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16.06.2019

CREED 2 - ROCKY'S LEGACY (2018)

Nachdem "Rocky 6" und "Creed" solch überraschend gut funktionierende Fortsetzungen einer wunderschönen Filmreihe waren (auch wenn ab "Creed" unnötiger Weise immer wieder von einem Spin-Off anstatt von einer legitimen Fortsetzung gesprochen wird), sollte man meinen, dass einen "Creed 2" diesbezüglich nicht mehr positiv überraschen müsste. Aber der Ansatz Ivan Drago in die Welt Rockys und Creeds zurückkehren zu lassen, ließ mich dann doch kritisch werden, immerhin war "Rocky 4" die Lachnummer der Reihe, Drago lediglich der böse Russe in einem unreflektiertem Film der im kalten Krieg entstand, und das schien so gar nicht in die gut funktionierende, nostalgische Welt der Dramenfilme des gealterten Rocky zu passen, die tatsächliche Aussagekraft besaßen. Doch erneut ist es den Schöpfern und dem Mitautor Sylvester Stallone gelungen dieser Kinoserie einen weiteren gelungenen Teil zu bescheren, produziert von den beiden männlichen Hauptdarstellern, und mit Dolph Lundgren und Brigitte Nielsen auch mit Original-Stars aus dem 80er-Vorgänger besetzt.

Letztgenannte schaut nur zwei mal kurz vorbei, ist aber entscheidend für die Dramaturgie des Stoffes und dem dramaturgischem Ausgang der Geschichte für die Dragos, eine gemeinsame Szene mit Stallone gibt es jedoch nicht. Lundgren hingegen wird als Trainer seines Sohnes häufig eingebracht, hat aber seine größte Szene ziemlich zu Anfang, wenn es zur ersten Begegnung zwischen seiner Rolle und Rocky kommt, die meiner Meinung nach psychologisch glaubwürdig umgesetzt wurde. Das trifft aber auch auf den kompletten Film zu, der aus Drago nicht mehr macht, als er ist, ihn aber auf überraschend gewitzte und eher versteckte Art menschlicher erscheinen lässt, als er uns in Teil 4 verkauft wurde. Wirklich erkennen kann man das eigentlich erst in Lundgrens zweitbester Szene gegen Ende, zuvor lässt man uns im Unklaren darüber ob der Russe dazu gelernt hat oder nicht. Den Hintergrund der Dragos seit damals zu erfahren ist interessant, der Sohn gut besetzt und glaubwürdig charakterisiert, der innere Konflikt Creeds so konfus, wie nachvollziehbar, so dass die Kernfrage, die Rocky im Film zwei Mal stellt, zum entscheidenden Auslöser der zwei Phasen des Streifens wird.

Ansonsten lebt "Creed II" von den Trümpfen, die bereits der direkte Vorgänger besaß. Die Geschichte Creeds bleibt ebenso interessant wie die nostalgische des gealterten Rocky. An seiner Lebenssituation änderten die Verantwortlichen des Streifens nichts mehr. Wir sehen das, was wir bereits zuvor sahen, und das schaut sich deswegen keineswegs unnötig oder unkreativ, sondern beschert der fiktiven "Rocky"-Biographie erneut die bisherige Konsequenz und Glaubwürdigkeit. Zudem arbeitet "Creed 2 - Rocky's Legacy" an der Eigenständigkeit des Adonis Creed-Charakters, indem er ihm und Rocky ein jeweils eigenständiges Leben beschert, so dass eine erneute Fortsetzung ohne den bisherigen Trainer und das Zugpferd der ersten sechs Teile stattfinden könnte. Dass sich dies keiner tatsächlich trauen wird, ist klar, aber vielleicht ist die Rolle Stallones in einer kommenden Fortsetzung zumindest kleiner geraten. Zwar würde ich ihn mir erneut gern ebenso positioniert wie bisher auch in "Creed 3" zurückwünschen, aber das sind eigentlich Gefühle, die wenig Sinn ergeben und die Reihe in eine Sackgasse drängen könnten. Schließlich ist die Creed-Figur mitsamt der Familie interessant genug und reichhaltig charakterisiert, sowohl im beruflichen, wie auch im privaten Bereich sind Möglichkeiten zur Weiterentwicklung und Vertiefung möglich, so dass man das Klammern an die Figur Rocky nicht mehr nötig hätte und eine unabhängige Fortsetzung angehen könnte. Genau aus diesem Grund ist es gut, dass man im zweiten Teil noch ein letztes Mal die Chance nutzte, Drago zurückkehren zu lassen, um die Peinlichkeit des vierten Teils zumindest ein wenig reinwaschen zu können. Dass das lediglich für "Creed 2" gilt, ohne dass sich dadurch "Rocky 4" vernünftiger schaut, dürfte jedoch von Anfang an klar sein.  OFDb

