Montag, 27. Februar 2017

DIE 7 GOLDENEN VAMPIRE (The Legend of the 7 Golden Vampires 1974 Roy Ward Baker u.a.)



Ein Dorf in Hongkong wird von sieben Vampiren terrorisiert. Ein Kämpfer sucht Hilfe bei Van Helsing, der sich gerade in Asien aufhält...


Die zwei Gesichter des Dracula...

Auch wenn er im deutschen Titel des neunten und letzten Teiles der Hammer-“Dracula“-Reihe nicht genannt wird, Dracula ist stets zugegen, wenn auch nicht dargestellt durch Christopher Lee. Sein Nachfolger wird zwar optisch auf Lee getrimmt, kann ihm aber nicht das Wasser reichen. Wirklich schlimm ist das nicht, steckt der Blutsauger doch erstens die meiste Zeit des Filmes über in einem anderen, asiatischen Körper, und zweitens ist er nur eines von vielen Ungeheuern in diesem Film. Dass sich die Hammer-Studios nach moderneren Wegen umsehen mussten, als der klassische Horror nicht mehr gefragt war, ist bekannt. Und von all den Versuchen neue Themen und Methoden zu entwickeln, kann man „7 Brothers Versus Dracula“ (Alternativtitel) wohl als den ungewöhnlichsten und gewagtesten nennen, ohne lange nachdenken zu müssen.

Die Hammer-Studios arbeiteten für den neunten Teil ihrer Vampir-Saga mit den nicht minder legendären Shaw Brother-Studios zusammen und präsentieren somit einen Mix aus Horror und Handkantenfilm. „7 Brothers and a Sister Meet Dracula“ (Alternativtitel) ist längst nicht so ausgeflippt ausgefallen wie solche Shaw Brother-Produktionen wie „Invasion aus dem Innern der Erde“ oder „Das Blut der roten Python“. Für einen Hammerfilm ist das Ergebnis jedoch extremst wild und wüst ausgefallen. Gedreht wurde vor Ort in Hongkong, und da hielt man sich in vielerlei Hinsicht an das Motto „andere Länder, andere Sitten“. Nicht nur die Kampfmethode der Vampire steht für eine andere Art Gefahr, auch ist sich Van Helsing nicht sicher welche Tötungsmethoden in einer solch anderen Kultur notwendig sind.

Und er soll mit seinen Zweifeln recht behalten, kann Feuer dem Vampir doch diesmal schaden, und eine Buddha-Figur ersetzt das in Großbritannien so wirksame Kreuz, wird aber weniger angewendet, da es nicht so handlich wie das Symbol der Christen ist. Interessant ist, dass inmitten der asiatischen Regeln und des hier regierenden Chaos‘ Peter Cushing eine gute Figur macht. Er sorgt nicht nur für das nötige Niveau des Streifens, er fällt auch in Kampfsequenzen nicht all zu stark zurück. Zudem wird er nicht zu einer Randfigur, die an alte Werke erinnern soll, sondern er wird würdig in die Story als eine der Hauptfiguren integriert. Man sieht Cushing nicht an was er von dem Treiben hält. Gekonnt spielt er wie in jedem Hammer-Produkt mit dem nötigen Ernst und der nötigen Würde.

Der Sohn Van Helsings, der seinem Vater zur Seite steht, kann mit seinem langhaarigen 70er Jahre-Stil Peter Cushing nicht unterstützen. Er dient ohnehin nur als Love Interest einer Asiatin, sieht in seinen schlimmsten Momenten jedoch wie Ilja Richter aus, was nicht ganz zur Rolle passen will. Auch an den asiatischen Dracula muss man sich erst einmal gewöhnen. Warum auch er, kaum im Körper eines Asiaten gelandet, deren Bräuche übernimmt weiß der Geier, aber wer hinterfragt das schon bei einem solch banalen Werk wie „7 Brothers of Dracula“ (Alternativtitel), in dem sich zum Thema Dracula einfach auf Hongkong-Action-Art ausgetobt wird?

