Posts mit dem Label Ally Sheedy werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ally Sheedy werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

23.11.2017

MAMA, ICH UND WIR ZWEI (1991)

Nachdem Chris Columbus seinem Produzent John Hughes mit „Kevin - Allein zu Haus“ einen riesen Hit beschert hat, schien er mit „Mama, ich und wir zwei" von diesem einen Freifahrtsschein erhalten zu haben zu drehen was immer er möchte, immerhin baut die Romantikkomödie weder auf den typischen Hughes-Formeln auf, noch garantiert sein eigenwilliges Erscheinungsbild einen Erfolg bei einer bestimmten Gruppe Filmfreund.

Die von Chris Columbus selbst verfasste Geschichte um ein fast 40jähriges Muttersöhnchen, das sich in eine ähnlich alte, schüchterne Frau verliebt, wurde geradezu untypisch mit dem sonst eher auf charmanten Trottel abonnierten John Candy besetzt, den man aufgrund seiner körperlichen Proportionen wohl nie in einer Romantikkomödie erwartet hätte - zumindest nie in einer, in welcher das Körpergewicht nicht zum Thema werden würde. Aber genau dies ist hier der Fall, und so darf Candy seine stillen Töne und schauspielerischen Fähigkeiten beweisen, die in anderen Filmen sonst inmitten von chaotischen Handlungssträngen unterzugehen drohen.

Besetzungstechnisch agiert viel mit, was zu dieser und anderer Zeit im Hause Hughes unterwegs war. John Candy spielte bereits zwei Jahre zuvor die Hauptrolle in „Allein mit Onkel Buck“ (was längst nicht seine erste Rolle in einem Hughes-Film war), Kevin-Darsteller Macaulay Culkin taucht zusamen mit seinem Bruder Kieran in einer Minirolle als Sohn von Dannys Bruder auf, James Belushi, der im selben Jahr von „Only the Lonely“ (Originaltitel) in Hughes hauseigenem Kevin-Nachzügler „Curly Sue - Ein Lockenkopf sorgt für Wirbel“ die Hauptrolle mimte, ist in einer Nebenrolle als Dannys Partner vertreten, und Ally Sheedy durfte bereits in Hughes legendärem „Der Frühstücksclub“ mitspielen und hat seither nichts von ihrer Niedlichkeit und ihrem Schauspieltalent verloren.

Trotz amerikanischer Handschrift in der Inszenierung und einem kanadischen Iren, sowie einem amerikanischen Italiener, wirkt das Milieu, in welchem der Film spielt, treffsicher. Mit irischer Hintergrundmusik versucht man auf Nummer Sicher zu gehen, und auch wenn dem eigentlichen Film das typisch irische Flair fehlt, welches beispielsweise „The Guard“ so wundervoll zu versprühen weiß, so wissen die Figuren mit ihrer Bissigkeit doch den Ton des jeweiligen Herkunftlandes zu treffen, so dass „Mama, ich und wir zwei“ keineswegs nur als blauäugiges Stück Kinofilm funktioniert, welches versucht andere Kulturen zu imitieren.

Ohnehin ist es Columbus geglückt ein sehr gelungenes Stück tragikomische RomCom gepaart mit Familienthematik abzuliefern. Die Dialoge sind treffsicher und interessant geraten, trotz aller überzogener Comicartigkeit wirken sie gar oftmals authentisch. Die Geschichte weiß zu bewegen, da sie es versteht die Figuren individuell und menschlich wirken zu lassen, so als würden sie tatsächlich existieren - gleichzeitig verlässt Columbus immer wieder den nötigen Realitätsgehalt, um uns auf Kino-art zu verzaubern. Er weiß wann er welche von beiden Seiten abliefern muss, und ein sensibler Grundton, sowie eine oftmals überraschend großartige Besetzung, hilft ihm dabei „Mama, ich und wir zwei“ zu einem kleinen Geheim-Tipp werden zu lassen, der leider nie genügend Beachtung geschenkt bekommen hat, was man spätestens John Candy gewünscht hätte, der teilweise atemberaubend spielt, wenn man einen Blick dafür hat auf winzige Details zu achten.

Leider wirkt er in der ansonsten sehr geglückten deutschen Synchronisation manches Mal eine Spur zu soft, z.B. bei seiner Reaktion darauf, dass Theresa ihn heiraten möchte. Auch die Verantwortlichen für Candys Make-Up arbeiten ein wenig gegen die nennenswerte Arbeit, die der Komiker hier leistet, ist er, gerade gegen Ende, oftmals doch etwas zu dick aufgetragen geschminkt und verliert dadurch seine authentische Ausstrahlung. Die gefühlvolle Geschichte weiß solche kleinen Fehler jedoch sowohl durch ihre ehrliche Fröhlichkeit, ihren stimmigen schwarzen Humor, als auch über die romantischen und tragischen Gefühlsmomente bestens aufzufangen, ein sympathisch schwermütiger Soundtrack hilft in besagten Gefühlsmomenten dabei ungemein.  OFDb

