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28.01.2020

THE AMAZING SPIDER-MAN (2012)

Gerade einmal fünf Jahre nach Raimis letztem "Spider-Man"-Film erschien bereits ein Neuansatz, der ebenfalls wieder bei der Entstehungsgeschichte des Titelhelden beginnt. Das rief seinerzeit Spott und Hohn hervor, Filmfreunde klagten es sei zu früh für eine Wiederbelebung und sahen in derartigen Projekten eine Sackgasse, die beweisen würde, dass den Produzenten in Hollywood nichts neues mehr einfallen würde. Letzteres kann man nicht unbedingt verneinen, aber mit dem Versuch die Geschichte von Spider-Man erneut zu erzählen, habe ich schon immer sympathisiert, ist die Geschichte doch weiterhin erzählenswert und wäre es doch schade gewesen, wenn nach nur drei Filmen für lange Zeit Schluss gewesen wäre. Zudem hat Regisseur Marc Webb, dem wir auch den wundervollen "(500) Days of Summer" verdanken, keineswegs einen Klon von Raimis Version um den berühmten Comic-Arachniden geschaffen, schaut sich "The Amazing Spider-Man" trotz erneuter Entstehungsgeschichte des Helden doch völlig anders.

Das beginnt bereits mit dem ernsteren Ton, den die Neuauflage anschlägt und nur dann humorvolle Momente kurzfristig gestattet, wenn es um das Entdecken der neuen Fähigkeiten geht. Ansonsten ist der Film in familienfreundlichem FSK 12-Gewandt düsterer und bitterer ausgefallen. Die Tragik um Peter Parker beginnt bereits in der Kindheit, lange Zeit bevor er zu Spider-Man wird. Das Geheimnis um seine Eltern und deren Tod erschafft ein Mysterium voll offener Fragen, vergleichbar mit der Geschichte um "Batman". "The Amazing Spider-Man" ist ein pessimistischer Film, der immer wieder vom Optimismus des Helden aufgelockert wird, aber selbst diese Momente sind rar gesät, so stark wie Peter leidet und verwundet und niedergeschlagen von nächtlichen Streifzügen heimkehrt. Die Solidarität des einfachen Arbeiters beschert dem Film einen weiteren optimistischen Moment, das war es aber auch schon. Es ist erstaunlich dass ein Film, der einen Echsenmenschen ins Zentrum setzt, in so ernster und bitterer Art zu funktionieren weiß, denkt man bei dieser Thematik doch eher schmunzelnd an Filmklassiker der 50er Jahre oder an Kirks Kampf in einer der ersten Folgen der Serie "Raumschiff Enterprise". Aber es funktioniert - freilich auch durch die hervorragende Animation der Kreatur.

Die Spezialeffekte aus dem Computer wissen nach solch wenigen Jahren Pause tatsächlich besser zu überzeugen, als in den Spider-Man-Filmen der 00er Jahre, was gerade in den nett choreographierten CGI-Kampfsequenzen zwischen den beiden Kontrahenten auffällt. "The Amazing Spider-Man" lebt viel von seiner Action, ganz im Gegenteil zu Raimis ersten beiden Teilen. Und mag der Neuansatz auch in vielen dramatischen Aspekten baden, so empathisch wie die Feel Good-Version der Vorgänger kommt er trotz dieses Schwerpunktes erstaunlicher Weise nicht daher. Aber mag sich alles auch theoretischer anfühlen, ein ehrlicher Ton bleibt bestehen, Webbs Werk badet nicht in Theatralik, sondern schlichtweg in einem angenehm atmenden Comic-Klischee, wie es sich für eine Superhelden-Geschichte gehört. Neben diverser Veränderungen stilistischer Art, gefällt mir auch der Ansatz, dass Spider-Man nicht von Natur aus Fäden schießen kann, sondern dafür eine eigens entwickelte Apparatur benötigt. Das mag so realitätsfern sein, wie das eigene Herstellen des etwas übertrieben glänzenden Anzugs, aber wer derartiges hinterfragt, wird ohnehin nicht glücklich mit Stoffen dieser Art, derartige "Schwachstellen" gehören zu einem Superhelden-Film einfach dazu. Mit Andrew Garfield und Martin Sheen interessant besetzt, gibt es somit nichts zu meckern. Ganz im Gegenteil, weiß "The Amazing Spider-Man" mit seinem völlig anderen Ansatz ähnlich gut zu gefallen, wie die ersten beiden Raimi-Versionen der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft.  OFDb

