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17.10.2024

DOCTOR WHO - HEREINGESCHNEIT (2014)

Auf einer Forschungsstation in der Arktis werden sogenannte Schläfer ruhig gestellt. Von ihnen geht eine Bedrohung aus, die einen in einen Traumzustand versetzt, der sich nicht von der Realität unterscheiden lässt, während man heimlich bis zum Tod ausgesaugt wird...

Das ganze Gehirn ausgelutscht...

Das Weihnachtsspecial "Hereingeschneit" befindet sich im Gegensatz zu seinem Vorgänger "Die Schneemänner" wieder in der richtigen Position zwischen zwei Staffeln. Auf DVD/Bluray ist sie jedoch diesmal am Ende einer Staffel, anstatt am Anfang der nächsten auf einer eigenen Disc vorzufinden. Das ist ziemlich egal, erfreulich ist hingegen, dass man es erneut schaffte dem Filmfreund einen der Serie würdigen Einstünder zu bescheren, wo die Festtagssonderfilme der "Doctor Who"-Reihe doch meist zu kitschige Außenseiter innerhalb der eigenen Science Fiction-Marke wurden. Mag auch alles mit dem Besuch vom Weihnachtsmann beginnen, "Doctor Who - Last Christmas" (Originaltitel) gibt sich keinem verträumten Berauschen der Festtagsstimmung hin, nicht einmal obwohl er von Träumen handelt. In einer Geschichte, die Elemente aus "eXistenZ" (nicht unterscheiden zu können was Fake und Realität ist), "Nightmare on Elm Street 3" (das gegenseitige Kontaktieren mehrerer gleichzeitig Träumender) und "Inception" (verlangsamter Zeitablauf innerhalb der Träume, während die Zeit in der Realität schneller, bzw. wie immer verläuft) enthält, steht die Gefahr, das Abenteuer im Zentrum, also genau jener Aspekt, der auch das Geschehen einer klassischen Serienfolge der Reihe betrifft, und das lässt "Hereingeschneit" so angenehm professionell gucken, wie die Hauptserie. Gekonnt wird man als Zuschauer getäuscht und eingeweiht gleichermaßen, darf eine Falle, aufgrund der Anfangssequenz noch vor dem Doktor verstehen, und durchläuft damit eine einfallsreich erzählte Geschichte, bei der nicht nur bezüglich der Frage zwischen Traumwelt und Realität mit den Erwartungen des Publikums gespielt wird. Ein wunderbar agierender Nick Frost in der Rolle des Weihnachtsmannes belustigt das an sich eher spannend geratene Treiben, so dass ein wunderbarer Mix aus Science Fiction, Spaß, Thrill und Drama entsteht, so wie es in diesem Franchise selbstverständlich sein sollte. Dass die den Mensch befallenden Wesen von den Facehuggern aus "Alien" abgekupfert wurden, scheint ebenso Absicht zu sein, wie der Bewegungsablauf der drei Finger der Marsianer in einer der letzten Staffeln von "Doctor Who" von der Serie "Krieg der Welten - Die Auferstehung" und dem Film, den sie fortsetzt, augenzwinkernd abgeguckt wurde.  OFDb

12.08.2019

SLAUGHTERHOUSE RULEZ (2018)

Sie bekleiden nur halbwegs klein geratene Nebenrollen und spielen diese nicht einmal in gemeinsamen Szenen, und doch sind sie nicht nebensächlich für die schwarze Horor-Komödie "Slaughterhouse Rulez". Die Rede ist von Nick Frost, sowie Simon Peck, der bereits sechs Jahre zuvor mit Regisseur Crispian Mills in dessen bislang einzigen weiteren Film "Die fürchterliche Furcht vor dem Fürchterlichen" zusammen gearbeitet hat. Beide sind die Hauptdarsteller der berühmten Cornetto-Trilogie, die mit "Shaun of the Dead" ihren Anfang nahm und mittlerweile, ebenso wie Ricky Gervais, Zugpferde der britischen Komik im Kino. Beide spielen für die Handlung entscheidende Rollen im hier besprochenen Film, trotz der geringen Größe dieser, beide sind aber auch Produzenten dieser Komödie. Dass es im einflussreichen Beisein dieser beiden nie geistlos zugeht, ist bekannt, und so steckt auch in "Slaughterhouse Rulez", wenn auch diesmal inhaltlich kaum von ihnen beeinflusst, mehr Gehalt, als dass man sich einzig an der Parodie eines gruseligen Stoffes heranwagt. Man spielt mit englischen Ständen und Traditionen, eine Zutat die für uns nicht immer leicht zugänglich ist. Ebenso wird der kapitalistische Aspekt des Frackings thematisiert, und damit auch der Umweltaspekt und der Bereich der Öko-Aktivisten, was jedoch alles nicht so tief greift, wie man vermuten könnte.

Beobachtet man die Charaktere des Streifens, so haben sie bis auf wenige Ausnahmen alle etwas gemein. Die Erwachsenen nutzen ihre jeweiligen Ideale als Vorwand, sei es der Direktor, der Lehrer, der so gerne Vorbild und Beschützer der Schüler wäre, die Eltern oder der Anführer der Umweltdemonstranten. Die Schüler hingegen imitieren ein Ideal, sich ihrer Familientradition dazu verpflichtet fühlend. Und aus diesem Dilemma der Kinder und Erwachsenen, entsteht der zentrale Humorschwerpunkt des Streifens, so dass sich die langsam anbahnende Geschichte um eine gefährliche Tiergattung, die durchs Fracking in ihrer Ruhe gestört wurde, für mich unnötig anfühlte. Dieses Gefühl verschwand auch nicht in jener Phase des Streifens, in welcher sie endgültig zum Zentrum wird und der Kampf Schüler gegen Bestien bevor steht. "Slaughterhouse Rulez" behält in diesem letzten Drittel als Randerscheinung noch besagten Humorschwerpunkt bei, konzentriert sich aber hauptsächlich nun um eine Horrorgeschichte, die nicht hätte sein müssen. Mag sie auch verwoben sein mit der Vergangenheit der Schule, und damit auch mit der Tradition und den Idealen dieser, also Teil besagtem Herzstück des Streifens darstellend, der Film lässt nach je mehr er sich dem Horror-Part zuwendet (auch wenn dieser nie außerhalb seines Komikbereichs präsentiert wird). Damit blieb der Aspekt um die aggressiven Viecher auch mit ihrer Ankunft im Zentrum der Geschehnisse ein Fremdkörper für mich, so als habe man zwei Themen miteinander kombinieren wollen, die nicht wirklich ineinander greifen wollen.

