Einzig nicht zu verzeihender Minuspunkt ist der sehr dürftig ausgefallene Soundtrack, der derart schlicht dahin dudelt, dass er fast vergleichbar mit den monotonen Hintergrundsounds heutiger Asylum-Produktionen ist. Ansonsten liefert "The Rock" (Originaltitel) ein flottes Szenario in netter Kulisse, welches meiner Meinung nach zwar etwas weniger Ausschweifungen vor dem Einsatz auf Alcatraz hätte vertragen können, aber auch mit diesen Unnötigkeiten zu unterhalten weiß. Die Starbesetzung ist diesmal Teil des Funktionierens. Connery und Cage wissen als Team zu gefallen, die beste Leistung liefert jedoch Ed Harris ab, dessen Figur zudem am interessantesten gezeichnet ist. Alle anderen entsprechen dem gradlinigen Stereotyp. Sprüche und humoristische Einlagen wissen mal zu funktionieren, sich aber auch hin und wieder als zu sehr dem Publikum angebiedert anzufühlen, was inmitten des heftigen Karachos, das Bay zu entfalten vermag, jedoch kaum auffällt. Hingucker sind gerade mit Blick von heute die noch handgemachten Spezialeffekte. Wenn es hier rummst, wird sich richtig Mühe gegeben, tatsächlich allerhand Aufwand betrieben, und rummsen tuts eigentlich die ganze Zeit. Kurze emotionale Momente und eine Schluss-Pointe, die Kinomagie zu versprühen weiß, bescheren dem sonst eher oberflächlich ausgefallenen Gute Laune-Film das gewisse Etwas. Dass "Candyman" Tony Todd in einer kleineren Rolle mit an Bord ist, war mir nicht bekannt. OFDb
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
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01.04.2023
THE ROCK - FELS DER ENTSCHEIDUNG (1996)
"The Rock - Fels der Entscheidung" ist ein kurzweiliger Actionfilm, der alle guten und schlechten Seiten einer Action-Großproduktion aus den 90er Jahren besitzt. Das schaut sich kurzweilig, relativ anspruchslos, aber imposant in Szene gesetzt, und das weiß trotz der Überlänge von über 130 Minuten zu funktionieren. Wenn man bedenkt, dass ich diesen Film zu seiner Veröffentlichungszeit richtig großartig fand und x Mal gesehen habe, erkennt man jedoch wie sehr sich meine Sehgewohnheiten verändert haben. So naiv kann ich dann doch keinen Film mehr schauen, der derart auf gängige Standards setzt, sich selbstverliebt einen Schwanzvergleich nach dem nächsten liefert und einfach viel zu reißerisch eingefangen ist. Selbst die Action wirkt für einen Actionfilm überladen, ist aber freilich noch bekömmlich umgesetzt, wenn man bedenkt, dass man es hier mit Michael Bay zu tun hat, der später nur noch klotzte anstatt zu reizen. Letztendlich ist aber alles dem Kind im Manne-Genre zuzuschreiben, ist in einem Actionfilm also freilich verziehen, manche sehen derartiges gar als obligatorisch an, kann in dieser Art den Größen wie "Stirb langsam" aber nicht das Wasser reichen.
06.07.2020
CREEPSHOW - DIE UNHEIMLICH VERRÜCKTE GEISTERSTUNDE (1982)
In den 50er und 60er Jahren waren die von Erwachsenen verpönten Monster-Hefte und Grusel-Comics erfolgreiche Trivialware. "Creepshow" (Originaltitel) widmet sich in seiner Rahmenhandlung nicht nur dieser und dem umstrittenen Umgang mit derartigen Publikationen, er kommt komplett im Gewandt einer solchen daher. Die Kurzgeschichten beginnen und enden mit Zeichnungen, einige Bilder werden nebeneinander in Comicbild-Umrahmung präsentiert, die heute nostalgisch anmutenden Werbeseiten mit skurrilen Artikeln, zum Verschleudern des Taschengeldes, werden eingebaut, und auch die präsentierten Geschichten an sich baden in genau jenem charmant verschmitzten, schwarzhumorigen Ton, wie er typisch für diese Art Produkt war. Ernstzunehmender Horror wird hier nicht präsentiert, eher Schelmereien geschmückt in Horrorthematiken. Umso schöner ist es, dass diese kindliche Herangehensweise getaucht ist in oftmals blutrünstige Bilder. Die US-Amerikaner hatten noch nie Probleme damit beides zu vereinen. Für die Effekte verantwortlich zeichnet sich Tom Savini, der Genre-Künstler seiner Zeit schlechthin, das Drehbuch steuerte der gerade besonders beliebte Stephen King bei (der in der zweiten Geschichte auch sympathisch dümmlich spielend die Hauptrolle besetzt), und mit George A. Romero hatte man einen professionellen Veteran des modernen Horrorfilms auf dem Regie-Stuhl sitzen.
