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10.08.2022

DEXTER - NEW BLOOD (2021)

"Dexter - New Blood" zählt als eigene Mini-Serie, ist aber eigentlich die spät nachgereichte neunte Staffel der Erfolgsserie "Dexter" und das ist gut so. Immerhin endete die an sich geglückte Staffel 8 unglaublich mies erzählt und unbefriedigend pointiert, so dass eine Fortsetzung zur Wiedergutmachung dringend nötig war. Dank eines direkten Anschlusses etwa 10 Jahre später (wenn auch lediglich 8 Jahre später gedreht) ließen sich zwar die inhaltlichen Fehlentscheidungen, die seinerzeit getroffen wurden, nicht wieder gut machen, aber zumindest setzt die auf lediglich 10 Folgen reduzierte Geschichte alles vorangegangene beachtend frisch orientiert an. Die einzige Unglaubwürdigkeit liegt in einem Brief, den Dexter Hannah seinerzeit Jahre später geschrieben hat, aber ohne ihn ließe sich die Entscheidung, warum die Geschehnisse nach all den Jahren wieder wichtig werden, nicht glaubwürdig erzählen, also kann man über diese Nothilfe hinweg sehen. Dies um so mehr, als dass sich "Dexter - New Blood" tatsächlich gelungen schaut. Es sind eher kleine Nebenaspekte, die man kritisch betrachtet beanstanden kann, letztendlich macht man aber soweit alles richtig.

Geduld sollte man jedoch mitbringen, lässt sich die theoretisch neunte Staffel mit dem Vorbereiten auf die späteren Hauptereignisse doch ähnlich wie in Staffel 3 und 5 viel Zeit. Folge eins ist ohnehin damit beschäftigt erst einmal das neue Leben Dexters unter neuem Namen in neuer Umgebung aufzuzeigen. Zwar macht der Cliffhanger dort neugierig auf mehr, aber Folge 2 und 3 sind abgesehen von wichtigen, aber noch nicht als solche zu erkennenden, Randbereichen eher Hinhaltefolgen, welche das Gesamtergebnis ein wenig ausbremsen. Erwartet man nicht das große morbide und ereignisreiche Etwas geht der Ton, der dort herrscht, jedoch für detailverliebte Zuschauer in Ordnung, zumal sich alles Gezeigte gewohnt nach Dexter anfühlt und die neuen Figuren die hinter sich gelassenen aus der Ur-Serie wunderbar zu ersetzen wissen. Spätestens ab Folge 4 weiß das Geschehen aber selbst das bis dorthin eher enttäuschte Publikum zu packen, da von nun an viel vom Zuschauer abgefordert wird in einem Plot, der ähnlich wie Staffel 7 und 8 mehrere Geschichten parallel erzählt, es also von vielen Seiten aus ordentlich krieseln lässt.

Von da an schafft man es neugierig angefixt und nervlich aufgeregt kaum eine Pause zwischen den Sichtungen einzulegen, so gut ist das Ganze erzählt, wie immer toll besetzt mit einem interessant gezeichneten Gegner, inhaltlich voll von rätselhaften Zusammenhängen zusammengehalten und das Schicksal Dexters betreffend wieder auf den Pfaden von Staffel 2 und 7 anknüpfend. Das klingt aufgewärmt, ist aber frisch erzählt, nutzt die neue Situation in vielfacher Weise und weiß zu überraschen, wenn manche gegen Ende vermutete Wendung weit früher Fakt wird als erwartet. Schwarzhumorige, bittere und morbide Momente wechseln sich wie gehabt ab mit einem hohen Spannungsbogen, und erneut kommt auch die Dramatik des Stoffes nicht zu kurz. Mancher Hintergrund, der sich psychologisch zunächst eher wackelig durchdacht anfühlt, erhält spätestens mit den Auflösungen einen standhaften Hintergrund, so dass die Drehbücher, wenn auch wieder einmal öfters mit Ausreden arbeitend, als durchdacht angesehen werden können.

