Freitag, 19. Januar 2018

HILFE, JEDER IST DER GRÖSSTE (Life With Mikey 1993 James Lapine)


Der ehemalige Kinderstar Michael arbeitet zusammen mit seinem Bruder in einer selbstgegründeten Kindercastingagentur und entdeckt kurz vor der Pleite auf der Straße eine talentierte, junge Diebin. Er bekommt das freche Mädchen überredet für einen finanziell lukrativen Werbespot vorzusprechen. Als die Kleine tatsächlich für diesen engagiert wird fangen die Probleme jedoch erst an. Die rebellische Angie zieht bei Chaot Michael ein und dominiert sein Leben, und zudem bereiten ihre Unwahrheiten allerhand unvorhersehbare Schwierigkeiten...


Froot Loops mit abgelaufener Milch...

1993 war die Zeit kurz vor dem Abschwappen der kurzfristig erfolgreichen Kevin-Welle, in welcher allerhand neunmalkluge Kinder Erwachsenen in Komödien das Leben schwer machen durften. Der auf lockerleichte Komödien spezialisierte Michael J. Fox passte mit seiner charmanten Art den zwielichtigen, wie gleichzeitig liebenswerten Chaoten zu mimen recht gut ins Konzept sich von einem kleinen Mädchen erziehen zu lassen und gleichzeitig das Gefühl für Verantwortung zu entwickeln. Und kombiniert mit einem netten, wenn auch nicht gerade innovationsreichen, Drehbuch ist eine sympathische, kleine Alternative zum eher mittelmäßigen „Curley Sue - Ein Lockenkopf sorgt für Wirbel“ entstanden. Große Wellen verursachte „Hilfe, jeder ist der Größte“ so wenig wie die meisten Nachzügler dieser Zeit, völlig in Vergessenheit geraten sollte dieser Streifen jedoch nicht, lebt er doch gerade von Fox‘ augenzwinkerndem Spiel selbst als Teenager das Hoch seiner populären Zeit erlebt zu haben - eine Parallele zur Hauptfigur Michael, die Fox anbiederungsfrei, locker, leicht zu meistern weiß.

Für Christina Vidal war die Rolle der Angie ihre erste, und für eine Premiere kann man wahrlich nicht meckern, auch wenn ihr das Starpotential eines Macaulay Culkin oder Brian Bonsall fehlen mag. Man sympathisiert mit ihr und hasst sie, genau das was das Drehbuch will, und zusammen mit Michael geht sie als Angie eine zunächst ungesunde Partnerschaft ein, die beiden hilft sich zu passablen Mitgliedern der Gesellschaft zu entwickeln. Zwar wagt man sich nicht an die ernsteren Themen heran, die man mit dieser Erzählung automatisch hätte streifen können, das ist aber auch gut so, da man sich bewusst darüber war, dass man ein entspanntes, leichtes Stück Unterhaltung abliefern wollte, ohne nennenswerten Tiefgang. Und dieser Unterhaltung steht auf der Gegenseite auch zumindest keine zu dick aufgetragene Moral im Weg, trotz dem Ziel der Geschichte die Hauptfiguren zu läutern. Auch der zwingend mit einhergehende dramatische Aspekt der Geschichte, wird so klein gehalten wie nötig, so dass Figuren die nötige Tiefe beschert werden kann, die federleichte Komik jedoch nie dominiert wird.

Gerne orientiert sich der Humor am gekünstelten, dick aufgetragenen Stil, mit welchem so manches Kind hier vorspricht um ein Star zu werden. „Life With Mikey“ (Originaltitel) guckt sich eigentlich immer am schönsten, wenn Michael böse Kommentare in die peinlichen Vorsprechen untalentierter Kinder hineinspricht, oder wenn wir solche Auftritte ohne Zwischenkommentare erleben dürfen. Dies findet jedoch leicht schwarzhumorig im zwischenmenschlichen Stile statt und kritisiert gekonnt den blinden, unerklärlichen Drang mancher zum Starruhm. „Hilfe, jeder ist der Größte" verkommt dabei nicht zu einer rein peinlichen Voyeursnummer, wie man sie in der Anfangsphase einer jeden „Deutschland sucht den Superstar“-Staffel vorfindet, sondern weiß sein schlichtes, zahmes Niveau auch hier zu halten.

Meist lebt der Film von seinen Charakteren, die alle ihre liebenswerten Schrullen besitzen und je nach Kombination, wie wer mit wem aufeinander knallt, verschieden humoristische Ergebnisse zu erzielen wissen. Der Corneflakes-fressende Fiesling, der einzige Star von Chapman und Chapman, ist ebenso gekonnt pointiert eingesetzt, wie das Ekel von Kekskonzernchef, das Untalent von Sekretärin (gespielt von Cindi Lauper), oder das viel zu ernste Kind, welches am liebsten hochdramatische Texte vorspricht. „Give Me a Break“ (Alternativtitel) lebt hauptsächlich von dem Zusammenspiel seiner Figuren, insbesondere freilich jenem zwischen dem prinzipienfreien Michael und der selbstständigen Angie, und liefert basierend auf der gut funktionierenden Idee zum Thema Kindercasting ein routiniert angenehmes Stück leichte Komikkost mit einem Hauch Sozialkitsch ab, innerhalb eines Feel Good-Movies, welches freilich ein bis drei Happy Ends beschert bekommt. Mit der Realität hat das alles wenig zu tun. „Hilfe, jeder ist der Größte“ ist ein Stück Kino - kein bedeutendes, aber ein auf schlichte Weise angenehmes.


Sonntag, 14. Januar 2018

EIN CONCIERGE ZUM VERLIEBEN (For Love or Money 1993 Barry Sonnenfeld)


Concierge Doug träumt davon eines Tages seine Vorstellung eines perfekten Hotels gestalten zu können. Die Vision scheint zum greifen nah, als ihn der reiche Geschäftsmann Hanover finanziell unterstützen will. Der fordert von nun an jedoch kleine Gefälligkeiten an, wenn es um seine Affäre mit der jungen Andy geht, die Doug in seinem Namen immer wieder belügen muss. Erschwerend kommt hinzu, dass Doug schon vor der unangenehmen Situation ein Auge auf Andy geworfen hatte und sich während der vielen gemeinsamen Augenblicke in Vertretung für Hanover erst recht in sie verliebt...


Wie sich zwei käuflische Menschen ineinander verliebten...

Ich mag Michael J. Fox. Er besitzt eine unglaublich charmante, vitale und humorvolle Ausstrahlung, so dass es selten vorkommt, dass ich eine Komödie mit dem leider sehr früh stark erkrankten Mann nicht genießen könnte. Auch „Ein Concierge zum Verlieben“ gehört zu seinen sympathischen Werken, aber das liegt mehr denn je fast ausschließlich an ihm, immerhin sind die im Vordergrund stehenden Charaktere nicht gerade sympathisch gezeichnete Figuren, so leicht wie sie sich kaufen lassen und so sozial bedenklich, wie sie sich ihre Prioritäten setzen. Klar, sie lernen im Laufe der Geschichte, dass ihr bisheriger Weg der falsche war und es gesünder wäre gemeinsam durchs Leben zu schreiten, indem man einfach man selbst ist. Aber die Verantwortlichen der Geschichte erwarten bereits vor der Läuterung Charme für die Art und Weise zu empfinden, wie Doug seinen Alltag meistert, eben weil er als eine Art Sozialmagier der Wünsche der Hotelgäste brilliert. Aber da Doug hauptsächlich ein Lügner, Verkäufer und Täuscher ist, kommt man als Zuschauer in eine ähnliche Bredouille wie in „Das Geheimnis meines Erfolges“, in welchem man mit Yuppies sympathisieren soll.

Sechs Jahre später gelang es wem mit „Ein Date zu dritt“ die grundlegende romantische Dramatik, jemanden für einen Investor betreuen zu sollen, in den man selbst verliebt ist, zu einer runderen Sache auszubauen, ohne in Gewissenskonflikte mit sich selbst zu geraten. Aber auch „Ein Concierge zum Verlieben“ bekommt gerade noch den Bogen zum funktionierenden Film zu werden, was neben besagtem Charme des Hauptdarstellers an der niedlichen Besetzung der Andy liegt und an den schrulligen Randfiguren, egal ob sie einem Running Gag dienen oder nur einen einzelnen Auftritt absolvieren. „For Love or Money“ (Originaltitel) lebt ebenso wie der Yuppiefilm in seiner eigenen Welt, in die ich mich nicht so leicht hineinreißen lassen kann, wie in vielerlei ungewöhnlichere Gedankenwelten anderer Genres, eben weil ich Abscheu vor dem falschen Getue im Hotelmetier verspüre und die ganze Verkaufsart Dougs nicht gutheiße, schon lange bevor er das tut wofür ihn auch der Autor verurteilt.

Somit habe ich ein persönliches Problem mit dem Film, welches durch eine persönliche Sympathie gelöst wird. Was jedoch für andere Zuschauer bedeutet: wer sich mit der gelebten Mentalität des Streifens identifizieren kann, oder wem die Moral dahinter egal ist, der bekommt einen gekonnt routinierten Romantikfilm mit leichter Komik geboten, eine Filmgattung die jedoch nur dann funktioniert, wenn man mit der Besetzung sympathisiert. Wer also weder Fox noch Anwar etwas abgewinnen kann, wird nicht in den romantischen Sog hineingeraten können, den der Film trotz seiner zu oberflächlich denkend gezeichneten Hauptfiguren, dank einer sensiblen Inszenierung und einer emotionalem Misere, die jeder nachvolltziehen kann, tatsächlich besitzt.


ARMEE DER FINSTERNIS (Army of Darkness 1992 Sam Raimi)


Nachdem Ash per Zeittunnel unfreiwillig im Mittelalter gelandet ist, gerät er in britische Gefangenschaft. Durch seine Erfahrung sich gekonnt gegen die Dämonen wehren zu können macht er jedoch während seiner Hinrichtung noch schnell auf sich aufmerksam, so dass man in ihm den Auserwählten erkennt, der vom Himmel fiel um die Menschheit vor den Dämonen zu schützen. Ash will jedoch lediglich zurück in seine Zeit, und hierfür muss er das Necronomicon finden, welches auch den Menschen der Mittelalterwelt bei ihrem Kampf gegen die dämonischen Kreaturen weiterhelfen würde. Also macht Ash sich auf den Weg zu einem entfernten Friedhof, auf dem sich das Necronomicon befinden soll...


Ash wird zum Großmaul...

