2018/09/23

OTTO IST AUF FRAUEN SCHARF (1968 Franz Antel)


Christian ist Chef einer deutschen Firma, die zu einer größeren amerikanischen gehört. Für ein geheimes Liebesnest hat der Schwerenöter Firmengeld unterschlagen. Als Kontrolleure aus den USA kommen und in Lager 6 besagtes Nest entdecken, wird der spießige, aber sehr fleißige und firmentreue Otto als Sündenbock auserkoren. Der nimmt zum Schutz seines Chefs besagte Rolle freiwillig an, tut sich in seiner verklemmten Art jedoch schwer von nun an den lockerleichten Casanova zu spielen. Zu seinem Glück und Pech zugleich spielt jedoch stets der Zufall mit, so dass Christian seine Unschuldsrolle lange aufrecht erhalten kann. Die attraktive Kontrolleurin aus Amerika ahnt jedoch den Schwindel... 


Lager Sex...

Franz Antel ist ein berüchtigter Regisseur der extrem albernsten Zeit deutschsprachiger Komödien. Neben diverser Sexpossen gehen auch billigste Kalauerfilme wie "Musik, Musik, da wackelt die Penne" auf sein Konto, und gerade mit diesem verglichen darf man doch erleichtert feststellen, dass "Otto ist auf Frauen scharf" weit weniger penetrant daher kommt als dieser. Freilich erhält man dieses Bild durch den direkten Vergleich, das hier besprochene Werk ist noch immer recht derb, wie typische Komödienvertreter dieser Zeit, mit Klamauk aufgebauscht. Aber gerade mit Blick auf Hauptdarsteller Gunther Philipp, der immer gern zum argen Überagieren neigt, überrascht der zurückgefahrene Ton, was aber freilich nur jenen Menschen auffallen kann, die des öfteren in Filmen dieser Art unterwegs sind. Ganz im Gegenteil zu allen Vorurteilen ist es sogar Philipp selbst, der in seiner Rolle als Otto zu überraschen weiß. Es ist nicht so, dass er nicht auch hier viele Möglichkeiten für ein theoretisch unnötiges Affentheater ausnutzen würde, aber man erkennt in seinem Spiel, ja selbst sogar in seinem Klamauk ein echtes Verständnis für die Rolle die er verkörpert und das macht bereits viel am unerwarteten Gelingen des Streifens aus.

Gelingen ist vielleicht ein wenig zu hochgegriffen, immerhin ist dies ein Franz Antel-Film, und da werden schräge Possen gern mit Humor verwechselt, Geschichten undurchdacht erzählt und vieles andere findet ebenso dilettantisch statt. Aber "Otto ist auf Frauen scharf" ist trotz dieser Eigenarten irgendwie anders. Es weht eine gewisse Unschuld über dem Projekt, vielleicht ein wenig vergleichbar mit dem ebenfalls recht amateurhaft ausgefallenem "Die Supernasen". Sicherlich ist die hier besprochene Komödie meilenweit davon entfernt ein professioneller und tatsächlich funktionierender Film zu sein, aber seine Unbedarftheit besitzt einen gewissen Charme, mal ausgelöst durch die Naivität, mal durch überraschend kreative Ideen, dann wieder aufgrund der sichtbaren Spielfreude aller Akteure. Was über allem diesem steht ist eine kindliche Mentalität, in der alles nicht so ernst gemeint ist wie es andere Filmschaffende nehmen würden. Trotz allerlei nackter Tatsachen bleiben selbst die "Erotikszenen" zahm, der Extremhumor ist freilich gar infantil ausgefallen, ebenso die Geschichte, die keine ist.

Die schmeißt schnell das Konzept des biederen Mannes, der für promiskuitiv gehalten wird, über Bord, um einen völlig wirren, undurchdachten Plot zu servieren, in dem keine der vielen Figuren irgendetwas in der Hand hätte um die Geschehnisse bewusst zu lenken. Der Zufall schwebt tatsächlich über allem. Otto wird zum gesuchten Millionenbetrüger, sein alter Schulfreund landet in der Klappse, Verwechslungen wie diese finden sich im Minutentakt im Film wieder, stets völlig überkonzipiert eingebracht, und da man dementsprechend auch kein Gefühl für psychologische Glaubwürdigkeit besitzt, verliebt sich die US-Dame freilich in den Casanova, wissendlich dass er einer ist. Und auch der verknocherte alte Otto gewinnt am Ende das Herz seiner neuen, jungen und attraktiven Sekretärin. Denn "Otto ist auf Frauen scharf" ist ein filmisch gewordener Altherrenwitz, so grausig und sympathisch zugleich wie eben solche, dies aufgrund der hohen Naivität und des kindlichen Charmes der über allem weht und aus einer eigentlich unangenehmen Chose etwas liebenswertes entstehen lässt. 

Immerhin ist der Film zahmer als der übliche Altherrenwitz, in manchen seiner Ideen überraschend treffsicherer als ein solcher, und so unbedarft und amateurhaft wie hier alles aneinander geleimt ist, kann man niemanden wirklich bös sein hier ein derart dilettantisches Werk auf die Nase gedrückt bekommen zu haben. Neben der sympathischen Hauptbesetzung mit Gunther Philipp sind es allerhand Nebenpersonen wie Hubert von Meryerinck, die für zusätzlich unschuldigen Charme sorgen. In einem Gastauftritt weiß auch der theoretisch völlig unwitzig und aggressiv komisch überdrehte Willy Millowitsch zu gefallen, was er der dazu passenden Inszenierung und dem Szenario in das er gepackt wurde zu verdanken hat, anstatt seinem überschätzten Talent. Und Heinz Erhardts Auftritt bildet wahrlich das Sahnehäubchen des Streifens, weiß aufgrund typischer Erhardt-Wortspielereien zu gefallen ("zahnlose Zuschauer") und aufgrund des kindlich anmutenden Parodie-Streiches rund um die Erfolgssendung "Wer bin ich". 

Gerade hier findet sich konzentriert angegangen jene unschuldige, kindlich komische Rezeptur wieder, die auch auf den überraschend gut funktionierenden Gesamtfilm zutrifft, freilich nur wenn man über seinen eigenen Schatten springen kann und einem solchen Extremklamaukfilm, aus geradezu typischen Tagen dieser Gattung Kino, eine echte Chance geben kann, anstatt ihn von Anfang an als Trash abzustempeln. Mag einiges auch eher unfreiwillig komisch sein, darauf reduzieren sollte man den Film nicht. "Otto ist auf Frauen scharf" ist eine wundervolle Unverschämtheit, eine sympathische Dreistigkeit sich Film nennen zu dürfen, und ein Glücksfall für Antel trotz allem vorhandenen Dilettantismus doch noch (und weil es so ist) zu funktionieren, nicht jedoch aufgrund einer bewussten Handlung oder Denkweise von Antels Arbeit. Das Ergebnis ist dem Zufall geschult. Inmitten vieler ähnlich angegangener Projekte (auch von Antel selbst) hebt sich dieser Film auf ungewöhnliche Art von der restlichen Nerverei ab, obwohl alles dafür spricht, dass auch er ein solcher Kandidat ist. Manches muss man einfach auf sich wirken lassen und akzeptieren, anstatt verzweifelt zu analysieren was den Unterschied ausmacht.


Weitere Besprechungen zu Otto ist auf Frauen scharf: 


ABWÄRTS (1984 Carl Schenkel)


Vier Personen bleiben an einem Freitagabend im Fahrstuhl eines Bürohochhauses stecken. Als sich auf ihr Notsignal hin nichts tut, versuchen sie sich selbst aus ihrem Gefängnis zu befreien...


Hahnenkampf...

Im Fahrstuhl stecken zu bleiben gehört wohl zu den unangenehmsten Vorstellungen dessen was einem passieren kann. Da muss man nicht einmal klaustrophobisch für veranlagt sein: der enge Raum, die ungewisse Wartezeit, sich derart nah unter fremden Menschen zu befinden oder im Gegenteil eventuell ganz allein in dieser Situation zu sein, das klingt alles nicht einladend. Da kommt es sehr gelegen, dass Carl Schenkel auf die Idee kam einen Thriller aus dieser Situation zu machen, was sicherlich kein leichtes Unterfangen auf solch engem Raum ist. Aber sein Verantwortlicher für die Kameraführung löst das Problem wunderbar, stets spürt man die Enge, nie wirkt die Kulisse größer als gewollt, man wird Teil des engen Raumes ohne das Gefühl zu haben die Darsteller würden einem zu penetrant vor die Nase gesetzt. Die Möglichkeit aus dem Ganzen ein Kammerspiel zu machen wird nur teilweise genutzt, da zwischendurch immer wieder andere Bereiche des Hauses durchleuchtet werden und ein überraschend großer Teil der Laufzeit zudem im Fahrstuhlschacht spielt.

Das von Regisseur Schenkel selbst verfasste Drehbuch geht trotz gelegentlichem Abrutschens in reißerische Momente angenehm sachlich vor. Die vier Hauptfiguren reagieren ziemlich normal, angelehnt an ihren Grundcharakteren. Bis aus zu langem Warten Unmut und schließlich auch ein ungutes Gefühl wird dauert und fühlt sich im angegangenen Zeitraum authentisch an, persönliche Probleme drängen sich dem Gefühl der Gefahr vor, bevor den Protagonisten letzteres bewusst wird. Die Frage warum sich auf das abgeschickte Notsignal hin nichts tut ist schnell auf angenehm menschliche Art beantwortet, und auch die Angst der Möglichkeit vor Erstickung ist schnell gelöst, so dass sich das Drehbuch mit den grundlegenden Elementen nicht all zu lang auseinandersetzen muss. Zudem hält es den ein oder anderen Kniff bereit um die Eingesperrten manch naheliegende Handlung erst später als zu Beginn der Situation angehen zu lassen, auch das weiß zu gefallen und die 90 Minuten Laufzeit somit sinnvoll zu füllen. Mancher Thrillmoment dürfte eventuell Dick Maas für seinen nur wenige Jahre später folgenden "Fahrstuhl des Grauens" inspiriert haben, Schenkels Film selbst war ein Erfolg in Deutschland und verhalf dem Mann dazu auch in Amerika tätig zu werden, so z.B. mit dem Thriller "Knight Moves".

