Posts mit dem Label Zach Galifianakis werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Zach Galifianakis werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

20.03.2022

YOUTH IN REVOLT (2009)

Michael Cera greift sich gern interessante Rollen, die etwas Ausgeflipptes in ernst zu nehmenden, humoristischen Stoffen, beinhalten. So klingt es auch in "Youth in Revolt", und umso mehr darf man überrascht sein, dass die neue Persönlichkeit, die der Held des Streifens über sich selbst erfindet, um den Aufgaben gewachsen zu sein, die er erfüllen muss, doch relativ zurückhaltend präsentiert wird. Sowohl äußerlich lediglich durch einen Schnurrbart und leichten Zuhälterzügen in Szene gesetzt, als auch im eher zurückhaltenden Spiel Ceras, wird kein lauter Schurke aus dem überforderten, an sich stets braven Teenager. Dementsprechend überrumpelt ist man von den extremen Taten der zweiten Persönlichkeit, die zwar nicht inflationär in ihrer Anzahl sind, die Geschichte aber stets entscheidend in eine andere Richtung lenken. Doch auch derart radikale Richtungswechsel erleben eine relativ bodenständige und zurückhaltende Erzählung, so dass der Stoff zwar lobenswert unaufgeregt daher kommt, während er sich trotz seiner Übertreibungen ernsthaft mit der Lebenswelt von Teenagern befasst, mir persönlich aufgrund der fehlenden Comicmentalität aber immer ein bisschen zu theoretisch vorkam. Ähnlich erging es mir mit der eigentlich recht süßen Romanze zwischen zwei interessant charakterisierten jungen Menschen. Ich konnte in deren Gefühlswelt nicht wirklich aufgehen, folgte der Geschichte zwar interessiert, aber immer zu theoretisch und damit außen vor. Das ist mein Problem und nicht das des Filmes, so dass es durchaus sein kann, das jemand mit diesem ungewöhnlich für einen ungewöhnlichen Stoff umgesetzten Spektakel mehr anfangen kann als ich. Dann bekommt man ein besonderes Seherlebnis beschert. Das denke ich mir zumindest, da "Youth in Revolt" in seiner auf mich distanziert wirkenden Art trotzdem noch genügend Sympathie und Wirkung besaß, dass ich ihn zumindest kurzweilig fand und er stets die Neugierde bei mir aufrecht erhielt, wie es wohl weiter gehen mag. Passend zur Konsequenz die Geschichte stilistisch und inhaltlich anders zu erzählen, als man erwartet, kommt auch der Schluss daher, und weiß dementsprechend zu gefallen, selbst dann wenn die Romantik, wie in meinem Falle, stets zu nüchtern vorgetragen vor sich hin dümpelte.  OFDb

14.05.2021

DIE QUAL DER WAHL (2012)

Wer seicht und oberflächlich unterhalten werden möchte, und somit keine Satire a la "Wag the Dog" erwartet, kann zu "Die Qual der Wahl" greifen, in welcher der stets souverän spielende Will Ferrell auf Zach Galifianakis trifft, der nur auf dem ersten Blick gegen seinen Standard, geprägt aus den "Hangover"-Filmen, besetzt ist. Das politische Gekabbel zwischen den beiden erinnert ein wenig an die Ex-Präsidenten-Komödie "Ein Präsident für alle Fälle" (dort wie hier mit Dan Aykroyd in einer Nebenrolle besetzt), nur dass "The Campaign" (Originaltitel) gar nicht erst versucht die Auseinandersetzungen seriös zu thematisieren. Überraschend trumpft die Komödie von "Austin Powers"-Regisseur Jay Roach mit einer Schlammschlacht weit unter dem Niveau dessen wie ein Wahlkampf tatsächlich ablaufen würde. Seitenhiebe auf die tatsächliche Politwelt der USA gibt es freilich trotzdem, z.B. in den plumpen Methoden, mit denen man das denkfaule Volk auf seine Seite bringt, aber der eigentliche Reiz liegt in der realitätsfernen Verhaltensweise Bradys, bei dem man nie weiß wie extrem das Drehbuch ihn noch außerhalb der Norm agieren lassen wird. Eins sei verraten: es geht weit über die erwarteten Grenzen hinaus, was mit dieser respektlosen Art tatsächlich Partymomente erzeugt. 

