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10.11.2024

DIE MIAMI COPS (1985)

Zwei schlagfertige Polizisten schließen an ihrem einzigen nie gelösten Fall an, als ein Bankräuber freigelassen wird und in Miami seine Mittäter zu kontaktieren scheint...

Schießfreudige vier Fäuste...

Bevor sie für "Die Troublemaker"  in den 90er Jahren ein letztes Mal zusammen fanden, drehten Bud Spencer und Terence Hill ihren vorerst letzten Streifen als Duo 1985 ab. Der fühlt sich jedoch bereits derart anders an, scheinbar für ein erweitertes Publikum konzipiert, dass man eigentlich "Vier Fäuste gegen Rio" als ihren letzten klassisch gehaltenen, gemeinsamen Film betrachten muss. Dass das Feeling ein anderes ist, als bisher von den beiden gekannt, beginnt bereits in der eher elektronisch gehaltenen Musik, die sich erst im Abspann, wenn sie urplötzlich Gesang erhält, wie ein klassischer Soundtrack für ein Werk dieses Duos anmutet. Auch der ernstere Grundton macht sich bemerkbar, um viel Witz und Sprüche ist man nicht bemüht, und was diesbezüglich so aufblitzt ist entweder einfallslos zu nennen, oder angenehme Routine. Als Durchschnitt sind auch die Prügelszenen zu beschreiben, denen man gar nicht erst versucht individuelle Momente durch überraschende Methoden zu bescheren. Enthalten sind sie scheinbar nur, weil man (noch) das Stammpublikum bedienen wollte. 

Dass hier häufiger die Pistolen gezuckt werden, anstatt die Fäuste zu verwenden, ist jedoch auffällig und unterstützt die andersartige Mentalität des Streifens, zumal man auf comichaft übertriebene Schussfertigkeit, wie sie in den Western-Parodien der beiden selbstverständlich waren, bis auf eine banale Ausnahme verzichtet. Inhaltlich wohnen wir einer banalen Kriminalgeschichte bei, die routiniert funktioniert, warum auch immer bei solch blassem Gekabbel und wenig Identifikation mit den Superbullen. Und warum solche sich als typische Berufsanfänger ausgeben müssen, während sie ihren Fall untersuchen, bleibt einem das Drehbuch als Erklärung stets schuldig, zumal dieser Kniff weder gewitzt genutzt wird, noch überhaupt viel Raum einnimmt, so klassisch wie hier zwei Bullen ihre Ermittlungen aufnehmen. Dass die Rolle Spencers seinerzeit den Dienst quittierte, weil man Verbrecher mittlerweile mit Samthandschuhen anfassen muss, spielt ebenso wenig eine Rolle, so derbe wie die beiden sich um derartige neumodische Vorschriften nicht kümmern und dafür keine Konsequenzen befürchten müssen. 

Warum sie so toll sind in dem was sie tun, ist so selbstverständlich und banal gehalten, wie der komplette Krimi-Plot, der eher wie eine Alibi-Handlung anmutet. Und obwohl das alles nur noch wenig vom Flair der typischen Streifen des Duos vorzuweisen hat, ist es die konzentrierte Art sein Ding alternativ durchzuziehen, was "Miami Supercops" (Originaltitel) dennoch zu einer angenehmen, wenn auch schlichten Unterhaltung verhilft. Sicherlich hat keiner auf ein Werk wie dieses gewartet, aber es funktioniert bei heruntergefahrenen Erwartungen, auch wenn ich mir nicht erklären kann, warum dem so ist.  Wiki

16.08.2024

DER SUPERCOP (1980)

Aufgrund einer fatalen Fehlplanung muss Polizeineuling Dave ein Knöllchen in einem evakuiertem Gebiet übergeben, in welchem ein wissenschaftliches Experiment stattfindet. Der gutmütige Cop kommt bei einer Explosion in Berührung mit rotem Plutonium, und verfügt von da an über übernatürliche Kräfte. Wenn Dave jedoch etwas Rotes sieht, verschwinden die Kräfte, nur hat er diese Gesetzmäßigkeit nicht begriffen, wundert sich entsprechend warum die Kräfte kommen und gehen und schafft es demzufolge nicht jemandem zu beweisen, was er so kann. Insbesondere sein Partner und Vorgesetzter will vom sogenannten Nullblick nichts wissen...

Blüten, Fische, Barracuda...

Dass Solo-Filme mit Terence Hill in der Hauptrolle, zu funktionieren wissen, bewies bereits sehr früh "Mein Name ist Nobody", der zu den wichtigsten und besten Westernkomödien überhaupt zählt. Das meiste andere was er oder Bud Spencer alleine vollbrachten, entspricht eher dem Ergebnis von Fließbandproduktionen. Und wie Werke wie "Der Supercop" beweisen, muss auch dies für nichts schlechtes stehen, dabei verweigert sich das hier besprochene Beispiel, ausgenommen von kurzen Prügeleien, dem Großteil dessen, was für Werke mit Hill stets üblich war. Dave ist weder ein Taugenichts, noch zwielichtig oder übertrieben stark. Der Film setzt voll und ganz auf seine Fantasygeschichte, deren Protagonist, abgesehen von ein paar typischen Terence Hill-Grimassen und seinem grundsätzlichen Charme, eigentlich auch jeder andere Schauspieler hätte verkörpern können. Da das banale Treiben jedoch genügend Freude bereitet, ist es auch dem Stammzuschauer des Mimen egal, der freut sich, egal ob jung oder alt, seinen Helden immer wieder in verschiedenen Abenteuern zu erleben, selbst wenn der Stoff einmal übernatürlich daher kommt. 

