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28.07.2019

NIGHT LIFE (1989)

Während in der 80er Jahre-Welle, in welcher Horrorfiguren für Komödienstoffe zweckentfremdet wurden, Vampire und Werwölfe meist noch sympathisch verarbeitet wurden, ging es den Zombies weit weniger gut. Slapstick-artig wurden sie für Teenie-freundliche Stoffe verheizt, besonders übel geschehen in "Beverly Body Snatchers" und "Creeps - Eine unheimliche Geisterstunde", in Horror-Komödien, die versuchten beide Genres möglichst gleichwertig einzubinden, eine Spur erträglicher umgesetzt, so z.B. bei "C.H.U.D. 2", der sichtlich von "The Return of the Living Dead 2" inspiriert wurde. Der in dieser Welle relativ spät auftauchende "Night Life" gehört zu den besseren Werken dieser unangenehmen Phase, obwohl er die Zombies betreffend unter ähnlichen Schwächen leidet, wie die Vergleichsfilme, sprich sie kommen zu trottelig und zotig daher und verpuffen damit einiges an stimmigem Horror-Potential. Denn David Acombas Werk gehört zu jenen Beiträgen, die nicht nur Komödie sein sollten, sondern auch dem Horror-Fan gefallen sollten. Wenige harte Effekte entschädigen besagtes Publikum für manch zu albern geratenen Ausrutscher, diese Art Zuschauer ist halt so leicht zufrieden zu stellen, wie zu verärgern.

Die wahre Stärke von "Grave Misdemeanours" (Alternativtitel) liegt jedoch in seiner treffsicheren Charakterzeichnung. Der mit dem Jungstar aus den ersten beiden "Critters" besetzte Scott Grimes darf einen Loser spielen, wie es ihn in der Schwarz/Weiß-Denker-Welt eines Stephen Kings nie gegeben hätte. Ständig verhält er sich anders als erwartet, stets sind Konfrontationen mit anderen Filmfiguren von funktionierender, gar nicht dummer, Situationskomik geprägt. Zu den Highlights gehören freilich auch die Auftritte vom Ur-Mr. Addams John Astin, der kurz vor hier besprochenem Film den herrlich affigen Professor in "Die Rückkehr der Killertomaten" spielen durfte, und sich mit dieser Rolle verglichen hier arg zurückhält. Subtil angelegt würde man seine herrlich überagierende Darbietung hier dennoch nie nennen, fußend auf den Vorgaben eines Drehbuchs, das Freude daran findet das Geschehen dieses Streifens comicartig augenzwinkernd zu übertreiben. Leider sah man sich auch in der Pflicht selbiges auf die Zombies anzuwenden, so dass das Niveau mit ihrem Erwecken leider eine ordentliche Spur zurück geschraubt wird. Das war die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist: der Film lässt sich unglaublich viel Zeit bis die Toten auferstehen dürfen, denn die geduldige Entwicklung der Geschichte gehört ebenfalls zu den Pluspunkten von "Nightlife Zombies" (Alternativtitel).

Glücklicher Weise verkommt "Nightlife" (Alternativtitel) auch in seiner schwächeren Hälfte nicht zur Gurke. Neben eben erwähntem Pluspunkt der geglückten harten Spezialeffekte, weiß das Drehbuch stets interessante Szenarien zu entwerfen. So gehört beispielsweise der Kampf mit den Zombies innerhalb eines Brennofens zu den Highlights der Spätphase. Das eigentlich ärgerliche an der Verarbeitung der Zombiethematik ist noch nicht einmal zwingend der zu alberne Grundton, wobei dieser mir ehrlich gesagt ebenfalls sauer aufstößt. Viel gravierender verwässert hier die mangelnde Interpretation des Handelns der Zombies das Treiben. Klar, sie sind Mobber, wiederholen intuitiv was sie zu Lebzeiten taten, und doch folgt ihr Verhalten keinem wirklichem Muster. Mal sind sie hohl wie Brot, dann wiederum handeln sie plötzlich nach Plan, mal ist ihnen die Verfolgung Archies wichtig, dann wieder das Töten anderer Menschen. Ein Muster will sich da nicht erkennen lassen, ebenso wenig wie in ihrer Gewichtung Grusel und Klamauk, so als habe wer arg Naives gedacht beides ließe sich zum selben Zeitpunkt in den selben Figuren vereinen. Trotz dieser harten Worte gehört "Night Life" definitiv zu den unterhaltsamen Horror-Komödien seiner Zeit und weiß mir von all den oben aufgezählten Vergleichsfilmen definitiv am besten zu gefallen. Verwundern darf das schon, hat David Acomba doch danach nie wieder einen Film gedreht, und war er davor doch lediglich ungenannt an der Regie vom "Star Wars Holiday Special" beteiligt, was auch nicht gerade ein positives Licht auf sein Schaffen wirft. Von meiner Seite aus hätte er aber gerne noch den ein oder anderen Genrebeitrag abliefern können.  OFDb

