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20.09.2017

DAS FENSTER ZUM HOF (1998)

Alfred Hitchcock hatte mit „Das Fenster zum Hof“ einen großartigen Film abgeliefert, der es eigentlich nicht nötig gehabt hat neu verfilmt zu werden. Bis auf die zu braven Einblicke ins Privatleben Anderer, welche der biederen Entstehungszeit des Streifens zu verdanken sind, gäbe es keine nennenswerten Neuerungen, die der Thriller benötigen würde. Letztendlich ist Jeff Bleckners „Das Fenster zum Hof“ aber ohnehin nur eine alternative Erzählung zum Original und somit keine tatsächliche Neuverfilmung. Die Figuren sind andere, der angebliche Mordfall ist ein anderer, und der Grundton des Streifens ist auch ein anderer.

War Hitchcocks Werk ein für einen Thriller recht amüsant ausgefallener Film, so herrscht in der für das Fernsehen hergestellten zweiten Version des Stoffes von Beginn an ein ernster, düsterer Grundton. Der 90er Jahre-„Rear Window“ (Originaltitel) ist konventioneller erzählt, ist gradliniger ausgefallen und in vielen Dingen direkter angegangen, also weit weniger verspielt als die Hitchcock-Version. So ist z.B. von Anfang an klar hinter welchem Fenster sich der angebliche Mord abspielen wird. Und eigentlich rätselt man gar nicht so sehr, wie es im Original der Fall war, darüber ob alles nur ein Irrtum sein könnte, oder ob Jasons Verdacht der Wahrheit entspricht.

Solche Spielereien hat „Das Fenster zum Hof“ in seiner zweiten Version auch gar nicht nötig. Nicht nur, dass er gar nicht erst versucht mit Hitchcocks Original zu konkurieren, der Aufhänger der Neuverfilmung ist ein ganz anderer. Der Held des Streifens ist querschnittsgelähmt und kann sich damit noch weniger gegen mögliche Gefahren wehren, wie der diesbezüglich bereits eingeschränkte Held der 50er Jahre-Version. Wir erfahren viel darüber wie es ist mit der Lähmung leben zu müssen. Finanzielle Fragen tauchen neben den obligatorischen medizinischen Hintergründen ebenso auf wie zwischenmenschliche und seelische Problematiken. Es dauert allein 20 Minuten bis Jason erstmals aus dem Fenster guckt, bis dahin orientiert sich die Geschichte an den Fortschritten Jasons nach dem Unfall. Dass diese „Rear Window“-Version wesentlich düsterer ausgefallen ist, liegt somit nicht nur am verstärkten Thrillergehalt, sondern auch am dramatischen Aspekt, der hier weit mehr als nur simples Beiwerk ist.

Dieser dramaturgische Effekt wird zudem dadurch verstärkt, dass Hauptdarsteller Christopher Reeve selbst seit einem Reitunfall querschnittsgelähmt war und mit diesem von ihm mitproduzierten mutigen Projekt jedem zeigen kann wie es ist mit dieser Behinderung zu leben. Letztendlich ist Reeve Kemps, denn nicht nur der bewegungslose Körper vereint ihre Person, auch den ungebrochenen Willen daran zu glauben, dass es eines Tages eine Heilmöglichkeit gibt, überträgt Reeves von seiner Privatperson auf den von ihm gespielten Charakter. Bis zu seinem Tod glaubte Reeves felsenfest an eine Heilung und überraschte alle mit seiner optimistischen Überzeugung und dem Mut zum Kampf.

Den lebt er auch in seiner Rolle als Jason, und dass „Das Fenster zum Hof“ nicht nur zu einer Mitleidsnummer mit dem wirklich querschnittsgelähmten Reeves verkommt, liegt an dem Hauptdarsteller selbst, der nicht nur mutig und selbstbewusst auftritt, sondern auch beweist, dass er als Schauspieler stets unterschätzt wurde. Mag der Film manches Mal auch etwas zu gewöhnlich ausfallen und die Love Story mit seiner Kollegin arg unrealistisch wirken, die Leistung Reeves weiß zu packen und einiges wieder rauszureißen. Irgendwer Verantwortliches hat es zudem begriffen ihn optisch packend einzufangen, wenn er kritisch das Treiben von gegenüber beobachtet. Ob in Direktaufnahmen aufs Gesicht oder hinter der Scheibe sitzend, Jason wirkt wie eine ernstzunehmende Bedrohung auf den möglichen Mörder.

