Posts mit dem Label Chris Columbus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Chris Columbus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

30.12.2023

GREMLINS - KLEINE MONSTER (1984)

Ich habe in "Gremlins - Kleine Monster" nie das große Werk gesehen, als welches er unter Kinobegeisterten allgemein gilt. Das liegt hauptsächlich an der Orientierungslosigkeit des Stoffes, die mir auf ein neues zeigt, was das mit Begeisterung angenommene 80er Jahre-Blockbuster-Kino im Vergleich zu den Werken der 70er Jahre verloren hat. Während dort selbst Massenproduktionen genug Raum für den Intellekt bereit hielten, um einem solch wilden Treiben zumindest noch eine Legitimation und Gesetzmäßigkeit zu bescheren, begnügt man sich bei Werken der hier besprochenen Art auf tolle Effekte, ein buntes Drumherum und eine fantasiereiche Geschichte. Das Ergebnis ist durchaus nett zu nennen, unreflektiert bereitet "Gremlins" (Originaltitel) durchaus Freude, gerade auch im Hinblick auf seine Anti-Weihnachtsmentalität. Und mit Blick auf das Kino heutiger Tage, tut es außerdem gut einen entspannten Umgang mit Volkskrankheiten als charmante Schrulligkeiten zu sehen, sowie in einem recht familientauglichen Werk Tote erleben zu dürfen, führen die "Streiche" der Gremlins doch nicht immer "nur" zu Verletzungen. Und ein bitteres Schicksal darf nicht nur wer bös Charakterisiertes erfahren. Meist bekommen aber ohnehin die Viecher selbst ihr Fett weg, eigentlich noch bevor sich für so manche Figur ihre Bösartigkeit bestätigt. Da darf sich dann trickreich gewehrt werden, was dem Film eine ähnliche Partytauglichkeit beschert, wie die Taten der kleinen Monster, für die man einschaltet. Deren Treiben schwankt zwischen kindischem Spieltrieb, Anarchismus, instinktiven Gelüsten und rohem Ur-Trieb. Was sie wirklich antreibt, bleibt unklar. Warum die Hauptfigur den Gremlin mit den Haaren auf dem Kopf als den Anführer empfindet, weiß man nicht, und trotz mehrmaliger Behauptung wird es durch die Geschichte zudem nie bestätigt. 

Derartige Lücken machen es mir schwer, mehr als den trivialen Unterhaltungsfilm in "Gremlins" zu sehen. Ja, die Kulisse weiß zu gefallen, das moderne Märchen-Flair ebenso, das Kreaturendesign, auch in den kurzen gezeichneten Sequenzen, sowieso. Aber wieso befinden sich plötzlich alle Gremlins im Kino? Natürlich nur um es dem Drehbuch leichter zu machen, ein halbwegs glimpfliches, simpel zu erzählendes Ende anzuvisieren. Das Drehbuch ist voll von derartigen Vereinfachungen, die nicht hinterfragt werden, weil die ganze Action drumherum von derartigen Schwächen ablenken soll. Nun, das tut es scheinbar auch, so begeistert wie die Filmwelt auf Joe Dantes Werk reagiert. Zumindest sind den Verantwortlichen allerhand verschmitzte Ideen gekommen. Neben der offensichtlichen, meist per großen Schauwert inszenierten, sind auch kleine Insider-Gags zu bemerken, wie z.B. das Versteck unter Stofftieren. Hier darf ein Gremlin sich wie einst E.T. unter Spielzeuggesellen tarnen, von denen eines eine E.T.-Puppe darstellt. "Gremlins - Kleine Monster" ist eine Spielberg-Produktion, das macht dieses Augenzwinkern rund um ein Merchandising-Produkt umso amüsanter. In seiner Leichtigkeit und der schwarzhumorigen Treffsicherheit, kann man nie zu böse mit dem Ergebnis sein. Aber die Schwächen sind mir dann doch eine Spur zu hoch, um den Erfolgsfilm als großes Event zu betrachten. Zumindest ebnete "Gremlins" den "Critters" den Weg, die fand ich etwas amüsanter. Sie sind aber auch etwas düsterer angelegt, wohingegen es Dante, so wie später auch in "Small Soldiers", schafft den Mix zwischen buntem Popkorn-Spaß und Horror in familienfreundlicher Balance hinzubekommen. Interessant fand ich anbei die Nennung Michael Winslows im Abspann, im Bereich der Verantwortlichen für die Soundeffekte. Noch im selben Jahr erlangte er Berühmtheit durch seine Rolle in "Police Academy" aufgrund seiner Begabung ungewöhnliche Geräusche ohne technische Hilfsmittel zu entfachen.  Wiki

23.11.2017

MAMA, ICH UND WIR ZWEI (1991)

Nachdem Chris Columbus seinem Produzent John Hughes mit „Kevin - Allein zu Haus“ einen riesen Hit beschert hat, schien er mit „Mama, ich und wir zwei" von diesem einen Freifahrtsschein erhalten zu haben zu drehen was immer er möchte, immerhin baut die Romantikkomödie weder auf den typischen Hughes-Formeln auf, noch garantiert sein eigenwilliges Erscheinungsbild einen Erfolg bei einer bestimmten Gruppe Filmfreund.

