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11.08.2017

DIE RÜCKKEHR DER REITENDEN LEICHEN (1973)

Der Titel „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ steht für eine Rückkehr der Schreckgestalten aus „Die Nacht der reitenden Leichen“, er steht für die Rückkehrer nach 500 Jahren, er steht aber nicht, wie der Titel bei anderer Auslegung suggerieren kann, für eine direkte Fortsetzung von Amando de Ossorios ein Jahr zuvor entstandenem Originalfilm. Aufgrund dessen apokalyptisch angedeutetem Ende hätte dies auch wenig Sinn gemacht. Viel mehr schuf de Ossorio mit der Fortsetzung, und ebenso mit den zwei weiteren die noch folgen sollten, ein alternatives Szenario mit abgeänderten Regeln und parallelen Ereignissen, die sich nur in der Vergangenheit der Templer auf das beziehen, was uns auch im Vorgänger über sie berichtet wurde.

Wie ein Mischwesen aus Vampir und Zombie wirken sie in Teil 2 nun nicht mehr, was gerade aufgrund der finalen Situation verwundern darf. Das Klischee klassischer Zombies erfüllen sie aber weiterhin recht wenig, reiten unsere Untoten doch nicht nur, so wie es auch der Titel bereits erwähnt, getötet wird zudem mittels der Schwerter und dies rein aufgrund von Rache und nicht, wie üblich bei einer Zombiethematik, zur Nahrungsaufnahme. So wie sie einst durch okkulte Rituale ihr zukünftiges Leben nach dem Tod vorbereiteten, so müssen sie diesmal auch, zumindest in der Langfassung, erst über eine Opfergabe wiedererweckt werden. Warum das nötig ist, wenn die Überlieferungen ohnehin ihre Rückkehr nach 500 Jahren prophezeien, sei einmal dahin gestellt, würde es doch bedeuten sich mit der Logik des Streifens auseinanderzusetzen, und da kann der Film nur verlieren.

Aufgrund seiner widersprüchlichen, wie simplen Story und aufgrund von Filmrollen, die alle tief in Stereotype feststecken, ist „Attack of the Blind Dead“ (Alternativtitel) ein willkommenes Fest für Trash-Fans, die in Werken wie diesen nur die unfreiwillige Komik erkennen wollen. Mir ging es damals genauso, und Teil 2 war diesbezüglich mein liebster Teil der Reihe, allein schon wegen dem taffen Helden im Zentrum, der auf Robert Wagner-Art gerne Kinnhaken verteilt und diesbezüglich auch nicht vor auferstandenen Templern Halt macht. Eine fragwürdige Alte, um die sich Bösewicht und Held streiten, sowie ein Kinder opfernder Bürgermeister als Rundum-Arschloch runden das Gesamtbild billigster Schwarz/Weiß-Zeichnungen inmitten einer oftmals unsinnigen Handlung ab.

Aber man kann „Die Auferstehung der reitenden Leichen“ (Alternativtitel) auch als sympathischen Retro-Film genießen, der anerkennungswerter Weise gar nicht erst versucht den erfolgreichen Vorgänger zu kopieren. Dank einer flotteren Umsetzung erstehen die Filmmonster bereits nach 20 Minuten auf. In der 50. Minute findet bereits das Massaker innerhalb des Dorfes statt. Es gibt mehr Templerszenen, blutigere Szenarien, einen flotteren Ablauf und veränderte Erkenntnisse und Handlungsweisen der Templer. Für diese völlig andere Herangehensweise an den Stoff wurde zwar die dichte Atmosphäre der langsamen Erzählung des Vorgängers geopfert, den Templern bei ihrem tatkräftigen Rachefeldzug zuzusehen entschädigt dafür aber recht gut, vorausgesetzt man erwartet keine solch guten Spezialeffekte und solch brutale Bilder wie sie im Horrorfilm heutzutage üblich sind. Gerade das Dorfmassakrer ist überraschend zahm ausgefallen, was aufgrund diverser Detailaufnahmen von Säbelstichen in anderen Szenen um so mehr verwundern darf.

