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30.03.2025

Filmtagebuch - Zuletzt gesichtet (6)

Da mir zur Zeit die Motivation üblicher Besprechungen fehlt, möchte ich die letzten Sichtungen zumindest mal mit Kurzkommentaren versehen:

 

Monk - Staffel 7 (2008)

Es geht mit seichter Unterhaltung im klassischen Erzählmuster weiter, ganz ohne Experimente, eben so wie es der Freund der Reihe haben möchte. Qualitativ gibt es nach wie vor keinen Abstieg zu erkennen, auch wenn manche Ideen, wie Natalie zur populären Lotto-Fee zu machen, etwas arg über das Ziel hinausschießen. Eine Episode großteils im Doku-Stil umzusetzen, bietet wunderbar mediensatirische Möglichkeiten, und wenn der von Ängsten beherrschte Monk unfreiwillig mit einem U-Boot untergeht, bleibt kein Auge trocken. Bewegend ist eine Geschichte um einen Mutterersatz ausgefallen, sowie die letzte Episode, die sich wieder einmal Trudy zuwendet.  Wiki


Spiders - Ihr Biss ist der Tod (2023)

Effektiver Spinnen-Horror, der es mit der Evolution in solch kurz spielendem Zeitraum übertreiben mag, ansonsten aber gekonnt erzählt ist und mit dem Hauptspielort im Ghetto keine billigen Klischees abliefert. Auch schafft man es die Gefühlswelt der Figuren gekonnt einzufangen, ohne dass "Vermines" (Originaltitel) zum tatsächlichen Drama wird. Stattdessen ist er unglaublich spannend inszeniert, liefert manchen Schocker selbst dann, wenn man schon x Horrorfilme zu diesem Thema gesichtet hat und bremst sich in seiner packenden Umsetzung nie aus. Definitiv ein Tipp meinerseits!  OFDb


Knives Out - Mord ist Familiensache (2019)

Vom Spielort, Budget, sowie Genre und Mentalität an "Das krumme Haus" erinnernd, kommt der Star-besetzte Kriminalfilm zwar nie an dessen Genialität heran, bietet aber ebenso überdurchschnittliche Unterhaltung. Ein nicht uncleverer Plot, die Überraschung in die Umstände des "Mordes" früher eingeweiht zu sein, als man meinen sollte, und der Kniff dennoch oft mit Wendungen überrascht zu werden, sind wichtige Elemente, die inmitten eines augenzwinkernden Plots, voll von spielfreudigen Darstellern, zu überzeugen wissen und auf Comic-Art einen unausgesprochenen Gruß an Agatha Christie richten.  Wiki


The Taint (2010)

Eine witzige Idee in den Händen von Troma, da sind Geschmacklosigkeiten vorprogrammiert, und da habe ich diesbezüglich schon Schlechteres von diesem Ausnahmestudio gesichtet. Aber auch besseres, denn der vulgäre Humor weiß mal schön unter der Gürtellinie herrlich infantil zu funktionieren, und doch ist er zu extrem eingebaut und verwässert die guten Ideen um einen Plot, in welchen Männer durch verseuchtes Wasser zu Frauenhassern werden. Sämtliche Klischees rund um Frau, Mann, Vorurteilen und Film werden abgegrast, die episodische Erzählart mit Rückblicken erweise sich als kurzweilig, damit keine Figur zu sehr mit ihrer Monotonie nerven kann, aber wirklich geglückte Kost ist "The Taint" in meinen Augen nicht geworden.  OFDb


Cinderella - Abenteuer im Wilden Westen (2012)

Die Idee das klassische Märchen ins Western-Genre zu transferieren, um es damit zu entfremden und aufzupeppen, klingt so gewollt, wie das Ergebnis letztendlich auch ausgefallen ist. Aber hier nervt nicht nur ein lieblos gestalteter Plot, sondern auch unangenehm steif und unsentimental animierte Figuren, die den Billig-Look des Films, der sich zwischendurch zudem um nervige Actionsequenzen bemüht, immer im Bewusstsein des enttäuschten Zuschauers bleiben lässt. Warum Trickfilmfiguren zudem in ihren Rundungen und Ausbeulungen derart auf sexy getrimmt sein müssen, während alles andere klassisch bieder auf Kinderfilm-Niveau erzählt ist, muss ich auch nicht verstehen.  OFDb

19.05.2023

HALLOWEEN - H20 (1998)

"Scream" hatte frisch das Genre des Slashers wieder aufleben lassen, da entschied man sich auch den Ur-Vater dieser Gattung Horrorfilm fortzusetzen, 20 Jahre nach dem Original. Und was soll man sagen? Meiner Meinung nach ist dabei die beste Fortsetzung von Carpenters Original herausgekommen, meisterlich inszeniert von Steve Miner, der bereits mit "Freitag der 13. 2" und "Freitag der 13. 3" bewies, dass er diese Art Film beherrscht. Und ihm gelingt etwas, das wahrlich zu beeindrucken weiß, er bekommt den alten Stil und den seinerzeit modernen gekonnt miteinander kombiniert und konnte damit sowohl die alte Generation Horrorfan, als auch die neue zur Entstehungszeit als Zuschauergruppe gewinnen. Dabei spielen die Teenager gar nicht mal eine solch große Rolle, im Vergleich zur Erwachsenenriege. Und ob heute noch Kids mit dem Ergebnis zu locken wären, sei ohnehin einmal dahingestellt, denn "Halloween H20: 20 Years Later" (Originaltitel) lässt sich Zeit. 

Nach einer intensiven Eingangssequenz, folgt während des Vorspanns eine nostalgisch anmutende Erklärung dessen was Michael ist, damit auch Nichtkenner der Materie mit an Bord geholt werden können. Und dann lässt sich das Drehbuch viel Zeit. Wir lernen die Figuren kennen, erfahren was aus Laurie wurde und wie sie mit den Geschehnissen von einst umging. Und erst wenn sie beginnt zu verstehen, warum Michael ausgerechnet in dieser Nacht nach 20 Jahren auftauchen wird, beginnt das nervenkitzelnde letzte Drittel, das sämtliche Spannungsfäden gekonnt zieht. Dass das Ganze vorher und in dieser Phase trotz bereits bekanntem Muster so derart gut funktioniert, liegt daran, dass das Familiendrama derart intensiv mitschwingt. Mag manches Problem zwischen Mutter und Sohn auch aufgesetzt wirken, das Dilemma zwischen Bruder und Schwester wirkt umso mehr, gerade in den zwei Momenten, in welchen Laurie und Michael sich Auge in Auge gegenüber stehen. Hier herrscht ein Hoch der Gefühle. Selten erlebte die Reihe derart intensive und gleichzeitig psychologisch intelligente Sequenzen wie hier. 

Augenzwinkernd zur Familienthematik treffen Mutter und Tochter aus dem wahren Leben, Jamie Lee Curtis ("Halloween") und Janet Leigh ("Psycho"), aufeinander, inklusive Wortspielerei diesbezüglich und einem versteckten melodischen Zitat aus Hitchcocks Werk, welches neben den italienischen Gialli als cineastischer Vorreiter des Slasher-Genres gilt. Damit an Anspielungen nicht genug: während in "Scream" "Halloween" als Ehrverbeugung im Fernsehen laufen darf, revanchiert man sich im hier besprochenen Werk mit Cravens Slasher im TV. Trotz solch augenzwinkernder Spielereien ist "Halloween 7" (Alternativtitel), der "Halloween 2" fortsetzt und die Teile 4 bis 6 dementsprechend ignoriert (Teil 3 handelte nicht von Michael Myers), ein waschechter Horrorthriller, der nicht wie "Scream" das Sub-Genre ironisch aushebelt, sondern es ein weiteres Mal auf klassische Art serviert. Es ist schön dass dabei nicht eine x-beliebige Fortsetzung entstanden ist, mit original Darstellern von einst an Bord (wie leider mehrfach in der "Terminator"-Reihe geschehen), sondern eine durchdachte, erzählenswerte und konsequente Geschichte, welche die Ereignisse von einst zu Ende erzählt und hintergründig, wie vordergründig das Gesamtwerk abrundet und bereichert. 