Ein zweites Meisterwerk wie Hitchcocks Version ist der 90er Jahre-„Rear Window“ nicht geworden, aber dank eines routinierten Spannungsbogens und eines alternativen Kriminalfalles und in erster Linie aufgrund Christopher Reeves packender und mutiger Darstellung, lohnt es sich trotzdem auch der Zweitversion des Stoffes eine Chance zu geben. Andere Schwerpunkte und ein düsterer Grundton machen aus dem Stück TV-Film eine eigenständige Angelegenheit, anstatt zur abgekupferten Blaupause eines berühmten Kinoklassikers zu verkommen.  OFDb

02.03.2014

SUPERMAN 4 - DIE WELT AM ABGRUND (1987)

Entgegen der Gerüchte Christopher Reeve habe seine Rolle als Superman dicke, war es besagter Schauspieler der die Idee der Geschichte von „Superman 4“ beisteuerte, scheinbar aber nur als einer von wenigen an solch ein Projekt glaubend, war es nach dem eigentlich mutigem, vom Publikum aber abgelehnten, Teil 3 schwer überhaupt noch Geldgeber für eine dritte Fortsetzung zu gewinnen. Dass Geld Mangelware war erkennt man bereits an den Spezialeffekten, die im Erstling von vor 9 (!!!) Jahren besser ausgefallen sind als hier.

Ärgerlich ist dies ganz besonders in den Flugsequenzen, die nur noch wie ausgeschnitten ins Bild gesetzt wirken. Und obwohl man sich scheinbar einer günstigeren Effektschmiede anvertraute, wurde trotzdem an der Anzahl von Effekten gespart. Viele wunderliche Vorgänge erleben wir als schlicht getricksten Budenzauber, beispielsweise die Vereisung Supermans im All und die Befreiung aus diesem Zustand, alles ohne sichtbaren Vorgang umgesetzt und stattdessen darüber mittels künstlichen Nebel bzw. durch banale Bilder einer Explosion hinweggetäuscht.

Manch andere Effekte entlieh man sich aus Archivmaterial oder umging sie komplett, indem man das Drehbuch schlicht hielt. Letzteres lässt sich nicht anwenden, wenn der Solarmann wüten darf. Doch die Apokalypse, die er im Kampf gegen Superman über die Menschheit bringt, wird über ein paar gelegte Feuerchen und billige Expolisionen gezeigt. Das ist etwas schlicht für einen Kinofilm und wird versucht zu kompensieren, indem wir einen endlosen Kampf zwischen Superman und dem Solarman beiwohnen müssen, was das Finale endgültig ruiniert, so dass in diesem Punkt Teil 3 und 4 ihren gemeinsamen Schwachpunkt besitzen.

Dass der Kampf gegen solch einen Solarmenschen nicht sonderlich vom Hocker reißt nachdem Superman in Teil 2 gegen drei Supermänner kämpfen durfte, dürfte nicht verwundern. Aber „Superman 4“ ist ohnehin so sehr als Lightversion seiner Vorgänger umgesetzt, dass er sich insgesamt sowieso nur wie ein kleiner TV-Film guckt, und das ist schon etwas schade, schaut er sich doch trotz seiner Schlichtheit etwas entspannter als der arg bemühte Teil 3, auch wenn dieser qualitativ dem hier besprochenen Teil 4 um Längen voraus ist.

