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01.01.2017

VERRÜCKT NACH MARY (1998)

Laute grenzwertige Albereien machten die Farrelly-Brüder mit ihren Werken wie „Kingpin“, „Dumm und dümmer“ und „Ich, beide und sie“ berühmt, trafen sie in den 90er Jahren doch scheinbar den richtigen Nerv beim Publikum, so dass sich der Zuschauer kaum daran störte, dass die gerne Starbesetzten Filme eigentlich so gut wie keine Geschichte erzählten, eher sogar Nummerncharakter besaßen, die von einer Idee zur nächsten hüpften, gern als Road Movie versehen. Doch so sympathisch sich diese Werke guckten, sie zogen auch immer ein wenig an den Nerven des Zuschauers, besaßen ihre Durststrecken, und je nach Werk konnte der treffsichere Humor mal genügend dagegenhalten und manchmal nicht. Nur ein einziges Mal ist es den Farellys in ihren ur-typischen Komödien geglückt ein Sahnestück hervorzubringen, welches sich flott wie aus einem Guss schaut, und das ist „Verrückt nach Mary“, ihr bester Film bevor sie u.a. mit „Schwer verliebt“ humoristische Werke auch auf andere Art umsetzten.

„Verrückt nach Mary“ hat nach all den Jahren nichts von seiner Wirkungskraft verloren. Cameron Diaz spielt verführerisch rein, Ben Stiller agierte selten so gut wie hier, Matt Dillons Interpretation eines ungebildeten Unsensiblen ist eine wahre Wucht, und jegliche Nebenfigur weiß humoristisch mit den Hauptfiguren mitzuhalten, erleben wir hier doch nicht nur ein Meer episodenhaft aneinandergereihter schräger Ideen, die Charakterzeichnungen stehen den Situationen in ihrer individuellen Art in nichts nach. Das Faszinierende am Ergebnis des Streifens: „Verrückt nach Mary“ schaut sich wie eine Geschichte, gerade wenn gegen Ende manche Fäden zusammenkommen die bislang parallel liefen, und diese Täuschung schafft es, im Gegensatz zu vergleichbaren Farrelly-Werken, dass zu keinem Zeitpunkt ein Hauch von Langeweile aufkommt.

Allerdings haben die beiden Autoren und Regisseure auch selten solch einen wirksamen Humorcocktail zusammengestellt, wie im hier besprochenen Werk, verlässt sich „Verrückt nach mehr Mary“ (Alternativtitel) doch nicht einzig auf den lauten Humor (der anbei selten so treffsicher und fast schon niveauvoll eingesetzt wurde wie hier), trotz lauter Gangart wehen stets auch subtile Seitenhiebe mit einher. Es fällt kaum ein Satz der nicht vor Humor sprüht, stets wird ein Witz eingebaut, ob zur Unterstreichung von Chatrakteren, als Querverweis oder als sinnfreier Mumpitz.

Die Geschichte geht währenddessen lockerleicht von der Hand, fängt trotz seiner provokativen Querschläge mit Witzchen über Behinderte und anderweitig Benachteiligten eigentlich ziemlich harmlos und optimistisch an und legt erst im Laufe der Spielzeit offen wie hinterhältig die Welt ist und welche Wahrheiten hinter der scheinbar lügenfreien Fassade stecken. Einzig Mary bleibt rein und lieb, und das muss auch so sein, damit die Geschichte so funktionieren kann wie sie es tut. Zumal Cameron Diaz trotz dieser Einschränkung so wunderbar mitblödeln darf wie der Rest der Crew. Dass so ziemlich jeder mit viel Freude am Projekt dabei gewesen zu sein scheint, bestärkt noch einmal der Abspann, der zu einem gemeinsam mitgesungenem Lied einen Blick hinter die Kulissen wirft, ein Standard in den Arbeiten der Farrellys.

„Verrückt nach Mary“ besitzt einen Humor der cleverer ausgefallen ist als seine Lautstärke zunächst suggeriert (meine Lieblingsszene ist jene, in der es um die 7-Minuten-Übung geht), die Geschichte ist einfallsreicher ausgefallen, als sie in ihrer zunächst wilkürlich scheinenden Art vermuten lässt, und die Gagdichte gleicht jener der Werke des Zucker/Abrahams/Zucker-Gespanns, zumindest wenn man erst einmal bemerkt hat, dass neutral scheinende Äußerungen bereits einen Witz beherbergen. Wie gesagt fällt kaum ein Satz ohne Humorgehalt. „There‘s Something About Mary“ (Originaltitel) ist ein charmantes Liebhaberstück für jene Freunde humoristischer Werke, die verstanden haben dass Klamauk und Intelligenz sich nicht widersprechen. Bei der x-ten Sichtung muss ich noch immer laut lachen, selbst dann wenn man nichts Neues für sich entdeckt hat. Letztendlich lebt der Film davon, dass er sich wie ein zu Fleisch gewordener Comicstrip guckt.  OFDb

27.12.2016

THE BOX - DU BIST DAS EXPERIMENT (2009)

Das Problem an „The Box - Du bist das Experiment“ ist der, dass bereits sein an die „Twilight Zone" erinnernder Aufhänger völlig blödsinniger Natur ist. Würde dem Pärchen irgend etwas näher erklärt, so dass aus Worthülsen eines wirr wirkenden Fremden mehr als leeres Geschwätz wird, könnte man mit der Verführung der beiden arbeiten, die dann, wie geschehen, eine Geschichte in Gang setzt, deren weiteren Verlauf die beiden nicht erahnen konnten, sich aber dennoch selbst zuzuschreiben haben. So wie erzählt würde jedoch nie irgendwer die Worte des Fremden ernst nehmen. Seine Geschichte ist an den Haaren herbei gezogen, das Kästchen völlig leer, man würde höchstens verspielt den Knopf drücken, da ohnehin nichts geschehen würde. Aber ernsthaft über die Sachlage diskutieren und sich gar verunsichern lassen, würde jede erwachsene Person in diesem Universum ganz sicher nicht.

„The Box“ ist ein Film, der gerne ein aufregender zweiter „The Game“ wäre, versehen mit übernatürlichen Elementen, die einen in eine andere Wahrnehmung entführen, während den Protagonisten die Luft zum Atmen genommen wird. Nun soll es ihnen an den Kragen gehen. Gibt es eine Chance den Hals aus der selbstgeknüpften Schlinge zu ziehen? Besteht Hoffnung wenn der Test doch auf pseudo-philosophische, esoterische Art nach Hoffnung sucht? Das ist alles zu konstruiert, zu sehr gewollt und leider, leider völlig geistlos erzählt, so dass nur all zu naive Persönchen den Film zu ernst nehmen können. Das Problem: wer es nicht kann, hat auch nichts davon zuzuschauen. Der muss sich über 90 Minuten lang viel zu ernst erzählten, albernen Mumpitz ansehen, der gerne irre tiefgründig wäre.

