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12.05.2024

JOHN WICK - KAPITEL 2 (2017)

John muss eine ehemalige Schuld begleichen. Er soll die Frau, die nun einen Mafiaclan leitet, töten, obwohl er mit seinem Leben als Auftragskiller eigentlich abgeschlossen hat...

Nicht gerade Feuer und Flamme...

"John Wick" war bei dünner Sinnlos-Handlung ein kurzweilig anzuschauender Hirnlos-Actioner, und weil er Spaß bereitete, war ich auch zur Sichtung der Fortsetzung bereit. Die spielt mit Konsequenzen des ersten Teiles, bietet einen Hauch mehr Handlung, hat aber freilich, abgesehen von allerhand Baller- und Kampfsequenzen, ebenfalls nicht wirklich Inhalt zu bieten. Aber das geht schon in Ordnung, zumal "John Wick: Chapter 2" (Originaltitel) mir eine Spur besser gefallen hat als der Vorgänger. Teil 2 besitzt sämtliche Vorzüge des ersten, baut dort getroffene Gesetzmäßigkeiten einer uns Normalbürgern unbekannten Subkultur wieder ein und erweitert diese, und bietet uns hin und wieder auch Überraschungen, so z.B. bei der sehr frühen Zusammenkunft von Auftragskiller und Opfer, und dies nicht, um diese von nun an zusammenarbeiten zu lassen, wie es bei Stallone und Co der Fall gewesen wäre. Alles ist nach wie vor stylisch inszeniert, Optik geht über Hirn, Wick ist wie gehabt unkaputtbar, aber das ist eben das was man sehen will, wenn einem Teil 1 gefallen hat. Und die Fortsetzung versprüht eine Energie innerhalb eines theoretisch infantilen Szenarios, der ich mich nicht entziehen wollte, einfach weil ich Lust auf derartigen Stuss hatte und das an manchen Tagen einfach genau das Richtige ist. Wick ist eine Comicfigur in einer alternativen Welt, und die gut choreographierte Action (wenn auch mithilfe vieler Schnitte), die edle Optik und die temporeiche Regie machen daraus ein spaßig anzuschauendes Stück Trivialkino. Wer mehr drin sehen will, tut mir jedoch leid.  Wiki

21.10.2023

ASTRO BOY - DER FILM (2009)

Da ich noch nie etwas vom klassischen, asiatischen Franchise rund um Astro Boy gesehen habe, war ich neugierig auf den 2009 entstandenen Zeichentrickfilm, der per Computeranimation die Moderne von Heute und den Retroaspekt des Ursprungsstoffes zu vereinen versuchte. Leider vereint er aber auch den Erzählstil der US-Amerikaner im Trickfilmbereich mit jenem der Japaner. Darauf war ich nicht vorbereitet, erwartete ich doch einen Anime zu sehen, und da der asiatische Stil im besagten Werk dem US-Stil weit unterlegen ist, bot "Astro Boy - Der Film" nicht gerade das, was ich erhoffte. Ich bin durchaus in der Lage mich während einer solchen Sichtung nach Erkennen der tatsächlichen Orientierung auf eine solche umzustellen. Dass ich mit "Astro Boy" (Originaltitel) nicht warm wurde, liegt somit nicht an einer unflexiblen Art meinerseits. Schließlich ist es nicht so, dass ich mich Animationsfilmen aus dem Westen verweigern würde, hier gibt es große Schätze zu entdecken. 

Leider gehört "Astroboy" (Alternativtitel) zu jener Art CGI-Film, die zu verstärkt auf den Kitschaspekt und auf das Zielpublikum Kind schielt. Das wirkt erzieherisch, aufgesetzt, belehrend und verkrampft auf Emotionen getrimmt, anstatt sie einen tatsächlich spüren zu lassen. Schwierig wird eine solche Herangehensweise insbesondere dann, wenn man mit Figuren mitfühlen soll, die keineswegs so sympathisch herüber kommen, wie scheinbar von den Produzenten gewollt. Der Vater des ursprünglichen Jungen und Schöpfer des Astro Boy handelt derart gefühlskalt, egoistisch und systemorientiert, dass man ihm einen Wandel zu einem Mann, der seine Fehler einsieht, nicht abkaufen kann, zumal er nicht erst mit Beginn der Trauer begann fragwürdig zu handeln. Im Finale des hier besprochenen Streifens setzt man jedoch verstärkter auf sein Gefühlsleben, anstatt auf das der im Zentrum stehenden, erkämpften Freundschaft des Roboters mit menschlichem Empfinden zu den Menschenkindern. Leider sind auch diese arg stereotypisch ausgefallen und lassen eine Annäherung an ihren Charakter kaum zu. Lebensnähe und Identifikation mit den Figuren, gehören nicht gerade zu den Stärken der Verantwortlichen dieses Science Fiction-Trickfilmes. 

Das ist sehr schade, zumal einige Aspekte im fertigen Werk durchaus zu gefallen wissen, so z.B. der väterliche Freund der Erdenkinder, der das Zielpublikum gekonnt zu täuschen weiß, bis seine wahre Motivation thematisiert wird. Auch die verschrotteten Roboter (insbesondere der wichtige Riese) wissen zu gefallen, sind in dieser Art aber sicher nicht zufällig lediglich ein Jahr nach dem Erfolg von Pixars "Wall-E" auf diese Art stark in die Geschichte integriert. Spannender als die, ist ihre Herkunft mit Blick auf die Wegwerfgesellschaft der Elite oben in der Wolkenstadt und der Umgang mit der Robotertechnologie überhaupt. Hier findet gekonnt Konsum- und weitere Gesellschaftskritik auf amüsante Art statt, oberflächlich betrachtet auch manch politische, dies allerdings derart grotesk überzogen, dass es in der Comicwelt mehr fußt (was durchaus zu begrüßen ist), als in einer überzeugenden Politwarnung. Unterhaltung und Erziehung steht auf dem Programm, da ist das nicht wichtig. Aber beide Schwerpunkte der Geschichte, die Kurzweile und die Manipulation des Publikums, stehen sich zu sehr im Weg, als dass aus "Atom" (Alternativtitel) ein kompromisslos unterhaltsamer Spaß werden könnte. 

"Astro Boy - Der Film" hat definitiv seine Momente, starke Ideen, sympathischen Standard und gelegentlich treffsichere Komik zu bieten. Und optisch weiß er technisch zu überzeugen, bei Fantasiefiguren im Design mehr, als bei den zu glatt gebügelten, fürs US-Kino aber typischen, menschlichen Trickfilmfiguren. Aber der moralische Touch und die aufgesetzte Gefühlsduselei machen viel vom vorhandenen Potential kaputt. Und das sind genau die Gebiete, die es unter stärkerem japanischen Einfluss so nicht gegeben hätte.  Wiki

11.03.2023

KARATE, KÜSSE, BLONDE KATZEN (1974)

Man sollte meinen, wenn sich die legendären Shaw Brothers mit dem deutschen Fließband-Erotikfilmer Ernst Hofbauer zusammen tun, dass etwas herrlich Bescheuertes dabei herauskommt, welches das Herz alternativer Kinogänger höher schlagen lässt. Aber was soll man sagen? Wirklich toll guckt sich das nicht, was uns mit "Yang Chi" (Originaltitel) vorgesetzt wird. Der deutsche Anteil beschränkt sich auf die nach Hongkong exportierten Frauen, die nackend agieren dürfen, einfallsreich ist dieser Part nicht. Und der Hongkong-Anteil serviert wie gewohnt Handkanten-Action in schräger Komik, und auch wenn diese wunderbare Momente herbei zaubert, so mutet der Großteil doch lediglich als Altherrenwitz an, sich im notgeilen Begaffen und Begrapschen der nicht immer blonden Holden nicht wirklich unterscheidend von den Italienern in ihren Flotten Teens-Beiträgen. Das monotone Szenario von "Weiße Mädchen - gelbe Teufel" (Alternativtitel), inmitten einer nicht wirklich vorhandenen Geschichte, sorgt letztendlich dafür, dass die paar wenigen einfallsreichen und funktionierenden Kalauer das müde Gerüst nicht getragen bekommen. Wer "Heiße Katzen - scharf serviert" (Alternativtitel) 92 Minuten lang durchhält ist im richtigen Film, Hut ab wer das schafft, mir ist es nicht gelungen.  OFDb

01.01.2022

SILVER HAWK (2004)

Man könnte den von Hauptdarstellerin Michelle Yeoh selbstproduzierten Streifen "Silver Hawk" als asiatischen Anti"Batman" bezeichnen. Auch Lulu ist reich und jagt maskiert dem Bösen hinterher, aber sie tut es fröhlich motiviert, ist enttäuscht wenn ein Kampf zu kurz ausfällt und farbenfroher gekleidet als der düstere, grummelige Bruce Wayne. Damit ist der Streifen absichtlich augenzwinkernd angelegt und wird offensichtlich humoristisch aufgearbeitet und ist sich dabei nicht zu schade auch ordentlich in den Blödelbereich abzurutschen. Konstruiert eingenommene Kampfpositionen vor Beginn des Kampfs, wie wir sie beispielsweise aus x peinlich-coolen US-Produktionen wie aus diversen "Resident Evil"-Teilen kennen, bekommen z.B. noch zusätzliche Grimassen beschert, so dass zwar nicht immer geistlos geblödelt wird, wie dieses Parodiebeispiel zeigt, aber doch sehr extrem. Das wird manchem Filmfreund nicht schmecken, ebenso wie die extreme Kostengünstigkeit, mit welcher "Fei Ying" (Originaltitel) umgesetzt wurde. Und leider muss man sagen, dass trotz des absichtlichen Trash-Gehalts die Billigtricks nicht immer unterstützend für das anvisierte Flair des Streifens sind. Gerade in den Kampfsequenzen wäre eine gut einstudierte Choreographie oft wünschenswert gewesen, so sehr wie hier inflationär mit Schnitten gearbeitet wird. Und auch das Bild selbst sieht in seiner Farbgebung manchmal zu sehr nach Videobild aus, gerade auch in elementaren Szenen, wie Silver Hawks ständiges, freudiges Fortbewegen auf ihrem Motorrad. 

