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09.12.2023

STAR WARS - EPISODE 9 - DER AUFSTIEG SKYWALKERS (2019)

Das ist er also, der bisherige, große Schluss der Kult-Reihe "Krieg der Sterne", welche die meisten Filmkonsumenten, ja sogar einige Cineasten, viel zu ernst nehmen, so dass entweder auf die Disneystudios geflucht wird, weil sie das Erbe Lucas' nicht ehrwürdig weiterführen würden, oder auf der anderen Seite Fans das Ergebnis hypen und zu einem großen Kinoereignis erklären. Die Wahrheit liegt wie so oft dazwischen. Wenn man erst einmal erwachsen geworden ist und die Blauäugigkeit des hoch naiven "Star Wars"-Universums als charmant, anstatt als Krönung der Kinokultur anerkennt, dann kann man auch Gefallen an "Der Aufstieg Skywalkers" finden, auch wenn er, ebenso wie seine beiden Vorgänger, nicht an die Originaltrilogie heranreicht. An die letzten drei Filme der Reihe, die George Lucas noch höchst persönlich inszenierte, aber sehr wohl, bietet "Star Wars" bei Disney angekommen doch endlich wieder ansatzweise das alte Feeling, welches Kitsch und Gefühl in angenehmer Dosis präsentiert, anstatt in der infantilen Überschwemmung eines "Die dunkle Bedrohung", oder im zu geschwätzigen Stil der beiden Nachfolger von diesem. 

Bedeutungsschwanger kommt auch der Abschluss der im Mittelteil schwächelnden, bislang letzten Trilogie daher. Aber wer sich dem Ergebnis nicht völlig verkopft nähert, das Kind im Manne in sich trägt und seit vielen Jahren in Berührung zur Ur-Trilogie steht, der kann manch zu hochgepeitschte Emotion dennoch mitempfinden, wenn Familienwahrheiten und Schicksale sich erfüllen und alle entscheidenden Gesichter, mit denen es einst los ging, noch einmal die Figuren entscheidend beeinflussen dürfen. Mich hat es bewegt, freilich auf ganz naiver Popkorn-Kino-Ebene, und mir hat es gefallen, dass J.J. Abrams dies trotz des zu oft kopierenden und zu innovationslosen Konzeptkinos, das volle Kasse bescheren soll, bei mir geschafft hat. Gekonnt täuscht er mit allerhand Action und Menschlichkeit darüber hinweg, dass wir lange Zeit eigentlich nur einer Schatzsuche beiwohnen, sowie einem Familienkonflikt, der wie eine mutierte Form von "Romeo und Julia" anmutet, wenn man den romantischen Aspekt der Vorlage einmal außer Acht lässt. Dass Tote nicht zwingend tot bleiben müssen, Böse zu Guten werden können, Freunde im entscheidenden Moment zur Hilfe eilen, und all die anderen hochgradig naiven Elemente, gab es in der mit "Krieg der Sterne" begonnenen Reihe schon immer, soll man "Star Wars: Episode IX - The Rise of Skywalker" (Originaltitel) also nicht zu streng ankreiden, zumindest wenn man es bis zu diesem Abschlussteil geschafft hat. Unangenehm im aktuellen Zeitkontext stößt lediglich die gelogene Wahrheit am Schluss auf, die mich an manch linksgrüne Idee heutiger Zeiten erinnert hat. 

Aber Zeitgeist in einem für das aktuelle Massenpublikum konzipierten Filmes, lässt sich wohl kaum verhindern, also was soll's. Da das Ergebnis nicht moralinsauer daher kommt, was bei all den Ereignissen, denen wir beiwohnen durften, auch arg heuchlerisch gewesen wäre, stört derartiges nicht so stark, wie in manch anderem Werk. Ich habe mich auf Trivialfilmebene über zwei Stunden gut unterhalten gefühlt, frei von Leerlauf, trotz dünner Alibi-Handlung und Nonstop-Action, und ein derartiges Stück visuelles Wucht-Kino ist manchmal einfach genau das richtige.  Wiki

