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18.04.2021

COLUMBO - LÖSEGELD FÜR EINEN TOTEN (1971)

Nach dem eigenständigen, drei Jahre zuvor entstandenen, "Columbo - Mord nach Rezept", ging Columbo in Serie. Der Pilot geht, ebenso wie das Original, noch einmal um die 90 Minuten, bevor der Rest auf 75 folgte, und auch wenn erneut Richard Irving die Regie übernahm, so sieht man "Columbo - Lösegeld für einen Toten" doch manche Länge an, so dass auch ihm 15 Minuten weniger gut getan hätten. Nun liegt die Qualität eines Columbo-Films jedoch ohnehin nicht stark im Bereich der Regie, sondern in der Frage wie gut das Drehbuch ausfällt, und über dieses kann man sich eigentlich nicht beklagen. Erstmals darf Columbo gegen eine Frau ermitteln und ist in seinem ersten Serien-Einsatz auch gleich so charakterisiert, wie es für die Filmreihe üblich werden sollte, sprich Unterschiede zum Ur-Columbo sind bereits hier behoben, einzig dass Columbo einen tatsächlichen Grund hat vorzugehen, wie er es später immer tut, hat die Figur des Ermittlers mit seinem ersten Kriminalfall gemein. Denn auch hier hat es der gute Mann mit einem eiskalten Intellekt zu tun, der ausgetrickst werden muss, da ihm nicht anders beizukommen ist. 

Dass die Serienqualität nicht an den einmalig gedachten Originalfilm heran reicht, beweist "Columbo - Ransom for a Dead Man" (Originaltitel) spätestens mit der Art der Überführung, ist der moralische Aspekt doch weder gewitzt, noch glaubwürdig und unterschätzt das weiträumige, intellektuelle Erfassen eines intelligenten Menschen ohne Empathie. Den denkfaulen Part des Massenpublikums mag man damit überzeugen können, dem Rest kommt der hier gesetzte Stempel naiv und plump vor. Ansonsten kann man über das Ergebnis bei nicht all zu hohen Erwartungen jedoch nicht klagen. Die Vorbereitungen auf den Mord und die angebliche Entführung werden interessant im Detail beleuchtet, so dass es Spaß bereitet der Frau dabei zuzusehen, wie sie mit den Menschen in ihrem Umfeld, einschließlich der Polizei, spielt. Selbiges gilt wie immer für Columbo, der das gleiche mit der Mörderin macht. Dementsprechend interessant fällt zudem das Duell zwischen beiden aus, in welchem der Autor nicht der Versuchung widerstehen kann, dem weniger reflektierenden Zuschauer kurz die Charakterisierung und Methodik der Hauptfigur durch seine Gegenspielerin erörtert zu erklären. 

Bereits vor der mir so sympathisch aufgefallenen Gondelfahrt in "Columbo - Zigarren für den Chef" erleben wir die Höhenangst des Helden in einer herrlich bösartigen Szene, in welcher die Anwältin es geradezu sadistisch genießt sich naiv gebend am Leiden des Inspektors während eines Fluges zu ergötzen. Die mir bereits in "Columbo - Ein Denkmal für die Ewigkeit" nicht zusagende Eigenschaft Columbos dem Mörder am Schluss seinen Respekt auszusprechen, wird bereits hier angewendet und gehört ebenfalls zu den Unterschieden des deutschen Kollegen "Derrick", den ich in meine ersten Besprechung dieser Reihe in "Columbo - Tödliche Trennung" dem amerikanischen Gesetzeshüter gegenüber stellte. Der verabscheute Mord zurecht. Zu Columbo passt dieser kühle, intellektuelle Charakterzug ebenfalls nicht, aufgrund seiner ansonsten verschmitzten, Naivität vortäuschenden, Manöver. Gerade durch derartige Aspekte zeigt sich die schwächere psychologische Reflexion des Autors, bzw. die schwächelnde Qualität aufgrund von Fließband-Arbeit, im Vergleich zum durchdachten Original. Trotz derartiger (zugegebener Maßen arg streng betrachteter) Defizite und einiger Längen kann man "Columbo - Lösegeld für einen Toten" jedoch definitiv als gelungen bezeichnen, allein schon weil der gute Mann eine ehrwürdige Gegnerin gegenübergestellt bekommt. Auch die Drehbuch-Täuschungen mit der Stieftochter der Mörderin wissen zu gefallen, erkennt man doch nicht immer wann sie mit und wann sie gegen Columbo arbeitet.  OFDb

