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28.01.2024

STAR WARS: EPISODE 3 - DIE RACHE DER SITH (2005)

So mies Teil 1 und schwach Teil 2 der Prequel-Trilogie auch ausgefallen sein mögen, der immer noch nicht glänzende "Star Wars: Episode 3 - Revenge of the Sith" (Originaltitel) ist zumindest unterhaltsamer Natur. Selbstverständlich bleibt er psychologisch plump, gerade was den Übergang Anakins zu Lord Vader betrifft, und erwachsen schaut sich das Ganze trotz lobenswerter politischer Ambitionen noch immer nicht, aber die Geschichte läuft zumindest rund, ist nicht komplett unclever ausgefallen, und der Wandel Anakins in einen der beliebtesten Schurken der Filmwelt ist ein Selbstläufer, das merkt man schon daran, wie viele Menschen sich Episode 3 angeguckt haben, obwohl sie die ersten beiden Filme nicht mochten. Für die Prequelverhältnisse geht es diesmal ein wenig düsterer zu. Und der Wandel Palpatins zum Imperator weiß auch zu gefallen, auch wenn ich nicht weiß warum er mit all seiner Macht das verschrumpelte Gesicht beibehalten musste, schließlich entstand es während einer Täuschung. 

Aber derartiges darf man ohnehin nicht hinterfragen, so blind wie z.B. auch die Jedis ihm bezüglich waren. Das wird zwar im Drehbuch direkt angesprochen, doch eine solch extreme Lücke wird mit einer kurzen Erwähnung in diesem Falle nicht glattgebügelt. In Richtung Logik und Glaubwürdigkeit darf man sowieso nicht schauen, das zeigt schon der olle Plan der finalen Zwillingsunterkünfte, damit Vader nie erfährt, dass sein Kind Kinder sind, und sie zudem noch leben. Dieses naive Stück Fantasy-Seifenoper im Science Fiction-Gewandt ist aber immerhin zügig erzählt, weckt die Neugierde des Zuschauers und erhält diesen Zustand konstant bei, es erzählt eine interessante Geschichte, auch wenn Kenner der Ur-Trilogie den Ausgang bereits kennen, und spannend darf es an mancher Stelle auch werden. Das Massaker an den Jedis schockt nicht nur in der ungezeigten Kinderszene, der Geheimcode für die Klone und was dieser an sämtlichen Orten des Universums auslöst, gehört wahrlich zu den packendsten Momenten von jener Star Wars-Trilogie, die George Lucas im Alleingang inszenierte. Sicherlich hilft das automatische Herunterschrauben der Erwartungen nach solch banalen Vorgängern dabei, "Die Rache der Sith" so zu akzeptieren wie er ist, aber all zu streng muss man tatsächlich nicht mit ihm sein, innerhalb seines mystisch verringerten eigenen Kosmos, welcher losgelöst von der Ur-Trilogie seiner Linie intellektuell wie inhaltlich treu bleibt. Und dass Yar Yar Binks diesmal nur im Hintergrund zu sehen ist, befriedigt ungemein.  Wiki

STAR WARS: EPISODE 2 - ANGRIFF DER KLONKRIEGER (2002)

So schlimm wie "Die dunkle Bedrohung" sollte es nie wieder werden. Und dass Yar Yar Binks stark reduziert wurde und zu jenem Part der Geschichte wurde, der durch seine Naivität das Ende der Demokratie verschuldet, kann man als Entschuldigung George Lucas' durchaus akzeptieren. Aber Binks war schließlich nicht der einzige Schwachpunkt besagten Vorgängers. Und die Entmystifizierung der Original-Trilogie, spätestens durch die wissenschaftliche Erklärung der Macht, lässt sich nicht ebenso leicht beheben, sogar nur schwer abschwächen. Auch der Overkill an Spezialeffekten, die oft nur für den Zweck eingesetzt werden, um zu zeigen was die Technik bei genügend Budget mittlerweile zu leisten in der Lage war, bestimmt nach wie vor das Geschehen. Und ein aus dem Computer stammender Yoda besitzt nun einmal nicht den Charme der Puppe, egal ob nun von Frank Oz synchronisiert oder nicht. 
 
Die Geschichte an sich ist interessanter ausgefallen, als die vorherige. Doch weder das Aufdecken der Klonproduktion, noch der gar nicht mal unclevere politische Aspekt, der eine tolle Warnung Lucas' an die leichtgläubigen Zuschauer ist, um sie für Täuschungen von Regierungen zu sensibilisieren, setzen sich durch in diesem Meer an Action, CGI und einem nun noch zusätzlichen Balast, der verkrampft erzählten Liebesgeschichte. Der fehlt es an jenen Emotionen, welche die drei originalen Filme ganz nebenbei so liebenswert machten. Die gestelzten Dialoge, von denen man diesbezüglich so häufig als Kritikpunkt liest, sind tatsächlich schwer zu ertragen, und der Altersunterschied, sowie die bisherige Charakterzeichnung der Senatorin, nagen an der Glaubwürdigkeit dieser seelenlos dargebotenen, aufkeimenden Liebschaft. Eine solche trotz einer hervorragenden Schauspielerin wie Natalie Portman in der zentralen weiblichen Rolle nicht eingefangen zu bekommen, spricht wahrlich für ein Armutszeugnis im Bereich Regie und Drehbuch. 

