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21.08.2025

Querbeet im phantastischen Kino unterwegs - Kurzkommentare (8)

 

Das Geisterschloss (1999)

Wer einen der besten Horrorfilme neu verfilmt, der tut gut daran völlig andere Wege zu gehen. Doch auch wenn Suspense gegen einen Haufen Spezialeffekte ersetzt wurden, so konnten die bereits zur Entstehungszeit keinen Grusel atmosphärisch ersetzen. Mittlerweile sind sie zudem schlecht gealtert. Warum man das Ganze inhaltlich umgeschrieben hat, indem man aus Spukforschung eine Schein-Schlaftherapie machte, obwohl kaum wer der Anwesenden ein passender Patient dafür wäre, und warum aus dem Unerklärlichen eine moralinsaure Story um einen Kinderschänder wurde, weiß sicher nur der, der auf die Idee kam für einen Horrorfilm Owen Wilson zu besetzen. Komischer Weise funktioniert "The Haunting" (Originaltitel) lange Zeit auf plumpe Art dennoch. Erst in den ungefähr letzten 20 Minuten baute man nur noch Mist.  OFDb  

 

Creep Van (2012)

Aufgrund einer leichten humoristischen Anwesenheit, welche die Steifheit der Hauptfigur in diesem nur semi-professionell besetzten Film gekonnt aufbricht, dachte ich zunächst es mit einem sympathischen Vertreter der Gattung Billig-Horror zu tun zu haben. Nun, die Hauptfigur blieb überraschend zugänglich, der Rest jedoch nicht. Mal davon abgesehen, dass man es hier nicht mit einer Kopie von "Christine" zu tun bekommt, wie uns der Covertext der deutschen DVD einreden möchte, der menschliche Psychopath hinter allen Taten ist zu nervig und freakig ausgefallen, wirkt bereits am Telefon wie ein vulgärer Prolet, und das macht als Aggressor nix her, auch nicht im augenzwinkernden Sinne. Der Plot ist konfuser Natur, zwischenmenschliche Annäherungen wirken nicht glaubwürdig. Zwar ist man in "Creep Van" bemüht einen eigenen Stempel aufzudrücken, aber das Ergebnis weiß so gar nicht zu gefallen. Schade! Aber über ein böses Auto hätte ich mich ohnehin mehr gefreut.  OFDb  

 

Joker - Folie à deux (2024)

Ich war im Vorfeld so misstrauisch wie damals beim genialen ersten Teil. An den kommt die Fortsetzung trotz erneuter Glanzleistung der Hauptrolle und einer überraschend gut wirkenden Lady Gaga zwar nicht heran, aber meinen Respekt haben die Erschaffer eines mutigen Werkes inmitten des ansonsten eher auf Standard setzenden Superheldenbereiches, zumal wir es hier mit einem der beiden großen Studios diesbezüglich zu tun haben. Der Gesang, der überraschender Weise erst nach 20 Minuten einsetzt und so viele Zuschauer vergraulte, weiß nicht nur zu wirken, sondern setzt psychologische Botschaften, bzw. spiegelt den psychologischen Wandel des Schurken wider. Die Geschichte setzt sowohl anders an, als nach Teil 1 vermutet, und geht außerdem immer wieder andere Wege, als man ihr schlaumeierisch prophezeit. Gerade der Schluss wird manch einen verdutzt zurücklassen, passt aber gekonnt ins Batman-Universum, eben weil die beiden Filme sonst nur bedingt an die bekannte Marke erinnern. Insgesamt bleibt die Geschichte jedoch zu austauschbar und lebt letztendlich nur davon anders sein zu wollen.  Wiki   

 

Shin Ultraman (2022)

Im Original Ultraman, in der deutschen Version ein Shin davor gemogelt, könnte man meinen, dass nur die Deutschen auf den Erfolg von "Shin Godzilla" aufspringen wollten, aber es herrscht tatsächlich Verwandtschaft zwischen den Werken, z.B. bei der Musik und bewussten Benennungen des Vorbildes. Nun hatte es die Marke Ultraman hierzulande nie leicht, wenig ist erschienen, umso schöner war es einen Blick zu riskieren. Nicht ganz so schlimm auf Kinderfilm getrimmt, wie die Reihe rund um Gamera, aber eben mehr als in den meisten Fällen der japanischen Godzilla-Filme, funktioniert das Rezept ein wenig wackelig. Hinzu kommt, dass uns mit drei Geschichten nacheinander, getarnt als kompletter Plot, als Konzept eher die Kinoversion einer Serie vorgesetzt wird. Und da von dieser die erste Geschichte am besten funktioniert, ist der Höhepunkt des Streifens bereits nach dem ersten Drittel geliefert. Es folgt ein etwas magerer Mittelteil und ein ganz nettes letztes Drittel. Neueinsteiger ins Franchise bekommen glücklicher Weise alles erklärt.  OFDb  

 

House of the Creeping Death (1983)

Der von George A. Romero produzierte "House of the Creeping Death" ist lediglich ein Zusammenschnitt diverser Episoden aus der TV-Serie "Tales from the Darkside" und damit kein eigenständiger Film. Und sollten die Geschichten wirklich Pate für die Serie stehen, quasi als Vorzeigeepisoden, dann kann man diese wohl vergessen, bietet man uns doch nicht gerade gut funktionierende Kurzgeschichten an, zumal sie veraltet anmuten, anstatt nettes Retro-Flair zu versprühen. Die beste Geschichte findet sich am Schluss, aber selbst bei ihr muss man durch allerhand langgezogene Dialoge hindurch, bevor man sich an ihrer gelungenen Pointe ergötzen darf. Der Rest ist Standard von der Stange, u.a. von einer Mumie, Käfern und teuflischem Gebäck handelnd. Eine Konkurrenz für "Twilight Zone" oder Spielbergs "Unheimliche Geschichten" ist das nicht.  OFDb  

06.07.2020

CREEPSHOW - DIE UNHEIMLICH VERRÜCKTE GEISTERSTUNDE (1982)

In den 50er und 60er Jahren waren die von Erwachsenen verpönten Monster-Hefte und Grusel-Comics erfolgreiche Trivialware. "Creepshow" (Originaltitel) widmet sich in seiner Rahmenhandlung nicht nur dieser und dem umstrittenen Umgang mit derartigen Publikationen, er kommt komplett im Gewandt einer solchen daher. Die Kurzgeschichten beginnen und enden mit Zeichnungen, einige Bilder werden nebeneinander in Comicbild-Umrahmung präsentiert, die heute nostalgisch anmutenden Werbeseiten mit skurrilen Artikeln, zum Verschleudern des Taschengeldes, werden eingebaut, und auch die präsentierten Geschichten an sich baden in genau jenem charmant verschmitzten, schwarzhumorigen Ton, wie er typisch für diese Art Produkt war. Ernstzunehmender Horror wird hier nicht präsentiert, eher Schelmereien geschmückt in Horrorthematiken. Umso schöner ist es, dass diese kindliche Herangehensweise getaucht ist in oftmals blutrünstige Bilder. Die US-Amerikaner hatten noch nie Probleme damit beides zu vereinen. Für die Effekte verantwortlich zeichnet sich Tom Savini, der Genre-Künstler seiner Zeit schlechthin, das Drehbuch steuerte der gerade besonders beliebte Stephen King bei (der in der zweiten Geschichte auch sympathisch dümmlich spielend die Hauptrolle besetzt), und mit George A. Romero hatte man einen professionellen Veteran des modernen Horrorfilms auf dem Regie-Stuhl sitzen.

So braucht es gar nicht verwundern, dass direkt zu Beginn eine Zombiegeschichte auf den Zuschauer wartet. Allerdings ist sie ganz anders als Romeros "Die Nacht der lebenden Toten" und "Zombie" ausgefallen. Im zum verspielten Grundton verpflichtenden Look erinnert sie mit ihrem charmanten Monster, das dem Grabe entsteigt, und der mündlich dargebotenen Aufforderung auf einen längst fälligen Geburtstagskuchen eher an den erst später erschienen "The Return of the Living Dead". Romero beweist, dass er die Thematik auch auf völlig andere Art beherrscht. Die darauf folgende Geschichte, um einen dümmlichen Farmer, der nach dem Berühren eines frisch herunter gestürzten Meteors zum Pflanzenwesen mutiert, schlägt einen ähnlichen Ton an. "Creepshow" (Originaltitel) liefert jedoch selbst in verschmitzter Form auch ernstere, nicht ganz so extrem auf Comic getrimmte, Gangarten. So z.B. in der meiner Meinung nach besten Geschichte, in welcher Leslie Nielsen einen rachsüchtigen, besitzergreifenden Ehemann spielt, der den Betrug seiner Frau auf besonders scheußliche Art rächt. Während die meisten Episoden auf sehr direkte Art erzählt sind, kommt eine Geschichte, um ein affenähnliches Monster mit unnötigen Ausschweifungen daher, welche die Geschichte eher lang ziehen, anstatt ihr dienlich zu sein. Eine professionelle Besetzung macht einiges wieder wett, meiner Meinung nach wird diese nett getrickste Chose jedoch zum Tiefpunkt des Streifens. Eine Abschluss-Story um ein Kakerlakenproblem entlässt wieder verschmitzt sympathisch aus dem Film.

