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10.06.2024

JEEPERS CREEPERS - REBORN (2022)

Zwei junge Leute nehmen an einem Horror-Festival teil, das heimlich dazu dient den Jeeper Creeper wiederzuerwecken...

Die Legende existiert...

Neuauflagen bzw. andere Interpretationen sind als eventuell finanziell lukrativer Ansatz eine beliebte Methode, wenn man mehr als nur die nächste Fortsetzung oder eine Neuverfilmung abliefern will, nachdem sich eine Reihe nach längerer oder kürzerer Zeit finanziell tot geritten hat. Von "Leprechaun - Origins", über "Wrong Turn - The Foundation", bis hin zu "Paranormal Activity - Next of Kin", der Beispiele gibt es in semi-berühmten, wie auch in tatsächlich populären Franchises zu genüge. Und im Falle von "Jeepers Creepers" macht der Gedanke eines anderen Ansatzes allein schon von den Gesetzmäßigkeiten der Kreatur her Sinn. Will man nicht gerade auf einen zu großen Schritt in die Zukunft, oder wahlweise einen ebensolchen in die Vergangenheit zurück greifen (bei all den vielen Jahren, welche den Zyklus ausmachen, wenn der Creeper sich seine Körperteile zusammen sucht), dann macht ein völlig neuer Ansatz Sinn. Und wenn man eine Fortsetzung derart in die Belanglosigkeit geritten hat, wie mit "Jeepers Creepers 3" geschehen, allein schon weil das Wesen viel zu präsent war und keine Mystik mehr versprühte, dann umso mehr. 

Verabschiedet vom Ur-Regisseur der Reihe, Victor Salva, der nicht einmal mehr als Produzent offiziell fungiert, hat sich außer dessen Loslösung von der Reihe allerdings nicht viel verändert. Zwar setzt der Film zu Anfang mit einem dem Beginn von Teil 1 arg identischen Szenario an, was er dann augenzwinkernd nutzt, um mit dem Stammzuschauer der Marke zu spielen (was zumindest ein wenig Sympathie in der zu halbherzigen Umsetzung aufkommen lässt), das darauf folgende Gerede von der Legende des Creepers, welche die vorangegangenen Filme mit dem Durchbrechen der Metaebene zum Teil der Legendenbildung macht, ist jedoch schleunigst über Bord geworfen. Nun hätte man neue Gesetzmäßigkeiten erschaffen können, aufgrund dessen, dass alles was in den drei Vorgängern erzählt wurde nur die Ahnung dessen war, was da draußen tatsächlich existiert. Man hätte an der Kreatur selbst Veränderungen stattfinden lassen können. Ja, sogar die Motivation des Aggressors hätte neu definiert werden können. Doch nichts dergleichen wird genutzt. Nach einer längeren Einleitung, welche die Idee von "Blood Fest" variiert, mehr jedoch noch bei "Field of Blood" klaut, ist man schneller im üblichen Einerlei der Reihe angekommen, als man meinen sollte. 

Neu sind lediglich die Hintergründe eines Kults, der das Erwachen des Creepers fördert und erhofft, und der breitet die Entmystifizierung der ganzen Sache nur noch mehr aus, als mit Teil 3 ohnehin schon geschehen. Nachdem ein großer, optisch gar nicht mal schlecht getrickster, Wirbel um das Erwachen der Kreatur gemacht wird, wird auch der Creeper wieder viel zu häufig gezeigt, so dass man aus den Fehlern der zweiten Fortsetzung, die sich schon leicht in "Jeepers Creepers 2" abgezeichnet haben, doch nichts gelernt hat. Der Handlungsort in dem unübersichtlichen Gebäude mag ein wenig was hermachen, letztendlich ist "Jeepers Creepers 4", wie er als Alternative dann doch eher korrekt betitelt ist, aber völlig austauschbar und uninteressant ausgefallen. Er guckt sich bereits in seinen neugierig machenden Momenten zu gewöhnlich, im Laufe des bereits zu bekannten Szenarios wird er schließlich nur noch langweilig und uninteressant. Wenn sich schon die Verantwortlichen nicht wirklich für die Reihe interessieren, kann man sie freilich nur noch tot reiten. Mit Regisseur Timo Vuorensola hatte man sich zudem einen Regisseur geangelt, der bereits die reizvolle Idee eines "Iron Sky" nicht auf die Leinwand gebannt bekam. Mehr als ein finanzielles Interesse ist im bisher letzten Kapitel eines ursprünglich reizvollen ersten Teiles somit nicht zu spüren. Dementsprechend reserviert bis enttäuscht sind auch die Reaktionen des Publikums ausgefallen, das eben doch nicht jeden Rotz frisst... nicht immer zumindest.  Wiki

08.04.2023

HATCHING (2022)

Die Geschichte um ein Mädchen, das ein Ei im Wald findet und daraus einen großen Vogel brütet, kommt nicht nur aufgrund seiner finnischen Herkunft anders erzählt daher, als die Standardware aus den USA und jenen Ländern, die sie nachahmen. Hanna Bergholm begrenzt ihr Debüt außerdem nicht nur auf den Tierhorror-Aspekt, sondern erweitert ihn um den Bereich des Körperhorrors, dem des Coming of Age-Dramas und dem der Satire. Letzteres greift in verschiedenen Bereichen um sich, ob Mediensatire, oder dem kritischen Blick auf Erziehung, Leistung, Selbstwahrnehmung, Privatsphäre, zentral meist die herrlich egoistische Mutter treffsicher ins Visier nehmend, aber auch den passiven Papa, das überforderte Mädchen, den verwöhnten Jungen, ja selbst den freundlichen, empathischen zweiten Mann im Leben der Mama. Da wo Kotzkomik, zum Ernähren des Riesenkükens, vermuten lassen könnte einen groben Film zu sichten, da ist dies nur Teil einer logisch gedachten Groteske, die hauptsächlich sensible und sinnreiche Elemente in diesen Genre-Mix einfließen lässt. Laute Momente gibt es auch, aber die sind stets förderlich für die Geschichte eingebracht, welche sich auf die Entwicklung diverser Figuren konzentriert. Der Part des Erwachsenwerdens zielt nicht nur auf eine überraschende und konsequente Pointe hin, er erweitert die üblichen Prozesse, die im Bereich des Horrorfilms gerne mit dem Coming of Age-Aspekt gemischt werden, um einige vielschichtige, recht unauffällig eingebaute, mehr. Der clever erzählte Film versperrt sich trotz seiner geistreichen Reflexion nie dem Unterhaltungswert, ist somit kurzweilig zu schauen, und bringt einen einerseits zum Lachen, weiß den Zuschauer gleichzeitig aber auch mehrfach aus seiner Wohlfühlzone zu reißen. Er ist hervorragend besetzt und sollte meiner Meinung nach im Originalton mit deutschen Untertiteln geguckt werden. "Hatching" ist definitiv ein kleiner Geheim-Tipp.  Wiki