Das schränkt Crispian Mills zweite Komödie zwar in ihren Möglichkeiten unnötig ein, so als sei der Horror-Part ein pflichtmäßiges Zugeständnis an die beiden komödiantischen Berühmtheiten des Streifens, die es selbst in ihrer Actionfilm-Parodie "Hot Fuzz" nicht lassen konnten Horror-Elemente einfließen zu lassen, macht den Film aber nicht wirklich kaputt. Als sympathischer, kleiner Beitrag für zwischendurch ist "Slaughterhouse Rulez" durchaus unterhaltsam ausgefallen, zumal er einige wirklich gute Ideen parat hält, von denen man sich gewünscht hätte, sie wären in einem Film untergekommen, der ihrer wert wäre. Die Hauptdarsteller wissen den Film zu stemmen, die Maskerade Nick Frosts ist geglückt wie immer, an schwarzer und bissiger Gesellschaftskritik mangelt es nicht, gerade Freunde britischer Komik kommen nicht zu kurz. Insgesamt lebt der Streifen jedoch zu sehr von reizvollen Ansätzen, die nicht zu genüge beachtet wurden, sei es die Käuflichkeit des Direktors, der Reiz an der Gefahr des Verbotenen als Schüler im Wald, die Thematik rund ums Fracking, das Geheimnis um den Öko-Anführer, oder das komödiantische Spiel mit dem Bereich des Tier-Horrors. Mit Ausnahme des Zwangs, der Täuschung, der Missachtung und des Missverstehens von Traditionen und Idealen, sowie das Spiel um Wahrheiten hinter verehrten Erinnerungen (in diesem Falle hauptsächlich der Part um die Schullegende), wurde jeglicher Faktor nicht konsequent genug umgesetzt. Und besagter, der zu genüge beachtet und vertieft wurde, kann sich dem unwissenden, deutschen Zuschauer nicht in seiner Gänze offenbaren, da es an mancher Kenntnis darüber fehlt wie enorm Stände und Traditionen in der Gesellschaft Englands verankert sind und auf welche Arten sich dies dort äußert.  OFDb

04.08.2019

WILD CHILD (2008)

"Wild Child" gibt sich, unterstützt von der Außenwirkung durch Postermotiv und Schriftzug, in seiner Ausgangslage wild und frech, glücklicher Weise ist er jedoch trotzdem keiner dieser unterkühlten Provo-Komödien ohne Herz geworden. Sicherlich hätte der Stoff auch das Zeug zur treffsicheren Satire gehabt, da geht der Streifen tatsächlich leider den leichteren Weg, aber verglichen mit dem was häufig so als Teenie-Komödie heraus kommt, entweder langweilig einfallslos geraten, übertrieben sexualisiert, oder emotionslos uncharmant, kann man schon froh sein, dass die Verantwortlichen des Filmes auf die angenehm simple Variante Komödie setzten. Die geht im Falle von "Wild Child - Erstklassig zickig" (Alternativtitel) temporeich los und setzt den Ungehorsam seiner Heldin distanziert in den Mittelpunkt, sprich er zeigt auf wie sehr sie eigentlich nur aus purem Egoismus damit nervt, lässt aber dennoch zu dass ihre schnippische Art pointiert zu funktionieren weiß. Dank kleiner manipulativer Tricks schließen wir sie als Zuschauer schon in dieser Phase in unser Herz, wenn später in weit ruhigerer Gangart die Läuterung eintritt und eine kleine romantische Nebenhandlung ins Hauptgeschehen dazu stößt, freuen wir uns dass sie zu sich gefunden hat, auch wenn ein Hauch Kitsch bei alledem mit weht.

Dessen Anwesenheit lässt sich ebenso wie die Moral nicht abstreiten, beides ist meiner Meinung nach jedoch in einer akzeptablen Dosierung mit an Bord, auch wenn es schöner gewesen wäre man hätte auf beides verzichtet. "Wild Child" erfindet das Genre nicht neu, aber er liefert jene Art Routine ab, die ich in diesem Genre immer gerne gucke und immer seltener vorfinde. Der Ton stimmt, die Besetzung weiß zu gefallen, das schlicht gestrickte Drehbuch ist sich der Wichtigkeit stimmiger Charaktere bewusst, auch wenn diese freilich nie zu tief gehen, aber das geht schon in Ordnung. Schließlich haben wir es hier weder mit einem raffiniertem Film zu tun, noch mit einem innovativen. Analytisch bleibt der Stoff oberflächlich wie die übliche Massenware derartiger Werke, und doch ragt "Wild Child" aus dem komplett austauschbaren Sektor ein wenig heraus, eben weil er einen gewissen Charme versprüht und seine oft erzählte Geschichte auf die richtige Art wiederkäuert. Freilich wird damit nur das Stammpublikum derartiger Filme angesprochen, aber zu diesem gehöre ich nun einmal. Überrascht war ich darüber wie nebensächlich die Liebesgeschichte eingebunden wurde. Und auch der für die Wendungen oftmals entscheidende Konkurrenzkampf verkommt fast zur Nebensache, wenn die Mädchenfreundschaften aufblühen.

Dieser und der Wandel des cleveren Mädchens zu einem respektablen Charakter, machen einiges am sympathischen Ergebnis aus, einfach weil man Freude dabei empfindet Poppy bei ihrem emotionalen Aufblühen und ihrem Reifeprozess zu begleiten. Da hätte es den Nebenstrang um ein Sportteam, welches Poppy nach einiger Zeit erfolgreich anleitet, nicht wirklich geben müssen, wirkte er auf mich doch immer wie ein zu aufgesetzter Versuch Dinge deutlicher zu erklären, die in anderen Themenbereichen längst subtiler angegangen wurden. Wenn sich dann noch auf Cheerleader-Art als Zugeständnis an die US-Herkunft Mut zugesprochen wird, ist der ansonsten charmant ausgefallene Film an seinem Tiefpunkt angelangt, eben weil es so gar nicht zur Restmentalität des Streifens und seiner Charaktere passen möchte. Aber das ist nur ein kleiner Nebenaspekt innerhalb eines Filmes, der ohnehin nicht Gold ist, dafür ist er viel zu vorhersehbar ausgefallen. Aber für Zuschauer, die nicht immer die erste Liga ihres Genres gucken wollen und auch auf simplere Art zufrieden zu stellen sind, ist "Wild Child" aufgrund seiner flotten, freundlichen und charmanten Umsetzung durchaus einen Blick wert. Was Freches darf man jedoch nicht erwarten. Als kleiner Bonus schaut in einer Szene anbei Nick Frost überraschend vorbei und lässt es sich freilich nicht nehmen ein wenig herumzualbern.  OFDb

