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31.12.2016

LÜGEN MACHT ERFINDERISCH (2009)

Ist es nicht schön, wenn eine Komödie angenehm sanft vor sich hinplätschert, es schafft routiniert Kurzweile zu versprühen und einen 90 Minuten lang aus der geplagten Alltagswelt entführt? Ist es nicht egal, wenn sie nur kurz im Gedächtnis bleibt, weil sie keinen Innovationspreis gewinnt, wenn sie doch immerhin auf schlichte Art ohne großen Anspruch bei wenig Erwartungen zu funktionieren weiß? Theoretisch ja, aber wenn man bedenkt auf welch grandiose Idee Ricky Gervais gestoßen ist, darf man zurecht verärgert darüber sein, dass „Lügen macht erfinderisch“ eine solch gewöhnliche Komödie geworden ist.

Was ist nur los mit dem Mann? Wieso hat Ricky Gervais dieses Projekt als Engländer überhaupt in Amerika umgesetzt? Und wieso ist es dort trotz seiner Eigenschaft als Autor, Regisseur und Produzent derart verwässert worden? Die Idee eines Lügners in einer Welt ohne Lügen hätte das Potential zu einem großen Filmerlebnis gehabt, zu einer vor Pointen und bissigen Seitenschlägen nur so sprudelnden Satire, mit ebenso viel Platz für Emotion wie für Humor und geistreiche Reflexion. Schaut man sich das Ergebnis an, sichtet man stattdessen den Routineablauf einer jeden 08/15-Komödie, vorhersehbar, die Grundidee fast als zwingendes Übel ansehend, welches einen davon abhält die immer wieder erzählten Stränge leichter zu erreichen.

Ricky Gervais erschuf meiner Meinung nach mit „The Office“ eine der geistreichesten TV-Serien, die ich noch heute als meine absolute Lieblingsserie bezeichne. Sein Rollenverständnis in von anderen Autoren verfassten Stoffen, wie „Muppets Most Wanted“ und „Wen die Geister lieben“, ist durchdachter Natur und nie einfach nur plump heruntergespielt. Sein Talent über sich selbst zu lachen ist enorm groß. Was hätte allein unter diesen Voraussetzungen „This Side of the Truth“ (Alternativtitel) für ein großartiges Filmerlebnis werden können? Aber stattdessen liefert er uns eine Komödie der Gattung „ganz nett“.

Selbst die besseren Ideen innerhalb des vorgelegten Stoffes kratzen nur an der Oberfläche dessen was möglich wäre. Die Religionskritik kommt zahm und versöhnlich daher. Der Versuch Freunden zu erklären wie man lügt endet bereits mit den Anfängen. Nur kleine Lichtblicke, wie der Dialog darüber wie es wäre alles Geld dieser Welt zu besitzen, versprühen die Konsequenz und das Gespür für gute Komik, wie ich es von Gervais gewohnt bin.

Und wie soll bitte der emotionale Part fruchten können, wenn es den eigentlich gutmütigen Mark doch den kompletten Film über nicht auffällt wie oberflächlich seine Love Interesst denkt, ohne dass diese im Laufe der Handlung mehr Tiefe erlangt? Wie soll man dem guten Mann Glück wünschen, auf ein Happy End hoffen, wenn der weibliche Part nie genügend Sympathiepunkte erhält? Lange Zeit dachte ich Mark würde erkennen welch schrecklicher Mensch sie ist und irgendwann liefe ihm eine Alternative über den Weg, die es wert wäre von seinem großen Herzen geliebt zu werden. Aber dem wurde nie so.

Damit verpufft das Ergebnis der Mitwirkung Jennifer Garners gleich null und kann nicht mit der Liebe Ricky Gervais‘ zum Product Placement mithalten, welches extrem penetrant Coca Cola, Pepsi und vor allen Dingen Pizza Hut in den Vordergrund drängt. Jonah Hills Mitwirken beschränkt sich auf wenige, weder nennenswerte noch für den Stoff wichtige, Momente. Und auch der beste Kumpel Marks bleibt blass und eigentlich unwichtig für den Verlauf der Geschichte. Hätte er als Eingeweihter nicht einen wichtigen Einfluss auf die Geschichte verdient? Einzig Rob Lowe weiß aus seiner schlichten Rolle etwas herauszuholen und spielt so sympathisch, wie witzig, wie wir es spätestens aus seiner Dauergast-Rolle in „Californication“ gewohnt sind.

Was bleibt ist zu sagen, dass man die Erwartungen weit nach unten schrauben muss. „The Invention of Lying“ ist ein Film für Stammzuschauer seichter, amerikanischer Komödien, einfach für Menschen die häufig humoristische Stoffe sichten, nicht zu streng mit der Materie umgehen und die sich damit begnügen, dass der Film kurz danach wieder so gut wie vergessen ist. Wer aber, der das Potential hinter dieser Geschichte begriffen hat und aus anderen Werken weiß wozu Gervais fähig ist, würde sich bitte mit diesem Minimalergebnis zufrieden geben oder sich gar damit versöhnlich abfinden? Ich zumindest nicht. Denn im Gegensatz zu „Wen die Geister lieben“, den ich anfangs für eine ähnlich geistloser als gedacht angegangene Routine-Komödie hielt, was sich bei weiteren Sichtungen als großer Irrtum herausstellte, besitzt „Lügen macht erfinderisch“ keine versteckte Raffinesse, die erst eine Zweitsichtung unter anderen Erwartungen hervorbringen kann. Dafür ist das Ergebnis einfach viel zu flach gehalten.  OFDb

21.04.2016

THE OFFICE - STAFFEL 2 (2002)

Staffel 2 spielt nur wenige Wochen nach der ersten. Ein Standort der Firma wurde wie geplant geschlossen, und es ist nicht die Filiale, die David leitet. Dennoch geht David Brent nicht als Sieger hervor, denn sein Gegenpart aus dem anderen Büro ist nun nicht mehr mit ihm auf einer Stufe, sondern sein Vorgesetzter.

Mitarbeiter der geschlossenen Filiale werden nun in Slough übernommen. Da sollte man meinen, dass viele neue wichtige Figuren in den Vordergrund treten, aber die meisten bleiben Randerscheinungen. Eine Rollstuhlfahrerin wird gelegentliches Opfer von Davids unsensibler Seite. Ein Schwarzer, von dem man auf anderer Basis das selbe meinen sollte, wird für David zum Vorzeige-Schwarzen, da der über Witze über Dunkelhäutige lachen kann und für David zur Legitimation von Rassismus im Alltag wird. Wichtig sind eigentlich nur zwei neue Figuren:

Rachel ist eine attraktive Frau, die schnell von Tim und Gareth umworben wird. Während Tim mit Charme zu punkten weiß, fällt Gareth lediglich durch seine unsensible und sexistische Art auf. Dawn beobachtet Tims Geplänkel mit Rachel, von der man charakterlich recht wenig erfährt, mit kritischen Augen, obwohl sie Tim den Laufpass gegeben hat, um bei ihrem Freund zu bleiben. Dass Rachel an Tim Gefallen findet, passt ihr jedoch gar nicht. Wie man schon herausliest dient Rachel lediglich als Spielball, um der Geschichte von Tim und Dawn neuen Zunder zu geben. Für mehr ist sie eigentlich nicht vorhanden.

Wichtiger ist da schon Neil, der vor der Schließung seiner Filiale auf gleichem Posten mit David saß und nun zu dessen Vorgesetzten befördert wurde. David sieht sich immer noch als gleichrangig an, macht Neil schlecht wo er nur kann und dies meist auf seine ungeschickte und unsichere Art. Mit solch infantilen Angriffen hat der selbstbewusste und sympathische Neil jedoch so gar kein Problem, hat er doch das Team hinter sich und im Gegensatz zu David Ahnung von der Materie - und dies nicht nur beruflich betrachtet. Dennoch ist David selbstverständlich ein Ärgernis für Neil, da der Mann nicht nur intrigiert und sabotiert, sondern auch seiner eigentlichen Arbeit nicht nachkommt. Mit viel Geduld schaut sich Neil Davids Konzept an, um schlussendlich festzustellen, dass Davids Arbeit lediglich ein Kartenhaus aus Sprüchen ist, das keinerlei Materie besitzt. Neil ist höflich und wie bereits erwähnt geduldig. Doch mit David unter ihm werden diese Pluspunkte seines Charakters häufig auf eine harte Probe gestellt.

Dass ansonsten alles beim Alten bleibt kann man so nicht ganz sagen. Wie so oft in Serien, so wird das Konzept der ersten Staffel nun ein wenig aufgepumpt und wirkt damit übertriebener als Staffel 1. Damit wird z.B. der in Staffel 2 überzogenerer Charakter des ohnehin schon überzogenen Gareth unrealistisch und funktioniert nur noch auf Comic-Niveau. Der Witz ist, dass diese Übertreibungen, die sich auch, wie ich später erwähnen werde, in Davids Charakter verdeutlichen, der Serie an sich nur gering schaden. Staffel 2 ist schwächer als Staffel 1, aber noch immer großes TV. Noch immer bleibt das Original qualitativ besser als sein deutsches Remake „Stromberg“, das ja ebenfalls zu den ganz großen TV-Ereignissen seines Jahrzehnts zählt.