Um dies zu unterstreichen, setzt man einen finalen Punkt, der nicht fortzusetzen ist, was mit "Halloween - Resurrection" zwar dennoch geschehen ist, aber nur unter hanebüchenen Ausreden. Die Geschichte ist zu Ende erzählt, und sie würdigt die Straude-Figur weit mehr, als die "Halloween"-Trilogie, die 2018 ebenfalls mit Jamie Lee Curtis an Bord startete und hierfür alle Teile außer den Originalfilm Carpenters ignorierte. Wer sich nicht die kompletten Filme dieser unübersichtlich gewordenen Kino-Reihe geben will, ist mit den ersten beiden Werken und dem hier besprochenen gut bedient. Mag auch "H20" (Alternativtitel) nicht an den genialen ersten Auftritt Myers' heran reichen, er ist dennoch eine hervorragende Fortsetzung, die all das bietet, was man sich von einem guten "Halloween"-Film erhofft - außer man ist nur auf eine Schlachtplatte aus. Für ein derart primitives Ziel ist er viel zu anspruchsvoll ausgefallen und funktioniert dennoch als Unterhaltung- anstatt als Pseudo-Arthouse-Film.  Wiki

04.02.2023

HALLOWEEN ENDS (2022)

"Halloween" und "Halloween Kills" mögen keine Geniestreiche am Slasherhimmel gewesen sein, aber sie führten die "Halloween"-Reihe unterhaltsam genug fort, um zufrieden mit dem Ergebnis sein zu können. Deswegen verzieh man ihnen auch manche Ungereimtheiten, die meist daraus entstanden, dass man nur den Originalfilm von John Carpenter fortsetzte und alles dazwischen ignorierte. Schaut man sich den Abschluss des in sich geschlossenen Dreiteilers von David Gordon Green an, darf man sich schon wundern, dass Regie und Drehbuch weiterhin von ihm stammen, häufen sich diesmal doch Ungereimtheiten und Unsinnigkeiten mit fortschreitender Laufzeit immer extremer, meistens darauf fußend psychologisch gesehen unglaubwürdig und dümmlich vorzugehen. Das ist ohnehin schon fatal. Das Ganze jedoch ausgerechnet in einer Geschichte derart entgleisen zu lassen bzw. zu ignorieren, die ohnehin schon gewöhnungsbedürftig und bezogen aufs engstirnige Publikum gewagt zu nennen ist, sorgt für eine Katastrophe, welche das berühmte Franchise bislang nur in Zombies "Halloween 2" erleben musste. 

Eine Handlung, die bereits in glaubwürdigerer Umsetzung hanebüchen angemutet hätte, wird durch psychologisches Unvermögen verwässert und außerdem mit einer Fehlbesetzung in der entscheidenden Rolle versehen (der Junge kann einfach nicht düster dreinschauen), so dass all das ruiniert wird, was die ersten beiden Filme seit 2018 so schön aufgebaut haben. Es ist schade dass Laurie Strode einen derartigen Abschluss beschert bekam, ebenso schade ist es um den mystischen Myers. Gut dass es "Halloween - H20" gibt, der das Ganze psychologisch durchdacht beendete, bevor Green mit seinen Trivialvarianten daher kam. Zumindest erlebt man in "Halloween Ends" eine sehr starke Eingangssequenz, einen tollen Vorspann und manch funktionierende Gefühlsebene. Aber der komplette Part rund um Myers und seinem Gehilfen ist missglückt, da völlig widersprüchlich thematisiert und unsinnig angegangen. Schade, einen frischen Wind hätte man nach so viel Fan-Service gebrauchen können. Zumindest hielt Green das Versprechen ein, dass jeder seiner Halloweenfilme einen anderen Schwerpunkt beschert bekommt. Aber was nutzt es bei solch katastrophalem Müll, wie dem mit "Halloween Ends" erzähltem? Als großer Bewunderer der Myers-Filme freue ich mich umso mehr auf den nächsten Neuansatz. Früher oder später wird er kommen.  OFDb

07.03.2022

HALLOWEEN KILLS (2021)

"Halloween Kills" setzt "Halloween" gekonnt fort, der seinerzeit alle Fortsetzungen ignorierend Carpenters "Halloween - Die Nacht des Grauens" sympathisch fortsetzte. Mehr als "nur" sympathisch ist der jüngste Streich der hoffentlich nie endenden Horrorreihe auch nicht ausgefallen, aber es reicht um den nimmersatten Freund der Myers-Filme Freude zu bereiten. Und wenn ein solcher zusätzlich noch nach Blut lechzt, ist er endgültig im richtigen Film, denn der Extended Cut ist wahrlich hart geraten. Das geht zwar auf Kosten der Phantom-haftigkeit des schwarzen Mannes, ansonsten wird der Mythos Myers jedoch beibehalten, ohne zu viel zu erklären etwas neu interpretiert und dabei doch die alte Mystik seiner Rätselhaftigkeit nicht verletzt. Das mag manch einer eben wegen dem Weglassen des Schattenmann-Aspektes strenger sehen, aber einig wird man sich sicherlich spätestens damit, dass zumindest die beiden neuen Filme gekonnt ineinander greifen. Der Irrtum des Strodes-Zusammenhangs wird noch einmal verdeutlicht, er kam im Vorgänger eher subtil daher, und ohnehin baut "Halloween Kills", den Jamie Lee Curtis mit produzierte, stark auf die Figuren der beiden Vorgängerfilme, inklusive Tommy Doyle, der überraschend von Anthony Michael Hall gespielt wird, den ich im Leben nicht mehr als den Teen aus den Hughes-Komödien wiedererkenne, nicht einmal mehr im Ansatz. 

Dass diesmal eine ganze Stadt den Kampf gegen Myers aufnimmt, anstatt dass die Gefahr, die er auslöst, nur von wenigen erkannt wird, ist ein interessanter neuer Aufhänger, der mich ein wenig an die Kirmesszene des 2013er "Texas Chainsaw" erinnert hat, nur das diesmal ein kompletter Film darauf baut, dass einer der legendären Horrorfilm-Killer in aller Öffentlichkeit Massen von Menschen metzelt. Dies macht "Halloween Kills" nicht vollkommen hirnlos, es dient einem erzählerischen Ziel, aber freilich darf man Logik nur innerhalb des Horror-Niveaus erwarten. Die körperliche Härte der gerade erst operierten Laurie und andere Unsinnigkeiten (einschließlich der typischen Tatsache, dass Myers den Schluss des Vorgängers überlebt hat) sind Idiotien die zum Genre dazu gehören und über die nur engstirnige Spaßbremsen maulen können. Gerade wenn man sieht was Jason Blum oftmals mit dem ganzen Gender-Blödsinn an cineastischen Schandtaten verursacht (siehe "Der Hexenclub" und "Black Christmas"), darf man mit dem Ergebnis doch zufrieden sein, welches jeder Generation Schauspieler und Publikum Platz beschert, ohne mit einer aufdringlichen Mentalität die anderen bei Seite zu drängen. Mir hat "Halloween Kills" schlicht gefallen, gerade auch wegen des Ansatz der großen Aufmerksamkeit um Michael Myers, auch wenn ich weiterhin denke, dass die Furcht der Stadt, ebenso wie im Vorgänger die Furcht Lauries, glaubwürdiger eingefangen wäre, wenn man die ein oder andere Fortsetzung doch nicht ignoriert hätte. Das Massaker von einst ist 40 Jahre her, kaum zu glauben dass da noch alle derart ehrfürchtig zurückblicken und sogar noch die Namen von Täter und Opfer kennen. Aber jetzt merke ich gerade, dass ich engstirnig werde. Neugierig auf den dritten und erstmals finalen Teil darf man wohl werden, hat doch Regisseur, Mitproduzent und Mitautor David Gordon Green versprochen dass auch der kommende Teil ebenso einen anderen inszenatorischen Schwerpunkt haben wird wie die bisherigen zwei Teile, die er ablieferte.  OFDb