Nachdem mit „Within the Woods“, „Tanz der Teufel“ und „Tanz der Teufel 2“ Sam Raimi drei Mal die selbe Geschichte leicht variiert erzählte, bescherte er mit „Armee der Finsternis“ der dritten Version eine richtige Fortsetzung, die inhaltlich mit leichten Veränderungen versehen dort anknüpft, wo der Vorgänger tatsächlich endete. Leider sind es nicht nur die veränderten Momente im Vergleich zur Schlussszene von „Tanz der Tejufel 2“, die beide Werke wenig kompatibel miteinander wirken lässt, auch die fehlende Hartnäckigkeit der übernatürlichen Gegner, ihre Art wie man sie töten kann und ihre Motivation zu tun was sie tun sind nicht kompatibel mit den kaum kaputt zu kriegenden Wesen der Geschichte in der Hütte. Aus einem leicht großmäuligen Ash wird nun zudem ein arg dümmlicher Prolet, der nun mehr denn je unreflektiert die Fresse aufreißt und beleidigendes, wie dusseliges Zeug von sich lässt. Er suhlt sich in seinem Heldentum, ist zu dumm sich drei fremdsprachige Worte zu merken (die man augenzwinkernd aus „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ entlieh) und baggert Frauen mit plumpsten Methoden an.

Nachdem Sam Raimi bereits „Tanz der Teufel 2“ mit allerhand Komik versehen hatte, zerstört er in der Fortsetzung nun das angenehme Gleichgewicht beider Genres und lässt es komplett in Komik baden. Was zu Beginn unakzeptabel, aber halbwegs funktionierend in Ordnung geht, verkommt bei der Ankunft in einer Mühle zu einer Blödelorgie, die jegliches bisher gekanntes Niveau vermissen lässt. An sich ist die Mühlenszene als Parallelszene zum Vorgänger gedacht, der einzige Ort an dem Ash alleine ähnliches wie in der Hütte passieren kann. Nur achtet Raimi in „Army of Darkness“ (Originaltitel) lediglich auf optische Raffinessen, missachtet beim durchaus kreativen Spiel gegen die Dämonen jeglichen psychologischen Aspekt und übrig bleiben trotz der Idee teuflischer kleiner Ashs und dem Wachsen eines zweiten Ashs aus dem eigenen Körper heraus lediglich kindlische Spielereien, die mich damals in der Jugend noch zu belustigen wussten, mich bei der Neusichtung jetzt jedoch nur noch genervt haben.

Ein Blick ins Zusatzmaterial der DVD verrät, dass die Mühlenszene ursprünglich als unheimliche Szene gedacht war. Hier erlebt man den einzigen Moment, der wahren Horror aufkommen lässt und stilistisch perfekt zu den Vorgängern passt. Allerdings hätte diese wunderbare Szene tatsächlich keinesfalls zu „Armee der Finsteenis“ gepasst und dessen Tempo für einen unnötigen Stilwechsel abgebremst. Es ist schade dies eingestehen zu müssen, wenn man doch sehen darf wie stilsicher Raimi dort immer noch zu arbeiten weiß, aber es macht deutlich wie sehr dem Regisseur daran gelegen war mit „Evil Dead 3“ (Alternativtitel) etwas anderes abliefern zu wollen. Das wäre gar ein lobenswerter Ansatz, wenn die Alternative zum bisher dargebotenen auch die Substanz der Vorgänger besitzen würde, aber an „Der Totentanz der Teufel 3“ (Alternativtitel) ist alles nur vordergründiger Zauber, optische Augenwischerei, die jegliches geistige Hinterfragen nicht besteht.

Ashs Wanderung zum Necronomicon funktioniert lediglich aus Comicsicht und hält keinerlei Logik stand, nicht einmal bei der Frage warum nicht wer anders längst zum besagten Friedhof ritt. Zwar macht das Einbauen von Comic- und Cartoonkomik, wie das Vogelgezwitscher nachdem Ash etwas gegen den Kopf gestoßen ist, deutlich sich eben jenem Bereich absichtlich zuwenden zu wollen, aber das reicht in einer solch dünnen und konstruierten Geschichte wie der hier erzählten leider nicht um den kompletten Wahnsinn stemmen zu können. Warum Ash final gegen seinen bösen Zwilling kämpfen darf, dieser zum obersten Machthaber einer optisch nett anzusehenden Skelettarmee wird und warum diese mit relativ harmlosen Methoden so leicht außer Gefecht zu setzen sind, lässt sich alles nicht erklären, will Raimi auch gar nicht erklärt wissen, denn ihm geht es um optische Verrücktheiten, um den Spaß am Nonsens und um den Drang möglichst viele Spezialeffekte einsetzen zu dürfen und dafür Momente zu schaffen, die 1987 mit dem damaligen Budget nicht umzusetzen gewesen wären. Wieder ist alles handgemacht, das freut, aber das arge Bemühen besonders schwer umzusetzende Szenen zu realisieren, lässt die Effekte viel veralteter wirken als jene aus dem Vorgänger, die noch immer ein Staunen zu  verursachen wissen.

So oder so, mit allem was Raimi will macht er den „Tanz der Teufel“-Mythos etwas mehr kaputt, und leider will „Armee der Finsternis“ auch für sich allein stehend für mich nicht funktionieren. Raimi erreicht trotz des Verzichtes auf Splatstick die Geistlosigkeit von Peter Jacksons „Braindead“, dabei wäre es eher schön gewesen Jackson hätte sich dem Niveau Raimis angepasst. Aber so waren die 90er Jahre des Horrors bevor „Scream“ daher kam. Das Genre war kaputt, wurde mit zu viel Humor verwässert, und wie typisch für dieses Filmjahrzehnt gab man auch nichts mehr um intelligente Hintergründe, analytische Grundlagen, ja nicht einmal mehr was um interessante Charaktere. Selbst Ash ist keiner mehr. Bei einem derartig verwässerten Ergebnis freut es mich um so mehr, dass man sich 30 Jahre später in der Serie „Ash vs. Evil Dead“, trotz des kommerziellen Erfolges des hier besprochenen Filmes, wieder mehr an „Tanz der Teufel 2“ orientierte anstatt an „Armee der Finsternis“, der leider nur die dümmliche Kinderfilmvariante eines einst so interessanten Stoffes wurde.


Weitere Besprechungen zu Armee der Finsternis: 


Samstag, 13. Januar 2018

ALIEN 6 - COVENANT (Alien: Covenant 2017 Ridley Scott)


Einige Jahre vor dem anvisierten Ziel kommt es auf einem Kolonisationsraumschiff zu einem Unglück, so dass die Notfallbesatzung geweckt werden muss. Diese stößt auf ein Signal menschlicher Herkunft auf einem fremden Planeten, der noch besser als neue Heimat gedacht und schneller zu erreichen ist, als das eigentliche Ziel. So beschließt man besagten erdähnlichen Planeten anzusteuern. Vor Ort treffen die Mitglieder der Crew auf den Androiden David, einem Mitglied eines vor zehn Jahren vermissten Raumschiffes...


Jetzt verdummen schon die künstlichen Intelligenzen...

Es hätte so schön werden können, wenn Ridley Scott seine Vision von „Prometheus“ hätte fortsetzen können. Zugegeben, dort existierten kleine Unsinnigkeiten, und das Alien als perfekt überlebensfähige Spezies wurde entmystifiziert. Trotzdem war der Film mit seinem Ansatz das Alien beiseite zu lassen und sich auf den Entdeckergeist beim Vorstoß in den Weltenraum zu konzentrieren die meiner Meinung nach bislang beste Fortsetzung des Originals, so dämlich, wenn auch unterhaltsam, Camerons Actionorgie daher kam, so langweilig, wenn auch intelligent, Finchers Version auf dem Gefängnisplaneten war und so gar nicht zur Reihe passend das quietschbunte, unterhaltsame Treiben John-Pierre Jeunets war - von den müden Ablegern der Begegnung mit den Predatoren ganz zu schweigen. „Prometheus“ weckte die Faszination beim Zuschauer auf den möglichen Schöpfer der Menschheit zu stoßen und schloss mit dem Aufbruch in Richtung deren Planeten geradezu abenteuerlich und faszinierend.

Und dann kam es, das Gemaule der „Alien"-Fans, die Verrisse in den Medien und damit die Panik der Produzenten, die das Projekt nun wieder mehr Richtung tatsächliche „Alien"-Reihe schoben, damit alle guten Ansätze des Vorgängers über Bord warfen und einen verwässerten Kompromiss mit Scotts Vision verursachten, der den maulenden Fans zumindest das bot, was sie verdienten: noch mehr Entmystifizierung der geliebten Kreatur und einen dümmlichen Plot, wie es ihn seit den beiden Ablegern „Alien vs. Predator" und „Aliens vs. Predator 2“ nicht mehr gegeben hatte. Zwar hat das Raumschiff aus „Prometheus“ den Planeten der Schöpfer tatsächlich erreicht, womit der Vorgänger aufgrund seiner Vorgeschichte zum hier besprochenen Film zu einem tatsächlichen „Alien 5“ wird, aber alles geschieht anders als erwartet und sicher auch als ursprünglich geplant.

Die Ausgangslage der Geschichte ist eigentlich gar nicht von schlechten Eltern und hätte in einem eigenständigen Science Fiction-Film eine fruchtbare Grundlage für ein tolles Kinoerlebnis werden können. Denn der Reiz eines attraktiveren und zeitersparenden Planeten kann jeder sicherlich nachempfinden, wäre dort wie hier aber freilich nur eine Überlegung wert, wenn es von dort kein Signal menschlicher Herkunft gäbe, die es dort vor Ort nicht geben dürfte und damit jeden gesunden Geist warnen würde den Ort nicht zu betreten. Das machen unsere Amis im All in „Alien 6 - Covenant“ trotzdem, aber die haben es ohnehin nicht so mit Intelligenz und Vorsicht, was man schon daran sieht dass sie ohne Überprüfung des Lebensumfeldes auf einem fremden Planeten durch die Walachei stampfen, Wasser trinken und als erstes nach Lokalisieren des Standortes dem Signal folgen, anstatt zunächst die Botanik, die Luft und die (Kleinst)Lebewesen zu erforschen. Eine Forschungsstation, wie wir sie aus „Phase 4“ kennen, wäre sinnvoll gewesen. Stattdessen wandern die hirnlosen Pioniere in ihr Verderben - was wohl auch besser ist, da sie bereits 10 Minuten nach ihrer Ankunft mit dem Planeten so umgehen, wie es der moderne Mensch heute mit der Erde tut.

Freilich folgt diesem dümmlichen Verhalten so einiges mehr, so dass nach einem ordentlichen Geschichts- und Stimmungsaufbau in der ersten halben Stunde nur noch Dummfug auf den Zuschauer einregnet, der sich nun nicht mehr mit irgendwem aus der Mannschaft identifizieren kann - nicht einmal mit dem Androiden Walter, der selbst dann von keiner Gefahr Davids ausgeht, wenn dieser sich optisch seinem Androidenbruder angleicht, um später dessen Position einzunehmen - eine Tatsache die mancher Zuschauer erst in der Schlussszene begreift, wenn auch die hohle Heldin versteht was Sache ist, und dies obwohl sie zuvor noch gegen ein Alien kämpfen musste, welches nur über den Androiden an Bord gelangen konnte. Herr wirf Hirn vom Himmel!