23.04.2017

10 CLOVERFIELD LANE (2016)

„10 Lane Cloverfield“ bietet weder das Found Footage-Verfahren des Kino-Hits „Cloverfield“, noch dessen Monster. Hinter dieser Nicht-wirklich-Fortsetzung steckt die Idee des Produzenten J.J. Abrams eine Art lose Reihe leicht verwandter Szenarien miteinander zu verbinden, vielleicht vergleichbar mit John Carpenters in den 80er Jahren gescheiterter Idee mit „Halloween 3“ jährlich immer wieder andere Horrorgeschichten innerhalb der mit Michael Myers gestarteten „Halloween“-Reihe herauszubringen.

Das Werk, in welchem Spielfilm-Neuling Dan Trachtenberg die Regie übernahm, mag somit vom Titel her eine Art Schwindel sein um mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, dies wird jedoch nicht für einen Film unter Wert durchgezogen, denn „10 Lane Cloverfield“ kann sich wahrlich sehen lassen. Als jemandem den bereits das Plakat zum Film gefallen hat, hat es mich gefreut, dass die Idee der dort angewandten Schriftgrafik auch im Vor- und Abspann eingesetzt wird. Und die Ausgangssituation des Films klang mit einem John Goodman in der Hauptrolle ebenfalls reizvoll. Ich bin somit recht guter Dinge an „The Cellar“ (Alternativtitel) herangegangen und war während des Sichtens dementsprechend glücklich solch ein gelungenes Stück Kammerspiel vorzufinden, das wahrlich keine Wünsche offen lässt.

Vielleicht mag der Beginn etwas unnötig oberflächlich inszeniert sein, da wir da aber nur von wenigen Minuten sprechen, bevor Michelle im Bunker erwachen darf, ist der maue Anfang auch nicht der Rede wert, zumal er uns eine Charaktereigenschaft Michelles offenbart, die noch wichtig wird und auch für das Schlussbild des Streifens von Bedeutung ist. Trachtenberg bindet einen ohne Wenn und Aber an Michelle. Es ist sie, durch die wir das Treiben im Film erleben, es ist ihre Perspektive der Dinge, welche die Geschehnisse beeinflusst. Mögen wir auch manches Mal an ihrem Denken und ihrem Tun zweifeln, am Ende gibt es ohnehin kaum eine Szene, in welcher sie nicht zu sehen ist. Sie ist die Identifikationsfigur, mit ihr müssen wir durch die Grundsituation durch.

Welcher Dinge diese Situation ist, bekommen wir dementsprechend vor Michelle nicht heraus. Wir wissen immer nur so viel wie sie selbst weiß. Diverse Ereignisse scheinen Beweise für eine Lüge zu sein, andere Ereignisse scheinen die Geschichte um eine unbewohnbare Erdoberfläche zu bewahrheiten. Ebenso ergeht es die Frage um den Charakter Howards. Klare Beweise zeigen seine Hilfsbereitschaft und seine Ehrlichkeit, Indizien deuten jedoch eine zusätzliche Seite des undurchschaubaren Mannes an. Handelt es sich hierbei um eine Wahrheit die parallel neben einer anderen Wahrheit existiert, immerhin können positive Charaktereigenschaften neben negativen co-existieren, oder ist es ein durch den Wunsch nach Freiheit hervorgerufenes Hineinsteigern in Fehlschlüsse nur scheinbarer Fakten was Michelle an ihm zweifeln lässt?

Durch den langsamen und nüchternen Stil, mit dem Trachenberg seinen Film erzählt, erreicht der Regisseur einen Spannungsbogen, der fast rein über Dialoge aufrecht erhalten wird. Die Anwesenheit einer dritten Person verhindert das zu starre Schwarz/Weiß-Denken Michelles. Durch diese Person wird das Treiben im Bunker erst wirklich realistisch und verhindert, dass wir zu extrem in die „Howard ist ein Psychopath“-Richtung denken. Somit verhindert er auch, dass „Valencia“ (Alternativtitel) überhaupt zu sehr in die „vom Psychopathen gefangen gehalten“-Richtung gedrängt wird, mit welcher „10 Cloverfield Lane“ zu viel von seiner Individualität eingebüßt hätte.

