Posts mit dem Label Jack Nicholson werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Jack Nicholson werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

06.06.2024

WOLF (1994)

Will Randall wird des nachts bei Vollmond von einem Wolf gebissen. Auf der Arbeit als Verleger frisch entlassen, wächst im eher passiven Arbeitnehmer der Kampfgeist um seinen Job. Und auch sämtliche Sinne sind mittlerweile weiter ausgeprägt als üblich. Will geht von einer Besessenheit durch das Tier, das ihn biss, aus und forscht nach...

Die Schöne und der Wolf...

Zur selben Zeit als mit Anthony Hopkins als "Dracula", Julia Roberts als "Mary Reilly", das Dienstmädchen von Dr. Jekyll, und Robert DeNiro als das Monster in "Frankenstein" die Kreaturen der klassischen Horrorliteratur und ihrer Verfilmungen durch Großstudios wiederentdeckt wurden, da kam auch der prominent besetzte "Wolf" in die Kinos, der im Gegensatz zu den Vergleichsfilmen, trotz des Werkes "Der Wolfsmensch", keinen direkten Bezug zu seinem klassischen Ebenbild bekam. Das hat auch seinen Grund, ebenso wie der Name "Wolf", anstatt die Nennung eines Werwolfs im Titel, denn das von Mike Nichols inszenierte Horror-Drama ist eigenständiger, als es zunächst scheint. Lediglich in eine Story um den Kampf um eine Arbeitsstelle integriert, grast "Wolf - Das Tier im Manne" (Alternativtitel) zunächst die klassischen Stationen von Werwolfgeschichten ab, mutet dabei ein wenig wie die Entstehungsgeschichte um einen Superhelden an, wenn Will seine neu gewonnenen Fähigkeiten entdeckt, wirkt aber ansonsten wie die Standardgeschichte seines Sub-Genres, versehen mit den üblichen Zutaten Hollywoods, was dem reinen Genre-Fan meist nicht schmeckt. 

Soll der ruhig meckern, die Figurenzeichnung, das Drama und wohin sich dieses entwickelt, sind hervorragend geschrieben, in geglückten Dialogen dargeboten und inszeniert in einem Mix aus modernem Kino der Großproduktionen und dem klassischen Gruselfilm, so direkt wie die Kameraufnahmen Vergangenes zu zitieren scheinen, wenn auch mehr an das Kino der 60er Jahre erinnernd, anstatt an die Werwolf-Hochzeit der 40er Jahre. Es wird mehr geredet als gegruselt, und das Drama dominiert den Horroranteil, aber genau so ist "Wolf" geglückt wie er ist, weiß in dem persönlichen Fortschritt seiner Identifikationsfigur in der Arbeitswelt ebenso zu gefallen, wie in den bedrohlichen Aspekten des Stoffes, deren Wandel von Gut zu Böse man als erfahrener Zuschauer im Horrorbereich erahnen kann. Aber selbst diese vorausgesehene Überraschung zum Finale hin, zerstört nicht den professionellen, beeindruckenden und atmosphärisch dichten Stil eines Filmes, der genau das geworden ist, was er sein wollte. Der zu erwartenden Überraschung folgt eine wirkliche, die "Wolf" zu etwas Selbstständigen macht und damit zugleich die nicht nur nebenbei abgearbeitete Liebesgeschichte legitimiert, die zurecht zum Zentrum der Geschichte gehört. 

Freilich wird auf dem Weg dorthin auf allerlei Klischees gesetzt, dies nicht nur in Bezug auf die Gruselthematik, auch im Charakterbereich, aber das geht in Ordnung, denn trotz Schwerpunkt Drama ist "Wolf" im Kino zu Hause, anstatt in der unseren Realität, muss also nicht authentisch erscheinen, sondern darf die Luft der Filmwelten atmen. Und da jeder zudem perfekt für seine jeweilige Rolle besetzt wurde, gibt es nichts zu meckern. Ein atmosphärischer Soundtrack sorgt für den Rest. Und so wird der mit einer liebevoll pointierten Schlussszene gesegnete Film zu einem Liebhaberstück zum Immerwiedergucken, zumindest für jene Art Filmfreund, die keinen reinen, geschweige denn harten Horrorstoff benötigen und im erwachsen erzählten Bereich nicht zwingend Arthouse-Niveau benötigen. "Wolf" ist professionell erzählter Mainstream, jedoch cleverer und kreativer geartet, als dieser üblicher Weise ausfällt, langsamer mit Blick auf die wichtigen Nebensächlichkeiten erzählt, als es der Blockbuster von heute tut, und das Innenleben der Charaktere zur größten Wichtigkeit erklärt, wie es jeder bessere Film tut. Damit wird "Wolf" zu einer Wundertüte für Cineasten und Filmkonsumenten gleichermaßen.  Wiki

20.06.2021

EINE FRAGE DER EHRE (1992)

So sehr "Eine Frage der Ehre" auch zwei cineastische Bereiche vereint mit denen ich mich schwer tue, als da wären die Hollywood-Blockbuster-Dramen sowie pro-militärische Blickwinkel, ich liebe diesen Film als Ausnahme von der Regel. Nicht nur dass seine Story weit erzählenswerter ist, als es zunächst den Anschein macht, zudem ist Regisseur Rob Reiner ein guter Geschichtenerzähler, die vielen eingekauften Stars füllen ihre keineswegs sympathischen, aber interessanten Rollen gekonnt aus (freilich mit Ausnahme von Tom Cruise, der zu dieser Zeit mimisch noch gar nichts konnte), und der Dramenbereich kommt weder typisch märchenhaft, noch theatralisch daher. Er ist Hollywood-geschönt, damit alles klassisch erzählenswert bleibt, keine Frage, aber das geht klar bei solch hohem Unterhaltungswert und ist damit gerne verziehen. "A Few Good Men" (Originaltitel) schaut man nicht als authentisches Drama, er soll Kino sein, wenn auch welches, das sich mit nachvollziehbaren Problemen auseinandersetzen soll. 

Die militärische Mentalität wird auf die jeweilige Figur angepasst, Extremisten werden deutlich als solche benannt, die Hauptfigur betrachtet den Militärapparat augenzwinkernd als Aufstiegsmöglichkeit, ohne das Regelwerk dort ernst zu nehmen, kurzum wird weder völlig unkritisch mit dem Thema umgegangen, noch euphorisch, sehr wohl aber förderlich für die zu erzählende Geschichte, die jedweden Blickwinkel nutzt, ohne dass man von Tiefgang oder analytischer Raffinesse reden würde. Wie erwähnt sieht sich "Eine Frage der Ehre" dem Unterhaltungsbereich verpflichtet, und diesem bietet er großartige Momente, wie die finale Befragung vor Gericht, sympathisch freche Einzeiler, packende Dialoge und Schicksale, die fern von heuchlerischer Betroffenheit oder bedeutungsschwangerem Getue präsentiert werden und nur Teil der Gesamtgeschichte sind, nicht der Schwerpunkt. Reiners Drama kommt weder moralisch daher, noch wird er zu einer Werbesendung für das Militär, kurzum fehlen die meisten übelsten Zutaten, die Mainstream üblicher Weise stark schwächen. 