Nicht nur, dass nun auch die Androiden dumm geworden sind, ihre dominante Präsenz überfrachtet den Film zu sehr. Fassbender war der Trumpf des Vorgängers, dessen waren sich auch die enttäuschten Stimmen des Streifens einig. Also bauten ihn die panisch gewordenen Produzenten nun noch dominanter ins Geschehen ein, versehen mit einer Doppelrolle und zur wichtigsten Figur werdend, wenn es um den Ursprung der Aliens geht. Wer sich hier nur über die Entmystifizierung ärgert, aber nicht über all die Dummheiten und zudem noch über diverse Widersprüche zum Originalfilm (so wüsste ich gerne mal, wie das Raumschiff der Schöpfer auf den Planeten gekommen ist, auf welchem „Alien“ spielt), dem kann man nicht mehr helfen, dem wird jedoch „Alien 6“ noch mit am besten gefallen können - abgesehen von jenen kritiklosen Zuschauern, denen auch die Entmystifizierung egal ist.

Wer frei von jeglichem Denken ist, der wird aufgrund der Schauwerte, des Tempos und des durchaus vorhandenen Unterhaltungsgrades einen neuen, tollen Blockbuster für sich entdeckt haben. Wer es wagt auch nur ansatzweise mitzudenken wird trotz einer Verbesserung auf dem amerikanischen Markt filmischer Großproduktionen wieder in seinen Vorurteilen über Blockbuster bestätigt werden und kann sich wieder schmollend einzig Nischenprodukten zuwenden. Ich muss „Alien 6“ zumindest eingestehen mich nicht gelangweilt zu haben, in der ersten halben Stunde gar richtig gut unterhalten zu haben und danach zumindest bei hohem Tempo geistlose Routine abgeliefert zu haben. Das ist zwar kein tolles Ergebnis, aber trotz aller Fehler noch kein Rohrkrepierer.


Weitere Besprechungen zu Alien 6 - Covenant: 


GELD HER ODER AUTSCH'N (2013 René Marik u.a.)


Die Figuren eines nicht mehr gut laufenden Kasperletheaters entführen den Star eines modernen und erfolgreichen Puppentheaters...


Die Gretel und der Eisbär...

Puppen als alternative Lebewesen in der Menschenwelt können, ebenso wie die Zeichentrickalternative, zu einem funktionierenden Vergnügen werden, wie diverse Produktionen rund um die Muppets herum beweisen. Dem Konzept seine familientaugliche Herkunft zu berauben, um der Chose einen Anarcho-Touch zu bescheren, war ein Versuch an dem sich bereits Ende der 80er Jahre Peter Jackson heranwagte. Der traf mit seinem „Meet the Feebles“ nicht zwingend meinen Humor, eben weil er einzig auf Provokomik setzte, aber immerhin mangelte es ihm nicht an Ideen und dem Charme der von ihm eingesetzten Puppen. Der wesentlich später erschienende deutsche Versuch ähnliche Wege zu beschreiten, der unter dem wenig wirksamen Titel „Geld her oder Autsch‘n“ erschien, kommt schon wesentlich einfallsloser daher.

Ich habe nicht so ganz verstanden was dieses „Maulwurfn" oder „Autsch‘n" ist, worauf dieser Film basiert. Es gab da wohl mal Fernsehauftritte der Puppen, oder gar eine komplette Serie, aber was auch immer dem Film voraus ging, der Streifen soll für sich allein stehen können, das merkt man dem Konzept an. Dieses setzt jedoch ebenfalls wie Peter Jacksons Werk lediglich auf Provo-Komik und ruht sich einzig darauf aus, dass Puppen sich kriminell verhalten. Der eine nimmt Drogen und ist ein Arschloch, andere werden zu Erpressern und sind ebenfalls Arschlöcher. Man sollte meinen, dass der Aspekt es u.a. mit klassischen Puppen eines Kasperletheaters zu tun zu haben, dem ganzen Treiben mehr Sympathie bescheren würde, aber dem ist leider nicht so. Star des Films ist der halbwegs optisch wirksame Eisbär und sein berliner Dialekt.

Wie so oft bei Anarcho-orientierten Stoffen aus der Animations- und Puppentrickwelt ist das Ergebnis zu infantil ausgefallen, um jemanden nach der Pubertät ernsthaft zu interessieren. Bemühte Versuche politische Seitenhiebe, wie den Kampf um die R.A.F., per Kurzerwähnung in die sich ansonsten wenig für gesellschaftliche Belange interessierende Story zu integrieren, scheitern und ernten lediglich ein müdes Schulterzucken. Und selbst das belustigende Spiel von Christoph Maria Herbst kann sich unter einer mittelmäßigen Regie nicht richtig entfalten, was ganz extrem in jener temporär schlecht inszenierten Szene auffällt, in welcher Herbsts Figur beim Essen einer Suppe gestört wird.

Der schlichte Einsatz simpler Puppenanimation und mancher Versuch zusätzliche optische Reize ins Geschehen zu integrieren, z.B. in einer animierten Alptraumsequenz, helfen dabei im zu müden Treiben trotzdem einen gewissen Grad Restsympathie zu entdecken, zumal allein der Versuch ein solches Projekt in der müde gewordenen deutschen Filmindustrie anzugehen einen gewissen Respekt verdient. Aber auch mit viel Wohlwollen und Augenzudrücken ist das eintönige Ergebnis maximal als müdes Routineprodukt zu bezeichnen. Da wäre es schön gewesen kreative Menschen mit an Bord zu haben, die über das nötige Humorverständnis verfügt hätten. So aber bleibt „Geld her oder Autsch‘n“ lediglich eine theoretisch nette Idee in zu braver und infantiler Umsetzung, so dass die FSK 12 gut gewählt ist.


Weitere Besprechungen zu Geld her oder Autsch'n:


Sonntag, 7. Januar 2018

DIE MÜHLE DER VERSTEINERTEN FRAUEN (Il mulino delle donne di pietra 1960 Giorgio Ferroni)


Professor Wahl empfängt für einige Tage einen jungen Mann namens Hans, da dieser sich für die künstlerische Arbeit interessiert, deren Stil von Generationen der Familie Wahl geprägt wurden. Die Anwesenheit seiner unter einer merkwürdigen Krankheit leidenden Tochter verschweigt der Gelehrte dem jungen Mann. Dieser nimmt zufällig dennoch Kontakt zu dem jungen Ding auf, nichts ahnend welches Unglück er damit in Bewegung setzt...


Die Mühle hinter der Mühle...

Der 1960 entstandene „Die Mühle der versteinerten Frauen“ orientiert sich lediglich in zweiter Reihe am Stoff von „Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts“, an dem er sich ganz offensichtlich bedient. Zu Beginn erscheint einem dessen Geschehen als Hauptattraktion des Filmes, umso überraschter darf man sein, wenn die eigentliche Parallele zum Vorbild, die morbide Auflösung der Kunstwerke, erst gegen Ende thematisiert wird und dies dort nur als Nebensächlichkeit präsentiert. Die eigentliche Thematik von „Il mulino delle Donne di Pietra" (Originaltitel) dreht sich um den Versuch die scheinbar unheilbare Krankheit der Tochter eines Gelehrten zu heilen, indem der Vater für diese Versuchszwecke junge Frauen tötet. Dieser Plot erinnert erstaunlich direkt an George Franjus „Augen ohne Gesicht“, dem diese Thematik jedoch nicht von Ferroni geklaut wurde, da beide Werke parallel im selben Jahr entstanden sind - ein klassischer Zufall, der im Kino des öfteren zu beobachten ist.

Der Unterschied beider Filme ist dennoch immens hoch. Während Franju ein künstlerisch wertvolles, wie intelligent geratenes Meisterwerk geschafften hat und in diesem verschiedenste Horrorrichtungen perfekt ineinander integrierte (überraschender Weise auch welche, die erst Jahrzehnte später für das Genre zurückentdeckt wurden), ist Giorgi Ferronis Werk ein eher schlicht abgefilmter Gothik-Horror, zu einer Zeit enstanden, in welchem sich durch die Hammer Studios und anderer Filmschaffender ein neuer Stil dieser Horrorrichtung entfaltete, von dem sich „Drops of Blood“ (Alternativtitel) zum einen beeinflussen ließ, diesen Stil als frühes Werk seiner Dekade jedoch auch mitgeprägt hat.

Ein hervorhebenswerter Film ist dem Regisseur dabei nicht geglückt, ist die Story doch geradezu 08/15 in ihrem Handlungsverlauf orientiert, der Held der Geschichte, gespielt von Pierre Brice, eher blass gehalten und das Szenario oftmals arg geschwätzig ausgefallen, teilweise um den einfacheren Weg zu wählen Hintergrundinformationen in den Film zu integrieren. Dennoch guckt sich „The Horrible Mill Women“ (Alternativtitel) als Routineprodukt recht angenehm. Trotz mangelnder fotografischer Raffinesse werden einige hübsch anzuschauende Bilder präsentiert. So weiß mancher Lichteinfall in die Deko ebenso zu gefallen, wie die matte Farbgebung, die dem Umfeld einen tristen Touch beschert und gleichzeitig die Schönheit eines einfachen Ortes einzufangen weiß.

Die herrlich groteske Idee eines morbiden Figureskarussells verursacht im Film zwar Reaktionen beim Publikum, die schon zur Entstehungszeit übertrieben zu nennen waren, als man noch etwas leichter zu schockieren war als heute, ist aber ein durchaus funktionierendes Gymmick innerhalb eines Streifens, der mit Augen von heute ansonsten rechts innovationslos daher kommt. Wie erwähnt ist es schwer zu beurteilen in wie weit Ferroni den Stil dieser Art Horror mitgeprägt hat und in wie weit er lediglich auf eine Modewelle aufgesprungen ist, somit kann man das Werk tatsächlich nur mit den Augen von heute beurteilen, und aus diesen betrachtet ist „Horror of the Stone Women“ (Alternativtitel) ein naiver, kurzweiliger Durchschnittshorror, nicht mehr und nicht weniger. Freunden des Genres dieser Dekade wird es gefallen, über den grünen Klee loben kann man „Mill of the Stone Women“ (Alternativtitel) jedoch nicht. Gerade mit Blick auf das französische Konkurrenzprodukt, das so viel mehr aus der gleichen Idee zu ernten wusste als es Ferroni tat, wird doch deutlich wie schlicht das Endergebnis des hier besprochenen Werkes zu nennen ist.