"Dexter - New Blood" ist keine unnötig angehangene Fortsetzung, die Mini-Serie liefert eine erzählenswerte Geschichte, einen wichtigen Wendepunkt in Dexters Leben und endlich ein Ende der Serie, das sich sehen lassen kann. Der Trinity aus Staffel 4 darf für einen kurzen Rückblick in neu gedrehten Momenten wieder auftauchen, Deborah darf als Harrison-Ersatz fiktiv mit Dexter kommunizieren (was zwar in der zu aggressiven Art oft etwas unangenehm anmutet, mit der Zeit aber erträglicher wird), und zumindest eine wichtige Nebenfigur aus der Originalserie darf als Gast auftauchen, was sich als Stammzuschauer der Reihe (und genau für den ist die Mini-Serie überhaupt gedacht) verdammt gut anfühlt. Ob der Aufhänger, den ich hier nicht auf direkten Wege verraten werde, so besetzt wurde wie seinerzeit weiß ich nicht. Ich habe zwar gehört, dass es sich um die selbe Person handeln soll, konnte aber weder in der OFDb, noch in der IMDb bestätigende Einträge finden. Wenn dem so ist, hat besagte Person schauspielerisch viel dazu gelernt. Denn wie schon früher, so ist auch Staffel 9 ausnahmslos hervorragend besetzt.  OFDb

13.02.2022

DEXTER - STAFFEL 8 (2013)

Erneut füllt man trickreich die Staffel mittels mehrerer Hauptelemente, vereint diese jedoch gekonnter als in Staffel 7 geschehen und liefert damit erneut eine sehenswerte Geschichte ab. Zwar hätte ich einigen dieser Erzählstränge eine eigene Staffel gewünscht, soviel mehr wie da jeweils herauszuholen gewesen wäre, aber zumindest wirkt das achte Jahr nicht überfüllt, gehetzt oder halbherzig umgesetzt. Die neuen Einblicke in die Vergangenheit Dexters machen Sinn, die Untertöne einer Erschaffung von etwas, das in dieser Extreme nicht hätte da sein müssen, werden deutlicher, und allein deswegen hätte ich mir bereits einen anderen Schluss der Reihe gewünscht, als jener der gewählt wurde. Dass aber binnen einer Folge und den letzten 5 Minuten der vorletzten Folge die Qualität von "Dexter" derart nachlassen kann, ist ärgerlich und lässt einen somit nicht versöhnt mit den Autoren und Produzenten aus der Serie aussteigen. Hier wird aus einer guten Staffel für den schnellen Schluss und für pseudo-überraschende Wendungen an Logik, Konsequenz und Charme gespart, dass es beleidigend ist dabei zuzuschauen. 

Wie die Serie dort mit Füßen getreten wird, ist kaum zu ertragen. Die Verantwortlichen derartiger Entscheidungen sollte man nicht mehr an derartige Projekte beteiligen. Die gute Nachricht: mit nur wenig nicht zu Ende geführten Handlungssträngen kann man die Serie 5 Minuten vor Schluss der vorletzten Folge von selbst beenden und hat damit ein wesentlich besseres Serienfinale erreicht, als das offizielle. Zu dumm dass ein derart selbstständiger Schritt nur dann Sinn macht, wenn man die Folgeserie "Dexter - New Blood" nicht sehen möchte, und auf welchen Freund der Originalreihe trifft das bitte zu? Hält man nicht all zu stark am berechtigten Ärgernis der Schlussphase fest, erlebt man mit Staffel 8 jedoch noch einmal ein großartiges Serienerlebnis mit allerhand emotionaler Momente, gekonntem Thrill, cleverer Reflexion und einer erzählenswerten Geschichte. Die neu dazu gestoßenen Figuren sind wieder einmal hervorragend besetzt, Jennifer Carpenter bekommt mit der Neuinterpretation ihrer Rolle mehr denn je die Chance zu beweisen wie gut sie schauspielern kann, kurzum ist Staffel 8 viel zu gut ausgefallen, als dass ich sie einzig auf die Lieblosigkeit ihrer Schlussphase reduzieren würde. Dass es dort aber derart plump und respektlos zur Sache geht, verstehe ich nicht, eben weil die Qualität bis zu diesem Radikalschnitt konstant hoch blieb.  OFDb

02.01.2022

DEXTER - STAFFEL 7 (2012)

Von nun an ist alles anders, der Cliffhanger aus Staffel 6 war längst fällig, wurde von vielen Fans bereits sehnsüchtig erwartet, und nun da er da ist, ahnt man noch nicht was er überhaupt bedeutet. Den mit ihm verbundenen Wandel nutzten die Verantwortlichen der Serie als Chance einiges wieder gerade zu biegen, was ab Staffel 3 ins Schlingern geriet und zu Widersprüchen führte. Der Dialog mit der verstörten, geschockten Andersdenkenden ermöglicht Fehler aus der Vergangenheit als jene von Dexters Perspektive zu behandeln, der den Dingen nun anders ins Auge blicken muss. Und nicht nur aufgrund dieser Rückbesinnung zu mehr Reflexion und dem entscheidenden Schritt sich wieder von zu typischen Serienkrankheiten zu distanzieren, kommt die Serie im siebten Jahr erstmals wieder an die erzählerische Stärke der ersten beiden Staffeln heran. Das Spannungspotential und der dramatische Aspekt sind wieder auf den Höhen von einst. Zwar kommt Staffel 7 dennoch nicht an die ersten zwei Jahre heran, aber das liegt neben manch zu blauäugig angegangenem Wandel einzelner Figuren an der fehlenden Komplexität perfekt ineinander laufender Zusammenhänge. 