Hochglanzbilder, aufgepuschte Dialoge und selbstdarstellerische Stars sind sehr wohl vorhanden, und doch schaut sich das Ergebnis geradezu brillant, bietet hochkarätiges Kino, wendungsreich von einer hoffnungslosen Situation erzählend, die mit flotten und packenden Dialogen leichtfüßig inszeniert ist, mit Humor aufgelockert ohne dem Dramenaspekt zu schaden, letztgenannten aber ohnehin nicht zu offensichtlich ins Zentrum rückt. Man weiß, dass es weder an einem Happy End fehlen wird, noch bietet "Eine Frage der Ehre" eine Geschichte, deren Fortlauf man nicht erahnen könnte. Es ist die sicher gesetzte, professionelle Umsetzung, die fast makellos und fehlerfrei etwas präsentiert, das in anderen Händen ungenießbar hätte werden können. Den Theaterbereich, aus welchem die Vorlage des Drehbuchs stammt, sieht man dem Film nicht an, auch wenn sich mit dem Wissen darüber mancher Dialog und Monolog erklärt. Es scheint als wäre die Geschichte wie fürs Kino gemacht, und die ungeniert pompös dargebotene Umsetzung mit teurer Besetzung lässt einen nicht daran zweifeln... 

...nun ja... im Vorfeld schon, aber derartige Vorurteile sind schnell über Bord gefegt, wenn einen die Stimmung des Streifens erst einmal gepackt hat. Für mich ist "Eine Frage der Ehre" ein Werk zum Immerwiedergucken, eines das auf eine intensive Art funktioniert, die ich mir nicht wirklich erklären kann. Ich lasse es mittlerweile gut sein, hinterfrage es nicht mehr und genieße einfach, dass er für mich so gut funktioniert - immer wieder.  OFDb

20.03.2020

BATMAN (1989)

Mit Blick von heute mag einem Burtons "Batman" etwas schlicht erscheinen, sind doch z.B. die Bauten im Gesamten keineswegs so wuchtig ausgefallen, wie man es beim Kult-Regisseur erwarten würde. Die simple Terroraktion Jokers per Kosmetika, die Vereinfachung, dass er zudem der Mörder von Waynes Eltern ist, und ganz besonders die plump abgearbeitete Liebesgeschichte, die aufgrund ihrer Sprunghaftigkeit nicht wirklich glaubwürdig herüber kommt, sind Elemente, die man heutzutage komplexer ausgearbeitet erwarten würde. Aber seinerzeit war man einfach froh endlich einmal eine professionelle und ernste Umsetzung des "Batman"-Themas auf der Leinwand erleben zu dürfen, nachdem es ansonsten nur billig heruntergedrehte Serials in den 40er Jahren und die klamaukige TV-Serie aus den 60er Jahren zu entdecken gab, inklusive der Kinoauswertung von Letztgenanntem namens "Batman hält die Welt in Atem". Burton brachte den legendären Helden erstmals ernstzunehmend auf die große Leinwand, und dafür war man ihm dankbar. Eine große Werbewelle ging seinerzeit dem Kinostart voraus, aber ich wage zu behaupten, dass der Film auch ohne dieses Puschen ein Erfolg geworden wäre, eben weil Batman doch einfach zu den interessantesten Figuren des Superhelden-Bereiches gehört.

Mit Jack Nicholson hatte man zudem einen Star mit an Bord, und auch Western-Legende Jack Palance ist in einer kleineren Rolle mit am Start. Michael Keaton erwies sich als gute Wahl in der Rolle Bruce Waynes, setzte er doch gekonnt täuschend seinen naiven Blick ein. Nicholson hingegen wirkt heutzutage, durch so grandiose Interpretationen des Erzfeindes aus "Joker" und "The Dark Knight", etwas zu einfach dargeboten, zumal er in lockerflockig anvisierten Momenten doch etwas arg steif spielt. Mimisch trumpft er jedoch, innerhalb seiner Möglichkeiten in sperriger Maskerade, und allein das Drehbuch beschert ihm bereits wundervolle Szenen und Monologe. Einzelne Gebäude geben einen ersten Einblick in später in anderen Werken professioneller eingefangene Bilder Gotham Citys, das Batmobil und der Flieger des selbsternannten Gesetzeshüter wissen zu wirken, werden aber geradezu selbstverständlich eingesetzt. Das ist einer der Gründe, warum "Batman" trotz erwachsenem Grundton immer eine Spur zu naiv daher kommt, ebenso wenn man den Helden abseits von Actionszenen im Kostüm agieren sieht. Diesbezüglich tat es gut, dass Burton dem Ganzen in der Fortsetzung "Batmans Rückkehr" einen Mythos durch einen psychologisch interessanten Fetisch bescherte, um den Helden ernsthafter und glaubwürdiger verkleidet erscheinen zu lassen.

Dennoch ist das alles Jammern auf hohem Niveau. Burtons erster Beitrag zur Filmreihe ist stimmig und kurzweilig erzählt, in wundervoll düsteren Bildern gehalten und bot damals somit endlich das, was auf der Leinwand längst fällig war. Mag das Drehbuch auch keine besonderen Kniffe beinhalten, allein das Servieren der Basis dessen, was mit dem Stoff möglich ist, weiß zu gefallen. Und besonders gut hat mir persönlich die Sichtweise zu Beginn des Streifens gefallen, die uns Batman noch nicht offiziell als den Helden präsentiert, sondern als in der Gesellschaft unbestätigten Mythos, den man ab und an aus der Distanz als wahrhaftig erleben darf, so dass es lange Zeit dauert, bis wir Batman aus Heldensicht und Bruce Wayne persönlich kennen lernen. Dafür dass mit diesem ersten Teil die sonst mittlerweile übliche Entstehungsgeschichte übersprungen wird, ist dies eine hervorragende Alternative, um einen mystischen Einstieg ins Geschehen entstehen zu lassen. Auch heute noch ist "Batman" eine sehenswerte Comicverfilmung, allein schon weil er erste Schritte vorbereitete, an denen andere Werke kreativ ausgereifter anknüpfen konnten. Dies gelingt Burton hauptsächlich durch den von Miller in den Comics kreierten düsteren Stil, was ihn glücklicher Weise nicht davon abhielt der Figur des Joker trotzdem schwarzhumorige und teilweise flapsige Momente zu bescheren.  OFDb

09.05.2013

DER RABE - DUELL DER ZAUBERER (1963)

Eines Abends bekommt der um seine vor zwei Jahren verstorbene Ehefrau Lenore trauernde Zauberer Craven Besuch von einem Raben. Der kann zur Überraschung des Magiers sprechen und bittet ihn um seine Hilfe. Vom bösen Zauberer Scarabus in das Federvieh verzaubert, möchte er gerne wieder ein Mensch werden. Nach getaner Arbeit reisen die beiden zum Schloss von Scarabus, denn der ehemalige Rabe Bedlo beteuert dort definitiv Lenore gesichtet zu haben. Craven glaubt der böse Zauberer habe einen Fluch über ihren Geist verhängt...
 