01.01.2016

THE ROCKER (2008)

Erstmals aufmerksam wurde ich auf Rainn Wilson in seiner Vater-Rolle in „Hesher“, die seine Wandlungsfähigkeit bereits mehr als deutlich machte. Später in der Hauptrolle in der Superhelden-Parodie „Super“ erkannte ich ihn gar nicht wieder, brillierte er doch auch hier mit gekonntem Spiel, da er sowohl die feinen als auch die lauten Möglichkeiten der Schauspielerei beherrscht. Nach mittlerweile drei von mir gesichteten Staffeln der amerikanischen Sitcom „The Office“, in welcher Wilson den Dwight mimt, habe ich mir endlich seinen Namen gemerkt. Nun gehört er zu jenen Leuten seines Fachs, deret wegen ich auf Filme neugieriger werde, deren Stoffe mich zunächst nur bedingt interessieren. Und so griff ich auch zu „The Rocker“, der mir ein bisschen zu sehr nach dem fünf Jahre zuvor erschienenen „School of Rock“ mit Jack Black in der Hauptrolle klang.

Die Ausgangslage ist tatsächlich recht ähnlich, und im direkten Vergleich wirkt der eigentlich talentiertere Mime Wilson nicht so gut besetzt wie Black einst im Vergleichsfilm. Zu wirken weiß der gute Mann für sich gesehen jedoch sehr wohl, und die Geschichte geht recht schnell eigene Wege, so dass beide Filme dann doch nicht wirklich zu vergleichen sind. Eines haben sie jedoch trotz aller Unterschiedlichkeiten gemein, beide baden im Mainstream, der eine etwas mehr, der andere etwas weniger gelungen. Aber so oder so: innovativ sieht anders aus.

Man kann von Glück reden dass der kitschige „Highschool Musical“ nicht zu viel Einfluss auf „The Rocker“ ausgeübt hat. Sicher gibt es den einen nur aufgrund des Erfolges des anderen, aber man wechselte glücklicher Weise nicht nur die Musikrichtung, man orientierte sich auch an die Mentalität die mit dieser einher geht. Streng genommen muss man sogar sagen mit den Mentalitäten, denn hier trifft das Lebensgefühl des klassischen Rocks aufgrund des Generationenzusammenknalls auf die Mentalität des modernen Rock.

Und hier befindet sich auch einer der Schwachpunkte des Streifens, ist „The Rocker“ doch trotz des Alten im Mittelpunkt hauptsächlich am jüngeren Publikum orientiert erzählt, und da kommt der weichgespülte, leicht geklont wirkende Rock der im Zentrum stehenden Band doch etwas zu gut weg, so ganz frei von Kritik, in einer Geschichte, in welcher der große Traum von Teenagern wahr wird. Dass dies in seiner völlig verharmlosten Form mit seinem blauäugigen Blick auf den Alltag im Rampenlicht nicht vollends den Bach runter geht, liegt letztendlich einzig an Fishman, der als durchgeknallter Fremdkörper in einer an sich geordneten Welt ordentlich Chaos anstiftet.

Kompromisslos funktionieren würde dieser absichtliche Zusammenknall jedoch nur wirklich, wenn die Basis auf welcher sich Wilson austobt, die Normalität, auch realitätsorientiert dargestellt würde. Das ist leider nicht der Fall, so dass „The Rocker“ trotz seiner sympathischen Besetzung (Christina Applegate als verständnisvolle Mutter, die völlig unterforderte Emma Stone, die so viel mehr kann als hier von ihr verlangt wird) zu sehr zwischen schwülstigen Pubertätsträumen und der Komik eines Mannes, der nie erwachsen werden wollte, hin und her springt.