Stattdessen bedient man sich des Kniffs verschiedener dominant beeinflussender Geschichten, die je nach Staffelphase verschieden gewichtet sind. Freilich gehört zu diesen Schwerpunkten die Fortführung des Cliffhangers aus Staffel 6, aber auch Laguertas Forschen darüber, dass der Bay Harbor-Metzger doch noch aktiv sein könnte, nachdem sie am Tatort des ermordeten Psycho-Christen ein Blutplättchen findet. Zudem gerät Dexter diesmal ins Visier der Mafia und bekommt mit derem frontalen Gesicht einen charismatischen, wie gnadenlosen Gegner serviert, der zu den ganz großen Gegenspielern intellektuell und charakterlich wird. Umso mehr wird der Zuschauer sich wundern, wie banal gerade dessen Part am Ende für das Gesamtergebnis anmutet, der Vertiefung von Dramatik weit mehr nutzend als jener der Spannungsschraube. Dadurch ist er aber ein entscheidender Faktor der Staffel dabei zu helfen die nötige Seele zu erhalten. 

Selbstverständlich ist er diesbezüglich dennoch nur ein Faktor von vielen, eben weil es diesmal nicht nur zentral um Dexters Weiterentwicklung und Innenleben geht, sondern mehr als sonst diesmal auch um Debra, die in einem der bewegendsten Momente der siebten Staffel feststellen muss, dass sie kränker ist als es Dexter je war. Stimmig erzählt, ohne den Überblick bei so vielen Geschichten auf einmal zu verlieren, wird Staffel 7 zu einem Leckerbissen einer ohnehin sympathischen Serie und schenkt uns kurz vor Schluss zudem noch unerwartet Doakes'-Rückblicke als nostalgischen Bonus inmitten neu gemischter Karten. Dass zudem eine neue Frau ins Leben Dexters stößt, wird nicht zur Nebensächlichkeit einer ohnehin schon vollgestopften Staffel, ebenso wenig zum Nachteil. Ganz im Gegenteil wird Hannah, so ihr Name, sogar entscheidend in Bezug auf Dexters geistige Entwicklung, was aber erst mithilfe einer Psychologin in der kommenden Staffel vollendet wird. Von dort wird wieder einmal alles völlig anders weitergehen als bisher geschehen, da es auch der Cliffhanger des siebten Jahres gewaltig in sich hat.  OFDb

14.11.2021

DEXTER - STAFFEL 6 (2011)

Der Doomsday-Killer ist sicherlich der schwächste Aufhänger der Reihe was das Weiterkommen in Dexters Entwicklung betrifft und das Potential spannungsgeladener und insbesondere gefühlvoller Verstrickungen. So intensive Momente, wie zuletzt erst wieder in Staffel 5 erlebt, darf man somit nicht erwarten. Dennoch guckt sich das fünfte Jahr recht angenehm, setzt es doch wieder vermehrt auf die Stammfiguren, die den Serienkiller stets ungeahnt begleiten. Man verzichtet auf solch peinliche Experimente wie in Staffel 4 und geht respektvoll mit den Charakteren um, und damit hat Staffel 6 gegenüber der vierten vom Unterhaltungswert her die Nase vorn, obwohl diese die interessantere Geschichte erzählte. Die nervige Babysitterin aus dem fünften Jahr ist Geschichte, das Gefühlskarussell zwischen Angel und Laguerta ist endlich beendet, die Serie kann sich wieder auf den Standard konzentrieren, und da es sich um eine starke Serie handelt, reicht der Standard definitiv aus. Letztendlich ist das sechste Jahr eine Übergangsstaffel, die bereits damit anfängt Fehler der Vergangenheit aufzuräumen. Dank des finalen, längst fälligen Cliffhangers wird Staffel 7 völlig anders als alles vorausgegangene ausfallen und wird das Korrigieren jener Fehler seit Staffel 3 konsequent beenden. Bis es soweit ist erleben wir in der hier besprochenen Staffel viele Situationen die zum Schmunzeln anregen, einen Kriminalfall, der uns alle an der Nase herum führen wird, und das Thema Religion wird förderlich für die Geschichte eingefangen und somit weder überfrachtet, noch all zu moralisch anbiedernd integriert. 