So nett das alles klingt, "Die unheimlich verrückte Geisterstunde" (Alternativtitel) macht genau jenes Problem deutlich, welches ich meistens mit Episodenfilmen, gerade aus dem Horrorbereich, habe. Die Episoden greifen nie tiefer, als ihr eigentlicher Aufhänger und enden mit einem augenzwinkernden Schluss dann, wenn es am interessantesten wird. Die liebevolle Comicgestaltung und die professionelle Umsetzung machen zwar einiges wieder wett, aber über eine Laufzeit von zwei Stunden schießt "Creepshow - Die unheimlich verrückte Geisterstunde", der bislang zwei Fortsetzungen beschert wurden, dann doch über sein Ziel hinaus. Am Stück konnte ich mir den damit viel zu lang ausgefallenen Streifen nicht angucken. Und so charmant ich auch vieles an ihm finde, letztendlich hängen mir die sympathischen Geschichten zu sehr an ihrem Aufhänger fest. Das reicht um eine Art morbid kindliche Freude zu entfachen, überfordert in seiner Überlänge jedoch. Filmfreunde, die weit weniger skeptisch mit Episodenfilmen umgehen als ich, werden mit genügend Geduld jedoch ein feines, verspieltes, wie blutrünstiges Happening erleben, wie es eben nur Freunde dieses Genres mögen, vorausgesetzt man steht nicht nur auf die bierernsten Varianten des übernatürlichen Films.  OFDb

06.10.2019

SURVIVAL OF THE DEAD (2009)

Mit "Land of the Dead" bescherte uns George A. Romero in der neuen Zombiefilmwelle einen überraschend geglückten vierten Teil seiner "Die Nacht der lebenden Toten"-Reihe und sorgte für einen chronologischen Abschluss der in den einzelnen Teilen aufgezeigten Entwicklung. Dass er diesem kurz danach "Diary of the Dead" nachschob, der einen alternativen Beginn der Zombieseuche thematisiert, war unnötig, erklärt sich aber immerhin im Versuch Romeros das Thema einmal per Found Footage-Verfahren ausprobieren zu wollen. Seine Art die durch "The Blair Witch Project" bekannt gewordene Methode zu nutzen, fehlte jedoch der Reiz, so dass Romero erstmals einen nicht geglückten Zombiefilm ablieferte. Zum Schluss ließ er noch "Survival of the Dead" folgen, der ebenfalls keine richtige Fortsetzung des ursprünglichen Vierteilers ist, und einer Anspielung sei Dank zumindest andeutet, dass er irgendwann (wahrscheinlich relativ kurz) nach seinem direkten Vorgänger spielt. Gedreht wurde das Ganze wieder im klassischen Erzählstil. Warum dieser Teil nachgereicht wurde, bleibt jedoch ein Rätsel, besitzt seine Geschichte doch weder Mehrwert zur Bereicherung des Verstehens von Romeros kreierter Zombiewelt, noch einen alternativen Blickwinkel auf die Dinge als bisher.

Erschwerende kommt hinzu, dass sich die Geschichte keinesfalls erzählenswert schaut. Es scheint, als ob man dem nimmersatten Fan, oder wahlweise der nimmersatten Geldbörse der Produzenten, noch einen Happen Zombiefilm zuwerfen wollte, weil besagte Horrorwelle ohnehin noch immer gut lief. Mit einer arg konstruierten, von Stereotypen bevölkerten, Grundgeschichte um zwei verfeindete Familien und einem Trupp ehemaliger Soldaten, wird "Survival of the Dead" zum schwächsten Beitrag Romeros um seine schleichenden Toten, da einem das Treiben aller Beteiligten und die Entwicklung der Geschichte eigentlich scheiß egal ist. Die Streitigkeiten untereinander ernten ein Achselzucken, der Erzählung fehlt schlichtweg der Auslöser, das gewisse Etwas, um Interesse für all das was uns da vorgesetzt wird entwickeln zu können. Ein paar Actionmomente, kurze skurrile Einfälle und das Zombiedesign, so wie ihre Fressattacken, schützen das Werk vor einem Totalabsturz, doch unterhaltsam sieht anders aus. Selbst der als überraschende Pointe gedachte Aspekt um das Thema Pferd, verpufft als Achselzucken, eben weil er bei Gelingen nach Plan nicht jene Rettung mit sich gebracht hätte, wie erhofft, gerade weil man sich lediglich auf einer Insel befindet. Diesbezüglich fehlte Romero wohl ausnahmsweise einmal jener Weitblick, der seine Reihe ansonsten stets bereicherte. Eine Geschichte um eine erfolgreiche Beobachtung rund um das Pferdeexperiment, und der dem folgende Aufbruch in die Welt, um diese zu retten, um an der eigenen Naivität zu scheitern, das wäre eine erzählenswerte Geschichte gewesen. Aber so wie abgeliefert, als Nebenaspekt und Schluss-Gag eines uninteressanten Szenarios, kann das Ganze nicht funktionieren.  OFDb

03.10.2019

LAND OF THE DEAD (2005)

Als mit "28 Days Later" und "Dawn of the Dead" eine neue Zombiewelle im Kino losgetreten wurde, da kehrte auch der Schöpfer der Kreaturen, George A. Romero, zurück, besann sich im Gegensatz zu den Konkurrenzprodukten wieder auf die unheimlichen schleichenden Toten und servierte uns mit "Land of the Dead" den vierten Teil von "Die Nacht der lebenden Toten". Wie schon in den Vorgängern, wird das Jahrzehnt der ersten Teile nicht beachtet, man orientiert sich am Jetzt, ansonsten geht Romero wie immer einen Schritt weiter. Erfuhren wir in dem 20 Jahre zurückliegenden "Zombie 2", dass Zombies lernfähig sind, so geht der Schöpfer dieser Reihe nun einen Schritt weiter und lässt die Untoten Werkzeuge benutzen, zeigt uns, dass sie sich durchaus organisieren können und Beobachtetes nachahmen können. Ich weiß noch wie enttäuscht ich beim Erscheinen von "Land of the Dead" war, fand ich ihn doch bereits in seinen ersten Denkansätzen undurchdacht und überhaupt nicht kompatibel mit den Geschehnissen der Vorgänger. Nachdem ich den Film kürzlich erneut gesichtet habe, war ich vollkommen überrascht was für ein tolles Werk Romero noch einmal gelungen ist. Sicherlich ist es nicht frei von Fehlern und meiner Meinung nach auch der schwächste Teil der Reihe, aber mittlerweile empfinde ich ihn als tatsächlich gelungen, vielleicht auch weil ich ihn nicht mehr nur mit Werken der ersten Zombiefilmwelle vergleiche, sondern jetzt auch einen Blick auf das werfen konnte, was danach kam. Da waren immerhin einige Produkte dabei, die einem den Blick erweiterten was innerhalb einer lang andauernden Zombiewelle möglich sein kann, was einem zuvor bei beschränkter Wahrnehmung unmöglich erschien.

Da "Land of the Dead" nie verrät wie lang die Epidemie bereits um sich greift, kommt sein Aufhänger gar nicht so weit hergeholt daher, wie ich ihn einst empfunden habe. Da existiert eine Stadt, die wieder Strom, Benzin, eine Armee und Waffen besitzt, Menschen haben sich organisieren können, um sich gemeinsam vor der grausamen Außenwelt zu schützen, und scheinbar sind seit dem einige Jahre vergangen, denn immer mehr unterschätzt man die Gefahr, die von den Zombies ausgeht. Romero gibt viel von dem vor, an dem sich "The Walking Dead" seit der sechsten Staffel bedient, erneut beweist er innerhalb seines Themas Weitsicht. Zudem zeigt er uns mit dem Zelebrieren scheinbar nebensächlicher Prozesse, dass er noch immer die Detailfreude und den Spannungsmoment eines "Zombie" beherrscht, so wie dort sowohl die Hauptgeschichte betreffend, als auch solch hervorragende Momente, wie jenen an der Brücke. Zudem weiß Romero noch immer gekonnt mit Wendungen und Ekelszenen zu schocken, weiß in welchem Grade das Einbringen Letztgenannter für einen Film förderlich ist und vernachlässigt dort wie anderswo nicht den kreativen Aspekt. "Land of the Dead" ist angereichert mit vielen originellen Ideen, die meist im Hintergrund zu entdecken sind, inklusive einer liebevollen, aber gut versteckten Hommage an "Shaun of the Dead", die ich ohne das Lesen des Abspanns wohl nie entdeckt hätte. Und einer Wiederkehr des von Tom Savini verkörperten Rockers aus Teil 2 gibt es auch ganz nebenbei mitzuerleben.