Aber insgesamt, sofern man sich in das Flair des Streifens hineingeguckt bekommt, funktioniert der in seiner Heimat heftigst gefloppte "Silver Hawk" im Sinne dessen was er sein will eigentlich ganz gut. Versehen wurde er mit einer bescheuerten, sehr comic-nahen Schurkengeschichte, die ein wenig an "Batman Forever" erinnert, bzw. an den Pilotfilm der "Spider-Man"-Serie aus den 70er Jahren. Der Schurke wird verkörpert von dem simpel, aber sympathisch spielenden Briten Luke Goss, der in seiner Mittelmäßigkeit wie perfekt besetzt scheint inmitten der hier geatmenten und zelebrierten Kostengünstigkeit. Eine ebenso dämliche Privatgeschichte, in welcher der Kriminalist, der Silver Hawk jagt, unwissentlich ein damaliger Freund aus Lulus Kindheit ist, sorgt auf herrlich schrottige Art zumindest für etwas Hintergrund der Heldin, von der man ansonsten bis auf kurze Andeutungen herzlich wenig weiß. Das Drehbuch verzichtet weder auf so herrlich plumpe Tiefflieger-Gags wie jenem, dass Lulu ihre Verabredung stets 4 Stunden warten lässt, weil sie angeblich so lange zum umziehen braucht, in Wirklichkeit aber freilich wieder ein Verbrechen in dieser Zeit aufzuklären hatte, noch lässt es der Geschichte Zeit für Ruhe und Tiefsinn. "The Masked Crusader" (Alternativtitel) soll lediglich harmlos Spaß bereiten und bietet dabei nie den Sehwert, den der Marvel-Stammgast in seinem Superheldenuniversum sichten möchte. Wie gesagt ist das manchmal zu viel anti und zu heftigst flach geblödelt, aber der Film hat sein Herz am rechten Fleck und macht mehr richtig, als dass er falsch macht, was man natürlich nur so empfinden kann, wenn man die Mentalität des Streifens versteht und ein wenig teilt.  OFDb

21.11.2021

PALM SPRINGS (2020)

"Palm Springs" führt den durch "Und täglich grüßt das Murmeltier" bekannt gewordenen Aufhänger eines Menschen, der in einer Zeitschleife fest hängt, einmal anders ein, indem wir über den Blick eines Unwissenden wen kennen lernen, der sich ungewöhnlich benimmt, da er immer und immer wieder den selben Tag erlebt. Das schaut sich besonders gut für Uneingeweihte, da es zunächst nur leise Andeutungen gibt, die einen vermuten lassen können gerade einen Zeitschleifenfilm zu sichten, es bereitet aber auch Freude, wenn man dies vorher weiß. Der bereits in "Repeaters - Tödliche Zeitschleife" angegangene Ansatz, dass mehrere Personen ihre Erinnerung im wiederholenden Tag beibehalten, wird erweitert durch die Idee, dass einer von beiden schon sehr lange in der Wiederholung festsitzt, während der andere neu mit der Situation zurecht kommen muss. Schnell erweist sich der Alteingesessene als schlechter Mentor, denn der hat schon vor langer Zeit aufgegeben und bringt jeden Tag nur möglichst stressfrei hinter sich, während der Neuankömmling noch den Glauben besitzt etwas gegen das Gefängnis der Zeit unternehmen zu können. Ein dritter, gelegentlich auftretender Part rundet mit einer wundervollen Idee den Ansatz der mehreren Personen mit Erinnerungen ab. 

Das zentrale Komödienanliegen ermöglicht es dem Stoff entspannt und lockerleicht daher kommen zu dürfen. Man setzt die Kenntnis derartiger Stoffe voraus, um mit ihnen zu spielen, frühstückt typische Erlebnisse und Entwicklungsprozesse der Protagonisten ähnlicher Stoffe oft nur über einen augenzwinkernden Kommentar ab, dies aber nicht um lieblos schnell das Thema abzugrasen, sondern um es anders zu verarbeiten. Einen Romantikaspekt hätte die Geschichte nicht zwingend nötig gehabt, aber er bereichert den Stoff, ist er doch der Motor der den Figuren mehr Tiefe beschert, während das Wachsen von Vertrauen und Freude miteinander den Figuren die Möglichkeit gibt einmal anders mit dem Alltag umzugehen, als es die Wirklichkeit oder die Figuren aus anderen Zeitschleifenfilmen zulassen. Das ist nicht immer hochgradig kreativ, aber durchaus lustig mit anzuschauen, wobei sich die sehenswert mutigen Momente im Vergleich zur ansonsten durchschnittlichen Handlungsabfolge seltener blicken lassen. 

Dennoch wird "Palm Springs" nie all zu gewöhnlich und bekommt dank sympathischer Besetzung und charmanter Charakterzeichnung selbst in den routinierteren Phasen einen angenehmen Unterhaltungswert hin. Die verschiedenen Ansätze des jeweiligen Umgangs mit der Situation wissen zu gefallen und werden schließlich für entscheidende Wendungen genutzt, was zu einem gelungenen Finale führt und über nicht lineare Zeitabfolgen aufgearbeitet wird, was eine ungewöhnliche Herangehensweise für einen Film derartiger Thematik ist. So wird also auch gelegentlich kurzfristig in der Zeit hin und her gesprungen, jedoch nicht im Handlungsablauf, sondern im Erzählmuster. Ein wundervoller zusätzlicher Schluss, der die komplette Geschichte erst so richtig abrundet, wartet am Ende des Vorspanns, der vor den Abspann gesetzt wurde. So oder so ist "Palm Springs" geistreicher ausgefallen, als er nach außen hin scheint, eben weil er so lässig daher kommt wie seine männliche Hauptfigur.  OFDb

29.12.2020

ROBO VAMPIRE (1988)

So wie oben beschrieben findet die Geschichte zumindest grob in etwa statt, denn einen wirklichen roten Faden gibt es nicht, ist "Robo Vampire" doch der typisch wilde und schräge Horror- und Action-Mix aus Hongkong, in welchem viel zugleich passiert. Da achtet man nicht auf eine durchgehende Logik, auf Kompatibilität und ähnliches. Da soll es nur krachen. Da wird geballert, gekämpft und gestorben, und übernatürliche Kreaturen bereichern das Szenario. Wie für diese Art Film typisch nimmt man es dabei mit der Bezeichnung der Wesen nicht so genau. Ob nun Vampir, Zombie oder was ganz anderes, das ist egal, wer bei diesem Titel zugreift ist sicherlich nicht böse darum, es nicht mit klassischen Vampiren zu tun zu haben. Sie fressen Fleisch anstatt Blut zu trinken, erstehen steif auf wie Frankensteins Monster und Michael Myers, sind im Gesicht billig auf modrig getrimmt, wie Zombies aus diversen Billigproduktionen, und bewegen sich noch drolliger vorwärts als die Kreaturen aus "Die 7 goldenen Vampire". Mit ausgestreckten Armen hüpfen sie vorwärts, nicht in großen Sprüngen, wie es im Vergleichsfilm der Fall war, sondern eher wie Kinder beim Sackhüpfen - nur ohne Sack. 

Das sieht drollig aus und passt zum herrlich bekloppten Treiben des Gesamtwerkes in welchem auch ein Geist, ein Magier und ein Android im Kampf gegen zwei rivalisierende Drogenbanden involviert werden. Das ist nicht wirklich ernst gemeint, und wie so viele ähnliche Werke unterstützt die Deutschvertonung diesen Eindruck und erhöht den Blödelfaktor somit. Freilich weiß man bei "Zombie Vampire" (Alternativtitel) nie wie viel an der wirren Undurchschaubarkeit des Plots und seiner Zusammenhänge, sowie am freiwilligen Komik-Gehalt der Synchronisation zuzuschreiben sind. Letztendlich ist es aber ohnehin egal, denn einen ursprünglichen Sinn behindert diese Vorgehensweise nicht, dafür besitzt der Streifen, dem ein Jahr später mit "Counter Destroy" eine Fortsetzung beschert wurde, zu wenig Handlung. Mir persönlich war das chaotische Treiben für alternative Geschmäcker etwas zu zerfahren und sich damit zu monoton anfühlend inszeniert. "Robo Mercenary" (Alternativtitel) ist einerseits überfrachtet, andererseits wiederholt sich zu viel. Das bespaßt meiner Meinung nach nicht dauerhaft. Da wissen nicht minder bekloppte Werke wie "Frankensteins Kung-Fu Monster" besser zu unterhalten. Stammzuschauer dieser herrlich bekloppten Gattung Film, bei der man nie weiß was dem bewussten Vorhaben der Verantwortlichen und was deren Unvermögen zuzuschreiben ist, können mit ein wenig Geduld dem Ganzen aber sicherlich etwas mehr abgewinnen als ich es konnte.  OFDb

23.11.2020

ENTE GUT, ALLES GUT (1988)

Ein recht simpel gestalteter Plot bietet die Basis einer hemmungslos albernen Komödie. Mag auch nicht jeder Beteiligte ein großes Talent sein, das Engagement macht manches Makel wieder wett, das betrifft Darstellerriege und Drehbuch gleicher Maßen. Am Letztgenannten hat Hauptdarsteller Michael Hui mitgewerkelt, und der schrieb sich wunderbar schräge Situationen zum Grimassenschneiden, zur Körperkomik und anderweitigen Möglichkeiten alberner Witzeleien auf den Leib, und dass dies seine persönliche auf ihn zugeschnittene Komik ist, merkt man dem Film an. Sie harmoniert mit ihrem Schauspieler und schafft es gekonnt die zu erzählende Geschichte nach mehr aussehen zu lassen, als eigentlich vorhanden ist. Es gibt keinen Zweifel am Happy End und letztendlich verläuft alles nach typischem Muster eines Komödien-Konzepts, wie es dies schon etliche Male zuvor und danach gab. Aber der Ton macht die Musik, und sympathische Figuren, ein entspanntes, treffsicheres Herumgekasper und das Zelebrieren verrückter Situationen sorgen für ein charmantes Ergebnis. 

