Posts mit dem Label Frank Oz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Frank Oz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

28.01.2024

STAR WARS: EPISODE 3 - DIE RACHE DER SITH (2005)

So mies Teil 1 und schwach Teil 2 der Prequel-Trilogie auch ausgefallen sein mögen, der immer noch nicht glänzende "Star Wars: Episode 3 - Revenge of the Sith" (Originaltitel) ist zumindest unterhaltsamer Natur. Selbstverständlich bleibt er psychologisch plump, gerade was den Übergang Anakins zu Lord Vader betrifft, und erwachsen schaut sich das Ganze trotz lobenswerter politischer Ambitionen noch immer nicht, aber die Geschichte läuft zumindest rund, ist nicht komplett unclever ausgefallen, und der Wandel Anakins in einen der beliebtesten Schurken der Filmwelt ist ein Selbstläufer, das merkt man schon daran, wie viele Menschen sich Episode 3 angeguckt haben, obwohl sie die ersten beiden Filme nicht mochten. Für die Prequelverhältnisse geht es diesmal ein wenig düsterer zu. Und der Wandel Palpatins zum Imperator weiß auch zu gefallen, auch wenn ich nicht weiß warum er mit all seiner Macht das verschrumpelte Gesicht beibehalten musste, schließlich entstand es während einer Täuschung. 

Aber derartiges darf man ohnehin nicht hinterfragen, so blind wie z.B. auch die Jedis ihm bezüglich waren. Das wird zwar im Drehbuch direkt angesprochen, doch eine solch extreme Lücke wird mit einer kurzen Erwähnung in diesem Falle nicht glattgebügelt. In Richtung Logik und Glaubwürdigkeit darf man sowieso nicht schauen, das zeigt schon der olle Plan der finalen Zwillingsunterkünfte, damit Vader nie erfährt, dass sein Kind Kinder sind, und sie zudem noch leben. Dieses naive Stück Fantasy-Seifenoper im Science Fiction-Gewandt ist aber immerhin zügig erzählt, weckt die Neugierde des Zuschauers und erhält diesen Zustand konstant bei, es erzählt eine interessante Geschichte, auch wenn Kenner der Ur-Trilogie den Ausgang bereits kennen, und spannend darf es an mancher Stelle auch werden. Das Massaker an den Jedis schockt nicht nur in der ungezeigten Kinderszene, der Geheimcode für die Klone und was dieser an sämtlichen Orten des Universums auslöst, gehört wahrlich zu den packendsten Momenten von jener Star Wars-Trilogie, die George Lucas im Alleingang inszenierte. Sicherlich hilft das automatische Herunterschrauben der Erwartungen nach solch banalen Vorgängern dabei, "Die Rache der Sith" so zu akzeptieren wie er ist, aber all zu streng muss man tatsächlich nicht mit ihm sein, innerhalb seines mystisch verringerten eigenen Kosmos, welcher losgelöst von der Ur-Trilogie seiner Linie intellektuell wie inhaltlich treu bleibt. Und dass Yar Yar Binks diesmal nur im Hintergrund zu sehen ist, befriedigt ungemein.  Wiki

STAR WARS: EPISODE 2 - ANGRIFF DER KLONKRIEGER (2002)

So schlimm wie "Die dunkle Bedrohung" sollte es nie wieder werden. Und dass Yar Yar Binks stark reduziert wurde und zu jenem Part der Geschichte wurde, der durch seine Naivität das Ende der Demokratie verschuldet, kann man als Entschuldigung George Lucas' durchaus akzeptieren. Aber Binks war schließlich nicht der einzige Schwachpunkt besagten Vorgängers. Und die Entmystifizierung der Original-Trilogie, spätestens durch die wissenschaftliche Erklärung der Macht, lässt sich nicht ebenso leicht beheben, sogar nur schwer abschwächen. Auch der Overkill an Spezialeffekten, die oft nur für den Zweck eingesetzt werden, um zu zeigen was die Technik bei genügend Budget mittlerweile zu leisten in der Lage war, bestimmt nach wie vor das Geschehen. Und ein aus dem Computer stammender Yoda besitzt nun einmal nicht den Charme der Puppe, egal ob nun von Frank Oz synchronisiert oder nicht. 
 
Die Geschichte an sich ist interessanter ausgefallen, als die vorherige. Doch weder das Aufdecken der Klonproduktion, noch der gar nicht mal unclevere politische Aspekt, der eine tolle Warnung Lucas' an die leichtgläubigen Zuschauer ist, um sie für Täuschungen von Regierungen zu sensibilisieren, setzen sich durch in diesem Meer an Action, CGI und einem nun noch zusätzlichen Balast, der verkrampft erzählten Liebesgeschichte. Der fehlt es an jenen Emotionen, welche die drei originalen Filme ganz nebenbei so liebenswert machten. Die gestelzten Dialoge, von denen man diesbezüglich so häufig als Kritikpunkt liest, sind tatsächlich schwer zu ertragen, und der Altersunterschied, sowie die bisherige Charakterzeichnung der Senatorin, nagen an der Glaubwürdigkeit dieser seelenlos dargebotenen, aufkeimenden Liebschaft. Eine solche trotz einer hervorragenden Schauspielerin wie Natalie Portman in der zentralen weiblichen Rolle nicht eingefangen zu bekommen, spricht wahrlich für ein Armutszeugnis im Bereich Regie und Drehbuch. 