25.10.2020

DOGVILLE (2003)

Welch bitterböse Idee: eine verfolgte Frau darf sich über längere Zeit mit Einverständnis der Bewohner in einem kleinen Dorf verstecken und hilft als Gegenleistung jedem vor Ort bei diversen Tätigkeiten. Als nach einigen Wochen klar wird, dass sie von der Polizei gesucht wird, reichen die bisherigen Dienstleistungen nicht aus. Die Forderungen an die Versteckte werden immer größer und unerträglicher, sodass sie nach und nach in die Position einer Gefangenen rückt. Diese Geschichte ist äußerst reizvoller Natur und lässt einen vermuten, dass die Abrechnung mit den ach so braven Spießbürgern in einer düsteren, spannungsgeladenen Thriller-Variante daher kommt. Doch letztendlich lässt sich diese Satire gar nicht so leicht in ein Genre stecken. Die oftmals sehr dramatisch dargebotene Geschichte kommt schwarzhumorig, verspielt und bitter gleichermaßen daher, besitzt definitiv einen Spannungsbogen, der jedoch keineswegs auf Thrillerbasis daher kommt, sondern aufgrund der sich zuspitzenden Geschichte für Anspannung sorgt. Mit Nervenkitzel hat diese Art der Spannungserzeugnis im üblichen Sinne nichts zu tun. Zudem weht ein gewisser Märchen-Touch über den Dingen, ein Gefühl das stark dadurch beeinflusst wird, dass "Dogville" im Stile eines "Die fabelhafte Welt der Amelie" über die komplette Laufzeit von der sanften Stimme eines Geschichtenerzählers im Off begleitet wird, dessen ruhige, friedliche Stimme und Betonung selbst dann keinen Wandel erhält, wenn die Zustände, unter denen die Hauptfigur leidet, immer düsterer und leidender Natur werden. 

Zu diesem ungewöhnlichen Umgangston der Erzählung gesellt sich nun noch die experimentelle Optik des Streifens, spielt "Dogville" über seine kompletten 170 Minuten doch in einer großen Halle, auf deren Boden die Straßen(namen), die Häuser und die Namen ihrer Bewohner auf den Boden ge(kenn)zeichnet sind und die professionellen Schauspieler innerhalb dieser Markierungen agieren. Dieser Minimalismus funktioniert überraschend gut und kommt keineswegs so pseudo-intellektuell daher, wie diese ungewöhnliche Herangehensweise zunächst anmuten mag. Das liegt aber auch daran, dass man dieses Set als selbstverständlich einsetzt und ganz für sich, ohne Zusatzeinfluss, wirken lässt. Zudem ist "Dogville" geistreich, reflektiert, kritisch und kompromisslos erzählt. Lars von Trier, der auch für das Drehbuch verantwortlich ist, präsentiert einen Film für mündige Cineasten und konfrontiert sie mit der Natur des Menschen. Der Blick auf diese mag pessimistischer Natur sein, doch ganz so falsch wird der gute Mann nicht liegen, wenn es darum geht wie Menschen, frei von Kontrolle, immer hemmungsloser Macht ausüben. Dabei geht es der Geschichte nicht einzig um den dramatischen Aspekt der im Zentrum stehenden Frau und den Taten ihrer Peiniger, sowie nicht nur um den Wandel der braven Bürger zu unterdrückenden Wesen, es geht auch um die Rechtfertigung der Täter, um ihren Blickwinkel, aus dem sie sich noch immer für normale Bürger halten, und bei dem seltenen Fall der Einsicht einer Fehltat maximal Schuldzuweisungen auf Seiten des Opfers suchen, anstatt Reue zu zeigen. 

Unter Einfluss all dieser Faktoren schaukelt sich das Geschehen immer weiter hoch, während sich am äußeren und inneren Stil des Streifens nichts ändert. Das weiß den Zuschauer gekonnt zu verstören. Ob man den Kniff wie alles endet ebenfalls als derart gekonnt wie den Rest ansieht, liegt sicher im Auge des Betrachters. So gewitzt auch hier auf anderer Ebene die Natur des Menschen und seine Rechtfertigungen thematisiert werden, ich wurde den Eindruck nicht los, dass der Film diese Rechtfertigung als Gerechtigkeit gut heißt, und das hinterlässt einen recht fragwürdigen Eindruck. Es ist aber eben nur ein solcher, wer anders mag das anders interpretieren und sagen, dass von Trier keineswegs Stellung bezieht und hier ebenso objektiv lediglich berichtet, wie er es zuvor tat. Der Wandel der in den letzten Szenen des Films in der Luft liegt, ist jedoch bemerkbar. Eine andere Tonart bricht an, eine Debatte über Recht und Unrecht wird offiziell geführt, anstatt wie bisher mal mehr, mal weniger subtil im Hintergrund mitzuschwingen. Generationenkonflikte werden zu einem wichtigen Element, ebenso das Überprüfen der eigenen Persönlichkeit, die Korrektur daran, der Einfluss von Familie und eigenem Willen wird als wichtiger Fakt mit herangezogen, und inmitten all dieser Methodik empfand ich das dort gezeigte Bereinigen der Ereignisse durchaus als vom Film gerechtfertigte Revanche, während ich selbst hingegen dachte, dass sich hier keiner in irgendetwas nachsteht. 

Mit Gerechtigkeit hat das nichts zu tun, nicht einmal mit der klassischen Entladung nach einer Extremsituation. Ich kann aber wie gesagt nicht wirklich einschätzen, wie sehr der Autor und Regisseur hinter den finalen Taten steht, sprich wie sehr es ein Zugeständnis an die eigene Natur ist, derartiges Handeln als Gerechtigkeit zu empfinden, quasi als angewandte Reflexion dessen was zuvor über Fremdpersonen analysiert würde an sich selbst, sowie als Spiegel für den Zuschauer, um sich ebenfalls als Mittäter zu fühlen, als jemand der mit im Boot sitzt, eben weil in ihm ebenso die Natur des Menschen schlummert. Im umgekehrten Fall wäre es zumindest ernüchternd, dass dieser Schluss auch stumpf gemeint sein kann. Wie auch immer man zu diesem ungewöhnlichen Stilwechsel steht und ihn definiert, auch hier weiß "Dogville" so oder so definitiv zu beeindrucken, mitunter weil er wie erwähnt seinem ruhigen, märchenhaften Erzählstil treu bleibt, selbst wenn über Dogville gerade die Hölle hereinbricht. Aus dem ruhigen Geschehen wird frei von Spezialeffekten ein lautes, ereignisreiches Szenario, das ebenfalls von Taten, deren Drang bislang unterdrückt wurde, handelt. Selbst in dieser Phase bleibt von Triers Darstellung der Ereignisse, des Umfelds und der Akteure stets symbolisch. 