Dass man sich in den „Superman"-Filmen stets dem simplen, naiven, kindlichen Kern der Comics zuwandte, war immer Pluspunkt der Filme und rettet den so schlicht gestrickten Teil 4 ein wenig vor seinem totalen Absturz, macht es doch Spaß das banale Abenteuer zu sichten, welches mal wieder von Lex Luthor ausgelöst wird (allein er als ständiger Gegner wäre in einem Superhelden-Film von heute nicht mehr denkbar, wo man ewig nach neuen Gegnern lechzt). Gene Hackman spielt zwar nicht mehr mit selber Freude wie in den ersten beiden Filmen, ist aber noch immer Pluspunkt, wenn im Vorspann mittlerweile auch nur noch an zweiter Stelle nach Christopher Reeve genannt.

Ein wenig Zeitgeist beweist der Streifen in seiner Thematik, geht es parallel zum Solarman doch auch um die nukleare Bedrohung, die sich im kalten Krieg immer mehr hochgeschaukelt hat. Und obwohl es Superman untersagt ist sich in die Entwicklung des Menschen einzumischen, geht er einer Mission nach alle Atomraketen der Welt zu zerstören. Damit begeht er den selben Bruch den Captain Kirk in „Raumschiff Enterprise“ in so ziemlich jeder Folge begeht und den man als geradezu ur-US-amerikanisch bezeichnen kann. Eine solche Geschichte ist freilich ganz besonders naiv erzählt, entschuldigt jedoch nicht den obligatorischen Wandel von Supermans Meinung im Finale, von der man nicht weiß woher sie plötzlich kommt.

Es ist nicht schwer heraus zu lesen, „Superman 4“ ist ein arg simples Produkt. Aber mit dem Kind im Herzen und einem zugedrückten Auge kann man auch mit dem vierten Abenteuer des stählernen Blitzes seine Freude haben, nur ist dies eher kurzweilige Unterhaltung für langweilige Sonntag-Nachmittage und damit weit entfernt von der großen Kino-Kost des Teil 1. Verpasst hat man nichts wenn man Teil 4 ignoriert, zumal der fünfte Teil „Superman Returns“ ohnehin an Punkten ansetzt, die in Teil 4 nie angesprochen wurden. Wer nur die guten Filme der Reihe gucken mag, muss sie aber ohnehin bereits nach Teil 2 beenden.  OFDb

18.02.2014

SUPERMAN 3 - DER STÄHLERNE BLITZ (1983)

Mit den ersten beiden Teilen war alles Erzählenswerte über Superman erzählt. Teil 2 lieferte gleich zwei Höhepunkte, einmal den dramatischen Aspekt vor Lois Lane seine Geheimidentität zu verlieren und im Abenteuerbereich jenen der Herausforderung gegenüber zustehen drei Gestalten zu bekämpfen, die alle je die selbe Stärke wie er selbst besaßen. Der Erfolg schrie dennoch nach einer Fortsetzung, und so taten Regisseur Richard Lester und seine Autoren das einzig richtige  das zu tun war, etwas dass ihm das Publikum von einst nicht verzeihen sollte: sie zogen den Mythos des Superhelden durch den Kakao.

Schon die beiden Vorgänger wurden humoristisch untermalt, mit Teil 3 sollte die Reihe erstmals, und aufgrund des darauf folgenden Protestes auch letztmals, geradezu im Humor baden. Im Zentrum steht Komiker Richard Pryor, doch auch jeder weitere Story-Aspekt ohne ihn steht im Zeichen der Komik, eine Komik der grotesken Übertreibung, seinen Höhepunkt wohl dadurch erlebend, dass durch eine Computerstörung, verursacht von Gus, ein ständiger Farbwechsel an den Ampeln in der Innenstadt von Metropolis stattfindet, was die beiden Ampelmännchen Rot und Grün schließlich dazu veranlasst aufeinander los zu gehen. Spätestens anhand dieser recht frühen Szene sollte jeder begriffen haben was ihn erwartet.

Dieser völlig überzogene, aber doch definitiv konsequente Stil war den Verantwortlichen jedoch nicht Veränderung genug, also wurde zudem noch Lois Lane in den Hintergrund verschoben (sie darf nur zu Anfang und am Ende in Erscheinung treten), und Clark Kent wird eine andere Love-Interest beschert, dies in der ehemaligen Klassenkameradin Lana Lang.