31.07.2020

HALLOWEEN - RESURRECTION (2002)

"Halloween - Resurrection", der siebte Beitrag um Michael Myers, gehört zu den unbeliebtesten Teilen des langjährigen Franchise. Es ist nicht abzustreiten, dass er große Fehler begeht, letztendlich ist Rick Rosenthal, der seinerzeit auch die erste Fortsetzung des Originals "Halloween - Die Nacht des Grauens" inszenierte, jedoch ein angenehm routinertes Stück Horror-Thriller geglückt, nicht mehr und nicht weniger. Der größte Fehler war es den direkten Vorgänger "Halloween - H20" inhaltlich fortzusetzen, der an "Halloween 2" anknüpfte. Schließlich wurde Michael Myers in diesem am Ende geköpft, so dass eine Weitererzählung, die erneut den obligatorischen Killer der Reihe ins Zentrum setzen möchte, in ihrer Erklärung warum Michael noch lebt, in jedem Fall nur unsinnig ausfallen konnte. So ist es schließlich auch geschehen, die Ausrede mutet mehr als bescheuert, verzweifelt, unkreativ und widersprüchlich an. Schluckt man sie erst einmal, muss man kurz darauf miterleben, wie Laurie Strode, die Heldin der drei direkt darauf bezogenen, vorangegangenen Filme, unwürdig verheizt wird, bevor die eigentliche Geschichte beginnen kann. Man muss es Rosenthal jedoch lassen, dass dieser in zweierlei Hinsicht traurige Abgang Lauries stimmig eingeleitet wird, nicht spannungsfrei inszeniert ist und somit trotz seiner künstlich und bitter anmutenden Verpflichtung ein Kapitel schließen zu müssen, um das nächste beginnen zu können, zumindest atmosphärisch zu gefallen weiß.

Zeichnete sich Steve Miners Vorgänger dadurch aus, das klassische Horror-Feeling der ersten Filme mit dem modernen Touch der seit "Scream" wieder aufkochenden Horror-Welle gekonnt zu vereinen, so setzt "Hall8wenn - The Homecoming" (Alternativtitel) ebenfalls bei der Modernisierung an und erweitert diesen Aspekt mit seiner Web-Cam-Show-Thematik und dem chattenden Helfer der Heldin auch thematisch. Als Idee einer Slasher-Reihe geht der etwas naiv dargebotene Aufhänger in Ordnung, zumal viele der hier aufkommenden Unsinnigkeiten (wenn auch leider längst nicht alle) gewollt sind und für augenzwinkernde Mediensatire genutzt werden, die zwar nur oberflächlich abgearbeitet wird, aber nicht frei von Treffsicherheit eingebaut ist. Selbiges gilt für den gesellschafts- und medienkritischen Bereich des Voyeurismus, der sich gleichermaßen auf Reality-Shows, als auch auf den vom Stammzuschauer geliebten, in diesem Moment gerade konsumierten, Slasher-Horror bezieht, und in den Begeisterungsstürmen der an Fake glaubenden Zuschauer vor dem Computer, während live vor der Web-Cam echte Menschen ihr Leben lassen, schwarzhumorig anmutet, in einem Film, der ansonsten vollkommen ernst angegangen wurde.

Es könnte nach Lauries Tod also alles recht gut, wenn auch etwas arg blauäugig dargeboten, funktionieren, wenn der Streifen seinerzeit nicht vom Testpublikum darin kritisiert wurde den damals beliebten Musiker Busta Rhymes zu wenig in Szene zu setzen. Aufgrund dessen fanden Nachdrehs statt, die Verärgerungen im Finale stattfinden lassen und einen schon zuvor, mit seiner Pseudo-Coolness und geheuchelt sozialen Art, unangenehmen Charakter ausweiten und zum Helden umfunktionieren. Das stößt noch bitterer auf, als der Abgang der von Jamie Lee Curtis verkörperten Rolle zu Beginn. Man muss also tatsächlich die ein oder andere bittere Pille schlucken und freundlichst ignorieren können, um mit diesem etwas holprig dargebotenen Beitrag der beliebten Horrorfilm-Reihe um Michael Myers etwas anfangen zu können. Meiner Meinung nach entschädigt aber das stimmige Feeling, welches Rosenthal diesmal weit besser geglückt ist, als in seiner ersten Arbeit dieser Horror-Reihe (und dies immerhin trotz erwähnter Ärgernisse), für so manche Fehlentscheidung.

Außerdem besitzt der Aufhänger der Web-Cam-Show seinen Reiz, sofern man sich auf eine derartige Modernisierung innerhalb der liebgewonnenen Kino-Serie anfreunden kann. Somit stößt "Halloween" auf den unbekannten, aber sehenswerten "Unsichtbare Augen" und bietet bei nicht hoher Erwartungshaltung ein sympathisches Grundlagenprogramm in moderner Vordergrund-Geschichte getarnt, in welcher, wie gewohnt, dümmliche Charaktere dem Serienkiller zum Opfer fallen, der nur in zwei Ausnahmesequenzen gegen seine, durch die Vorgänger aufgebauten, Gesetzmäßigkeiten in seinem Verhalten verstößt. Ich kann verstehen, wenn man "Halloween - MichaelMyers.com" (Alternativtitel), der auch als "Halloween H2K: Evil Never Dies" heraus kam, nichts anzufangen weiß und sich an den schwer zu ignorierenden Ärgernissen aufhängt. Ich finde aber auch, dass man, sofern man besagte Fehler akzeptieren kann, mit Rosenthals zweiten Beitrag der Reihe durchaus kurzweilig unterhalten werden kann.  OFDb

30.10.2018

HALLOWEEN (2018)

Bereits im in der "Scream"-Welle entstandenem "Halloween - H20" kehrte Jamie Lee Curtis zu ihrer ersten Hauptrolle aus John Carpenters Erfolgsfilm "Halloween - Die Nacht des Grauens" zurück. Damals setzte man die Teile 3 - 6 ignorierend "Halloween 2" fort, nun nach zwei umstrittenen Remakeepisoden von Rob Zombie, pünktlich zum 40. Jubiläum, wird das Original direkt fortgesetzt, auch die erste Fortsetzung von einst ignorierend. Produziert haben das Ganze John Carpenter und Jamie Lee Curtis höchstpersönlich. Auch die Familie Akkad ist Jahre nach dem Tod Moustapha Akkads, der bis zu seinem Ableben noch jeden "Halloween"-Film produzierte, mit an Bord. Lediglich das Drehbuch überließ man anderen, ebenso wie die Regie, die überraschender Weise David Gordon Green überantwortet wurde, der eher mit Komödien wie "Bad Sitter" und dem herrlich kultigen "Ananas Express" Erfolge erntete.

Nach dem Sichten des aktuellen "Halloween", in welchem Laurie nicht mehr die Schwester des legendären Babysittermörders ist, kann man Green als die richtige Wahl bezeichnen, hinterlässt er doch die nötige Handschrift aus Verehrung des Originals und dem Fortsetzen dessen Geschichte, ebenso wie er inszenatorisch Old School-Horror abliefert, ohne die extreme Langsamkeit von Carpenters Kultfilm anzugehen, mit der man das Publikum von heute großteils wohl eher verscheucht hätte. Für heutige Sehgewohnheiten ist "Halloween Returns" (Alternativtitel) noch immer recht langsam ausgefallen, das weiß zu gefallen, und auch der hochgeschraubte Blutgehalt ist in Zeiten wie heute kaum der Rede wert, Michaels Rückkehr verkommt nicht zum sinnlosen Massaker, auch hier bin ich positiv überrascht. Orientiert an Teil 1 ist auch die Figurenzeichnung der wichtigsten Personen schlicht und natürlich eingefangen, lediglich die Reporter, mit denen alles losgeht, wirken wie erfundene Hollywood-Figuren und sind sogleich auch richtig unsympathische Gestalten.