Positiv fallen als Horror-Zusatzelement die Knochenmänner auf, welche Helfer, bzw. Sklaven der Vampire sind und nicht nur Zombie-ähnlich aussehen, sie entsteigen auch dem Erdboden wie es Zombies tun. Das verleiht „The Last Warning“ (Alternativtitel) einen gewissen Touch, eine zusätzliche Stärke, und solche Quantitäten benötigt der Streifen bei seinem dünnen Plot dringend. Dementsprechend ist man auch froh um jeden Sehwert, mögen es die Monster sein, die Fledermäuse, die Nacktaufnahmen oder manch härtere Gore-Szenen. Irgendwie hält sich „Dracula and the Seven Golden Vampires“ (Alternativtitel) wacker über Wasser. Damit gehört er zwar bei weitem nicht zu den besten Teilen der Reihe, der ungewöhnlichste ist er jedoch auf jeden Fall geworden. unterhaltsam


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Sonntag, 26. Februar 2017

DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT (The Satanic Rites of Dracula 1973 Alan Gibson)


Eine Gruppe mächtiger Herren nimmt an okkulten Riten einer Geheimorganisation teil. Van Helsing hilft den Ermittlern und findet heraus, dass Dracula hinter allem steckt und diesmal größere Ziele verfolgt als üblicherweise...


Der Konzern des Grafen Dracula...

Als man mit dem Vorgänger „Dracula jagt Mini-Mädchen“ der totgelaufenen klassischen Reihe um „Dracula“ neuen Pepp verlieh, sorgte dies für genügend Kasse, dass sich eine schnell nachgereichte weitere Fortsetzung lohnte. Erneut engagierte man Regisseur Alan Gibson, erneut ließ man Van Helsing gegen Dracula im England der 70er Jahre gegeneinander antreten, und da laut Film gerade einmal drei Jahre zwischen den Ereignissen liegen, konnte man auch sonst manche aus dem direkten Vorgänger bekannte Figur wieder mit einbauen. Aus der Rezeptur von Teil 7 hatte man jedoch nicht gelernt.

Es braucht nicht verwundern, dass Christopher Lee hier ein letztes Mal den Dracula mimt und auch für einen Kurzauftritt in der letzten Fortsetzung „Die 7 goldenen Vampire“ nicht mehr zu haben war. Ebenso braucht es nicht verwundern, dass man mit dem letzten Teil der Reihe erneut neue Wege suchte die Reihe fortzusetzen, fehlt „Dracula braucht frisches Blut“ doch der Charme und die Klasse des Vorgängers und macht trotz des Erfolges der Mini-Mädchen alles anders als dieser. So klassisch der deutsche Titel klingen mag, so wenig hat die Art der Inszenierung mit der Rest-Reihe gemein. Der Vorgänger gab sich modern, im Kern klassisch und kam so verspielt daher wie noch jeder Teil der Reihe. „The Satanic Rites of Dracula“ (Originaltitel) lässt jedoch jeglichen verspielten Charme und jegliches Augenzwinkern vermissen, dabei hätte ihm dies bei seiner hochgradig unsinnig ausgefallen Geschichte sehr gut getan.

Zwar erhöht man den Blut- und nackte Haut-Pegel im Vergleich zum Vorgänger nur minimal, aber „Rites of Dracula“ (Alternativtitel) ist sehr reißerisch erzählt, nimmt sich viel zu ernst und erscheint einem eher wie eine Agentengeschichte, in welcher ein okkulter Orden die Weltherrschaft an sich reißen möchte, als wie eine Vampirgeschichte. Die Vampirrezeptur wirkt so krampfhaft ins Restgeschehen eingebracht, dass die Vermutung nahe liegt, dass hier ein Drehbuch zu einem ursprünglich anders gedachten Thema auf die Schnelle in einen „Dracula"-Film umfunktioniert wurde.

Dieser Verdacht verdichtet sich, wenn man sich die Rolle des kaum auftauchenden Grafen Dracula einmal näher ansieht. Der hat nun völlig blödsinniger Weise einen Konzern errichtet, von dessen Chefetage aus er unentdeckt vom Rest der Welt das Ende eben dieser einleitet. Ohne die Vampirthematik hätten wir hier den klassischen James Bond-Bösewicht. Und dass Lee, bis auf seine Vampirzähnchen und seinen Umhang, gerade in der sehr langen Büroszene, so gar nicht wie der Graf wirken mag, lässt darauf schließen dass sein einziger Auftritt außerhalb des Finales, das klassische vampirische Verführen eines weiblichen Opfers, nachgedreht wurde, um „Count Dracula and his Vampire Bride“ (Alternativtitel) wenigstens einen Hauch klassisches Dracula-Feeling zu verleihen, zum Zweck die Figur mit dieser eingefügten, nicht zum Restgeschehen passenden, Szene auch wie Dracula wirken zu lassen.