Hätte ich nicht irgendwann den Director‘s Cut von „Donnie Darko“ gesichtet, würde ich mich wundern warum der Regisseur und Autor Richard Kelly mit dem einen Werk ein tiefgründiges Meisterwerk geschaffen hat und mit dem anderen geistigen Durchfall. Doch eben jener Director‘s Cut dieses eigentlichen Liebhaberstücks (die klassische Fassung gehört zu meinen Top 5 überhaupt) weist ähnliche Schwächen auf, wenn auch nicht ganz so gravierend, an denen auch der hier besprochene Film leidet. „Donnie Darko“ wurde im DC seiner Mystik beraubt, seiner heimlich im Hintergrund laufenden Parallelhandlung um die veränderte Mentalität der Menschen während der 80er Jahre, und er erklärt in seiner Science Fiction-Hauptgeschichte zuviel dessen, was der Zuschauer selbst hätte entdecken müssen.

Die Mystik fehlt auch „The Box“, auch wenn er arg darin bemüht ist die Hintergründe rätselhaft zu halten. Lange Zeit weiß man nicht was das alles soll, ich würde lügen wenn ich das Gegenteil behaupten würde, aber ab da wo von außerirdischem Leben die Rede ist, ist der Film vorhersehbar und verliert auch seinen letzten Reiz. Leider verkommt „The Box“ zu einer Lächerlichkeit, eben weil er all die Stationen ernsten und beängstigenden Kinos tapfer und bierernst abarbeitet. Bei fehlender Identifikation und albernem Geschehen puscht das die unfreiwillige Komik enorm, bishin zu den Finalerlebnissen, die hoch emotional gemeint sind und keinen halbwegs bodenständigen Menschen zu Tränen rühren.

Zwar machen die Darsteller ihre Arbeit alle gut, aber auch sie können gegen den hier herrschenden Unsinn nicht ankämpfen. Was zunächst eine wackelige Angelegenheit aufgrund des eingangs aufgegriffenen Problemes ist, wird mit fortschreitender Laufzeit zu einem immer peinlicher werdenden Produkt, um dessen Aufhänger es ein wenig schade ist, machte dieser als Covertext doch wirklich neugierig. Wer auch verkopften, nüchternen Stoffen eine Chance geben kann, dem empfehle ich stattdessen Hanekes „Caché“ zu gucken, der beginnt zumindest mit einem halbwegs ähnlichen Aufhänger und ist bei völlig anderen darauf aufbauenden Situation durchdacht, konsequent und spannend geraten und damit das Gegenteil von „The Box“.  OFDb

03.12.2016

BEING JOHN MALKOVICH (1999)

Wer die Filme Spike Jonzes und Charlie Kaufmans kennt, der wird wissen, dass der kleinen Inhltsangabe ein Meer an Ideen folgt, ist es doch geradezu typisch für ihre Filme, dass sie Stoffe für etliche enthalten, nicht etwa weil sie ihre Werke überstrapazieren und ihnen keine Luft zum Atmen geben, sondern weil sie voller wundervoller und verrückter Ideen stecken, mit denen sie ihren Filmen Leben einhauchen. Für den Zuschauer werden diese Werke zu wahren Erlebnissen, und der geistreiche Zuschauer darf sich zudem daran erfreuen, dass die Autoren über eine analytische Beobachtungsgabe und über psychologische Kenntnisse verfügen, so dass jedes noch so groteske Szenario aus einem intellektuellen Verständnis und einem empathischen Mitgefühl geboren und begleitet wird.

Während Jonzes und Kaufmans reifere Werke „Her“ und „Vergiss mein nicht“ gefühlvoll erzählt sind, so dass der Zuschauer sich geradezu in ihnen verlieren kann, da orientiert sich der früher entstandene „Being John Malkovich“ noch hauptsächlich an seinem bizarren Grundszenario und die Wechselwirkung der Macht zwischen den Protagonisten. Angefangen mit kleinen Gimmicks, wie dem 7 1/2. Stockwerk, weitergeführt mit der eigentlichen Idee einer Tür in den Kopf Malkovichs, bis hin zur Frage was passiert wenn der Eigentümer besagten Kopfes durch besagte Pforte tritt, wird mit Ideen kreativ herumjongliert, so dass es für den Zuschauer so einiges zu staunen gibt.

Dennoch soll „Being John Malkovich“ kein bloßer Hinguckerfilm sein. Seine schrillen Attraktivitäten werden nicht einzig wie auf einem Jahrmarkt zur Schau gestellt. Die Geschichte nutzt diese kuriosen Geschehnisse um einen Blick auf eine recht tief charakterisierte Schar von Menschen zu riskieren, um zu sehen wie diese mit Macht umgehen. Wo Politkomödien sich mit wahrlich mächtigen Persönlichkeiten auseinandersetzen, da interessieren sich Kaufman und Jonez für den kleinen Mann, dem sie die Alltagslügen entziehen, indem sie hinter ihre Fassade schauen. Craig dominiert seine Ehfrau, während er selbst von seiner attraktiven Kollegin dominiert wird. Selbst der dusselig wirkende Chef wird von seiner Sekretärin dominiert. Im Laufe des Filmes kommt es aufgrund des Törchens zu Malkovichs Bewusstseins zu einem ständigen Wechsel darüber wer über wen Macht besitzt.

Für die Frage woher das Törchen kommt und ob jeder Mensch ein solches besitzt, interessieren sich die Autoren lange Zeit nicht, haben sie mit diesem Themenbereich, den andere Autoren viel früher belanglos verfeuert hätten, doch ganz eigene Pläne, die für die Geschichte und gerade auch für die Schlusspointe geradezu wichtig werden. Geistvoll, wie die pointensichere Groteske erzählt ist, orientiert sich dieser zunächst vernachlässigte Themenstrang an einer anderen Form von Macht und Gier, um auch deren Vielfältigkeit im Blick zu behalten. „Being John Malkovich“ grast viele Bereiche ab, vertieft sie, spielt mit ihnen, wirft sie wieder um, experimentiert mit ihnen, während andere für die Geschichte gar nicht mal so unwichtigen Elemente einfach rausgehauen werden ohne sie näher zu beleuchten. Das gibt dem an sich überraschend durchdachten Werk eine zusätzliche Schrulligkeit und somit einen weiteren Sympathiepunkt.

Wer Cameron Diaz in ihrer ungewöhnlichen Rolle erkennen möchte, der muss schon genau hingucken, ist „Being John Malkovich“ doch in ihrer mutigen Zeit entstanden, relativ zum ersten Hoch ihrer Karriere hin, als sie diese noch mit gewagten Rollen zu stürzen riskierte. Der Mut zur Hässlichkeit lässt sich hier nicht abstreiten, und wenn dann noch jegliche Öko-Eigenschaft, die ein naiver Charakter besitzen kann, von dieser guten Frau verkörpert wird, dann bleibt zunächst kaum noch ein sympathischer Aspekt an diesem Charakter übrig, was sich im Laufe der Zeit allerdings ändern wird, sind Kaufman und Jonze doch schließlich Magier ihres Fachs und schenken gerade dieser Rolle zum Ende hin die kleine Dosis Mitempfinden, die sie in den beiden oben erwähnten späteren Werken zum Mittelpunkt ihrer Erzählungen machen.

