Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
20.03.2022
YOUTH IN REVOLT (2009)
14.05.2021
DIE QUAL DER WAHL (2012)
Freilich zieht nicht jeder laute Gag, und zu mancher Komik, wie der Charakterzeichnung von Huggins Ehefrau, muss man Zugang haben, um was damit anfangen zu können. Ich konnte es nicht und habe dennoch Freude mit "Dog Fight" (Alternativtitel) gehabt, der zwar kaum Sinn macht, darauf aber auch ignorant scheißt. Die Nebenrollen von Dan Aykroyd und John Lithgow (die überraschend stark harmonieren) hätten für meinen Geschmack ruhig etwas größer ausfallen können, und das blauäugige Happy End steht im Widerspruch zur treffsicheren Reflexion billiger Meinungsmache. Aber "Rivals" (Alternativtitel) ist ohnehin Trivialunterhaltung, die sich nicht um Niveau schert, sie dient einzig dem Prinzip möglichst geistloser Unterhaltung, die gelegentlich mit funktionierenden satirischen Ansätzen überrascht. Galifianakis Holzhammer-Komik reicht an die Klasse Ferrells facettenreicherer, da sehr grotesker, Interpretation seiner Figur freilich nicht heran, letztendlich funktioniert ihr Zusammenspiel aber passabel genug um bei wenig Erwartungen von "Southern Rivals" (Alternativtitel) nicht enttäuscht zu werden. OFDb
08.05.2021
STICHTAG (2010)
Dass das Ganze routiniert genug zu funktionieren weiß, liegt u.a. an der Erfahrung von Regisseur Todd Phillips, der mit "Road Trip" schon einmal einen humoristischen Road Movie inszenierte und daran dass er mit Galifianakis zusammen bereits ähnliche Komik in "Hangover" verarbeitet hat. "Due Date" (Originaltitel) entstand zwischen Teil 1 und 2, nach "Hangover 3" war die Zusammenarbeit beendet. Mag auch alles etwas konstruiert und verkrampft wirken, die reißerischen Aufhänger wissen den Film tatsächlich zu stemmen und sind somit meist witziger Natur. Zudem schafft es der Streifen als angenehmer Ausgleich in kurzen emotionalen Momenten glaubwürdig zu erscheinen, obwohl "Stichtag" nie realistisch wirkt (was er als wilde Party-Komödie auch nicht sein möchte). Seinen besten Moment hat der Film meiner Meinung nach dann, wenn er gekonnt beides in Bezug auf die Charakterkombination vereint und Ethan, unsensibel und kindisch wie er nun einmal ist, über ein tragisches Kindheitserlebnis des sich ausnahmsweise einmal öffnenden Peter lacht. Hier kommt die Verwandtschaft zu Alan, Galifianakis Rolle aus der eben erwähnten Trilogie, am deutlichsten herüber, die er hier ohnehin nur variiert. Zum Glück, denn darauf hatte ich gehofft. OFDb
05.05.2021
HANGOVER 3 (2013)
Der ehemalige "Sidekick" unter den drei Hauptdarstellern rückt deutlich mehr in den Fokus, was gegen aller Erwartungen und Erfahrungen meinerseits weit besser funktioniert als ich geglaubt hätte, und selbiges gilt für die wichtige Position Chaos, der mich in "Hangover 2" eher nervte anstatt zu beglücken. Zurückgeschraubt wird diesmal der Charakter des Zahnarztes Stu, dessen Darsteller seinen etwas undankbar wirkenden Part aber stilsicher spielt. Schräge Ideen, wie die geköpfte Giraffe wirken tatsächlich herrlich bekloppt, und damit lustig, anstatt bemüht auf grotesk getrimmt. Manche Erlebnisse bieten echten Nervenkitzel, wie beispielsweise der Einbruch bezüglich der Farbenblindheit, oder die Dachsequenz der Caesar's Palace-Szene (ja, es geht wieder nach Las Vegas, und auch das wirkt komischer Weise weder lau aufgewärmt, noch einfallslos). Und das Mitwirken von Kult-Star John Goodman ist ohnehin nie ein Fehler, sein Part hätte aber gern etwas größer ausfallen können. Aber was soll man meckern bei so viel gut funktionierender Komik, die großteils über die Charakterzeichnungen entsteht und nicht dauerhaft darin bemüht ist einen hochgepuschten Sehwert an den nächsten zu reihen? Die simple Geschichte funktioniert, die Wendung in der Mitte überrascht, nachdem geschah was man erwartete, und die Läuterung Alans wirkt inmitten des Comic-Flairs überraschend glaubwürdig, so dass man ihm sein sehr spezielles Happy End gönnt. OFDb
