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13.07.2018

DER NACKTE DSCHUNGEL (1954)

Ein Jahr nachdem Byron Haskin seinen legendären "Kampf der Welten" abgeliefert hatte, bescherte er uns erneut einen Kampf zweier Spezies. Passend zum Ende des Vorgängerfilmes und seiner literarischen Vorlage zeigt eine winzig kleine, zu unterschätzende Gattung einer ihr überlegen scheinenden Gattung, dass mit ihr nicht zu spaßen ist, und dass man sie als Feind ernst nehmen sollte. Zwar ist dieses Thema packend inszeniert und spielt sich Richtung Ende immer mehr in den Vordergrund, den Film, wie mit dem Alternativtitel "Wenn die Marabunta droht" geschehen, darauf zu reduzieren, würde der Realität jedoch nicht entsprechen, wird die Vermutung der Bedrohung einer übergroßen Ameisenpopulation doch erst zur Filmmitte geäußert, die Bestätigung etwa zu Beginn des letzten Drittels gemacht, und im etwa eine viertel Stunde lang laufenden Finale findet schließlich der Kampf beider Spezies statt.

Das mag der Hauptgrund sein, warum manch einer "Der nackte Dschungel" als Filmerlebnis wählte, so war es zumindest bei mir der Fall, es bildet jedoch nicht den Schwerpunkt des nett anzuschauenden Werkes, was ich glücklicher Weise bereits vor meiner Sichtung in Erfahrung brachte. Hauptaugenmerk des Streifens ist die etwas bizarr zu nennende Begegnung zweier einsamer Menschen, die sich auf eine ungewöhnliche Ehe mit einem ihnen jeweils Unbekannten eingelassen haben und nun die Dickköpfigkeit des jeweils anderen kennen lernen. Dieses Szenario wird aus der Perspektive Joannas begonnen, damit wir gemeinsam mit ihr das fremde Land kennen lernen dürfen, welches Christopher seit vielen Jahren bekannt ist. Im Laufe des Filmes wechselt hin und wieder die Perspektive, meist erleben wir die keineswegs humorvoll thematisierten Geschehnisse des Filmes jedoch aus Joannas Sicht.

Für die scheinbare Unnahbarkeit zwischen den beiden sich gar nicht so unähnlichen Menschen spielt es auch eigentlich keine Rolle wessen Perspektive eingenommen wird, allein schon weil heutzutage schwerwiegender wahrgenommene Diskrepanzen hier noch als Herausforderungen verstanden werden, anstatt sie als Sexismus und anderweitige der Situation nicht gerecht werdende Stempel abzutun. Hier zeigt sich "Bushmaster" (Alternativtitel) als noch einst für ein mündiges Publikum abgedreht, wenn auch eine Spur zu theatralisch inszeniert, allerdings immer ein Restniveau wahrend, um nicht all zu sehr abzudriften. Die wahre Kunst der stilsicheren Erzählweise liegt im subtilen und zweideutigen Benennen provokanterer Momente, was sicher am damals biederen Umgangston liegt, bzw. an den Regeln die diesbezüglich einst in Hollywood herrschten, dem Thema jedoch nicht schaden, sondern ganz im Gegenteil gut tun, eben weil das direkt Benannte nicht solchen Reiz besitzt wie die hier verwendeten Codes inmitten dieses für einen Unterhaltungsfilm für ein Massenpublikum überraschend komplex ausgefallenen Gefühlsdilemmas. 

Mag das grobe Geschehen auch recht schlicht gestrickt sein, auch was den Kampf gegen die Marabuntas betrifft, die schwer zu durchschauende zwischenmenschliche Situation des Ehepaares, die hier zum wahren Sehwert des Streifens wird, beweist erneut wie viel erwachsener und herausfordernder damaliges Kino war, wenn es um empathische Faktoren geht. Heute sind eher die Erzählungen an sich komplexer ausgefallen, während Figuren und psychologische Zusammenhänge meist zu glattgebügelt präsentiert werden. Ein ideales Hollywood wäre die Zusammenkunft beider geistreichen Faktoren für ein mündiges, mitdenkendes und gut beobachtendes Publikum, welches Zusammenhänge begreift ohne mit x Erklärungen an die Hand genommen zu werden. In "The Naked Jungle" (Originaltitel) sorgt der sich weiter entwickelnde zwischenmenschliche Prozess beider Ehepartner für die nötige Tiefe, die den Film vor seiner ansonsten zu beobachtenden Oberflächlichkeit bewahrt.

