediglich ein halbwegs interessantes Miteinander mit den beiden sich am ehesten verstehenden Insassen, die in der Lage sind zu reflektieren und dem Geheimnis vor Ort auf die Spur kommen möchten. Hier gibt es einige interessante Gedankenansätze vorzufinden, die den Film zumindest nicht völlig geistlos erscheinen lassen, letztendlich ist "KillerKiller" in seiner dialoglastigen Art aber dennoch zu geschwätzig ausgefallen, keinesfalls damit verheimlichen könnend, dass eigentlich nur Laufzeit gestreckt werden soll, da für tatsächliche Aktionen zu wenig Geld vorhanden war. Kurzum ist "KillerKiller" in so ziemlich jedem Punkt zu sehr im Negativbereich des Independentfilms gefangen, nicht ohne kleine Reize zu besitzen, letztendlich aber zu nüchtern und optisch unattraktiv ausgefallen und für einen Film, der durchaus augenzwinkernd gemeint ist, zu wenig Humorelemente anbietend. Es gibt einfach nichts, was die zu sterile Grundatmosphäre auflockert, innerhalb einer Geschichte, die ihre intellektuellen Tendenzen zu überschätzen scheint.


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TrailerOFDb

10.11.2019

NIGHT OF THE LIVING DEB (2015 Kyle Rankin)


Nach einem One Night-Stand ist Ryan froh seinen nervigen Aufriss Deb morgens endlich los geworden zu sein. Doch eine über Nacht über die Stadt eingebrochene Zombieepidemie schweißt die beiden schneller wieder zusammen, als ihm lieb ist...


Das Pflaster nach dem Lebergeruch...

Eine Geschichte wie diese würde man aus der Sicht des genervten Mannes vermuten, die Situation um einen One Night Stand mit einer nervigen Frau wird jedoch aus der Perspektive von Deb erzählt, deren Nennung im Titel bereits den ersten gelungenen Witz darstellt. Man könnte meinen Aufgrund dessen wäre alles was auf dem Titel aufbaut ein Schnellschuss-Produkt, welches einzig von seinem verspielten Namen im Umgang mit "Night of the Living Dead" lebt, aber das ist ein Irrtum. Sicherlich wird ein grobklotziges Publikum ähnlich über dieses Werk urteilen, das sich im äußersten Gewandt kaum von mäßigen Produktionen vergleichbarer Art unterscheidet. Aber der nähere Blick auf das was uns "Infestation"-Regisseur Kyle Rankin in seiner humoristischen Version mit dem Zombiethema präsentiert, ist es was aus einer zunächst gewöhnlich scheinenden Chose den charmanten Beitrag für zwischendurch zaubert. Der Humor von "Night of the Living Deb" ist bei genauem Hinsehen sehr gelungen angegangen. Neben lauter Witze, über die man geteilter Meinung sein kann, schleicht sich immer wieder ein recht bizarrer Umgang mit dem Szenario ein, der dem Gesamtwerk eine sympathische und innovative Note verleiht. Aufgrund des seltsam dosierten Einstreuens dieser Zutat, wird manch einer mit dem Ergebnis vielleicht trotzdem nicht glücklich werden, ich jedoch hatte meinen Spaß, jenseits von Erwartungen eines "Shaun of the Dead", dem der hier besprochene Steifen nie das Wasser reichen könnte.