Die Geschehnisse von „10 Cloverfield Lane“ lassen sich tatsächlich nicht vorher sagen. Der spannende Genre-Mix aus Thriller, Drama und möglichem Science Fiction bleibt immer auf einem interessant erzählten Hoch. Nie geben die Verantwortlichen der Geschichte dem Zuschauer die Gewissheit sich auf etwas verlassen zu können. Gleichzeitig ist der Plot um die Eingeschlossenen abwechslungsreich genug erzählt, um die Geschichte nicht auf der Stelle treten zu lassen. Und Howards ungewöhnliches, fast unberechenbar scheinendes, Verhalten sorgt für eine unterschwellige Unruhe, bei der man immer das Gefühl hat, dass da bald etwas aufkocht, immer auf die Explosion wartend.

Das schwer einzuordnende, sehr konservativ gehaltene Verhalten Howards, welches einen Gegenpol zum eher alltäglich lockeren Verhalten von Michelle und Emmett bildet, sorgt nicht nur für besagte Spannungskurve und ist nicht nur der Glaubwürdigkeit wegen von Nutzen, wenn es um die Frage geht wer für Fälle wie diesen einen solchen Bunker bauen und/oder missbrauchen würde, es wird von den Verantwortlichen des Streifens glücklicher Weise auch dafür genutzt philosophische Fragen am Rande aufzuwerfen, mit denen sich der Zuschauer entweder beschäftigen kann oder auch nicht.

Bin ich es dem Hausherr aus Dankbarkeit schuldig, mich seinen Lebensgewohnheiten anzupassen, wenn dieser mir das Leben gerettet hat und mir gewährt mit ihm auf engstem Raum zu leben, während die ganze Welt vor die Hunde gegangen ist? Kann ich meinem Freiheitsdrang nachgehen, der bedeutet mich gegen jene Person zu stellen, der ich mein Leben zu verdanken habe? Wo fängt das Recht auf das Individuum an, wo hört es auf? Wie viel ist es wert gerettet zu werden? Schließlich ist Leben Leben, und ohne Howard hätte Michelle ihres nicht mehr. Die ganzen Fragen fußen schließlich zudem lediglich nur auf Annahmen darüber, dass mit Howard etwas nicht stimmen würde. Sich mürrisch, wunderlich und bestimmend verhalten ist immerhin kein Beweis für Wahnsinn, lediglich für eine andere Sichtweise der Dinge. Und alles was gegen Howard spricht, sind Vermutungen, Indizien und Ahnungen.

„10 Cloverfield Lane“ lebt von dieser Ungewissheit, und dies sogar sehr gut. Zwar gibt es immer wieder Momente, in welchen man die ein oder andere Figur aufgrund nicht nachvollziehbarem Verhaltens am liebsten ohrfeigen möchte, schließlich glaubt man je nach Filmphase an verschiedene Möglichkeiten der Wahrheit, diese ärgerlichen Verhaltensweisen gehen jedoch nie auf Kosten der Glaubwürdigkeit der Figuren. Diese sind alle drei im einzelnen durchdacht und gehen tiefer als die meisten Figuren amerikanischer Blockbuster. Für einen solchen ist Trachtenbergs Werk aber auch erfreulich zurückhaltend umgesetzt und beweist, dass man auf diese Art trotzdem beste Unterhaltung jenseits von verkopften Kunst-Kino bieten kann.