Kalt dürfte "Dogville" nur jene lassen, die sich nicht auf die Entfremdung, durch welche die Symbolik zum Zentrum des Filmstils wird, einlassen können. Dialoge, Schauspiel und Handlungsverlauf sind derart packend dargeboten, dass man sich eigentlich wunderbar auf "Dogville" einlassen und von dessen Ereignissen mitgerissen werden kann. Einem Publikum mit vielseitigem Filminteresse und Anspruch müsste das Ergebnis eigentlich schmecken. Hier maulen lediglich die Gewohnheitszuschauer, die nur ungern aus ihrer Wohlfühlzone geholt werden und das Hobby des Filmeschauens schlichtweg auf das Filmeschauen reduzieren.  OFDb

26.04.2020

BUNNY UND SEIN KILLERDING (2015)

Was reizte mich damals bereits die Idee eines Psychopathen im Hasenkostüm in "The Bunnyman Massacre", ein Film der sich jedoch als weit einfallsloser und weniger verspielt heraus stellte, als es einem Cineast mit anderem Geschmack lieb gewesen wäre. Das Werk entpuppte sich als viel zu ernst angegangener Langweiler. Da freut man sich doch, wenn kurz darauf eine ähnliche Idee am Horrormarkt auftaucht, die noch schräger klingt und in Sachen Produktion und Inhalt in keiner Verbindung zum Vergleichsfilm steht. Der Aggressor steckt diesmal nicht in einem Kostüm, sondern ist ein tatsächlicher Mutant aus Hase und Mensch. Und um diesem grotesken Effekt noch eins drauf zu setzen, lässt man ihn, aufs Klischee seiner Tiergattung bezogen, äußerst paarungswillig agieren, so dass er alles was nach Frau aussieht besteigt. Durch seine aggressive Art kommen die Opfer davor, dabei, oder danach stets auf blutige Weise um. Dass er bei den vorausgehenden Verfolgungsjagden stets seinen langen Penis schwingt, mag eine infantile Idee sein, aber für jemanden, der im alternativen Filmbereich sein Kind im Manne hegt und pflegt, klingt das Ganze innerhalb einer brutalen Horror-Komödie trotzdem recht abgedreht und reizvoll.

Wer nach Kenntnis dieser Ideen also dennoch rein schaltet, sollte hier richtig aufgehoben sein, das sollte man zumindest meinen. Aber Irrtum! Der auf dem Kurzfilm "Bunny and the Killer Thing", der anbei im selben Jahr wie "The Bunnyman Massacre" erschien, beruhende "Bunny und sein Killerding" ist weit weniger geglückt, als er für Cineasten mit entrücktem Geschmack klingen mag. Leider ruht man sich in der Regel viel zu sehr darauf aus das übliche Grundszenario einer "Killer im Wald"-Geschichte abzuspulen und sich innerhalb dieser fast einzig auf die Ausnahme zu konzentrieren, dass das Hasenmonster Pimmel-schwingend bei seinen Attacken "Muschi" ruft. Vielleicht dachte man, das hätte den selben Humoreffekt wie die Ausrufe der Zombies nach Gehirn in "The Return of the Living Dead", doch Fehlanzeige. Aus einer verspielt klingenden, kindischen Idee wird eine plump infantile, die sicherlich zu Recht beim Jugendpublikum Begeisterungsstürme auslösen wird, dem Erwachsenen unter den Zuschauern jedoch zu wenig fruchtsame Basis bietet, auf welcher eine solch schlichte, kindlich naive Provokation gedeihen kann. Immer wieder attackiert der schlicht im Kostüm gekleidete, geil vor sich hin sabbernde, Hasenmensch mit einem plump aussehenden, schlaffen, langen Pimmel in der Hand seine Opfer. Es folgt ein harter Gore-Effekt, bei dem genügend Blut spritzt, und der in der Regel gut genug getrickst ist, um zu funktionieren (auch wenn es da in vielen Konkurrenzprodukten aufregendere Ausführungen zu entdecken gibt), oft werden die Opfer zudem noch bestiegen, ohne vorher oder hinterher nennenswerte nackte Schauwerte zu bieten, und dann läuft er auch schon wieder los und ruft stets Muschi, Muschi...

Dieses eher peinliche, als tatsächlich funktionierende, Szenario wiederholt sich innerhalb einer ansonsten ohnehin schon viel zu bekannten, da stets widergekäuten, Geschichte, die beweist, dass die Finnen, ebenso wie wir Deutschen, scheinbar nicht mehr in der Lage sind etwas anderes abzuliefern, als Filme, welche Werke vom US-Markt kopieren. "Bunny the Killer Thing" (Originaltitel) hätte ebenso gut dort entstehen können (dank Rogen und Co wäre selbst der Pimmelaspekt dort nicht mehr undenkbar, wie z.B. "Das ist das Ende" und "Scary Movie" mit ihren Sexualprovokationen bewiesen haben), ein finnisches Flair weht da nur ganz selten und beiläufig mit. Ausnahmeideen, wie das Zupacken des Hasenschwanzes, um in der Gruppe im Stil von Tauziehen den Aggressor zu bekämpfen, lockern das zu monotone Treiben ein wenig auf. Manch einem mag auch der völlig groteske, aber kaum erklärte, Hintergrund der alles auslösenden Versuchsreihe gefallen, der im Finale herrlich kaputt eingefangen wird und für mehr Verwirrung sorgt, als dass er die Sache tatsächlich aufklären würde. Bei mir zog es jedoch in dieser affigen, oberflächlichen Art nicht. Mich besänftigte hingegen ein wenig der nette Umgang mit den Charakteren, die alle sicherlich lediglich ihr Klischee verkörpern, aber zumindest in interessanten, manchmal sogar sympathischen, Szenarien eingesetzt werden, bevor sie in die enttäuschende Horrorhandlung katapultiert werden. In diesen Momenten habe ich mich in "Bunny und sein Killerding" trotz des schlechten Horror-Parts zwischendurch immer wieder gut aufgehoben gefühlt, so dass ich auf ein eigentlich peinlich ausgefallenes Ergebnis trotzdem versöhnlich zurück blicken kann.  OFDb