06.04.2021

COLUMBO - MORD NACH REZEPT (1968)

Wie der Abstand von drei Jahren vermuten lässt, scheint "Columbo - Mord nach Rezept" schlichtweg ein Kriminalfilm gewesen zu sein, der für das TV gedreht wurde, nach einem Pilotfilm fühlt er sich nicht an. Ebenso wie das spätere Rezept der Serie des in die Irre führenden Inspektors, welches hier aufgrund der Sachlage noch wie ein individueller Schachzug Columbos anstatt wie Routine wirkt, um im aktuellen Kriminalfall überhaupt vorwärts zu kommen. Es gibt nur die Möglichkeit des Psychoduells mit dem Intellekt des Täters, um ihn überführen zu können, und dieser Kampf ist hart und scheint aussichtslos. Der Gegner ahnt erst mit der Zeit, wie intensiv Columbo ihn tatsächlich auf den Kieker hat und somit nicht nur kurzfristig einer fixen Idee nachgeht, so dass die Rededuelle zwischen beiden immer weniger getarnt vonstatten gehen, was dem Spannungsgehalt auf verkopfte, anstatt auf klassische Art, geradezu hochkochen lässt. Die Qualität des Erstlings ist dementsprechend höher als die, zugegebener Maßen ebenfalls unterhaltsamen, Fließbandarbeiten, welche die Drehbuchautoren ab 1971 in Serie ablieferten. 

Regisseur Richard Irving, der später auch den ersten Teil der Reihe "Columbo - Lösegeld für einen Toten" drehen sollte (der dementsprechend Columbos zweiter Fall ist), inszeniert unauffällig, immer mal mit kleinen optischen Raffinessen versehen, aber doch stets die beiden Hauptdarsteller die Oberhand gewinnen lassend. Als Zuschauer ist man hin und her gerissen, wer von beiden die Identifikation darstellt. Man bangt um jede Erkenntnis, bzw. um das Gelingen des Plans bereits während der gewagten Durchführung, gleichzeitig findet man Sympathie an der verschmitzten Art des Kommissars und ist gespannt darauf, wie er den Mörder doch noch überführt bekommt. Das mag nicht so zauberhaft künstlerisch geschehen wie in manch späterem Fall der Reihe, gewitzt ist die Methode jedoch allemal und rundet damit einen interessanten Kriminalfilm gekonnt ab. Hier im Original ist der Mörder mehr Hauptfigur als der Ermittler, auch wenn, rein der klassischen Orientierung in den USA wegen, der Rechtschaffende im Abspann zuerst genannt wird.

Nicht nur die später variierte Methode der Ermittlung genießt in "Prescription: Murder" (Originaltitel) noch Unterschiede, ohnehin wirkt Columbo hier noch etwas anders, optisch ebenso wie handelnd. Allein wie er die Gehilfin des Psychiaters mit überraschend klassischer Polizei-Arbeit unter Druck setzt, wirkt mit Kenntnis der späteren Filmreihe ein wenig befremdlich. Aufgrund der großen Wirkung dieser Szene, auch die Figur Columbos betreffend, wäre es schön gewesen, dieser etwas harte Charakterzug wäre beibehalten worden, bildet er doch einen glaubwürdigen Ausgleich zur vertrottelten Rolle, die der Inspektor meist nach Außen mimt - hier anbei noch subtiler dargeboten als meistens in späteren Episoden. Nichtsdestotrotz ist es schön zu wissen, dass man das Kaliber dieser Figur erkannt hat, um sie in Serie zu setzen. Uns wäre sonst eine unterhaltsame Filmreihe entgangen, vielleicht sogar der hier besprochene Film, der ohne die Popularität der Reihe eventuell als ein trügerisch unscheinbarer TV-Krimi unter vielen im Laufe der Zeit untergegangen wäre.  OFDb