12.03.2016

BURIED ALIVE - LEBENDIG BEGRABEN 2 (1997)

Der sieben Jahre vor dieser Fortsetzung entstandene „Buried Alive - Lebendig begraben“ war von seiner herrlich kranken Idee im letzten Drittel einmal abgesehen eher ein routiniertes Videoprodukt, welches man sich durchaus mal geben konnte, wenn man nicht zu viel erwartet hat. Teil 2 erzählt eigentlich recht wenig, aber man ist zunächst positiv überrascht, dass es tatsächlich eine inhaltliche Verbindung zum ersten Teil gibt. Eher hatte ich mit einer Alternativstory wie es „Butterfly Effect 2“ für „The Butterfly Effect“ war gerechnet, oder mit einer Neuverfilmung unter dem Deckmantel eines Sequels, wie man es so häufig vorgesetzt bekommt, z.B. bei „Phenomenon 2“. Aber nein, es besteht tatsächlich eine Verbindung zum Vorgänger. Allerdings ist diese in etwa ebenso dünn ausgefallen wie seinerzeit jene in "Carrie 2" zu Brian De Palmas Original.

Im ersten Drittel herrscht storytechnisch einiges an Leerlauf. Man lernt die Darsteller kennen, erfährt vom Fremdgehen und schließlich vom Entstehen des Mordplanes. Interessanter Weise sind diese ersten 30 Minuten trotz ihrer Inhaltsleere kurzweilig zu gucken. Die Atmosphäre ist für einen TV-Film recht stimmig ausgefallen, und die Darsteller sind okay zu nennen. Man wundert sich zwar wohin das nun alles führen soll, u.a. wegen der unerwarteten Einführung der Hauptfigur aus Teil 1, aber zumindest wurde damit Neugierde geweckt.

Im Mittelteil beginnt „Buried Alive - Lebendig begraben 2" nun langsam zu bröckeln. Die Hauptfigur wird umgebracht (und wie es der Zufall will gibt es dabei jede Menge Parallelen zum Erstling) und ist, wie es der Titel bereits verkündet, doch nicht tot. Was in Teil 1 nun als unglaubwürdige, aber nett anzuschauende Sequenz gezeigt wurde, durch das Befreien aus dem Sarg und dem Buddeln durch den Erdboden bishin zur Erdoberfläche, bleibt uns in der Fortsetzung erspart. Der Mörder geht mit seinen Vorbereitungen auf Nummer sicher. Seine Frau wäre niemals aus dem Sarg heraus gekommen. Aber da unser Held aus dem ersten Teil Verdacht schöpft, übernimmt er den Part der Befreiung, woraufhin er urplötzlich stirbt, ohne dass wir erfahren warum. Darüber kann der Zuschauer aufgrund vorher gezeigter Szenen zwar spekulieren, aber warum der Befreier gerade dort und zu diesem Zeitpunkt tot zusammenbricht will sich nicht erschließen.

Psychologisch gesehen überzeugt „Lebendig begraben 2" (Alternativtitel) nicht so sehr, wie es der Vorgänger für einen psychologisch groben Holzhammer-Film schaffte. Der Held aus Teil 1 drehte aufgrund der beklemmenden, Menschen unwürdigen Situation durch und ging in diesem Zustand auf Rachefeldzug, was nachvollziehbar war. Bei der Rolle Ally Sheedys wundert man sich warum sie den selben Weg beschreitet. Sie bekam mit wie ihr Mann sie vergiftete, leidete diesbezüglich selbstverständlich auch, und sicherlich ist es nicht schön in einem Sarg zu erwachen und aus einer schlammigen Grube herauszuklettern, aber den Wahn des Eingesperrtseins und den Todeskampf beim Versuch die Erdoberfläche zu erreichen musste sie nicht erleben. Das was sie durchmachte ist zu verarbeiten. Warum sie also nicht einfach ins nächste Polizeirevier rennt, um ihren Mann verhaften zu lassen, was die logischste Alternative wäre, ist rätselhaft, erst recht aufgrund der Charakterisierung der Laura.

Akzeptiert man es einfach, dass die Frau als geheimnisvolle Fremde und Totgeglaubte, Rache fordert, gibt es dennoch einiges an der Geschichte zu kritisieren. So laufen einige halbwegs gute Ideen ins Leere, so z.B. jene, dass Laura das Haus sauber macht, um ihren Mann zu verängstigen. Auch den Ehering hinterlässt sie ihm, um ihn zu verwirren. Aber was man nun als eine Art "Phantom der Oper" im eigenen Haus hätte vertiefen können, wird einfach als Idee wieder fallen gelassen. Stattdessen wird nun eine Parallele zum ersten Teil erzählt, die aufgrund dessen dass sie schon erzählt wurde weniger Potential besitzt anstatt die Phantom-Nummer weiter durchzuziehen, was im direktem Bezug zur Hauptperson auch mehr Sinn gemacht hätte.