Den sehr interessanten Aspekt zwischen Debra und Dexter, der über eine eher lächerlich anmutende Psychologin in Gang gesetzt wird, hätte ähnliches Potential besitzen können, wie der Cliffhanger selbst, leider wird er in der Folgestaffel nicht weiter bedacht und mit einigen, wenigen Sätzen am Rande abgefrühstückt. Wenn einer der Gäste in Staffel 6 das Zeitliche segnet, gibt es tatsächlich noch einmal sehr bewegende Momente zu erleben, nicht nur aufgrund der Trauer, auch aufgrund des Zwiespalts, der über diese Person in Dexter entfacht wird. Der einzige tatsächliche Tiefpunkt in einer eher entspannt ausgefallenen Season, die sich mit nichts beweisen will, ist die Rückkehr Brians. Was eine gute Idee hätte sein können, wird durch seine Geschwätzigkeit zunichte gemacht. Auch manche Übertreibung im sprunghaften Wandel Dexters dort schadet der an sich interessanten Geschichte dieser einen Episode. Dass es auch andernorts weiterhin typische Serienmakel gibt, wie schon seit Staffel 3 zu bemerken ist, stört mittlerweile nur noch selten, z.B. dann wenn Dexter vor einer Gruppe Leute ungetarnt einen Peiniger massakriert, und er und die Autoren denken, dass die Dankbarkeit der Geretteten Grund genug dafür wäre, dass es okay ist den Codex derart penetrant mit Füßen zu treten. "Dexter" ist halt auch im sechsten Jahr psychologisch gesehen recht naiv ausgefallen. Wer es bis hier her geschafft hat, wird sich daran aber nicht sonderlich stören. Da gab es schon erschütterndere Momente in der Qualität dieser wundervollen Serie.  OFDb

15.08.2021

DEXTER - STAFFEL 4 (2009)

Zur Vorbereitung auf den demnächst startenden Neuanfang mittels einer neunten "Dexter"-Staffel, in welcher der Trinity wieder auftauchen wird, habe ich mir noch einmal die meiner Meinung nach schwächste aller Staffeln angeguckt, die vierte. Begegneten uns bereits im dritten Jahr klassische Serienkrankheiten, welche die ersten beiden Seasons der Serie noch vermieden, so werden solche in Staffel 4 nun noch häufiger mit in Kauf genommen, was die Qualität um ein weiteres senkt. Das ärgert am meisten in der mangelnden Tarnung Dexters, der als Kyle Butler vor etlichen Zeugen tätig wird, ohne zumindest in einer Verkleidung zu agieren. Das zeigt sich ebenso im völlig unangenehmen Randgebiet um Laguerta und Batista, die nun völlig unkompatibel und psychologisch sinnlos eingebracht zu einem Paar werden und mit diesem Subplot weder die Figurenentwicklung noch die Handlung auf irgendeine Weise vorwärts bringen. Es zeigt sich aber auch in allerhand weiterer Fehlentscheidungen, erstmals sogar in Widersprüchen, deutlich zu erkennen in der Wendung um den Haussegen bei Trinity. Hier wurde für eine zweite Sichtung in den harmonischen Momenten nichts versteckt angedeutet. Diese positiv vorangegangenen Szenen sind nicht doppeldeutig umgesetzt, um den Zuschauer falsch interpretieren zu lassen. Derartig psychologisch raffinierte Vorgehensweisen hat Staffel 4 aber ohnehin nur noch selten zu bieten, aber derartiges kommt zumindest noch vor.

Dass die Rolle der Ehefrau immer unnötiger, und dank des amerikanischen Rollenverständnisses zwischen Mann und Frau für europäische Augen auch immer unangenehmer wird, liegt leider in der Natur der Sache. Weiß man aber, dass die vierte Staffel u.a. dafür da ist, um derartige Unannehmlichkeiten zu entschlacken, damit die Serie sich in Zukunft mit weniger Ballast weiter entwickeln kann, geht man bei einer erneuten Sichtung besser mit diesen unangenehmen Phasen innerhalb einer Geschichte um, die insgesamt routiniert genug erzählt ist, um auf schlichterem Wege als bisher dennoch zu gefallen. Zwar erleben wir in Staffel 4 erstmals und letztmals Folgen, die völlig missglückt sind, aber zuvor und danach ist die Geschichte und das Schicksal der meisten Figuren interessant und spannend genug gehalten, um den Zuschauer neugierig dran bleiben zu lassen. Leider sind die beiden Tiefpunkte mit Folge 9 und 10 auch noch hintereinander zu besichtigen, so dass man die missglückte Phase auf Spielfilmlänge durchstehen muss, was hart ist, so extrem wie diese nervt und zum Fremdschämen einlädt. Neue Erkenntnisse werden dort mit dem Holzhammer voran getrieben und bieten nicht jenen bedeutenden Überraschungsmoment, den sich das Autoren-Team wohl gewünscht hat. Wenn Debra gegen Ende der Staffel das Geheimnis um Dexters familiären Ursprung erfährt, bekommt die Staffel ein letztes Mal einen deutlichen Schwachpunkt beschert, zeigt man hier doch erneut den Mangel an psychologischem Verständnis. Spielten Staffel 1 und 2 mit der konsequenten Überlegung, dass ein Aufdecken dieses Geheimnisses alle weiteren aufdecken würde, wird in Staffel 4 das Ausmaß von diesem nicht mehr erkannt oder schlichtweg ignoriert und lediglich für magere Dramatik genutzt.