21.04.2021
HANGOVER 2 (2011)
Mag auch alles plumper angegangen sein und nicht mehr die Vorteile des Originals besitzen, so wissen doch einige wahrlich lustige Ideen das Ruder herumzureißen. Sei es Alans kindliche Perspektive dessen was geschah während einer Meditation, oder die herrlich bescheuerte Anwesenheit eines schweigenden Mönches (dessen schönste Momente sich in der Fotoshow im Abspann finden), immer wieder kommt es zu witzigen Situationen, die den eigentlich nur nachahmenden Plot aufwerten. Zudem nutzt man thematisch vieles aus der thailändischen Kultur, inklusive des negativen Rufs Bangkoks, dass man hier für immer verloren gehen kann. Ein Wiedersehen mit dem beknacktem Asiaten aus Teil 1 und einem weiteren unerwarteten Gesichts des Originals kann zwar nicht an die Originalität ihrer Auftritte von damals heran reichen, funktioniert aber auch auf schlichterem Niveau. Etwas schade fand ich es hingegen, dass man gar nicht erst versuchte den Vierten im Bunde, den damals verloren gegangenen Bräutigam, in die Chaoswelt der im Mittelpunkt stehenden drei Loser zu integrieren. Selbiges gilt für den 16jährigen Thailänder. Aber ohnehin muss man genügsam sein und mit wenig Erwartungen herangehen, um sich am doch recht plumpen Rezept der Fortsetzung erfreuen zu können. Doch dann kann es funktionieren, und einem etwas gewöhnlicheren, aber definitiv unterhaltsamen Feierabendvergnügen ohne Längen steht nichts im Wege. OFDb
HANGOVER (2009)
Einen ähnlichen Eindruck hinterlässt das Drehbuch. Es leistet sich keine Ärgernisse und bietet genug Potential für einen funktionierenden Partyfilm, der große Kracher, wie bei der Beliebtheit des Filmes eventuell zu erwarten war, ist er aber nicht geworden, dafür ist er trotz diverser individueller Faktoren doch wiederum eine Spur zu gewöhnlich ausgefallen. Kurzum: "Hangover" ist weder geist- noch lustloser Mainstream für Hohlbrote, aber auch nicht der Leckerbissen, der aus der überraschend comic-glaubwürdigen Grundlage zu ernten gewesen wäre. Die Komödie ist kurzweilig, bietet manchen Lacher und verzichtet auf infantile Charaktere in kindischer Komik, sondern überrascht ganz im Gegenteil trotz vollkommener Übertreibungen mit Problembewältigungen und -empfindungen aus einer erwachsenen Sichtweise. Das ist schon ein kleines Kunststück für einen Film dieser Thematik und der manches Mal überraschend gewöhnlich daher kommt. Dennoch geht es den Verantwortlichen des Streifens zu sehr um den äußeren Effekt, um die nächste platzende Ereignisbombe und lässt einen am Innenleben der Charaktere wenig teilhaben. Eine funktionierende Besetzung, inklusive prominenter Überraschungs-Gastauftritte, sowie ein pointensicheres, wendungsreiches Szenario gleichen das wieder aus. Verglichen mit den Kino-Highlights der US-Komödien der 80er Jahre kann "Hangover" aber keinesfalls mithalten. Bei aller Sympathie ist es kaum zu glauben, dass Phillips mit diesem etwas zu oberflächlich angegangenen Werk einen großen Kino-Erfolg gelandet hat, der zwei Fortsetzungen nach sich zog. OFDb
03.07.2016
DINNER FÜR SPINNER (2010)
Von „Dinner für Spinner“ kenne ich das französische Original nicht, aber in diesem Falle wird es nicht sehr viel anders sein. Ich wette darauf, dass die Erstverfilmung intelligenter und reflektierter erzählt ist. Es nicht zu kennen kann jedoch auch von Vorteil sein, denn rein auf Komödienbasis hat mir der von Jay Roach inszenierte Streifen gut gefallen. Vielleicht beginnt er ein wenig zu bemüht, gerade dann wenn er Tims Beziehungs- und Karriereproblematik vorstellt und selbst dann noch wenn Barry ein wenig umständlich in das ganze Szenario getreten wird. Aber bereits in dieser schwächeren Phase wissen die Akteure einiges aufzufangen.