30.05.2019

DIE CITY COBRA (1986)

Als er bei der Hauptbesetzung zu "Beverly Hills Cop" in die engere Wahl rückte, schrieb Sylvester Stallone das Drehbuch um und integrierte den Roman "Fair Game" mit hinein, der 1995 eine weitere Verfilmung unter dem Namen der Buchvorlage erhalten sollte. Als sich für Eddie Murphy für die Besetzung der Action-Komödie, die ihn berühmt machen sollte, entschieden wurde, bekam Kassenmagnet Stallone die Finanzierung sein umgeschriebenes Drehbuch zu einem eigenen Actionfilm zu machen. Heraus kam "Die City Cobra", den man als lupenreinen Prototyp jener Genre-Beiträge bezeichnen könnte, der vorurteilsbehafteten Stallone-Kritikern in die Karten spielt. Der Plot ist Nonsens pur, dem jedwede psychologisch analytische Hinterfragung seiner Geschichte und Aussagen fehlt. Jegliches Klischee eines harten Actioners der 80er wird zelebriert: unendliche Ballereien (freilich ohne Rückstoß), wilde Autojagden, Auseinandersetzungen mit wütenden Vorgesetzten, Selbstjustiz der unreflektiertesten Art und eine in kühle Bilder getauchte, völlig unnötige Liebesgeschichte mittendrin, fehlbesetzt mit Brigitte Nielsen und deshalb für diesen Film die ideale Wahl darstellend.

Die Beweggründe der brutalen Kriegerbande werden nie wirklich durchleuchtet, Cobras Motivation ebenso wenig, abgesehen von der aus "Dirty Harry" entliehenen und nicht verstandenen Kritik gegenüber der Justiz und den Rechten von Kriminellen. "Cobra" (Originaltitel) ist flotte Hirntod-Action von "Rambo 2"-Regisseur George P. Cosmatos inszeniert, selbstgerecht, fragwürdig, unreflektiert und dümmlich in seinem Inhalt, für Freunde von Kinounterhaltung dieser Art jedoch mit kurzweiligem Ergebnis versehen, all das beinhaltend, was einen krachenden Genrebeitrag, frei jedweder Weichspülung, ausmacht. Während Stallone sehr häufig in anderen Werken sein Können beweist, bestätigt er hier seine Kritiker im Ein-Mimik-Stil, meist dumpfe Einzeiler aufsagend innerhalb eines Filmes, der in seiner Dialogarmut ohnehin nur schwachsinnige Standardsätze vorzuweisen hat. An Brillanz und Innovation fehlt es so sehr wie an geistreichen Ideen und Doppelbödigkeit, aber genau das macht "Die City-Cobra" zu solch einem waschechten Kind seiner Zeit, zumal der Film nie vorgibt mehr als dies sein zu wollen. Von daher: Menschen, die Stallone einzig aus seinen dümmlichen Filmen kennen, werden sich bestätigt fühlen (gerade zu dieser Zeit erschienen mit "Rambo 2", "Rocky 4" und "Over the Top" gleich mehrere Hohlbrot-Filme mit Stallone in der Hauptrolle besetzt hintereinander), aber wen interessiert schon die Meinung von Tunnelblickdenkern, die nicht auch einmal unter Anspruch bespaßt werden können?