Man lässt sich Zeit für die besonderen Momente, z.B. wenn das Gesundheitsamt nichts von den Ratten mitbekommen darf, ein neugieriger Mitarbeiter das Geheimrezept der Ente ausspionieren möchte, oder zwei Männer im Geflügelkostüm um die Kundschaft auf der Straße kämpen. An Ideen mangelt es nicht in einem Film, dem es nicht um Realität oder dem Erreichen eines hohen Anspruchs geht, sondern einfach um den Spaß an der Freude. Der wird am Set geherrscht haben, das meint man wahrzunehmen aufgrund der amüsanten Atmosphäre, welche "Gai Tung Ngap Gong" (Originaltitel) auszustrahlen vermag. Dass ganz nebenbei das schreckliche heuchlerische Geschäftsmodell amerikanischer Gastronomie-Ketten aufs Korn genommen wird, bereichert die Chose um ein weiteres, zumal Hui dies auf andere Art thematisiert, als es die französische Alternative "Brust oder Keule" tat. Dem kann "Ente gut, alles gut" zwar nicht das Wasser reichen, aber das muss er auch gar nicht, verspricht er doch nicht mehr, als er einzuhalten weiß.  OFDb

02.05.2020

THE OILY MANIAC (1976)

Inmitten der Flut von Monsterfilmen, die seit der 50er Jahre die Kinoleinwand unsicher machten, gehört "The Oily Maniac" als relativ später Vertreter seiner Gattung, definitiv zu den sympathischen Beiträgen dieser Art. Als asiatisches Werk der "Godzilla"-Thematik den Rücken kehrend und sich stattdessen dem typisch amerikanischen Monsterfilm a la "Der Schrecken vom Amazonas" zuwendend, ist er in dieser Art bereits für Hongkong-Verhältnisse eine Besonderheit. Das macht ihn gerade heutzutage, als charmantes Ausnahme-Retro-Produkt einer ohnehin nur von relativ wenigen Menschen verfolgten Filmgattung, zu einem besonders schrulligen Leckerbissen, den es zu entdecken lohnt. Nach einer kurzen Vorgeschichte, die, typisch Shaw Brothers, zunächst mit Handkanten-Action arbeitet und bereits dort nett erzählt ist, bekommen wir das titelgebende Monster recht früh zu Gesicht. Es lässt den Freund solcher Streifen das Herz höher schlagen. Ein sympathischer Klumpen Plastik, mit gelben Augen versehen und bei jedem Erscheinen ein naiv bösartiges Gebrüll von sich gebend, welches an diverse Kaiju-Monster erinnert, liefert das, was man sich, rein von der Kreatur her, von solch einem Film wünscht - zumindest wenn das Kind im Manne noch existiert. Für sein spätes Erscheinungsjahr könnte man auch darüber schimpfen, wie simpel getrickst und blauäugig gruselig die Kreatur eingesetzt wird. Aber letztendlich bedient uns Regisseur Ho Meng-Hua mit einem Leckerbissen einer Filmgattung, die zu dieser Zeit auf diese klassische Herangehensweise dem Cineasten kaum noch serviert wurde.

Im Gegensatz zu manchem Konkurrenzprodukt, ist das frühe Zeigen des "Oily Maniac" (Alternativtitel) kein Fehler. Es ist nicht nur so, dass ich mich an diesem herrlichen Vieh nie satt sehen konnte, diverse nachrückende Einfälle, die Fähigkeiten des Monsters betreffend, sorgen immer wieder für neue Sehwerte. Gerade Richtung Finale warten noch einige Trick-technische Überraschungen auf den Zuschauer, die stets simpel zusammengezimmert sind, Choreographien gerne dabei mit simpler Schnitt-Technik umgehen, aber für nicht all zu strenge Zuschauer definitiv ihren Charme besitzen. Die Hintergrundmusik, wenn der Oliy Maniac in flüssiger Form unterwegs ist, erinnert stark an "Der weiße Hai", sodass ich zunächst aufgrund des 60er Jahre-Feelings des Streifens dachte, der Film habe dem berühmten Hai-Horror von Steven Spielberg die Musik vorgegriffen. "You Gui Zi" (Originaltitel) erschien aber ein Jahr später, so dass er sich im Musikbereich fremd bediente. Somit passt es zum Rest: ein Mann im Gummikostüm trifft auf Filme wie "Hulk" und "Dr. Jekyll und Mr. Hyde", in welchen sich der Protagonist immer hin und zurück verwandelt, mit dem Unterschied, dass es der Oliy Maniac freiwillig kann. Somit ist das Werk munter zusammengeklaut, beweist aber mit seinem flotten Tempo, einer kurzweiligen Geschichte und all den Zutaten, auf die man innerhalb eines Monsterfilms dieser Art hofft, dass er kein müder Abklatsch ist, sondern etwas ganz Besonderes in der Spätphase dieses Sub-Genres. Ich kann jedem Retro-Monsterfilm-Fan dieses in Deutschland nie erschienene triviale Liebhaberstück nur wärmstens ans Herz legen. Ich weiß jetzt schon mit Sicherheit, dass ich diesen wundervollen Film in einigen Jahren erneut sichten werde.  OFDb

23.06.2018

KAKASHI - DAS DORF DER VOGELSCHEUCHEN (2001)

Mit "Ju-on", "The Call", "The Eye" und "Dark Water" waren im Zuge der "Ring"-Welle einige erfolgreiche Produktionen gefolgt, die alle Fortsetzung und/oder US-amerikanische Neuverfilmungen beschert bekommen haben wie ihr Vorbild. Inmitten dieser Werke gingen einige verwandte Gruselfilme unter, so auch "Kakishi - Das Dorf der Vogelscheuchen", der 2001 erschienen mitten in der Hochzeit besagter Welle früh am Start war. Dass er weniger wahr genommen wurde als die Vergleichsfilme verwundert nicht, hat er doch keinen besonderen Aufhänger zu bieten, abgesehen vom Thema der Vogelscheuchen, welches von "Die Nacht der Vogelscheuche" an bis hin zu "The Messengers 2" oftmals im Horror-Genre aufgegriffen wurde, wenn für meinen nimmersatten Geschmack auch nicht oft genug. Das war auch der Grund warum mich ein Sichten des hier besprochenen Nachzüglers reizte, der auch mir mit wenig vorangegangenen Erwartungen ein wenig zu gesichtslos erscheint.

Der Film beginnt mit einem klassischen Rätsel, welches zu dem üblich verschwiegenen Dorf führt, wie man es aus etlichen Gruselfilmen kennt. Das Liegenbleiben in einem Tunnel bietet nicht nur eine wundervolle Symbolik, es hinterlässt auch etwas aufwühlendes aufgrund der Länge und Enge des Tunnels. Doch bereits hier besteht aufgrund der geringen Bewohnerzahl des Dorfes Kozukata und den dementsprechenden wenigen Besuchern des Ortes kaum eine Gefahr, welche dem Unbehagen folgt, kann man an einem solchen Ort das Auto doch unbesorgt lange Zeit stehen lassen, ohne einen Unfall befürchten zu müssen. Von nun an folgt das typisch abweisende, schweigende und geheimnisvolle Verhalten der Dorfbewohner, sprich das übliche Hinhalten beginnt, aber da "Scarecrow" (Alternativtitel) angenehm routiniert erzählt ist findet keine Langeweile in dieser Phase statt. Andeutungen machen neugierig auf mehr, das Vogelscheuchenthema signalisiert zwar wohin die übernatürliche Reise geht, aber nicht ob die Strohpuppen zum Aggressor werden wie in den üblichen Beiträgen eines Vogelscheuchen-Horrors oder nicht.

So ruhig und fast belanglos wie "Kakashi" (Originaltitel) in dieser Phase vor sich hin plätschert, so bleibt er überraschender Weise die komplette Laufzeit über. Zwar passiert gelegentlich tatsächlich etwas mehr als die Visionen und Alpträume mit denen zuvor Zeit gestreckt wurde, aber der Stil des Films ist derart unaufgeregt gewählt, dass man fast nicht einmal mehr von einem Gruselfilm sprechen kann, so spannungsarm wie Norio Tsurutas Regiearbeit ausgefallen ist. Bedenkt man, dass der Film auf einem Comic basiert und vier Autoren, inklusive des Regisseurs, am Drehbuch mitgeschrieben haben, kann man sich über das inszenatorisch wie inhaltlich gleichermaßen schlicht ausgefallene Ergebnis schon ein wenig wundern. Losgelöst von dem Wunsch einen Grusler zu sichten funktioniert "Kakashi" als eine Art Mystery-Krimi jedoch auf durchschnittliche Art recht ordentlich, so dass er sich zumindest für mich nicht als Fehlgriff erwies.

Dennoch steckte mehr Potential in dem Werk, vielleicht auch bereits angegangen in der Printvorlage, die ich nicht kenne. Die mysteriöse Identität des Polizisten im Finale hätte bei näherer Beachtung dieses Elements zu einer spannenden Vogelscheuchen-Variante von "Die Frauen von Stepford" werden können. Und dass die stets inzestuös angedeutete Motivation der Heldin ins Leere läuft und nur ganz am Schluss auf sehr subtile Art wahrhaftiger thematisiert wird, ist besonders schade zu nennen, hätte man aus diesem interessanten Aspekt doch tatsächlich reizvolle Szenarien rund um die Eifersucht eines Rachegeistes stricken können. Dieser Ansatz ist nicht der einzige der fast komplett ins Leere läuft, so dass "Kakashi" eher zerfahren als tatsächlich durchdacht wirkt. Da ihm eine hervorhebenswerte Optik fehlt, kann man dem inhaltlich schwächelnden Werk auch keine künstlerische Ambitionen als Haupteckpfeiler attestieren. 

In mauer Besetzung und ebensolcher Regie wäre der Vogelscheuchenfilm somit gewaltig abgestunken. Aber die Professionalität der Beteiligten vor und hinter der Kamera lassen das eigentlich müde Treiben zumindest auf angenehme Art 90 Minuten belanglos verstreichen, vorausgesetzt man geht mit wenigen Erwartungen an ein solches Werk heran und kann sich auch an stilleren Elementen einer nach mehr klingenden Geschichte erfreuen. Wer den gut versteckten Hinweis auf "Das zauberhafte Land" erkennt, hat nicht nur die nötige Spürnase für die subtile Erzählweise bewiesen, die man benötigt um mit dem Film etwas anfangen zu können, sondern auch gleich den sympathischsten Bonus des Streifens für sich entdeckt.  OFDb

15.04.2018

Gastkommentar: A CHINESE TORTURE CHAMBER STORY (1995)


Autor: Frau Vulkan

„Hart. Härter. Cat. III!“ wirbt das bei Fans seltener, ungeschnittener Filme aus aller Herren Länder beliebte Österreicher Label Illusions Unlimited im Vorspann seiner Cat. III Kollektion. In diesem Falle trifft das zu, allerdings nicht so wie man es sich vorstellen mag, denn beim vorliegenden Filmmaterial wird etwas anderes härter als die Handlung oder die Folterszenen. Zum einen gemeint wäre da das mächtigen 50 cm Geschlechtsorgan vom durchgeknallten Superhelden der Story und zum anderen „Mun Ching Sap Daai Huk Ying“ (Originaltitel) bis zum Ende auszuhalten. 