05.04.2021

COLUMBO - EIN DENKMAL FÜR DIE EWIGKEIT (1972)

Bis kurz vor Schluss vermutete auch ich den Toten im Fundament des Hochhauses, da trickst das Drehbuch den Zuschauer tatsächlich gekonnt aus. Der Schritt danach ist nachvollziehbar, eine routiniert nette Folge endet somit konsequent und glaubwürdig, wenn auch etwas gefühlskalt wie ein Schachspiel, wenn der Mörder sich als guter Verlierer outet und Columbo ihm seinen Respekt ausspricht. Zumindest macht Letztgenannter diesmal kaum einen Hehl aus seinem Verdacht, spielt also nicht völlig täuschend mit dem Verdächtigen, wie es eigentlich seine Art ist. Aber so oder so fehlt der neunten Episode der Spielfilmreihe der letzte Pfiff, um sich aus seinem Durchschnittszustand zu erheben. Wenn man die vielen untertitelten Szenen der DVD-Box dieser Folge beachtet, die nicht gerade nur an unnötigen Stellen auftreten, fragt man sich wie viel Sehwert die Folge in der deutschen Ursprungs-Fassung gehabt haben muss, liegt der Reiz von "Columbo - Blueprint for a Murder" (Originaltitel) doch in seinen vielen kleinen Umwegen zum Ziel. Diese entfernt, bleibt nur ein geradeaus erzählter, viel zu leicht zu lösender, Kriminalfall. Da kann ich mich schon glücklich schätzen "Columbo - Ein Denkmal für die Ewigkeit" erst jetzt und in der ungekürzten Fassung gesehen zu haben. Und selbst die ist für mich, auch aufgrund der eher austauschbaren Besetzung vom Täter und seines gesellschaftlichen Umfelds, lediglich angenehm konsumierbar ausgefallen, in keinster Weise jedoch raffiniert und hervorhebenswert. Glücklicher Weise ist die mit Peter Falk besetzte Krimi-Reihe auch in diesem Zustand noch immer ein unterhaltsames Unterfangen. Und wenn man bedenkt, dass es sich hier um Falks einzige Regiearbeit handelt, kann man froh sein, dass dieser einmalige Versuch nicht in einer Katastrophe endete. Aufgrund der bisherigen Folgen hätte ich anbei damit gerechnet, dass der Herzschrittmacher des Verstorbenen den Kriminalinspektor zum Ziel führt. Und wieder einmal habe ich mich geirrt.  OFDb

29.03.2021

COLUMBO - ZIGARREN FÜR DEN CHEF (1972)

Ich freue mich immer wieder Roddy McDowall zu sichten, der im achten Columbo-Ermittlungsfall den Hauptgegner spielen darf. Aber für meinen Geschmack agiert er diesmal etwas zu albern, stets seinen Trumpf des kindischen Gesichtsausdruck auf Lager. Klar, die Rolle ist ähnlich überzogen gedacht, und doch wäre ein etwas subtileres Spiel angenehmer herübergekommen als das zu starke Überagieren, das in manchen Momenten zwar zum Trumpf wird, insgesamt die Folge jedoch ein wenig schwächt. Das Rededuell zwischen beiden Kontrahenten fällt zudem wenig raffiniert aus. Viel zu schnell macht sich der Mörder mit Alternativtheorien verdächtig, zu selten hat Columbo ein tatsächliches As im Ärmel, um ihn aus dem Konzept zu bringen. Geschieht dies jedoch, wird gerade dann die Darbietung McDowalls zum Hingucker. Eine gewisse Dramatik in der Leichtgläubigkeit der Tante gehört ebenso zu den Vorzügen der hier besprochenen Episode. Ihr tragischster Moment wird uns jedoch leider nicht präsentiert, wenn sie mit der grausamen Wahrheit konfrontiert wird, dass ihr Neffe, den sie stets in Schutz nahm, der Täter ist. 