John Malkovich hingegen genießt es in den relativ wenigen Szenen, in welchen er Herr seiner Selbst sein darf, ein eigenes Klischeebild seines angeblichen Ichs zu zeichnen. Wo ein Bill Murray in „Zombieland“ und Bruce Campbell in "My Name is Bruce" verschmitzt einen eingebildeten, sich selbst liebenden Schauspieler aus sich machten, da geht Malkovich subtiler vor, zeigt die hoch intellektuelle Variante wie sich mancher Tunnelblickdenker den Charakter erfolgreicher Theatermimen vorstellen, eine Idee die von den Verantwortlichen der deutschen Synchronisation auch bestens verstanden wurde, und kreiert aus seinem Phantom-Ich den reinen Künstler mit feiner Etikette im Auftreten, intellektuellem Interessengebiet und pingeligster Vorstellungskraft dessen was er möchte.

Jeder weitere Schauspieler macht seine Sache ebenso gut wie die beiden von mir hervorgehobenen Persönlichkeiten. Auch der oft ähnlich spielende, mir aber immer sympathische, John Cusack wird diesmal geradezu herausgefordert mit seiner Figur zu spielen und schauspielerische Grenzen auszuloten. Ihm wie all den anderen sieht man die Spielfreude an, die am Set, trotz aller zwingender Maßen erforderten Konzentration und Professionalität, geherrscht haben muss. Kein Wunder, das einfallsreiche Drehbuch hat viele interessierte Mimen gelockt, ob in Gastauftritten oder in Hauptrollen. Für eine Geschichte wie diese wurde das Medium Kino überhaupt erfunden.  OFDb

03.10.2016

DIE SCHADENFREUNDINNEN (2014)

Cameron Diaz ist schwer einzuordnen. Einst war sie mit Werken wie „Very Bad Things“, „Verrückt nach Mary“ und „Last Supper“ die Skandalnudel Hollywoods, die in Stoffen mitspielte an die sich manch einer nicht heranwagte, dann wurde sie zum Star, bewies sich in verschiedensten Rollen und Genres mit Filmen wie „In den Schuhen meiner Schwester“, rutschte währenddessen aber auch immer weiter in den Mainstream ab. Und nun scheint sie auf massenkompatibler Basis zurück zu ihren Wurzeln gekehrt zu sein. Während „Bad Teacher“ tatsächlich recht böse ausfiel und zu gefallen wusste, war „Sex Tape“ eine eher maue Angelegenheit, da er wesentlich braver ausfiel als es zunächst klang. Auch „Die Schadenfreundinnen“ ist keine schwarze Komödie a la „Heathers“ und „Der Rosenkrieg“ geworden, sondern doch wieder nur netter, massentauglicher Durchschnitt ohne Mut zur Provokation.

„The Other Woman“ (Originaltitel) verlagert das Thema der Teenie-Komödie „Rache ist sexy“ in die Erwachsenenwelt und greift zudem auf Elemente aus „Die Teufelin“ und „In Sachen Liebe“ zurück. Man kann es typisch Hollywood nennen, dass ein um realistische Gefühle bemühter Film vor hübschen Kulissen spielt, nur die finanzielle Elite ins Zentrum rückt und in eine Geschichte um Frauen, die sich aufgrund der sexy Konkurrenz nicht hübsch fühlen, nur gut aussehende Stars in den wichtigsten Rollen besetzt. Das sind Eigenschaften, die bereits deutlich machen wie sehr „Die Schadenfreundinnen“ aufs weibliche Zielpublikum schielt. Eine weitere wäre das schrille Spiel Leslie Manns, das trotz mancher Grenzüberschreitung allerdings trotzdem zu gefallen weiß und sie zum eigentlichen Star des Streifens macht.

Grenzüberschreitend ist auch manche Komik, die inmitten der Restinszenierung nicht hinein passen will. Auf einen kotenden Köter kann ich ebenso verzichten wie auf dumme Sprüche, wie jener über das Ohrfeigen per Hundehoden. Das ist vulgär und plump, nur leider nicht auf die charmante Art wie sie ein Steve Martin in seinen Filmen zu nutzen wusste, sondern anbiedernd ans Idioten-Publikum gerichtet, um auch bloß für jeden Zuschauertyp etwas im Programm zu haben.

Kaputt macht dies „Drei sind zwei zu viel“ (Alternativtitel) aufgrund der geringen Dosierung nicht. Hat man erst einmal erkannt wie schlicht und durchschnittlich das Konzept des Streifens ganz typisch Hollywood-Frauenfilm ausgefallen ist, geht man ohnehin mit geringen Erwartungen an den Restfilm heran, und mit dieser Grundhaltung darf man sich darüber freuen zumindest passabel unterhalten zu werden. Manche Slapstick-Nummer ist wahrlich lustig (die Stretchübungen im Gebüsch, oder der Scherben-freudige Abgang Marks in der Kanzlei), und die Grundstimmung ist angenehmer Natur.

Allerdings habe ich mich darüber gewundert, dass Cameron Diaz in ihrer Rolle so gar nicht glaubwürdig agierte. Eine schlechte Schauspielerin ist sie ja nun wirklich nicht. Zudem wirkte sie selten so unsexy auf mich wie in diesem Streifen, obwohl die Attraktivität eigentlich ein wichtiges Merkmal ihrer Rolle sein soll. Das mag aber auch viel am ungüstig geschminkten Make-Up liegen, das mir bei den meisten Gesichtern in diesem Film negativ aufgefallen ist, was mich schon verwundert, da ich auf diesen Aspekt sonst nie achte. „Die Schadenfreundinnen“ mag also etwas zu gewollt daher kommen und in einer mir etwas zu entrückten elitären Frauen-Welt spielen, aber er hat das Herz am rechten Fleck und weiß kurzweilig zu unterhalten und dies immerhin bei über 100 Minuten Laufzeit.  OFDb

09.09.2016

SEX TAPE (2014)

„Sex Tape“ geht überraschend offen mit seinem Thema um, wenn man bedenkt dass es sich um eine amerikanische Komödie mit zwei Genre-Stars handelt. Völlig unverkrampft agieren Cameron Diaz, sowie Mit-Produzent und Mit-Autor Jason Segel recht zeigefreudig vor der Kamera, ohne dass man von klassischen, detailreichen Erotikszenen sprechen könnte. Was sich mit dieser überraschend lockeren Art wie ein kleiner Glücksgriff anfühlt, zumal es Freude bereitet Cameron Diaz endlich wieder daheim, sprich wie einst, in einem gewagten Stoff agieren zu sehen, entpuppt sich jedoch als recht anstrengendes Stück Komödie.

Nicht nur dass die im Sexbereich umgangene Prüderie an anderer Stelle doch noch auftaucht, ganz besonders in der höchst unangenehmen Szene rund um You Porn, auch zu lang gezogene Szenen, die in ihrer Hektik eher nerven als zu belustigen, bremsen den Streifen ungemein aus, ganz besonders in der großen Rob Lowe-Szene, in welcher der einstige Teenie-Star fast das selbe spielen darf wie in seinen Gastauftritten in „Californication“. Da wird gekokst, da werden Hunde misshandelt, da will alles irre unkorrekt ablaufen, und doch stößt einzig der schrille Grundton in den Vordergrund, der jeglichen Anarcho-Charme überschattet.