Interessant ist der an Kinderstoffe erinnernde Blick, mit welchem man "Super Snooper" (Alternativtitel) thematisiert. Klar, das junge Publikum gehörte immer mit zum anvisierten Ziel der Produzenten, aber ebenso wie die Gemeinschaftswerke mit Spencer, will "Poliziotto Superpiu" (Originaltitel) kein Kinderfilm sein, er soll lediglich ein sehr einfacher Film sein, ein Streifen den man sich entspannt angucken kann, um einmal seelisch abzuschalten, ein gute Laune-Stoff der trivialen Art. Und dementsprechend geht es in der Geschichte über den Polizisten, der von nun an Superkräfte besitzt, meist nur um den Erfolg, den Humor und den Überraschungseffekt gegenüber Daves Mitmenschen. Typisch Terence Hill darf auch ein gewisser Grad Angeberei nicht fehlen, aber der wird nie zum eigenen Vorteil genutzt oder überstrapaziert. Die größten Probleme, die Dave durchmacht, ganz im Gegenteil zu ernstgenommenen Superheldenstoffen, ist die Frage warum seine Superkräfte ihn immer wieder verlassen (der Zuschauer hingegen ist diesbezüglich eingeweiht, um Momente der Vorfreude des Scheiterns genießen zu können) und die Tatsache, dass ihm keiner glauben will. Um mehr geht es in diesem sehr simplen Kosmos aus Gut und Böse nicht. 

Es gibt keine ernsthaften Bedrohungen, keine echten Komplikationen mit der Lebenspartnerin, keine Zwietracht unter Freunden und Vorgesetzten, selbst wenn man ihnen das Absitzen im Todestrakt verdankt, oder stets nur der störrische, aber nicht unsympathische Vorgesetzte von Daves Ahnungen beruflich profitiert, es geht lediglich um selbstlose Heldentaten, Humor und harmlose Abenteuer. Deutlich wird das Bedienen an der Kinderfilmmentalität an weiteren Beispielen. Die Superkräfte müssen sich nicht entwickeln oder gestärkt werden, zeitliche Abstände ergeben keinen Sinn (siehe die Beschuldigung des Mordes in Bezug auf drei Hinrichtungen und eine Rettung), und das sureale Anwenden der Kräfte in einigen Momenten ergibt auch bezogen auf Fantasystoffe durch das Fehlen einer innereigenen Logik, geschweige denn dem Bezug auf physikalische Regeln, keinen Sinn. Das wird besonders deutlich in der Stadionszene, in welcher der gute Mann fast das komplette Publikum verschwinden lässt. Heutige Stoffe hätten auf Erklärungen wie Alternativuniversen setzen müssen, "Der Supercop" erwartet ein schlichtes Akzeptieren. 

Das Finale mutet extrem bizarr an und liefert mit seiner grotesken Idee etwas, das man in anderen Superheldengeschichten nicht findet, während der Rest nicht gerade durch Innovation auffällt: ein Großteil des Finales spielt auf einer übertrieben großen Kaugummiblase. Es ist der Umgang mit dem Selbstverständlichen auch in solchen Situationen, dem Charme des Helden und das Spiel in Sachen Komik und Fantasy mit dem popkulturell Üblichen, was "Super Fuzz" (Alternativtitel) so angenehm gucken lässt, nicht trotz seiner Trivialität, sondern wegen. In einem Kino angelangt, in dem mittlerweile alles erklärt und hinterfragt sein muss, meist sogar im Kinderfilmbereich, tut es hin und wieder gut derart simple Unterhaltungsluft zu schnuppern, die nicht mehr verspricht, als das kleine, amüsante Filmchen für zwischendurch zu sein. Und dieses schlichte Ergebnis ist Sergio Corpucci, der mit Terence Hill u.a. auch "Zwei Asse trumpfen auf" und "Zwei sind nicht zu bremsen" drehte, meiner Meinung nach geglückt. Dass er auch zu mehr im Stande war, bewies er mit dem großartigen Western "Leichen pflastern seinen Weg". Auch für den Klassiker "Django" war er inszenatorisch verantwortlich.  Wiki

14.08.2024

ZWEI HIMMELHUNDE AUF DEN WEG ZUR HÖLLE (1972)

Zwei befreundete Piloten, die meist krumme Dinger mit der Versicherung durchziehen, stürzen über einem Dschungel ab. Dort machen sie einem Industriellen, der hier im Flugbereich auf aggressive Art ein Monopol aufgebaut hat, mit dem Kauf eines Flugzeuges Konkurrenz...

Autocrash mit gekämmten Haaren...

"Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle" gehört zu den wichtigsten Filmen des Prügel-Duos Bud Spencer und Terence Hill, ist er doch der erste Versuch ihr komödiantisches Talent, das sie nach einigen ernsten gemeinsamen Werken in "Die rechte und die linke Hand des Teifels", sowie dessen Fortsetzung "Vier Fäuste für ein Halleluja" entdeckten, auch außerhalb des Genres Western auszuprobieren. Das Experiment ist geglückt, trotz der erstaunlichen Entscheidung Regisseur Giuseppe Colizzi den Streifen inszenieren zu lassen, arbeitete dieser mit den beiden Schauspielern bislang doch nur in ernsten Filmen wie "Vier für ein Ave Maria" und "Hügel der blutigen Stiefel". In den Anfängen dieser neu orientierten Erfolgsphase finden sich noch einige Unterschiede in der Charakterzeichnung zum späteren Standard. Beide Figuren scheuen keine harte Arbeit, einem Terence Hill sind 4 Gegner im Kampf zu viel, Bud darf kaufmännisch Rechnungen überprüfen (und ist intellektuell in der Lage dafür), die zwei sind von Beginn an befreundet, und Reibereien untereinander gibt es nur in extremen Situationen. 

Auch stilistisch ist "Più forte, ragazzi!" (Originaltitel) noch anders ausgefallen als die Fließband-Produktion, die sein Erfolg auslösen sollte. Der Mix aus Abenteuer, Action und Komödie ist noch sehr besonnen, teilweise gar reflektiert erzählt, lässt sich mit den einzelnen Stationen seiner Geschichte Zeit und scheut keine mühsamen Aufnahmen. Die nicht gerade leicht zu inszenierende Eingangsszene, in welcher zwei Flugzeuge drohen ineinander zu stoßen, zeigt dies, meist sind es weitere Flugaufnahmen im weiteren Verlauf des Streifens, die als Pate für mehr Engagement in der Umsetzung des Ganzen stehen. "All the Way Boys" (Alternativtitel) besticht durch einen tollen Soundtrack, einer stimmigen Location, wohl dosierten Albernheiten, Sprüchen und Schlägereien, erstaunt mit einer dramatischen Szene gegen Ende, kommt auch mal holprig daher in zu plötzlichen Inhaltssprüngen, beweist andernorts aber eine Ruhe, z.B. darin erst im letzten Drittel den Antagonist, von dem vorher gelegentlich geredet wird, auftauchen zu lassen. Die Verteidigung seines Monopols beginnt erst hier, die Kampfansage der beiden, ihm Konkurrenz zu machen, wird nicht zur Hauptgeschichte. 