Weitere Besprechungen Die Mühle der versteinerten Frauen: 


DIE ERZÄHLUNG EINER WEISSEN SCHLANGE (Hakuja-den 1958 Kazuhiko Okabe u.a.)


Als Kind besaß Xu-Xian eine weiße Schlange, von der er sich trennen musste, da die Erwachsenen Probleme mit ihr hatten. Als junger Erwachsener wird er von ihr in Gestalt der jungen Bai-Niang aufgesucht. Ein alter Magier, der im Gegensatz zu Xu-Xian den Zauber hinter Bai-Niang erkennt, vermutet böse Absichten hinter ihrem Handeln und verhindert die romantische Zweisamkeit, welche beide sich wünschen. Aber die weiße Schlange gibt nicht auf und weiß um ihre Liebe zu kämpfen...


Der langweiligste Held der Welt...

Warum die zweite Verfilmung einer so oft erzählten Geschichte einen Blick wert ist, ist filmhistorisch schnell erklärt, handelt es sich bei „Die Erzählung einer weißen Schlange“ doch um den ersten farbigen Anime-Langfilm, und da ist es schon interessant zu sehen wie anders und doch recht ähnlich all das begonnen hat, was heute noch immer auch außerhalb Japans Millionen von Menschen zu begeistern weiß. Seinerzeit wurde der Streifen in sämtliche Länder verkauft, meist jedoch mit mäßigem Erfolg, was verständlich ist, so intensiv wie Okabes Werk in den Mythologien Chinas steckt und so fremd der Gesellschaft Europas und Amerikas dieses zur Entstehungszeit war. In Deutschland öffnete man sich erst Mitte der 90er Jahre den Mangas, trennte sie hier nach den Begriffen Manga für den Comicbereich und Anime für jenen des Filmes. Was zunächst wie eine kurzlebige Jugendkultur erschien, wurde zu einem festen Bestandteil der deutschen Medienkultur.

Was mich an „Panda and the Macic Serpent“ (Alternativtitel) so zu faszinieren weiß, ist der durch ihn erlebte x-te Beweis, dass keine hochtrabende Grafik vorhanden sein muss, um optisch zu faszinieren. „Erzählung einer weißen Schlange“ ist seinerzeit keineswegs dahingeschludert worden, er wird bereits damals halbwegs auf technischen Hoch anvisiert gewesen sein. Er benötigt aber auch keinen weiteren Fortschritt in diesem Bereich, um zu beeindrucken, wissen die klassisch animierten Comicfiguren doch zu funktionieren und der schlichte Hintergrund in seiner treffsicheren romantischen Art zu gefallen, so klassisch der Zeichenstil die langjährige Zeichenkultur Chinas einfängt und dabei Bilder zum Hineinträumen hinterlässt. Rein optisch hatte mich das Werk der Regisseure Kazuhiko Okabe und Taiji Yabushita schnell in seinem Bann, und bis zum Schluß genoss ich das wirkungsreiche weniger ist mehr-Prinzip und die Leichtigkeit und den simplen Stil der humorvoll anvisierten Figurenanimation.

Dem gegenüber steht ein Plot, der an wirrem, kaum durchzublickenden Hokuspokus und an Naivität nicht zu überbieten ist. All das Übernatürliche des Streifens wird als selbstverständlich eingefordert, Hintergründe des Geschehens werden nie geklärt, und das kann einen schon vor den Kopf stoßen bei all den vielen hier gelebten Taten, die nicht von dieser Welt sind. Dem Fantastischen stehen Vermenschlichungen von Tieren zur Seite, die teilweise dominante Parts der Laufzeit einnehmen und dabei ebenso wenig auch nur halbwegs in die menschliche Realität eingebunden werden und somit auch dem nichtmagischen Bereich eine Surrealität bieten. Damit wird aus „Hakuja-den“ (Originaltitel) ein rein phantastisches Etwas, in welches man entweder voll aufgehen kann, oder dem Treiben nur theoretisch folgen kann, ob interessiert am Geschehen oder nicht.

Dem Held der Geschichte fehlt es an Charakter, um sich an ihn als Identifikationsfigur zu orientieren. Sein Handeln ist meist passiver Natur, sein Verständnis der Geschehnisse um ihn herum nicht das schnellste, und meist jammert er nur herum. Es braucht nicht verwundern, dass dieser Anwärter zum langweiligsten Helden der Filmgeschichte die normalste Animation erhalten hat. Was andere Figuren an Lustigkeit oder Mystik beschert bekommen haben, fehlt bei Xu-Xian völlig, so dass seine komplette Gestalt zur Langeweile verkommt.

Auch in die magische Handlung selbst konnte ich mich nur schwer einfühlen, ist sie doch wie typisch für ihre Entstehungsregion aufgrund des romantischen Zentrums der Geschichte höchst verkitscht ausgefallen. Den inneren Ansporn der beiden Verliebten kann man nicht nachempfinden, da man nicht versteht warum sie sich zueinander so intensiv hingezogen fühlen. Vielleicht hätte man, um zumindest die Motivation der Schlange zu verstehen, die Vorgeschichte aus der Kindheit zu Beginn nicht nur kurz anreißen dürfen, was anbei durch die völlig anders angewendete Optik dort zu einem eigenen Hingucker des Streifens wird.

Selten schafft es ein Film, der mich inhaltlich und gefühlstechnisch derart außen vor lässt, mich trotzdem für sich zu gewinnen. Es mag sein dass mein Unterbewusstsein da ein wenig mitsteuert, habe ich „Erzählungen einer weißen Schlange“ als junges Kind doch gelegentlich gesichtet, ohne mich vor der Neusichtung auch nur an irgend ein Detail erinnern zu können. Selbst während des Sichtens kamen nur grobe Erinnerungen zurück, ein klassisches Baden in der Nostalgie alter Liebhaberstücke aus der Kindheit ist der Film für mich somit nicht geworden. Und doch mag ich ihn trotz all seiner Sperrigkeit und Unsinnigkeit, die man ihm keineswegs abstreiten kann. „The White Snake Enchantress“ (Alternativtitel) lebt von seinen einzelnen Momenten, ob es nun die knuffigen Abenteuer des Pandas mit dem optisch so merkwürdig ernst animierten hellen Schwein ist, der Kampf des Magiers mit seiner ominösen Kugel gegen Bai-Niang oder dem Riesenwelz, oder gar der völlig aus dem Rahmen fallende Ausflug der weißen Schlange in die Tiefen des Weltalls. Hier weiß so manches trotz fehlender Orientierung zu beeindrucken.

Verglichen mit amerikanischen Werken trumpft „Die Erzählung einer weißen Schlange“ jedoch noch mit etwas völlig anderem, etwas sehr lobenswertem, aber auch mit etwas das die Kultur Amerikas als geprägter Militärstaat nun einmal von Japan und Europa unterscheidet: es existiert keine Trennung in Gut und Böse. Sicherlich gibt es in der Figur des Magiers einen Gegenspieler, aber der ist von den guten Absichten seiner Taten ebenso überzeugt wie das Liebespaar von den seinen. Am Ende des Filmes darf er gar seinen Irrtum einsehen. Leider beobachte ich in den letzten Jahren immer intensiver, dass Deutsche durch die intensive Beeinflussung amerikanischer Medien ebenfalls immer mehr dazu neigen die Welt in Gut und Böse aufzuteilen, was meiner Meinung nach komplett irrational ist. Dementsprechend tut es gut, dass möglichst viele alte Werke DVD-Veröffentlichungen erhalten, um gegen diese Modeerscheinung zu halten. „Die Erzählung einer weißen Schlange“ darf sich im Kampf gegen diese Art Verdummung gerne hinzugesellen, auch wenn sie in jedem weiteren Bereich nicht gerade intelligent ausgefallen ist.


Weitere Besprechungen zu Die Erzählung einer weißen Schlange: 


Samstag, 6. Januar 2018

DAREDEVIL - STAFFEL 2 (Daredevil Season 2 2016 Phil Abraham u.a.)


Daredevil nimmt es mit dem Punisher auf, der mehr als 30 Menschen getötet hat, hinter dessen Taten jedoch mehr steckt als der Amoklauf eines Verrückten. Zudem deckt er mit seiner ehemaligen Bekannten Elektra die mystische Verschwörung einer großen Gruppe Asiaten auf, deren Taten nicht von dieser Welt zu sein scheinen...


Ein Mysteriöser will entmystifizieren...

Am Ende der überraschend überzeugenden ersten Staffel von „Daredevil“ ist so einiges passiert und erwähnt worden, was mich trotz des überzeugenden Gesamtergebnisses kritisch an Staffel 2 herangehen ließ. Allein dass der Titelheld nun nicht mehr in wirksamen, schlichten Klamotten auf Verbrecherjagd ging, sondern von nun an stattdessen ein lächerlich anmutendes, klassisches Superheldenkostüm trug, war eine ärgerliche, wenn auch nebensächliche, Angelegenheit. Zudem schien der erwachsene, bodenständige Stil Gefahr zu laufen mit einem angekündigten übernatürlichen Handlungsprozess zerstört zu werden. Und als ich dann noch erfuhr, dass der Punisher und Elektra, zwei zusätzliche Marvel-Helden, in bedeutenden Rollen vorbeischauen werden, bangte ich endgültig um den eigenständigen Stil der Serie, die sich so angenehm vom Herumgekasper der Marvel-Kinoproduktionen distanzierte. Würde das Einbringen des Marvel-Multiversums auf Serienbasis, so wie im Vorbild der Kinofilme, auch „Daredevil“ zu einem Massenprodukt degradieren? Drohte der Serie eine stilistische Anpassung an die Kinokollegen?

Ich denke diese Bedenken waren berechtigt, stellten sich aber als halbwegs unnötig heraus. Zwar kann die zweite Staffel nicht ganz an die Klasse der ersten heranreichen, bedenkt man aber einmal welchen Gefahren sie in den falschen Händen ausgesetzt gewesen wäre, kann man mit dem Ergebnis zufrieden sein. Interessanter Weise fanden sich positive wie negative Einflüsse an völlig anderen Stellen als vermutet. Das Kostüm blieb freilich Blödsinn, klar, aber zumindest wurde es relativ selten eingesetzt (in der ersten Hälfte der Serie haben wir es mehr mit Murdock, als mit Daredevil zu tun, in der zweiten Hälfte wechselt dies ins Umgekehrte), und wenn wir den guten Mann darin sehen, taucht er, wie typisch für die Serie im Allgemeinen, in dunklen Szenarien auf, so dass der Anzug nie grell leuchtet. Nichtsdestotrotz überzeugt Murdock im neuen Kostüm nicht mehr so gut wie zuvor, was weniger die Actionmomente betrifft oder sein düsterer Umgang mit den Verbrechern, sondern seine melancholische Stimmung. Der gesenkte Kopf mit traurigem Blick, welcher der Figur Tiefe und Tragik bescheren soll, wirkt in einem Kostüm mit Teufelhörnchen unfreiwillig komisch, selbst dann wenn das Szenario um ihn herum gelungen inszeniert wurde.