Einen guten Teil des Erfolges hat Schenkel Götz George zu verdanken, der trotz der Anwesenheit des stets großartigen Wolfgang Kieling die beste Leistung der hier Anwesenden vollbringt, durchbricht er doch den Stereotyp des erfolgreichen Angestellten-Prolls, der deutlich an seine Schimanski-Rolle aus der "Tatort"-Reihe angelegt ist, und zeigt deren zerbrechliche Seite. Seine Rolle erlebt viele verschiedene Gefühlsmomente, die der gute Mann allesamt hervorragend meistert. Kieling ist da im Vergleich weniger gefordert, darf seine Rolle in der ersten Hälfte doch bewusst nur passiv agieren, aber auch er ist freilich ein Glücksgriff für das Funktionieren eines Filmes, welches auf einem guten Drehbuch fußt. 

Meist ist es der andere männliche Anwesende, ein junger passiver Rebell, toll verkörpert von Hannes Jaenicke, mit dem es in Interaktion mit der George-Rolle geht. Der weibliche Part hingegen funktioniert eher aufgrund des Drehbuchs, auch wenn man Renée Soutendijk keineswegs mangelndes Schauspieltalent vorwerfen kann. Sie wird einfach nicht genügend gefordert um mit der männlichen Konkurrenz mithalten zu können, das ist alles. Aber ihre Figur erfüllt ihren Zweck, auch wenn ich manche Annäherung an den jungen Ranschmeißer nicht immer als realistisch empfand. Aber das ist wenn überhaupt ein Schwachpunkt des Buches und nicht ihrer, und es mag sein dass sich diesbezüglich der Zeitgeist geändert hat und sich dieser Aspekt in den 80er Jahren anders geguckt hat. In einer kleinen Rolle ist zudem noch Ralf Richter mit an Bord, aber der ist kaum der Rede wert.

Es ist die Figurenkonstellation und deren persönliche Probleme auf die Schenkel wesentlich mehr baut als auf die Angst des Eingeschlossenseins. Der Aufhänger des Festsitzens in einem Fahrstuhl und der Versuche sich zu befreien gerät zwar nie in den Hintergrund, ist auf solch engem Raum erzählt und eine derartige Extremsituation schaffend freilich immer präsent, aber doch wundert es, dass Schenkel sich oftmals mehr auf die Dynamik der Gruppe konzentriert als auf den Thrill der eigentlichen Ausgangslage und dabei gern auf den dramatischen Aspekt achtet, aber auch auf den gesellschaftskritischen. Der besteht nicht nur aus den anfänglichen Konstellationen unterschiedlicher Typen und Ansichten (welche immerhin zu interessanten, klassischen Reibungspunkten führen), Schenkel würfelt im Laufe der Zeit den Zusammenhalt einzelner Leute untereinander immer wieder neu. 

Misstrauen, neue Tatsachen, Verdächtigungen, Eifersucht und anderes sorgen immer wieder für eine Neuorientierung der Gruppe, und die Kieling-Rolle brilliert mit ihrem sich so wunderbar menschlich anfühlendem Geheimnis und bildet beim späten Aufdecken von diesem eine der bedeutendsten Wendungen für die Geschichte und ihrer gut gewählten Schlusspointe. Ohnehin endet "Abwärts" einerseits erschreckend, andererseits augenzwinkernd, aber weit weniger spannungsintensiv als man es in einem Thriller zu diesem Thema erwarten würde. Das verstehe ich keinesfalls als Schwachpunkt, der Film ist auf jene Art geglückt, wie er auch angegangen wurde und ist in seiner ganzen Art typisch deutsches Kino, ohne die Anbiederung an amerikanische Sehgewohnheiten. Und das ist etwas das Schenkel manch anderem nach Amerika wechselnden deutschen Filmschaffenden bereits hier im Lande voraus hatte.


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MITTEN INS HERZ - EIN SONG FÜR DICH (Music and Lyrics 2007 Marc Lawrence)


Alex Fletcher war in den 80er Jahren ein Popstar und tritt mittlerweile auf billigen Veranstaltungen für sein Restpublikum auf. Unverhofft bekommt er die Chance für den neuen Popstern Cora einen Song zu schreiben. Bei den Vorbereitungen dazu stößt er zufällig auf Sophie, die in Vertretung für eine Freundin Fletchers Blumen gießen soll und sich überraschend als talentierter Songwriter entpuppt. Während der Arbeit an dem Song verlieben sich beide ineinander...


Way Back into Love...

"Mitten ins Herz" beginnt direkt mit einem Paukenschlag, wenn der fiktive Erfolgssong "Pop Goes my Heart" von der fiktiven Erfolgsband Pop den Vorspann begleitet und sich nicht nur wie ein tatsächlicher Song aus diesen vergangenen Tagen anhört, sondern auch wirklichen Ohrwurmcharakter besitzt. Vorgetragen wird diese herrlich augenzwinkernde Pop-Perle mittels eines Musikvideos, das ebenfalls so gedreht wurde, als wäre es in den 80ern entstanden, und da darf nicht nur jedes Klischee und jede sympathische wie unsympathische Pflicht aus alten Zeiten Einzug halten und den Zuschauer zum Schmunzeln bringen, auch Hauptdarsteller Hugh Grant beweist bereits hier seinen Zugang zum Stoff und darf so verspielt agieren, wie man ihn nur all zu selten erleben darf. Man sieht ihm seine Spielfreude dabei an möglichst schlecht, aber TV-tauglich zu schauspielern, während ihm gleichzeitig die Kunst gelingt sich nicht in den Mittelpunkt des Spots zu setzen. 

Auch im weiteren Verlauf beweist "Music and Lyrics" (Originaltitel) seine Treffsicherheit im Umgang mit der Musikszene. Damals zur Entstehungszeit des Films moderne Popsongs und ihre Livedarbietungen a la Britney Spears und Co werden ebenso gekonnt treffsicher komponiert und parodistisch umgesetzt, stets den lästernden Spott respektvoll einsetzend, so dass man dem Film beim Veralbern diverser Musikrichtungen nie bös sein kann. Und das muss auch so sein, sind doch all diese Elemente nur Teil einer diesen übergeordneten Love Story, einer (ich hasse diese Bezeichnung) RomCom, eines Feel Good-Movies, und meine Fresse, das ist "Mitten ins Herz - Ein Song für dich" wahrlich geworden. Man schmilzt nur so dahin bei der locker leicht erzählten Geschichte, die inhaltlich sicher keinen Innovationspreis verdient hat, sich aber unglaublich gut und kurzweilig anfühlt. Wichtig ist, dass der romantische Aspekt ohne zu dick aufgetragener Theatralik und Kitsch eingefangen wird, und selbst wenn das Finale mit einem soften Schmusesong eingeleitet wird, so gelingt doch selbst hier der exakte Treffer die zu erzählenden Gefühle richtig einzufangen und damit auf den Zuschauer zu übertragen.

Amüsante, leichte Wortgefechte begleiten die Arbeit der beiden Songwriter. Sie sind ebenso wie die Musikparodie dabei niemals wirklich bissig, sondern sogar arg soft eingefangen. "Mitten ins Herz" ist kein "Harry und Sally", weiß in dieser braven Art jedoch überraschend gut zu funktionieren, was freilich auch an den beiden Hauptdarstellern liegt, die selten derart hochgradig sympathisch wirkten wie hier. Beide spielen so natürlich wie es ihre Rolle zulässt, und die auch nicht mehr völlig junge Drew Barrymore (immerhin bereits 32 Jahre damals) schafft es bezaubernder als je zuvor auszusehen, und das soll schon was heißen bei dieser niedlich anzuschauenden, attraktiven und talentierten Frau. Die beiden Mimen versprühen den nötigen Charme damit man in die humorvolle Liebesgeschichte eintauchen kann, welche das Drehbuch trotz des Abarbeiten typischer Pflichten dieser Art Stoff überraschend unverkrampft serviert. Und Regisseur Marc Lawrence, dessen zuvor gedrehter "Ein Chef zum Verlieben" (ebenfalls mit Hugh Grant in der Hauptrolle) mir nicht wirklich zusagte, schafft es diesem theoretischen Stück Routine die richtige Tonlage zu bescheren, so wie die Protagonisten des Film es mit dem zu kreierenden Lied schaffen, welches schlussendlich tatsächlich ein schöner Song geworden ist.

Sicherlich muss man mit dem Genre der Liebeskomödie etwas anfangen können, immerhin erfindet "Mitten ins Herz" das Kino nicht neu, sondern setzt auf Jahrzehnte erprobte Elemente. Dennoch ist der Streifen kein reines Formelkino geworden, guckt er sich dafür doch viel zu natürlich, in seinen Musikbereichen treffsicher augenzwinkernd, und in den romantischen Szenen mutig genug zum Ernst, intensivst lebend von den beiden Hauptdarstellern, diese jedoch eingebracht in einen Film voll von vielschichtigen anderen Seh- und Hörwerten. Einzig der Inder und ansatzweise auch der konkurrierende Komponist als schrullige Randfiguren wirken zu gewollt, ansonsten weiß alles, auch das was sich eigentlich falsch anfühlen müsste, in diesen unterhaltsamen Film hinein zu passen und das positive Ergebnis zu unterstützen. Mir hat "Music and Lyrics" derart gut gefallen, dass ich ihn mittlerweile schon einige Male gesehen habe. Und auch jetzt bei meiner letzten Sichtung ging es mir hinterher wie währenddessen einfach wieder gut. Und selbst ein Hauch von Langeweile kam trotz der Gewöhnung an den bereits oft gesehenen Stoff wieder einmal nie auf.


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Trailer,   OFDb

2018/09/22

GRUESOME (Salvage 2006 Jeff Crook u.a.)


Claire hat Visionen von ihrem Tod. Immer wieder fällt sie in diesen einem Serienkiller zum Opfer. Ihre Sorgen verstärken sich, als sie herausfindet dass besagter Serienkiller vor kurzer Zeit verstorben ist. Verliert Claire den Verstand?...


