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25.10.2012

ENDLICH WIEDER 18 (1988)

An seinem 81. Geburtstag wünscht sich Jack noch einmal 18 zu sein. Ein Unfall während einer gemeinsamen Autofahrt mit seinem 18jährigen Enkel David erfüllt ihm diesen Wunsch. Jack erwacht im Körper seines Enkels und genießt die wiedererlangte Jugend, während David in Jacks Körper im Koma liegt...

Endlich wieder 80er-Kino...
 
Körpertausch-Komödien gibt es wie Sand am Meer. Egal aus welchem Jahrzehnt, sie waren immer von unterschiedlichem Unterhaltungswert. Langweilig wird das Thema nie, denn dafür verändert sich die Gesellschaft zu häufig, und das gibt dem Thema ewig neuen Aufwind. Neben eher schlechten Werken wie „Ich bin Du“ oder „Wie der Vater, so der Sohn“, gab es auch viele nette Versionen wie „Freaky Friday“, manchmal sogar aus ganz überraschender Richtung, wie die Sat 1-Produktion „Was ist bloß mit meinen Männern los?“.

„Endlich wieder 18“ beschreitet etwas andere Wege, konzentriert man sich in dieser Version doch nur auf eine von beiden betroffenen Personen. Um den anderen nicht grundlos zu vernachlässigen, legte man ihn auf Koma, und so findet der Film viel mehr Zeit sich auf eine Person zu konzentrieren. Damit wäre er vergleichbar mit „big“, der zwar keine Körpertausch-Komödie war, aber auf ähnlichen Pfaden wanderte, wenn auch auf genau entgegengesetzten. Dort wurde ein kleiner Junge erwachsen, nun darf ein Opa die zweite Jugend erleben.

Wer hat sich nicht schon einmal vorgestellt mit der Lebenserfahrung von heute eine Situation anders zu meistern, die einem noch ärgerlich in Erinnerung steckt. Opa Jack genießt dies und noch mehr den gesunden Körper, in dem er sich nun nach all der Zeit im gebrechlichen Körper noch einmal sportlich austoben darf. Damit die Geschichte im groben glaubhaft bleibt, wird Jack als Freigeist charakterisiert. Er gab nie etwas um Vorschriften, ist aus sozialer und gesellschaftlicher Sicht sicherlich eher fragwürdig zu nennen, wenn auch nicht ohne tief im Inneren ein Herz aus Gold zu besitzen. Er ist halt eine amerikanische Filmfigur. Wäre er anders charakterisiert, würde man sich viel zu sehr ärgern, dass er sich nur bedingt um seinen im Koma liegenden Enkel sorgt, und damit wäre die ganze Magie verloren, auf die der Film baut. Einem reiferen Charakter würde man zudem nicht zutrauen sich ernsthaft zu wünschen noch einmal 18 zu sein. Die Pickel, gesellschaftliche Zwänge, sexuelle Ängste, wer will denn ernsthaft wieder Teenager sein?

Magie wäre anbei ein interessantes Stichwort: Warum die beiden nun die Körper tauschen wird nicht ganz klar. Der Film deutet an, dass es der Zufälle ein paar zu viel gab, was bedeuten könnte, dass das Schicksal etwas verwirrt wurde, eine deutliche Erklärung gibt es jedoch nicht, und das ist nicht einmal ärgerlich, sind die gegebenen Andeutungen doch viel aufregender als eine echte Erklärung.

Die Geschichte ist nett erzählt. Sie hält Komik und eine leichte Dosis Tragik bereit. Sie baut auf dem typischen 80er Jahre-Thema auf, dass der Verlierer/der Schüchterne es endlich allen zeigen kann. Das pumpt zum Glück nicht nur bei Betroffenen das Selbstbewusstsein auf, es ist auch wirklich eine schöne Grundlage zum Geschichten erzählen. Bei „Endlich wieder 18“ wäre es allerdings nett gewesen, der David-Figur etwas mehr Lichtblicke in seinem Charakter zu bescheren. Bis auf sein Maltalent verkörpert der Junge nichts positives. So wie er präsentiert wird, scheint es unglaubhaft, dass er zurück in seinem Körper, nicht wieder ins alte Muster zurückfallen wird.

Ein weiteres Ärgernis schlich sich in die Story ein. Dass man auf das Gebiet des Sports achtet liegt nahe, wenn ein alter Mann wieder jung ist. Jedoch verbreitet der Film die Botschaft, dass nur der was ist, der sich sportlich bemüht, wenn nicht gar, der sportlich was drauf hat. Allein dass Davids/Jacks Gegner keinen Widerspruch erfährt, wenn er gegen Ende, gesellschaftlich am Boden liegend, verkündet, die Entscheidung über den Held der Schule falle erst beim morgigen Wettrennen, unterstreicht meine Behauptung, die sich aber auch in anderen Aspekten zeigt.