Wunderte man sich in Staffel 1 noch, warum die Geschichten und das Talent der Vorgesetzten im Büro bei „The Office“ und „Stromberg“ so auseinander gingen, so geht einem beim Betrachten der zweiten Staffel des Originals langsam ein Licht auf. „Stromberg“ klaut doch mehr als vermutet, jedoch nicht bei der 1. sondern der 2. Staffel, die nun ebenfalls vom beruflichen Abstieg des Chefs handelt.

Konnte sich David Brent trotz all seiner Schwächen noch immer als nach außen hin wirkende fähige Führungspersönlichkeit verkaufen, und ging David in Staffel 1 noch als Sieger hervor (mit Ausnahme der letzten Folge, in der er lediglich mit einem blauen Auge davon kam), so wird nun auch sein Charakter, ebenso wie der von Gareth, überzogen. Aus dem Sprücheklopfer ohne Rückhalt macht man nun selbiges. Das klingt nach keinerlei Veränderung, ist es aber doch, denn seine Schwächen treten nun so stark nach außen, dass ein Jeder sie mitbekommt und billige Ausreden David vor dem Outen seiner Unfähigkeit und Dummheit nun nicht mehr schützen.

Seine Methoden der Abwehr wirken immer dümmlicher und erbärmlicher, was sich vielleicht auch dadurch erklärt, dass sein Selbstbewusstsein zu schwinden scheint, bei all der Kritik die er sich von seinen Vorgesetzten und Untergebenen gefallen lassen muss, auch wenn er nach Außen weiter den harten Mann spielt. Selbst der Entertaining-Bereich, der in Staffel 1 noch Davids Stärke war (wenn auch dort mit Schwachpunkten gesegnet), wird nun zu einer peinlichen Schwäche, wie bereits Episode 1 zeigt.


Die Folgen im einzelnen (enthält Spoiler):

Episode 1:
Die neuen Mitarbeiter aus der geschlossenen Filiale trudeln ein. Neil, der Vorgesetzte von David, stellt sich dem alten Slough-Team vor und entpuppt sich als netter, selbstbewusster Mensch, der nicht nur schnell die Sympathie der Mitarbeiter erntet, sondern auch deren Lacher. Letzteres ist für David ein fast größerer Skandal, sieht dieser sich doch als großer Entertainer und erntet mit seiner vorbereiteten Willkommensrede keinerlei Lacher. Dies veranlasst ihn auf der anschließenden Willkommens-Feier auf anderen Humor zurückzugreifen, der ihm auch gleich zwei Gespräche mit seinen beiden Vorgesetzten beschert, die von seinem Verhalten sehr empört sind...

Ist Chefin Jennifer von David schon so einiges gewöhnt, so ist dessen Verhalten für Neil noch Neuland. Doch Neil besitzt Geduld und noch Vertrauen darin, dass David sicherlich Stärken besitzen wird in seiner Position. Teil 1 dient der Einführung der neuen Figuren und bildet letztendlich die Manege für Seelen-Tollpatsch David, der auf seine gewohnt egoistische und unsensible Art von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt, so dass dem neuen Teil der Belegschaft schnell klar wird, dass die Arbeit in Slough sehr unangenehm werden wird. Tim ist innerhalb der Firma ein wenig aufgestiegen und lässt diese neue Position, ohne dass er es selbst bemerkt, an Dawn aus, die von seiner kühlen und arbeitsstrebsamen Art enttäuscht ist. Dass Tim nun auch noch mit der neuen, attraktiven Rachel flirtet passt ihr überhaupt nicht. Gareth auch nicht, aber der ist mit seiner asozialen Art ohnehin kein Konkurrent.

Episode 2:
David führt eine Mitarbeiterbefragung durch, die er lediglich dafür nutzt, um selbst besser dazustehen. Ein Meeting mit seinen neuen Angestellten, in dem er eigentlich nur erfahren wollte, wie sich die Neuen eingelebt haben, führt zu Tage, dass Neil beliebter ist als er, und was für David mal wieder fast schlimmer ist: Neil wird als witziger angesehen als er. Das kann David nicht auf sich sitzen lassen und lädt alle zur Mittagszeit ins Pub ein, um zu zeigen wie lustig man in Slough ist. Währenddessen macht Rachel erste direktere Annäherungsversuche bei Tim, was weder Gareth noch Dawn gefällt...

Dass der Pub-Besuch zur Katastrophe wird, dürfte klar sein. Langeweile pur, was David jedoch auf die fehlenden Mitarbeiter schiebt, die nicht mitkommen wollten und welche laut ihm die Unterhaltungs-Elite (neben ihm) darstellen. Mitschuld gibt er jedoch auch den Neuen, die keineswegs versucht hätten die Stimmung zu heben, was David so deutlich sagt, dass selbst der letzte Neue nun weiß, dass er nicht gemocht sondern lediglich geduldet wird. In der Situation mit Tim und Rachel zeigt sich nun Dawns Eifersucht deutlicher als zuvor, was Dawn dazu animiert innerhalb der Arbeitszeit mehr Möglichkeiten zu finden, mit ihm Zeit zu verbringen und zu flirten. Freilich treibt sie es nie zu weit, ist sie doch in einer festen Beziehung und ein Wechsel scheint für sie nicht in Frage zu kommen.

Episode 3:
Eine Mitarbeiterin hat Geburtstag. Es wird gefeiert und geflirtet. David wird von zwei Besuchern angesprochen. Diese würden ihn gerne als Motivationsredner engagieren für Veranstaltungen, in welchem Interessierte erfahren können, wie sie nach Außen richtig auftreten und was man sonst noch benötigt um Karriere zu machen. David willigt ein...

Neben der Neil-Situation wird mit dem neuen Nebenjob nun ein Element mit eingebracht, das für den Verlauf der zweiten Staffel von größter Wichtigkeit ist, auch wenn es oberflächlich betrachtet zunächst wie eine Nebensache wirkt. Dieser Plot zeigt auf ein Neues deutlich die charakterliche Trennung von Neil und David. Neil wurde ein solcher Job ebenfalls angeboten. Sieht der eine solche Tätigkeit jedoch als unnötig an, da diese in ihrer Basis bereits unsinnig ist, so sieht David es als große Herausforderung, wenn auch mehr im Entertainingbereich als im beruflichen Sinne. Auf der Geburtstagsfeier im Büro prahlt David direkt mit diesem Angebot, zeigt aber auch auf ein Neues seine beleidigende Art Mitarbeitern gegenüber, und seinen Neid Neil gegenüber lässt er ebenso offen heraushängen. Dawn muss währenddessen mit ansehen, wie Tim viel lustigere Streiche mit Rachel durchführt, als mit ihr. Also startet sie eine recht magere Gegeninitiative.

Episode 4:
Der große Tag rückt näher, Davids Auftritt als Redner steht kurz bevor, und so engagiert er Dawn als Hilfskraft für diesen Abend. Davids Rede fällt für die Veranstalter des Seminars anders als erwartet aus. Dawn leidet währenddessen unter ihrem Chef, der ihre Hilfe dazu nutzt, sie als Arbeitstier zu degradieren. Dabei geht es Dawn schon ohne diese Schinderei nicht sonderlich gut. Tim ist nun mit Rachel zusammen und geht mit ihr in einen Pub, ein Treffen das Dawn mit ihrer Zusatztätigkeit bei David nicht verhindern kann. Dass ihr Dauerverlobter nebenbei ebenfalls erwähnt wie attraktiv er diese Rachel findet, setzt dem ganzen noch die Krone auf...

Die Fäden um die Tim-Rachel-Dawn-Story verdichtet sich. So langsam wird auch der Zuschauer unsicher, ob Dawn sich Tim nun doch schnappen würde oder ob es weiterhin nur um ihr Territorium geht und sie bei ihrem Verlobten bleiben möchte. Tim ist im siebten Himmel und bekommt von Dawns Annäherungen ohnehin nichts bewusst mit. Rachel bekommt dafür Gareths Enttäuschung um so mehr zu spüren, der sich auf abartige Art als Ersatz anbietet, falls es mit Tim nicht so gut klappen sollte, eventuell sogar für nebenher, wenn es mit Tim doch klappen sollte. Gefühlsmäßig ist man als Zuschauer jedoch viel mehr an die Brent-Situation gebunden, weiß man doch im Vorfeld, dass sein Auftritt nur ein Skandal werden kann und das beunruhigt schon sehr. Bevor es zum Auftritt kommt, zeigt sich welch negativen Einfluss diese Nebentätigkeit auf Davids Hauptberuf hat, was Neil gar nicht gern sieht, so schwach wie Davids Leistungen schon zuvor waren. Den Seminarveranstaltern hingegen wird langsam klar, dass es David viel mehr um Entertaining als um berufliches Fachwissen geht.

Episode 5:
Es ist Red Nose-Day. Jeder Mitarbeiter lässt sich etwas lustiges einfallen um Geld für Hilfsbedürftige zu sammeln. Gareth hüpft den ganzen Tag auf einem Bein, David steht ein lustiger Fototermin bevor, Neil führt mit Rachel einen besonderen Tanz auf, Dawn macht einen Knutsch-Stand auf, nur Tim macht anfangs nicht mit, vermisst er bei dieser Art Veranstaltung doch die Würde. Letztendlich entschließt er sich jedoch doch mitzumachen, nutzt dies allerdings nur, um Gareth mal wieder Streiche zu spielen. Das hüpfende Opfer erwartet währenddessen seine Freunde, die zu diesem lustigen Tag ins Büro kommen wollten...