Freilich bleibt der Kampf gegen die Ameisen ein quantitativer Sehwert, diese Phase ist immerhin stimmungsreich und nie zu reißerisch umgesetzt und lässt einen trotz simpler Tierszenen wahrlich mitfiebern. Auch manche Optik, wie der brennende Schutzwall in der Ferne, während nahe der Kamera Ameisenaktivitäten zu beobachten sind, sind Sehwerte jenseits der zwischenmenschlichen Dramaturgie des Streifens. Letztendlich wäre "Der nackte Dschungel" ohne sein weitschweifendes Erkunden des Seelenlebens beider Protagonisten jedoch zu oberflächlich ausgefallen. Zudem könnte man vieles von dem was Christopher tut und denkt missverstehen, wenn der Film sich diesbezüglich nicht inhaltlich weiterentwickeln würde. Das schöne an einem 50er Jahre-Werk wie diesem hier ist es schließlich, dass er frei des erhobenen Zeigefingers selbst sachlich und vorurteilsfrei über jene Dinge berichtet, die zu Recht spätestens heutzutage nicht frei von Kritik sind. Aber es ist nun einmal nicht Thema dieses Streifens mögliche Fehlverhalten zu beurteilen. Haskin berichtet lediglich, frei von einem persönlichem Blickwinkel, frei seines eigenen Urteils, eine Eigenschaft die vielen Menschen der heutigen Protestgesellschaft fehlt.  OFDb

14.01.2017

RÜCKKEHR ZUM PLANET DER AFFEN (1970)

Es hätte Sinn gemacht Taylor bei seinen weiteren Abenteuern auf dem Planeten der Affen zu begleiten, wenn man denn überhaupt meint „Planet der Affen“ fortsetzen zu müssen. Stattdessen lässt man völlig fern jeder nachvollziehbaren Wahrscheinlichkeit einen weiteren Astronauten in Taylors Situation geraten und begründet dies mit physikalischen Unsinnigkeiten, wie sie auch nur amerikanische Autoren verwenden würden. All zu hart sollte man dennoch nicht mit „Rückkehr zum Planet der Affen“ umgehen, wagt er es doch immerhin nach anfänglichen Parallelen zum Original einen eigenen Weg zu gehen die Geschichte weiterzuerzählen, ein Weg der vielen nicht schmeckt, der aber orientiert an der Auflösung des ersten Teiles an einem sinnigen Punkt ansetzt.

Von der Klasse des Originals sollte man sich als Zuschauer distanzieren, beweist „Beneath the Planet of the Apes“ (Originaltitel) doch gleich an mehreren Stellen, dass er lediglich der Trivialunterhaltung angehört und längst nicht mehr zum Kino gehören möchte, welches ernsthafte gesellschaftspolitische Aussagen trifft. Ein mahnender Zeigefinger ist zugegebener Maßen in der Geschichte noch immer enthalten, aber viel zu vieles erinnert eher an das Niveau einer Folge „Raumschiff Enterprise“ als an ernstzunehmendes Kino. Und die Widersprüche zu Teil 1, die sich nicht nur in der fehlerhaften Deutschvertonung finden lassen, machen nur all zu deutlich wie einfach es sich die Autoren gemacht haben.

Das Schicksal und der soziale Zusammenhalt der drei Hauptaffen widerspricht dem Ende von Teil 1 (auch wenn aufgrund des Krieges nicht geäußerte Erklärungen für die hier gewählten Veränderungen vorhanden wären), der Auslöser der die Affen in den Krieg ziehen lässt widerspricht der kompletten bisher bekannten Affenkultur, die sich an ihre Schriftrollen klammert, und die Gut/Böse-Zeichnung durch die Rassenthematik verschiedener Affenarten verfällt noch mehr in Schwarz und Weiß als es bereits im Original der Fall war.

Und doch, als kleiner Abenteuerfilm im Science Fiction-Bereich, weiß „Planet of the Men“ (Alternativtitel) zu gefallen. Erneut wird ein Geheimnis um die Zukunft der Erde gelüftet, erneut gehen die Autoren pessimistisch vor und schonen niemanden und damit auch nicht den Zuschauer, und erneut bietet man uns eine Schluss-Pointe, die es in sich hat. Mag man sie nach dem x-ten Gucken auch kennen oder sie bei der Erstsichtung zuvor erahnen, der Schluss steckt jedes Mal wieder wie ein Kloß im Hals, nicht nur aufgrund des wundervollen Off-Kommentars, auch aufgrund dessen welcher Fanatiker über das Schicksal bestimmt.