Aber Staffel 4 bietet nicht nur Tiefpunkte und funktionierenden Durchschnitt. Auch die schlechteste aller 8 Jahre "Dexter", die laut Internet zu meiner Überraschung von vielen Zuschauern als eine der besten gefeiert wird, weiß auch Stärken zu besitzen. Das beginnt mit der großartigen, facettenreichen Darbietung John Lithgows als Trinity, setzt sich fort innerhalb der vielen tragischen Ideen rund um Lundy und zeigt sich auch in den wenigen, sinnvollen, psychologischen Konsequenzen der Weiterentwicklung der Serien-Gesamtgeschichte, allen voran in der finalen Wendung. Auch wird die Randfigur des Quinn nun interessanter gestaltet und erstmals mit tragischen Aspekten versehen, so rund wie ab Staffel 5 funktioniert die Figur jedoch noch nicht. Masuka hingegen wird eher verheizt, anstatt würdig genug weiter entwickelt, so schlimm wie Laguerta und Batista wird allerdings mit keiner weiteren Figur umgegangen. Zumindest findet sich aber selbst in dieser übelsten aller Entscheidungen ein Lichtblick, sind die Begegnungen mit Matthews doch wie eine Entschuldigung für das billige, unglaubwürdige Laientheater derer Liebesbekundungen, so dass er es wird, der den sinnvollen Blickwinkel auf die Sache mit passend kritischen Worten wirft, was vom Autoren-Team so leider jedoch gar nicht gewollt ist.

Man kann von Glück reden, dass Staffel 4 ohnehin noch so gut zu funktionieren weiß, um am Ende deutlich mehr zu unterhalten, anstatt sich geärgert zu haben. Aber mit der Stärke der ersten beiden Staffeln hat das vierte Jahr nichts mehr gemein. Aus einem großen Serienerlebnis ist eine schlicht zusammen geschusterte TV-Serie geworden. Aus psychologischer Raffinesse wird Hausfrauenpsychologie, was ganz gut zum Eindruck passt, dass das weibliche Publikum ohnehin nun mehr ins Visier der Serienverantwortlichen genommen wird. Das zeigt sich meiner Meinung nach im weit kritikloseren Blick auf Dexters mörderische Taten, die ihn eher wie eine Art heimlichen, anzuhimmelnden Superhelden darstellen, anstatt ihn als den gestörten Psychopathen zu outen, der er ist. Um diesen Effekt zu erzielen blendet man all zu gerne aus, wie Dexter mit seinen Opfern nach der Tötung umgeht, so als wäre nach dem Messerstich Schluss. Lediglich die über Bord geworfenen Tüten verweisen auf das was dem stets folgt. "Dexter" ist seichter geworden, die Erlebnisse sind längst nicht mehr so packender und verstörender Natur wie einst, was sich auch oft darin zeigt, dass das so genial komponierte Abschlusslied manches Mal lediglich nichts weiter als ein Abschlusslied ist, das einen völlig kalt lässt. In den guten Phasen verursachte es damals Gänsehaut und ließ dramatische Gefühlswelten im Zuschauer nachhallen und aufwühlen. Dieser mangelnde Effekt ist keiner Gewöhnung geschult, wie man nach vier Jahren vermuten könnte. Denn dass diesbezüglich keine Abnutzungserscheinung im Spiel ist, zeigen die Staffeln 5, 7 und 8 überdeutlich, die zumindest wieder auf das Niveau von Staffel 3 zurück fanden, Staffel 7 sogar fast auf jenes der ersten beiden Jahre. Es hilft dabei Staffel 4 etwas wohlwollender zu schauen, als sie es eigentlich verdient hätte, wenn man weiß, dass mit ihr kein Abwärtstrend startet, sondern wieder gute Phasen Einzug in die Serie halten werden.  OFDb

06.03.2013

DER EXORZISMUS VON EMILY ROSE (2005)

Eine Anwältrin vertritt vor Gericht einen Pfarrer, der an der jugendlichen Emily Rose einen Exorzismus vollzog, an dem sie starb...
 
