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11.04.2021

METEOR (1979)

Es zeugt schon von unglaublicher Naivität als Produzent damit zu rechnen, "Meteor" hätte in Zeiten von "Krieg der Sterne" und "Superman" auch nur im Ansatz eine Chance an den Kinokassen gehabt. Das Publikum war ganz andere Kaliber der Science Fiction gewöhnt, als dass sie einem kaum aufregenden Streifen allein aufgrund eingekaufter Prominenter in Scharen aufsuchen würden. Zwar hat man interessante Mimen mit Sean Connery, Martin Landau, Henry Fonda und Karl Malden mit an Bord, und die wissen auch einen gewissen Grad Sehwert zu entfachen aufgrund ihres Charismas, gerettet bekommen sie den Film jedoch nicht, dessen größtes Problem es ist, dass er keinerlei Möglichkeiten bereit hält, dem Ablauf der Ereignisse Alternativen zu bieten. So weiß man immer was als nächstes passiert, da die Geschichte bei jeder anderen Entscheidung beendet wäre. Das sorgt nicht gerade für einen wirksamen Spannungsbogen. Da die Amerikaner und die Sowjets schnell zueinander finden, ist auch der politische Spannungsbogen vergeigt worden, der in realitätsnaher Orientierung nervenzerreibend hätte ausfallen können. Stattdessen beobachten wir allerlei zu schlicht gestrickter Charaktere in blauäugigem Szenario wie sie als jeweiliger Profi ihres Fachs um die Zukunft bangen, in der Hoffnung dass jener Plan aufgeht, in den wir von Anfang an eingeweiht sind, und der bis zum Schluss des Streifens durchgeführt sein wird. 

Zwar versucht man mit gelegentlichen Actionsequenzen auf bewährte Katastrophenfilm-Art diesem Leerlauf entgegen zu lenken, doch nutzen reißerische Sehwerte nie etwas, wenn keine wirksame Grundlage vorhanden ist. Selbst einfache Gemüter, die mit viel Kawumm im Kino bei Laune gehalten werden können, müssen jedoch passen, denn die wahre Katastrophe des Films von Ronald Neame, der einst den Hit "Sein größter Bluff" inszenierte, sind ausgerechnet die Spezialeffekte. Das verstehe einer, nachdem George Lucas wenige Jahre zuvor neue Standards gesetzt hat. Was man hier zu sehen bekommt ist auf dem Niveau vorangegangener Jahrzehnte. Nicht nur dass jegliche Miniatur wie Spielzeug anmutet und auch viel zu geleckt aussieht, als dass es schon einige Zeit glaubwürdig im Weltall gewesen sein könnte, auch die Explosionen, Steinschläge, Lawinen und all das was "Meteor" sonst noch auffährt, schauen sich plump getrickst an. Schnitte sollen suggerieren, was die wenig glaubwürdigen und vor allem kostengünstigen Effekt-Methoden nicht erreichen, doch haut diese beschämende Ausflucht ebenfalls nicht hin. Wenn Menschen von Pappsteinen auf "Raumschiff Enterprise"-Art erschlagen werden, Massenszenen zu klein anmuten, Studioaufnahmen unübersehbar sind, Berührungen zwischen Mensch und Katastrophe keine Illusion erzeugen, dann bleibt nur ein naives Affentheater, nach dessen jeweiliger Beendigung man sich freut stattdessen wieder in den nüchternen Phasen des Streifens angelangt zu sein. 

Freilich strotzt auch hier vieles vor Naivität. Die Countdown-Schalttafel ist völlig hirnrissig ausgefallen, Connerys nur kurz aufkeimenden Baggermethoden passen zum geringen Zeitraum, welcher der Menschheit noch bleibt, sofern der Meteor nicht zu genüge zerstört werden kann, Wissenschaftler und ihre ebenfalls klugen Köpfe von Helfern benehmen sich nach dem Verlassen des Labors inmitten eines den Größenverhältnissen nicht gerecht werdenden Schlamm-Szenarios wie dümmliche Ahnungslose, denen Helden durch die Katastrophe helfen müssen (einzig der russische Intellektuelle darf bereits zuvor schon stets dämlich grinsen), und wie erwähnt weicht die Geschichte ebenso wie ihr Asteroidensplitter, von dem sie handelt, niemals vom festgelegten Kurs ab. Die Geräusche, die der Himmelskörper aufgrund seiner Rotationen im All macht, laden ähnlich zum Schmunzeln ein, wie knurrende Haie in manchem Tier-Horror. Und mit dem zu gering gesetzten Zeitfenster stellt man sich aufgrund jeglicher fehlenden Glaubwürdigkeit ohnehin bereits im Fundament der Geschichte ein Bein. Es braucht somit nicht verwundern, dass der Streifen an den Kinokassen keinen Erfolg einheimste und auch heute nicht als nachträglicher Geheim-Tipp gilt. Dank souveränem Schauspiels, der unausweichlichen unfreiwilligen Komik, einem dem angenehmen 70er Jahre-Kino geschulten trockenen Erzählstil und einer gelungenen Synchronisation, lässt sich der Film jedoch tatsächlich frei von Langeweile und Nerverei angenehmer bis zum Schluss gucken, als er es sich verdient hat. Nur als wirklich unterhaltsam ist das halt alles nicht zu benennen.  OFDb