26.01.2019

DIE RÜCKKEHR DER KILLERTOMATEN (1988)

War "Angriff der Killertomaten" aufgrund seines recht grotesken Humors, seiner Episodenhaftigkeit und des wechselnden Erzähltempos noch ein ziemlich unebener Film, so kommt der zehn Jahre später entstandene "Die Rückkehr der Killertomaten" wesentlich glattgebügelter daher. Nicht falsch verstehen, zum Mainstream sollte die Reihe um das killende Obst, das oft versehentlich als Gemüse bezeichnet wird, erst mit dem zwei Jahre später erschienenen Teil 3 "Die Killertomaten schlagen zurück" werden, aber John De Bellos zweiter Streich zu diesem Thema schaut sich weit mehr wie eine zusammenhängende Erzählung, als es der Vorgänger tat und schaut sich zudem weit geradliniger als dieser. Erneut badet man, wie sollte es bei diesem Thema auch anders sein, ordentlich im Klamauk, allerdings ist dieser nicht mehr so grotesk ausgefallen wie im Vorgänger. Von der schlichten Humorform der "Police Academy"-Filme ist der hier angewandte Klamauk aber ebenfalls weit entfernt, dafür ist er zu einfallsreich, individuell und teilweise sogar zu hintergründig ausgefallen. Klamaukgegner mögen vielleicht maulen, aber was Mitautor und Regisseur De Bello hier auf 90 Minuten Laufzeit an humoristischem Wahnsinn auf die Beine stellt ist nicht von schlechten Eltern, das Ganze geradezu derart in schrägen Witzigkeiten überschwemmt, dass man sich darüber wundern darf, dass der Streifen damit überhaupt so gut funktioniert, wie er es tatsächlich tut.

Mag der Titel auch eher Augenwischerei sein, denn Killertomaten wie in Teil 1 gesichtet, oder als klassische Monstren umfunktioniert wie in Teil 3 und 4, bekommt man hier nicht zu sichten. Die Tomaten sind hier lediglich Menschen, und der größte Spezialeffekt findet sich in verfärbenden Augen und einer absichtlich lächerlichen Attrappe der Frontaufnahme von Dr. Gangreens Haus. Aber ebenso wie im kultigen Originalfilm, so war sich De Bello auch in seiner Fortsetzung der angeblichen Unzulänglichkeiten bewusst, mehr noch, er musste sich nicht mit ihnen arrangieren, sondern nutzte bewusst diese Methode, um auf verschiedenen Ebenen, auch der Metaebene, mit dem Medium Film und der gewählten Geschichte zu spielen. So wird die vierte Mauer durchbrochen wenn höchst treffsicher immer wieder Produktwerbung in den Film integriert wird, oder ein angeblicher Zuschaueranruf eingebracht wird, in welchem sich jemand nach etlichen Rückblenden darüber beschwert, dass der Film kaum aus neuem Material bestehen würde. Und nach dem Nachfragen einer Nebenfigur an einen Statisten ob es in diesem Film schon eine Verfolgungsjagd gab, präsentiert uns De Bello auch gleich die kürzeste der Filmgeschichte überhaupt, ein Rekord der bis heute ungebrochen sein dürfte.