Wahrnehmungsstörung der besonderen Art...

Auf dem DVD-Cover von "Gruesome" ist die Rede von einer Murmeltierthematik. Gab es abgesehen von "Wake Up and Die" gar tatsächlich schon einen weiteren Horrorvertreter der Zeitschleifenthematik vor dem recht sympathischen "Happy Deathday"? Die Antwort lautet nein, eine wirklich exakte Wiederholung bereits erlebter Vorkommnisse findet nur sehr selten statt, und selbst dann führt diese zu schnell zu starken Veränderungen im weiteren Verlauf. Selbst "Retroactive" ist thematisch näher am Bill Murray-Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" orientiert als es "Gruesome" überhaupt versucht. Da es sich in hier besprochenem Film jedoch um Visionen anstatt um tatsächlich erlebte Situationen handelt, wäre der Vergleich ohnehin etwas daneben gegriffen. Von daher, Murmeltier hin oder her, was taugt "Salvage" (Originaltitel) anderweitig?

Dafür dass ich kein Freund von Horrorfilmen bin, in welchen der Zuschauer ständig mit Visionen und Alpträumen hingehalten wird, anstatt dass tatsächlich etwas interessantes passiert, fühlte ich mich recht gut unterhalten. Das wenige Geld das der Crew zur Verfügung stand, sieht man dem billig abgedrehten Streifen bereits an der zu sterilen digitalen Videooptik an, der ein anständiger Farbfilter gut getan hätte, damit sich der Film nicht all zu theoretisch schaut. Immerhin tut er das bereits mit seiner Visionen-Thematik, da wäre ein echtes Einfühlen in die Situationen mithilfe einer gelungenen Optik von Vorteil gewesen. Aber wie gesagt weiß "Gruesome" angenehm routiniert zu unterhalten, und das will schon was heißen ohne die Hilfsmittel eines stimmigem Sounds, interessanter Optik und professioneller Mimen.

Mag das Drehbuch auch keine Offenbarung sein, einige Überraschungen hat es zu bieten, so dass der nicht wirklich neue Plot sich recht erfrischend guckt, vorausgesetzt man kann mit solchen semi-professionell abgefilmten Werken überhaupt etwas anfangen. Man kann es den beiden Crooks, die hier Regie führten, zugute halten, dass sie nicht mit einem Spezialeffekte-Meer dagegen halten, nicht einmal im Gorebereich. Worauf man hier setzte, und das ist eine Seltenheit bei diesem Produktionsniveau, war die zu erzählende Geschichte, die in ihrer Gesamtheit nicht fortlaufend Sinn ergibt, mit dem überraschenden Schluss-Twist aber zumindest eine übergeordnete Logik über den Dingen vorgaukeln kann, so dass man das Ende tatsächlich als geglückt betrachten kann. Freilich weiß der Streifen bereits zuvor bei heruntergeschraubten Erwartungen zu gefallen, zumal man des Rätsels Lösung hinter Claires merkwürdigen Visionen erfahren möchte. Die Neugierde wird somit definitiv geweckt.


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FINAL DESTINATION 2 (2003 David R. Ellis)


Die junge Kimberly sieht eine ausufernde Autokarambolage kurz vor ihrem tatsächlichen Geschehen voraus und rettet durch diese Vision verunsichert mehreren Menschen das Leben. Als die Überlebenden kurz darauf nach und nach anderweitig sterben, kontaktiert sie, wissentlich dass der Tod sich seine entgangenen Opfer zurück holen will, die einzige Überlebende des Fluges 180, die einst ähnliches erlebte...


Neues Leben als Ausweg...

Nach dem großen Erfolg von "Final Destination" war es nur eine Frage der Zeit wann eine Fortsetzung nachrücken würde. Drei Jahre nach dem Erscheinen des Erstlings war es so weit, und rein von der innereigenen Logik der mit Teil 1 begonnenen Phantasterei her, dem Plan des Todes entwichen zu sein und nun von ihm verfolgt zu werden, macht das Drehbuch von Teil 2 alles richtig. Je mehr Zeit vergeht, desto unwahrscheinlicher wird es den Ausrutscher des Planes wieder gerade zu rücken. Wir wissen nach wie vor nichts konkretes über die Hintergründe, die der Story als Mythos von Nutzen sind, und das ist gut so. Was sich aber herauskristallisiert ist die scheinbare Pflicht des Todes den Plan einhalten zu müssen. Was wir in Teil 2 erleben sind noch immer die Konsequenzen aus dem Überleben der als tot eingeplanten Personen aus Teil 1, da sie noch lebend handelten und beeinflussten, bis der Tod sie schließlich doch noch holte, und somit den Lauf der Dinge zu einem Zeitpunkt, an dem sie längst hätten tot sein müssen, verändert haben, was wiederum auf Kosten des Planes des Todes geht, dem immer mehr Menschen von der Liste abspringen.

Dementsprechend konsequent geht der Tod diesmal rückwärts vor, um das heillose Chaos eindämmen zu können, ohne ewig dem sich weiter ausbreitenden Dilemma hinterher laufen zu müssen. Allein diese Idee lässt das erst ein Jahr spätere Bemühen des Todes logisch erklären, wird er in der Zeit, die wir nicht mitbekommen haben, doch wohl kaum tatenlos herum gesessen haben. Seine Eindämmung nähert sich dem Ende, bzw. hätte dies, wenn nicht noch eine weitere Vorausahnung geschehen wäre. Was es mit der Gegenseite auf sich hat, welche den Protagonisten stets Hinweise auf kommende Todesfälle gibt und besagte Visionen ermöglicht, wird nach wie vor nicht geklärt, was auch besser so ist, muss sich die Geschichte bei ihrer Tragweite doch den weltlichen Geschehnissen zuwenden, und bereits die haben es in sich. 

Konsequent zur bereits in Teil 1 gelebten Logik erfährt diese hier Erweiterungen, die meist sinnvoller Natur sind. Der neue Aspekt des neuen Lebens zum Entweichen der zunächst unausweichlichen Situation macht ebenso Sinn, wie die Methode der einzig Überlebenden von Flug 180 dem Tod zu entkommen. Wenig Sinn hingegen macht es, dass Selbstmord für jemanden, der noch nicht dran ist, unmöglich ist, eben weil er theoretisch längst dran gewesen wäre und dem Tod die Reihenfolge eigentlich nicht wichtiger sein könnte, als das pflichtgemäße Ableben der vorgesehenen Personen. Aber was weiß ich schon von den Gesetzmäßigkeiten an die der Tod sich zu halten hat? Irgendwo hinter dem uns sichtbaren Universum gibt es sicherlich eine Erklärung für diese einzige tatsächliche Dummheit des Drehbuchs.

Ginge es in einer Fortsetzung lediglich darum logisch weiterzuführen was das Erstling angefangen hat sich zusammen zu spinnen, würde "Final Destination 2" als ebenso geglückt eingestuft werden können wie sein Vorgänger. Aber das allein macht eben keinen hervorstechenden Unterhaltungsfilm aus, denn was die Fortsetzung trotz all seines Respekts vor den Regeln von Teil 1 und seinem Einhalten der weiterhin makaber eingefädelten Ersatztode vermissen lässt, ist das wirkliche Mitempfinden dessen was hier flott und wild inszeniert vor sich geht. Weder beunruhigen Vorzeichen, noch schnürt einem die Vorstellung der Liste des Todes abgesprungen und von diesem von nun an verfolgt zu sein die Kehle zu, wie es eigentlich sein müsste und Teil 1 so wunderbar vorlebte. Der Gedanke wirkt so wie hier angegangen fast schon selbstverständlich, zumindest ist es nichts beunruhigenderes als die üblichen Ängste vor dem Tod. Das Drehbuch arbeitet pflichtgemäß die obligatorischen Stationen des zu Erzählenden ab, aber weder Nervenkitzel noch Dramaturgie offenbaren dem Zuschauer ein wahres Verständnis für das was es durchzustehen gilt. Da braucht es auch gar nicht verwundern, dass der leider wieder auftauchende Tony Todd mit selbigen Fehlern seiner Szene wie im Film zuvor, nicht mehr derart katastrophal inmitten eines rund laufenden Filmes wirkt, wie noch im Vorgänger.

Aufgrund der guten Geschichte, der sinnvollen Weiterführung des bislang Erzählten und selbstverständlich auch aufgrund der reizvollen Einfädelung der nachgeholten Tode, und der diesen vorausgehenden Massenkarambolage weiß "Final Destination 2" als sympathischer Zwischendurchverzehr durchaus zu gefallen. Aber man sieht ihm seine Bemühungen an mehr zu wollen. Vielleicht ist auch dies ein Grund dafür, dass "Final Destination 3" bei simplerer Vorgehensweise weit weniger verkrampft daher kommt, sich ganz im Gegenteil dessen was er ist und sein soll bewusst ist und aufgrund dessen den höheren Unterhaltungswert besitzt, als der anspruchsvollere zweite Teil. Aber mag Teil 3 auch eine rundere Sache sein und Teil 1 nicht erreicht worden sein, so ist doch Teil 2 ebenso wie der Rest der erfolgreichen Horrorfilm-Reihe ein nett anzusehender Genre-Beitrag, bei dem keine Langeweile aufkommen kann. Wenn das einzig wirklich nervige des Streifens darin besteht, der Überlebenden des Erstlings eine Frisur zu verpassen, die ihrer Charakterzeichnung nicht gerecht wird, obwohl sie in Teil 1 eine passende beschert bekommen hat, dann kann man nicht all zu viel falsch gemacht haben.


Weitere Besprechungen zu Final Destination 2: 


FINAL DESTINATION (2000 James Wong)


Die Klasse sitzt bereits im Flugzeug, um ihren Schulausflug nach Frankreich anzutreten, da hat der Schüler Alex plötzlich eine detailgetreue Vorahnung vom Absturz der Maschine. Er und weitere Personen werden aufgrund der Unruhen die Alex verursacht aus dem Flugzeug entfernt, kurz darauf kommt es zum prophezeiten Unglück. Als Monate später erste Überlebende auf mysteriöse Art ums Leben kommen, entdeckt Alex, dass der Tod sich seine damals eingeplanten Opfer auf anderem Weg zurückholt - genau in jener Reihenfolge, in der sie auch im Flugzeug gestorben wären...