06.05.2018

ATTACK THE BLOCK (2011)

Kindliche harte Kerle, Ghetto-Musik, Gangster-Mentalität, das sind Zutaten die einem in einem Proletenfilm tierisch auf den Senkel gehen würden, eben weil sie Aufgezähltes zelebrieren würden, um besagte Sub-Kultur zu feiern. "Attack the Block" geht da anders vor, bietet diesen Lebensstil neutral betrachtet als frische Alternative zum gewohnten Heldentum bisheriger Invasionsfilme an, und das weiß dank eines frischen Grundtones und einer flotten Umsetzung, sowie dank eines Drehbuchs, welches aus einer Bande obercooler Halbstarker echte Charaktere zum Mitfühlen zaubert, tatsächlich zu funktionieren, letztgenannter Punkt benötigt aber freilich seine Zeit, dauert es doch hinter die Fassaden blicken zu können, gerade bei Moses, und ist dieser doch alles andere als eine Sympathiefigur. Als solche dient Sam. Da Moses jedoch im Zentrum der Geschehnisse steht, wird er trotz aller Antipathie trotzdem eher zur Identifikationsfigur als sie, was aber eigentlich auch völlig egal ist, da es hier ohnehin um Gruppenarbeit anstatt um Heldentum geht, auch wenn das Finale sich diesbezüglich eine Ausnahme erlaubt, die jedoch wesentlich augenzwinkernder gemeint ist, als sie bei manchem (Möchtegern-)Ghetto-Kid ankommen mag...

Der Grundton des Streifens ist ohnehin augenzwinkernder Natur, beherrscht Regisseur Joe Cornish doch einen sich perfekt anfühlenden, ausgewogenen Mix aus Komik und genügend Ernsthaftigkeit, um die Bedrohung trotzdem spürbar werden zu lassen (was sicherlich nicht so einfach ist, innerhalb eines Filmes, in welchem bedrohliche Aliens von einer Gruppe Teenager fertiggemacht werden). "Attack the Block" ist sein Debutfilm, der einzige bei dem er bislang Regie führte, ansonsten sammelte der Mann, der auch für das Drehbuch des hier besprochenen Streifens verantwortlich ist, Filmerfahrungen als Schauspieler in kleinen Rollen bei "Shaun of the Dead" und "Hot Fuzz". Aus diesen, der Cornetto-Trilogie angehörenden, Filmen entlieh man sich auch den stets zu Freakrollen neigenden Nick Frost, der mancherorts zwar Erstgenannter von Cornishs Außerirdischenattacke ist, aber lediglich eine Nebenrolle bekleidet. Diese weiß er auch gut auszufüllen, und dass er nicht im Zentrum steht geht sowieso in Ordnung, würde sein Part bei mehr Beachtung doch nicht mehr so gut innerhalb vorhandener Geschichte funktionieren, eben weil sie sehr auf die Passivität der Figur baut, und außerdem schafft es das Drehbuch gekonnt, dass die in Wirklichkeit im Zentrum stehenden Figuren den Film tatsächlich getragen bekommen - und dies nicht nur bei einem Jugendpublikum mit Gangstermentalität.

So überzeugend die im Zentrum stehende Gruppe samt Sam auch wirken mag, die wahren Hingucker des Streifens sind die Besucher aus dem Weltall, die im Bereich der Computeranimation ihresgleichen suchen. Üblicher Weise stehen CGI-Kreaturen in Konkurrenz mit handgemachten und können diesen gegenüber nur verlieren, die Verantwortlichen von "Attack the Block" zauberten jedoch etwas, das man nicht per Hand hätte umsetzen können und nutzten somit die Computeranimation geradezu vorbildlich. Die affenartigen Viecher, die sie auf die Kids vom Block loslassen, sind in einem tiefem Schwarzton gehalten und damit fast kaum fürs Auge körperlich greifbar, selbst wenn sie bewegungslos auf dem Fußboden liegen. Und inmitten dieses düsteren, jegliches Licht zu verschlingen scheinenden Körpers leuchtet ein Fleischfressergebiss auf. Das ist tatsächlich so simpel wie es sich liest, aber auch unglaublich effektiv in Szene gesetzt, so dass man eigentlich nicht genug Szenen vorgesetzt bekommen kann, um sich an diesen Monstren satt zu sehen. Mag die Geschichte das Genre auch nicht neu erfinden, der Alienlook in Kombination mit der ungewöhnlichen Sub-Kultur im Zentrum verleiht "Attack the Block" eine Eigenständigkeit, die ihn tatsächlich aus der Masse ähnlich gearteter Filme heraus hievt.

Ohnehin ist Cornishs Werk ein Film den man sich ruhig zu Gemüte führen sollte, ist er aufgrund seiner Kurzweile, der Vertiefung seiner zwei Protagonisten, der emotionalen Distanz zur Gangstermentalität und dank eines glaubwürdigen Drehbuchs, welches sich keinerlei größere Logikpatzer oder anbiedernde Peinlichkeiten erlaubt, aber freilich auch definitiv aufgrund der so herrlich anders wirkenden Antagonisten, ein gelungenes Stück Science Fiction-Komödie, locker aber nie sinnlos inszeniert, dem Helden ins Gewissen redend aber nie moralisch ausfallend, eine Party auf dem Bildschirm entfachend aber sich nicht darauf ausruhend. Analytisch tief geht die Story nie, sie wendet sich im Gegenzug aber auch nie irgendwelchen Plattheiten zu. "Attack the Block" ist ein handwerklich gut gemachter Film, der stets den Kompromiss findet, ohne deshalb irgendwelche Punkte zu vernachlässigen oder sich einem bestimmten Publikum anzubiedern. Er funktioniert einfach wie er ist, und das ist in heutigen Kinozeiten des Popkornfilms bereits Gold wert.  OFDb

23.07.2016

SHAUN OF THE DEAD (2004)

Als 2004 „Shaun of the Dead“ auf der großen Leinwand erschien, da war das nicht nur der Beginn der großartigen Cornetto-Trilogie, die mit „The World‘s End“ ihren umstrittenen Höhepunkt erhielt, es war auch der Anfang einer Zeit, in der viele Filmschaffende versuchten auf den Pfaden des hier besprochenen Filmes zu wandern und eine ähnliche Zombie-Komödie abzuliefern, was grundsätzlich zum Scheitern verurteilt war und nur selten in netten Beiträgen endete, die damit aber immer noch weit unter dem Ergebnis von Edgar Wrights Film lagen.