Es wäre schön gewesen sie hätte mit in der Gondel gesessen, in welcher "Columbo: Short Fuse" (Originaltitel) endet. Denn die finale Überführung eines Täters, der keine Beweise zurückgelassen hat, kann sich wahrlich sehen lassen, zumindest wenn man akzeptiert, dass das kriminelle Genie ernsthaft glaubt die Schachtel hätte nach einer Explosion derart unversehrt aussehen können. Kann man dies, steht einem einer von Columbos morbidesten Täuschungen bevor. Aber schon lange vor dem Finale gehörte der Ort der Gondel zu den Highlights des von Edward M. Abroms inszenierten Kriminalfilmes (anbei jenen Mannes, der 7 Jahre später, nach seinem einzigen Columbo-Film, das augenzwinkernde Spin-Off "Mrs. Columbo" drehen durfte). Mit anzusehen, wie der von Peter Falk verkörperte Kriminalinspektor vor Übelkeit taumelnd der in weiter Höhe gefahrenen Gondel entsteigt, ist ein humorvoller Moment für sich, der noch einmal die Stärke des nicht zu ernsten Grundtons der Serie beweist und dabei stilsicher ins ernstere Umfeld eingearbeitet wird. Zu den Höhepunkten gehört "Columbo - Zigarren für den Chef" nicht, allein schon weil der Mord viel zu umständlich vonstatten geht, aber er weiß zu unterhalten, und Roddy McDowall könnte ich für sein Überagieren auch nie wirklich bös sein, dafür mag ich den Mimen viel zu sehr.  OFDb

14.03.2021

COLUMBO - SCHRITT AUS DEM SCHATTEN (1971)

Mit "Columbo: Lady in Waiting" (Originaltitel) bekommt es der Kriminalist endlich einmal mit einem weiblichen Täter zu tun. Sie mag bezüglich der Raffinesse nicht der Gegner auf gleicher Augenhöhe sein, wie ich es in dieser Spielfilm-Reihe am liebsten sehe, ihr interessant gezeichneter Charakter gleicht das jedoch wieder aus. Beth wurde ihr Leben lang dominiert, ist aber dennoch kein Mitleid erregender Charakter, weil innerhalb der Unterdrückung eine egoistische, verwöhnte Person heranreifte, die nun unabhängig geworden einen Nachholbedarf nach Freiheit auf der Überholspur lebt, und dies in einer Extreme, dass dies selbst den von der Familie fehl eingeschätzten Lebensgefährten Peter verschreckt, den Leslie Nielsen angenehm zurückhaltend verkörpern darf. Der wird nun, im Gegensatz zu früher, von Beth dominiert, was Columbo die Sache gegen Ende etwas zu einfach macht, zumal der Schlussbeweis ohnehin nicht zu gefallen weiß, so offen wie in der interessant erzählten Vorgeschichte damit umgegangen wurde und man sich ohnehin die ganze Zeit fragte, warum darauf bislang kein Bezug genommen wurde. Außerdem würde mit der finalen Überführung Aussage gegen Aussage stehen, und ob dies reicht jemand bereits Freigesprochenen dieses Mordes doch noch hinter Gittern zu bringen, darf wohl angezweifelt werden. Wie auch immer, "Columbo - Schritte aus dem Schatten" (Alternativtitel) weiß zu gefallen, und das liegt diesmal weit weniger an den Methoden Columbos, die unglaubwürdiger in Naivität getarnt sind als üblich, sondern hauptsächlich an der so überzeugend biestig agierenden Susan Clark und ihrer Rolle, die das Drehbuch so wunderbar selbstgerecht anlegt. Über die Figur der Mutter des Verstorbenen und der Täterin bekommt sie sogar noch etwas mehr Gehalt und zeigt auf, dass die Schattenseiten ihres Charakters nicht erst durch den goldenen Käfig, in dem sie lebte, geformt wurde. Somit weht an völlig anderer Stelle, als man zunächst vermuten würde, ein dramatischer Aspekt mit.  OFDb

