In seiner etwas arg anbiedernden, moralischen Art mag "Bruce Allmächtig" nicht zu den großen Komödien Jim Carreys gehören, mit etwas Wohlwollen betrachtet und freilich dem Akzeptieren des göttlichen Glaubens in diesem Film kann der Streifen aber durchaus Kurzweile bereiten, so gut aufgelegt wie hier jeder Beteiligte zu Werke geht, um einem Stück Routine einen halbwegs besonderen Anstrich zu verleihen. Steve Carrell darf für einen Moment in direkter Konkurrenz zum Star Grimassen schneiden (und übernahm vier Jahre später in der Fortsetzung "Evan Allmächtig" die Hauptrolle), kleine individuelle Witzchen reihen sich zu den naheliegenden der Ausgangsidee hinzu, Spezialeffekte sind förderlich für die Geschichte eingebracht, und die Moral kommt herzensnah daher, anstatt einzig nervig. Carrey beherrscht die Balance aus Herumgekasper und Dramaturgie besser als in "Der Dummschwätzer", der inhaltlich unter ähnlichen Mainstream-Problemen leidete. Das hilft dem Gesamtergebnis trotz schwächerer Pointen als im Vergleichsfilm ein akzeptables Ergebnis zu erzielen. Man genießt Carrey in der Egophase, schmunzelt über die Konsequenzen seines Tuns und wünscht ihm trotzdem ein Happy End, eben weil, typisch Mainstream, nie etwas zu bösartig stattfindet, als dass es dem Feel Good-Movie-Prinzip schaden könnte. Das wird manchem zu weichgespült erscheinen, zu zahm umgesetzt, schlichtweg zu sehr die Standardformel derartiger Werke anwendend, aber für ein moralisches Stück Routine geht "Bruce Almighty" (Originaltitel) gerade so in Ordnung, weder den Gläubigen, noch den Ungläubigen verletzend, sondern stets darum bedacht darin möglichst vielen Freude zu bereiten. Hätte die Geschichte Potential zu mehr gehabt? Selbstverständlich, sogar mit einem schwächeren Mimen an Bord, dementsprechend braucht es nicht verwundern, dass ich "Bruce Allmächtig" seinerzeit eher nicht überzeugend fand, als er frisch veröffentlicht wurde. Aber mit weit weniger strengem Blick und wenig Erwartungen, wissen die harmlosen Späßchen in diesem Film mittlerweile auch mich zu erheitern. Als Zwischendurchverzehr an einem regnerischen Nachmittag reicht eine Fantasy-Komödie wie diese hier einfach mal aus. Wiki
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
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25.12.2023
08.07.2023
LEPRECHAUN (1993)
Michael und Jason hatten keine Chancen mehr an den Kinokassen, und selbst Sprücheklopfer Freddy Krueger wurde abgelöst von "Chucky - Die Mörderpuppe". Als diese trotz frecher Schnauze und erfolgreichen Einnahmen aufgrund äußerer Umstände nach Teil 3 zunächst nicht mehr fortgesetzt wurde, dachte sich irgendwer wohl es wäre an der Zeit die frei gewordene Nische mit einem anderen ätzenden Winzling, der den Menschen die Hölle heiß macht, zu besetzen, und so erschien 1993 "Leprechaun" auf der Bildfläche. Mag dieser auch nie die Popularität der breiten Masse erhascht haben, so brachte er es trotzdem bis 2018 auf sechs Fortsetzungen und einem Reboot. Warum dennoch nur der eingefleischte Genre-Freund von dem fiesen Kobold spricht, der sein Gold blutig zurück fordert, erklärt ein Blick auf den Film, der weit routinierter und unsinniger ausfällt, als all die eben genannte Konkurrenz.
Meiner Meinung nach kommt der Kobold bei weitem nicht so stilsicher daher, wie die Mörderprominenz des Horrorbereichs. Der Leprechaun, den Warwick Davis verkörpert, mutet oft eher peinlich und infantil an, anstatt scharfzüngig und schwarzhumorig verspielt. Das scheint zwar bis zu einem gewissen Grad gewollt zu sein, aber damit hat man letztendlich aufs falsche Pferd gesetzt, denn Regisseur Mark Jones versucht gleichzeitig Spannungsmomente, manchmal gar Gruselmomente, zu erzeugen, und das will so gar nicht funktionieren in dem nicht immer unterhaltungsarmen Kasperletheater. Zwar zügig erzählt, aber eben auch völlig unsinnig, sitzt "Leprechaun" zwischen den Stühlen, dürfte Minderjährige ab 12 mehr interessieren, als jeden über 21 und hat zudem damit zu kämpfen, dass auch die Figurenklischees zu wackelig angegangen wurden.