Aber den zweiten Teil der reitenden Leichen-Reihe schaut man nicht aufgrund glaubwürdiger Goreszenen oder gar aufgrund einer gruseligen Stimmung. Es ist der morbide Look von Templerkleidung, Ruinen und Friedhof der zu gefallen weiß. Es ist die Geisterbahnatmosphäre, welche die ungruseligen, aber unglaublich charmant aussehenden Totenkopf-Templer auszustrahlen wissen. Und es ist freilich auch der wundervolle Soundtrack, der „Mark of the Devil 5“ (Alternativtitel) oftmals stimmiger wirken lässt, als er eigentlich ausgefallen ist. Es sind einzelne Szenen, die de Ossorio im Gegensatz zum Komplettfilm ausgezeichnet gelungen sind. In solchen kommt kurzfristig stets echte Horrorstimmung auf. Und ein (in Horrorfilmen oft nicht gern gesehenes) Kind gleich zwei Mal spannungsfördernd einzusetzen, ohne dass das Gör gleich nervt, ist schon eine Leistung für sich.

Wer sich über „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ lustig machen will, hat es nicht schwer den nötigen Stoff dafür zu finden, den bietet das brüchige Drehbuch alle Nase lang. Aber wer sich auf das Feeling einlassen kann, welches dem Erschaffer der Reihe vorschwebte, der wird mit dieser anderen Betrachtung nicht nur auf naive Art unterhalten, der darf zudem in eine alternative Filmwelt eintauchen, welche den Blickwinkel dessen was das Mainstream-Publikum für gut oder schlecht hält weit hinter sich zurück lässt, und dies nicht nur aufgrund verständnisvollem Augenzudrückens, sondern hauptsächlich aufgrund der Stimmung, die dieser Film dann zu versprühen vermag. Allein die Schlussszene, über die nur all zu gerne hämisch gelästert wird, erscheint dann gleich viel stimmungsvoller und rundet das Seherlebnis, gerade in Bezug auf die Alternativerzählung zu Teil 1, interessant ab.  OFDb

08.08.2017

DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN (1972)

Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich Ende des letzten Jahrzehnts im Gemeinschaftsforum der OFDb eine intensive Diskussion über das Genre Trash ins Leben rief, als ich besagtes Genre bei „Die Nacht der reitenden Leichen“ einführen wollte und nicht den Widerstand verstand, den Liebhaber des Filmes dagegen einwendeten. Seit meiner Jugend stand Amando de Ossorios Film für unfreiwillig komischen Trash, und als etwas anderes wollte ich ihn nicht wahrhaben.

Heutzutage schäme ich mich für dieses ignorante Verhalten, verwende ich den Begriff des Trash-Films doch nur noch höchst selten und kann ihn in seiner verachtenden Form auch nicht mehr leiden. In meinem 2012 gegründeten Blog finden sich noch allerlei Filmbesprechungen, die ich im vorangegangenen Jahrzehnt geschrieben habe und die jenen Respekt vermissen lassen, den ich mir sogar erst recht kürzlich vor einigen Jahren erst viel zu spät angeeignet habe. Glücklicher Weise habe ich „Die Nacht der reitenden Leichen“ bisher nie besprochen und nur hin und wieder herablassend erwähnt, so dass ich heute frei Schnauze vom Film berichten kann, ohne eine ehemalige Besprechung komplett umschreiben zu müssen, habe ich doch erstmals das Potential erkannt, welches der Film zu entfalten weiß.

Denn auch wenn ich größte Angsthasen kenne, die sich vor den Templern Ossorios nie gruseln würden, und auch wenn man mit ihren dürren Ärmchen und dem Schockgeräusch beim Zeigen eines Totenschädels auf äußerst naivem Grusel aufbaut, so sind dies doch keine Gründe „The Blind Dead“ (Alternativtitel) der Lächerlichkeit Preis zu geben. Der vier Jahre nach Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“ entstandene Mix aus Zombiefilm, Vampirfilm und Templer-Legende ist ein Liebhaberstück des europäischen Horrorfilms, äußerst naiv ausgefallen, zugegeben, aber auch sehr charmant umgesetzt.