Was vom Raben übrig blieb...
 
Wer sich mit Monstern, Gruselfilmen und Trash im allgemeinen befasst, kommt um Regisseur und Produzent Roger Corman nicht herum, der seit etlichen Jahrzehnten im alternativen Filmgeschäft tätig ist und es mit geprägt hat. Jack Nicholson sagte einmal in einem Interview, Corman habe zwar auch hin und wieder gute Filme gedreht, aber er habe in keinem dieser Werke mitgespielt. Ich weiß nicht was der heute so berühmte Schauspieler unter einem guten Film versteht, aber „Der Rabe - Duell der Zauberer“ scheint es seiner Meinung nach nicht zu sein, in welchem er ab dem zweiten Drittel einen größeren Part übernimmt.

Verstehe einer Jack, „Der Rabe“ ist ein wundervoller, kurzweiliger Film, ganz selten vielleicht eine Spur zu albern und definitiv kostengünstig produziert, aber dennoch ein charmantes Werk das erreicht was es möchte und dessen simple Geschichte kaum auffällt dank antiquierter, aber den Produktionsumständen durchaus angemessener Spezialeffekte, improvisationsfreudiger Mimen, atmosphärischem Dekor, stimmiger Kostüme und einem Drehbuch mit Mut zur Extreme.

Dass sich das berühmte Poe-Gedicht „Der Rabe“ nicht für eine werkgetreue Verfilmung eignet, dürfte klar sein. Das Maximum dessen was möglich war erreichte man wohl im ersten Halloween-Special der Serie „Die Simpsons“. Aber was man in dem 30er Jahre Streifen „Der Rabe“ gar nicht erst versuchte, wird in der hier besprochenen Corman-Produktion durchaus ausprobiert: einen Bezug zum Gedicht zu schaffen. Den Anfängen dieser berühmten Zeilen darf man zu Beginn des Filmes lauschen, die Trauer um Lenore ist enthalten, der titelgebende nächtliche Besucher natürlich auch, sowie, am Ende und augenzwinkernd mit Absicht sinngemäß verdreht, das berühmte Nimmermehr.

Nach Ankunft des Raben verlässt man jedoch die Fährten Poes und stürzt sich in eine Geschichten um rivalisierende Magier und um Lug, Trug und Verrat. In einem Setting, welches Freunden gotischer Filme nichts zu wünschen übrig lässt und das wie der Film selbst mit den ursprünglich ernstgemeinten Elementen des Genres ironisch spielt, tapsen in stimmigen Kostümen gut aufgelegte Stars umher, die das beste aus einer eigentlich sinnfreien Geschichte machen und einem gar keine Chance geben, sich an der dünnen Story gelangweilt aufzuhängen.

Nein, „Der Rabe“ bleibt konsequent kurzweilig, in der zweiten Filmhälfte gar mehr als in der ersten, da man den manchmal arg verspielten Humor als Zuschauer dort besser einzuordnen weiß als im etwas orientierungslosen und ereignisreichen ersten Drittel. Ist man dort noch überrascht von einem Schauspieler, der mit Rabenflügeln herumblödelt, da die Verwandlung nicht hundertprozentig funktioniert hat, und über Leichen, die unverhofft Warnungen aussprechen und deren ungewöhnliche Tat von den Protagonisten keinerlei Interessen weckt und maximal zu Angstzuständen führt, gewöhnt man sich irgendwann an diesen Zirkus skurriler Ideen und lässt die Verantwortlichen des Streifens vor und hinter der Kamera einfach mal machen, während man sich zurücklehnt um sich unterhalten zu lassen.

Und die Besetzung lässt mit Vincent Price, Jack Nicholson, Peter Lorre und allen voran Boris Karloff nichts zu wünschen übrig. Letztgenannter überrascht mit einem breiten Repertoire interessanter Gesichtsausdrücke, von welchen die komischen am meisten Freude bereiten, darf man sich in anderen Filmen der Horrorlegende durch das Fehlen dieser in der Regel doch eher nicht an ihnen ergötzen. Ebenso spielfreudig erlebt man Vincent Price, dem es sichtbar Spaß macht den Zuschauer zu belustigen und auch mal den Naivling spielen zu dürfen, den man lange Zeit an der Nase herumführt.

Dass die seelischen Abgründe der Figuren nicht nur in dem Bereich der Magie liegen, verleiht dem eigentlich so sinnlosen Streifen einen letzten Rest Klasse, der zwar nie tatsächliche dramatische Bereiche erreicht, aber treffsicher augenzwinkernd mit solchen Momenten ernstgemeinter Produktionen spielt, genau jener Aspekt, der den kompletten Film ausmacht: das treffsichere Spiel mit dem ernsten Genre, das in „Der Rabe - Krieg der Magier“ (Alternativtitel) nur als Grundlage für eine Komödie dient.

Da alle Beteiligten durch ihre Erfahrung als Dauergäste des Grusel-Genres (mit Ausnahme des damals noch sehr jungen Jack Nicholson) sich mit Horrorfilmen gut auskennen, wissen sie auch wo und wie dieses parodiert werden muss, so dass man am Ende ein Ergebnis hat, welches eben den Freunden dieses Genres zu gefallen weiß und nicht nur dem Publikum komödiantischer leichter Stoffe. Zu empfehlen ist dieser kleine Kultfilm dementsprechend beiden Seiten. Wer sich nicht an der (meiner Meinung nach kaum wahrzunehmenden) Leere der Geschichte stört, wird ein Sichten nimmermehr bereuen.  OFDb

03.04.2013

WOHER WEISST DU, DASS ES LIEBE IST (2010)

Die Berufssportlerin Lisa Jorgenson ist aufgrund ihres Alters frisch aus dem Team geworfen worden, da geht sie eine Beziehung mit dem Baseball-Star Manny ein. Und während Lisa noch am grübeln ist, ob diese Beziehung mit dem Egoisten auch das richtige ist, da verliebt sich der ewige Versager George in sie. Für den hat sie aufgrund eines katastrophalen Dates kein Auge, aber so nach und nach entwickelt sich zumindest eine Freundschaft zwischen den beiden...  

Woher weißt Du, dass das lustig ist?...
 
James L. Brooks ist nicht jedermann ein Begriff. Dieser Mann gehört zu den Zuständigen für die Serie „Die Simpsons“, und der ebenso geniale Film „Besser geht‘s nicht“ geht ebenso auf sein Konto. Gerade mit letzterem Beispiel lieferte er den Beweis ab auch in einer tragisch angehauchten Komödie etwas umwerfend lustiges abliefern zu können, und der Name war fast Programm.