Die ist eher bescheidener Natur, gönnt sich die Stärke den Aufbau des Betriebs und den Alltag der stets spontanen Piloten als Basis zu nutzen den Charakter der Hauptfiguren selbst zum Thema zu machen, zwei Menschen, die immer das tun, was sie gerne möchten und was sich gerade ergibt, der eine motiviert über den Drang zum Erfolg, der andere durch eine Verspieltheit. Es werden ungewöhnliche Freundschaften geschlossen, Geschäfte gemacht, Mitmenschen provoziert, und das alles in einer Selbstverständlichkeit dargeboten, die gar nicht erst etwas besonders Erzählenswertes anvisiert. Man erkannte, dass diese "Banalitäten" bereits die erzählenswerte Geschichte sind. Mit besagten Schauwerten im Flugbereich ging man letztendlich dennoch auf Nummer sicher, um der angenehm und manchmal robust vor sich hin plätschernden Handlung, neben den obligatorischen Prügeleien, genügend Zusatz-Action zu bescheren. Schön ist es, dass sich "Plane Crazy" (Alternativtitel) auch Zeit für ungewöhnliche, nicht zwingend notwendige Szenen lässt. So gehört beispielsweise jener Moment zu einem meiner liebsten, wenn sich nach einer Reparatur ein Flugzeug selbstständig macht, und die beiden, frei von Gefahr, Aggression oder einer bedrohlichen Situation, verspielt der Maschine hinterher laufen, um sie eingefangen zu bekommen. Dieser Moment strahlt eine Leichtigkeit aus, die geradezu typisch für die Mentalität der beiden Figuren ist, zumindest wenn sie nicht gerade Rot sehen und wieder einmal eine Schlägerei anzetteln. Die Schlusspointe passt ganz gut zu dieser Zwiespältigkeit ihres Charakters. Geld lockt, für Geld wird verarscht, letztendlich ist es aber gar nicht so wichtig welches zu haben. Ihre Freiheit ist den beiden wichtiger.  Wiki

DAS KROKODIL UND SEIN NILPFERD (1979)

Zwei schlagfertige Cousins legen sich in Afrika mit einem Großwildjäger an, der für sein Business die Hütten der Einwohner platt machen möchte...

Jetzt gibt's eins auf die Gewürzgurke...

Ich sag es immer wieder, Filme mit Bud Spencer und/oder Terence Hill sind ein eigenes Genre. Da stört es herzlich wenig wenn so gut wie keine erzählenswerte Geschichte vorhanden ist, die beiden Hauptdarsteller allein reichen meist bereits aus kurzweilig unterhalten zu werden. "Das Krokodil und sein Nilpferd" arbeitet letztendlich die klassischen Highlights der Komödien des Duos ab, wie man es seit "Die rechte und die linke Hand des Teufels" und "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle" kennt. Die beiden sind zerstritten und doch solidarisch miteinander, der eine krimineller, der andere steht für Gutes, auch wenn er ein Taugenichts ist. Es gibt Szenen im Spielcasino samt Hills' Kartentricks, eine (bedingt) feinere Essensgesellschaft wird mit rüpelhaften Verhalten (mehr oder weniger) torpediert, und freilich mangelt es auch nicht an Prügelszenen und die durch Rainer Brandt so berühmt gewordenen Sprüche in der deutschen Synchronfassung. Klassischer kann ein Spencer/Hill-Film kaum angelegt sein, versehen mit einigen netten Aufnahmen der exotischen Gegend, sowie einigen Tierszenen. 

Tierfreunde werden den Film ohnehin mögen, so fein wie sich die beiden Proleten für die Tierwelt einsetzen. Aber freilich auch für die Anwohner, die von einem Industriellen unter Druck gesetzt werden. Hier ist man sich im Kampf für Soziales für keinen plumpen Gag zu schade, macht selbst vor den Worten Hokus Pokus bei einer angeblichen Magierin keinen Halt, und sämtliche Grimassen, Albernheiten und die sichtbare Spielfreude sorgen dafür, dass dies trotz (oder wegen?) kindlichen Niveaus wunderbar funktioniert. Auf diese Art macht der ewig wiedergekäuerte, kaum neu ausgelegte Plot weiterhin Spaß, und ein von Bud Spencer höchstpersönlich beigesteuerter Soundtrack weiß ebenfalls zu wirken. Seine Kinderfreundlichkeit hält sich hier glücklicher Weise in Grenzen, sind es in den 80er Jahren doch meist seine zu kinderfreundlichen Solowerke, die trotz des simplen Erfolgsrezepts dann doch scheitern. Nicht aber hier, in einem Film mit einem herrlich schleimigen Muskelprotz von Hauptgegner (einer der wenigen, mit denen Spencer einen etwas ausgeglicheneren Finalkampf führen muss als üblicher Weise), einem herrlich blöden Running Gag während des Essens mit Wasserspritzern und ein wenig Bulldozer-Action. Mehr benötigt der Stammzuschauer nicht, und für wen anders ist "Io sto con gli ippopotami" (Originaltitel) ohnehin nicht gedacht.  Wiki

02.02.2020

ZWEI AUSSER RAND UND BAND (1977)

Es ist schon erstaunlich auf welch schlichter Basis so ein Film mit Bud Spencer und Terence Hill zu funktionieren weiß. Mit "Die rechte und die linke Hand des Teufels" 1970 den ersten großen Erfolg gefeiert, das Konzept zwei Jahre später mit "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle" auch außerhalb des Westernbereichs erfolgreich umgesetzt, hat 1977 "Zwei außer Rand und Band" theoretisch nichts zu bieten, was es nicht schon vorher in Werken der beiden Schauspieler zu sehen gab. Ganz im Gegenteil bedient man sich unverfroren am Konzept der Vorgänger. Die Eingangssequenz, in welcher die beiden unabhängig voneinander ihren Feind leiden lassen, erinnert stark an den pointensicheren Beginn von "Vier Fäuste für ein Halleluja", der Kriminelle in der Position des Gesetzeshüters an "Die rechte und die linke Hand des Teufels", und der Gag, dass die Rolle Hills Spencers Pläne der Ungerechtigkeit stets für Hilfesuchende ehrbar ändert, ebenfalls an diesen, noch mehr aber an "Auch die Engel essen Bohnen", der dieses Konzept gar zum Zentrum der Handlung machte und statt Terence Hill Giuliano Gemma als Partner Bud Spencers bot.