Sicher macht das auf 90 Minuten Spaß, zumal es einige wahrlich lustige Szenen zu sehen gibt. Aber insgesamt ist „The Rocker“ dann doch zu routiniert und vorhersehbar ausgefallen, als dass man ihn wirklich irgendwem empfehlen wollen würde. Kurzum: als harmloser Zwischendurchverzehr geht Peter Cattaneos humoristischer Musikfilm in Ordnung, zu mehr reicht es nicht. Auch die Kompositionen der Rockband reißen nicht wirklich vom Hocker und machen eher die Probleme der heutigen Musikindustrie deutlich anstatt sie zu feiern. Erkannt hat das bei der Umsetzung von „The Rocker“ aber scheinbar niemand.  OFDb

06.09.2015

SUPERBAD (2007)

Ich muss schon sagen, was Party-Filme betrifft hat es Seth Rogen wahrlich drauf. Was er neulich wieder mit „The Interview“ bewiesen hat (der mir erst beim zweiten Gucken richtig gefiel), mit „Das ist das Ende“ zur Königsübung werden ließ und auf Kiffer-Basis mit ein wenig Geduld auch mit „Ananas Express“ ablieferte, sind Weiterführungen von „Superbad“ mit dem diesbezüglich alles los ging. Rogen selbst schrieb am Drehbuch mit und bescherte sich nur eine größere Nebenrolle, was Sinn macht, ist der hier besprochene Film im Gegensatz zu dem was folgen sollte doch eine Teenie-Komödie, und für die war der alte Specki definitiv zu alt.

Also musste Busen-Kumpel Jonah Hill in der Hauptrolle besetzt werden, was kein Fehler sein kann. Als ebenso gut gewählt erweist sich Michael Cera an seiner Seite und Christopher Mintz-Plasse, der hier schon ähnlich Comic-artig übertrieben agieren darf wie später in den beiden „Kick-Ass“-Filmen. Seine Darstellung des Nerd, der selbst dann noch völlig ohne Rückgrat wirkt, wenn er für den großen Helden gehalten wird, ist wahrlich witzig, wenn auch keine große Schauspielkunst. Bill Hager harmoniert wunderbar neben Rogen, so dass es kein Wunder ist, dass beide noch das ein oder andere Mal in gemeinsamen Filmen agierten. Und Emma Stone ist ein Traum und macht mit ihrer bodenständigen, natürlichen Art wieder Lust auf „Einfach zu haben“, eine völlig unterschätzte geistreiche Teenie-Komödie.

Somit spielt sie dort im Gegenteil zu hier, denn hier soll nur der Spaß am Spaß herrschen, und das bedeutet nach Rogen-Rezeptur Pimmelwitzchen, Anarchie, Drogen und herrlich schräge Dialoge - und es funktioniert. Zwar reißt „Superbad“ aufgrund seiner Teenie-Story nicht so mit wie spätere erwachsenere Party-Filme, aber dafür erfüllt der Film auch andere Kriterien die an das Jungpublikum gebunden sind. So sind die Love Storys, die sehr klein gehalten wurden, recht süß ausgefallen, und das Drehbuch geht fair und realistisch mit dem Seelenleben der Protagonisten um.

Dem gegenüber steht eine Geschichte wie sie realitätsferner nicht sein könnte und sein möchte. Damit kann man sich entweder anfreunden oder eben nicht. Es kommt wie bei jedem Rogen-Film darauf an wie angepasst man an die Political Correctness ist, oder wie sehr man sich leicht geistreichen Nonsens im Anarcho-Gewand wünscht. Leute die überall nach Niveau suchen werden ihn mit ihrem Tunnelblick selbst dann nicht finden, wenn es aufblitzt, dabei ist es in jeder Party-Komödie die von Rogen geschrieben wurde zu finden. Seine Werke sind eine Lebenseinstellung. Entweder die Mentalität passt oder nicht. In „Superbad“ wird man noch am ehesten den Kompromiss erleben, denn durch den Hauch von Story und Identifikation mit der eigenen Jugend wird vielleicht auch mancher Rogen-Nörgler noch etwas mit diesem frühen Werk voll begabter Jungstars anfangen können.

Inszeniert wurde der Streifen von Greg Mottola, der mit seinem „Paul - Ein Alien auf der Flucht“ damals die Warzeit auf Simon Peggs und Nick Frosts dritten Cornetto-Film versüßte. Im Original wurde der Außerirdische von Seth Rogen gesprochen. Ähnlich wie bei Adam Sandler-Produktionen besteht ein Familien-ähnliches Gefüge zwischen den Darstellern. Fast jeder tauchte mehr als einmal in Filmen des anderen wieder auf oder teilte sich gar die großen Rollen.