Was auch immer die Hintergründe waren, die Geschichte ist reiner Nonsens, geht es doch um einen okkulten Club, der mittels eines neu gezüchteten, aggressiveren Pest-Virus die Menschheit ausrotten möchte. Van Helsing vermutet darin eine Todessehnsucht des Vampirs, der vor seinem Untergang noch die komplette Menschheit, vielleicht sogar das komplette Universum in den Untergang reißen möchte. Als pulpiger 70er Jahre-Streifen weiß „Dracula Is Alive and Well and Living in London“ (Alternativtitel) auch tatsächlich zu funktionieren, eben weil er all diesen Unsinn bierernst erzählt. Da sich das alles aber so gar nicht wie ein Teil der „Dracula“-Reihe anfühlt, werden Stammzuschauer der Hammer-Reihe verprellt, sofern sie nicht auch moderneren Horrorstoffen gegenüber aufgeschlossen sind.

Man kann also behaupten, dass Christopher Lee seinen letzten Auftritt als Dracula in „Dracula jagt Mini-Mädchen“ absolviert hat. Nicht nur dass er trotz Erstnennung in Vor- und Abspann nur ein Gast in seinem eigenen Film ist, er wirkt auch nicht wie Dracula, so wie der komplette Film mit seiner reißerischen Agentengeschichte nicht wie ein „Dracula"-Film wirkt. „Dracula braucht frisches Blut“ wäre ohne die Vampirthematik noch eine Spur sympathischer ausgefallen. Dann hätte man ihn vielleicht sogar einen Hauch ernster nehmen können.

Man hätte die Figur des Van Helsing lediglich als Berater okkulter Ermittlungen einbauen können, „Akte X“-like, anstatt ständig auf der Dracula-Masche herumzureiten. Dann hätte daraus eine eigene Reihe innerhalb der klassischen Reihe werden können. Aber mit der nicht wirklich kompatiblen Vampirthematik vermengt, und mit der unsinnigen Ergänzung Draculas als Großunternehmer (und einem noch viel dämlicheren, viel zu früh genannten Verdacht Van Hellsings, Dracula könne hinter all diesen Ereignissen stecken), wird aus Gibsons zweiten Ausflug der Hammer-Reihe lediglich ein unfreiwillig komischer, wahnwitziger, reißerischer und pulpig sympathischer Streifen für Freunde ungewöhnlicher, schundiger 70er Jahre-Produktionen. Aber das ist immerhin noch um einiges besser als ein mittelmäßiges oder schlechtes Ergebnis. unterhaltsam


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DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN (Dracula A.D. 1972 Alan Gibson)


Die Clique von Jessica Van Helsing feiert so zum Spaß auf unheiligem Boden eine schwarze Messe, nichts ahnend dass einer ihrer Freunde ein Diener Draculas ist, der mittels dieser Messe seinen Meister zum Leben erweckt. Graf Dracula sinnt auf Rache, seit Jessicas Urgroßvater ihn einst besiegte...


Van Helsing ist tot, es lebe Van Helsing!...

Erstmals seit dem 1958er „Dracula“ treffen Peter Cushing als Van Helsing und Christopher Lee als Dracula in der Hammer-Reihe um den mächtigsten Vampir wieder aufeinander. Das wurde aber auch Zeit! Diese ist nicht stehen geblieben, was den Hammer-Studios, die eher auf klassischen Horror abonniert waren, nicht gut tat. Das Genre wurde vom Terrorkino beeinflusst immer härter. Wer mit Dracula Menschen ins Kino locken wollte, der musste sich etwas einfallen lassen, und da reichte es nicht zwei Horrorikonen aufeinander treffen zu lassen. Um der ganzen Chose den nötigen Schwung zu verleihen, versetzt man die Handlung nach einem Einstieg im 19. Jahrundert in das Entstehungsjahr des Filmes, was dem Werk einen modernen und entfremdenden Touch beschert.