Nicht erst eines fernen Tages...

"Final Destination" und seine Fortsetzungen waren ein großer finanzieller Erfolg und ein Publikumsliebling, das ist kein Geheimnis. Warum es bislang zu keinem sechsten Teil kam aber sehr wohl, funktionierte die immer wieder erzählte Geschichte doch selbst in schlichtester Form, wie "Final Destination 4" in seiner geistlosen Art bewies. Doch egal wie gut all die Filme der Reihe zu funktionieren wissen, an das Original, welches ursprünglich eine Episode der TV-Serie "Akte X" werden sollte, kam keine der Wiederaufgüsse heran, und das liegt daran dass einzig das Drehbuch von Teil 1 sich der Intensität der Thematik tatsächlich bewusst ist. Was in den kommenden Teilen eher nacherzählt wirkt, wird hier noch bewusst in all seinen Facetten verstanden und durchlebt. Die unheilvollen Vorzeichen, das Misstrauen gegenüber des Vorausahnenden, die Philosophie rund um den Tod und seiner Allgegenwärtigkeit und die spürbare Angst der eingeweihten Überlebenden, da sie längst von der höchsten Instanz totgesprochen wurden.

Für die Hintergründe des Todes, der hier als eine Art unsichtbares Energiefeld dargestellt wird und spätestens mit dem Tod Tods kein zufälliges Element mehr ist, interessiert sich der Streifen wenig. Was es damit auf sich hat, dass er für alle einen Plan besitzt und warum es scheinbar eine Gegenkraft gibt, die Alex warnende Zeichen zukommen lässt, sind für die Geschichte nicht von Belang. Diese ungeklärten Fragen verleihen dem Film gar einen mystischen Hintergrund, der aufgrund des stets vorhandenen Unbehagens um so mehr fruchten kann. Dass sich "Final Destination" nie zu sehr esoterisch guckt, obwohl er sich allerhand solcher Elemente bedient, liegt am philosophischen Aspekt, der einem Respekt vor dem Tod und vor dem Leben nahe bringt. Die Gefahrenquellen des Alltags werden ebenso thematisiert wie der Zusammenhang einer kaum wahrgenommenen, beiläufigen Handlung, welche auf kurz oder lang den Tod verursachen kann. Dass ausgerechnet die entscheidenden Erkenntnisse, warum auch immer, von einem überschätzten Tony "Candyman" Todd als Leichenbestatter preisgegeben werden, wird zum Schwachpunkt eines ansonsten gelungenen Streifens. Zwar spart man allerhand Zeit ein, indem er es ist, der die Jugendlichen auf den Tod als tatsächlich existierende, planende Gewalt aufmerksam macht, allerdings wirkt die lächerlich und reißerisch inszenierte Szene arg naiv, spätestens im Glauben jemand der mit Toten arbeitet wüsste mehr über den Tod bescheid als andere.

Diesen in vielerlei Hinsicht starken Schwachpunkt einmal ignoriert macht das Drehbuch ansonsten alles richtig. Morde werden herrlich makaber inszeniert, Unbehagen findet auf mehreren Ebenen statt, eine flotte Inszenierung vereint sich mit einem gekonnten Spannungsbogen, gute Unterhaltung stützt sich auf intelligente Überlegungen ohne zu verkopft zu werden, bzw. ohne sich den Grenzen der eigentlichen Unsinnigkeiten des zugrunde liegenden Plots zu stark zu nähern. Letztendlich fühlt sich der Streifen rein seinem Unterhaltungswert verpflichtet, so dass auch Stereotype nicht ausgespart werden. Sean William Scott darf ein Jahr nach seiner erfolgreichen Nebenrolle in "American Pie" überraschend das Gegenteil spielen, wird aber auch damit in eine zu klischeehaft geratene Figurenzeichnung gesteckt. Zwei sympathisch wirkende Hauptbestreiter des Todes machen diesen arg genormten Zustand der Charakterkonstellation wieder um einiges wett, unterstützt von einigen interessanten Randfiguren, wie den beiden FBI-Agenten, oder dem viel zu kurz lebenden Französischlehrer, der in seiner ganzen Art ein echter hätte sein können.

Die pfiffige und Phantasie anregende Grundidee des Filmes ist ein derartiger Selbstläufer, dass er auch weit weniger geistreich funktioniert, wie einige der Fortsetzungen bewiesen. Um so schöner ist es, dass mit Teil 1 ein Horrorfilm abgeliefert wurde, der sich des Potentials des Stoffes bewusst ist, was Drehbuch und die Art der Inszenierung trefflich beweisen. Dass sich auch Teil 2 theoretisch gesehen der Tragweite der Ereignisse aus Teil 1 bewusst ist, zeigt seine Thematik zu den direkten Zusammenhängen mit dem hier besprochenen Erstling. Sein Drang sich zu sehr den oberflächlichen Geschehnissen zuzuwenden zeigt jedoch, dass dieser Erkenntnis kein tatsächliches Verstehen folgte, was den entscheidenden Unterschied der jeweiligen Qualität beider Filme ausmacht. "Final Destination" kitzelt Nerven und Verstand, soweit es ein kommerziell orientierter Unterhaltungsstoff zulässt. Sicherlich wäre in beiden Bereichen mehr drin gewesen, aber die angegangene Dosis reicht bereits aus um das Publikum bestens zu unterhalten und die Fortsetzungen in diesen Punkten weit hinter sich zurück zu lassen.


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THE PURGE 3 - ELECTION YEAR (The Purge - Election Year 2016 James DeMonaco)


Eine Senatorin droht damit die Purge abzuschaffen, sollte sie die kommende Wahl gewinnen. Da es in der Bevölkerung immer mehr Zuspruch für ihr Vorhaben gibt, beschließen die neuen Gründungsväter die Unversehrtheit von Politikern in der Purgenacht aufzuheben, um die Senatorin töten zu lassen. Die hat vorgesorgt und den unabhängigen und Purge-Nacht-erfahrenen Leo Barnes zu ihrem Schutz engagiert. Als der Anschlag aus den eigenen Reihen in besagter Nacht Realität wird, geht der Plan auf. Leo rettet die Senatorin und flüchtet mit ihr durch die Amok gepeinigte Stadt, zufällig unterstützt von einem Ladenbesitzer und dessen Mitarbeiter...


Die beschützte Hoffnung...

Der dritte Teil der "The Purge"-Filme kommt innerhalb einer schlicht und naiv gestalteten Reihe besonders schlicht und naiv ausgefallen daher, was ein wenig zu enttäuschen weiß. Durfte man in "The Purge 2 - Anarchy" bei dem Gedanken sich in der mörderischen Nacht mitten in der City zu befinden noch echtes Unbehagen fühlen, so verkommt die Nacht im hier besprochenen Teil immer mehr zu einem Zirkus, bei dem zwar die Kostümierungen wieder einmal einfallsreich ausgefallen sind, die nackte Angst während der Purge ungesichert durch die Stadt laufen zu müssen aber kaum noch spürbar ist. Das liegt nicht nur daran, dass die Hauptfigur ein fast unfehlbarer Superprofi innerhalb einer Filmreihe ist, von der wir ohnehin ein Happy End gewohnt sind, es liegt auch daran dass neue Aspekte, wie die von Mördern geduldeten Rettungsfahrzeuge, Einzug in die Purge erhalten. Plötzlich werden von allen Parteien akzeptierte Regeln aus dem Hut gezaubert, die es in dieser Nacht, in der es gerade darum geht dass sie keine Regeln besitzt, zuvor nie für den Zuschauer sichtbar gegeben hat.

Wie erwähnt waren schon die Vorgänger schlichtes Mainstream-Kino, welches trotz des politisch brisanten Themas und der zelebrierten Brutalität einzig dem leichten Unterhaltungswert diente, aber so blauäugig und penetrant am Gut-Böse-Bild orientiert wie diesmal, und so zahm wirkend wie bislang nie, darf man schon ein wenig überrascht sein, dass auch "The Purge - Election Year" noch immer zu unterhalten weiß. Letztendlich ist die Grundidee einfach interessant genug, um auch diese Light-Variante tragen zu können, und kleine Zusatzideen, wie die Einreise von Purge-Touristen aus fremden Ländern, wissen der alten Thematik stets neue kranke Zutaten zu bescheren. Sympathische Figuren ermöglichen den Zugang zu einem eigentlich viel zu naiv erzählten Plot, getragen von Darstellern, die sich schauspielerisch nicht all zu sehr abmühen müssen, da sie ohnehin nur Stereotype verkörpern und somit ohnehin nicht glaubwürdig herüberkommen, komme was wolle. Da "The Purge 3" wie seine Vorgänger in einer Kinorealität spielt und nicht in der fiktiv alternativen unserer geht der Mangel an Authentizität in Ordnung. Und eine oberflächlich abgehandelte Debatte, ob man das Böse bekämpfen dürfe, indem man sich wie die zu bekämpfende Gegenseite verhält, erlaubt es dem Stoff einmal einen anderen Aspekt der Purge-Nacht zu betrachten, wenn auch mit vorhersehbaren Argumenten und ebensolchem Ausgang.

