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21.08.2025

Von schmerzenden, doppelten und aufgepeppten Körpern - Kurzkommentare (7)

 

Shark Bait (2022) 

Hier haben wir es mit der plumpen Art Hai-Horror zu tun, die durch nichts Erzählenswertes auffällt. Nun erwartet man in diesem Bereich kaum etwas Innovatives, aber Werke wie "Great White" retten sich zumindest mit funktionierendem Zwischenmenschlichen. Ein paar flache Teen-Charaktere, die sich schon vor der Notsituation austauschbar anfühlen und kaputte Jet Skies, anstatt der üblichen Gegenstände, mit denen man in Alternativstoffen auf dem Meer treibt, können in einem spannungsarm inszenierten Standardszenario nichts ausrichten. Auch die Hai-Attacken selbst wissen nicht zu begeistern. Als Schlaftablette brauchbar!  OFDb

 

Black Widow (2021) 

Ohne tatsächlich phantastische Zusatzelemente aus dem Fantasy- oder Science Fiction-Bereich zu liefern, wird uns hier eine actiongeladene, nicht unsympathische Superheldengeschichte aus dem Marvel-Universum serviert, die zumindest ein wenig auf Charaktere baut, zumindest auf deren verwobenes Schicksal. Ohne gleich zu etwas Weltbewegenden zu werden, funktioniert "Black Widow" auf simpler Unterhaltungsebene u.a. durch die gute Besetzung, in der Florence Pugh der stets vorbildlich agierenden Scarlett Johansson die Show in einer Rolle stiehlt, die man wenige Jahre zuvor noch mit Chloë Grace Moretz besetzt hätte. Auch die Eingangssequenz, die zu bitteren Erkenntnissen führt, gehört zu den Highlights des Films. Theoretisch unüberwindbare Versöhnungen werden auf Comic-Art charmant gemeistert.  Wiki

 

Der 6 Millionen Dollar Mann (1973)  

Der Pilotfilm zur darauf folgenden erfolgreichen Serie lässt sich viel Zeit für die Entwicklung seiner Situation, die später interessanter mit "RoboCop" variiert wurde. Selbst mit der Langsamkeit von 70er Jahre-Filmen betrachtet, die ich für einen Vorteil dieser Dekade halte, schleicht die Geschichte hier zu lahm voran, gerade wenn die Vorgeschichte bis zum Unfall des Protagonisten zu Ende erzählt wurde. Sie bildet aufgrund dieser zähen Umsetzung den unterhaltsameren Teil der Geschichte, der bereits dort vor Klischees nur so strotzt. Ist der Zustand des Superhelden endlich erreicht, bekleckert man sich auch hier nicht wirklich mit Ruhm, bleibt der Plot doch unaufgeregter als erwartet, und folgt er doch, in einem Werk das sich eher wie konzipiertes Produkt anfühlt, den schon damals üblichen Klischees und Pfaden dieser Art Handlung.  Wiki  

 

Enemy (2013) 

Aus seinem reizvoll ungewöhnlichen Ausgangsszenario holt "Enemy" in seiner intellektuellen Art ganz andere Sachen heraus, als man vermuten würde, teilweise unsichtbar für den für solche Stoffe weniger gemachten Zuschauer, so subtil und nüchtern, wie der nicht spannungsarme Stoff voranschreitet. Sein ominöser Schluss, anstatt einer deutlichen Erklärung für alles, wird manch einem den Rest geben. Ich persönlich fand "Enemy" nicht uninteressant, begeistert hat er mich aber auch nicht. Die Leistung seiner Darsteller und die sehenswerte Kameraarbeit tröstet über manch zu schlicht geratene Phase jedoch hinweg. Die rätselhafte erste Hälfte ist meiner Meinung nach besser ausgefallen als jener Part der Geschichte, in dem beide Gyllenhaal-Rollen eingeweiht sind.  Wiki  

 

Cabin of the Dead (2012)

Seinen besten Moment hat "Wither" (Originaltitel) wenn sich eine der Figuren, der jungen Gruppe, um die es hier geht, als eher unfreiwillige Teilnehmerin eines Streiches alleine durch das düstere Haus stolpert, was zum Auslöser der Geschehnisse führen wird. Die folgen brav dem Weg der ansteckenden Zombie-Thematik mit einem Hauch "Cabin Fever" und driftet trotz schwedischem Produktionsland schnell in den Routinebereich dieser Art Film ab. Eine ordentliche Portion Blut kann nicht über den zu dünnen Plot mit zu austauschbaren Charakteren hinweg täuschen, auch wenn man sichtlich bemüht ist das Ganze gut aussehen zu lassen.  OFDb

23.07.2023

IRON MAN 2 (2010)

Ich hatte ihn zwar etwas besser in Erinnerung, als er nun bei der zweiten Sichtung auf mich wirkte, aber "Iron Man 2" läuft definitiv runder als Teil 1, auch wenn er dem Superhelden-Universum inhaltlich herzlich wenig Neues zu bieten hat. Hier blitzen Elemente auf, die bereits in den 70er und 80er Jahren mit diversen "Superman"-Filmen und "RoboCop 2" mehr als nur gestreift wurden. Der Egoismus des Helden und die fehlende Anonymität machen aus Stark dennoch eine interessante Figur, und diese trägt den halben Film. Außerdem gehört die Fortsetzung von "Iron Man" zu den wenigen Beispielen, in denen es Freude bereitet im Finale Gleiches gegen Gleiches im heftigen Effektgewitter gegeneinander kämpfen zu sehen. Schon seit Jahrzehnten bot das Kino diverser Länder Roboterschlachten, das Rumgeballer hier macht trotz etlicher CGI tatsächlich Laune, wenn es Bilder und Szenarien in einer Schlagzahl bietet, die bisher kaum möglich waren. Ohnehin lebt "Iron Man 2" von seinem hohen Tempo, welches verhindert dass Ungereimtheiten zu sehr ins Gewicht fallen (das komplette Autorenn-Szenario, das schnelle Geständnis Hammers, nur weil er im Würgegriff einer Agentin ist, ...) und dass man sich zu sehr an plumpen Emotionsmomenten aufhängt, wie das Entdecken dass Starks Vater doch kein gefühlskalter Egomane war. Überraschender Weise weiß ein finaler Kuss trotzdem zu funktionieren, obwohl sämtliche Figuren zu oberflächlich bleiben. All zu kritisch sollte man sich dem Produkt nicht annähern, soll es doch lediglich gute Unterhaltung im verschwenderischen Stil bieten. Und wenn etliche Explosionen nicht weiter nach Opfern und anderweitigen Schäden hinterfragt werden, es nach dem Finale sogar nur noch um einen zu rettenden Menschen geht, obwohl der Stadt eine Explosionswelle bevor steht, dann doch bitte in einem Film, der ohnehin einen Narzissten zum Helden erklärt. Also Hirn aus und unterhalten lassen, mehr soll "Iron Man 2" nicht, mehr kann er aber auch nicht.  Wiki

17.09.2022

AVENGERS 4 - ENDGAME (2019)

Thanos mag in meinen Augen nach wie vor nicht der mächtige Gegner sein, der eine derart gewichtige Position zu füllen weiß, aber zumindest sind es die Ereignisse im letzten Drittel, welche die Zusammenkunft der fast kompletten Marvel-Superheldenschar nötig macht, ein Zustand der für mich in Teil 3, an welchem Teil 4 direkt anknüpft, nicht gegeben war. Ohnehin ist der zweite Teil um die Infinity-Steine interessanter ausgefallen, ist für mich aber trotzdem nicht das hochgradige Kinoereignis, das er in seiner prachtvollen Art gerne sein würde. Tut mir leid, aber wenn tragische Momente im Dialog mit einem CGI-Waschbären vorgetragen werden, stößt es meinem bei solchen Sichtungen ansonsten gut verdrängtem Erwachsenen-Ich geradezu lächerlich auf. Derartiges funktioniert einfach nicht. Ein unangenehmer Hulk, der quasi durch einen dauerhaften Mittelzustand nun gezähmt ist und eine oberste Zauberin aus dem "Doctor Strange"-Universum, die sich über die Zukunft des Doktors mehr im Klaren ist als zum späteren Zeitpunkt in besagtem Film, sind Schwächen inmitten eines Werkes das nicht kleckert sondern klotzt, sich bei dem Staraufgebot und der Anzahl vieler Figuren derartiges ruhig auch leisten kann, aber eben stets hauptsächlich Quantitäten anstatt Qualitäten serviert. Zumindest sind viele gute Schauspieler mit am Start. Von einem muss man sich aus dem Marvel-Universum endgültig verabschieden, was im Gegensatz zu dem Waschbärenbeispiel auch überraschend emotional zu wirken weiß, selbst wenn man, wie ich, vor dem Sichten bereits davon wusste, dass es passiert. Ansonsten bietet "Avengers - Infinity War - Part 2" (Alternativtitel) solide Actionunterhaltung mit allerhand humorvoller Momente, spannenden Ereignissen, interessanter Wendungen, aber auch vielen zu gewollt erscheinenden Momenten (der bequem gewordene Thor zum Beispiel) und jeder Menge Oberflächlichkeiten. Da ich mit meiner Kenntnis der drei Vorgänger genau auf ein derartiges Ergebnis eingestellt war, konnte ich mich mit diesem meist anspruchslosen Effektgewitter jedoch gut arrangieren und wurde dementsprechend kurzweilig unterhalten.  OFDb

