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04.05.2017

METALUNA 4 ANTWORTET NICHT (1955)

„Metaluna 4 antwortet nicht“ muss seiner Zeit die Fantasie Kleiner wie Großer ungeheuer angeregt haben, bietet er doch Bilder und Szenarien, die es so zuvor so nicht auf der großen Leinwand zu sehen gab. Joseph M. Newmans Film, von dem es heißt Jack Arnold wäre für einige Nachdrehs engagiert worden, gilt nicht umsonst als das erste Science Fiction-Werk mit integriertem Sternenkrieg, auch wenn man auf diesen länger warten muss, als man es aus heutigen Werken gewohnt ist. Dennoch beginnt die Geschichte keineswegs langweilig, startet man nach einer kurzen Einführung der Figur um Dr. Meacham in einer ungewöhnlichen Situation doch mit einem neugierig machendem Gimmick, mit dem man später auch die Anfangsphase von „Contact“ bereicherte: Menschen bauen basierend auf der Anleitung Unbekannter aus fremdartigen Materialien  etwas zusammen, von dem sie nicht wissen was es wird wenn es fertig ist.

Das Drehbuch ist damit nicht nur darauf ausgelegt, dass stets die Neugierde beim Publikum geweckt bleibt, es bildet damit auch einen glaubwürdigen Plot und eine Verbindung zur Hauptfigur, dem Wissenschaftler. Denn welcher Forscher würde sich nicht auf das unbekannte Abenteuer einlassen, welches der ominöse Exeter ihm ohne weitere Informationen anbietet? Letztendlich besteht „War of the Planets“ (Alternativtitel) aus drei Phasen: dem Forschen im eigenen Labor, dem Forschen für Exeter inklusive Misstrauen und schließlich aus dem Flug nach Metaluna, in der Hoffnung die Arbeit dort fortsetzen zu können.

Der erste Part bekommt die meiste Laufzeit beschert. Das ist etwas schade. Nicht etwa, weil es der uninteressanteste Part der Geschichte wäre, ein solcher existiert überhaupt nicht. Aber leider wurden kommerzielle Kinoproduktionen früher immer auf die übliche Laufzeit getrimmt, und so kommen die Phasen in Exeters Laborparadies und jene auf Metaluna zu kurz, um sie thematisch befriedigend vertiefen zu können. Gerade die mittlere Phase hätte mehr Zeit benötigt, Zeit um alles erklärt zu bekommen und sich einzuleben, Zeit um Misstrauen zu wecken, Zeit um zu rebellieren. Auf den kurzen Zeitraum gesehen wirkt alles zu willkürlich, und das passt nicht zu den Figuren, von denen keiner undurchdacht handelt oder charakterlich nur gut oder böse gezeichnet ist.

Das muss man einem Film aus dieser frühen Schaffenszeit verzeihen, als Prototyp mussten nun einmal klassische Regeln eingehalten werden, und das betraf nun einmal auch die Laufzeit. Aber Grund zu klagen gibt es ohnehin nicht wirklich, wird doch mit dem Abflug von der Erde nach Metaluna nun wahrlich nicht mit Schauwerten gegeizt, während gleichzeitig der stets vorhandene Spannungsbogen erhalten bleibt. Ideen hatten die Autoren genug, egal ob man mit der Idee der Druckausgleichskammer sympathisiert oder mit den Ameisenmenschen, die trotz ihrer enorm großen Gehirne dümmliche Sklaven sind. Auch das Zusammentreffen sich nicht einig werdender Mentalitäten weiß zu gefallen, da beide Seiten die andere für arrogant halten.

Aber auch diese vielen wunderschönen Ideen und all die für seine Zeit großartig gestalteten Bilder von Planeten, Städten und interstellarem Krieg, können nicht darüber hinweg täuschen, dass sich der Flug nach Metaluna lediglich wie ein Schulausflug anfühlt. Kaum kommt man an, muss man auch wieder weg. So sehr das auch vom Spannungsbogen und der durchaus vorhandenen Dramaturgie aufgefangen und erklärt wird, es fühlt sich zu kurz an. Das liegt aber freilich an den Sehgewohnheiten von heute, die nach mehr, mehr, mehr schreien. Man sollte eigentlich nicht klagen, bei all dem was „Metaluna IV antortet nicht“ zu bieten hat. Aber ich bin in solchen Dingen nun einmal gierig veranlagt. Ich konnte mich nicht satt sehen, und ich hätte gerne viel mehr gesehen und erfahren.