Natürlich ist nicht alles Gold was glänzt. Die finale Entscheidung die Zombies betreffend ergibt auch in ihrem intelligenteren Zusammenleben keinen Sinn, frisch Verstorbene werden ebenso intelligenter wie jene Zombies, die diesen Zustand schon lange besitzen und bei denen dies dementsprechend Sinn ergibt, und warum in der neu aufgebauten Stadt erneut Geld einen Wert besitzen soll, ist auch nicht wirklich nachvollziehbar. Auch ist der Fortschritt der Intelligentserlangung zu rasant gesetzt, was aber auch daran liegt, dass "Land of the Dead" in nur wenigen Stunden spielt, und so gekonnt wie das Drehbuch uns die restlichen Hintergründe, Ereignisse und Charakterzeichnungen in solch kurzem Zeitraum serviert, verzeiht man dieses Makel gerne. Eine gut besetzte Zuschauerriege, inklusive eines interessanten Staraufgebots mit Dennis Hopper und Asia Argento, machen den eh und je gesellschaftskritischen Umgang dieser Thematik Romeros zu einem glatt laufenden, kurzweiligen und noch immer hintersinnigen Stück Film, der tatsächlich kompatibel mit den drei Vorgängern ist. Manche Fehler in der Logik verzeiht man gern, Klischees ebenso, da sie sich toll in die Geschichte integrieren und "Land of the Dead" mit seinem zwei Schichten-Modell zumindest nicht moralisch daher kommt. Jede Figur, egal in welcher Position, handelt innerhalb des ihr angedichteten Charakters nachvollziehbar, Gut und Böse existiert meist in einer Person, in all diesen Bereichen guckt sich der Streifen überraschend unamerikanisch. Nach dem Erfolg des hier besprochenen Filmes entschied sich Romero mit "Diary of the Dead" keine Fortsetzung zu drehen, sondern einen alternativen Anfang der Epidemie zu Teil 1. Das war sicherlich keine gute Entscheidung, andererseits fröstelt mich die Vorstellung, was er nach den Erkenntnissen von "Land of the Dead" wohl im nächsten Film aus dem Zombies gemacht hätte. Ich glaube es ist somit gut, dass die Reihe chronologisch gesehen mit Teil 4 ihr Ende fand, bevor sie zu unsinnig geworden wäre.  OFDb

10.03.2019

ZOMBIE (1978)

10 Jahre nach Romeros Überraschungserfolg "Die Nacht der lebenden Toten" hat sich im Bereich Film viel bezüglich dessen getan, was man im Kino zeigen durfte und was nicht. Dementsprechend extrem sprunghaft wirkt mit Vergleich zu Teil 1 der Gewaltgehalt der Fortsetzung. In Farbe gedreht, auf modernem Niveau gehalten und mit packender Musik gesegnet, anstatt mit dem antiquierten Soundtrack des 50er Jahre-Niveaus, auf welches der Vorgänger noch setzte, wirkt "Zombie" wie aus einer anderen Zeit - was er schließlich auch ist. So wirklich kompatibel sind die beiden Filme auf dem ersten Blick nicht, weswegen es 1990 eine recht gute Idee von Tom Savini war, das Erstling mit "Night of the Living Dead" neu zu verfilmen, der sich zusammen mit dem hier besprochenen Film und der zweiten Fortsetzung "Zombie 2" wie aus einem Guss schaut. Dennoch ist freilich das Original der tatsächliche Vorgänger dieses radikal gnadenlosen Werkes, und auch in der filmeigenen Welt, die uns hier präsentiert wird, hat sich einiges getan. Spielte Teil 1 nur wenige Tage nach dem Ausbruch, so sind bis "Dawn of the Dead" (Originaltitel) gerade einmal drei Wochen vergangen. Es herrscht eine Art Gleichgewicht zwischen Mensch und Zombie. Da der Mensch jedoch unorganisiert ist und sich in endlose Diskussionen verstrickt anstatt zu handeln (das Gegenteil dessen worauf das Erstling hinaus wollte), werden die Zombies immer mehr und die Aussicht zurück ins gewohnte Leben kehren zu können immer geringer.

Wo der nach immer mehr lechzende Zombie-Fan dazu neigt die 150minütige Langfassung von "Zombie" zu sichten, die sinnlos jegliche je gedrehte Sequenz in richtig angeordneter Reihenfolge aneinander reihte, da greife ich am liebsten zur europäischen Fassung, die unter Aufsicht von Dario Argento dramaturgisch sinnvoll zusammen geschnitten wurde. Sie beinhaltet großteils nicht mehr die humoristischen Szenen, die Autor und Regisseur Romero in die US-Fassung einfließen ließ und wird vom großartigen Soundtrack der Band Goblin begleitet, die es verstand dem Streifen den passenden Touch zu bescheren. Ihre Musik ist spannungsfördernd und puscht somit noch einmal das ohnehin exzellent inszenierte Szenario. Dieses wirkt auf den ersten Blick etwas zerfahren, zu Beginn nach der Fernsehstudioszene gar wie ein billiger Actionreißer. Aber wer es wagt mit funktionierendem Verstand ohne Tunnelblick sich auf das zunächst unübersichtliche und in harte Bilder gekleidete Treiben einzulassen, der wird mit dem meiner Meinung nach besten ernst erzählten Zombiefilm belohnt, der je herausgekommen ist. Zusammen mit der Horror-Komödie "The Return of the Living Dead" gehört die Argento-Version von "Zombies im Kaufhaus" (Alternativtitel) zu dem besten, da intelligentesten und unterhaltsamsten, was dieses Sub-Genre je hervorgeholt hat, und es sollte bis "28 Days Later" und "Pontypool" in der zweiten Zombiewelle dauern, bis wieder wer auf deren Niveau anknüpfen konnte.

Romero wirft uns selbst mit Kenntnis des ersten Teiles unvorbereitet mitten ins Geschehen hinein. Wir dürfen erleben wie extrem die Situation geworden ist, aber auch dass inmitten des Untergangsszenarios manches noch gleich geblieben ist. So muss eine Spezialeinheit gegen Verbrecher anstatt gegen Zombies kämpfen. Ein Teil des öffentlichen Lebens ist schließlich noch aktiv und damit auch das Verbrechen und ihre Bekämpfung. Mit der Flucht per Hubschrauber wird noch einmal das Extreme der Zombielage deutlich, wenn wir mittels Luftaufnahmen sichten dürfen, wie verstreut sich die lebenden Toten bereits im Nirgendwo verteilt haben, wirklich überall lauernd, während Bürgerwehren halb besoffen, so wie wir es aus Teil 1 kennen, noch optimistisch ihrem Treiben nachgehen. Von Untergang will kaum wer was wissen, einzig unsere Helden folgen ihrem Instinkt und treten die Flucht an. Der Blick auf das verlassene Einkaufszentrum wiederum macht uns klar wie wenig der Alltag doch noch funktioniert, ist der Ort zu dem sonst tausende Kunden strömen doch lediglich von Untoten bevölkert. Auch an diesem Ort angekommen, an dem der Rest des Streifens spielen soll, will sich noch kein wirklich klarer roter Faden erkennen lassen. Wer Nase rümpfend geistlos den kommenden 90 Minuten folgt, wird sich diesbezüglich auch bis zum Schluss mit diesem Denken bestätigt fühlen, so auch das Team, das zur Beschlagnahmung des Streifens in Deutschland einst beitrug. Verstehen werde ich diese Sicht auf dieses Meisterwerk nie, ist er doch ein hervorragendes Soziogramm, das uns aufweist wohin bei guter Planung Teamwork hinführen kann, und wie zeitlich begrenzt jeder erreichte Zustand letztendlich doch ist.