Der Film funktioniert trotz dieser Mankos dennoch recht gut. Das liegt weniger an den großen Lachern, der Humor kommt eher still daher, hat zwischenzeitlich aber auch wirklich goldige Momente. Beispielsweise wenn Jack träumt, er käme als alter Mann zu der Verabredung mit der Schulschönheit. „Endlich wieder 18“ versteht sich jedoch nicht nur als Komödie. Er lebt auch viel von seinen ruhigen Momenten, die ab und an ganz leicht ins Tragische hinein gleiten. Die beiden Vater-Sohn-Konflikte werden nett thematisiert, der Unterschied zweier Zeitgeister, ganz kurz blitzt Kritik am Schulsystem auf, und selbst Pauly Shore darf in einer kleinen Nebenrolle einen sensiblen Moment erleben, bevor er mit Quatsch machen berühmt wurde und es dergleichen nicht mehr gab.

Der Haupttrumpf des Films liegt aber ganz deutlich in der Sympathie der Figuren. Ob es die kleine Rolle Davids Vater ist, noch kleinere Figuren wie die Rolle Pauly Shores, ja selbst der Konkurrent bleibt nicht völlig ohne Sympathie, wird er doch seelisch gekränkt gezeigt, wenn seine feste Freundin plötzlich mit David ausgeht. Hier wird nicht der harte Macker gezeigt, wie man ihn z.B. als Gegner im ersten „Karate Kid“ erleben darf, hier wird ein Arschloch gezeigt, das auch Gefühle hat. Gerade das US-Kino von heute könnte sich davon eine Scheibe abschneiden.

Die Freundin Jacks stellt die Ausnahme da. Sie verkörpert das Böse, und dies comicartig übertrieben gewollt, dass es auch o.k. zu nennen ist. Immerhin wirkt sie so abstoßend wie sie wirken soll. Vielleicht hätte man aber auch wen casten sollen, der wenigstens etwas sexuell reizvoll aussieht. So funktioniert die Figur nämlich nur halb.

Der gute Cast macht an der Figurensympathie wesentlich mehr aus, als das Drehbuch. George Burns spielt als gäbe es kein Morgen, beweist dass er über sich selber lachen kann, und quarzt eine Zigarre nach der anderen, wie man ihn halt kennt. Im deutschen bekam er die Synchronstimme Bud Spencers, die seinen Charaktermix aus rau und herzlich super unterstützt.

Charlie Schlatter ist ebenfalls eine gute Wahl gewesen, beobachtete dieser doch aufmerksam Burns Spiel und baut es während der Körperbesetzung in seins mit ein. Zudem bewegt er sich wie ein alter Mann, das sieht auch sehr echt aus. Sein selbstgefälliges Lächeln lädt zum Reinschlagen ebenso ein wie zum auf die Schulter klopfen. Schade dass er mittlerweile Mist wie „Police Academy 7“ dreht. Früher hatte ich vermutet, dass man von ihm noch mehr hören dürfte, wusste er doch beispielsweise auch als kleiner Bruder von Michael J. Fox in „Die grellen Lichter der Großstadt“ zu überzeugen. Er ist vielleicht nicht das übergroße Talent, aber mehr Beachtung hätte er schon verdient, vielleicht vergleichbar mit dem späten Ruhm, den nun der ehemalige Teeniestar Patrick Dempsey endlich erreicht hat.

Die Besetzung ist insgesamt sehr geglückt, lediglich die Frauenrollen fallen mau aus. Davids Mutter spielt mausgrau und ist für die Geschichte nicht wichtig, Jacks Freundin ist wie oben erwähnt nur halb wirksam, und das Mädchen, in das sich David verliebt hat, überzeugt auch nicht. Sie ist oberflächlich besetzt, und ihr Charakter kann sich mit dem selben Adjektiv kleiden, obwohl dies vom Drehbuch nicht so gewollt ist. Sie spielt eine unsympathische Person, die man gern haben soll. Das funktioniert ohnehin nicht. Ihr Spiel ist jedoch so blass, dass es auch sonst nichts positives über sie zu sagen gibt.

Die Musik ist recht simpel gestrickt, sie soll ebenfalls das Gefühl aufbauen, dass man im Leben alles erreichen kann, wenn man nur will, aber sie wirkt. Wir haben es hier ja ohnehin mit einem kleinen Film zu tun, da erwarte ich auch keine großartige Komposition.