Die oberflächliche, nicht nennenswerte Handlung ist nur der wacklige Rahmen für einen bestenfalls durchschnittlichen, allerdings teils ziemlich obskuren Softporno, und die wahre Frage des Films lautet „wer mit wem und wie oft?“. Zwar gibt es ein paar deftigere Folterszenen, allerdings wird das allbekannte Rad hier nicht neu erfunden und man hat das als Interessierter des Genres, bis auf die besonders unrealistischen Momente, alles schon einmal besser gesehen. Letztere sind tatsächlich der Grund wieso „A Chinese Torture Chamber Story“ noch haarscharf an der Wertung „schlecht“ vorbei schrammt. 

Ab und an scheint Einfallsreichtum hervor, der allerdings in die Kategorie „Comedy“ (wahrscheinlich unfreiwillig?) einzuordnen ist. Hier genannt sind besonders solche Dialoge, die den Bereich „schlechter Sexwitz von Pubertierenden“ streifen, sowie einige Szenen, die an reiner Beknacktheit einige Z-Movies die bei Tele 5 in der Reihe „Die schlechtesten Filme aller Zeiten“ noch übertreffen. Ob man lacht, wenn fliegende Samurais den Koitus in allen möglichen Stellungen und SFX-Möglichkeiten 10 Mal in 3 Minuten ausüben, oder ob man entnervt hofft, dass das ganze absurde Schauspiel bald zum Ende kommt, liegt am jeweiligen subjektiven Humor des Betrachters. Mir kam es teils flacher vor als die nicht vorhandenen Titten jener Protagonistin, die in einer Art von Nebenhandlung nach einer Möglichkeit sucht ihre Brüste auf Körbchengröße Z Doppelplus zu vergrößern. 

„A Chinese Torture Chamber Story“ ist eigentlich miserabel, für mich subjektiv sogar so richtig und voll auf den Punkt des Unerträglichen. Die seichte, vorhersehbare Handlung bereitete mir zu keiner Sekunde Vergnügen. Wer zudem auch nicht auf Softpornos mit einigen eingestreuten BDSM-Szenen steht, wird das Ganze auch nicht sonderlich „sexy“ finden. Objektiv gesehen bietet der Film immerhin ganz ansehnliche Darstellerinnen und einen Humor, für den man entweder geboren ist oder nicht. Ich gehöre zu letzteren, muss aber dazu sagen, dass der Streifen (für mich nicht nachvollziehbar, aber nichts für ungut.) bei einigen Cat III-Fans bis heute als witziger und unterhaltsamer Kult gilt.

Autor: Frau Vulkan  OFDb

15.10.2017

MUTANT CITY (1992)

Nur fünf Jahre nach der Zeichentrickversion „Wicked City“ versuchte man sich in Hongkong an einer Realverfilmung des zugrunde liegenden Mangas. Zwar war ich von der Erstverfilmung nicht sonderlich begeistert, aufgrund der dort zu sehenden Mutationssequenzen war ich jedoch neugierig auf handgemachte Action diesbezüglich in einem frühen 90er Jahre-Film, in dem Schleim-, Tentakel- und Matschetechnisch bei Videopremieren schließlich alles möglich schien. Es war etwas naiv zu hoffen in „Mutant City“ tolle Tricks beschert zu bekommen, erweist sich Peter Mak Tai-Kits Werk doch als höchst billig produziertes, das mit schnellen Schnitten und hektischen Bildern, gerne auch mit comicartigen optischen Beschleunigungseffekten, versucht von seiner Kostengünstigkeit abzulenken.

Das wäre trotz der unangenehmen Methoden eventuell trotzdem möglich, müssten doch zumindest Story und/oder Charaktere den Stoff lediglich zugänglich und interessant gestalten. Und dass man sich nicht nur von der übertriebenen Sexorientierung des Animes distanzierte, sondern eigentlich auch komplett von dessen zu banal geratener Geschichte, klang zunächst immerhin nach einem Schritt in die richtige Richtung. Aber da sieht man mal wie schnell man sich irren kann. Die Charaktere bleiben oberflächlich und völlig uninteressant. Die Erotik wurde durch einen erhöhten Ereignispegel ausgetauscht, wohingegen die dünne Story gegen eine noch dünnere Story ausgetauscht wurde. Es ist schlichtweg egal worum es in „Yao Shou Du Shi“ (Alternativtitel) geht, es reihen sich ohnehin nur hirnlose Action- und billig getrickste Monsterszenen mit hauchdünnem roten Faden versehen aneinander, so dass man dies als Fan solcher Filme entweder verspielt durchsteht, oder sich gelangweilt wegwendet.

Leider war es bei mir Zweitgenanntes, konnte ich der zu monotonen, wirren Chose doch wenig abgewinnen. Ja, was ich da sah war typisch Asien-Fantastic-Kino schräg, wild, wirr und bizarr, aber nicht dauerhaft belustigend oder anderweitig unterhaltsam, so wie es ein sehenswerter „Zeiram“ war, ein bekloppter „Invasion aus dem Innern der Erde“ oder ein schräger „Das Blut der roten Python“. „The Wicked City“ (Alternativtitel) langweilte auf Dauer mit seinen ewigen übernatürlichen Keilereien in schlechter Choreographie, mit nur seltenen optischen Highlights versehen, die aber trotzdem immerhin (zumindest für Schundfilmfreunde) vorhanden sind.

Vielleicht kann man den Effekt, welchen der Film beim Zuschauer ausrichtet, mit der Neuverfilmung „Evil Dead“ vergleichen. Auch dort ging dauerhaft die Post ab. Wer auf blutige Bilder stand, liebte diesen Film. Aber wer mehr als das sehen wollte, langweilte sich aufgrund des dauerhaften Herumgemetzels. Und so ging es mir beim hier besprochenen Fantasy-Science Fiction-Horror-Action-Mix mit seinen Monster- und Handkantenszenen. Es gibt sicherlich öderes zu sichten, immerhin bietet der Film schlichten Gemütern passable Routine in monotoner Dauerschleife. Ich fühlte mich jedoch unterfordert von dem Bildermeer zu leerer Story, die krampfhaft irgendwie auf Spielfilmlänge getrimmt wurde. Insgeheim wünschte ich mir dann doch lieber die zumindest halbwegs vorhandene Handlung der Zeichentrickversion zurück. Die ist zumindest zwischenzeitlich nicht so nervig kitschig ausgefallen, wie die wenig ruhigen Momente dieser Zweitverfilmung.  OFDb

24.07.2017

DER MANN MIT DER TODESKRALLE (1973)

Gleich vorweg: es ist schwer „Der Mann mit der Todeskralle“ zu sichten, bzw. über ihn zu schreiben, wenn man seit etlichen Jahren immer wieder einmal „The Kentucky Fried Movie“ gesehen hat, dessen Hauptepisode sich den hier besprochenen Film zur Brust nahm. Der war schließlich spätestens durch den viel zu frühen Tod von Bruce Lee kurz nach Drehende zum Kultobjekt geworden, und wenn man einmal ehrlich ist verdient er es mit seinen offensichtlichen Schwächen auch parodiert zu werden. Allerdings klingt das strenger als ich es meine, mag ich den Streifen doch. Allerdings bietet er tatsächlich allerhand Material, das geradezu danach schreit parodiert zu werden.

Davon einmal abgesehen hat der Kampfsportfilm-erfahrene Regisseur Robert Clouse, der auch mit Jackie Chan „Die große Keilerei“ drehte und mit „Night Eyes“ Anfang der 80er Jahre in der Ausnahme auch mal einen Horrorfilm abgedreht hat, einen kurzweiligen Film mit simpler Story abgeliefert, die eigentlich ohne große Umschweife das bietet, was der Fan des Genres auch sehen will. Lee präsentiert abwechslungsreiche, eigens choreographierte Kampfmethoden inmitten einer schlicht gehaltenen Gut-Böse-Story, die zwar in ihrer Personen-getrennten Einführung zunächst etwas umständlich beginnt, sich spätestens auf der Insel angekommen aber schleunigst entknotet, so dass dem Mix aus Kampfsportfilm und Spionagekrimi, in einem zu Gunsten der Action hochgradig unterschiedlichem Gleichgewicht, nichts mehr im Weg steht.

Die pulpige 70er Jahre-Musik weiß gekonnt das zwischen professionell und unbedarft wirkende Szenario zu unterstützen, und dank einer Co-Produktion zwischen Hongkong und den USA ist in einer großen Nebenrolle zudem John Saxon besetzt, den man spätestens durch „Nightmare - Mörderische Träume“ kennen sollte. Der ist Anfang der 70er Jahre noch wesentlich schlanker und körperlich agiler und schlägt sich dementsprechend recht wacker neben dem Profi Lee, auch wenn er an dessen Können freilich kaum heranreicht.

Dank sympathischer Sprecher lohnt sich auch das Sichten in der Deutschvertonung. So wird der Oberbösewicht beispielsweise von der Stammstimme Michael Caines gesprochen, und da tut es einem regelrecht leid, dass dieser so selten zu Wort kommt, so ironisch wie sich diese Besetzung anhört. Der augenzwinkernde Umgang passt hervorragend zu einem Plot, der nicht wirklich Sinn ergibt. Warum man einem zukünftigen Opfer zuvor die Herstellung der Drogen zeigt, warum man die Insel nicht schon zuvor einnimmt, wenn doch bekannt ist, dass dort niemand Schusswaffen trägt und warum es ausgerechnet Lee sein muss, dessen Einsatz eigentlich seinem Kodex aus der Shaolin-Lehrzeit widerspricht, das weiß höchstens Autor Michael Allin, wahrscheinlicher ist es jedoch, dass ihm die Lücken seiner Geschichte einfach egal waren.