Freilich zieht nicht jeder laute Gag, und zu mancher Komik, wie der Charakterzeichnung von Huggins Ehefrau, muss man Zugang haben, um was damit anfangen zu können. Ich konnte es nicht und habe dennoch Freude mit "Dog Fight" (Alternativtitel) gehabt, der zwar kaum Sinn macht, darauf aber auch ignorant scheißt. Die Nebenrollen von Dan Aykroyd und John Lithgow (die überraschend stark harmonieren) hätten für meinen Geschmack ruhig etwas größer ausfallen können, und das blauäugige Happy End steht im Widerspruch zur treffsicheren Reflexion billiger Meinungsmache. Aber "Rivals" (Alternativtitel) ist ohnehin Trivialunterhaltung, die sich nicht um Niveau schert, sie dient einzig dem Prinzip möglichst geistloser Unterhaltung, die gelegentlich mit funktionierenden satirischen Ansätzen überrascht. Galifianakis Holzhammer-Komik reicht an die Klasse Ferrells facettenreicherer, da sehr grotesker, Interpretation seiner Figur freilich nicht heran, letztendlich funktioniert ihr Zusammenspiel aber passabel genug um bei wenig Erwartungen von "Southern Rivals" (Alternativtitel) nicht enttäuscht zu werden.  OFDb

08.05.2021

STICHTAG (2010)

Das Konzept ist einfach: eine Nervensäge reizt einen schnell Reizbaren. Das gab es bereits bei "Was ist mit Bob?", ebenso bei "Die Wutprobe", sowie bei vielen anderen Komödien auch. Am meisten drängt sich aufgrund der Ausgangslage, der Figurenkonstellation und dem roten Faden jedoch "Ein Ticket für zwei" auf, dessen Niveau "Stichtag" nicht im Ansatz erreichen kann. Es ist nicht nur so, dass das komödiantische Talent von Steve Martin und John Candy jenem von den sympathisch agierenden Robert Downey Jr. und Zach Galifianaksi weit überlegen ist, auch das Drehbuch des John Hughes-Filmes fiel qualitativer aus, da es weit weniger verkrampft daher kommt, als es die hier besprochene Komödie tut. Insgesamt fühlt sich "Stichtag - Schluss mit gemütlich" (Alternativtitel) zu bemüht an, weiß zwar trotzdem genug zu unterhalten, um mit dem Ergebnis zufrieden zu sein, aber man vermisst einfach die Leichtigkeit, welche Komödien der 80er Jahre noch besaßen, die mittlerweile häufig mit der Verpflichtung von Coolness und dem Hauptaugenmerk an Schauwert-Abgedrehtheiten ersetzt wird. Dieses plumpere Konzept geht dennoch halbwegs auf, auch wenn ich gelegentlich den Eindruck hatte, dass das Projekt für manch einen Mitwirkenden eher wie eine Auftragsarbeit, also eine Verpflichtung, anmutet. 

Dass das Ganze routiniert genug zu funktionieren weiß, liegt u.a. an der Erfahrung von Regisseur Todd Phillips, der mit "Road Trip" schon einmal einen humoristischen Road Movie inszenierte und daran dass er mit Galifianakis zusammen bereits ähnliche Komik in "Hangover" verarbeitet hat. "Due Date" (Originaltitel) entstand zwischen Teil 1 und 2, nach "Hangover 3" war die Zusammenarbeit beendet. Mag auch alles etwas konstruiert und verkrampft wirken, die reißerischen Aufhänger wissen den Film tatsächlich zu stemmen und sind somit meist witziger Natur. Zudem schafft es der Streifen als angenehmer Ausgleich in kurzen emotionalen Momenten glaubwürdig zu erscheinen, obwohl "Stichtag" nie realistisch wirkt (was er als wilde Party-Komödie auch nicht sein möchte). Seinen besten Moment hat der Film meiner Meinung nach dann, wenn er gekonnt beides in Bezug auf die Charakterkombination vereint und Ethan, unsensibel und kindisch wie er nun einmal ist, über ein tragisches Kindheitserlebnis des sich ausnahmsweise einmal öffnenden Peter lacht. Hier kommt die Verwandtschaft zu Alan, Galifianakis Rolle aus der eben erwähnten Trilogie, am deutlichsten herüber, die er hier ohnehin nur variiert. Zum Glück, denn darauf hatte ich gehofft.  OFDb

05.05.2021

HANGOVER 3 (2013)

