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30.10.2022

THE SOCIAL NETWORK (2010)

Wie toll der Vorteil einer Großproduktion in den richtigen Händen sein kann, zeigt "The Social Network", der als biographisches Drama das Geld nicht in einen Haufen Spezialeffekte stecken muss, sondern auf Ausstattung, ein durchdachtes Drehbuch und tatsächlich talentierte Mimen zurück greifen darf. Dass in einer Geschichte, um die Erfindung Facebooks, der biographische und der phantastische Aspekt vermischen und nicht immer klar auseinander gehalten werden können, ist klar. Dass Fincher die durchaus faszinierende Geschichte tückischer Taten nicht rein der Vorurteilsbestätigung inszeniert und aus "The Social Network" weder einen Pro- noch Contra-Zuckerberg-Film macht, ist ihm hoch anzurechnen. Ebenso, dass er trotz der Erzählebene über Rückblicke während zwei parallel laufender Anhörungen, das Gezeigte einfach verständlich umsetzt, während das Ergebnis dennoch anspruchsvoller Natur ist. 

Die flotte, meiner Meinung nach inszenatorisch ein wenig von "Trainspotting" abgeguckte, Umsetzung, kann nicht überspielen, dass das Drehbuch, trotz einiger Klischees im Mittelpunkt, ein durchdachtes ist, sowohl strukturell, als auch in psychologischen Bezügen von Ursache, Wirkung, Kenntnisstand und Begabung einzelner Charaktere, die Wichtigkeit jeweiliger Einflüsse, das Aufheben von Schwarz/Weiß-Zeichnungen innerhalb eines von Schurken bevölkerten Business, sowie analytischer Tiefgründigkeit. Mit Jesse Eisenberg ideal besetzt, in toller Videoästhetik-Optik umgesetzt und mit einem wunderbar funktionierenden Soundtrack untermalt, der mit Monotonie und aufkeimender Stimmung auf elektronischer Ebene gleichermaßen je nach Filmphase gekonnt spielt, lässt sich der perfekt anfühlende Streifen kurzweilig, poppig und doch erwachsen, da ernst genommen anmutend, schauen. Man fühlt sich nicht manipuliert, darf an Beobachtungen und Gedankengängen teilhaben, innerhalb eines Filmes verschiedener Blickwinkel. Momente, die sich nach Vorurteilen anfühlen, gehören in Wirklichkeit zu subjektiven Blickwinkeln einzelner Figuren, so z.B. die häufig aufkommende Verabscheuung Privilegierter. 

Zuckerberg beim Aufbau seines berüchtigten Zugpferdes zuzusehen, funktioniert auf verschiedenen Gefühlsebenen zwischen Mitleid, Scham, Schadenfreude und menschlicher Enttäuschung. Das zeigt wie wichtig dem Film die Figuren sind, wie wichtig es war sie persönlich zu zeichnen, anstatt sie auf Stereotypen zu reduzieren. Dass derartige dennoch immer irgendwie aufblitzen, lässt sich aber wohl in einem US-amerikanischen Werk nicht verhindern. Vielleicht muss man in den USA leben, um es nicht wie ein Europäer zu empfinden.  OFDb

04.05.2017

GONE GIRL - DAS PERFEKTE OPFER (2014)

Auf David Fincher ist Verlass. Wenn dieser einen Thriller dreht, dann darf man etwas Besonderes erwarten. Er wiederholt sich bei seinen Werken gleichen Genres nicht, bei ihm muss man immer mit etwas Neuem rechnen. „Gone Girl“ besitzt nicht nur Finchers typisch edlen Inszenierungsstil aus Ruhe und dem Gespür für Tempo innerhalb dieser Ruhe, überraschende Wendungen und eine ungewöhnliche Art der Erzählung fordern den Zuschauer immer wieder heraus sich um zu orientieren, sich auf neue Blickwinkel und veränderte Fakten einzustellen - und diese sogar akzeptieren zu müssen, was gar nicht so leicht ist, wenn man zuvor so intensiv in eine andere Richtung manipuliert wurde.

Der Mix aus Drama und Thriller geht in seiner ersten Phase eher Genre-routiniert vonstatten, wenn auch auf hohem Niveau. Als Zuschauer weiß man nicht was man von den Informationen halten soll, die einem zugespielt werden, Nick scheint mehr als verdächtig, scheint das Unschuldslamm nur zu spielen, andererseits erwartet man eine Überraschung, die einem aus dieser Perspektive heraus hilft. Doch die Beweise schnüren sich immer enger um den Hals des Ehemanns, nicht nur zur Meinungsbildung dessen Umfeldes, sondern auch jener des Zuschauers. Nachdem dies recht lange Zeit so geht wird man plötzlich in die Wahrheit eingeweiht, und dies so schonungslos, urplötzlich und rapide, dass man kaum glauben kann was man da sieht.