24.04.2021

JOJO RABBIT (2019)

Ich verstehe zwar nicht warum andere Länder sich stets mit der Vergangenheit Deutschlands auseinander setzen, anstatt ihre eigenen Verbrechen von einst zu thematisieren, einen Beitrag wie "Jojo Rabbit" hätte ich mir persönlich also lieber aus deutschen Landen gewünscht, aber zumindest ist der abgelieferte Beitrag keiner dieser unreflektierten, dämonisierenden Propaganda-Filme geworden, wie sie beispielsweise gerne von den Engländern abgeliefert werden. Welches von den vielen hier verwendeten Klischees der Übertreibung dient, oder von den Verantwortlichen des Films eventuell doch für voll genommen wird, wird von Zuschauer zu Zuschauer sicher unterschiedlich empfunden, denn die in ihrer Tonart recht schräg ausgefallene Satire ist aus solch einer bizarren und übertriebenen Sicht erzählt, dass sich derartiges nicht klar erkennen lässt und der eigene Wertekompass des Konsumenten diesbezüglich, ob bewusst oder unbewusst, im Hinterkopf mitspielt. Wer jedoch die unschuldig alberne Art von Regisseur und Mit-Autor Taika Waititi aus "5 Zimmer, Küche, Sarg" kennt, der weiß dass die teilweise gar klamaukige, manchmal absichtlich infantile, Komik nicht der verkrampften Tarnung für moralische Zwecke dient, sondern auf entspannte Art von Herzen kommt. Und diese kooperiert im hier besprochenen Werk erstaunlich gut mit den ernsten Anliegen des Drehbuchs und mit den immer stärker in den Vordergrund rückenden dramatischen Momenten des Streifens. 

Dieser Mix fordert heraus, erweist sich aber als treffsichere Satire, anstatt als respektloses Herumgealber, auch wenn Waititis höchst persönlich dargebotener Adolf Hitler auch aus der absichtlich überzogenen Kindersicht manchmal etwas zu grenzwertig albern anmutet. Zumindest wirken manche seiner Auftritte zu gewollt, wohingegen jeglicher andere Aspekt des Films in der richtigen Dosierung so zu greifen weiß, wie scheinbar beabsichtigt. Manches Mal wankt kurzfristig selbst in der hier angewendeten, absichtlich überdrehten Sichtweise die Glaubwürdigkeit, wenn manche Wahrnehmung und Äußerung des Jungen eher der Moderne, anstatt der damaligen Zeit entsprungen sein mag. Das kompensiert der schräge Comic-Ton jedoch recht ordentlich und macht es an anderer Stelle wieder gut, wenn er auf Comic-Art die Wahrnehmung eines gehirngewaschenen Jungen aufzeigt und damit thematisiert, dass man seinerzeit nicht zwingend die Chance hatte sich alternative Meinungen zu bilden, wenn man in Hitler-Deutschland hinein geboren wurde. An anderer Stelle überrascht das Drehbuch mit zwischenmenschlichen Problembewältigungen, die heutzutage auf diese Weise gesellschaftlich gar nicht mehr denkbar wären und tatsächlich eher in vergangenen Mentalitäten, wie jener der Streit-Kultur, beheimatet sind. Das lässt "Jojo Rabbit" wiederum erstaunlich reif wirken, was er bei näherem Blick als Gesamtwerk ohnehin ist. Eine hervorragend agierende Besetzung, gerade auch in den jüngeren Rollen, und eine wie immer professionell agierende Scarlett Johansson bereichern den ungewöhnlichen, nie moralinsauer anmutenden, Ausnahmefilm zusätzlich und sorgen gemeinsam mit Waititis schrägem Blickwinkel und seiner dazu passenden Inszenierung dafür, dass das gewagte Rezept nicht nur auf dem Papier zu greifen weiß. Eine aufgeschlossene Grundhaltung wird vom Publikum jedoch vorausgesetzt. Mit Scheuklappen lässt sich das intelligente, entspannt erzählte Konstrukt, welches sich hinter einer scheinbaren Respektlosigkeit verbirgt, nicht erkennen.  OFDb

04.02.2020

AVENGERS 3 - INFINITY WAR (2018)

Ich bin nur gelegentlicher Gast im Kino des Marveluniversums, habe zwar nicht wenige dieser Filme gesehen, aber längst nicht alles. Zwischen "Avengers 2" und diesem Film hier, also innerhalb von drei Jahren, hat sich viel getan. Von mancher Veränderung/Weiterentwicklung wusste ich durch andere Werke, manche haben mich überrascht, andere konnte ich nicht einordnen. Marvel fährt diesmal fast alles auf, was an Superhelden ihrer Comicheftchen bislang die große Leinwand erobert hat, und diese Überfrachtung weiß den Gastzuschauer zunächst zu überfordern, kennt der doch nicht einmal alle Helden, die hier eingebaut werden. Es mag daran liegen, dass das Marveluniversum eher groß anstatt komplex ist, aber die Regisseure Russo, sowie die Drehbuchautoren schaffen es die vielen Spielorte, mit ihren vielen Figuren, sowie den ganzen Anspielungen auf Erlebnisse anderer Werke, dem nicht eingeweihten Publikum mit der Zeit verständlich genug zu machen, um mit dem wilden Treiben, welches der wuchtigste Teil der Reihe präsentiert, etwas anfangen zu können. Die wichtigsten Zusammenhänge versteht man mit der Zeit, die zentralsten Figuren bekommt man gegriffen, man kann sich somit der knalligen Action mit all ihren interessant choreographierten Kampfsituationen geistlos interessiert hingeben.

Die Welt ist im Arsch, das rechtfertigt zumindest die Zusammenkunft dieser Vielzahl an Wesen mit übernatürlichen Kräften. Thanos als der Anführer allem Bösen hier kam mir jedoch immer eine Spur zu mickrig vor, da hätte meiner Meinung nach etwas Mächtigeres die Fäden ziehen müssen, um die große Bedrohung tatsächlich spürbar zu machen. Was er nicht schafft, erledigen die angehäuften aussichtslosen Situationen, also was soll's, aber so wird aus "Avengers 3 - Infinity War", dem ersten Teil eines Zweiteilers innerhalb der "Avengers"-Reihe, nie der beeindruckende Film, den sein wuchtiges Szenario uns am liebsten bieten möchte. Nicht falsch verstehen, wer mit Marvel-Filmen etwas anfangen kann, wird kurzweilig unterhalten und aufgrund der Anzahl der Ereignisse auch nicht unterfordert. Aber da wäre mehr drin gewesen, damit auch tatsächlich die Ehrfurcht vor der Macht spürbar würde, welche die Infinty-Steine beherbergen.