Auch in seiner Schlussphase bleibt „10 Cloverfield Lane“ hoch interessant und packend inszeniert, und dankenswerter Weise schließt der Film nicht so geheimnisvoll wie er begann. Im Gegensatz zum Restfilm und zum indirekten Vorgänger „Cloverfield“ werden offene Fragen beantwortet, während gleichzeit manches nicht gelüftete Randgebiet der Wahrheit den Zuschauer noch einige Zeit nach dem Sichten beschäftigen kann. Es ist schön dass der Schluss des Filmes einem hierfür Spielraum schenkt. Das rundet ihn mit seinen philosophischen Fragen in der ersten Filmhälfte ab, so dass man wahrlich von einem gelungenen Erlebnis sprechen kann, welches einen geistreicher zu unterhalten weiß als die meisten anderen US-amerikanischen Filme, die bei uns im Kino gezeigt werden.  OFDb

03.01.2017

STAR TREK 2 - INTO DARKNESS (2013)

Nachdem J.J. Abrams der alten Mannschaft vom „Raumschiff Enterprise“ neu besetzt erfolgreich einen frischen Anstrich verlieh, wurde er auch für die Fortsetzung „Star Trek 2 - Into Darkness“ verpflichtet, der sich, ebenso wie der damalige zweite Kinofilm, mit der unter Fans legendären Geschichte von Khan beschäftigt. Ich, der sich trotz Freude der klassischen Enterprise-Stoffe nicht als Trekkie oder Fan bezeichnen würde, konnte weder mit der TV-Episode, noch mit ihrer Kinofortsetzung viel anfangen, empfand ich doch gerade den Film als schwächsten Beitrag der sechs Kinofilme, wohingegen die Fan-Gemeinde ihn zu einem der besten schlechthin erklärte. Dementsprechend lag ein erneuter Druck auf Abrams, aber auch diesmal gelang ihm die Modernisierung, so dass auch ich diesmal zur Khan-Thematik bestens unterhalten wurde.

Ebenso wie die neuen Gesichter der alten Mannschaft, so ist auch Khan hervorragend besetzt. Allerdings ging man bei ihm auch auf Nummer Sicher, gilt Benedict Cumberbatch seit der britischen Neuauflage des „Sherlock“-Themas doch als Star, und dass er einen Bösewicht mimen kann, hätte ich nie angezweifelt. So steht der eher charismatisch gelungenen Besetzung nun ein wahrer Schauspieler gegenüber, und der spielt gleich auch jeden an die Wand, egal wer mit ihm die Szenen teilen muss. Letztendlich ist es egal, Stoffe dieser Art leben ohnehin weit mehr von ihren Gegnern oder dem zu behebenden Problem als vom Heldentum der Stammmanschaft, dennoch wird einem beim Sichten des Filmes noch einmal bewusst wie sehr sich europäisch ausgebildete Schauspieler vom Star-Ruhm der amerikanischen Schauspielerei qualitativ unterscheiden.

Kirk, Spock und Pille wissen dennoch zu wirken, sind meiner Meinung nach wahrlich toll besetzt, Simon Pegg in der Rolle des Scotty spielt okay, drängt sich weder in den Vordergrund wie man es eigentlich von ihm gewohnt ist, noch spielt er mit vollem Elan. Einzig Chekov hat mich genervt, das kann aber auch an der Synchronstimme gelegen haben, habe ich mir die Fortsetzung vom 2009er „Star Trek“ doch in der deutschen Version angeschaut.

So oder so, „Star Trek - Into Darkness“ ist ein erstaunlich kurzweiliger Film geworden, dem man seine zwei Stunden Laufzeit nicht ansieht. 45 Minuten vor Schluss dachte ich, dass die Vorgeschichte nun beendet sei, dabei folgte dem nur noch ein längeres Finale, so flott guckte sich der Film für mich. Zwar muss man gerade im letzten Drittel einiges an Unsinnigkeiten erdulden, die Autoren dachten wohl wenn ordentlich die Post abgeht muss man nicht mehr auf Logik achten, aber zumindest verdanken wir einer ihrer Unsinnigkeiten auch eine faszinierende Idee, die dementsprechend im Fantasy- anstatt im Science Fiction-Bereich angesiedelt ist. Es handelt sich um jene Szene, in der sich zwei Raumschiffe bei Warp-Geschwindigkeit eine Verfolgungsjagd liefern. Zwar vermisst man bei dieser das naheliegend logisch leichte Entkommen aus einer solchen Situation, aber das Unterhaltungshoch gibt Abrams Recht, also was soll man da auf hohem Niveau meckern.