Was ansonsten erheblich stört, ist der Umgang mit der Jedi-Thematik. Sie werden weit actionreicher und heldenhafter gezeigt, verkörpert und interpretiert, als das was uns "Krieg der Sterne" samt seiner zwei Fortsetzungen einst über sie erzählte. Geheuchelte Demut, die ist vorhanden, gelebte im Auftrag des Friedens ist nicht erkennbar. Die Vorbereitungen auf den kommenden Übergang Anakins zu Lord Vader in "Star Wars: Episode 3 - Die Rache der Sith" sind psychologisch plump ausgearbeitet und werden in besagter Fortsetzung ebenso beibehalten. Der Weg zur dunklen Seite findet weit weniger aufregend und düster statt, als man meinen sollte. Eine Generation von übersensibilisierten Persönchen hat es möglich gemacht und findet dementsprechend noch heute ein Publikum, welches die mauen Prequels einer liebgewonnenen Trilogie verteidigen. "Star Wars: Episode II - Attack of the Clones" (Originaltitel) ist unsympathisches Formelkino, in welchem sich die Figuren den Effekten unterordnen müssen, das Weltbild der alten Filme den widersprüchlichen Tatsachen des neuen Drehbuchs weichen muss und in welcher verspielte Fröhlichkeit gegen infantile und steril anmutende Späßchen ausgetauscht werden. 

Dass auch die Verantwortlichen der deutschen Synchronisation keine Ahnung von Figurenverständnis und Psychologie besaßen, beweisen sie besonders deutlich in der Stimme von C3PO, die sich seit Episode 1 nun kindlich, anstatt intellektuell anhört.  Wiki

29.12.2023

MORTDECAI - DER TEILZEITGAUNER (2015)

Jede Menge gut aufgelegter Stars, ein Mix aus Schatzsuche, Kriminalfilm und Gaunerkomödie, das Ganze trotz moderner Umsetzung deutlich auf klassisches Kino getrimmt, das hätte schon etwas Großes werden können. Erstaunlicherweise kommt der Streifen jedoch viel verkrampfter daher, als er es mit manchem Gag, so z.B. in der Charakterzeichnung des Titelhelden, sein möchte. Klar, der Mann ist ungelenk, braucht ständig die Hilfe seiner rechten Hand, genießt trotz Unvermögen einen hohen Ruf und kann eigentlich so gar nichts wirklich. Aber die verkrampfte Umsetzung zeigt sich nicht einzig in der Figur, auch der komplette, nicht gerade rar gehaltene, Slapstick und anderweitige Choreographien wirken oftmals versteift und gewollt. Selbiges trifft auf die Pointensetzung und die auf locker getrimmten Dialoge zu. Nichts von alledem läuft wirklich rund, zumindest nicht rund genug für großes Erfolgskino, welches man mit der populären Besetzung sicherlich erreichen wollte. Es ist ihr und einer abenteuerlichen Geschichte zu verdanken, dass das Ganze trotzdem auf schlichtere Art funktioniert. Zu Beginn dachte ich noch, dass ich mich in dieses starre Getue nicht genügend hineinversetzen kann, wenn alles zu gewollt wirkt, aber die Running Gags und die verzwickte Schatzsuche, die mehr Handlung vorgaukelt als eigentlich vorhanden ist, gewährt einem zusammen mit der guten Laune der Prominenz doch noch Zugang zu der Chose, die zumindest amüsiert, wenn auch nicht für laute Lacher taugt. Auch im verkrampften Format macht es Spaß die rechte Hand Mortdecais leiden zu sehen oder den eifersüchtigen Kriminalisten beim Erobern von Mortdecais Frau scheitern zu sehen. Warum David Koepp, der sonst eher für Drehbücher zuständig ist, "Wen die Geister lieben" so geglückt inszeniert bekommen hat, bei "Mortdecai" (Originaltitel) auf dem Regiestuhl jedoch ganz deutlich den Schwachpunkt darstellt, will sich mir maximal dadurch erklären, dass Tempo und Slapstick einfach ein anderes Händchen benötigen, als die Trümpfe besagter Fantasykomödie.  Wiki

02.01.2022

DOCTOR SLEEPS ERWACHEN (2019)