Fincher schafft es mit immer neuen besorgnisrregenden Szenen, dass dieser Zustand nicht, wie man erwarten würde, nach einiger Zeit wieder verschwindet, um von nun an mit neuen Fakten klar zu sehen, man kann einfach weiterhin nicht fassen was die Wahrheit ist, und dieser Bann lässt einen bis zum Schluss nicht los. Das ist nicht nur ein großartiger Effekt, aufgrund der Ereignisse bis zum Schluss ist man gar bereit den Streifen möglichst bald ein zweites Mal zu sehen, denn so einige Dinge müssen sortiert werden, um das Gezeigte verarbeiten zu können. Nicht falsch verstehen, man ist nach dem Sichten nicht nervlich fertig wie bei Filmen a la „12 Monkeys“ oder "Das Experiment", man benötigt diese Zweitsichtung um die zweite Hälfte endgültig akzeptieren zu können.

Der Film, der sich hinter dem wundervoll doppelbödigen deutschen Titel „Gone Girl - Ein perfektes Opfer“ verbirgt, ist wahrlich ein besonderes Seherlebnis, auch wenn ihm das grandiose Etwas, welches „The Social Network“ und „Zodiac - Die Spur des Killers“ zu solch herausragenden Fincher-Filmen werden ließ, fehlt um zum Olymp des Thriller-Kinos dazu zu gehören. Den Fehler den Fincher meiner Meinung nach macht, ist dass er zur Aufklärung der Situation keine unklaren Graustufen mehr hinterlässt. Am Ende ist alles überdeutlich aufgelöst, wie extrem auch immer die Wahrheit aussieht. Restzweifel gibt es nicht.

So hat das Publikum nichts worüber es nach dem Sichten noch senieren kann. Nichts bleibt der Phantasie überlassen - abgesehen von der Schlusssituation, aber warum sollte man sich über deren Weiterentwicklung Gedanken machen, so surreal wie sie einem fast erscheint? Die Geschichte könnte nicht weiter erzählt werden, ohne zu einer schwarzhumorigen Satire zu verkommen, die man in ihrer Extreme nicht mehr ernst nehmen könnte. Von daher schließt der Film am richtigen Punkt, so lange „Gone Girl“ sich noch halbwegs in einer nachvollziehbaren Realität befindet.

Auf der Darstellerseite gibt es wahre Überraschungen zu erleben. Die mich optisch an Julia Stiles erinnernde Rosamund Pike, die mir, trotz einiger mir bekannter Filme in denen sie mitspielte, nie in Erinnerung blieb und somit nie sonderlich aufgefallen ist, spielt ihre facettenreiche Rolle in jeglicher Phase gut, vielleicht nicht immer glaubwürdig, manches mal leicht Comic-überzogen, aber auch das wusste mir zu gefallen. Zudem war es schön Neil Patrick Harris, der die einzig sympathische Hauptfigur in der überschätzten Serie „How I Met Your Mother“ spielte, einmal in einem Projekt zu entdecken, welches seine Möglichkeiten erweitert. Dementsprechen gekonnt nutzt er die Chance, so dass man hoffen darf ihn nun öfter in solchen Werken sichten zu dürfen. Und auch der manchmal aufgrund seiner Muskeln zu steif wirkende Ben Affleck überzeugt so kurz nach seiner überraschend gelungenen Darbietung in „Batman v Superman“ erneut (bzw. eigentlich anders herum, da die Filme in umgekehrter Reihenfolge entstanden sind).

Fincher hat es wieder einmal geschafft. Auch sein neuer Thriller ist wieder alles andere als Durchschnitt geworden. Und bei all den Möglichkeiten alternativer Wahrheiten, die man während des Sichtens der ersten Phase für sich als Zuschauer durchspielen kann, schafft er es, dass man selbst bei der richtigen Vermutung nie auch nur ahnen würde, wie extrem die Wahrheit tatsächlich aussieht. So oder so lässt sich die Entwicklung der Geschichte nicht vorraussehen, so sehr spielt Fincher mit den Erwartungen des Publikums. Gegen Ende wäre es mir lieber gewesen, er hätte die letzte Erwartung erfüllt, manch anderer wird den Schluss aufgrund der Bissigkeit aber sicherlich als das Pünktchen auf dem I betrachten. Mir persönlich wäre eine konventionelle erfolgreiche Flucht aus der Situation lieber gewesen.  OFDb