Von daher freue ich mich schon auf die bereits erschienene Fortsetzung „Star Trek 3 - Beyond“, hat der hier besprochene Film doch bewiesen, dass der Anspruch und die Qualität des ersten Teils keine Eintagsfliege war. Aufgrund der Verjüngung der Mannschaft hatte ich tatsächlich meine Zweifel, was auch erklärt warum ich mich so lange nicht an Teil 2 herangetraut habe. Erst Abrams ebenfalls gelungene Wiedererweckung des Konkurrenzproduktes mit „Star Wars 7 - Das Erwachen der Macht“ machte mir Mut einzuschalten, und nach der längeren Pause zu Teil 1 merkte ich auch erst, wie sehr ich vergessen hatte wie gut die neue Mannschaft besetzt ist, gerade mit Zachari Quinto als Spock, in dem man immer einen Hauch Jesse Eisenberg zu sehen glaubt. Also von meiner Seite aus gibt es für den höchst kurzweiligen „Star Trek 2 - Into Darkness“ ganz klar einen Daumen nach oben. Hier könnten sogar Fremde des Star Trek-Universums einen glücklichen Einstieg finden.  OFDb

25.12.2016

STAR WARS: EPISODE 7 - DAS ERWACHEN DER MACHT (2015)

Als J.J. Abrams der längst beendeten „Star Trek“-Reihe um Kirk und Co neues Leben einhauchte, erschuf er damit ein sehenswertes Werk, welches den Start einer neuen Reihe einleitete. Als Selbiger danach versuchte mit „Super 8“ das Familienkino Steven Spielbergs aus den 80er Jahren wiederzubeleben, da scheiterte der gute Mann trotz anfänglicher Sympathien. Das Werk war zu sehr in Spezialeffekten getränkt, als dass es Chancen hatte genügend Retro-Charme zu versprühen. Und nun versuchte sich Abrams an der Wiederbelebung der von Schöpfer George Lucas mit seiner zweiten Trilogie in die Belanglosigkeit gerittenen „Star Wars“-Reihe, die in ihren letzten drei Regiearbeiten Lucas‘ u.a. am selbigen Problem krankte wie „Super 8“.

Unter solchen Voraussetzungen durfte man trotz des tollen Ergebnisses des 2009er „Star Trek“ kritisch sein, ob Abrams es erneut schaffen würde eine totgerittene Science Fiction-Reihe wiederzubeleben. Wie die Einspielergebnisse und die fleißige Weiterproduktion der Reihe samt Nebenprodukten zeigt, ist ihm dies wirtschaftlich gelungen, solch ein großes Ergebnis wie die Wiederbelebung um Spock und Co ist ihm meiner Meinung nach allerdings nicht geglückt, was, wie das Ergebnis von „Star Wars: Episode 7 - Das Erwachen der Macht“ zeigt, auch gar nicht nötig ist.

Der Retro-Charme, den „Star Wars - Das Erwachen der Macht“ (Alternativtitel) ausstrahlt, ist das Einschalten bereits wert. Endlich wird die Geschichte der Ur-Reihe weiter erzählt, so dass man nebenbei erfährt was aus den drei Helden wurde und welchen Einfluss sie auf die aktuellen Geschehnisse haben. Die alten Mimen sind wieder mit an Bord, die neuen Charaktere sind sympathisch ausgefallen, und an allen Ecken und Enden gibt es Wiedersehwerte die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Einfallsreich sieht anders aus, dafür kopiert die Geschichte viel zu sehr ihr Vorbild und dafür fehlt es an innovativen Momenten, welche die Figuren aus ihren Stereotypen herausreißen, so wie es die Müllpresse-Szene im allerersten „Krieg der Sterne“ vorgemacht hat. Allerdings funktioniert die Kopie einer bereits bekannten Geschichte besser als ich vermutete, allein schon weil Abrams mit allerhand Ablenkung alles versucht die Geschichte nicht wie eine Blaupause aussehen zu lassen.