Es hat wohl niemand jemals ernsthaft gehofft, dass es eine Fortsetzung von Stanley Kubricks "Shining" geben würde, so eigenständig (fast schon losgelöst von Stephen Kings Romanvorlage) wie sich das fertige Werk anfühlte, so abgeschlossen wie die Geschichte war und so faszinierend wie offene Rätsel (zumindest in der europäischen Fassung) nachwirkten. Aber manchmal ist es gut wenn wer ein scheinbar unsinniges Projekt in die Hände nimmt, denn herausgekommen ist mit "Dr. Sleeps Erwachen" eine gelungene Fortsetzung, die ebenfalls lange Zeit auf Eigenständigkeit setzt, bevor sie das Verehren des Vorgängers zelebriert und mit dieser Verneigung und dem Nutzen bitter-nostalgischer Elemente sich dennoch auch in dieser Phase nie in einen reinen Fanfilm der Kopie wandelt. Nicht nur dass es Regisseur und Drehbuchautor Mike Flanagan, der mit "Still" drei Jahre zuvor bereits ein interessantes Horrorprojekt angegangen ist, gelungen ist den Vorgänger aus dem Jahr 1980 interessant weiter zu erzählen (und dafür ähnlich wie "Psycho 2" und "Trainspotting 2" den langen Zeitabstand zwischen beiden Werken gekonnt zu nutzen), es ist ihm auch ein kleines Wunder im Erzählrythmus geglückt, beweist "Doctor Sleep" (Originaltitel) doch noch einmal die Stärke einer langsamen Erzählweise, in welcher sich nach und nach die Zusammenhänge entwickeln und Charaktere tief beleuchtet werden. Zwar nutzt Flanagan des öfteren Zeitsprünge, aber auch diese Methode wirkt nicht hektisch oder unsensibel, dient sie doch der Vertiefung einer gehaltvollen Geschichte und dem Aufzeigen der Dimension dessen, was sich da an Geschehnissen schicksalhaft anbahnen wird. 

Nach besagter Fortsetzung von "Trainspotting" und dem überraschend geglückten "Christopher Robin" ist Ewan McGregor zum dritten Mal per Hauptrolle an einem Projekt beteiligt, das nostalgisch und interessant zugleich recht weit in der Vergangenheit liegende Filme fortsetzt. Alle drei sind völlig unterschiedlicher Natur, und McGregor spielt in allen brillant, so wie man es von ihm gewohnt ist. Oberflächlich betrachtet wird aus der Geschichte rund um telekinetisch begabter Menschen zwar eine abgeänderte Vampirvariante, die Aggressoren aus "Doctor Sleeps Erwachen" darauf zu reduzieren würde ihrem Potential jedoch nicht gerecht werden. Das qualvolle Leiden der Kinderopfer, die Rituale, der Zusammenhalt, der Mythos rund um die begehrte Nahrungsquelle, die Unterschiede der Fähigkeiten und wie man sie sowohl miteinander als auch gegeneinander einsetzen kann, sind alles reizvolle Erzählzutaten, denen dank geduldigem Einblick in die Motivation eines jeden Einzelnen nicht nur viel Beachtung geschenkt wird, sondern über diese Methode auch ein Kennenlernen der anderen, uns zuvor unbekannten, Kultur entsteht, so dass wir uns spätestens im letzten Drittel des mit 146 Minuten recht lang laufenden Werkes fast komplett in der uns zuvor fremden Mentalität befinden, uns in dieser auskennen und dort einer Geschichte beiwohnen, die mit der uns bekannten Welt nicht derart trickreich und wendungsreich hätte erzählt werden können. Ähnlich wie in Cronenbergs "eXistenZ" zweifeln wir immer öfter an der Wahrnehmungsebene, in der wir uns gerade befinden, so sehr wie Gut und Böse sich link mit Täuschungen bekämpfen, Drehbuch und Regie behalten währenddessen die Übersicht, so dass es nie zu nennenswerten Lücken in der Logik kommt. 

Eine charismatische Besetzung in den wichtigsten fünf Rollen liefert das Fundament dieser großartigen Erzählung, von welchen die Dame mit Hut auf Seiten der Shining-Vampire als besonders nennenswert hervor sticht. Sie macht einen guten Teil der mystischen Wirkung der Gesamtatmosphäre aus. Wer keinen Narren an ihrem simplen, wie wirkungsreichen Erscheinungsbild frisst, hat schon halb verloren in die Welt von "Doctor Sleep" komplett eintauchen zu können. Freilich gibt es aber genug weitere Schauwerte, sowie einen durchdachten Plot und jede Menge Entdeckungen für Kenner des ersten Teils, um dennoch gut unterhalten werden zu können. Flanagans Werk ist eine Wundertüte von einem fast schon epischen Horrorfilm, sowohl bezogen auf das Fortführen einer in sich perfekt geschlossenen Geschichte des Vorgängers, als auch im Ignorieren sämtlicher Erzählpflichten des modernen Mainstream-Kinos zur Rückbesinnung auf ruhige und durchdachte Methoden, mit Respekt vor Figuren, Geschichte und Zuschauer versehen. Dass immer auch ein kleiner Hauch Massentauglichkeit und zu dick aufgetragener Nostalgie vor dem Erstling mit weht, sei allerdings noch erwähnt, macht aber aufgrund des vorhandenen restlichen Potentials meiner Meinung nach herzlich wenig an der Wirkung der teils tragischen, teils unheimlichen Geschichte kaputt.  OFDb