06.02.2016

HOUSE OF CARDS - STAFFEL 3 (2015)

Man sollte meinen mit dem Einzug ins Weiße Haus sei die Geschichte von Francis Underwood zu Ende erzählt, aber der Aufhänger der Geschehnisse nach einem halben Jahr Amtszeit weiß zu gefallen und fordert den skrupellosen Strategen Underwood wieder einmal auf um seine Ziele zu kämpfen. Trotz dieser Krise, der noch so einige weitere folgen sollen, kommt die Serie wesentlich unspektakulärer daher als bislang. Nur selten fällt eine Folge so spannungsgeladen aus wie in den Vorgängern. Mit dem Gucken der einzelnen Folgen kann man sich Zeit lassen, die Cliffhanger drängen einen nicht dazu möglichst bald die Neugierde zu stillen wie es weiter geht.

Das klingt zwar ziemlich negativ, aber qualitativ baut die Serie keinesweg ab. Die Politdebatten und Machtkämpfe stehen diesmal nur noch eine Spur mehr im Zeichen der Dramatik, und wie gut die dritte Staffel tatsächlich ausgefallen ist versteht man spätestens mit ihrem Abschluss, wenn alle Ziele erreicht sind die in vollkommener Ruhe und Gelassenheit vorbereitet wurden und wenn die Fäden ineinander laufen, um in einem großen Ganzen zu münden. Zwar guckt sich „House of Cards - Staffel 3“ eher wie eine Übergangsstaffel auf die längst geplante vierte, aber wie sie die Karten neu mischt ist äußerst interessant ausgefallen, so dass gerade in der letzten Folge einige Überraschungen auf den Zuschauer warten.

Wer laute, schnelle Storys sehen möchte war in „House of Cards“ noch nie gut aufgehoben. Die Serie setzt geradezu auf ihre trockene, verkopfte Art und weiß aufgrund ihrer effektiven Wirkung zu gefallen. Staffel 3 wird dementsprechend erst recht nur mögen wer auf stille Stoffe steht, wer es mag dass die Ereignisse sehr feinfühlig und intensiv erzählt werden, und wer es akzeptiert kurzfristig inhaltlich auch mal anderweitig abzubiegen, bevor es mit dem Hauptplot weiter geht, eben um diesen im Endeffekt emotional und sachlich besser verstehen zu können. Die Drehbücher sind diesbezüglich besonders qualitativ ausgefallen, zumal diese noch zurückgeschraubtere Art als bisher keinesfalls an Unterhaltungswert einbüßt.

Ganz im Gegenteil, die wenigen Eingeständnisse, die man in der Ausnahme unverständlicher Weise an das Publikum des reißerischen Geschmacks macht, sind es die das Kartenhaus für kurze Momente wanken lassen. Diese zeichnen sich meist dann ab, wenn Präsident Underwood als besonders mieses Arschloch gezeichnet wird. Wer die Geschichte aufmerksam verfolgt hat braucht hierfür keine Beweise mehr. Der Mann ist ein Manipulator, ein Mörder und ein Egomane.

Dass Underwood ans Grab seines Vaters pinkelt oder eine Jesus-Statue bespuckt braucht zur Bestätigung Underwoods Charakters wahrlich nur jene Art Zuschauer, für welche die Serie ohnehin nicht zum Lieblingsprogramm gehören wird. Glücklicher Weise gibt es derartige Entgleisungen nur selten und erschüttern nicht die eigentlichen kleinen wie großen Geschichten, von welcher die Staffel handelt. Da es derlei Fehler bereits in den Vorgängerstaffeln gab, wird man wohl auch in der kommenden vierten damit rechnen müssen. Wenn die Qualität dort so erhalten bleibt wie bisher, kann ich mit diesem Wermutstropfen jedoch bestens leben.  OFDb

25.09.2014

HOUSE OF CARDS - STAFFEL 2 (2014)

Auch die zweite Staffel der Erfolgsserie „House Of Cards“, einem Remake von drei Kurzserien aus den 90er Jahren, ist wieder flott und interessant erzählt, großartig gespielt und fühlt sich sehr realistisch an. Gerade letzter Punkt war schwieriger zu erfüllen als in Staffel 1, sind die Gegner doch nun genau so große Taktiker wie Underwood selbst, und ist der Versuch den Präsidenten zu stürzen doch nicht nur mit ein paar Vereinbarungen mit Interessenpartnern zu verwirklichen. Underwood steht mit einem Bein im Knast, und diesmal riskiert er wirklich alles.