„Enter the Dragon“ (Originaltitel) ist kein geistreicher Klassiker a la „Die sieben Samurai“, er ist ganz offensichtlich für den kurzweiligen Unterhaltungswert hergestellt, quasi Action-Fast Food mit gekonnten Kampfsporteinlagen. Aber er ist ein sympathisches Werk dieser Gattung und wurde derart bekannt, dass der Markt nach noch mehr Bruce Lee-Filmen schrie, unabhängig davon ob er tot war oder nicht. So erschienen noch einige Mogelpackungen mit Resteverwertungen von Bruce Lee-Aufnahmen, und in Deutschland trickste man zudem noch eine Fortsetzung des hier besprochenen Filmes, indem man ein zuvor gedrehtes Werk mit Bruce Lee einfach „Die Todeskralle schlägt wieder zu“ nannte.  OFDb

04.03.2017

ROBOTER DER STERNE (1974)

Wer glaubt es bei „Roboter der Sterne“ mit den üblichen kindischen Spielereien der Japaner zu tun zu haben, in welchen Männer in Monster- und Roboterkostümen gegeneinander kämpfen, der irrt. Wo „Godzilla“ und Konsorten es noch schaffen einem die Illusion zu bieten einer übernatürlichen Geschichte beizuwohnen, da übertrifft Kwok Ting-Hungs Werk selbst die billigst umgesetzten „Power Rangers“ darin das getrickste Szenario derart unecht wirken zu lassen, dass es sich nicht mehr wie eine Kinoillusion anfühlt. Jegliches Miniaturmodell ist nicht nur als solches zu erkennen, es sieht zudem nach Spielzeug aus, so dass die eigentliche Faszination darin liegt, dass sich „The Iron Man“ (Alternativtitel) so schaut, als ob wir der Phantasie aus der Perspektive eines Kindes beiwohnen, welches gerade damit beschäftigt ist mit seinen Robotern zu spielen.

Die völlig infantile Geschichte unterstützt diese Perspektive, könnte der Handlungsstrang doch kaum simpler und dünner ausgefallen sein, mit einer Gut-Böse-Trennung, die ebenso dem kindlischen Verständnis nachempfunden ist. Nun muss man fairer Weise aber auch erwähnen, dass das was die Deutschen dem erwachsenen Publikum schmackhaft machen wollten, in Japan tatsächlich für Kinder gedacht war. Wir, die wir das einzige Land neben Japan sind, in welchen „Iron Super Man“ (Alternativtitel) überhaupt veröffentlicht wurde, versuchten krampfhaft aus einer Kinderchose einen erwachsenen Actionstoff zu zaubern. Was im Trailer noch halbwegs funktioniert, da man dort über einen Teil der Unzulänglichkeiten hinwegblenden konnte, will im fertigen Werk nur unfreiwillig belustigen.

Nicht nur grotesk zurecht gemachte Figuren, wie der Anführer der Aliens, der selbst gegen Marge Simpson jeglichen Haarturmwettbewerb gewinnen würde, unterstützen das skurril wirkende Szenario, welches durch das verdrehte Angehen der Deutschen nun noch verrückter wirkt als es das infantile Szenario in seiner Spielzeugoptik ohnehin tut, eine Synchronisation, die sich der Lächerlichkeit des Vorhabens bewusst war, und deshalb bei der Vertonung auf ihre Art herumalbert, lässt dem Nonsens von „The Iron Superman“ (Alternativtitel) nun endgültig freien Lauf. Es ist erstaunlich welch professionelle Sprecher man seinerzeit für das Projekt gewinnen konnte. Einer Ernsthaftigkeit, wie vom deutschen Verleiher gewollt, lassen sie jedoch nicht aufkommen.

So knallbunt, lustig und kaputt sich das Ganze auch schaut, auf Spielfilmlänge von immerhin 81 Minuten wird „Roboter der Sterne“ zur Tortur. Kurzfristig darf man schmunzeln, wenn man aber einmal 20 Minuten hineingeschaut hat reicht das vollkommen aus um sich einen Überblick über diesen Schwachsinn zu verschaffen. Ich denke schon, dass jeder interessierte Cineast einen Blick riskieren sollte, denn wie grotesk das Werk ausgefallen ist, merkt man tatsächlich erst, wenn man es mit eigenen Augen gesehen hat. Da das Geschehen einem aber jegliche graue Zelle wegbretzelt, beneide ich jeden Zuschauer für seine Geduld, der es geschafft hat diesen Irrsinn bis zum Schluss zu schauen, ohne sich zwischendurch eine Pause gegönnt zu haben.  OFDb

27.02.2017

DIE 7 GOLDENEN VAMPIRE (1974)

Auch wenn er im deutschen Titel des neunten und letzten Teiles der Hammer-“Dracula“-Reihe nicht genannt wird, Dracula ist stets zugegen, wenn auch nicht dargestellt durch Christopher Lee. Sein Nachfolger wird zwar optisch auf Lee getrimmt, kann ihm aber nicht das Wasser reichen. Wirklich schlimm ist das nicht, steckt der Blutsauger doch erstens die meiste Zeit des Filmes über in einem anderen, asiatischen Körper, und zweitens ist er nur eines von vielen Ungeheuern in diesem Film. Dass sich die Hammer-Studios nach moderneren Wegen umsehen mussten, als der klassische Horror nicht mehr gefragt war, ist bekannt. Und von all den Versuchen neue Themen und Methoden zu entwickeln, kann man „7 Brothers Versus Dracula“ (Alternativtitel) wohl als den ungewöhnlichsten und gewagtesten nennen, ohne lange nachdenken zu müssen.
 
Die Hammer-Studios arbeiteten für den neunten Teil ihrer Vampir-Saga mit den nicht minder legendären Shaw Brother-Studios zusammen und präsentieren somit einen Mix aus Horror und Handkantenfilm. „7 Brothers and a Sister Meet Dracula“ (Alternativtitel) ist längst nicht so ausgeflippt ausgefallen wie solche Shaw Brother-Produktionen wie „Invasion aus dem Innern der Erde“ oder „Das Blut der roten Python“. Für einen Hammerfilm ist das Ergebnis jedoch extremst wild und wüst ausgefallen. Gedreht wurde vor Ort in Hongkong, und da hielt man sich in vielerlei Hinsicht an das Motto „andere Länder, andere Sitten“. Nicht nur die Kampfmethode der Vampire steht für eine andere Art Gefahr, auch ist sich Van Helsing nicht sicher welche Tötungsmethoden in einer solch anderen Kultur notwendig sind.

Und er soll mit seinen Zweifeln recht behalten, kann Feuer dem Vampir doch diesmal schaden, und eine Buddha-Figur ersetzt das in Großbritannien so wirksame Kreuz, wird aber weniger angewendet, da es nicht so handlich wie das Symbol der Christen ist. Interessant ist, dass inmitten der asiatischen Regeln und des hier regierenden Chaos‘ Peter Cushing eine gute Figur macht. Er sorgt nicht nur für das nötige Niveau des Streifens, er fällt auch in Kampfsequenzen nicht all zu stark zurück. Zudem wird er nicht zu einer Randfigur, die an alte Werke erinnern soll, sondern er wird würdig in die Story als eine der Hauptfiguren integriert. Man sieht Cushing nicht an was er von dem Treiben hält. Gekonnt spielt er wie in jedem Hammer-Produkt mit dem nötigen Ernst und der nötigen Würde.

Der Sohn Van Helsings, der seinem Vater zur Seite steht, kann mit seinem langhaarigen 70er Jahre-Stil Peter Cushing nicht unterstützen. Er dient ohnehin nur als Love Interest einer Asiatin, sieht in seinen schlimmsten Momenten jedoch wie Ilja Richter aus, was nicht ganz zur Rolle passen will. Auch an den asiatischen Dracula muss man sich erst einmal gewöhnen. Warum auch er, kaum im Körper eines Asiaten gelandet, deren Bräuche übernimmt weiß der Geier, aber wer hinterfragt das schon bei einem solch banalen Werk wie „7 Brothers of Dracula“ (Alternativtitel), in dem sich zum Thema Dracula einfach auf Hongkong-Action-Art ausgetobt wird?

Positiv fallen als Horror-Zusatzelement die Knochenmänner auf, welche Helfer, bzw. Sklaven der Vampire sind und nicht nur Zombie-ähnlich aussehen, sie entsteigen auch dem Erdboden wie es Zombies tun. Das verleiht „The Last Warning“ (Alternativtitel) einen gewissen Touch, eine zusätzliche Stärke, und solche Quantitäten benötigt der Streifen bei seinem dünnen Plot dringend. Dementsprechend ist man auch froh um jeden Sehwert, mögen es die Monster sein, die Fledermäuse, die Nacktaufnahmen oder manch härtere Gore-Szenen. Irgendwie hält sich „Dracula and the Seven Golden Vampires“ (Alternativtitel) wacker über Wasser. Damit gehört er zwar bei weitem nicht zu den besten Teilen der Reihe, der ungewöhnlichste ist er jedoch auf jeden Fall geworden.  OFDb

23.01.2017

Gastkommentar: DR. LAMB (1992)


Autor: Frau Vulkan

Bei dem Begriff CAT III, stellvertretend für Filme die beim Ratingsystem in Hong Kong keine Jugendfreigabe bekamen, horchen viele Fans von Extremkost auf. Manche halten es gar für eine Garantie dafür außergewöhnlich Hartes oder zumindest Außergewöhnliches geboten zu bekommen. Natürlich bekamen tatsächlich sehr interessante („Story Of Ricky“), besonders harte („Guinea Pig: Flowers Of Flesh And Blood“), richtig verrückte („Chinese Torture Chamber Story“) und auch Filme mit wirklich großartigen Stories („Dumplings“) dieses Siegel. Trotzdem ist es immer noch nur eine Freigabeart des asiatischen FSK-Äquivalentes. Man kann sich davon eigentlich weder vom Kauf abschrecken, noch dazu animieren lassen.

„Dr. Lamb“ ist ein Werk von und mit Danny Lee, der wenige Jahre später mit seinem brillanten „The Untold Story“ berechtigt zu Ruhm kommen sollte. Hier übernahm der einigen vielleicht von „Red To Kill“ bekannte Billy Tang die Regie zusammen an seiner Seite.  Die Story ist schnell erzählt. In einem Fotolgeschäft in Hong Kong tauchen Bilder von nackten, toten Frauen auf, offenbar wurden sie ermordet. Die Spur führt die Polizei zu dem jungen Hobbyfotografen Lam Gor-Yue (Simon Yam) und seiner Familie. Inspektor Lee (Danny Lee) ist von der Schuld Lams derart überzeugt, dass er und sein Team nicht nur herkömmliche Verhörmethoden anwenden, um an ein Geständnis zu kommen. Schließlich gilt es auch einige unaufgeklärte Vermisstenfälle von jungen Frauen in den letzten Jahren endlich abgeschlossen zu den Akten legen zu können...