Dass man ihre Möglichkeiten im Besitz dieser nie komplett und komplex auskostet, wie es möglich wäre, mag daran liegen, dass die Autoren sich gedanklich der Tragweite ihrer Möglichkeiten nicht bewusst sind. Zumindest kann man das simple Anwenden dieser Steine und das nur bruchteilhafte Verstehen der vorhandenen Möglichkeiten mit dem simplen Denken Thanos entschuldigen, der nicht gerade der hellste Kopf im Universum ist. Offensiv tut dies der Film jedoch nicht, wahrscheinlich ist es nicht einmal so gewollt. Was soll man auch von Autoren erwarten, die nur derart gering mit Zeit, Raum und Seelenkenntnis spielen, und im Bereich des Eliminierens der Hälfte aller Lebewesen die Pflanzenwelt komplett außen vor lassen? Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau für eine Filmreihe, die lediglich schlicht unterhalten will und ihre wahre Kraft nur in der Masse findet, egal ob bezogen auf Geld, Zuschauer, Helden oder Spezialeffekte. Und für ein derartig quantitatives Produkt ist das Ergebnis doch recht kurzweilig und verästelt ausgefallen. So gut wie der im direkten Vergleich schlichter ausgefallene "Avengers 2" ist er meiner Meinung nach jedoch nicht. Der hat mir definitiv besser gefallen.  OFDb

01.02.2020

AVENGERS 2 - AGE OF ULTRON (2015)

Nach dem eher mickrigen Ergebnis im aufgeplusterten Gewandt von "The Avengers" ist die ebenfalls von Joss Whedon inszenierte Fortsetzung eine wahre Überraschung. Nicht nur dass lächerliche Momente komplett eliminiert wurden und uninteressantere Hauptfiguren nun mehr Gesicht bekommen, "Avengers 2 - Age of Ultron" bietet im Gegensatz zum Vorgänger eine erzählenswerte Geschichte, die sich für die einzelnen Facetten ihrer Entwicklung genügend Zeit nimmt, ohne an Schauwerten und Tempo für das heran erzogene Zielpublikum zu sparen. Es kracht und bummert immerfort, Spezialeffekte aus dem Computer sind pausenlos zu sichten, aber es ist jene Art aufgeblasenes Popkornkino, das sich diese Mittel als Stärke, anstatt als leere Hülle, zunutze macht und uns das präsentiert, was mit genügend Geld im Gepäck in heutigen Kinozeiten möglich ist, wenn man nicht an fähigen Autoren spart.

Sicherlich ist Teil 2 inhaltlich kein Geniestreich geworden, aber die Geschichte ist verästelt ausgefallen, die Lage wundervoll hoffnungslos, die theatralisch vorgetragene Superhelden-Seifenopern-Philosopie in manchen Momenten treffsicher eingefangen, da tatsächlich eine Überlegung wert, und inmitten der Achterbahnfahrt an sich stetig abwechselnden Actionszenen wird den Figuren genug Raum beschert sich zu entfalten. Das weiß insbesondere in den Szenen der Unstimmigkeiten inmitten der Gruppe zu gefallen, die selbst in solch zerstrittenen Momenten nicht mehr wie eine infantile Affenbande wirkt, wie es noch in Teil 1 der Fall war. Dennoch bleibt das Ergebnis freilich ein Film für große Kinder. Und das in mir fand schon immer Gefallen an Themen wie Killerrobotern und künstlichen Intelligenzen, zwei Faktoren, die das Geschehen von "Age of Ultron" (Alternativtitel) nicht nur nebenbei mitbestimmen. Und dass selbst der olle Hulk zu funktionieren weiß (auch wenn ich mir seiner Gesetzmäßigkeit, wann er völlig außer Kontrolle ist und wann er zum Team-Player wird, immer noch nicht bewusst bin), sowohl für Actionmomente, als auch charakterlich, ist gerade für mich die totale Überraschung, gehörte er für mich doch immer zu den lächerlichsten Figuren des Marvel-Universums. Es ist schön zu sehen, dass mit diesem Mammutprojekt endlich einmal wieder eine Großproduktion entstanden ist, die sich auch zu gucken lohnt. Gerne mehr davon!  OFDb

30.01.2020

THE AVENGERS (2012)

Man blickt nicht leicht durch, wenn man nicht jeden Marvel-Film sichtet, was geradezu erwartet wird, um den an sich nicht komplex ausgefallenen "The Avengers" komplett zu verstehen. Zwar kenne ich die Vorgeschichte des kosmischen Würfels durch "Captain America", weiß welche Personen zu "Iron Man" gehören und manch andere Zusammenhänge auch, aber warum Hulk beispielsweise in einer Szene ein ungebremster Aggressor ist und in der nächsten lediglich ein wütender Team-Player blieb mir ein Rätsel. Gibt es da Hintergründe, die ich kennen muss, oder ist ein solcher Bruch in der Logik einfach der Naivität des Stoffes geschult? Denn bei aller brisanten Umsetzung im Meer an CGI-Effekten ist der Film um die Entstehung der Avengers-Gruppe nicht gerade intelligent ausgefallen. Ich weiß, das soll er nicht zwingend sein, hier zählt die Action, aber ein wenig geistreicher hätte das Gekloppe der Schar Superhelden dann doch ausfallen können.

Zumindest schafft es das Konzept der ganzen Chose, allen Helden gleichermaßen gerecht zu werden. Einige von ihnen kannte ich noch nicht, manche von ihnen werde ich mir als Einzelfilm auch nicht antun, aber es ist schön dass man sich für die Einführung der einzelnen Figuren genügend Zeit nahm und ihnen diese auch dann noch lässt, wenn sie zusammen finden. Tatsächlich ist "The Avengers" immer dann am besten, wenn er sich kurz Zeit für die Charaktere lässt. In seinen Spezialeffekt-überladenen Kampfsequenzen weiß er zwar auch zu unterhalten, aber nicht vollends zu interessieren, geht von den Außerirdischen doch keine weitere Bedrohung aus, als ihre große Anzahl. Das ist der einzige Grund, warum nicht ein einzelner Held der Sache Herr werden kann und das komplette Avengers-Team benötigt wird. Etwas gehaltvoller hätte die Bedrohung und die Geschichte um sie herum dann doch ausfallen können.

Letztendlich lebt ein erster Film dieses Teams freilich von dem Effekt alle lieb gewonnenen Helden vereint in einem Film zu sehen. Wahrscheinlich hat man sich deswegen um keine ausgeklügelte Geschichte bemüht. Mir als gelegentlicher Gast im Marveluniversum reichte dieser Schwerpunkt jedoch nicht aus, sympathisiere ich doch nur mit einigen wenigen Figuren im Mittelpunkt, die meisten sind mir schlichtweg egal. Es ist somit nicht mein Hype, wohingegen ihn andere sicherlich fühlen werden. Wie gerecht oder ungerecht es deswegen ist, darüber Kritik zu üben, wenn man nicht zum Zielpublikum gehört, sei einmal dahin gestellt. Letztendlich sei aber bitte zumindest jene Äußerung gewährt, dass sich in solch viel zu ernster Inszenierung manches Herumgehampel im Superheldenkostüm ein wenig lächerlich anschaut, ein Eindruck der sich glücklicher Weise nur gelegentlich bemerkbar macht, wohingegen der packende Comicaspekt ansonsten zu greifen weiß. Für meinen Geschmack ist das alles zu heiß aufgeladene Leere, gepackt in ein nicht enden wollendes Effektgewitter. Umso erstaunlicher ist es, dass mich das Ganze auf schlichter Ebene eigentlich passabel unterhalten hat. Bedenkt man jedoch all die Energie, die harte Arbeit und das viele Geld, das hinter solch einem Projekt steckt, ist das trotzdem ein viel zu schlichter Eindruck für solch einen Aufwand.  OFDb

29.07.2018

GHOST WORLD (2001)

"Ghost World" ist auf trockene, recht lebensnahe Art erzählt, bietet einen komödiantischen, wie auch tragischen Blick auf ein Teenagerleben während des Prozesses der Selbstfindung, der angenehmer Weise mit dem Schließen des Filmes nicht erreicht, bzw. beendet, ist, sondern gerade erst tatsächlich von der besagten Person erkannt wird. Ohne manipulative Gefühlsduselei erzählt muss Enid erkennen, dass man nicht rein der Freundschaft wegen alles gleich gut, gleich schlecht und gleich interessant finden muss wie die wichtigsten Personen im nahen Umfeld. Was in der Jugend aufgrund gleicher Sichtweisen und Empfindungen zusammenschweißt, muss während des Reifeprozesses kritisch überprüft werden. Es ist nicht mehr wichtig was die Gruppe sagt. Das Individuum bildet sich stärker heraus, ein zunächst unangenehmes Gefühl der Neuorientierung baut sich auf, die Stützpfeiler des bislang gelebten Weltbildes driften auseinander, so dass das bisherige Sicherheitsgefühl ins Schwanken gerät. Die Welt ist doch anders als vermutet und wahrgenommen. Das Leben ist komplexer.