Dass er auch zu allem im Stande ist, haben wir bereits Ende der der ersten Staffel erfahren müssen, trotzdem trifft einem Underwoods Tat der ersten Folge in der zweiten Staffel wie ein Schock. Eine völlig unerwartete Tat wirft ihren Schatten und sorgt für Probleme, die den Vize und seinen Handlanger noch lange beschäftigen werden. Es krieselt also an allen Ecken und Enden, und so fieß Underwood und seine Gattin auch gezeichnet sind, man hält zu ihnen, frei von Sympathie mit ihnen, einfach weil sie die Identifikationsfiguren sind, aus keinem anderen Grund.

Staffel 2 kommt nie zur Ruhe, auch wenn das Tempo im Mittelteil etwas gemütlicher voranschreitet als danach und zuvor. Langweilig kann es bei der Vielzahl an Personen und inhaltlichen Verästelungen auch gar nicht werden. Man sollte sich unbedingt jeden Namen merken, denn die Verantwortlichen von „House Of Cards“ nehmen keine Rücksicht, erwarten das komplette Durchblicken der bisher erzählten Chose, und das ist gar nicht so einfach bei all dem Wirbel der hier entfacht wird und all der vielen Charaktere, selbst wenn man die Staffel in nur wenigen Tagen am Stück schaut.

„House Of Cards“ blickt nicht zurück, nur immer wieder nach vorne, gnadenlos, und diese Herangehensweise spiegelt passend die Eiseskälte der Underwoods wieder, die einen immer kurzfristig vermuten lassen es würde sich doch eine menschliche Seele hinter ihrer Maske verbergen. Und jedesmal erwischt es den Zuschauer eiskalt erfahren zu müssen, dass da gar keine Maske ist. Macht um jeden Preis, das ist die Devise, das hat sich seit dem Serienanfang nicht geändert, und diesen Grundsatz nun auf höhere Ebene ausüben verlangt andere Taktiken und Verbündete, und wir dürfen immer mit dabei sein - mal dabei zuschauend wie der Präsident die ahnungslose Maus ist, die der Katze zum Fraß vorgeworfen werden soll, manchmal miterlebend wie Underwoods Pläne zurückgeschleudert werden, und seine Gier nach Macht ihm zum Verhängnis werden könnte.

Es bleibt also spannend im politischen Kartenhaus, und es tut gut zu sehen, wie fast das gleiche Niveau der Vorgänger-Staffel erreicht wurde. Die war etwas übersichtlicher und zog die Zügel mehr an, Staffel 2 lässt uns immer wieder mal Luft zum Atmen, um alle Bereiche auszuleuchten und die Schachfiguren in Position zu bringen, im Prinzip ist der Staffelvergleich jedoch nur Kleinkrämerei. Beide sind Unterhaltung auf hohem Kino-Niveau, nicht ganz die Klasse eines „Breaking Bad“ erreichend, aber doch nah dran.  OFDb

23.03.2014

HOUSE OF CARDS - STAFFEL 1 (2013)

Die auf einer 90er Jahre Mini-Serie basierende Serie „House Of Cards“ ist gerade zu Beginn keine leichte Kost, kommt die erste Folge doch sowohl etwas wackelig als auch etwas umständlich daher. Der Charakter des Underwood bekommt zu extreme Sprüche in den Mund gelegt, die ihn als Schurke kennzeichnen sollen, die Begebenheiten werden recht kopflastig abgearbeitet, und da nebenbei noch die Charaktere ein wenig zu kurz kommen, bzw. eher die Identifikation mit ihnen, startet die Serie derart schwierig durch, dass manch einer vielleicht danach schon ungeduldig das Handtuch wirft.

Das wäre allerdings schade, denn was der ersten Episode folgt ist eine rundum gelungene Serie, die sich, im Gegenteil zur Vorlage, dem dramatischen Bereich der Geschichte widmet. Zwar ist das Ergebnis nicht so gut ausgefallen wie bei „Dexter“ und „Breaking Bad“, aber auch „House Of Cards“ ist gehobene TV-Unterhaltung jenseits des Fernseh-Niveaus unseres Landes. Für eine professionelle Umsetzung sorgen die Produzenten Kevin Spacey und David Fincher, die nicht die einzigen prominenten Teilnehmer dieser Politserie sind. Auch Regisseur Joel Schumacher lässt es sich nicht nehmen mit Hand an zu legen, und Robin Wright, die Jenny aus „Forrest Gump“, spielt an der Seite von Spacey.