Was bei den aus "Die Nacht der Vogelscheuche" entliehenen Freunden aus Kind und geistig Minderbemittelter noch mit etwas Wohlwollen ganz gut harmoniert, will in der Kombination Teen-Girl und Muskelpaket nicht fruchten. Sie lässt sich stets seine arrogante Lehrerart gefallen, obwohl sie als oberflächliches Etepetetepüppchen kein Interesse an den einfachen Kerl vom Lande haben dürfte, Muskeln hin oder her. Doch ganz im Gegenteil dreht sie ihren Komplettcharakter auf links, um nicht als ängstlich und verwöhnt zu gelten (was sie eigentlich verinnerlicht verkörpert und nicht als Prozess der Selbstfindung vorschwindelt), was nicht der einzige psychologisch unsinnige Wechsel in den Bereichen Verhalten, Meinung, Wissensstand und Charakter im wirren Drehbuch bleiben soll.
Dieses ist letztendlich zu austauschbar und zu sehr auf den Erlebniseffekt ausgelegt, als dass "Leprechaun" beim Zielpublikum daran erheblich scheitern könnte, aber es zeigt wie viel weniger Ahnung die Verantwortlichen von Figurenentwicklungen, dem Prozess der Wahrnehmungsveränderung, sowie von Ursache und Wirkung besaßen, wo dies doch selbst die Autoren diverser Jason-Filme trotz simpelster Charakterzeichnungen in dünner Alibihandlung beherrschten. Wenn zu Humorzwecken nun noch gelegentlich die stets unangenehme Herangehensweise der Bildbeschleunigung angewendet wird, Figuren entscheidende Hinweise aufgrund hektisch eingehaltener Standardlaufzeit wie aus dem konstruierten Nichts erhalten, und der Kobold völlig frei seiner Mission Mätzchen mit einem Polizisten veranstaltet, um im zu braven Drehbuch, welches nicht zulässt dass lieb gewonnene Figuren (und welche die man als Autor dafür hält) über die Klinge springen dürfen, dennoch genug Opfer bieten zu können, dann gibt es an Entscheidungsfehlern zu viele im wackeligen Gesamtkonzept, um als angenehme, geistfreie Unterhaltung durchzugehen.
Zumindest ist der Film wie erwähnt flott erzählt, einige härtere Morde sind für diese Art familienfreundlichen Horror mit enthalten, "Leprechaun - Der Killerkobold" (Alternativtitel) kann sich also grob über Wasser halten, um nicht völlig enttäuschend unterzugehen. Aber das magere Ergebnis (und soviel sei verraten: es wird im Laufe der Reihe nicht besser) macht schon deutlich, warum eine hier noch unbekannte Jennifer Aniston in der Hauptrolle 2018 für "Leprechaun Returns", der alle Fortsetzungen nach Teil 1 ignorierte, nicht prominent zurückkehrte, wie es Jamie Lee Curtis in "Halloween H20" und "Halloween" tat. Das Produkt ist einfach zu arg zum Fremdschämen ausgefallen, als dass man dankbar als Wegbereiter einer Karriere drauf zurückblicken könnte. Und das schaffte selbst ein "Die Rückkehr der Killertomaten" bei George Clooney. Wiki
18.10.2019
LIEBE IN JEDER BEZIEHUNG (1998)
Man sieht der Geschichte schnell an, wie sehr sie schlicht die Kuh der verschiedenen emotionalen und sexuellen Bedürfnisse melken möchte, sich banal um verwöhnte Probleme einer Wohlstandsgesellschaft drehend, dabei Gefahr laufend nur dem eher denkfaulen Publikum gefallen zu können. Dennoch besitzt der Aufhänger seinen Reiz, also bekam "Liebe in jeder Beziehung" seine Chance, zumal er mit Jennifer Aniston und Paul Rudd sympathisch besetzt ist und nur wenige Jahre nach der sympathischen Welle an Romantik-Komödien a la "E-Mail für Dich", "In Sachen Liebe", "French Kiss", "Während Du schliefst" und Co entstanden ist. Leider gehört das Werk des Regisseurs Nicholas Hytner nicht mehr zu dieser Welle, sondern zu jener, die später mit Filmen wie "Wie werde ich ihn los - in 10 Tagen", "Zum Ausziehen verführt" und Co in zu banalem Weichspülen die funktionierende Romantikader, von der ein solcher Streifen lebt, verfehlt. Klischeebeladen plätschern solche Filme zu konstruiert vor sich hin, ein vorgelebtes Rezept erfüllend, ohne die Zutaten zu einem schmackhaften Ergebnis zu mixen. Heraus kommt ein Konstrukt, das unreflektiert und geistlos lediglich Wohlfühlfilm sein soll und sich keinem wahren gesellschaftlichen Wagnis stellt.