Da es zwischendurch, immer von Schwarz auf Weiß geschaltet, recht konservativ zugeht und die Geschichte sich immer wieder in eine konventionelle Richtung dreht, wirkt „Sex Tape“ zu unentschieden. Ein wenig Provo-Humor, ein Stück Film über Familienwerte, ein braver Familienfilm, ein gewagter Anarchofilm, Jake Kasdans Werk ist alles auf einmal und nichts davon wirklich. Einzelne Momente wissen zu gefallen, die Offenheit der Thematik allen anderen Pluspunkten voran, aber leider ist es der falsche Film für den Cameron Diaz so (auf harmloser Komödien-Ebene) Tabu-frei agiert, wohingegen es bei Jason Segel aufgrund seiner üblichen Werke eher nicht verwundert, dass sich selbst hinter solch einer Thematik nur ein viel zu braver, angepasster Film verbirgt.  OFDb

11.07.2016

BAD TEACHER (2011)

Man kann nicht gerade behaupten, dass „Bad Teacher“ wirklich etwas zu erzählen hätte. Seine Story um eine Asi-Tante, die Lehrerin ist und sich in ihrem Job erst Mühe gibt als sie das große Geld wittert, ist ein wenig konstruiert ausgefallen und ergibt auf dem zweiten Blick nicht wirklich Sinn. Aber die Kunst einer guten Komödie liegt mitunter darin solche Schwächen anderweitig wieder ausgebügelt zu bekommen. Und wenn man dann auch noch eine Geschichte erzählen soll, die innerhalb des eher spießigen Mainstreams halbwegs frech sein soll, dies aber nicht zu extrem sein darf, worunter somit auch das Gag-Potential möglicher großer Lacher leidet, dann ist es wichtig das richtige Personal mit an Bord zu haben um ein gelungenes Ergebnis zu erzielen.

Ich hätte nicht gedacht, dass der Regisseur des eher mittelmäßigen „Nix wie raus aus Orange County“ der richtige Mann dafür ist aus einem routinierten Stoff ein kurzweiliges Vergnügen zu machen, aber es ist Jake Kasdan tatsächlich geglückt „Bad Teacher“ nicht nur unterhaltsam zu gestalten, sondern trotz des für das Massenpublikum begrenzten Asi-Pegels das Ganze zudem auch wunderbar unverkrampft umzusetzen. Die Rolle der Elizabeth wirkt trotz ihrer vielen unangenehmen Seiten menschlich. In ihr steckt ein sympathischerer Mensch, wenn auch kein herzensguter, ein Egoist sogar. Und über die Rolle des gar nicht so talentierten Jason Segels erfahren wir wie ein solcher Mensch aussehen kann, wenn er die Intrigen zum Ziele oberflächlicher Ziele einmal fallen lässt.

Er ist das Geheimnis der funktionierenden Psychologie der Figuren innerhalb eines Filmes, der eigentlich nicht sonderlich intelligent oder gewitzt ausgefallen ist. Die Kunst die Figuren trotz ihrer düsteren Seite zu mögen, insgeheim das etwas abseitige Publikum anzusprechen und nicht den Vorzeigemenschen der gerne nach außen geheuchelt wird, das ist es was den Streifen so unglaublich sympathisch macht und so gut funktionieren lässt.

Zwar weiß ich trotzdem nicht warum Elizabeth sich gegen Ende ein wenig zu sehr bessert, immerhin hat sie keinen nennenswerten moralischen Wandel erlebt, sondern lediglich gelernt sich mit weniger zufrieden zu geben, aber das ist auch schon der einzige unangenehme Punkt den ich an dem vielleicht etwas zu glatt erzählten „Bad Teacher“ auszusetzen hätte. Denn dass er eigentlich den üblichen Pfaden der amerikanischen Komödienwelt folgt, interessiert mich nicht wirklich. „Bad Teacher“ erfindet das Rad nicht neu, verzichtet im Gegensatz zur familiären Standard-Komödie seines Entstehungslandes lediglich auf einen erhobenen Zeigefinger, Pathos und Moral, was ich sehr an ihm schätze, aber er zeigt uns auch, dass man nicht verkrampft einen auf völlig anders machen muss, um ein tolles Ergebnis zu erzielen.

Hilfreich für das Erlangen des erreichten Zieles ist die spielfreudige und unverkrampfte Darstellung der Cameron Diaz, die selten so sexy wie hier wirkte und nach etlichen Abstechern in gewöhnliche Hollywood-Rollen endlich wieder dort ansetzt wo sie einst begann. Mit „Verrückt nach Mary“, „Very Bad Things“ und „Last Supper“ hatte sie seinerzeit in mutigen, oftmals provozierenden Werken mitgewirkt, und auch wenn „Bad Teacher“ im direkten Vergleich nicht ganz so mutig ausgefallen ist, so ist ihre Rolle der Elizabeth doch wieder der Schritt in die richtige Richtung.

Interessanter Weise harmoniert sie recht gut mit dem mir immer viel zu brav agierenden Jason Segel, eine Chemie die Jake Kasdan drei Jahre später mit „Sex Tape“ noch einmal aufleben lassen wollte. Ob ihm das gelungen ist werde ich demnächst mal antesten. Im hier besprochenen Film funktioniert sie jedoch, auch wenn das Verhältnis der Szenen zwischen den Beiden im Vergleich zum Gesamtfilm doch recht kurz ausgefallen ist. „Bad Teacher“ tut dies keinen Abbruch, der sollte schließlich auch gar keine Romantikkomödie sein. Die Harmonie zwischen den unterschiedlichen Stars ist lediglich ein Nebeneffekt, welcher der etwas durchschnittlich geratenen Geschichte gut tut. Zusammen mit den bereits genannten anderen Besonderheiten macht dies aus einem 08/15-Stoff einen wahrlich gelungenen Film, der keine hohen Ansprüche an sich selbst stellt.  OFDb

10.03.2013

SHREK DER DRITTE (2007)

Shrek ist nicht zum König geboren, er möchte zurück in seinen Sumpf. Also zieht er mit Esel und dem gestiefelten Kater los um Artus zu suchen, der ein Anrecht auf den Königstitel hätte. Die sorgenvoll daheimgebliebene Fiona muss unterdessen Prinz Charming bekämpfen, der versucht die Macht an sich zu reißen...
 
Artus und der Runde von der Königstafel...
 
Nach den ganzen Negativkritiken habe ich mich lange nicht an den dritten Teil von „Shrek“ heran gewagt. Gestern siegte die Neugierde, ich war bereit mir den Abend mit einem schlechten Film zu verderben. Was ich zu sehen bekam war allerdings ein sehr kurzweiliger und sehr lustiger Film, der richtig Laune machte.