08.02.2014

ACHTERBAHN (1977)

Trotz der wirklich bösartigen Idee Bomben ausgerechnet beim Angstförderer Achterbahn hochgehen zu lassen, wird dieser kleine Thriller aus den 70er Jahren niemals reißerisch. Dafür ist er viel zu ruhig und besonnen inszeniert und setzt zu sehr auf die Psychologie der Charaktere, der Interaktion zwischen ihnen und den Überblick der Gesamtsituation. Der Aufhänger könnte reißerisch wirken, ist dies vielleicht auch im Werbebereich gewesen, innerhalb des Filmes verkommt aber selbst er nicht zu solch billigem Element, ist er doch, ganz im Gegenteil, ebenfalls ein wirksam psychologischer Bestandteil des Ganzen, da er einen wunden, sensiblen Punkt beim Zuschauer trifft. Er macht mit etwas Angst vor dem wir ohnehin schon im harmloseren Zusammenhang Angst haben. "Achterbahn" erzählt von der Jagd auf einen Erpresser, setzt dafür eine Heldenfigur in den Mittelpunkt, die privat ermittelt und dabei den offiziellen Gesetzeshütern immer einen Schritt voraus ist. Dieses Fast-schon-Klischee zielt jedoch nicht auf den Streit verschiedener Ansichten und Befugnisdiskussionen, sondern macht die Polizei zu Hilfesuchenden bei der Hauptfigur. Reibereien sind Begleiterscheinungen, nicht Zentrum und auch nicht wirklich wichtig.

So verlockend rational und durchdacht das alles auf lobenswerte Art klingen mag, trotz dieser Vorzüge und der Professionalität der Schauspieler sowie der technischen Seiten hätte der kleine, trockene "Rollercoaster" (Originaltitel) durchaus etwas mehr Spannung vertragen können. Teilweise kommt er etwas arg unspektakulär daher, und gerade gegen Ende hätte die Geschichte ruhig aus seinem nüchternen Stil heraustreten können, um etwas aufregender zu werden. Ganz klar, "Achterbahn" zehrt seine Kraft aus der ruhigen Erzählweise und der guten Figurenzeichnung, aber da der Popkornbereich mit Filmen wie "Flucht ins 23. Jahrhundert" und "Die Körperfresser kommen" nicht mehr all zu fern, ja sogar in der Ausnahme schon präsent war, und in Zukunft das verkopfte 70er Jahre-Kino ablösen sollte, hätte ein Zugeständnis zu dieser Entwicklung im Finale ausnahmsweise einmal positiv wirken können. Aber bereits genannte Vorzüge in Kombination mit der wunderbaren 70er Jahre-Atmosphäre des Streifens tröstet über solche nicht ergriffenen Möglichkeiten hinweg, so dass James Goldstones Werk noch immer ein unterhaltsames Erlebnis ergibt.  OFDb

08.03.2013

DER POLYP - DIE BESTIE MIT DEN TODESARMEN (1977)

Menschen werden vermisst und im Wasser ausgesaugt wieder aufgefunden. Ein Reporter wendet sich an seinen Bekannten, den Meeresbiologen, und für den steht nach Untersuchungen fest: Ein Riesenkrake macht das Gewässer unsicher...
 
Tentacoli – Octopus in Tomatensoße mit geriebenem Käse...
 
Seit es das Medium Film gibt, beschäftigen sich Filmschaffende bereits mit dem Mysterium Riesenkrake. Während bei der Stummfilm-Version von „20.000 Meilen unter dem Meer“ das Biest noch einen Gastauftritt absolvierte, wurde spätestens 1955 mit „Das Grauen aus der Tiefe“ die Manege frei für die glibberige Mutation. Wen wundert es, waren es doch die 50er Jahre in denen erstmals alles zur Mörderbestie mutieren durfte was mit dem Menschen den Erdball teilte.

Der Alternativtitel „Angriff aus der Tiefe“ verweist bereits auf den Klassiker von 1955. Während dieser eine trashig nostalgische Puppe präsentierte, griff Regisseur Ovidio G. Assonitis (der Regisseur mit dem G-Punkt) auf ein Trickverfahren zurück, welches Bert I. Gordon in den 50er Jahren ausführlich und ohne großen Erfolg mehrfach anteste. Assonitis benutzt Aufnahmen echter Tiere. Dieser Spezialeffekt wollte selbst bei Großproduktionen wie die 50er Jahre Version von „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ nicht funktionieren, Assonitis Bilder bleiben jedoch recht glaubhaft. Woran mag das liegen?