Das Zielpublikum mag vielleicht aus seinen Träumen gerissen werden, wenn Nina erkennen muss, dass sie George nicht heterosexuell umerziehen kann, mit solch naiven Augen mag sich "The Object of My Affection" (Originaltitel) noch halbwegs aufregend schauen, immerhin will man in diesem Zustand wissen ob Ninas Liebe eine Chance bekommt oder nicht. Der mitdenkende Zuschauer jedoch, der in der Hoffnung sich in romantische Träumereien entführen zu lassen, eingeschaltet hat, erlebt nur eine Ernüchterung aufgrund einer zu glatt gebügelten, zu brav gezeichneten und sich zu sehr ähnelnden Figurenkonstellation, welche mögliche aufwühlende Erlebnisse und die theoretisch vorhandenen Provokationen der Grundidee lediglich nur seicht dahin plätschernd erlebt. Geschwätzigkeit, sich fremd anfühlende Probleme und der Mangel an Charme und Sympathie sorgen in einem orientierungslosem Drehbuch, das ein Frauenfilm-Klischee für gelangweilte Hausmütterchen an das nächste reiht, für fehlende Romantik und Desinteresse an den Erlebnissen der Figuren. Die angenehmen Mimen und das immerhin Restinteresse aufkommen lassende Szenario, sorgen zumindest noch für ein routiniertes Ergebnis, missglückt sieht anders aus. Dennoch ist es traurig mit anzusehen, wie hier nur geschulte Sehgewohnheiten bedient werden, ein Mangel an Empathie herrscht, und die moralische Keule des Akzeptierens Andersartiger geschwungen wird, kurzum das Mainstream-Publikum nicht herausgefordert, sondern in seinem Denken und Sehverhalten bestätigt wird, was einem Film wie diesem jegliche Magie raubt. In immer neuen banalen Wendungen drehen sich die Protagonisten um sich selbst und machen Selbsterfahrungen und Charakterentwicklungen durch, die einen erwachsenen Zuschauer nicht berühren. Unreife Erwachsene, denen es nach den immergleichen Stoffen dürstet, werden jedoch typisch bedient. OFDb
11.08.2016
ALLES ROUTINE (1999)
Regisseur Mike Judge wurde hauptsächlich durch seine Zeichentrickserie „Beavis und Butt-Head“ berühmte und überraschte mich, als jemand der mit diesem Kult-Cartoon nichts anfangen konnte, Jahre später mit der klamaukigen Gesellschaftssatire „Idiocracy“. Jahre zuvor drehte er bereits seinen ersten Realfilm „Alles Routine“, eine Satire auf die Arbeitswelt, die auf Judges Cartoon „Office Space“ beruht, diesen Titel auch im Original übernommen hat und dessen Hauptcharakter hier zur lustigen Nebenfigur degradiert. Diese ist tatsächlich lustig, hätte in ihrer zu penetranten Art aber keine Komödie auf Spielfilmlänge getragen, so dass man das Hauptaugenmerk auf wen anders im Zentrum als die richtige Entscheidung bezeichnen kann.
Wieder einmal ist Mike Judge keinesfalls ein großer Wurf gelungen, aber „Alles Routine“ ist definitiv ein unterhaltsames Stück Komödie, freilich zu geistlos ausgefallen um ihn als Satire all zu ernst zu nehmen, aber auch nicht zu oberflächlich ausgefallen, als dass man Judges Beobachtungen nicht als treffsicher bezeichnen könnte. Hauptsächlich wird gekonnt mit der Bürowelt abgerechnet, aber dank der Nebenrolle von Jennifer Aniston bekommt auch die Gastronomie ganz nebenbei ihr Fett weg und bietet mit der dämlichen Button-Idee auch gleich eine der besten des ganzen Streifens.