Wo "Angriff der Killertomaten" sich hauptsächlich über den Bereich des Tier-Horrors und Amerikas Kriegsmentalität lustig machen durfte, da verarbeitet man mit dem Nonsens in der Fortsetzung den Schwachsinn aus dem Bereich des TVs, schablonenhafter Kinounterhaltung und unreflektierter Kriegsverarbeitung. Letzter Punkt erschafft eine herrlich surreale Alternativwelt, in welcher niemand begriffen hat, bzw. niemand je herausfinden wollte, was die Hintergründe des Tomatenkrieges aus Teil 1 waren, und man stattdessen in engstirniger Idiotenperspektive allgemein das Feindbild Tomate aufrecht erhält. Der Tomatenhandel wird streng kontrolliert. Pizzen bestehen aus ekligen Zutaten, da Tomaten in der Gesellschaft verpönt sind und nicht mehr gegessen werden. Allein das Vorhandensein einer Tomate löst bereits eine Massenpanik aus, und dementsprechend sieht freilich auch die Feindseligkeit gegenüber einer harmlosen Tomate aus. Man soll es nicht meinen, aber auf diese Art findet sich inmitten höchst alberner Verspieltheit fruchtsame Gesellschaftskritik wieder, die tatsächlich zu funktionieren weiß. Nebenbei wird aufgrund der vorhandenen Liebesgeschichte noch das verklemmte Getue der Amerikaner aufs Korn genommen, Mechanismen romantischer Filme vorgeführt und gekonnt ad absurdum geführt und für mehr Toleranz für Andersartige geworben.

Hierfür dient auch die, gerade beim weiblichen Publikum beliebte, Mutation namens Fusseltomate, die für cartooneske Momente herhalten darf und in ihrem Niedlichkeitsfaktor glücklicher Weise noch zurückhaltend und treffsicher eingesetzt wird, im Gegensatz zu ihren Auftritten innerhalb der zweiten Fortsetzung. Ohnehin ist man von dessem niedrigen Niveau noch weit entfernt, was auch ein Blick auf Igor, dem blonden Gehilfen des irren Wissenschaftlers, zeigt, der mit gleichem Schauspieler besetzt hier zu einer wirksamen Lachgranate wird, spätestens wenn er in die Kamera grinst, und in Teil 3 völlig austauschbar und unlustig wirkt. Ein Blick auf die Besetzung des Streifens lohnt ohnehin, ist in einer größeren Nebenrolle doch der damals noch unbekannte George Clooney mit an Bord, dem laut Interview, im Gegensatz zu manch engstirnigen Cineasten, sein Mitwirken an diesem Streifen nicht peinlich ist, sondern er ganz im Gegenteil damals stolz darauf war eine solch große Rolle ergattert zu haben und überhaupt mitwirken zu dürfen. Außerdem mit an Bord ist der Ur-Mr. Addams John Astin in der Rolle des Professor Gangreen.

Der spielt nicht mehr so versteckt skurril wie in der Erfolgsserie "Die Addams Family", dafür aber mit sichtbarer Spielfreude mit dem Holzhammer jegliches Klischee eines irren Wissenschaftlers präsentierend. Es ist eine Freude ihm und all den anderen Mitwirkenden zuzusehen, allen voran dem unbekannten Anthony Starke in seiner Hauptrolle als Chad. Der muss kein wirklich talentierter Schauspieler sein, es braucht also nicht verwundern dass er nach kleinen Rollen in "Endlich wieder 18" und "Von allen Geistern besessen" nur noch für das Fernsehen arbeitete, aber seine Darbietung in "Return of the Killer Tomatoes" (Originaltitel) ist wahrlich treffsicher und sympathisch ausgefallen, eben weil er, ebenso wie Astin, in totaler Spielfreude überagieren darf. Und wenn in mancher Ausnahmeszene auch Clooney auf gleiche Art aufdreht, meist neben Starke, dann bereitet dies mit Blick auf seinen heutigen Bekanntheitsgrad und Betätigungsfeld gleich noch mehr Spaß ihm dabei zuzusehen als es zur Entstehungszeit der Fall war.  OFDb