Die kultige Musik weiß genügend Unbehagen über das klassische Szenario zu legen, damit „Night of the Blind Dead“ (Alternativtitel) zu funktionieren weiß. Das Outfit der Templer weiß zu gefallen, ihr Ritt in Zeitlupe mit dem dazugehörenden Geräusch verfehlt seine Wirkung ebenso wenig. Ossorios Film mag nicht gruseln, aber er vermittelt das Retro-Flair eines Gruselfilms, lässt einen glauben das Grusel-Flair emotional nur knapp verpasst zu haben, bei all seinem morbiden Reiz, gerade innerhalb der stimmigen Kulisse der Burgruinen.

Überzeugende Schauspieler und ein Gefühl für wohlig unwohlige Atmosphäre hauchen in Kombination mit den bereits erwähnten Pluspunkten „Tombs of the Blind Dead“ (Alternativtitel) genau jenes Leben ein, das ihn mit ehrlichen, ehrfürchtigen Augen betrachtet zu jenem sehenswerten Kultfilm macht, den manch einer aus zu arroganter Perspektive in ihm nicht sehen will. Da das Szenario im Gegensatz zu den drei Fortsetzungen (die alles eher eigenständige Variationen des Stoffes für sich darstellen) zudem mit einem zusätzlichen Zombie trumpft, der als Opfer der Templerrituale entstanden ist, weiß Teil 1 über das Templer-Thema hinaus einige Aspekte mehr zu bieten - bis hin zur wunderbaren Schlussszene, deren Auswirkungen wir für die Menschheit nur erahnen können.

Sicherlich kann man sich zu recht fragen warum erwähnte ehemalige Opfer von einst nicht bereits den Fortbestand der Menschheit bedroht haben. Und wie sieht es bitte aus, wenn die Templer sich nach erledigter Arbeit morgens wieder brav in ihre Gräber legen? Und ist diese Art nach dem Tod zu leben den ganzen Aufwand im 13. Jahrhundert wert gewesen? „La noche del terror ciego“ (Originaltitel) ist sicherlich nicht frei von Unsinnigkeiten und Lücken in der Logik. Die stimmige Umsetzung und der versprühte Retro-Look machen dies jedoch alles wieder wett. Mich hat „Die Nacht der reitenden Leichen“ erstmals rundum und kompromisslos unterhalten.

Selbst in die lesbisch angehauchte Rückblickszene konnte ich mich diesmal bestens einfühlen, was aber auch am wundervollen Soundtrack lag, wie er typisch für Erotikfilme dieser Zeit wurde. Zudem habe ich den Streifen erstmals im Original mit deutschen Untertiteln geschaut, das hat ihn atmosphärisch auch noch eine Spur besser gucken lassen. Unfreiwillige Komik nahm ich dadurch zu verstehen, was Ossorio mit Fertigstellung des Films vorschwebte, nicht mehr intensiv wahr. Ich bin froh, dass ich mittlerweile von dieser Arroganz geheilt bin und in der Lage bin Filmen auch dann eine echte Chance zu geben, wenn sie höchst naiv umgesetzt wurden.  OFDb

10.08.2014

THE LORELEY'S GRASP - DIE BESTIE IM MÄDCHEN-PENSIONAT (1974)

„The Loreley‘s Grasp“ ist schon ein unglaublich charmanter Trash-Film, irgendwo pendelnd zwischen unfreiwilliger Komik durch Unvermögen und stimmiger Wirkung durch den richtigen Blick für Atmosphäre. Wer wäre für diesen Mix besser geeignet als der Regisseur der vier reitenden Leichen-Filme Amando de Ossorio, der schon in seinen berühmten Beiträgen um die Templer immer wieder bewies dass er nicht wirklich in der Lage war eine Story mit rotem Faden zu erzählen, der die Logik seiner Filme mit Füßen trat (weil er die Lücken selbst nicht bemerkte?), der aber gleichzeitig ein Gefühl für stimmungsvolle Bilder, die richtige Musikuntermalung und den richtigen Gruselfilm-Gymmicks am Rande hatte.