Immerhin wird die eigentlich dominierende Verblödung hier übertrumpft von einer lauten Inszenierung, die dreckig und hart zugleich ausgefallen ist, in ihrem Geradeausdenken und dem ebenso linear verlaufenden Plot keine Längen und Umwege aufweist, sondern knallhart am Stück das präsentiert, wonach es dem Freund rauer Actionfilme dürstet, für welche die 80er Jahre schließlich das treffendste Jahrzehnt waren. Mittendrin schaut David Rasche vorbei, der hier in erster Reihe einen Schnupperkurs für seine im selben Jahr gestartete Serie "Sledge Hammer" absolvieren konnte, auch wenn seine eigene hier verkörperte Rolle nichts mit dem Action-Genre gemein hat. Sein Auftritt ist für seine relativ frühe Nennung im Vorspann überraschend kurz ausgefallen, von Bedeutung ist sie aber ohnehin nicht. Dies betrifft überraschender Weise auch jene von Cobras Partner, der zwar immer wieder auftaucht, jedoch nie in entscheidenden Szenen zu sehen ist oder irgend eine anderweitige Wichtigkeit für den Inhalt darstellt. Die Szenen in denen er dann pseudo-wichtig integriert wird, bekommen damit einen unfreiwillig komischen Gehalt. Aber da diese in einem Film enthalten sind, den man ohnehin nicht ernst nehmen kann und von dem man bezweifeln darf ob seine Schöpfer dies überhaupt selbst taten, ist das kein zu schluckendes Makel, sondern nur ein funktionierendes Einzelteil in einem Mosaik an Idiotien und Klischees, welche "Die City Cobra" zu dem wundervollen Stück Film machen, welcher er geworden ist. Trotz all seiner Fehler ist er keine reine Lachnummer, sondern gerade wegen den Verzicht der in den 90er Jahre aufkommenden Ironie, zur Verarbeitung eindimensionaler Plots, ein Original seiner Zeit mit dem Mut das zu sein was er ist.  OFDb

28.05.2019

ROCKY 4 (1985)

Die "Rocky"-Reihe gehört mit zu den besten Filmserien, welche die große Leinwand je hervorgebracht hat. Immer irgendwo schwankend zwischen Kinotraum und Authentizität schien sie wie ein Abbild ihres Helden und Autors Sylvester Stallone. Jeder Teil ist ein Zeichen seiner Zeit, mal mehr von der Realität entrückt, mal weniger und stets mit dem Herz am rechten Fleck erzählt. Inmitten dieser Liebhaberstücke, die selbst bei schwächerem Ergebnis noch gut zu unterhalten wissen, stellt "Rocky 4 - Der Kampf des Jahrhunderts" (Alternativtitel) eine Ausnahmeposition da. Er ist der Teil, den man nie so richtig ernst nehmen kann, so comichaft böse, wie er die Russen ausschauen lässt, entstanden kurz vor Schluss des kalten Krieges und alle Vorurteile beinhaltend, die diesen am Leben ließen. Es ist als hätte Stallone gewollt, dass seine beiden größten, in Serie gegangenen, Rollen eins werden. Rocky wird Rambo. Auch der begann seine Kinokarriere im Bereich des dramatischen Films, bevor er zur Kriegsikone verkam. Nun soll Rocky den selben Weg beschreiten, sanftmütig old School der gute Kerl sein wie immer, für den guten Zweck kämpfend, aber doch diesmal eine ernstere Sache angehend. Politik im Ring, Krieg im Ring, mehr Action weniger Drama soll diesmal die Devise sein. Und dank seinem Mangel an Reflexion ist daraus ein gutes Stück Trash geworden, flott und unterhaltsam inszeniert, aber wie erwähnt: man kann das Ergebnis einfach nicht ernst nehmen.

Wo andernorts ein Soundtrack unterschwellig eingebracht wird, da gehört er in dieser dritten Fortsetzung zum offen dargebotenen Herzstück des Streifens, was Stallone keinesfalls versucht zu verheimlichen. Oftmals schaut sich das nicht einzig auf seine unfreiwillige Komik zu reduzierende Stück Fun-Film wie ein Musikvideo. Ein Lied untermalt z.B. komplett einen unkommentierten Rückblick auf alles was einst war, inklusive des eigenen ersten Filmdrittels, ein weiteres macht aus dem gnadenlosen Training in der Sowjetunion eine Musikshow der Demut des Amerikaners, während parallel dazu die technologische Chemiewelt Russlands den gottlosen Über-Sportler beim Training produziert. In seiner Schwarz/Weiß-Zeichnung kommt "Rocky IV" so respektlos und plump wie "Karate Kid 3" und "Phantom Kommando" daher, alles Filme, den hier besprochenen inbegriffen, die ich sehr mag, da sie ein hohes Maß an Unterhaltungswert mitbringen, in ihrer ignoranten Art jedoch Hohlbrot-Kino vom Feinsten sind. Amerikaner, die einen Russen ausbuhen, sind legitim, Russen, die einen Amerikaner ausbuhen, sind feindselig. Dieses Muster unreflektierter Schuldzuweisung kleidet den kompletten Film. Selten inszenierte sich Stallone plumper als das Spiegelbild des heldenhaften Amerikaners, zumindest in seiner Reihe um den Boxchampion. Gerne verzeiht man dem Film seine Ungerechtigkeit, so viel Spaß wie der Streifen einem bereitet, der ohne diese Zutat, die eigentlich Fremdschämen verursachen müsste, nicht das Stück Film wäre, für die man es in seiner Lächerlichkeit liebt.