Die 70er Jahre sprechen für sich. Das beginnt mit der ersten Aufnahme im Jahr 1972, die von einer Musik begleitet wird, wie man sie in einem Kriminalfilm vermuten würde. Doch das passt ganz gut, allein schon weil die Polizei in den von Dracula verursachten Morden ermittelt, auch wenn sie dabei einen weitaus geringeren Part neben Peter Cushing einnimmt, der einen Nachfahren seiner eigenen Rolle aus den Teilen 1 und 2 verkörpert. Die peppige Musik verleiht dem Film einen angenehmen sleazy Touch, der zu der Zeit häufig im Kino neue Akzente setzte und selbst Schmuddelwerke dieser Tage interessant erscheinen lässt.

Mit den Teens im Zentrum hatte man die nötigen Identifikationsfiguren der neuen Generation, und in den Hochzeiten von Drogen und freier Liebe war genügend Platz für Esotherik und damit für Okkultismus, so dass die Geschichte nicht zu konstruiert wirkt, wenn nicht an den Satan glaubende Jugendliche eine schwarze Messe veranstalten. Als Mutprobe angesetzt bleibt sie in der Geschichte nicht nur glaubwürdig, ihre düstere Inszenierung reißt gar richtig mit. Wo „Dracula jagt Mini-Mädchen“ (welch dämlicher Titel) an mancher Stelle schräg und flott inszeniert ist, da ist er es an anderer, richtiger Stelle düster und ernsthaft.

Die Messe gehört wie erwähnt zu diesen Momenten und kann sich wahrlich sehen lassen, was aber auch am überzeugenden Spiel Christopher Neames liegt, der hier den Diener Draculas Johnny Alucard spielt. Seine Szenen gehören ihm, und mit seinem jungen, düsteren, leicht schelmischen Erscheinungsbild ist er eine bereichernde Ergänzung neben Christopher Lee als Dracula, der zwar sehr wenige Auftritte beschert bekommen hat, dafür aber endlich wieder so düster wie unter Terence Fisher spielen darf.

So modern sich das Ganze auch ins 20. Jahrhundert verfrachtet, in der Großstadt spielend unter Jugendlichen mit flotter Musikuntermalung guckt, die eigentliche Geschichte verläuft innerhalb dieser Rahmenbedingungen trotzdem überraschend klassisch. Da wird nichts mit nackter Haut aufgepuscht, da gibt es nur ein, zwei Tröpfchen mehr Blut als bislang zu sehen, und wenn Dracula erst einmal auferstanden ist folgt auch der Handlungsverlauf dem typischen Muster, wie er auch im 19. Jahrhundert hätte erzählt werden können. Würde im Finale nicht zeitgenössische Musik im Stile der Soundtracks der Rialto-Wallace-Reihe im Hintergrund spielen, man würde glatt vergessen in welchem Jahrhundert wir uns befinden, findet der Endkampf doch in einer alten, verfallenen Kische statt.

Ein klassisches Happy End muss es geben, auch hier verweigert sich „Dracula Chases the Mini Girls“ (Alternativtitel) der Moderne. Der Tod Draculas kann sich diesmal glücklicher Weise sehen lassen, so dass es auch in diesem Punkt nichts zu meckern gibt. Trotz des trashigen Titels und der eher gewagt als vielversprechend klingenden Idee Van Helsing und Dracula im 20. Jahrhundert aufeinander treffen zu lassen, ist „Dracula A.D. 1972“ (Originaltitel) eine der gelungensten Fortsetzungen des Originalfilmes mit Christopher Lee, und dies gerade einmal zwei Jahre nach dem missglückten sechsten Teil „Dracula - Nächte des Entsetzens“. sehenswert


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Samstag, 25. Februar 2017

LAUREL UND HARDY IN OXFORD (A Chump at Oxford 1940 Alfred J. Goulding)


Stan und Olli bemerken nach einem erneut angerichteten Chaos, dass sie zu dumm sind und beschließen zur Schule zu gehen. Da sie durch Zufall einen Bankräuber aufhalten, bezahlt ihnen der Bankdirektor aus Dank eine Schulausbildung in Oxford...