Dieser ist so entspannt erzählt wie ihr Held sich nach der Hypnose verhält, bleibt dank sympathischer Figuren und einer erzählenswerten, wenn auch etwas zu glatt gebügelten Geschichte auch immer interessant und unterhaltsam, so dass es nicht wirklich etwas zu meckern gibt an einem Stoff, den man sich ohne großes Nachdenken nach der Arbeit zu Gemüte führen kann. Vielleicht ist es etwas schade, dass die Figur des Nachbarn der hellhörigen Wohnung zu kurz kommt, aber das wäre schon alles was es meiner Meinung nach zu verbessern gäbe.
An sich bietet „Alles Routine“ all das was ich mir von einer kleinen Komödie für den Zwischendurchverzehr wünsche. Die nicht all zu dominant ausgefallene Komik ist treffsicher eingebracht und wirkt so sympathisch wie die Figuren, die Chemie zwischen dem Liebespaar einer nicht all zu sehr ins Zentrum rückenden Love Story stimmt, und das würde man alles sicher so richtig gut finden, wenn der Streifen letztendlich nicht doch ein wenig zu unaufgeregt ausgefallen wäre und mehr wäre als der schnelle Zwischendurchverzehr. So schön sich der Film auch guckt, und so sehr ich seine Abrechnung mit einer menschenfeindlichen Arbeitswelt auch achte und genieße, letztendlich ist „Office Space“ kein Film der wirklich im Gedächtnis bliebe oder überragende Kino- oder Humormomente zaubern würde.
Dank seiner gut gespielten und treffsicher ausgearbeiteten Charaktere, von denen in erster Linie jegliche Nebenfiguren das Herzstück des Streifens bilden, ist er allerdings definitiv ein Film den ich mir in den kommenden Jahren noch des öfteren anschauen werde, eben weil er gute und gleichzeitig seichte Unterhaltung bietet, die einen geistig nicht überfordert wenn man gestresst von der Arbeit keine Lust mehr auf Tiefgang hat. „Alles Routine“ geht jedoch tief genug um mehr zu sein als oller gehaltloser Klamauk, und im direkten Vergleich zu „Idiocracy“ ist er auch der bessere Film, da hier äußere Schauwerte im Gegensatz zu dort nie eine Rolle spielen. Außerdem mag ich die Idee, dass Peter nie aus der Hypnose erwacht. OFDb
19.05.2016
MANAGEMENT - DIE LIEBE IST EINE BAUSTELLE (2008)
Mike ist ein Versager, eine arme Fritte mit der kaum ein anständiger Dialog möglich ist. Mike ist ein Kindskopf, ein ewig Daheimgebliebener, ein junger Mann der die Pflicht des elterlichen Unternehmens stets wichtiger fand als seinen eigenen Interessen nach zu gehen. Mike wächst über sich hinaus nachdem er Sue kennen lernt. Mike wird hartnäckig, lauert ihr auf, ist immer da, immer auf Mitleid pochend, immer die Frau penetrant anbetend, die ihn nicht an ihrer Seite sehen möchte. Es fällt schwer Mike wirklich sympathisch zu finden. Er ist die Identitätsfigur des Filmes, aber mögen tut man ihn nicht, auch wenn man ihn und seine Art durchaus versteht. Oder gerade deswegen!
Sue ist hübsch. Das reicht Mike um in ihr die Liebe seines Lebens zu erkennen. All das romantische Denken um ihre Person herum ist eher fiktiver Natur, Spekulation, manchmal zufällig richtig liegend, da Sue sich selbst falsch einschätzt. Sue findet man als Zuschauer sympathischer. Aber man versteht sie nicht. Warum lässt sie sich auf Mike ein? Warum lässt sie sich daheim von Mike überreden den Tag mit ihm zu verbringen? Mike ist unangenehm, und der Autor nimmt einen nicht an die Hand zu verstehen warum Sue handelt wie sie handelt.
Man versteht warum der Autor es so möchte. Dem schwebt eine Entwicklung beider Seiten vor um am Ende unglückliche Einsame in ein glückliches Paar zu verwandeln. Das gelingt ihm im Laufe seines Filmes sogar. Aber der Einstieg ist arg konstruiert, nicht derart abstoßend wie es sich lesen mag, aber auch nicht liebenswert, verschmitzt oder ansteckend erzählt. „Management“ ist ein Film, der in seiner durch Widersprüchen und Zufällen gelenkten Art eine Wirklichkeit wiederspiegelt die ich nicht verstehe. Ich verstehe meine Mitmenschen sehr häufig nicht. Und Sue und Mike verstehe ich überhaupt nicht. Aber das ist kein Hindernis Gefallen an einer Geschichte zu finden, die von solchen Leuten erzählt.