Die Pluspunkte von "Night of the Living Deb" beginnen bereits mit der herrlich gegen den Strich gesetzten Charakterzeichnung Debs, deren Verhalten nicht nur nervig, interessant und toll vom Drehbuch vorgegeben wird, sondern von Maria Thayer auch gnadenlos plump interpretiert wird, frei jedwedem Versuch der Figur doch noch so etwas wie Attraktivität oder Würde zu bescheren. Ihre Darstellung ist bereits die halbe Miete am Gelingen des Streifens, und die Chemie ihres Mitspielers an ihrer Seite weiß zu funktionieren, auch das ist ein wichtiger Punkt. Wenn sich im Laufe der Geschichte herausstellt, dass Deb doch ihre guten Seiten besitzt und sich als partnerschaftlich kompatibel mit Ryan herausstellt, geschieht das keineswegs auf anbiederndem Wege, der uns Deb als wundervolle Frau verkaufen will. Inmitten der bizarren Ereignisse entdeckt man einfach, dass beide Personen füreinander geschaffen sind, ohne dass man einen von beiden mögen würde. In gewisser Weise tut man dies natürlich trotzdem, immerhin sind sie die Identifikationsfiguren, und ihr Verhalten neben der Spur ist ein sympathisches Werkzeug des Films, als Menschen im richtigen Leben würde man sie aber meiden. Allerhand anderer schräger Figuren, die oft aber nur wenig Spielzeit erhalten, bevölkern den Mikrokosmos rund um dieses Paar, und da wird oft mit Holzhammerkomik gearbeitet, die ich trotz ihrer Grenzwertigkeit aufgrund ihrer überraschenden Treffsicherheit mag, in ihrer lauten Art gern aber auch von den feinhumorigen Pointen ablenkt, die es von einem aufmerksamen Publikum zu entdecken gilt.

Zudem fällt der ungewöhnliche Umgang mit der Zombiethematik auf. Selbstverständlichkeiten aus diesem mittlerweile häufig verfilmten Sub-Genre werden ausgehebelt, Standards nur wenig bedient, und meist werden die Zombies stark zur Nebensache degradiert. Das wird manch einem nicht schmecken, aber für solchen alternativen Mainstream ist "Night of the Living Deb" ohnehin nicht gedacht. Sollen die nimmersatten nach Blut lechzenden Gorehounds und die wenig sensiblen Massenzombieszenen-Vermisser doch heulen gehen, Rankins Werk ist immerhin eine Horror-Komödie mit Schwerpunkt Komödie, und aufgrund seiner versteckt ungewöhnlichen, wie treffsicheren Art wird der Mangel an Zombieszenen zu keinem Schwachpunkt. Sie werden eingesetzt, wenn sie gebraucht werden, sind ohnehin nur Mittel zum Zweck und deswegen als Hintergrundelement gewählt, weil in unserer, wie in der Filmwelt der Deb, der Umgang mit den Gesetzmäßigkeiten einer Zombieepidemie eine Selbstverständlichkeit ist. Aus diesem Aspekt holt der Film sowohl bestätigend, als auch Irrtümer auftreten lassend einen hohen Grad an Pointensicherheit heraus. Ganz nebenbei wird albern, aber überzeugend über Politik gelästert, über das Wirtschaftsdenken der USA, der Medienlandschaft rund um TV und Internet und den verschiedenen Mentalitäten, alternative ebenso, wie erzkonservative. Das alles kommt nie zu gewollt daher und immer nur in jenem Grad eingebracht, den die Hauptgeschichte als Nebenanliegen zulässt ohne überfrachtet zu werden, und da der Geschichte ihre Protagonisten am wichtigsten sind, funktioniert das Ganze weit besser, als Tunnelblickzuschauer im Endprodukt erkennen werden. "Night of the Living Deb" mag nicht der große Wurf geworden sein, ist aber eigenständig und treffsicher genug ausgefallen, um ihn mehr als nur einmal in seinen Player zu werfen. Schön dass sich ein Zombiefilm einmal nicht dem Publikum anbiedert.


Weitere Besprechungen zu Night of the Living Deb:


Trailer,   OFDb

27.10.2019

DREI ENGEL AUF DER TODESINSEL (The Lost Empire 1984 Jim Wynorski)


Eine sexy Agentin schleicht sich gemeinsam mit zwei sexy Helferinnen auf die Insel eines mächtigen Wahnsinnigen, um dessen Welteroberungspläne zu verhindern...


Auszubildende an Araber verkauft...