Böser oder guter Pfarrer?...
 
Bei diesem Film besteht die Gefahr sich vom Titel irreführen zu lassen. Er könnte falsche Erwartungen wecken und somit enttäuschen. Dies liest man aus einigen Filmbesprechungen im Internet heraus, in denen es heißt, man habe sich zu sehr mit unnötigen Nebensächlichkeiten beschäftigt und den eigentlichen Hauptaspekt, den Exorzismus, etwas stark vernachlässigt. Das ist allerdings grund weg falsch. Nur weil der Exorzismus im Titel steht muss er noch lange nicht das zentrale Hauptaugenmerk des Drehbuchschreibers gewesen sein.

In "Der Exorzismus von Emily Rose" steht eben nicht die Teufelsaustreibung im Mittelpunkt, sondern der Prozess dessen vor Gericht. Und selbst das ist nicht die ganze Wahrheit: eigentlich steht im Mittelpunkt die Verteidigerin des Pfarrers, der diesen Exorzismus ausübte. Um zu erklären warum dies so wichtig zu wissen ist, muss man zunächst auf die Erzählweise verweisen.

Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit. Wie viel davon übrig geblieben ist, kann ich dank mangelnder Kenntnis über die damaligen Geschehnisse nicht beurteilen. Diese wahre Begebenheit wird so erzählt, dass sie keine Position einnimmt. Entweder man glaubt das eine, das Übernatürliche, oder man glaubt das andere, das Verbrechen. Nun gab es zwei Möglichkeiten von diesem Gerichtsverfahren zu erzählen. Man konnte die Geschehnisse ganz sachlich wiedergeben oder aber, wie in diesem Falle hier, in Form eines Horrorfilms. Nicht aber um die Übernatürlichen-Variante zu bestätigen, sondern lediglich als Stilmittel. Die Frage was nun wirklich geschah bleibt dennoch jedem selbst überlassen.

Man entschied sich auf dem ersten Blick für die reißerischere Methode. Dies würde sich aber auch nur bestätigen, wenn es wirklich um den Exorzismus ginge. In Wirklichkeit steht wie bereits erwähnt die Verteidigerin im Mittelpunkt, und diese Person dürfen wir nun begleiten bei einer Frage, die viele Menschen seit langem beschäftigt: Wie ist es möglich, dass halbwegs intelligente Menschen sich immer wieder von Sekten und Weltreligionen geistig und schließlich auch als Person einfangen lassen, obwohl sie es eigentlich hätten besser wissen müssen?

Das kann man auf den üblichen Drama-Weg erzählen (so gibt es ja auch Erfahrungsberichte ehemaliger Scientology-Anhänger u.ä.) oder eben wie hier in einem Drama mit starkem Anteil an Horrorelementen. Und da wir die Geschichte der Anwältin erzählt bekommen, die im Verlauf der Handlung immer überzeugter von der Geschichte des Pfarrers ist, musste die Erzählvariante des Übernatürlichen gewählt werden. Schließlich muss der Zuschauer begreifen was in ihr vorgeht.

Sie wird sensibilisiert für die Möglichkeit des Phantastischen. Manch einer mag das kennen, wenn man z.B. spät am Abend mit Freunden beginnt über das Übernatürliche zu reden. Manch einer glaubt Erfahrungen damit gemacht zu haben und erzählt davon, oder von dem was er über Dritte gehört hat. In einer solchen Runde ergibt sich irgendwann auch eine unheimliche Atmosphäre, ob man nun dran glaubt oder nicht. Aber ebenso wie im Medium Film geht es darum sich auch bei Nichtglauben mit der Frage zu befassen: Was wenn es wirklich so wäre? Und diese Frage bringt einen an einem solchen Abend dann dazu besonders sensibel auf jedes Geräusch zu reagieren und alles andere um einen herum anders wahrzunehmen.