Da ich vielerlei als normal geltende Menschen nicht verstehe kann ich nicht beurteilen wie realistisch oder unrealistisch „Management“ ausgefallen ist. Klar, er hängt sich stark an Stereotype und Klischees fest, gerade solche die man im Bereich der Liebeskomödien immer wieder antrifft. Und doch wirkt der Film etwas anders, mitten im Leben stehend, provozierend durch seine nichtig erscheinende Geschichte. Hier gibt es keinen strahlenden Prinzen. Hier gibt es keine tiefschürfenden Erkenntnisse die zum Wandel führen, lediglich Eingeständnisse und Reife. Es ist jene Art Reife die mir persönlich immer aufgesetzt erscheint und die ich nicht als reif betrachte. Eine Reife die eher Richtung Angleichung tendiert. Am Ende lernen beide voneinander. Sie gestehen sich ihre Fehler und ihre Liebe ein. Happy End.
Ich bin verwirrt dass mir das gefallen konnte, war ich doch nie Teil dieser Mentalität die hier gelebt wird. Und auch jenseits des Empfindens im Bereich der handwerklichen Umsetzung tue ich mich mit dem Ergebnis etwas schwer. „Management“ ist bemüht den typischen Pflichtbausatz einer solchen Komödie zu erfüllen und geht hierfür verzweifelt erscheinende Wege. Überforderung, Anbiederung, Angleichung oder provokativ anders, die Regeln umschuppsend und neue Wege des Immergleichen entdeckend? Das ist schwer zu beurteilen. Auf mich wirkt diese ganze Art jedoch nicht wirklich professionell, sondern eher verzweifelt.
Und doch funktionierte der Film. Sein Mix aus angeglichen und zwischen den Dingen schwebend, sowohl inszenatorisch als auch inhaltlich, war verwirrend wie schön anzusehen. Seine distanzierte Romantik machte neugierig, lullte einen aber auch nie ein. „Management“ lud nicht zum Träumen ein. Es war eher ein nüchternes Betrachten zweier Menschen mit denen man zunächst nichts anfangen kann, die einem aber schließlich ans Herz wachsen, einfach weil man sie kennt und ihre Hochs und Tiefs miterlebt, mal verstehend, mal nicht verstehend. Wer den typischen Kitsch sehen will oder eine besonders amüsante Story ist hier fehl am Platz. Belbers Werk ist keine gängige RomCom - zumindest auf den zweiten Blick. Es ist nicht besser oder schlechter als eine typische RomCom. „Management“ ist einfach interessant anzusehen. Wenn auch nicht all zu sehr. Aber genug um auf nette Art distanziert unterhalten zu werden. OFDb
THE GOOD GIRL (2002)
Mag sein dass „The Good Girl“ in seinem Herzen ein wenig spießig ausgefallen ist, sehnt sich die Geschichte doch nach einem Wohlgefühl und einer Antwort auf die Frage was richtig und was falsch ist, und meint, wie so oft in amerikanischen Filmen, die Antwort in der Familie zu finden. Andererseits erweist sich Artetas Drama als recht distanziert, verurteilt Justine selbst dann nicht wenn ihre Taten wahre Löcher in das Leben anderer reißen und weiß stets Verständnis für die junge Frau aufzubringen. Das ist schon eher ungewöhnlich für amerikanische Filme diesen Themas, zumindest so lange sie sich nicht als Satire a la „American Beauty“ verstehen.
Diese verständnisvolle Distanz ist es schließlich, die dem eingefahrenen Stammzuschauer romantischer Stoffe nicht gefallen wird, erweist sich die Suche nach Liebe und Glück doch keinesfalls als romantische Komödie oder Liebes-Drama, sondern viel mehr als nüchterne Betrachtung diverser Momente einer verwirrten Frau. Ihre Suche nach dem Glück, ihr Versuch das Richtige zu tun, ihre Entwicklung die sie aufgrund ihrer neuen Erfahrungen durch macht, das alles hält die Geschichte beisammen in einem Film der sich auf Momentaufnahmen eines kurzen Lebensabschnittes konzentriert (die Geschichte spielt in nur wenigen Wochen), und ein Film der sich dessen bewusst ist, dass selbst das scheinbare, recht nüchtern aber lebensnahe Happy End eine solche Momentaufnahme ist.