Wer sich für Gummikostüm-Monster die Mädels auflauern begeistern kann, kommt an „The Loreley‘s Grasp“ nicht umhin, der bereits mit seinem Beititel „Die Bestie im Mädchen-Pensionat“ für Vorfreude sorgt. Schön dass de Ossorio die Erwartungen die dieser sympathisch schundige Beititel zu schüren weiß in gleicher Weise mit seinem Film zu erfüllen weiß. Neblige Nächte, ein Ungeheuer hinter (viel zu stark durchgeschüttelten) Büschen, für Stimmung ist gesorgt. Selbst das Mädchenpensionat wird in der Nacht stimmig fotografisch eingefangen. Wenn Frauen meist aus unsinnigen Gründen das Draußen der Nacht erforschen, ist „The Loreley‘s Grasp“ auf dem Stimmungshoch seiner durch Talent geernteten Pluspunkte.

Dem gegenüber stehen manch schludrig eingefangene Bilder (die allererste Aufnahme des Films, in welcher man einen Blick auf eine Burg erhaschen darf, ist auch gleich Pate für diesen Vorwurf), billiges Schauspiel, bei dem allen voran Tony Kendall, mit dem de Ossorio bereits ein Jahr zuvor „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ gedreht hat, mit reißerischem Überagieren für die meiste unfreiwillige Komik sorgt, sowie ein löchriges Drehbuch einer völlig unsinnigen, an den Haaren herbeigezogenen Geschichte, die es nicht einmal schafft für Fakten wichtige Nebenfiguren sinnvoll in die Geschichte zu integrieren (Drehbuch: de Ossorio).

Anders darf es aber auch gar nicht sein, denn was bei diesem Cocktail aus Talent und Unvermögen herauskommt ist derart unterhaltsam und charmant, dass man dem Film seine Fehler gar nicht zum Vorwurf machen möchte, lebt er doch u.a. von seiner Naivität und seiner Mentalität nicht alles perfektionieren zu müssen. Diese Leichtigkeit mit der Filme dieser Art einst umgesetzt wurden, sollten längst wieder Vorbild für heutige Filmschaffende werden und somit mehr sein als die Nische mit der Künstler wie Helge Schneider arbeiten. Filme von heute nehmen sich gerne viel zu ernst, selbst wenn sie ironisch erzählt sind oft noch zumindest in technischer Hinsicht. „The Loreley‘s Grasp“ ist handgemachte Arbeit von Laien mit dem Gespür und dem Ansporn für eine tolle Sache und ohne dabei in den Bereich des Amateurfilms zu rutschen.

„Las garras de Lorelei“ (Originaltitel), in welchem anbei bemerkt die Legende der Lorelei nur in winzigen Elementen aufgegriffen wird, auch wenn ständig auf sie verwiesen wird, ist ein Liebhaberstück und in meinen Augen genau das was guten Trash ausmacht, ohne den Begriff all zu spöttisch zu verstehen. Bei dieser charmanten Umsetzung stört es nicht einmal, dass der Streifen zum Finale hin immer mehr die Pfade des Horrorbereichs verlässt um den Fantasybereich zu stärken. Aber wer würde darüber schon maulen, wenn man Szenen sichten darf wie jene, in welcher in einer schönen Burgkulisse leicht bekleidete junge Mädels von den Trümmern der Ruinen erschlagen werden, weil Superheld Kendall eine Bombe durch einen Wurf ins Wasser derart perfekt positioniert hat, dass die Wirkung in der Welt der Loreley so fatale Auswirkungen hat wie vom Jäger erhofft.  OFDb

25.05.2014

DAS BLUTGERICHT DER REITENDEN LEICHEN (1975)