Schadeten die Mainstream-Krankheiten der beiden Vorgänger nur bedingt der Intensität der spürbaren Bedrohung, gerettet in Teil 1 durch das Home Invasion-Feeling und in Teil 2 durch den furchterregenden Gedanken sich während der Purge schutzlos draußen aufhalten zu müssen, so sorgt nun das noch extremer glatt gebügelte Drehbuch bei gleichbleibender Mainstream-Orientierung dafür, dass man sich wohl fühlend vor dem Fernseher unterhalten lassen kann, ohne die Ängste dieser Nacht nachvollziehen zu müssen. Ein Mix aus Gewöhnung und dem Umstand mit der Senatorin eine für den Zuschauer lebensfremde Person ins Zentrum zu setzen, hätten ohnehin schon für ein zurückgeschraubtes Mitempfinden gesorgt. Da das Drehbuch sich jedoch nur für seine Haupthandlung interessiert und zur Vereinfachung dieser Erzählung die Tragweite der Purge in fast allen Punkten ignoriert, die nicht direkt mit den Protagonisten in Verbindung stehen, wird aus der anarchistischen Nacht ein Sonntagsnachmittags-Spaziergang, bei dem dir auch mal ein geheimer Gang-Code den Arsch retten kann. Aufgrund der flotten Inszenierung und der optischen Schauwerte unterhält diese komplette Vereinfachung noch immer, trotz dem Fehlen einer spürbaren Bedrohung. Aber selbst als Freund dieser schon immer simpel ausgefallenen Reihe hat man sicherlich mehr erwartet.


Weitere Besprechungen zu The Purge 3: 


2018/09/14

BLANK (2015 Christian Genzel)


Zwei Kunstkritiker diskutieren nach einer "Lesung" des Dichters Blank, der als kunstsprengender Newcomer bezeichnet wird, dessen Werk...


Komprimierte Dichtung...

Christian Genzel, der auch im Langfilm "Die Muse" seinen Zugang zu intellektuellen Stoffen bewies, liefert mit dem Kurzfilm "Blank" einen humoristischen Rundumschlag ab, der mit Kritikern, Künstlern, Publikum und unserer redefreudigen Gesellschaft gleichermaßen abrechnet, wenn im Fokus auch mit den beiden erst genannten Bereichen mehr als mit den letzten. Wie Kritiker, welche das sinnlose Geschwätz heutiger Zeiten verurteilen, in ihrer selbstgerechten Art selbst zum Leergeschwätz neigen, geblendet von ihrem Intellekt zu glauben was sie reden wäre bedeutungsschwanger, wird von Genzel hervorragend vorgeführt. Der Dichter hingegen schweigt. Dies tut er in seinem Werk, wie in öffentlichen Auftritten gleichermaßen, und Autor und Regisseur Genzel lässt sich das Hintertürchen offen den Zuschauer selbst beurteilen zu lassen, wieviel Freiheit tatsächlich hinter dem Verhalten des Künstlers steckt, wird doch auf unterschiedliche Art immer wieder humorvoll treffsicher dem Dichter das Sprechen verwehrt, ob durch einen Hustenanfall oder vom Manager verkörpert, der, sofern die Kritikpunkte der Experten zutreffen würden, all jenem widerspricht, wofür das Werk des von ihm vertretenen Künstlers steht. Ist das gefeierte Werk somit Missverständnis eines nie zu Wort gekommenen Mannes (der irgendwann in jüngster Vergangenheit ab einem gewissen Punkt vielleicht beabsichtigt die Gunst der Stunde nutzte, nachdem sein Schweigen fehlinterpretiert wurde?), oder kommt der gute Mann nur nie zu Wort, wenn er sein wortloses Kunstwerk kommentieren soll? Wer weiß, wer weiß. In einer solch selbstverliebten und gleichzeitig gedankenlosen Gesellschaft wie der unseren ist beides denkbar, auch aufgrund der immer stärker vernachlässigten Bildung, die immer skurriler wirkende Möchtgernintelligente hervorbringt, weswegen mir im Zuge dessen "Idiocracy" in den Sinn kommt.

Der ist mit seiner lauten Art jedoch kein wirklicher Vergleich. Näher liegt da schon ein Blick auf die Eingangssequenz von "Ein Ticket für zwei", jedoch auf Genzels Werk bezogen nur die Komik der geduldigen Zuhörer auf Zwang betreffend. Wirklich treffsicher wird erst der Vergleich mit Loriot, erinnert mich "Blank" doch sowohl an den Auftritt des Dichters in "Pappa ante Portas", als auch an den wundervollen Sketch aus der TV-Reihe "Loriot", in welchem sich Filmkritiker zu einem kurzen Filmausschnitt aus einem frühen Slapstick-Werk äußern und sich dabei mehr feiern als das zu besprechende Objekt. So ist es auch hier der Fall, und das Wort Objekt benutze ich bewusst, verkommt doch die Kunst nur noch zu etwas zu Besprechendem, anstatt es auch musisch zu würdigen, so als sei Kunst nur Futter des (Pseudo-)Intellekts. Auch wenn das hier im Zentrum stehende Werk des Dichters bereits Nonsens ist (ebenso wie im genannten Sketch Loriots), so übertreffen die Kritiker es in diesem Punkt doch im Äußern von unsinnigem Blabla, während das Publikum, welches zu einer unsinnigen Höflichkeit erzogen wurde, dem Treiben des Künstlers, wie auch der Experten, nicht mehr mit Unmut begegnet. Das passt zu meinen persönlichen Beobachtungen, dass der Buhruf eines Livepublikums immer weniger eingesetzt wird, ja gar schon so gut wie ausgestorben ist, während das anerlernte Klatschen auch dann noch aus Höflichkeit unreflektiert erklingt, wenn das Vorgeführte einer Katastrophe gleicht. Zu dem höflichen Verhalten des in "Blank" gezeigten Publikums kommt einem sicher auch Hape Kerkelings berühmtes Hurz-Experiment aus "Total normal" in den Sinn, welches absichtlich missglückte Kunst einem Testpublikum vorführte.

Aufgrund seines authentischen Einstiegs, glaubt man hier zunächst ähnlich Gewolltes zu sichten. Es dauert bis "Blank" seine Kurzfilm-Identität aufdeckt, weswegen es auch gut ist, dass dem Streifen kein wirklicher Vorspann beschert wurde. Mit Kerkeling und Loriot verglichen zu werden kann man sicherlich als Lob ansehen, und Genzel ist es geglückt trotz der Vergleiche ihrer Werke etwas halbwegs Eigenständiges zu kreieren, eben weil nicht geistlos kopiert oder zitiert wird, sondern eigene Gedanken und Beobachtungen Ursprung und Lenker des humoristischen Kurzfilmes sind. Gut gefällt mir die Idee den Dichter Blank zu nennen, immerhin wird am Rande erwähnt, dass er sein Werk auch "niedergeschrieben" hat, vielleicht ein wenig erinnernd an das Kapitel "Die Vorteile des Rauchens" aus Allen Carrs Buch "Endlich Nichtraucher!" Inszenatorisch missfiel mir ein wenig die zu hektische Kameraführung in der Phase vor der Expertendiskussion, ansonsten gefiel mir der Stil des Films, einschließlich des humoristischen Höhepunktes innerhalb des Abspanns. Hervorhebenswert in der Besetzung ist der Darsteller Blanks, Thomas Limpinsel, der bis auf einige wenige zu bemüht wirkende Momente des Nichtäußerns während seines "Vortrags" stets treffsicher agiert. Die Sympathie gilt ihm, zumal man als Zuschauer immer das Gefühl hat, dass sich hinter der vorgelebten Mimik ein inneres Grinsen befindet. Warum dieser herrliche Kurzfilm erst 3 Jahre nach seiner Entstehung auf You Tube zu bewundern ist, ist mir nicht bekannt, aber nun ist es so weit, und jeder kann sich ein eigenes Bild von ihm machen.


IMDb

2018/09/10

EIN TOTER HING IM NETZ (1960 Fritz Böttger)


Das Flugzeug einer Tanztruppe muss notwassern, und so gerät man nach Tagen auf See auf eine Insel, auf welcher eine seltene Gattung übergroßer Spinnen haust. Der Manager der Tanzgirls wird von einer solchen gebissen und läuft von da an mutiert durch die Gegend und greift die Frauen an...


Mutant ersetzt Spinnen...

Ein Jahr nach dem angenehm naiven "Die Nackte und der Satan" kam ein guter Teil der Crew vor und hinter der Kamera wieder zusammen um erneut das verloren gegangene Gebiet des Horrorfilms in Deutschland zurück zu erobern und scheitert mit diesem Vorhaben mehr denn je, lieferte man doch diesmal ein höchst dilettantisch umgesetztes Werk ab, welches man noch weniger ernst nehmen kann als den Vorgänger oder später auch den gescheiterten Versuch mit "Die Schlangengrube und das Pendel". Sicherlich kann bei einem derartigen Plot wie hier angegangen nichts ernstzunehmendes bei herum kommen, zumal der seit einigen Jahren so beliebte und gut laufende Bereich des Monsterfilms nicht gerade ein typisch deutscher Bereich der Horrormentalität war und ist, aber was Fritz Böttger, Regisseur der Filme "Auf der grünen Wiese" und "Die Junggesellenfalle", hier als sein drittes und letztes Regie-Werk vorlegt, ist eine Dreistigkeit für sich, bei der man sich selbst im schäbigen Bahnhofskino von einst verarscht vorgekommen sein muss dafür Eintrittsgeld bezahlt zu haben.

Nicht nur dass der Film ewig mit schlecht choreografierten Tanzeinlagen langgezogen wird, was erst recht gegen Ende ganz besonders nervt und sich von Filmmitte an stets mit ebenso wenig überzeugenden Prügelszenen abwechselt, er ist in so ziemlich jedem Bereich amateurhaft umgesetzt. Die Besetzung ist ein Witz, die Handlung löchriger als der Standard-Billigmonsterfilm aus Übersee und die Maske des Mutierten so schreckenerregenden wie das Krümelmonster, freilich ohne halbwegs so sympathisch zu wirken wie dieses. Einzig die Kamera weiß manch nettes Bild einzufangen, immerhin hat man brauchbare Drehorte gefunden, da man kaum in Studios filmte. Es mag also sein, dass die Crew eine Art Urlaubsfeeling erleben durfte, während es diesen Bockmist abdrehte, der Zuschauer hat jedoch recht wenig von diesen Umständen vor Ort. 