So braucht es gar nicht verwundern, dass direkt zu Beginn eine Zombiegeschichte auf den Zuschauer wartet. Allerdings ist sie ganz anders als Romeros "Die Nacht der lebenden Toten" und "Zombie" ausgefallen. Im zum verspielten Grundton verpflichtenden Look erinnert sie mit ihrem charmanten Monster, das dem Grabe entsteigt, und der mündlich dargebotenen Aufforderung auf einen längst fälligen Geburtstagskuchen eher an den erst später erschienen "The Return of the Living Dead". Romero beweist, dass er die Thematik auch auf völlig andere Art beherrscht. Die darauf folgende Geschichte, um einen dümmlichen Farmer, der nach dem Berühren eines frisch herunter gestürzten Meteors zum Pflanzenwesen mutiert, schlägt einen ähnlichen Ton an. "Creepshow" (Originaltitel) liefert jedoch selbst in verschmitzter Form auch ernstere, nicht ganz so extrem auf Comic getrimmte, Gangarten. So z.B. in der meiner Meinung nach besten Geschichte, in welcher Leslie Nielsen einen rachsüchtigen, besitzergreifenden Ehemann spielt, der den Betrug seiner Frau auf besonders scheußliche Art rächt. Während die meisten Episoden auf sehr direkte Art erzählt sind, kommt eine Geschichte, um ein affenähnliches Monster mit unnötigen Ausschweifungen daher, welche die Geschichte eher lang ziehen, anstatt ihr dienlich zu sein. Eine professionelle Besetzung macht einiges wieder wett, meiner Meinung nach wird diese nett getrickste Chose jedoch zum Tiefpunkt des Streifens. Eine Abschluss-Story um ein Kakerlakenproblem entlässt wieder verschmitzt sympathisch aus dem Film.
So nett das alles klingt, "Die unheimlich verrückte Geisterstunde" (Alternativtitel) macht genau jenes Problem deutlich, welches ich meistens mit Episodenfilmen, gerade aus dem Horrorbereich, habe. Die Episoden greifen nie tiefer, als ihr eigentlicher Aufhänger und enden mit einem augenzwinkernden Schluss dann, wenn es am interessantesten wird. Die liebevolle Comicgestaltung und die professionelle Umsetzung machen zwar einiges wieder wett, aber über eine Laufzeit von zwei Stunden schießt "Creepshow - Die unheimlich verrückte Geisterstunde", der bislang zwei Fortsetzungen beschert wurden, dann doch über sein Ziel hinaus. Am Stück konnte ich mir den damit viel zu lang ausgefallenen Streifen nicht angucken. Und so charmant ich auch vieles an ihm finde, letztendlich hängen mir die sympathischen Geschichten zu sehr an ihrem Aufhänger fest. Das reicht um eine Art morbid kindliche Freude zu entfachen, überfordert in seiner Überlänge jedoch. Filmfreunde, die weit weniger skeptisch mit Episodenfilmen umgehen als ich, werden mit genügend Geduld jedoch ein feines, verspieltes, wie blutrünstiges Happening erleben, wie es eben nur Freunde dieses Genres mögen, vorausgesetzt man steht nicht nur auf die bierernsten Varianten des übernatürlichen Films. OFDb
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16.10.2019
WESTWORLD - STAFFEL 2 (2018)