18.04.2021

T2 TRAINSPOTTING (2017)

Eine Fortsetzung von "Trainspotting" hat es sicherlich nicht gebraucht. Und da der Streifen definitiv zu den besten Filmen gehört, die überhaupt je das Licht der Leinwand erblickten, darf man zurecht erst einmal kritisch bezüglich einer solchen sein. Aber verdammt, was bereitet die Rückkehr Freude, und was ist sie, trotz dessen dass sie ohnehin nicht an die Qualität des Originals heran reichen kann, doch hochwertig ausgefallen. Mit den selben Darstellern und den selben Verantwortlichen für Drehbuch und Regie an Bord macht man sich, ähnlich wie seinerzeit "Psycho 2", die lange Zeit zwischen beiden Filmen zunutze. Man ignorierte, abgesehen von einer Erwähnung des Wohnortes Amsterdam, das Fortsetzungsbuch der Print-Vorlage und lässt selbstbewusst fast einzig das Zusammentreffen der ehemaligen Kumpels für sich allein wirken. Den Rest erledigen die uns bekannten und sich weiter entwickelten Charaktere. Es vereinen sich Nostalgie, Comichaftigkeit und Realitätsreflexion in sich austauschbar anfühlenden, episodischen Ereignissen zu einem energiegeladenen Erlebnis, in welchem gerade der Begbie-Aspekt zu einem explosiven Zündstoff wird und einen Spannungsbogen bereit hält, der es gekonnt versteht den Zuschauer nervös zu machen. 

Vielleicht gibt man sich etwas zu viel der Versuchung hin ehemalige Momente wieder aufleben zu lassen, letztendlich bildet die "Sag ja zum Leben"-Sequenz jedoch den einzigen Tiefpunkt des Streifens, während vergleichbar bemühte Momente tatsächlich emotional zu greifen wissen. Ohnehin ist "Trainspotting 2" (Alternativtitel) ein gelungener, mit Teil 1 kompatibler, Filmgenuss, in welchem sich erneut gekonnt Drama und Komik die Hand geben, und ein Drehbuch, dem Charakternähe wichtig ist, beweist, dass es keiner großen Geschichte bedarf, um Großes abzuliefern. Der immer mitwehende Comic-Touch verhindert, das Unglaubwürdigkeiten, wie die Tatsache dass jemand wie Spud noch lebt, negativ greifen und verwandelt derartiges sogar in Pluspunkte, die mit den ernsten und realistischen Tönen der Chose harmonieren. Einzig der plumpe Versuch Begbie bei gemeinsamen Erinnerungen als ehemaligen, fast gleichaltrigen, Schulkamerad Rentons zu positionieren, will aufgrund des zu enormen Altersunterschiedes auch inmitten schräger Erlebnisse, Ansichten und Reflexionen nicht greifen und bildet somit den einzig unglaubwürdigen Moment. 

Aber das verzeiht man gerne, sprudelt "T2 Trainspotting" von Beginn an doch geradezu vor besonderen Momenten. Ob es die unerwartete Live-Darbietung eines spontanen Songs ist, Spuds Problem mit der Sommerzeit, Begbies Fluchtvorbereitungen im Knast, das Toiletten-Zusammentreffen der beiden Kontrahenten, Simons Wiederkehr am Schluss in den Pub, die bitteren Erinnerungen am ehemaligen Wanderort, Begbies Potenzprobleme, "Trainspotting 2" hält den Zuschauer stets mit interessanten und aufwühlenden Erlebnissen auf Trab, bleibt dabei meist auf erstaunlich hohem Qualitätsniveau und lebt meist von gut funktionierenden Dialogen und der Charakterstärke seiner Figuren, sowie dem Charisma und dem Talent seiner Darsteller. Stilistisch setzt man auf die Optik und den musikalischen Stil des Originals, jedoch nicht ohne auch diesen mit neuen Ansätzen zu erweitern. Und so darf es am Schluss verwundern, dass ein Film mit derart unauffälliger Handlung und unglaublich vielen Verweisen und Fortführungen damaliger Ereignisse, sich derart frisch, innovativ, qualitativ und unterhaltsam schaut, so dass man ihm mit vollem Herzen seinen von nun an festen Platz neben dem unerreichten ersten Teil gönnt. Mit solch einem großen Ergebnis, welches ebenfalls zum Immerwiedersehen einlädt, habe ich wahrlich nicht gerechnet.  OFDb

22.04.2020

CHRISTOPHER ROBIN (2018)