Die von Chris Columbus selbst verfasste Geschichte um ein fast 40jähriges Muttersöhnchen, das sich in eine ähnlich alte, schüchterne Frau verliebt, wurde geradezu untypisch mit dem sonst eher auf charmanten Trottel abonnierten John Candy besetzt, den man aufgrund seiner körperlichen Proportionen wohl nie in einer Romantikkomödie erwartet hätte - zumindest nie in einer, in welcher das Körpergewicht nicht zum Thema werden würde. Aber genau dies ist hier der Fall, und so darf Candy seine stillen Töne und schauspielerischen Fähigkeiten beweisen, die in anderen Filmen sonst inmitten von chaotischen Handlungssträngen unterzugehen drohen.

Besetzungstechnisch agiert viel mit, was zu dieser und anderer Zeit im Hause Hughes unterwegs war. John Candy spielte bereits zwei Jahre zuvor die Hauptrolle in „Allein mit Onkel Buck“ (was längst nicht seine erste Rolle in einem Hughes-Film war), Kevin-Darsteller Macaulay Culkin taucht zusamen mit seinem Bruder Kieran in einer Minirolle als Sohn von Dannys Bruder auf, James Belushi, der im selben Jahr von „Only the Lonely“ (Originaltitel) in Hughes hauseigenem Kevin-Nachzügler „Curly Sue - Ein Lockenkopf sorgt für Wirbel“ die Hauptrolle mimte, ist in einer Nebenrolle als Dannys Partner vertreten, und Ally Sheedy durfte bereits in Hughes legendärem „Der Frühstücksclub“ mitspielen und hat seither nichts von ihrer Niedlichkeit und ihrem Schauspieltalent verloren.

Trotz amerikanischer Handschrift in der Inszenierung und einem kanadischen Iren, sowie einem amerikanischen Italiener, wirkt das Milieu, in welchem der Film spielt, treffsicher. Mit irischer Hintergrundmusik versucht man auf Nummer Sicher zu gehen, und auch wenn dem eigentlichen Film das typisch irische Flair fehlt, welches beispielsweise „The Guard“ so wundervoll zu versprühen weiß, so wissen die Figuren mit ihrer Bissigkeit doch den Ton des jeweiligen Herkunftlandes zu treffen, so dass „Mama, ich und wir zwei“ keineswegs nur als blauäugiges Stück Kinofilm funktioniert, welches versucht andere Kulturen zu imitieren.

Ohnehin ist es Columbus geglückt ein sehr gelungenes Stück tragikomische RomCom gepaart mit Familienthematik abzuliefern. Die Dialoge sind treffsicher und interessant geraten, trotz aller überzogener Comicartigkeit wirken sie gar oftmals authentisch. Die Geschichte weiß zu bewegen, da sie es versteht die Figuren individuell und menschlich wirken zu lassen, so als würden sie tatsächlich existieren - gleichzeitig verlässt Columbus immer wieder den nötigen Realitätsgehalt, um uns auf Kino-art zu verzaubern. Er weiß wann er welche von beiden Seiten abliefern muss, und ein sensibler Grundton, sowie eine oftmals überraschend großartige Besetzung, hilft ihm dabei „Mama, ich und wir zwei“ zu einem kleinen Geheim-Tipp werden zu lassen, der leider nie genügend Beachtung geschenkt bekommen hat, was man spätestens John Candy gewünscht hätte, der teilweise atemberaubend spielt, wenn man einen Blick dafür hat auf winzige Details zu achten.

Leider wirkt er in der ansonsten sehr geglückten deutschen Synchronisation manches Mal eine Spur zu soft, z.B. bei seiner Reaktion darauf, dass Theresa ihn heiraten möchte. Auch die Verantwortlichen für Candys Make-Up arbeiten ein wenig gegen die nennenswerte Arbeit, die der Komiker hier leistet, ist er, gerade gegen Ende, oftmals doch etwas zu dick aufgetragen geschminkt und verliert dadurch seine authentische Ausstrahlung. Die gefühlvolle Geschichte weiß solche kleinen Fehler jedoch sowohl durch ihre ehrliche Fröhlichkeit, ihren stimmigen schwarzen Humor, als auch über die romantischen und tragischen Gefühlsmomente bestens aufzufangen, ein sympathisch schwermütiger Soundtrack hilft in besagten Gefühlsmomenten dabei ungemein.  OFDb