Im direkten Vergleich muss man schon betonen, dass wir es hier mit dem bisher schlechtesten „Shrek“-Teil zu tun haben. Aber Sequel 2 gehen ja auch richtig gute Werke voraus. Abnutzungserscheinungen sind bei Fortsetzung meistens sichtbar, und vieles geniales, wie manche Figur, wird einfach zur Gewohnheit. Aber genau deshalb finde ich es so erstaunlich dass der Lebkuchenmann und Pinocchio noch immer eine so große Wirkung auf die Lachmuskeln haben. Außerdem finde ich es genau deshalb so erstaunlich, dass auch dieser Teil 3 eine richtig gute Geschichte erzählt. Sie steht den Vorgängern in nichts nach.

Punkteabzug gibt es für die Figur des Artus. Bisher wurde noch jede Rolle humoristisch untermalt eingesetzt, egal ob Held, Loser, Randfigur oder was auch immer. Mit Artus wird erstmals eine Figur ins „Shrek“-Universum eingebaut, der jede Lustigkeit fehlt. Das finde ich sehr schade! Wenigstens darf man Merlin herrlich schräg erleben, das macht das Artus-Manko wenigstens etwas wett.

Um dem Stammpublikum etwas frischeres als das ewig neu aufgewärmte zu bieten, versuchte man sich an einer Methode, die auch in „American Pie 3“ Verwendung fand. Man vertauschte die Charaktere zweier Figuren. Was bei „American Pie 3“ mittels eines Rollenspiels umgesetzt wurde, wird in der Märchenwelt Shreks naheliegend über Zauberei erreicht. So steckt Esel nun im Körper des gestiefelten Katers und umgekehrt. Ob dies nun wirklich nötig war sei einmal dahingestellt, ein paar Lacher gibt es aus dieser Idee allerdings zu ernten. An erster Stelle sei hier nur einmal die sehr lustige Szene genannt, in welcher der gestiefelte Kater sich aus einer gefährlichen Situation herausretten will, in dem er wieder den süßen Katzenblick auflegt. Dies über einen Esel verkörpert zu sehen ist schon recht lustig, und die Wirkungslosigkeit sorgt für den gelungenen Schlussgag der Szene.

Überhaupt gibt es wieder jede Menge guter Lacher, u.a. die Sterbebett-Szene mit dem Froschkönig, die Verhörszene mit Pinocchio und die Szenen rund um Merlin. Einige der Witze, gerade zu Beginn, spielen mit den Erwartungen des Zuschauers. Sie klingen so an, dass man den weiteren Fortlauf vermutet und machen dann einen unerwarteten Schwenker, manchmal auch um mit erneutem Schwenk wieder das zunächst vermutete Ziel zu erreichen. Das hält den Zuschauer bei der Stange, bleibt das Gesehene doch damit frisch und kurzweilig. Auf diesem Wege die Aufmerksamkeit des Zuschauers aufrecht zu erhalten finde ich wesentlich effektiver, als der häufig verwendete Weg der Konkurrenz ewig schwungvolle Actionszenen zu zeigen, wie irgendwelche Rutschbahnsituationen, unnötige Verfolgungsjagden, „Stunts“, usw.

Nun wird dieser Weg meist in Trickfilmen gewählt, die dem jungen Publikum gefallen wollen. „Shrek 3“ orientiert sich allerdings, so wie seine beiden Vorgänger, auf ein älteres Publikum, was dem Ergebnis sichtlich gut tut. Es ist zwar erkennbar, dass der anarchistische Humor von Teil zu Teil abbaut, von einem Kinderfilm ist „Shrek 3“ aber immer noch weit entfernt.

Was mir an der zweiten Fortsetzung nicht mehr so gut gefiel war die Synchronstimme vom Esel. Viele Gags zünden mit dieser veränderten Stimme nicht. Esel hat sowieso nicht mehr den selben Stellenwert wie in den Vorgängern, dafür wurden seine Gags zu sehr reduziert. Figuren die nachrücken gibt es diesmal nur sehr wenige. Merlin ist eine der wenigen neuen Figuren, viele andere neue, gerade aus der Bösewicht-Ecke, bekommen viel zu wenig Aufmerksamkeit. Etwas weniger Blick auf bewährte Figuren hätten für ein besseres Endergebnis sorgen können.

Der Wolf und die blinden Mäuse kommen nur noch am Rande vor, auf den Spiegel wurde diesmal ganz verzichtet. Im Ansatz wurde in diesem Bereich zumindest richtig gearbeitet. Ich persönlich glaube dass der Verzicht der großen Rolle Fionas ein interessanter Schritt wäre, um wieder auf einen grüneren Nenner zu kommen. Sie ist immerhin schon rein optisch ziemlich unwitzig und uninteressant, wieso muss sie ständig eine eben so große Bedeutung für die Geschichten erhalten wie Shrek? Nur weil sie seine Lebensgefährtin ist?

Ich will mich an solchen Kleinigkeiten nicht zu sehr aufhängen, denn eigentlich war ich mit dem Ergebnis zufrieden. Ich habe viel gelacht, die Animation hat mir gefallen (auch wenn kein neuer revolutionärer Fortschritt zu erkennen war) und langweilig wurde mir nicht eine Sekunde lang. Für einen dritten Teil aus dem Gebiet der Familienunterhaltung und dazu noch aus der heutigen Zeit ist das Ergebnis erstaunlich positiv. Schade dass es der Fortsetzung von „Ice Age“ nicht ähnlich erging.  OFDb

19.02.2013

LIEBE BRAUCHT KEINE FERIEN (2006)

Eine reiche Karrierefrau und eine bescheidene Londonerin tauschen in den Ferien ihre Wohnungen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten finden beide Gefallen am anderen Lebensstil. Die Menschen, die sie treffen, geben ihnen ein anderes Lebensgefühl...
 
Stars auf RTL-Niveau... 
 
Männer werfen ja schnell mit dem Begriff „Frauenfilm“ um sich. Alles was Romantik oder familiäre Dramatik zum Schwerpunkt macht, bekommt diesen Stempel aufgedrückt. In meinen Augen sind geschlechtsorientierte Filme jene, die nicht einmal dem aufgeschlossenem anderen Geschlecht die Chance geben, sich auf das Werk einlassen zu können. Das macht geschlechtsorientierte Streifen in meinen Augen zu eher schlechten Filmen. Das kann aber halt nur der verstehen, der z.B. das Genre Action nicht als Männerterritorium versteht.

Werke, die ich als reine Frauenfilme betrachten würde, kreuzen meine Wege nur höchst selten. In Komödienform gab es da mal den „Club der Teufelinnen“ und nun im Bereich des Dramas bzw. der sehr harmlosen Form der Tragikomödie kam mir „Liebe braucht keine Ferien“ zwischen die Finger.

Es war die Besetzung, die mich reizte. Mit Cameron Diaz und Jack Black lächelten mich gleich zwei Namen an, die ich gerne sichte, Kate Winslet weiß ich durch ihre nicht so hollywoodtypische Art zu schätzen und Jude Law gehört zwar nicht zu meinen bevorzugten Schauspielern, lieferte aber auch schon das ein oder andere mal eine nette Leistung ab. Alle diese 4 Berühmtheiten sind eigentlich auch gar nicht typisch für einen Frauenfilm, wenn überhaupt dann Winslet, da sie häufig einen modernen Frauentyp verkörpert, ähnlich wie Diane Keaton. 