Jim Wynorski, der so wundervolle Filme wie "Shopping" und "Der Vampir aus dem All" inszeniert hat, setzt den dort anzutreffenden Trash hier im Abenteuer- und Agentenfilmbereich an und mixt ihn mit seinem zweiten Standbein, dem Erotikfilm, den er meiner Meinung nach, siehe Beispiel "The Bare Wench Project", nicht ebenso gut beherrscht wie, zumindest damals, den des Horrors. Glücklicher Weise ist der amouröse Bereich in "Drei Engel auf der Todesinsel" nur Beiwerk, in der Besetzung jedoch unübersehbar zu erkennen, sind die Damen doch nicht gerade aufgrund ihres schauspielerischen Talentes besetzt. Dass mindestens eine von ihnen ebenfalls in Russ Meyer-Werken auftrat, verwundert nicht. Und selbst der Macho mit Schnäuzer, der die größte männliche Rolle besetzt, wirkt wie aus einem Pornofilm entlaufen. Einzig Angus Scrimm sticht außen vor, kennt der Filmfreund ihn doch aus der "Das Böse"-Reihe, und darf er doch absichtlich als Freak besetzt frei von Erotik einen Bösewicht spielen, innerhalb eines Plots, der erschreckend albern von den Geschehnissen aus "Der Mann mit der Todeskralle" abguckt.

"The Lost Empire" (Originaltitel) soll absichtlich Trash sein, fast so konzipiert wie heutige umstrittene Werke der Asylum-Schmiede, lässt sich doch kaum etwas als zufällig schlecht entdecken. Die Darsteller hüpfen hölzern durchs Bild, die quantitativen Schauwerte werden absichtlich in den Mittelpunkt gehalten, egal ob erotischer Natur, reißerischer oder aus dem Spezialeffektebereich der schäbbigen Art. Die Geschichte besitzt von Beginn an offensichtliche Logiklücken, die gar nicht erst versucht werden zu umgehen, die Handlung verläuft kindlich naiv, so leicht wie der Auftrag unter Einsatz von Sprüche klopfen und schlechter Kampfchoreographie auf Kinderfilm-Art zu lösen ist. Und damit das Ganze dem Schundfilm-Fan schön mundet, werden noch Gimmicks eingebaut, wie die herrliche Totenkopfmaske des Bösewichts am Schluss, oder der kurze Auftritt einer mechanischen Spinne. "Drei Engel auf der Todesinsel" haut derart bewusst in die Kacke, mit solch naivem und infantilem Charme, dass man ihm wahrlich nicht böse sein kann, zumal das Ergebnis für das Zielpublikum definitiv einen angenehmen Unterhaltungswert besitzt.

Vielleicht bin ich bei solchen Sachen mittlerweile aus dem Alter raus, um mich von so etwas komplett begeistern zu lassen, denn ähnlich wie bei "Einer gegen das Imperium" war mir das komprimierte Unvermögen zu Unterhaltungszwecken schlichtweg auf Spielfilmlänge zu lang geraten, um mich ungehemmt daran zu laben. Der Streifen besitzt trotz flotter Umsetzung seine Längen, und so dürstete es mich trotz konsequentem Wahnsinns, bescheuerter Schauwerte und trotz der Eigenschaft, dass die Geschichte sich nie zu oft wiederholend um sich selbst dreht, nach dem Schluss des Filmes, um ihn endlich hinter mir zu haben. Als würde der von Wynorski inszenierte Blödsinn nicht schon ausreichen, dürfen die Sprecher der deutschen Synchronisation noch einiges an dummen Sprüchen ergänzen, womit der Trash-Gehalt noch aufgeblasener wirkt als ohnehin schon. An einem anderen Tag mit Gleichgesinnten anstatt allein, oder zumindest in wesentlich jüngeren Jahren geschaut, hätte mich das Ergebnis eventuell begeistern können, um heute von einem Lieblingsstück des schlechten Geschmacks zu sprechen. Heutzutage geguckt, kommt vieles bei mir nur theoretisch an. Ich merke, dass ich dieses Stück sympathischen Schund gern mehr mögen würde, als ich es tue. Eine Empfehlung spreche ich jedem Freund des (absichtlich) missglückten Films aber freilich trotzdem aus, so streng wie meine Bewertung doch aus subjektiven Gründen ausfällt.


Weitere Besprechungen zu Drei Engel auf der Todesinsel:


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