30.09.2019

ARMY OF ZOMBIES (1991)

"Muttertag 2" ist keinesfalls eine Fortsetzung des legendären "Muttertag", stattdessen ist er eine eigene finnische Produktion, die drei Jahre später mit "Army of Zombies" fortgesetzt wurde, was wohl bedeutet dass der arg bescheiden ausgefallene Streifen daheim wohl zumindest ein kleiner Erfolg gewesen sein muss. Obwohl sich der dortige Aggressor und der vermeintlich andere in Teil 1 nicht gerade gut machten, werden sie zusammen mit der friedlichen Mutter diesmal in den Mittelpunkt gehievt, dies jedoch nicht um Teil 1 zu kopieren, sondern um des Spaßes wegen zu zeigen, was eine Hinterwäldlerfamilie aus dem Zustand des Zombieseins macht. War Soinos Erstling noch eher unterschwellig humoristisch ausgefallen, so haut "Army of Zombies - Ein dreckiger Haufen" (Alternativtitel) komplett in die Scheiße und offenbart sich als Klamaukfilm, der den Humor nicht nur nicht versteckt, sondern geradezu zelebrierend in den Vordergrund setzt, so sehr sogar, dass der eigentliche Horror-Part komplett flöten geht. Doch nicht nur aufgrund dieser zu starken Positionierung ist der Streifen trotz seiner Namensgebung keine tatsächliche Zombie-Komödie geworden, wie es bei starker Humororientierung zumindest trotzdem noch bei Werken wie "C.H.U.D. 2", "Choking Hazard" und "The Return of the Living Dead 2" der Fall ist. Abgesehen von ein paar körperlichen Defiziten (die geistigen waren bereits im Vorgänger vorhanden) verhalten sie sich halbwegs normal, zumindest benehmen sie sich nicht so wie es sich seit Romero für Zombies gehört.

Während der Zuschauer die im Titel angekündigte Armee lange Zeit vermissen darf (die schlussendlich auch nicht wirklich eine wird) und sich damit abfinden muss in einem Klamaukfilm gelandet zu sein, präsentiert uns Soino zwanglos seine Späßchen, gönnt sich zusammen mit den Akteuren die Möglichkeit durch das Geld des Erstlings in die Kacke hauen zu dürfen und einfach das durchzuziehen was man will, scheinbar ohne irgend ein Interesse zeigen zu müssen, ob das Produkt einem Publikum schmecken wird oder nicht. Was sympathisch anarchistisch klingt und fern jeder anbiedernden Produktion, wird jedoch zur Tortur für den Zuschauer, da dem werten Autor nichts einfallsreiches zu diesem Thema gelingen will. Der Film besitzt weder nennenswerte Ideen, noch gelungene Pointen, verschmitzte Situationen ebenso wenig, wie auch nur einen Hauch stimmige Atmosphäre. Das ist schade, da seine "Scheiß egal"-Mentalität auch förderlich hätte ausfallen können. Diese beweist der Film direkt zu Beginn, wenn er uns völlig unlogisch die Bergung der Leichen durch den minderbemittelten Bruder präsentiert, obwohl die Toten seinerzeit am Ende von Teil 1 von der Polizei entdeckt wurden. Haben sie diese einfach liegen lassen? Das könnte der Beginn einer schwarzhumorigen Groteske sein, wenn "Kadunlakaisijat" (Originaltitel) derartige Dinge verarbeiten, anstatt ignorieren würde, aber der geistlose Nonsens ist Soino wichtiger, und der will nicht einmal versteckt clever zünden.

Stattdessen begnügt sich der Regisseur zusammen mit den zurückgekehrten Akteuren aus dem Original mit solch banalen Späßchen, wie beispielsweise einem schlicht getricksten Running Gag um einen lose sitzenden Unterkiefer (eine Zutat, die "Braindead" ein Jahr später variiert mit einem lose sitzenden Kopf weit einfallsreicher und witziger zu verarbeiten wusste). Die Erlebnisse des in der Ferne wohnenden ältesten Sohnes, der lange Zeit zum Hauptaspekt wird, interessieren in ihrer zu ereignislosen Art überhaupt nicht, zumal der tote Mann ein Außenseiterleben als Freak führt und keines tatsächlich im Schatten seines untoten Handicaps. Seine Erlebnisse schreibt er auf und schickt sie "Fraggles"-artig per Post nach Hause, und der Briefträger dort darf als einzig gestatteter Fremder in der heimischen Hütte auf "Doc Hollywood"-Art den Analphabeten besagte Erfahrungen aus der Fremde vorlesen. Der Zuschauer darf sich währenddessen entweder unangenehm berührt fühlen von dem quälend zähen Desinteresse, welches der Film zu entfachen vermag, oder wahlweise aufgrund mangelnder Schauwerte einschlafen. Das maue Spiel der Mimen vereinfacht diesen Zustand, denn diese wissen den einfallslosen, aufgeblasenen Humor nicht einmal mit gelungenem Grimassenschneiden oder anderweitigem treffsicheren Overacting aufzuwerten. Stattdessen machen sie sich frei von Sympathie und Talent zum Affen, so wie der komplette Streifen, den ich so schnell wie möglich wieder verdrängen werde. Das hoffe ich zumindest. Übler Schund!  OFDb

22.09.2019

MUTTERTAG 2 (1988)

"Muttertag" aus der Troma-Schmiede war Anfang der 80er Jahre ein kleiner Erfolg im Slasher- und Backwoodbereich und für viele Horror-Fans allein schon aufgrund seines Verbotes ein Stück Kult, so dass es nicht verwundern braucht, dass irgendwann wer den nicht geschützten Titel für einen Etikettenschwindel nutzte, um ein Thema mit kleinen Parallelen zum Originalstoff als angebliche Fortsetzung zu vermarkten. Ob Olli Soinio sich absichtlich vom angeblichen Teil 1 inspirieren ließ, ist nicht klar zu erkennen, es ist aber möglich. Allerdings schielt er ebenso auf "Blutgericht in Texas" und in einer Szene auch deutlich auf "Die Nacht der lebenden Toten", wenn es darum geht die Hütte vor dem kommenden Überfall mit Brettern abzusichern. Ebenso wie "Muttertag" ist auch "Muttertag 2 - Die Söhne sind zurück" (Alternativtitel) nicht vollkommen ernst gemeint. Der Humor kommt hier jedoch eher subtil daher, so dass man nicht immer weiß was humoristisch gemeint ist, oder vom Regisseur doch nicht so gedacht ist. Erst in der Fortsetzung "Army of Zombies" haut Soinio diesbezüglich in die Vollen und serviert dem Zuschauer ein albernes Stück Pseudo-Horror, im hier besprochenen Teil 1 werden wir davon glücklicher Weise noch verschont.