Was ansonsten erheblich stört, ist der Umgang mit der Jedi-Thematik. Sie werden weit actionreicher und heldenhafter gezeigt, verkörpert und interpretiert, als das was uns "Krieg der Sterne" samt seiner zwei Fortsetzungen einst über sie erzählte. Geheuchelte Demut, die ist vorhanden, gelebte im Auftrag des Friedens ist nicht erkennbar. Die Vorbereitungen auf den kommenden Übergang Anakins zu Lord Vader in "Star Wars: Episode 3 - Die Rache der Sith" sind psychologisch plump ausgearbeitet und werden in besagter Fortsetzung ebenso beibehalten. Der Weg zur dunklen Seite findet weit weniger aufregend und düster statt, als man meinen sollte. Eine Generation von übersensibilisierten Persönchen hat es möglich gemacht und findet dementsprechend noch heute ein Publikum, welches die mauen Prequels einer liebgewonnenen Trilogie verteidigen. "Star Wars: Episode II - Attack of the Clones" (Originaltitel) ist unsympathisches Formelkino, in welchem sich die Figuren den Effekten unterordnen müssen, das Weltbild der alten Filme den widersprüchlichen Tatsachen des neuen Drehbuchs weichen muss und in welcher verspielte Fröhlichkeit gegen infantile und steril anmutende Späßchen ausgetauscht werden. 

Dass auch die Verantwortlichen der deutschen Synchronisation keine Ahnung von Figurenverständnis und Psychologie besaßen, beweisen sie besonders deutlich in der Stimme von C3PO, die sich seit Episode 1 nun kindlich, anstatt intellektuell anhört.  Wiki

21.01.2024

DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER (1983)

Nach dem erwachseneren Touch im ernster gehaltenen "Das Imperium schlägt zurück" wird "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" im bunteren und emotionaleren Ton wesentlich mehr Familienunterhaltung als zuvor, stilistisch passt das aber immer noch zu den Vorgängern, so dass die Trilogie dennoch einheitlich wirkt und mit diesem noch immer starken Teil entsprechend gekonnt schließt. Das liegt aber auch daran, dass die fröhlichen Elemente, ja sogar kurze Ausflüge in den Kitsch, nie infantil wirken, was den Unterschied zu "Die dunkle Bedrohung" ausmacht. Auch unterscheidet die beiden Werke, dass Schauwerte so gut wie nie dem Selbstzweck dienen, sondern Teil der tatsächlich zu erzählenden Geschichte sind. Und gerade die weiß im sechsten Kapitel der "Star Wars"-Saga zu gefallen, begonnen im herrlich unangenehmen Tempel von Jabba the Hutt, zur Befreiung Han Solos. Ich bin generell der Meinung, dass man die Finger von der Special Edition lassen sollte und "Krieg der Sterne" in der Urfassung genießen sollte. Und gerade im hier besprochenen Teil ist dies geradezu notwendig, um die Andersartigkeit dieser hier erschaffenen Welt in vollen Zügen genießen zu können. In Jabbas düsterem Palast herrscht in der Urfassung noch eine bizarre, wie aus einer fremden Kultur, klingende Musik. Die Special Edition machte daraus peinliche Partymucke. Das Fremdartige ist im ersten Drittel so unglaublich wichtig, um das Unwohlsein der Figuren hier vor Ort besser spüren zu können. Und Jabba selbst gehört zu meinen liebsten Kreaturen der von George Lucas erschaffenen Welt, an ihm kann ich mich einfach nicht satt sehen. Umso amüsanter ist es, dass die bizarrste, da simpelste Figur, ebenfalls dort vor Ort eingesetzt wird, wirkt der Elefant der Band im Palast doch eigentlich nur wie ein typisches Stofftier aus einem x-beliebigen Kinderzimmer, auch in seiner Bewegungsfähigkeit, und das macht ihn geradezu kultig.

Dass die Ewoks in ihrer Verniedlichung  etwas arg über die Strenge schlagen, mag kein völlig unberechtigter Kritikpunkt sein, er ist zumindest definitiv ein häufig geäußerter, ich persönlich habe mit ihnen jedoch keine Probleme, was auch daran liegen mag, dass "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" eines meiner ersten Kinoerlebnisse war, und ich den Streifen folglich noch immer unbewusst parallel zum Erwachsenenblick mit kindlichen Augen gucke. Mein erwachsenes Ich mag am Einbringen dieser Waldmondbewohner aber auch die entscheidende Glaubwürdigkeit im Plot, denn diese auf Ur-Volk getrimmten Viecher hinterlassen beim Imperium nun einmal nicht den Eindruck einer Gefahr, und diese Überheblichkeit des Imperiums, zusammen mit einer anderen, sorgen erst für die entscheidenden Schritte zum Happy End. Damit wird das Herumgekasper, dass mächtige Kriegsmaschinen und folgsame Soldaten simpelsten Bekämpfungsmitteln zum Opfer fallen, zu einer tatsächlich heiteren Angelegenheit, ohne dem noch immer vorhandenen düsteren Ton der Gesamtgeschichte zu schaden. Die zeigt sich spätestens im Imperator, der eine unheimliche, wie mystische Figur ist und zusammen mit Lord Vader ein böse anmutendes Gespann abgibt. Gelegentlich wird Lucas Einfallslosigkeit vorgeworfen, weil das Imperium erneut an einem Todesstern baut. Ich hingegen habe mich gefreut, dass Filmbösewichte eine gute Idee endlich einmal wiederholen dürfen, anstatt stets auf die nächste fixe Idee zu setzen, denn diese Waffe einmal vollendet im Einsatz, ließe die Ziele des Imperators für immer Wirklichkeit werden, und keine Rebellen könnten dem noch etwas entgegen setzen. Das Aufheben des Gedankens, die dunkle Seite könne man nie mehr verlassen, finde ich einen sehr lobenswerten, menschlichen Aspekt an "Return of the Jedi" (Originaltitel) und sorgt für einen sehr bewegenden Schluss. Dieses von Richard Marquant inszenierte Werk sollte der letzte rundum gelungene "Star Wars"-Film werden. Nicht alles was danach kam war unsympathisch, aber eine derartige Professionalität, wie hier vorhanden, kehrte leider nie wieder zurück, erst recht nicht unter der Beteiligung von Schöpfer Geoge Lucas.  Wiki

07.01.2024

DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK (1980)

Während "Das Imperium schlägt zurück" allgemein als der beste "Star Wars"-Film gilt, war er für mich immer der schwächste Teil der ursprünglichen Trilogie. Ich habe ihn mehr als einmal gesehen, aber auch nicht so oft wie "Krieg der Sterne" und "Die Rückkehr der Jedi-Ritter", und kann mein stiefmütterliches Verhalten ihm gegenüber heute nicht mehr nachvollziehen. Ich empfinde ihn heutzutage als gleichwertig, bevorzuge keinen der drei mehr, aber es ist freilich dennoch auffällig, dass er der alleinstehende Versuch (zumindest bis "Rogue One") war, der Reihe einen erwachseneren Ton zu bescheren, kommen Episode 4 und 6 doch verspielter, mit kindlichem Gemüt versehen daher. 
 