12.10.2013

DIE KILLERTOMATEN SCHLAGEN ZURÜCK (1990)

Da werden einige sicher enttäuscht gewesen sein: da wird uns endlich jene Art Killertomaten gezeigt, die sich viele Zuschauer unter dem Begriff schon immer vorgestellt und gewünscht haben und dann sind sie in einem eher schlechten Film vertreten. Keine großen Riesenattrappen mehr, keine Tomatenmänner als Killertomaten-Ausrede, nein! Kleine Tomaten mit gefräßigen Mäulern machen die Gegend unsicher. Animationstechnisch natürlich auf unterstem Niveau, aber das gehörte schon immer zur Rezeptur dieser Filmreihe.

Positiv fällt zunächst einmal die Eingangssequenz auf. Sie gehört auch zu meinen persönlichen Lieblingsszenen der zweiten Fortsetzung. Es ist eine Jason-Parodie. Der Witz ist zwar flach, zündet aber immerhin. Auch die „Psycho"-Duschszenen-Parodie ist mit Sicherheit keine humoristische Königsübung aber dennoch belustigend. Das Schicksal dieser zwei Witze teilten die meisten anderen in diesem Film jedoch nicht. Das Niveau der Gags war schon immer grenzwertig zu nennen, aufgrund des Rahmens aber auch sinniger als sich mancher Cineast eingestehen wollte. „Angriff der Killertomaten“ ließ öfter mal etwas niveauvollere Gags aufblitzen durch seine Parodieposition und seinem anarchischen Grundton. „Die Rückkehr der Killertomaten“ gab sich schon flacher dem Nonsens hin, blieb hierbei aber überraschend treffsicher. Teil 3 besitzt nun gar keine Klasse mehr. Das versteckte Niveau der Vorgänger ist fort. Der Film selbst schaut sich wie für ein Kinderpublikum gedacht, was wohl auch erklärt warum im selben Jahr von „Die Killertomaten schlagen zurück" auch die Zeichentrickserie „Angriff der Killertomaten" gestartet ist. Das Killerobst ist im Mainstream angekommen. Rebellenfilm ade!

Regisseur John De Bello, der auch die beiden Vorgänger verzapft hat, achtet viel mehr darauf eine flotte, actionreiche Geschichte zu erzählen, als das zu bieten, was der Stammzuschauer eigentlich sehen will, nämlich das von „Schlock - Das Bananenmonster“ geklaute Prinzip: anarchischer Klamauk, der zwischen den Adjektiven clever und plump hin und her hüpft, und dies in einem Fließband-Tempo. Wer zu einem Killertomaten-Film greift gehört nun einmal einer bestimmten Gattung Zuschauer an. Diesmal greift man jedoch (vergebens) nach dem Massenpublikum, was aufgrund der schrägen Thematik und des noch immer schrägen Grundtons ein widersprüchliches Unterfangen ist, immerhin ist John De Bellos Erfindung nicht vergleichbar mit kommerziell erfolgreichen Klamaukfilmen wie "Police Academy". Für diesen Vergleich würden „Die Killertomaten schlagen zurück" aber ohnehin die gelungenen Lacher und die hohe Gag-Rate fehlen, welche die guten Teile der Reihe um die Polizeischule ausgemacht haben.

Immerhin darf auch Teil 3 sich manch gewagtem grenzdebilen Humor hingeben. So z.B. Professor Gangreens aktuelle Methode der Gehirnwäsche, die darin besteht seinen Opfern nervige Situationen aus dem Alltag aufzuzählen, wie z.B. das ewige Schlangestehen an der Supermarkt-Kasse, womit man auf sehr andere Art bereits der Grundidee von „Falling Down" vorweg greift. Leider verlieren aber auch solch sympathische Ideen in ihrer überzogenen Art ihr Potential, und damit geht wertvolles Material verloren inmitten einer durch zu viel Handlung verwässerten Story.