Etwas ärgerlich ist der Handlungsablauf an sich ausgefallen, lebt die Zusammenkunft der Helden doch von zu vielen Zufällen, als dass sie zu gefallen wüsste, was dann am meisten nervt, wenn eine ausweglose Situation mehr als einmal dadurch gelöst wird, dass sie mit der Einführung eines Charakters aus der Ur-Serie blauäugig gelöst wird. Und dass es das ganze Universum interessiert Luke Skywalker wiederzufinden, ist schon ein etwas schwacher Auslöser eines kompletten Filmes um Rebellion, Verrat, Sternenschlachten und zerstörte Planeten. Zumal man sich unweigerlich fragt ob Luke entdeckt werden möchte, wenn er doch freiwillig ins Exil gegangen ist.

Diese Frage muss zwar erst die Fortsetzung beantworten, aber da das Schicksal der „Star Wars“-Reihe nicht mehr bei George Lucas liegt, kann die Antwort auf diese Frage nicht ganz so plump ausfallen wie die Mittel-Trilogie. Was die Frage um den CGI-Overkill betrifft, den Abrams im hier besprochenen Film hätte wiederholen können: hier kann man Entwarnung geben. Trotz etlicher Computereffekte und unzähligen Schlachten sind die Actionszenen und Fights nie überfrachtet ausgefallen. Das geübte Auge kann zuschauen, die Effekte sind erste Sahne, und so manches Mal fühlt es sich so an, als ob man sich tatsächlich mitten in einer Sternenschlacht befindet.

Der einzige Minuspunkt in Sachen Optik besteht leider im Aussehen des neuen Anführers des Bösen. Zwar versuchte man nicht den Imperator zu immitieren, aber leider setzt man uns als Master des Bösen diesmal ein komplett am Computer entstandenes CGI-Wesen vor, welches Echtheit nicht vorgaukeln kann und somit wie ein Zeichentrickelement inmitten eines Realfilmes wirkt. Seine Wirkung ist weder mystisch noch unheimlich, letztendlich ist er das einzige Element in Episode 7, welches das Werk kurzfristig zu einem Kinderfilm degradiert. Da seine Auftritte noch höchst rar gesät sind, schaden diese Ausrutscher dem Film nur minimal. Schnell ist man mit einem neuen Retro-Aspekt wieder wohlgestimmt.

Mit solchen allein wird sich eine Episode 8 jedoch nicht gucken lassen, so dass man für den Weiterverlauf der Story nur hoffen kann, dass nicht weiterhin nur noch die bewährte Kuh per Ideendiebstahl aus eigenen Reihen gemolken wird. Das funktionierte einmal, eben weil es den Zuschauer, ähnlich wie bei „Rocky 6“ nach einem Wiedersehen dürstete. Die Mitteltrilogie riss große Wunden in das Fanherz mit seiner leblosen, kindischen Art. Da ist „Das Erwachen der Macht“ eine wundervolle Medizin, um den enttäuschten Fan wieder glücklich zu machen. Aber nun muss es mutig weitergehen, und da bin ich trotz des sympathischen Ergebnisses des hier besprochenen Filmes bei Episode 8 wieder ebenso kritisch, wie ich es vor der Sichtung von Episode 7 war. Aber ich lasse mich gerne erneut eines Besseren belehren.  OFDb

06.02.2016

THE OFFICE - STAFFEL 1 - 3 (2005)

Der Anfang der ersten Staffel entspricht ziemlich genau dem wovon das britische Original „The Office“ gehandelt hat, eine Serie die meiner Meinung nach das Beste ist was TV bisher je hervorgebracht hat. Der Witz des Originals ist intelligent, gewagt, kreativ, provozierend, herzlich, realitätsnah und vieles mehr, und ein Remake sollte ganz automatisch nicht mithalten können bei solch brillantem Ergebnis. Der deutsche Ableger „Stromberg“ bewies jedoch, dass man dem Ziel zumindest recht nahe kommen kann, ist er doch ebenfalls recht genial ausgefallen, wenn auch nur im Schatten des tragikomischen britischen Originals existierend.