13.03.2021

COLUMBO - MORD IN PASTELL (1971)

Keine Notwehr, keine ausweglose Situation, in "Columbo - Mord in Pastell" bekommen wir es endlich wieder mit einem eiskalt kalkulierenden Mörder zu tun, der in reiner Gier und Selbstgefälligkeit tötet und lügt. Insgesamt fallen ihm gar zwei Tote zum Opfer, drei wären es geworden, wenn Columbo nicht wäre, der seine Pläne durchkreuzt die ehemalige Ehefrau des Verstorbenen mit List und Tücke in die Gaskammer zu bringen. Dieser Mann ist eiskalt, kann sich gut verstellen und systematisch denken und agieren und ist somit ein hervorragender Gegner für den Kriminalinspektor, was den Sehreiz unglaublich erhöht. Zusätzlich spielt die Kunstszene der sechsten Episode der Krimi-Reihe zu, die für eine interessante Abwechslung sorgt und gerade im Bereich der Figurenzeichnung aufgrund der Möglichkeit zu szenebezogenen Stereotypen fruchtet, aber auch Momente ermöglicht, wie jenen, in welchem Columbo bei der Befragung eines Künstlers ein wenig beschämt agiert, da er geniert den Blick Richtung weibliches, attraktives Aktmodell meidet. Die wenigen Schwächen im Plan des Künstlers, wie das exakte zeitliche Nachvollziehen des Alibis über Zeugen, sorgen für das üblich verschmitzte Spiel des Protagonisten mit seinem Opfer, dem Täter, so dass "Columbo: Suitable for Framing" (Originaltitel) in diesem Idealfall gerade wegen seiner Stammrezeptur so gut zu funktionieren weiß. Er steht somit Pate für das Funktionieren des charmanten Grundrezepts der Serie und benötigt kaum zusätzliche Energien. Besonders geglückt ist diesmal zudem die finale Überführung, da der entscheidende Beweis für den Zuschauer ähnlich überraschend kommt, wie für den Mörder.  OFDb

10.03.2021

COLUMBO - MORD UNTER SECHS AUGEN (1971)

Nicht nur dass Columbo diesmal nicht von Anfang an den Mörder durchschaut, auch die wesentlich schneller abgearbeitete Vorgeschichte macht deutlich, dass der fünfte Fall des beliebten Kriminalinspektors ein wenig anders ausgefallen ist. Zwar ist er dennoch halbwegs schnell auf der richtigen Fährte und darf von da an auch typisch verschmitzt den ahnungslosen August heraushängen lassen, um im verspielten Umgang mit dem Täter allmählich die Wahrheit ans Licht zu bringen, so gut zu funktionieren, wie in den beiden bislang von mir gesichteten Folgen der TV-Reihe, will das Ganze diesmal jedoch nicht. Das liegt unter anderem an den weit weniger interessant besetzten Darstellern, welche den theoretisch vielschichtigen und ungewöhnlichen Charakteren nicht gerecht werden. Das betrifft Zeuge und Täter gleichermaßen. 