Ich denke so lässt sich der Wandel der Anwältin am besten erklären. Durch den Pfarrer sensibel gemacht mit angeblich offeneren Augen durchs Leben zu gehen, und schon bildet sich die Frau alles mögliche ein, nimmt Geräusche wahr, die sie sonst nicht wahrgenommen hätte oder aber anders gedeutet hätte als jetzt, wo ihr der Spukunfug in den Kopf gesetzt wurde. Bereits hier beginnt Gehirnwäsche. Dort beginnt bereits das psychologische Spiel selbsternannter Gottesmänner- und frauen, die noch dringend Menschen für ihre Religion rekrutieren wollen oder glauben dies zu müssen.

Wenn man all dies begriffen hat, wird auch klar warum die Figur der Verteidigerin so charakterisiert wurde, wie sie es wurde. Sie lebt in keiner Partnerschaft, ist eine von den knallharten Menschen (aufgesetztes Selbstbewusstsein, Schutz vor dem eigentlich fehlenden Selbstbewusstsein), sie hat keine Ideale (verteidigt schuldige Menschen der Karriere wegen) und glaubt sehr intelligent zu sein. Gerade letzteres ist ein häufiger Weg in eine Sekte oder Weltreligion zu geraten.

Mit Sicherheit ist die Figur der Verteidigerin nicht unintelligent, Menschen wie sie überschätzen ihr Können aber häufig durch die Bildung die sie erlangten. Das geht aber nur bedingt Hand in Hand, schließlich lässt Bildung nur bedingt Platz für das selbstständige Denken. Auswendig lernen können viele, und die anderen Anforderungen in einem Studium haben viel mit Konzentration, ja sogar mit Intelligenz zu tun, nur selten aber mit selbstständigem Denken. Aber genau das braucht man um sich einer Gehirnwäsche verweigern zu können. Und wie der Film sehr vorbildlich zeigt bedarf es keiner stundenlanger Prozedur eine solche Gehirnwäsche zu bewerkstelligen. Man muss nur den richtigen Knopf drücken, den richtigen Nerv treffen und den Grundcharakter verwirren. Und dies macht der Pfarrer in "Der Exorzismus von Emily Rose" hervorragend.

Wie weit das Talent der Fremdbeeinflussung bei dem Pfarrer funktioniert, zeigt der Schluss. Das wirkt übertrieben, so dass die andere von zwei Schluss-Varianten die bessere, da glaubwürdigere, gewesen wäre. Was die am Ende Beeinflussten nämlich von der Rolle der Anwältin unterscheidet ist die Möglichkeit zum sachlichen Austausch, um sich geistig wieder fangen zu können. Die Anwältin des Pfarrers hatte nur den Pfarrer. Sie war schließlich eine durch Erfolg isoliert lebende Person. Auf der anderen Seite mag der Schluss gar nicht so verkehrt sein, ist es doch schließlich die Mehrheit der Menschen, die an etwas Göttliches glaubt.

Ist man sich über das was „Der Exorzismus von Emily Rose“ will bewusst und hat es akzeptiert, muss man auch nicht mehr über diesen Film schimpfen. Denn aus diesem Blickwinkel hat er, bis auf die Schluss-Beeinflussung, alles richtig gemacht. Die Charaktere werden interessant vertieft und dem Zuschauer nahe gebracht, die Figuren sind alle hervorragend besetzt (allen voran Emily Rose), die Tragik der Geschichte wird nicht vernachlässigt, und der eigentlich so geringe Horroranteil ist immens stark umgesetzt.

Hier wird selbst dem ein oder anderen erfahrenen Horrorfilmgucker eine Gänsehaut beschert. Es gibt Schockmomente und in all den Rückblickszenen ist eine unheilvolle Atmosphäre spürbar. Dass die übernatürliche Erzählweise auf der Gruselebene präsentiert wird, ist dabei nicht nur Mittel zum Zweck, um den traurigen Wandel der Anwältin zu beschreiben (interessant: sie wandelt sich von einem traurig leeren Charakter zu einem anderen traurig leeren Charakter), sondern auch um dem Zuschauer den Spiegel vorzuhalten. Denn wie eben erwähnt ist das Medium Film stets eine Was-wäre-wenn-Sache. Man setzt sich mit Themen, Meinungen und Situationen auseinander, die man so im Leben nicht erlebt, glaubt oder sich damit nicht befasst.

Und so zeigt uns der Film, wie wir, die Zweifler, dennoch dank der Gruselstimmung hin und wieder von der göttlichen Variante verführt werden. Er macht uns deutlich, dass auch wir diese Knöpfe besitzen, auf die man drücken müsste. Im Medium Film lässt man sich dies gefallen und gibt sich dem auch freiwillig hin, ist ja schließlich damit auch keine Leichtsinnigkeit verbunden. Aber zumindest macht dies deutlich, dass diese Knöpfe vorhanden sind. Und würde man sie jedem so aufopferungsvoll zum Draufdrücken vor die Nase setzen, wie dem Film, bräuchten die religiöse und die industrielle Welt keine Gehirnwäsche mehr.