Wahrscheinlich liegt es daran, dass ein Krake im optisch leicht verwischten Wasser tätig ist, einen recht unförmigen Körper hat und Assonitis ihn nie komplett ablichten lässt. Doch der Regisseur konnte es nicht lassen und verwendete zusätzlich anderweitige Trickaufnahmen. Es gibt einen gezeichneten Krakenschatten, ein Stück Plastik, welches den „Oberkopf“ der Kreatur darstellen soll und nach sehr hartem Material aussieht, und es gibt Kunst-Fangarme. Was Assonitis mit Realaufnahmen umging, erreicht er mit diesen Zusatz-Tricks, von denen nicht ein einziger, Trashfan-Herz schlag höher, überzeugen kann.

Doch wer einen guten, nicht trashigen Tierhorror erwartet hat, kennt ohnehin nicht die Filmographie des Regisseurs. „Madhouse - Party des Schreckens“ vermasselte kurz aufkommende Momente von Spannung und Atmosphäre mit einem unlogischen Drehbuch, das in Sachen Idiotie seinesgleichen sucht. „Piranha 2 - Fliegende Killer“ ist eine Trash-Gurke, bei welcher der gute Mann James Cameron zur Seite stand.

Während letztgenannter Streifen sich stark am üblichen Muster einer Tierhorror-Geschichte orientiert, war Assonitis erster Gehversuch in diesem Sub-Genre, „Der Polyp“, noch recht experimentell gestrickt. „Der weiße Hai“ schockte mit einem Kind als eines der ersten Opfer, Assonitis übertrumpft dies mit einem Baby. Eine Regatta die von den ersten Filmminuten an erwähnt wird, wird lediglich zur Vorbereitung des Finales genutzt und ist nicht wie eigentlich erwartet das Finalereignis selbst. Und wie der Riesenkrake zu besiegen ist, dürfte ebenfalls eine Innovation in diesem Subgenre gewesen sein.

Hätte der untalentierte Regisseur etwa mit besseren Spezialeffekten bei dieser Aufzählung an Überraschungen seinen ersten gelungenen Film vorlegen können? Die Antwort lautet nein, denn allein schon die Art den Kraken zu besiegen ist derart lächerlich, dass ein bis dahin guter Film einen Totalabsturz erlebt hätte.

Gut ist „Tentacoli“ (Originaltitel) aber schon zuvor nicht. Wir haben mal mittelmäßig und mal gar nicht talentierte Darsteller und ein wirres Drehbuch, das aufgenommene Ideen nie weiter auffängt: Funkgeräte locken den Kraken an, was später nicht mehr von Bedeutung ist. Die Figur des Reporters wird komplett verheizt und dient nachträglich nur dazu, die Hauptfigur des Meeresbiologen einzuführen. Der Grund warum ein Riesenkraken im Gewässer ist hat keinerlei Bedeutung für die Story und den extra dafür mit einem Gastauftritt eingebrachten Henry Fonda. Man sieht also, hier war ein Mann am Werk, der wirklich keinerlei Ahnung davon hat, wie man eine Geschichte erzählt.

Immerhin dem Trashfan macht’s Spaß, und das liegt nun nicht nur an der ungeschickten Erzählung Ovidio G. Assonitis und seiner üblen Spezialeffekte. Für zusätzlichen Trash der charmanten Art sorgt das klassische 70er Jahre-Feeling und ein Soundtrack, der eigentlich recht gelungen klingt, jedoch im falschen Film verwendet wird.

Ein Großteil des Soundtracks hat Krimi-Flair, ein Genre das sich in diesem Jahrzehnt großer Beliebtheit erfreute. Weitere musikalische Momente kann man sich positiv stimmungsbildend in einem Western vorstellen. Und jene Musik, die dann doch mal halbwegs zum Bereich des Horrorfilms passt, zumindest zu dem des Action-Horrors, weiß Charme mit Trash zu mixen, wenn ein an sich netter Musikversuch auf verkrampft hektische Art umgesetzt wird und dabei versucht wird Momente des Soundtracks von „Der weiße Hai“ zu streifen, so unauffällig, dass es manch einer sicher nicht bemerken wird.

Den lustigsten Moment hat die Musikuntermalung jedoch dann, wenn auf alte „Nacht der reitenden Leichen“-Art ein Schockmoment von Sound begleitet wird, der nicht einmal Omi aus ihrem Schaukelstuhl hätte hochschrecken lassen. In diesem Bereich kann Assoniti dem spanischen Kollegen Armando de Ossorio die Hand reichen: beide lieferten in solchen Momenten das gleiche spannungsuntaugliche aber unfreiwillig komisch charmante Ergebnis ab.

Der wahre Horrorfan bleibt auf der Strecke, und mit meinem bisherigen Filmwissen kann ich ihn auch nicht auf einen anderen Riesenkraken-Film aufmerksam machen, denn alle bisher von mir gesichteten waren entweder angenehmer Trash oder komplett langweilige Filme (hier sei vor so ziemlich jedem Riesenoctopus-Film gewarnt, der im Zeitalter der Computer-Tricks entstand). „Tentakel des Todes“, so ein weiterer Alternativtitel des hier besprochenen Streifens, ist immerhin ein netter Trashstreifen für Fans vergeigter Gehversuche im Bereich der laufenden Bilder. Doch auch hier zählt Assonitis Film nicht zu den Höhepunkten.  OFDb