Was sich in der Inhaltsangabe nach einem gehaltfreien Übergang zur Finalfolge liest, entpuppt sich als eine der entscheidendsten Episoden der zweiten Staffel, denn in dieser verliert David nun seinen Job. Neil und Jennifer haben genug von seiner arroganten Art, und David ist überheblich genug einzuwilligen, sieht er in den bislang nebenberuflichen Seminaren (von denen ja ohnehin erst eines stattgefunden hat) seine neue Karriere und in seinen jetzigen Mitarbeitern eine Horde Kämpfer, die nicht tatenlos zusehen werden, dass David gekündigt wird. Für Brent heißt es jedoch erst einmal den Red Nose Day trotzdem irgendwie hinter sich zu bringen, denn so lässig er sich auch gibt, er ist enttäuscht und frustriert, was er durch ein kleines Schlüsselloch seiner Seele auch seinen Vorgesetzten zeigt.
 
Episode 6:
Davids letzte Tage stehen an. Eine Reporterin kommt ins Büro um mit David ein Interview für ein kleines Blatt zu führen. Die beiden haben sich für dieses Vorhaben jedoch einen ereignisreichen Tag ausgesucht. Tim bekommt das Angebot sein Nachfolger zu werden, verweist aber lieber auf Gareth. Tim ist sich nun sicher, dass er Dawn liebt und macht mit Rachel Schluss. Dawn reicht ihre Kündigung ein, da sie mit ihrem Verlobten nach Amerika ziehen möchte. Da sie nicht mehr lange bleibt, sieht Tim nun seine letzte Chance Dawn dazu zu bewegen, es mit ihm zu versuchen. David steht währenddessen eine herbe Enttäuschung bevor, denn die Veranstalter des Seminars geben ihm zu verstehen, dass ein weiterer Auftritt Davids nicht erwünscht ist...

Wie schon in meiner Lieblingsepisode der ersten Staffel, so kann man in dieser wieder schön beobachten, wie David die Arbeit eines anderen manipuliert, in dem er sie an sich reißt. Mehrfach macht die Reporterin den Mann darauf aufmerksam, dass er nur ihre Fragen beantworten solle, aber Brent bleibt Brent. Er schreibt der Dame vor was sie zu schreiben und zu fragen hat. Wie schon in der Mitarbeiterbefragung, so nutzt er das Meeting auch wieder lediglich dafür, sich als toll darzustellen, was mit Dawns Kündigung noch verstärkt wird, da er glaubt Dawn würde die Firma verlassen, da ihm gekündigt wurde. Als dem nicht so ist, erweist sich der mitarbeiterliebende Mensch schnell wieder als egoistisches Arschloch, was die Journalistin schon recht schockt. Die Subgeschichte um Tim und Dawn findet ihr Ende. Es kommt ebenso wenig überraschend wie erwartet. Letztendlich erwartete man zwei Möglichkeiten, von der eine nun eintritt und Dawns Charakter nun endgültig abrundet, bzw. das bestätigt, was in zwei Staffeln zwischen den Zeilen immer durchschimmerte. Dieses Ergebnis und zukünftig einen Gareth als Vorgesetzten verdeutlichen einmal mehr den tragischen Aspekt von Tim, der an der Serie schon immer viel ausgemacht hat. Dass David seine Karriere als großer Redner nun knicken kann, veranlasst ihn zu einer Verzweiflungstat, die man ihm so nie zugetraut hätte, was zu einem etwas offenen Ende führt, dessen Hintertürchen sich jedoch als eher unwahrscheinlich entpuppt. Dass dem so war und so viele Fragen unbeantwortet blieben, veranlasste die Köpfe hinter der Serie später noch zu einem abschließenden zweiteiligen Weihnachts-Special.

Es passiert wirklich viel in der zweiten Staffel, und man merkt nun auch, warum der Gareth-Charakter so aufgebläht wurde, erlebt er selbst doch keine relevante Geschichte, während für David, Dawn und Tim eine Achterbahnfahrt an Erlebnissen und Gefühlen bevorsteht. Der Schluss der Staffel ist gut und bleibt der Qualität der Gesamtserie treu. Letztendlich trumpft die zweite Staffel mit dem Mut zu Veränderungen, einen Mut, den es in den meisten anderen TV-Serien nicht zu entdecken gibt. Dadurch erfährt auch der Zuschauer gefühlsmäßige Hoch und Tiefs, was die Serie für ihn um so interessanter macht.

Staffel 2 ist schwächer, das schon, aber eben immer noch beste Unterhaltung dank der Grundrezeptur der ersten Staffel und dem Mut der zweiten. Manchem wird der etwas zu offene Schluss vielleicht sauer aufstoßen, aber dafür gibt es ja das eben erwähnte Abschluss-Special, das die Serie zu einem deutlicheren Ende führt ohne ihr zu schaden.  OFDb

06.02.2016

THE OFFICE - STAFFEL 1 - 3 (2005)

Der Anfang der ersten Staffel entspricht ziemlich genau dem wovon das britische Original „The Office“ gehandelt hat, eine Serie die meiner Meinung nach das Beste ist was TV bisher je hervorgebracht hat. Der Witz des Originals ist intelligent, gewagt, kreativ, provozierend, herzlich, realitätsnah und vieles mehr, und ein Remake sollte ganz automatisch nicht mithalten können bei solch brillantem Ergebnis. Der deutsche Ableger „Stromberg“ bewies jedoch, dass man dem Ziel zumindest recht nahe kommen kann, ist er doch ebenfalls recht genial ausgefallen, wenn auch nur im Schatten des tragikomischen britischen Originals existierend.

Im Gegensatz zum deutschen Ableger „Stromberg“, der in unserem Land nach „Das Büro“ mit Ingolf Lück bereits der zweite Versuch war „The Office“ für den deutschen Markt umzusetzen, orientiert sich die amerikanische Version inhaltlich wesentlich näher am britischen Original als es das sehr freizügige Remake mit Christoph Maria Herbst in der Hauptrolle tat. Die Amis taten das was sie unter dem Remake-Prinzip seit je her verstehen, sie drehten die bereits erzählte Geschichte einfach noch einmal.

Doch der Pilotfilm des amerikanischen „The Office“ zeigt dass kulturelle Differenzen sich nicht einfach dadurch lösen lassen, dass man einige Inhalte dem amerikanischen Leben angleicht. Es reicht nicht aus amerikanische Promis, Serien und Gesellschaftsprobleme in das ansonsten fast identische Drehbuch des Originals zu stopfen. Leider versucht man genau dies im Piloten, und so darf man dabei zusehen wie überforderte Mimen den subtilen Humor von Gervais Serie nicht verstehen und Regieanweisungen versuchen dem Amerikaner etwas mit überzogenen Minen und Taten verstehen zu lassen, was er in der Regel nicht verstehen kann.

Glücklicher Weise schien man dies zu erkennen, und bereits in der zweiten Folge ist zu erkennen dass die Serie, die bei uns u.a. auch unter dem Alternativtitel „Das Büro“ lief, versucht sich vom Original zu lösen um eigenständigere Wege zu gehen. Als Vorlage für Episode 2 dient die Idee der Episode 3 des Originals, allerdings wird das Thema der Fortbildung, von welcher die Folgen handeln, abgeändert und sie dient dem amerikanischen Remake lediglich als Aufhänger. Erreichen wir Folge 3 befreit sich „The Office“ endgültig von „The Office“ und findet seinen eigenen Drive, der sich nach 6 Folgen der ersten Staffel zudem darin zeigen wird, dass die kommenden Staffeln aus je über 20 Episoden bestehen werden, so wie es für amerikanische Serien üblich ist.

Freilich konnte man sich aufgrund des Piloten nie ganz vom Original lösen, der Betrieb bleibt ein Papiervertrieb, der Chef hält sich für einen Entertainer, und eine unglückliche Liebschaft besteht zwischen einem Angestellten und der süßen Frau von der Rezeption. Als typische amerikanische Sitcom durchgezogen nutzt man diese Grundlagen jedoch für völlig eigene Ideen und Geschichten. Warum man allerdings dabei blieb die Serie im Dokuformat zu belassen, will sich mir nicht erschließen, weiß die amerikanische Serie doch inhaltlich nichts mit dem Stil anzufangen, so dass es immer unlogischer wird dass sich die Leute filmen lassen, je tiefer die Serie ins Geschehen eintaucht.

Schließlich befinden wir uns nun endgültig in einem typisch amerikanischen Produkt, bei welchem bis auf kleine rote Fäden am Ende immer alles wieder auf Null zurückgeschraubt werden muss, um immer wieder einen neuen albernen Aufguss des Aufhängers, dem Büroalltag, zu präsentieren. Der ursprüngliche Aufhänger der Aufgabe einer der bestehenden Filialen wird lange Zeit aus den Augen verloren und schließlich relativ einfach gelöst, um ihn endlich aus dem Weg zu haben. Die Komik fällt wesentlich alberner aus als im Original und ist Kilometer weit von deren Genialität entfernt. „The Office“ soll einfach eine geistlose Sitcom zum Abschalten nach dem gestressten Arbeitsalltag sein, und kann man dies akzeptieren und die US-Sitcom als etwas Eigenständiges sehen, dann weiß dies auf banaler Ebene auch zu funktionieren.

