Thanos mag in meinen Augen nach wie vor nicht der mächtige Gegner sein, der eine derart gewichtige Position zu füllen weiß, aber zumindest sind es die Ereignisse im letzten Drittel, welche die Zusammenkunft der fast kompletten Marvel-Superheldenschar nötig macht, ein Zustand der für mich in Teil 3, an welchem Teil 4 direkt anknüpft, nicht gegeben war. Ohnehin ist der zweite Teil um die Infinity-Steine interessanter ausgefallen, ist für mich aber trotzdem nicht das hochgradige Kinoereignis, das er in seiner prachtvollen Art gerne sein würde. Tut mir leid, aber wenn tragische Momente im Dialog mit einem CGI-Waschbären vorgetragen werden, stößt es meinem bei solchen Sichtungen ansonsten gut verdrängtem Erwachsenen-Ich geradezu lächerlich auf. Derartiges funktioniert einfach nicht. Ein unangenehmer Hulk, der quasi durch einen dauerhaften Mittelzustand nun gezähmt ist und eine oberste Zauberin aus dem "Doctor Strange"-Universum, die sich über die Zukunft des Doktors mehr im Klaren ist als zum späteren Zeitpunkt in besagtem Film, sind Schwächen inmitten eines Werkes das nicht kleckert sondern klotzt, sich bei dem Staraufgebot und der Anzahl vieler Figuren derartiges ruhig auch leisten kann, aber eben stets hauptsächlich Quantitäten anstatt Qualitäten serviert. Zumindest sind viele gute Schauspieler mit am Start. Von einem muss man sich aus dem Marvel-Universum endgültig verabschieden, was im Gegensatz zu dem Waschbärenbeispiel auch überraschend emotional zu wirken weiß, selbst wenn man, wie ich, vor dem Sichten bereits davon wusste, dass es passiert. Ansonsten bietet "Avengers - Infinity War - Part 2" (Alternativtitel) solide Actionunterhaltung mit allerhand humorvoller Momente, spannenden Ereignissen, interessanter Wendungen, aber auch vielen zu gewollt erscheinenden Momenten (der bequem gewordene Thor zum Beispiel) und jeder Menge Oberflächlichkeiten. Da ich mit meiner Kenntnis der drei Vorgänger genau auf ein derartiges Ergebnis eingestellt war, konnte ich mich mit diesem meist anspruchslosen Effektgewitter jedoch gut arrangieren und wurde dementsprechend kurzweilig unterhalten. OFDb
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
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17.09.2022
AVENGERS 4 - ENDGAME (2019)
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14.10.2018
LETHAL WEAPON 4 (1998)
Neben dem ersten Teil dürfte "Lethal Weapon 4" wohl der kultigste Beitrag der Reihe sein, wenn auch der umstrittenste. Der Komödienpart rutscht noch ein wenig mehr in den Vordergrund als ohnehin schon, und der düstere Aspekt ums familiäre Umfeld herum wird weit optimistischer gezeichnet und mit dem versöhnlichen Schluss endgültig aufgehoben. Das in Teil 3 bereits zu erkennende anderweitige Familiengefühl einer alle Jahre wieder zusammen kommenden Filmcrew, wird in direktem Zusammenhang damit zu diesem Zeitpunkt zu seinem Höhepunkt geführt. Das schmeckte nicht jedem, das war für manch einen zu viel privates Getue, dabei verzichtet der Streifen im Gegenzug nicht auf seine Brutalitäten, die er in Teil 3 so gut wie ausgeblendet hat. Das ist auf der einen Seite eine Versöhnung mit dem dort enttäuschten Publikum, als Spagatversuch es auf der anderen Seite gleichzeitig jenem Publikum recht machen zu wollen, welches wie ich die Handschrift des dritten Teiles mochte.