Mit den beiden "Hangover"-Filmen konnte ich nur bedingt etwas anfangen. Sie waren kurzweilig anzuschauen, aber doch immer eine Spur zu bemüht darin cool und lässig zu sein. Sie bereiteten Freude, waren für mich aber nicht die große Komödien-Erfahrung wie scheinbar für viele andere, so erfolgreich wie sie im Kino liefen. Umso erstaunter war ich, dass sich der dritte Teil nun um einiges besser schaute, sicher auch weil die Erwartungen nicht sehr hoch waren. Aber was uns Mitautor und Regisseur Todd Phillips diesmal vorsetzt weiß wahrlich zu funktionieren. Im (mehr oder weniger inhaltlich tatsächlichen) Abschluss der Trilogie steht der Titel nur noch für die Fortführung bisheriger Geschehnisse. Das Konzept wird nicht noch einmal so plump variiert wie in Teil 2, der Krimi-Aspekt der verlorenen Erinnerungen wird diesmal komplett fallen gelassen. Stattdessen kommt "Hangover 3" mit einer nicht gerade einfallsreichen, aber gut funktionierenden Vereinfachung des Grundrezepts daher und lässt einfach bekannte Figuren und Running Gags für sich wirken. Dieses Selbstbewusstsein tut dem Film gut, der inhaltlich die richtigen Verknüpfungen zu den Vorgängern setzt, um ein Ganzes zu ergeben und dies ohne dabei stets billig kopiert oder dem Publikum anbiedernd zu erscheinen. Aufgrund seiner Lässigkeit, die nie wahre Emotionen aufkommen lässt, entsteht zwar nie ein Nostalgie-Bonus, aber den hat die abenteuerliche, kurzweilige Geschichte auch nicht nötig. 

Der ehemalige "Sidekick" unter den drei Hauptdarstellern rückt deutlich mehr in den Fokus, was gegen aller Erwartungen und Erfahrungen meinerseits weit besser funktioniert als ich geglaubt hätte, und selbiges gilt für die wichtige Position Chaos, der mich in "Hangover 2" eher nervte anstatt zu beglücken. Zurückgeschraubt wird diesmal der Charakter des Zahnarztes Stu, dessen Darsteller seinen etwas undankbar wirkenden Part aber stilsicher spielt. Schräge Ideen, wie die geköpfte Giraffe wirken tatsächlich herrlich bekloppt, und damit lustig, anstatt bemüht auf grotesk getrimmt. Manche Erlebnisse bieten echten Nervenkitzel, wie beispielsweise der Einbruch bezüglich der Farbenblindheit, oder die Dachsequenz der Caesar's Palace-Szene (ja, es geht wieder nach Las Vegas, und auch das wirkt komischer Weise weder lau aufgewärmt, noch einfallslos). Und das Mitwirken von Kult-Star John Goodman ist ohnehin nie ein Fehler, sein Part hätte aber gern etwas größer ausfallen können. Aber was soll man meckern bei so viel gut funktionierender Komik, die großteils über die Charakterzeichnungen entsteht und nicht dauerhaft darin bemüht ist einen hochgepuschten Sehwert an den nächsten zu reihen? Die simple Geschichte funktioniert, die Wendung in der Mitte überrascht, nachdem geschah was man erwartete, und die Läuterung Alans wirkt inmitten des Comic-Flairs überraschend glaubwürdig, so dass man ihm sein sehr spezielles Happy End gönnt.  OFDb

21.04.2021

HANGOVER 2 (2011)

In der Fortsetzung des Überraschungserfolges "Hangover" ist nun passiert, was das Original glücklicher Weise noch umging. Man versucht die Pluspunkte des Plots darin zu finden große, reißerische Skandal-Aufhänger aneinander zu reihen, was Einfallsreichtum, einen charmanten Touch und Pointenstärke ersetzen, bzw. vorgaukeln soll. Etwas arg am Rezept des Originals geklammert, aber zumindest funktionierende Running Gags damit aufleben lassend, versucht man mit den diesmal nicht so sympathischen Schockern und mithilfe der exotischen Kulisse von diesem Zustand abzulenken. Der "Krimi-Plot", sprich das Herausfinden was eigentlich letzte Nacht warum passiert ist, reizt nicht mehr wirklich und dient diesmal nur als Ausrede eines roten Fadens. Auch den, leider ausgetauschten, Autoren ist dieser Aspekt nicht wichtig, bleiben doch viele offene Fragen unbeantwortet, wie z.B. jene, wie der Bruder der Verlobten seinen Finger verloren hat. Alles Qualitative wird geopfert für ein wilderes und actionreicheres Szenario mit auffälligen Schauwerten. Da darf es schon verwundern, dass es "Hangover Part 2" (Originaltitel) trotz schwächerem Ergebnis immer noch schafft knapp den Bereich der funktionierenden Unterhaltung zu streifen. 