Tritt Barry in Tims Leben darf dieser zunächst einen Scherbenhaufen aus den Plänen des Karrieristen machen, und auch hier hätte manches mehr von leichter Hand inszeniert werden können. Nicht falsch verstehen: die Geschichte ist bereits hier charmant erzählt, lässt sich Zeit, und die Schauspieler meistern ihre Arbeit gut, selbst Paul Rudd der in der ersten Hälfte ziemlich unterfordert ist mit seiner braven Bübchenart. Aber für eine Komödie, die auf einen Kinoerfolg basiert und zudem noch von einem Komödienprofi umgesetzt wurde (Roach inszenierte alle drei „Austin Powers“-Filme und die ersten beiden Teile von „Meine Braut, ihr Vater und ich“), ist dies alles zunächst recht wenig, zumal der Streifen trotz all der Schrulligkeit in Barrys Charakter doch relativ innovationslos daher kommt.
Dies ändert sich, zumindest für den Nichtkenner des Originals, aber zur zweiten Hälfte. Und da wissen Drehbuch und Regie tempo- und pointenreich einiges nachzuholen, was zuvor zu sehr vor sich hinplätscherte. Skurrile Figuren, ein tolles Timing für Gags und die nötige Sensibilität die ernsten Töne des Werkes glaubwürdig spürbar zu machen, wenn auch leider nicht komplett ohne den Sozialkitschbereich zu streifen, machen aus „Dinner für Spinner“ doch noch ein sehenswertes Ereignis und einen Gute Laune-Streifen, der uns daran erinnert dass die Welt gerade durch Individualisten bunter wird und nicht durch Durchschnittsmenschen und BWLer. OFDb
05.04.2015
MUPPETS MOST WANTED (2014)
Und was soll man sagen? „Muppets Most Wanted“ ist nicht nur wesentlich charmanter ausgefallen als sein träger Vorgänger, er ist trotz mancher Schwachstellen sogar einer der unterhaltsamsten Filme der Filzpuppen geworden. Das böse Kermit-Double hat eine derart fiese Fresse, dass ich noch bis hin zu seinem letzten Auftritt über dessen Mimik lachen konnte, so gelungen ist diese ausgefallen und macht somit viel am Gesamtergebnis des Streifens aus. Auch bekommen die Nebenfiguren viel mehr Beachtung geschenkt als im Vorgänger, gerade Adler Sam hat eine herrliche Nebenrolle ergattern können. Lediglich die in den 90er Jahren durch „Muppets Tonight“ neu hinzugestoßenen Puppen huschen wenn überhaupt nur mal kurz durchs Bild. Das ist schon schade, allein Andy und Randy Pig sowie der Bär Bobo haben ein ungeheures Humorpotential zu bieten auf welches der aktuelle Kinofilm komplett verzichtet.
Zudem fehlt „The Muppets 2“ (Alternativtitel) etwas, das den meiner Meinung nach besten Muppetsfilm „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ so viel Rückhalt gegeben hat: gute Songs. Dass die Puppen singen ist ein Übel das jeder Film mitträgt, aufgrund des Ursprungs der Helden, „Die Muppet Show“, gehört es freilich trotzdem irgendwie mit dazu, ob man es mag oder nicht. Aber bislang hat es nur die Muppets-Verfilmung von Dickens Weihnachtsgeschichte geschafft gelungene Lieder hervorzubringen. Trotz der eher uninteressanten Songs im hier besprochenen Film haben die Musikszenen denen des Vorgängers „Die Muppets“ trotzdem eines voraus: sie sind in die Geschichte eingebunden und nicht lediglich zur reinen Selbstdarstellung der menschlichen Darsteller gedacht. Die einzige negative Ausnahme diesbezüglich bildet der Gastauftritt von Celine Dion, die sich selbstverliebt wie in ihrem Musikvideo zu „My Heart Will Go On“ präsentiert innerhalb einer Szene, auf die man auch hätte verzichten können.