„Besser geht‘s nicht“ bot eine hervorragende Besetzung, eine bessere als die von „Woher weißt Du, dass es Liebe ist“, aber auch die braucht sich nicht zu verstecken. Während Paul Rudd, der in erster Linie als Josh aus „Clueless“ zu gefallen wusste, meiner Meinung aber auch eine tolle Darstellung in „Beim ersten Mal“ auf die Beine stellte, von allen hier wichtigen Rollen wohl das unbekannteste Gesicht dieses Streifens ist, braucht man Menschen wie Reese Witherspoon, Owen Wilson und Jack Nicholson nicht vorzustellen.

Romantische Komödien mit Witherspoon hauen oft nicht hin (wie z.B. „Sweet Home Alabama“ beweist), da darf man zu Recht etwas kritisch bleiben. Und Owen Wilson ist eher Sympathisant als wirklich guter Schauspieler. Aber zumindest die Anwesenheit Jack Nicholsons darf im Vorfeld positiv stimmen, war er doch auch der Star in „Besser geht‘s nicht“ und einer der Gründe warum der Film fast so gut wie sein Titel war. Und siehe da, Nicholson gehört tatsächlich zu den Pluspunkten des hier besprochenen Streifens, darf mimisch überagieren und gerade deshalb wunderbar komisch einen Egomanen in Reinform verkörpern, und das weiß in all seinen Auftritten auch zu gefallen. Allerdings spielt Nicholson eine relativ kleine Rolle.

Immerhin darf Witherspoon lange Zeit nach „Eiskalte Engel“ und „Election“ endlich mal wieder gefallen. Dies weniger im niedlichen Sinne, was man bei einer Romantik-Komödie vermuten könnte. Aber dafür wäre ihr Charakter auch viel zu falsch ausgelegt. Brooks geht es bei Witherspoons Rolle Lisa nicht um Niedlichkeit. Nein, sie soll möglichst authentisch wirken, in einer gefühlsverwirrten Welt, die Liebe nie kennen gelernt habend, aber das Herz am rechten Fleck tragend.

Dies hat auch die Rolle Paul Rudds, die allerdings selbst für eine RomCom viel zu soft daher kommt. Zwar darf der gute Mann zu recht in Selbstmitleid zerfließen, bei all der Scheiße die auf ihn herabregnet, aber seine viel zu frühe Besessenheit für Lisa, die man nun wirklich nicht mehr Liebe nennen kann, macht doch viel an einem Charakter kaputt, der eigentlich positiv gemeint sein soll.

Dass er dennoch liebenswürdiger wirkt als sein Konkurrent, liegt einzig daran, dass man Owen Wilson mit Absicht eine arg egoistische Figur spielen lässt, die zwar durch ihre Unbedarftheit all die lachfördernden Ego-Touren nicht böse meint, aufgrund seiner Charakterzeichnung aber nie eine ernsthafte Wahl für den Final Part an der Seite Witherspoons wird. Da mag nur wer sehr naives zweifeln wer denn am Ende nun das Herz Lisas erobern darf und wer nicht.

Doch auch wenn es der Tragik etwas zu viel und des Humors etwas zu wenig gibt, und auch wenn die von Rudd gespielte Figur als eine der wichtigsten nicht so zu wirken weiß wie es Brooks gerne hätte, irgendwie weiß „Woher weißt Du, dass es Liebe ist“ dennoch zu funktionieren, wenn auch nur auf leichter Basis und weit davon entfernt ein Tipp in seinem Sub-Genre zu werden. Dafür verlaufen sich viel zu viele Storystränge ins Nichts, und dafür wird viel zu viel leer geschwätzt, wenn auch meist auf amüsante Art.

Denn die Dialoge sind ähnlich pfiffig wie die stillen Seiten der Figuren, sprich wo diese in ihrem Mittelpunkt oft versagen, weiß die Psychologie um sie herum zu wirken. Mag da wer bissigere Kommentare erhoffen oder aufdringlich komische, die Dialoge kommen situativ komisch daher und/oder bezogen auf die Charaktere des Streifens. Auf dieses stille Erscheinungsbild muss man entweder gepolt sein, oder man kommt ignorant vor Langeweile um.

Da es Brooks sowohl um Dialog als auch um Charaktere in erster Linie geht, dies also der Hauptaspekt als Unterhaltungswert seines Filmes sein soll, kann jemand der dies nicht entdeckt oder bei dem das nicht zündet, mit diesem Streifen auch nicht klar kommen. Umgekehrt: da Brooks diese Schwerpunkte im Gesamten selbst nicht komplett beherrscht, konnte er auch keinen weiteren Hit wie „Besser geht‘s nicht“ landen. Das ist schon recht schade.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Romantikpart nicht wirklich zu überzeugen weiß, nur kurz vor Schluss doch einmal kurz aufflammt, wenn Rudds Rolle wenigstens etwas sympathischer geworden ist. Aber auch das verpufft wieder ganz schnell, wenn der finale Kuss ganz unromantisch eingefangen wird, ein Manko das in romantischen Komödien häufiger auftritt, z.B. bei dem sonst so bezaubernden „E-Mail für Dich“ mit Meg Ryan und Tom Hanks.

Als Pluspunkt bleiben also das sympathische Spiel Witherspoons, die kompletten Gastauftritte des wieder mal genialen Jack Nicholson, das Drehbuch in den Egomomenten der Rolle Owen Wilsons, sowie die eher versteckten Ecken und Kanten an den Restcharakteren und an den Dialogen. Für das Ergebnis einer wirklich überzeugenden Tragikomödie reicht das nicht aus, dafür ist ein Teil der Pluspunkte noch zu lasch ausgefallen. Aber für ein amüsantes Dranbleiben für das Unterhaltungsfilmchen zwischendurch reicht es aus. Auch wenn man sich am Ende fragt, was die ganze Geschichte eigentlich nun sollte.  OFDb

18.12.2012

WAS DAS HERZ BEGEHRT (2003)

Harry ist 60 Jahre alt und steht auf junge Frauen. Mit seiner neuesten Eroberung Marin verbringt er einen Abend im Strandhaus. Doch auch Marins Mutter stößt mit ihrer Schwester dazu, und so kommt es zu einer ungewollten Viersamkeit mit Antipathie zwischen Harry und Erica, der Mutter Marins. In der Nacht bekommt Harry einen Herzinfarkt und muss auf Anordnung des Arztes im Strandhaus bei Erica bleiben. Während Harrys Genesung lernen sich beide besser kennen…

Alter, Würde, Liebeleien…
 
Obwohl man nach 45 Minuten glaubt zu wissen wie die Geschichte weiter geht, wird man fix eines besseren belehrt. Mit einem Mal erlebt man räumliche, zeitliche und inhaltliche Veränderungen, die am Ende überraschend zu dem werden, was man vor den Umwürfen noch erwartet hat. Dass am Schluss jene Menschen, die das gleiche Alter haben, zusammenfinden heißt nicht, dass sich der Film moralisch gibt. In den Phasen, in dem das Partnerverhältnis genau gegenteilig ist, gibt sich das Werk angenehm unverkrampft. Eine Position wird ohnehin nicht eingenommen.