Gerade der Konflikt aus "Die Nacht der lebenden Toten" unter den Menschen selbst wird gegen Ende hier noch einmal zelebriert, diesmal mit Taten anstatt mit Worten, wenn Plünderer ins Einkaufszentrum hinein wollen, unsere Helden aber nicht teilen. Ironischer Weise war es das Üben zum Überleben, welches die Gruppe Rocker auf unsere Protagonisten aufmerksam machte, übte eine Frau doch den Flug mit dem Hubschrauber, um bei eventuellem Ableben des Piloten in der Lage zu sein von hier zu flüchten. Nun wird zerstört was mit viel Mut, Intelligenz, Körperkraft und Solidarität aufgebaut wurde. Die Anarchie der mörderischen Art bricht in das anarchistisch erfolgreiche Gemeinwesen ein, welches sich hier vor Ort gebildet hat. Das Fehlen von Gesetzen, welches unseren Helden zuvor von Vorteil war, wird nun zu ihrem Nachteil. Dieser gesellschaftskritische Ansatz ist nur einer von vielen, die man in "Dawn of the Living Dead" (Alternativtitel) hinein deuten kann. Was alles von Romero diesbezüglich tatsächlich gewollt war, und was sich lediglich so alles dafür anbietet ist ebenso wie in Teil 1 kaum nachvollziehbar. Aber Kino findet immer auch im Kopf des Zuschauers statt, egal was Regie und Autor wollen oder nicht, und so ist es auch hier in diesem unter Horror-Fans kultisch verehrten Werk, welches man als Freund des harten Kinos, und definitiv als Bewunderer des Zombiefilms unbedingt gesehen haben sollte. Revolutionierte der Vorgänger die Thematik der Zombies und bot erzählerisch bereits jegliche Besonderheiten des Stoffes, so wurde "Zombie" stilistisch wegweisend, in Europa zusammen mit dem kurz darauf folgenden "Zombi 2" von Lucio Fulci, der keine wirkliche Fortsetzung des hier besprochenen Streifens ist, in seinen anderen Stil gekleidet jedoch ebenso wegweisend wurde wie der Film den er vorgab fortzusetzen.  OFDb

DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN (1968)

George A. Romeros Schwarz/Weiß-Film sollte den Bereich des Zombie-Horrors revolutionieren. Bislang wurden die Wesen als durch Voodoo beeinflusste Fremdgelenkte gedeutet, mal tot, mal totgeglaubt. Nun sind es Menschenfresser, fern jedem Zaubers, und jeder nicht beerdigte Verstorbene erwacht wenige Minuten nach seinem Dahinscheiden. Es ist schwer "Die Nacht der lebenden Toten" für sich allein zu besprechen, bei all den Nachahmern die folgten, bis hin zur heute noch immer beliebten TV-Serie "The Walking Dead". Es überrascht welche Elemente wichtiger, späterer Werke sich zu diesem Thema bereits hier vorfinden. Die fehlende Farbe und das Jahrzehnt 1960 mögen einen zunächst glauben lassen es mit Romeros erstem unabhängig produzierten Film mit einem naiven, nostalgischen Streifen zu tun zu haben, aber mag er auch nicht alle Brutalitäten vor unseren Augen geschehen lassen, er ist bereits Terror-Kino pur und alles andere als kurzweilige Unterhaltung zur Berieselung.

Die Bedrohung ist stets präsent und glaubwürdig, die Wissenslücken werden zu einem der laufenden Motoren des Films. "Night of the Living Dead" (Originaltitel) ist direkt, schonungslos und konsequent erzählt, und einzig die Filmmusik hält ihn in seiner Entstehungszeit fest. Was los ist erfahren wir erst mit der Zeit, und dies zudem über Medien. Bis dahin darf gerätselt werden was los ist. Geht es um Geisteskranke? Eine Seuche? Man würde gern mit dem ahnungslosem Zuschauer von einst tauschen, der noch nicht weiß dass es hier um Zombies geht. Und dem dürfte sich der Magen umgedreht haben bei all der schonungslosen Gewalt, die sich den Protagonisten offenbart. Kinder werden ebenso wenig verschont wie Erwachsene, Menschen müssen hier bereits damit leben verstorbene Familienmitglieder und Freunde als unmenschlich zu akzeptieren, Zombies fressen hier bereits die Innereien der Menschen, ein Happy End bleibt aus, auch wenn der Film im Gegensatz zu dem was ihm meist folgen sollte die Situation nicht als aussichtslos darstellt. Über welche Art Mensch der Sieg errungen werden kann, ist jedoch sehr wohl schon Thema, hauptsächlich eingefangen in den gnadenlosen Schnappschüssen, die uns im Abspann präsentiert werden.

Aber schon im Krieg sind es jene, die uns vor Gefahren beschützen, die nicht unsere Ethik vertreten, oder zumindest trotz dieser handeln können, wo das Handeln anderer versagt. "The Flesh Eaters" (Alternativtitel) ist voll von solchen gesellschaftspolitischen Aussagen. Die Zombies als der Aufstand einer Minderheit, die Seuche als das Ende der Wohlstandsgesellschaft, der Aufbruch von Anarchie, das Ende der Gesetzgebung und damit des Schutzes durch den Staat, hinein zu interpretieren gibt es viel. Wenn relativ sicher verbarrikadiert der Unmut zwischen den Überlebenden hoch lodert, thematisiert der Streifen zudem die Unmenschlichkeit unserer Spezies. Mordet der Zombie aus Instinkt und Hunger, so geht es dem Menschen um Macht und dem Glauben die eigene Meinung sei die einzig richtige.

Überrascht hat mich nach meiner ersten Sichtung seit vielen Jahren, dass der Theorie der Raumsonde, die von einem Venusflug zurückgekehrt ist, weit mehr Beachtung geschenkt wird, als ich es in Erinnerung hatte. Sie ist nicht nur eine von vielen Theorien, das wird erst in der Fortsetzung "Zombie" der Fall sein, sie wird von Wissenschaftlern im Fernsehen bestätigt und lediglich vom Militär als Humbug abgewiesen. Eine gute Portion Science Fiction und eine Erklärung warum die Epidemie zahlenmäßig zunimmt nimmt somit Einfluss auf das Geschehen und ist nicht einzig eine Nebensächlichkeit. Der Kniff diese Informationen stets gemeinsam mit den Protagonisten über die Medien zu erhalten ist nicht ohne und macht viel am Spannungsbogen des Streifens aus, der eben nicht nur durch den Zombieterror entfacht wird, sondern auch durch die Wissbegierde des Zuschauers. Nüchterne Spannung paart sich mit nervenkitzelnder, düsterer Momente. Und durch diese Sachlichkeit, die sich auch im Verstehen der Charaktere bei den Verantwortlichen des Filmes zu erkennen gibt, wird aus einem kostengünstig produzierten Reißer ein intelligenter Gedankenansatz wie der Mensch in Extremsituationen zu agieren weiß, wenn das Schulwissen nicht mehr greift.

Da nicht all zu sehr auf Stereotype gesetzt wird, verschwimmt das Gut und Böse recht gekonnt. Ben handelt oft ebenso fragwürdig wie Cooper, der als Aggressor dient. Frauen lassen sich von Männern beschützen, Wahrheiten will man sich nicht eingestehen, drohende Gefahren erkennt man nicht, unterschiedliche Meinungen werden in Frage gestellt anstatt ernsthaft ausdiskutiert. Viel Zeit zum Nachdenken hat man ohnehin nicht, "Die Nacht der lebenden Toten" handelt von einer uns überrollenden Situation, in der klares Denken zu einer Schwierigkeit wird. Romero setzt auf Ruhe anstatt auf dauerhafte Zombie-Action, der Beginn des Streifens schaut sich gar recht Stummfilm-orientiert. Auch diese Herangehensweise ist nicht nur stilistisch hervorragend zu nennen, sie täuscht zudem, da wir es im Nachhinein schließlich mit einem sehr modernen Film zu tun haben, der selbst heute 50 Jahre später noch kaum nostalgisch anmutet in seiner Endzeitstimmung, der Hoffnungslosigkeit und der Direktheit mit der man sich gegen die Bedrohung zu Wehr setzen muss. Mit "Monster Flick" (Alternativtitel) ist eigentlich schon alles zu dem Thema erzählt, zumindest das was die meisten Zombiefilme abzuliefern wissen. Danach folgten entweder nur drastischere Gewaltdarstellungen oder tiefer gehende Beleuchtungen dessen was "Die Nacht der lebenden Toten" teilweise nur streift. Ausnahmen gab es jedoch auch.  OFDb

02.11.2018

GESCHICHTEN AUS DER SCHATTENWELT (1990)

Sechs Jahre nachdem die Serie "Geschichten aus der Schattenwelt" startete, drehte John Harrison die Spielfilmvariante davon, die ebenfalls diverse Horrorepisoden beinhaltete. Zusammengehalten werden sie durch die Rahmenhandlung eines von einer Hexe gefangengehaltenen Jungen, der die drei Hauptgeschichten aus einem Buch vorliest. Sicherlich darf man sich fragen, ob ein solches Vorhaben Sinn macht, wenn bereits die TV-Serie nicht miteinander verbundene Horrorgeschichten präsentiert, aber vielleicht lag der Reiz im finanziellen Umfeld. Ich kenne die Serie nicht, auf welcher der hier besprochene Film beruht, aber an Geld für tolle Spezialeffekte schien es nicht zu mangeln, lassen diese doch nichts zu wünschen übrig. Mit John Harrison hatte man zudem jemanden für die Regie verpflichtet, der innerhalb der Serie bereits mehrfach tätig war, und sein Gespür für Stil ist es dann auch, der "Tales from the Darkside - The Movie" (Originaltitel) so wundervoll funktionieren lässt.