Dennoch schaut sich auch "Muttertag 2", die erste von lediglich drei Regiearbeiten Soinios, eher wie ein Pseudo-Horror, will wahre Stimmung dieses Genres, ob nun dargeboten über Terror, Grusel oder Nervenkitzel, doch nie wirklich aufkommen. Die Heldin bekommt es mit einem notgeilen Stalker zu tun, der sie, und später auch ihren jüngeren Bruder, immer wieder attackiert. Dies zunächst harmlos, dann überdreht mittels eines Traktors, dann, trotz der Möglichkeit nun endlich etwas gegen das Opfer ausrichten zu können, es bei Drohungen belassend, schließlich aggressiv die Hütte der Angebeteten niederreißend. Letztendlich bleibt er blass für einen im Zentrum stehenden Aggressor, bei dem man bis kurz vor Schluss ohnehin nicht weiß, ob alles nur ein krankes Spiel sein soll, dem nie wahre Taten folgen, so infantil wie er, im Hinterland abgeschottet aufgewachsen, ist und so wenig wahre Bedrohung, wie er auszustrahlen vermag. Der Heldin und ihrem Bruder reicht dieses Affentheater jedoch bereits so sehr, so dass sie stets völlig verängstigt vor ihm weglaufen. Irgendwann ist es für den Zuschauer einfach nicht mehr aufregend, wenn sie vor ihm und seinem Traktor flüchten (was es aber ohnehin nie war). "The Moonlight Sonata" (Alternativtitel) dreht sich zu oft im Kreis, wiederholt zu viel, streckt das lediglich für einen Kurzfilm geeignete Szenario strapaziös in die Länge, und das nervt so sehr, dass selbst der Pluspunkt der verschneiten finnischen Wälder irgendwann seine unbehagliche Wirkung verliert.

Der einzige Mord im zentralen Kampf zwischen Heldin und Aggressor findet schließlich am Bösewicht selber statt, wenn das Modell mithilfe ihres Bruders sich dem Stalker entledigt, was aufgrund dessen unbeholfener Art sicherlich leichter und friedlicher zu lösen gewesen wäre. Aber wir sprechen immerhin von Protagonisten, die sich vor lauter Angst vor dem Infantilen sogar mit Möbeln und Brettern in der Hütte verbarrikadieren, da verwundert solch radikale Gegenwehr, die zum Tod des Schurken führt, auch nicht mehr wirklich. Der einzig typische Slasher-Kill findet vom Bruder des Stalkers ausgeführt statt. Hierfür wird kurzfristig ein Beamter eingeführt, der das Pech hatte ausgerechnet dann an der Haustür der Einheimischen zu klingeln, wenn der minderbemittelte Möchtegern-Leatherface sich aus seiner Hütte befreien konnte, in die er ansonsten tagsüber eingesperrt wird. Der Heldin des Stoffes darf er nur einmal begegnen und attackiert sie auf unschuldig, kindliche Art, was dann auch eine der wenig interessant ausgefallenen Szenen des Streifens ist. Zwar ist auch dieser Moment nicht spannend ausgefallen, aber der Geisteskranke wirkt zumindest aufgrund seiner Unberechenbarkeit bedrohlich. Allerdings verhält er sich aufgrund der Gegenwehr die ihm entgegen gebracht wird derart tölpelhaft, dass man sich fragen darf, ob diese Szene doch eher als Parodie auf klassische Slasherstoffe gedacht ist, immerhin erinnert sein Verhalten mehr an das dämliche Treiben der Zombies aus "Return of the Living Dead 2" und "C.H.U.D. 2", als dass es als ernsthaftes Spiel durchgehen kann.

Aber wie gesagt weiß man bei "Muutamosonaatti" (Originaltel) ohnehin nie was belustigend gemeint ist und was nicht. Sicher bin ich mir eigentlich nur bei jener herrlichen Idee, dass der entlaufene Hund der Heldin fortan immer nachts mit dem Geisteskranken unterwegs ist, der wie ein Wolf den Mond anheult, und sein Frauchen so gar nicht vermisst. Mit Ausnahme dieser Szenen und jener, in welcher er das Modell attackiert, ist der minderbemittelte Bruder des Hauptschurken für den Restfilm nicht weiter wichtig. Und die alte Dame, welche die Mutter beider Hinterwäldler ist, ist auch nicht wirklich wichtig für den Stoff, so dass der Etikettenschwindel "Muttertag 2" durch deren Position noch einmal besonders deutlich wird. In diesem Film geht es eigentlich tatsächlich nur um einen sexuell frustrierten Mann, der in der Anwesenheit eines hübschen Modells in seiner tristen und kargen Wohngegend die einmalige Chance sieht, eine solche Frau abzubekommen und nicht weiß, wie er es bewerkstelligen soll Sex von ihr zu bekommen. Das Modell begegnet ihm einerseits arrogant, andererseits, da angewidert und sich bedroht fühlend, natürlich abweisend. Die Ausgangslage ist eine an sich gute Idee, die auch das für einen Horrorfilm zurückgeschraubte Geschehen entschuldigt, da es den Plot glaubwürdiger macht. Aber da das Konstrukt nur Theorie ist und Soinio nicht in der Lage ist das Geschehen psychologisch sinnvoll und stimmig einzufangen, sowie Schrittchenweise hochkochen zu lassen, verkommt die an sich brauchbare Grundlage zu einem uninteressanten Werk, dem es an Sehwerten außerhalb seiner Location mangelt, an interessant ausgearbeiteten Charakteren und an einer empathischen Identifikation mit diesen. Im Gegensatz zur Fortsetzung "Army of Zombies" habe ich bei "Muttertag 2" aber zumindest noch tief in meinem Inneren einen Restrespekt vor mancher Entscheidung Soinios, die Fortsetzung hat er hingegen auf sehr erbärmliche Art komplett gegen die Wand gefahren.  OFDb

18.08.2019

IT CAME FROM THE DESERT (2017)

Ich bin kein Fan von Computerspielen und kenne somit auch nicht die Vorlage dieser Videospielverfilmung, als Cineast kenne ich jedoch themenähnliche Werke, wie "Formicula" und "In der Gewalt der Riesenameisen", und deren Charme erlangt "It Came from the Desert" nie. Allerdings zählt er auch zu einer anderen Gattung Horrorfilm, steht hier doch die Action im Vordergrund, ohne je die Frage aufzuwerfen, ob einer der Helden bei den abverlangten Wahnsinnsaktionen sein Leben riskieren muss. Alles ist der Abfolge eines Videospiels verpflichtet, und somit läuft alles auf Tempo fixiert fern jeglicher Realitätsorientierung ab. Der Film soll ein Fest für Teenie-Träumer sein, visiert somit kein hohes Ziel an, und als solch flach angelegtes Produkt geht sein simples Ergebnis eigentlich in Ordnung, sofern man weder Innovation noch Einfallsreichtum erwartet. Jede Menge Motorcross-Action soll vor der Inhaltsleere ablenken, und wem diese Art Schauwert gefällt, der ist letztendlich im richtigen Film gelandet. Zwar schaut sich manche Szene wie aus "Arac Attack" entliehen, letztendlich ist Marko Makilaaksos Folgewerk seines "Yeti - Das Geheimnis des Glacier Peak" aber ohnehin nur zusammengepflücktes Stückwerk bereits bekannter Zutaten besserer Filme, also was soll's.