Schlecht inszeniert ist er nicht, das ist das interessante an diesem Stück Ausnahme seiner eigenen Reihe. Gut besetzt wie immer weiß er Ausnahmemimen wie Brigitte Nielsen und Dolph Lundgren, die weniger gut schauspielern können, richtig einzusetzen. Tolle Aufnahmen im Schnee eines nicht zu kurz kommenden Trainings, ein flotter Soundtrack mit ebensolchem Inszenierungsstil, eine Vorgeschichte, die sich Zeit nimmt und letztmals Apollo Creed feiert, ein ausführlicher Hauptkampf der einen Mitfiebern lässt und eine herrlich naive Rede, die zum gemeinsamen Frieden aufruft, das alles bereichert einen Film, der in seinem Anliegen so ungelenk daher kommt wie der steife Ivan Drago im Ring. Und während der Film mittels eines klare Worte findenden Kommentars kein Geheimnis daraus macht, dass im Ring eigentlich ein stilloser Kampf der Köter stattfindet, anstatt das sportliche Ballett zweier Profiboxer, so macht Stallone mit der direkten Art, mit welcher "Rocky 4" erzählt ist, kein Geheimnis aus seinem schlichten Anliegen. Ob das Absicht ist oder nicht, immerhin offenbart der Film arg viele Vorurteile Stallones, sei einmal dahin gestellt. Aber der verkrampfte Versuch aus unreflektierter Ami-Sicht den kalten Krieg zu überwinden, ist geradezu putzig zu nennen und gleichzeitig eiskalt inszeniert und packend erzählt.

Wie oben erwähnt empfinde ich trotz all dieser locker-strengen Worte meinerseits "Rocky 4" nicht als reine Lachnummer. Immerhin hält er auch manch gute Idee bereit. Den Show-Kampf des ersten Drittels als humorvolle Nummer zu inszenieren, bevor er bitterböse und hoch dramatisch endet, ist eine psychologisch fiese Nummer von Autor und Regisseur Sylvester Stallone. Die bereits erwähnte Schneekulisse, welche die Sowjetunion darstellen soll, und die Gegenüberstellung beider Trainingsmethoden, eine durch Chemie gemogelt, die andere durch pure Willenskraft und Ausdauertraining gestählt, weiß zu gefallen. Nicht zu dieser Aufzählung gehört die selten dämliche Idee, einen Roboter ins Geschehen einzubauen, der eher zur Serie "Die Jetsons" passt, als zu einer Filmreihe Marke "Rocky", die zumindest versucht authentisch zu sein. Das metallene, künstlich-intelligente Geschenk für Pauly repräsentiert andererseits dieses Comicflair, welches "Rocky 4" umweht und zu solch einem großen Spaß macht. Seiner Zeit garantiert nicht gewollt, ist er im Laufe der Jahre immer mehr zum lebenden, geistlosen Comic-Happening Gut gegen Böse geworden, zu jenem Stück Unterhaltungskino, das nur Engstirnige über die vorhandene Ignoranz klagen lässt, ohne Spaß am rasanten und packenden Ergebnis zu haben. "Rocky 4" sollte man nicht so ernst nehmen, wie es Stallone einst tat. Nach dem kalten Krieg wurde der Film endgültig das, was er für viele Leute schon zur Entstehungszeit war: ein geistloses Kräftemessen zweier ignoranter Fronten, interessant besetzt und gut inszeniert dargeboten, und weit von einer ernstzunehmenden Politbotschaft oder vom ernstzunehmenden Boxsport entfernt. Als derber Spaßcomic weiß er in seiner Übertreibung jedoch bestens zu funktionieren - erstaunlicher Weise häufig auch in seiner Dramaturgie, dem eigentlichen Pluspunkt der restlichen "Rocky"-Reihe.  OFDb