Leider muss man sie zu lange ertragen, bevor man erleichtert feststellen darf, dass sie keine Hauptfiguren werden, als Entschädigung ist die Szene, in welcher beide ihr Lebenslicht verlieren, jedoch um so intensiver ausgefallen und zählt zu einem der Höhepunkte des Streifens. Wirklich negativ wirkt allerdings eigentlich nur die erste Szene vor dem Vorspann, die mir auch aus Reportersicht herzlich wenig Sinn in ihrer reißerischen Art macht, zumal hier ein Kult um die Maske Michael Myers gemacht wird, ebenso wie im Restfilm, der keinen Sinn ergibt, wenn nach den Ereignissen von Teil 1 nichts mehr geschah. Dies betrifft aber auch die extreme Verbissenheit von Lauries Charakter, wirkt es doch nicht überzeugend dass ein einziger Kampf vor 40 Jahren eine derart hochgebildete, taffe Schülerin zu einer stets unter Verfolgungswahn  leidenden Kampfbestie a la Sarah Connor aus "Terminator 2" werden lässt. Mit Blick auf die Ereignisse im Krankenhaus in der 80er Jahre-Fortsetzung hätte das schon mehr Glaubwürdigkeit bewiesen. Aber was soll's, letztendlich ist "Halloween" lediglich ein kleiner Slasher, der den Ur-Typ dieses Horror-Sub-Genres fortsetzen möchte, und das ist nun einmal Popkornkino und kein Art House, was soll man sich also am psychologischen Aspekt der Figuren aufhängen?

Wichtig ist, dass psychologisch gesehen der Spannungsgehalt stimmt, und der hätte meiner Meinung nach noch einen Grad höher ausfallen können, ist aber nach kurzen Einbrüchen immer wieder mal auf einem stimmigen Hoch, so dass es eigentlich nichts zu klagen gibt. Mit hohen Erwartungen wird sicherlich kaum wer an dieses Experiment nach 40 Jahren herangegangen sein, und so liefert Green uns jene angenehme Routine dieser Art Film ab, die es aufgrund zu hohem Blutgehalts und zu wilder Trips heutzutage kaum noch zu sichten gibt. Allein dafür sollte man dankbar sein. Spielereien für Kenner der Reihe sind mit eingebaut. Das beginnt mit der kurzen, eher zu künstlich eingebrachten, Erwähnung, dass Laurie nicht die Schwester des Killers ist, das wird weiter fortgeführt bei Parallelszenen zum Original, in welchen Michael durch Laurie ersetzt wird, und das geht hin bis zu absoluten Insidergags, wie den Halloweenmasken, welche von der Firma aus "Halloween 3" stammen. Glücklicher Weise orientiert man sich nicht einzig aufs Kopieren, Verehren und Variieren, gerade der zunächst nach Schwachsinn klingende Aspekt aus Laurie eine Kampfbitch zu machen erweist sich als der frisch wirkende, laufende Motor dieses neuen Teil 2, toll verkörpert von einer sichtlich gealterten Jamie Lee Curtis.

Ansonsten bietet der Streifen einen neuen Dr. Loomis, der glücklicher Weise nicht nur den alten kopiert, leider aber in seiner Abweichung des Vorbildes nicht all zu glaubwürdig herüber kommen darf. Wir erleben die Rückkehr eines unscheinbaren alten Bekannten, der sowohl am Tatort des 60er Jahre-Mordes, als auch bei der Jagd 15 Jahre später mit dabei war. Wir nehmen an der Erkenntnis teil, dass die Jugendlichen rund um die Protagonisten herum ähnlich dämlich und unsympathisch geblieben sind, wie man es nach Carpenters Original in Werken wie "Und wieder ist Freitag der 13." erleben musste, sprich einzig die Straude-Familie bleibt in ihrer versimpelten Darstellung sympathisch, da glaubwürdig. Und wir müssen erneut feststellen, dass Filmemacher aus etlichen Fehlern noch immer nichts gelernt haben. Am Ende der ganzen Chose wird auf subtile Art auf eine mögliche Fortsetzung hingewiesen, die auf der Idee des Schluss-Gags von "Halloween 4" aufbaut. Diese beweist, dass man scheinbar noch immer nicht den Fanatismus der Filmanhänger der Reihe begriffen hat und damit diese nicht glücklich machen würde. Die Geldgeber von "Halloween 5" haben das einst dann doch kapiert. Wollen wir einmal hoffen dass es auch die Geldgeber der möglichen Fortsetzung des hier besprochenen Filmes verstehen werden und doch noch umschwenken werden. So unauffällig wie hier am Schluss angedeutet käme man damit keinem Widerspruch gleich, wie jenem extremen aus "Halloween - Resurrection", auch wenn man sich wie dort eine bizarre Ausrede zu Nutzen machen müsste.  OFDb

28.10.2018

HALLOWEEN - DIE NACHT DES GRAUENS (1978)

"War das der schwarze Mann?" klingt im Deutschen wahrlich besser als der Boogeyman im Original, dennoch sei das Sichten der englischsprachigen Fassung empfohlen, werden Kinder in der Deutschsynchro doch verkitscht und unüberhörbar von erwachsenen Frauen gesprochen, was dann doch etwas arg nervt. Von einigen kleinen Logiklöchern (der Sekundensex in zwei Fällen, ruppiger Tag-Nacht-Übergang,...) abgesehen, sind das auch die einzigen Kritikpunkte, die sich Carpenters legendäres Werk gefallen lassen muss, ist es ansonsten inszenatorisch doch eine Meisterarbeit und einer meiner absoluten Lieblingsfilme des Horror-Genres. Carpenter ist inspiriert durch Hitchcocks "Psycho" und dem damals modernen italienischen Giallo, der sich zur Entstehungszeit bereits rar machte, die Blaupause des heute üblichen Slasher-Horrors gelungen, die durch "Freitag der 13." später noch einmal versimpelt wurde. In Carpenters Ur-Werk, für welches er im TV-Film "Das unsichtbare Auge" kurz zuvor bereits spannungstechnisch üben durfte, handeln die Teenager noch glaubwürdig, sprich ihre Naivität und Dummheit ist dem Alter geschult und nicht der Schwäche des Drehbuchautors, und gerade die maximal durchschnittlich anzuschauende Jamie Lee Curtis wirkt in ihrer unscheinbaren Art innerhalb ihrer ersten Hauptrolle ungemein authentisch, was der unattraktive Kleidungslook, der ihr beschert wurde, perfekt zu unterstützen weiß.

Myers hingegen darf nicht nur der schwarze Mann genannt werden, der schlanke Typ wird in dunkle Klamotten gesteckt und mit einer unverkennbaren und ungemein wirksamen weißen Maske verkleidet, so dass auch er optisch perfekt zu seiner Phantompräsenz eingefangen wird, freilich unterstützt von der diesbezüglich hervorragenden Kameraarbeit, die nicht nur Laurie ein Gefühl der ungewissen Verfolgung beschert, sondern auch dem stets mehr wissenden Zuschauer. Das schwere, triebtäterartige Atmen Myers, als Verfolger am Rand des Bildes stehend oder klein mitten ins breite Bild hinein gesetzt, Myers ist unheimlich und meiner Meinung nach (auch durch die Fortsetzungen) eines der interessantesten Monster der Horrorfilmgeschichte, eben weil ihn eine Mystik umweht, die unerklärbar ist. Scheinbare Unlogiken, wie die Stärke des schmalen Hemdes, der schleichende Gang und das Wissen über Dinge, die er aus der Klinik nicht wissen kann, ebenso wie das stille Signal von dem in fast jedem Teil die Rede ist, unterstützen besagte Rätselhaftigkeit seines Wesens, die glücklicher Weise nie zu stark hinterfragt wird. Michaels Wesen, sein Drang, die Frage wie wurde er was er wurde und was ist er eigentlich gehören unbeantwortet, damit "Halloween" und seine Fortsetzungen funktionieren können.