Im Gegensatz zum deutschen Ableger „Stromberg“, der in unserem Land nach „Das Büro“ mit Ingolf Lück bereits der zweite Versuch war „The Office“ für den deutschen Markt umzusetzen, orientiert sich die amerikanische Version inhaltlich wesentlich näher am britischen Original als es das sehr freizügige Remake mit Christoph Maria Herbst in der Hauptrolle tat. Die Amis taten das was sie unter dem Remake-Prinzip seit je her verstehen, sie drehten die bereits erzählte Geschichte einfach noch einmal.

Doch der Pilotfilm des amerikanischen „The Office“ zeigt dass kulturelle Differenzen sich nicht einfach dadurch lösen lassen, dass man einige Inhalte dem amerikanischen Leben angleicht. Es reicht nicht aus amerikanische Promis, Serien und Gesellschaftsprobleme in das ansonsten fast identische Drehbuch des Originals zu stopfen. Leider versucht man genau dies im Piloten, und so darf man dabei zusehen wie überforderte Mimen den subtilen Humor von Gervais Serie nicht verstehen und Regieanweisungen versuchen dem Amerikaner etwas mit überzogenen Minen und Taten verstehen zu lassen, was er in der Regel nicht verstehen kann.

Glücklicher Weise schien man dies zu erkennen, und bereits in der zweiten Folge ist zu erkennen dass die Serie, die bei uns u.a. auch unter dem Alternativtitel „Das Büro“ lief, versucht sich vom Original zu lösen um eigenständigere Wege zu gehen. Als Vorlage für Episode 2 dient die Idee der Episode 3 des Originals, allerdings wird das Thema der Fortbildung, von welcher die Folgen handeln, abgeändert und sie dient dem amerikanischen Remake lediglich als Aufhänger. Erreichen wir Folge 3 befreit sich „The Office“ endgültig von „The Office“ und findet seinen eigenen Drive, der sich nach 6 Folgen der ersten Staffel zudem darin zeigen wird, dass die kommenden Staffeln aus je über 20 Episoden bestehen werden, so wie es für amerikanische Serien üblich ist.

Freilich konnte man sich aufgrund des Piloten nie ganz vom Original lösen, der Betrieb bleibt ein Papiervertrieb, der Chef hält sich für einen Entertainer, und eine unglückliche Liebschaft besteht zwischen einem Angestellten und der süßen Frau von der Rezeption. Als typische amerikanische Sitcom durchgezogen nutzt man diese Grundlagen jedoch für völlig eigene Ideen und Geschichten. Warum man allerdings dabei blieb die Serie im Dokuformat zu belassen, will sich mir nicht erschließen, weiß die amerikanische Serie doch inhaltlich nichts mit dem Stil anzufangen, so dass es immer unlogischer wird dass sich die Leute filmen lassen, je tiefer die Serie ins Geschehen eintaucht.

Schließlich befinden wir uns nun endgültig in einem typisch amerikanischen Produkt, bei welchem bis auf kleine rote Fäden am Ende immer alles wieder auf Null zurückgeschraubt werden muss, um immer wieder einen neuen albernen Aufguss des Aufhängers, dem Büroalltag, zu präsentieren. Der ursprüngliche Aufhänger der Aufgabe einer der bestehenden Filialen wird lange Zeit aus den Augen verloren und schließlich relativ einfach gelöst, um ihn endlich aus dem Weg zu haben. Die Komik fällt wesentlich alberner aus als im Original und ist Kilometer weit von deren Genialität entfernt. „The Office“ soll einfach eine geistlose Sitcom zum Abschalten nach dem gestressten Arbeitsalltag sein, und kann man dies akzeptieren und die US-Sitcom als etwas Eigenständiges sehen, dann weiß dies auf banaler Ebene auch zu funktionieren.