Meist liegt es daran, dass man versuchte den skurrilen Tötungsversuch von Zombies, hier umgesetzt durch das Werfen von Schallplatten, unter der Diskussion dessen ob sie noch in die Sammlung gehören oder nicht, durch alternative ausgefallene Methoden zu ersetzen. Das war defenitiv eine sehr witzige Szene im hier vorliegenden Film, aber eben nicht seine Geheimzutat, die ihn so grandios werden ließ.

Auch setzten die Trittbrettfahrer gern auf den von Peter Jackson mit „Braindead" perfektionierten Splatstick, der in „Shaun of the Dead“ kaum Verwendung findet, was bereits die geringe FSK-Einstufung der 16 verdeutlicht. Dass die Stärken vom ersten Teil der Cornetto-Trilogie ganz woanders liegen, haben die Blaupausenschaffer nie begriffen - wie es scheint viele Horror-Fans jedoch auch nicht, die bei jeder neuen Zombie-Komödie gleich wieder den Vergleich zu diesem einzigartigen Liebhaberstück ziehen müssen, um jedes lieblos hingerotztes Stück Horror-Komödie hochzujubeln.

Einfach ist es nicht einen „Shaun of the Dead“ zu schaffen, allein der Komikbereich erfordert das Gespür für das perfekte Timing vom Setzen einer Pointe und die nötige Intelligenz auch hintergründigen Humor, der auf genaue Beobachtungen, kritisches Hinterfragen und analytischen Gedanken fußt, anwenden zu können in einem Cocktail verschiedenster Humorrichtungen, bishin zum geringen, aber sehr entscheidenden, Anteil der Tragikomik. Es wird nur selten dramatisch in „Shaun of the Dead“, aber wenn dann ist die Tragik trotz aller Komik spürbar und verleiht den keinesfalls flach ausgefallenen Charakteren, die mehr darstellen als die Stereotype die sie hauptsächlich verkörpern, endgültig Tiefe.

Dass „Shaun of the Dead“ nicht nur eine großartige Komödie ist, die einen immer wieder zum lachen und schmunzeln bringt, sondern auch von einer guten Portion Charme lebt, liegt daran dass einem die Figuren nicht egal sind. Vom liebenswerten Nichtsnutz bis hin zur tragikomischen Figur der Freundin der Freundin (gespielt von der britischen „The Office“-Dawn), die sich seit Schulzeiten damit abgefunden hat, dass ihr Freund nur zur Notlösung bei ihr ist, weil er es eigentlich auf die Freundin seiner Freundin abgesehen hat, bleibt kaum eine wichtige Figur des Streifens eindimensional und mag sie auch kaum in den Vordergrund treten, wobei die Manege ohnehin Shaun gehört und mit Abstrichen auch seinem Sidekick Ed.

Erst auf der Grundlage greifbarer und hintergründiger Charaktere, und der Möglichkeit die uns Wright gibt mit ihnen mitfühlen zu können (nicht nur in dramatischen Momenten) können Witz und Charme so enorm sprießen, dass wir solch ein intensives Filmerlebnis mit „Shaun of the Dead“ erleben durften und immer wieder erleben dürfen. Denn auch beim x-ten Sichten und mittlerweile trotz der unzähligen Varianten gleicher Themen in Konkurrenzprodukten und damit zwingend trotz der Weiterentwicklung des Humors zum Zombiethema, ist Edgar Wrights Beginn der Cornetto-Trilogie, an der auch Hauptdarsteller Simon Pegg mitgeschrieben hat, noch immer wirksam wie bei der ersten Sichtung. Wer hier nicht lacht, hat selber Schuld.  OFDb

26.04.2015

ICE AGE 4 - VOLL VERSCHOBEN (2012)

„Ice Age 4“ beginnt mit einer zum Schreien komischen Anfangssequenz, die kaum besser hätte ausfallen können. Direkt nach dieser dürfen wir einem klassisch konstruierten Familienzwist zwischen Vater und Tochter beiwohnen, der zum Standard-Gefühlsprogramm ideenloser Trickfilme Amerikas gehört (so z.B. auch zu erleben in „Hotel Transsilvanien“), was für eine Ernüchterung sorgt. Die kleine Tochter ist niedlich animiert, keine Frage, und damit sympathischer ausgefallen als die Mutter die man seit Teil 2 nicht mehr los wird, aber mit dieser Szene zeigt „Ice Age 4“ bereits sein wahres durchschnittliches Gesicht, in welchem nur noch zur Ausnahme wahrlich geglückte Lacher auftauchen dürfen.

Mit Teil 4 ist die Reihe endgültig zum reinen Kinderfilm verkommen. Ewig gibt es actiongeladene Rutschpartien die sich zum einen, ähnlich wie der unerträglich hippe Schluss-Song, dem jungen Zielpublikum anbiedert und zum anderen darüber hinwegtäuschen sollen, dass eigentlich keine richtige Geschichte vorhanden ist. Die dünne existierende ist so schon ein paar Mal erzählt worden, auch in der Reihe selbst. Wieder sucht man einander, nachdem man getrennt wurde, und da Manni nun eine Familie hat (und die Reihe damit und mit den Kumpels der Tochter auch viel zu viele Figuren hat um die sie sich kümmern muss) gehört der Part der neu aufflammenden Liebschaft diesmal dem soften Diego.

Aber auch dessen Lovestory kommt aus der Ideen-Schablone und weiß durch nichts zu gefallen, ist somit Füllmaterial wie das meiste Gezeigte sonst und so witzarm ausgefallen wie der Großteil des Streifens. Einzig die Oma Sids weiß zu trumpfen, zumindest bis zu jenem Moment wo wir ihren bis dahin unsichtbar geglaubten Freund kennen lernen, der nicht nur unangenehm auffällt weil er die Problemsituation am Ende zu sehr erleichtert, sondern auch verärgert weil auch seine Anwesenheit die Story zu politisch korrekt weich badet. Schlimm genug dass Diego nie beim Fressen eines Tieres gezeigt werden darf, um die hauchdünne Psyche der Kinder nicht aufzureißen, nein, nun darf Sids Oma aus falschem Respekt auch keinen erfundenen Freund mehr haben. Sonst wäre sie ja eine Irre oder zumindest wunderlich.