Anfangs wirkt „Dr. Lamb“ allenfalls wie eine „Tatort“-Folge aus Hong Kong. Durch die lustlose Polizei, die auch mal gerne im Auto Karten spielt, um die Zeit bis Feierabend herum zu bekommen, wirkt das Ganze manchmal gewollt bis unfreiwillig komisch. Letzteres vor allem, wenn die Ermittler Lam mit Hammer, Telefonbuch und Knüppel prügeln, und dieser regungslos sitzen bleibt und kein Wort verliert. Das wirkt auf beiden Seiten übertrieben, und man kann nur darüber schmunzeln, wie die Beamten den Fall um jeden Preis und schnellstmöglich abschließen wollen, um sich wieder „wichtigeren“ Dingen wie dem Pokern widmen zu können. Auch die Reaktionen auf manche Nacktfotos sorgen für leicht alberne Lacher.

Dann aber dreht sich der Film, und es wird atmosphärisch düster, allerdings, das vorweg, leider nicht besonders spannend. Nachdem der Fall vor Mitte des Films geklärt ist, und zwar genau so wie der Zuschauer es sich ungefähr seit der 5. Minute schon denken konnte, gibt es nur noch detailierte Rückblenden auf die scheußlichen Taten des schuldigen Fotofetischisten. Von den Effekten her ist das grundsolide - sie halten sich aber von der Anzahl her in Grenzen. Es werden zwar einige wenige Tabus gebrochen, allerdings dürften diese heutzutage nur Horror-Anfänger noch von den Socken hauen. Alte Hasen können selbst die Tabubrüche vorhersehen, wie auch leider den Rest des Films. Bis zum Ende gibt es nicht eine einzige Überraschung.

Zudem besteht „Dr. Lamb“ von vorneherein mehr aus Längen als aus interessanten Momenten, was dazu führen kann, dass man ab der Mitte gelangweilt im Sessel sitzt und nur auf den nächsten Effekt wartet, weil die Story leider nicht sonderlich fesseln kann. Zu Gute halten kann man zwar die durchgehend unbequeme Atmosphäre, sowie in der letzten Hälfte auch die Glaubwürdigkeit der Story; jedoch reicht dies nicht dafür aus, dass ich hier eine Empfehlung aussprechen würde. Die Opfer und Nebencharaktere, selbst die Hauptrollen sind eher flach gezeichnet, so dass „Dr. Lamb“ keine nennenswerten Emotionen in mir hervorrufen konnte. CAT III Komplettisten wird dies wahrscheinlich dennoch nicht abschrecken, allerdings sei somit abschließend gesagt, dass es sich hier weder um ein Effektspektakel sondersgleichen noch um eine außergewöhnliche Geschichte, noch um fantastische Schauspieler oder sonstige Innovationen handelt. 

Autor: Frau Vulkan  OFDb

18.03.2013

INVASION AUS DEM INNERN DER ERDE (1975)

Eine böse Hexe, die Herrscherin einer uns bislang unbekannten Welt unter der Erde, beschließt die Oberwelt anzugreifen. An ihrer Seite Kämpfen Monster verschiedenster Art. Für die Menschheit gibt es nur eine Rettung: den Infra-Superman...
 
Wie ich zu meinem Gehirnschaden samt Augenkrebs kam...
 
Der ferne Osten! Keiner außer Hongkong und Japan hat es so drauf einem einen grellen, kunterbunten Monsternonsens um die Ohren zu hauen bis zur völligen Gehirnverstrahlung. Wer schon die Kämpfe „Godzilla“s gegen seine Gegner für besonders kaputt hält, kennt den wahren Nonsens noch nicht, der uns u.a. in Form von „Invasion aus dem Innern der Erde“ präsentiert wird.

Alles ist gewollt billig, schräg und schrottig. Ein Rezept, das auf seine Art, wie hier präsentiert, sogar funktioniert, wenn auch nur für jene, die sich diesem Unsinn auch bereitwillig hergeben. Ich könnte es niemandem verübeln diesen Film Scheiße zu finden, immerhin gibt es wesentlich erträglicheren Trash, aber dieses Werk hat seinen ganz eigenen Reiz.

So ist es z.B. interessant zu sehen, dass zwar kaum Geld für die Produktion vorhanden war, man sich aber ordentlich Mühe gab, die billigen Tricks, die man anwenden konnte, gut wirken zu lassen. Ob das die graphischen Tricks sind, während der Herstellung des Superhelden, ob es die trashig blinkenden Apparaturen sind, die pappigen Settings oder das beste von allem: die liebevoll schundigen Kostüme. Die Monster sehen alle sympathisch aus, sind kunterbunt gewählt, von einer Spinne über einen „Octaman“-Klon bis hin zu einem Double des Tazmanischen Teufels ist allerhand phantasievolles Viechzeug dabei. Die Schauspieler laufen in diesen Kostümen herum als wäre Karneval, hüpfen und agieren anderweitig überdreht und prügeln aufeinander ein als befänden sie sich in der ollen TV-„Batman“-Serie.

Der Held ist optisch eine Art „Power Ranger“, kein helles Bürschchen, dafür ausgestattet mit allerhand Gimmicks. Um sie zu aktivieren muss er sie zuvor laut ausrufen, da fehlte lediglich nur noch die „Go-Go-Gadgeto“-Vorsilbe, um „Inspektor Gadget“ die Hand zu reichen.

Die Charaktere, Situationen und die komplette Story sind völlig bescheuert und an den Haaren herbeigezogen. Die Anführerin der Bösewichter, die Herrin der Unterwelt, sieht aus wie aus einem „Supermeier“-Comic entlaufen und verkörpert jedes Klischee der mächtigen Überfrau. Der Superheld wird der Gefahr wegen entwickelt, scheinbar wäre seine Erschaffung schon längst möglich gewesen. Und sein Anzug, der unzerstörbar ist, wurde zuvor auch nie gebraucht, nicht einmal in völlig anderen Anwendungsgebieten. Alles fern der Realität, aber besonders nah am comicartigen, geistfreien Geschehen, wie man es bei Filmen dieser Art sichten will.

Ich will auch gar nicht so viele Worte verlieren. Ich bin schließlich nicht so der große Asia-Experte und kann nicht viel vergleichen. Für mich als Trashfan war „Invasion aus dem Innern der Erde“ aber auf jeden Fall ein Heidenspaß, mit einem Berg an Unlogiken, die man den Machern allerdings nie ernsthaft vorwerfen würde. Diese wussten ja was für einen Mist sie produzieren. Freunde schräger Unterhaltung sollten unbedingt reinschalten, sie werden nicht enttäuscht. Filmfreunde, die bereits bei Helge Schneider, "Godzilla", "Toys", oder "Im Himmel ist die Hölle los" so ihre Probleme mit schrillen und bunten Elementen hatten, sollten einen weiten Bogen um Shans Werk machen. Selbst diese Vergleiche befinden sich nicht annähernd in der Nähe dieses Komplett-Trashs. Dieser Film ist stark verstrahlt und so knallbunt wie die üblen Computerspiele von Taito.  OFDb

26.01.2013

DER KOLOSS VON KONGA (1977)

Johnny Fang nimmt an einer Expedition im Himalaya teil, die sich mit der Suche nach einem Riesenaffen beschäftigt. Als die Suche beendet wird, bleibt Fang vor Ort. Es dauert nicht lang, und er entdeckt den gesuchten Koloss. Dieser ist befreundet mit einer blonden Dschungelschönheit, in die er sich prompt verliebt...

Ein Affentheater in der zweiten Reihe... 
 
Da denkt man, man schaut sich einen kleinen „King Kong“-Klon im trashigen asiatischen Stil an, da findet man sich stattdessen in einem Film wieder, der zwar Trash in Reinform ist, aber auf eine völlig andere und unangenehme Art. Zu Beginn ist die Welt noch in Ordnung. Dem Zuschauer wird recht schnell geboten was er sehen will. Über einen Rückblick werden erste Bilder des übergroßen Affen gezeigt, man darf sehen, wie er alles niedertrampelt und Menschen durch sein Wüten zur Flucht animiert. Und man darf das ganze so herrlich schlecht umgesetzt sehen, dass sich Freunde filmischen Mülls heimisch fühlen. Aufnahmen vor Leinwänden drängen sich ebenso offensichtlich auf, wie Miniaturbauten. Die Kamera wurde für solche Spezialeffekte nie richtig eingesetzt, so dass man im fertigen Film alles als das sieht, was es auch wirklich war.

Man machte sich auch in anderen Bereichen erst gar keine große Mühe. Da werden Menschen gezeigt, die vor der Bestie flüchten, und der Primate trampelt auf den Modellbauten herum, die eine menschenleere Gegend zeigen. In der nächsten Nahaufnahme ist der selbe Ort wieder bevölkert von ängstlichen Flüchtenden. Herrlich! Deswegen habe ich eingeschaltet. Einen solchen Unsinn wollte ich sehen.

Dann geht es zunächst einmal positiv trashig weiter. Es wird eine Expedition gestartet, man wird von etlichen Tieren angegriffen, wobei die Attacke einer Horde von Elefanten den Höhepunkt bietet. Da werden die Rüsseltiere mal eben mit stinknormalen Gewehren erledigt, als hätten sie Haut dünn wie Papier (oder waren sie geladen mit den Copkillern aus „Leathel Weapon 3“?).

Als endlich Ruhe aufkommt wird es noch lustiger. Es findet ein Männergespräch statt, mit Texten die an Männlichkeit nicht zu überbieten sind. Und wieder dürfen wir einen Rückblick sichten, diesmal einen höchst dramatischen mit einer Fremdgängerfrau, ihrem Liebhaber der sich idiotischer nicht rausreden könnte, einem Proll mit gebrochenem Herzen, welcher der untreuen Nuss die gerade frisch mitgebrachten Blumen vor die Oberweite wirft, alles eingefangen mit einem aufdringlichen Weichzeichner. Und wenn diese höchst unfreiwillig komische Erzählung vorbei ist, bekommt der „arme“ Teufel von einem seiner Begleiter noch einen Klischee-Prollspruch vor den Latz geknallt, wie er klassischer und blöder nicht sein kann.

Ziemlich genau zu diesem Zeitpunkt hört der positive Teil von „Der Koloss von Konga“ auf (der Titel bezieht sich übrigens auf die Namensgebung der Einheimischen für den Riesenaffen, die laut Rückblick-Offkommentar, trotz ihres reißerischen Klangs, ehrfürchtig (!!!) gemeint ist). Was von nun an passiert, ist zwar ebenso talentfrei, schundig und blöde wie das was es zuvor zu sichten gab, nervt aber nun nur noch.