Denn auch mir als jemand, der sich mit Episodenfilmen ein wenig schwer tut, hat dieser Ausflug in harmlose, kleine Horrorideen durchaus gemundet. Wahre Highlights präsentiert uns der Film nicht, aber alle drei Geschichten sind eine wunderbare Ablenkung von der grauen Realität. Der fast schon familiengerechte Touch wird nie zu extrem zelebriert, als dass das Ergebnis zu harmlos ausfallen würde. "Geschichten aus der Schattenwelt" schwankt zwischen blutleer, aber morbide. Seine Geschichten umweht ein düsterer Touch. Und schwarzhumorige Pointen weiß jede der vier Erzählstränge aufzuweisen. Wie bei einem Episodenfilm üblich fehlt jeder Geschichte eine entscheidende Zutat, und so kann jede von ihnen aufgrund ihrer begrenzten Spielzeit nicht sein volles Potential ausschöpfen. Um so verwunderter darf man darüber sein, dass die sich oft halb anfühlenden Erzählungen gelungen genug umgesetzt wurden, selbst dann, wenn sie wie in Geschichte Nummer 1, so gut wie keine eigenen Ideen aufweisen, die es nicht anderswo bereits gegeben hätte.

Der einzige wirkliche Schwachpunkt des Streifens liegt in der Rahmenhandlung, die zwar eingangs, wenn der Vorspann läuft, liebevoll und augenzwinkernd umgesetzt ist, mit der Auflösung der Identität der Frau und ihrer Pläne jedoch die letzte schöne Idee dieser Zwischensequenzen präsentiert, da von da an nur noch stur vorgelesen wird. Und auch die Schlusssequenz lässt Einfallsreichtum kläglich vermissen. Manch nette Pointe steckt zumindest in den Dialogen zwischen Kind und Hexe, und da die Sequenzen recht kurz ausgefallen sind, macht es die angenehm routinierte Qualität des Restfilmes auch nicht kaputt. Während die Mumiengeschichte trotz ihres Mangels an Innovationen verspielt und düster ausgefallen ist, besetzt mit Christian Slater und Steve Buscemi, ist es ausgerechnet sie, die zum Höhepunkt des Streifens wird, obwohl sie die banalste Geschichte erzählt. Der sehr interessant klingende Aufhänger der zweiten Geschichte, dass ein reicher Mann einen Auftragskiller engagiert um eine angebliche Killerkatze zu töten, wird leider nicht vollends genutzt (hier gefiel mir die Katzenhorror-Kurzgeschichte aus "Der Makler" besser), aber bis man erkennt, dass aus der hervorragenden Grundidee zu wenig herausgeholt wurde, lebt sie immerhin von ihrer hervorragenden Grundidee (von den tollen Settings, die jede der drei Geschichten zu bieten hat, einmal ganz zu schweigen).

Die letzte der drei Geschichten, besetzt mit der kurzfristig berühmteren Rae Dawn Chong, fängt sehr interessant an, konzentriert sich aber zu sehr auf die Schlusspointe, als dass sie im Mittelfeld mit den stimmigen zwei Geschichten zuvor mithalten könnte. Das Monster hat mir optisch wenig zugesagt, die Charakterzeichnung des Künstlers war mir nicht interessant genug angegangen, aber die Schlusspointe gibt der Geschichte recht, und ein stimmiger Einstieg, in einer dunklen Gasse spielend, ist besonders düster inszeniert. So hat jede der hier erzählten Geschichten ihre Schwachpunkte, aber das Restergebnis weiß zu gefallen, so dass "Geschichten aus der Schattenwelt - mehr als ein Film" (Alternativtitel) dem neugierigen Horror-Fan für zwischendurch trotzdem schmecken müsste. Immerhin bietet er solides Grundlagenprogramm, in welchem die inszenatorischen Aspekte mehr beachtet wurden als die Innovation der Geschichten. Wirklich schade ist es aber eigentlich nur um den Katzenhorror, den ich gern woanders noch einmal neuverfilmt sichten möchte, das volle Potential ausschöpfend, welches in ihm schlummerte.  OFDb

24.07.2016

THE CRAZIES - FÜRCHTE DEINEN NÄCHSTEN (2010)

Bevor George A. Romero damals seinen Überraschungserfolg „Die Nacht der lebenden Toten“ mit „Zombie“ fortsetzen sollte, der das Untoten-Genre ebenso mitprägen sollte wie sein Vorgänger, da inszenierte der für seine Zombiefilme berühmte Mann einen Horrorfilm verwandten Themas. „Crazies“ war ein Infizierten-Horror, und der zusätzliche Clou zu den sich durch eine Krankheit irre benehmenden ehemaligen Durchschnittsbürgern war die zusätzliche Gefahr, die vom Militär ausging, welches die Gegend säubert, eine Idee die sich später auch „28 Weeks Later“ zu Nutze machen sollte.

In Zeiten in denen der Zombiefilm sich mit dem Infizierten-Horror immer mehr vermischte, verwundert es nicht dass es zu einem Remake des Romero Geheim-Tipps kam. Und dies kommt unerwarteter Weise wesentlich wuchtiger daher als das Original, setzt wenig auf stille Fluchtmomente, sondern lässt es wo es nur geht krachen und rumsen. Das ist gewöhnungsbedürftig und sicher nicht die beste Art eine derartige Thematik zu erzählen, aber zumindest der Unterhaltungswert gibt Regisseur Breck Eisner recht. Langweilig wird es nie.

Zudem wird die bereits bekannte Geschichte dadurch angereichert, dass die infizierten Personen eine Restpersönlichkeit ihres gesunden Ichs besitzen, was ihnen nicht nur individuelle Charakterzüge beschert, sondern es in der Anfangsphase der Erkrankung auch erschwert zu erkennen ob da wer bereits infiziert ist oder nicht. Damit einhergehend darf man über sich selber zweifeln ob man bereits irres Verhalten an den Tag legt oder nicht. Das ist ein faszinierender Stoff in einer Zeit, in welcher einem die Menschheit ohnehin recht geisteskrank vorkommt. Wesentlich besser setzte diese Idee jedoch der sehr billig produzierte und damit etwas schwerer zu konsumierende „The Signal“ drei Jahre zuvor um, der immer wieder mit der Wahrnehmung des Zuschauers spielte. „The Crazies - Fürchte deinen Nächsten“ wagt dies nicht, ist er doch am Sehverhalten des Massenpublikums orientiert und will dieses nicht überfordern.

Bei dieser Grundhaltung darf man um so überraschter sein, dass „The Crazies“ dennoch ein unterhaltsames Werk geworden ist, auch wenn ich nach den lobenden Worten im Internet, nun wo ich Ewigkeiten später das Remake zum ersten Mal gesichtet habe, mit mehr gerechnet habe. Das Tempo wird stets hoch gehalten und Spannungsmomente gibt es auch genug, aber neben dem zu altbekannten Szenario und den etwas zu durchschnittlich geratenen Charakteren, die keinerlei Tiefe besitzen, wird einem doch nie so ganz klar warum die Bande Überlebender oftmals so unerkannt durch die Gegend laufen kann, nicht gerade clever mitten auf den Straßen oder über Stoppelfelder laufend, inmitten eines Gebietes welches das Militär überwacht.

Hubschrauber und anderweitige Militärpräsenz tauchen nur dann auf wenn es dem Autor gerade passt. Und warum das Militär einen Stützpunkt verlässt, nachdem ein Autofahrer gefangene Zivilisten mit einer Amokfahrt befreit hat, erklärt sich auch nicht von selbst. Hier erwarten die Verantwortlichen des Streifens dann doch etwas zu penetrant, dass man sich als Zuschauer mit den Geschehnissen einfach abzufinden habe. Aber noch bevor man sich ernsthaft über einen derart dümmlich veranlagten Plot ärgern kann, befindet man sich schon wieder in einer anderen packenden Situation, so dass man nicht all zu streng mit der typischen Krankheit eines US-amerikanischen Unterhaltungsfilmes umgehen muss.