Netter Film, der mit sympathischeren weiblichen Rollen besser funktioniert hätte und der den Sport nicht zur Gottheit hätte erklären sollen. Dann wäre er noch eine Spur besser und vielleicht so gut wie ein „Can’t Buy Me Love“ oder „Summer School“.  OFDb

10.09.2012

PAULY SHORE IS DEAD (2003)

Da ihn keiner mehr sehen will und dementsprechend auch keine Produzenten mehr auf ihn zu treten, inszeniert der Z-Promi Pauly Shore seinen eigenen Tod und wird von nun an als viel zu früh gestorbene Komiker-Legende gefeiert...

Wenn man nix kann, kann man nix...
 
In unserer Medienwelt ist es keine Seltenheit, dass auch Menschen gepuscht werden, die kein bzw. kaum Talent besitzen. Wenn man als Z-Promi also nun nicht das „Glück“ hat als Moderator bei 9-Live zu enden, was soll man dann machen? Eine ähnliche Frage stellt sich der unbeliebte amerikanische Komiker Pauly Shore, dessen Hoch längst vorbei ist, und auf die Antwort aufhören kommt er genau so wenig, wie die anderen Geltungssüchtigen seiner Branche. Shores Antwort fällt jedoch zunächst interessant aus.

Der untalentierte Mann ließ nach seinem letzten großen Versuch der Menschheit Komik zu schenken 6 Jahre vergehen und produzierte selbst einen Film mit sich in der Hauptrolle als er selbst. Hier inszeniert er seinen Tod, um die Anerkennung zu ernten, die ihm zu Lebtagen verwehrt wurden. Dies ist eine nette Idee, und Dank der Hilfe allerhand Prominenz, an die man gemessen am Talent Pauly Shores kaum glauben kann, wenn man es nicht selbst gesehen hat, ist man in Versuchung Shores Comeback durch Sichten seiner ersten Regiearbeit eine Chance zu geben.

Warum auch nicht, der Aufhänger ist cineastische Verführung pur. Zudem verspricht er einen selbstkritischen Rückblick Pauly Shores, und dass dieser Strippenzieher ehrlich und relativ authentisch bleibt, kann man ihm wohl zu Recht anerkennen. Pauly macht weder ein Geheimnis daraus, dass die Flut an Prominenten wohl seiner Mutter zu verdanken sind, der viele ihren Karrierestart verdanken, da die gute Frau eine Comedybühne leitete, noch dass seine eigene Karriere mit einer Sitcom endete, die so schlecht war, dass sie vom Fernsehsender nach nur einer Folge eingestellt wurde.

Das sind alles keine inszenierten Wahrheiten einer Pseudo-Dokumentation, sondern Tatsachen. Allerdings sind es auch Wahrheiten, die zumindest in Amerika bekannt waren, wo Pauly Shore eine Berühmtheit war. In Deutschland kennen ihn nur die wahren Filmfreaks, und ob deren Wissen und Interesse über Pauly vor „Pauly Shore Is Dead“ so weit ging, um besagtes US-Grundwissen über ihn zu erlangen, ist wohl nur in Einzelfällen nicht auszuschließen. So mutig wie der Film uns Deutschen vorkommen mag, ist er damit nur bedingt.

Auch Shores Sexsucht, die immer wieder Platz für kleine Albernheiten lässt, war dem Amerikaner längst bekannt. Was also blieb, war die Privatperson Paul näher zu beleuchten. Aber dafür will „Pauly Shore Is Dead“ wieder viel zu sehr Komödie sein. Wir sehen den Privat-Pauly nur als Promi-Pauly, vielleicht war gerade das sein Kniff und die Kunstfigur Pauly stets identisch mit der Person, die er wirklich war. Aber so sehr Shore auch die Kritik seines mangelnden Talents in den Mittelpunkt hievt, erleben wir hier nur einen Mann, der nicht einsieht untalentiert zu sein.

Klar reitet Pauly auf seiner klassischen Wieselfigur herum, spielt den verwöhnten Nörgler a la „Schwiegersohn Junior“, aber inmitten von Übertreibung funkelt immer ein Rest auf, der suggerieren soll, dass es eigentlich unfair ist, dass diese gepuschte Karriere nun beendet ist. Ein Vergleich mit Adam Sandler schwebt so im Grenzbereich, bei dem man nicht weiß, wie ernst Pauly der Vergleich tatsächlich ist. Ist er wirklich als übertriebener Witz gedacht? Zumindest wenn man den selbstbewussten Shore auf dem Bonusmaterial gesichtet hat, darf man dies anzweifeln.

