30.06.2022

BELPHÉGOR - DAS PHANTOM DES LOUVRE (2001)

Zu viele unnötige Computereffekte und zu sprunghafte Erkenntnisse bei den unabhängig voneinander arbeitenden Ermittlern, sowie zu einfache Zusammenkünfte sich gegenseitig Misstrauender sind der Grund warum die dritte Verfilmung um Belphégor ebenso zum Scheitern verurteilt ist, wie die 60er Jahre-Serie "Belphégor oder Das Geheimnis des Louvre", auf welchen die mit Sophie Marceau prominent besetzte Neuverfilmung verspielt verweist. Die Rückblicke eines alten Ermittlers in Schwarz/Weiß gehalten sind neu inszenierte Szenen mit aktuellen Mimen, aber hier wird gekonnt das Flair der auf Grusel-Krimi getrimmten Serie augenzwinkernd kopiert. Ebenso wie oben grob angeschnitten, ist allein die Anwesenheit besagten Kommissars durch ein zu schnelles Fortschreiten der Geschichte ein Rätsel. Wer würde ihn einsetzen, bei solch belastender Vergangenheit und bei so viel Hokuspokus-Geschwätz (zumal er bereits in Rente ist)? Das ist eine von vielen Fragen, welche das strikte Einhalten einer üblichen Spielfilmlauflänge verursacht, da man sich keine Zeit für Details nimmt. "Belphégor - Le fantôme du Louvre" (Originaltitel) ist oberflächlich erzählt, schafft es zwar den Charme der Hauptcharaktere gelegentlich aufblitzen zu lassen, aber selbst die hätten mehr Beachtung verdient. 

Den einzigen tatsächlichen Sehwert erhalten beide mir bekannte Verfilmungen erst über den jeweiligen Vergleich mit der anderen. Aus einem fast weltlichen Kriminalfall mit nur wenigen übernatürlichen Elementen wird eine Geschichte um eine wiederkehrende Mumie, die mit dem bereits aus dem Vorgänger bekannten Element einen Menschen für ihre Zwecke schlafwandelnd besetzen zu müssen in dieser modernen Variante einige Widersprüche offenbart, bzw. ungeklärte Fragen aufkommen lässt. In wie weit hat die Besessene Einfluss auf die Mumie, wenn der zuvor noch aggressiv bekämpfte Liebhaber der Frau plötzlich der einzige ist, den das Phantom in Ruhe lässt, ja sogar in die Augen blicken lässt, ohne ihn zum Selbstmord zu treiben? "Belphegor, Phantom of the Louvre" (Alternativtitel) ist mit derartigen Erklärungsnöten und besagten unsensiblen Sprüngen in der Erzählung (insbesondere im letzten Drittel) mehr Storygerüst, anstatt tatsächliche Geschichte. Interessant wäre es zu erfahren, ob das Produkt für den Kinomarkt zurecht gestutzt wurde und ob eine längere Version in Planung war oder gar existiert. Aufgrund der zu häufigen Computervisualisierung des Verstorbenen, die weder gruselig noch mystisch anmuten und aus dem Stoff, ähnlich wie im einige Jahre zuvor entstandenen "Die Mumie", mehr Abenteuerfilm-Flair erntet als ein Horror-Gefühl entstehen zu lassen, würde selbst dann aus dem Film kein Meisterwerk werden. Aber zumindest könnten zusätzliche Szenen eine Version mit weniger Erklärungsnöten entstehen lassen, eventuell sogar eine mit mehr Zugang zu den Figuren.  OFDb