Manch einer hätte dieser Figur solch ein Handeln nicht zugetraut, aber das sind nur jene, die sich von Heldenelementen ablenken lassen und nicht die wahre Natur eines Charakters hinter der strahlenden Rüstung erkennen (Leute welche z.B. die jeweilige Hauptfigur in „Breaking Bad“ oder „Braveheart“ zu Helden erklären). Völlig gedankenlos können die Autoren somit nicht gehandelt haben, wenn sie den wahren Charakter Taylors aus Teil 1 erkannten und hier weitergestrickt haben. Ebenso klar war den Herren, dass Brand kein neuer Taylor ist, auch wenn er zur Tarnung in die Rolle des Helden gesteckt wurde. Das könnte auch erklären, warum man jemanden mit so viel weniger Charisma als Heston in der Fortsetzung mit der Hauptrolle besetzte. Diese beiden Punkte plus jene die Geschichte am entscheidenden Punkt des Vorgängers weiterzuerzählen, zeigt auf wieviel Potential in „Planet of the Apes Revisited“ (Alternativtitel) steckt, und wieviel besser er außerhalb des schlichten Niveaus der Trivialunterhaltung hätte ausfallen können.

„Rückkehr zum Planet der Affen“ darf man nicht all zu streng gucken, wenn man seine Freude mit ihm haben will. Aber die kann man durchaus haben, weiß es doch auch Ted Post, der hier die Regie übernahm, eine dichte Atmosphäre aufkommen zu lassen. Und so viel Nonsens die Geschichte auch umwehen darf, sie wird innerhalb ihres eigenen Kosmos doch konsequent und recht glaubwürdig erzählt und stößt immer erst dann an ihre Grenzen, wenn man Teil 2 mit Teil 1 vergleicht, was man unweigerlich tut, so direkt wie der hier besprochene Film an das Original anschließt. Das sieht man bereits daran, dass die letzten Sequenzen des Vorgängers zu Beginn des Sequels erneut gezeigt werden, ein Verfahren welches man heute eher aus Fernsehserien kennt. Aber auch dies braucht nicht verwundern, hat man beim Sichten der Fortsetzungen doch ohnehin immer das Gefühl eine TV-Sendung zu sichten, so wunderschön die liebevoll gestalteten Masken und Effekte auch dagegen halten.  OFDb

PLANET DER AFFEN (1968)

Eigentlich ist es schade, dass Franklin J. Schaffners Film „Planet der Affen“ (bzw. im Original „Planet of the Apes“) heißt, bereitet es doch eine große Freude den Experimentierdrang und die Tortur der drei Astronauten zu Beginn des Streifens mitzuerleben, wenn sie zu Überlebenszwecken den fremden Planeten erforschen, kurz nachdem sie die bittere Pille schlucken mussten Jahrtausende nach ihrem Start aus dem Kälteschlaf aufzuwachen. Der Titel verrät dem mitforschenden Zuschauer leider etwas, das er gerne überraschend entdeckt hätte, gepackt von der stimmigen Atmosphäre die u.a. dadurch entsteht, dass Schaffner sich viel Zeit für diese Phase nimmt, begleitet von einem bizarr klingenden Soundtrack, der damals sicherlich die Gemüter gespalten hat.

Dies hat der Film auch in seiner kritischen Form der Religionsthematik und des Umgangs mit dem Menschen, der wie Vieh behandelt wird. Affen, die sich nach der Jagd brüsten, indem sie sich mit ihrer Beute fotografieren lassen, mögen nicht zur Restkultur und der Technik der Affengesellschaft passen, die wir kurz darauf kennen lernen, aber die Provokation sitzt, in abgeschwächter Form selbst heute noch, fordert der Film uns doch heraus das Thema „Umgang mit Tieren“ auch einmal von der anderen Seite aus zu betrachten, was auch in Zeiten von einer Tierschutz ausübenden Gesellschaft wie der unseren ein interessanter Aspekt der Geschichte bleibt.