Auch Lex Luther wird nicht mehr eingebaut, dabei schreit die Story des Schurken spätestens im Finale nach ihm, erbaut der Schurkenersatz Ross Webster mit Hilfe des geistigen Genies Gus Gorman doch einen Supercomputer, anbei die zweite konsequente Idee des dritten Teils. Nach den drei Gegnern von Teil 2 war ein übermächtiger Computer a la „Colossus“ und „Des Teufels Saat“ eine geradezu zeitaktuelle Bedrohung für den Stählernen, wenn es schon keinen übermächtigen Gegner mehr aus Fleisch und Blut geben konnte, der die Schurken des Vorgängers übertrifft. Wie auch immer, Lex Luther hätte Gus nicht einmal benötigt, um Superman den mechanischen Gegner gegenüber zu stellen, doch ein weiter Kampf gegen die von Gene Hackman verkörperte Person war wohl nicht erwünscht.

Man ging also recht konsequent und gleichzeitig mutig an die zweite Fortsetzung heran, die Qualität der beiden Vorgänger erreicht „Superman 3“ dennoch nicht. Das liegt zum einen an der Naivität des Erzählten. Zu sehr bedienen sich die Autoren am Unwissen des Zuschauers wie ein Computer funktioniert und was er warum kann, eine Eigenschaft die sich in all den Jahren bis heute wandeln sollte, in der ein Computer für den Durchschnittsbürger mehr wurde als ein oller Zauberkasten a la „Tron“.

Es gibt also zu viel Hokuspokus um diesen Erzählstrang herum, ganz besonders im Finale, das zwar die beste Idee des Films bereit hält, den eben erwähnten Supercomputer, im Unterhaltungsbereich jedoch den Tiefpunkt darstellt, da hier nur noch ein actionreicher Endkampf bevorsteht mit den pflichtgemäßen Folgen für die Gegner. Das ist simples Abarbeiten der zu erwartenden Geschehnisse, gekoppelt mit dem zuvor von mir geäußerten Kritikpunkt. Schade!

Auch an anderer Stelle weiß „Superman 3“ ein wenig zu nerven, beispielsweise in der Rolle des Sohnes von Lana Lang, dessen wegen Superman für ihn untypische Entscheidungen trifft, und der zur eigentlich besten Phase des Streifens unnötiger Weise zum Gewissen des Helden auserkoren wird.

In dieser Phase darf Superman trinken, gammeln, Schabernack treiben, einfach einmal anders sein als zuvor, mit Spielfreude gespielt von Christopher Reeve. So sehr der Knabe von Lana auch nervt, immerhin führt seine ätzendste Szene, in welcher er Superman ins Gewissen redet, zu einem der Höhepunkte des Streifens, und das ist der symbolische Kampf Clark Kent gegen Superman, in welcher die Körper-Double der jeweiligen Kampfmomente zwar nicht wirklich zu überzeugen wissen, dieser aufgrund mangelnder Computertrick-Möglichkeiten seiner Zeit aber zumindest pfiffig umgesetzt wurde, so dass diese einfallsreiche Szene dennoch zu interessieren und mitzureißen weiß.

Der Rest der Geschichte dümpelt im angenehmen Mittelmaß vor sich hin und erhält mit dem Übermaß an Humor manchmal eine Stütze, manchmal einen Schwachpunkt. So konsequent ich diese Herangehensweise auch finde, manches Mal ging der Klamauk selbst mir auf den Senkel, beispielsweise wenn Gus sich mit jemandem aus taktischen Gründen betrinkt, oder wenn er mit Skiern oben auf einem Hochhaus Unsinn baut. Meist aber stimmt der Ton des Films und trotz so einiger Negativpunkte in der Erzählung lieferte Richard Lester mit „Superman 3“ dennoch ein passables Filmchen ab. Nichts das Filmgeschichte geschrieben hätte, lange in Erinnerung bleibt oder der ersten beiden Teile würdig wäre, aber zumindest ein amüsantes Stück Popkorn-Kino-Kost für zwischendurch.  OFDb