Freilich wird auch an Prügelszenen nicht gespart, einer der Haupteckpfeiler der Rezeptur der Spencer/Hill-Filme, die immer wieder dadurch faszinieren, dass sie so gut funktionieren. Anstatt ausgelutscht zu wirken, erfrischen sie jedes Mal die an sich nicht vorhandene Handlung, sorgen also immer wieder für den nötigen Pepp, wenn die Geschehnisse mal wieder ein bisschen Schwung benötigen. Da kaum eine Handlung auszumachen ist, kann diese herrlich alberne Prügelkomik vom Szenario her um so konfuser eingebracht werden, so dass auch mal im Stadion gegen eine Gruppe Rocker mit Indianeranführer gekämpft werden kann, später gegen Rauschgifthändler in einem Bowlingcenter. Dabei wird nicht nur ordentlich drauf gehauen, Gegenstände zweckentfremdet und Wilbur auch mal gerne von Matt hängen gelassen, damit der den Hauptteil der Prügelorgien erledigen kann, es werden auch herrlich albern Grimassen geschnitten und hanebüchene Momente kreiert, wie in der legendären Pommesbudensequenz, in welcher Matt sich als gehbehindert ausgibt und Wilbur als taubstummen Brummbär mit 'ner Meise im Schädel. Die Szenen rund um die Polizeiarbeit, sowie zuvor auf der Polizeiakademie, werden aufgelockert mit dem Running Gag, dass Matt ein oller Schleimer ist und seinen Partner Wilbur dem Vorgesetzten stets als schwarzes Schaf vorführt.

Trotzdem bleiben die beiden Helden des einfachen Mannes Freunde und Polizisten noch dazu, warum auch immer. Dies zu hinterfragen würde bereits das dünne Storygerüst zerschmettern, über dessen quasi Nichtvorhandensein man deswegen nicht schimpft, weil die Chemie des Ganzen so wundervoll zu funktionieren weiß. Ebenso verhält es sich mit dem Handlungsort Amerika, obwohl unübersehbar in Italien gedreht wurde. Eine derartige Perfektion hat ein Film wie dieser nicht nötig. Er entführt nicht in ein überzeugendes Szenario, hier wird keine Illusion geboten, die beiden Hauptfiguren würden nicht einmal entfremdete Namen benötigen, da sie für den Betrachter schlichtweg Bud Spencer und Terence Hill sind. Solch ein Werk guckt sich, als wäre man bei den Dreharbeiten mit dabei. Für so etwas hätte es dementsprechend eine Zusatz-Prominenz mit "Black Emanuelle"-Star Laura Gemser gar nicht geben müssen, schön dass ein derartiger Bonus dennoch enthalten ist. "Zwei außer Rand und Band" gehört zu den Evergreens des Prügelduos und lässt sich immer wieder ansehen, von klein auf bis ins Erwachsenenalter hinein, sofern man einmal sein Herz für die beiden Italiener geöffnet hat. Wie könnte man auch nicht liebäugeln mit zwei gutherzigen Ganoven, die der Mafia den Krieg erklären und eine hilfsbedürftige chinesische Familie frei von Vorurteilen unterstützen?

Die beiden gehören einer Generation an, in welcher spaßeshalber noch Gewalt angewendet werden durfte und sexistisches Verhalten attraktiven Frauen gegenüber noch charmant in eine sich selbst nicht ernst nehmende Geschichte integriert werden konnte. Die beiden benötigen keine Schusswaffen, sind unverletzbar und können literweise Alkohol saufen, ohne angetrunken zu sein. Sie besitzen quasi Superkräfte ohne Superhelden zu sein, und das wird auch nie hinterfragt. Und dieser entspannte Umgang mit all den Selbstverständlichkeiten, die in heutigen Produktionen Perfektion, eine Erklärung, oder eine Entschuldigung/Rechtfertigung benötigen würden, ist letztendlich auch das Geheimnis dessen, warum solch ein schlichtes Konzept so herzerfrischend funktioniert - freilich, wie immer, aufgepeppt durch die humorgedopte deutsche Synchronisation und untermalt durch den wundervollen, schwungvollen Soundtrack der De Angelis-Brüder mit Ohrwurm-Garantie.  OFDb

04.07.2015

DOC WEST - NOBODY IST ZURÜCK (2009)

Es ist zwar schade dass der deutsche Verleih wieder einmal glaubt mit einem Nobody im Titel durch Täuschung ein breiteres Publikum erreichen zu müssen („Nobody ist der Größte“ war ebenfalls keine Fortsetzung von „Mein Name ist Nobody“), aber der Titel Doc West revidiert die Behauptung im selben Atemzug. Das ist ein merkwürdiges Vorgehen, aber was soll‘s. Eine nähere Verwandtschaft zur Hauptfigur hat der Streifen ohnehin nicht zu Nobody, sondern viel eher zu „Lucky Luke“, in welchem Terence Hill in die titelgebende Rolle geschlüpft ist, die sich sein Sohn zu Lebzeiten schon immer von Papa gespielt gewünscht hatte. Nach dessen frühen Tod erfüllte Terence Hill seinem Sohn diesen Wunsch.