Mit „Ice Age 4 - Voll verschoben“ (was für ein ätzend anbiedernder Beititel) ist die Reihe unglaublich brav geworden, noch mehr als es „Für immer Shrek“ für die „Shrek“-Reihe wurde. Er ist dank seines hohen Tempos zwar durchzuhalten, aber originell ist hier bis auf einige Momente mit Scrat nichts mehr. Und selbst Scrats Szenen sind nicht mehr alle so geglückt wie jene zu Beginn. Somit ist der Film ähnlich mau ausgefallen wie „Ice Age 2“. Das ist schon etwas schade, war ich nach dem zumindest amüsanten „Ice Age 3“ doch optimistisch genug ein weiteres Abenteuer diesen Niveaus zu erleben, was eigentlich bereits lediglich ein Kompromiss ist mit Blick auf den unglaublich gelungenen Teil 1, der sich vor den Werken Pixars und Dreamworks nicht zu verstecken brauchte. Aber was mir mit Teil 2 und 4 abgeliefert wurde, ist mir einfach zu wenig. Zumal eine Piratengeschichte die Figuren noch mehr vermenschlicht als ohnehin schon. Und das in Kombination mit den pseudo-dramatischen Elementen zum Thema Liebe, Freundschaft und Familie ist mir zu aalglatt und massenkompatibel ausgefallen um dem Ganzen mehr entgegenzubringen als ein müdes Schmunzeln.  OFDb

29.09.2013

THE WORLD'S END (2013)

Ziemlich zeitgleich zu Seth Rogens Regie-Debüt „This Is The End“ startete ein weiterer humoristischer Film der sich im Titel mit dem Ende der Welt befasst. Es ist der dritte Teil der Cornetto-Trilogie, die auch unter dem Begriff Blood And Icecream-Trilogie bekannt ist, und die mit „Shaun Of The Dead“ und „Hot Fuzz“ ihren Anfang nahm, zwei hochgradig gute Komödien, die albern und geistreich zugleich waren, ein von mir gern gesehener Mix in diesem Genre. Aufgrund der Vorgänger hatte ich an diesen dritten Teil der Reihe wesentlich größere Erwartungen gesetzt als an einen ollen Seth Rogen Film. Da mag er mit „Ananas Express“ und „Shopping-Center King“ noch so köstliche Genrebeiträge abgeliefert haben.

Nachdem sich das Trio bestehend aus Regisseur Edgar Wright und den Hauptdarstellern Nick Frost und Simon Pegg (der mit am Drehbuch beteiligt war) zunächst im Horror-Genre und danach im Bereich des Action-Kinos ausgetobt haben, ist sinnvoller Weise nun die dritte Kategorie des phantastischen Films an der Reihe: der Science Fiction-Bereich. Und der handelt eben nicht wie der Titel vermuten lässt vom Ende der Welt, sondern von einer Alien-Rasse die eine Kleinstadt und manch andere Orte dieses Planeten eingenommen hat, jedoch nicht einer Invasion wegen, sondern um die Menschheit zu erretten.

Mag es als Printmedie „Puppet Masters“ auch vor „Invasion Of The Body Snatchers“ gegeben haben, „The World‘s End“ stützt sich auf die Idee von Letztgenanntem, in welchem Menschen durch außerirdische Doppelgänger ersetzt werden, ein im Science Fiction-Genre häufig aufgegriffenes Thema, so z.B. angewendet in „I Married A Monster From Outer Space“, „Dark Forest“ und „Faculty“, außerhalb der Alienthematik auch in Werken wie "Die Frauen von Stepford" und "Futureworld". Obwohl bereits die dritte Verfilmung von „Die Dämonischen“, mit dem Titel „Body Snatchers“, frisch zur Entstehungszeit der politisch korrekten Mentalität den Stoff hätte nutzen können um diese fragwürdige Art zu Denken anzuprangern, nutzt erst „The World‘s End“ diese Gelegenheit und nimmt gleich noch Kritik an der Globalisierung und dem Zerstören von Individualität durch den Kapitalismus mit an Bord.

Treffsicher stellen die Köpfe dieser Geschichte diese drei real existierenden Bedrohungen der Freiheit des Einzelnen einer Alien-Belehrung gegenüber, um gegen Entmündigung des Bürgers zu protestieren, die nur all zu gerne von sich berufenen Menschen angegangen wird, trauriger Weise immer öfter unterstützt von Menschen, die mit dieser Mentalität groß geworden sind und es nicht besser wissen. Dennoch mögen die meisten Leute keine Bevormundung, und in einem schlichten aber unglaublich gelungenen Schluss-Dialog wird genau dieser Fakt hervorgehoben. Wen kümmert Perfektion? Wir wollen lediglich Mensch sein.

Insgesamt hat jeder der drei Cornetto-Teile den Verlust von Individualität und/oder die Bevormundung durch Dritte zum Thema gehabt, aber der Abschluss der Trilogie bringt es am besten auf dem Punkt, einfach weil das Science Fiction-Genre hierfür auch besonders geeignet ist. Trotzdem! So lobenswert das Gespann Wright, Frost und Pegg ihren Stoff auch angegangen sind, rein vom Unterhaltungswert ist der dritte Teil ihrer Trilogie der schwächste, zwar noch immer ein guter Film, aber im direkten Vergleich einfach nicht mehr ganz so witzig zu gucken wie die Vorgänger.

Das liegt aber auch an der Konsequenz der Verantwortlichen, die auf den Stoff gesehen richtig erkannten, dass es nicht so aberwitzig losgehen darf wie zur Heißphase des Filmes. Doch obwohl diese Methode theoretisch richtig angegangen wurde, stört sie auch, wenn man darauf eingestellt ist ein Gag-Feuerwerk zu erwarten, wie es die beiden Vorgänger boten. Wahrscheinlich dürfte eine Zweitsichtung diesen Kritikpunkt lindern, wenn man „The World‘s End“ erst einmal als Gesamtwerk kennt. Bei der Erstsichtung war das Zurückschrauben des Humoranteils eher ernüchternd zu schauen.

Dieser ist dennoch treffsicher, so wie man es von den anderen Teilen gewohnt ist. Und Gag-Feuerwerk bedeutet keinesfalls, dass hier hirnlos herumgealbert wird. Alle drei Filme bieten unterschiedlichste Arten und Schichten an Komik. Das ist das was diese Reihe so außergewöhnlich macht. Die Kritik bezieht sich also nur auf den direkten Vergleich mit den Vorgängern. Für sich gesehen ist das also alles noch unbedingt sehenswert. Das muss mal deutlich ausgesprochen werden.