Leider ermöglichte das Ende keine Fortsetzung im eigentlichem Sinne, könnte man eine solche doch höchstens auf den Feind der Metalunarer aufbauen, von dem wir so gar nichts wissen. Vielleicht ist es ganz gut so, dass es zu einer solchen nie gekommen ist. Zumindest zeigt die Schlusssituation wie gut es einer Geschichte tun kann, nicht immer mit einer möglichen Fortsetzung zu spekulieren, wie es in heutigen Produktionen leider üblich ist. Die Konsequenz des Endes der Geschichte unterstreicht schließlich noch einmal die Dramatik einer untergegangenen Welt, und da wir über diese kaum etwas wussten, zeigt es uns wie klein und vergänglich auch die Errungenschaften unserer Zivilisation sind. Vergleichen könnte man den Untergang des Metaluna-Wissens mit dem Szenario aus „Alarm im Weltall“. Ein wenig erinnert es mich auch an den untergegangenen Planeten Krypton aus „Superman“.  OFDb

17.01.2015

DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MR. C (1957)

Jack Arnold war ein Vieldreher, der bis Anfang der 80er Jahre als Regisseur tätig war. Denkt man an sein Gesamtwerk denkt man sicher eher nicht an Filme wie „Per Saldo Mord“, „Ein tollkühner Draufgänger“ oder „Sex Play“, man denkt an seinen großen Einfluss auf die Monsterfilme der 50er Jahre, z.B. an „Tarantula“ und „Der Schrecken vom Amazonas“. Ein Film dieser Dekade steht meiner Meinung nach aber qualitativ über den anderen seiner Streifen dieser Art (vielleicht weil ihm eine Novelle als Vorlage diente), und das ist „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“, in welchem Arnold die Idee von Riesenmonstern umdreht und nicht Tier oder Mensch zum Ungetüm groß wachsen lässt, sondern einen Mann klein, damit Tiere in ihrer herkömmlichen Größe zur gigantischen Bedrohung werden.

Auch wenn man sehr viel Wert auf die für ihre Zeit wirklich großartig umgesetzten Spezialeffekte legte, so bietet „The Incredible Shrinking Man“ (Originaltitel) zum Funktionieren der Geschichte auf der Leinwand doch etwas noch viel wichtigeres als diese. Er konzentriert sich auf die Dramatik des Stoffes, lässt uns über Off-Kommentare dem schrumpfenden Helden emotional besonders nah kommen und nimmt trotz kleiner humoristischer Elemente die Leiden, die phantastische Situation und den Helden ernst, so dass der Film nie den Bereich der unfreiwilligen Komik streift, ob nun aufgrund seines übernatürlichen Stoffes oder aufgrund der über die Jahrzehnte veränderten Sehgewohnheiten des Publikums. Empatische Figurennähe weiß zu jeder Zeit zu wirken.

Jack Arnold lässt sich Zeit für die Geschichte, lässt erst einmal das Schrumpfen weniger Zentimeter zum Problem werden, um dieses genau auszuleuchten bevor Scott Carey zur halben Größe schrumpft. In diesem Zustand angekommen pausiert der eigentliche Aufhänger zunächst, jedoch nicht um den Film unnötig in die Länge zu ziehen, sondern um das Seelenleben des Protagonisten genauer unter die Lupe zu nehmen, um seine Trauer und seine Wut besser kennen zu lernen, was ganz wichtig ist, weil man dann besonders nah dran ist, wenn Arnold eine tiefschwarze Zwischen-Pointe setzt, gerade zu jenem Zeitpunkt als Carey wieder neue Hoffnung in sich aufkommen fühlt.