Ein erwachsen gewordener, realitätsbezogener Workaholic wird mit seiner Kindheitsfantasie konfrontiert, die sich als real erweist und weckt in ihm die verloren gegangene Freude am Leben, an der Fantasie und am Abenteuer. Das erinnert stark an "Hook", einer unangenehmen Weiterführung von "Peter Pan", die in Kitsch, Moral und anderweitig unangenehmen Zutaten eines typischen US-amerikanischen Familienfilmes der 90er Jahre ertränkt wurde und somit alles andere als zu empfehlen ist. Da auch dieser Streifen aus den Disney-Studios stammt, darf man bei "Christopher Robin", der sich auf die damaligen "Abenteuer von Winnie Puuh" bezieht, sicherlich zurecht erst einmal misstrauisch sein. Um so mehr erfreut es festzustellen, dass Regisseur Marc Forster, der oft eher im härteren Kinobereich wie bei "Ein Quantum Trost" und "World War Z" unterwegs ist, ein bewegender Film geglückt ist, der auch Hartgesottenen das Herz erweichen lassen wird. Mit Ewan McGregor in der Hauptrolle hervorragend, da glaubwürdig und sensibel agierend, besetzt und eine angenehm unaufdringlich süßlichen Schar animierter Tiere präsentierend, ist die halbe Miete bereits erfüllt.

Sicherlich gewinnt die Geschichte keinen Innovations-Preis und an Klischees mangelt es ebenso wenig, aber sowohl dies als auch der durchaus vorhandene Kitsch werden entweder in angenehmer Dosis eingebracht, oder durch ehrliche Ambitionen überzeugend, anstatt aufgesetzt, umgesetzt. In der deutschen Synchronfassung überzeugt zudem die lieblich-traurige Stimme Winnie Puuhs, die einem erwachsenen Herz wahrlich ins Gewissen redet und jeden emotional für sich gewinnen müsste. Da die Traurigkeit des Stoffes stets mit einer angenehmen, eher stillen Komik einher geht, stimmt die Gewichtung dieser beiden Elemente. Wenn nun noch zudem ein liebevoller Respekt vor den Ur-Abenteuern Puuhs auch in kleinen Details wiederzufinden ist, haben zumindest Kenner der alten Geschichte nichts zu meckern (zumal die schrecklichen Eigenproduktionen der Disney-Studios um Puuh ignoriert werden). Ob man sich dadurch nun in seine Kindheit entführen lassen kann oder nicht, "Winnie the Pooh" (Alternativtitel) besitzt auch auf anderen Ebenen Retro-Charme, allein schon, weil er zu einer anderen Zeit spielt. Diese wird ebenso greifbar glaubwürdig wiederbelebt, wie die Bewohner des Hundertmorgenwaldes. Und der Übergang, bzw. die Methoden im Workaholic das Kind im Manne zu wecken, sind zudem nett anzusehen und somit nicht aufdringlich moralisch präsentiert. Allein die Dialoge zwischen Christopher und dem wahrlich nicht klugen und naiven Bär, sind dies beeinflussend ein hervorragendes Rezept und gehören auch unabhängig dieser charakterlichen Auswirkung zu den Highlights des Streifens.

An sich beweist das Drehbuch trotz Kitsch und Klischees den nötigen Spagat aus obligatorischen Disneyfilm-Zutaten und der angenehmen Art Emotionsfilm, die einen auf menschliche Art sensibel manipuliert, anstatt, wie durch das Entstehungsland eigentlich zu erwarten, mit Holzhammer-Propaganda. Einzig gegen Ende wird "Christopher Robin" diesbezüglich zu plump. Wenn Christopher sich seiner Tochter zuwendet, weil er seinen Irrtum nun einsieht, kommt die Reue konstruiert, psychologisch unglaubwürdig und realitätsfern daher, vergleichbar mit der Schluss-Sequenz aus "Der Spielgefährte", der damit bewies sein Original "Das Spielzeug" nicht verstanden zu haben. Da dies aber erst ganz am Schluss sauer aufstößt, und "Christopher Robin" zuvor bei einem nicht all zu strengen Publikum mit all seinen Vorzügen punkten kann, ist auch dieser unangenehme Tiefpunkt verziehen. Allerdings muss man sagen, dass der Schluss auch in den anderen Bereichen nicht wirklich Vorzeige-Kino ist. Die Versöhnung mit der Frau wird überstürzt durch Kennenlernen der Fantasie-Tiere ins wilde Finaltreiben integriert, und die Auflösung mit dem faulen Vorgesetzten hätte auch eine Spur sensibler und weniger überstürzt eingearbeitet werden können. Umso schöner ist es festzustellen, dass die wahrlich wichtigen Bereiche des Stoffes einen derart missachtenden Umgang nicht erhielten, sondern ganz im Gegenteil genügend Zeit bekommen sich zu entwickeln und innerhalb einer abenteuerlich tragikomischen Geschichte beim Zuschauer die richtigen Knöpfe drücken.  OFDb

25.10.2012

DIE INSEL (2005)

Lincoln fristet sein Dasein wie alle Menschen in einem Komplex unter der Erde. Die Oberfläche des Planeten ist unbenutzbar. Es gibt jedoch eine Insel, auf der man leben kann, ein jeder möchte hin, und ein Gewinnspiel entscheidet darüber wer darf. In dieser unterirdischen Welt, in der alles von oben kontrolliert wird, scheint alles zum höheren Zweck perfekt geregelt. Doch Lincoln kommt hinter eine Lüge. Das Gewinnspiel steht für etwas schockierend anderes...