Das wirkt nicht nur theatralisch anstatt gefühlsnah, dies ist in Staffel 2 sogar des öfteren der Fakt. Freilich gehört eine gewisse Theatralik zu jeder Superheldenfigur automatisch dazu, besitzen sie doch eine innere Zerissenheit, die stets über das hinaus geht, was man als Zuschauer ernsthaft nachvollziehen kann. Dennoch schafften es die Autoren der ersten Staffel ähnlich wie viele „Batman"-Verfilmungen die aufgebauschten Gefühle inmitten von Melancholie und Düsternis lediglich etwas zu gefühlsschwanger wirken zu lassen - aufgesetzt ja, aber nicht unnötig theatralisch hochgeschaukelt. Das emotionale Wechselspiel zwischen Daredevil und Elektra, welches eher kindisch als erwachsen anmutet, kann mit seinem ständigen Wechsel aus belanglosen Gründen in aufgebauschten Liebes- und Hassgeständnissen auf pubertärer Ebene, keine echte, wirksame Dramatik aufbauen und wirkt nun nur noch als das was es ist: Superheldentragik, halbwegs passend zu konsumieren, aber außerhalb der Jugend nicht mehr ernsthaft mitfühlen lassend.

Gleiches gilt für die ohnehin bereits heuchlerischen Regeln des Daredevil, die in Werken wie „Super“ so hervorragend aufs Korn genommen wurden. Durch die Konfrontation mit dem anders denkenden Punisher werden nicht ernsthaft, wie erhofft, philosophische Dinge darüber was ein Held darf oder nicht angesprochen und Murdock dadurch in ein positives Licht gerückt, sein Glaube Täter brutalst Krankenhaus-reif zu schlagen wäre besser als die Personen zu töten wird gerade durch diese Konfrontation der Lächerlichkeit preisgegeben, und zerstört ein weiteres, bisher mögliches, Mitfühlen mit der Figur. In einem so ernsthaft erwachsenem anvisierten Stoff wie dem hier gebotenem, wäre es freilich wünschenswert gewesen, die Autoren würden mit solchen Dingen offen und ehrlich umgehen, anstatt ihnen zwanghaft Heldenhaftigkeit, Tiefsinn und innere Zerrissenheit anzudichten.

Um es kurz zu machen: die zweite Staffel Daredevil macht Spaß, trifft in ihrem düsteren Grundton auch meist ins Schwarze, und auch manch tragischer Aspekt weiß noch immer zu funktionieren, aber die Geschichte badet weit mehr im Kindergartenniveau als bislang, ist in seinem tragischen Aspekt also somit leider vom funktionierenden, hohen Ross der Einstiegsstaffel abgestiegen und kann nun nur noch von jenen Leuten konsumiert werden, die darauf verzichten können. So schade ich es finde, dass man nun den zu theatralischen Weg gewählt hat, ich konnte mich trotzdem gut mit der zweiten Staffel arrangieren, war sie doch höchst unterhaltsamer Natur und zumindest in der ersten Hälfte fast auf gleichem Niveau wie die erste Staffel. Das meiste worüber ich klage, nimmt erst in der zweiten Hälfte Überhand, so dass man erneut kritisch auf eine kommende Staffel blicken darf, falls diese auf ihre komplette Laufzeit unter besagten Problemen leidet.

Zumindest aber darf man Entwarnung in den zuvor als kritisch betrachteten Punkten geben. Elektra ist gerade in der ersten Hälfte ihres Mitwirkens unterstützender für die Serie als gedacht, bringt sie, wenn selbst schon nicht wirkend, Daredevil doch immer wieder in schwierige, hoch interessante Situationen. Anfangs funktioniert sogar der Aspekt Murdocks Restgefühle ihr gegenüber, bevor sie ins besagte Kindergartenszenario wechseln. Noch überraschender ist jedoch der Einfluss des Punisher auf die Geschichte, der sich als interessantester Storypart erweist, so dass es schade ist, dass er für die zweite Staffelhälfte nicht mehr ganz so von Bedeutung ist wie für die erste. Zumindest freut es zu hören, dass er beim Publikum in der erfreulich geglückten Besetzung derart gut ankam, dass er mittlerweile seine eigene Serie beschert bekam, die ich mir auch ziemlich zeitnah angucken werde, sobald seine Abenteuer auf DVD erscheinen.

Tritt er in der hier besprochenen Serie in den Hintergrund, rückt jene übernatürlich anmutende Idee in den Mittelpunkt, um deren möglicher schädigender Wirkung auf die Serie ich bangte. Aber ausgerechnet in dieser beweisen sich die Autoren als überraschend erwachsen, lassen am Ende nicht alles ganz so übertrieben Comic-artig aussehen wie gedacht, so dass die zweite Staffel zumindest in den Abenteuern und Aufgaben des Daredevil ihren ernstzunehmenden düsteren und erwachseneren Grundton beibehalten darf, was nach einer zu zerfahrenen und ewig hinhaltenden Geschichte final positiv überraschte. So weit weniger überfrachtet wie vermutet, ja sogar richtig bodenständig zu Ende geführt, wie die Geschichte um eine asiatische Sekte, wird auch die Privatsituation des Helden thematisiert, dessen Probleme mit Freunden und Kollegen (zumindest bislang) nicht mit simpelsten Superheldenmitteln behoben werden können um die Grundsituation auf Anfang zu setzen, um die nächste Geschichte auf gleicher Basis zu starten. Was zwischenmenschlich kaputt geht, geht tatsächlich kaputt, so dass sich Charaktere auch weiterentwickeln dürfen und nicht nur auf der Stelle treten.

Auch wenn die Serie im negativen Sinne nun mehr im Superheldenkosmos angekommen ist, als mir lieb gewesen wäre, so sympathisiere ich doch trotz aller Schwächen noch immer mit dem Ergebnis. Der düstere Grundton, die interessanten Figuren, der ungewöhnliche Held, der gute Soundtrack, die diesmal in dreckigem Gelb gehaltenen Bilder („The Crow 2“ lässt grüßen), der Look und große Teile der Erzählung wussten mich nach wie vor zu überzeugen und zu packen, auch wenn manche inhaltlichen Katastrophen erst in letzter Minute umschifft wurden - was zumindest eine mögliche zweite Sichtung angenehmer werden lässt, als es bei all dem Bangen um das Restniveau bei der Erstsichtung der Fall war. Einzig dass der in Staffel 1 so erstaunlich wirksame Fisk diesmal nicht zu überzeugen wusste, teilweise sogar etwas lächerlich wirkte, ist mir zu sauer aufgestoßen. Mit den restlichen Verschlechterungen kann ich mich jedoch anfreunden. Solange die düstere Inszenierung und die ernsten Töne der Drehbücher erhalten bleiben, kann ich auch mit dem neuen, üblichen Grad Superheldentheatralik leben. Wenn man ehrlich ist verleiht dies der zweiten Staffel „Daredevil“ vielleicht sogar einen ehrlicheren Umgang mit seiner Superheldenfigur.


Freitag, 5. Januar 2018

VOR MORGENGRAUEN (Just Before Dawn 1981 Jeff Lieberman)


Eine Gruppe junger Erwachsener fährt hinauf in die Berge und fällt einem in den Wäldern hausenden Killer in die Arme...


Ein Gebiet mit hoher Zwillingsrate...

Der Backwood-Bereich hat im Slasher-Genre viel ungenießbaren Schrott hervorgebracht, so reizvoll wie die Idee für geldgeile Produzenten klingt einfach ein paar nicht sonderlich professionelle Jungdarsteller in die Botanik schicken zu müssen, um sie in einer kostengünstigen Story einem Geisteskranken auszusetzen. Uninspirierte Werke wie „Ausflug in das Grauen“ und „Backwoods“ langweilten mit endlosem Leerlauf in lahm anzusehender Botanik mit einem Bösewicht versehen, der nicht erschrecken will. Zwar ist auch der Aggressor in „Vor Morgengrauen“ nicht gerade die optische zu Fleisch gewordene Bedrohung, so dass man in der etwas mau inszenierten Anfangssequenz bereits darum bangt erneut einen Rohrkrepierer zu sichten, aber mit Einstieg in die Hauptgeschichte um eine handvoll junger Erwachsener wird deutlich, dass Lieberman mehr vorschwebte als der x-te Mitläufer im immergleichen Geschehen. Handlungstechnisch macht „Just Before Dawn“ (Originaltitel) da keinen Unterschied, aber die Naturaufnahmen sprechen bereits für sich und dienen nicht einfach nur der hübschen Kulisse.

Die wahren Qualitäten lässt „Blutige Dämmerung“ (Alternativtitel) sogar erst weit gegen Ende aufblitzen, wenn sich in einem urkonservativem Plot plötzlich erfrischend emanzipatorische Veränderungen zum Grundkonzept solcher Stoffe aufzeigen, die weit über den Aspekt hinausgehen, dass eine Frau ihren Mann stehen muss. Das Verändern der gesellschaftlichen Stellung von Mann und Frau im Angesicht der Bedrohung wird auf beiden Seiten in einer Radikalität eingefangen, die den Zuschauer regelrecht vor den Kopf stößt, das extrem Passive genauso wie das extrem Aggressive - anbei beides keine schönen Charaktermodelle und beide in besagter Extremsituation nicht zwingend notwendig zu leben. Psychologisch clever, wie von manchem Filmfreund angedichtet, wären diese wundervollen Veränderungen aber nur in einem sich real anfühlenden Szenario, und da macht bereits die völlig übertriebene Methode, wie die finale Heldin gegen den Psychopathen siegt, dem Niveau einen Strich durch die Rechnung, dient der gewählte Weg doch einzig dem reißerischen Schauwert, so dass „Vor Morgengrauen“ dann doch nicht ganz so anders ist wie der übliche Backwood-Slasher.

Gegen Ende habe ich ohnehin keinen sinnvollen Erzählfluss mehr erwartet, kristallisierte sich nach einem anfänglich überraschend gutem Hochhalten einer geladenen Atmosphäre inmitten von inhaltlichem Leerlauf doch immer mehr heraus, dass die Psychologie des Filmes zu naiver Natur ist. Nicht nur dass sich die erstaunlich frühe Auflösung des Geheimnisses um den Killer bereits dann unfreiwillig offenbart, wenn mit dem Holzhammer gewollt nebensächlich auf die Zwillingsgeburtenrate des Ortes hingewiesen wird, auch sonst mangelt es dem Film an Raffinesse und Glaubwürdigkeit. Geht man nach der filmeigenen Logik reitet die von George Kennedy gespielte Retterrolle mehrere Tage mit dem Pferd durch die Dunkelheit. Stilistisch wie eingefangen scheint Lieberman damit jedoch lediglich den Ritt durch eine einzige Nacht zu meinen, aus der aufgrund der Zwischenszenen ohne Kennedy jedoch völlig unsinnige zwei werden.