Die tragischen Umstände zeigen bereits wie viel Emotion hinter einem solchen Vorhaben steckt. Terence Hill ist sanft geworden, wurde dies eigentlich schon beim 90er Jahre Comeback-Versuch „Die Troublemaker“, und den Kurs hält er noch immer bei. Klar, es ist schön ihn, wenn auch sichtlich gealtert, in Cowboy-Kluft wieder im Sattel sitzen zu sehen, aber diese arg brave Grundstimmung steht doch im extemen Gegsatz zu den frechen Frühwerken, die es schafften auf unverkrampftere Art eine komplette Familie zu unterhalten. Gibt man „Doc West - Nobody ist zurück“, der gleichzeitig mit der Fortsetzung „Doc West - Nobody schlägt zurück“ abgedreht wurde, eine Chance als das was er ist, gibt es trotzdem genug Gründe kritisch mit dem abgelieferten Stoff umzugehen.

Mit der tragischen Hintergrundgeschichte, die dazu führen wird dass aus West Doc West wird, und dem einsamen Reiter damit seine Mystik beraubt wird, kann ich in einem familienfreundlichen Film noch leben. Aber dass man sich atmosphärisch keine Mühe gegeben hat, verärgert richtig. Die Stadt wirkt frisch erbaut, die Leute auf der Straße sehen aus wie das was sie sind: Statisten, die Bärte der jungen Männer sind fein frisierte Modebärtchen und die Zähne strahlen so weiß wie es sie im Wilden Westen nie gegeben hätte.

Der Film strahlt ein steriles Kunstbild aus und verweigert dem Zuschauer damit die Möglichkeit so weit eintauchen zu können, um das Schauspiel für einen Moment zu ignorieren und für echt zu halten. Damit bleibt „Doc West“ ein zu theoretisches Stück Film, welches zudem inhaltlich altbekannte Storyfragmente vergleichbarer Filme uninspiriert abarbeitet. Neben den Themen Familienzwist, Sheriff mit fragwürdigem Hintergrund und verbrecherische Erweiterung von Weideland werden selbstverständlich auch Terence Hill-Klischees abgespuhlt, die sich zwar als augenzwinkernde Verbeugung verstehen und die in solch einem Film auch konsequenter Weise dabei sein müssen, aber selbst die werden nicht gerade toll eingebaut.

Wenn Hill den Tolpatsch beim Kartenmischen spielt, schaut sich das nicht so komisch wie einst. Und wenn er dann als Voll-Profi die Karten mit allerlei Tricks sehr geschickt mischt, schaut sich das nicht halb so flüssig und belustigend wie in den guten alten 70er Jahren. Zumindest Terence Hill selbst weiß gealtert zu wirken, strahlt noch immer den charmanten und attraktiven Blauäugigen aus, der ihm überhaupt erst seine Karriere ermöglichte, und mit der Schwarzenegger-Synchronstimme weiß er in seiner sanften Art zu wirken.

Letztendlich ist der Streifen jedoch viel zu politisch korrekt ausgefallen, etwas das ich bei einem italienischen Filmbeitrag nie in solch einer Extreme vermutet hätte. Da darf der Familienzwist schließlich ohne Waffen in einem Wettbewerb geklärt werden, und selbst Prügelszenen schauen sich nicht wie damals. Prügelorgien gibt es schon mal gar keine, und wenn West einem Typen mehrmals eine runterhaut, wird dies so sanft und mit größten gewissenhaftem Tathintergrund präsentiert, dass selbst strengste Katholiken nicht über die ausgelebte Gewalt meckern würden. Und warum muss West gerade heraus sagen und damit unnötig betonen, dass er die Waffe nur zur Verteidigung bei sich trägt?

Mit alten Terence Hill-Filmen hat das alles nichts mehr zu tun, zumindest nicht mit jenen die vor den 90er Jahren entstanden sind. Da kann der Deutschtitel noch so provozierend lügen und manipulieren. Sicher gibt es an „Doc West“ als reinen Kinderfilm nichts zu meckern. Man kann ihn in jungen Jahren gucken, sich kurzfristig unterhalten und ihn dann wieder vergessen. Aber mit Terence Hill im Sattel ist eine Enttäuschung quasi vorprogrammiert. Aus diesem Blickwinkel heraus betrachtet ist der Streifen sogar extremst enttäuschend. Andererseits ist dies auch ein sehr unfairer Blick auf einen Film der nur eines sein will: ein harmloser Spaß für Kinder.  OFDb

02.07.2015

VERFLUCHT, VERDAMMT UND HALLELUJA (1972)

Wenn es einer verstand das Konzept der Spencer/Hill-Filme, ob im Duo oder in Soloprojekten der Beiden, gekonnt zu variieren, damit die ewig gleiche Soße nicht zu langweilig wurde, dann war das Enzo Barboni, alias E.B.Clucher, der mit „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ das Konzept nicht nur kreierte, sondern mit diesem auch gleich das beste Werk des Duos ablieferte. Ob außerhalb des Wilden Westens mit „Zwei außer Rand und Band“ oder im Spätwerk „Vier Fäuste gegen Rio“ (der letzte klassische und gute Film der beiden Haudegen), Clucher hatte einen Riecher für die kleinen Unterschiede, die einen weiteren Beitrag so schmackhaft machten, obwohl das Publikum prinzipiell eigentlich immer das selbe in Grün sehen wollte.

Der Clou an „Verflucht, verdammt und Hallejua“ ist der, dass Terence Hills Rolle außerhalb der Norm angesiedelt ist. Den Revolverhelden, wie wir ihn aus „Vier Fäuste für ein Halleluja“ und „Mein Name ist Nobody“ kennen, bekommen wir erst ganz zum Schluss präsentiert. Zuvor spielt er gegen diese Rolle an, indem er ein Greenhorn aus dem Norden mimt, so dass die englischen Titel „Man of the East“ und „A Man From the East“ inhaltlich näher am Streifens dran sind, als der berühmte deutsche Titel. Zwar gibt es noch die Alternative „Ein Gentleman im Wilden Westen“, aber kennen tut ein jeder den Streifen eigentlich als „Verflucht, verdammt und Halleluja“, und der ist so sympathisch wie der Film selbst, der sich für seine Geschichte angenehm viel Zeit lässt.