War Staffel 1 der Serie "Westworld" noch ein interessantes Gedankenspiel, welches gelegentlich zu geschwätzig pseudo-intellektuell ausfiel, so wankt das Ergebnis in der zweite Runde nun gewaltiger. Zunächst fängt Staffel 2 überraschend gut an, macht von Beginn an klar, dass es mit den Plänen der Firma Delos weit mehr auf sich hat, als Menschen mit Westernspielen zu vergnügen. Und trotz Andeutungen auf einen möglichen Ansatz des zu unsinnig ausgefallenen "Futureworld", der seinerzeit das Original "Westworld" fortsetzte, greift man nicht dessen Idee auf, sondern streift sie nur zur Betrachtung einer interessanteren, weniger eindimensionalen. Zwar wird manch einer gerade zu Beginn der Staffel das erhoffte Massaker vermissen (die Serie Westworld geht auch in ihren aufregenderen Szenen besonnen, ruhig erzählt und dialoglastig vor), die neugierig machende Offenheit diesmal kein Geheimnis aus den verschiedenen Zeitebenen zu machen und der andere Ansatz der Revolution machen aus diesem Umstand jedoch kein Ärgernis, sondern lediglich einen anderen Umgang mit der Thematik. Allerdings blitzt in der hier gelebten Art der Revolution und Selbstfindung der Maschinen bereits in dieser Phase jener Schwachpunkt auf, der einiges am Potential der Serie vermissen lässt: mit dem Hauptaspekt einer humanistischen Erzählung, die das Wesen des Menschen aus einem arg bitteren Blickwinkel ergründen möchte, unterlassen es die Autoren der Geschichte den Robotern eine eigene Mentalität zu kreieren. Letztendlich sind sie wie Menschen, reagieren nicht wie Maschinen, so dass z.B. ein Roboter, der ein Kind sein soll, ein Kind bleibt, entwickeln keine eigene Kultur, kein eigenes, ihrem Organismus entsprechendes, Weltbild. Auch ihre Denkstrukturen, gerade bezüglich der unterschiedlichen Parteien, die sich im Umgang mit der Revolution bilden, sind rein menschlich orientiert.
Roboter werden zwar zu cleveren Taktikern, handeln aber stets aus menschlichen Gefühlsregungen heraus, obwohl sie in Staffel 1 noch erfuhren, dass auch Gefühle Programme sind und ehemalige Angehörige angedichtete Geschichten. Und da jede Serie ihre festen Figuren benötigt, wirkt der Aufstand der Maschinen zudem noch milder als nötig, indem die Schreiber der Serie nie den Mut besitzen Konsequenzen zu ziehen. Jeder kann jederzeit überleben, Roboter können trotz Vernichtung des Backups wieder geschaffen werden (alles logisch erklärt, keine Sorge, aber eben stets einen sicheren Hinterausgang im zu gewollt kritischen Treiben im Auge behaltend), verletzte Hauptfiguren werden aus hanebüchenen Gründen verschont, nur selten entsteht in Staffel 2 eine nicht rückgängig zu machende Situation mit extremen Ausgang. Da braucht es auch nicht verwundern, dass auch die philosophischen Aspekte immer verstärkter zum bedeutungsschwangeren Leergeschwätz verkommen, oftmals eher den Kitsch einer Seifenoper aufgreifend, anstatt tatsächlich intellektuelle Diskussionsansätze zu verfolgen. Letztendlich lebt Staffel 2 nur noch von den Rätseln, die sie in absichtlich umständlicher Erzählweise zu erhalten weiß, aber das ist zumindest ein Motor, der selbst den enttäuschten Zuschauer motiviert dran zu bleiben. Der Blick auf eine weitere Unterhaltungswelt neben jener des Wilden Westens erweist sich gegen alle Erwartungen leider als Tiefpunkt der Serie und erstreckt sich über quälende zwei Folgen; als sich das Desaster in einer Indianer-vertiefenden Folge zu wiederholen droht, beweist sich die Serie im humanistischen Romantikgewandt plötzlich emotional überzeugend. Dennoch: anstatt wahrhaftig kritische Denkmodelle anzugehen, schwimmt die zweite Staffel im Mainstream der Weltansicht, verfolgt einfachste Massenmeinung zum Thema Mensch, geht dies aber zumindest gewitzt erzählt und intelligent verschachtelt an.