16.02.2014

SUPERMAN 2 - ALLEIN GEGEN ALLE (1980)

Wer „Superman 2“ sichten möchte, hat mittlerweile die Möglichkeit den relativ frischen Director‘s Cut zu sichten oder die klassische Kinoversion. Glücklicher Weise fiel meine Wahl, wenn auch nur per Zufall, auf die reguläre Fassung, las ich doch heute erst, dass eine der vielen negativen Entscheidungen im Director‘s Cut auch jene war, die Erde im Finale erneut links zu drehen, um die Zeit rückgängig zu machen. Da darf man schon die Hand an die Stirn schlagen. Ausgerechnet der Tiefpunkt von Teil 1 wurde wiederholt und dies aus einem weitaus weniger triftigen Grund als im Original. Da kann ich nur wie so oft sagen: danke liebe Studios, lebe Wohl Regie-Fassung. Bis auf „Abyss“ und „Léon - Der Profi“ ist mir bislang noch kein Director‘s Cut begegnet, welcher einer Kinofassung vorzuziehen wäre.

Wir guckten also glücklicher Weise die Fassung von einst, und die erfüllte wunderbar ihren Zweck. Brav setzt sie an Ereignissen von Teil 1 an, ruhig bereitet sie die einzelnen Story-Stränge vor bevor diese ineinander greifen und lobenswert spielt man nicht an bereits vorhandenen Charakteren herum. Figuren benehmen sich so, wie sie sich bereits in Teil 1 benommen haben. Die Rolle des Otis fällt diesmal leider sehr klein aus, aber das ist wohl der einzige Wermutstropfen,  einen den man verstehen kann, hätte der dümmliche Gehilfe Lex Luthors ohnehin nicht in die Hauptgeschichte gepasst. Es ist fast ein Wunder dass Luthor selbst überhaupt in ihr integriert werden konnte.

Im Vergleich zum Vorgänger lässt die Qualität der Fortsetzung jedoch deutlich nach. Es ist unübersehbar, dass in „Superman 2“ der amerikanische Einfluss diesmal dominanter war als der britische. In Teil 1 war es überraschender Weise noch umgekehrt. Superman wird im hier besprochenen Teil geradezu kultig und unterwürfig verehrt, amerikanische Fernsehsender glauben ihr Programm würde überall auf der Erde empfangen, Storystränge, wie das Paris-Szenario, werden eingebaut um einem konzentrationslosem Publikum entgegen zukommen, und dies sind nur drei Beispiele in einem Film, in dem man besagten Unterschied eher allgemein in seiner grundlegenden Mentalität erkennt.

„Superman 2“ war zwar eine Großproduktion, scheinbar aber nicht mit dem nötigen Kleingeld wie Teil 1 versehen. Dass man sich an Szenen (verwendete wie unveröffentlichte) von Teil 1 bedient, hat noch seinen legitimen Grund in Anbetracht auf die Handlung von Teil 2. Die Wirkung solche Szenen zu verwenden ist ebenfalls positiv ausgefallen, so dass ich dies nie als negativen Kritikpunkt vorbringen würde.

Negativ fällt hingegen die Umsetzung jener Phase auf, in welcher die drei Besucher Herrscher über die Welt geworden sind. Fast gütig und zurückhaltend  fällt ihr Verhalten auf, die weltweite Auswirkung wird ebenso wenig eingefangen wie ein Unterschied im Alltag der amerikanischen Bürger. Vielleicht hätte man an anderer Stelle Zeit und Geld straffen müssen, um in diesem nicht unwichtigen Punkt tiefer ins Geschehen und in die Glaubwürdigkeit greifen zu können, denn die vorliegende Lauflänge hätte man nicht einfach so noch einmal um einen weiteren Aspekt vergrößern können. Dann würde „Superman 2“ zu lang laufen und eventuell Gefahr laufen langweilig zu wirken, ein Zustand der im fertigen Werk nie auftritt, nicht einmal ansatzweise gestreift.