Als ich „Superbad“ damals als er neu erschien gesehen habe, fand ich ihn lediglich ganz nett. Jetzt wo ich die Familie kennen gelernt habe schaut sich der Streifen völlig anders, wesentlich lebendiger und liebevoller. Und im Gegensatz zu damals weiß ich heute die wunderbar schrägen Rogen-typischen Dialoge zu schätzen. So viel ich weiß habe ich den Film damals aber ohnehin nur halb motiviert geguckt. An die späteren Party-Filme des Autors kommt er noch immer nicht heran, aber er hat mir mit all seinen bescheuerten Situationen wahrlich viel Freude bereitet.  OFDb

07.09.2014

THE AMAZING SPIDER-MAN 2 - RISE OF ELECTRO (2014)

Als 2012 mit „The Amazing Spider-Man“ nur wenige Jahre nach Sam Raimis Trilogie um den arachniden Superhelden erneut die Entstehung Peter Parkers zu Spider-Man erzählt wurde, durfte man sich schon wundern, dass dieser Film auf recht eigene Art zu punkten wusste, setzte er doch andere Schwerpunkte als der 10 Jahre zuvor entstandene „Spider-Man“ und hatte man mit Andrew Garfield doch einen aus dem Dramen-Bereich talentierten Mimen an Bord, der in der Rolle Parkers zwar nicht ganz so gut zu wirken wusste wie Tobey Maguire, aber noch immer eine gute Wahl für die Besetzung war.

Was den heruntergeschraubten Humorpegel und die damit etwas ernstere Umsetzung von Teil 1 betrifft, so hält sich auch die Fortsetzung an dieses Rezept. So charmant ausgefallen wie sein Vorgänger ist „The Amazing Spider-Man 2 - Rise Of Electro“ dann leider aber doch nicht, ist dieser doch selbst für einen Superhelden-Film aus viel zu kindlichst naiver Sicht erzählt. Der Gegner wirkt in seinem Verhalten wie aus einer Zeichentrickserie entlaufen, die Dramaturgie des Streifens wird zu plastisch mit hohlen Phrasen heruntergeleiert, die Glaubwürdigkeit von Randfiguren für reißerische Elemente geopfert (z.B. in jener Szene, in welcher Peter die Wahrheit über seinen Vater erfährt), und die Action wird für einen Blockbuster derart hochgeschraubt, dass es nicht mehr um die Action der Geschichte geht, sondern um das Angeben mit neuesten Spezialeffekten.

Zwar weiß auch Teil 2 Szenen-weise noch gelegentlich zu gefallen, meist wenn es humoristisch wird, und das Ableben einer gemochten Figur wird doch noch als einzig halbwegs funktionierender dramatischer Moment eingefangen, insgesamt ist „The Amazing Spider-Man 2“ mental aber endgültig im Bereich des Kinderfilmes angekommen. Ernst nehmen kann man ihn, selbst für Superhelden-Verhältnisse, nicht mehr. Schade! Nach dem geglückten Teil 1 war ich sehr optimistisch, dass es nach Sam Raimis tollen Filmen mit Spider-Man positiv weiter geht. Hoffentlich bleibt Teil 2, der etwas hektisch von einem Erzählschwerpunkt zum nächsten springt, die Ausnahme. Aber so oder so: an einen Teil 3 werde ich sehr kritisch herangehen.  OFDb

20.08.2014

EINFACH ZU HABEN (2010)

Zwar träumt Olive vom perfekten Gentleman, wie sie es aus Teenie-Filmen wie „Das darf man nur als Erwachsener“ und „Can‘t Buy Me Love“ kennt, der Stil dieser genannten Werke trifft jedoch nicht auf den von „Einfach zu haben“ zu. Der ebenfalls im Film genannte „Ferris macht blau“ kommt der Sache mit seinem Fun-Kern da schon näher, wirklich treffsicher ist jedoch ein Vergleich mit „Clueless“, der seine Zeit kritisch, aber doch positiv betrachtete, genau das was Will Glucks zweite Regie-Arbeit ausmacht. Ständig werden Klischees heutiger Kinozeiten eingestreut, um sie im nächsten Moment als Konstrukt zu enttarnen und ihnen den Rücken zu kehren, während der aktuell, flotte Erzählstil positiv genutzt wird, um die Energie der Geschichte richtig zu nutzen und auf den Zuschauer übertragen zu können.