Und mit dem Blick auf solche Hindernisse „Vor Morgengrauen" und seine Innovationen all zu ernst nehmen zu können, reden wir nicht einmal von den wesentlicheren Fehlern, z.B. der Motivation der einzelnen Figuren, die nur selten den Ansatz eines nachvollziehbaren Sinnes erreicht. Stümperhaft lässt ein untalentierter Autor halbgare Charaktere uninspiriert aufeinander stoßen, in einer Art in der zukünftiges Verhalten so zufällig bleibt wie bei Nichtkontakt mit anderen Menschen. Letztendlich ist egal wer hier wem begegnet und was derjenige vor hat. Passiert wäre ohnehin was passiert. Lieblos wie es allgemein geraten ist, zieht das Drehbuch, wenn ihm Ideen und Menschen ausgehen, viel zu spät noch ein paar mies spielende Hinterwäldler aus dem Ärmel, ein weiterer Aspekt der nicht gerade mit psychologischem Feingefühl oder cleverem Geschick den Zuschauer zu überraschen eingefangen wurde. Kurzum: das wesentliche welches aus dem cleveren Schlussgeschehen mehr gemacht hätte (bzw. das gemacht hätte was viele Fans in ihm sehen) als ein entweder zufälliges oder schlichtweg zu grob und unreflektiert gestricktes Stück psychologische Überraschung, ist zur Unterstützung nicht vorhanden. An jeder Ecke des Filmes mangelt es an Glaubwürdigkeit und dem Verständnis gegenseitiger Beeinflussung der Figuren, psychologischer Motivationen und vielem anderen.

Nun gucke ich solch einen Film jedoch nicht der Realitätsnähe wegen. Freilich freue ich mich, wenn es ein Film wie „The Creeper“ schafft auch diesen Aspekt halbwegs zu erfüllen, aber ich bin diesbezüglich kein Idealist, der nichts anderes zulässt. Rein vom Spannungsbogen und der grundlegenden Atmosphäre her, schafft es „Vor Morgengrauen“ eine Zeit lang über den eigentlichen inhaltlichen Leerlauf hinwegzutäuschen. Trotz zu eindimensional geratener Charaktere trumpft Lieberman indem er die Natur für sich sprechen lässt. Auch gestaltet er das Miteinander der jungen Leute halbwegs interessant und schafft es gar die Bedrohung recht gut über allen Nichtigkeiten schweben zu lassen, was einem kleinen Wunder gleicht, so früh wie er den so gar nicht wirksamen Killer zeigt. Diesen blendet er optisch nach der Einstiegssequenz bei zukünftigen Auftritten derart gekonnt aus, dass das Zeigen des Killers zu Beginn zu einem erneuten psychologischen Unsinn des Streifens wird, der beweist, dass Lieberman in Wirklichkeit kaum wusste was für ein Werk er da eigentlich zusammenzimmert.

Mag die wirksame Bedrohung irgendwann auch nicht mehr das wackelige Grundgerüst stützen, zumindest bleibt die Phase zwischen dem Gelingen dieses Punktes und dem Wendepunkt zum ereignisreichen Szenario kurz genug, um nicht zum Langeweiler zu werden. Somit bleibt „Vor Morgengrauen“ zumindest ein dümmlicher Routinestreifen mit kurzfristigen Vorzügen und ist damit besser ausgefallen als manches Konkurrenzprodukt. Beachtet man aber was Lieberman alles vergeigt hat, was nicht schwer zu umschiffen gewesen wäre bei hingebungsvollerem Gesamtüberblick, und bedenkt man einmal was viele Filmfreunde in „Just Before Dawn“ zu sehen scheinen, nur weil er gegen Ende gelungene Innovationen in den Einheitsplot integriert, kann man trotz eigener Handschrift enttäuscht vom Gesamtergebnis sein. Ich persönlich bin dies jedoch hauptsächlich, weil mir der Streifen einfach zu dümmlich ausgefallen ist. Von seinem Kult auf den ich mich in meinem Text so oft beziehe, habe ich erst nach dem Sichten des Streifens in diversen Filmbesprechungen gelesen.


Weitere Besprechungen zu Vor Morgengrauen: 
F.LM 


Mittwoch, 3. Januar 2018

TANZ DER TEUFEL 2 (Evil Dead 2 1987 Sam Raimi)


Ash fährt mit seiner Freundin Linda in die Wälder, um mit ihr einige romantische Tage in einer Hütte zu verbringen. Kurz nach der Ankunft entdeckt er ein Tonband auf welchem fremdsprachige Rituale gesprochen werden, welche es alten Wesen gewährt Zugang zu unserer Welt zu bekommen. Diese bemächtigen sich Lindas Körper und trachten fortan Ash nach seinem Leben...


Der Wald lebt...

Nach „Within the Woods“ und „Tanz der Teufel“ erzählt Sam Raimi nun zum dritten Mal seine Geschichte um böse Dämonen im Wald und lässt hierfür erneut eine Figur namens Ash in die legendäre Waldhütte reisen. Zwar ist es diesmal jener Ash, mit dem es in den fortsetzenden Projekten zu „Tanz der Teufel 2“ auch weitergehen soll, so dümmlich wie in „Armee der Finsternis“ und „Ash vs. Evil Dead“ wird er jedoch nicht gezeichnet. Er wirkt etwas unsicher, ist, wie es jeder in dieser kaputten Situation wäre, völlig überfordert, und sein Grundcharakter ist einfältig zu nennen, aber dumm ist er eigentlich nicht, dafür handelt und argumentiert er in Relation zu der wahnwitzigen Situation, der er gegenübersteht, relativ rational, und auch seine großmäulige Ader ist noch nicht derart ausgeprägt wie in den Fortsetzungen und zeigt sich nur gelegentlich in manch sexistischen Harmlosigkeiten am Rande.

Raimi tut gut daran den Stoff einmal humoristisch aufzuarbeiten, ist sich aber auch des perfekten Mixes aus Horror und Komik bewusst. Es dauert gar einige Zeit bis sich aus dem düsteren Treiben die schwarze Komik herauskristallisiert, so gekonnt wechseln sich beide Genres ab, bzw. gehen sie Hand in Hand, womit „Evil Dead 2“ (Originaltitel) stilistisch weit vom humordominanteren Nachfolger „Armee der Finsternis“ entfernt ist. Am besten passt wohl der Vergleich zum ersten „The Return of the Living Dead“ wenn man das Zusammenspiel von Humor und effektiven, spannungsgeladenen Horrorszenen beschreiben müsste. Hier wie dort stehen Grusel, Schock, Wahnsinn und Momente des Schmunzelns und des Lachens zielsicher nebeneinander, ohne einander zu behindern, sondern ganz im Gegenteil ein fruchtbares Miteinander zu führen, welches den Zuschauer in ein Abenteuer entführt, welches bis heute von der Konkurrenz unerreicht bleibt.

Raimi und seiner Crew stehen sichtbar mehr Dollar zur Verfügung, so dass Spezialeffekte für seine Zeit zu überzeugen wissen, weniger überzeugende Momente gar absichtlich unprofessionell eingebracht scheinen, um die Einfältigkeit von Ashs Charakter auch in die Grundatmosphäre des Streifens integriert zu bekommen. Nicht nur dass es den Verantwortlichen des Streifens keineswegs an kranken Ideen mangelt - die bekommt man hier am laufenden Meter geboten - die visuelle Umsetzung bringt den Zuschauer mehr als gelegentlich zum Staunen und weckt in jungen Gemütern hin und wieder ihre Phantasie. Allein den lebenden Wald beobachten zu dürfen, ist eine optische Wucht für sich, freilich alles 1987 noch handgemacht umgesetzt.

Die Handlung des ersten Langfilmes wird komprimierter umgesetzt. Bereits der Vorgänger des hier besprochenen Filmes stieg zügig ins Geschehen ein. Raimi erwartet, dass der Zuschauer den Grundplot nach zwei Erzählungen bereits kennt und schafft es die Ausgangslage in etwa 5 Minuten abzuarbeiten, ohne dass sich „Der Totentanz der Teufel 2“ (Alternativtitel) deswegen ungemütlich und zu gehetzt schaut. Der Grundton stimmt, der Zuschauer wird nicht enttäuscht, und selbst wenn es in der Ausnahme einem Zuschauer nicht schmecken sollte, er würde nicht lange meckern, nutzt Raimi diesen rasanten Einstieg doch für die Chance sich für einen Aspekt mehr Zeit zu lassen, den er in „Tanz der Teufel“ nur bedingt thematisieren konnte: Ashs einsamen Kampf gegen das Böse in der Hütte. Von einigen wenigen Szenen zukünftig wichtiger Figuren einmal abgesehen, besteht die Hälfte der Laufzeit von Teil 2 aus einer One Man-Show Bruce Campbells, der sich als Ash sämtlichen Bedrohungen entgegensetzen muss.

Klassisch beginnt das Szenario mit dem Körperbesitz der Freundin durch einen Dämon (im weiteren Verlauf darf es diesmal auch männliche Körper treffen), ein Szenario welches auch nach derer Beerdigung mit allerhand skurriler Ideen vielschichtig ausgeschlachtet wird, während Ash es ansonsten mit dem Inventar der Hütte zu tun bekommt, da die Dämonen diesmal wirklich alles besetzen können, bishin zu Ashs eigenem Körper. In einer der legendärsten Szenen besetzen die Dämonen Ashs Hand. Hier kann Campbell sein komplettes Können in Sachen Schauspielerei und Grimassenreißerei unter Beweis stellen, gönnt man ihm bei dieser grandiosen Darbietung doch seine One Man-Show, die freilich stilistisch viel dicker aufgetragen ist, als all das kranke Geschehen des bereits nicht zurückhaltenden Vorgängers. Selten ist dies der Fall, doch diesmal gefällt mir die lautere, wildere und schrillere Variante ein und des selben Stoffes mehr als die noch ansatzweise subtilere, wesentlich düstere Vergleichsversion, sprich ich liebäugel mit „Tanz der Teufel 2 - Jetzt wird noch mehr getanzt“ (Alternativtitel) mehr als mit dem ebenfalls hervorragenden „Tanz der Teufel“, eben weil hier so ziemlich alles perfekt ineinander greift. Lediglich manche zeitlichen Aspekte, meist wenn Ash aus der Kameraperspektive heraus von etwas Unbekanntem verfolgt wird, sind nicht glaubwürdig umgesetzt.