Das heißt nicht, dass "The Empire Strikes Back" (Originaltitel) seine Magie und seinen Hang zu einfallsreichen Welten und Lebewesen verloren hätte. In ihm erscheint zum ersten Mal Yoda, die Eiswüste beeindruckt, der Kniff mit der Meteoritenhöhle, die keine ist, erweckt jedes Mal auf ein Neues das Kind in mir, das Schicksal Solos und sein Machospruch sind legendär, das mit "Krieg der Sterne" erschaffene Universum wird gekonnt erweitert und die Mystik der Macht vertieft. Dies diesmal mit mehr Blick auf die dunkle Seite, was ein entscheidendes Element des ernsteren Tons ist. Aber auch das Imperium kommt düsterer und weit weniger filmschurkisch daher, der Sieg am Ende ist ein geringer, das was den Helden widerfährt ist bedrohlicher und hoffnungsloser, das darf sich "Star Wars V - Das Imperium schlägt zurück" (Alternativtitel) als Mittelteil einer Trilogie alles erlauben. Auch im grimmigeren Ton sprechen wir aber immer noch von einem FSK 12-Film. Das von George Lucas erschaffene Werk bleibt somit familienfreundlich, aber das was erzählt wird ist rauer, auch im zwischenmenschlichen Umgangston der Guten, so sehr der von Irvin Kershner inszenierte Teil auch auf Solidarität, Freundschaft, Liebe, Ehre und Menschlichkeit setzt. 
 
Während die Musik sich weitestgehend auf den Kompositionen des Erstlings ausruht, wissen die handgemachten Figuren und Welten (nach nur einmaliger Sichtung damals, werde ich die Trilogie nie wieder in der Special Edition-Version gucken) mit Neuerungen und Erweiterungen das bisher erschaffene Universum zu erweitern, bzw. um ein weiteres zu komplettieren, ohne der bis dahin gezeigten Vision zu schaden. Einzig einige, kleinere Unstimmigkeiten mit dem Erstling, gerade wegen der neu entdeckten Verbindung zwischen Luke und Lord Vader, sind enthalten, so mächtig wie der rechte Arm des Imperators (im ersten Teil noch Kaiser genannt) doch eigentlich dank der dunklen Seite ist und dennoch in Teil 1 nichts bemerkte. Doch auch mit ernsterem Grundton geht es in "Das Imperium schlägt zurück" noch immer Hauptsächlich um Unterhaltung, da blickt man nicht all zu streng auf die Logik. Naivität und geklaute Elemente aus etlichen Legenden und Geschichten bestimmen das Geschehen ebenso wie der hohe Grad an Kreativität. Und mag die Reihe auch nicht zu den Trivialfilmen zählen, so ist sie doch trotzdem lediglich Popkorn-Kino und keine ernstzunehmende Science Fiction, wie es "Planet der Affen", "Der Omega Mann", "Die Delegation", "Welt am Draht" und sogar noch "Alien" waren. Es ist eher seine kindliche, abenteuerliche, mitreißende Art, die mich so begeistert auf die Ur-"Star Wars"-Reihe blicken lässt. Also nicht falsch verstehen, sie ist überragend in dem was sie sein möchte, der Dreiteiler ist zu Recht legendär.  Wiki

04.02.2018

SPIONE WIE WIR (1985)

In den 80er Jahren war Dan Aykroyd neben Steve Martin einer der erfolgreichsten Komiker des amerikanischen Kinos, die einen guten Teil ihrer Filme auch selbst geschrieben haben. Zusammen mit zwei Co-Autoren realisierte Dan Aykroyd ein Drehbuch aufbauend auf einer eigenen Idee, und da der von ihm geschriebene „Ghostbusters“ ein Jahr zuvor finanziell eingeschlagen ist wie eine Bombe, stand dem guten Mann auch ein recht gutes Budget zur Verfügung - passender Weise zu einem Thema, in welchem selbst eine Bombe zum Mittelpunkt der Ereignisse wird. Dank der großzügigen Finanzierung werden dem kunterbunten Treiben um zwei vertrottelte Agenten Hightech-Szenen zur Verfügung gestellt, die es Regisseur John Landis erlauben einen relativ detailierten Blick auf die Raketentechnik, jene der Satelliten und manch andere Bereiche zu werfen. Nötig hätte dies eine Geschichte, die lediglich den üblichen Albernheiten seiner Comedystars dient, nicht gehabt, ein Hingucker sind diese technischen Gimmicks jedoch durchaus.