Manch einer wird sich wundern, dass Probleme am Ende nicht wirklich gelöst werden. Aber so ist das Leben für Menschen wie Justine, und daraus zaubert Miguel Arteta keine kitschige oder träumerische Wunderwelt, er präsentiert uns keinen magischen Kinozauber, er und der Autor der Geschichte präsentiert uns den für sein Entstehungsland mutigen Schritt uns die Entwicklungsphase einer durchschnittlichen Frau aufzuzeigen, die auf unaufgeregte Art Aufregendes erlebt, und die erfahren muss dass Fehler nicht rückgängig zu machen sind. Zwar ist Jennifer Aniston mit ihrem süßen Aussehen keinesfalls Durchschnitt und deswegen vielleicht etwas fehlbesetzt für einen solchen Streifen, aber sie macht ihre Sache gut.
Der Film erzählt zum Schluss davon, wie man sich das Leben schön lügen muss um glücklich zu sein, und trifft damit eine mutige Aussage, auch wenn das im Film selbst gar nicht so mutig wirkt. Zumindest stimmt diese Lebenserkenntniss mit den Erkenntnissen der Neurowissenschaften überein, und „The Good Girl“ weiß dies ohne Besserwisserei recht massenkompatibel dem Mainstreampublikum zu verkaufen. Allerdings ist Arteta viel zu sehr auf der Suche nach dem Wohlgefühl, als dass er all zu viel Tiefgang zulassen würde, so dass der Film weder intellektuell genug noch herzlich genug ausgefallen ist und einen trotz angenehmer 90 Minuten etwas unbefriedigt zurück lässt.
Dennoch war „The Good Girl“ eine sympathische Erfahrung, zumal es schön war die Sinnsuche einer Frau mal nicht aus dem Verwöhnblickwinkel der gut verdienenden oberen Mittelschicht erzählt zu bekommen. Justine hat einen Durchschnitts-Job, einen liebenswerten aber passiven Ehemann und ziemlich geringe Ansprüche an sich selbst. Sie ist egoistisch und bleibt es auch, die Geschichte wird keinesfalls zur moralischen Anklage, sondern erkennt dass Justine diesen Weg gehen musste um an ihr Ziel zu gelangen, ein Ziel das nicht nur aufgrund Justins Einflüsse lediglich nur eine Momentaufnahme darstellt. Auch ihr Mann könnte jederzeit Einfluss auf das zukünftige Leben nehmen. Selbstverständlich sollte man meinen, aber eben nicht für einen amerikanischen Film über Liebe und Träume. OFDb
20.01.2016
WIR SIND DIE MILLERS (2013)
Man kann vielen amerikanischen Filmen vorwerfen, dass sie ihren Drang zu familiären Werten unnötig und radikal aufdrücken, eine Erscheinung die gerade europäischen Filmfreunden oftmals nicht mundet. Bei „Wir sind die Millers“ kann man nicht wirklich darüber schimpfen, denn es ist der Kern des Erzählten. Das was in anderen Werken nervt ist hier keine Randerscheinung, es wird zum Mittelpunkt, was auch sehr früh herausgearbeitet wird, wenn man allen Familienmitgliedern anhand stiller Gesten, Mimiken oder unscheinbarer Sätze anmerkt, dass ihre stolze Selbstständigkeit lediglich einen Selbstschutz, eine Selbstlüge darstellt, um besser damit fertig zu werden, dass sie ihr Leben alleine fristen. Insgeheim wollen sie alle eine Familie.
Das ist dann aber auch gleich das einzig halbwegs Subtile was „Wir sind die Millers - Falls jemand fragt.“ (Alternativtitel) zu bieten hat. Denn wenn man der Komödie von „Voll auf die Nüsse“-Regisseur Rawson Marshall Thurber das eine auch nicht vorwerfen kann, dass sein Film einem ziemlich vorhersehbaren Handlungsablauf mit überraschungsarmen Inhalt bietet, muss sich der gute Mann als Kritik sehr wohl gefallen lassen. Es ist nicht so, dass der Trip nach Mexiko und zurück nicht aufgrund der sympathischen Besetzung und aufgrund des nie langweilig werdenden lockeren Grundtons auf Routine-Ebene zu funktionieren wüsste, aber die Idee selbst hätte eine wesentlich einfallsreichere Umsetzung verdient und wäre in den Händen eines Seth Rogen wohl besser aufgehoben gewesen.
Stellt man sich jedoch auf die übliche Sonntagnachmittagsunterhaltung einer durchschnittlichen US-Komödie ein, so macht „Wir sind die Millers“ zumindest alles richtig. Die Moral hält sich halbwegs in Grenzen, Kitsch wird lediglich gestreift, und missioniert wird man hier auch nicht. Der Film will einem nicht einreden dass Familie für alle Menschen die Lösung wäre - sie ist es eben nur für die fiktive Familie Miller, die auf recht interessante Weise, einem Schlussgag sei Dank, zu einer halbwegs wirklichen Familie wird.