Der Held mit dem Fallschirm aus „Angriff der Killertomaten“ wird diesmal noch mehr zur Randfigur degradiert als im zweiten Teil. Damit könnte man noch leben, könnte er doch ohnehin keine drei Filme komplett füllen. Aber was aus den beiden Bösewichten geworden ist, die erst mit der ersten Fortsetzung eingeführt wurden und dort treffsicher trumpften, ist schon eine Schande für sich. Der Professor, der vom legendären Gomez der Ur-“Addams Family“ gespielt wird, hat immerhin seine wenigen Momente, zu denen auch die Idee zählt am Ende des Films in die Umkleidekabine der Verlierer zu schalten. Aber seine Figur wird nicht mehr so treffsicher eingebracht wie im zweiten Teil. Das was sein Charakter parodieren soll wird zur Nebensache. Und rein optisch wirkt Astins Spiel auch nicht mehr ganz so geisteskrank wie im Vorgänger oder in seiner Paraderolle des Gomez Addams. Allerdings habe ich das Gefühl gehabt, dass dies viel eher an Kamera, Maske und Beleuchtung lag als am mangelnden Spiel Astins.

Schlimmer traf es jedoch Gangreens dumm-dämlich grinsenden Gehilfen. Seine schleimige Art ist leider nicht mehr so lustig wie im Vorgänger. Und dort zählte er zu den wirksamsten Figuren im Humorbereich. In „Die Killertomaten schlagen zurück“ wird er lediglich verfeuert. Er ist dabei, weil er dazu gehört. Das ist alles. Zu guter letzt wäre noch Wuscheltomate zu erwähnen. Diese wurde in Teil 2 als Niedlichkeitsfaktor eingebaut. Das habe ich schon damals für einen Fehler gehalten, aber auch sie hatte dort ihre witzigen Momente. In Teil 3 ist sie nur noch dafür da die wenigen weiblichen Zuschauer zu entzücken, und das ist nicht gerade eine Ehrerbietung. Kurzum: jede Figur, die einst das Killertomaten-Universum bereicherte, erfährt einen respektlosen Umgang.

Man erwartet von einer Killertomaten-Fortsetzung sicherlich nicht viel. Um so extremer ist die Erfahrung des Zuschauers, wenn man dann trotzdem enttäuscht wird. Auf ganz niedrigem Niveau weiß „Die Killertomaten schlagen zurück“ noch zu funktionieren, verwässert im Kommerz und längst im eigenen Kosmos angekommen ohne sich selbst oder das Kino zu reflektieren. Vereinzelte Lacher und lieb gewonnene Figuren schaffen es den treuen Zuschauer bis zur Ziellinie zu geleiten. Aber ein kurzweiliges Erlebnis haben auch sie nicht erlebt. Und jedem anderen Zuschauer wird die zweite Fortsetzung des kultigen Originals ohnehin zu blöde, klamaukig und peinlich sein. Zielpublikum ist diesmal das Teen-Publikum, und für die fällt das Produkt zumindest noch okay aus.  OFDb

14.12.2012

THE KILLER TOMATOES EAT FRANCE (1991)

Ein junger, amerikanischer B-Film-Darsteller reist durch Frankreich und lernt eine junge Frau kennen, die ihn für Michael J. Fox hält. Währenddessen wurde Professor Gangreen von Igor und einer Bande Killertomaten aus dem Gefängnis befreit und bereitet in Paris die Krönung Igors zum König von Frankreich bevor...

Froschschenkel und Ketchup...
 
1978 drehte John De Bello „Angriff der Killertomaten“, eine Film-Parodie auf das Genre Tierhorror, das mit allerlei Produktionen damals den Filmmarkt zuschmiss. De Bellos Film war anarchistisch und provokativ und befolgte ähnlich den 90er Jahre-Helge Schneider-Komödien nur wenige der Regeln der Erzählform eines Filmes. Absichtlich schlechte Effekte, eine freiwillig dumme Geschichte, schlechte Witze, maue Darsteller und alles andere als eine gradlinige Erzählung waren das Ergebnis, mit dem mancher Filmfreund überfordert war, der sich außerhalb der Regeln nicht orientieren konnte.