Derart zu provozieren wie zur Entstehungszeit weiß „Planet der Affen“ trotzdem nicht mehr, aber diese Abschwächung macht um so deutlicher, dass der Film, bereits damals schon, nicht nur von seinen Provokationen lebte, mit denen er wachrütteln wollte, sondern auch ohne dieses Element bestens zu unterhalten weiß. Liebevoll gestaltete Masken, Effekte und Bauten, ein Drehbuch, welches Nähe und Sympathie zu seinen wichtigsten Figuren aufbaut, und die Idee, dass der Zuschauer nie über mehr Wissen verfügt als der Held der Geschichte selbst, sorgen in Kombination mit einem atmosphärisch stimmig umgesetzten Film für einen hohen Grad Unterhaltungswert, aufgrund seiner Thematik mit leicht intellektuellem Touch versehen, durch seine plumpe Gut/Böse-Trennung diesbezüglich jedoch noch nicht so reif ausgefallen wie die großen 70er Jahre Science Fiction-Beiträge wie „Phase 4“, „Rollerball“, „Colossus“ oder „...Jahr 2022... die überleben wollen“, um nur einige wenige genannt zu haben.

Aber mag die Thematik um den Verrat der Wissenschaft zu Gunsten der Religion auch etwas plakativ ausgefallen sein, so ist „Planet der Affen“ ansonsten doch sehr stimmig und raffiniert geschrieben, zumal die aggresssive Form des Religionsschutzes sich im Finale lediglich als Vorwand herausstellt um eine viel bedeutendere Wahrheit zu beschützen, was schließlich auch zu einem der legendärsten Schluss-Twists der Filmgeschichte führt, einen den man mitdenkend sicherlich erahnen kann, der in der Form seiner Umsetzung und aufgrund der letzten Worte des ideologischen Fanatikers Taylor aber auch heute noch aufzuwühlen weiß.

Dass manche Stimmen dem Film vorwerfen rassistisch geprägt zu sein, indem in die Affen die schwarze Gesellschaft hineininterpretiert wird und in Taylor der Weiße, der die Macht der Weißen zurückgewinnen will, halte ich für überanalysiert, passt es doch nicht zur restlichen gesellschaftspolitischen Hintergrundthematik des Streifens, zumal „Planet der Affen“, wenn auch auf kleiner Flamme, eine eigene Thematik zum Thema Rassenkonflikte besitzt, die erst in der unterschätzten Fortsetzung „Rückkehr zum Planet der Affen“ vertieft werden sollte.

Dass eine Fortsetzung des hier besprochenen Werkes eigentlich unnötig, da logisch kaum machbar, ist, lässt sich nicht von der Hand weisen, wird durch die Widersprüche der Story von Teil 2 sogar bewiesen, schwächt aber weder das Originalwerk, noch schadet es den ersten Fortsetzungen kaum, hat sich die Weiterführung dieses großartigen Science Fiction-Abenteuers doch als Glücksgriff für Genre-Fans herausgestellt. Schließlich bereitet das Thema mit ihren Neuverfilmungen, die thematisch ohne die Fortsetzungen des Originals anders ausgefallen wären als geschehen, doch selbst heute noch den Filmfreunden große Freude. Im direkten Vergleich kommt kein weiterer Beitrag der Reihe, egal ob Fortsetzung oder Neuverfilmung, an das Original des „Papillon“-Regisseurs Schaffner heran. Vielleicht auch weil er sich längst nicht so blauäugig wie die Versionen heutiger Tage schaut, fordert einen „Planet der Affen“ mit seinem pessimistischem Grundton doch einiges an bösen Wendungen und menschlichen Verlusten ab, eine Rezeptur die Serien-Fans von heute gefallen dürfte.  OFDb

02.01.2017

MANUFACTURING DISSENT - MICHAEL MOORE AUF DER SPUR (2007)

Lange hält sich Debbie Melnyk nicht damit auf aufzuzeigen wie begeistert sie von Michael Moore ist. Von Beginn an merkt man wie sehr es „Manufacturing Dissent“ darauf anlegt dem populären Linken zu schaden, ein lukrativer Gedanke bei dessem Bekanntheitsgrad und bei seinen viel beachteten Filmen. So kann man sich auch ein Stückchen vom Kuchen sichern. Doch obwohl der Film vortäuscht etwas anderes zu wollen als er will, so legt er doch trotzdem manche Manipulation in Michael Moores Werken offen, die, falls die Gegenaussagen stimmen, nicht schön zu reden sind. Für manch einen heiligt der Zweck die Mittel, aufgrund des mangelnden Bildungsgrades in Amerika kann man Moores Methoden entschuldigen, wenn er dafür doch das schlafende Volk wachrüttelt. Doch auch wenn man so denkt, lässt sich an der Tatsache der Manipulation trotzdem nichts schön reden, zumal Moore diese Methode in seinen Filmen nicht nötig gehabt hätte, bei all den Wahrheiten die er ansonsten ans Tageslicht brachte.