Ein wenig hat mich der Film aufgrund des Aussehens des Helden, aufgrund der Präsenz des Militärs während des Ausbruchs einer lebensgefährlichen Situation und aufgrund des auch hier vorhandenen Soundtracks von Mark Isham an „Der Nebel“ erinnert, den ich im Vergleich jedoch gelungener finde. Der durfte aber auch die Neugierde des Publikums lange Zeit aufrecht erhalten, wohingegen die Thematik von „The Crazies“ von Anfang an klar ist und mit weiteren Überraschungen geizt. Dank des höheren Budgets ist er vielen anderen Infizierten-Horrors jedoch vorzuziehen, ist er technisch doch auf hohem Niveau umgesetzt und der Unterhaltungswert konstant auf einem guten Level. Werke wie der etwas eigenbrödlerische, wenn auch trotzdem im Mainstream verankerte, „Carriers“ sind dem etwas zu austauschbaren „The Crazies“ jedoch vorzuziehen.  OFDb

12.03.2016

ZOMBIE 2 - DAS LETZTE KAPITEL (1985)

Gegenüber seiner beiden Vorgänger „Die Nacht der lebenden Toten" und „Zombie" mag "Day of the Dead" (Originaltitel) ein wenig abfallen. Trotz treffsicherer Aussagen wird die Gesellschaftskritik bemühter und aufgesetzter eingebaut und wirkt damit nicht mehr gekonnt unterschwellig wie zuvor. Und auch die wichtigsten Figuren sind deutlich näher an Stereotypen angelegt als in den Teilen 1 und 2, die auch nicht völlig frei von diesem Problem erzählt waren. „Zombie 2" ist jedoch ebenfalls ein guter Film und damit ein würdiger Abschluss der Trilogie geworden, was u.a. daran liegt, dass Romero sein Rezept der bisherigen Teile konsequent weiter denkt.

Konnte in Teil 1 bei einer handvoll Zombies noch so ziemlich jeder überleben, so lebten in der Welt eines „Dawn of the Dead", in welcher die menschliche Population in etwa mit jener der Zombies gleichzusetzen war, bereits nur noch hartgesottene Menschen, die zumindest aber noch über ein Solidaritätsgefühl verfügten und auch sonst soziale Tendenzen aufwiesen. In „Zombie 2", in welchem in einer von Zombies dominierten Welt nur noch wenige Menschen leben, geht es nur noch um das reine Überleben und Funktionieren. Arschlöcher haben überlebt. Wer Sympathiefiguren sucht wird als Zuschauer hoffnungslos von Romero sitzen gelassen. Den Menschen in "Zombie 2" fehlt jeder empathische Impuls, jegliche Humanität, sowohl auf Seiten der Wissenschaftler, als auch auf jener der Soldaten. Jeder hat Schrecklichstes erlebt, nur die Gnadenlosesten konnten sich in einer solchen Welt über Wasser halten.

Wer es schafft ohne Sympathiefigur dem Treiben auf dem Bildschirm zu folgen, wird mit einem tollen Film belohnt der meist gekonnte Dialoge enthält, die großartige Geschichte der beiden Vorgänger konsequent weiter erzählt, insbesondere im Bereich der Intelligenz der Kreaturen, und dank eines passablen Budgets gibt es auch genug Futter für das Auge des Fans harter Horrorkost. Die Zombies sind ein Augenschmauß und an Goreeffekten wird wahrlich nicht gespart.

Mit Blick auf dieses Werk scheint die aufgeworfene Frage aus Teil 2, ob der Mensch oder die Zombies die wahren Monster sind, beantwortet zu sein. Interessiert darf man mit ansehen wie beide Fronten Mensch sich mit Arroganz und Verachtung gegenüber stehen und einander reizen und sticheln. Augenzwinkernd arbeitet Romero mit der Provokation, dass der scheinbar intelligenteste Mensch der kleinen Gruppe gleichzeitig auch der fragwürdigste ist. Seine Experimente mit den Toten werden mit ethisch völlig indiskutablen Mitteln durchgeführt und mit wirren Worten vor den Augen der Entsetzten verteidigt.

Ohne Romeros drei legendäre Filme hätte es das Zombie-Sub-Genre, so wie wir es heute kennen, nie gegeben. Zwar konnte er das hohe Niveau dieser Werke in der neuen Zombiewelle nicht wieder erreichen, sein „Land of the Dead" war ein einsamer Lichtblick, aber die Teile der Ur-Trilogie werden immer die Vorlage dessen sein welche drei Möglichkeiten bestehen einen Zombiefilm zu erzählen. Der gern unterschätzte „Zombie 2“ ist der hoffnungsloseste Teil der Reihe, auch wenn „Dawn of the Dead“ in seiner Dramaturgie wirksamer umgesetzt war als der hier besprochene Film. Der hatte es mit Sympathiefiguren im Gepäck aber auch leichter einen Zugang zum Publikum zu finden. Das Fehlen dieser im Abschluss der Trilogie hilft uns dabei die Zombiewelt so zu sehen wie sie ist, so dass der Mensch sich mehr vor seiner eigenen Spezies ekelt als vor all den vielen Gewalttaten, die Teil 3 enthält. Hoffentlich war sich Romero darüber bewusst wie psychologisch genial seine konsequente Weiterführung der fortlaufenden Idee auf das Publikum zu wirken wusste.  OFDb

23.11.2012

NIGHT OF THE LIVING DEAD (1990)

Barbara besucht mit ihrem Bruder auf einem weit abgelegenen Friedhof das Grab der Mutter. Der Bruder wird von einem Zombie angegriffen, Barbara überlebt und findet wie manch anderer auch Zuflucht in einem kleinen Haus. Während man sich drinnen versteckt, mehrt sich die Anzahl der lebenden Toten draußen. Nur ein Schuss in den Kopf hält sie auf...

Savini bekennt Farbe...

 
Im direkten Vergleich ist das Original "Die Nacht der lebenden Toten" dank seiner Individualität und als Begründer dieses Subgenres natürlich als der bessere Film einzustufen. Aber man muss es Trickkünstler Tom Savini eingestehen: sein Remake ist hervorragend.

Es ist vor allen Dingen nicht nur eine gelungene Neuverfilmung geworden, sondern auch der ideale Film, wenn man die Romero-Reihe hintereinander gucken will. Denn vom Stil passt "Night Of The Living Dead" wesentlich besser zu "Zombie" und "Zombie 2" als der sehr geglückte "Nacht der lebenden Toten". Dies liegt zum einen daran, dass das Remake in Farbe gedreht wurde, aber auch an den härteren Szenen, sowie an der wichtigsten Modernisierung, die Savini vornahm: Die emanzipierte Rolle der Hauptdarstellerin.

Ansonsten ist im groben alles beim alten geblieben. Die Geschichte verläuft sehr nah am Original, ohne wie das „Psycho“-Remake dabei den Vorgänger lediglich zu kopieren. Zumindest finde ich es sehr gut dass hier nicht zu viel verändert wurde, eben wegen der eben von mir erwähnten Kompatibilität mit den Fortsetzungen des Originals. Dafür darf sich der Kenner dieses auf einen anderen, ebenso bösen, Schluss freuen. Im ernst: immer wenn ich eine der beiden Verfilmungen gucke, bin ich wieder erneut am rätseln welcher von beiden welches Ende hatte. In manchen Bereichen ist mein Hirn halt auch ein Sieb (ob mir auch jemand in den Kopf geschossen hat weil Schlombie so sehr nach Zombie klingt?).

Die veränderte Charaktergebung der Hauptrolle umgeht einige Lächerlichkeiten, die automatisch entstehen, wenn man, wie in alten Filmen typisch, Frauen nur als das Mauerblümchen in Szene setzt. Zum Glück ging durch diese Neupositionierung in der Gruppe allerdings nicht der atmosphärisch knisternde Streit Coopers und Bens kaputt, der einen hohen Anteil an der Gesellschaftskritik ausmacht, für welche die Reihe bis "Zombie 2" bekannt war (in "Land Of The Dead" und „Diary Of The Dead“ wurden dann doch zu viele Fehler gemacht, als das man da noch von einer ernsthaften Gesellschaftskritik sprechen könnte).

Die beiden dürfen also sehr nah am Original miteinander streiten. Savini begeht leider den Fehler Position zu beziehen, wenn die Heldin am Ende Rache sinnt. Hätte er es doch dem Zuschauer überlassen sollen individuell zu entscheiden wen man als das störendere Element in der Gruppe empfand. Andererseits passt die fragwürdige Ideologie wieder wunderbar zu "Zombie" und "Zombie 2". Und bereits Barbaras Erlebnisse nach Verlassen des Hauses zeigen ja auch sehr deutlich die Welt, die da entsteht, in der sich scheinbar nur die fragwürdigsten Menschen zu helfen wissen.