Wie in fast jedem Aykroyd-Werk werden solche Hingucker jedoch etwas zu sehr auf Kosten der Komik und der Geschichte ausgereizt. Zwar weist „Spione wie wir“ eine angenehme, nicht überfrachtete Gagdichte auf und bietet mit Chevy Chase an Aykroyds Seite einen weiteren hochkarätigen Komödianten, Momente des humoristischen Leerlaufs machen sich trotzdem gelegentlich breit, mehr denn je gegen Ende, wenn das Demonstrieren optischer Reize immer mehr den Eindruck macht mit dem Budget und seinen Möglichkeiten protzen zu wollen, anstatt sie lediglich dem Nutzen der zu erzählenden Geschichte zu unterstellen. Da das Ergebnis jedoch trotzdem unterhaltsam ausgefallen ist, muss man nicht all zu streng mit diesen kleinen Lachpausen sein. Überraschender Weise überragt auch gelegentlich eine unerwartete Actiondominanz das Geschehen, fast so als würde man bereits für „Lethal Weapon“ den Genre-Mix proben, um so schöner ist es, dass inmitten dieser gelegentlichen Actionorgien und High Tech-Spielereien trotzdem Platz für die plattesten Kalauer bleibt, die „Spies Like Us“ (Originaltitel) seinen eigentlichen Charme bescheren.

Chase darf hier des öfteren ähnlich lustige Sprüche loslassen wie in seinem „Fletch - Der Troublemaker“, Aykroyd besticht wieder einmal mit seinem zurückhaltenden, schüchternen Charme, der im richtigen Augenblick die Komik aus einer ganz naiven Ecke losfeuert, und insgesamt weiß einfach der Aufhänger zu gefallen, dass zwei Ahnungslose, ähnlich wie in „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“, zum Spielball zweier Spionagefronten werden, während sie sich, trotz offensichtlich fehlender Kompetenzen jeglicher Art, für echte Agenten halten. Das Ergebnis ist nicht ganz so gut ausgefallen wie im französischen Vergleichsfilm, allein schon weil Pierre Richards komplette Ahnungslosigkeit den Humorgrad immens erhöhte und seine naive Trotteligkeit die Arroganz der Helden des hier besprochenen Filmes übertrumpfte, aber auch das simplere Ergebnis von „Spione wie wir“ kann sich sehen lassen, vorausgesetzt man erwartet keinen großen Komödienknüller. „Spies Like Us“ ist eher schlicht ausgefallen wie Aykroyds „Schlappe Bullen beißen nicht“: nett, allerhand Schmunzelmaterial vorhanden, letztendlich aber doch wieder zu gewöhnlich geraten, als dass man das Ergebnis über den grünen Klee loben könnte.  OFDb

10.08.2016

IN UND OUT (1997)

Kevin Kline mag während seiner kurzfristigen berühmten Phase auf das Komödien-Genre festgenagelt gewesen sein, aber in seinen unterschiedlichsten Rollen in „French Kiss“, „Ein Fisch namens Wanda“, „Dave“ und „Ich liebe Dich zu Tode“ durfte der Mann, der auch in anderen Genres u.a. in „Grand Canyon“ und „Hamlet“ zu überzeugen wusste, beweisen wie wandlungsfähig er ist. So wurde auch der Komödienspezialist Frank Oz auf den talentierten Mann aufmerksam und es entstand das gemeinsame Projekt „In und out“, welches vordergründig mit der Prüderie Amerikas spielt, mit treffsicheren Sidekicks aber auch die Verlogenheit Hollywoods, das Fernsehen, Supermodels und manch anderes geliebte Kind des Durchschnitts-Amis durch den Kakao zieht.

Oz hat mit Werken wie „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ und „Was ist mit Bob?“ schon besseres abgeliefert, aber auch der schlichte „In & Out“ mag gefallen, auch wenn er hin und wieder seine Hauptthematik zu anbiedernd und Klischee-beladen präsentiert. Dass ein Mann kultiviert und gleichzeitig heterosexuell sein kann, ist in den Augen der Amerikaner scheinbar eine Unmöglichkeit, aber man vergibt dem Streifen die Vorurteile die er vertritt, während er gleichzeitig gegen ebensolche ankämpfen möchte, trifft die Komödie doch ansonsten meist den richtigen Ton und rettet sich spätestens durch die Verspieltheit seiner Schauspieler.

Würde Kevin Kline mimisch wie körperlich nicht alles geben, Tom Selleck könnte ihm glatt die Show stehlen, so sympathisch wie er gegen den Strich besetzt ist und dabei bestens gelaunt agiert. Auch Joan Cusack weiß zu begeistern, wobei ich ihren Part gerade durch die deutsche Synchronisation so treffsicher geraten finde. Die Restbesetzung ist mit Ausnahme von Matt Dillon eigentlich schon nicht mehr nennenswert, ist sympathisch ausgewählt (gerade der Vater Howards, den man z.B. als Bösewicht aus „Die Firma“ kennt), aber ohne große Herausforderungen versehen.
 Die Geschichte selbst weiß auch nicht gerade mit Überraschungen zu trumpfen, sie folgt dem typischen Muster der Heile Welt-Komödien mit seichter Kritik im Gepäck. Erst die unnötigen Randspinnereien, wie der Filmausschnitt aus Camerons Kriegs-Drama, die Lehrkassette die Howard zum Thema Männlichkeit hört und die Ausraster seiner Verlobten machen „In und out - Rosa wie die Liebe“ (Alternativtitel) zu jenem Stück Komödie, das man ins Herz schließt. Der Schluss mag ein wenig zu sehr an „Der Club der toten Dichter“ erinnern, ist aber mit dem Herz am rechten Fleck inszeniert. Letztendlich ist der Kampf um mehr Akzeptanz mit Schwulen ein ähnliches längst abgehaktes Thema wie der Kampf um Gleichberechtigung bei „Mona Lisas Lächeln“. Da macht es sich Hollywood gern zu leicht den Finger erst dann zu erheben, wenn die Masse längst ebenso denkt.