Sicherlich ist dies einer der Gründe, warum Teil 4 trotz aller Sympathie nicht ganz so gut funktioniert, wie er hätte können. Man will es allen recht machen, man möchte wieder alle liebgewonnenen Figuren unter einen Hut bringen und gleichzeitig neue Kultfiguren schaffen. Mit anderen Worten: der Schritt zurück, den Teil 3 so lobenswert selbst in seinem Finale präsentierte, wird wieder über Bord geworfen für das große Mehr. Mehr Action, mehr Gewalt, mehr Gags, mehr Figuren, mehr Tammtamm. Überall muss noch inmittem großen Trubels irgend eine Lücke gefüllt werden, um mehr zu bieten, und so schaut sich "Lethal Weapon 4" ein wenig überfrachtet, wenn diesbezüglich auch eine Menge geglückter Momente erntend. Die Lachgasszene, die Pseudohochzeit mit dem Rabbie, die Funknetztelefondiskussion, der gefangene Hai, das alles sind Ideen welche die Geschichte theoretisch gesehen unnötig strecken, aber unglaublich zu gefallen wissen.
Ohne, wie für seine Entstehungszeit üblich, politisch korrekt daher zu kommen begradigt Teil 4 zudem so manches Unschöne aus den Vorgängern. Zu Herzen geht die Versöhnung mit dem stets gepeinigten Leo Getz, sinnloser Wandalismus ersetzt den sonst zu übertriebenen Sadismus der Helden, und der sonst so fremdenfeindliche Aspekt der "Lethal Weapon"-Mentalität bietet diesmal zumindest in Form der Familie Honk einen sympathischen Gegenpart, so dass die Asiaten nicht einzig dem Feindbild dienen. Sicher, in Teil 4 ist manches zu gewollt angegangen, so unverkrampft wie die Teile 1 und 3 schaut er sich nicht, und auch der späte 90er Jahre Farbfilter hinterlässt nicht mehr den klassischen Eindruck der Reihe, den er bis zur zweiten Fortsetzung beibehielt. Aber letztendlich ist "Lethal Weapon 4 - Zwei Profis räumen auf" (Alternativtitel) eine unterhaltsame Party für Fans der Reihe, für große Kinder, also für das Stammpublikum, und da geht es schon in Ordnung, dass die Verantwortlichen des Streifens zu viel wollten.
Die guten Aspekte dominieren, und Jet Li mit seiner beeindruckenden Kampfkunst als interessanter und wahrhaft bedrohlicher Gegner mit an Bord zu haben ist auch alles andere als ein Nachteil. Seine Kämpfe kann man als eine Entschuldigung für den Straßenköterkampf Rene Russos aus Teil 3 empfinden, der dort unverschämter Weise mit einer asiatischen Kampfkunstart betitelt wurde. Eine kurze Kampfsequenz mit Russo (erneut mit zu vielen Schnitten anstatt gekonnter Choreographie versehen) revidiert diesen positiven Eindruck ein wenig, und dieser unschöne Moment ist gleichzeitig der einzig beeindruckende Auftritt der in Teil 3 noch so gleichrangig emanzipiert aufgetretenen Frau. Im hier besprochenen Werk muss Russo dem ewig glattgebügelten, überholten Klischee-Familienbild der Amis treu bleiben, was dann auch der schwerwiegendste Kritikpunkt eines Filmes ist, der an so einigen Schwächen krankt. Trotzdem ist es schön zu sehen dass an so ziemlich jeder anderen Stelle die Charaktere inmitten einer explosiven, actionreichen Geschichte den Autoren wichtig bleiben, was spätestens dadurch bestens bewiesen wird, dass mancher zwischenmenschliche Höhepunkt des Streifens in der angenehm langen Phase nach dem Finalkampf stattfindet. Aber auch hier wird es wieder Tunnelblick-Zuschauer geben, die in ihrer Gier nach Quantitäten über solche Pluspunkte lediglich zu schimpfen wissen, ich hingegen bin dankbar dafür, dass die Autoren sich hierfür die nötige Zeit genehmigt haben. OFDb
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LETHAL WEAPON 3 (1992)
Erneut kommt ein Großteil der Crew der Vorgänger vor und hinter der Kamera zusammen, bis hin zu kleinsten Rollen wie der kultigen Polizeipsychiaterin oder dem Handwerker, dem wir in Teil 2 die Nagelpistole zu verdanken haben, so dass sich bei Liebhabern der Reihe ein gewisses familiäres Flair bemerkbar macht, welches über den unter Fans umstrittenen familiären Aspekt rund um Familie Murtaugh weit hinaus geht. Dieses Flair sorgt dafür, dass man wohlwollender mit dem Ergebnis umgeht und mit ihm nicht zu hart ins Gericht geht. Aber das muss man meiner Meinung nach ohnehin nicht, überraschte mich der dritte Teil der Reihe bei meiner x-ten Sichtung nach einer langen Pause doch geradezu positiv, was gerade deshalb erstaunt, weil ich ihn stets als zwar unterhaltsamen, aber dennoch schwächsten Teil der Komplettreihe wahrgenommen habe.