Das mag manchem modernen Zuschauer, der Antworten auf jegliche Fragen beschert haben will, nicht schmecken, aber für die Art Publikum ist "Halloween - Die Nacht des Grauens" ohnehin nicht gedreht, ist er doch zudem in einer fast ereignislos scheinenden Langsamkeit inszeniert, und da er der Prototyp dieser Art Film ist, freilich ohne weitere Überraschungen seines minimierten Plots versehen. Für mich und viele andere sind dies freilich die Pluspunkte eines Streifens, der spannungstechnisch schnell zu packen weiß und dies konsequent bis hin zu seinem nervenzerreißenden Schluss. Der von Carpenter selbst komponierte Soundtrack unterstützt dies, und so theoretisch überladen wie dieser von Carpenter eingesetzt wird, weiß man auch wie sehr dies dem Regisseur bewusst war. Der Erfolg gibt ihm recht, der dominante Einsatz des genialen Sounds steht im krassen Gegensatz zum ansonsten angegangenen Minimalismus, der "The Babysitter Murders" (Alternativtitel) jene Genialität beschert, die ihn schließlich auch ausmacht. "Halloween" muss man als Horror-Fan gesehen haben, da geht kein Weg dran vorbei. Er gilt als Meilenstein des Genres und dies zu Recht. Alle Jahre wieder sehe ich ihn mir an und bin immer wieder aufs neue fasziniert davon wie gut er funktioniert. Zudem ist er in unscheinbaren Szenen, wie dem Mord im Auto, der Szene im Kleiderschrank, oder der Bettlaken mit Brille-Aktion, hervorragend fotografiert. Auch dies beeindruckt noch nach der x-ten Sichtung.  OFDb

14.02.2017

THE FOG - NEBEL DES GRAUENS (1980)

Ich verstehe nicht, warum Carpenter seine Gruselgeschichte nach der Geisterstunde abbricht, um sie in der kommenden Nacht zu einer willkürlichen Uhrzeit wieder einzusetzen. Der Film hätte doch auch einzig in einer Nacht spielen können. Ich verstehe nicht, warum er der Geschichte um die Wiederkehrer so viele zusätzliche böse Omen in Form von Spukereignissen beschert, zumal die Rückkehrer und gerade ihre Waffen körperliche Gewalten sind und keine reinen Spukerscheinisse. Ich verstehe nicht warum aus solch eher willkürlich wirkenden Bausteinen ein solch großartiger Film werden konnte. Ist Carpenters spannungsgeladener Kultstreifen aufgrund dieser Entscheidungen so gut ausgefallen, oder konnten die guten Elemente diesen theoretischen Fehlentscheidungen trotzen? Ich weiß es nicht, ich weiß nur dass „The Fog - Nebel des Grauens“ blendend funktioniert.

Eine Spukgeschichte mit einer Gruselgeschichte am Lagerfeuer zu beginnen, und diese ganz für sich wirken zu lassen ohne Rahmengeschichte oder einem plötzlich aus dem Gebüsch hüpfendem Angstmacher, beweist bereits dass Carpenter in die richtige Richtung denkt, weiß doch bereits diese Einleitung in ihrer recht naiven Art zu gruseln, so toll vorgetragen wie sie ist, und so sehr wie sie uns den Grundstein wohligen Gruselns präsentiert. Auch die lange Vorphase die der Einleitung folgt weiß in ihrem Mix aus Figurenvorstellung/vertiefung und dem Einbringen diverser warnenden Omen zu gefallen. Die Parallelereignisse sind alle so interessant ausgefallen wie ihre recht nüchtern vorgestellten Personen. Hokuspokus mixt sich mit Sachlichkeit, und das langsame Zusammenflicken der einzelnen Situationen und Erkenntnisse geht gekonnt und glaubwürdig vonstatten, zumal vieles bis zum Schluss parallel geschieht und nicht immer am Ende eine Einheit erhält.

Die bösen Omen, die Erkenntnis dass der Nebel gegen die Windrichtung wandert, der so positiv unecht wirkende, grelle Nebel, das alles weiß zu beunruhigen, noch bevor die Rächer ihre erste Tat vollbringen. Die Grundstimmung ist gesetzt, und wenn das eigentliche Geschehen ins Zentrum tritt, bleibt „The Fog“ so stimmig wie in seiner Vorphase, nutzt Carpenter den Nebel doch wahrlich um zu gruseln und nicht einzig um kostengünstig optisch zu verschleiern. Dass die Geister der Vergangenheit im Nebel nie ganz deutlich zu sehen sind ist sogar ein Pluspunkt des Streifens. Einzig ihre Ärmchen dringen hin und wieder durch Fensterscheiben.

Dass dies weniger an „Die Nacht der lebenden Toten“ als vielmehr an Amando de Ossorios reitende Leichen erinnert, liegt u.a. daran, dass sich Carpenters zusammen mit Deborah Hill geschriebene Geschichte ohnehin wie der Zusammenschluss aus „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ und „Das Geisterschiff der reitenden Leichen“ anhört, nur dass es Carpenter im Gegensatz zu dem Spanier gelungen ist, einen wahrhaft spannenden Film zu zaubern, während die reitenden Leichen trotz stimmiger Momente stets mehr zum Schmunzeln als zum Gruseln einluden. Interessanter Weise ist Carpenters Film nicht viel weniger naiv ausgefallen als die spanischen Vergleichswerke, der Unterschied in Sachen Wirkung könnte trotzdem größer nicht sein.

Wenn die Radiomoderatorin vom Leuchtturm aus die letzten nichtbenebelten Straßen Antonio Bays durchgibt und damit zum Navi der letzten Flüchtenden wird, ist „The Fog - Nebel des Grauens“ auch in den rasanteren Szenen auf einem Spannungshoch angekommen. Auf der Zielgeraden wird immer klarer worauf es die Geschichte abgesehen hat, sie beinhaltet keine Überraschungen mehr, und diese benötigt sie auch nicht mehr, werden die Rächer, die im unheimlichen Nebel agieren, doch nun zum Selbstläufer. Und das ist wohl das beste was einem Horrorfilm geschehen kann, dass im Hoch der Geschichte einzig sein Aggressor für Interesse und blank liegende Nerven sorgt.