Die lediglich nur schluffenden Leichen aus dem Vorgänger „Das Geisterschiff der reitenden Leichen“ waren nicht sonderlich aufregend. Nun reiten sie wieder, und das ist doch eigentlich das, was der Fan der Reihe sehen will. Aber auch unter den Fans spaltet sich die Meinung, ob die Filme Ossorios reiner Trash sind oder ob man eine gewisse Achtung vor ihnen haben sollte. Doch so sehr der Sound inmitten von Irrsinn auch wieder für ein gewisses Grad Atmosphäre sorgt, und so charmant die übernatürlichen Übeltäter auch ausschauen mögen, ich gehöre zu jenen Freunden der Streifen, die in den Werken lediglich unbeholfenen unfreiwillig komischen Trash erkennen. Ich liebe die Filme und ich schätze die Bemühungen Ossorios, aber der gute Mann war einfach kein guter Geschichtenerzähler, und sein Scheitern amüsiert mich mehr als die wenigen Punkte seines Gelingens.

Ganz anders geht es mir jedoch mit seinem vierten und letzten reitenden Leichen-Projekt. Es ist erstaunlich wie stark sich dieses in seiner Art von den drei Vorgängern unterscheidet, schafft es Ossorio doch, dass man sein Werk tatsächlich ernst nimmt, so langsam wie er die eher banalen Geschehnisse aufbaut und so stimmig wie er einen klassischen Grusler erzählt. Dass die Templer die Auflösung der rätselhaften Ereignisse sind, ist für einen Teil 4 ungewöhnlich. „Das Blutgericht der reitenden Leichen“ hätte als ein Teil 1 dementsprechend auch mehr Potential gehabt anstatt als dritte Fortsetzung. Aber so wie eigentlich jeder Teil der Reihe, so steht auch Nummer 4 für sich allein und sollte auch so betrachtet werden um ihm eine echte Chance zu geben.

Man sollte jedoch ein geduldiger Zuschauer sein, der Kleinigkeiten in Filmen zu schätzen weiß, um am letzten Auftritt von Ossorios Templern seinen Gefallen zu finden. Die Kraft des Filmes liegt in der Ruhe und dem langsamen Voranschreiten der Geschichte. Wahrscheinlich fand ich den Streifen als Teenager deshalb so langweilig. Beim kürzlichen Neusichten ist er für mich zum gelungendsten Teil der Reihe aufgestiegen, wusste ich es doch zu schätzen wie toll Ossorio die Küstenkulisse und das originale, alte Dorf einzufangen wusste, es fast schon wichtiger werden zu lassen als die Protagonisten.

Und ob Zufall oder nicht: es tut der Geschichte gut, dass ein Neuling frei jedem Verständnis für andere Kulturen auf Kirk-Art die Geschehnisse ungefragt an sich reißt, um damit eine Katastrophe herauf zu beschwören. Wer die Vorgänger kennt weiß dass Ossorio damit keine Kritik am Umgang mit anderen Kulturen übt, er wendet diesen Charakter lediglich auf der Grundlage der von ihm entwickelten Geschichte an. Glücklicher Weise geht Kino aber immer wieder über das hinaus was die Beteiligten eines Filmes wollten, und das betrifft auch diesen Punkt des hier besprochenen Werkes.

Dass die Geschichte so löchrig wie die seiner Vorgänger erzählt ist, ist nicht von der Hand zu weisen. Allein das unsinnig wirkende Ritual mit zwei Schritten zurück betrachtet und die Frage warum die Anwohner bei solch einem Schicksal weiterhin im Heimatdorf verweilen, sind Fragen die sich geradezu aufdrängen. Aber die stimmige Inszenierung lässt einen da nicht zu streng sein. „Das Blutgericht der reitenden Leichen“ guckt sich dafür viel zu sehr wie ein klassischer Gruselfilm, diesmal im Ergebnis in einer Variante wie sie vom Regisseur auch gewollt war und diesmal zielstrebiger einem roten Faden folgend. Und das weiß man einfach zu schätzen.