Sympathiefiguren gibt es nicht. Das ist auch gar nicht gewollt. Und wie Underwoods exakter Plan aussieht erfahren wir auch nicht. Wir bekommen ihn Häppchen-weise mit, mal kurz vorher aufgeklärt, mal erst hinterher begreifend. Und ein gutes Drehbuch sei Dank kommt die Rache schleichend, Schritt für Schritt. Beweisen die Verantwortlichen damit Mut zur Ruhe, überraschen sie auf der anderen Seite mit Charakterentwicklungen von Randfiguren, die in anderen Serien über mehrere Staffeln stattgefunden hätten. Damit verlieren die Figuren jedoch nicht ihre Glaubwürdigkeit, und das Tempo auf der einen Seite, unterstützt die ruhige Hand auf der anderen.

Politik und Intrigen, da rutscht man schnell ins Klischee ab. Davon kann sich „House Of Cards“ auch sicherlich nicht freisprechen, aber es ist auch ein in Klischees schwimmender Beruf um den es hier geht, und die Korruption amerikanischer Politik ist ja nun tatsächlich in eine extreme abgerutscht, die keine Satire mehr toppen könnte. Von daher wirkt „House Of Cards“ trotz der anvisierten Bösartigkeit doch immer recht authentisch, was zum souveränen Look, den die Serie in ihrem Stil ausstrahlt, wunderbar passt.

Während die erste Hälfte der ersten Staffel sich schon fast wie die Taten eines Superhelden schaut, der allem Kommenden einen Schritt voraus ist, lernen wir zur zweiten Hälfte der Serie die menschliche Seite Underwoods kennen, die selbstverständlich selbst nicht frei von Fehlschlägen ist. So kommt es immer wieder mal zu Änderungen ursprünglicher Pläne, und die können, wie sich gerade zum Ende hin zeigt, auch mal recht düster ausfallen, düsterer als man es dem Schurken zugetraut hätte.

„House Of Cards“ bleibt also bis zum Schluss überraschend, bietet eine interessante Geschichte, die in mehreren Erzählsträngen gehalten ist und wird unterstützt von Profis ihres Fachs. Ob das nun die Darsteller, die Regie, die Verantwortlichen der Optik sind oder der Komponist des Titelliedes, ein Song der in seiner unterkühlten Art sehr gut zur Psychologie der Serie passt: die Chemie weiß zu stimmen. Also: einmal die erste Folge überstehen, und einer guten gehobenen TV-Unterhaltung steht nichts im Weg.  OFDb

09.02.2013

SIEBEN (1995)

Detective Mill soll den Posten des in Rente gehenden Detective Somerset übernehmen. In der Übergangszeit arbeiten sie zusammen an einer kranken Ritual-Mordserie. Ein Psychopath ermordet seine Opfer nach und wegen der sieben Todsünden...
 
Feiner Sand...
 
„Sieben“ ist ein spannender Thriller mit einem guten, wenn auch etwas aufgesetzten Thema. Die Umsetzung ist sehr düster gehalten, das betrifft sowohl Bilder, wie auch Thematik, Umfeld, Psychologie und die Morde selbst. Diese werden trotz ihrer Extreme nie voyeuristisch eingesetzt, obwohl die provozierende Story auch gegenteiliges hätte zulassen können. Allein aus diesem Grund würden sich „Sieben“ und „Saw“ auch nie ernsthaft vergleichen lassen, wie es das Poster zu „Saw“ dennoch tat.

In „Sieben“ werden zwar unglaublich widerlich ermordete Tote gezeigt, aber die düsteren Bilder ersparen einem den letzten Schritt zum Kotz-Feeling. Das könnte beim zartbesaiteten Publikum allerdings anders sein. Interessant ist hierbei, dass die dunklen Bilder sowohl verstören als auch abschwächen sollen. Meist werden Leichenfundorte mit der Taschenlampe untersucht, da streift der Lichtstrahl nur hin und wieder über die furchtbar zugerichteten Toten. David Fincher war sich aber im klaren, dass das kurze Zeigen in Kombination mit der Phantasie des Zuschauers wesentlich extremere Ergebnisse erzeugt, als eine Voyeurnummer wie „Saw“ und Co.

Aber Fincher setzt noch auf andere Methoden. Ich fand es z.B. eine sehr gelungene Idee, die Großstadt so laut wirken zu lassen, wie sie wirklich ist. Am Anfang noch gewöhnungsbedürftig, sind die Stimmen leicht runtergeschraubt. Ständig sind die Hintergrundgeräusche der Stadt zu hören. Das kommt bei einem gewissen Teil der Zuschauer sicherlich nur unterbewusst an, so dass der psychologische Effekt beim Sichten verstärkt, da von ungewisser Herkunft, wirken kann.