Was dem nach einem gehörigen Zeitsprung folgt ist nun der Thriller-Teil der Geschichte, der nah am Horror angelehnt ist, dabei die Tragik der Geschichte aber nie aus den Augen verliert. Je nach Größe Careys wird zunächst eine simple Hauskatze zur Bedrohung, was großartig inszeniert ist, auch wenn der arg geschrumpfte Carey etwas durchsichtig durchs Bild läuft (der einzig nicht wirklich geglückte Spezialeffekt) und später gar eine im Keller lebende Spinne.

Mit dem Beginn der Keller-Episode sind wir aber nur noch hintergründig im Science Fiction- und Horrorbereich unterwegs. Von hier an schaut sich „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ nun wie ein Abenteuerfilm, der Held selbst zieht offen Vergleiche zu Robinson Crusoe. Hier macht sich die detailreiche Riesenwelt durch die der kleine Mann stolpert nun besonders bezahlt, erweist sich das Drehbuch doch als höchst einfallsreich was alles zur Gefahr werden kann und warum.

Zwar wird man sich je nach Sprachfassung nicht einig ob Carey nun hungrig ein Stück Kuchen oder ein Stück Käse ergattern will und deswegen dem Überlebenswillen geschult den Kampf gegen die Spinne angehen muss, aber das kann man schon nachvollziehen, wenn man das übergroße Stück Kuchen/Käse sieht, das tatsächlich nach beidem aussieht. Unfreiwillig komisch wird dies erst im Originalton mit deutschem Untertitel, da der Untertitel sich an der Deutschfassung orientiert und nicht an der englischsprachigen.

Ob Katze oder Spinne, Arnold verzichtet auf künstliche Monster und hat echte Aufnahmen der Tiere verwendet, was bereits in der Katzenszene trotz überschaubarer Tricks großartig wirkt, in den Spinnenszenen aber geradezu unheimlich wird und das sicher nicht nur für Leute wie mich, die unter Spinnenangst leiden. Wenn man bedenkt wie sehr es Bert I. Gordon immer wieder versucht hat Monsterfilme mit echten Tieren zu drehen, indem er diese hochprojezierte, was lediglich „Die Rache der schwarzen Spinne“ zu einem positiven Ergebnis verhalf im Gegensatz zu „Beginning of the End“ oder „In der Gewalt der Riesenameisen“, der aufzeigte, dass dies Gordon nicht einmal in den 70er Jahren gelang.

Ganz anders die liebevolle Arbeit von Arnolds Spezialeffekte-Team, welche nichts hochprojezieren, sondern den Helden vor einer Leinwand spielen lässt, auf welche wohlausgesuchte Tierszenen im Hintergrund laufen. Für seine Zeit war das sehr glaubwürdig umgesetzt und ließ im Gegensatz zu Gordons Versuchen zu, dass Monster und Mensch sich gegenüber stehen konnten, zusammen im Bild agierend und nicht nur getrennt voneinander.

Man kann tatsächlich von Glück reden, dass es Arnold so wichtig war den dramatischen Bereich in den Mittelpunkt zu stellen, denn wenn der Film geradezu philosophisch empatisch am Schicksal des Helden gebunden schließt, ist dies nach all den atemberaubenden Momenten und der hochinteressanten Geschichte tatsächlich noch der Höhepunkt des Streifens. Arnold trennt sich von uns auf eine liebevolle, herzerwärmende Art und Weise und lässt uns dabei nachdenklich zurück. Nicht mit überholtem reißerischen Pathos, wie es ein „Formicula“ tat, sondern mit zarten Worten, vielleicht etwas zu naiven um wirklich von weise zu sprechen, aber zumindest doch bewegenden Worten, so dass der Film einen genau auf diese Art allein lässt: emotional bewegt.  OFDb

14.02.2013

DER SCHRECKEN SCHLEICHT DURCH DIE NACHT (1958)

Dr. Blake untersucht einen prähistorischen Fisch. Als durch eine Wunde Fischsubstanz in den Körper des Forschers gerät, verwandelt sich dieser in einen Ur-Menschen...
 
Wer schlecht klaut, muss sich gut tarnen...
 
Jack Arnold ist für seine wissenschaftlichen Spinnereien in Monsterfilmen bekannt. Da gab es das Wesen, das zwischen Fisch und Mensch steht, Tiere wurden übergroß, ein Mensch schrumpfte, an Ideen mangelte es nicht, auch wenn diese oft von anderen Werken inspiriert waren (z.B. lieferte „Formicula“ die Idee zu „Tarantula“).