Eine Zeit lang arbeitet man verspielt mit Vergleichen aus "Alien" und "Jurassic Park", schenkt dem Film gar eine augenzwinkernde Vergleichsszene zum Videospiel, auf welchem er basiert, und versucht auch sonst auf simple Art mit Metaebenen zu arbeiten, letztendlich funktioniert dieser pseudo-selbstkritische, möchtegern-ironisch gemeinte Umgang mit den eigenen Unzulänglichkeiten jedoch nur eine Zeit lang, bevor sich immer deutlicher bemerkbar macht, dass "It Came from the Desert" nichts eigenständiges zu bieten hat und nur von einem Szenario, welches es zu bewältigen gilt, zum nächsten hüpft. Da ein solches Szenario den Helden keinerlei Herausforderung abverlangt, die nicht bereits im nächsten Moment, meist durch Zufall, auf simplem Wege zu lösen ist, entsteht somit auch kein Mitfiebern mit den Figuren. Das Drumherum zwischen den zu erfüllenden Aktionen fühlt sich ziemlich leer an, zumal weder Figuren noch Situationen emotional ansteckend vertieft werden und somit alles eine theoretische Hülle bleibt. Zwar weiß der Trick mit der flotten Inszenierung zu funktionieren, so dass trotz bereits bekanntem Einerlei nie wirklich Langeweile aufkommt, letztendlich ist das Ergebnis jedoch zu austauschbar ausgefallen, als dass man irgendwem über 15 Jahren den Film ernsthaft empfehlen würde.

Auf schlichte Art funktioniert der Streifen des "War of the Dead - Band of Zombies"-Regisseurs jedoch schon, vorausgesetzt man geht mit wenig Erwartungen heran und ist mit einem höchst simplem Ereignis zufriedenzustellen. Einen gewissen Charme erreicht das Ergebnis durch kleine Bereicherungen wie jenem, dass das Projekt der Firma Them genannt wird (das war der Originaltitel des eingangs erwähnten 50er Jahre Riesenameisen-Films "Formicula"), und auch manch bierselige Komik weiß so gerade eben noch auf höchst flache Art zu funktionieren, komplett ohne Sympathie ist der Streifen somit nicht ausgefallen. Dem Jugendpublikum könnte das Ergebnis somit gefallen. Wem Filmerfahrenes wird die ganze Chose jedoch zu glatt gebügelt ausgefallen sein, präsentiert in zu lupenreinen Hochglanzbildern und die einzelnen geklauten Zutaten zu oberflächlich abgearbeitet dargeboten. Meiner Meinung nach ist auch die Hauptrolle falsch besetzt, da hätte ich mir schon jene Art Loser-Gesicht gewünscht, der man auch gönnt am Ende die attraktive heimlich Angebetete zu erobern. Aber da auch derartige Nebenhandlungen lediglich kalkuliert angegangen wurden, anstatt einfühlsam, verpufft derartiges Szenario in zu glatt polierter Art, wie der Rest des Ganzen, so dass eine andere Besetzung da nur wenig hätte retten können.  OFDb

06.05.2017

ANGRY BIRDS - DER FILM (2016)

Der auf einem Computerspiel und der darauf gefolgten TV-Serie „Angry Birds“ basierende Kinofilm „Angry Birds - Der Film“ versteht sich zu großen Teilen seiner Geschichte als Appell ans kritische Denken. Er fordert auf Dinge zu hinterfragen. Und das scheint heutzutage wichtiger denn je, geht das Infragestellen vorgesetzter Normen doch immer mehr verloren. Vielleicht könnte man es deswegen gut heißen, dass eine solch wichtige Thematik in einen Mainstreamfilm gesteckt wird, jenem Ort, wo man genau jene erreicht, die das kritische Denken verlernt zu haben scheinen, so sehr wie sie sich auf alles stürzen was in den Massenmedien für gut befunden wird.

Was strategisch einfallsreich und wirksam klingt, erweist sich jedoch als eine Botschaft ertränkt in Party-Action, Klamauk und bunten Bildern, so dass ohnehin nur jene die Botschaft ernst nehmen oder erkennen, die zu diesem Thema ohnehin schon aufgeklärt sind. Der Rest kann sich vom oft geistlosen Getue der Kultvögel zudröhnen lassen, wie ein Seehund mit den Flossen klatschend, wenn starre wiedergekäuerte Erfolgsrezepte von sicher gehen wollenden Produzenten Einfallsreichtum ersetzen und Stangenware getarnt als Provokation servieren. Die kommt freilich so weichgespült daher wie das komplette Genre des familientauglichen 3D-Zeichentrickfilms mittlerweile geworden ist, eine Warnung also für jene die hofften „Angry Birds“ könne der Ausnahmefilm in diesem Meer an übertriebenem Liebreiz, pflichtmäßigem Abarbeiten eines formelhaften Drehbuchs und dem Preisen einer unreflektierten Spaßgesellschaft sein.

Elemente die das Gegenteil suggerieren sind durchaus vorhanden, das zeigt bereits besagter Appell ans kritische Denken. Manche Gags am Rande sind tatsächlich intelligent ausgefallen, Reds zynischer Umgang mit der arglos fröhlichen Gesellschaft zu Beginn treffen den Nerv der Zeit. Und für Deutsche wirkt die hier aufkommende Thematik der Einwanderung aktueller denn je, egal ob man sie gut heißt, verachtet oder ihr kritisch gegenüber steht. Doch wohin führt diese Rezeptur innerhalb eines Filmes, der sich ansonsten gnadenlos den Regeln seines Genres unterwirft, eines das nichts mehr mit dem sympathisch albernen „Shrek“, dem erwachsenerem Humor von „Antz“ oder dem klassischen Zeichentrickcharme von „Toy Story“ zu tun hat, sondern zu einer Filmgattung verkommen ist, welche die Hohlen nährt, den Realitätsverweigerern dabei hilft sich von der Wirklichkeit immer mehr zu entfernen und deren Denken mit den immer wieder propagierten, fragwürdigen, wiederkehrenden Aussagen prägt, zumindest bei jenen die ergänzende (pop)kulturelle Medien ignorieren?