Lustiger Weise ist sie der einzige Star der negativ auffällt, und an Gaststars hat man wahrlich nicht gespart. Til Schweiger, Christoph Waltz, Danny Trejo, Ray Liotta, sie sind alle mit dabei und mittendrin auch Newcomerin Chloe Grace Moretz, die ich nicht einmal erkannt habe. Von ihrer Anwesenheit habe ich erst im Abspann gelesen. Schade! Aber ich habe „Muppets Most Wanted“ mit Sicherheit nicht zum letzten Mal gesehen, denn er ist herrlich witzig, kurzweilig und unverkrampft ausgefallen, teilweise sogar so frech wie die urigen Werke der Filztruppe, was einem kleinen Wunder gleicht. Bei meiner nächsten Sichtung werde ich also einen Blick auf Chloe werfen.
Lediglich das Einbringen der neuen langweiligen Muppet-Puppe, die mit dem Vorgänger neu zum Muppet-Universum hinzugestoßen ist, wäre nicht nötig gewesen. Die hat dem Film nichts zu bieten außer dem Wiedererkennungswert, dass man es mit einer Fortsetzung zu „Die Muppets“ zu tun hat. Trauriger Weise war der ein Hit, sonst hätte man sich davor hüten müssen mit dem in einen Topf geworfen zu werden. Andererseits hat dessen Erfolg erst die hier besprochene Fortsetzung ermöglicht, ein weiterer Grund warum man über die geglückte Stil-Verschiebung so überrascht sein darf. Danke dass „Muppets Most Wanted“ kein Klon seines Vorgängers wurde, sondern ein Streifen mit Charakter und dem Verständnis der Figuren, die er sich aus den 70er Jahren entliehen hat. Jetzt kann man nur noch hoffen dass Bobins zweite Regiearbeit eines Muppetfilms erfolgreich genug für eine weitere Fortsetzung war. OFDb
02.06.2013
DIE MUPPETS (2011)
„Die Muppets“ setzt bewusst auf diesem Todpunkt an, weiß wie verloren sein Patient ist und weiß dass die aktiven Fans zur Minderheit gehören. Von daher ist der Gedanke 12 Jahre nach „Muppets aus dem All“ mal wieder einen Kinofilm zu drehen aus finanzieller Sicht trotz der Berühmtheit dieses Franchising recht gewagt. Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Mitproduzent Jason Segel hat es dennoch gewagt, anscheinend war es ihm eine Herzensangelegenheit die Muppets aus der Versenkung heraus zu holen und dies scheinbar mit Erfolg, las ich doch erst kürzlich dass mittlerweile eine Fortsetzung geplant ist. Ob dieser halbwegs erzielte Erfolg gerechtfertigt ist, sei einmal angefochten. Ich wurde zumindest bereits vor der Sichtung vorsichtig, als ich las dass Ur-Puppenspieler Frank Oz für das Projekt nicht zu begeistern war. Beim Reanimationsversuch mit „Muppets Tonight“ und Henson-Sohn Brian war er noch motiviert dabei.
Zunächst einmal fällt auf, dass die Geschichte nicht viel her gibt. „Die Muppets“ soll eine Verbeugung vor dem Original sein, da mag man es als passend ansehen können dass Kermit versucht die Truppe für eine Show zusammen zu trommeln. Wenn man jedoch nicht nur im modernen Kino unterwegs ist, sondern auch ältere Werke schaut, dann hat man mit „Muppet Movie“ und „Die Muppets erobern Manhattan“ bereits zwei mal eine nahezu ähnliche Geschichte gesichtet, eine solche die schon beim ersten Mal nicht das Gelbe vom Ei war.
Als Verbeugung vor dem Original mag das in der Theorie noch funktionieren, aber „Die Muppets“ sollte mehr als das sein. Man wollte die Muppets auch ins angekommene Jahrhundert katapultieren, freilich nicht mit zu viel Gewalt, die Seele der alten Projekte sollte beibehalten werden, doch das hat nicht wirklich geklappt. Zwar kann der Film tatsächlich mit anderen Muppets-Filmen mithalten, doch waren die nie das Herz des ganzen. „Die Muppet Show“ war der Zuschauermagnet. Und die war im Gegensatz zu den Filmen recht anarchistisch aufgebaut, trotz Feinsinn für Kunst laut und provokativ für seine Zeit. Die Filme waren schon immer viel zu brav, und der neue „Die Muppets“ ist dies auch.