Mag auch alles plumper angegangen sein und nicht mehr die Vorteile des Originals besitzen, so wissen doch einige wahrlich lustige Ideen das Ruder herumzureißen. Sei es Alans kindliche Perspektive dessen was geschah während einer Meditation, oder die herrlich bescheuerte Anwesenheit eines schweigenden Mönches (dessen schönste Momente sich in der Fotoshow im Abspann finden), immer wieder kommt es zu witzigen Situationen, die den eigentlich nur nachahmenden Plot aufwerten. Zudem nutzt man thematisch vieles aus der thailändischen Kultur, inklusive des negativen Rufs Bangkoks, dass man hier für immer verloren gehen kann. Ein Wiedersehen mit dem beknacktem Asiaten aus Teil 1 und einem weiteren unerwarteten Gesichts des Originals kann zwar nicht an die Originalität ihrer Auftritte von damals heran reichen, funktioniert aber auch auf schlichterem Niveau. Etwas schade fand ich es hingegen, dass man gar nicht erst versuchte den Vierten im Bunde, den damals verloren gegangenen Bräutigam, in die Chaoswelt der im Mittelpunkt stehenden drei Loser zu integrieren. Selbiges gilt für den 16jährigen Thailänder. Aber ohnehin muss man genügsam sein und mit wenig Erwartungen herangehen, um sich am doch recht plumpen Rezept der Fortsetzung erfreuen zu können. Doch dann kann es funktionieren, und einem etwas gewöhnlicheren, aber definitiv unterhaltsamen Feierabendvergnügen ohne Längen steht nichts im Wege.  OFDb

HANGOVER (2009)

Prinzipiell gleicht der Plot von "Hangover" in gewisser Weise dem eines Kriminalfilms. Man erwacht inmitten rätselhafter Ereignisse und versucht denen unter Zeitdruck und dem geringst möglichen weiteren Schaden auf den Grund zu gehen. Regisseur Todd Phillips, der neun Jahre zuvor seinen ersten Komödien-Erfolg mit dem Teenie-Film "Road Trip" ablieferte, gelingt es dabei zusammen mit den Autoren trotz derbster Extremen ein amüsantes Szenario zu gestalten, welches zwar in comicartiger Übertreibung keine Chance auf Realitätsnähe besitzt, in seinen hochgepuschten Ausschweifungen aber stets zu unterhalten weiß, anstatt mit Provokationen und bizarren Sehwerten zu langweilen. Da schafft es selbst ein Tiger im Badezimmer zu einem interessanten Aspekt zu werden, wenn auch erst ab der Auflösung wie er dort hin gekommen ist. Eine eher klassische, aber funktionierende Figurenschar ermöglicht genügend Zugang um sich für das Treiben der Abgestürzten zu interessieren, bietet aber nicht genug Sympathie und Identifikation, als dass man emotional tatsächlich mit ihnen mitfiebern könnte. Ihre Achterbahnfahrt neuer Eindrücke und das Erreichen neuer, größerer Probleme nach dem Lösen vorangegangener, ebenfalls als großes Problem empfundener, Rätsel, bleibt somit zu theoretisch und wird nicht aufgewühlt und aufgeregt vom Publikum nahe eines Nervenzusammenbruchs miterlebt.

Einen ähnlichen Eindruck hinterlässt das Drehbuch. Es leistet sich keine Ärgernisse und bietet genug Potential für einen funktionierenden Partyfilm, der große Kracher, wie bei der Beliebtheit des Filmes eventuell zu erwarten war, ist er aber nicht geworden, dafür ist er trotz diverser individueller Faktoren doch wiederum eine Spur zu gewöhnlich ausgefallen. Kurzum: "Hangover" ist weder geist- noch lustloser Mainstream für Hohlbrote, aber auch nicht der Leckerbissen, der aus der überraschend comic-glaubwürdigen Grundlage zu ernten gewesen wäre. Die Komödie ist kurzweilig, bietet manchen Lacher und verzichtet auf infantile Charaktere in kindischer Komik, sondern überrascht ganz im Gegenteil trotz vollkommener Übertreibungen mit Problembewältigungen und -empfindungen aus einer erwachsenen Sichtweise. Das ist schon ein kleines Kunststück für einen Film dieser Thematik und der manches Mal überraschend gewöhnlich daher kommt. Dennoch geht es den Verantwortlichen des Streifens zu sehr um den äußeren Effekt, um die nächste platzende Ereignisbombe und lässt einen am Innenleben der Charaktere wenig teilhaben. Eine funktionierende Besetzung, inklusive prominenter Überraschungs-Gastauftritte, sowie ein pointensicheres, wendungsreiches Szenario gleichen das wieder aus. Verglichen mit den Kino-Highlights der US-Komödien der 80er Jahre kann "Hangover" aber keinesfalls mithalten. Bei aller Sympathie ist es kaum zu glauben, dass Phillips mit diesem etwas zu oberflächlich angegangenen Werk einen großen Kino-Erfolg gelandet hat, der zwei Fortsetzungen nach sich zog.  OFDb