Wie gesagt, viele Entscheidungen John Carpenters verstehe ich nicht, ebenso die etwas ruppige Entscheidung dass der Pfarrer am Ende doch noch ein weiteres Mal von den Rächern aufgesucht wird, aber es funktioniert. „The Fog - Nebel des Grauens“ ist nun einmal zu einem Carpenter-Hoch entstanden, und da hat der gute Mann wirklich nur brillante Filme abgeliefert. Das Zusammenspiel von Dunkelheit, Musik, der bösen Omen, der Figurenkonstellation und das Puzzle dass sich mit der Zeit zusammenfügt in Kombination mit dem titelgebenden Nebel und den unheimlichen, kaum sichtbaren Wesen die in ihm mörderisch lauern und agieren, das weiß im Entfachen und Erhalten einer spannungsgeladenen Atmosphäre einfach bestens zu unterhalten.  OFDb

27.04.2014

HALLOWEEN 2 - DAS GRAUEN KEHRT ZURÜCK (1981)

Für eine Fortsetzung des legendären Kult-Horrors von John Carpenter, der zu meinen absoluten Lieblings-Horrorfilmen schlechthin gehört, ist „Halloween 2“ schon ein wenig enttäuschend ausgefallen. Obwohl er auf der einen Seite auf dem optischen Stil des Vorgängers aufbaut, sind es doch viele Kleinigkeiten die Teil 2 nicht die fesselnde Atmosphäre bescheren wollen, die das Original so einzigartig macht und manchen Unsinn der Geschichte vergessen ließ. Ob es die neue Maske Michaels ist, die auf zu düster getrimmt ist, ob es der Soundtrack ist, welcher den von Teil 1 auf 80er Jahre-Stil modernisiert, oder ob es der zeitgemäße Drang der Verantwortlichen ist, Messer Messer sein zu lassen, und Michael auf Jason-Art abwechslungsreicher morden zu lassen, um optisch grausamere Szenen zeigen zu können, all dies arbeitet gegen eine dichte Atmosphäre und einen hohen Spannungsbogen.

Michael weiß nie zu überraschen. Man weiß immer vorher wo er zuschlagen wird, was den Verlauf des Films in seinem möglichen Nervenkitzel zu sehr ernüchtert. Hin und wieder, wenn Regisseur Rosenthal John Carpenter kopiert, der in Teil 2 u.a. noch für die Produktion und das Drehbuch verantwortlich war, bekommt auch er atmosphärische Aufnahmen hin, z.B. wenn er Michael aus dem Dunkeln langsam ins Helle treten lässt und ihn damit wie ein Phantom aus dem geglaubten Nichts wirken lässt. Auf eigenständige Art schafft er solche Kunststücke jedoch nie.

Klar, ein Ergebnis wie Teil 1 war nicht mal eben noch einmal nachzuschieben, das brauchte man nicht zu erwarten. Aber der fehlende Spannungsbogen macht Teil 2 schon ein wenig enttäuschend. Gibt man sich aber erst einmal mit weniger als erwartet zufrieden, weiß auch die Fortsetzung zu unterhalten, gewinnt sie doch allein deshalb an Charme, weil sie in der selben Nacht wie Teil 1 spielt. Wo hatte man dies vorher schon einmal erlebt? Die wichtigen Figuren von einst sind alle noch mit an Bord, auch wenn wenige, wie der Sheriff, bereits nach kurzer Zeit ersetzt werden.

Drei Jahre nach Teil 1 gedreht wirkt auch keiner der Schauspieler gealtert. Da hat die Maske wahre Wunder vollbracht, auch wenn ihr das biedere erwachsene Aussehen von Laurie Strode dafür entgegen kam. Der optische Stil des Originals, das Aussehen der Figuren aus Teil 1, all dies ist jedoch wesentlich einfacher wieder hinzubekommen als das Verhalten Michaels aus psychologischer und strategischer Sicht. Und selbst dieses schwierige Unterfangen hat man geschafft einzuhalten. Es gibt keine Widersprüche im Verhalten des ominösen Killers. Und dass man dessen Hintergrund nicht beleuchten sollte und nie dem Warum seiner Unzerstörbarkeit nachgeht, hat man glücklicher Weise ebenfalls begriffen.

Ob man Michael seiner Mystik beraubt hat, weil man ihm einen Hintergrund für seine Taten im letzten Drittel beschert, vorher bereits durch Traumsequenzen Lauries angedeutet, sei einmal dahingestellt. Die Deutungsvielfalt des Originals geht sicherlich damit flöten, um eine Fortsetzung interessant zu halten und das eigentliche Nichts an Story ein wenig zu erweitern, ist die Idee jedoch gut zu nennen, nicht nur im Hinblick auf die Fortsetzungen ab Teil 4, die davon zehren konnten, auch Teil 2 hat diese Erweiterung dringend nötig, um nicht im völligen Leerlauf zu enden.

Für meinen Geschmack kommt der Versuch diesen zu unterbrechen etwas zu spät, mordet doch Myers fröhlich monoton, wenn auch wie erwähnt im unterschiedlichen Stil, vor sich hin, während hin und wieder zu Laurie geblendet wird, die von einem Mitarbeiter des Hospitals bezirzt wird und bis auf das Finale nicht wirklich wichtig für den Verlauf der eigentlichen Handlung ist. Für diese muss das Krankenhauspersonal herhalten, das aber zu oberflächlich charakterisiert wird, als dass man sich für deren Schicksal interessiert, zumal Rosenthal wie erwähnt die Spielerei wann ein Opfer nun zum Opfer wird weg lässt.

Loomis darf in der Zwischenzeit mit dem Kollegen des Sheriffs aus Teil 1 die Stadt nach Michael absuchen. Und auch wenn man versucht diesen Momenten etwas Abwechslung zu bescheren, wenn nach einem Brand die Frage offen ist, ob Michael noch lebt oder nicht: der Zuschauer weiß ohnehin dass er lebt, hat von diesem Erzählzweig somit nicht viel, zumal die Dramatik dieses eigentlich bösartigen Irrtums nicht eingefangen wird. Zumindest macht ihr Fehlen noch einmal das unterkühlte Verhalten Loomis deutlich, der mit dem Festbeißen in den Fall Michael längst seine Seriosität verloren hat, was die Glaubwürdigkeit unterstreicht warum damals in der Anstalt niemand auf die warnenden Worte dieses Mannes gehört hat.

Man versucht also so einiges um gegen eine monotone Wirkung der Geschichte anzukämpfen. Meiner Meinung nach hat man dies aber nicht wirklich geschafft. Es sind die Dinge die vom Original übernommen wurden, die nicht zulassen, dass „Halloween 2“ auch nur ansatzweise langweilig werden würde. Etwas zu gewöhnlich kommt Rosenthals Werk mit diesem Nichts an Story bei fehlender dichter Atmosphäre und fehlendem Spannungsbogen jedoch schon daher, so dass am Ende nur Freunde der Reihe zufrieden gestellt werden und Freunde harter Bilder. Da ich mich zu erstgenanntem Zielpublikum dazu zähle ist mein Eindruck trotz aller Kritik noch immer positiv ausgefallen. Für die meisten anderen dürfte „Halloween 2“ jedoch nur lahmer Durchschnitt sein.  OFDb

18.08.2013

TRUE LIES - WAHRE LÜGEN (1994)

„True Lies“ bedeutete ein Wiedersehen in der Zusammenarbeit zwischen Arnold Schwarzenegger und James Cameron, die mit den beiden „Terminator“-Filmen große Erfolge feierten. Für den Regisseur war die Action-Komödie gar der direkte Folgefilm drei Jahre nach „Terminator 2“. Bereits dort wurde deutlich, dass Cameron nicht der talentierte Regisseur ist, für den ihn viele noch immer halten. Das große Kawumm ist sein Geschäft, und in „True Lies“, einen Film der im letzten Drittel von Showdown zu Showdown hüpft, soll es auch jeder merken. Da wird an Action nicht gespart, und Arnie darf böse Buben in einer Anzahl töten, die es wohl seit „Phantomkommando“ nicht mehr gegeben hat.

Trotz mangelnder Ironie guckte sich dieser unfreiwillig komische Film nicht halb so peinlich wie der absichtlich in lustigen Gefilden schwimmende „True Lies“, und das hat seinen Grund. Die Ironie wird an falschen Stellen signalisiert und der Humor richtet sich an einfache Gemüter, nicht ohne auch mich zum schmunzeln und manches Mal zum lachen zu bringen, aber doch recht berechnend gestrickt. Funktionieren könnte das ganze trotzdem, das tut es teilweise sogar, z.B. in der Phase, in welcher Arnie der Ehefrau, gespielt von Jamie Lee Curtis, hinterher spioniert und dabei auf einen erbärmlichen Autohändler stößt, der sich als Spion ausgibt um Frauen aufzureißen.