„Angry Birds - Der Film“ ist ein Wolf im Schafspelz, der so tut als ob er aufklären wolle, angepasster aber kaum sein könnte. Das zeigt sich bereits animationstechnisch wenn die zeitgemäß angepassten, innovationslos animierten, kunterbunten 3D-Vögel so gar nicht zum grundlegenden Appell des Films passen wollen (ganz im Gegensatz zu der kurz aufkommenden Sequenz im klassischen Zeichentrickstil, der dem Film gut gestanden hätte). Die nett anzuschauenden grünen Schweine (neben der Vogelbabys das optische Highlight in der Figurenwelt von „Angry Birds“) bekommen einen leicht bitteren Nachgeschmack aufgrund des plumpen Versuches die einfallslos animierten Minions zu kopieren, die von den Stammzuschauern familiengerechter Trickfilme längst zum Kult erklärt wurden (warum kann besagtes Fan-Publikum sicherlich nicht einmal argumentativ erklären, der Kult lebt vom Impuls, warum etwas als gut oder schlecht empfunden wird, wird nicht hinterfragt).

Unterhaltungstechnisch funktioniert „Angry Birds“ zwischendurch trotzdem immer wieder. Das Ärgernis über die von mir angesprochenen Themen bremst den Film nur leider immer wieder aus und lässt einen verärgert (passend zum Film) die Augen verdrehen, denn man erkennt was alles mit diesem Stoff möglich gewesen wäre, wenn man sich nicht dem Massengeschmack hingegeben hätte. Vielleicht schaut sich auch deswegen das geistloser ausgefallene Finale wesentlich entspannter und unterhaltsamer als der lange Mittelteil, kommt einem das Szenario dort doch nicht so geheuchelt vor wie der Rest der Geschichte, so dass die ohnehin fortlaufend enthaltenden sprudelnden Ideen einmal kompromisslos funktionieren können. Somit lässt sich „The Angry Birds Movie“ (Originaltitel) zumindest halbwegs amüsant gucken.  OFDb

17.06.2016

SAUNA - WASH YOUR SINS (2008)

„Sauna“ ist in stilistisch hochwertigen Bildern abgefilmt, glänzt mit inszenatorischer Zurückhaltung und damit dass sich der Zuschauer selbst in den gezeigten Geschehnisse zurecht finden muss. Es dauert ein wenig bis man versteht worum es geht. Das Publikum soll das Treiben auf dem Bildschirm aufmerksam verfolgen und mitdenken. Und dementsprechend erwachsen schaut sich ein Film zu einem Thema, welches auch einen erwachsenen Stil verdient.

Der übernatürliche Aspekt der Geschichte bleibt rätselhaft, er wird nicht bis zur vollkommenen Zufriedenheit des Zuschauers erklärt. Wirklich schlimm ist dies jedoch nicht und von Regisseur Annila ohnehin gewollt, denn der Film interessiert sich eigentlich nur zweitrangig für seinen Horrorpart. Das Drama steht viel mehr im Zentrum, und wie es sich für ein gutes Drama gehört somit auch die Figuren, die das Drehbuch gekonnt charakterisiert, so dass es für die Schauspieler sicher ein Freudenfest war sie zu verkörpern, so selten wie man in diesem Beruf, zumindest im Filmbereich, die Chance bekommt solch interessanten Figuren Leben einzuhauchen.

Jeder Charakter hat Ecken und Kanten. Helden gibt es nicht. Subjektive Ausreden ersetzen objektive Begründungen. Diverse Blickwinkel setzen unterschiedliche Wahrheiten. So ist der Krieg. Die Geschichte um den Trupp Grenzsetzer beider Parteien besitzt mit besagten Figuren derart viel Potential, dass eine Horrorgeschichte eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre um die Geschichte interessant zu erzählen. Das müsste zwar nicht zwingend bedeuten, dass der Horrorpart einem solchen Projekt schadet, in diesem speziellen Fall tut sie es meiner Meinung nach jedoch.

Je mehr sich „Evil Rising“ (Alternativtitel) dem Horror zuwendet, desto schwächer wird er. Da kann man von Glück reden, dass der übernatürliche Teil der Geschichte erst kurz vor Schluss dominiert. Nachdem er einige Zeit erst gar nicht zum Einsatz kommt, wird er zunächst lediglich zu einer Randerscheinung. Mit dem Mysterium rund um das Dorf wird er zu einer rätselhaften Grundlage, auf welcher sich die Charaktere sehr förderlich weiter entwickeln dürfen, und erst etwa 15 Minuten vor Schluss, dominiert der Horror, und der zuvor so ungewöhnlich erzählte Film wird auf Genreebene austauschbar.

Am Schluss angekommen gibt es die typische Moral zu sichten, das Mysterium bleibt fast komplett ungelüftet, und es gab viel Rauch um Nichts. Nicht dass selbst diese maue Phase des Streifens nicht optisch toll eingefangen und hervorragend geschauspielert wäre, aber „Sauna“ holt schließlich nichts aus seinem vorhandenen Potential heraus. Menschliche Verzwickungen, Misstrauen, Ehre und Lügen hätten die Geschichte interessanter fortgeführt und beendet als der gewählte Horrorpart. Und das ist sehr schade. „Filth“ (Alternativtitel) ist ein interessanter Film, keine Frage, und alles andere als ein identitätsloses Produkt aus der Masse. Doch trotz aller Raffinesse und den durchdachten Zwischentönen, auch im Horrorbereich, wirkt der übernatürliche Part unnütz, da der Film um seine Aussagen zu treffen auch einen irdischen Weg hätte wählen können. Trotz allen Klagens ist aber allein die Darstellung der beiden Hauptrollen, von denen eine etwas an Walter White aus „Breaking Bad“ erinnert, das Einschalten bereits wert.  OFDb

10.11.2012

IRON SKY (2012)

Ein US-Astronaut, der die dunkle Seite des Mondes erforschen sollte, gerät in die Fänge von Nazis, die damals nach Kriegsende hierher geflüchtet sind. Da das mobile Telefon, welches der Amerikaner mit sich trug, mehr Leistung vollbringt als der beste Computer der Mond-Deutschen, startet Adler, der sich bereits als nächsten Führer sieht, eine Mission zur Erde, um mehr von diesen Geräten zu beschaffen. Mit Hilfe der Telefone will er die größte Waffe des Universums zum Einsatz bringen und die Erde erobern...