Was an sich jeder mündige und reife Mensch irgendwann erlebt hat, schaut sich in Zwigoffs eigens verfassten Film nicht nur aufgrund der Sachlichkeit, sprich der Nähe zur Realität, so angenehm, es ist die Liebeserklärung an die Sonderlinge, die das Werk lange Zeit vor dem Nerd-Hype, der spätestens mit "The Big Bang Theory" zelebriert wird, zu einem solch besonderen Erlebnis macht. Nerds waren vor der 00er Jahre ungeliebte Individuen. Platten sammeln, wie im Falle von Seymour, gehörte nicht gerade zu den akzeptierten Hobbys der oberflächlichen Gesellschaft, gerade wenn man es auf alte Scheiben zu von der Masse längst vergessenen Musikrichtungen abgesehen hat. Dementsprechend von der Mentalität her meilenweit von "High Fidelity" entfernt, zeigt uns Zwigoff die Annäherung einer Zynikerin und eines sozial Abgedrifteten, der es gewohnt ist zum Spott von Menschen zu werden, die ihn nicht verstehen. Enid sieht es als ihre Mission an, den liebenswerten Menschen hinter der äußeren wie innerlich ungewöhnlichen Fassade zurück ins Liebesleben zu schuppsen und entdeckt sich dabei selbst.

Während Thora Birch mit "American Beauty" und "The Hole" ihre ersten Erfolge bereits hinter sich hatte, ebenso wie Steve Buscemi mit "Fargo", gehörte Scarlett Johansson zur Erscheinungszeit von "Ghost World" noch nicht zu den Berühmtheiten. Auch Regisseur Terry Zwigoff feierte erst zwei Jahre später mit "Bad Santa" einen größeren Erfolg, und dieser Mix aus unentdeckten wie bereits frisch entdeckten Talenten ihres Faches, verleiht dem Streifen das besondere Etwas. Wo die Inszenierung absichtlich auf Distanz geht, da verleiht das professionelle Spiel der Akteure dem manchmal zu zurückhaltenden Film die nötige Klasse, während der Regisseur ihnen bei der Figurennähe hilft und das Ganze optisch und stylisch gekonnt aussehen lässt, ohne sich je einem Massenpublikum anzubiedern. Das würde schließlich auch im Widerspruch zur Botschaft des Streifens stehen.

Etwas mehr Zugang zu den Figuren hätte ich mir dennoch gewünscht. So gut mir das schlichte Treiben in "Ghost World" auch gefallen hat, die emotionale Distanz zu den Figuren war mir dennoch zu groß, um vollends in den mal mehr mal weniger aufwühlenden Momenten Enids aufgehen zu können. Zudem ist Buscemi derart extrem auf Sonderling getrimmt, dass es einem schwer fällt eine derart intensive Nähe und Sympathie zu ihm aufzubauen, wie sein Wesen es in Enid auslöst. Schade ist freilich auch, dass Johansson weit weniger Auftritte hat, als es zunächst scheint, aber das schadet dem Film nicht, ist dessen Geschichte in seinen scheinbaren Banalitäten dafür doch viel zu interessant ausgefallen, zumal sie weiß wann sie die Rolle der Rebecca benötigt und wann nicht. "Ghost World" ist durchdacht, reflektiert, kein Film für Träumer, aber ein Plädoyer für Sonderlinge. Der herrlich arrogante, von mangelnden Lebenserfahrungen geprägte, spöttische Teenagerblick entdeckt die Realität, in einem seiner schönsten Momente im hier besprochenen Werk deutlich thematisiert, wenn wir dem alten Mann an der Bushaltestelle ein letztes Mal begegnen. Es ist nicht immer alles so wie es scheint. Und so einfach wie aus einem selbstgerechten Teenagerblick heraus, ist ohnehin nichts in dieser vielschichtigen Welt.  OFDb

21.08.2016

UNDER THE SKIN (2013)

Wer schon Probleme mit dem sonderbaren aber auch höchst unterschätzten „Birth“ hatte, der wird mit Jonathan Glazers Folgefilm, der 9 Jahre auf sich warten ließ, nichts anfangen können, ist er im Gegensatz zum Vorgänger doch recht sperrig erzählt, da er auf den gängigen Erzählfluss einer Geschichte verzichtet. „Under the Skin“ ist aus einer weiten Distanz erzählt. Unterkühlte Bilder, der meist emotionslose Blick von Scarlett Johansson (der sie für eine Idealbesetzung eines weiblichen Terminators prädestiniert) und die mehr sterrile als hypnotische Musik sperren in einer dialogarmen Umsetzung den Kinofreund, den es einzig nach leichter Unterhaltung dürstet, von Anfang an aus.

Erzählt wird in einem Mix aus „Der Mann, der vom Himmel fiel“, „Big Harry“, „Meine Stiefmutter ist ein Alien“ und „Phase IV“ theoretisch lediglich die Rollenentwicklung einer Frau in unserer Gesellschaft. Kaum die eigenen Reize entdeckt werden mit dieser Männer gelockt, um sie schließlich unbefriedigt zurück zu lassen. Dann wird die eigene Sexualität erkannt und aufgrund der damit verbundenen Gefahren wird die Jägerin zum Gejagten. Und wenn sie aus der ihr zugeordneten devoten Rolle herausbricht, indem sie ihr wahres Ich entdeckt, will der Mann sich ihr entledigen. Das ist ein sehr konservativer soziologischer Blick, aber er passt auf das was uns, freilich in einem Science Fiction-Stoff verfremdet, von Glazer hier gezeigt wird.

Wer andersartige Filmmethoden mag, dürfte eigentlich Gefallen an dem sehr langsam erzählten „Under the Skin“ finden, der je nach dem was Glazer gerade vorschwebt in dokumentatorisch wirkende Bilder ohne Farbfilter getaucht ist, aber auch hin und wieder in völlig verfremdete, geradezu realitätsferne Bilder. Spezialeffekte gibt es wenige, die paar vorhandenen sind dafür aber auch gleich ein Augenschmauß, auch wenn sich Glazer anfangs begnügt eher mit optischen Spielereien zu arbeiten, wie wir sie aus diversen Science Fiction-Beiträgen der intellektuellen 70er Jahre kennen.

Glazer nutzt für seine Erzählung sowohl die Isolation der Gesellschaft, als auch die Hilfbereitschaft unserer Spezies, die selbst in einer Stadt voller Anonymer stattfindet. Über Alltagssituationen lässt er sein Alien den Körper entdecken. Wenn dieser Prozess den sexuellen Punkt erreicht, bleibt der Film und seine Bilder so verkopft und realistisch wie gehabt. Da wird der weibliche Körper dokumentarisch abgelichtet wie zuvor das Alltagsleben auf der Straße oder die Vegetation eines Waldes bei Unwetter. Erotisch ist das nicht, und das ist auch so gewollt. Dies dient ohnehin nur dem Prozess der wachsenden Selbsterkenntnis, also dem Hauptanliegen der Geschichte, und ist von dieser nur ein Teil unter vielen.

Der Zusammenprall aus Realismus und völliger Entfremdung, der sich auch im lediglich vorgegaukelten Körper des Aliens wiederspiegelt, macht den Reiz einer hauchdünnen Geschichte aus, die sich nie darum kümmert uns einen Grund für die tödlichen Aktionen der Außerirdischen zu nennen. Ebensowenig wie nie ausgesprochen wird was es mit der Existenz des Motorradfahrers auf sich hat, der hinter ihr aufräumt. Selber deuten und selbst entdecken ist die Devise dieses für Mainstreamaugen sperrigen Kunstfilmes, dem man seinen Reiz wahrlich nicht abstreiten kann. Vielleicht ist er hin und wieder eine Spur zu sterril ausgefallen, eine hypnotische Grundstimmung wäre intensiver gewesen als dieses kalte, intellektuelle Gefühlsnichts, welches das sensible Geschehen aus weiter Distanz betrachtet. Andererseits ist es genau diese Haltung, die das Interesse für den Streifen, für Menschen die mit diesem Stil etwas anfangen können, überhaupt erst weckt.  OFDb

07.04.2016

VOLL GEPUNKTET (2004)

Mit Hilfe von fetziger Musik und einer stylischen Inszenierung (z.B. durch Schrifteinblendungen in den Personenvorstellungen, oder durch das namentliche Erwähnen beliebter Produkte bei Teenagern) möchte die Neuverfilmung des irländischen Filmes „How to Cheat in the Leaving Certificate“ vortäuschen welch schrille, coole und krasse Teenie-Komödie sie ist. Dabei zeigt bereits ein näherer Blick auf diese Blendwerkzeuge wie anbiedernd „Voll gepunktet“ eigentlich ausgefallen ist, vom deutschen Titel gleicher Funktion einmal ganz zu schweigen. Die peppigen Lieder sind innovationsfreiester Mainstream wie er seit „American Pie“ in so ziemlich jeder amerikanischen Teenie-Komödie eingearbeitet wurde, das Spiel mit den Schriftzügen zur Figurenvorstellung war eigentlich in den 90er Jahren ein modernes Stilmittel, und sich die Herzen des Publikums zu erobern indem man beliebte Produktnamen verwendet muss zum Thema Anbiederung wohl kaum näher erläutert werden.