Dabei guckt sich "Horrors of Spider Island" (Alternativtitel) nach der ersten Ernüchterung ein derart stümperhaftes Werk vorgesetzt zu bekommen, zunächst angenehm trashig, immerhin weiß bereits das nicht ernst umgesetzte Casting zu Beginn mit all seinen absichtlichen und unbeabsichtigten Unzulänglichkeiten zu belustigen, und die Spinnen auf der Insel sehen geradezu putzig aus (und hätten auch Platz in einem besseren Film finden können). Aber nach einer spaßigen ersten Hälfte findet eine Ernüchterung statt, was auch damit zu tun hat dass mit Auftritt des Mutanten nie wieder ein Spinnenvieh zu sehen ist, warum auch immer. Aber dieser Frage vorweg gehen freilich andere Fragen wie warum nie einer Angst bekommt es mit einer Riesenspinne zu tun bekommen zu können, stößt man doch recht früh auf ein offensichtliches Opfer einer solchen, so dass ihre Existenz auf der Insel nicht abgesprochen werden kann. 

Aber wer sich mit derartigen Fragen beschäftigt nimmt "Ein Toter hing im Netz" ohnehin ernster als er es verdient hat, gab es doch niemanden an Bord, der sich um inhaltliche Ungereimtheiten gekümmert hat. Ebenso könnte man sich fragen, warum der Tote im Netz so unversehrt aussieht. Fangen die Spinnen ihre Opfer nur zum Spaß und fressen etwas anderes? Oder warum attackiert der Mutant so gut wie nie erfolgreich Mädels, wenn er denn überhaupt mal tätig wird, obwohl er seit fast einem Monat unerkannt auf der Insel grunzend umherläuft und zwischendurch immer wieder gescheiterte Attacken vollbringt, von denen die Beinaheopfer nichts mitbekommen (ein schöner Running Gag des Streifens, von dem man nicht weiß ob er beachsichtigter oder unbeabsichtigter Natur ist)? Auch könnte man sich fragen wie weit wohl die Zivilisation von der Insel entfernt sein muss, wenn man sie mit einem kleinen Ruderboot erreichen kann, wenn man auf ihr eine Expedition unternimmt. Aber wie erwähnt: solche Fragen sind für den hier gelebten Nonsens bereits zu tiefgründig gestellt, hier liefert man mehr als geistlose Unterhaltung ab, man verschließt sich geradezu jedwedem Logikansatz.

Es ist schade dass die anfangs so taugliche Trash-Party zur zweiten Hälfte hin zu einem solch drögen Ergebnis verkommt, das man selbst bei wachem Zustand kaum durchgestanden bekommt. Vollkommen verarscht darf man sich schließlich im Finale vorkommen, wenn das Monster ohne das Zutun einer der Menschen sein Ende findet und dies auf recht uninteressante Art. Selbst Gurken wie "The Beast from Haunted Cave" boten zumindest Schauwerte im Finale. "Body in the Web" (Alternativtitel) verweigert sich dieser, bot sie aber immerhin in der spaßigeren ersten Hälfte, das muss man fairer Weise zugestehen. Dem voraus gingen völlig untaugliche Romantikansätze, tölpelhaft umgesetzte Krampferotik für Oberspießer, peinliche Monsterattacken, Leergeschwätz und Charakterzeichnungen der erschreckenden Sorte und besagte Kampf- und Tanzeinlagen. 

Zudem bietet "Girls of Spider Island" (Alternativtitel) den extremsten Blickwinkel damaliger Unmündigkeit von Frauen, den ich je cineastisch erlebt habe. Die Menschheit erscheint hier einem Bienenvolk ähnlich, nur dass das Männchen zur Königin wird und das weibliche Restvolk nicht in der Lage ist ohne seine weise Führung auch nur einen klugen Gedanken äußern zu können. Auf diese Mentalität aufbauend kann man sich denken wie übel das zwischenmenschliche Treiben ausfällt, das mit der Ankunft zweier Herren auf der Insel beginnt und den amourösen, wie romantischen Part der Geschichte einleiten soll. Nicht erst Kampfemanzen werden empört sein über das Geschlechterbild dieses Streifens, gerade für diese wird "The Spider's Web" (Alternativtitel) jedoch zum Hassobjekt Nummer eins. Da lässt sich wahrlich nichts schön reden.


Weitere Besprechungen zu Ein Toter hing im Netz:


2018/09/09

DIE NACKTE UND DER SATAN (1959 Victor Trivas)


Dem Wissenschaftler Dr. Abel ist es gelungen einen Hundekopf auf einen fremden Körper zu transplantieren. Dr. Ood reißt die Erfindung an sich und transplantiert den Kopf einer ahnungslosen deformierten Frau auf den Körper einer Stripperin...


Das verräterische Muttermal...

In der Stummfilmzeit gehörte der Horrorfilm ganz selbstverständlich zu Deutschland dazu. Das hat sich irgendwann geändert, aber es gab immer wieder Menschen, die versuchten dieses wundervolle Genre zurück in den Schoß der deutschen Filmwirtschaft zu holen. Und in den 50er Jahren versuchte dies u.a. Victor Trivas, der im selben Jahr, in dem die Wallace-Reihe mit "Der Frosch mit der Maske" ihren Anfang nahm und mit leichtem Gruseltouch eine Erfolgswelle des Kriminalfilms auslöste, den arg naiven "Die Nackte und der Satan" inszenierte. Viele Mitwirkende des ein Jahr später erschienenen Schrottfilms "Ein Toter hing im Netz" waren bereits hier mit an Bord, und mit Blick auf diesen kann man erleichtert aufatmen, dass "Des Satans nackte Sklavin" (Alternativtitel) nicht ähnlich dilettantisch ausgefallen ist wie dieser. Tatsächlich besitzt der arg blauäugig inszenierte Film gar charmante Momente, auch wenn kein einziger heutzutage ernsthaft ein Gruselfeeling auslösen könnte.

Hauptsächlich durch Hauptdarsteller Horst Frank getragen, auch wenn dieser später wesentlich düsterer dreinblicken konnte als hier mit zu starkem Bübchengesicht eingefangen, erleben wir eine simple Mad Scientist-Geschichte im typischen Mix aus Science Fiction und Horror, der immerhin dem berühmteren "The Brain That Wouldn't Die" die Idee vorweg nimmt, herrlich einfach und doch effektiv mittels eines Spiegels getrickst. Denn der Kopf des Erfinders Professor Dr. Abel wird nebensächlich zum Hauptanliegen des Verrückten von Dr. Ood losgelöst vom Körper am Leben erhalten. Manche Einstellung im Dialog zwischen dem Psychopathen und dem Kopf erinnert etwas stark an den 80er Jahre B-Movie-Erfolg "Re-Animator", und man darf sich aufgrund dessen die Frage stellen, ob den Verantwortlichen dieses wundervollen Zombiefilms das deutsche Original bekannt war, oder ob man sich doch nur lediglich am Ami-Film orientierte, der die Idee zum Zentrum seiner Geschichte machte.

Wie auch immer, Victor Trivas, der seit der 30er Jahre keine Filme mehr drehte, inszenierte den naiven Streifen routiniert genug, dass er sich durchaus angenehm schauen lässt, aber zu routiniert, als dass er in irgendeiner Weise zu faszinieren wüsste. Immerhin signalisieren Inszenierung und Spiel immer wieder eine ironische Distanz, so dass man sich der Trivialität des Stoffes durchaus bewusst war. In seinen abgedrehtesten Momenten macht Horst Frank auch keinen Hehl aus der Comicnähe des Stoffes, und lässt seine Figur des Doktors absichtlich überagierend psychopatisch auflachen, so als würde man Dr. Evil aus den "Austin Powers"-Filmen in einem halbwegs ernst gemeintem Horrorfilm Einlass gewähren.

Wem das nicht schmeckt, der wird spätestens dann aus einem Film herausgerissen, der eigentlich aufgrund seines simplen und von Klischees angereicherten Blickwinkels ohnehin nie vollends Einlass in seine Fantasiewelt gewährt. Das abgedrehte Treiben wird zu selbstverständlich präsentiert, das seelische Leiden der Nebenfiguren zu theatralisch angedeutet, ohne es ernsthaft zu beachten, sprich das komplette Szenario bleibt zu bewusst Fiktion, als dass "The Screaming Head" (Alternativtitel) einen ernsthaft in seine Möchtegern-Schauergeschichte eintauchen lassen könnte. Für Freunde alter Stoffe des Genres ist "The Head" (Alternativtitel) jedoch charmant genug ausgefallen, um seine Freude mit ihm zu haben, vorausgesetzt man kann auch mit den arg naiv ausgefallenen Beiträgen dieser Gattung Film etwas anfangen.


Weitere Besprechungen zu Die Nackte und der Satan: 


2018/09/02

THE RED QUEEN KILLS 7 TIMES (La dama rossa uccide sette volte 1972 Emilio Miraglia)


Laut einer Legende tötet die so genannte rote Königin im Schloss der Willenbrücks alle 100 Jahre sieben Personen, jedes Mal nachdem der Streit zweier zerstrittener Schwestern für eine tödlich endet. Die Überlebende von beiden holt sich die rote Königin zuletzt. Als Kind hörten Kitty und ihre Schwester Evelyn von dieser Legende, als Erwachsene tötete Kitty Evelyn versehentlich. Seit dem sind zwei Jahre vergangen und seltsame Morde geschehen, welche scheinbar durch die tote Schwester begangen werden. Zumindest wurde sie stets am Tatort der Morde gesichtet, gekleidet in einem roten Kleid...


Das Bildnis der schwarzen und der roten Königin...

In seiner ganzen Art ganz typisch italienisch erzählt weiß "The Red Queen Kills Seven Times" allein schon deswegen zu gefallen, wissen diese 60er und 70er Jahre-Beiträge dieses Landes aus den Bereichen Thriller und Horror doch stets auf angenehm trockene Art völlig ernsthaft erzählt in atmosphärische Dichte getaucht Faszination zu versprühen, in knallige Farben getunkt und untermalt von klassisch romantisch angehauchten Melodien. Schnell wird aus einer theoretisch schlichten Kriminalgeschichte ein harter Film, nah am Horrorfilm angesiedelt, im hier vorliegenden Fall dieses Genre sogar mit eindeckend, denn "Die rote Dame" (Alternativtitel) ist kein Giallo sondern ein Grusel-Krimi. Wie für dieses spezielle Genre üblich kommt der Streifen etwas zahmer als die üblichen Beiträge des harten Genres dieser Zeit aus diesem Land daher, und das darf gerade mit Blick auf das ein Jahr zuvor erschienene Werk des Regisseurs Emilio Miraglia verwundern, schuf dieser doch mit "Die Grotte der vergessenen Leichen" ein Werk voll von moralischen Abgründen, das mir zwar persönlich nicht sonderlich zugesagt hat, dessen Einfluss und für damalige Verhältnisse erschreckende Perversitäten sich aber auch meinen Respekt erarbeitete.