Das andere Kinn auch...

In ihrem letzten kreativ freien Jahr unter Hal Roach, bevor das Komiker-Duo für FOX ohne Mitspracherecht Filme drehte, entstand neben „Dick und Doof auf hoher See“ auch „Laurel und Hardy in Oxford“, beides zugegebener Maßen wundervoll anzuschauende Komödien, aber die meisten Besonderheiten, die ein solches Werk zum Leckerbissen machen, findet man eher im hier besprochenen Film. Wie so ziemlich alles was die beiden zusammen an Langfilmen gedreht haben, so besteht auch „Das Fenster im Nacken“ (Alternativtitel) lediglich aus einzelnen Episoden, die mehr bemüht als rund aneinandergereiht werden, um so etwas wie eine Geschichte zu suggerieren. Aber wie so oft bei Laurel und Hardy haben es diese Episoden in sich.

Sich zunächst als Butler-Ehepaar ausgebend richten sie das typische Chaos an, wie man es seit ihrer Kurzfilmzeit von ihnen gewohnt ist. Dies wird weiter fortgeführt in einer nicht minder witzigen Szene als Straßenkehrer, die zu einer zufälligen Überführung eines Bankräubers führt. Und erst jetzt findet die Reise nach England statt, die übersprungen wird um direkt in Oxford weiter zu blödeln. Hier beginnt nun die beste Phase von „Dick und Doof als Studenten“ (Alternativtitel), stolpern die beiden aufgrund eines Studentenjuxes doch nun Stunden lang in einem Labyrinth umher, welches zu dem Höhepunkt führt, in welchem Stan Laurel mit einer Zweitperson ein perfekt choreographiertes Hand- und Fingerspiel mit drei Händen durchführt. Da will man gar nicht wissen wie lange allein an dieser Szene geprobt wurde.

Wer gut aufpasst kann nun, rausgekommen aus dem Labyrinth und weiteren Studentenstreichen ausgesetzt, passend britisch besetzt den zukünftigen Horrorstar Peter Cushing entdecken, der in halbwegs jungen Jahren einen der Studenten mimen darf, wenn auch keinen der wirklich im Vordergrund stehenden. Das ist aber auch egal, die Show gehört ohnehin Stan Laurel und Oliver Hardy, und wenn diese nach einer herrlich absurden Auseinandersetzung mit dem Dekan nun ihr letztes Kapitel in „Dick und Doof in der Schule“ (Alternativtitel) beschreiten, wagt man inhaltlich etwas, das auch nach hinten hätte losgehen können. Wir erfahren Hintergründe über Stan, wer er einst war und wie er so dumm wurde wie wir ihn kennen.

Wenn Laurel nach einem Schlag auf dem Hinterkopf an Dummheit verliert und Arroganz gewinnt, darf der gute Mann einmal anders spielen als sonst, was keineswegs einen heruntergeschraubten Grad an Komik bedeutet. Ganz im Gegenteil, allein was in geschätzten 3 - 5 Minuten gegen Ende von „Genies in Oxford" (Alternativtitel) nun an Dicken-Witzen fällt, lässt sich kaum zählen und gehört, trotz des beleidigenden Charakters, zu den großen Lachern des Filmes. Selbstverständlich muss Stan im Laufe der Geschichte wieder der Alte werden, denn ein Erfolgspaar wie Dick und Doof reißt man nicht auseinander. Und mit der „Heilung“ Laurels schließt „Sprung ins Glück“ (Alternativtitel) - ein Happy End für Olli, nicht aber für Stan, aber der weiß ja nicht welches Leben ihm gerade entgangen ist. sehenswert


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DIE KLOTZKÖPFE (Block-Heads 1938 John G. Blystone)


Stan Laurel hält 20 Jahre nach Kriegsende noch immer brav die Stellung im Schützengraben, da ihm niemand mitgeteilt hat, dass längst kein Krieg mehr tobt. Als er Heim gebracht wird, sucht ihn sein ehemaliger Freund Oliver Hardy auf. Da dieser Laurel zunächst für einen Invaliden hält, bietet er ihm an bei sich und seiner Frau zu wohnen...