Mit der Fortsetzung „Die Rückkehr der Killertomaten“, die 10 Jahre später auf der Kinoleinwand erschien, wurde man Teil des Unterhaltungskinos. Man könnte formulieren, dass die Tomaten-Reihe zivilisierter wurde. Dennoch war ihr anarchistischer Kern nicht vollends abgestorben. Bewusst zerstörte man die Illusion des Films und brach eine Brücke zur angeblichen Wirklichkeit, dem Set. Drehbücher wurden erwähnt, der Dreh abgebrochen und die Crew hinter der Kamera gezeigt. Ganz öffentlich wurde Produktwerbung platziert und parodiert, und in Zeiten des Actionbooms im Kino der 80er Jahre lenkte man dagegen mit der kürzesten Auto-Verfolgungsjagd aller Zeiten (bis heute nicht getoppt).

Nur zwei Jahre später war die Killertomaten-Reihe im Kommerz angekommen. Mit „Die Killertomaten schlagen zurück“ kam ein braver Film heraus, der zwar sehr alberne Komik bot, sich aber an die Gesetze des Films hielt und nicht mit neuen Ideen trumpfte. Nicht mehr der gewagte Stil war Orientierung, sondern das Wiedersehen mit bekannten Figuren. Der Film war gewöhnlich, bot lediglich das, was der Fan der Reihe sicherlich schon immer mal sehen wollte: echte Killertomaten, kleine Gemüse mit bissiger Mimik.

Im selben Jahr entstand die Zeichentrickserie „Angriff der Killertomaten“, die im Gegensatz zu Teil 3 direkt auf Teil 2 aufbaute. Auch hier war von Experimentierfreude nichts mehr zu spüren. Die Serie war mehr Kinderprodukt als Stoff für kindgebliebene Erwachsene. Nur wenige Humorhäppchen bekam der treue Freund der Reihe zugeschmissen, der Rest war gewöhnlicher als das Ergebnis von „Die Killertomaten schlagen zurück“.

De Bello blieb einer Killertomaten-Tradition treu: zwischen jedem Teil der Reihe verkürzte sich die Wartezeit. Gerade ein Jahr später erschien „The Killer Tomatoes Eat France“, und wie es schien lief dieser Film in Amerika nicht einmal mehr im Kino, sondern kam, passend für die 90er Jahre, direkt als B-Film-Produktion auf VHS heraus. Dem deutschen Publikum wurde die dritte Rückkehr der Killertomaten überhaupt nicht mehr beschert. Wer sie sehen will, muss auf eine ausländische Fassung zurückgreifen.

Die Wartezeit von gerade einmal einem Jahr macht bereits deutlich, dass man mit großen Neuerungen oder revolutionären Ideen nicht rechnen muss. Der Weg zurück zur Anarchie war nicht gewollt, De Bello wollte brav sein Geld verdienen, mit einer Idee, die wohl nicht so endlos auszuschlachten war, wie ihm lieb gewesen wäre.

Qualitativ unterscheidet sich Teil 4 kaum von Teil 3. Der Vorgänger hatte jedoch den Trumpf die ersten richtigen Killertomaten zu präsentieren, wie man sie sich vorstellt. Da dieser auch nette parodistische Szenen auf Jason der „Freitag der 13.“-Reihe und einer Duschsequenz aus „Psycho“ bot, waren immerhin winzige Highlights im gewöhnlichen Kommerzmeer vorhanden.

Solche Neuerungen hat „The Killer Tomatoes Eat France“ gar nicht mehr zu bieten. Mehr noch: die Tomaten wurden auf drei „Gremlins“-artige Figuren reduziert, die lediglich gegen Ende Verstärkung von einer mutierten Riesen-Tomate bekommen, deren, mit Blick auf Teil 1 betrachtet, einzige Neuerung es war, dass sie wie „Godzilla“ Feuer spucken konnte.