Stattdessen werden diverse Stellungnahmen über die verschiedenen Figuren eingebracht, und wie im echten Leben gibt es keine übereinstimmende Meinung. Das ist für einen Hollywoodfilm sehr reif und passt zum Rest der sehr erwachsenen Erzählweise. Denn trotz diverser Nacktheiten und gewollter kleiner Albernheiten zeigt uns doch gerade die eher ruppige, zweite Hälfte wie viel Niveau sie besitzt. Der Wandel Nicholsons Rolle wird nicht im Hauruck-Verfahren abgearbeitet. Harry erfährt aufgrund eines sehr schönen Erlebnisses eine komplette persönliche Veränderung. Diese will er zunächst nicht wahr haben, dann weiß er nicht damit umzugehen, und wie er im Endeffekt sein Leben umkrempelt und nach langer Zeit durch viel Ehrlichkeit und Selbstdisziplin den Weg zu sich selbst findet wird auch dem Zuschauer erst gegen Ende, über eine Erzählung Nicholsons Rolle, im Off berichtet.

Dass gerade Nicholson in einem so reifen Film mitwirkt ist keine Überraschung. Er gehört zu den wenigen Hollywood-Stars, die mit Würde altern und gerade mit fortgeschrittener Lebensdauer den Reiz ihrer Rollen erkennen, die sie zuvor nicht hätten spielen können. Späte Nicholson-Filme zeigen uns immer wieder, dass auch im Alter noch viele verschiedene vielschichtige Rollen möglich sind. Er steht zu seinem Alter, und das ist sein Trumpf. Damit zeigt er, dass er mehr beherrscht als sein bekanntes, dämonisches Grinsen, was er auf der anderen Seite aber auch immer wieder schafft einzubauen.

Diane Keaton macht ohnehin stets einen sehr reifen Eindruck, auch sie passt hervorragend in diesen Film. In ihrer Rolle mag man sich gar nicht wen anderes vorstellen. Sie wirkt so unverkrampft emanzipiert, natürlich weiblich, und wie so oft spielt sie zwischen Perfektion und Authentizität, zumindest wirkt sie immer, als würde sie ein Stück sich selbst spielen. In dieser Rolle fällt sie nur einmal negativ auf, in der an sich lustig gemeinten Szene, in der wir sie tagelang weinen sehen. Das zunächst witzig wirkende, hysterische Weinen verliert mit weiterem Fortschritt seine Echtheit. Aber dieser Einbruch ist minimal und kaum der Rede wert.

In einer Nebenrolle überrascht uns Keanu Reeves, der für seine Verhältnisse eine ungewohnt sensible Rolle spielt. Da er nicht gerade zu den talentiertesten Vertretern seines Berufes zählt, wurde er seinem Können entsprechend eingesetzt. Das heißt zum einen das sich die Regie sehr wohl seiner Grenzen bewusst war und ihn nur innerhalb dieser agieren lässt, auf der anderen Seite darf Reeves aber auch zeigen dass doch mehr Potential in ihm steckt, als lediglich ewig den Coolen zu mimen. Auch sein Spiel wirkt natürlich.

Dass die Schauspieler ihre Rollen so hervorragend meistern mag nach Star-Lobhudelei klingen. In anderen Bereichen des Filmes wird allerdings mit gleicher Professionalität gearbeitet. Besonders hervorheben möchte ich hierbei die Fotografie von „Was das Herz begehrt“. Die Optik ist künstlerisch wertvoll zu nennen, und der Zeitpunkt der gewählten Bilder spricht ebenfalls für ein gutes Fingerspitzen-Gefühl in diesem Bereich. Gerade in den stillen Momenten wissen die Verantwortlichen das Geschehen poetisch und sensibel einzufangen, und die laute Szene, in der Keatons Nacktheit im Mittelpunkt steht, überrascht einen z.B. mit dem Kunstgriff nicht ins Voyeuristische abzurutschen. Die Klasse der Bilder sichtet freilich nur der der sie entdeckt. Im Gegensatz zu bemerkenswerten Computereffekten wird einem diese Art bildlicher Kunst nicht aufs Auge gedrückt. Und so passt die Bildkomposition ebenfalls gekonnt zum erwachsenen Stil des Gesamtwerkes.

Lediglich die Musik ist schlicht. Dass sie nicht auffällt bedeutet zumindest, dass sie nicht negativ wirkt. Sie wurde für die einzelnen Momente richtig ausgesucht. Es bleibt einem allerdings auch kein Stück in Erinnerung, bzw. man nimmt auch keines dieser Werke bewusst wahr.

Dass uns mit diesem Film, trotz all seiner Professionalität, kein Meisterwerk vorgesetzt wird, liegt einzig und allein an der Wirkung der zweiten Filmhälfte. Da die erste relativ nach gewohntem Muster erzählt wurde, fällt es einem schwer sich in die Ereignisse der zweiten hineinzufühlen. Durch die ruppige Erzählweise wird man immer wieder aus dem Film geworfen. Gerade war man noch mittendrin, schon ist man, dank des eher emotionslosen Gezeigten, wieder nur Betrachter.

Das ist vom psychologischen Effekt sicherlich gut, immerhin dürfte sich die Rolle des Nicholson zu dieser Zeit ähnlich wie der Zuschauer fühlen. Letzten Endes soll ein solcher Film aber hauptsächlich unterhalten. Und darin besaß die an sich schlichtere erste Hälfte mehr Stärke als die lobenswerte letzte. Einige Elemente, die den Film so reif machten, sind gleichzeitig sein Verhängnis im Unterhaltungsbereich.

Orientierungslos beobachtet der Zuschauer was ihm gezeigt wird. Diese Unvorhersehbarkeit ist an sich zwar ein Trumpf, aber man versteht nicht das Ziel auf welches das Werk zusteuern will. Erst recht spät begreift man, dass es letzten Endes nun doch zu dem Schluss führen wird, den man im ersten Abschnitt noch vermutete.

Dass am Ende nicht alle Figuren glücklich werden beweist nur erneut die reife und konsequente Umsetzung. Dass diese unangenehme Situation der betroffenen Figur eher nur angedeutet wird spricht wiederum ganz klar für Hollywood, das seine Zuschauer in dieser Phase des Films nun doch nicht mehr aus der Träumerei reißen will. Doch auch wenn der Schluss einem mit einem wohligen Gefühl zurück lässt, so hat man hier nicht einfach eine schlichte Romanze gesehen. Dieses Genre würde dem Film nicht gerecht werden.

Irgendwo ist „Was das Herz begehrt“ zu witzig für eine Tragikomödie, andererseits ist er wiederum zu ernst für eine Komödie. Er ist zu unromantisch und emotionslos für einen Liebesfilm, andererseits zu emotional um diese Genrebezeichnung komplett zu ignorieren. Trotz seiner Tendenz zur Liebeskomödie trifft es dieses Genre eben nur bedingt, aber gute Filme lassen sich häufig nicht so leicht in eine Schublade stecken.  OFDb

14.10.2012

DAS VERSPRECHEN (2001)

An seinem letzten Arbeitstag vor dem Ruhestand wird Kommissar Jerry Black auf einen Kriminalfall um einen Kindermörder aufmerksam. Die Polizei löst den Fall, Black glaubt jedoch, dass der wahre Täter noch auf freiem Fuß ist und schon so manches Mal zugeschlagen hat. Der Rentner mietet sich eine Tankstelle und bietet einer alleinerziehenden Mutter an für ihn zu arbeiten und bei ihm zu wohnen. Ihr Kind nutzt er als Lockvogel um den Triebtäter aus der Reserve zu locken...