Was jedoch wirklich in der Anfangsphase des Streifens stört, ist der zu penetrante Charakter den Pegg darstellen darf. Er passt zur Geschichte, und er ist wieder so hervorragend gespielt wie die beiden anderen völlig unterschiedlichen Charaktere Peggs, aber er nervt. Das soll er auch, zugegeben, aber dennoch: er nervt selbst das Publikum. Da tut es gut zu sehen, dass sich dies irgendwann lindert und die von Pegg gespielte Person irgendwann auch förderlich für den Sehwert des Films wird. Mag sein dass sich diesbezüglich ebenfalls eine Zweitsichtung angenehmer guckt. Möglich wäre das sowieso, ist die tatsächliche Faszination für die beiden Vorgänger bei mir doch auch jedes Mal erst durch die Zweitsichtung ausgebrochen. Keine Ahnung warum, immerhin sprechen wir hier von unglaublich gelungenen Filmen, die einem Respekt vor dem gerne unterschätzten Genre Komödie einflößen.

„The World‘s End“ ist gut, sowohl in seinem Humor als auch in seiner Gesellschaftskritik. Und auch die geradezu schlichte Story wird konsequent erzählt und weiß gerade deshalb zu trumpfen, wird sie bei manch eingefahrenem Filmfreund heutiger Kinokost doch nicht gerade Lob ernten, weil man fälschlicher Weise kritisieren wird, sie müsse abwechslungsreicher oder nachvollziehbarer angegangen werden. Beides ist nicht der Fall. Wie schon die Vorgänger, so stützt sich alles was passiert auf die Charaktere des Films, und deren Psychologie wurde von ihren Schöpfern treffend erkannt, und so darf die Geschichte nur jenen Pfaden folgen, für die sich das Autoren-Team auch entschieden hat.

Dass es an den Darstellern nichts zu maulen gibt, dürfte klar sein. Dennoch ist ein Schauspieler besonders hervorzuheben, und das ist Martin Freeman, der in den anderen beiden Teilen nur sehr kleine Rollen spielen durfte, und nun durch die TV-Serie „Sherlock“ und durch die Hauptrolle in „Der Hobbit“ zu Berühmtheit gelangt ist, und deshalb einen größeren Part beschert bekommen hat. Das wurde auch höchste Zeit, ist dieser Mann doch ein großartiger Schauspieler, und das bewies er schon lange vor seinen publikumswirksamen Auftritten. Wer Freeman in seiner bislang besten Rolle sehen will, der muss zur britischen TV-Serie „The Office“ greifen, in welcher er neben Ricky Gervais zu brillieren weiß.

Auch wenn „The World‘s End“ bei der Erstsichtung den anderen beiden Teilen der Reihe hinterherhinkt, so ist er doch dennoch ein würdiger Abschluss der großartigen Cornetto-Trilogie, die schon immer wusste dass der Stoff eines Filmes das wichtigste ist und nicht die Suche nach einem Zielpublikum. Wrights dritter Streich ist geistreich und witzig, und er ist feinsinnig und grob zugleich - quasi all das was die Vorgänger ausmachte. Frosts Rolle mag ein wenig überraschen, wandelt sich aber mit der Zeit zu dem was der Fan an ihm mag, und die obligatorische Cornetto-Szene lässt zwar lange auf sich warten, bietet dafür aber auch einen großartigen Lacher.

Was mir humoristisch anbei mit am besten gefallen hat, ist die wunderbare Idee die außerirdischen Blaublüter von ihrem körperlichen Aufbau her an den Einzelteilen einer Barbie-Puppe orientiert zu haben. Wenn der erste Kopf abgerissen wird und uns der typische Plastikstumpf anlächelt, auf welchen man den Kopf nun theoretisch wieder dran ploppen müsste, dann ist das so freiwillig trashig wie doppelbödig treffsicher.  OFDb

Nachtrag:

Nach der x-ten Sichtung innerhalb kurzer Zeit kann ich nun behaupten, dass "The World's End" mit seiner erwachsenen Art, seinen ernsten Themen und dem wundervollen Humor in einer sich langsam entwickelnden Geschichte mein Lieblingsteil der Cornetto-Trilogie geworden ist. Peggs Charakter King gefiel mir ab der zweiten Sichtung von Anfang an, und wieder hat es der Schauspieler geschafft sich perfekt in eine Rolle hinein zu fühlen. Auch für Nichtkenner der ersten beiden (völlig unabhängigen) Teile ist "The World's End" absolut empfehlenswert!

02.01.2013

HOT FUZZ - ZWEI ABGEWICHSTE PROFIS (2007)

Angel ist der erfolgreichste und engagierteste Polizist, den England wohl zu bieten hat. Doch seine hohe Verhaftungsquote und die vielen Auszeichnungen lassen den Rest der Londoner Polizei schlecht aussehen. Also wird Angel gegen seinen Willen in das kleine Dörfchen Sandford versetzt, schmackhaft gemacht mit einer Beförderung. Kaum dort angekommen scheint Angel einer Mordserie auf der Spur zu sein, wird von den Dorfkollegen jedoch nicht ernst genommen, da Sandford ein sehr friedlicher Ort ist. Lediglich bei seinem dümmlichen und infantilen Freund und Kollegen Butterman findet er Gehör...

Die Mutter aller Actionfilme...
 
Nach dem sehr gelungenen „Shaun Of The Dead“ habe ich bei Sichtung des Nachfolgers „Hot Fuzz“ mit etwas anderem gerechnet. Trotz geglückter Witze war mein erster Eindruck zunächst mittelmäßiger Natur. Und heute kann ich dies kaum noch nachvollziehen. Seit der zweiten Sichtung weiß ich, was für ein Diamant diese Parodie auf Actionfilme ist, und dass dieser Film der geglückten Zombiefilm-Parodie mit gleichen Darstellern von gleicher Regie in nichts nachsteht.

Die Charaktere sind wieder einmal hervorragend ausgearbeitet, so fein, dass man sie erst einmal eine Zeit lang kennen lernen muss, um die Tiefe der Figurenzeichnung komplett zu entdecken. Die Figuren sind interessant und lustig, ein kunterbunter Haufen verschiedenster individueller Charaktere, was besonders deshalb erstaunt, weil sie alle dafür da sind mit typischen Klischeefiguren abzurechnen.