Bei „Der Schrecken schleicht durch die Nacht“ ist es genauso. Im Prinzip erzählt Arnold uns nur eine, zur damaligen Zeit moderne ,Variante des altbekannten „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“-Themas (die rückblickend wegen ihres wissenschaftlichen Nonsens alberner wirkt als die wesentlich ältere Original-Variante). Aus dem unterbewussten Unzivilisierten wurde lediglich der evolutionäre Rückschritt, bzw. das Urtier im Menschen, erklärt über die Gammastrahlenbehandlung eines Urfisches.

Alles geschieht im Namen der Wissenschaft – so lange man sich auch bloß keinen Hauch mit ihr auskennt. Das ist amüsant, typisch Arnold, großteils sogar unterhaltsam. Denn Arnold wäre nicht Arnold, wenn er es nicht ab und an richtig krachen lassen würde. Wo andere Schundfilmer es bei einem prähistorischen Mann gelassen hätten, lässt er gleich noch zusätzlich für kurze Momente einen Urhund und eine Riesenlibelle auf den Zuschauer los. Alles ist für seine Zeit nett getrickst, lediglich der Hund darf während seiner bösen Attacken fröhlich mit dem Schwanz wedeln. Sich daran aufzuhängen wäre allerdings Kleinkrämerei, und ist in einem kleinen Monsterfilm ohnehin nicht der Rede wert.

Obwohl niemand den Film wirklich ernst nehmen würde (und damals sicherlich bereits auch nicht), ist er bierernst erzählt. Humor funkelt nur am Rande durch, das Thema selber lässt nicht einmal Augenzwinkerei aufblitzen. Dass daraus nicht eine reine unfreiwillige Komödie wurde, mag an der gelungenen Umsetzung liegen. Die Geschichte wird nie langweilig, eben erwähnte Zusatzkreaturen lassen auch den ungeduldigen Zuschauerpart interessiert dran bleiben, obwohl die Hauptkreatur erst spät in Erscheinung tritt, und die Charaktere wirken trotz ihrer Banalität, dank sympathischer Besetzung.

Lediglich wenn die eigentliche Kreatur selbst zum Einsatz kommt, verzeichnet der Film einen Einbruch. Die Affenkreatur sieht nicht nur lächerlich aus, sie wirkt auch in keiner Sequenz bedrohlich. Eben weil die Geschichte so nah an "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" orientiert ist, und es davon so viele gelungene Verfilmungen gibt (schon damals), ist es sehr enttäuschend, dass Arnold es nicht schaffte, „Monster On The Campus“ (Originaltitel) so nett zu beenden, wie er ihn bis zum besagten Zeitpunkt erzählte.

Selbst das Finale ist ein dreister Klau des „Jekyll und Hyde“-Themas, nur die monströsen Randerscheinungen und die drollig dämliche wissenschaftliche Erklärung lenken von dem Themendiebstahl ab. Die Grundidee hätte man als verwandt einstufen können, die Umsetzung erinnert aber viel intensiver an den Wissenschaftler mit seinen zwei Seelen in der Brust, als es nötig gewesen wäre.

Bis geschätzte 20 Minuten vor Schluss ist „Der Schrecken schleicht durch die Nacht“ ein sympathischer Monsterfilm zum Kopfausschalten. Wenn der Affentrottel auftaucht, verpufft leider ein Großteil der zuvor eingefangenen Atmosphäre. Wo sich vorher zeitloser Monsterfilm und nostalgische Umsetzung paarten, bleibt am Schluss nur noch naiver Monsternonsens übrig, der nur noch zur Belustigung taugt. Somit werden sowohl Trashfans der unfreiwilligen Komik bedient, als auch welche freiwillig naiven Nonsens. Kurzweilig ist das Gesamtergebnis alle male. Es wäre aber mit dem vorhandenen Material wesentlich mehr möglich gewesen, auch unter der Regie Jack Arnolds. Das zeigen viele seiner anderen Genrebeiträge.  OFDb