Versprochen ist versprochen...
 
„Es geschah am hellichten Tag“ war seinerzeit ein wirklich hervorragender Film. Er schockte nicht nur mit einer düsteren Thematik, sondern auch mit einer zu seiner Zeit sehr düsteren Umsetzung. Mit Heinz Rühmann und Gert Fröbe waren die wichtigsten Figuren nicht nur sehr gut, sondern auch prominent besetzt.

Die Zeiten werden anders, das Kino und die Sehgewohnheiten des Publikums somit auch. Das macht Neuverfilmungen legitim. „Das Versprechen“ ist mittlerweile die 5. Verfilmung. Bereits in den 70ern gab es ein kaum beachtetes Remake, eine holländische Produktion (mittlerweile auf DVD unter dem Titel „Es geschah am hellen Tag“ zu erwerben) führte ebenfalls eine Existenz im Schattendasein der vielen anderen Produktionen zu Zeiten, in denen Filme dank Video zum Schnellverzehr wurden. Und erst als in den 90ern eine deutsche Neuverfilmung mit dem durch „Der bewegte Mann“ berühmt gewordenen Joachim Król erschien, gab es wieder ein größeres Publikum.

Bei so vielen Remakes ist es legitim wenn man vermutet, dass das „Das Versprechen“ mit Jack Nicholson lediglich wieder einer jener Filme ist, der für das amerikanische Publikum neu gedreht wurde, weil dieses sich nicht gerne mit europäischen Werken befasst. Dank berühmter Namen vor und hinter der Kamera (Schauspieler Sean Penn führte Regie) wurde diese nun mehr 5. Version berühmter als ihre Vorgänger.

Beim Sichten von „Das Versprechen“ fällt allerdings auf, dass Sean Penns Neuinterpretation mehr als der schnelle amerikanische Film für die breite Masse ist, wie es ein US-Remake in der Regel sonst ist. Der Film macht überhaupt nicht den Eindruck für den schnellen Dollar gedreht worden zu sein. Penn gibt sich Mühe eine trockene, unangenehme, leicht hypnotische Atmosphäre aufzubauen. Das Ergebnis ist ein sehr langsamer Film, meiner Meinung nach allerdings ein zu langsamer. Denn so sehr ich auch gerne trockener erzählte Werke konsumiere („Welt am Draht“ dürfte ein gutes Beispiel sein), vermisse ich in Penns Umsetzung doch Dinge, die den Zuschauer bei einer solch ruhigen Erzählweise bei der Stange halten.

Immer wieder mal atmosphärisch die Natur einzufangen, fliegende Vögel zu zeigen oder auch mal eine Blume in Nahaufnahme ist schön und gut, man wird mit der gut gewählten Umgebung allerdings wärmer, als mit der Figur des in Rente gegangenen Detectives. Jack Nicholson spielt ungewohnt zurückhaltend, er will sich der Story nicht aufdrängen. Trotz (oder vielleicht auch wegen) dieser guten Entscheidung, die vielleicht leicht im Widerspruch zu der Positionierung der Figur im Vergleich zu einem schlichten Krimi steht, bleibt Detective Jerry Black unglaublich blass. Man weiß nur, dass er auf alte Werte setzt, sprich sein Versprechen einhält, man kennt also seinen Beweggrund. Sonst weiß man allerdings nichts von ihm.

Als Kommissar in einem Thriller oder Kriminalfilm, in der die Hauptfigur einen Fall löst, ist so etwas unter guten Bedingungen machbar. Black ist allerdings in Rente, wir erleben ihn als Privatperson. Auch wenn auf der Feier gezeigt wird, wie wenig Privatmensch Black ist und wie sehr er den Detective lebt, ist das alles doch zu wenig Begründung, um uns einen derart dünnen Charakter vorzusetzen. Man versteht warum Penn die Figur so anlegt, ist die Schlusspointe damit doch so psychologisch griffig. Aber so sehr die Charakterzeichnung Blacks auch in die Story und in die Psychologie passt, sie ist keine echte Identifikationsfigur. Dieser psychologische Kniff würde sich in einer kurzweiligeren Umsetzung bezählt machen, aber trockenste Atmosphäre ohne den Hauch von Identifikation mit Black sind zu viel des guten.

Black bleibt einem fremd, und so betrachtet man „Das Versprechen“ lediglich, man lebt es auf Spielfilmlänge nicht mit. Das mag auch am völligen Verzicht von Spannungsmomenten liegen. Allein durch eine drückenden Atmosphäre bekommt man noch keinen Nervenkitzel hin. Dieser war scheinbar auch nicht unbedingt gewollt, wäre aber der letzte Rettungsanker gewesen den Zuschauer mit irgendetwas bei Laune zu halten.

So bleibt „Das Versprechen“ für den Zuschauer ein zu theoretischer Film. Er ist nicht völlig uninteressant, mir ist beim Gucken allerdings aufgefallen, dass er nur deshalb interessant ist, weil ich das Original aus den 50er Jahren kannte und vergleichen konnte. Ich kann mir nur schwer vorstellen wie „Das Versprechen“ auf einen Menschen wirken muss, der das Original nicht kennt, weil ich nicht weiß, was ihn dann noch halten soll. Erst der Vergleich macht Penns Werk interessant.

Und da haben wir nun drei Gebiete des Vergleiches. Zum einen hätten wir die Modernisierung des Stoffes. Sie ist gut zu beobachten, da Penn keinen flotten Actionthriller zauberte, sondern mit seiner ruhigen Erzählweise wenigstens etwas mit dem Original verwandt ist. Der Film spielt in der Gegenwart, somit sind alltägliche Neuerungen im Polizeialltag, das öffentliche Verhalten der Polizei und die Moderne der Methoden unvermeidlich aktuell. Dies betrifft allerdings auch die Thematik der Kinderschändung.

Ich wage zu behaupten, dass das Thema in den 50ern nicht so populär war wie heute. Klar kannte man diese Verbrechen, sie wurden aber nicht so öffentlich diskutiert wie heute. Das Thema ist auch heute noch ein unangenehmes Thema. Der Schock und das Extreme dieser Taten wird durch die häufige mediale Berichterstattung allerdings etwas gedämpft. Kindesmisshandlung gehört zum traurigen Alltag in der Medienwelt, in der wir leben. Obwohl die Anzahl der Opfer in den 50ern prozentual nicht geringer gewesen sein dürfte, war diese Art Verbrechen ein Tabuthema. Ein Tabuthema welches „Es geschah am hellichten Tag“ durch seine direkte Auseinandersetzung damit bricht.