Der Bogen zu Hills Rolle wird erst über die drei Gauner gespannt, denen wir zuvor bei ihrer Zusammenkunft zusehen dürfen. Und tritt Terence Hill endlich ins Geschehen ein, sehen wir einen schnieke zurecht gemachten, zivilisierten Menschen, der Fahrrad fährt, Gedichte zitiert, Ameisen unter dem Mikroskop untersucht und sich täglich wäscht. Dementsprechend anders fällt auch die zu seinen Filmen zwingend dazugehörende Prügelszene aus, in welcher Hill wesentlich mehr einsteckt als austeilt, was er mit herrlich bescheuerten Quatschgesichtern auszubügeln weiß.

Wirklich albern wird „E poi lo chiamarono il magnifico“ (Originaltitel) aber eigentlich nur selten. Im trockenen und ruhigem Stil gehalten wissen Personen und Situationen immer wieder zu belustigen, aber laute Humormomente gibt man dem Publikum nur selten zu fressen. Damit hält der Streifen ein Niveau, von welchem sich andere Werke Hills eine Scheibe abschneiden könnten. Der Stil des Streifens ist zwar staubig wie seine Kulisse, allerdings hat die Geschichte immer interessante Aspekte zu bieten, so dass man dem Streifen nie gelangweilt folgt und der Mangel an Albernheiten dem Gesamtwerk gut tut.

Auf der anderen Seite haben sich hin und wieder Witzchen eingeschlichen, die geradezu kindlicher Natur sind, dementsprechend aus dem Standard heraus brechen, sich überraschender Weise aber trotzdem ins Restgeschehen integrieren lassen. So bricht einmal die Musik einer romantischen Szene ab, da der naive Mann aus dem Westen gerade nicht versteht welch amouröses Angebot seine Angebetete ihm gerade bei einem Treffen im Grünen gemacht hat. Kaum verstanden legt er sich ins Zeug, küsst sie, und die Musik darf weiter spielen. Noch gewagter kommt ein Witz im Finale daher, bei welchem eine größere Gruppe Statisten in den unbequemsten Posen spontan still stehen bleiben muss, da ein Schwerbewaffneter gerade Stop gerufen hat. Nur einer darf kurz aus seiner Pose herausbrechen, um im Saloon nach dem Rechten zu sehen. Ist diese Aufgabe erfüllt geht er an seinen Platz auf der Straße zurück und nimmt erneut die Pose ein, die er auch zuvor einnahm.

Solche Momente lockern den Film auf eine Weise auf, die der Stoff in seiner Art nicht nötig gehabt hätte, die man als Zuschauer herzhaft lachend aber trotzdem all zu gerne dankend annimmt. Somit ist „Verflucht, verdammt und Halleluja“ durch und durch ein Tipp für all jene, die nur die wahrlich großen Werke des Prügelduos und deren Soloprojekte sehen möchten. Auch wenn der Streifen nicht so dynamisch daher kommt wie „Mein Name ist Noboy“, auch er ist unbedingt einen Blick wert - und ein bis zwei Ohren übrigens auch, denn wie in dem im selben Jahr erschienenden ersten Nicht-Western von Spencer und Hill mit dem Titel „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“, so wird auch hier der Film von einem Lied der Gebrüder De Angelis untermalt, und deren Lied schmiegt sich sanft in die Ohren und weiß das Feeling des Streifens passend zu treffen.  OFDb

13.07.2014

VIER FÄUSTE GEGEN RIO (1984)

Entweder war es Zufall oder ein Bedürfnis der Zeit seine Stars in Doppelrollen auf der Leinwand herumstolpern zu sehen, denn im selben Jahr von „Didi - Der Doppelgänger“ kam „Vier Fäuste gegen Rio“ in die Kinos, der über einen ähnlichen Plot verfügte, mit der Ausnahme, dass die Doppelgänger von Anfang an wissen, dass ihnen jemand ans Leder will. Ansonsten gibt es der Übereinstimmungen so einige, inklusive dem Auflauern der Täter im schnieken Auto der Reichen.

Vom Niveau her hinkt „Vier Fäuste gegen Rio“ dem gekonnt gewitzten Hallervorden-Film hinterher. Aber wenn man bedenkt dass die große Zeit der Spencer/Hill-Filme deutlich vorbei war und der Film um die zwei Doppelgänger eigentlich im Nachhall des großen Erfolges entstanden ist, darf man schon überrascht sein was für einen guten Streifen die beiden kurz vor dem endgültigen Ende des Zuschauerinteresses fertiggestellt haben. Mag vieles der funktionierenden Komik auch der Verdienst der sympathischen deutschen Synchronisation sein, man sieht den beiden Mimen die Spielfreude an, die am Set herrschte, auch wenn sie streng genommen nur einen der besten Gags von „Vier Fäuste für ein Halleluja“ auf Spielfilmlänge strecken: Unzivilisierte tarnen sich als Edelmänner und fallen mit ihrem unflätigen Verhalten auf.

Regisseur E.B. Clucher, der mit Bud Spencer und Terence Hill schon so einige Filme abgedreht hatte, inklusive ihrer besten Arbeit namens „Die rechte und die linke Hand des Teufels“, der den Kult um die beiden überhaupt erst auslöste, experimentiert nicht viel, setzt die beiden Charaktere so ein wie man sie sehen will und übertreibt es glücklicher Weise nicht mit den Prügelszenen. Auf die erste darf man eine halbe Stunde lang warten, und wenn geprügelt wird, dann auch gleich richtig mit viel Sehwert für den Zuschauer.

In ihrer Doppelrolle als sanfte Reiche sind die beiden Haudegen hingegen absichtlich gegen den Strich besetzt, und das weiß einfach zu belustigen, eben weil sie sich durch all ihre Filme gleichen Musters als Prügelknaben beim Publikum eingebrannt haben. Letztendlich nutzt man das was den Werken gerne vorgeworfen wird, das endgültige Widerkäuern ein und der selben Idee, um daraus die Wirkung zu erzielen.