Was man der Serie lassen muss, gerade in Staffel 2, ist ihre Deutungsvielfalt im analytischen Bereich. Der Kampf Maschine gegen Mensch kann nicht nur auf die klassische Unterschicht- und Oberschicht-Komponente übertragen werden, sondern z.B. auch auf den Sektor der Emanzipation. Ohnehin ist "Westworld" mit seinen häufig unauffällig vertauschten klassischen Geschlechterrollen ein wunderbares Beispiel für echt gelebte Emanzipation in der Film- und Serienwelt. Allein in für Amerika überraschenden, nicht weg geblendeten Nacktszenen, fiel ein Teilaspekt dessen bereits in der ersten Staffel auf. Die zweite geht trotz anderweitigen Schrittes voraus jedoch gerade mit Blick auf nicht ignorierte Geschlechtsteile wieder einen Schritt zurück. Die Darsteller agieren ohnehin alle weit seltener nackt, als es noch in der Vorgängerstaffel zu beobachten war. Das ist an sich ein nicht bedeutend scheinender Faktor. Betrachtet man aber den Rückgang an intellektueller und sachbezogener Argumentationen und Schwerpunkte der zweiten Staffel, eher zweifelhafte Ethik propagierend anstatt einen wissenschaftlichen Blick auf das Geschehen zu werfen, so darf man sich doch fragen, ob wer das Ruder übernommen hat, welcher der Serie einen anderen, weniger systemkritischen Anstrich verleihen wollte. In Amerika passiert es oft, dass nach erfolgreichem Start wer anders das Serienkonzept verändert, um bestimmte Dinge damit zu erreichen (siehe "Parker Lewis", "King of Queens" oder "The Big Bang Theory"). "Westworld" ist in seiner zweiten Staffel zumindest noch intelligent und wendungsreich genug erzählt, um einen selbst im enttäuschten Zustand noch als Zuschauer zu gewinnen und ernst zu nehmen. Das ständige Anwenden von Ausreden im pseudo-intellektuellen Sinne, zur Umgehung wahrer Konsequenzen (ein Faktor der eigentlich zwingend zum echten Leben dazu gehört), lässt das Geschehen aber längst nicht mehr so spannungsgeladen und emotional packend verfolgen, wie zuvor, eben da mit den lieb gewonnenen Figuren alles (wieder) möglich ist und Erlebtes nichts Endgültiges sein muss. Dieses Makel ist in sofern bedeutend, als dass es vielen getroffenen gesellschaftskritischen Aussagen der Serie widerspricht. Aber derartige Widersprüche weisen Moralisten oft auf, und Denken wurde in Staffel 2 endgültig und unübersehbar gegen Moral eingetauscht. Das ist schade um die guten Ideen der Serie, gerade mit Blick auf das Geheimprojekt der Firma Delos. OFDb
13.10.2019
WESTWORLD - STAFFEL 1 (2016)
Wer ohne den Vergleich an das großartige Original "Westworld" an die Serie herangeht, bzw. andere Erwartungen an sie knüpft, der kann durchaus gut unterhalten werden mit einem Produkt, welches völlig andere Wege beschreitet als der 70er Jahre Science Fiction von Michael Crichton und die Erlebnisse von dort nur subtil streift. Das Ergebnis kommt ähnlich intelligent daher, mit dem Unterschied dass man seinerzeit intellektuelle Themen kaum benannt den Zuschauer entdecken ließ, wohingegen man heutzutage in endlosen Gesprächen über den gesellschaftskritischen und psychologischen Aspekt schwadronieren muss. Da schweift man auch gerne mal eine Spur zu extrem ab und rutscht in den pseudo-intellektuellen Bereich ab, für ein Produkt seiner Zeit macht "Westworld" seine Arbeit aber überraschend gut, auch wenn er nicht an die Klasse des Originals oder den themenähnlichen "Ex-Machina" heran reicht. Begrüßenswert ist der neue Aspekt, der mehr in die philosophische Richtung des TV-Filmes "Welt am Draht" und den Filmen, die er beeinflusste, schlägt. Andererseits bedarf alles in der Neuversion einer Erklärung, für Mysterien, wie der in "Westworld" thematisierten Roboterkrankheit (deren Mythos mit nur einem Nebensatz angezweifelt wird), scheint in der heutigen Welt kein Platz mehr zu sein, wenn man ein intelligentes Produkt auf den Markt werfen möchte.