Wer sich von der wirklich gelungenen dreckigen Atmosphäre des Kriminalfalles nicht komplett einlullen lässt, kann auch sehr interessante gesellschaftskritische Aspekte in „Sieben“ entdecken. Das beginnt nicht erst mit den Erklärungen des Täters auf der Fahrt zum finalen Handlungsort. Bereits die Figur, die Brad Pitt so gelungen spielen darf, ist erster Auslöser, und damit ja letztendlich auch der geniale Trick der bitterbösen Schlusspointe. Es drängt sich gerade zu die Frage auf, was das für eine Gesellschaft ist, in der ein so jähzorniger Mann wie Mill bei der Polizei arbeiten darf. Und mehr noch, wie konnte eine so fragwürdige Person überhaupt zum Detective befördert werden? Die Antwort gibt der Mörder selbst im besagten Autogespräch.

Man hat sich an das viele Schlechte im Alltag viel zu sehr gewöhnt. Lügende Politiker werden als normal angesehen, gewalttätige Polizisten sind keine Ausnahme mehr, fast jeder denkt nur noch an sich. Da dies ein Nerv ist, der jeden von uns trifft, ist es nicht verwunderlich, dass mit „Sieben“ und „Falling Down“ gleich zwei Filme gedreht wurden, in denen es um dieses Thema geht. Sie sind mit nur 2 Jahren Unterschied fast zeitgleich erschienen, zu einer Zeit, in der das Problem langsam auch in das Bewusstsein des Durchschnittsbürgers eingedrungen ist.

Wo „Falling Down“ provokativ damit spielt, den Zuschauer zum Sympathisanten der Rolle Michael Douglas' zu machen, erwicht man sich bei „Sieben“ nur für kurze Momente dabei dem religiösen Mörder recht zu geben. In beiden Filmen würde man zwar nie die Taten gut heißen, dennoch steht der Zuschauer orientierungslos mit der Frage im Kopf da, wie er sich sonst von diesen Ungerechtigkeiten in der Welt frei machen kann. Er kennt die Antwort nicht, und die radikalen Lösungen der Mörder kann er mit seinem Gewissen nicht vereinbaren. In gewisser Hinsicht mag das Heuchelei sein, denn beim Akzeptieren der Lügen und Gewalttaten im Alltag ist das Gewissen ohne große Mühen ausgeschaltet. Der Mensch ist ein Gewöhnungstier und reagiert in „Sieben“ nur deshalb so allergisch auf das was er sieht, weil es (glücklicher Weise) nicht Alltag ist.

Interessant ist, dass diese Thematik nur gestreift wird. Finchs Thriller ist zwar dafür da genau davon zu berichten, er ist aber so dicht und düster erzählt, dass er dies gut zu verstecken weiß, um über Umwege beim Zuschauer anzukommen. Der Nachteil einer solchen Erzählweise ist sicherlich der, dass diese Botschaft nicht bei jedem ankommt. Aber Kino ist nur selten bloßes hirnlos Filme gucken. Wer das Medium missversteht, dem kann man nicht helfen. Immerhin weiß „Sieben“ auch diesen Menschen dennoch zu gefallen, eben weil er so ein spannendes Stück Kino ist, das zudem noch hervorragend besetzt ist.  OFDb

02.12.2012

ZODIAC - DIE SPUR DES KILLERS (2007)

Er schickt der Presse und der Polizei Rätsel und Codes, verrät wen er als nächstes töten möchte und nennt sich Zodiac. Was auch immer unternommen wird, Zodiac ist nicht zu fassen, da er kein Muster wie andere Serienkiller hinterlässt. Zeitungscartoonist Graysmith versteift sich noch in die Suche nach dem Mörder, als der Rest der Welt sich neuen Kriminalfällen zuwendet...

Das Leben benötigt keinen roten Faden... 
 
Die Suche nach einem Serienmörder, das klingt verdammt nach Thriller. Und auch der Name David Fincher steht ja geradezu üblich für das Genre, so dass in den meisten Medien „Zodiac“ auch als solcher betitelt wird. Das ist jedoch nicht ganz richtig und könnte falsche Erwartungen schüren. Sicherlich sind Thrillermomente vorhanden, aber eigentlich sind diese auf die Laufzeit von etwa 150 Minuten rar verteilt. Das dürfte manch einen dazu veranlassen den Film als missglückt darzustellen, dabei ist er eigentlich ein Kriminaldrama.