Erstgenannte bekommt zudem einen bitteren, etwas arg naiven, Beigeschmack, wenn sie sich innerhalb eines zu kurzen Zeitfensters mit etwas arg plumpen Methoden vom Mörder um den Finger wickeln lässt, was selbst für eine derart gewollt naive Person dann doch etwas zu viel des Unglaubwürdigen ist. Damit verliert die ohnehin schon nicht ganz rund laufende Geschichte etwas zu viel an Potential. Zwar weiß der Schlagabtausch zwischen Ermittler und Täter auf seine etwas blassere Art noch immer zu gefallen, gerade in solch subtilen Momenten, wie dem Kommentar des Offiziers a.D., dass er dem auf See übel gewordenen Kriminalisten gerne erneut mit auf See nehmen würde, sowie manches mehr auch - sprich das Grundgerüst einer "Columbo"-Folge weiß auch als dünne Blaupause noch immer passabel zu funktionieren - aufgrund der schwachen Glaubwürdigkeit und eines weit simpler als sonst zu beweisenden Falles, bleibt das Ergebnis jedoch trotzdem nur magerer Durchschnitt. Damit wird dem Vielfraß von Stammzuschauer zwar immer noch eine akzeptable Sättigung gewährt, als Gelegenheitszuschauer kann man sich dieses Kapitel, welches im Original den Titel "Columbo - Dead Weight" trägt, jedoch getrost sparen, zumal der Gegner in seinen Ausflüchten und Gegenbemühungen nicht so gewieft agiert, wie man es sich von einem Gegenspieler Columbos wünscht.  OFDb

COLUMBO - MORD MIT DER LINKEN HAND (1971)

Wie immer bekommen wir den Mord samt Mörder präsentiert, bevor Ermittler Columbo auf der Bildfläche erscheinen darf, und wieder einmal ist sich der Kriminalist von der ersten Begegnung des Täters an sicher, dass dieser der Schuldige ist. Das mag etwas plump klingen, ist aber das Geheimrezept um den Erfolg der auf Spielfilm-Basis angelegten TV-Serie, macht es doch Spaß den Inspektor mit seiner scheinheilig naiven Art mit dem Täter spielen zu sehen. Zudem macht dem guten Mann die frühe Erkenntnis, hier ebenso wie sonst, die Sache nicht leicht, gilt es doch Beweise zu finden, um den Mann auch dingfest machen zu können. Und dass auch der gewitzte und raffinierte Kombinierende gelegentlich verzweifelt ermittelt, zeigt der Beginn seiner Untersuchungen, dauert es doch bis es zum ersten Zusammentreffen mit dem Schuldigen kommt. Eingeweiht in die Ereignisse macht es Spaß dem Täter dabei zuzuschauen, wie er als freiwilliger Mitermittler seinen Auftraggeber manipuliert, selbiges erfolglos, aber nach außen hin erfolgreich scheinend, bei Columbo versucht und seinen finanziell starken Betrieb effizient dafür nutzt nicht aufzufliegen. 

Einen Zusatzreiz bekommt die Figur dadurch beschert, dass sie kein eiskalter Täter trotz kalkulierendem Handeln ist, sondern jemand, der den Mord nicht begehen wollte, seine Karriere und seinen Ruf jedoch in Gefahr sieht, und deshalb alle Hebel in Bewegung setzt, um sein Umfeld zu täuschen. Zudem sollte man sich den hier präsentierten Verleger nicht zum Feind machen, denn der ist erfolgreich und mächtig. Somit spielen genügend weitere gut funktionierende Faktoren zusätzlich zum Standard-Repertoire der Serie dem Unterhaltungswert zu, so dass man einem wahrlich kurzweilig und interessant aufbereiteten Kriminalfall beiwohnen darf. Im Gegensatz zu meinem Erstling, "Columbo - Tödliche Trennung", weiß diesmal auch die Überführung des Mörders zu gefallen, samt dem Geständnis dem menschlich enttäuschten Witwer gegenüber. Um im Vorfeld zu erraten, dass das verlorene Objekt im Finale nur eine Finte ist, muss man jedoch kein Kenner von Columbus Methoden sein. Das habe ich auch als Neuling dieser Kriminalfilm-Reihe ganz von selbst erahnt. Aber ebenso wie bei der Kenntnis des Mörders wird das frühzeitige Erraten mancher erst später klar dargelegter Fakten nicht zum Makel der Erzählstruktur, sondern zu einem weiteren funktionierenden Motor dem täuschenden, verschmitzten Spiel des Kriminalinspektors beizuwohnen. Diesmal war es anbei die Rolle des Verlegers, die mich mimisch ein wenig an Curd Jürgens erinnert hat.  OFDb