Dennoch ist das Drehen von Werken wie „In & out“, mit ihrer Botschaft für mehr Mut und Toleranz, sicherlich kein Fehler, erst recht wenn das Ergebnis nicht streng moralisch und bieder ausgefallen ist, sondern ganz im Gegenteil wie hier sogar recht verspielt daher kommt. Frank Oz‘ Werk mag für alle Beteiligten nicht das Highlight ihres Könnens oder ihrer Karriere gewesen sein, aber zu unterhalten weiß dieses schlichte Stück Film durchaus.  OFDb

21.11.2015

WAS IST MIT BOB? (1991)

Frank Oz in der Regie, Bill Murray und Richard Dreyfuss in den Hauptrollen und Julie Hagerty, die bereits in „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ bewiesen hat wie augenzwinkernd sie die naive (Ehe)Frau darzustellen weiß, in einer Nebenrolle, allein das sind vier Argumente die bereits für den großartigen „Was ist mit Bob?“ sprechen, einem Film der noch die Komödienluft der 80er Jahre atmet, meiner Lieblingszeit US-amerikanischer Komödien. Die Geschichte selbst wird mit den beiden Stars im Zentrum gar zum Selbstläufer, so dass es überhaupt nicht stört dass vieles vom eigentlichen Handlungsablauf vorhersehbar ist. Denn hier kommt es auf das wie an, und das ist treffsicher eingefangen mit gezielter Pointensetzung.

Wie gut „What About Bob?“ (Originaltitel) ist, lässt sich allein daran erkennen wie gekonnt Oz sich dem geistigen Abdriften des Psychiaters nähert, das keinesfalls zu ruckartig daher kommt und recht clever vorbereitet wird. Ohnehin ist diese Komödie keine gedankenlose unüberlegte Klamauk-Chose. Spielfreudige Stars unterstützen hier ein cleveres Drehbuch, welches genau weiß warum es welchen Bereich des Lebens wie parodiert. Die Schwächen von Psychiatern und die Vorurteilen über sie werden genauso auf die Spitze getrieben wie jeder weitere gesellschaftliche Aspekt den der Streifen aufgreift. Dabei geht kein Witz auf Kosten der Charaktere, die für das Gelingen des Humorbereichs im Mittelpunkt stehen und tiefgründig genug ausgefallen sind, so dass das ganze so funktioniert, dass man weder zu verkopft noch zu dümmlich unterhalten wird.

Privat sollen sich die beiden Hauptdarsteller nicht verstanden haben. Das wird ihnen sicher dabei geholfen haben sich in ihren Rollen zurecht zu finden. Aber wir reden hier von zwei wahrlich großen Leuten ihres Fachs, die bis auf die kleinste Mimik genau wissen wie die Figur und die jeweilige Situation zu verstehen ist. Es ist, wie so oft im Kino bis in die 80er Jahre hinein, in Kombination mit taltentierten Mimen das psychologische Verständnis des Autors, der das tatsächliche Funktionieren des Streifens ausmacht. Das Verständnis wie Charaktere funktionieren, wie sie zu dem wurden was sie sind, und warum sie zu dem werden was sie am Schluss sind, aufgrund eines Verstehens darüber welche Situation und Tat welchen Einfluss auf den jeweiligen Charakter und zukünftige Situationen hat. Das ist eine Stärke die im modernen Kino immer mehr verloren geht und damit solch stumpfe Werke wie „Die Wutprobe“ hervorbringt.

„Was ist mit Bob?“ guckt sich trotz seiner humoristischen Intelligenz locker leicht, bzw. gerade deswegen, eben weil man sich nicht krampfartig in eine Situation hinein schreibt, die man psychologisch nicht versteht. „Was ist mit Bob?“ ist gut beobachtetes Kino, welches einer herrlich übertriebenen Comic-artigen Idee nachgeht und in jedem Moment weiß was es gerade erzählen möchte, frei von Publikums-Anbiederung, Kitschmomenten, sowie idealistischem und moralischem Getue. Unterstützt wird das clevere Drehbuch dabei von einem hervorragenden Cast in den Händen eines begnadeten Regisseurs, der bereits einige Jahre zuvor mit „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ bewies wie geistreiche Komik aussehen kann.  OFDb

22.02.2015

THE SCORE (2001)

Dieser Film beweist mal wieder, dass es keiner großen Story bedarf um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Zunächst einmal haben wir hier hervorragende Schauspieler, die zeigen was in ihnen steckt. Klar hatte DeNiro schon schwierigere Rollen zu meistern, aber auch in diesem kleinen Film zeigt er wie man einem Charakter mehr Tiefe verleihen kann als es für ein Werk mit solcher Handlung eigentlich nötig wäre. Dieser Mann hat sich seinen Charakter soweit zu Ende gedacht, dass es unmöglich sein kann dass er nur das was im Drehbuch steht nachgespielt hat. Dafür ist seine Rolle viel zu perfekt ausgearbeitet, insbesondere in den Feinheiten erkennbar die jeder selbst entdecken muss.

Zu Edward Norton muß man eigentlich genau so wenig sagen wie zu DeNiro. Neben DiCaprio zählt er von seinem Talent her zu den wenigen die DeNiro schauspielerisch das Wasser reichen können. Und das darf er in „The Score“ auch direkt unter Beweis stellen. Mag er als Behinderter zunächst etwas aufgesetzt wirken, so wird man im weiteren Verlauf der Geschichte doch eines besseren belehrt, so dass man nicht zu frühzeitig maulen sollte.

Die Freundin der DeNiro-Hauptrolle hüpft nur einige Male durchs Bild, sorgt weder für ein echtes Fortschreiten der Geschichte noch für ernsthafte dramatische Tiefe und theoretisch ließe sich der Film auch ohne sie erzählen. Aber genau das ist es was mir an dieser Rolle so gefällt. Man versuchte nicht krampfhaft eine Frau in die Geschichte zu integrieren, machte auf der anderen Seite aber auch nicht den Fehler diese Figur komplett zu streichen. Nein, man beschränkte sie auf das was sie ist: das geringe Privatleben des Profidiebes.