Der Zuschauer muss Geduld mitbringen. Lange Zeit scheint sich in "Westworld" nichts zu tun, man muss Freude an den Nichtigkeiten, den Anspielungen und an der Vielschichtigkeit von Personen, Situationen und gesellschaftlichen Themen haben, um das schleichende Geschehen genießen zu können. Das Warten lohnt sich, zumal in der recht stillen Anfangsphase bereits gut agierende Darsteller, der nötige intellektuelle Kick und der Mut zur Andersartigkeit im Vergleich zum Original positiv auffallen. Hat man die erste Staffel beendet, sind allerhand Rätsel gelöst, die einen faszinierten, eröffnen sich Blickwinkel, die zuvor trügerisch eine andere Wahrheit offenbarten und überraschen Persönlichkeiten mit ihren wahren Ichs, die man anders eingeschätzt und zugeordnet hätte. Sicherlich baut "Westworld" bewusst aufs Hinhalten, lässt sein Publikum hauptsächlich aufgrund seiner Neugierde zappeln, aber das Rezept funktioniert. Und erstaunlicher Weise bleibt das Produkt auch in seinen erlebnisreicheren Phasen im ruhigen und besonnenen Stil erzählt, so wie der fast still stehende Beginn der Staffel. Wen es nach Action lechzt, der hat hier nichts verloren. "Westworld" setzt auf seine Figuren und auf seine Geschichte, erzählt etwas Bedeutendes und setzt den Schlusspunkt zur zweiten Staffel an einer faszinierenden Stelle. Würde mich nicht immer wieder ein Hauch zu gewollter Tiefsinnigkeit in mancher zu extremen Geschwätzigkeit anwehen, könnte ich glatt von einer hervorhebenswerten Serie sprechen. So aber ist sie, sowohl im positiven, wie im negativen Sinne, ein Produkt seiner Zeit, vielschichtig erzählt und durchdacht, aber auch zu bedeutungsschwanger aufgeblasen und zu wenig das Publikum allein entdecken lassend. OFDb
12.01.2013
DIE FIRMA (1993)
Mitch ist mit seinen Leistungen
einer der meist umworbenen zukünftigen Anwälte Amerikas. Er nimmt ein
Topangebot einer relativ kleinen Kanzlei an, unwissendlich dass diese
Mafiabeziehungen hegt...
Mein Kunde, der Pate...
"Die Firma" ist das Paradebeispiel eines gelungenen Filmes, der es schafft so gut zu sein trotz seiner total unsympathischen Hauptcharaktere, die von der Geschichte her nicht so unsympathisch hätten angelegt sein müssen, damit sie funktioniert. Alex aus "Uhrwerk Orange" und die Hauptfigur aus "Starship Troopers", die nie selbstständig dachte, waren unsympathische Figuren weil sie für eine derartige gesellschaftskritische Geschichte so angelegt sein mussten. Die Geschichte von "Die Firma" hätte genauso gut mit Sympathieträgern umgesetzt werden können.
Aber nein, stattdessen erleben wir zwei biedere junge Menschen. Der männliche Part betrügt seine Frau schneller als sie seinen Namen aussprechen kann, ist ein arbeitswütiges Tier unter der Ausrede er würde es für das Wohlergehen seiner Frau machen und verführt seine bessere Hälfte mit so charmanten Worten wie:" Willst Du Eier? Ich hätte 2 harte." Oh weh! Sie ist aber auch nicht viel besser. Ihr Männergeschmack zeigt sich lediglich durch Äußerlichkeiten, anders geht es bei einem so gedankenlosen Arschloch von Ehemann ja auch gar nicht. Und außerdem ist sie eine Klugscheißerin (wichtig hervorzuheben: keine Besserwisserin, denn sie weiß es nicht besser!).
Dies zeigt sie einmal sehr deutlich und unbeliebt machend, wenn sie einem Vorgesetzten ihres Mannes auf einer Beerdigung nach einem minimalen Dialog mangelnde Trauer vorwirft und dieser dies zurecht erwidert mit den Worten: "Menschen trauern auf unterschiedliche Art."
Diese zwei Figuren verfolgt man nun durch eine Geschichte, die recht interessant erzählt ist, obwohl sie eigentlich vorhersehbarer nicht sein könnte. Lediglich wie pfiffig sich die Rolle des Cruise aus all dem rettet, was ihm im Film wiederfährt, ist überraschend eingebracht. Allerdings ist diese gesamte Aktion für einen derart geistestrüben Charakter eigentlich eine Spur zu gewitzt, aber wollen wir da mal nicht so kleinlich sein. Gut ist zumindest dass die Mafia hier nicht als einziger Bösewicht dasteht. Das hätte schnell passieren können, wenn der Film sich komplett am konservativen Denken seiner Protagonisten orientiert hätte. Aber der Film basiert auf einem Roman von Grisham, und der war sich sehr wohl bewusst, dass auch das FBI kein Club von Menschenfreunden ist.