Wer wissen will warum sich solche Mühe gemacht wurde den Streifen Jugendlichen derart schmackhaft zu machen, der muss sich nur seine Kernaussagen und finalen Lehren einmal näher anschauen, schaut sich „The Perfect Score“ (Originaltitel) doch wie ein religionsbefreiter Film für brave Christen. Brian Robbins Werk, in welches sich leider die talentierte Scarlett Johansson verlaufen hat, schaut sich urbieder und ist ein gut getarntes Werkzeug zur Erziehung des Zielpublikums in brave kritik- wie identitätslöse Bürger, was zunächst verwundern darf, so treffsicher zu Anfang der Sinn, bzw. eher der Unsinn von Tests wie dem SAT herausgearbeitet wurde. Letzten Endes gibt das Finale dem Test hintenrum jedoch in Wirklichkeit recht und entlarvt das anfänglich kritisch geäußerte Bild als Lüge.

Auf dem Weg dorthin wird eine Gruppe zumindest halbwegs auf individuell getrimmter Figuren jegliche Eigenständigkeit beraubt, bis sie eine genormte Gruppe Gleichgesinnter ist, die freilich alle nicht mehr die geraubten Testergebnisse benötigen, da sie von einer inneren Einkehr heimgesucht wurden und das Schummeln als unehrenhaft empfinden innerhalb eines doch nicht so fragwürdigen Systems wie anfangs angenommen.

Da gibt es im Happy End eine strenge Mutter, die sich glücklicher Weise zukünftig um einen elternlosen Kiffer kümmern wird, ein Riese von Basketballspieler findet endlich die richtigen Worte um mit seiner Mutter zu sprechen, ein Junge, der sich stets nur durch seine Freundin definierte, tut selbiges nun mittels einer anderen Freundin - lediglich die eigentliche Hauptfigur Kyle bleibt das was sie von Anfang an war: ein charakterloses Stück Karriere, welches in seiner glattgeleckten Art als positiver Mensch herausgearbeitet wurde, gerne mit Hilfe seines Nichtsnutzes von Bruder, der kein guter Mensch sein kann wenn er doch keinem geregeltem Leben nachgeht.

So ziemlich alles an diesem Film kotzt mich an. Und das erschreckende daran ist, dass ich es nicht habe kommen sehen, klang für mich die Idee eines „American Pie“ trifft auf „Ocean‘s Eleven“ doch recht reizvoll, und eine Scarlett Johansson mit an Bord macht schließlich auch im Vorfeld Mut. Nun gehört Regisseur Brian Robbins mit Werken wie „Norbit“, „Shaggy Dog“ und „Mensch, Dave!“ nun auch nicht gerade zu jenen Menschen, die einem je sehenswerte Komödien berschert hätten. Selbst sein bestes seiner mir bekannten Werke, „Noch tausend Worte“, kann man lediglich als sympathischen Zischendurchverzehr bezeichnen. Aber so einen Tiefflieger wie „Voll gepunktet“ hat er selbst mit einem seiner Eddie Murphy-Filme noch nicht abgeliefert, und der ist in Sachen anbiedernder Mainstream ähnlich häufig unterwegs wie es einst Robin Williams war.

„Voll gepunktet“ ist ein manipulierendes Stück traurige Weltsicht, glattgeleckt, anbiedernd und feindlich gegenüber jeder Art alternativen Lebensstils eingestellt. Somit ist er die ideale flippige Teenie-Komödie für junge, zukünftige Karrieristen, BWL- und Jurastudenten und für jeden Menschen, der aufgrund eines kritiklosen Blickes auf die Welt nie einen eigenen Charakter entwickelt hat. Somit gibt es für dieses widerliche Stück Film tatsächlich ein recht großes Publikum, sowohl hier in Deutschland, als auch in den USA.  OFDb

19.03.2016

ARAC ATTACK - ANGRIFF DER ACHTBEINIGEN MONSTER (2002)

„Arac Attack“ gehört zu jenen Filmen, die mir einst besser gefielen als heute. Mag sein dass der CGI-verwöhnte Blick heutiger Tage mit dran schuld ist. Immerhin staunten wir seinerzeit nicht schlecht über diverse Szenen, wie die Verfolgungsjagd per Motorrad, die so flott vor der Zeit der Computeranimationen nie hätte umgesetzt werden können, während sich die Effekte doch heutzutage im Gegensatz zu denen aus dem Ur-Vater des CGI, „Jurassic Park“, arg veraltet gucken, sich zwar immer noch von den Billiganimationen der SyFy-Horrorbeiträge qualitativ abheben, aber so riesig ist der Unterschied nun auch nicht mehr zu nennen, als dass man als Nichtwisser erraten könnte, dass wir es mit dem hier besprochenen Werk mit einer Kinoproduktion zu tun haben.

Emmerich entdeckte damals Elkayems Kurzfilm „Larger Than Life“, der ihn dazu inspirierte einen recht hoch finanzierten Langfilm zu produzieren und Elkayem erneut die Regie zu überlassen. Während das Original nah am klassischen Gruselfilm witzelte, sollte es in der Kino-Langversion ordentlich auf der Leinwand krachen - typisch Emmerich eben, zum Glück aber nicht von ihm persönlich umgesetzt. Elkayem gibt sich sichtlich Mühe, was man vom Klischee-beladenen Drehbuch nicht gerade behaupten kann, und sein Einstieg in die Geschichte erinnert sicher nicht zufällig an Wiederhorns „Return of the Living Dead 2“, drehte der gute Mann doch kurz nach seinem Spinnenfilm die billig produzierten Fortsetzungen „Return of the Living Dead 4“ und „Return of the Living Dead 5“.

„Arac Attack - Angriff der achtbeinigen Monster“ (Alternativtitel) schlägt sich für eine solch vorhersehbare Handlung recht wacker, was aber nicht wirklich an der prominenten Besetzung liegt, denn die damals noch sehr junge Scarlett Johansson und der unterforderte David Arquette geben eine recht blasse Vorstellung ab und heben sich nicht von den hohlen Stereotype-Charakteren ab neben denen sie spielen dürfen. Die Effekte wissen noch immer einiges zu retten, aber freilich nicht mehr so viel wie damals, und anfangs weiß auch die humorvolle Umsetzung positiv auf das Gesamtbild zu wirken, gerade auch im musikalischen Bereich, wenn entweder verspielt das klassische Itsy Bitsy Spider variiert wird, oder die Hintergrundmusik ganz offensichtlich den Komödienaspekt des Streifens hervorhebt.

Zunächst weiß auch noch der comicartige Umgang mit den Monstern für ein paar Lacher zu sorgen, z.B. wenn eine Spinne erschrocken zur Seite guckt, bevor sie erschossen wird. Aber mit der Zeit häufen sich diese Albernheiten selbst für einen humoristisch gemeinten Horrorfilm zu sehr und es entsteht ein unpassendes Anhäufen „Gremlins“-ähnlicher Komik, meist durch die dämlich-niedlichen Laute der Viecher verursacht, was „Eight Legged Freaks“ (Originaltitel) einen zu infantilen Touch beschert - ebenso wie das Plappermaul vom Radiosender, welches lediglich nervt anstatt zu belustigen.

Von dem kleinen, ebenso nervigen Schlaumeier-Jungen, mit dem die Geschichte beginnt, braucht man eigentlich gar nicht erst zu reden. Der wird aber zumindest kürzer gehalten als es möglich gewesen wäre, was aber nicht daran liegt dass Elkayem erkannt hat dass er dem Publikum damit etwas Gutes tut. Es hat viel eher damit zu tun, dass so ziemlich jeder klassische Klischee-Storyaspekt, von dem die Amis glauben er müsse zwingend in eine solche Geschichte integriert werden, auf die Schnelle lieblos abgearbeitet wird, weil ansonsten zu wenig Zeit für Spinnenaction bleibt.