03.07.2016

DINNER FÜR SPINNER (2010)

Ich kenne allerhand Neuverfilmungen aus den USA, die nicht nur dem Original nicht das Wasser reichen konnten, oftmals haben sie das Original nicht einmal verstanden. Ob es der psychologisch unsinnige „Codename: Nina“ war, der den intelligent erzählten „Nikita“ neu erzählte, „Der Spielgefährte“, der mit dem Holzhammer eine Sozialbotschaft präsentierte welche das Original „Das Spielzeug“ gewitzt an den Mann brachte, US-Remakes fallen meist schlichter und bemüht aus und sind so sehr daran interessiert möglichst vielen Menschen gefallen zu wollen, dass der Geist hinter dem Ur-Projekt flöten geht.

Von „Dinner für Spinner“ kenne ich das französische Original nicht, aber in diesem Falle wird es nicht sehr viel anders sein. Ich wette darauf, dass die Erstverfilmung intelligenter und reflektierter erzählt ist. Es nicht zu kennen kann jedoch auch von Vorteil sein, denn rein auf Komödienbasis hat mir der von Jay Roach inszenierte Streifen gut gefallen. Vielleicht beginnt er ein wenig zu bemüht, gerade dann wenn er Tims Beziehungs- und Karriereproblematik vorstellt und selbst dann noch wenn Barry ein wenig umständlich in das ganze Szenario getreten wird. Aber bereits in dieser schwächeren Phase wissen die Akteure einiges aufzufangen.

Tritt Barry in Tims Leben darf dieser zunächst einen Scherbenhaufen aus den Plänen des Karrieristen machen, und auch hier hätte manches mehr von leichter Hand inszeniert werden können. Nicht falsch verstehen: die Geschichte ist bereits hier charmant erzählt, lässt sich Zeit, und die Schauspieler meistern ihre Arbeit gut, selbst Paul Rudd der in der ersten Hälfte ziemlich unterfordert ist mit seiner braven Bübchenart. Aber für eine Komödie, die auf einen Kinoerfolg basiert und zudem noch von einem Komödienprofi umgesetzt wurde (Roach inszenierte alle drei „Austin Powers“-Filme und die ersten beiden Teile von „Meine Braut, ihr Vater und ich“), ist dies alles zunächst recht wenig, zumal der Streifen trotz all der Schrulligkeit in Barrys Charakter doch relativ innovationslos daher kommt.

Dies ändert sich, zumindest für den Nichtkenner des Originals, aber zur zweiten Hälfte. Und da wissen Drehbuch und Regie tempo- und pointenreich einiges nachzuholen, was zuvor zu sehr vor sich hinplätscherte. Skurrile Figuren, ein tolles Timing für Gags und die nötige Sensibilität die ernsten Töne des Werkes glaubwürdig spürbar zu machen, wenn auch leider nicht komplett ohne den Sozialkitschbereich zu streifen, machen aus „Dinner für Spinner“ doch noch ein sehenswertes Ereignis und einen Gute Laune-Streifen, der uns daran erinnert dass die Welt gerade durch Individualisten bunter wird und nicht durch Durchschnittsmenschen und BWLer.  OFDb

05.04.2015

MUPPETS MOST WANTED (2014)

Ich war von dem Versuch Hensons Filzpuppen wieder auf die Kinoleinwand zu bringen nicht sonderlich begeistert. „Die Muppets“ war zu brav, zu anbiedernd, ein typisches kalkuliertes Produkt, mittendrin badend in der Political Correctness, die ich so verabscheue. Dementsprechend bin ich mit geringen Erwartungen an die Fortsetzung, dem mittlerweile 8. Kinofilm der Puppen, herangegangen. Dass ich trotzdem ein wenig Hoffnung hatte der Film könne etwas taugen lag zum einen an der Geschichte, die äußerst reizvoll klang und zum anderen an Ricky „The Office“ Gervais, der den menschlichen Hauptpart übernahm und den ich für seine Komik und sein schauspielerisches Talent sehr schätze.