Manipulative Dokumentarfilmer beschweren sich über einen manipulativen Dokumentarfilmer. So in etwa kann man „Manufacturing Dissent - Michael Moore auf der Spur“ bezeichnen. Selbstlos ist Moore wahrlich nicht. Und er genießt es vor der Kamera zu stehen. Aber was ihm in diesem Film teilweise vorgeworfen wird, erweist sich in den angeblich beweisenden Interviewausschnitten mit dem guten Mann als Neiddebatte, werden doch Reaktionen und Aussagen in Moores Worte und seinem Verhalten reininterpretiert, die der mitdenkende Zuschauer dort nicht wiedererkennen kann. Ganz im Gegenteil wird klar, dass die kämpfende Linke sich durch Moore betrogen fühlt. Radikal denkende beschweren sich über einen radikal Denkenden.

Würde man für eine von beiden Seiten Partei ergreifen wollen, müsste man sich immerzu im Kreise drehen. Im Kampf gegeneinander merken die Seiten nicht, wie ähnlich sie sich sind. Gerade das macht den hier besprochenen Dokumentarfilm jedoch so interessant. Für aufgeweckte Leute ist er keine Skandalaufdeckung von Moores manipulativer Polemik, die in seinen Werken durchaus stattfindet. Viel mehr wird „Manufacturing Dissent“ zu einem interessanten Einblick wie Weltverbesserer ticken, sich gegenseitig ans Bein pinkeln, und jeder seine Methoden für richtig hält, nur um die angeblich Unwissenden aufzuklären.

Melnyk ist sich nicht darüber bewusst wie fragwürdig sie vorgeht. Ihr ist nicht bewusst, dass sie sich meist auf Meinungen anstatt auf Tatsachen stützt. Und die gravierendsten Vorwürfe gegen Moore werden nicht einmal bewiesen, ein Teil der vorhandenen Beweisführung ist zudem nicht derart deutlich belegt oder abgefilmt, dass man sich darauf verlassen kann, dass im hier besprochenen Film keine Wahrheiten verfälscht werden. Was manche Szenen lediglich vermuten lassen, legen andere offen, wie z.B. die Rechtfertigung sich mit einem illegalen Trick auf eine Veranstaltung Moores zu schmuggeln, weil der es auch in einem seiner Filme so getan habe. Kinder argumentieren so, von Erwachsenen, und zudem noch von welchen die einen aufklärerischen Film drehen möchten, erwarte ich da schon mehr.

Und sich über das Verbot von Redefreiheit eines Kämpfers für die Redefreiheit aufzuregen, der lediglich Störenfriede davon abhielt eine Veranstaltung zu missbrauchen, ist billigster Populismus und gerade heutzutage in Deutschland ein gern verwendetes manipulatives Argumentationsmittel von rechten Mitbürgern. In der Oper kann ich auch nicht plötzlich auf meine Redefreiheit pochen. Da werden die Veranstalter auch nicht zu Nazis, wenn sie mich aufgrund einer solchen Störung herauswerfen. Dass Moore sich während einer anderen Veranstaltung 20 Minuten Zeit für seine Interviewpartnerin nimmt, nachdem diese so oft von ihm abgewiesen wurde (weil Melnyk manipulativ stets zu tatsächlich ungünstigsten Zeitpunkten nach Interviews anfragte), wird zwar nicht unter den Tisch gekehrt, Moore aber auch nicht positiv anerkannt um ein wenig vom Feindbild abzubauen, welches „Manufacturing Dissent“ künstlich schafft.