Dass das Geschehen zu einem Happy End führt, ist einem bei solch vorhersehbarer Geschichte von Anfang an klar. Kleine Gags wie ein Missverständnis mit einem mexikanischen Gesetzeshüter oder jene die durch die schrillen Nebenfiguren eines Pärchens geerntet werden, die immer wieder auf die Millers treffen, sorgen für die nötige Auflockerung zwischendurch, die der Film dringend nötig hat, so bieder wie er daher kommt. Eigentlich hätte die Geschichte einen anarchistischen Grundton vertragen können, oder zumindest einen provokativen.
Aber „We‘re the Millers“ (Originaltitel) soll ein Familienfilm sein. Deswegen darf eine Stripperin auch nicht nackt werden, deswegen muss jeder noch so große Skandal handzahm serviert werden und deswegen ist auch jegliches noch so gravierende Problem irgendwie zu lösen. Dass es aufgrund der verhängnisvollen Lage Davids dann doch ganz interessant ist zuzusehen, auf welche Art sich alles in Wohlgefallen auflöst, zeigt zumindest dass das Interesse des Publikums trotzdem geweckt werden kann und dass die Autoren die Geschehnisse zumindest mit einem Hauch Einfallsreichtum auflösen mussten.
Auf der Gegenseite ist einem das Drehbuch manche Erklärungslücke schuldig geblieben, so z.B. auf die Frage warum David in der Schlussphase zu seiner Scheinfamilie zurückgekehrt ist. Sicherlich weiß der Zuschauer von selbst warum, aber was war der entscheidende Punkt, der ihn zur Umkehr bewegte? Wäre „Wir sind die Millers“ mehr als das kleine geistlose Stück Ablenkungsunterhaltung vor dem stressigen Alltag, würde eine solche Lücke penetrant nerven. Aber dafür ist Thurbers Werk einfach nicht bedeutend genug. Im Gegenteil, seine Daseinsberechtigung liegt darin beim Kopfausschalten zu helfen und nicht über Gesehenes nachzudenken. OFDb
20.12.2012
TRENNUNG MIT HINDERNISSEN (2006)
Gary und Brooke sind ein Paar. Doch da Gary Brooke nicht die nötige
Anerkennung schenkt will sie ihm eine Lektion erteilen und macht
Schluss. Aus dem „Spiel“ wird ein echtes Aus. Von nun an leben die
beiden Getrennten gemeinsam in ihrer Wohnung und machen sich gegenseitig
die Hölle heiß...
Spiel mit dem Stolz...
„Der Rosenkrieg“ als romantische Komödie, so könnte man den Film bis zu einem gewissen Zeitpunkt bezeichnen. Doch Wendungen, die letztendlich zu einem für US-Verhältnisse überraschenden Ende führen, distanzieren sich ein wenig von der Bezeichnung. Ohnehin fällt bei der einleitenden Zusammenfassung das Wort Komödie negativ ins Auge. Sicherlich ist „Trennung mit Hindernissen“ lustig gemeint. Er ist jedoch eine Spur zu ernst erzählt und beherbergt zudem tragische Momente.
Gegen eine ernste Herangehensweise mag auf dem ersten Blick nichts sprechen. Schaut man sich aber die Extreme der Geschichte an, so wäre ein extremeres Humorpotential als Ergänzung zu wünschen gewesen. Der beleidigte Gary veranstaltet eine Strip-Orgie im trauten Heim, Brooke verarscht Kerle um ihren Ex zu verarschen. Hier geht man sprichwörtlich über Leichen, wenn auch nie bis zur berühmten auf den Fisch pinkeln-Szene wie im „Rosenkrieg“. Trotzdem fehlt den einzelnen bösartigen Einfällen stets der Schritt zum echten Mut. Der Einfall ist das humoristische Element, dem folgt in solch fiesen Momenten jedoch keine ergänzende Komik.
Dies fehlt mir ein wenig in einem Streifen, der ansonsten durch einige Ausnahmen angenehm auffällt. Die ungewöhnlichen Randfiguren werden nicht so lächerlich präsentiert wie beispielsweise in „Notting Hill“, sondern haben noch eine gewisse Würde. Wie oben erwähnt ist der Schluss ungewöhnlich. Klischees werden nur eingebracht um Klischees einen Arschtritt zu geben. Die wahren Schwachpunkte der Charaktere werden aus dem Leben abgeleitet: verletzter Männerstolz, undurchsichtige Frauenspiele, das Pochen auf Unwichtiges, etc.