Das Entdecken einer Wahrheit...
 
"Die Insel" schafft es philosophische und gesellschaftskritische Elemente mit dem Bereich des Actionfilms zu vereinen. Dies wirkt nicht, wie in anderen Besprechungen oft erwähnt, unausgegoren, läuft aber auch nicht wirklich parallel nebeneinander her. Die eine Hälfte des Films setzt verstärkt auf das eine, die andere Hälfte auf das andere. Dies funktioniert, bedeutet aber auch, dass von beidem bedingt weniger vorhanden ist, als in üblichen Filmen jeweiliger Art. Fans von Action und Freunde vom Anspruchsvollem könnten also enttäuscht werden. Zu letzterem muss man aber ohnehin erwähnen, dass „Die Insel“ in erster Linie Popkornunterhaltung sein soll. Und für einen solchen Film ist der Gehalt an tiefsinnigen Themen stark vorhanden. Erst recht wenn man bedenkt wer hier Regie führte.

Die Besetzung kann man als gelungen bezeichnen, höchstens der Quotenschwarze in Form des Jägers ist mittelprächtig besetzt, ist aber ohnehin die eher uninteressanteste, da zu aufgesetzteste Rolle. Der Film selbst ist Kurzweile pur und hält einem, ähnlich wie „Gladiator“, stets den Spiegel unserer Zeit vor, obwohl es in der Geschichte selbst ja um eine andere Zeit geht. In "Die Insel" wird diese Erzählform recht deutlich, wenn z.B. der Firmenchef erwähnt, dass die Ahnungslosen ihre Videospiele und Comics vorgesetzt bekommen, damit sie abgelenkt sind und nicht wissen wofür sie wirklich da sind. Mit Hirn aus guckt man über derartige Sätze hinweg, wer weiß wo heutzutage der Hase lang läuft, erkennt deutliche Kritik an der heutigen Spaßgesellschaft.

"Die Insel" erfindet das Genre nicht nur nicht neu, er bedient sich auch freudig an vielen Filmen seines und verwandter Genres. Ähnlich wie "Matrix" klaut er aber recht gut, so dass er dennoch ein gewisses Niveau halten kann. Ganz klar erkennbar sind Anlehnungen an "Blade Runner" und "Ghost In The Shell" wenn es um die Rechte eines Nichtmenschen geht. Durch das Thema Klonen sind Cyborgs für den Filmbereich relativ uninteressant geworden, und so wechselt nur der Klient, nicht aber das philosophische Thema: Wo fängt Menschsein an, und wo hört es auf?

Die brav gehaltene Gesellschaft in einem eingeschlossenen Komplex, die von den Obrigen angelogen wird ist bei "Flucht ins 23. Jahrhundert" abgeguckt. Die persönlichen Einschränkungen, die unsere Protagonisten erleben dürfen, erinnern stark an "1984", die Bravheit an der das ganze sittlich angelegt ist an "Demolition Man" und die Genetik als Überwachungsinstrument des Volkes an "Gattaca".

Wenn zur 2. Hälfte hin die Action losgeht, erinnert die Art der Verfolgung und der Verfolgten stark an "Der Staatsfeind Nummer 1". Das Simulationsspiel in der scheinbar heilen Welt erinnert an ähnliche Spiele aus "Futureworld", zudem erkennt man hier auch klare Parallelen, wenn das Double sein Original trifft, im Vergleich mit "Futureworld" werden die gute und die böse Seite hierbei allerdings vertauscht. Ähnliches sah man zudem in "The 6th Day" und in den "Body Snatchers"-Verfilmungen, die wiederum ein Plagiat von "Puppet Masters" waren.

Der Hintergrund der Lüge erinnert an "Coma", die Art der Lagerung an einen Mix aus "Coma" und "Matrix". Dass reiche Menschen in der Zukunft auf Kosten anderer Menschen länger Leben wollen, wurde schon im eher mäßigen "Freejack" thematisiert. Sprüche a la "Ich habe Dich geschaffen" erinnern sicherlich nicht zufällig an "Frankenstein".

Da kommen schon viele Filme zusammen von denen man sich wie ein Kind im Süßigkeitenladen fleißig bedient hat. Aber auch wenn hier gut geklaut wird, so kann ein Film mit so wenig eigenem Einfluss auch nie zum wahren Cineasten-Tipp werden. Zudem stoßen gerade gewisse Dinge gegen Ende sauer auf. Aus unerfindlichen Gründen bekommt eine Figur Gewissensbisse, was nicht zur Charakterisierung und zur Situation passt, sondern lediglich Hollywood-typische Klischees wiederholt. Die Überprüfung ob man es am Ende mit einem Klon oder dem Original zu tun hat, findet am Armband statt und nicht mit der wesentlich sicheren Methode den Code am Arm zu überprüfen. Auch dass zur Verdeutlichung des Bösen mit Elementen aus der traurigen deutschen Vergangenheit gespielt wird, stößt in einem US-Film sauer auf, da man auch mit Elementen der ebenso bitteren Vergangenheit Amerikas hätte spielen können, anstatt selbstgerecht aufs Ausland zu verweisen.