Die Actiongeschichte, so schön sie sich auch an den Zutaten typischer James Bond-Geschichten orientiert, guckt sich jedoch nicht so entspannend wie der Rest, steckt sie im Gegensatz zu Arnies Werken aus den 80er Jahren doch mitten in den Regeln der Political Correctness fest und außerdem in einer Zeit, in welcher man Arnie nach finanziell erfolgreichen Ergebnissen mit „Zwillinge“ und „Terminator 2“ weiterhin unbedingt möglichst familienfreundlich vermarkten wollte. Dementsprechend wirkt das eigentliche Erwachsenenszenario gerne mal kindlich, und damit guckt sich auch der Wunsch nach einer erhöhten Actionschraube recht infantil. Vielleicht ist ja auch der Blick auf die Familienunterhaltung der Produzenten schuld am tölpelhaften Verhalten des schlecht gecasteten Gegners, der solch dämliche Fehler begeht, die ihn als Gegenpols zu Arnold Schwarzenegger so gar nicht würdig erscheinen lassen. Ein übler Fehler in einem Actionfilm!

„True Lies“ hat durchaus seine Momente, dafür ist das Drehbuch dann doch eine Spur zu gelungen und die Mitwirkenden zu engagiert bei der Sache. Aber er guckt sich unangenehm unausgereift, überfrachtet mit Quantitäten und verursacht ein Fremdschämen, komischer Weise auch in jenen Bereichen, für die man sich einen Schwarzenegger-Film eigentlich auch anschauen möchte. Gut zu wissen, dass er mit „The Last Stand“ heutzutage wieder mit sympathischem Ergebnis unterwegs ist. Den Karrieren der beiden Hit-Giganten hat „True Lies“ nicht geschadet, ganz im Gegenteil. Die Geschichte um Harry Tasker war der letzte große Kino-Hit des Muskelmannes und spielte dementsprechend ordentlich Geld ein. Erst das Folgewerk „Eraser“ (ohne Cameron) brachte nicht den anvisierten Erfolg an den Kinokassen.  OFDb

20.03.2013

PROM NIGHT - DIE NACHT DES SCHLÄCHTERS (1980)

Bei einem Kinderspiel kommt es zu einem Todesfall. Die Kinder schweigen. Jahre später sind aus den Tätern Teenager geworden. Der Abschluss-Ball steht bevor. Doch ein Mörder trübt die Stimmung. Ist es ein ehemalig unschuldig Verurteilter? Oder gab es damals einen Zeugen?...
 
Der Möchtegern-Klassiker...
 
Bei "Prom Night" ist es kaum noch nachvollziehbar, warum er seinerzeit so erfolgreich war. Routinierter kann dieses Billigprodukt kaum sein. Künstlerisch wertvolle Kniffe findet man gar nicht, und selbst die Stars Leslie Nielsen (der für eine im Vorspann erste Nennung kaum auftaucht) und Jamie Lee Curtis agieren maximal auf Durchschnittsniveau.

Für einen Film mit einem solchen Bekanntheitsgrad in der Horrorszene fällt vor allen Dingen die sehr unprofessionelle Umsetzung auf. In der ersten Filmhälfte habe ich 6 mal das Mikrofon im Bild gesehen. Und wenn der Killer 30 Minuten vor Schluss doch endlich einmal zu morden beginnt, bewegt er sich allen ernstes so flott, trottelig und selbst verletzbar, wie man es danach erst wieder in der parodistisch angehauchten „Scream“-Reihe erleben durfte. "Prom Night" ist hingegen bierernst umgesetzt, was abseits des von mir kritisierten Punktes positiv auffällt. Dem Film umweht eine trockene 70er Jahre-Atmosphäre (für ein 80er Jahre Feeling war es 1980 noch zu früh). Nach der recht netten Eingangssequenz ist es gerade dieser trockenen Atmosphäre zu verdanken, dass die darauf folgenden ereignislosen 50 Minuten guckbar bleiben, trotz Nichtigkeiten in der Story streckenweise sogar recht interessant.

Das klappt allerdings nicht die kompletten 50 Minuten, denn kurz bevor der Film im letzten Drittel endlich etwas Schwung bekommt, wird noch endlos zu schlechter Disco-Musik im arroganten und überheblichen damaligen Stil getanzt. Das ging nach einiger Zeit ziemlich auf den Wecker.

In der letzten halben Stunde legt der Killer endlich los, der dank seiner jugendhaften Bewegungsmöglichkeit trotz Maske längst vom aufmerksamen Zuschauer enttarnen wird. Nun erleben wir ein paar spannende, wenn auch routinierte, Verfolgungsjagden. Wenn die Opfer sich verstecken oder fliehen sind das die Höhepunkte des ansonsten so mageren Streifens. Solche Momente sind nur leider von kurzer Dauer. Mal mehr mal weniger hart werden die Opfer ins Jenseits befördert von einem Mörder, der im Gegensatz zu seiner Konkurrenz aus selbiger Kinozeit eine wirkungslose Gesichtsbekleidung beschert bekam.

Das Finale kommt dann relativ unspektakulär daher, was durch die Vorhersehbarkeit der Mörderaufdeckung noch lahmer als ohnehin ausfällt. Toll war das nicht. Seinem Bekanntheitsgrad wird das Werk nicht gerecht, und nach Sichtung bin ich sehr zuversichtlich, dass die Neuverfilmung besser sein dürfte als dieser uninspirierte Murks.  OFDb

08.12.2012

MONSTER IM NACHTEXPRESS (1980)

Jahre nachdem Studenten einen Kommilitonen in den Wahnsinn trieben, steht eine große, außergewöhnliche Feier bevor. Es ist ein Maskenball mit Zauberei in einem fahrenden Zug. Mit an Bord: Ein Killer, der einen Fahrgast nach dem nächsten tötet...

Mörder im Nachtexpress... 
 
Die Slasherwelle kam gerade richtig ins rollen, da erschien „Terror Train“ (Alternativ- und Originaltitel) auf der Leinwand, um vom großen Kuchen auch ein Stückchen zu erhaschen. An Bord holte man sich Scream-Queen Jamie Lee Curtis, die schon in „Halloween“ eine ähnliche Rolle spielen durfte und im selben Jahr von „Monster im Nachtexpress“ noch in „Prom Night“ Gelegenheit zum Schreien kriegen sollte.

„Terror Train“ beschäftigt sich, ähnlich wie der Mitte der 80er erschienene „Die Todesparty“ mit der Frage, was passiert, wenn einem geistig labilen Charakter von Gleichaltrigen übel mitgespielt wird. Der Psycho dieses Filmes hat eine Leiche geküsst, und ist seit dem nicht mehr richtig im Kopf. Natürlich wird das Thema auf Subgenreart erörtert, was so viel heißt, dass der winzige psychologische Ansatz unsinnig ist, und man sich darauf beschränkt, dass nun mörderische Rache genommen wird.

Trotz der Eingangssequenz, in der wir sehen dürfen, wie dem jungen Mann übel mitgespielt wird, versucht man in „Monster im Nachtexpress“ nach einiger Laufzeit die Aufmerksamkeit auf einen anderen Tatverdächtigen zu lenken. Es ist der Zauberer im Zug, der zu Unterhaltungszwecken engagiert wurde, gespielt von dem mittlerweile weltberühmten David Copperfield. Leider ist der Versuch ihn verdächtig erscheinen zu lassen nicht geglückt, zumal seine Assistentin in der deutschen Fassung bereits mit brummiger Männerstimme sprechen darf.