Im Vorspann durfte man bereits einen weniger asiatisch klingenden weiblichen Namen lesen, und dieser wird für den Zuschauer nun zu Fleisch, präsentiert als blonder, weiblicher Tarzan. Sie kann mit Tieren kommunizieren, ist mit dem Riesenaffen befreundet, der nun zunächst nur noch selten, dafür aber treublöd als Affenkumpel, auftauchen darf. Sie beherrscht zunächst kein Wort der zivilisierten Sprache, im Minutentakt wird ihr Vokabular aber dann doch urplötzlich immer umfangreicher. Natürlich verliebt sie sich in den Helden und er sich in sie. Man erfährt etwas über ihre Vergangenheit und erlebt in einem erneuten Rückblick einen völlig schlecht getricksten Flugzeugabsturz.

In den meisten Sequenzen, seit Erscheinen der Frau, wird man mit übelster Kitschmusik gefoltert. Etwas Action kommt plötzlich durch die Begegnung mit einer Schlange auf. Mit jedem Tier kann Blondie kommunizieren, nur die Schlange darf wieder als klassischer Bösewicht herhalten und wirkt dabei natürlich in keinster Weise bedrohlich, immerhin durften wir zuvor Raubkatzen, den Riesenaffen und eine Horde Elefanten erleben, die alle wesentlich furchterregender waren. Keine psychologisch clevere Reihenfolge!

Nun wird Mrs. Tarzan von der Schlange in den Oberschenkel gebissen, unser Held saugt ihr das Gift heraus, sie wird bettlegrig und wird erst einmal in ihr Höhlen-Zuhause gebracht, obwohl ihr da theoretisch nicht viel mehr geholfen werden kann, als vor Ort des Unfalles. Aber falsch gedacht! Ich bin halt nur ein armer, irrer Zivilist, der nichts von den Geheimnissen des Dschungels versteht. Denn kaum liegt das Weib schwächelnd zu Hause, da taucht auch schon der olle „Koloss von Konga“ auf und hat ihr auch gleich die nötige Dschungelmedizin als guter Freund gepflückt.

Endlich geheilt springt die Blonde von ihrem Bettchen auf, als wäre sie nie krank gewesen, um sich in der nächsten Kameraeinstellung sichtlich geschwächt zu unserem Helden vorzuarbeiten. Dort kommt es dann zum ersten Kuss zwischen den beiden. Endlich hat der Kerl eine Liebe, die ihn nicht betrügen wird. Andererseits ist der einzige Kandidat, der dafür in Frage käme, unser Konga, und das dürfte eine zu schmerzliche Beischlaferfahrung sein, um diesen Versuch auch wirklich zu wagen.

Auch wenn vieles hiervon witzig klingt, es ist alles lediglich enorm kitschig umgesetzt (sogar die Medikamentenvergabe des Affen), mit Weichspülermusik untermalt und Meilen weit vom Affenterror entfernt, den man sich eigentlich gewünscht hat. Nach seinen ersten geschätzten, lustigen 20 Minuten ist „Der Koloss von Konga“ nur noch eine unerträgliche Tortur, die einfach keinen Spaß mehr machen will.

„King Kong“ trifft auf „Tarzan“ trifft auf David Hamilton, trifft auf Asiakitsch! Da kann ich drauf verzichten. Diesen Film habe ich nicht bis zum Schluss ausgehalten, und ich werde ihm wohl auch keine zweite Chance geben. Was sollte sich beim zweiten Gucken auch schon groß ändern? Klar, ich habe mit einem schundigen Affenhorror gerechnet, aber selbst wenn ich nun realistischer herangehen würde, eingestellt auf eine trashig kitische Tarzan-Lovestory mit Riesenaffe im Gepäck, würde mir diese Art Schund trotzdem nicht gefallen.  OFDb

26.12.2012

KUNG FU ZOMBIE (1981)

Der Geist eines Gangsterbosses weicht einem Magier nicht von der Seite, da dieser schuld an seinem Tod ist und ihm nun einen toten Körper suchen soll, in dem er wieder leben kann. Versehentlich erwecken die beiden beim Versuch des Körperübernehmens einen mächtigen Vampir, der es auf einen jungen Kung Fu-Kämpfer und dessen Vater abgesehen hat, da deren Vorfahren im Krieg mit seinen lagen. Als der Vater des Kung Fu-Kämpfers stirbt und der Verbrecherboss dessen Körper übernehmen will, läuft während der schwarzen Zeremonie etwas falsch, und der Verbrecherboss, halb Geist, halb Mensch, sinnt Rache am Zauberer und den anderen Schuldigen der fatalen Situation. Dass der Gauner nun im Körper des verstorbenen Vaters des Helden umherläuft, sorgt nun endgültig für Verwirrung...

Gehirn! Gehirn! Schenkt dem Filmteam Hirn...
 
Als Freund von Trash stößt man hin und wieder auf Filme, die eine harte Prüfung sind. „Kung Fu Zombie“ ist so schlecht, dass man glaubt Hirnkrebs zu bekommen. Abwenden möchte man sich andererseits auch nicht, dafür ist der Streifen wieder zu ungewöhnlich. Es ähnelt einer bescheuerten Mutprobe diesen Film zu Ende zu gucken, und ich habe sie bestanden. Darf ich nun stolz sein?

Italien hatte seine Bud Spencer-Filme, in denen Komödie mit Prügelei gemixt wurde, Hongkong hatte seine Kung Fu-Spaßfilme. Beide Varianten waren mit unterschiedlicher Qualität gesegnet, ein Bud Spencer-Film ging aber nie derart bergab, wie dieser Müllfilm. Der Humor des Werkes von Hwa I-Hung geht in eine andere Richtung. Auch hier kann man wieder auf Italien schielen, erinnert der derbe Klamauk doch arg an den Schund der „Flotten Teens“-Reihe und vergleichbarem Geblödel.

In solchen Filmen wird nicht überlegt was witzig ist, sondern man inszeniert alles so derbe, übertrieben und laut, in der Hoffnung nun eine Komödie fertiggestellt zu haben. Hier reihen sich Zoten an Zoten, niemand schämt sich für irgendetwas, dabei gäbe es dafür allen Grund, so peinlich wie der komplette Inhalt gestaltet wird. Dass inmitten infantilem Geblödels auch einmal ein Lacher zu ernten ist, ist nichts ungewöhnliches. Das selbe Ergebnis hat man auch, wenn man lange genug Spaßbremse Fips Asmussen hört. Retten kann das ein Werk jedoch nicht.

„Kung Fu Zombie“ ist schon etwas ungewöhnlich. Er nervt, ist aber kurzweilig und kurz genug, um ihn bis zum Schluss zu schauen. Die Story ist völlig banal, aber man folgt ihr. Der Klamauk ist derbe, aber mit seltenen Glücksgriffen gesegnet. Der Film ist scheiße, aber zu ertragen. Zwar ist er unfreiwillig komischer Trash, weiß aber nicht wirklich zu belustigen, um geschmacksgestörten Individuen wie mir einen unterhaltsamen Abend zu bescheren. Auf der einen Seite will ich sagen: Das muss man selbst gesehen haben! Auf der anderen Seite will ich sagen: Lasst bloß die Finger weg!

„Kung Fu Zombie“ ist ein besonders lauter Film. Das mag in der von mir geguckten deutschen Version eine Spur extremer sein, als im Original, wundern würde es mich zumindest nicht. Denn wir Deutschen haben an dem Film fleißig herumgepfuscht. Da wird dreist Musik von James Bond geklaut, die Synchronisation ist schlecht (wenn auch nicht auf unterstem Niveau, es gibt immerhin bekannte Stimmen), nichtgesprochene Szenen outen sich stets als Originalton, da der Unterschied unüberhörbar ist, und bei all den vielen Storyelementen, auf die nicht mehr eingegangen wird und die sprunghafte Veränderungen erleben, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass hier für den europäischen, oder zumindest für den deutschen, Markt ordentlich herumgeschnipselt wurde. Wer weiß wie lange der Film im Original geht, es dürfte ein gehöriges Stück mehr sein.

In seinen Kampfszenen ist der Spaß-Horror am erträglichsten. Und das schreibe ich als jemand, der mit Handkantenfilmen recht wenig am Hut hat. Die Story um diese putzig zu guckenden Kämpfe ist wirr und banal zugleich, mixt asiatische Mystik mit lebenden Toten, einem Geist und einem Vampir. Die im Titel so dominanten Zombies sind eigentlich Nebensache. Wer sich da etwas passenderes gewünscht hat, sollte zu „Tokyo Zombie“ greifen, obwohl dieser auch nicht sonderlich gut ist.

Ich habe zumindest nun nur noch einen weichen Brei dort, wo einst ein Gehirn mit funktionierenden grauen Zellen war. Bei so viel debiler Hektik, kindischem Klamauk und bei so schnellen Schnitten und so vielen Zeitraffer-Szenen, dürften nur die widerstandsfähigsten Gehirne überleben. Spaßig ist das Endergebnis nicht, interessant, da faszinierend, aber doch wieder. Wer Spaß-Kung Fu mag sollte lieber zu den „Knochenbrecher“-Filmen greifen. Was an „Kung Fu Zombie“ eine FSK ab 18 rechtfertigt, weiß ich übrigens auch nicht.  OFDb

23.12.2012

THE EYE - MIT DEN AUGEN EINER TOTEN (2002)

Mun ist seit Kinderzeiten blind. Nun nach einer neuartigen Operation kann sie wieder sehen. Doch das neue Transplantat hat es in sich, denn von nun an kann Mun auch Geister sehen...

Dann lieber ein Schwarzseher sein...
 
Ein großer Wurf ist den Pang-Brüdern mit „The Eye“ nun nicht gelungen. Dafür folgen sie viel zu treu der Erfolgswelle von „Ju-on“ und „Ring“, und das auch noch zu einem Thema, das in seiner Art auch nicht unbedingt neu ist. Es gab also keine großen Innovationen, und das muss in einem Geisterfilm auch nicht unbedingt sein. Immerhin bietet die Story einen netten Aufhänger und erntet gerade aus der Idee, dass die Protagonistin früher blind war, jede Menge netter amateurpsychologischer Ideen.