Sicherlich ist „The Office“ verglichen mit dem britischen Original eine Beleidigung und eher ein Produkt zum Fremdschämen. Als Serie für sich betrachtet, die gar nicht den hohen Anspruch des Originals an sich selber stellt, geht das Produkt jedoch in Ordnung, auch wenn es selbst dann nicht auf einer Höhe mit den wahrlich geglückten Sitcoms Amerikas steht, wozu meiner Meinung nach u.a. „The Big Bang Theory“ oder „Die wilden 70er“ gehören. Das Ergebnis befindet sich eher auf dem simplen und massentauglichen Niveau von „Hör mal wer da hämmert“, „Two and a Half Men“ und Co, alles Serien die weder einen Intelligenzpreis gewinnen würden, noch durch einfallsreiche Komik glänzen, die man allerdings für den trivialen Zeitvertreib für zwischendurch aufgrund ihrer Kurzweiligkeit ruhig anschauen kann.

Leider ist die deutsche Synchronisation ziemlich übel ausgefallen. Zwar gewöhnt man sich mit der Zeit an sie, selbst an die Stimme des grummeligen Dicken, die zum peinlichsten gehört was ich je in einer Synchro einer Erfolgsserie gehört habe (und das ist sie mit 9 Staffeln), gut sieht jedoch anders aus. Dass sich der schlichte Charme der Serie trotzdem durchsetzen kann, spricht für „The Office“ und ist hauptsächlich den Charakteren zu verdanken, auch wenn es im Vergleich zum Original auch hier derbe Abstriche zu verzeichnen gibt.

Die Rezeptionistin ist völlig austauschbar besetzt, der Angestelle der sich in sie verliebt hat ist kein charmanter Loser mehr sondern eine unsympathische Grinsebacke. Aber zumindest wissen die anderen zwei Hauptfiguren zu gefallen, sofern man das Original ausgeblendet bekommt. Ohne dieses im Kopf entpuppt sich Steve Carell als gute Entscheidung für die Rolle des untalentierten, infantilen Chefs, welcher immer wieder Aufmerksamkeit für sich benötigt. Und Rainn Wilson in der Rolle des Büro-Rambos ist eine Show für sich, wird sein Charakter doch zu einer übertriebenen Comicfigur wie sie Ernie für die „Stromberg“-Reihe wurde. Zudem wissen auch die meisten Nebenfiguren zu gefallen und zu wirken, auch wenn sie stets recht eindimensional für ein Klischee stehen müssen. Auch erst spät dazu stoßende Figuren wissen sich einzufügen und die Serie zu bereichern.

Dank der erweiterten Folgenzahl und der Belanglosigkeit des winzigen roten Fadens der sich durch die Staffeln schlängelt, sind Dinge möglich, die im Original nicht möglich waren. Sie waren dort auch nicht erforderlich. Aber das amerikanische „The Office“ hat in seiner schlichten Erscheinung jeglichen positiven Aspekt nötig, um nicht in die vollkommende Belanglosigkeit hinabzugleiten. Und so spielt das Drehbuch recht interessant noch lange mit den Folgen eines One Night-Stands zwischen Michael und seiner Chefin. Und auch die Liebschaft zwischen der Rezeptionistin und Jim weiß einige Überraschungen zu bieten. Dass der Soap-Gehalt der Sitcom halbwegs zu funktionieren weiß, erkennt man spätestens daran dass Jim einem trotz seines unsympathischen Charakters tatsächlich leid tut, wenn er aufgrund höherer Umstände stets zurückstecken muss.

Im Gesamten besteht die Serie in ihren ersten drei Staffeln aus ständigen Aufs und Abs mit mal weniger und mal geglückteren Folgen, Ideen, Witzen und Soap-Momenten. Mit dem Original sollte man die amerikanische „The Office“ ab Folge 3 nicht mehr vergleichen. Zuvor ist dies aufgrund der inhaltlichen Gleichschaltung kaum möglich, aber ab da wo die Serie ihre eigene Identität entdeckt und weiß was sie will geht sie als trivialer geistiger Abschalter durchaus in Ordnung. Damit ist das Ergebnis zwar um Lichtjahre schlichter ausgefallen als meine Lieblingsserie auf welche die hier besprochene Serie basiert, aber ich war erstaunt dass die Amerikaner auf ihrem wesentlich plumperen Niveau trotzdem etwas geschaffen haben, dass auf routinierter Ebene Laune macht weiter verfolgt zu werden.  OFDb

05.04.2015

MUPPETS MOST WANTED (2014)

Ich war von dem Versuch Hensons Filzpuppen wieder auf die Kinoleinwand zu bringen nicht sonderlich begeistert. „Die Muppets“ war zu brav, zu anbiedernd, ein typisches kalkuliertes Produkt, mittendrin badend in der Political Correctness, die ich so verabscheue. Dementsprechend bin ich mit geringen Erwartungen an die Fortsetzung, dem mittlerweile 8. Kinofilm der Puppen, herangegangen. Dass ich trotzdem ein wenig Hoffnung hatte der Film könne etwas taugen lag zum einen an der Geschichte, die äußerst reizvoll klang und zum anderen an Ricky „The Office“ Gervais, der den menschlichen Hauptpart übernahm und den ich für seine Komik und sein schauspielerisches Talent sehr schätze.

Und was soll man sagen? „Muppets Most Wanted“ ist nicht nur wesentlich charmanter ausgefallen als sein träger Vorgänger, er ist trotz mancher Schwachstellen sogar einer der unterhaltsamsten Filme der Filzpuppen geworden. Das böse Kermit-Double hat eine derart fiese Fresse, dass ich noch bis hin zu seinem letzten Auftritt über dessen Mimik lachen konnte, so gelungen ist diese ausgefallen und macht somit viel am Gesamtergebnis des Streifens aus. Auch bekommen die Nebenfiguren viel mehr Beachtung geschenkt als im Vorgänger, gerade Adler Sam hat eine herrliche Nebenrolle ergattern können. Lediglich die in den 90er Jahren durch „Muppets Tonight“ neu hinzugestoßenen Puppen huschen wenn überhaupt nur mal kurz durchs Bild. Das ist schon schade, allein Andy und Randy Pig sowie der Bär Bobo haben ein ungeheures Humorpotential zu bieten auf welches der aktuelle Kinofilm komplett verzichtet.

Zudem fehlt „The Muppets 2“ (Alternativtitel) etwas, das den meiner Meinung nach besten Muppetsfilm „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ so viel Rückhalt gegeben hat: gute Songs. Dass die Puppen singen ist ein Übel das jeder Film mitträgt, aufgrund des Ursprungs der Helden, „Die Muppet Show“, gehört es freilich trotzdem irgendwie mit dazu, ob man es mag oder nicht. Aber bislang hat es nur die Muppets-Verfilmung von Dickens Weihnachtsgeschichte geschafft gelungene Lieder hervorzubringen. Trotz der eher uninteressanten Songs im hier besprochenen Film haben die Musikszenen denen des Vorgängers „Die Muppets“ trotzdem eines voraus: sie sind in die Geschichte eingebunden und nicht lediglich zur reinen Selbstdarstellung der menschlichen Darsteller gedacht. Die einzige negative Ausnahme diesbezüglich bildet der Gastauftritt von Celine Dion, die sich selbstverliebt wie in ihrem Musikvideo zu „My Heart Will Go On“ präsentiert innerhalb einer Szene, auf die man auch hätte verzichten können.

Lustiger Weise ist sie der einzige Star der negativ auffällt, und an Gaststars hat man wahrlich nicht gespart. Til Schweiger, Christoph Waltz, Danny Trejo, Ray Liotta, sie sind alle mit dabei und mittendrin auch Newcomerin Chloe Grace Moretz, die ich nicht einmal erkannt habe. Von ihrer Anwesenheit habe ich erst im Abspann gelesen. Schade! Aber ich habe „Muppets Most Wanted“ mit Sicherheit nicht zum letzten Mal gesehen, denn er ist herrlich witzig, kurzweilig und unverkrampft ausgefallen, teilweise sogar so frech wie die urigen Werke der Filztruppe, was einem kleinen Wunder gleicht. Bei meiner nächsten Sichtung werde ich also einen Blick auf Chloe werfen.

Lediglich das Einbringen der neuen langweiligen Muppet-Puppe, die mit dem Vorgänger neu zum Muppet-Universum hinzugestoßen ist, wäre nicht nötig gewesen. Die hat dem Film nichts zu bieten außer dem Wiedererkennungswert, dass man es mit einer Fortsetzung zu „Die Muppets“ zu tun hat. Trauriger Weise war der ein Hit, sonst hätte man sich davor hüten müssen mit dem in einen Topf geworfen zu werden. Andererseits hat dessen Erfolg erst die hier besprochene Fortsetzung ermöglicht, ein weiterer Grund warum man über die geglückte Stil-Verschiebung so überrascht sein darf. Danke dass „Muppets Most Wanted“ kein Klon seines Vorgängers wurde, sondern ein Streifen mit Charakter und dem Verständnis der Figuren, die er sich aus den 70er Jahren entliehen hat. Jetzt kann man nur noch hoffen dass Bobins zweite Regiearbeit eines Muppetfilms erfolgreich genug für eine weitere Fortsetzung war.  OFDb

19.03.2013

NACHTS IM MUSEUM (2006)

Larry wird Nachtwächter in einem Museum. Was wie ein ruhiger Job klingt, entpuppt sich als nervenaufreibende Aufgabe. Denn durch ein magisches Objekt erwachen jede Nacht alle Ausstellungsstücke zum Leben. Soldaten bekämpfen sich, Dinosaurierskelette wandern umher, bei all dem Treiben ist es gar nicht so einfach für Ordnung zu sorgen...
 