Ehemalige Fortgeschrittene als Schlusslicht der Technik...
 
Wenn es um die Fantasie von Comicheft-Autoren, Drehbuch-Schreibern, Verschwörungs-Theoretikern und Fans phantastischer Stoffe geht, sind den Nazis keine Grenzen gesetzt einen längst verlorenen Krieg noch nicht als beendet zu sehen und mit den dollsten Entdeckungen der Wissenschaft oder des Okkulten zurückzukehren. Ob es nun der Weg als Zombies a la "Outpost", "Schreckensmacht der Zombies" oder "Oase der Zombies" war, als Werwölfe zurückkehrend wie u.a. in "Horrors Of War", im Inneren der Erde versteckend wie in der Asylum-Produktion "Nazi Sky" oder wahlweise in der Antarktis im Erdinneren lauernd bzw. auf dem Mond geflüchtet, wie uns so manche Theorie im Dokumentarfilm "Die Mondverschwörung" verrät, die Möglichkeiten der Nazis sind in der Fantasie unbegrenzt. 

Letzte Idee aus den Köpfen esoterischer Weltverschwörer griff man in "Iron Sky" auf, einem Kinofilm der nicht auf herkömmliche Art fertiggestellt wurde. Da Fans solcher Stoffe im Internet bei der Fertigstellung dieses Streifens helfen durften, war gerade die Neugierde auf das Ergebnis dieser Arbeit in Freak-Kreisen enorm hoch. Um so erstaunter durfte man sein, dass das Werk nicht nur professionell vermarktet auf der großen Leinwand erschien, sondern auch gleich namhafte Darsteller wie Götz Otto und Udo Kier mit im Schlepptau hatte.

Auch guckt sich das muntere Treiben des Amerikas der Zukunft gegen die Mondnazis keinesfalls Amateurfilm-haft. Wir bekommen hier Weltraumschlachten in Spezialeffekten beschert, die zwar nicht die Dimensionen von Blockbuster-Kosten angenommen haben, sich aber wirklich sehen lassen können für solch preisgünstige Tricks. Unweigerlich muss ich an die Worte Roger Cormans Ende der 70er Jahre denken, der es als pervers ansah, dass Filme solch immense Gelder verschlingen, nur um etwas fertig zu stellen, das Leute unterhalten soll. Man könne das verpulverte Geld doch in viel wichtigere Bereiche stecken, so z.B. zur Hilfe der Leute in der Dritten Welt.

Das klingt heute provozierender als damals, ist aber sicherlich nicht unrichtig. Und wenn man die Effekte von "Iron Sky" sichtet, merkt man dass es selbst in wuchtigen Geschichten, die viele Spezialeffekte benötigen, andere Wege gibt als das verschlingende Budget von Blockbustern, die meist auch noch minderwertige Inhalte bieten. 

Was nun vorteilhaft für die Filmindustrie im Produktionssektor klingt, ist für den Unterhaltungswert des hier besprochenen Filmes jedoch nicht immer von Vorteil. In einem Film über die Rückkehr von Nazis, die seinerzeit auf den Mond geflüchtet sind, will ich eigentlich mehr satirische Albernheiten sichten anstatt wuchtige Weltraumschlachten, aber gerade zu diesem Szenario verkommt "Iron Sky" im Laufe seiner Geschichte immer mehr, so dass in der zweiten Hälfte mit mehr quantitativen Schaueffekten gearbeitet wird als in der originelleren ersten Hälfte.

Zwar ist "Iron Sky" trotz aller Albernheiten durchaus clever ausgefallen, allerdings zielen die meisten gesellschaftskritischen Anspielungen auf simple Ziele, die heutzutage ohnehin häufig kritisiert und parodiert werden. Die Leichtigkeit im Umgang mit diesen Themen sind es, die "Iron Sky" dennoch so angenehm gucken lassen, zumal es selbst in Zeiten von negativem Denken über die USA mutig zu nennen ist, das System von heute mit denen der Nazis zu vergleichen, um ihnen am Ende das gleiche Niveau zu diagnostizieren. In Zeiten in denen Faschismus ein anderes Gesicht bekommen hat und damit von vielen als solches nicht mehr erkannt wird, ist es wichtiger denn je, dass es Filme wie "Iron Sky" gibt.

Dass ein solcher Vorreiter dieser direkten Kritik, die nicht drum herum redet, nun ausgerechnet aus dem Bereich des Klamaukfilms kommt, mag manch einem nicht schmecken. Wie so oft in der Geschichte der laufenden Bilder werden solche Werke aufgrund ihrer Albernheiten auch unterschätzt. Aber trotz allem satirischen Gehaltes geht es den Machern und dem Publikum doch hauptsächlich um den Unterhaltungswert, und das macht "Iron Sky" wieder eine Spur plumper oder erträglicher (je nachdem). Der Film soll schlichtweg Spaß bereiten. Vom Thema loslösen kann ich mich trotzdem nicht, ist das satirische Feuerwerk gegen Nazis, Amerika und die "erwachsene" Haltung der UNO doch Sehwert des Streifens und nicht wie es die Texter des deutschen DVD-Covers gerne hätten die Spezialeffekte.

Für manch einen darf das stimmen, und ironischer Weise werden das auch diejenigen sein, denen "Iron Sky" am kurzweiligsten vorkommen mag, denn trotz aller Sympathie ist der Streifen einfach etwas zu plump in seiner Treffsicherheit die Kritik betreffend, zu 08/15 in seiner Geschichte (ein Makel das eigentlich nicht sein dürfte, so sehr wie er auch das US-Kino kritisiert) und oftmals einfach zu gewollt, ob nun in Sachen Kritik oder Komik. Sicherlich kann man sich "Iron Sky" für einen anspruchslosen Videoabend durchaus mal angucken. Aber ob das wirklich das höchste Ziel der Verantwortlichen dieses Filmes war, sei einmal dahingestellt. 

Kleine Volltreffer wie "Der große Diktator" in der Nazi-Propaganda-10 Minuten-Version oder das Hitlerbärtchen als erotische Intimrasur im modernen Pornobusiness bei Frauen fangen nicht die Schwächen auf, die "Iron Sky" gewöhnlicher machen als er es sein sollte. Gerade wegen der Beteiligung von Seiten der Fans darf es einen verwundern, wie sehr das Werk in Zeiten von "Simpsons", "Family Guy" und Co zum Mainstream mutiert ist.  OFDb