Außerdem ist der Actiongehalt der zweiten Hälfte eine Spur zu wuchtig ausgefallen, wenn man das Niveau der ersten Hälfte beachtet. Das wirkt nicht wirklich uneins, dafür aber arg unnötig und bremst somit leicht das Sehvergnügen.

Inhaltlich gibt es nicht erst gegen Ende anfechtbare Inhalte:
- Ein Konzern mit seinem unschätzbaren Wissen will nur Geld auf die ehrliche Weise verdienen, trotz seiner gesetzlosen Art? Was ist mit den Möglichkeiten Klone als Sklaven oder Sexobjekte an das Ausland zu verkaufen? Was ist mit der Idee aus "Futureworld" hohe Tiere der Gesellschaft durch Double auszutauschen, um noch mehr Macht zu erlangen? Es ist kaum zu glauben dass ein derartiger Konzern nicht zumindest über derartige Themengebiete nachdenken würde

- Die Klone kommen sehr schnell mit der Wahrheit zurecht. Sie können trotz der eigentlich umwerfenden und verzweifelten Situation mit freiem Kopf denken und handeln und bleiben auch Emotional im grünen Bereich. Eine Verwirrung der Sinne und des Gemüts hätten für zusätzliche Schwierigkeiten und somit für reizvollere Komplikationen in der Geschichte führen können.

- Mal wissen die Klone über etwas Bescheid, was sie eigentlich nicht wissen dürften, und manchmal wieder nicht. Dies wird immer so angewendet, wie es Bay gerade passt.

- Dass der Posten des überwachenden Psychiaters auch gleichzeitig der des obersten Firmenchefs ist, ist ebenfalls unglaubwürdig. Ebenso die Idee, dass der Wohnkomplex der Produkte direkt neben den wissenschaftlichen und produktiven Anlagen angesiedelt wurde und dabei noch nicht einmal räumlich richtig abgegrenzt wurde, sprich in verschiedenen Gebäuden getrennt. Außerdem wissen selbst die kleinsten Mitarbeiter über zu viel Bescheid. Das ist auch nicht wirklich glaubhaft

- Wie es der Durchschnitts-Ami gerne mag sind Gut und Böse sehr überzeichnet und schwarzweiß gehalten. Entweder ist eine Rolle das eine oder das andere. Und der Versuch mit dem Jäger beides in eine Figur zu integrieren, ist nur billigster Pathos und geheuchelte politische Korrektheit, die ohnehin immer sehr fragwürdig ist

- Wenn Sex verboten ist bzw. verhindert wird und auch Frauen als lebender Organhandel fungieren, wie zum Teufel konnte der Klon einer Kundin dann schwanger werden, damit sie selbst nicht die Schmerzen der Geburt durchleben muss? Möglichkeiten wären gegeben, genannt wird keine.

Dass nicht nur der Konzern fragwürdig ist, sondern auch die Regierung, wird leider kaum ins Auge gefasst. Wenn es ein Gesetz gibt, welches erlaubt geklonte Körper im Koma zu halten um diese auszuschlachten, so ist da doch etwas ethisch unkorrektes erkennbar. Da dieses besagte Gesetz gleichzeitig aber auch verbietet jene Klone richtig leben zu lassen, hat man leider die Möglichkeit eines bösen Endes verschenkt. Man hätte die Klone befreien können, sie hätten in die Freiheit hinauslaufen können, und nun hätte man z.B. Hubschrauber auftauchen lassen können, die diese vernichten. Denn das Gesetz besagt, dass die nun befreiten Menschen illegale Produkte sind, und diese müssen sicher vernichtet werden. Für eine derartige Regierung sind dies keine lebenswerten Objekte, und mit Sicherheit hat man auch bereits in der nahen Zukunft mit Problemen der Überbevölkerung und der damit verbundenen Ernährungs- und Ansiedlungsproblemen zu kämpfen. Die Vernichtung der Befreiten wäre ein hervorragender, schwarzhumoriger und zum denken anregender Schlussgag gewesen.

Im Endeffekt ist „Die Insel“ trotz solcher Mankos und für einen so ungewöhnlichen Mix recht gut ausgefallen, so dass man großzügig über die Kritikpunkte hinweg gucken kann. Wenn ich aber bedenke wie sehr hier die Gesellschaft von heute kritisiert wird und wie oft dies auch in anderen Filmen versteckt getan wird („Gladiator“, „Matrix“, „Donnie Darko“, und endlos könnte die Liste weiter gehen), frage ich mich wann endlich ein Filmschaffender den Mut besitzen mag nicht mehr um den heißen Brei herumzureden und mal ganz offen wagt vom Faschismus heutiger Zeiten zu berichten, ohne dabei in Fiktionen abzudriften.