Dass die Köpfe hinter dem Projekt aus dem Horrorgebiet stammen, wenn auch aus der Humorecke („Shaun Of The Dead“, „Danger! 50.000 Zombies“), merkt man „Hot Fuzz“ an, auch wenn er mit dem Genre an sich nichts zu tun hat. Zum einen wären da die sehr harten Morde zu nennen, die nicht an Blut sparen und von einem mystischen Täter begangen wurden, zum anderen bietet die überraschende Auflösung einen gewissen Grusel-Touch. Die Mörderauflösung, die hier nicht verraten wird und bereits zum Ende des zweiten Drittels aufgedeckt wird, wirft den kompletten Film um, so dass es in der letzten halben Stunde mit einer völlig anderen Erzählweise weiter geht als zuvor. 

Beim ersten Gucken empfand ich es so, dass beide Erzählformen nicht so toll zusammen passen. Heute sehe ich das nicht mehr so, da der erste, längere Part die stille, eher theoretische Vorbereitung auf den kleineren rasanten Zweitpart ist. In beiden wird die Cop-Action parodiert, und beide Teile widmen sich verschiedenen Schwerpunkten. Während die etwas lustigere zweite Variante sich fast nur am besagten Genre orientiert, nutzt Regisseur Edgar Wright die erste Variante, um möglichst ein breites Feld an Parodiemöglichkeiten abzugrasen. „Hot Fuzz“ ist so intelligent wie sein Vorgänger, und es wäre hier wie dort dumm gewesen, sich bei all den Möglichkeiten nur an einer Filmgattung zu klammern, um modernes Kino zu verarschen und ihm gleichzeitig seinen Respekt auszusprechen.

Dies ist ein wichtiger Bereich, den manche Komödie, wie „Der Schuh des Manitu“ vernachlässigen. Man muss das Original nicht nur gut studiert haben, man muss es auch respektieren, zumindest um eine richtig gelungene Vorzeige-Parodie abzuliefern. Als Ausnahme dieser Regel kenne ich nur „High School High“, in dem ein Drama-Subgenre parodiert wird, das man eigentlich nicht ernst nehmen kann.

Im direkten Vergleich finde ich, wie bereits erwähnt, die Geschichte nach der Mörderauflösung witziger. Das ist schon etwas verwunderlich, immerhin wendet sich dieser Teil mehr der lauten Komik zu. Im Prinzip ist es gerade die stillere Komik, die eine Komödie zu etwas besonderem macht, ja manchmal dem ganzen chaotischen Treiben sogar ein besonderes Niveau beschert. Das ist auch hier der Fall, auch im besagten letzten Drittel, aber der laute Humor, der Actionfilme a la „Bad Boys“ auf den Arm nimmt, ist in „Hot Fuzz“ eine wahre Wucht. Da wird geballert bis der Arzt kommt, und es wird noch nicht einmal langweilig oder unwitzig.

Denn theoretisch gesehen klingt ein actionüberfrachtetes Finale zunächst einmal mal nicht so toll. Doch mit dem wuchtigen Finale beweist Edgar Wright lediglich, dass man nichts verallgemeinern kann. Letzten Endes liegt alles immer an der Umsetzung, am Hintergrundwissen und an einem Gespür für das angegangene Projekt. Wo andere nur kopieren, imitieren und nachplappern, da setzt die Crew aus „Hot Fuzz“ eigene Beobachtungen, Gedanken und Analysen um. Ein solches Drehbuch lässt sich nicht auf die Schnelle schreiben, und man muss ein gewisses Verständnis besitzen, um solch schöpferische Kraft überhaupt freisetzen zu können.

Es gibt kleine Schmunzler, es gibt laute Witze, es gibt die großen Lacher, es gibt Running Gags (inkl. eines filmübergreifenden, den Cornetto-Witz) und es gibt den intelligenten Humor, der ganz unauffällig um die Ecke linst. Hier passt alles zusammen, aber trotz groben Humor-Unfugs muss man als Zuschauer sein Gehirn eingeschaltet lassen. Hier sehe ich meinen Fehler beim ersten Sichten. Ich wollte mich wohl zu sehr berieseln lassen, und ließ so allerhand Witze unbeachtet an mir vorbeigleiten. Man muss das Genre kennen und gut beobachten können, um „Hot Fuzz“ in vollen Zügen genießen zu können. Aber selbst Genre-Unkundige bekommen genug zu lachen, um die überdurchschnittliche Qualität des Streifens erkennen zu können.

Einziges Manko, das ich anzubringen habe, ist die Tatsache, dass die sehr lustigen Nebenrollen zu klein angelegt sind. Man rückte die beiden Hauptrollen derart in den Vordergrund, dass die anderen Figuren ein wenig vernachlässigt wurden. Ebenso wie in „Funny Farm“ mit Chevy Case wimmelt es hier nur so vor schrägen Dorfbewohnern. Die unscheinbarsten sind dabei oft die witzigsten, z.B. der Polizeikollege mit dem Schnurrbart. Zwar verfehlt keine der toll gecasteten Figuren ihren Witz, verheizt wird hier niemand, aber so manchen Charakter hätte ich gerne noch eine Spur besser kennen gelernt. Wahrscheinlich hätte dies aber den Rahmen endgültig gesprengt, der Film läuft so schon fast zwei Stunden.

Die Geschichte kommt schnell in Fahrt. Das Vorleben in der Großstadt wird sehr schnell abgehakt. Als lobenswertes Vorzeigewerk entpuppt sich „Hot Fuzz“ bei der Wahl, dass eine Trennung mit Angels Lebenspartnerin angesprochen wird, es innerhalb des Werkes aber zu keiner weiteren Liebelei oder einer Versöhnung mit der Ex kommt. Hier wird der Actionfilm und der Krimibereich parodiert, und dafür muss man nicht, wie so viele andere Komödien, noch eine Liebesgeschichte zwanghaft hineinquetschen.