Die langweilt zumindest nicht wie bei Werken wie „Arachnoquake“ oder „Spider City“, eben weil sie nie monton ausgefallen ist, sondern immer wieder etwas Neues bieten möchte. Aber mir wären besser herausgearbeitete Hintergründe, Situationen und Charaktere lieber gewesen als diese Nonstop-CGI-Action, so gelungen sie für ihre Zeit auch ausgefallen sein mag. Aufgrund dieser kann man „Arac Attack“ auch durchaus mal gucken ohne bei geringer Erwartungen all zu sehr enttäuscht zu werden. Aber für einen Kinofilm ist Elroys Werk doch wesentlich plumper ausgefallen als für seine Zeit üblich. Aber auch wenn man es aufgrund meiner negativen Worte kaum herauslesen kann, als kleiner Spinnen-Horror für zwischendurch geht der zu albern geratene „Eight Legged Freaks“ durchaus geistfrei in Ordnung.  OFDb

20.09.2015

HITCHCOCK (2012)

Eine Biographie Hitchcocks, wenn auch nur aus der Phase in welcher der große Klassiker „Psycho“ entstand, und ein solches Projekt besetzt mit Talenten wie Anthony Hopkins, Scarlett Johansson und Kurtwood Smith, das muss doch eigentlich funktionieren. Aber „Hitchcock“ beweist, dass es nichts gibt was es nicht geben kann. Ich weiß nicht warum der Film vor einigen Jahren auf so viel Aufmerksamkeit stieß, denn er ist pure Zeitverschwendung, sowohl für jene Interessierte, die biographische Richtigkeit erwarten, als auch für jene, die rein zu Unterhaltungszwecken sich mit einer Interpretation dessen was einst passierte zufrieden geben würden.

Zunächst einmal ist Sacha Gervasis Film nicht nur reine Spekulation, und damit schon einmal nichts für Biographie-Interessierte, er ist zudem aus psychologischer wie auch aus gesellschaftlicher Sicht vollkommen blauäugig erzählt, wie ihn auch nur Realitätsverweigerer als echt ansehen könnten. Hitchcock wird zu einer fast unfehlbaren Ikone glorifiziert, die Wahl der Besetzung findet über billigste Frauenheftchen-Lebenshilfe-Psychologie statt, und die Dramaturgie ist so stark an Hollywood-Gewohnheiten orientiert, dass auch diesbezüglich jegliches Gefühl für Realitätsnähe verloren geht.

Zudem muss mir mal wer erklären, warum Hitchcock in den zähesten Szenen einen inneren Dialog mit Ed Gein hält, welche bemüht versuchen Parallelen von Hitchcocks aktuellen Gefühlsregungen zu Ed Geins vergangenen Taten herzustellen, die Geschichte damit aber keinesfalls weiterbringt oder anderweitig beeinflusst. So bleibt lediglich das Gefühl eines reißerichen Elements zurück, welches in seiner Lächerlichkeit zur vollen Blüte kommt, wenn die Mordszene unter der Dusche angeblich so gewalttätig ausfiel, weil Hitchcock während des Drehs selbst das Messer wetzte während eines erneuten Anfluges von Eifersucht.

Während James D‘Arcy als Anthony Perkins glänzt, aber leider nur einige wenige Male durchs Bild huschen darf, ist zumindest Helen Mirren einen Blick wert, wie sie die Rolle von Hitchcocks Ehefrau meistert. Die Frau ist wahrlich talentiert und reißt jede Szene in der sie auftaucht, und das sind nicht gerade wenige, an sich. Warum Anthony Hopkins neben ihr verblasst? Weil dieser während des Drehs wohl erkannt hat wie schlecht das Drehbuch ist und nur mit halber Backe spielt. Er ist das Reinschalten nicht wert. Selbst die mit so viel Talent gesegnete Scarlett Johansson bleibt in ihrer Rolle als Janet Leigh blass, aber das liegt weniger an ihr als an dieser lustlosen Inszenierung einer solch lächerlichen Interpretation dessen wie es damals gewesen sein könnte.

Ich hatte hohe Erwartungen an „Hitchcock“, hatte im Vorfeld auch keine Filmbesprechungen über Gervasis Werk gelesen und wurde bitter enttäuscht. Zwar weiß Helen Mirren einiges zu retten, lediglich sie wäre das Reinschalten wert, aber auch sie kämpft gegen Windmühlen in einem Film der weder realistisch, noch charmant spekulativ erzählt was einst geschah. „Hitchcock“ ist ein langatmiger, unreifer Streifen, der sich besonders dann quälend und peinlich guckt, wenn man sich auch nur ansatzweise mit Psychologie und Soziologie auskennt. Einziger Vorteil des Streifens: hinterher verspürte ich große Lust mir noch einmal „Psycho“ anzusehen.  OFDb

12.09.2015

HER (2013)

Das tolle an „her“ ist, dass man ihn auf zwei Ebenen gucken kann. Entweder erlebt man ihn als romantische Tragikomödie, in welche man mitfühlend eintaucht, oder man schaut ihn sich als intelektuelles Warnbild dessen an, wie sehr die Gesellschaft in ihrer Isolation entgleisen kann, um neue Formen einer Geisteskrankheit herbei zu führen. Beides funktioniert wunderbar dank eines Drehbuches welches nie den erhobenen Zeigefinger demonstriert, sondern schlicht und einfach seine Idee konsequent erzählt, die auf Beobachtungen heutiger Situationen beruht.

Das heißt wir haben einen Stoff der trotz seiner Zukunftsperspektive stark im Jetzt verankert ist und uns eine gar nicht so fremdartige Welt von Morgen präsentiert, die nicht all zu fern und durchaus denkbar ist. Dank eines hoch empathischen Drehbuchs und einer ebensolchen Regie (beides von Spike Jonez, der auch für „Being John Malkovich“ verantwortlich war) sind wir immer nah am Gefühlsleben von Theodor dran, der höchst glaubwürdig und sensibel von Joaquin Phoenix verkörpert wird. „her“ kommt ebenso poetisch wie philosophisch daher und ist somit jener Glücksfall mit dem Tagträumer ebenso glücklich werden wie Realisten.

Im Idealfall schwankt man zwischen beiden Perspektiven hin und her. Dann kann man Samantha als Lösung und Problem zugleich erkennen. Zum einen isoliert sie einen fast anonym lebenden Menschen noch mehr, der im gesunden Zustand eigentlich kontaktfreudig wäre und äußerst intelligent, zum anderen fühlt sie sich so echt an, dass die Frage wie in „Blade Runner“ und „Ghost in the Shell“ aufgegriffen werden kann, ab wann ein Bewusstsein ein wirkliches Lebewesen ist. Wenn Samantha sich selbstständig entwickelt, zu Gefühlen fähig ist und eigenständig reagiert, warum kann sie dann keine Alternative für einsame Menschen sein?

Dieses Hin und Her zweier extremer Beobachtungsformen des hier Erlebten macht den Stoff so unglaublich aufregend, der nicht nur konsequent zu Ende gedacht wurde, sondern auch etliche zusätzliche Ideen präsentiert, aus denen man locker ein Dutzend Filme hätte entwerfen können. „her“ läuft dabei nie Gefahr überfrachtet zu wirken und hat immer etwas neues zu erzählen, wenn die Geschichte droht auf der Stelle zu treten.

Letztendlich gibt der Film durch die Entwicklung Samanthas selbst eine Antwort darauf, ob es für den Menschen gesund sein kann sich emotional auf eine künstliche Intelligenz einzustellen. Denn während Menschen sich halbwegs überblickbar unterschiedlich weiterentwickeln, stößt die körperlose Samantha auf Dimensionen weiterer Möglichkeiten ihres Zustandes, die für den menschlichen Geist, und noch viel mehr für das menschliche Herz, nicht mehr greifbar sind, was kurz vor Schluss zu einer Erkentniss für Theodor führt, wie sie schmerzhafter kaum sein könnte - konsequenter für die hier ausgelebte Idee jedoch auch nicht, und allein dafür kann man das Drehbuch einfach nur lieben.

„her“ ist ein großer Film, der trotz seiner Traurigkeit, bzw. unter anderem auch aufgrund dieser, ein lebensbejahendes Werk geworden ist, das einen nachdenklich und emotional zart berührt zurücklässt, ähnlich wie „Vergiss mein nicht“, den Jonzes Kumpel Charlie Kaufman geschrieben hat. Beide stehen sich in nichts nach, sind große Werke ihrer Zeit, die es schaffen den Intellekt des Zuschauers ebenso zu füttern wie sein Seelenleben, indem die schwachen und verletzlichen Seiten des Menschseins ehrlich und gut beobachtet wiedergegeben werden ohne falschen Stolz, aufgebauschten Kitsch oder störenden Scham.  OFDb

30.11.2012

REINE CHEFSACHE (2004)

Dan Foreman ist 51 Jahre alt, hat als Leiter des Anzeigenteils einer Sportzeitschrift seinen Traumjob und erlebt auch privat seinen familiären Wunsch. Bis er eines Tages beruflich durch wen wesentlich jüngeres ausgetauscht wird, unter dessen Fuchtel der gekränkte Dan nun arbeiten muss. Als wäre dies nicht alles schon schlimm genug, verlieben sich der Frischlingchef und Dans Tochter auch noch ineinander...