Das weiß zu gefallen und wird auf Seiten der Sanften auch ordentlich ausgeschlachtet mit lustigen kleinen Macken im Verhalten und Rückgrat-losen Sprüchen wie dem Highlight um die Verteidigung einer Walderdbeere. Wenn auf der umgekehrten Seite dem dicken Haudegen ein Diät-Menü serviert wird oder per Hypnose versucht wird geheime Informationen zu entlocken, bleibt kein Auge trocken. Ohnehin scheint es Bud Spencer zu sein, der die besseren Szenen zugeschrieben bekommen hat, wenn auch nur im direkten Vergleich.

„Vier Fäuste gegen Rio“ will nichts Großes sein, lebt mit viel Spielfreude seine simple Idee aus und setzt damit eigentlich auf Nummer sicher, zum Glück auf die gelungene Art, so dass die Bewunderer von Spencer und Hill ihre beiden Stars noch einmal in einem für Fans rundum gelungenen Film sehen durften, bevor nur noch Magerkost oder Alternativprogramm mit ihrer Teilnahme in die Kinos kam. „Vier Fäuste gegen Rio“ kann man als den letzten großen und echten Film der beiden betrachten. Der bereits recht witzarm ausgefallene Folgefilm „Die Miami Cops“ besaß nichts mehr vom Charme der so endlos scheinenden Reihe um die Spencer/Hill-Prügelkomik-Filme.  OFDb

25.12.2012

ZWEI SIND NICHT ZU BREMSEN (1978)

Johnny Firpo, Geheimdienstler, soll den Kopf des illegalen Glücksspiels dingfest machen. Er benötigt zur Verstärkung die Hilfe seines Bruders Charlie, der einst Profi im Bereich des Glücksspiels war. Der hat jedoch keine Lust bei solcherlei Aufträgen zu helfen, da er das zocken aufgegeben hat. Also trickst Johnny ihn aus. Er lässt Charlie glauben ihr Vater wäre blind geworden, und so sammeln beide Geld für ihren armen Dad - natürlich beim Glücksspiel...

Zwei Zocker außer Rand und Band...
 
Diese "Zwei sind nicht zu bremsen" - nicht für Fans. Neutrale Filmfreunde werden den Streifen sicherlich schnell mit der Fernbedienung bremsen, hat er doch wieder einmal kaum Inhalt und kann inszenatorisch nicht wirklich überzeugen. Aber Freunde des Prügel-Duos kommen dank lustiger Raufereien, blöder Sprüche und alberner Situationen wieder voll auf ihre Kosten.

Die Nichtgeschichte wird zu Beginn kurz angerissen, dann geht es eher in Episodenformat mit inhaltlichem Leerlauf weiter (Autorennen, Zockereien,...). In der letzten halben Stunde wird die Story dann noch einmal eine Spur deutlicher und zeigt, dass der so leer wirkende Prozess des Hauptteils von "Zwei sind nicht zu bremsen" sehr wohl Handlung besaß.

Die eher dünne Geschichte sorgt nie für Langeweile. Neben arg plumpen, und dadurch wieder richtig lustigen, Sprüchen ist sich gerade Bud Spencer diesmal für keinen Klamauk zu schade. Ähnlich wie wenn man mal selbst einen kleinen Streifen zu Hause unter Freunden dreht, so wagt es sich Bud Spencer hier ganz öffentlich herumzualbern mit freiwillig blöder Perücke oder im Babykostüm für die billigen, aber doch wirksamen, Lacher.

Auch eine der Prügelszenen wirkt besonders gelungen, da eher banal: Eimer und Holzlatten werden eingebracht, und so wie die Leute da stehen und wann was auf die Mütze kriegen, ist die Szene sehr stark an einer Zirkusnummer mit Clowns angelehnt. Eigentlich kein Kompliment, sind Clowns doch schließlich weit unten in der Klasse der verschiedenen Komikformen (weshalb ich es für Chaplin und Laurel immer beleidigend finde, wenn sie als Clowns bezeichnet werden), aber in diesem Falle meine ich es positiv, da inszenatorisch.

Negativ, auch für Fans, ist diesmal die Musik. Wo sonst jeder andere Streifen des Spencer-Hill-Teams einen flotten Ohrwurm bot, den man nach dem Sichten des Werkes einfach nicht mehr los wurde, wird hier eine eher banale Melodie eingespielt, die in ihrem Rhythmus zwar leicht flott wirkt, der Konkurrenz anderer Filme der zwei aber nicht gerecht wird.
 
Prügelszenen gibt es diesmal zuhauf, das ist für manche negativ für andere positiv. Ich finde es liegt immer an der Umsetzung. Es gibt Kloppereien in anderen Filmen des Dicken und des Blauäugigen, die sind zu schnell herunter gedreht und haben keine Wirkung. In "Zwei sind nicht zu bremsen" ist dies nicht der Fall. Die Regie hatte ein gutes Auge dafür auf Kleinigkeiten zu achten, das aneinander Vorbeischlagen wird nur in wenigen Szenen deutlich, und dank verschiedener Gerätschaften und besonderer Kulissen wird es für den Betrachter auch nie zu monoton.

Hill kämpft diesmal weniger als sein dicker Kumpel, dafür darf man diesmal auch einen kurzen Kampf zwischen den beiden Stars sichten. Als Besonderheiten gibt es diesmal zudem eine Szene, in der Spencer und Hill einander beim Schlagen stets ausweichen und damit jeweils die Gegner treffen, und eine nicht sichtbare Prügelszene gibt es auch, in der die Opfer einfach aus dem Fenster geworfen werden. Meiner Meinung nach wurde diese Art Prügelkomik in seiner Einfachheit in "Aladin" mit Spencer perfektioniert, wo in einer Szene kurz das Licht aus geht, man hört die kultigen Prügelgeräusche, und wenn das Licht wieder angeht steht nur noch Buddy mit den Füßen auf dem Boden. Ideen entwickeln sich halt von Film zu Film und der wenig beliebte "Aladin" sollte ja erst 8 Jahre später folgen.