Trotz hervorhebenswerter Mimen gibt es auch eine Schwachstelle unter den Stars zu vermelden. Das Spiel des ehemaligen Paten Marlon Brando kann man maximal als mittelmäßig bezeichnen. Er darf zwar eine interessante Rolle verkörpern, spielt diese aber so mau, dass man auch einem No-Name-Darsteller eine Chance hätte geben können. Das hätte dem Film sicher nicht geschadet - ganz im Gegenteil. Dass es ausgerechnet Brando gewesen sein soll, der die Dreharbeiten immer wieder behinderte, ist ein Witz bei dieser mangelhaften Leistung. Glücklicher Weise ist sein Part recht klein ausgefallen und sorgt immerhin für eine der Wahrscheinlichkeiten, was am Überfall falsch laufen könnte, so dass die Figur zumindest von Nutzen ist.

Der Spannungsbogen des Streifens entsteht erfreulicher Weise nicht durch eine bahnbrechende aufwendige Geschichte, die penetrant auf Schauwerte zusteuert, sondern durch die ruhige Erzählweise des langsamen Fortschreitens eines Coups, der zwar immer schwieriger zu bewältigen wird, aber stehts scheint gemeistert werden zu können. Somit ist der Zuschauer immer wieder in der Situation zu rätseln was wohl schief gehen könnte. Dass etwas schief gehen wird ist sicher, die Story ist schließlich genau darauf ausgelegt.

Dass der Auslöser des Schieflaufens keine Überraschung ist, ist nicht schlimm, immerhin gibt man uns drei Wahrscheinlichkeiten vor die eintreten könnten. Das sorgt bereits für einen gewissen Spannungsbogen. Vom eigentlichen Einbruch selbst erzählt die Geschichte erst recht spät. Aber da man nicht weiß woran der Coup scheitern wird, zittert man bereits vorher schon an anderer Stelle, so z.B. an der Frage ob es die Rolle des Norton schafft dauerhaft als Behinderter durchzugehen. Nicht nur dass er einen Fehler in dem was er tut oder redet begehen könnte, er könnte ja auch mal außerhalb seiner Rolle als Normalbürger von einen Kollegen gesichtet werden. Der Spannungsbogen steht somit aus unterschiedlichsten Gründen fast immer im Zentrum und wird nur für wenige Szenen unterbrochen.

Das Ende darf man wohl als pfiffige Idee bezeichnen, zumindest wenn man leise Töne mag. Zu einem Showdown zwischen Norton und DeNiro kommt es gegen aller Erwartungen nicht. Die Psychologie die der Film nebenbei unauffällig aufbaut wird zur finalen Raffinesse, so dass sich „The Score" auch hier von seinem Niveau her von anderen Produktionen dieser Art unterscheidet. Ob die wunderbare Idee, die einer von beiden Charakteren Recht gibt, auch beim Massenpublikum ankommt weiß ich nicht. Man darf es aufgrund des üblicher Weise nach Schauwerten lechzenden Standardprogramms in den Kinos zumindest anzweifeln. Der Cineast hingegen darf sich freuen. Mit dem Ende des Films beginnt die Phantasie des Zuschauers. Es macht Spaß sich die einzelnen Möglichkeiten auszudenken, wie es für den jüngeren von beiden nun weiter gehen könnte.

Dass Filme wie "Verlockende Falle" einen mehr an den Überfallsvorbereitungen teilhaben lassen als "The Score", kann ich nicht abstreiten. Der Thriller von Frank Oz, eigentlich Profi komödiantischer Stoffe, lässt uns lange im Glauben einer trivialen Geschichte, um heimlich die Karten zu mischen, die zu einem ähnlich guten Ergebnis führen wie die Alternative anderer Thriller kniffelige Vorbereitung für einen komplizierten Raubzug aufzuzeigen. Aber das ist einfach das schöne an Kino. Da gibt es Filme wie „Matrix 2“ und „Matrix 3“, die scheinbar viel erzählen und am Ende doch nur ein recht simples Szenario aufpuschten, und dann gibt es auf der anderen Seite Werke wie "The Score", die nichts aufregendes zu erzählen scheinen, die hinter dieser banalen Fassade aber um so tiefer gehen. Nicht falsch verstehen! "The Score" ist keine große Filmkunst, die uns philosophische oder psychologische Neuanstöße zum eigenen Nachdenken beschert. Aber für einen reinen Unterhaltungsfilm ist er doch recht gewitzt ausgefallen.  OFDb

17.10.2014

ZWEI HINREISSEND VERDORBENE SCHURKEN (1988)

Kaum zu glauben, aber Steve Martin sollte ursprünglich die Rolle des stilsicheren Gauners Lawrence spielen, bestand aber auf die Rolle des Freddy. Sicherlich darf dessen Charakter mehr Wandlungen erfahren und dank eines einfallsreichen Drehbuchs in verschiedene Rollenmuster fallen, aber eigentlich liegt die wahre Herausforderung in der Rolle des Lawrence, die perfekt beherrscht werden muss, um die kleinen, leisen Töne dementsprechend wirken lassen zu können. Verstehe einer Martin, der in seiner Wunschrolle aufblüht und umwerfend komisch spielt, aber immerhin haben wir seiner Entscheidung wegen Michael Caine als Ersatzbesetzung des Lawrence zu verdanken, der geradezu perfekt erscheint diesen Charakter auszufüllen.

Mit diesen beiden Stars, welche in der einfallsreichen Geschichte eines pointensicheren Drehbuchs mitspielen, kann ein Film schon nicht mehr scheitern, und „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ darf man wohl zu den besten eher unbekannten Werken mit Steve Martin zählen, so skurril manche Situationen hier sind, so stilsicher, konsequent und wendungsreich die Geschichte erzählt ist und so ur-komisch wie sich der Streifen schaut. Martin kalauert sich durch eine intelligent erzählte Story, die stilreiche Momente ebenso zulässt wie völlig durchgeknallte, wobei Regisseur Frank Oz selbst diese stilvoll zu inszenieren weiß. Würde bleibt selbst dann bestehen, wenn Martin in einem völlig idiotischen Outfit am Tisch sitzend während einer Mahlzeit vor den Augen eines Gastes seine Notdurft verrichtet.