Lebendige Geschichte...
 
Bei "Nachts im Museum" rechnete ich mit einem dieser fantasielosen und kitschigen als Familienfilm getarnten Effekt-Werke aus Amerika a la "Hook" und "Jumanji". Stellenweise funkelt das politisch korrekte, gefühlspolierte Niveau dieser Werke zwar durch, aber überraschender Weise macht das ganze sogar ziemlich Spaß. Unterstützt durch wirklich hervorragende Tricks und einem Staraufgebot, das in dieser Extreme wieder einmal nicht nötig gewesen wäre, bekommt man hier eine kunterbunte Geschichte präsentiert, bei der die Formulierung "für die ganze Familie" endlich mal wieder passt.

Ben Stiller glänzt wie immer, ist aber eigentlich ein viel zu talentierter Komiker, um in einem solch routinierten Film eines Genres mitzumachen, in welchem schon Robin Williams (der auch hier mitmacht) des öfteren auf die Nerven ging und seinen Ruf zerstörte. Man kann nur hoffen, dass er diesem Subgenre nicht so treu bleibt wie Williams, der hier in seiner Nebenrolle überzeugt.

Die schauspielerische Überraschung dieses Films war Owen Wilson. Der gute Freund Stillers, der in vielen seiner Filme auftaucht, ist einer jener Schauspieler, die so bekannt sind weil man sie ständig sieht, nicht aber unbedingt wegen ihres herausragenden Talentes. In meinen Augen ist Wilson auch weniger ein Schauspieler als viel mehr ein (sympathischer) Darsteller, und in "Nachts im Museum" wurde ihm eine Rolle beschert, die er mit sichtbarer Spielfreude im kindischen Cowboyspiel zum Besten gibt. Einige der Lacher und Schmunzler sind ihm zu verdanken.

Die Geschichte selbst ist relativ banal, wird im groben auch inhaltlich erklärt, damit das ganze nicht komplett sinnlos wirkt. Allerdings herrscht bei inhaltlichen Kleinigkeiten dennoch Erklärungsnot. Viel zu vieles muss man einfach hinnehmen. Stinken die Tiere nicht, wenn sie lebendig werden? Hört draußen vor dem Museum keiner das Treiben dessen was innen geschieht? Nur zwei von wirklich vielen offenen Fragen. Zumindest achtete man darauf, dass auch jeder kleine Handlungsstrang nicht (all zu sehr) ins Leere läuft. Was angefangen wird, wird auch beendet, und sei es im Falle der drei gelungen besetzten Nachtwächter erst nach den ersten Schriftzügen des Abspanns.

Der "Vater ist der Beste"-Schnulz, wie er für einen US-Familienfilm typisch ist, ist diesmal erträglich, da nicht komplett dick aufs Brot geschmiert, eingebracht. Viel nerviger jedoch ist die Haltung der Mutter, die für uns als nicht ganz so pseudopolitisch korrekten Europäer schwer nachvollziehbar ist. So wie sie ihr Kind vor allem Bösen beschützen will, würde jeder vernünftige Pädagoge Amok laufen. Dieses Überbehüten des Kindes und der mit Schnulzgerede diskriminierende Umgang mit dem männlichen Elternpart ist aber, laut amerikanischer Filme, Alltag in den USA. Man kann nur hoffen, dass dies ein Filmklischee ist und nichts weiter. Filme wie "Der Dummschwätzer" sind aber auch in diesem Bereich extremer als „Nachts im Museum“.

Letzten Endes hat man es hauptsächlich Ben Stiller mit seiner Darbietung zu verdanken, dass der ganze Trubel guter Elemente auch zu einem gelungenen Ganzen wird. Das nächste mal möchte ich ihn aber lieber wieder in einer seiner schrägeren Komödien sehen oder gern auch wieder tragikomisch wie in "Die Royal Tenenbaums". Eine bessere Beurteilung würde ein solcher Film von mir erst dann bekommen, wenn er den unzumutbaren typischen US-Kitsch endlich einmal komplett aus dem Drehbuch verbannen würde. Etwas mehr Individualität hätte "Nachts im Museum" zu einem besseren Ergebnis verhelfen können. Denn eins ist klar: Eine routinierte Geschichte bekommt man nicht wesentlich flotter durch tolle Effekte und namhafter Darsteller.  OFDb

27.11.2012

THE OFFICE - STAFFEL 1 (2001)

David ist Abteilungsleiter im Büro einer Firma für Papierhandel. Einer von zwei Standorten soll geschlossen werden, deshalb schaut Davids Vorgesetzte dem Chef nun etwas genauer auf die Finger...

Stromberg – Das Original... 
 
Manch einer weiß es noch nicht: "Stromberg" ist das Remake einer britischen Büro-Satire mit dem Namen „The Office“. Im Gegensatz zum amerikanischen Remake hat das Original bisher keine deutsche TV-Veröffentlichung bekommen und führt ein einsames Leben auf dem DVD-Markt, lediglich deutsch untertitelt.
 
Die Serie ist eine Pseudo-Doku. Ein Kamerateam beobachtet das alltägliche Treiben im Büro einer Papiervertriebsfirma, führt Interviews durch und ist manchmal dann zur Stelle, wenn Mitarbeiter sich unbeobachtet fühlen. Man sieht, das Prinzip ist grundlegend das selbe wie unser „Stromberg“-Erfolg, zunächst auch in der Geschichte, die eingeleitet wird mit einer Rationalisierungssituation. Die Firma hat zwei Betriebe in unterschiedlichen Standorten, eine davon soll geschlossen werden.

Im Gegensatz zur deutschen Interpretation der Erfolgsserie konzentriert sich „The Office“ lediglich zwei Folgen lang auf diese Geschichte und greift sie erst wieder deutlich in der Finalfolge auf. Das klingt nach wenig, macht aber immerhin 50% der Serie aus, besteht sie doch gerade mal aus 6 Folgen.

In diese packte man dann auch so viel rein wie geht, so dass der reichhaltige Humor einem Eisberg gleicht. Die Spitze ist der laute, massentaugliche Humor, den größeren Teil macht die eher unauffällige Komik aus: Mimiken, Gesten, Sprechpausen, Angedeutetes, Nebensätze, selbstverräterische Äußerungen, zunächst banal klingende Informationen, Charaktervertiefungen, Reaktionen, ja sogar Bereiche wie Maske und Setting sind Auslöser für Lacher und Schmunzler.

„The Office“ auf den typisch britischen Humor zu reduzieren, würde dem Niveau dieser Satire nicht gerecht werden. Das wäre das selbe, als würde man "Stromberg" auf die „Der böse Boss“-Nummer reduzieren. Nichts könnte falscher sein.

Wichtig für die Geschichte sind folgende Figuren:

David Brent ist der Chef im Büro (gespielt von Ricky Gervais, der mit dieser Rolle die Hauptrolle spielt, zudem aber auch mit das Drehbuch schrieb, mit Regie führte und mitproduzierte). Vom Arbeitsgeschehen hat er eigentlich keinen blassen Schimmer. Seine Aufgabe sieht er eher als Entertainer. Eine humorvolle Atmosphäre unterstützt das wichtigste Gut einer Firma: seine Mitarbeiter. Brent liegt mit seinem selbstüberschätzten Humor jedoch häufig daneben. Er tut Menschen weh, bringt Gags zur falschen Zeit, ist nicht wirklich witzig, und wenn eine Pointe gegen ihn geht, ist der Humor blitzschnell verschwunden. Brent argumentiert meist mittels Ausreden. Diese widersprechen sich hinten und vorne, was sogar soweit geht, dass eigentliche selbstgenannte Grundprinzipien mit extremen Situationswechseln schneller über Bord sind und das Gegenteil regiert, als man piep sagen kann. Brent hat Probleme mit einer Frau als Vorgesetzte, betrachtet sie auch nicht wirklich als Chef, vertritt vor ihr aber seine im Gegensatz zur Chefin stehende Position zu den Aufgaben eines Chefs. Ohnehin besitzt Brent wesentlich mehr Rückrat als der olle "Stromberg" und weiß immerhin einige Situationen nicht nur per Zufall zu lösen, im Gegensatz zu seiner deutschen Version.

Brents Stellvertreter ist Gareth. Das Büro ist klein, eigentlich wird kein Stellvertreter benötigt, und es gibt den Titel weil es ihn halt gibt. Aber Gareth hält an seiner Position stark fest. Er ist der einzige, der dies ernst nimmt, sieht sich als zweiter Chef, glaubt Sachen zu dürfen die er nicht darf, plappert Brent eigentlich nur alles nach und ist seinem Boss gegenüber lediglich ein Mitläufer ohne Rückrat, was weder für Brent noch für die Arbeitskollegen unübersehbar ist. Gareth selbst hält sich jedoch für einen cleveren Taktiker, glaubt seine charakterlichen Mängel überspielen zu können und verweist gerne auf seine Zeit in der Landwehr, von der er nur allzu gern redet und Kollegen ihn ebenso allzu gern damit aufziehen. Gareth ist die Comicfigur der Serie, ist quasi der britische Ernie (Berthold aus „Stromberg“), wenn auch charakterlich völlig anders konzipiert.