Reporter suchen nach Zodiac, die Polizei sucht nach Zodiac, der Zuschauer darf Spuren mitverfolgen, zusehen wie Verdächtige verhört werden und Tatorte untersucht. Ständig scheint das Ergebnis weit weg, Widersprüche tun sich auf, ein Muster will nicht erkennbar sein. So verdächtig wer auch sein mag, immer spricht etwas gegen eine Überführung. Das frustriert die Ermittler, veranlasst sie zu verschiedensten Reaktionen, bis die Öffentlichkeit irgendwann resigniert und das Thema Zodac nach Jahren verblasst ist. Enttäuschte Polizisten, ein heruntergekommener Journalist, ein fanatischer Cartoonist, der seine Ehe auf der jahrelangen Suche nach Zodiac an zweiter Stelle setzt. Das sind dramatische Schicksale, und sie stammen alle aus dem wirklichen Leben, so wie Zodiac selbst.

Der Film erzählt von einer wahren Begebenheit, welche die Öffentlichkeit so stark interessierte, dass bereits 1971 während der aktiven Ermittlungen die erste Verfilmung gedreht wurde. Auch der Kultfilm „Dirty Harry“ lehnte sich an die Ereignisse der Zodiac-Morde an. Das Thema war so in aller Munde, dass es zu Fakes in den Ermittlungen kam: falsche Spuren, falsche Täterbekenntnisse, Nachahmungstäter. Die Suche nach Zodiac war für viele Menschen zu seiner Zeit ein derart einschneidendes Medienerlebnis, dass Jahre später das Buch über die erfolglose Suche zum Bestseller wurde. Und nun ist das Thema noch immer so interessant, dass Finchers Film ein kleiner Erfolg wurde, und das obwohl der Streifen nicht gerade den massenwirksamen Eindruck macht.

Die Spuren verlaufen sich im Sand, ständig gibt es Zeitsprünge, ewig wird man mit Informationen zugeknallt, selten gibt es Morde oder spannende Szenen zu sehen, die Zeitsprünge werden immer größer und am Ende gibt es noch immer keine Auflösung. Wie ginge das auch? So wie im Falle Jack The Rippers hat es nie eine Lösung gegeben. Fincher geht lediglich einer Vermutung nach. Das Ende von „Zodiac“ zu verraten hat in etwa den selben Stellenwert als irgendwem den Schluss von „Romeo und Julia“ auszuplaudern.

Warum ist der Film trotz all dieser massenpublikumsfeindlichen Punkte so beliebt? Ich weiß es nicht, mich hat er jedoch auch anstecken können. Wo der typische Spannungsgehalt eines Thrillers fehlt bzw. zu kurz kommt, da erscheint jene Spannung auf der Bildfläche, die durch die aktiven Ermittlungen entsteht. Ähnlich wie „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ es schafft durch Forschung Spannung zu erzeugen, oder Hitchcocks Klassiker „Bei Anruf Mord“ durch Verhördialoge, so wird man hier von den Ermittlungen gepackt.

Man formt sich im Kopf seine eigenen Vermutungen zusammen, versucht zu überlegen was Fake ist und was nicht. Man versucht ein Muster zu finden, verdächtigt jeden, was kurzfristig zu einer spannenden Szene in einem Keller führt, die vom Verdachtsmoment her eigentlich unwahrscheinlicher nicht sein könnte. Der Fall Zodiac bleibt ein Rätsel. Welche Beweise sind von Belang, wenn so viel gepfuscht wurde, welche Handschriftenanalyse ist authentisch wenn der Analyst ein Alkoholiker war? Ist Zodiac einer oder mehrere Täter? Ergab sich nie ein Muster wegen Nachahmern? Das sind alles Fragen die „Zodiac“ in ein offenes Ende treiben. Aber es war dennoch ein großes Erlebnis mittendrin eingetaucht zu sein.

Denn das muss man Fincher einfach lassen. Er lässt uns teilhaben. Ähnlich fanatisch wie der Cartoonist gräbt er alles an Fakten und Unfakten aus. Er rollt den Fall noch einmal auf, jedoch nicht um ihn zu lösen, sondern um den Zuschauer die Tragik der Hoffnungslosigkeit hinter den Untersuchungen deutlich zu machen. Fincher ist ein Kriminaldrama geglückt, dass einen den Frust der Ermittler authentisch vermittelt, eben weil wir selbst zu Ermittlern wurden, wenn auch passive vor dem Fernsehapparat. Er lässt uns das Ungewisse spüren und spielt mit uns, so wie es das Leben mit den Ermittlern tat.

Welche Verwirrung war von Zodiac gewollt, welche wurde unbeabsichtigt verursacht? Mal hat Zodiac eine helle, dann wieder eine dunkle Stimme. Das Körperformat änderte sich, die Methode war nie die gleiche, Jahre lang herrschte Ruhe, dann ging es wieder los. Selbst Opferzahlen stimmen nicht mit den Aussagen des Killers überein. Ein Schaumschläger (möglich durch die Mediengeilheit) oder das Prahlen eines falschen Zodiac? Erstaunlich dass es Fincher schaffte ohne wirklichen roten Faden und mit ewigen Zeitsprüngen den Zuschauer so nah im Geschehen drin zu lassen. Am Ende ist „Zodiac“ ein offenes Puzzle, dass man so oft gucken kann wie man will ohne zu einem Ergebnis zu kommen.