Diese Tatsache lässt einen noch einmal über die eben von mir erwähnte Aussage grübeln. Ist der Film am Ende wirklich Auslegungssache, oder sind nicht viel eher diejenigen, die am Ende glauben wollen der Pfarrer habe recht, besonders anfällig für das in diesem Film besprochene Thema? Das wäre eine sehr harte Aussage, aber kann es möglich sein dass dem so ist?

Dies ist ein sehr reifer US-Film mit einem kleinen Ärgernis am Schluss. Aber vielleicht musste dieses aufgrund der wahren Begebenheiten von einst so sein, ich weiß es nicht. So oder so lässt den sonst so genialen Film ein wenig wackeln. Er ist aber trotzdem auf jeden Fall jedem Cineasten zu empfehlen und Cineasten mit Vorliebe für Horrorfilme, dank seiner düsteren, gruseligen Momente, erst recht. Lediglich der reine Genrefan wird enttäuscht zurückblicken, wurde dem Armen doch schließlich im Titel soooo viel Exorzismus versprochen!  OFDb

05.02.2013

QUARANTÄNE (2008)

Eine Reporterin begleitet mit ihrem Kameramann Feuerwehrmänner bei ihrem nächtlichen Alltag. Ein Notruf führt die Feuerbekämpfer in ein Haus, in dem man auf eine infizierte Frau stößt, die sich mit einer tollwutähnlichen Krankheit angesteckt hat. Da der Ursprung der Seuche in diesem Haus vermutet wird, werden alle die sich in ihm befinden eingesperrt. Unter Quarantäne, umgeben von immer mehr Infizierten, kämpfen die Leute um ihr Leben...

Und jetzt das ganze noch mal von vorn...
 
„Quarantäne“ hat in etwa das selbe Problem wie „Freeze – Alptraum Nachtwache“ und das Remake von „Psycho“. All diese Neuverfilmungen sind ihrem Original viel zu ähnlich. Das bedeutet zwar, dass Nichtkenner der Vorgänger solide unterhalten werden, welche Rechtfertigung ein solches Produkt jedoch hat bleibt rätselhaft.

Wenn fast alles gleich ist außer Cast und Crew, was soll das ganze dann? Zu „Quarantäne“, dem Remake von „[Rec]“, kann man immerhin so viel sagen: Die Spezialeffekte überzeugen, die Darsteller auch, und für einen Film aus Handkamera-Perspektive ist er ziemlich wackelfrei. Im Gegensatz zu „Diary Of The Dead“ wurde auf Hintergrundmusik verzichtet, weshalb auf authentische Art Spannung erzeugt wird.

Ich habe „[Rec]“ nicht detailgetreu in Erinnerung, aber einige Unterschiede sind mir aufgefallen. Was fehlt ist der satirische Unterton des Originals die Reporterin und ihr Talent betreffend. Außerdem wurde die Theorie mit der Inkubationszeit ausgelassen. Die Seuche wird als Tollwut-verwandt gedeutet und ich hatte den Eindruck, dass das Ami-Remake eine Spur blutiger, oder zumindest sinnlos gewalttätiger ausgefallen ist. Hier kann ich mich aber auch irren.

Beeindruckend war für mich, dass der Film im Finale selbst dann höchstgradig spannend ist, wenn man das Original bereits kennt. Unterscheidet sich das Finale vom Original? Nein, das macht das Angstempfinden um so erstaunlicher. Die erste Hälfte ist mit Kenntnis von „[Rec]“ etwas unangenehm zu gucken, da im sachlichen Bereich die Wiederholung nervt. Ab da wo es spannend wird, steht das Remake dem Original jedoch in nichts mehr nach. Was natürlich nicht schwierig ist, wenn man 1 zu 1 kopiert. Dennoch erreicht „Quarantäne“ mit seiner intensiven Wirkung genau das, was die Neuverfilmung von „Psycho“ nicht schaffte.

Einen kleinen zusätzlichen Sehwert bekommt dieser theoretisch unnützige Film mittlerweile dadurch, dass "Dexter"-Schwester Jennifer Carpenter mit an Bord ist, die einen guten Beitrag am Gelingen der berühmten US-Serie liefert, womit ein Blick auf ihre filmische Vergangenheit (zumindest für deutsche Zuschauer, "Quarantäne" kam in die US-Kinos als "Dexter" schon erfolgreiche zwei Staffeln lang lief) durchaus interessant ist.  OFDb