Das ist aber kein Punkt, der den Film in die Mittelmäßigkeit drängt. Viel entscheidender sind der mangelnde Spannungsgehalt (der aber immerhin ab und an aufblitzt) und die zu oberflächliche Hauptfiguren-Charakterisierung. Wie soll man mit jemandem richtig mitfiebern, den man nicht kennen lernen durfte? Jamie Lee Curtis Rolle unterscheidet sich nicht von den vielen Opfern, die es immer im Laufe von Slasher-Filmen erwischt. Mit deren Tod kommt man stets gut zurecht, weil man sie eh kaum kannte. Das finale Girl hingegen muss zur Identifikationsfigur werden, und das haut in „Terror Train“ einfach nicht hin. Jamies Rolle ist noch biederer als in „Halloween“, bekommt einen winzigen psychologischen Hintergrund, und ansonsten weiß man nichts. Sie hat auch nicht viel Screentime für eine Hauptrolle. Das wurde richtig vergeigt.

Positiv dagegen wirkt die ungewöhnliche Zuglocation und die Idee die Party in Form eines Maskenballs stattfinden zu lassen. Der Mörder kann dadurch die Verkleidungen wechseln, was meiner Meinung aber nicht richtig ausgekostet wurde. Immer weiß man, wann der Mörder in welchem Kostüm steckt. Wozu dann der Wechsel? Dann hätte man auch das Prinzip beibehalten können, dass der Mörder eine Wiedererkennungsmaske trägt (wichtig für mögliche Fortsetzungen), zumal das Outfit in dem er zu Beginn auftritt seine beste Wirkung hat.

„Terror Train“ ist keiner dieser Slasher, von denen man abraten würde, aber auch keine wirkliche Empfehlung. Insgesamt hinterlässt er einen zu gewöhnlichen Eindruck. Wenigstens fängt er Anfang der 80er noch das 70er Jahre-Flair ein, was atmosphärisch gesehen in meinen Augen die schönste Zeit dieses Subgenres war.

Wie gut oder schlecht die Morde ausgearbeitet sind, kann ich leider nicht beurteilen. Ich habe eine geschnittene Fassung gesehen, und sah lediglich kurz den Schädel eines Geköpften rollen. Von der von mir gesichteten DVD von MIB ist ohnehin abzuraten, da das Bild streckenweise besonders dreist dunkel ist, was mit digitalem Schwarz noch übler wirkt als abgedunkelte Filme auf VHS.  OFDb

02.09.2012

VERRÜCKTE WEIHNACHTEN (2004)

In den letzten Jahren feierten die Kranks Weihnachten eher wegen ihrer Tochter. Als diese ankündigt dieses mal zum Fest nicht nach Hause zu kommen, beschließen Luther und Nora Krank das Fest dieses Jahr einmal ausfallen zu lassen. Dies sorgt für reichlich Ärger in der spießigen Siedlung in der sie wohnen. Und als Tochter Blair sich dann doch noch entschließt aufzutauchen, wird doch noch sehr hektisch eine Feier geplant...

Dieses Jahr zu Weihnachten: verschenkte Ideen...
 
Was war das für eine ominöse Weihnachtskomödie, dachte ich mir nach Sichten von „Verrückte Weihnachten“. Liest man sich zuvor die Story durch, geht man erst einmal völlig anders an den Film heran, weil sich das ganze wie ein Anti-Weihnachtsfilm liest. Eine kurze Zeit hält der Film dieses Versprechen auch ein, lässt dann aber doch schnell durchschimmern, dass er zu einer Pro-Weihnachtskomödie werden wird.

Das wäre im Prinzip auch nicht so schlimm, würde der Film einen nicht die Pflicht zum Gruppenzwang aufzwängen wollen. Die penetranten Nachbarn, welche die individuellen Wünsche der Kranks aus spießigsten Gründen nicht akzeptieren wollen, stehen zum Ende des Films als jene da, die Recht hatten. Dabei hätten sie im Finale einer solchen Geschichte die Angeschmierten sein müssen, schließlich waren sie keineswegs sympathisch präsentiert, sondern lediglich aufdringlich und intrigant.

Was der Mittelteil des Films da an schlimmsten Vermutungen vorahnen lässt und hin und wieder mit billigster Komik präsentiert (Curtis jagt einen rollenden Schinken, gähn!) bekommt im letzten Drittel schließlich doch noch den Bogen zu einer netten Komödie, dies aber freilich nur dann, wenn man irgendwann akzeptiert hat, dass die Nachbarn plötzlich die Guten sind. Gar fragwürdig wird es, wenn Frau Krank sich auf der finalen Feier bei allen unterwürfig bedankt. Fast könnte Weihnachten ein Symbol fürs Sektenleben sein: willst Du aussteigen hast Du keine Freunde mehr, und kommst Du zurück wird auch dem schwärzesten Schaf verziehen.

Genau dies erzählt „Verrückte Weihnachten“, richtet seine Position allerdings nicht kritisch gegen eine solche Mitläuferschaft aus, sondern dafür. Herr Krank kommt mit mehr Würde und Charakter aus der ganzen Sache heraus, verschenkt seine ursprünglich geplante Reise und heuchelt dabei wenigstens kein erzwungenes Entschuldigung heraus. Er war im Recht, er weiß es, und er fügt sich den Wünschen seiner Liebsten. Damit hat er im kritiklosen Film jedoch eine Außenseiter-Position und nicht die des gefeierten Helden.

Einer der schönsten Witze und Charaktere ist etwas von der 1. Staffel "King Of Queens" abgeguckt. Es wird jemand eingeladen, der alles über die Kranks weiß, sogar wo sie wohnen, den aber niemand in eine Schublade stecken kann. Wer ist dieser Fremde? Die Auflösung dieser Frage ändert den vorgegebenen Sitcom-Witz allerdings vom Sinn her ab. Ebenfalls geklaut wurde von der deutschen Serie "Büro Büro", denn auch hier darf eine Schreibmaschine zur Musikuntermalung zweckentfremdet werden

Die Schauspieler sind alle recht gut gewählt: Tim Allen spielt sympathisch, wenn auch etwas untalentiert wie immer. Jamie Lee Curtis darf, wie zu ihren Zeiten als Scream-Queen, schreien bis der Arzt kommt (was meistens lustig eingefangen wurde). Dan Aykroyd hatte eine viel zu kleine Rolle, die wesentlich lustiger gewesen wäre, wenn der Film so bissig wie seine Grundidee ausgefallen wäre. Was hätte er in diesem Falle überspitzt den bösen Nachbarn spielen können, der auf falsche Traditionen pocht? Doch diese Art Humor darf in „Verrückte Weihnachten“ nur gelegentlich durchfunkeln.

Wären die Absichten der Kranks nicht so nachvollziehbar und die Nachbarschaft nicht zu unsympathisch und dreist um später die positive Seite des Gewissens zu sein, so hätte aus dem Film eine richtig nette Weihnachtskomödie werden können. Wäre der Krieg mit den Nachbarn zum Zentrum der Geschichte gewählt worden, um Spießertum zu kritisieren, hätte das Ganze, auch wegen seiner tollen Besetzung, eine interessante Satire werden können, schwarzhumorig wie die Nacht und um Längen besser als der angenehm schlichte "Funny Farm", der dann themenähnlich wie er wäre in einem Atemzug hätte mitgenannt werden müssen.

Dies ist beides nicht passiert, und so haben wir letzten Endes eine kleine Weihnachtskomödie, die einen mal zum Lächeln und mal zum Lachen bringt und die sich sowohl auf Traditionen, als auch auf derer Ausnutzung stützt. Schade nur, dass das Drehbuch, welches sich eher an die Regeln hunderter Fließband-Weihnachtsfilme hält, es nicht schaffte den netten Anfang mit dem netten Ende etwas konsequenter zu verbinden. Durch den etwas unausgegorenen Mittelteil wirkt der Film leider etwas zusammengeflickt.  OFDb