Eine Warnung in rosarot... 
 
Der mit Dennis Quaid und Topher Grace sehr gut besetzte Film ist ein zweischneidiges Schwert. Seine ernste Thematik wird auf Hollywood-Art mit Happy End erzählt, die Aussagen über moderne Fragwürdigkeiten in der Arbeitswelt und ihre Alternativen werden dennoch sehr deutlich herausgearbeitet. Zumindest geht „Reine Chefsache“ den Aufklärungsweg mit Unterhaltungswert richtig. Die Träumer sind es, die aufgeweckt werden müssen, und diese sind in einer gefühlvollen Hollywood-Tragikomödie mitunter das Zielpublikum.

So berichtet das Werk von dem bösen Kapitalismus, der Höchstgewinne erzielen will auf Kosten diverser Existenzen, die der Firma dabei halfen groß zu werden. Jugend wird vor Erfahrung gestellt. Verkauft wird des Verkaufens und des Geldes wegen und nicht weil man vom Produkt überzeugt wäre. „Reine Chefsache“ zeigt, dass der Gesellschaftsfeind von heute keine Nazi-Uniform trägt und Minderheiten hetzt, sondern Anzug und Krawatte trägt und jeden bei Seite räumt, dessen Geld er möchte. Wen interessiert da Hautfarbe, Religion oder sexuelle Vorlieben? Geld ist Geld.

„Reine Chefache“ klärt auf, in dem er einen nicht hoffnungslosen Fall zeigt. Die Rolle von Topher Grace (der Tobey Maguire zum verwechseln ähnlich sieht) wurde über Jahre gehirngewaschen, ein Elternteil, das ihn an die Hand nahm und über die wichtigen Werte des Lebens aufklärte, existierte nicht. Und so wandelt sich der schnelle Aufsteiger über die Begegnung mit seinem „Untergebenen“, der Rolle Quaids, zu einem anständigen Menschen. Nebenbei verliebt er sich in die Tochter Quaids, gespielt von Scarlett Johansson, die erneut beweist wie gut sie spielen kann.

Mir ging der Film sehr nahe. Ich fand ihn, trotz gewisser blauäugiger Momente, sehr intensiv erzählt, fand auch, dass er beim Publikum den richtigen Nerv trifft. Langeweile kommt nie auf. In einer etwas zu aufgesetzten Szene taucht Malcolm MacDowell auf, der ebenfalls wieder zu überzeugen weiß. Sein Schurkengesicht ist einfach ideal zur Hollywood-Klischeezeichnung des bösen obersten Chef eines gesichtslosen Konzerns.

Dass es jeden beim Ausselektieren treffen kann wird am Schluss noch einmal sehr deutlich gezeigt, wenn der Chef der beiden Hauptfiguren gefeuert wird. Eben noch sein großes Idol, die Rolle des McDowell, angehimmelt, im nächsten Moment auf der Straße, weil eben dieser für ein paar Kröten mehr den Laden an wen anders verkauft hat. So werden auf modernem Wege Menschen aus ihrem Leben gerissen, und dank der Grundhaltung, dass nur wer Junges für einen Job taugt, braucht der Arbeitslose, wenn er über 30 ist, eigentlich schon gar keine Arbeit mehr suchen gehen. Zumindest nicht in dem Bereich, den er Jahre lernte und dem er Jahre diente.

Leider zeigt „Reine Chefsache“ nicht die Auswirkungen. Wir haben alle vor Augen wie Menschen unter der Fuchtel der Nazis enteignet und misshandelt wurde. Ein Mensch der Job, Ersparnisse und Haus verliert und wenn überhaupt nur noch unmotivierteste Arbeit verrichten darf, ist fast auf gleicher Stufe zu nennen. Seine Peiniger bleiben anonymer als die der Naziopfer , sie sind aber dennoch vorhanden. Schade dass der Film genau in diesem Bereich ausblendet.

Im Gegenteil, genau hier erzählt „Reine Chefsache“ nun von dem Wunschdenken, was man leider all zu oft in US-Filmen hört: Jeder kann es schaffen, und wenn Du an Dich glaubst und ehrlich bist wirst Du belohnt. Das Happy End ist purem Glück zu verdanken, wird aber leider nicht als solches deutlich dargestellt, was die ansonsten so vorbildliche Aufklärung verwässert. Zumindest zeigt die Rolle von Grace im Finale, dass man sich nicht von der offiziellen Angstmacherei anstecken lassen sollte, man solle sich auf Teufel komm raus einen Job suchen. Die übliche Propaganda von heute hätte das Gegenteil behauptet: Nimm den Job der Dir am Ende des Filmes angeboten wird, heutzutage ist es doch so wichtig einen Beruf zu haben. Erstaunlich wie viele auf diesen Mist täglich hereinfallen.

Von der Inszenierung her gibt es von meiner Seite aus nur einen gravierenden Kritikpunkt: Wer über das hier angesprochene Thema aufklären will, wenn auch über die Form eines Unterhaltungsmediums, der wäre ehrlicher gefahren, wenn auf das ewige Product Placement verzichtet worden wäre. Markenzeichen von Autos, Getränken, Kreditkarten, was auch immer, werden häufig eingeblendet und mit Absicht gut im Bild positioniert. Hollywood ist halt auch nur Geldmacherei, auch hier zählt: Geld ist Geld. Ein Film, der seine Botschaft ernst meint, hätte aber gerade in diesem Punkt darauf verzichten müssen. Und wer den Zusammenhang nicht erkennt, hat ohnehin nichts begriffen, nicht einmal durch diesen Film.

„Reine Chefache“ ist ein gelungenes Werk und eignet sich auch zum öfters gucken. Er ist lustig und traurig, er stimmt nachdenklich und schafft es, dass man auch seine eigene Grundhaltung noch einmal überprüft. Letztendlich ist er allerdings doch zu sehr Märchen. Damit darf er sich zu Filmen wie „Dave“ oder „Dangerous Minds“ einreihen, ist von Letztgenanntem vom Niveau her aber meilenweit entfernt. Dafür ist „Reine Chefsache“ handwerklich einfach zu gut und inhaltlich zu anspruchsvoll.  OFDb

25.10.2012

DIE INSEL (2005)

Lincoln fristet sein Dasein wie alle Menschen in einem Komplex unter der Erde. Die Oberfläche des Planeten ist unbenutzbar. Es gibt jedoch eine Insel, auf der man leben kann, ein jeder möchte hin, und ein Gewinnspiel entscheidet darüber wer darf. In dieser unterirdischen Welt, in der alles von oben kontrolliert wird, scheint alles zum höheren Zweck perfekt geregelt. Doch Lincoln kommt hinter eine Lüge. Das Gewinnspiel steht für etwas schockierend anderes...

Das Entdecken einer Wahrheit...
 
"Die Insel" schafft es philosophische und gesellschaftskritische Elemente mit dem Bereich des Actionfilms zu vereinen. Dies wirkt nicht, wie in anderen Besprechungen oft erwähnt, unausgegoren, läuft aber auch nicht wirklich parallel nebeneinander her. Die eine Hälfte des Films setzt verstärkt auf das eine, die andere Hälfte auf das andere. Dies funktioniert, bedeutet aber auch, dass von beidem bedingt weniger vorhanden ist, als in üblichen Filmen jeweiliger Art. Fans von Action und Freunde vom Anspruchsvollem könnten also enttäuscht werden. Zu letzterem muss man aber ohnehin erwähnen, dass „Die Insel“ in erster Linie Popkornunterhaltung sein soll. Und für einen solchen Film ist der Gehalt an tiefsinnigen Themen stark vorhanden. Erst recht wenn man bedenkt wer hier Regie führte.

Die Besetzung kann man als gelungen bezeichnen, höchstens der Quotenschwarze in Form des Jägers ist mittelprächtig besetzt, ist aber ohnehin die eher uninteressanteste, da zu aufgesetzteste Rolle. Der Film selbst ist Kurzweile pur und hält einem, ähnlich wie „Gladiator“, stets den Spiegel unserer Zeit vor, obwohl es in der Geschichte selbst ja um eine andere Zeit geht. In "Die Insel" wird diese Erzählform recht deutlich, wenn z.B. der Firmenchef erwähnt, dass die Ahnungslosen ihre Videospiele und Comics vorgesetzt bekommen, damit sie abgelenkt sind und nicht wissen wofür sie wirklich da sind. Mit Hirn aus guckt man über derartige Sätze hinweg, wer weiß wo heutzutage der Hase lang läuft, erkennt deutliche Kritik an der heutigen Spaßgesellschaft.