Recht still und zaghaft beginnt der Film mit seiner schlichten Geschichte, eine die kaum des Erzählens wert ist, und gerade deshalb wieder so neugierig macht. Immerhin sind es häufig gerade die herausragenden Filme, die lediglich eine kaum erwähnenswerte Geschichte erzählen. Filme wie „Die Royal Tenenbaums“, „Raus ins Leben“ und wie sie alle heißen sind große Unterhaltung mit einer Story, die schlichter kaum sein könnte, oft auch zunächst erst schlicht erscheint.

„Liebe braucht keine Ferien“ erzählt ebenfalls ein Nichts, dies auf über 2 Stunden mit einem Tempo, das man niemandem wirklich zumuten möchte. Da manche Werke häufig lahm beginnen, sich mit der Zeit daraus aber mehr abzeichnet als zunächst vermutet und das Tempo mit der Zeit flotter wird, bin ich auch erst in dem hier besprochenen Film davon ausgegangen es wäre so. Die Fastgeschichte war immerhin auch nicht komplett uninteressant erzählt. Für kurze Momente gibt es immer wieder Nebensächlichkeiten, die wenigstens etwas Schwung in die Bude bringen, beispielsweise Winslets Nachbar in L.A., ein Rentner.

Solche rettenden Elemente sind aber leider zu rar verteilt. Der gewünschte Schwung kam nie auf, stattdessen durfte ich nun das Nichts an Story in lahmen Tempo sichten, garniert mit Figuren, die viel zu seicht herausgearbeitet wurden. Und damit kommen wir nun zu dem Bereich, der den männlichen Zuschauer gnadenlos aus dem Bereich des Zielpublikums ausblendet.

Diaz´ Rolle ist eher eine Diane Keaton-Rolle, allerdings nicht so positiv emanzipiert verkörpert wie bei ihr üblich, sondern eher Richtung rückradlosem Verhalten wie typische Goldie Hawn-Rollen. Diaz ist vollkommen fehlbesetzt, weiß zwar zu verkörpern was da verkörpert werden sollte, hat es aber mit ihrem Talent eigentlich nicht nötig für so ein Produkt herzuhalten. Sie ist zu modern um eine sympathische, moderne Frauenrolle aus Frauensicht zu spielen, um in Wahrheit doch eher seicht statt keck und blass statt stark zu wirken. 

Jack Black darf wieder den nebensächlichen Sympathisanten spielen, wohl seine zweittypischste Rolle neben dem Chaoten. Aber auch seine Rolle ist derart durch den Weichspülgang gejagt worden, dass sie einfach nicht positiv wirkt. Die Dramatik um seine Person ist lahm, die Größe seiner Rolle so schlicht, dass man meint sie wäre nur eingeführt worden, damit die Rolle der Kate Winslet auch jemanden abkriegt, obwohl es schlicht gereicht hätte, ihr trauriges Leben durch den Kontakt mit dem Drehbuchautor-Rentner zu bereichern.

Ohnehin ist Winslets Rolle die schlimmste von allem. Sie ist vergleichbar mit Jason Biggs' Figur in „Loser“, bei beiden Charakteren ist die Naivität einfach viel zu hoch geschraubt, als dass sie noch irgendwie als realistisch durchgehen könnte. In einem Film, der so krampfhaft erwachsen sein will wie dieser hier, kommt es schon recht peinlich rüber, solch dick aufgetragenes Hollywood-Klischee ertragen zu müssen. „Loser“ war immerhin eine Teenie-Komödie, bei der mit einem Auge zudrücken über das Manko hinwegzusehen war. „Liebe braucht keine Ferien“ baut in der Winslet-Story jedes Thema auf dieser Dramatik auf und kann damit nur scheitern.

In der ersten Hälfte ist immerhin Laws Rolle angenehm geschrieben. Er ist der etwas geheimnisvolle Fremde. Der One Night-Stand entwickelt sich auf eine Art, wie sie untypisch im Kino ist und wie sie interessant zu verfolgen ist (und zudem ohne lästige Nacktheiten). Nach einiger Zeit wird aus der etwas mysteriösen Rolle ein Familienvater, an sich nichts schlechtes, außer man befindet sich in der Frauenwelt, an der sich auch die grausige Vater-Sohn-Kaffeewerbung („und eine 5 in Erdkunde“) orientierte. Der arme Mann ist Witwer, die Unschuld in Person, und das Vatersein ist ein Hindernis bei der Partnersuche. Natürlich nur wenn man sich als Mann so saudämlich anstellt, wie es die Augen einer Frau scheinbar gerne sichtet, oh weh! Hört mir auf!

Ja, „Liebe braucht keine Ferien“ ist ein Frauenfilm, aber diese Bezeichnung ist arg ungerecht, schließt sie doch eigentlich nur die unaufgeklärten Frauen ein, jene, die glücklich ihr Klatschheftchen lesen, Stars und Königsfamilien anhimmeln, Liebes-Groschenromane lesen und sich in ihrer Person verkannt fühlen, da sie nie lernten sich in andere hineinzufühlen. Diese Beschreibung passt zwar auf viele, aber zum Glück nicht auf alle! Frauen mit RTL-gewaschenem Hirn können reinschalten, Männer prinzipiell nicht. Seit mir also nicht böse, wenn ich das Wort Frauenfilm verwende, obwohl es nur auf den eher unangenehmen Frauentyp passt.

Eigentlich ist der Film trotz alledem bis zum Schluss guckbar. Ich habe ca. 20 Minuten vor Ende dennoch ausgeschaltet, was ja auch egal ist, immerhin gehöre ich nicht zum Zielpublikum.  OFDb

16.12.2012

IN DEN SCHUHEN MEINER SCHWESTER (2005)

Schon vor dem Tod ihrer Mutter waren die beiden Schwestern Rose und Maggie unzertrennlich. Im Erwachsenenalter angekommen besteht diese Zusammengehörigkeit jedoch nur noch in der Rolle von Rose die verantwortungslose jüngere Schwester aus jedem Schlamassel zu holen. Gedankt wird es ihr von Maggie mit Diebstahl des Geldes und dem Beischlaf mit Roses neuem Freund. Das bedeutet für die Schwesternfreundschaft den Schluss-Strich. Rose wirft Maggie, die sich gerade in der Wohnung ihrer Schwester breit gemacht hat, aus eben dieser heraus und beginnt ihr Leben neu zu sortieren. Maggie schnorrt sich derweilen bei ihrer Großmutter Ella durch, von deren Existenz sie erst kürzlich erfuhr. Ella riecht den Braten und verhilft ihrer Enkelin zu einem Reifeprozess, der längst überfällig war...

Über sich hinauswachsen und doch noch in die Schuhe passen...
 