Der Schauplatz-Wechsel nach Paris kann dem bewährten Rezept auch keinen neuen Zunder geben. Aber immerhin wird inhaltlich viel mit französischen Klischees gespielt und mit der Unwissenheit der Amerikaner (schön demonstriert in einer Europakarte, die mittendrin Hongkong und Australien aufzeigt). Das sorgt für einige Lacher und Schmunzler, ist jedoch kein geeignetes Füllmaterial für einen fast 90-minütigen Film.
 
Ansonsten wird mit alten Ideen jongliert wie dem Mix der zwei Realitäts-Ebenen aus Teil 2 (inklusive des Product-Placement), Killertomaten-Puppen die an Teil 3 orientiert sind, den üblichen Bösewichtern und den von Folge zu Folge immer albernern Gags, die von ihrem anarchischen Ursprung kaum mehr etwas preisgeben. Seit Teil 3 gaukelt die Reihe vor außergewöhnlich zu sein, sie ist aber längst im alternativen Mainstream angekommen.

Wer sich auf banale Art mit weniger Erwartungen dennoch auf diesem Niveau unterhalten lassen kann, dem bietet der vierte Teil der Reihe zumindest einige Insider-Spielereien. Der Schauspieler des Igor bekommt eine Doppelrolle beschert, das Titellied des ersten Teils wird absichtlich verwurstet um die Preisgünstigkeit des Streifens zu unterstreichen und Fusseltomate, wohl der Liebling des weiblichen Stammpublikums, schaut ab der zweiten Hälfte auch hin und wieder vorbei.

Dass die Killertomaten wieder wie in Teil 2 zur Nebensache werden, ist ziemlich egal, lebt der neue Plan des Bösewicht-Gespanns doch hauptsächlich von der Unwissenheit der Amerikaner über andere Kulturen und dem absichtlichen Spaß aus dieser Wissenslücke ein alternatives Frankreich zu schaffen, welches auf die Rückkehr eines Königs wartet.

Dies gemixt mit der Heldengeschichte einer frustrierten Hauptrolle, die nicht nur Star eines schäbigen B-Films ist, sondern zudem auch noch einer dritten Fortsetzung eines B-Films, könnte für amüsante Routine sorgen. Leider vernachlässigt De Bello es im Mittelteil für Lacher zu sorgen. Vielmehr spannt er die dünnen Fäden der Geschichte ereignislos zusammen und lässt zwischendurch Kalauer auftauchen, die auf Grundschulniveau angesiedelt oder aus den Vorgängern bereits bekannt sind.

Das Finale gestaltet sich wieder flotter und einfallsreicher, doch bis dahin ist die Lustlosigkeit beim Zuschauer bereits eingetreten, der sich über den positiven Umschwung zwar freuen wird, seine schlechte Meinung über den Film aber nicht mehr revidieren wird. Doch auch der enttäuschte Zuschauer wird sich am Ende an solch nette Ideen erinnern wie dem Running Gag mit der Treppe der 900 Stufen, den freiwillig schlechtesten Kriegs-Spezialeffekten der Welt und dem Subplot im besagten Krieg, in welchem die Hauptfigur vergeblich versucht sein Leben zu verlieren.

Nichtsdestotrotz, die Killertomaten taugen als Mainstream-Produkt nichts, allein schon weil es kein Stoff für das breite Publikum ist. Das Alternativ-Publikum mag es radikaler und pfiffiger. Eine handvoll solcher Momente reicht dem Bewunderer der ersten beiden Teile nicht aus.

Das ist wohl ein Grund, warum sich nun 21 Jahre lang nichts mehr im Killertomaten-Bereich getan hat. Mit dieser langen Pause würde aber immerhin Hoffnung bestehen, dass bei einer eventuellen vierten Rückkehr wieder das Kino, und mit ihm der Zuschauer und seine Sehgewohnheiten an sich, verarscht werden und nicht nur eine absichtlich dämliche Geschichte an sich.  OFDb