Die Geschichte plätschert nett vor sich hin und wird eigentlich erst zum Ende hin spannend. Doch irgendwie schafften es Regie und Co die Geschichte trotz Vorhersehbarkeit, widerlicher Identifikationsfiguren und fehlendem Nervenkitzel das ganze ansehnlich zu verpacken. Und ich weiß nicht wie er es macht, aber trotz mangelndem Talent hat Cruise es mal wieder geschafft eine Rolle in einem richtig guten Film zu ergattern. Wer Cruise als Pluspunkt sieht wird sicherlich keine Probleme damit haben sich mindestens mit der Filmehefrau zu identifizieren. Der Realist weiß, dass Cruise kein Schauspielgenie ist, für viele Menschen (mich eingeschlossen) ist er nicht mal sympathisch. Das macht ihn aber gerade so perfekt für die Rolle in "Die Firma".
Seine Filmpartnerin spielt nicht viel besser als er, und der Rest darf gängige Klischeerollen spielen, mal typisch für US-Filme (die Chefs, die FBI-Agenten) und mal ins comichafte abgleitend (der Sicherheitschef und seine Gefolgschaft). Einzig die Rolle Gene Hackmans weiß sich aus diesem Meer an Klischees und Unbeliebtheit hervorzuheben. Hackman spielt einen gebrochenen Charakter, eine dramatische Rolle, die sehr echt wirkt. Ohne sie gäbe es keine emotionalen, stillen Momente in diesem Werk. Das wäre auch kein Muss für das Funktionieren eines guten Thrillers, aber es verfeinert einen solchen Film, so wie Zusatzgewürze eine bereits schmackhafte Suppe noch leckerer macht.
Ein solches Gewürz ist in diesem Thriller auch die Musik, die sich mit Klavieruntermalung begnügt. Schön dass dieser Mut zum Ungewöhnlichen funktioniert, dennoch dürften sich an diesem Punkt die Geister scheiden. Der Film ist auf jeden Fall eine Empfehlung wert, auch für Leute, die sich mit Tom Cruise in Hauptrollen nicht anfreunden können. Er eignet sich auch wunderbar zum öfter gucken (der Film, nicht der Cruise). OFDb
Kategorien:
1990-1999,
Ed Harris,
Filmbesprechung,
Gene Hackman,
sehenswert,
Thriller,
Tom Cruise,
USA
20.08.2012
MONSTER AUS DEM ALL (1968)
Eigentlich wollten Astronauten nur einen Gesteinsbrocken daran
hindern auf die Erde zu krachen, doch bringen sie von dem Kometen einen
außerirdischen Virus mit, dessen Folge die Flut kleiner mutierter
Monster ist...
Putzig schließt gefährlich nicht aus... Diese kleine Perle hat es lange Zeit nicht auf den deutschen Videomarkt geschafft, obwohl es seiner Zeit eine deutsche Kinoveröffentlichung gab. Einer der cineastischen Pluspunkte von "The Green Slime" (Originaltitel) ist die Präsenz des noch jungen Ed Harris in einer gar nicht so kleinen Rolle. Allerdings spielt er nicht die Heldenrolle. Die verkörpert pflichtgemäß ein intolerantes Großmaul, welches ohne jede Befugnis sowohl den Anspruch der Führung als auch den Anspruch des Weibchens an sich reißt, ohne irgendetwas besser zu wissen als jeder andere.
Die Geschichte verläuft interessant und abwechslungsreich. Die Situation ist recht aussichtslos. Das könnte alles höchst spannend sein, wären die Aliens nicht so unglaublich niedlich ausgefallen und billig zurecht gemacht. Besonders putzig wirkt eine Aufnahme aus der Ferne, in welcher man die Aliens die Außenhülle eines Raumschiffs belagern sieht. Da fehlte nur noch das Hi-Ho-Lied aus „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ zur vollkommenen Entfaltung. Bis die Aliens als solche auftauchen erinnert der Film inhaltlich ein wenig an den Klassiker "Blob - Schrecken ohne Namen". Doch kaum tapsen die größer werdenden Viecher umher, ist es vorbei mit der Parallele zu diesem Klassiker.