Brav Ende der 70er Jahre, als mit „Muppet Movie“ der erste Langfilm der Puppen in den Kinos lief, war noch etwas anderes als brav zu Zeiten der Political Correctness. An den Muppets ist nichts mehr frech. Und die Prominenz grinst nur noch lieb und zahm vor sich hin, sicherlich mit glaubhafter Liebe zum Projekt, das Urgeschehen jedoch nie verstanden habend. Einzig Jack Black ab seinem zweiten Auftritt versprüht alten Gäste-Charme und kann damit Pluspunkte sammeln, der Rest ist akzeptables aber müdes Recycling, das so in der Art nicht hätte aussehen müssen.
Was soll man z.B. davon halten, dass ein Film, in welchem die Muppets im Zentrum stehen sollen, Musicalnummern beinhaltet, in welchen die berühmten Puppen zu Statisten degradiert werden? In seiner schlimmsten Szene tanzt ein Haufen Menschen fröhlich grinsend in braver Choreographie auf der Straße, und damit das ganze noch was mit den Muppets zu tun hat, lässt man ein paar Puppen nach einiger Zeit im Vordergrund mittanzen. Das ist peinlich, ärgerlich, unnötig und eine Beleidigung an die Mühe früherer Projekte.
Die Geschichte dümpelt ansonsten seicht vor sich hin, bietet eine sympathische Ausgangslage, zu viel selbstverliebten Gesang und gelegentlich manch netten Gag. Aber so recht zünden will da lange Zeit nichts. Nichts - bis zu jenem Zeitpunkt wenn die Muppet Show innerhalb des Kinofilms startet. Hier kommt nun der nötige Gehalt greifbarer Nostalgie auf, man lächelt über simpelste Dinge und hat Spaß dem munteren Treiben zuzuschauen. Und in dem Moment wurde es mir wieder bewusst: das Kino ist der falsche Ort zur Reanimation. Wenn diese Szenen in „Die Muppets“ etwas beweisen, dann dass es einer neuen „Muppet Show“ bedarf und nicht eines neuen Filmes mit den Filzköpfen.
Die braven Sequenzen aus „Die Muppets“ zeigen, dass eine Show auch auf die harmlosere Art zu wirken wüsste, badend in der Political Correctness, die heute leider, spätestens angekommen in den Disney Studios, nicht mehr zu verhindern wäre. Wenn schon kein radikal-freudiges Hoch wie „Muppets Tonight“, dann doch bitte eine „Muppet Show“ wie wir sie für einige Augenblicke im hier besprochenen Kinofilm sichten durften. Dies wäre die Heimat der Muppets. Hier wären sie gut aufgehoben, und hier würden selbstverliebt grinsende Stars auch nur bedingt unangenehm auffallen.
Im Kino, gestreckt mit einer künstlichen Geschichte auf Spielfilmlänge, kann der Charme der Puppencharaktere nicht richtig greifen. Kermit mag Zugpferd sein und das Herz der Muppets, aber er im Mittelpunkt ist einfach nicht der Zuschauermagnet. Und jede andere Puppe kommt zu kurz, zumal nur die heute noch bekannte Muppet-Prominenz in den Mittelpunkt rückt und schräge unbekannte Figuren gar keinen Rahmen mehr zum wirken erhalten. Außerdem fehlen die ausgeflippten Momente eines „Schweine im Weltraum“, und auch die bloße Anwesenheit des Professors mit Beaker oder des Chefkochs allein lassen noch nicht jenen Wahnsinn entstehen, der erst dann aufkommt, wenn man ihnen auch einen kompletten Sketch gewährt.
„Die Muppets“ ist gut gemeint, aber leider zu theoretisch und typisch Muppet-Film zu brav ausgefallen. Da hätte man sich in Sachen Frechheit besser am großartigen „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ orientieren sollen, der einzige Muppet-Film der genügend Pfiff besaß den Humor der Serie auf die große Leinwand zu transferieren. Etwas weniger Ehrfurcht und etwas mehr Mut hätte „Die Muppets“ gut gestanden. Zumindest verstehe ich jetzt warum Frank Oz sich abgewendet hat, auch wenn sich oberflächlich alles so wie gehabt anfühlt. Nur der Kenner erkennt auch die fehlenden Ecken und Kanten. Glattgehobelte Muppets wissen in diesem Format einfach nicht zu funktionieren. Mit Längen versehen ist der Film aber immerhin guckbar, wenn auch nicht sehr unterhaltsam. OFDb