Dieser Eindruck wird beibehalten durch die Bildershow im Abspann, in der man zu einem simplen, aber sehr stimmigen Lied zum Ausklang des Films noch einmal Dinge sehen darf, wie Barbara sie in Zukunft des öfteren zu sehen kriegen wird. Somit hat man am Ende dieses herrlich ungute Gefühl, das einen sonst nur nach wirklich harten Dramen nicht mehr loslässt. Hut ab, diese Neuverfilmung kann man definitiv als gelungen bezeichnen.  OFDb 

18.10.2012

DEAD EYES OPEN (2007)

Urlaub ohne elektronische Geräte und solange fahren bis der Sprit alle ist. Nach diesem Motto fährt eine Gruppe Teenager zum Campen ins Grüne, nichts ahnend dass auf dem Land Tote Menschen auferstehen und die Lebenden verspeisen. Die Gruppe trennt sich, man findet an verschiedenen Orten Zuflucht, oft auch den Tod...

Das Landleben macht Tote munter...
 
Hört man das Subgenre Zombiefilm in Zusammenhang mit den Worten Amateurfilm und Deutschland, so ist meist Vorsicht geboten, darf man doch meist an Gedärm kauende Monster sichten, die in billigen Tricks zu Hardrockmusik ihre Opfer verspeisen. Aber es gibt Lichtblicke aus deutschen Landen, und ein solcher scheint Regisseur Ralf Möllenhoff zu sein, zumindest ist es seine zweite Regiearbeit „Dead Eyes Open“.

Es ist nicht so, dass man hier um die nervigen Innereienfressereien umhin käme. Sie werden jedoch nicht zum Mittelpunkt des Streifens. Dennoch muss man Möllenhoff vorwerfen, dass er manches mal die Kamera zu lange auf den Untoten-Imbiss drauf hält.

Die Spezialeffekte sind schnell durchschaubar, ohne professionell zu wirken jedoch brauchbar. Das Zombiedesign schwankt zwischen viel zu weiß angemalten wandelnden Toten (Clowns?) und manchen recht gut zurecht gemachten Zombies. Meist treten sie ohnehin im Dunkeln auf. Das mag ein Trick sein um optisches Unvermögen zu verstecken, da Möllenhoff den Bereich des Gruselns jedoch nicht vernachlässigt, kann man nicht schimpfen.

Nur wenige male wird es selbst für meinen Geschmack zu düster, aber die Beleuchtung ist ohnehin immer ein schwerer Bereich im Amateurfilm. Wo es am Licht noch hin und wieder hapern mag, da weiß Möllenhoff zumindest auf anderen Wegen zu punkten. Wie gerade erwähnt wäre da der Gruselgehalt zu nennen, ein Bereich der eigentlich immer im deutschen Amateurfilm vernachlässigt wird (der Kurzfilm „Evil Puppets“ war eine gelungene Ausnahme). Hier zieht der Regisseur alle Register.

Mal darf die Musik aussetzen (Stille ist immer ein Pluspunkt beim Spannungsaufbau), mal wird rhythmisch getrommelt, ohnehin ist der Film mit stimmiger Musik unterlegt. Die auf dem Cover erwähnte Band Abwärts spielt kurz den Vorspann ein und darf im Abspann mit einem tollen Punksong den Film abschließen, innerhalb des Streifens belässt es Möllenhoff jedoch bei passenderer Musikuntermalung, denn die Atmosphäre und der Spannungsgehalt sind ihm ebenso wichtig wie die Nähe zum Zuschauer, der sich in die Situationen hineinfühlen soll.

Damit dem Horrorfan gruselig wird, wird auch gerne mit plötzlichen Geräuschen geschockt. Auch optisch gibt es im Gruselbereich manchen Leckerbissen, beispielsweise die durch das Schweinwerferlicht des Autos angelockten Zombies, die aus dem Dunkeln in das Licht treten, wobei man einen Übergang beobachten darf, wie die Untoten immer besser zu erkennen sind. Im leicht erhellten Zustand wissen sie am besten zu wirken.

Manch einer mag gegen seinen Fernseher hauen, wenn sich das Bild verändert. Möllenhoff setzt nicht nur inhaltlich auf Old School-Horror, sondern drehte sein Werk auch auf Super 8. Hierbei arbeitet er mit verschiedenen Super 8-Kameras, mit dabei ist auch ein altes Modell, das ohne Ton drehte. Möllenhoff legt den Sound jedoch drüber, und da gibt es nichts zu meckern, der Ton passt zu den Szenen wie in jeder anderen Sequenz auch.

Negativ wirkt akustisch lediglich die Gastszene mit Regisseur George A. Romero, der für ein paar Sätze als Wissenschaftler in einer Nachrichtensendung auftreten darf. Er musste als Mann der englischen Worte natürlich synchronisiert werden, und da wurde recht unmotiviert und schlecht betont geplappert. Wirklich gravierend ist das ganze ohnehin nicht, denn die Nachrichtenszene wirkt nicht echt und George A. Romero erweist sich als der untalentierteste Schauspieler von allen Laien. Auf mich wirkte er auch ein wenig senil, mag sein dass er auch nicht mit Herzblut dabei war. Aber scheiß egal, für Möllenhoff muss es eine große Ehre gewesen sein, dass der Vater des modernen Zombiefilms überhaupt mitgemacht hat. Seinen Stolz wird ihm jeder Horrorfan nachfühlen können.

Bleibt nur zu sagen, dass „Dead Eyes Open“ endlich mal ein toller Zombiestreifen aus dem deutschen Amateursektor ist, der sich besonders durch zwei Punkte sympathisch macht: er weiß Gruselstimmung aufzubauen und er möchte eine Geschichte erzählen. An letzterem muss Möllenhoff jedoch noch arbeiten, denn manchmal gibt es Sprünge in der Handlung, bei denen es schwer fällt sich neu zu orientieren.

Auch logisch gibt es manches Manko, dass mal eben nicht so unter den Teppich gekehrt werden kann wie manch verzeihliche Logiklücke. So klingt es in den Nachrichten so, als sei die Epidemie auch bis zu den Städten vorgedrungen, dann wird sie wieder aufs Landleben reduziert, da habe es die Untotenplage schon länger gegeben. Mal verändert sich die Welt innerhalb von zwei Tagen, mal scheint es so, als ob die Sache noch locker einzugrenzen wäre. Warum man in Ruhe zombiebezogene Gesetze auf dem Land verordnet, wenn die Situation doch langsam über die Dorfgrenzen hinaus überhand nimmt wurde zumindest mir nicht klar. Mag sein dass ich da etwas nicht kapiert habe, ich habe aber den Eindruck dass da im Film selbst der Wurm drin ist.

Aber auch das ist mir egal. Denn „Dead Eyes Open“ ist ein Amateurfilm, und Amateure dürfen nicht nur fleißig üben, sie dürfen auch Fehler machen. So lange die nicht am Unterhaltungswert oder an der Aussage knabbern, die ein Film machen will, ist es mir halbwegs egal. Ich war von Möllenhoffs Film auf jeden Fall angenehm überrascht und freue mich auf eventuelle zukünftige Projekte.  OFDb

05.10.2012

DIARY OF THE DEAD (2007)

Junge Filmschaffende arbeiten gerade an ihrem neuen Projekt, als sie über die Medien erfahren, dass eine merkwürdige Seuche Tote auferstehen lässt. Zunächst glaubt man nicht was man hört, aber die Realität zeigt sich schnell von ihrer bitteren Seite. Einer aus der Gruppe hält alles was passiert auf Video fest...

Ein Meister erreicht die Mittelmäßigkeit...
 
Das Schauen von „Diary Of The Dead“ wirft eine Frage auf: Hat George A. Romero eine plumpe Medienkritik geschaffen oder ist dies unterschwellig sogar eine sehr pfiffige? Ich glaube die Antwort zu wissen und spekuliere zu ersterem, da Romero seit „Day Of The Dead“ die Gesellschaftskritik nicht mehr unterschwellig einsetzt, er drückte sie einem seit „Zombie 2“ sehr deutlich auf.