Die aus heutiger Sicht schlichte Umsetzung war für damalige Sehverhältnisse grauenhaft und düster. In einer durch zu viele Informationen abgestumpften Gesellschaft wie heute, musste Penn also mit extremeren Mitteln arbeiten. Da wird die Leiche entdeckt, Polizisten eilen vor Ort und ich bin noch völlig positiv überrascht, dass das Verbrechen nicht zur Voyeursnummer verkommt wie die „Tagesschau“ heutzutage, da wird urplötzlich doch die erschreckend reale Leiche des übelst zugerichteten Kindes gezeigt. Extremer wird es später in der Geschichte, wenn Black Polizeifotos eines vergleichbaren Opfers sichtet. Die Kamera hält gnadenlos drauf. Der Weg mag plump sein, der Effekt fruchtet dennoch, eben weil der Film ansonsten ruhig dahinplätschert.

Neben der Moderne haben wir noch den Vergleich der kulturellen Unterschiede. „Das Versprechen“ ist das amerikanische Remake eines deutschen Filmes, da gibt es klare Unterschiede, weil der US-Film in seiner Heimat spielt. So wurde aus dem Vagabunden ein geistesgestörter Indianer. Zudem ist das Umfeld Blacks sehr religiös geprägt. Penn arbeitet mit dieser Tatsache kritisch. Der zum Zeitpunkt der privaten Ermittlungen zunächst verdächtige Mann, ist ein Mann Gottes. Der gesuchte Psychopath ist eine Gefahr für das Kind, wenn er es auf der Straße anspricht. Ein Gottesmann, der ein kleines, leicht beeinflussbares Kind in seine Kirche locken will, ist es nicht? Auch wenn Black erleichtert ist, wenn er glaubt seinem Schützling würde nun etwas angetan werden, und er das Kind stattdessen kerngesund in einer Kirche sitzen sieht, die Botschaft kommt dennoch an.

Religiöse Erziehung an Kindern gehört, aufgrund des fehlenden geistigen Entwicklungsstandes des zu Erziehenden zur Selbstüberprüfung des Gelernten, wohl zu den schlimmsten akzeptierten Verbrechen unserer Zeit. Und fast jeder weiß, wie viel extremer mit Religion in Amerika umgegangen wird als es in Deutschland der Fall ist. Blacks religiöses Umfeld sehen wir auch bei seinen Befragungen und bei dem titelgebenden Versprechen. Im Falle der amerikanischen Umsetzung hätte der Titel sich eigentlich nicht an Dürrenmatts Buch anlehnen dürfen, sondern „Der Schwur“ heißen müssen. Inmitten von Religionswahn reicht der Mutter des Opfers ein bloßes Versprechen nicht.

Als dritte Vergleichsmöglichkeit haben wir die rein grobe Handlung, Dürrenmatt verglichen mit Dürrenmatt. Er schrieb das Drehbuch zum 50er Jahre Original, zeitgleich schrieb er an dem Buch, das später den Titel „Das Versprechen“ bekam. Buch und Film waren nicht in allen Punkten gleich. Und Penns Film ist weniger eine Neuverfilmung von „Es geschah am helllichten Tag“, als viel mehr die Verfilmung Dürrenmatts Buches. Den wichtigsten Unterschied haben beide Werke am Schluss. Wo „Es geschah am helllichten Tag“ ein Happy End hat (was durch die Methode mit dem Kind als Köder dennoch düster blieb) geht die Buchvorlage, und somit auch Penns Film, einen anderen Weg, den ich hier nicht verraten werde.

Mit diesem Schluss bin ich allerdings nicht zufrieden. So sehr ich die Idee auch mag, sie ist in meinen Augen nicht glaubhaft umgesetzt. Der Wandel kommt zu ruppig und zu aufgesetzt. Frühe Erkennungsmerkmale baden im Klischee, und das finale Stadium steht im Widerspruch zur Intelligenz des Rentners und dem Ergebnis seiner Ermittlungen. Ich finde die Wandlung Blacks nicht glaubhaft, und dass sein Zustand in der ersten Filmszene bereits verraten wird, ist ebenso ärgerlich, wie die Tatsache, dass die Erzählung des Mädchens über die Begegnung mit dem Zauberer so plump eingearbeitet wurde.

So bleibt letztendlich ein lahmer Film in Erinnerung, der sich wegen des Vergleiches zur 50er-Verfilmung über Wasser halten kann, bei all seiner Andersartigkeit mit simplen Übereinstimmungen wie der Schokoigel zu überraschen weiß und dem seine lobenswerte psychologische Umsetzung sich in der gewählten Erzählweise selbst ein Beinchen stellt. So wird „Das Versprechen“ trotz guter Möglichkeiten nie mehr als Routine, und selbst die steht auf wackeligen Beinen.  OFDb

09.10.2012

ABOUT SCHMIDT (2002)

Nach dem Tod seiner Frau überdenkt ein Rentner sein Leben, das bisher von seiner Workaholic-Art gesteuert war und somit wenig Sozialkontakte aufweist...

Eine Krise wird zur Chance...
 
„About Schmidt“ ist für einen amerikanischen Film ein sehr ehrliches und nahe gehendes Drama. Jack Nicholson schaffte es erneut, eine Rolle zu ergattern, die seinem Alter gerecht wird. Es ist eine herausfordernde Rolle, da sich auch alteingesessene Schauspieler wie er in solche Figuren erst hineinspielen müssen. Tommy Lee Jones und Co spielen seit Jahrzehnten den selben Figurentyp, was sollen sie da falsch machen? Aber Nicholson ist mutig, steht zu seinen Jahren (fast ein Verbrechen in Hollywood) und altert somit in Würde und indem er in seinem Fach Neues dazulernt.

Der hier besprochene Film ist authentisch umgesetzt. Typische Klischees kann man hier suchen gehen. Alle Figuren haben ihre Ecken und Kanten. Manchmal werden Fehler eingesehen, andere werden gar nicht erst beachtet. Jede Person hat Einfluss auf die andere, so dass sich ein Ping Pong-Spiel der Charakterbildung ergibt. Da es sich meist um ältere Personen handelt, findet diese Veränderung verständlicher Weise nur im Kleinen statt. Aber um die zunächst groß scheinenden Dinge im Leben geht es in „About Schmidt“ ohnehin nicht. Und dass hier gezeigte Veränderungen nicht immer in die richtige Richtung laufen, ist schlichtweg vom Leben abgeguckt.

Schmidt ist Rentner, kurz darauf Witwer und sucht den Sinn in seinem Leben. Er unternimmt eine Reise durch seine Vergangenheit, setzt sich neue Ziele und erfährt dabei viel über sich und die ihm nahestehenden Menschen.

Schmidt selbst ist keine Sympathiefigur. Er ist ein stolzer Mann, so stolz, dass er selbst einen kleinen Jungen per Post mit Nichtigkeiten belügt (Meine Tochter bat mich bei den Hochzeitsvorbereitungen zu helfen, aber ich habe abgelehnt. Natürlich war es umgekehrt). Schmidt schiebt als Alibi seine tote Frau vor, um seiner Tochter mitzuteilen, dass er mit ihrem Verlobten nicht einverstanden ist. Der Mix aus sich die Welt schöner lügen und bewusst lügen ist für ihn längst Routine, sicherlich auch durch den ehemaligen Job im Versicherungsbereich.