Ob ein Korken auf einer Gabel, schmerzhafte Erfahrungen eines Rollstuhlfahrers mit einem Schwert, eine Belehrung wie man Geld auszugeben habe, eine Liebesnacht mit ungewöhnlichem Ausgang oder ein Alleskleber-Einsatz während einer Party, „Dirty Rotten Scoundrels“ (Originaltitel) sprudelt nur so vor schräger Ideen, ordnet diese aber dem Sinn und roten Faden seiner Handlung unter, und achtet mit größtem Respekt auf die Glaubwürdigkeit und psychologischen Gesetze seiner jeweiligen Charaktere.

Mag der Witz manches Mal im Dialog, ein anderes Mal in einer lustigen Mimik und hin und wieder in der Situationskomik liegen, so oder so dürfen die drei Profis Caine, Martin und Oz dem Projekt ihren persönlichen Stempel aufdrücken, Martin beispielsweise in einer Knastszene, in welcher sein Humor kaum klassischer hätte ausfallen können. Caines stilvolles Spiel hingegen wirkt als würde er bereits für seine wunderbare Rolle in „Miss Undercover“ üben, in welcher er die Grundeigenschaften von Lawrence noch einmal perfektionierte, wenn vom Niveau her auch im schwächeren Umfeld. So oder so gehört die absolute Körperbeherrschung zu Caines Vorzügen, wie auch sein gekonntes Spiel in „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ beweist.

Frank Oz, der mit Steve Martin bereits in „Der kleine Horrorladen“ zusammen gearbeitet hat, beweist Überblick und das Talent für niveauvolles Humor-Entertainment, das er meiner Erfahrung nach erst in seinem „Die Frauen von Stepford“ verloren hat. Seine Werke „Was ist mit Bob?“, „In und out“ und „The Score“ (ein ernster Film) hingegen sind alle zu empfehlen, und dass seine erneute Zusammenführung mit Steve Martin in „Housesitter“ nichts wirklich Geglücktes hervor gebracht hat, lag weder an ihm noch an Martin. Aber davon erzähle ich ein andermal.

Interessant ist, dass „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ der unterschiedlichsten Gattung Cineast gefallen kann. Egal wie konservativ man sein mag oder wie albern man es mag, für jeden ist etwas dabei in einem harmonierenden Cocktail, der bei so viel Abwechslung nicht, wie man erwarten könnte, so viele Kompromisse eingehen muss bis er nicht mehr schmeckt. Der Ton trifft nie daneben, die Geschichte erfährt nie Leerlauf und das Gekabbel der beiden völlig unterschiedlichen Gauner verläuft sich nicht in einer sich ewig wiederholenden Schleife ähnlicher Ereignisse. Das oberste Prinzip der Geschichte heißt Weiterentwicklung, und das betrifft Personen ebenso wie den Verlauf, oftmals sogar den Humor. Da an diesem nicht gespart wird und alles andere auch so positiv wirkt, kann man „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ wirklich nur empfehlen.  OFDb

18.08.2012

DIE FRAUEN VON STEPFORD (2004)

Joanna und ihr Mann Walter ziehen in das malerische Städtchen Stepford. Der auf dem ersten Blick so sympathische Ort wirkt beim näheren Hinsehen jedoch weniger gemütlich: die Herren verbringen die meiste Zeit in einem Männerclub, und die Frauen von Stepford benehmen sich alle wie glückliche Hausfrauen aus der Fernsehwerbung...

Ein Kult zerbricht...
 
Eine Neuverfilmung von „Die Frauen von Stepford“ war eigentlich gar nicht nötig. Das Original ist immerhin ein gut gespielter, intelligenter Science Fiction-Klassiker, der nur durch seine langsame Erzählung in jungen Köpfen verstaubt wirken könnte. Gedreht wurde das Remake dennoch, und was dabei herauskam war eine kunterbunte Komödie anstatt einer anspruchsvollen Satire.
 
Etwas Tiefsinnigkeit, die mit dem Thema zwangsweise einhergeht, blitzt (ob gewollt oder nicht) hin und wieder auf. Aber echte Gesellschaftskritik war nicht das Ziel der hinter der Kamera beteiligten Personen, und das obwohl die Zeit dafür günstig stand, heutzutage wo Emanzipation wieder einige Schritte zurück erfährt. Die oberflächliche Unterhaltung schien den Produzenten wichtiger zu sein.

Schraubt man den Anspruch nun gewaltig zurück, um sich lediglich 90 Minuten lang unterhalten zu lassen, kann „Die Frauen von Stepford“ in der Zweitversion halbwegs überzeugen, aber nicht ganz. Denn das Weglassen des anspruchsvollen Gehaltes der Geschichte war nicht der einzige Fehler. Gerade wenn man andere Werke von Frank Oz kennt, wundert man sich, dass aus dem Remake nicht mehr als magerer Durchschnitt geworden ist. Erst recht im Komödienbereich schuf er tolle Werke wie „Der kleine Horrorladen“, „Bowfingers große Nummer“, „In und out“, „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ und das grandiose Meisterwerk „Was ist mit Bob?“.

Wenn man nun noch bedenkt, dass er Nicole Kidman an Bord hatte, eine Frau auf die ich nach ihrer Glanzleistung in „The Others“ ein Cineastenauge halte, versteht man um so weniger, warum das Ergebnis so eine routinierte Komödie wurde.

Matthew Broderick an Bord verweist da schon eher in die Richtung des Misslingens. Er spielt müde wie so oft und wirkt dabei blass, wie fast immer. Ohnehin ist er viel zu soft um zu einem typischen Stepford-Fiesling zu werden. Aber im Remake haben die Männer ohnehin einen etwas anderen Beweggrund als im Original, somit passt Brodericks lahme Art zur Begründung, verhindert aber dennoch nicht seine blasse Wirkung.