Am Nebentisch von Gareth arbeitet Tim, der des Alltags überdrüssig ist. Seine Arbeit langweilt ihn, er will mehr. Er schafft es sich jedoch nie zu treten, er hat keine Motivation. Dass dies tiefer geht als es klingen mag, zeigt sich allein in der Tatsache dass er mit 30 noch bei seinen Eltern wohnt, selbst zum Auszug konnte er sich bisher nicht motivieren. Das Treiben im Büro und in der Welt sieht Tim gar nicht mal unclever. Hin und wieder gibt er bissige Kommentare ab, die aber wieder jede Wirkung verlieren, wenn noch im selben Satz seine dumme Seite zum Vorschein kommt. Etwas vergleichbar wäre er mit der Spence-Rolle aus „King Of Queens“, lediglich der Grad der Bildung trennt die beiden voneinander. Tim hat optisch etwas vom deutschen Ernie, wirkt eher ungepflegt, aber nicht in der Extreme wie Ernie. Tim weiß nicht was er aus seiner Frisur machen soll, zieht sich schluderig an, ihm fehlt fast jede Form von Lebensenergie. Diese lebt nur in einem Verzweiflungspunkt auf: im Kleinkrieg mit Gareth. Tim und Gareth führen ein dauerhaftes infantiles Gefecht, in der mal der eine und mal der andere die besseren Karten hat. Nur durch den end- und sinnlosen Kampf schafft es Tim den Arbeitsalltag zu überstehen, in einer Arbeit, die kein Talent von ihm fordert, in einem Alltag, der jeden Tag das gleiche ist. Einziger Lichtblick neben diesem Krieg ist seine Zuneigung zur Empfangsdame Dawn. Tim kann ihr jedoch nicht ehrlich gegenüber treten. Der Versuch einer Annäherung endet stets im Leugnen der ursprünglichen Absicht und reiht sich in seinem Erfolg somit der Wohn- und Arbeitssituation ein.

Empfangsdame Dawn ist die einzige Figur in der Serie, die von den Stammmitarbeitern von Anfang an einen Hals auf Brent hat. Sie mag ihre Arbeit ebenfalls nicht, ist seit drei Jahren mit einem fragwürdigen, etwas dominanteren, Mann verlobt, der es liebt Tim zu verarschen. Eigentlich mag Dawn Tim auch, aber sie ist auf etwas devote Art an ihren Verlobten gebunden, warum weiß sie wahrscheinlich auch nicht. Dawn bekommt Brents Treiben aus nächster Nähe mit, ist bei Gesprächen mit Brents Chefin dabei, kann ihren Boss bei fragwürdigen Vorbereitungen beobachten, kurzum: sie hat genug Gründe ihren Boss nicht leiden zu können. Eher still und zwischen den Zeilen gibt sie ihm Konter, denn sie weiß ja, wie schnell aus dem Humoristen ein eingeschnapptes Ekel werden kann, das unter fadenscheinigsten Argumenten Frechheiten ihm gegenüber nicht gut heißt.

Finch kommt nur in zwei Episoden vor, ist aber wichtiger als manche Figur, die in jeder Folge zu sehen ist. Finch ist der beste Freund von Brent, arbeitet aber auch unter ihm. Brent sieht sich als Ebenbild von Finch, der immer als sehr lustig, niveauvoll und intelligent beschrieben wird. Brent hat diese Eigenschaften nicht, sonnt sich aber in Finchs Ruf und projiziert ihn damit auch auf sich. Finch ist jedoch alles andere als das, was man über ihn sagt. Finch lacht, wenn die Komik von seiner Seite kommt. Sein Humor ist primitivster Altherren-Humor. Dreht sich eine Situation gegen ihn wird der Himmel schneller dunkel als man glauben sollte. Finch ist gebildeter als Brent, aber nicht gebildet. Was Finch zu dem macht, was er ist, ist sein aufgepuschtes Selbstbewusstsein und sein Talent gut reden zu können. Das blendet nicht seine eigentlich plumpe Art, er weiß sich jedoch auf dem von ihm gewollten Niveau Respekt zu verschaffen. Gebildete oder zivilisierte Leute schmunzeln freilich über einen Typ wie Finch, aber der gibt sich ohnehin nur mit Menschen ab, die ihn toll finden. Der Rest erntet nur Hohn. Um Finch wird von Anfang an ein riesiger Aufruhr gemacht. In Folge 1 wird erwähnt was für eine Humor- und Saufgranate er sei, in Folge 2 wird sein Charakter vertieft, ohne dass er aktiv vorkommt. Man erfährt etwas über seinen abartigen Humor, über seine Position zum Thema Freundschaft und darüber, wie sehr Brent ihn als Freund braucht, sieht sich dieser in Folge 2 doch nicht einmal in der Lage Finch zu kündigen, obwohl es allen Grund gibt und Brents Chefin dies sogar von ihm fordert. Dass ein ekeliger Charakter wie Finch nicht ohne Erfolge bleibt, die ihn in seiner Art bestätigen, ist klar. Schwache Charaktere beten ihn an, lieben seinen Humor, und wie man Frauen aufreißt weiß der werte Herr auch. Typisch für seinen Charakter ist es selbstverständlich, dass Finch seine Bettgeschichten weitererzählt und etwas ausschmückt, um sich auf diese Art erneut vergöttern zu lassen.

Häufigere Auftritte haben Brents Chefin, die immer wieder schockiert über die Respektlosigkeit Brents ist. Dann gibt es eine junge Frau, die unter dem Schutz Brents steht. Er versprach ihren Eltern auf sie aufzupassen und lässt sie bei sich wohnen. Ein Neuer, geschickt von einer Zeitarbeitsfirma, bekommt innerhalb der Serie mehr Bedeutung als es zunächst den Anschein macht und erweist sich immer wieder als Gegenpart zu Finch. Der Rest kommt entweder für eine Folge vor oder gehört zum Inventar, wenn auch meist mit Sprechszenen versehen.

Gecastet wurde hier jede Figur brillant. Finch, Brent und Gareth sind die drei auffälligsten Figuren, die wohl jeder komisch finden wird. Als besonders gute Schauspieler beweisen sich aber auch die Akteure der Rollen Dawn und Tim. Das hebe ich nur hervor, da sie auf dem ersten Blick etwas untergehen. Gute Schauspieler sind sie alle, egal wie groß oder klein eine Rolle ist. Eine derart perfekte Besetzung sah ich bisher noch selten und kann auch hier wieder nur auf „Stromberg“ verweisen, bei dem in den ersten beiden Staffeln gleiches der Fall war. Tims Rolle ist der Haupteckpfeiler, wenn es darum geht den schwarzen Humor, der die Serie wie ein roter Faden begleitet, so weit zu treiben, dass er so bitterböse wird, dass man nicht mehr lachen kann und die Komik in Tragik umschwenkt. Um Tim gibt es einige stille Szenen, die dieser mit seiner Mimik trotz ihrer Übertreibung realistisch rüberzubringen weiß.

Ein Talent, das auch Regie, Drehbuch und der Restcast beherrschen: Trotz seiner Übertreibungen in Story und Figuren, wirkt „The Office“ lebensnah und griffig. Lediglich Gareth ist eine zu Fleisch gewordene Comicfigur, überzogen gespielt, bis hin zu seiner Art ein Handy zu transportieren ins Lächerliche gezogen und so muss es auch sein. Seine unechte Art ist nicht negativ zu sehen, macht es die Figur Gareth doch zu etwas besonderem. Letztendlich erkennt man auch in Gareth jede Menge Eigenarten aus dem wirklichen Leben, sonst würde diese Übertreibung nicht funktionieren. Gareths Charakter beinhaltet allerhand menschliche Klischees in einer Extreme, wie sie zum Klischeedenken nun einmal dazugehört.

Die Folgen im einzelnen (enthält Spoiler):

Episode 1:

Der Alltag des Betriebs wird gezeigt, ein neuer Mitarbeiter aus einer Zeitarbeitsfirma stößt hinzu und Brent erfährt von den Plänen des Vorstandes einen von zwei Standorten zu schließen.

Die Einführung der Figuren wird gekonnt vorgenommen. Das zeigt sich besonders deutlich in zwei Momenten. Der eine ist Brents Unterhaltung mit Dawn ziemlich zu Anfang der Folge, in der man sofort erfährt was Brent von seinen Vorgesetzten hält, wie Brent sich selber sieht, dass Dawn ihn nicht leiden kann, und das sich der humorvolle Chef blitzschnell als völlig humorlos outet. Das ist viel für eine relativ kurze Unterhaltung und hat den Effekt mit der wichtigsten Figur der Reihe schnell warm zu werden. Der zweite Moment ist der, in dem Brent dem neuen Mitarbeiter sein neues Schaffensgebiet zeigt, bei seiner Führung durchs Büro lediglich unwichtige Punkte anspricht, immer wieder auf den Humor im Büroalltag verweist und nie etwas zu berichten hat, das direkt mit der Arbeit zu tun hat. Selbst das Vorstellen der Kollegen wird lediglich genutzt, um über private Erlebnisse, wie gemeinsame Saufabenteuer oder das Reparieren eines Autos, zu tratschen. Brent hat vom eigentlichen Geschehen im Büro wenig Ahnung, wüsste wahrscheinlich gar nicht, was es da zu erzählen gibt und bringt die Führung irgendwie hinter sich. Dass der Weg zum Ziel, nämlich den Humor über Wissen und Fähigkeit zu stellen, bzw. damit zu blenden, bei Brent meist der gleiche ist, wird durch diese Szene deutlich, unterstützt durch die zuvor erlebte mit Empfangsdame Dawn.