Die Aufnahmen Moores zeigen Moore wie er wirklich ist. Er ist nicht der Kämpfer für die Linken, er ist Populist zum eigenen Vorteil. Er genießt das Rampenlicht, und er freut sich über seinen Ruhm. Er ist ein Idealist der sich in Stimmung reden kann, und ihm ist jedes Mittel recht zum Ziel zu gelangen. Allerdings macht er daraus kein Geheimnis, sieht sich als Unterhalter anstatt als Dokumentarfilmer. Er lässt offene Dialoge zu, stellt sich der Kritik und bleibt dabei Mensch, also auch angreifbar und unpolitisch auf Kritik reagierend. Man kann von den Methoden Moores halten was man will, aber was „Manufacturing Dissent“ Moore unterstellt, wird stets durch die eigens eingebrachten Szenen, in denen Moore zu Wort kommt, als Lüge entlarvt. Den Verantwortlichen des Streifens ist lediglich seine Popularität ein Dorn im Auge und dass er ihre linken Interessen zum eigenen Vorteil verwässert. Hier steht keiner dem anderen in irgendetwas nach. Und das ist das wahrlich sehenswerte an diesem Film.  OFDb

18.08.2013

TRUE LIES - WAHRE LÜGEN (1994)

„True Lies“ bedeutete ein Wiedersehen in der Zusammenarbeit zwischen Arnold Schwarzenegger und James Cameron, die mit den beiden „Terminator“-Filmen große Erfolge feierten. Für den Regisseur war die Action-Komödie gar der direkte Folgefilm drei Jahre nach „Terminator 2“. Bereits dort wurde deutlich, dass Cameron nicht der talentierte Regisseur ist, für den ihn viele noch immer halten. Das große Kawumm ist sein Geschäft, und in „True Lies“, einen Film der im letzten Drittel von Showdown zu Showdown hüpft, soll es auch jeder merken. Da wird an Action nicht gespart, und Arnie darf böse Buben in einer Anzahl töten, die es wohl seit „Phantomkommando“ nicht mehr gegeben hat.

Trotz mangelnder Ironie guckte sich dieser unfreiwillig komische Film nicht halb so peinlich wie der absichtlich in lustigen Gefilden schwimmende „True Lies“, und das hat seinen Grund. Die Ironie wird an falschen Stellen signalisiert und der Humor richtet sich an einfache Gemüter, nicht ohne auch mich zum schmunzeln und manches Mal zum lachen zu bringen, aber doch recht berechnend gestrickt. Funktionieren könnte das ganze trotzdem, das tut es teilweise sogar, z.B. in der Phase, in welcher Arnie der Ehefrau, gespielt von Jamie Lee Curtis, hinterher spioniert und dabei auf einen erbärmlichen Autohändler stößt, der sich als Spion ausgibt um Frauen aufzureißen.

Die Actiongeschichte, so schön sie sich auch an den Zutaten typischer James Bond-Geschichten orientiert, guckt sich jedoch nicht so entspannend wie der Rest, steckt sie im Gegensatz zu Arnies Werken aus den 80er Jahren doch mitten in den Regeln der Political Correctness fest und außerdem in einer Zeit, in welcher man Arnie nach finanziell erfolgreichen Ergebnissen mit „Zwillinge“ und „Terminator 2“ weiterhin unbedingt möglichst familienfreundlich vermarkten wollte. Dementsprechend wirkt das eigentliche Erwachsenenszenario gerne mal kindlich, und damit guckt sich auch der Wunsch nach einer erhöhten Actionschraube recht infantil. Vielleicht ist ja auch der Blick auf die Familienunterhaltung der Produzenten schuld am tölpelhaften Verhalten des schlecht gecasteten Gegners, der solch dämliche Fehler begeht, die ihn als Gegenpols zu Arnold Schwarzenegger so gar nicht würdig erscheinen lassen. Ein übler Fehler in einem Actionfilm!

„True Lies“ hat durchaus seine Momente, dafür ist das Drehbuch dann doch eine Spur zu gelungen und die Mitwirkenden zu engagiert bei der Sache. Aber er guckt sich unangenehm unausgereift, überfrachtet mit Quantitäten und verursacht ein Fremdschämen, komischer Weise auch in jenen Bereichen, für die man sich einen Schwarzenegger-Film eigentlich auch anschauen möchte. Gut zu wissen, dass er mit „The Last Stand“ heutzutage wieder mit sympathischem Ergebnis unterwegs ist. Den Karrieren der beiden Hit-Giganten hat „True Lies“ nicht geschadet, ganz im Gegenteil. Die Geschichte um Harry Tasker war der letzte große Kino-Hit des Muskelmannes und spielte dementsprechend ordentlich Geld ein. Erst das Folgewerk „Eraser“ (ohne Cameron) brachte nicht den anvisierten Erfolg an den Kinokassen.  OFDb

16.06.2012

DER OMEGA-MANN (1971)

Robert Neville ist der letzte gesunde Mensch auf Erden, seit die Menschheit von einer bakteriellen Waffe ausgerottet wurde. Tagsüber beherrscht er einsam die Stadt, nachts kommen die restlichen Überlebenden hervor: Mutanten, die sich selbst den heiligen Auftrag erteilt haben alles zu vernichten, was einst für die Moderne stand. Wissenschaftler Neville steht ganz oben auf der Liste...