Die Kometen-Kulisse, wenn auch nur zu Beginn des Werks sichtbar, wirkt nostalgisch und naiv, wie aus einer Folge „Raumschiff Enterprise“ entliehen. Andererseits betrifft dies eigentlich den kompletten Film: seine niedliche Naivität, sein kindlicher Umgang mit dem Thema (und doch für Erwachsene gedreht) und der aus heutiger Sicht nostalgische Schein sorgen dafür, dass man ihn eigentlich schon nicht mehr als unfreiwillig komischen Schund betrachten will. „Monster aus dem All“ ist durch seinen Charme und seine Konsequenz mehr. Schlecht ist er überhaupt nicht. Desinteresse kommt niemals auf, zumal die erzählte Geschichte eine interessante ist. Sie könnte gar richtig bedrohlich und spannend werden, würden die Außerirdischen nicht so unglaublich niedlich aussehen und in ihrem naiven Science Fiction-Jahrzehnt feststecken.
Wer die Chance hat an diese unbekannte Perle zu gelangen, sollte zugreifen. Gerade Freude ungewöhnlicher Filme, die nicht inflationär mit dem Begriff Trash um sich schmeißen, sollten unbedingt einen Blick riskieren. "Monster aus dem All" ist ein Liebhaberstück für Genre-Freunde und Cineasten mit dem Herz am rechten Fleck. OFDb
05.05.2012
NIXON (1995)
In bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, beschreitet Nixon mit
allerlei Hindernissen eine Politkarriere bis hin zum Präsidenten der
Vereinigten Staaten von Amerika. Er sollte der erste Präsident werden,
der von diesem Amt zurück treten muss...
Ein Buhmann mit Format...
Ein Buhmann mit Format...
Oliver Stone widmete sich im Laufe seiner Karriere als Regisseur in zwei Filmen den zwei unbeliebtesten Präsidenten der USA. Während sein Werk über George Bush, Jr. mit dem kurzen Titel „W.“ eher leichtfüßig daher kommt und den Bereich der Satire streift, ist sein Werk über Richard Nixon, welches den Nachnamen der zu behandelnden Person trägt, sehr dramatisch, schwermütig und teilweise recht düster angelegt. Das trifft inszenatorisch beides den Kern der Psychologie seiner Hauptfiguren und führt in beiden Fällen zu einem interessanten Ergebnis. Zeigte uns Stone mit „W.“ später einen Film der Verständnis für Bushs Taten wecken kann ohne den Präsidenten dabei in Schutz zu nehmen, so wird in „Nixon“ Stones Zwiespalt zwischen Anklage und Anerkennung deutlich.
Für Stone schien Nixon nicht schlichtweg der böse Mann zu sein zu den ihm die Medien zu seiner Zeit und hinterher gemacht haben. Das darf schon ein wenig verwundern, kann man es doch als Provokation ansehen, dass gerade einmal vier Jahre nach „Das Schweigen der Lämmer“ ausgerechnet Anthony Hopkins für die Rolle des Richard Nixon besetzt wurde, ein Mann der mit seiner Darbietung als Hannibal Lector immer wieder in Verbindung gebracht wird und einen Filmbösewicht kreierte der unheimlich und in gewisser Weise sympathisch zugleich war. Es würde den Ruf Stones nicht entsprechen, aber mit Hopkins in der Hauptrolle hatte ich eher mit Schwarzmalerei gerechnet als mit einer objektiven Berichterstattung.
Von objektiv kann man sicherlich nur bedingt sprechen, ist doch vieles im Werk spekulativ, allein schon weil es sich viel mit den inneren Dämonen Nixons beschäftigt, und wie der mit diesen umgegangen ist lässt sich kaum nachweisen. Oliver Stone macht jedoch kein Geheimnis daraus, beginnt den Film mit einer Texteinblendung die darauf verweist, dass der Film eine Interpretation dessen ist was passiert ist. Fakten und Vermutungen vereinen sich, lassen sich jedoch, so denke ich zumindest, recht gut auseinander halten, trennen sich beide Bereiche versimpelt ausgedrückt doch meist mit der Aufteilung Privatmensch und Politiker.
Stone neigt oft dazu ein wenig zu dick aufzutragen. Eine Symbolik wie ein besonders blutiges Steak während einer Diskussion über Vietnam, oder Ab- und Überblendungen während ein wütendes Gesicht im Bild zu sehen ist, das verletzt gerne mal den Ruf einer anspruchsvollen Biographie und zeigt, dass man in Amerika im Unterhaltungskino zu Hause ist, selbst wenn man es nicht sein möchte.