Weder Steak noch siebenschichtige Torte...

Wenn man einem Film von Laurel und Hardy Episodenhaftigkeit und das Fehlen einer echten Geschichte vorwerfen darf, dann ist es „Die Klotzköpfe“, der fast ständig nur von Nebensächlichkeiten erzählt. Zunächst erleben wir Stan im Schützengraben, der 20 Jahre lang das Kriegsende verpennt hat, dann, zumindest noch auf diese Idee aufbauend, sucht Olli ihn im Heim für Soldaten auf und glaubt sein Freund würde nur noch ein Bein besitzen. Dann erweist sich die Heimfahrt mit einem Auto als tückisch, schließlich auch der Gang 13 Stockwerke nach oben, da der Fahrstuhl kaputt ist. Eine Schlägerei, Schattenspiele und das Anlegen mit einem Vater und seinem Sohn sorgen dafür, dass es immer wieder rauf und runter geht, man in der Wohnung so schnell also nicht ankommt. Doch mal dort angekommen gibt es zunächst Ärger mit der Ehefrau, dann mit der Küche und schließlich auch mit der Eifersucht eines Mannes von nebenan, der Großwildjäger ist.

Selten war mir der Zustand keine echte Geschichte erzählt zu bekommen so egal wie im hier vorliegenden Fall, ist „Blockheads“ (Alternativtitel) doch einer meiner absoluten Lieblingsfilme des berühmten Komiker-Duos, so sehr wie hier der Wahnsinn herrscht und eine gute Idee an die nächste gereiht wird. Im Schützengraben bei Stan lauern Witze, die einem über 50 Jahre später in „Die nackte Kanone“ unglaublich modern vorkamen. Kleine Ideen, wie ein viel zu schnell nach unten rasender Fahrstuhl, und große choreographische Szenarien, wie Hardys Hilfe Laurel gegenüber, der fälschlicher Weise für einen Invaliden gehalten wird, wechseln sich gut ineinander greifend ab und lassen dem Zuschauer kaum Zeit zum Luftholen, so viel wie es hier zu lachen gibt.

Und wenn man glaubt man hat alles gesehen, dann darf die Nachbarin sich aufgrund mangelnder Verstecke gegen Ende noch als Sessel tarnen, der stets auf Laurel einschlägt, wenn dieser, nicht eingeweiht, versucht sich auf den angeblichen Sessel zu setzen. Typische Laurel-Spinnereien wie das Rauchen einer Pfeife, bei welcher die eigene Hand zur Pfeife wird, oder das Herunterziehen des Schattens einer hochstehenden Jalousie, dürfen ebenso wenig fehlen wie seine Tolpatschigkeit, Ollis Neigung aufgrund von Überheblichkeit im Chaos zu landen und jeglichen weiteren Running Gags, die sich aus etlichen (Kurzfilm)-Jahren Dick und Doof entwickelt haben.

Die beiden Komiker agieren in bester Laune, blödeln hemmungslos albern und gekonnt vor sich hin und beweisen einmal mehr ihre Grenzenlosigkeit in Bezug auf ihre Themenvielfalt. Bittere Themen wie der Krieg umgehen sie nicht. Und auch die Beobachtungsgabe aktueller Geschehnisse fehlt nie. Diesmal veralbern sie eine damals frisch aufgekommene Umgangssprache, was für einige Wortspielereien sorgt, die man ohne diese Kenntnis heutzutage meist nicht mehr versteht. Dem Film tut dies freilich keinen Abbruch, wird dieser Bereich unter vielen in „Lange Leitung“ (Alternativtitel) doch nur nebenbei eingebaut, während um Stan und Olli herum das gewohnte Chaos tobt.