Einzig das zunächst endlose Wiederholen der immergleichen Geschehnisse kann einem ein wenig auf den Wecker gehen, aber auch das hat mir nicht wirklich den Spaß an diesem stimmigen kleinen Stück Horrorfilm vermiest, das freilich noch immer über klassische unfreiwillige reitende Leichen-Komik verfügt, insgesamt aber, und sei es nur durch den Vergleich zu seinen Vorgängern, durch seine stimmige Atmosphäre zu überzeugen weiß. In einer Zeit in welcher andernorts das moderne Terrorkino begann, besann sich Ossorio auf die Kraft des klassischen Gruselfilms. Ob er die Zeichen der Zeit einfach nur verschlafen hat oder absichtlich klassischen Horror als Alternative zur Moderne ablieferte, ist mir nicht bekannt, ist für das überraschend charmante Ergebnis des diesmal nicht nur mit unfreiwilliger Komik punktenden Streifens aber auch egal. Zutrauen würde ich Ossorio beides.  OFDb

20.04.2014

DAS GEISTERSCHIFF DER REITENDEN LEICHEN (1974)

Nachdem Amando de Ossorio innerhalb von drei Jahren zwei Mal seine reitenden Leichen auf das Kinopublikum los ließ, suchte er für den dritten Film um die untoten Templer ein etwas anderes Szenario. Immerhin war „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ eher ein flotteres Remake des gemütlichen Vorgängers „Die Nacht der reitenden Leichen“. Ich las einmal de Ossorio war begeistert von der Idee Untote auf dem Meeresboden wandeln zu lassen, musste aber aus Kostengründen von dieser wieder ablassen. Der Fan des Genres musste, abgesehen von einer kurzen Szene in „Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies“, bis „Fluch der Karibik“ warten, um ein solches Szenario erleben zu dürfen. Trotz des Humorschwerpunktes besagten Streifens, war genau diese Szene jedoch sehr stimmig umgesetzt, so dass man de Ossorio zugestehen darf eine gute Idee gehabt zu haben.

Eine solche ist im fertigen dritten Film um die Templer jedoch nicht zu finden. Trumpften schon die ersten beiden Teile nicht gerade mit Ideenreichtum, mit der Ausnahme dass Ossorio mit den Untoten einen Mix aus Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“-Zombies und dem klassischen Vampir erschuf, so stellt sich die Idee die vom Schundfilm-Fan ins Herz geschlossenen Schauerwesen auf einem Geisterschiff herumwüten zu lassen als Sackgasse heraus.

Im Gegensatz zum deutschen Titel und dem Alternativtitel „Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen“ darf hier weder geritten noch geschwommen werden, und wo in den Vorgängern ein schaurig hallender Untoten-Ritt die Ohren des Zuschauers verwöhnte, während die Zeitlupenaufnahmen des Todesritts auf schlichte Art zu faszinieren wussten, da schlurfen im dritten Teil die Untoten lahm daher, so lahm sogar, dass sie jeden klassischen Zombiefilm der schlurfenden Untoten-Generation unterbieten und selbst Jason aus den „Freitag der 13.“-Fortsetzungen, der dafür bekannt war trotz Schritt-Tempo die schnell laufenden Opfer unlogischer Weise immer wieder einzufangen, einen Dauerlauf auf Spaziergang-Niveau locker gegen de Ossorios Leichen gewinnen würde.

Was in einer gut inszenierten Vorgeschichte als unheilvolles Zeichen und Gruselelement hätte punkten können, erweist sich spätestens in der Hauptphase des Films als ein Ort, in welchem sowohl die menschlichen als auch die spukenden Figuren in ihrem Tun stark eingeengt werden. Die Menschen schlafen meist auf dem Geisterschiff, anscheinend wegen der ungewohnt tropischen Temperaturen an Bord. Tun sie es nicht gehen sie in sehr langsamen Tempo an Bord spazieren auf der Suche nach anderen Anwesenden. Die Templer erstehen meist gefühlte drei Stunden auf, schleichen noch lahmer umher als besagte Lebende und meucheln, wie in den Vorgängern, die sich niemals wehrenden Opfer. Lediglich einer nimmt den Kampf auf, und das geschieht auf höchst klassische Art mit einem Kreuz als Waffe. Nie war de Ossorio in seinen Templerfilmen der Vampirthematik so nah wie in jener Szene.