Lauter und weit weniger subtil ist freilich auch das Zentrum des Vorängers eingefangen: das Spiel mit Normalität und Irrsinn, dem Abrutschen in den Wahnsinn, dem Versuch diesem zu entkommen, die Normalität wieder halbwegs herzustellen, die Frage nach den Grenzen beider Bereiche und der Frage welche Tat inmitten von Irrsinn als rational angesehen werden kann und welche nicht. Wenn Ash in der ersten Filmhälfte seine One Man-Show zelebrieren darf, bricht diese Thematik deutlicher denn je hervor. Sein Spiegelbild beginnt mit ihm zu sprechen, erwürgt ihn, woraufhin die Optik sich ändert und Ash sich selber erwürgt. In einer anderen Szene erwacht Ash nach einem schrecklichen Erlebnis schreiend im Sessel sitzend, so als hätte er sich das zuvor Geschehene lediglich eingebildet. Gerade wieder zur Vernunft gekommen, den Verstand wieder halbwegs gerade gerückt, fällt ihm der Kopf seiner Freundin in den Schoß, um zu beweisen, dass doch geschah was geschah. Den deutlichsten Verweis auf die Thematik rund um den Irrsinn findet jedoch in Ashs letzter Soloszene in der Hütte statt, wenn das komplette Inventar, angefangen beim Elchskopf, beginnt ohne Grund zu lachen, und Ash damit derart beeinflusst, dass dieser innerhalb kürzester Zeit komplett den Verstand verliert und beginnt hysterisch mitzulachen.

Das wäre das Ende seines Geisteszustandes gewesen, würden nun zur zweiten Hälfte nicht die in den Randszenen bereits kurz aufgetauchten Zusatzpersonen ins Geschehen treten, die Ash auf ungemütliche Weise dazu zwingen sich wieder der unangenehmen Realität zu stellen. Mit dem Wechsel von der Einmann-Show zum gemeinsamen Kampf gegen die sadistischen Dämonen und ihrem Drang von der Angst und den Nerven ihrer Opfer zu zehren, wendet sich der Film von dem Aspekt Wahn und Normalität ab, der im Vorgänger noch über dem kompletten Werk schwebte. In Teil 2 ist dieser Aspekt in der ersten Hälfte derart dominant thematisiert worden, dass es wohl die richtige Entscheidung war nun losgelöst von diesem Aspekt den wilden Ritt fortzusetzen, denn nun nachdem Ash in kürzester Zeit unfreiwillig zu einer Art Profi im Kampf gegen die Dämonen ausgebildet wurde, liegt es nun hauptsächlich an ihm die ungleiche Gruppe, die sich in der Hütte eingefunden hat, zu beschützen.

Aus wild aneinander gereihten, schrägen und kreativen Spielereien wird nun mehr und mehr so etwas wie eine tatsächliche Handlung, so dass der Gefahr auf der Stelle zu treten und Langeweile zu erzeugen, welche die erste Hälfte durch die hervorragende Inszenierung perfekt umgangen ist, entgegengetreten wird und somit kaum noch eine Chance gewährt wird. Dank interessanter Charaktere, weiterhin hochgradig wahnsinniger und kreativer Ideen und dank einer stets aufrecht erhaltenden interessanten Optik kommt es dementsprechend auch weiterhin nie zu einem Stillstand. Die Figurenzeichnung zweier Backwoods ermöglicht es Raimi zudem dümmliche Verhaltensweisen ganz legitim ins Geschehen einzubauen. Dies nutzt er u.a. dafür die legendäre Baumvergewaltigungsszene des Erstlings in leicht harmloserer Version zu variieren, ohne hierfür das Niveau des Drehbuchs senken zu müssen, wie noch im Vorgänger geschehen.

Ash mag nun nicht mehr allein sein, das ändert aber nichts am wilden Ritt den er und seine Mitmenschen weiterhin durchstehen müssen. Raimi gewährt weder ihnen noch dem Zuschauer eine Atempause. Wenn das Szenario ruhiger wird liegt die Bedrohung spürbar in der Luft, welche das Publikum in ihrer Anspannung kaum atmen lässt, ansonsten passiert immer irgendetwas Bizarres, Groteskes, Krankes oder Ungewöhnliches, und diese gnadenlose Art behält der Film konsequent bei bishin zum pointensicheren Schluss-Gag, den eine überleitende Idee ermöglichte, welche wahrlich die Phantasie des Zuschauers zu kitzeln weiß. Gleichzeitig baut sie auf dem genialen Kniff auf, dass eine scheinbare Lösung der Probleme stets auch unbedachte Nebenwirkungen mit sich ziehen kann, gerade wenn man mit etwas spielt, mit dem man sich nicht auskennt. Der Weg zum Schluss-Gag zeigt mehr denn je, wie durchdacht und intelligent der Hintergrund und die Gesamtheit des ganzen wilden Treibens ist, welchem Raimi uns aussetzt.

Hierin liegt wohl auch die Erklärung, warum andere Werke wie „Braindead“ und Co, die darin bemüht waren etwas ähnliches wie Raimi abzuliefern, daran scheitern, wenn sie sich einzig den vordergründigen Schauwerten hingeben, ohne diesen einen psychologisch stimmenden Rahmen, ein analytisches Gesamthema und ein hintergründiges Verständnis zu bescheren. Einzig „House“ schaffte es in familienfreundlicherer Art und ohne geistreiche Hintergründigkeit ansatzweise das Niveau der wilden Geisterbahnfahrt des ein Jahr später entstandenen „Tanz der Teufel 2“ einzufangen, wurde von dessen Perfektion jedoch gnadenlos überholt. Die meisten anderen Horrorkomödien, die in diese Richtung tendieren, scheitern spätestens an der fehlenden Substanz, welche den schrägen Gimmicks einen sinnvollen Zusammenhang und Hintergrund beschert. Wäre es zu einfach dieses Ziel zu erreichen, wäre „Evil Dead 2“ wohl kaum der Kultfilm und das Meisterwerk, das er im Filmbereich auch außerhalb der Horrorszene geworden ist.


Weitere Besprechungen zu Tanz der Teufel 2: 


Dienstag, 2. Januar 2018

TANZ DER TEUFEL (The Evil Dead 1981 Sam Raimi)


Eine Gruppe junger Erwachsener verreist in die tiefen Wälder, um dort in einer Hütte Party zu machen. Als man im Keller auf ein Tonband stößt und auf diesem fremdsprachige Rituale vorgelesen werden, dringen uralte Wesen in unsere Welt ein und übernehmen die Körper der jungen Urlauberinnen...


Kette verhindert Kettensäge...

Am Anfang gab es 1978 den Amateur-Kurzfilm „Within the Woods“, der seinen Regisseur Sam Raimi dazu inspirierte mit seinem Kumpel Bruce Campbell, der ebenfalls am Original mitwirkte, daraus einen Langfilm zu zaubern. Zwar bekam man hierfür Geld aufgetrieben, aber man musste mit bescheidenen Mitteln leben, so dass die Crew sich manch interessante Idee einfallen ließ „Tanz der Teufel“ dennoch aufgeregt gestaltet zu bekommen. Um es gleich vorweg zu nehmen: dies ist ihnen wahrlich gelungen, und die Mittel zum Ziel beeinflussten ebenso wie jene der Fortsetzung andere Filmschaffende, was dem Kultstreifen gar noch mehr Daseinsberechtigung beschert als ohnehin schon.

Die Geschichte ist schlicht ausgefallen, aber hochinteressant in Szene gesetzt innerhalb eines Plots, der auch auf der Stelle hätte treten können und damit auf Dauer hätte langweilen können wie im Remake „Evil Dead“ geschehen. Eine düstere Atmosphäre, simple optische Spielereien und die Extreme des Geschehens verzaubern das, was andere in ein ödes Etwas verwandelt hätten, zu einem wilden Horrorritt mit gruseligen Momenten, schockierenden Szenen und einem verspielten Umgang mit dem Kampf Mensch gegen Dämonen.

In diesem Kampf kristallisiert sich hervorragend das Spiel von Geist und Irrsinn heraus. Die Besessenen sehen übernatürlich aus, aber ihr Wirken ist geisteskrank, ihre Stimmen und das was sie sagen ebenso. Sind die ersten Taten der Menschen noch rationaler Natur, müssen sie schnell einsehen welchem Wahnsinn sie hier gegenüber stehen, der ebenso wahnsinnige Taten von ihnen abverlangt. Schauspieler Bruce Campbell ist sich dieses Schwerpunktes der Story bewusst und arbeitet mimisch immer wieder mit dem Kampf nicht in den Irrsinn abzurutschen, bzw. immer wieder den Weg zurück zum Normalsein zu versuchen, was sich als gar nicht so einfach herausstellt, bei all dem was seine Figur Ash durchstehen muss.

Diese ist in „Evil Dead“ (Originaltitel) im Grundcharakter noch alltäglich gezeichnet. Erst der Ash von „Tanz der Teufel 2“, der Aufgrund einer Neuerzählung anstatt einer Fortführung des Erzählten nicht der selbe Ash aus Teil 1 ist, bekommt eine dümmliche Note beschert, die sich über „Armee der Finsternis“ bis hin zur TV-Serie „Ash vs. Evil Dead“ noch gewaltig hochschaukeln sollte.

Wer also wie dort geschehen bei „Der Totentanz der Teufel“ (Alternativtitel) eine Horrorkomödie erwartet, der wird sich wundern welch düsteres Werk Sam Raimi mit der ersten Langfilmversion seiner bislang vier Mal erzählten Story geschaffen hat. Allerdings fällt hier bereits das verspielte Einfangen und Agieren der Besessenen auf, die mit kindlicher, schwarzhumoriger Tücke die Menschen quälen und von derem Leiden zehren. Es braucht beim Betrachten dieser Wesen und ihrer Methoden somit nicht erstaunen, dass es Raimi sechs Jahre später in den Fingern juckte das Ganze einmal bewusst humoristisch einzufangen.

Mögen die Knetgummi-ähnlichen Effekte am Schluss auch nicht überzeugen und die Frage aufwerfen, ob sie dies damals taten, mit ihnen hätte man den einzigen Negativpunkt genannt, den es in „Book of the Dead“ (Alternativtitel) zu entdecken gibt - abgesehen von manch irrationaler Tat der Protagonisten vor dem Bewusstwerden der Gefahr. Die diesbezüglich idiotischste Stelle, das Hineinlaufen in den Wald, weil man bedrohliche Stimmen gehört hat, führt immerhin zu einer der besten und legendärsten Szenen des Streifens, so dass man sich mit diesem Drehbuchunsinn recht gut versöhnen kann. Ohnehin ist „Tanz der Teufel“ ein Film, den man einfach auf sich wirken lassen sollte. Kopf aus wäre der falsche Rat, dann würde man das psychologische Spiel mit Sinn und Irrsinn übersehen, aber all zu kritisch sollte man hier nicht auf Logik achten. Die Crew entschädigt mit so vielem anderen, dass es eigentlich nichts zu meckern gibt.