Was der Tragikomödie mit Schwerpunkt Komödie für ein besseres Ergebnis fehlt ist jedoch eine echte Sympathie-Figur. Über die schauspielerische Leistung von Vince Vaughn und Jennifer Aniston kann man nicht meckern. Aber die Figuren, die ihnen vom Drehbuch zugeschrieben wurden, sind trotz gewisser Realitätsnähe nicht griffig. Zwar stimmt die theoretische Rezeptur, wenn man sich an lebensnahen Schwachpunkten menschlicher Psyche orientiert, aber die Gewichtung ist falsch gewählt.
Frauen reden gerne in Rätseln und Männer sind zu dumm zu verstehen, was die Damenwelt möchte. Ein Klischee? Zumindest hin und wieder zu beobachten. Der Code Brookes ist jedoch nicht schwer zu durchschauen. Im Gegenteil, sie wählt recht deutliche Worte, auch wenn sie erst gegen Ende klar ausspricht was sie stört. Das macht beide Figuren etwas kaputt. Bei einer Frau, die einen zu deutlichen Code verwendet, verzichtet das Drehbuch auf humorvolle Übertreibung. Und der Ehemann, der das ganze nicht kapiert, wird nicht in die Rolle des typischen Mannes gepresst, sondern in die eines Egomanen, der so stark nur an sich denkt, dass man ihm die Frau auch nicht zurückwünscht.
Wenn nun noch die Frauenrolle darin besteht, so püppchenhaft zu wirken mit all den Frauentugenden die der Mann an dem falsch emanzipierten anderen Geschlecht so zu schätzen weiß, dann ist auch die Würde der Frauenrolle dahin, so dass auch keine echte Sympathie zu Brooke aufgebaut werden kann.
So darf man letztendlich den ganzen Film über zuschauen wie Brooke sich mit Gary zofft. Und wenn dieser Zustand pausiert zofft Gary sich mit seiner und Brooke sich mit ihrer Umwelt. Als reine Komödie wäre dieser Zustand wohl kaum auszuhalten und würde in hysterisch schräger Komik enden, wie sie typisch für Goldie Hawn oder Whoopi Goldberg wäre. Da aber auch ein leichter Touch Drama das Geschehen begleitet, weiß der an sich monotone rote Faden auf simpler Ebene zu unterhalten.
Dennoch wird deutlich, dass mehr möglich gewesen wäre. Zumindest kann man den Verantwortlichen des Filmes nicht vorwerfen, dass sie nicht wüssten was sie wollten. Es wird deutlich dass Mitproduzent Vince Vaughn genau weiß wie er seine (von wem anders geschriebene) Geschichte und seinen Charakter zu verstehen hat. Und man merkt auch, dass manches Ärgernis darauf begründet ist, was letztendlich zu dem interessanten Film-Ende führt. Da dies jedoch eine Überraschung sein soll, kann man mit der darauf hinarbeitenden Rezeptur nicht sympathisieren. Und wenn man sie begreift, ist es schon zu spät und der Film bereits nur noch bei der angenehmen Mittelmäßigkeit angekommen.
Ein wesentlich besseres Ergebnis erzielte Regisseur Peyton Reed erstaunlicher Weise beim banaleren „Ja-Sager“. Zuvor waren die meisten seiner Werke, wahrscheinlich durch die Arbeit im Hause Disney, eher mittelmäßiger Natur. Er drehte den 5. Herbie-Film, der trotz guter Rezeptur sehr enttäuschte („Der tolle Käfer kehrt zurück“), er drehte den sehr mageren „Dexter Riley“, der für sein Subgenre viel zu brav daherkam. Er drehte aber auch den banalen aber flotten „Girls United“. Trotzdem hat er erst mit „Trennung mit Hindernissen“ erstmals auf eine angenehme, da nicht endlos ausgelutschte, Rezeptur gesetzt. Und auf seine zukünftigen Regiearbeiten kann man vielleicht neugierig sein, nun wo er mit „Der Ja-Sager“ sein erstes gutes Werk abgeliefert hat.
Unter Produzent, Ideengeber und Hauptdarsteller Vince Vaughn hat er zumindest erste Gehversuche in einem ernstzunehmenden Filmprojekt gemacht und sich wacker geschlagen. Die eigentlichen Mankos liegen schließlich am Drehbuch. OFDb
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