Und was soll man sagen? „Muppets Most Wanted“ ist nicht nur wesentlich charmanter ausgefallen als sein träger Vorgänger, er ist trotz mancher Schwachstellen sogar einer der unterhaltsamsten Filme der Filzpuppen geworden. Das böse Kermit-Double hat eine derart fiese Fresse, dass ich noch bis hin zu seinem letzten Auftritt über dessen Mimik lachen konnte, so gelungen ist diese ausgefallen und macht somit viel am Gesamtergebnis des Streifens aus. Auch bekommen die Nebenfiguren viel mehr Beachtung geschenkt als im Vorgänger, gerade Adler Sam hat eine herrliche Nebenrolle ergattern können. Lediglich die in den 90er Jahren durch „Muppets Tonight“ neu hinzugestoßenen Puppen huschen wenn überhaupt nur mal kurz durchs Bild. Das ist schon schade, allein Andy und Randy Pig sowie der Bär Bobo haben ein ungeheures Humorpotential zu bieten auf welches der aktuelle Kinofilm komplett verzichtet.

Zudem fehlt „The Muppets 2“ (Alternativtitel) etwas, das den meiner Meinung nach besten Muppetsfilm „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ so viel Rückhalt gegeben hat: gute Songs. Dass die Puppen singen ist ein Übel das jeder Film mitträgt, aufgrund des Ursprungs der Helden, „Die Muppet Show“, gehört es freilich trotzdem irgendwie mit dazu, ob man es mag oder nicht. Aber bislang hat es nur die Muppets-Verfilmung von Dickens Weihnachtsgeschichte geschafft gelungene Lieder hervorzubringen. Trotz der eher uninteressanten Songs im hier besprochenen Film haben die Musikszenen denen des Vorgängers „Die Muppets“ trotzdem eines voraus: sie sind in die Geschichte eingebunden und nicht lediglich zur reinen Selbstdarstellung der menschlichen Darsteller gedacht. Die einzige negative Ausnahme diesbezüglich bildet der Gastauftritt von Celine Dion, die sich selbstverliebt wie in ihrem Musikvideo zu „My Heart Will Go On“ präsentiert innerhalb einer Szene, auf die man auch hätte verzichten können.

Lustiger Weise ist sie der einzige Star der negativ auffällt, und an Gaststars hat man wahrlich nicht gespart. Til Schweiger, Christoph Waltz, Danny Trejo, Ray Liotta, sie sind alle mit dabei und mittendrin auch Newcomerin Chloe Grace Moretz, die ich nicht einmal erkannt habe. Von ihrer Anwesenheit habe ich erst im Abspann gelesen. Schade! Aber ich habe „Muppets Most Wanted“ mit Sicherheit nicht zum letzten Mal gesehen, denn er ist herrlich witzig, kurzweilig und unverkrampft ausgefallen, teilweise sogar so frech wie die urigen Werke der Filztruppe, was einem kleinen Wunder gleicht. Bei meiner nächsten Sichtung werde ich also einen Blick auf Chloe werfen.

Lediglich das Einbringen der neuen langweiligen Muppet-Puppe, die mit dem Vorgänger neu zum Muppet-Universum hinzugestoßen ist, wäre nicht nötig gewesen. Die hat dem Film nichts zu bieten außer dem Wiedererkennungswert, dass man es mit einer Fortsetzung zu „Die Muppets“ zu tun hat. Trauriger Weise war der ein Hit, sonst hätte man sich davor hüten müssen mit dem in einen Topf geworfen zu werden. Andererseits hat dessen Erfolg erst die hier besprochene Fortsetzung ermöglicht, ein weiterer Grund warum man über die geglückte Stil-Verschiebung so überrascht sein darf. Danke dass „Muppets Most Wanted“ kein Klon seines Vorgängers wurde, sondern ein Streifen mit Charakter und dem Verständnis der Figuren, die er sich aus den 70er Jahren entliehen hat. Jetzt kann man nur noch hoffen dass Bobins zweite Regiearbeit eines Muppetfilms erfolgreich genug für eine weitere Fortsetzung war.  OFDb

02.06.2013

DIE MUPPETS (2011)

Kermit versucht zusammen mit einem Fan die geschlossenen Muppet Studios vor ihrer Zerstörung zu retten, indem er die alte Truppe zu einer erneuten Show zusammen trommelt...
 