Weitere Besprechungen zu Tanz der Teufel: 


CRAZY INSTINCT (Fatal Instinct 1993 Carl Reiner)


Ned Ravine ist Anwalt und Polizist in einem und glaubt die Frauen zu kennen. Doch er gerät in einen mörderischen Strudel aus Lügen und Intrigen zweier Frauen, und ein rachsüchtiger ehemaliger Mandant will ihm ebenfalls ans Leder...


Reden ist Schweigen, und Silber ist Gold...

Durch den Erfolg der „Die nackte Kanone“-Reihe kam es zu Abrahams Solo-Projekt „Hot Shots“, der seinerzeit eine Welle an ähnlich albern orientierten Film-Parodien auslöste. Neben „Das Schweigen der Hammel“, „Loaded Weapon 1“ und „Chicken Park“ erschien unter anderem „Crazy Instinct“, der sich im Titel und inhaltlich an „Basic Instinct“ anlehnend an die Thriller-Hits der zur Entstehungszeit vergangenen Jahre orientierte und im Mix aus „Der Feind in meinem Bett“, „Kap der Angst“ und „Eine verhängnisvolle Affäre“ einen für diese Art Film typisch wirren Plot ablieferte, der sich aufgrund der Kompatibilität der ähnlich gelagerten Thriller-Themen jedoch nicht halb so lieblos zusammengewürfelt schaut wie manch andere ähnlich bemühte Parodie.

Von bemüht muss man trotzdem sprechen, so krampfhaft wie hier schrille Witze aneinander gereiht werden, ohne dabei die Klasse von Gag-Feuerwerken wie „Spaceballs“ zu erreichen. Im angenehmen Mittelfeld kann „Fatal Instinct“ (Originaltitel) jedoch trotzdem trumpfen, treffen eine Vielzahl der anvisierten Witzchen doch ins Schwarze, und wissen die Darsteller in ihren absichtlich überzogenen Rollen doch zu wirken, allen voran freilich Armand Assante als völlig selbstüberzeugter Frauenkenner, der im Vergleich jeglichen Klischee-Detektiv des 50er Jahre-Kinos wie einen sensiblen Frauenflüsterer aussehen lässt. Ähnlich verkrampft spielend wie David Rasche seine „Sledge Hammer“-Rolle interpretierte und mit versteinerter Visage versehen, die Selbstbewusstsein und Dämlichkeit in ihrer Mimik perfekt vereint, wird er zum Hauptschauwert des Streifens und zum Zentrum wahrlich vieler gelungener Lacher.

Dadurch wird er zu einem der vielen Beispiele dessen warum „Crazy Instinct“ zu funktionieren weiß. Die zitierten und parodierten Momente der Kinoerfolge des Thriller-Genres mögen gelegentlich zum Schmunzeln anregen, im Gegensatz zu vielen anderen Filmparodien werden sie aber nicht zum Hauptaspekt des Lachens. Carl Reiners Werk funktioniert aufgrund seiner eigenen Komik, die man auch losgelöst von den zu parodierenden Thrillern in Komödienform hätte umsetzen können. Das Genre im Allgemeinen wird mit dem Aushebeln von Thriller-Regeln, dem Übertreiben mit Thriller-Klischees und dem allgemeinen Zelebrieren der Thriller-Rezeptur gekonnt veralbert und greift damit tiefer als rein zitierwütige Parodien, wie jene aus der „Scary Movie“-Welle, und doch sind es hauptsächlich die situativen Momente und Dialoge und eben die Charaktere, also alles nicht zwingend direkt Parodierte, was „Triple Indemnity“ (Alternativtitel) zu der charmanten Schmunzelorgie werden lässt, die er auf schlichte Art geworden ist, in vielen Momenten vergleichbar mit "Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone".

Oft trifft auch das Durchbrechen der vierten Wand ins Schwarze, beispielsweise wenn sich Off-Kommentare als tatsächlich im Moment aktiv gesprochene Worte herausstellen oder Klänge der Hintergrundmusik aktiv ins Geschehen treten, gerade mit Letzterem wird es im Laufe der Spielzeit jedoch zu sehr übertrieben, ebenso wie mit all den vielen zotigen Momenten, von denen man zur Entstehungszeit glaubte, sie müssten in dieser Vielzahl und in ihrer Form der Handlungsstrangsunterbrechung zur Überspitzung einer einzelnen Filmszene obligatorisch im Fahrwasser der Zucker/Abrahams/Zucker-Erfolge eingebracht werden. Nur selten geht diese Rechnung auf, beispielsweise in jener Szene, in welcher durch den Kauf eines dämlichen Hutes der Bereich der Musikschleifen-Szenen veralbert wird. Meist überreizt ein solches Vorgehen jedoch die Geduld des Zuschauers, so anbiedernd kommen diese krampfhaft auf lustig getrimmten Momente daher, z.B. dann wenn es zu einer möchtegern-skurrilen Sexszene zwischen dem Helden und der attraktiven Blondine kommt.

Es sind diese Momente, die den ansonsten stilsicher inszenierten Streifen jenes Potential berauben, welches er eigentlich gehabt hätte. Carl Reiner hat Anfang der 80er Jahre hervorragende Komödien zusammen mit Steve Martin kreiert. Ohne die Anbiederungen an die 90er Jahre-Parodiefilm-Regeln zu Beginn besagtem Jahrzehnts wäre ihm mit „Crazy Instinct“ selbiges ohne Martins Zutun gelungen. Wie erwähnt muss man trotzdem nicht all zu streng mit dem Ergebnis umgehen. Zwar verwässern manche Rohrkrepierer das Gesamtergebnis, am Schluss bleibt aber noch immer eine funktionierende Komödie übrig, die es immerhin meist trotz aller absichtlich konfusen Einflüsse schafft konstant ihr Niveau zu halten und nur selten Risse in einem überraschend konstant funktionierenden Plot-Mix aufweist.  Auch das überraschende Aufrechterhalten der Thriller-orientierten trockenen Grundatmosphäre, welche so vielen Kalauern die perfekt trockene Grundlage bietet, beweist wie stilsicher Carl Reiner trotz besagter Schwächen inszenierte, bei all jenem was unterm Strich noch immer zu funktionieren weiß. Selbst über manch misslungenem Thriller-Verweis schmunzelt man bei solch charmanter Unterhaltung.


Mittwoch, 27. Dezember 2017

HUBERT UND STALLER - STAFFEL 6 (2017 Philipp Osthus u.a.)


Hubert und Staller sind Polizisten in Ober-Bayern und ermitteln recht unsensibel und gern mit beläufigen privaten Interessen Mordfälle...


Die Rückkehr einer Unbeliebten...

Zwar gibt es diesmal nicht mehr, wie bislang, eine Qualitätssteigerung von Staffel zu Staffel zu vermelden, aber das sechste Jahr „Hubert und Staller“ kann locker mit dem fünften mithalten, zumal sich stilistisch ohnehin so gut wie nichts verändert hat. Wie gehabt stehen lustige Situationen über dem zu ermittelnden Mordfall, was nur dann stört, wenn gerne Mal gegen Ende ein Fall zu schnell beendet ist, ohne dass man die Reaktionen von Hinterbliebenen und anderen Gastfiguren miterleben darf. Das geht aufgrund des hohen Unterhaltungswertes und des hoch anvisierten Niveaus der Reihe aber vollkommen in Ordnung, wann darf man schließlich im deutschen TV eine derartige Qualität in unseren heutigen Zeiten entdecken, wie sie hier serviert wird?

Von daher will ich auch gar nicht groß klagen, auch nicht darüber, dass Monike Gruber als Barbara Hansen zurückkehrt, jene Figur, mit der man bei ihrer damaligen ungenannten Verabschiedung den wichtigsten Störbalast der Reihe über Bord geworfen hatte. Nun ist ihre Rolle kleiner gehalten, und in einer Bäckerei tätig, anstatt als Reporterin (wenn der Wandel auch nicht glaubwürdig eingefangen wird) nervt sie weit weniger als in ihrer selbstüberschätzten Art als Schnüfflerin für die Presse. Teilweise darf sie gar positiven Einfluss auf die Handlung nehmen. Sympathisch sieht anders aus, aber zumindest findet die Figur sich endlich im Hubert und Staller-Universum ein. Damals wirkten ihre Auftritte wie ein Stilbruch in einem ansonsten gut geölten Laufwerk.

Positiv ist hervorzuheben, dass die Autoren es erneut geschafft haben sich beim Einbringen der festen Randfiguren zu verbessern. Noch nie fügten sich die Kollegen und Wegbegleiter der beiden Ermittler derart gut in die zu erzählte Geschichte ein wie es mittlerweile der Fall ist. Sonja darf mehr denn je mitermitteln, Yazid nervt immer weniger mit illegalen Taten, so dass der interessante Restcharakter der Figur wieder mehr in den Vordergrund treten kann, und Riedel wird endlich zur brauchbaren Randfigur, zumal die Schauspielleistung seines Darstellers gestiegen ist, so dass er vom Talent her nicht mehr so auffällig neben den professionellen Mimen abfällt. Girwidz ist nach wie vor die lustigste und am besten verkörperte Figur neben den Titelhelden und wird nach wie vor in wundervolle Situationen katapultiert.

Viel mehr gibt es aus Wolfratshausen nicht zu berichten. Die Autoren toben sich weiterhin gekonnt aus, beachten nach wie vor die Psychologie ihrer Figuren und bleiben sich somit ihrem hohen Niveau treu. Immer wieder schaffen sie es Staller neue Spinnereien anzudichten (so darf er diesmal beispielsweise eine Folge im Rollstuhl verbringen), mit angedeuteten Annäherungen zwischen Hubert und Anja ist auch für das nötige Kribbeln im Soap-Bereich gesorgt (was glücklicher Weise fast im Stillstand-Modus abläuft), und als kreativer Höhepunkt der Staffel darf wohl die letzte Folge gelten, in welcher man sich den Spaß erlaubte Hubert nach einem Unfall fünf Jahre in der Zukunft aus dem Koma erwachen zu lassen, wo ihn ein furchterregender neuer Alltag erwartet. Egal wieviel von dieser Serie gedreht wird, es ist immer zu wenig und stillt nicht meinen nimmersatten Hunger nach mehr. Somit freue ich mich jetzt schon auf die siebte Staffel, wissendlich dass ich wieder einmal ein Jahr ungeduldig auf ihre DVD-Veröffentlichung warten muss.