Zunächst dümpelt der Film ein wenig vor sich hin. Er lässt sich Zeit zu erzählen, was zunächst geschah und stellt die Personen vor. Dennoch steigt „The Eye“ recht früh ins tatsächliche Geschehen ein, halt nur recht ruhig und leider noch ohne wirksamen Spannungsaufbau. Obwohl der Charakter der Hauptfigur recht oberflächlich behandelt wird, kommt eine gute Identifikation mit ihr auf, immerhin wird recht sensibel auf den jeweiligen Zustand der Frau eingegangen, was ihr Gefühlsleben stets nachvollziehbar sein lässt.

Nach einiger Zeit wird der Film auch spannend, bietet auch einige wenige Schockmomente, will diese aber nicht zum Hauptbestandteil werden lassen. In der ersten langen Phase nutzte man viel mehr das Spiel der Möglichkeiten, wo unsere Heldin überall auf Geister stoßen kann und erweitert diese Idee mit der Erkenntnis darüber, wie schwer die Untoten zu ignorieren sind. Der „mein Stuhl“-Geist, der Tote im Fahrstuhl, das sind nur zwei Beispiele einer wirklich netten Idee, die man konsequent verfolgte.

Einen psychologischen Trumpf bietet der Film in jener Szene, in der sich die Hauptperson auf einem Foto nicht erkennt. Dies ändert die Sichtweise, und man ist gewarnt mit allem rechnen zu müssen, was diese in einer U-Bahn spielenden Situation zu einem der besten Momente des Filmes macht.

Kurz nach dieser Szene kippt der Film allerdings um. Von nun an geht es a la „Ring“ darum den Spukhintergrund zu erfahren und den Spuren des Geistes zu folgen. Hier wird „The Eye“ nun viel zu routiniert. Aus einem halbwegs spannenden Film wird für meinen Geschmack etwas zu viel Fantasy-Kitsch. Es würde mich gar nicht wundern, wenn das weibliche Publikum im Durchschnitt mehr von diesem Werk angetan ist als das männliche.

Spannung muss der Dramatik weichen, generell nicht verkehrt, aber die Dramatik wirkt zu märchenhaft. Mag sein, dass dies auch kulturell bedingt ist, und Menschen aus Hongkong das höchst nachvollziehbar finden, als Europäer ging es mir jedoch nicht so. Richtig schlecht wird der Film in diesem letzten Drittel nicht, er wird nur eine Spur zu banal.

Immerhin weiß „The Eye“ nach dem zunächst vermuteten Schluss erneut zu punkten. Hier erwacht die Protagonistin nun in einem Bus, der Beginn einer sehr atmosphärischen Szene. Die Optik ist nicht ganz unschuldig an dieser gelungenen Atmosphäre, aber das ist ohnehin ein Lob, das für den ganzen Film gilt. Die Kamera fängt dauerhaft tolle Bilder ein und lässt den Film phasenweise sogar zu einem kleinen Kunstwerk werden. Diese Wirkung wird manchmal auf recht simplen Weg erzielt, beispielsweise in der besagten Bus-Szene, wenn durchsichtigen Personen sich dort auf der Straße positionieren, wo sie die zukünftigen Opfer empfangen. Das ist kein großer Spezialeffekt, aber ein wirksamer. Und darauf kommt es letztendlich an.

„The Eye“ kann man durchaus gucken, so als kleiner Grusler zwischendurch, man sollte allerdings keinen Meilenstein erwarten. Im Prinzip ist die Geschichte dafür zu überraschungsarm und konzentriert sich zu sehr auf gewohnte Elemente. Man guckte von seinen Vorgängern allerdings gekonnt ab, was heißen soll, dass man wusste diesen Klau auch atmosphärisch richtig umzusetzen. Belohnt wird man für seine Genretreue mit teilweise künstlerisch wertvollen Bildern und einer Hauptfigur mit Seele.

Wenn unsere Heldin ihr Zimmer dunkel macht und sich die Sonnenbrille aufsetzt, weil sie endlich wieder blind sein will, ist das ein emotional starker Moment, so konstruiert er auch sein mag. Mit dem Abrutschen auf Fantasy-Kitsch wird die Gesamtatmosphäre leider etwas zerstört, so dass das Ergebnis nicht mehr als sympathische Routine geworden ist. Aber das ist ja auch mal okay.  OFDb

16.10.2012

A CHINESE GHOST STORY (1987)

Ning Tsai-Shen ist ein Tolpatsch und damit in seiner Tätigkeit als Geldeintreiber ziemlich ungeeignet. Als er im Job erfolglos in einem fremden Ort eine Schlafgelegenheit sucht, beschließt er an einem Tempel zu nächtigen, vor dem ihn jeder warnt. Angeblich soll es dort spuken, doch stattdessen trifft der junge Mann dort die Liebe seines Lebens. Dass die Frau namens Nieh sich recht merkwürdig benimmt, erklärt sich durch die Tatsache, dass sie tot ist. Ning Tsai-Shen ist sich dessen nicht bewusst und sieht seine Herzensdame in Gefahr durch einen alten Mann, der sich dem Kampf der Untoten verschrieben hat. Nieh hat jedoch ganz andere Probleme, soll sie in drei Tagen doch den dunklen Fürsten heiraten...

A Chinese Romantic Comedy Story...
 
Den Mix aus Horror und Komödie gab es schon seit frühen Filmzeiten, aber selten war er im Kino beliebter und öfter angewendet als in den 80er Jahren. Da vereinten sich Teenie-Komödien mit dem Horrorfilm wie in „Teen Wolf“, „Liebe mit Biss“ und „C.H.U.D. 2“ und verstärkten sich auf den Komödien-Bereich. Umgekehrt gab es Beiträge mit Schwerpunkt Horror, die dennoch genug Platz zum lachen und schmunzeln boten wie „Return Of The Living Dead“, „Fright Night“ und „House“.

Wo sich „A Chinese Ghost Story“, ein Hongkong-Beitrag dieses Genre-Cocktails, ansiedeln lässt, ist schwer zu sagen, wendet er sich doch auch eher verstärkt dem Komödien-Bereich zu, arbeitet den Horror-Bereich aber auf Fantasy-Art ab. Da gibt es zwar wilde Kreaturen in putziger Stop Motion-Technik, attackierende Riesenzungen und Gespenster, aber der Romantik-Aspekt der Geschichte hat stets Vorrang und vertreibt so ziemlich jeden Grusel-Moment, den die Komik noch nicht vernichtet hat.

Regisseur Ching Siu-Tung, der schon in seinem zweiten Film „Witch From Nepal“ einen übernatürlichen Stoff umsetzte, gelingt damit ein ungewöhnlicher Mix verschiedenster Filmgattungen, wie sie Amerika mit seinem Standard-Verfahren nie von alleine ausprobiert hätte. Dennoch zeigt sich, wahrscheinlich als Zeichen der Zeit, Verwandtschaft zu US-Produktionen, die zur selben Zeit erschienen sind. In seiner Erzählart, in welcher der Zuschauer jederzeit mit allem rechnen muss, erinnert der Streifen stark an dem im selben Jahr erschienenden „Tanz der Teufel 2“. Auch „House“ nutzte diese Erzählform für eine Horror-Komödie und weist zusätzliche Parallelen auf, wenn der Protagonist zum Erreichen seines Zieles ebenfalls in die Jenseitswelt hinabsteigen muss. Dieser Steve Miner-Film erschien ein Jahr vor „Chinese Ghost Story“.

Und doch sind sich „House“ und „Tanz der Teufel 2“ wesentlich ähnlicher als Ching Siu-Tungs Film. Dass seine Geschichte eher anderen Schwerpunkten folgt, ist sicherlich kulturell bedingt, der klamaukige Humor ist es jedoch auf jeden Fall. Hier bietet der Regisseur nun etwas, das nur die wenigsten Klamauk-Filme wie „Didi - Der Doppelgänger“ oder „Der große Diktator“ zu bieten haben: Der Extrem-Humor vertreibt nicht den Anspruch. Immer wieder lässt Siu-Tsung Tiefe in seiner Geschichte aufblitzen, verfolgt diese zu Komödien-Zwecken jedoch nie zu lang, lässt dadurch aber dennoch ein Niveau entstehen, welches man zu schätzen weiß.
 
So ist die Idee eines Mannes, der sich unter Menschen als Geist und unter Geistern als Mensch fühlt, eine interessante Charakter-Vertiefung, die der Regisseur humoristisch perfekt zu platzieren versteht, wenn dem alten Mann diese emotionale Beichte dann über die Lippen kommt, wenn Ning ihn ehrfürchtig um Hilfe bittet. Auch die Verstrickung der ganz persönlichen Probleme von Nieh distanzieren sich vom üblichen Spuk, gibt man der Geisterwelt damit doch eine eigene Kultur und damit mehr Hintergrund und Tiefe.

Das meiste Geschick beweist der Regisseur jedoch im Timing für Sprüche, Gags und Pointen, wie das eben erwähnte Beispiel bereits verriet. Damit schafft er es einen über recht simple Witzchen schmunzeln zu lassen, Klischees werden zu einer nützlichen Zutat und die Romantik wird nie zu kitschig. Im Gegenteil, die reißt einen sogar mit, spätestens wenn es zu einem Kuss aus Verzweiflung unter Wasser kommt.

Dass die Komik und anderweitige Emotionen nicht ins Leere treffen, verdankt der Film meiner Meinung weniger seiner abenteuerlichen Geschichte voller Überraschungen und Wendungen, sondern viel mehr seinem Respekt vor den Figuren, denen allen ein individueller Touch beschert wird. Jede Figur hat ihren eigenen Charakter, der nicht nur oberflächlich abgehandelt wird und in seiner Einzigartigkeit auch jeweils völlig andere Humorschwerpunkte geschenkt bekommt. Ein solches Rezept weiß zwischen den Zeilen zu wirken und kommt nun noch durch den Umstand einer interessanten Geschichte zur vollen Blüte.

Nichtsdestotrotz hatte ich manches Mal Probleme mit der übertriebenen Asia-Komik und den heute eher aus dem Anime-Sektor bekannten Kampfszenen, in welchen Sprünge in die Luft eine merkwürdige Vertonung erhalten. Doch solche Mängel sind eher persönlicher Natur, manch anderer wird damit sicherlich keine Probleme haben. Ansonsten gibt es über den Film, von dem der selbe Regisseur noch zwei Fortsetzungen nach schob, wirklich nichts zu meckern.  OFDb