Wie der Name des Genres schon sagt beherbergt eine Tragikomödie sowohl humoristische als auch dramatische Elemente. Bei letzteren ist es in amerikanischen Filmen häufig der Fall, dass das Drama nicht lebensnah sondern verträumt erzählt wird, was letztendlich zum Kopf ausschalten führt, bei wachem Verstand jedoch häufig zu einem Desaster wird in den Punkten Glaubwürdigkeit und Logik.

„In den Schuhen meiner Schwester“ ist erfrischend anders. Zwar kann sich der Film auch nicht davon frei sprechen den Zuschauer zum Träumen zu verführen, dies ist aber letztendlich die Aufgabe eines Märchens, und genau dies ist der hier besprochene Film, und das will er auch sein. Immerhin sind märchentypische Bereiche deutlich zu erkennen. Wir haben da die böse Stiefmutter, den holden Prinzen, welcher der Glücklosen hilft, eine bevorzugte leibliche Tochter der bösen Stiefmutter, und geht man tiefer erkennt man auch noch Elemente aus speziellen Märchen wie „Frau Holle“, „Das hässliche Entlein“ und in Geschichte so wie Titel selbst „Aschenputtel“.

Der Name „In den Schuhen meiner Schwester“ soll jedoch nicht nur Pate für den märchenhaften Stil sein, in ihm spiegeln sich die Haupteckpfeiler der Geschichte wieder. Der Titel ist symbolisch gemeint, denn Maggie lebt in den Schuhen ihrer Schwester. Sie verlässt sich immer drauf, dass ihre Beschützerin sie rettet und nimmt die Gutherzige gnadenlos aus. Als es zur Trennung kommt nähern sich beide Frauen den Schuhen ihrer Schwester. Ihr Lebensstil gleicht sich dem des jeweiligen anderen an. Rose lernt die Liebe kennen und findet Gefallen an einem alternativen Lebensstil, den sie in ihrem Tunnelblick von einst fälschlicher Weise als verantwortungslos gesehen hätte. Maggie lernt auf eigenen Füßen zu stehen, Verantwortung zu übernehmen und die Schuld nicht immer bei allen anderen Menschen zu suchen.

Was den Film von Regisseur Curtis Hanson so angenehm macht, ist der richtige Mix aus verträumten Märchen und Realitätsnähe. Um eine glaubhafte Geschichte zu erzählen gibt es wohl kaum eine schwere Aufgabe zu bewältigen, und kritisch muss man erwähnen, dass auch Hanson nicht jederzeit glaubhaft bleibt. Wenn Maggie lesen lernt ist der Weg wie sie dorthin geschuppst wird nicht kompatibel mit der Art des Charakters, der uns zuvor vorgesetzt wird. Hier gibt sich „In den Schuhen meiner Schwester“ meiner Meinung nach zu blauäugig. Auch das Altern wird mir eine Spur zu verzuckert präsentiert, auch wenn sichtlich versucht wird, sich an den Gefühlen und Gedanken alter Menschen zu orientieren.

Ein Störfaktor ist das alles nicht, der Film guckt sich wunderbar. Diese kleinen Mankos sind lediglich die Antwort auf die Frage, durch was das gute Ergebnis hätte noch mehr aufgewertet werden können.

Immerhin gibt es dafür in der schlichten Geschichte nichts zu meckern. Zunächst scheint die Story fast ein Nichts zu sein, das lediglich durch die verschiedenen Personen zusammengehalten wird. Es entwickelt sich jedoch sehr sensibel und zurückhaltend eine echte Geschichte mit roten Faden, die zu einem erzähltechnischen Ende führt. Und neben all der Dinge, die dem Zuschauer deutlich nahe gebracht werden, gibt es auch einige versteckte Pluspunkte im Drehbuch, die der Betrachter selbst entdecken muss.

Oft sind dies psychologische Feinheiten, wie der gedankliche Kniff, dass es für die Weiterentwicklung der beiden Hauptfiguren zur Trennung kommen muss. Beide Schwestern hinderten sich am charakterlichen Fortkommen. Während die verantwortungslose Maggie Rose unbewusst dazu zwingt in eine biedere Aufpasserrolle zu schlüpfen, hindert Rose Maggie am Weiterkommen, da sie in ihrer psychologisch uncleveren Art Maggie nicht motiviert sondern zum bocken bringt. Kaum haben die Damen keinen Kontakt mehr, können sie sich auch beide weiterentwickeln und von da an wieder gemeinsam durchs Leben gehen.

Aber auch hier sei wieder einmal die Blauäugigkeit erwähnt, die weiter geht als jedes Märchen tragen könnte. Ist so etwas schwerwiegendes wie der Beischlaf mit dem Freund der Schwester wirklich mal eben so zu verzeihen? So sehr, dass nach der Hochzeit sogar in Anlehnung an dieses bittere Erlebnis gefrotzelt werden kann? Wie man an Beispielen wie diesen sieht fehlt es auch dem Film an mancher Stelle noch an Reife. Wie das Beispiel ebenso zeigt, liegen diese Defizite jedoch nicht in den Haupteckpfeilern sondern eher in schlichten Randerscheinungen.

Schauspielerisch macht jeder Teilnehmer seine Sache gut. Besonders hervorzuheben ist Shirley MacLaine, die ihrer Rolle auf verschiedensten Ebenen Leben einzuhauchen weiß. Ihre Rolle umgeht jedes Klischee und jedes Schablonendenken. Das kann man von den anderen Charakteren nicht behaupten, ist aber nun einmal auch das Wiedererkennungsmerkmal eines jeden Märchens.

Regisseur Curtis Hanson beweist wieder einmal, dass er in seinen Beruf hineingehört. Ich kenne nicht all zu viele Filme von ihm, finde es bei den wenigen die ich sah jedoch hervorragend, dass er immer ein großes Ergebnis erzielte, obwohl er nie auf ein wiederholendes Rezept oder ein Stamm-Genre zurückgreift. „L.A. Confidential“ und „Wonder Boys“ sind beides ebenfalls so großartige Filme, dass es echt nicht wundert, dass der Herr für seine Werke stets viel Prominenz an Land ziehen kann. Um so erstaunlicher, da seine Filme meist in den fast unsichtbaren, stillen Bereichen ihre größte Qualität besitzen.  OFDb

13.11.2012

FÜR IMMER SHREK (2010)

Shrek hat ein gemeinsames zu Hause mit der Frau die er liebt, hat drei wundervolle Kinder und viele Freunde. Und doch sehnt er sich in jene Zeit zurück, in der er der gefürchtete Oger war. Rumpelstilzchen bietet dem unglücklichen Monster einen Vertrag an, der es Shrek ermöglicht für einen Tag wieder das furchterregende Monster zu sein. Als Gegenleistung muss der Oger auf einen Tag aus seiner Vergangenheit verzichten. Shrek willigt ein, ohne zu wissen, dass Rumpelstilzchen damals das Königreich überschrieben bekommen hätte, wenn Shrek nicht Prinzessin Fiona aus dem Drachenturm befreit hätte. Nach Unterzeichnung des Vertrags findet sich der Grünling in einer fremden Alternativwelt wieder, in der jeder wie gewünscht vor ihm Angst hat, in der aber keiner seiner Freunde ihn kennt und Rumpelstilzchen Herrscher über Weit Weit Weg ist. Nur ein Kuss bis Sonnenaufgang zwischen Shrek und Fiona kann verhindern, dass dieser Zustand dauerhaft besteht. Fiona ist jedoch keineswegs an einen Kuss des ihr unbekannten Oger interessiert, ist diese doch eine knallharte Kämpferin, die gerade in den Vorbereitungen zur Revolution gegen Rumpelstilzchen steckt...