Vom Unterhaltungswert her ist „Superman 2“ eine runde Sache, an der es nicht wirklich etwas zu meckern gibt. Kein Wunder, die Geschichte ist ein Selbstläufer: ein Superman gegen drei Supermänner, das ist ein Höhepunkt an Ereignissen, der jede weitere Fortsetzung theoretisch unnötig macht und eine konsequente Weiterführung der Ereignisse aus Teil 1 ist. Dass dieser dennoch besser ausfiel liegt nicht nur an der gehobeneren Qualität gegenüber jener von Teil 2, er erzählt mit der Entstehung des Helden auch die bessere Geschichte, ein Los das fast jede Superhelden-Reihe trifft, vom „RoboCop“ bis hin zu „Spider-Man“.

Aber auch im etwas schwächeren Gewand weiß „Superman 2“ zu unterhalten. Seine Schönheitsfehler sind Banalitäten im Vergleich zu seiner kurzweiligen Wirkung. Der Film ist nett erzählt und dies mit Ausnahme der Paris-Szene in jeder seiner Phasen. Man orientiert sich immer nah an den Charakteren und bleibt dem Motto treu, dass alles letztendlich ohnehin nur ein Spaß für ein jung gebliebenes Publikum sein soll, das sich mal zwei Stunden von der Realität abkapseln wollte. Lediglich das Product-Placement von Marlboro und Coca Cola reißt einen kurz in die (unangenehme) Realität, hätte man sie dem Zuschauer doch nicht so penetrant aufs Auge drücken dürfen wie geschehen. Ansonsten: toller Film!  OFDb

SUPERMAN - DER FILM (1978)

Dem Erfolg von „Krieg der Sterne“ haben wir es zu verdanken, dass Stoffe, die in gebildeteren Zeiten gerne als zu trivial oder zu schundig betrachtet wurden, auch in Großproduktionen für den Kinomarkt fertiggestellt wurden. Superman erhebt sich aus den Schmuddelheftchen, lässt seine wackeligen TV-Auftritte hinter sich und erscheint in professioneller Umsetzung für jederman auf der Leinwand und nicht mehr einzig für Kinder und Freaks. Damit sich auch der letzte Zweifler davon überzeugt bekommt, dass „Superman“ großes Kino verspricht und nicht vergleichbar mit den B-Movies aus dem Autokino ist, hat man mit Marlon Brando und Gene Hackman zwei Schauspiel-Größen engagieren können, die bereits zu ihrer Zeit berühmte Namen waren.

Und so griff die typische Hollywood-Politik durch, in welcher der Prominente vor der eigentlichen Hauptrolle im Vorspann genannt wird, was selbst in der Fortsetzung so bleiben sollte, obwohl sich Christopher Reeve durch Teil 1 einen Namen gemacht hatte. Mit dem von Gene Hackman ließ der sich dennoch nicht vergleichen, und der spielt dort wie hier den Oberschurken und Erz-Gegner Supermans, Lex Luthor, und dies im hier besprochenen ersten Teil erst zum Ende hin mit Glatze, was eine Erwähnung wert ist bei all dem zur Zeit aktuellen Maulen, man könne in der jüngst bevorstehenden Superman-Verfilmung, in welcher ein Kampf gegen Batman bevorsteht, Wirrfrisur Jesse Eisenberg nicht als Lex Luthor dulden, ein Mann mit Talent, in einem Film von dem man jetzt schon weiß, dass der Verbrecher mit Glatze tätig sein wird. Der Fan-Pool gleicht gerne einem Kindergarten.

Aber wenn es schon passt sich wie ein Kleinkind zu benehmen, dann doch bezüglich einer Comicverfilmung über einen Mann, der alles kann und jedem hilft, egal ob er es verdient oder nicht. Lag die Political Correctness, nun wieder bezogen auf diese erste Kino-Adaption, im Bewustsein der Bevölkerung auch noch so fern, der stählerne Blitz verkörpert sie bereits zwei Jahrzehnte zuvor, mit all ihren Nachteilen, Fragwürdigkeiten und dem bitteren Nachgeschmack. Und doch glänzt er und ist zu Recht die Sympathiefigur des fertigen Streifens.