Sicherlich ist „The Office“ verglichen mit dem britischen Original eine Beleidigung und eher ein Produkt zum Fremdschämen. Als Serie für sich betrachtet, die gar nicht den hohen Anspruch des Originals an sich selber stellt, geht das Produkt jedoch in Ordnung, auch wenn es selbst dann nicht auf einer Höhe mit den wahrlich geglückten Sitcoms Amerikas steht, wozu meiner Meinung nach u.a. „The Big Bang Theory“ oder „Die wilden 70er“ gehören. Das Ergebnis befindet sich eher auf dem simplen und massentauglichen Niveau von „Hör mal wer da hämmert“, „Two and a Half Men“ und Co, alles Serien die weder einen Intelligenzpreis gewinnen würden, noch durch einfallsreiche Komik glänzen, die man allerdings für den trivialen Zeitvertreib für zwischendurch aufgrund ihrer Kurzweiligkeit ruhig anschauen kann.

Leider ist die deutsche Synchronisation ziemlich übel ausgefallen. Zwar gewöhnt man sich mit der Zeit an sie, selbst an die Stimme des grummeligen Dicken, die zum peinlichsten gehört was ich je in einer Synchro einer Erfolgsserie gehört habe (und das ist sie mit 9 Staffeln), gut sieht jedoch anders aus. Dass sich der schlichte Charme der Serie trotzdem durchsetzen kann, spricht für „The Office“ und ist hauptsächlich den Charakteren zu verdanken, auch wenn es im Vergleich zum Original auch hier derbe Abstriche zu verzeichnen gibt.

Die Rezeptionistin ist völlig austauschbar besetzt, der Angestelle der sich in sie verliebt hat ist kein charmanter Loser mehr sondern eine unsympathische Grinsebacke. Aber zumindest wissen die anderen zwei Hauptfiguren zu gefallen, sofern man das Original ausgeblendet bekommt. Ohne dieses im Kopf entpuppt sich Steve Carell als gute Entscheidung für die Rolle des untalentierten, infantilen Chefs, welcher immer wieder Aufmerksamkeit für sich benötigt. Und Rainn Wilson in der Rolle des Büro-Rambos ist eine Show für sich, wird sein Charakter doch zu einer übertriebenen Comicfigur wie sie Ernie für die „Stromberg“-Reihe wurde. Zudem wissen auch die meisten Nebenfiguren zu gefallen und zu wirken, auch wenn sie stets recht eindimensional für ein Klischee stehen müssen. Auch erst spät dazu stoßende Figuren wissen sich einzufügen und die Serie zu bereichern.

Dank der erweiterten Folgenzahl und der Belanglosigkeit des winzigen roten Fadens der sich durch die Staffeln schlängelt, sind Dinge möglich, die im Original nicht möglich waren. Sie waren dort auch nicht erforderlich. Aber das amerikanische „The Office“ hat in seiner schlichten Erscheinung jeglichen positiven Aspekt nötig, um nicht in die vollkommende Belanglosigkeit hinabzugleiten. Und so spielt das Drehbuch recht interessant noch lange mit den Folgen eines One Night-Stands zwischen Michael und seiner Chefin. Und auch die Liebschaft zwischen der Rezeptionistin und Jim weiß einige Überraschungen zu bieten. Dass der Soap-Gehalt der Sitcom halbwegs zu funktionieren weiß, erkennt man spätestens daran dass Jim einem trotz seines unsympathischen Charakters tatsächlich leid tut, wenn er aufgrund höherer Umstände stets zurückstecken muss.

Im Gesamten besteht die Serie in ihren ersten drei Staffeln aus ständigen Aufs und Abs mit mal weniger und mal geglückteren Folgen, Ideen, Witzen und Soap-Momenten. Mit dem Original sollte man die amerikanische „The Office“ ab Folge 3 nicht mehr vergleichen. Zuvor ist dies aufgrund der inhaltlichen Gleichschaltung kaum möglich, aber ab da wo die Serie ihre eigene Identität entdeckt und weiß was sie will geht sie als trivialer geistiger Abschalter durchaus in Ordnung. Damit ist das Ergebnis zwar um Lichtjahre schlichter ausgefallen als meine Lieblingsserie auf welche die hier besprochene Serie basiert, aber ich war erstaunt dass die Amerikaner auf ihrem wesentlich plumperen Niveau trotzdem etwas geschaffen haben, dass auf routinierter Ebene Laune macht weiter verfolgt zu werden.  OFDb