Der Nachteil an dieser Vorgehensweise ist, dass so ziemlich jeder Nebencharakter zu kurz kommt, was schon recht schade ist, da die meisten durch ihre Charakterzeichnung und Besetzung sehr gelungen sind und durchaus mehr Beachtung verdient hätten. „Einfach zu haben“ möchte den kompletten Kosmos dessen was ein Gerücht für Wellen schlagen kann einfangen, so dass die meisten Figuren eher Episoden-weise vorbei schauen, während Emma Stone als Olive die einzige Figur ist, die wir wirklich intensiv kennen lernen. Wirklich schaden tut diese Herangehensweise dem Film nicht, er weiß definitiv zu wirken und zu gefallen, zumal er sich in seiner intelligenten Umsetzung deutlich von Konkurrenzprodukten abhebt.

Zwar fehlt „Einfach zu haben“ der letzte Schliff um in der obersten Liga der Teenie-Komödien mitspielen zu können, sehenswert ist er in seiner charmanten, wie geistreichen Umsetzung aber definitiv, auch wenn ihm mit dem Ausblenden wahrer Problemlösungen echter Tiefgang mit der Thematik fehlt. Was geschehen ist lässt sich gegen Ende recht leicht wieder gerade biegen. Und eine Schuldzuweisung des schwulen Freundes, der Olives Vertrauen gebrochen hat und damit überhaupt erst für das ganze Chaos verantwortlich ist, findet nicht statt. Andererseits besitzt gerade diese Gleichgültigkeit mehr Tiefe als man zunächst vermuten würde. Sie steht für mehr als für die gedankenlose Lässigkeit, welche der hier aufgezeigten Generation gerne vorgeworfen wird. Sie steht Pate dafür, dass man auch als mündiger, interessierter Bürger nicht alles im Leben zu ernst nehmen sollte, dass man sich mehr auf sein nahes Umfeld konzentrieren sollte um sein Glück zu finden und dass das Gegenteil von geistlosem Leben nicht ein verkopfter Lebensstil sein muss.  OFDb
 
Nachtrag:

Mittlerweile habe ich "Einfach zu haben" mehrere Male gesehen und finde ihn sehr intelligent und unterhaltsam erzählt, weit über dem Durchschnitt. Das Problem mit zu kurz kommenden Randfiguren kann ich mittlerweile nicht mehr nachvollziehen, lässt das Drehbuch doch jede Figur mehr Tiefe schnuppern als es der durchschnittliche Teenie-Film tut. "Einfach zu haben" punktet auf der emotionalen Ebene ebenso wie auf der intellektuellen und der des Humors und ist somit ein empfehlenswerter Ausnahmefilm inmitten eines viel zu Party-geilen Genres.

04.10.2012

ZOMBIELAND (2009)

Ein Verklemmter und ein Zyniker ziehen durch ein von Zombie bevölkertes, fast menschenleeres Amerika und stoßen auf zwei Schwestern, die sie in Schwierigkeiten bringen...

Die Suche nach dem Naheliegenden...
 
Zombiefilme gibt es wie Sand am Meer, und erstaunlicher Weise lag es nie an einer einfallsreichen Geschichte, ob ein Beitrag in der Masse auf sich aufmerksam machte oder nicht. Seit je her läuft das Sub-Genre nach selbem Muster mit leichten Veränderungen ab, und schon seit der 80er Jahre rettete man sich innerhalb dieser Filmgattung hin und wieder in den Humorbereich.

Dieser ist auch in den 00er Jahren gut besucht gewesen, brachte Geheim-Tipps wie „Fido“ hervor, intelligente Innovationen wie „Shaun Of The Dead“ und manchmal einfach die kurzweilige Unterhaltung ohne Anspruch für zwischendurch wie „Dead And Deader“. Zur letzten Kategorie darf sich auch „Zombieland“ zählen, der von seiner eigentlichen Geschichte her belangloser nicht sein könnte. Aber er hat Stil und vor allen Dingen einige lustige Ideen parat, so dass sich ein Blick tatsächlich lohnt.

Schon die Einführung macht es einen leicht mit dem Werk zu sympathisieren. Man vereint die Kennenlernphase mit der Identifikationsfigur mit den Umständen und Überlebensregeln in Zombieland und bekommt dabei auch gleich den augenzwinkernden Grundton zu spüren, der dominant vor dem Horroraspekt steht. Im Vergleich zu anderen Zombiefilmen mag „Zombieland“ im Gore-Bereich etwas zahmer ausgefallen sein, dennoch darf man staunen was heutzutage so alles als FSK 16 durchgeht. Die Zeiten einer FSK 18 für „Carrie“ und „Schreckensmacht der Zombies“ ist schon lange rum.