Das Fehlen einer Geschichte sollte neugierige Zuschauer nicht davon abhalten „Block-Heads“ (Originaltitel) einmal zu sichten, bietet er doch wahre Höhepunkte im Schaffen von Oliver Hardy und Stan Laurel, also von zwei Schauspielern, die ohnehin durch ihr enormes Können zu Humorlegenden wurden. „Die Klotzköpfe“ schaut sich wie eine Aneinanderreihung diverser Kurzfilme mit leichtem Bezug zueinander, und irgendwann ist er auf diese Art auch ganz plötzlich vorbei, ohne dass es tatsächlich eine Art von Schlussstrich gibt. Darüber kann sich aber nur jener ärgern, der mit der Komik des Duos nichts anzufangen weiß. Das sind dann aber meistens Menschen, welche die Komik der beiden ohnehin nur als albern und substanzlos empfinden, und die Meinung von Leuten mit solchem Mangel an Beobachtungsgabe ist mir ohnehin ziemlich egal. sehenswert


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DIE WÜSTENSÖHNE (Sons of the Desert 1933 William A. Seiter u.a.)


Laurel und Hardy wollen an einem landesweiten Treffen ihres Clubs „Die Wüstensöhne“ teilnehmen, aber Hardys Frau ist dagegen. Also stellt Hardy sich krank und lässt sich von einem bestochenen Arzt untersuchen, damit dieser ihm rät sich in Honululu auszukurieren. In Wirklichkeit reist er selbstverständlich mit seinem Kumpel zu besagtem Treffen, nichts ahnend dass es auf dem Schiff nach Honululu eine große Katastrophe gab und die Frauen nun vermuten, dass ihre Männer die Reise nicht überlebt haben...


Die Wahrheit währt am längsten...

Dass „Die Wüstensöhne“ zur Bestzeit des Komiker-Duos Stan Laurel und Oliver Hardy entstand, merkt man sofort. Die Geschichte und der in ihr zelebrierte Slapstick könnte klassischer kaum ausfallen, so professionell wie hier herumgealbert wird, so als würde man einem Best Of ihrer Kurzfilme beiwohnen. Direkt in der ersten Szene dürfen die beiden ein ernstes Szenario mit ihrem Chaos aufbrechen, so wie sie es in der Operettenverfilmung „Hände hoch - oder nicht" noch im selben Jahr perfektioniert haben. Danach folgt schließlich klassischer Slapstick mit fliegendem Geschirr, dem Hineinplumpsen in einen Behälter voll Wasser und ähnliches. Wenn die Heimat endlich verlassen wird dürfen sich noch andere Spaßmacher um das Duo herum gesellen und ebenfalls Lustigkeit verbreiten.

Wer die Filme, und somit auch das hier besprochene Werk, einzig auf seinen Klamaukgehalt reduziert, tut den Komikern Unrecht. Nicht nur dass wir hier gut einstudierte Choreographien präsentiert bekommen, auch das Spiel mit den Klischees um Männer und Frauen und der stets zeitgenössische Blick, diesmal zentral in der Parodie auf Geheimbünde vorzufinden, die zu besagter Zeit hoch modern waren, zeigen durchaus dass hier per Übertreibung das Leben reflektiert wird und man das Chaos in sehr überlegtem Rahmen ansiedelt, im Gegensatz zu geistlosen Konkurrenzprodukten. Dick und Doof werden ihren deutschen Kosenamen nicht gerecht, so vereinfacht wie durch sie dargestellt findet die Komik der beiden Filmstars eben nicht statt, auch wenn es oberflächlich zunächst so wirken mag.

Wie so ziemlich jeder Langfilm der Beiden, so kann auch „Sons of the Desert“ (Originaltitel) nicht verheimlichen, dass Laurel und Hardy ihre Karrieren im Kurzfilmbereich begonnen haben. Zwar wird hier im Vergleich zu „Die Klotzköpfe“ und Co noch relativ gekonnt eine längere, zusammenhängende Geschichte vorgetäuscht, aber letztendlich drittelt auch diese sich in einzelne Episoden, die eher dünn beieinander gehalten werden.

Schaden tut dies den Filmen nicht, die mit 50 - 60 Minuten stets leicht verdaulich bleiben, und da „Fraternally Yours“ (Alternativtitel) ein flottes Tempo mit nur wenigen winzigen Durchhängern bietet, ist für beste Stimmung gesorgt, so sehr wie die beiden Schauspieler in Hochform agieren. „Die Wüstensöhne“ gehört zu den Pflichtfilmen des Komiker-Duos, die man gesehen haben muss, um zum Thema Dick und Doof sinnvoll mitreden zu können. sehenswert