Dass auch die Gegner wieder nett besetzt sind möchte ich auch noch kurz erwähnen, immerhin ist dies auch nicht immer der Fall. Zu guter letzt bleibt mir nur die Empfehlung an den Fan der zwei. Für Nichtfans des raufenden Duos müsste der Film mit zu den banalsten Geschichten gehören, in dem die zwei Haudegen je gemeinsam mitgespielt haben.  OFDb

17.06.2012

ZWEI WIE PECH UND SCHWEFEL (1974)

Zwei Haudegen legen sich mit der Mafia an, da deren Mitglieder ihr heißgeliebtes Strandbuggy auf dem Gewissen haben...

Babba-beo, babba-beo...
 
Man ist vom Prügelduo Bud Spencer und Terence Hill schon so einiges gewohnt. Der einzig realistisch betrachtet anspruchsvolle Film der beiden war "Die rechte und die linke Hand des Teufels". Alle weiteren gemeinsame Werke waren schlichte Fun-Filme für zwischendurch, mal mehr gelungen und mal weniger. Die Handlung dieser Werke war jeweils hauchdünn, bis zum Jahr 1973 war "Zwei wie Pech und Schwefel" jedoch ganz deutlich der Spitzenreiter in diesem Bereich. Da darf man schon zu Recht fragen, wie es eine Komödie schafft, die gerade einmal von einer prügelfreudigen Schadensersatzforderung an die Mafia handelt, derart gut zu unterhalten.

„Zwei wie Pech und Schwefel“ ist wie so ziemlich jeder andere Beitrag des Prügel-Duos weit von jeglicher Realität entfernt. Zwei Bauarbeiter-Typen geben der Mafia eins auf die 12 und überleben diesen Mut nicht nur, sondern kommen auch immer als die Sieger aus jeglicher Situation heraus. Aber der Charme dieses Filmes liegt mitunter gerade an seiner herrlichen Naivität, welche den Mann von nebenan zu einer Art Superheld erklärt.

Marcello Fondato kümmert sich einfach nicht darum irgendetwas zu vertiefen was ohnehin nicht zu vertiefen nötig wäre und baut auf der Stärke des Teams Spencer/Hill auf. Selten durften diese so hemmungslos herumblödeln wie hier. Ganz deutlich wird dies in der grandios albernen Gesangsszene, eine Kultszene für jeden Fan des Duos. Den Höhepunkt erreicht besagte Szene dann, wenn Bud Spencer sich Richtung Frauenchor schleicht und mit heller Stimme deren Part mitsingt.

Alles guckt sich weit hergeholt, alles wird nur inszeniert für den schlichten Lacher. Konsequent kann man da nur sagen, nur selten geben sich Komödien derart der Banalität hin und kommen damit zu einem solch lustigen Ergebnis. Entweder schütten sie einen lustlos mit Nonsens zu, wie so manche Leslie Nielsen-Entgleisung oder sie meiden ein derartiges Niveau von Anfang an.

Unwichtigkeiten wie der Würstchen- und Bierwettbewerb werden derart zelebriert, dass sicherlich der ein oder andere spätestens dort damals den Kinosaal verlassen hat. Aber Spencer/Hill-Filme standen schon immer für eine ganz individuelle Sorte Actionfilm, die nie komplett ohne beide Darsteller zu funktionieren wusste. Das ist vielleicht auch besser so. Ich will mir gar nicht vorstellen wie so ein Prügelfilmchen mit geistigem Dünnschiss im Look der Jahrtausendwende und im Wandel des Kinos seit damals heute aussehen würde, wenn es auch ohne die beiden Stars umzusetzen gewesen wäre.

Wundern darf man sich sicherlich über das Auftauchen von Donald Pleasance. Dieser darf eine wunderbar überdrehte Comicrolle spielen, ebenso wie sein Filmpartner, der dicke Mafiachef. Beide hätten genauso gut in einem „Clever & Smart"-Heft auftauchen können, besitzen keinerlei Tiefsinn, so wie jeder Charakter dieses Streifens, und so funktionieren sie eben auch nur auf der dünnen Basis dieses Filmes. Ihre Rollen in anderen Mafiasituationen weiter gedacht wären schon nicht mehr wirksam.

Zu guter Letzt sei noch die wunderbare Musik erwähnt, ein Trumpf des Großteils der Spencer/Hill-Filme und wie so oft schlicht komponiert aber ohrwurmverdächtig ausgefallen. Andere Lieder braucht man hier kaum suchen.

Dass sich die beiden Hauptdarsteller diesmal auch anders zu wehren wissen als immer nur mit bloßen Fäusten, ist weder Stilbruch noch negativ zu betrachten. Im Gegenteil, Szenen wie die Zerstörung der parkenden Autos durch andere Autos mittels eines Gabelstaplers sind lustig inszeniert. Dass es immer das selbe in Grün ist, wie beispielsweise die Eingangssequenz in "Vier Fäuste für ein Halleluja" (dort waren es Bohnen und Pferde anstatt Autos), ist dabei ziemlich schnuppe. So lang der Spaß an der Freude beim Zuschauer überspringt, kann nicht zu viel verkehrt gemacht worden sein, zumal die Filme u.a. von Wiederholungen und Übereinstimmungen in Form von Running Gags leben. Es war seinerzeit ohnehin ein kleines Wunder, dass sich die Prügeleien der beiden Stars auch außerhalb des Western-Genres wirksam anwenden ließen. Dass „Zwei wie Pech und Schwefel“ letzten Endes nur für die schnelle Mark gedreht wurde, dürfte jedem klar sein, manchmal geht ein solches Rezept halt trotzdem auf.

Man muss dem Film zu gute halten, dass er nichts Großes sein will und seine Plumpheit nicht zufälliger Natur ist, sondern geradezu provoziert wurde. Ob es irgendwem mundet, der es in der Regel nicht so mit Spencer/Hill-Filmen hat, ist fraglich. In meinen Augen ist dieser Streifen geradezu auf den Fan zugeschnitten und bietet keinerlei Zusatzfreuden für andere Cineasten. Aber wen juckt das, wenn im Gegenzug den Fans des Duos mit "Zwei wie Pech und Schwefel" ein solch großartiges, unverfälschtes Geschenk gemacht wurde?  OFDb