"Horror House" (Alternativtitel) ist keine Königsübung seiner Gattung Film, sondern ganz im Gegenteil eigentlich geradezu typisch inszeniert. Aber das muss nichts schlechtes bedeuten, wenn etwas innerhalb einer besonders reizvollen Filmdekade entstanden ist. Kleine Ausnahmemomente brechen die gekonnte Routine immer wieder etwas innovativ auf, meiner Meinung nach am schönsten angegangen mittels eines ur-filmischen Spezialeffekts, wenn per Überblende eine Phantom-gleiche rote Dame Kitty im Traum attackiert und mit dem Stich des ebenso durchsichtigen Messers in Kittys Haut klar sichtbar knallrotes Blut aus der durch den Stich entstandenen Wunde tritt. Das sind mit heutigen Augen freilich keine angsteinflößenden Momente mehr, nostalgisch nett anzusehende aber durchaus, die nichts von ihrem Charme verloren haben.

Es mag sein, dass ich "Feast of Flesh" (Alternativtitel) an einem etwas unkonzentrierten Tag gesehen habe, aber ich fühlte mich ein wenig überfordert aufgrund der hohen Anzahl junger weiblicher Darsteller, die sich alle etwas zu sehr ähnelten. Dementsprechend verlor ich einige Zeit, gerade zu Beginn, den Überblick und konnte Personen nicht ihren vorangegangenen Szenen zuordnen, bis ich mir schließlich endlich ganz bewusst die Namen und typische Merkmale ihres Aussehens einprägte (etwas das man eigentlich sonst ganz automatisch macht), um dem ohnehin herrlich verwirrenden Stoff endlich folgen zu können. Zwar ist vieles von dem was wirr wirkt lediglich Augenwischerei, besteht der eigentliche Plot von "Blood Feast" (Alternativtitel) doch aus den üblichen Zutaten eines geheimnisvollen Rache-Krimis, aber die Fährten sind interessant gelegt. Und in seiner leichten Orientierung an Giallo-Gesetze weiß zudem die rar gesetzte Figur des ermittelnden Kommissars zu faszinieren, gemessen daran, dass es diesmal eigentlich keine direkt privat ermittelnde Person zum Ausgleich gibt.

Die Auflösung wirkt etwas an den Haaren herbei gezogen, denn es darf nichts so sein wie es scheint, aber auch das weiß inmitten der Gesetze eines solchen Filmes und inmitten der ganz eigenen Filmatmosphäre dieser Gattung Thriller zu gefallen, nicht etwa weil "The Corpse Witch Didn't Want to Die" (Alternativtitel) nah am Schundfilm angegrenzt inszeniert ist, das ist er in meinen Augen überraschender Weise so gut wie gar nicht, sondern weil es den bizarren Geschmack des Gesamtwerkes zu unterstützen weiß. Dieses wusste mich zwar nicht so intensiv zu überrennen wie manche Lieblingsstücke dieser Dekade von mir, letztendlich ist "La dama rossa uccide sette volte" (Originaltitel) jedoch gut genug ausgefallen um gekonnt die Lücke auf das Warten bis zum nächsten großen Italo-Klassiker zu füllen. Freunde dieser Art Film werden ein Reinschalten sicher nicht bereuen. Wer neu auf diesen speziellen Pfaden der bewegten Bilder unterwegs ist, muss sich zunächst ein wenig umgewöhnen, aber die Neuausrichtung der bislang erlernten Sehgewohnheiten lohnt sich. Lasst es ruhig zu!


Weitere Besprechungen zu The Red Queen Kills 7 Times: 


HAPPY DEATHDAY (Happy Death Day 2017 Christopher Landon)


Die Studentin Tree wird an ihrem Geburtstag von einem maskierten Unbekannten ermordet. Sie erwacht von nun an jedes Mal am Morgen ihres Todestages, der auch stets mit ihrem Ableben endet. Diese bizarre Realität einmal akzeptiert, beschließt sie herauszufinden wer ihr Mörder ist, um die Zeitschleife in der sie fest hängt zu beenden...


Und täglich grüßt der Psycho-Killer...

Ich mag sie, diese Filme in welchen der Protagonist in einer Zeitschleife fest hängt. Es gab sie in der Komödienform ("Und täglich grüßt das Murmeltier"), in der Thriller-Form ("12:01") und als Science Fiction-Variante ("Edge of Tomorrow"). Bisher gefiel mir nur lediglich der TV-Film "Und täglich grüßt der Weihnachtsmann" nicht, trotz seiner herrlichen Idee einen Weihnachtshasser das Fest seiner Abneigung immer wieder erleben zu lassen. Nun liefert uns der Regisseur von "Paranormal Activity - Die Gezeichneten" und "Scouts vs. Zombies" die (ab 12 Jahren freigegebene) Horrorvariante der Zeitschleifenthematik ab, und ich darf mit Freude verkünden, dass die Weihnachtsvariante bislang der einzig missglückte Versuch dieses Erzählschemas bleibt, auch wenn "Happy Deathday" definitiv Schwachpunkte besitzt, die man leicht hätte beheben können.

So schleichen sich z.B. Fehler in die Gesetzmäßigkeiten des sich wiederholenden Tages ein. Egal wie schnell Tree etwas erledigt, sie stößt trotzdem immer wieder auf die selben Leute am selben Ort. Und der in fast jedem dieser Stoffe kurz aufblitzende Aspekt, dass einem beim x-ten Erwachen alles scheiß egal ist, wird in einer kurzen Sequenz völlig fehl der Situation eingebracht, indem Tree nackt über den Campus läuft. Das soll witzig sein, immerhin ist Landons Mix aus Slasher und Murmeltier augenzwinkernd erzählt, ergibt nur leider keinen Sinn. Zudem ist diese Sequenz in eine musikalisch untermalte Zusammenfassung schnell abfolgender Tagesvariationen eingebaut, so dass diese Entscheidung auch empathisch nicht vom Zuschauer nachvollzogen werden kann. Zumindest baut die Geschichte auf eine oberflächliche, nicht ans Denken gewöhnte Protagonistin auf, so dass sich das späte Lernen des immer Wiederholten, bzw. die schlichten Konsequenzen die sie daraus zieht, nicht auch als Schwachpunkt der Geschichte auftun, sondern stattdessen bezogen auf die zentrale Figur glaubwürdig erscheinen.

Dazu zählt dann auch der übliche Prozess des moralischen Erwachens, der lediglich innerhalb ihres eigenen Kosmos ein Wandel bedeutet, während sie Achselzucken verursachende Freundlichkeiten ihrer Umwelt zukommen lässt. Letztendlich ist aber selbst dieses Kapitel cleverer ausgefallen als es scheint, denn im Gegensatz zum Vorbildfilm mit Bill Murray, der in "Happy Death Day" (Originaltitel) ganz offen als Inspiration genannt wird, liegt die Lösung nicht in der Moral, so dass Tree die Zeitschleife einige Versuche später als gesund entwickelter Mensch verlassen kann, anstatt als moralisch gesäuberter. In all den Tagen der Wiederholung erkennt Tree ihre Fähigkeit zum Kämpfen, zum Verlieben, zur Eigenständigkeit, zur moralischen Einsicht, kurzum zur Echtheit ihres Seins und zum gesunden Selbstbewusstsein. Und diese für das US-Kino überraschend gesunde Einstellung findet ganz beiläufig statt und wird nicht zentriert erzählt dem Zuschauer auf die Nase gedrückt.

Den interessiert ohnehin viel mehr das Weiterkommen der Ermittlungen, und man darf sagen die Mörderauflösung weiß zu gefallen, auch wenn der aufgedeckte Täter am Schluss rückblickend von seiner Körperstruktur her nicht immer glaubwürdig der Maske tragende Killer gewesen sein kann. Aber das ist in einem Film, der aufgrund seiner schlichten Natur ohnehin nicht immer logisch ausfällt und der ganz offensichtlich Unterhaltungskino anstatt authentische Erzählung sein möchte, nicht weiter wild. Mir persönlich hat gefallen, dass der gelungenen Täteraufdeckung eine enttäuschende falsche voraus geht, und das passt zum restlichen Schema des Streifens, der nicht immer brav alles wie üblich wiederholt, so wie man es von den Zeitschleifenfilmen gewohnt ist, sondern einfallsreiche Varianten des selben Tages bietet, die zu völlig eigenen Ereignissen führen. Vielleicht sieht manch anderer Freund dieser Thematik dies als Bruch der eigentlichen Idee, mir bereitete diese Variante jedoch einen Mehrwert innerhalb eines Filmes, der lediglich "nur" ganz nett ausgefallen ist.


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2018/08/28

MÖRDERBIKE (Murdercycle 1999 Tom Callaway)


In der Nähe eines geheimen Militärgeländes schlägt ein Komet ein. Ein zufällig anwesender Motorradfahrer wird von der Energie des Gesteinsbrockens in einen außerirdischen Krieger verwandelt, der sich etwas wieder beschaffen möchte, was seiner Rasse von der CIA gestohlen wurde...


Geschlauchter Biker...