Dort darf man ebenso Zeuge seiner Improvisationskunst werden, und die ist offen gesagt schon unter aller Sau. Sie ist simpelste Gossenkomik, und lässt sogar Glückstreffer vermissen, die selbst ein unlustiger Fips Asmussen erreicht, wenn er 100 Witze am Stück erzählt. Verständlich also, dass es ein Fehler war dieses so wundervoll klingende Konzept Pauly selbst in die Hand zu drücken. Vielleicht war es auch nur eine Notlösung, da sich kein Regisseur fand. Aber das wird wohl nicht der Fall gewesen sein, was allein besagte Prominenz zeigt, die das Werk mit Kurzauftritten veredelt.

Eine biographisch angehauchte Komödie im semiprofessionellen Flair anzubieten klingt nicht widersprüchlich. Dieses Amateurfilm-Feeling will jedoch nie positiv zur Geltung kommen und lässt die Erwartung somit von Anfang an sinken. Eine faire Chance will man dem Werk trotzdem geben, und gerade zu Anfang ist das noch möglich, wenn Shore mit Tatsachen um sich schmeißt, sich selbst verarscht und Promis nicht nur ihr Gesicht rein halten, sondern damit auch typisches Promi-Verhalten parodieren.

Leider lässt der Film aber genau jenen Aufhänger fallen, der auf dem Cover so unglaublich interessant klang. Was will man lieber sein? Ein lebendiger und erfolgloser Trottel, oder eine gefeierte, tote Legende? Klingt als müsse der Held der Geschichte eine Entscheidung treffen. „Pauly Shore Is Dead“ arbeitet aber nie damit, dass Shore in sich selbst gehen muss um besagte Entscheidung zu treffen. Nach einer viel zu blauäugigen Phase des Trauerns und Feierns um Pauly Shore, wird über Fremdhilfe ungewollt viel zu schnell aufgedeckt, dass der Tod nur eine Inszenierung war, dass die Leiche Paulys nur ein Fake war und der zuvor schon unbeliebte Mensch ein Betrüger ist, der es sich jetzt auch noch bei jenen vergeigt hat, die bislang noch immer seine größten Fans waren: die Hinterwäldler. Leider ist dies nur eine von wirklich sehr wenig witzigen Ideen in dieser Phase.
 
Denn von nun an verlässt der Film den (halbwegs) authentischen Pfad und wird zur reinen klamaukigen und nervigen Pauly Shore-Komödie, die das bestätigt, was sein selbstsicherer Auftritt im Bonusmaterial nur zwischen den Zeilen vermuten ließ: Pauly hat nichts hinzugelernt, glaubt mit der lustigen Idee des Films nur wieder auf sich aufmerksam machen zu müssen, um auf selben Niveau wie einst weitermachen zu können. Da kann man nach all den vergangenen Jahren rückblickend nur freudig jubilieren, dass dieser Versuch in die Hose ging.

Schaffte es Pauly zumindest in der ersten Hälfte noch damit zu trumpfen, sich als ebensolches fragwürdiges Arschloch zu präsentieren wie Bastian Pastewka in „Pastewka“ oder Bruce Campbell in „My Name Is Bruce“, so rutscht er in der zweiten Hälfte dann phasenweise doch viel zu sehr vom echten Pauly ab, so dass man nicht einmal mehr von Selbstparodie reden kann. Einen Psycho zu mimen, der jemand Totes zweckentfremdet hat, um sich selbst als tot darzustellen, hat nichts mehr mit Selbstparodie zu tun, das ist eine erfundene Filmfigur, die nun Teil einer komplett erfundenen Geschichte wird, deren Realitätsgehalt sich immer mehr auflöst.

Schon die erste gelungenere Hälfte funktionierte nur so halb mit viel Augenzudrücken und einem gewissen Stolz den Mut Shores betreffend. Aber wenn man erst einmal gesehen hat worin das endet, fragt man sich: wofür wurde dieser Film gedreht? Doch wohl nicht wie er heuchelt um das mangelnde Talent zu bestätigen und sich vielleicht für die penetrante Präsenz in der Medienwelt zu entschuldigen, sondern einzig und allein um den Zuschauer daran zu erinnern, dass es Pauly Shore noch gibt.

Man ist gewohnt, dass Z-Promis immer wieder einen Weg zurück in die Massenmedien finden. Dafür wechseln sie auch gerne mal auf Zwang ihre Nischen. Pauly will jedoch in die alte zurück und outet sich dadurch als Blender. Bei einem guten Ergebnis hätte man ihm das vielleicht verziehen, aber genau darin liegt der Hund schließlich begraben. Wie will man ein gutes Ergebnis erzielen, wenn man so gar kein Talent besitzt?  OFDb