COLUMBO - TÖDLICHE TRENNUNG (1971)

Nein, die Popularität Steven Spielbergs als Regisseur dieses Spielfilmes der TV-Reihe "Columbo" ist nicht der Grund, dass ich zum dritten Film um den kauzigen Kriminalinspektor gegriffen habe, um erstmals in die Welt dieser berühmten Krimi-Figur einzutauchen. Sie war der erste Film auf der DVD-Gesamt-Kollektion, die somit leider, trotz optisch beeindruckender Veröffentlichung, nicht in korrekter Reihenfolge angeordnet ist. Nicht nur dies hat Columbo mit seinem deutschen Kollegen "Derrick" gemein, der drei Jahre nach dem hier veröffentlichten Film das TV-Licht der Welt erblickte. Hier, wie zu Beginn bei ihm, bekommen wir von Anfang an den Mörder serviert und schauen dem Ermittler quasi dabei zu, wie er dem uns bekannten Täter auf die Schliche kommt. Der Unterschied: Derrick ermittelte meist tatsächlich im Unklaren fischend, während Columbo die Lösung klar ist und sich naiv gebend, mit dem Täter spielend, der Beweislage nähert. Mag der deutsche Kriminalist auch rationaler auf den Zuschauer wirken, Columbo ist es im Gegensatz zu seiner Außenwirkung ebenfalls, und damit stellt er eine der wenigen Ausnahmen US-amerikanischer Hauptfiguren in Krimiserien dar, die meist doch eher in Richtung "Die Straßen von San Francisco" und Co gehen und Action über Ermittlungsarbeit stellen. 

Das weiß zu gefallen, eben weil der im Laufe der Zeit zum Kult gewordene Mann im Mantel zudem nicht knochentrocken ermittelt, sondern auf amüsante Weise. Glücklicher Weise hat man trotz dieser Methode keinen komödiantischen Film aus der Chose gemacht. "Columbo: Murder by the Book" (Originaltitel) spielt nur unterschwellig, aufgrund der angeblichen Schrulligkeit des Ermittlers, mit Humor, zudem lässt er den Täter mit einem gewissen Augenzwinkern fast comic-artig bösartig sein, ohne dass Geschichte oder Figur dabei deswegen an Würde verlieren würden. Der in der Rolle des Killers besetzte Darsteller erinnert mimisch ein wenig an Curd Jürgens, der jemand ähnlich kalt Kalkulierendes in Derricks erstem Jahr verkörpern durfte. An dessen Leistung ragt Jack Cassidy zwar nicht heran, aber seine Interpretation der Rolle weiß definitiv zu gefallen und zu überzeugen. Ergänzend steht den beiden schauspielerischen Zugpferden dieser Episode ein durchdachtes Drehbuch zur Seite, welches sich stets über seine Schritte im Klaren ist und die Geschichte trickreich vorwärts bringt. Einzig die zu schnelle und zu simple Überführung des Täters wusste mir nicht zu gefallen, zumal ich die Kapitulation des Mörders aufgrund der Beweislage nicht für glaubwürdig halte. Ansonsten hat mir mein erster Ausflug in die Welt Columbos jedoch gefallen.  OFDb