Das sehe ich heute anders, guckt er sich doch bei weitem nicht so bemüht auf locker getrimmt wie sein Vorgänger, der ebenfalls bereits den komödiantischen Aspekt mehr ins Zentrum rückte, wie es nun erneut der dritte Teil tut. "Lethal Weapon 3 - Die Profis sind zurück" (Alternativtitel) kommt wesentlich entspannter daher, eben weil er keinen all zu hohen Anspruch an sich selber stellt. Der Film soll einzig unterhalten, sucht keinen Schwanzvergleich mehr darin das Action-Genre neu erfinden zu wollen und übertrumpft mit dieser banaleren Haltung das zu gewollte erste Sequel. Manchmal ist weniger einfach mehr, und da die fragwürdige Mentalität des Vorgängers wieder auf den klassischen Standard einer US-Actionfilmmentalität heruntergeschraubt wurde, ebenso wie der Grad der vorhandenen Idiotie, kann man dem munteren Treiben der nicht gerade korrekt handelnden Helden wesentlich gelassener folgen, da man sich nicht stets moralisch herausgefordert fühlt. Ohnehin hat sich seit Teil 1 so einiges verändert, immerhin war es im Erstling Riggs, der aufgrund seines aggressiven, an "Dirty Harry" orientierten, Auftretens zu provozieren wusste. In Teil 3 angekommen sind dessen Methoden bei der Polizei üblich geworden, was den comic-artigen Touch der Chose zu unterstützen weiß. Murtaugh scheut keine trockenen Oneliner nach der ein oder anderen blutrünstigen Tat, der Chef des Departments macht vor lässigen Sprüchen und gewalttätigen Methoden nicht Halt, und auch die Dame für die inneren Angelegenheiten bei der Polizei ist eine gewaltbereite Bitch.
Das muss sie auch sein, immerhin wird sie zum Love Interest für Riggs, und so wie charakterisiert passt sie auch wesentlich besser zu dem Sturschädel als das unpersönliche Püppchen aus dem Vorgänger und weiß die bisherige Crew passend und tatkräftig, da ebenbürtig zu ergänzen. Allgemein besitzt die zweite Fortsetzung ein treffsicheren Charme, der den eigentlich banalen Film besser funktionieren lässt, als den bemüht nach Anspruch hinterher hechelnden Vorgänger. Das Zwischenmenschliche funktioniert besser, treffsicherer Humor und Ernst vereinen sich gekonnter, Leo Getz wird angenehmer eingebracht, die Love Story funktioniert als Teil der hier gelebten Mentalität ohne die Geschichte zu dominieren, und selbst der dramatische Aspekt, diesmal Murtaugh betreffend, greift intensiver, freilich ebenfalls ohne zu dominieren. Da das Ganze zudem von Anfang an rund erzählt ist, sich genügend Atempausen gönnt ohne das flotte Treiben auszubremsen und auch in schrilleren Momenten noch immer die sympathische Tonlage trifft, ist "Brennpunkt L.A. - Die Profis sind zurück" (Alternativtitel) eine kunterbunte Action-Wundertüte, voll von Running Gags, Insidern, Action, Menschlichkeit und guter Laune geworden, das Action-Genre ernst genug nehmend um nicht einzig zur Komödie zu verkommen, die Pseudo-Ernsthaftigkeit von Teil 2 jedoch über Bord werfend, um entspannter als Actionfilm funktionieren zu können. OFDb
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