Episode 2:

Brents Chefin kommt zu Besuch, um zu schauen was er seit der Vorstandsmitteilung im Büroalltag verändert hat. Just an diesem Tag geht ein pornographisches Bild um, auf dem Brent veräppelt wird. Brent beauftragt Gareth herauszufinden, wer der Übeltäter war.

Dies ist Gareths große Folge, der während seiner Untersuchung sich durch allerlei Klischees wühlen darf und nun noch mehr als in Folge 1 verdeutlicht, was für ein mieser Charakter er eigentlich ist. Brent hingegen tritt seiner Chefin gegenüber in Fettnäpfchen, die man in der Extreme so früh in der Serie nie erwartet hätte. Das liegt allerdings auch daran, dass man als Deutscher „Stromberg“ im Kopf hat und zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht weiß, dass sich die Geschichte selbst völlig anders entwickelt, als das Remake unseres Landes.

Episode 3:

Das große alljährliche Büroquiz steht an Tims Geburtstag an. Brent und Finch sind das seit 6 Jahren ungeschlagene Gewinnerteam. Der Neue von der Zeitarbeitsfirma erweist sich allerdings als ernster Konkurrent.

Folge 3 entfernt sich von der Situation um die Pläne des Vorstands, präsentiert eine eigentlich unnötige Geschichte, die nicht erzählt werden müsste, nutzt diese aber um bisher Gezeigtes und Angedeutetes zu vertiefen. Mit wichtigster Punkt dürfte die Einführung Finchs sein, um den fast 2 ½ Folgen lang eine Erwartungshaltung aufgebaut wurde, die Finch auch zu erfüllen weiß. Eigentlich noch wichtiger als das Erscheinen dieser Randfigur ist die Vertiefung der Rolle Tim, deren Tragik nun immer deutlicher wird, bis hin zur sehr schwarzhumorigen Schlusspointe. Tims Figur wird unter anderem dadurch so griffig, weil er sich von den angeblich humorvoll gemeinten Angriffen nicht nur runterziehen lässt. Tim beweist hin und wieder Humor, zeigt dass er über sich selbst lachen kann, aber auch, dass er dies ab und an zum Selbstschutz anwendet. Deutlich wird auch erneut seine Liebe zu Dawn, ihre Position zu ihrem Verlobten und dessen zu Tim. Das Treiben rund ums Quiz verstärkt Gareths Charakter in Bezug auf Vorurteile, Fragwürdigkeit und seinem Wunsch auf Anerkennung. Es zeigt Finch von seiner humorlosen, aber auch nicht uncleveren Seite und outet Brent schlussendlich als Schaumschläger, der zwar gerne so intelligent wie Finch wäre, aber nie die richtige Lösung weiß. Zuvor wird diese Wahrheit deutlich, in einem Gespräch mit dem Neuen von der Zeitarbeitsfirma, das über einen Informationsaustausch im Büroalltag mit Brent zu einem persönlichen Kampf Finchs gegen „den Studenten“ wird. Dass dieser die Situation nicht als Kampf oder Kräftemessen versteht ist Tunnelblick-Denker Finch dabei ziemlich egal.

Episode 4:

Ein Seminar steht an, zur Auffrischung der Grundlagen im kaufmännischen Alltag. Brents Unwissenheit hält ihn nicht davon ab, sich stets in den Mittelpunkt zu stellen und den Seminarleiter damit zu nerven, zu verärgern und natürlich im gewissen Sinne zu degradieren.

In Episode 4 wird deutlich, dass Brent im Gegensatz zu „Stromberg“ trotz seiner Unfähigkeit nicht auf dem absteigenden Ast sitzt. Brent besitzt das Talent seine Unfähigkeit zu überspielen, teilweise zu tarnen, oder einfach zu ignorieren, in dem er auf seine Art verdeutlicht wer der Chef ist. Die Momente von Blöße sind kurzfristig. Nie steht das Wackeln seiner Position zur Debatte, nie wird es deutlich genug, um fortan der Bürokasperle für die Mitarbeiter zu sein, wie es, von mir nun etwas übertrieben beschrieben, in der deutschen Serie der Fall war. Brent sieht sich als Entertainer, und das kann er in dieser Folge auf herrlich übertriebene Art auch zeigen. Wie er dies macht, möchte ich nicht verraten, das gehört zu den größten Lachern der Folge und zu einem lang anhaltenden. Der Nebensatz „Er hat sie von zu Hause geholt“ wurde für mich zu einem der besten Witze der Serie und ist ein ideales Beispiel für den Humorbereich, der lediglich angedeutet wird und die Phantasie des Zuschauers zu beflügeln weiß. Wichtig ist in dieser Folge auch das Geschehen rund um Tim. Das Seminar gibt dem ohnehin schon desillusionierten Mann nun endgültig den Ruck zu kündigen, um fortan zu studieren. Im Zuge dieses Willens, sein Leben umkrempeln zu wollen, kommt ihm ein Streit zwischen Dawn und ihrem Verlobten auch sehr gelegen, um sie zu einem Rendezvous einzuladen. Der besagte Streit wird jedoch von jedem im Büro falsch interpretiert. Während die Kollegen glauben, es wäre aus zwischen den Verlobten, ist der Vorfall schlichtweg nur ein Streit. Tims blamabler Versuch vor allen Leuten Dawn einzuladen, führt zu einem erneuten Rückzieher, das Gesagte als lediglich freundschaftlich gemeint haben zu wollen. Auch hier wird Tims Charakter noch einmal bestätigt, während er zeitgleich einen kleinen Wandel und eine Weiterführung erlebt. Großartig sind die Momente zwischen dem Seminarleiter und Brent, ein unausgesprochener Kampf der von Brent auf höchst ungewöhnliche Art ausgeführt wird. Ähnlich wie eine Situation aus Folge 3 empfindet Brents „Gegner“ die Situation jedoch gar nicht als Kampf, und versucht einfach sein Programm durchzuziehen, woran er mehr und mehr an Lust verliert. Brents Versuche das Seminar an sich zu reißen, sorgen immer wieder dazu, dass das Thema nicht eingehalten oder falsch verstanden wird, zunächst im fachlichen Bereich, später in einem völlig unabhängigen. Hervorzuheben ist auch noch das Anwenden eines Lehrfilmes, das dazu genutzt wird Lehrfilme, die 80er Jahre, Elemente kaufmännischer Arbeit und Musikuntermalung in Billigproduktionen zu parodieren. Dies läuft Hand in Hand mit der Vorbereitung zu dem, was sich später, wie oben erwähnt, zur thematischen Entgleisung immer weiter hochschaukeln wird. In meinen Augen ist Folge 4 die beste, natürlich nur im direkten Vergleich.

Episode 5:

Anstatt den Stellenabbau anzugehen, wie es die Chefin wünschte, stellt Brent eine neue Sekretärin ein, die er auch direkt in eine Disco einlädt, in die am besagten Abend die ganzen Mitarbeiter gehen. Dort wird gebaggert bis der Arzt kommt mit unterschiedlichen Erfolgen.

Aus der Situation rund um das Bewerbungsgespräch wird allerhand herausgeholt, eben dadurch dass einer der Bewerber ein Mann und der andere eine attraktive Frau ist. Innerhalb dieser Situation wird auch noch einmal deutlich, wie viel mehr Dawn im Vergleich zu ihren Kollegen mitbekommt, was ihre Haltung Brent gegenüber erneut unterstreicht. Im Gegensatz zu "Stromberg" wird Brent im allgemeinen gemocht, in kleinen Situationen gehasst, aber auch schnell wieder gemocht, wenn auch nur oberflächlich. Deswegen ist es wichtig Dawns anhaltende Antipathie zu ihrem Chef immer wieder zu verdeutlichen. Die aufdringliche Art Brents der neuen Sekretärin gegenüber, wird in der Disco verstärkt, was zunächst kaum möglich scheint, und in einer Extreme endet, wie sie frauenfeindlicher kaum sein könnte. Tims passive Art wird in der Disco ebenso wieder verstärkt, ebenso wie Gareths Rückratlosigkeit. Auch der Kampf zwischen Finch und dem Zeitarbeits-Fuzzi klingt noch einmal an, aus einem Grund, der wie ein kleines Rätsel vorher in die Serie eingebracht wurde. Die junge Dame, die Brent zu behüten hat, hat eine private Beziehung zu einem Mitarbeiter aufgebaut. Büroangestellte wie auch Zuschauer stehen vor der Frage, wer es ist. Auf die Auflösung kann man kommen, beim zweiten Gucken bemerkte ich einige Szenen, die bereits viel früher darauf hinarbeiteten. Ein kleiner Subplot am Rande ist die Situation zwischen Tim und Dawn. Beide werden nicht mehr warm miteinander, seit Tim versucht hat, sie für sich zu gewinnen. Tim streitet dies weiterhin ab, beide versuchen miteinander zu kommunizieren, was nicht nur zwischen den Zeilen für allerhand Komik sorgt, ganz besonders der Teil eines Gesprächsversuches der beiden, in dem es darum geht, gemeinsam bald mal einen trinken zu gehen.

Episode 6:

Brent bekommt das Ergebnis des Vorstandes mitgeteilt, das anders ausfällt als allgemein vermutet. Brent soll befördert werden, dementsprechend wird sein Büro aufgelöst und viele Mitarbeiter werden ihren Job verlieren. Genau an dem Tag steht eine Festlichkeit an. Auf der dafür stattfindende Party kommt selbstverständlich keine gute Laune auf, doch Brent weiß dieses Problem auf seine Art zu lösen.