Aber was soll's! Michael Bays „Die Insel" ist ein unterhaltsamer Film mit mehr Tiefe als man vermuten würde und (etwas zu) viel Action. Das Reinschalten unvoreingenommener Cineasten lohnt in jedem Fall.  OFDb

02.09.2012

I LOVE YOU PHILLIP MORRIS (2009)

Nach einem Unfall ändert Steven sein Leben. Zuvor lebte er den Schein mit Frau und Kind, nun gibt er offen zu schwul zu sein und kostet diese Freiheit aus. Doch dafür braucht man Geld, und dies holt sich Steven über Betrügereien, die klein beginnen und immer größer aufgezogen werden. Als er daraufhin im Gefängnis landet, lernt er seine große Liebe kennen: Phillip Morris...

I Love Movies With Jim Carrey...
 
Wenn Jim Carrey sich an ein ernste(re)s Projekt wagt, dann steckt in der Regel eine interessante Geschichte dahinter. Das wirkliche Leben schreibt eine solche gern und oft, und da „I Love You, Phillip Morris“ auf wahre Begebenheiten beruht stand einer hohen Erwartung in dem wunderschönen Genre Tragikomödie also nichts im Weg. Streng genommen ist diese Geschichte aus dem wahren Leben auch recht interessant zu nennen. Warum man sie aber gerade so erzählt, wie es der Debutfilm der Regisseure Glenn Ficarra und John Requa tat, will mir nicht ganz in den Sinn kommen.

Es ist nicht so, dass die beiden mit ihrem Debüt gescheitert wären. Der Film weiß zu unterhalten. Aber die gesetzten Schwerpunkte sind meiner Meinung nach falsch gewählt. Die Hauptphase des Films, das Zusammenleben mit Phillip Morris, gehört im Gesamtbild des Erlebten zum uninteressantesten Part der Geschichte. Die wirklichen Highlights werden im Schnellverfahren abgearbeitet: das Leben vor dem Wandel, der Wandel, die kleinen Gaunereien, das Erarbeiten der Begabung eine professionelle Gaunerei durchziehen zu können (viel zu kurz angeschnittener Punkt) und das Einleben im Gefängnis. Schade dass der Film hier nur das Nötigste erzählt und über diesen hektischen, sprunghaften Stil in dieser Phase auch am unterhaltungsfeindlichsten bleibt.  Denn das ist der Witz: durch die Inszenierung weiß im fertigen Film tatsächlich der eigentlich uninteressanteste Aspekt der Geschichte am meisten zu unterhalten: die Beziehung mit Phillip Morris.

Der Film hätte einen anderen Namen bekommen, und ausgerechnet die Rolle von Ewan McGregor, der auf ein neues beweist wie talentiert er ist, wäre stark gekürzt worden. Aber das wären Randerscheinungen gewesen, die ich gerne in Kauf genommen hätte, um die Geschichte so zu erleben wie sie am interessantesten gewesen wäre. Der Fehler beim gewählten Schwerpunkt ist nun einmal, dass sich der Zuschauer nach einiger Zeit fragt, was die Geschichte eigentlich erzählen möchte.

Da verlieben sich zwei Schwule im Knast, und der eine finanziert deren schönes Leben durch Betrug. Das könnte noch interessant klingen, wenn die Betrügerei im Vordergrund stehen würde, aber selbst wenn diese nach dem Knast endlich einmal mehr vertieft wird, als im ersten Drittel des Streifens, bekommt sie doch nicht genug Gewichtung, um wirklich zu einer interessanten Geschichte zu werden.

Das war den Regisseuren sicherlich bewusst, und man merkt schnell dass der Film seine Pluspunkte aus den Charakteren ziehen will anstatt aus einer packenden Geschichte. Denn die bieten sich für einen interessanten Film geradezu an: der ewig naive Phillip, der immer an die Falschen gerät, inklusive Steven. Und Steven, ein Mensch der allen so lange etwas vorgeschwindelt hat, bis er selbst nicht mehr weiß wer er ist. Schön dass dies zumindest im letzten Drittel in den Vordergrund rückt. Aber ein Vertiefen der oben genannten, zu kurz kommenden Themen, hätten den Zuschauer viel mehr in dieses verlorene Gefühl mit eintauchen lassen. „I Love You, Phillip Morris“ guckt sich zu theoretisch, und das finde ich verschenkt in einem Genre wie der Tragikomödie.

„I Love You, Phillip Morris“ weiß routiniert zu unterhalten und wird nie langweilig, auf der anderen Seite wird er aber auch nie aufregend genug, um ihn als Empfehlung zu feiern. Die erste halbe Stunde ist zu hektisch erzählt. Wer mit ihr Schwierigkeiten hat, sollte dem Rest des Filmes aber ruhig dennoch eine Chance geben. Allein den beiden Hauptdarstellern bei ihrer Arbeit zuzusehen, ist das Einschalten bereits wert. Es sind beides einfach große Talente ihres Fachs.  OFDb