Dabei agiert Christopher Reeve in der Rolle des Superman noch am ernsthaftesten, dürfen doch alle weiteren geradezu klassischen Comic-Stereotype mit einer sympathisch albernen Spielfreude agieren, wie man es eben nur in einem Popkornfilm sehen will, oder wollte. Scheinbar ist die kindlische Spielerei im Bereich der Comicverfilmungen vorbei, so ernst wie heutige Produktionen umgesetzt werden. Die Stars 1978 verstanden noch das Spiel zwischen Ironie und stilvollem Herumalbern, während die Inszenierung ebenfalls auf Abstand geht, ihren Humor aber nie zum Klamauk verfeuert und den Film nie zur echten Komödie werden lässt.

Richard Donner taucht sein Werk in einen subtilen Ton und dafür ist man ihm nicht nur dankbar, letztendlich ist es das Erfolgsrezept für die Qualität dieses Streifens. Es ist die einzig konsequente Herangehensweise für einen Film mit solcher Geschichte. Zur offensichtlichen, unversteckten Komödie wird es immer nur dann, wenn auf der bösen Seite Otis tätig wird (Otisberg, welch wundervoller Witz, sich erst perfekt entfaltend durch das Spiel Hackmans) und auf der guten Seite Clark Cent, in der Reeve all das verkörpern darf, was er als Superman nicht kann.

„Superman - Der Film“ ist recht lang ausgefallen, da er sich jeder Phase seiner Geschichte intensiv widmet, mit einer Ruhe, wie sie für die 70er Jahre gerade zu typisch war. Es wird niemals langweilig und hektisch erst gegen Ende, wo uns nicht nur eine völlig idiotische Idee erwartet, über die man gnädig hinwegsehen muss, sondern der Pluspunkt sich allem mit genügend Zeit zu widmen erstmals gebrochen wird. Studioentscheidung? Ich weiß es nicht, aber nie war der Film stilistisch so schwach wie hier. Inhaltlich könnte man noch die kitschige Szene kritisieren, in welcher zu einem inneren Monolog Lanes Superman mit seiner Angebeteten durch die Luft fliegt. Aber es ist der Monolog der diesen Moment unangenehm erscheinen lässt, nicht die Laufzeit dieser Szene, die sich ebenso zum intensiven Beschäftigen verpflichtet, wie die anderen Aspekte der Geschichte, mögen sie nun Haupt- oder Teilaspekt sein.

Wenn die finale, von Lex Luthor heraufbeschworene, Katastrophe losgeht, auf die manch ungeduldiger Fan längst gewartet hat, darf man das Katastrophenszenario a la Popkornkino in seiner schönsten Pracht erleben. Nicht dass man die Miniaturbauten nicht als solche erkennen würde, aber hier wurde noch handgemacht getrickst. Das macht diese Momente unbezahlbar, gerade in Zeiten von Computertricks und dem unsinnigen Drang zum Perfektionismus. Wieso soll eine kindliche, wunderliche, geradezu naive Geschichte ausgerechnet im optischen Bereich Perfektionismus anstreben, wenn sie doch nur für den trivialen Verzehr gedacht ist, um das nie verschwundene Kind in uns zu sättigen? Meiner Meinung nach spiegelt die heutige Haltung von Publikum und Studio nur den Vorwurf wieder, den sich unsere moderne Gesellschaft immer wieder gefallen lassen muss: die Großen von heute werden einfach nicht erwachsen.

„Superman - Der Film“ ist ein zeitloser Spaß für Groß und Klein, der allen gezeigt hat wie ein Comicfilm im professionellem Gewand funktioniert und wie er auch für ein erwachsenes Publikum goutierbar gemacht wird. Dass er dies gerade mit dem in seinen Eigenschaften langweiligsten Superheld der Welt schafft, einem Held der einfach zu viel kann um interessant genug zu sein, zeigt umso mehr die Größe des fertigen Streifens, der einen auch heute noch rundum zu gefallen weiß.  OFDb