Es wird ihm aber auch im Positiven von Nutzen, wenn er beispielsweise auf der Hochzeitsfeier seiner Tochter, um sie nicht erneut zu enttäuschen, das Blaue vom Himmel lügt, nur um sie glücklich zu sehen. Schmidt ist Egoist genug (oder vielleicht einfach nur Realist) sich deshalb noch lange nicht selbst zu freuen. Viel zu tief sitzt der Frust bei der Gattenwahl seiner Tochter. Die bald angeheiratete Familie sagt ihm auch nicht zu. Offen kann er mit seiner Tochter darüber nicht sprechen. Sie ist verbittert. Schmidt war ein Workaholic, kümmert sich erst um seine Tochter seit seine Gattin tot ist und ihn somit niemand mehr beachtet. Selbstsüchtig will er sich ihr Wochen vor der Hochzeit aufdrängen, was sie zu verhindern weiß, so dass Schmidt erst durch Zwang auf die Idee kommt eine Tour durch seine Vergangenheit zu machen. Auf diesem Weg erreicht er Einsicht und Frieden mit seiner Verflossenen und ihrem heimlichen Liebhaber. Er muss erkennen, dass er auch nicht der ideale Ehemann war. Das ist ein großer Schritt für einen Egoisten wie ihn.

Lediglich an den Schwiegersohn kann er sich trotz seiner Einkehr nicht gewöhnen. Verständlich, der Kerl ist ein oberflächlicher Typ, der mit Billigpsychologie, wie sie beispielsweise bei Versicherungsseminaren angewandt wird, glaubt Mitgefühl vorheucheln zu können. Er schlägt Schmidt in schwärzester Stunde ein Geschäft vor, das nur zum scheitern verurteilt sein kann. Er ist ein kleiner Bauer, uneinsichtig aber davon überzeugt ein großes Finanzgenie zu sein. Verständlich dass Schmidt mit einem solchen Partner die Sicherheit seiner Tochter bröckeln sieht. Sie fährt auf einen Abgrund zu und lässt sich, trotz höherem Intellekt als ihr Gatte, vom Vater nicht die Augen öffnen, rein aus Prinzip, da Daddy sie ewig enttäuschte.

Allerdings muss man auch einräumen, dass Schmidt nicht gerade viel Talent entwickelt hat, ihr den Partner mit guten Argumenten auszureden. Da steht ihm zu sehr das Menschliche im Weg, in erster Linie das Fehlen einer Erfahrung ehrlicher und persönlicher Kontakte. Die Ehe wurde von ihm nicht bewusst wahrgenommen, deren Qualität erkannte Schmidt erst nach dem Tod seiner Frau. Und der beste Freund war lediglich ein Arbeitskollege. So kann man sich denken, wie hohl die Kontakte in Schmidts Leben waren, wie leer seine Persönlichkeit ist und wie unerfahren er somit in zwischenmenschlichen Situationen ist. Wenn die Arbeit alles ist, was man im Leben hatte, dann steht man als Rentner auf verlorenem Posten. Der Film drückt dem Zuschauer Schmidts Hintergrund nicht auf, er lässt ihn solcherlei selbstständig entdecken.

Die Figuren hätten kaum besser besetzt werden können. Tocher, Ehefrau, Schwiegersohn, sie alle spielen ihre eher banalen Rollen gut. Kathy Bates, als die Mutter des Schwiegersohnes, liefert wie gehabt eine Glanzleistung ab und zeigt sich von ihrer mutigen Seite in einer Nacktszene, die sich deutlich von hollywoodtypischen Szenen dieser Art abhebt.

Allen voran muss man Nicholson loben. Er stiehlt jedem die Show. An der Art des Drehbuchs orientiert, spielt auch er ohne mimische Klischees. Wenn man in einer traurigen Szene sieht wie Schmidt weint, erscheint einem dies geradezu fremd, weil er nicht die typischen Zeichen der Filmtraurigkeit aufkommen lässt. Jeder Gesichtsmuskel scheint gewollt eingesetzt zu sein, um zu dieser ungewohnten Mimik zu werden.

Das ein oder andere dürfte Nicholson sicherlich aus seinem Leben übernommen haben. Immerhin ist er auch recht alt und dürfte wissen wie man sich fühlt, wenn einem dies bewusst wird. Vom Charakter einmal abgesehen trennt sich von ihm und seiner Rolle aber ein wichtiger Punkt: Schmidt hat nichts erreicht wofür er in Erinnerung bliebe. Von jung auf hatte er große Pläne und musste zum Schutz seiner Familie Kompromisse eingehen. Schmidts Charakter ist derart leer, dass er nicht einmal erkennt, was für tolle Dinge er im Leben vollbracht hat. Allein die Tatsache seine Familie behütet zu haben. Schmidt hatte so hohe Ziele, dass ihm nicht auffiel, dass das was er als Hindernis sah bereits das Ziel war. Alte Werte sind ihm fremd. Er wollte weit nach oben, so dass er das Wesentliche im Leben nicht zu schätzen lernte, streckenweise nicht einmal bemerkte. Wäre ihm diese traurige Einstellung aufgefallen, wäre sein Lebenswerk lohnender zu erwähnen. Dann wäre der Kontakt zur Tochter wahrscheinlich nicht so mies, dann hätte er seine Ehefrau näher kennen gelernt und richtige Freunde finden können. Es ist unglaublich, was diese simple Geschichte alles beinhaltet und wie unauffällig diese ganzen Tatsachen integriert werden.

Auch die Maskenbildner leisteten große Arbeit. Man verstand es Nicholson sowohl das Dämonische zu nehmen, als auch sein besonderes Etwas. Schmidt ist ein Allerweltstyp. Sein Kopf wirkt runder als der von Nicholson und die Frisur ist gewöhnlich, nah am lächerlichen. Die Zusammenarbeit von Maske und Nicholson führt zu einem interessanten Ergebnis. Nicholson lächelt gewöhnlich und lässt dabei genau jene Mimiken entstehen, die man von einem Mann wie Schmidt erwartet. Der Rentner hat nie viel gelacht, nie viel geweint, sein Gesicht wirkt bei diesen Prozeduren amateurhaft. Er ist ein Anfänger im Lachen und Weinen. Das zeigt eine enorme Wirkung, ganz besonders durch die hier verwendete Frisur.

Auch die Regie leistete gute Arbeit. Alexander Payne erreichte nach „Election“ erneut ein hohes Niveau. Um so erfreulicher, da beide Werke derart unterschiedlich sind, dass man sie nicht ernsthaft miteinander vergleichen könnte. Die Bücher zu beiden Filmen stammen auch von Payne. Das zu „About Schmidt“ ist jedoch eine Spur schwächer, denn ab und an wirkt die Geschichte zu episodenhaft.  OFDb