"Die Insel" erfindet das Genre nicht nur nicht neu, er bedient sich auch freudig an vielen Filmen seines und verwandter Genres. Ähnlich wie "Matrix" klaut er aber recht gut, so dass er dennoch ein gewisses Niveau halten kann. Ganz klar erkennbar sind Anlehnungen an "Blade Runner" und "Ghost In The Shell" wenn es um die Rechte eines Nichtmenschen geht. Durch das Thema Klonen sind Cyborgs für den Filmbereich relativ uninteressant geworden, und so wechselt nur der Klient, nicht aber das philosophische Thema: Wo fängt Menschsein an, und wo hört es auf?

Die brav gehaltene Gesellschaft in einem eingeschlossenen Komplex, die von den Obrigen angelogen wird ist bei "Flucht ins 23. Jahrhundert" abgeguckt. Die persönlichen Einschränkungen, die unsere Protagonisten erleben dürfen, erinnern stark an "1984", die Bravheit an der das ganze sittlich angelegt ist an "Demolition Man" und die Genetik als Überwachungsinstrument des Volkes an "Gattaca".

Wenn zur 2. Hälfte hin die Action losgeht, erinnert die Art der Verfolgung und der Verfolgten stark an "Der Staatsfeind Nummer 1". Das Simulationsspiel in der scheinbar heilen Welt erinnert an ähnliche Spiele aus "Futureworld", zudem erkennt man hier auch klare Parallelen, wenn das Double sein Original trifft, im Vergleich mit "Futureworld" werden die gute und die böse Seite hierbei allerdings vertauscht. Ähnliches sah man zudem in "The 6th Day" und in den "Body Snatchers"-Verfilmungen, die wiederum ein Plagiat von "Puppet Masters" waren.

Der Hintergrund der Lüge erinnert an "Coma", die Art der Lagerung an einen Mix aus "Coma" und "Matrix". Dass reiche Menschen in der Zukunft auf Kosten anderer Menschen länger Leben wollen, wurde schon im eher mäßigen "Freejack" thematisiert. Sprüche a la "Ich habe Dich geschaffen" erinnern sicherlich nicht zufällig an "Frankenstein".

Da kommen schon viele Filme zusammen von denen man sich wie ein Kind im Süßigkeitenladen fleißig bedient hat. Aber auch wenn hier gut geklaut wird, so kann ein Film mit so wenig eigenem Einfluss auch nie zum wahren Cineasten-Tipp werden. Zudem stoßen gerade gewisse Dinge gegen Ende sauer auf. Aus unerfindlichen Gründen bekommt eine Figur Gewissensbisse, was nicht zur Charakterisierung und zur Situation passt, sondern lediglich Hollywood-typische Klischees wiederholt. Die Überprüfung ob man es am Ende mit einem Klon oder dem Original zu tun hat, findet am Armband statt und nicht mit der wesentlich sicheren Methode den Code am Arm zu überprüfen. Auch dass zur Verdeutlichung des Bösen mit Elementen aus der traurigen deutschen Vergangenheit gespielt wird, stößt in einem US-Film sauer auf, da man auch mit Elementen der ebenso bitteren Vergangenheit Amerikas hätte spielen können, anstatt selbstgerecht aufs Ausland zu verweisen.

Außerdem ist der Actiongehalt der zweiten Hälfte eine Spur zu wuchtig ausgefallen, wenn man das Niveau der ersten Hälfte beachtet. Das wirkt nicht wirklich uneins, dafür aber arg unnötig und bremst somit leicht das Sehvergnügen.

Inhaltlich gibt es nicht erst gegen Ende anfechtbare Inhalte:
- Ein Konzern mit seinem unschätzbaren Wissen will nur Geld auf die ehrliche Weise verdienen, trotz seiner gesetzlosen Art? Was ist mit den Möglichkeiten Klone als Sklaven oder Sexobjekte an das Ausland zu verkaufen? Was ist mit der Idee aus "Futureworld" hohe Tiere der Gesellschaft durch Double auszutauschen, um noch mehr Macht zu erlangen? Es ist kaum zu glauben dass ein derartiger Konzern nicht zumindest über derartige Themengebiete nachdenken würde

- Die Klone kommen sehr schnell mit der Wahrheit zurecht. Sie können trotz der eigentlich umwerfenden und verzweifelten Situation mit freiem Kopf denken und handeln und bleiben auch Emotional im grünen Bereich. Eine Verwirrung der Sinne und des Gemüts hätten für zusätzliche Schwierigkeiten und somit für reizvollere Komplikationen in der Geschichte führen können.

- Mal wissen die Klone über etwas Bescheid, was sie eigentlich nicht wissen dürften, und manchmal wieder nicht. Dies wird immer so angewendet, wie es Bay gerade passt.

- Dass der Posten des überwachenden Psychiaters auch gleichzeitig der des obersten Firmenchefs ist, ist ebenfalls unglaubwürdig. Ebenso die Idee, dass der Wohnkomplex der Produkte direkt neben den wissenschaftlichen und produktiven Anlagen angesiedelt wurde und dabei noch nicht einmal räumlich richtig abgegrenzt wurde, sprich in verschiedenen Gebäuden getrennt. Außerdem wissen selbst die kleinsten Mitarbeiter über zu viel Bescheid. Das ist auch nicht wirklich glaubhaft

- Wie es der Durchschnitts-Ami gerne mag sind Gut und Böse sehr überzeichnet und schwarzweiß gehalten. Entweder ist eine Rolle das eine oder das andere. Und der Versuch mit dem Jäger beides in eine Figur zu integrieren, ist nur billigster Pathos und geheuchelte politische Korrektheit, die ohnehin immer sehr fragwürdig ist

- Wenn Sex verboten ist bzw. verhindert wird und auch Frauen als lebender Organhandel fungieren, wie zum Teufel konnte der Klon einer Kundin dann schwanger werden, damit sie selbst nicht die Schmerzen der Geburt durchleben muss? Möglichkeiten wären gegeben, genannt wird keine.

Dass nicht nur der Konzern fragwürdig ist, sondern auch die Regierung, wird leider kaum ins Auge gefasst. Wenn es ein Gesetz gibt, welches erlaubt geklonte Körper im Koma zu halten um diese auszuschlachten, so ist da doch etwas ethisch unkorrektes erkennbar. Da dieses besagte Gesetz gleichzeitig aber auch verbietet jene Klone richtig leben zu lassen, hat man leider die Möglichkeit eines bösen Endes verschenkt. Man hätte die Klone befreien können, sie hätten in die Freiheit hinauslaufen können, und nun hätte man z.B. Hubschrauber auftauchen lassen können, die diese vernichten. Denn das Gesetz besagt, dass die nun befreiten Menschen illegale Produkte sind, und diese müssen sicher vernichtet werden. Für eine derartige Regierung sind dies keine lebenswerten Objekte, und mit Sicherheit hat man auch bereits in der nahen Zukunft mit Problemen der Überbevölkerung und der damit verbundenen Ernährungs- und Ansiedlungsproblemen zu kämpfen. Die Vernichtung der Befreiten wäre ein hervorragender, schwarzhumoriger und zum denken anregender Schlussgag gewesen.

Im Endeffekt ist „Die Insel“ trotz solcher Mankos und für einen so ungewöhnlichen Mix recht gut ausgefallen, so dass man großzügig über die Kritikpunkte hinweg gucken kann. Wenn ich aber bedenke wie sehr hier die Gesellschaft von heute kritisiert wird und wie oft dies auch in anderen Filmen versteckt getan wird („Gladiator“, „Matrix“, „Donnie Darko“, und endlos könnte die Liste weiter gehen), frage ich mich wann endlich ein Filmschaffender den Mut besitzen mag nicht mehr um den heißen Brei herumzureden und mal ganz offen wagt vom Faschismus heutiger Zeiten zu berichten, ohne dabei in Fiktionen abzudriften.

Aber was soll's! Michael Bays „Die Insel" ist ein unterhaltsamer Film mit mehr Tiefe als man vermuten würde und (etwas zu) viel Action. Das Reinschalten unvoreingenommener Cineasten lohnt in jedem Fall.  OFDb