Religion als Mutation...
 
Als der Stoff des letzten Menschen auf Erden das erste Mal 1964 verfilmt wurde, da wurde aufgrund unangenehmer Umstände aus einem größeren Projekt ein finanziell günstig heruntergekurbelter Streifen, der den Autor der Buchvorlage so zuwider war, dass er sich von dem Film distanzierte. Dabei war „The Last Man on Earth“ mit Vincent Price ein sehr gelungener Film. Bis zur zweiten Verfilmung hat es nur sieben Jahre gedauert. Mit der Besetzung Charlton Hestons in der Hauptrolle hatte man jemanden an Bord der 1968 bereits schon einmal in einem erfolgreichen, gesellschaftskritischen Science Fiction-Film mitgespielt hat, und der wurde auch gleich ein großer Erfolg. Die Rede ist von „Planet der Affen“.

Ob  der Buchautor Richard Matheson diesmal zufrieden sein durfte, darf zurecht angezweifelt werden, ist aus seiner Buchvorlage „I Am Legend“, die 2007 noch einmal als Großproduktion neu verfilmt wurde (diesmal mit Star Will Smith) doch eine ziemlich andere Geschichte geworden, einzig durch den Kniff dass es sich bei den mutierten Überlebenden nicht um reine Monster handelt sondern um denkende Kreaturen, die fast kaum etwas von ihrem menschlichen Wesen verloren haben. Sie reden, sie wissen was mit ihnen passiert ist, aber sie sind mutiert, sehen zerfallen aus und können bei Dunkelheit gut sehen, während Tageslicht sie von der Straße verbannt - das letzte Überbleibsel der stark Vampir-orientierten Bestien der Buchvorlage und der ersten Verfilmung.

Regisseur Boris Sagal, der ein Vieldreher war und neben diversen TV-Serien auch für die 80er Jahre Neuverfilmungen von „Das Tagebuch der Anne Frank“ und „Bei Anruf Mord“ verantwortlich war, verfolgt mit der zweiten Verfilmung des letzten Menschen gegen Mutanten ein ganz anderes Ziel als die Buchvorlage. Sagal lässt die ewigen Streithähne Wissenschaft und Religion aufeinander los, was in unserem Land sich deshalb so interessant gucken lässt, da wir durch Film und Fernsehen so gut über die kulturell sehr andersartige USA bestens informiert sind.

Sagal orientiert sich stark an die in den USA zuhauf vorzufindenden regionalen Prediger, welche die Religionsfreiheit gerne mit radikalen Reden und Aufforderungen auszunutzen wissen und kein Vergleich dessen sind, was Vertreter des Glaubens hier bei uns so treiben. Sie prangern den Fortschritt an. Wissenschaft ist böse. Und sie fühlen sich bestätigt, da die Menschheit schließlich von ihr ausgelöscht wurde. Großartig arbeitet das Drehbuch die verdrehte Argumentation des anführenden Predigers Matthias heraus, der die politischen Übeltäter gegen die lediglich forschenden Wissenschaftler austauscht, und, würde man sich auf eine Tat Gottes berufen, die nicht zu übersehenden Bestraften zu den Auserwählten Gottes macht, anstatt den einzig unversehrten Menschen der Katastrophe zum Auserwählten zu erklären.

Sagal bezieht deutlich Stellung, indem er uns Neville zur Identifikationsfigur macht und dem zur Entstehungszeit modernen Leben eine Art nostalgischen Touch beschert, weil Neville all das was das Publikum einst kannte zum Wohlfühlen zelebriert und dem fanatischen Matthias deshalb ein Dorn in seinen weißen Augen ist. Mit europäischem Blick von heute erfährt die Figur des Neville einige fragwürdige Seiten, so bescheuert wie er mit seinen Waffen durch die Gegend ballert und so barbarisch wie er teilweise über seine Feinde schimpft. Ob das in Amerika damals ähnlich betrachtet wurde ist schwer zu beurteilen, lässt sich aber zumindest als interessanten Diskussionsansatz vermuten, da im Film irgendwann die Aussage fällt, man habe Angst gehabt sich in der Stadt frei zu bewegen, so wild wie Neville auf alles schoss was sich bewegte.