Shreklich brav...
 
Bereits vor Teil 3 kündigten die Dreamworks-Studios an, mit Teil 4 würde die Reihe um den grünen Oger Shrek ihr Ende finden. Eine solche Ankündigung weckt Interesse, erwartet man doch eine Geschichte, die einen deutlichen Abschluss präsentiert, ein Ende, dass ein bestimmtes Kapitel schließt.

Als ich erstmals von der Geschichte von „Für immer Shrek“ erfuhr, wuchs meine Neugierde noch ein Stückchen an, klang die Idee doch verlockend, die Figuren der Reihe mal alternativ in einer anderen Gegenwart zu erleben. Da ich zu der Minderheit gehöre, der Teil 3 gefallen hat, bremste auch dieser die Vorfreude nicht aus.

Doch was soll man sagen: wer sich schon im Vorgänger darüber beklagte, die Reihe sei zu brav geworden, der wird mit der dritten Fortsetzung nun gar nichts mehr anfangen können. „Shrek 4“ (Alternativtitel) ist nun endgültig zu einem Mainstream-Produkt geworden, das die frechen Züge, die Teil 1 und 2 zu etwas besonderem machten, nur noch für kurze Augenblicke aufleuchten lässt. Teil 4 bietet eine biedere Moral, niedliche Momente und keineswegs eine innovative Geschichte, wie der Trailer noch hätte vermuten lassen können.

Nicht nur dass aus der Grundidee der alternativen Realität viel zu wenig herausgeholt wurde, eine Idee, die allein schon deshalb gut zu nennen ist, weil die Figuren an Abnutzungserscheinungen leiden. Es ist nach Sichten auch kein Abschluss erkennbar, der die große Vorankündigung des letzten Teils und die Formulierung eines „Final Chapter“ rechtfertigt. Teil 4 ist eine Folge wie es „Shrek 2“ und „Shrek 3“ war. Da bekommt man zwar auf „Rocky 5“- und „Lethal Weapon 4“-Art nach Ende der Geschichte die schönsten Momente aller Vorgänger im Abspann präsentiert, es stellt sich dabei aber nie ein Gefühl der Nostalgie ein, eben weil im Bewusstsein des Zuschauers kein Schlussstrich gezogen wurde. Teil 4 ist zu Ende. Ja, und?

Ein gutes Ergebnis weiß dieser Kritikpunkt nicht zu verhindern, dafür sorgt lediglich die viel zu routinierte Herangehensweise, die sich nun fleißig am beliebten amerikanischen Zeichentrick-Rezept bedient, das in Teil 1 noch so wundervoll durch den Kakao gezogen wurde. So schaut sich „Für immer Shrek“ eher wie „Ab durch die Hecke“, „Jagdfieber“, „Bee Movie“ und wie sie alle heißen mögen, nicht aber wie sein großes Erstling, dass den Computeranimations-Markt ein neues Rezept zuwarf, an dem sich alle Produktionsstudios mit Ausnahme von Pixar, fleißig bedienten. Dadurch war das „Shrek“-Rezept selbst Mainstream geworden, was viele über den eigentlich konsequenten Teil 3 schimpfen ließ. In Teil 4 ist nun gar keine Mühe mehr erkennbar eigenständig wirken zu wollen.

Das ist schade, führt jedoch nicht zum Totalreinfall, wie bereits die oben erwähnten Vergleichsfilme deutlich machen. Das waren alles sympathische Werke für die ganze Familie, nicht mehr und nicht weniger. Somit kann „Für immer Shrek“ mit heruntergeschraubten Erwartungen und erst recht für das Massenpublikum Freude bereiten. Die Geschichte ist kurzweilig, wenn auch alles andere als einfallsreich, und selten gibt es auch mal die großen Lacher am Rande. In Teil 4 ist es meist der gestiefelte Kater, der für diese zuständig ist. Esel hat er längst abgelöst, der wirkt nur noch wie ein pflichtmäßiges Anhängsel.

Gleiches gilt für Fiona, die lediglich für emotionale Momente zuständig ist. Witzig durfte sie bereits in Teil 3 nicht sein, diesmal ist ihre Figur zumindest für die Geschichte wichtig. Während Pinocchio noch immer für kleine Gags am Rande gut ist, verlieren Figuren wie der Lebkuchenmann fast gänzlich ihren Reiz, ein Fakt, der einen auf die neu eingebrachten Figuren schielen lässt.
 
Doch diese haben auch nicht den großen Knüller zu bieten. Unter den Oger-Rebellen gibt es den ein oder anderen halbwegs interessanten Gag-Lieferanten und der Rattenfänger von Hameln könnte recht witzig sein, würden seine Auftritte nicht dafür verschwendet werden, hippe Party-Tänze entstehen zu lassen, die bei den Kids das Gefühl für Coolness entstehen lassen sollen, nur ein Beispiel für das Anbiedern ans Massenpublikum. In seiner skurrilen Art sehr lustig ist das Haustier und der ständige Wegbegleiter von Rumpelstilzchen, das gerade wegen seiner realistisch gehaltenen tierischen Art zu begeistern weiß.

Ärgerlich verhält es sich mit der Figur des Rumpelstilzchens, das nun der erste Bösewicht der Reihe ist, der nicht zu gefallen weiß. Optisch nett animiert (wie alles im Film) aber ohne das gewisse Etwas, charakterlich uninteressant und das schlimmste: erschreckend unwitzig. Ewig wartet man auf Pointen, lustige Sprüche oder schlichtweg den Wahnsinn den die gute Fee und Lord Farquaard versprühten. Wie schon bei Disney, so war es auch in der „Shrek“-Reihe einer der Trümpfe, immer einen interessanten Bösewicht zu präsentieren.

Ich weiß wie negativ sich das alles liest, aber wie erwähnt weiß es auf Light-Niveau trotzdem zu funktionieren. Die gegebene Rezeptur des „Shrek“-Universums ist zu mehr im Stande, ist aber nun mal so gut, dass es eben auch auf Mainstream-Art noch schmeckt. Handwerklich gibt es nichts zu meckern, für Action und einen gewissen Spannungsgehalt ist gesorgt und witzig (wenn auch nicht so enorm wie in den Vorgängern) ist Teil 4 auch. „Für immer Shrek“ ist jedoch kein Film fürs Kino, sondern eher ein Griff für einen gemütlichen Video-Abend mit der ganzen Familie. Für mehr ist er einfach zu brav und gewöhnlich. Da kann auch das ach wie moderne 3D-Verfahren nichts daran ändern.  OFDb