Die Mörderaufdeckung war jedoch nie das Ziel Finchers. Wenn die Figuren ihr jeweiliges tragisches Ende erreichen, dann erreicht Fincher jeweils sein Ziel, auf das er hinauswollte. Lediglich eine Figur darf einen kleinen Erfolg feiern, aber selbst der ist trügerisch. Vielleicht brauchte Fincher von Produzentenseite einen winzigen Happy End-Ersatz. Ich weiß es nicht, aber er stößt nicht sauer auf. Im Gegenteil, es ist ein packender Moment.

Eine alles überschauende Regie, viele gute Schauspieler, ein stimmiger Soundtrack und großartige Fotografien (die auf die typischen Fincher-Spielereien diesmal verzichten) machen „Zodiac – Auf der Spur des Killers“ zu einem großartigen Ergebnis. Diese Elemente machen aus der Geschichte ohne Faden und eigentlichem Spannungspotential und mit ihren vielen Zeitsprüngen einen Hingucker. Und dass das Hingucken auf Dauer nicht langweilig wird, verdanken wir dem starken Drehbuch, welches faktenreich bestückt ist und den Zuschauer nah an die Untersuchungen heranlässt.  OFDb

01.11.2012

ALIEN 3 (1992)

Ripley landet auf einem Gefangenenplaneten und bringt unbewusst ein Alien mit. Zu dumm, dass in diesem gigantischen Gefängnis keine Waffen erlaubt sind...

Hände hoch akzeptiert das Mistvieh nicht...
 
Ein letztes Mal dürfen wir die Aliens ohne Computeranimation sichten. Wieder steckt ein Schauspieler in einem Kostüm, immer schlechter ist dies zu erkennen. Respekt! Das Alien ist hervorragend umgesetzt, ebenso wenig darf man über die Darsteller, die Sets und die Spezialeffekte meckern. Die Teile der Alienreihe waren eine Kassenhit-Garantie, also wurden keine Kosten und Mühen gescheut.

Erneut gelang es den Produzenten etwas für Amerika geradezu untypisches zu leisten: Auch Teil 3 hat einen völlig eigenen Stil, wiederholt nicht bloß was die Vorgänger erzählten und hat somit seine ganz eigene Handschrift. Es ist die von David Fincher, und bis auf wenige Ausnahmen mag ich seine Werke. Leider ist die zweite Fortsetzung von „Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ einer der von mir weniger geschätzten Beiträge.

Dabei gibt es theoretisch nichts zu meckern. Wie oben erwähnt stimmt der technische Bereich, die Idee mit einem Alien ohne Waffen kämpfen zu müssen ist auch nicht von schlechten Eltern, und die Geschichte bietet auch die ein oder andere Überraschung. Ebenfalls begrüße ich es, dass Fincher sich mehr an Scott als an Cameron orientiert, und die Geschichte wieder sehr langsam erzählen will. Eine Geschichte, in der manch einer ein Synonym für AIDS meint entdeckt zu haben, was ich persönlich allerdings für überanalysiert halte. Eine Stellungnahme Finchers dazu kenne ich nicht.

Was „Alien 3“ fehlt ist die Kurzweile. Ridley Scott zeigte mit Teil 1 wie wunderbar diese selbst in einem arg lahm erzählten Film möglich ist. Finchers Teil 3 empfinde ich hingegen als zu langweilig. Nie wurde ich warm mit der Umgebung, in der alles spielt. Mehr noch, im Finale merkte ich, dass ich mit dem Ort an dem alles spielt so wenig vertraut war, dass ich nicht mehr mitfiebern konnte. Wo ist das Alien? Und wo ist Ripley? Wie weit sind sie voneinander entfernt? Und damit einhergehend: Wie hoch ist ihre Überlebenschance?

Was so kleinlich klingen mag, war der Grund, der mir den Film großteils kaputt gemacht hat. Fehlende Orientierung, hinzu gesellte sich ein mangelnder Spannungsbogen, da können auch die Fincher-typischen tollen Bilder, der wirklich gute Cast und all die anderen Elemente, die so professionell angegangen wurden, nichts dran rütteln. Sie verhelfen „Alien 3“ zu einem guten Look, nicht aber zu einem guten Unterhaltungswert.  OFDb