Muppet Movie 3.0 ...
 
Jeder kennt die Muppets, ob jung, ob alt. Fast jeder erzählt welche Puppe er am lustigsten findet und wie toll das alles war was er da mal gesehen hat, aber zuschauen wollte scheinbar keiner mehr, wurde doch beispielsweise die „Muppet Show“ auf DVD aus mir unbekannten Gründen bereits nach drei Staffeln eingestellt, obwohl es zuvor hieß alle Staffeln würden binnen eines Jahres erscheinen. Die Muppets führen ein Rest-Prominenzleben im US-TV mit gelegentlichen Filmen und Festtags-Specials, und bereits in den 90er Jahren wurde der Versuch ihnen mit „Muppets Tonight“ wieder ein regelmäßiges Forum zu geben, von Zuschauerfüßen getreten. Keiner interessierte sich für ihre Rückkehr, da konnte auch moderne Prominenz nichts dran ändern. Die Liebe zu den Muppets war eine rein theoretische, eine nostalgische.

„Die Muppets“ setzt bewusst auf diesem Todpunkt an, weiß wie verloren sein Patient ist und weiß dass die aktiven Fans zur Minderheit gehören. Von daher ist der Gedanke 12 Jahre nach „Muppets aus dem All“ mal wieder einen Kinofilm zu drehen aus finanzieller Sicht trotz der Berühmtheit dieses Franchising  recht gewagt. Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Mitproduzent Jason Segel hat es dennoch gewagt, anscheinend war es ihm eine Herzensangelegenheit die Muppets aus der Versenkung heraus zu holen und dies scheinbar mit Erfolg, las ich doch erst kürzlich dass mittlerweile eine Fortsetzung geplant ist. Ob dieser halbwegs erzielte Erfolg gerechtfertigt ist, sei einmal angefochten. Ich wurde zumindest bereits vor der Sichtung vorsichtig, als ich las dass Ur-Puppenspieler Frank Oz für das Projekt nicht zu begeistern war. Beim Reanimationsversuch mit „Muppets Tonight“ und Henson-Sohn Brian war er noch motiviert dabei.

Zunächst einmal fällt auf, dass die Geschichte nicht viel her gibt. „Die Muppets“ soll eine Verbeugung vor dem Original sein, da mag man es als passend ansehen können dass Kermit versucht die Truppe für eine Show zusammen zu trommeln. Wenn man jedoch nicht nur im modernen Kino unterwegs ist, sondern auch ältere Werke schaut, dann hat man mit „Muppet Movie“ und „Die Muppets erobern Manhattan“ bereits zwei mal eine nahezu ähnliche Geschichte gesichtet, eine solche die schon beim ersten Mal nicht das Gelbe vom Ei war.

Als Verbeugung vor dem Original mag das in der Theorie noch funktionieren, aber „Die Muppets“ sollte mehr als das sein. Man wollte die Muppets auch ins angekommene Jahrhundert katapultieren, freilich nicht mit zu viel Gewalt, die Seele der alten Projekte sollte beibehalten werden, doch das hat nicht wirklich geklappt. Zwar kann der Film tatsächlich mit anderen Muppets-Filmen mithalten, doch waren die nie das Herz des ganzen. „Die Muppet Show“ war der Zuschauermagnet. Und die war im Gegensatz zu den Filmen recht anarchistisch aufgebaut, trotz Feinsinn für Kunst laut und provokativ für seine Zeit. Die Filme waren schon immer viel zu brav, und der neue „Die Muppets“ ist dies auch.

Brav Ende der 70er Jahre, als mit „Muppet Movie“ der erste Langfilm der Puppen in den Kinos lief, war noch etwas anderes als brav zu Zeiten der Political Correctness. An den Muppets ist nichts mehr frech. Und die Prominenz grinst nur noch lieb und zahm vor sich hin, sicherlich mit glaubhafter Liebe zum Projekt, das Urgeschehen jedoch nie verstanden habend. Einzig Jack Black ab seinem zweiten Auftritt versprüht alten Gäste-Charme und kann damit Pluspunkte sammeln, der Rest ist akzeptables aber müdes Recycling, das so in der Art nicht hätte aussehen müssen.