Wer sich nun noch immer an „Stromberg“ orientiert hat, wird nun endgültig überrascht. „The Office“ handelt nicht vom beruflichen Abstieg eines Mannes, sondern schlichtweg davon, wie man es schaffen kann seinen Job zu halten und Karriere zu machen, ohne eigentlich dafür qualifiziert zu sein. Dass dafür andere ihre Probleme bekommen wurde in der Serie mehrfach deutlich, die Finalfolge geht nun einen Schritt weiter. Aus Benachteiligten oder Diskriminierten werden nun echte Opfer, Menschen die ihren Job verlieren. Wie das ganze endet und warum, soll hier nicht verraten werden, passt aber ungemein zu Brents Charakter. Außerdem wichtig für die Folge ist die Auflösung dessen, was nun mit Tims Kündigung ist. Das Ziel dieses kleinen Subplots schweißt Tim und Dawn freundschaftlich wieder aneinander. Gareth sieht seine Existenz gefährdet, wenn er zukünftig kein Stellvertreter des Chefs mehr sein darf. Wenn er dies nicht ist, was ist er dann? Brent erweist sich in einem Gespräch mit dem frustrierten Exsoldaten als einfühlsam und asozial gleichermaßen. Auf der Party zeigt Gareth schlussendlich, dass er auch anders kann.

Was „The Office“ deutlich von „Stromberg“ unterscheidet sind die Charakterisierung der beiden Chefs (Brent hat Talente, wenn auch keine die ihm seine berufliche Existenzberechtigung gäben, Stromberg hat keinerlei Talente außer wie ein Wasserfall reden zu können) und die Weiterführung des gleichen Ausgangspunktes. The Office“ begleitet keinen Mann beim beruflichen Untergang, die Sendung zeigt nur wie man es schaffen kann eine höhere Position zu halten, ohne die Fähigkeit zu haben den Job im eigentlichen Sinne ausführen zu können. Somit wird nicht nur im Kleinen der gesellschaftskritische Spiegel vorgehalten, sondern auch in dem groben Grundproblem an sich: Erfolg hat nicht mehr der, der fähig ist, sondern der, der weiß sich zu verkaufen. Erstaunlich ist daran, dass Brents Rolle keine Mitläufer-Rolle ist, die sich ewig nach oben einschleimt. Mit einer solchen Haltung schafft man es nur zum Stellvertreter Brents. Es ist schön zu beobachten, dass Brent seine Haltung häufig mit Stellungnahmen unterstreicht, die theoretisch vernünftig, ja sogar vorbildlich klingen, aber doch nur zum Blenden verwendet werden und dem Klischee nach nachgeplappert werden. Hinter seinen Äußerungen steht Brent eigentlich nie. Nicht nur dies wurde für „Stromberg“ übernommen. Selbst kleine Eigenarten der Figur, wie beispielsweise das nervöse Spiel mit der Krawatte, finden bereits in „The Office“ Platz.

Diese Büro-Satire ist mit das beste, was Fernsehen jemals hervorgebracht hat und wirklich jedem zu empfehlen. Überraschender Weise ist der Untertitel nicht störend. Das könnte man schließlich meinen, wenn so viele Witze durch Mimik und Gestik entstehen. Die Texte lesen sich glücklicher Weise schnell, sind deutlich zu erkennen und es gibt immer genügend Zeit auf das Spiel der Akteure zu achten. Mit einem Blick auf „Stromberg“ guckt sich „The Office“ zusätzlich interessant. Um vollkommen in der Serie aufgehen zu können, sollte man sich irgendwann aber von dem Vergleich lösen. Die völlige Andersartigkeit beider Versionen macht immerhin neugierig auf die amerikanische, italienische und französische Version. Wenn diese sich auf ähnliche Art unterscheiden wird es spannend. Denn „The Office“ ist sehr britisch und „Stromberg“ sehr deutsch. Wenn die anderen drei Länder auch nicht nur kopieren, sondern ihre eigene Humorkultur zum wichtigsten Aspekt machen, kann man nur erahnen wie deren Versionen wohl aussehen mögen.  OFDb

11.06.2012

WEN DIE GEISTER LIEBEN (2008)

Da er während einer Vollnarkose für einige Minuten tot war, sieht der Zahnarzt Bertram Pincus von nun an tote Menschen. Die sind völlig außer sich, dass sie jemand sehen kann und hoffen auf Hilfe. Zu dumm dass Pincus ein Egomane ist...

Die Geister, die keiner rief...
 
Die Geschichte eines Mannes, der nach seinem klinischen Tod Geister sieht, lockt im Komödiengewand heute sicherlich nur bedingt, gibt es doch seit der 80er Jahre immer wieder Fantasy-Komödien die mit vergleichbaren Ideen arbeiten. Die Besetzung mit dem Briten Ricky Gervais machte mich jedoch neugierig, spielte dieser doch sehr talentiert in seiner pointenreichen, wie genial selbst geschriebenen TV-Serie „The Office“, die zu dem Besten gehört was Fernsehen je hervor gebracht hat. Es ist nur leider so, dass Gervais nicht am Buch von „Wen die Geister lieben“ beteiligt war. Man sieht dem Film zwar den starken Einfluss Gervais‘ auf seine Rolle an, aber mehr ist da von seiner Seite aus nicht zu holen.

Stattdessen bastelte Regisseur David Koepp munter am Drehbuch herum, ein Mann den es eher in den ernsten Horrorbereich zieht. So drehte er u.a. den recht erfolgreichen „Echoes“ und die Stephen King-Verfilmung „Das geheime Fenster“ mit Johnny Depp. Einige recht interessante und komödientaugliche Ideen hat er mit im Gepäck, Ideen welche die Grundlage des Streifens bilden. So ist es, in etwa Vergleichbar mit den neu aufgedeckten Wahrheiten der Unsichtbarkeit in „Jagd auf einen Unsichtbaren“, wesentlich lästiger und folgenschwerer Geister in einer Großstadt zu sehen, als der Laie vermuten würde.

Nicht unterscheiden zu können wer lebt und wer tot ist bei einer solch großen Anzahl Verstorbener, macht es besonders schwierig nicht für geisteskrank gehalten zu werden. Da die Geister sich aus gutem Grund auf der Erde aufhalten, sind sie sehr lästig, nun wo sie wissen, dass sie jemand sehen kann. Zum Ende hin erfahren wir sogar, dass der Grund warum Verstorbene auf der Erde wandeln, ein anderer ist als vermutet, womit die Hauptgeschichte ebenfalls umgeworfen wird, in welcher der menschenscheue Zahnarzt sich in jene Frau verliebt, der er als Gefallen für einen Geist ihren neuen Liebhaber ausreden soll.

Hier erweist es sich als besonders knifflige Idee Bertram als menschenscheues Ekel zu charakterisieren, da im Gegensatz zu vergleichbaren Geschichten der Held eben nicht zur gelungenen Alternativlösung in Sachen Partnerwahl wird, sondern, ganz im Gegenteil, er nur der nächste Arsch wäre auf den die Frau des Verstorbenen hereinfallen würde.

Anlehnungen an die berühmte Weihnachtsgeschichte von Dickens sind sicherlich gewollt, auch wenn der Film sich sehr anders gibt. Immerhin steht auch hier der Wandel vom Ekel zum guten Charakter mit Hilfe von Geistern an. Den entscheidendsten Schritt zum besseren Menschen erfährt der Zahnarzt jedoch erst über einen Kollegen, der ihm eine entscheidende Frage stellt.

Inmitten all dieser Vielfalt an Ideen und getragen über den toll agierenden Gervais passiert es jedoch all zu oft, dass „Wen die Geister lieben“ in zu gewöhnliche Momente herab rutscht. Die Eckpfeiler der Geschichte sind gut, der Schluss auf den man hinarbeitet ebenso, aber inmitten dieser großartigen Elemente fehlt es häufig an Witz, kommt die Dramatik zu kurz, wirken die Aussagen zu verkrampft und moralisch und will die Romantik nie anstecken. So können die Stärken des Streifens zwar ein Herabrutschen in eine unterhaltungstechnische Enttäuschung verhindern, sie können den Film auf der anderen Seite jedoch mit so viel Ballast nicht zu einem großen cineastischen Erlebnis werden lassen. Dabei wären die Möglichkeiten durchaus vorhanden gewesen. Ach hätte man doch Gervais Hand ans Drehbuch legen lassen...!  OFDb

Nachtrag:

Einige Jahre und Sichtungen später muss ich den letzten Absatz revidieren, ist "Wen die Geister lieben" trotz einiger all zu bekannter Abläufe aus früheren Filmen dieser Art doch keineswegs ein Stück Routine mit großen Momenten versehen, sondern ein sensibler Film, der stets den richtigen Ton trifft. Das Drehbuch erweist sich als pfiffig und gekonnt, so wie es in Kombination mit einer guten Regie stets Ruhe ausstrahlt, während die Geschichte eigentlich mit einem ordentlichen Tempo voranschreitet, so viel wie es in geradezu klassischer Spielfilm-Laufzeit zu erzählen gibt. Sicherlich steht und fällt vieles mit Hauptdarsteller Gervais, aber er ist bei weitem nicht der einzige Pluspunkt dieses wundervollen Streifens.