Ich spreche dies deshalb an, weil die Art der korrekten Berichterstattung im 5. Teil von Romeros Zombie-Reihe doch mehr als fragwürdig ist. Da setzt sich ein junger Filmemacher in den Kopf die Wahrheit dessen zu zeigen, was zu Beginn einer Zombieepidemie passiert, da die großen Nachrichtensendungen die Wahrheit verzerren. Er möchte den Menschen zeigen, wie man überleben kann und aufzeigen was wirklich Fakt ist. Anstatt nun sachliche Kommentare einzubauen und die wichtigen Umstände zu zeigen, hält er ständig auf provokante und sehr blutige Ereignisse drauf. Seine Freundin, die den Film nach seinem Tod fertig stellte, untermalt die angebliche Dokumentation musikalisch.

Als Satire gemeint, wäre dies eine großartige Medienkritik. Eine Generation, die scheinbar gar nicht mehr weiß was Nachrichten sind, will es besser machen, und alles was herauskommt ist ein reißerischer Beitrag mit manipulativer Musikuntermalung. Romeros Werk hinterlässt nie den Eindruck, dass das was seine Helden in Teil 5 tun, satirisch gemeint wäre. Viel mehr scheint er die großen Nachrichtenkonzerne anprangern zu wollen, und das so dick aufgetragen, dass es nur noch als plump zu bezeichnen ist. Was seine Figuren treiben scheint legitim.

Schade! Anstatt aufzuklären orientiert er sich an den Sehgewohnheiten des Publikums. Ein Publikum, welches von den Medien sogenannte Nachrichten auch wirklich für Nachrichten hält. Dort wandern gerne Gefühle der Moderatoren und Reporter in die Sendung ein, voyeuristisches Bildmaterial wird verwendet, Spekulationen werden eingearbeitet, und im Zuschauer möchte man gerne Gefühlsregungen wecken. Was das ganze noch mit Fakten zu tun hat? Höchst wenig! Nachrichten und Boulevard-Magazin vermischen sich immer mehr. Aufklärung täte hier wirklich Not.

Da hat Romero wirklich eine große Chance vertan. Aber das hat er im Unterhaltungsbereich ebenfalls, und der ist in einem Zombiefilm nun einmal wichtiger als die Gesellschaftskritik. Also ist all das Meckern über vertane Chancen im Aufklärungsbereich eher zweitrangig, und einem guten Film würde dennoch nichts im Weg stehen. Aber Romero findet einfach nicht zu seiner alten Qualität zurück. Zwar ist „Diary Of The Dead“ halbwegs unterhaltsam, aber selbst in „Land Of The Dead“ ließ Romero mehr Qualität aufblitzen.

So stellt sich zum Beispiel die Frage, warum der Zombiemeister auf den fahrenden Zug des semidokumentatorischen Erzählstils aufspringt, wenn er diese Art letztendlich ohnehin wieder zur klassischen Methode werden lässt, in dem er Musik einbaut und eine zweite Kamera zum Wechsel der Perspektive. Damit ist die Echtheit eines „[Rec]“ oder „Cloverfield“ längst wieder über Bord. Ich denke dass diese Art zu drehen durchaus seinen Reiz hat und noch viele Möglichkeiten offen lässt. Romero scheint mit dieser Herangehensweise allerdings nicht experimentieren zu wollen, sondern suchte den Mittelweg aus Semi-Doku und klassischer Erzählweise. Das hat mir persönlich nicht so gut gefallen.

Die Figuren aus „Diary Of The Dead“ sind einem beim Sichten egal. Der Filmer nennt Gründe für sein Tun, die ich nicht nachvollziehen kann und eher für geheuchelt halte. Die Heldin bleibt auf emotionaler Distanz zum Zuschauer und schafft es trotz ihrer dauerhaften Präsenz nicht, dass man zu ihr hält. Der einzig erwachsene Charakter in einem sonst leider auf Jugend angelegten Cast wird dafür verheizt gut schießen zu können und zu zeigen, wie er ewig Ausschau nach Alkohol hält. Gerade sein Präsenz hätte anders charakterisiert die Runde sehr bereichern können.

Ebenfalls fällt negativ auf, dass keiner der Reisenden glaubhafte Gründe vorweisen kann, die Tour in dem Kleinbus mitzumachen. Die Hälfte hat angeblich weder Familie noch Freunde, die andere Hälfte lässt sich auf eine Reihenfolge ein, zu welcher Familie man wann zuerst tuckert. Keiner scheint sich ernsthaft Sorgen um seine Verwandten zu machen. Keiner scheint ernsthaft Angst zu haben. Haben die Teens die Situation nicht begriffen? Scheint so, obwohl sie eigentlich genau solche Leute über das Internet aufklären wollen.

Für die Reihe wäre es besser und einheitlicher gewesen, von einem klassisches 60er Jahre-Filmteam zu erzählen, mit jeder Menge Filmrollen im Gepäck, um den Film zu jener Zeit spielen zu lassen, zu der Romeros Reihe mit „Die Nacht der lebenden Toten“ auch losging. Das hätte aber wahrscheinlich zu viel Geld für die Kulissen gekostet und das Drehbuch dazu wäre auch eine Spur schwieriger zu schreiben gewesen. Es ist auch nicht wirklich wichtig, ob Teil 5 nun in diese seit Teil 4 unzusammengehörende Filmreihe passt oder nicht. Es wäre nur einfach schön gewesen, wenn man es beachtet hätte.

Zumindest macht Romero nicht alles falsch. So ist sein Seitenhieb auf die modernen Zombiefilme mit rennenden Untoten ziemlich zu Anfang des Films wirklich gelungen. Und auch nur dort positioniert konnte die Kritik fruchten. Romero arbeitet nämlich mit Köpfchen um die Konkurrenzprodukte bloß zu stellen. Davon hätte der restliche Film auch ein wenig gebrauchen können.

Zwischendurch gibt Romero kleine Denkanstöße für denkfaule US-Teens, wie die Frage, warum man sich krampfhaft von den Eltern abkapseln will, aber Freunde liegen lässt und Familie schleunigst aufsucht, sobald etwas Schwerwiegendes passiert. Das rüttelt nicht wirklich auf, wirkt aber auch nicht fehl am Platz. Einzig wirklich negativer Punkt ist die letzte Szene, in der Romero ein Thema anspricht, dass wir seit Teil 1 erleben durften, diesmal nur reißerischer und blutiger umgesetzt, und damit nicht mehr glaubhaft als Kritik zu betrachten.

Romeros Film ist übrigens nicht nur dort blutig ausgefallen. Gorehounds werden einige gut gemachte Effekte entdecken. Sie sind über den Film etwas rarer verteilt als in den anderen Teilen seit „Zombie“, über die optische Umsetzung kann man aber wirklich nicht meckern. Dafür aber darüber, dass sie viel zu oft zum Selbstzweck eingesetzt werden, einfach nur um dem blutgeilen Publikum von heute wieder „was geiles“ zu zeigen. So darf man völlig sinnlos das Spalten eines Kopfes sichten, ein Schießeisen wird im Körper eines Untoten steckend weiter genutzt und vieles mehr. Dies passiert jedoch nie den Umständen entsprechend, sondern schlichtweg um den Zuschauer zu unterhalten. Das ist schon fragwürdig und primitiv.

Spannung kommt nie wirklich auf. Dennoch wirkt der Film nie uninteressant. Er ist kurzweilig zu schauen, hinterlässt aber auch keinen bleibenden Eindruck. Immer wieder entdeckt man inhaltliche oder inszenatorische Fehlentscheidungen, mit denen man Chancen verpatzte aus „Diary Of The Dead“ einen wirklich guten Beitrag zu machen. Der religiöse Taubstumme sei nur einmal ein Beispiel aus einer langen Liste. Er war ein interessanter Charakter aus einer anderen Kultur, hätte mehr Klotz am Bein als wirkliche Hilfe sein können, aber statt dies für den Spannungsbogen auszunutzen, darf er nach getaner Arbeit sterben.

„Diary Of The Dead“ ist  ein seelenloses Schnellschusswerk für das anspruchslose Publikum von heute geworden. Dem wird immerhin geboten was es sehen will, in einer Umsetzung, die trotz etlicher Defizite keine Langeweile aufkommen lässt. Dem Freund von Romeros ersten drei Zombiefilmen und dem Remake von Teil 1 wird dieser Teil 5 kaum noch gefallen, vielleicht sogar gar nicht mehr. Romero mischt lediglich in der aktuellen Zombiewelle mit ohne neue Ideen umzusetzen und ohne seine alten für den Sehwert gewinnbringend zu wiederholen. Stände nicht der Name Romero drauf, wäre er nur eine dieser vielen namenlosen, manchmal guten, Produktionen der letzten Jahre. Romero und sein Stil sind nicht nur out, sondern auch nicht mehr glaubhaft oder künstlerisch wertvoll. Es wird höchste Zeit, dass „28 Days Later“ eine zweite Fortsetzung bekommt.  OFDb