Dass sich ausgerechnet ein Wissenschaftler der Esoterik und dem Okkulten widmet, wohingegen stumpfe Geschäftsmänner sich an der durch Wissenschaft zu messenden Realität festhalten, ist schon ein skurriler Verdreher für sich. Dass aber ausgerechnet ein dummes Model-Blödchen den logischsten Monolog des kompletten Film halten darf, erweitert diese Ungewöhnlichkeit um ein weiteres. Andererseits erweisen sich die Frauen auch als taffer als die etwas ängstlichen Männer. Und obwohl dies alles pfiffig verdreht klingt um dem Einheitsbrei anderen Wind in die Segel zu pusten als es die Konkurrenzprodukte taten, so hat man doch den Eindruck, dass dies Billigfilmer Amando de Ossorio wahrscheinlich gar nicht aufgefallen bzw. bewusst war, so stumpf wie er der üblichen Handlungsabfolge treu blieb und so dumm, wie sein kompletter Film daher kommt.

Sein Untalent zeigt sich bereits in einer an den Haaren herbeigezogenen Einleitung der Geschichte, die ihn neben seiner Regietätigkeit zusätzlich als schlechten Autor entlarvt, was sich angekommen auf dem Geisterschiff des weiteren zeigt, wenn de Ossorio teilweise etwas arg penetrant das Szenario des ersten Opfers aus „Die Nacht der reitenden Leichen“ wiederkäuert. Sein mangelndes Können setzt sich weiter fort wenn er mit Unvermögen das Geisterschiff allein schon deshalb nicht stimmig in Szene gesetzt bekommt, weil er gar nicht erst versucht das Teil nicht wie ein in der Badewanne treibendes Miniaturschiff wirken zu lassen (Ed Wood lässt herzlich grüßen), und zeigt sich zudem im fehlenden Gespür dafür, wenn schon nicht das Schiff, dann doch bitte den Nebel als wirksames Gruselelement einzusetzen, etwas das Jahre später John Carpenter zu einem seiner größten Hits mit „The Fog - Nebel des Grauens“ führen sollte.

Jegliches Talent wäre aber ohnehin Perlen vor die Säue, und so tut es gut zu sehen, dass auch niemand mit an Bord war, der ein solches besessen hätte. Die Darsteller sind übel. Sie spielen nicht nur im Klischee badende Figuren, sie sind auch geradezu klischeehaft besetzt, wenn es um die Vorurteile schauspielerischen Könnens in europäischen Billigproduktionen zu dieser Zeit geht. Einzig der Soundtrack weiß mal wieder zu gefallen, aber der ist ja nun auch von den Vorgängern übernommen. Neu variiert wird da nichts - glücklicher Weise. Aber er ist halt kein Element neuen Könnens, das man gegen das restliche Untalent halten könnte.

Aufgrund seiner Unsinnigkeit und dem Unvermögen der kompletten Film-Crew macht es trotzdem unglaublich Spaß dem monotonen Treiben der Templer und der idiotischen Menschen zuzugucken. Die Reihe um die reitenden Leichen war schon immer Trash, der tief in der unfreiwilligen Komik badete, aber so weit unten die Filme in ihrem Niveau auch angesiedelt waren, immer wehte ein kleiner Wind Atmosphäre, Individualität und naiver Charme mit einher. „Das Geisterschiff der reitenden Leichen“ ist als dritter Film der erste Beitrag der Reihe, der einzig auf den Bonus der unfreiwilligen Komik setzt ohne etwas auf der Haben-Seite zu besitzen.

Das lässt ihn, auch aus Trash-Sicht, schwächer gucken als seine Vorgänger, aber wie erwähnt trotzdem lustig genug um dran zu bleiben. Viel länger hätte der dritte Templer-Film jedoch nicht laufen dürfen, weil der monotone Ablauf der Geschichte auf dem dauerhaft knarrendem Schiff (welch putziges naives Gruselelement) bereits bei 85 Minuten anfängt an den Nerven und der Aufmerksamkeit des Zuschauers zu kratzen. Das ging gerade noch mal gut... bzw. schlecht... ach, was auch immer!  OFDb