Erstaunlich ist auch, dass das Nebenpärchen wesentlich interessanter wirkt als das Hauptpärchen. Lovitz spielt wie gewohnt das Arschloch und verkörpert es auch hier erneut gelungen, und seine Frau, dargestellt von Bette Midler, ist die interessanteste weibliche Rolle. Midler spielt hervorragend und dabei Kidman locker an die Wand. Eigentlich hätte man sie gerne in der Hauptrolle gesehen, die Nebenrolle hatte aber wahrscheinlich mehr Reiz, immerhin darf sie im letzten Drittel zu einer Stepford-Frau mutieren.

Die allerbeste schauspielerische Leistung darf allerdings Christopher Walken verkörpern. Es ist dabei weniger seine Rolle als viel mehr die typische Walken-Wirkung, die mal wieder sehr immens ist. Dieser Mann hat einfach eine besondere Ausstrahlung, und jeder der mit ihm im Bild ist hat es automatisch schwer, egal in welchem Film wir uns befinden.

Der Einstieg in die Geschichte gehört zu den Höhepunkten des Films, und auch dieser wäre eine tolle Grundlage gewesen um echte Gesellschaftskritik auszuüben: Firmen lieben dich so lange du Geld bringst, und egal ob du lange erfolgreich warst oder nicht: Firmen schmeißen dich schneller auf die Straße als du piep sagen kannst. Seit Firmen in dem Irrglauben leben man müsste statt Gewinne maximale Gewinne erzielen, steht es schlecht um feste Arbeitsplätze und das Wohlfühlen auf solchen. Und die Rolle der Kidman darf ersteres auf herrlich brutale Art in Rekordtempo erfahren.

Leider schlafft der Film nach Ankunft in Stepford bereits etwas ab, so dass man schnell merkt, dass hier nicht mehr zu holen ist als belanglose Unterhaltung. Darauf lässt man sich schließlich kompromissbereit ein, so dass es auf routinierter Ebene durchaus fröhlich zur Sache geht. Aber je mehr sich „Die Frauen von Stepford“ dem Ende neigt, desto ärgerlicher wird das Gesehene.

Zunächst einmal weiß man nicht ob Oz der Überblick fehlte, oder ob das mögliche Einmischen der Produzenten für ein Wirrwarr sorgte, wenn es um die Manipulation an den Stepford-Frauen geht. Manchmal wirken sie wie Roboter, dann sind sie lediglich im Gehirn umprogrammiert. Wenn man sich im Finale deutlich für eine Variante entscheidet, steht diese im Widerspruch zu mindestens einer zuvor gezeigten Szene. So etwas ist ärgerlich.

Die erste finale Wendung ist nicht wirklich glaubhaft, da es unwahrscheinlich ist, dass ein Mann wie die Rolle Walkens seine Arbeit nicht persönlich überprüft. Die zweite Wendung, in der wir erfahren wer wirklich hinter den Geschehnissen von Stepford steckt, ist dann allerdings ein gravierendes Ärgernis. Die Erklärung ist bescheuert und bedarf zu viel Laufzeit. Ein Storyumschwung, der von „Terror in New York“ abgeguckt wurde (der Fortsetzung des Originals) wirkt allein schon dadurch unsinnig, dass die Opfer in Ruhe Erklärungen lauschen, anstatt Rache zu üben.

Das Verhalten der einzelnen Leute passt hinten und vorne nicht: Joanna verzeiht ihrem Mann, der nun wirklich deutlich in Versuchung war auf fieseste Art seine Frau zu entmündigen. Wie kann man mit so jemandem noch zusammenleben wollen? Sein Denken war neben dem kriminellen Element extremstes Kindergartenniveau. Wie soll man so jemanden jemals wieder vertrauen und ernst nehmen können?

Natürlich gäbe es an den Stepford-Filmen allgemein noch die übliche Naivität zu kritisieren, dass eine Stadt fast schlumpfendorfgleich so unauffällig seinem Treiben nachgehen kann. Im Remake noch mehr als im Original-Vierteiler, denn in der Neuverfilmung erfahren wir gegen Ende schließlich was für bedeutende, weibliche Persönlichkeiten Stepfords Frauen einst waren. Wurden diese denn von niemandem vermisst? Hätte da nicht wer früher den Braten riechen müssen?

Aber wenn man mit diesem Punkt ein Problem hat, wird man ohnehin mit keinem der mittlerweile 5 Stepford-Filmen warm werden. Das ist ein Punkt bei dem man ein Auge zudrücken sollte. Allerdings kommen beim Remake die vielen anderen ärgerlichen Punkte hinzu, so dass es bei diesem schwerer fällt über alles hinwegzusehen. Außerdem: Wieso sollte man dies überhaupt tun? Der Zuschauer muss sich schließlich keinem Film anbiedern. Er hat Geld dafür bezahlt um den Streifen zu sehen und damit ein Recht darauf zu schimpfen, dass er von den Verantwortlichen dieses Streifens für dumm gehalten wird.

Betrachtet man die Möglichkeiten die gegeben waren, durch die tolle Geschichte, die Vielzahl an Ansätzen zur gesellschaftskritischen Herangehensweise, dem talentierten Regisseur und dem gut gewählten Cast, wirkt das Ergebnis trotz seiner Kurzweile doch arg fade. Es gibt zwar kleine Lacher, keine Langeweile und einige interessante Neuerungen durch die 3 Jahrzehnte zwischen Original und Remake, aber mit dem Wissen der gegebenen Möglichkeiten im Hinterkopf kann ich dennoch über die Oberflächlichkeit und die Unlogik nur enttäuscht mit dem Kopf schütteln. Allerspätestens das hanebüchene Finale lässt einen verärgert zurück.  OFDb