Ich gucke mir ja wirklich gerne diese von Charles Band produzierten Billigfilmchen im Horror- und Science Fiction-Bereich an. Leider ist aber auch immer wieder ein Werk wie "Mörderbike" dabei, welches trotz Sympathie zu seiner Verweigerung so wirklich gar kein Vermögen für den Streifen ausgeben zu wollen einfach nicht funktionieren möchte. Trotz einer reichhaltigen Ansammlung von unfreiwilliger Komik ist er unglaublich träge ausgefallen, zwar dynamisch genug aufgepeppt um sich angestrengt bis zum Schluss durcharbeiten zu können, dabei aber viel zu nah an Langeweile angrenzend als einem lieb ist. Dass man nichts wirklich Nennenswertes unter einem dämlichen Deutsch-Englisch-Titel wie "Mörderbike" zu erwarten hat, dürfte klar sein, aber Tom Callaway, der nichts weiter außer diesen Genrebeitrag als Regisseur abgeliefert hat, schafft es nicht der überforderten, geschwätzigen und kostengünstigen Schrottstory genügend Charme zu verleihen um den Film gerade deswegen wieder zu mögen.

Der Soldat im Zentrum ist mit seinem Milchgesicht völlig unpassend besetzt, bringt einem mit seinem Überagieren aber zum schmunzeln, gerade dann wenn er höchst dramatisch Erlebnisse aus seiner Vergangenheit zu verarbeiten hat. Ein Schlaumeier von Alienfanatiker wird spät in die Geschichte hinein geschuppst und nervt von da an pausenlos mit Nerd-Klischees in einer derart aufgeblasenen, selbstgerechten Art, dass es fast schon ärgert, dass das Drehbuch ihm in seiner selbst erschaffenen Parallelwahrnehmung, bestehend aus allerlei Verschwörungstheorien, meist auch noch recht gibt. Und neben klassischer Militärdumpfbacken, einem Arzt und einem Klischee-düsteren CGI-Mann ist noch eine Esoterikerin Teil des Teams, die sich darin auszeichnet Dinge der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft wahr zu nehmen, mal per Berührung eines Gegenstandes, mal nicht, mal Gedankenleserin, dann wieder nur sensibler Empfänger von Nichtwahrnehmbarens, immer wie es das Drehbuch gerade benötigt. Freilich hat keiner der Teilnehmer Zweifel an ihren Fähigkeiten, fast scheint es, dass es selbstverständlich ist jemanden wie sie in einem solchen Team zu haben.

Special Effect-mäßig begnügt man sich damit den Komet, den Alienschlüssel und den titelgebenden Motorbiker mit elektrischen Blitzen zu umgeben. Hin und wieder gibt es Laserschüsse, allerdings stirbt kaum wer, weil der zu einem Aliensoldaten umfunktionierte Biker so schlecht schießt wie alle Anwesenden in diesem Film. Damit er futuristischer wirkt, ist er mit ein paar lächerlich ausschauenden Schläuchen mit seinem Motorrad verbunden, welches sich ebenso wie er nach Kontakt mit dem Kometen verwandelt hat. He-Man und sein Tiger lassen grüßen! Kurz vor Schluss wird aus dem schweigenden Biker ein sprechender aufgrund einer herrlich meschuggenen Erklärung warum er sich erst so spät mitteilt, was er streng gesehen letztendlich aber doch nicht macht, sind seine ausgesprochenen Botschaften doch nichts anderes als das was er schon per Laserschuss äußerte und nicht informativer als das was die Protagonisten auch ohne ihn längst herausgefunden haben. Zudem sind die Menschen mit denen er kommuniziert derart bockig, dass sie auch dann gegen den Außerirdischen weiter gekämpft hätten, wenn er friedlich gewesen wäre. Lustiger Weise ist der Besucher im Recht, aber das fällt den ignoranten Amis freilich nicht auf. Da man sich trotzdem systemkritisch gibt, weiß zumindest die Entscheidung der drei Überlebenden am Schluss halbwegs für Sympathie zu sorgen.

Wer tatsächliche Schauwerte erwartet wird enttäuscht. Hier wird abwechselnd mal leergeschwätzt und dann wieder geschossen. Und damit das Ganze aufregender erscheint als es ist, ist der Motorradfahrer wie gesagt futuristischer gestaltet und öde Motorrad-Action soll für mehr Wirbel sorgen. Das funktioniert beides freilich uninspiriert wie geschehen nur bei unter 14jährigen, ist aber auch egal, weil "Muderbike" (Alternativtitel) auf seine Art ein derart dämliches Konzept ist, dass es fast schon wieder Spaß macht dem Dummfug zu folgen. Auf klassisch charmante Charles Band-Film-Art will es diesmal jedoch nicht funktionieren. Dafür fehlen die wirklich schrägen Ideen, das besondere Etwas oder funktionierende Billigstschauwerte, quasi das was man ansonsten in einer Produktion des Vieldrehers sichten darf. Vollidioten, die sich gegenseitig an fast nur einem Set bekämpfen, das macht in dieser Monotonie einfach keinen Spaß. Allerdings ist es amüsant mit anzusehen wie Orte, die nicht fließend ineinander greifen wollen, uns per Schnitt als Übergang präsentiert werden, z.B. wenn man aus einem Uni-Keller-Gang nach draußen stürzt und dabei aus einer klapprigen Holzhütte springt, unter deren Holzboden man aufgrund der Pfeiler den Erdboden sehen kann, so dass ein Kellerzugang in dieser Baracke gar nicht möglich ist. Wer sich an solcherlei Idiotien nicht ergötzen kann, besitzt keinerlei Rettungsanker um mit "Murdercycle" (Originaltitel) zumindest halbwegs etwas anfangen zu können.


2018/08/19

LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG (Il grande silenzio 1968 Sergio Corbucci)


Der Kopfgeldjäger Tigrero, der Verbrecher stets tot anstatt lebendig einfängt, sieht in Snow Hill seine große Chance in den Bergen lebende Verurteilte kurz vor einer bevorstehenden Begnadigung zu Geld zu machen. Silence, ein stummer Rächer, wird von einer von Tigrero gemachten Witwe beauftragt diesen zu töten...


Im Haus der Negerin...

"Leichen pflastern seinen Weg" ist mehr als eine simple Rachegeschichte, wie es sie im Genre des Westerns zuhauf gibt. Corbuccis Werk ist ein politisches Statement früherer Missstände im Westen Amerikas, zu einer Zeit spielend als Gesetz und Unrecht verdreht schienen, Kopfgeldjäger im Namen des Gesetzes Massaker anrichteten und dabei oftmals schlimmer vorgingen als die gesuchten Menschen. Mögen Letztgenannte im hier besprochenen Film auch etwas zu sehr die Opferrolle zugespielt bekommen (immerhin ist immer wieder von unschuldig verurteilten Menschen die Rede), so wird doch trotz dieser extremen Gut- Bösetrennung die Thematik treffsicher eingefangen, u.a. auch weil verzweifelte Situationen zu verzweifelten Taten führen, und der Kampf um Gerechtigkeit nur auf ungerechtem Wege zu erkämpfen zu sein scheint. Frei von Sünde ist in dieser Geschichte niemand, dementsprechend kommt das recht blutig ausgefallene Werk ohne nervige Moral daher, auch wenn es Stellung zur zentralen Thematik bezieht. Diese Haltung weiß inmitten einer hervorragenden Inszenierung zu gefallen.

Freilich ist Klaus Kinski in der Rolle des entscheidenden Bösewichts eine vortreffliche Wahl und ist somit einer der Pluspunkte von "Il grande silenzio" (Alternativtitel). Aber er stemmt den Film nicht hauptsächlich allein, wie so manches Mal in seiner Karriere. Tatsächlich wurde er diesmal für eine anspruchsvoll angegangene Produktion engagiert, welche uns Ennio Morricone für die Musik zu bieten weiß und einen Kameramann der die Poesie der Gewalt in edle Bilder zu kleiden weiß. Hilfreich steht ihm die schneeweiße Kulisse zur Verfügung, durch die sich der Western allein schon optisch von anderen Genrebeiträgen unterscheidet. Das Fallen der Schneeflocken passt zu manch sinnlichem Moment des Stoffes, auch zur immer wieder aufblitzenden Romantik des Morbiden, während der gnadenlos hoch gewachsene Schnee wie ein Sadist wirkt, der hoch unangenehme Situationen noch unangenehmer macht. Pferde kommen kaum noch durch, Menschen frieren, man bekommt als Zuschauer das Gefühl die Kälte würde gegen das eigene Gesicht peitschen, so sehr wissen die authentischen Schneeaufnahmen zu wirken.

Sergio Corbucci, der sich zwei Jahre zuvor mit dem legendären "Django" einen Namen gemacht hat und später eher zweitklassige Beiträge der Bud Spencer und Terence Hill-Welle ablieferte ("Zwei sind nicht zu bremsen", "Zwei Asse trumpfen auf", "Der Supercop"), liefert hier alles andere als austauschbare Routine ab. Recht trocken inszeniert schaukelt sich die geladene Atmosphäre immer weiter hoch, mit einem diabolisch grinsenden Bösewicht mitten im Geschehen, einem handzahmen Charmeur von Sheriff und einem stillen Helden, dem man seine harten, wie sanften Momente gleichermaßen mimisch abkauft, so sehr wie hinter dem schmuddeligen Drei-Tage-Bart ein zartes Gesicht steckt. 

Zunächst wie eine klassische, zwielichtige Heldengeschichte aufgebaut, entpuppt sich "The Big Silence" (Alternativtitel) als weitaus düsterer als es zunächst scheint. Spätestens der Schluss wird in seiner Konsequenz überraschen und spielt gekonnt mit den Klischees, die der Zuschauer herangezüchtet erwartet. Mag die Mentalität auch manches Mal schlicht erscheinen, gerade im Originalton wenn auf italienisch heftig ungebildet geflucht wird und ständig Blut mit Blut vergolten werden soll, so schlicht wie es manchmal scheint ist "Leichen pflastern seinen Weg" dann doch nicht ausgefallen. Und es ist sicher Auslegungssache ob der erste Eindruck eine beabsichtigte Täuschung ist, oder der beeindruckende Stil des Films letztendlich derartige Schwachstellen wieder verzeihbar, ja geradezu leicht vergessen, macht. Denn am Ende bleibt zu sagen: "The Great Silence" (Alternativtitel) ist wahrlich ein sehenswertes Werk.


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