Im direkten Vergleich zu „Shaun Of The Dead“ ist „Hot Fuzz“ ein klein wenig schwächer. Aber da sprechen wir schon von einem sehr pingeligen Vergleich, denn völlig für sich gesehen ist „Hot Fuzz“ eine Parodie die man nicht mal eben auf die Schnelle umgesetzt bekommt. Hinter dem Projekt steckt jede Menge Herzblut. Je öfter man den Streifen sichtet, um so mehr gibt es zu entdecken. Zudem ist es schön zu sehen, dass jede noch so kleine Rolle hervorragend besetzt wurde. Als Freund der gehobenen Popkorn-Unterhaltung kommt man an Wrights Film nicht herum.  OFDb

08.08.2012

PAUL - EIN ALIEN AUF DER FLUCHT (2011)

Die Engländer Graeme und Clive klappern in ihrem Amerika-Urlaub alle Alien-Sehenswürdigkeiten des Landes ab, als sie eines Abends tatsächlich eine Begegnung der dritten Art haben. Ein Außerirdischer namens Paul bittet um ihre Hilfe. Von der US-Regierung verfolgt, sollen die beiden ihn zu dem Ort bringen, an dem seine Leute Paul abholen wollen. Die beiden Freaks lassen sich auf das Abenteuer ein...

Wenn Aliens kiffen...
 
Mit ihrer Parodie „Shaun Of The Dead“ starteten sie durch und eroberten sogleich die Herzen aller Horror-Fans, und mit „Hot Fuzz“ bewiesen sie, dass ihr Talent keine Eintagsfliege war und widmeten sich diesmal dem Action-Genre. Die Rede ist von den Autoren und Hauptdarstellern Simon Peck und Nick Frost, die als Team großartig zusammen harmonieren und denen man ihren Erfolg auch gönnt, so clever und vielschichtig ihre Werke ausfielen. Mit „Paul“ wendeten sie sich nun dem Science Fiction-Bereich zu, und da wurde man als Fan der beiden doch recht neugierig. Doch wer „Paul“ zu sehr mit den beiden Vorgängern vergleicht, dürfte enttäuscht werden. Die Geschichte um das hilfsbedürftige Alien ist schon recht witzig ausgefallen, besitzt aber keine stille Verwandtschaft mehr zu den Vorgängern, so wie es „Shaun Of The Dead“ und „Hot Fuzz“ schafften.

Scheinbar war eine solche Verbindung auch nicht gewollt. Das zeigt sich u.a. daran, dass nun auch die USA als Spielort und Finanzgeber mit dazu gestoßen sind, womit der britische Humor etwas unter geht und das Niveau etwas niedriger gehalten wird, damit auch die Amis etwas zu lachen haben. So fällt die Geschichte etwas 08-15 aus, und auch die Propaganda, dass der Ami (lustigerweise diesmal durch ein Alien verkörpert) dem Ausländer die US-Lebensart beibringen muss, schaut leider um die Ecke. Im Vorspann wird das Duo weiterhin als Autoren der ganzen Chose genannt, aber wer die Vorgängerfilme kennt, wird schon ahnen unter wie viel Einmischung und Korrekturen das Ergebnis erzielt wurde.

Man darf also zurecht meckern, man kann „Paul“ jedoch auch eine echte Chance geben. Denn er ist trotz aller Kritik mehr geworden als nur das durchschnittliche Filmchen von nebenan. Die oben erwähnten Negativpunkte fallen nicht so enorm aus wie meist im US-Kino, und selbst das Rezept eines coolen Aliens erinnert nun nicht an einen längst veralteten „Alf“ oder einem emotionslosem Sprücheklopfer a la „Der Onkel vom Mars“ (Raumanzug) und „Der Flug des Navigators“(Raumschiff), nein, Paul wird glücklicherweise sehr menschlich dargestellt, so dass er Sympathie beim Zuschauer aufbauen kann.

Neben der USA zeigt sich ein weiterer Fakt, warum „Paul“ ein eigenständiges Dasein nach „Shaun Of The Dead“ und „Hot Fuzz“ fristet. Man holte sich einen anderen Regisseur an Bord. Die Wahl fiel auf Greg Mottola, der einige Jahre zuvor mit der Teenie-Komödie „Superbad“ auf sich aufmerksam machte und den heimlichen Star dieses Streifens, Seth Rogen, gleich mit an Bord holte, wovon der deutsche Zuschauer herzlich wenig mitbekommt, durfte Seth im Original doch Paul sprechen, ein Job den hierzulande Ärzte-Drummer Bela B. übernahm, der schon in „Terkel in Trouble“ beweisen durfte, dass er dieser Aufgabe gewachsen ist.

Auch in der Lightversion ist es gerade den beiden Briten zu verdanken, dass „Paul“ so sehenswert bleibt. Schwarzer Humor weiß leicht dosiert immer wieder zu überraschen, Running Gags begleiten das Geschehen, Insider Jokes wurden allerhand gesät (am schönsten die Anspielung auf Han Solo in „Krieg der Sterne“ oder das Gespräch mit Steven Spielberg, der gerade „E.T.“ plant), und auch die Figurenzeichnungen lassen viel von der Handschrift der beiden Autoren erkennen. Glücklicher Weise fiel auch die Spielfreude dem höheren Budget und dem Drehort USA nicht zum Opfer. Alle Beteiligten sind mit viel Spaß bei der Sache dabei, dürfen ebenso improvisieren, wie gelungene Drehbuch-Dialoge von sich geben, die hin und wieder die Raffinesse besitzen, welche die beiden tiefer gehenden, intelligenteren Vorgänger dauerhaft besaßen.

Simon Pegg und Nick Frost schaffen die Gratwanderung sich über Alien-Freaks lustig zu machen und ihnen gleichzeitig doch mehr Sympathie zu bescheren, als das olle Außenseiter-Mitleid. Das Hinauswachsen über den eigenen Schatten ist ein Klischee welches sich leider mit eingeschlichen hat, aber ebenso wie die Umerziehung zum Amerikaner und die Coolness des Außerirdischen wird dieser unangenehme Teil der Geschichte sehr leicht dosiert präsentiert, so dass man zwar immer kurz vor dem Schimpfen steht, dann aber beruhigt wird durch die Schaden verringernde Haltung der beiden Köpfe des Projektes.

„Paul“ macht Spaß und bietet trotz seiner oberflächlichen Geschichte immer wieder Geist, Tiefgang und Hintergrundwissen, dies aber leider nicht in der Dosierung, welche die beiden Vorgänger zu solchen Meisterwerken werden ließ. Glücklicher Weise besitzt die Science Fiction-Komödie genügend eigenes Potential und eigene Stärken, so dass man sich in etwa vorstellen kann, wie die weitere Phase kommender Projekte der beiden Briten aussehen dürfte. Und da bin ich selbst in der Lightversion gerne wieder mit dabei. Nur noch gewöhnlicher sollten ihre Filme nun wirklich nicht mehr werden. Man würde zwar weiterhin nett unterhalten werden, aber ihr Talent wäre dann nur noch Perlen vor die Säue.  OFDb