Dass das Blut meist aus dem Computer kommt, stört ausnahmsweise mal weniger, was daran liegen mag, dass die Ekeleffekte ohnehin wenig beachtet werden. Wozu auch? Der Amateursektor hat sich seit je her bemüht diesen Bereich überzubewerten und den Allesgucker zu übersättigen. So macht es Spaß stattdessen mit Situationskomik unterhalten zu werden und den Bereich gelungener Spezialeffekte auf anderer Ebene genießen zu können.

„Zombieland“ funktioniert mit wenig Figuren, und diese haben recht grobe Charaktere, sind gar Stereotype, die in ihrer Übertreibung jedoch nie zu einseitig dargestellt werden. Der Verklemmte scheut sich nicht jeder Lebenslage, der Draufgänger wütet nicht pausenlos, usw. Das macht auch die Dialoge erträglicher, die jeder Figur zwei innere Seiten herausarbeiten, so monoton sie eigentlich auch für den eigentlichen Filmzweck als Figur eingebaut werden.

Eigentlich zeigt uns Regisseur Fleischer auf bissige und übertriebene Art die typischen Amerikaner, wie sie allgemein gerne in Filmen dargestellt werden: etwas dümmlich, aber lebensfroh und liebenswürdig, etwas gedankenlos, aber die Welt als Spielplatz betrachtend. Das findet in Zombieland freilich auf sehr extreme Weise statt, wird dafür aber auch deutlicher als eh und je, vor allen Dingen dann, wenn das Finale in einem Freizeitpark stattfindet, der den Figuren allerhand Möglichkeiten gibt sich den Untoten spielerisch zu entledigen.

Von psychologischer Tiefe braucht man da nicht sprechen, und Gesellschaftskritik findet dadurch auch nicht wirklich statt. „Zombieland“ ist ein Unterhaltungsfilm und soll Laune machen, und er macht dies, in dem sich die Figuren des Films selbst pausenlos Laune machen.

So bleibt Fleischers Werk ein eher oberflächlicher Film, der dank einer rasanten Inszenierung und guter Gags zu mehr wird als es klingen mag. Wenn ein Prominenter einen Gastauftritt absolviert, kommt sogar ab und an Komik auf Monty Python-Niveau auf. An anderer Stelle orientiert man sich mehr an der lauten Hau drauf-Komik und an zynischen Kommentaren.
 
Während ein Running Gag über die verzweifelte Suche nach Twinkys etwas überreizt wird, im Finale aber eine wundervolle Pointe findet („Worte können das nicht beschreiben“), läuft eine an sich interessante andere Idee, die Angst vor Clowns, leider ins Gewöhnliche. Nachdem was einem zuvor an tollen Ideen präsentiert wurde, hätte man hier mit mehr gerechnet, wird besagte Clown-Phobie doch recht früh eingebaut, wissendlich dass sie für eine spätere Szene wichtig sein wird.

Aber es ist ohnehin das letzte Drittel, das dem Werk einiges von seinem Potential raubt. Im Freizeitpark-Finale setzt man die Gagzahl zurück, um sich Schauwerten zuzuwenden. Laute Musik, blinkende Lichter, schrille Mordmethoden vor schriller Kulisse. Da sind nette Ideen vertreten, aber man ist doch froh wenn die Action ihr Ende findet und kurz vor Schluss noch mal auf Dialog und Situationskomik gesetzt wird.

Zwar bietet der Film auch einige klischeeartige Emotionsmomente, weiß aber immer wieder Wege zu finden diese humoristisch zu stützen, so dass sie letzten Endes nur dazu dienten einen Gag vorzubereiten. Die beste Szene dieser Art dürfte das Weinen des harten Mannes sein, der berichtet wie er seinen Sohn verloren hat, und sich die Tränen im nächsten Moment mit Bargeld von den Augen wischt.

„Zombieland“ ist ein kurzweiliger Zombie-Spaß, weit entfernt von dem Niveau eines „Shaun Of The Dead“ aber unterhaltsam genug um auch außerhalb der Fankreise für Vergnügen zu sorgen. Improvisierfreudige Darsteller und ein gutes Timing für Gags sorgen für das gewisse Etwas.  OFDb