Was soll man z.B. davon halten, dass ein Film, in welchem die Muppets im Zentrum stehen sollen, Musicalnummern beinhaltet, in welchen die berühmten Puppen zu Statisten degradiert werden? In seiner schlimmsten Szene tanzt ein Haufen Menschen fröhlich grinsend in braver Choreographie auf der Straße, und damit das ganze noch was mit den Muppets zu tun hat, lässt man ein paar Puppen nach einiger Zeit im Vordergrund mittanzen. Das ist peinlich, ärgerlich, unnötig und eine Beleidigung an die Mühe früherer Projekte.

Die Geschichte dümpelt ansonsten seicht vor sich hin, bietet eine sympathische Ausgangslage, zu viel selbstverliebten Gesang und gelegentlich manch netten Gag. Aber so recht zünden will da lange Zeit nichts. Nichts - bis zu jenem Zeitpunkt wenn die Muppet Show innerhalb des Kinofilms startet. Hier kommt nun der nötige Gehalt greifbarer Nostalgie auf, man lächelt über simpelste Dinge und hat Spaß dem munteren Treiben zuzuschauen. Und in dem Moment wurde es mir wieder bewusst: das Kino ist der falsche Ort zur Reanimation. Wenn diese Szenen in „Die Muppets“ etwas beweisen, dann dass es einer neuen „Muppet Show“ bedarf und nicht eines neuen Filmes mit den Filzköpfen.

Warum „Muppets Tonight“ in den 90er Jahren scheiterte ist mir ein Rätsel. Abgesehen von der ersten Folge, die alles andere als gut war, war es ein mutiger und meiner Meinung nach geglückter Versuch die Muppets zurück ins Fernsehen zu holen. Man modernisierte an den richtigen Ecken, vernachlässigte zugegebener maßen etwas zu sehr den künstlerischen Rahmen, hievte dafür aber den Anarcho-Charme der alten Zeit hervor, passte sie der Neuzeit an, was im Ergebnis um so lauter, schriller und schneller wurde, so wie die Erfolge „Die Simpsons“ und später „Futurama“, „Family Guy“ und Co.

Die braven Sequenzen aus „Die Muppets“ zeigen, dass eine Show auch auf die harmlosere Art zu wirken wüsste, badend in der Political Correctness, die heute leider, spätestens angekommen in den Disney Studios, nicht mehr zu verhindern wäre. Wenn schon kein radikal-freudiges Hoch wie „Muppets Tonight“, dann doch bitte eine „Muppet Show“ wie wir sie für einige Augenblicke im hier besprochenen Kinofilm sichten durften. Dies wäre die Heimat der Muppets. Hier wären sie gut aufgehoben, und hier würden selbstverliebt grinsende Stars auch nur bedingt unangenehm auffallen.

Im Kino, gestreckt mit einer künstlichen Geschichte auf Spielfilmlänge, kann der Charme der Puppencharaktere nicht richtig greifen. Kermit mag Zugpferd sein und das Herz der Muppets, aber er im Mittelpunkt ist einfach nicht der Zuschauermagnet. Und jede andere Puppe kommt zu kurz, zumal nur die heute noch bekannte Muppet-Prominenz in den Mittelpunkt rückt und schräge unbekannte Figuren gar keinen Rahmen mehr zum wirken erhalten. Außerdem fehlen die ausgeflippten Momente eines „Schweine im Weltraum“, und auch die bloße Anwesenheit des Professors mit Beaker oder des Chefkochs allein lassen noch nicht jenen Wahnsinn entstehen, der erst dann aufkommt, wenn man ihnen auch einen kompletten Sketch gewährt.

„Die Muppets“ ist gut gemeint, aber leider zu theoretisch und typisch Muppet-Film zu brav ausgefallen. Da hätte man sich in Sachen Frechheit besser am großartigen „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ orientieren sollen, der einzige Muppet-Film der genügend Pfiff besaß den Humor der Serie auf die große Leinwand zu transferieren. Etwas weniger Ehrfurcht und etwas mehr Mut hätte „Die Muppets“ gut gestanden. Zumindest verstehe ich jetzt warum Frank Oz sich abgewendet hat, auch wenn sich oberflächlich alles so wie gehabt anfühlt. Nur der Kenner erkennt auch die fehlenden Ecken und Kanten. Glattgehobelte Muppets wissen in diesem Format einfach nicht zu funktionieren. Mit Längen versehen ist der Film aber immerhin guckbar, wenn auch nicht sehr unterhaltsam.  OFDb