Ohnehin geht die Geschichte von „Der Omega Mann“ weit über das Spiel Wissenschaft gegen Religion hinaus, befasst er sich doch nebenbei mit der Frage, wer überhaupt das Anrecht auf das Ausleben seiner Existenz hat, wenn es denn nur eine Seite geben dürfte. Steht Neville als letzte Ausnahme überhaupt noch für die Menschheit, oder müsste er sich der Masse fügen, da diese nun die Normen festsetzt? Was normal ist und was nicht ist immer eine Frage der Zeit in der man lebt, und die ist immer im Wandel.

Objektiv wird diese Thematik nicht behandelt, immerhin ist die Mutation theoretisch heilbar, wofür schließlich auch die Hauptfigur Neville steht, und selbst die Mutanten sind in keiner Schlussphase ihres Verfalls angekommen. Auch sie sterben teilweise noch durch die bakterielle Seuche, die sich noch immer unsichtbar aktiv austobt. Neville wird zwischen den Zeilen somit immer noch als das Vorzeigeleben bestätigt.

Im Vergleich zur ersten Verfilmung mit Vincent Price fällt neben der thematischen Verlagerung der Mutation auf, dass auch die Hauptfigur anders thematisiert wird. Der letzte Mensch ist nun kein geistig gesunder Pfähler mehr, sondern ein einsamer Mensch mit vielen psychischen Macken aufgrund seiner langen Einsamkeit. Zwar wird dieser Bereich der Thematik noch nicht derart vertieft wie es wirklich möglich gewesen wäre, und er wird dann über Bord geworfen, wenn die Geschichte zur Hälfte hin eine entscheidende Wendung nimmt, aber für einen Unterhaltungsfilm der frühen 70er Jahre wird dieser Bereich schon recht gut herausgearbeitet.

Beleuchtete man in der ersten Verfilmung viel die Vergangenheit des Helden (so zeigte man beispielsweise wie er den Ausbruch der Seuche erlebte und welch persönliches Schicksal damit verbunden war), so dienen Rückblicke hier nur den sachlichen Hintergründen: was ist damals passiert, und warum ist Neville nicht mutiert?! Beide Wege bieten interessante Aspekte die Geschichte zu erzählen, und hat man beide Verfilmungen gesehen, so fällt es schwer auszumachen, welches wohl die bessere von beiden ist. Zumindest geht es mir so. Da finde ich es um so trauriger, dass bei solch zwei großartigen Ergebnissen dieses einzigartigen Stoffes die 00er Jahre nur zwei müde Verfilmungen hervorbrachten. Das eine war eine Billigproduktion mit dem Titel „I Am Omega“, das andere eine Großproduktion mit dem Buchtitel „I Am Legend“, die erneut bewies, wie oberflächlich das Hollywood der 00er Jahre geworden war, selbst dann, wenn man dort einen anspruchsvollen Stoff verfilmte.

„Der Omega Mann“ hingegen ist zwar ein Werk seiner Zeit und nicht von den 70er Jahren zu trennen, aufgrund seiner großartigen Inszenierung ist aber zumindest sein Unterhaltungswert zeitlos zu nennen. Heston weiß in der tragenden Rolle Nevilles zu überzeugen. Die Geschichte über Religionswahn weiß durch die Nähe zum Zuschauer und durch interessante Wendungen immer wieder zu packen ohne einen Abbruch zu erleben. Und die Inszenierung weiß allein wegen der trostlosen Bilder einer leeren Großstadt zu überzeugen, die noch heute zu faszinieren wissen und Glaubwürdigkeit versprühen.

Ein sympathischer, schlichter Soundtrack einer in seiner Zeit festsitzender Combo bereichert die stimmige Atmosphäre des Streifens ebenso. Die Maske der Mutanten ist schlicht aber wirksam, das Erzähltempo ruhig aber actiongeladen. Somit kann man die zweite Verfilmung des Buches „I Am Legend“ als gelungen betrachten, auch wenn sie sich von der Vorlage stark distanziert, um thematisch wie stilistisch mitten in seiner Zeit zu baden. Erstaunlich, dass ein solches Werk dennoch zum Evergreen mutieren konnte und längst zu den großen Klassikern jener Ära zählt, in welcher die gesellschaftskritischen Science Fiction-Filme das US-amerikanische Kino heimsuchten.  OFDb