Inhaltlich zeigt der Film aber um so mehr, dass es Stone ernst ist möglichst faktengetreu zu berichten und nicht in Einseitigkeit zu verfallen. Nixon werden seine großen Taten wie das Verhindern eines Bürgerkrieges, die Öffnung nach China hin, das Beenden des Vietnamkrieges und seine Versöhnungsarbeiten mit der Sowjetunion anerkannt, und dies nie ohne die Zwiespältigkeit zu vergessen die Nixons Aktionen umwehten besagte Ziele zu erreichen. Ebenso wenig wird jedoch auch nicht vergessen in welch schwieriger Lage sich der Präsident oft befand in einer Zeit eines selbstgerechten gesellschaftlichen Wandels, der mitunter wegen der damals so schwierigen Zeit aufkam.
In gewisser Weise kann man dies gerecht nennen, war Nixon selbst doch ebenso selbstgerecht, und dass er nicht verstanden wurde, hat er laut Stone stets als Bestätigung seiner Selbstgerechtigkeit gesehen, ein Prozess der sich hochgeschaukelt hat bis zu dem Zeitpunkt an dem ein Mann mit ehrbaren Motiven immer ungesetzlicher gehandelt hat. Dass es Nixon selbst so nie gesehen hat, offenbarte er allerspätestens Jahre nach seiner Karriere in dem berühmten Interview mit Frost, welches im hier besprochenen Film nicht thematisiert wird, aber von Regisseur Ron Howard in „Frost/Nixon“ zum eigenen Thema wurde.
„Nixon“ ist recht komplex erzählt, und damit wesentlich schwierigere Kost als „W.“. Das beginnt mit seiner Laufzeit von 180 Minuten und zeigt sich des weiteren in seinem wilden Zeiten-Cocktail. Ebenso wie sein Werk über Bush Junior ist Stones Werk über Richard Nixon nicht chronologisch erzählt. Vergangenheit, die Endphase der Regierung und das Mittendrin dieser und der politische Aufstieg werden immer wieder durcheinander gewirbelt. Und da wir es zudem mit einer großen Menge an wichtigen Figuren zu tun haben, wird es für Nichtkenner der Materie schon ein wenig schwierig folgen zu können.
Dem Unterhaltungswert macht das keinen Abbruch. „Nixon“ ist spannend erzählt und konzentriert sich meiner Meinung nach auf den ultimativen Leckerbissen seiner Geschichte: der Zerrissenheit von Nixons Charakter, dem größten Drama welches diese Thematik zulässt. Was wäre der Film für ein zu theoretisches Werk geworden, wenn man sich der äußeren Dramatik wie dem Watergate-Skandal und der Unbeliebtheit bei der amerikanischen Hippie-Jugend zugewandt hätte, ohne dabei die missverstandene Seite Nixons zu thematisieren, die ihn in etwas verwandelt hat, was er zu jungen Zeiten sicherlich nie werden wollte?
Trotz zu dickem Auftragen und zu extremen Baden in düsteren Bildern wird „Nixon“ nicht zu einer Politversion von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. Das hätte durchaus passieren können. Immer wenn das Werk droht in diese zu primitive Richtung hineinzusteuern, schafft es Stone das Steuer herumzureißen und wieder auf faktischem Kurs zu fahren. Aber das ist eben das Risiko wenn man einen Film über jemanden erzählt, der im öffentlichen Leben stand, dies aber über einen Blickwinkel erzählt der nur spekulativ aufgegriffen werden kann. Stones Werk ist mit diesem Vorhaben um so mutiger zu nennen, das macht es aber nicht immun gegen berechtigte Kritik zu viel in die Materie hinein zu dichten. Meiner Meinung nach ist Stone jedoch ein recht interessanter Film geglückt, den man sich ruhig einmal zu Gemüte führen kann. OFDb
Trotz zu dickem Auftragen und zu extremen Baden in düsteren Bildern wird „Nixon“ nicht zu einer Politversion von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. Das hätte durchaus passieren können. Immer wenn das Werk droht in diese zu primitive Richtung hineinzusteuern, schafft es Stone das Steuer herumzureißen und wieder auf faktischem Kurs zu fahren. Aber das ist eben das Risiko wenn man einen Film über jemanden erzählt, der im öffentlichen Leben stand, dies aber über einen Blickwinkel erzählt der nur spekulativ aufgegriffen werden kann. Stones Werk ist mit diesem Vorhaben um so mutiger zu nennen, das macht es aber nicht immun gegen berechtigte Kritik zu viel in die Materie hinein zu dichten. Meiner Meinung nach ist Stone jedoch ein recht interessanter Film geglückt, den man sich ruhig einmal zu Gemüte führen kann. OFDb
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