Akzeptiert man nun auch noch, was kaum möglich ist, dass Laura die selbe Art Rache betreibt wie der Held aus Teil 1, nur auf einem Boot anstatt in einem Haus, enttäuscht es etwas, dass sich für diesen Rachefeldzug nicht genügend Zeit genommen wurde. Die Opfer werden wach, da ist die Rächerin auch schon mit dem Hämmern fertig. Wo im Vorgänger das eigene Haus zum tödlichen Labyrinth wurde, was den eigentlichen Reiz am Gesamtwerk ausgemacht hat, wird das Schiff in der Fortsetzung lediglich zur sinkenden Todesfalle deren Ausgänge zugenagelt wurden.

Das geht alles zu schnell vonstatten, und aufgrund des langen Hinhaltens der gar nicht mal langweiligen ersten Stunde, ist man enttäuscht den kompletten Finalvorgang derart schnell und lustlos, vor allen Dingen aber völlig befreit von Spannungsmomenten, zu erleben. Zu allem Überfluss verlässt die Rächerin nach vollendeter Tat die Stadt. Jeder weiß dass sie nicht tot ist, den Mord hätte ihr niemand nachweisen können, und trotzdem entscheidet sie sich für das selbe Schicksal wie ihr Vorgänger. Im Gegensatz zu ihr hatte der auch allen Grund dazu diesen Weg einzuschlagen. Auch hier bleiben wieder jede Menge Fragezeichen über den Kopf schweben, weil die Verantwortlichen für die Fortsetzungen Zusammenhänge zum Original aufbauen, ohne zunächst nachvollziehbare Grundlagen zu schaffen.

Da „Buried Alive 2" (Originaltitel) annehmbar erzählt ist und nicht langweilig ausgefallen, ist er trotz seiner Ereignislosigkeit und seiner sinnlosen Zusammenhänge durchaus guckbar, dies aber freilich nur auf die simpelste Art für ein besonders genügsames Publikum. Dem Durchschnittszuschauer sei also von diesem Werk abzuraten. Hartgesottene Freunde von Rachefilmen erleben zumindest routinierte Zwischendurchkost, vorausgesetzt sie erwarten keine Härte und keinen Spannungsgrad im Stile eines „Ich spuck auf dein Grab“. Regisseur Tim Mathesons, der die Hauptfigur in Teil 1 spielte, hat mit seinem Werk die brave Lightversion solcher Art Filme umgesetzt, so dass eher gelangweilte Hausfrauen zugreifen sollten anstatt Fans harter Stoffe.  OFDb

23.11.2014

DER FRÜHSTÜCKSCLUB (1985)

Mit europäischem Blick mag sich „Der Frühstücksclub“ etwas fremd und klischeelastig schauen, haben wir doch nicht ein solch getrenntes gesellschaftliches Kastensystem wie die Amis und nicht so viele sich von Generation zu Generation wiederholende Rituale, so dass wir auch die im Film geäußerte Angst nur zum Aufguss der Eltern zu werden nicht wirklich nachvollziehen können. Das kann gestelzt wirken und wie gesagt klischeehaft. Aber was „Schule“ für die Deutschen ist, ist „Breakfast Club“ (Originaltitel) für die Amerikaner: ein lebens- und gefühlsechter Film, der die Teenager und ihre Sorgen ernst nimmt und dabei sehr sensibel vorgeht.

Der Film präsentiert uns sechs Hauptfiguren, davon fünf Teenager, und alle sind sie hervorragend besetzt. Von den Jungstars war es einzig Judd Nelson, der es trotz Folgewerken wie „St. Elmo‘s Fire“ und „Karriere mit links“ nicht schaffte kurzfristig eine Filmkarriere aufzubauen. Dabei hätte man es ihm mit seiner Darstellung des John Bender noch am ehesten zugetraut. Manchmal ist die Welt ungerecht. Aber das passt schon irgendwie zum Film, denn die Last die Erwartungshaltung der Eltern tragen zu müssen, ist ebenso ungerecht und ist der Hauptanteil dessen, warum sich die so unterschiedlichen Teenager hinter ihrer Fassade nicht wirklich wohl fühlen. Wie unterschiedlich auch ihre Mentalität und die Schicht aus der sie kommen sein mag, jeder trägt seine eigene Last mit der er fertig werden muss mit sich herum. Erwachsen werden ist eine harte Herausforderung.

Schrittchenweise und damit sehr glaubwürdig bringt John Hughes die jungen Protagonisten näher. Er nutzt ihre altersgerechten Methoden der Konversation, um einander näher kennen zu lernen und sich schlussendlich mit dem Gegenüber und sich selbst offen auseinander zu setzen. Wenn recht zögerlich gemeinsam gekifft wird, erkennt man die 80er Jahre am deutlichsten, waren es doch damals die Freaks, die Außenseiter die solche Rauschmittel konsumierten. Gesellschaftlich akzeptiert wie heute war es nicht, und mitzuziehen war eine gewagtere Sache als heutzutage. Spätestens beim kiffen lockern sich endgültig die Hemmungen sich zu offenbaren. Und jede Figur bleibt rein menschlich glaubwürdig. Welch erstaunliche Leistung!

So nah man sich auch kommt, das im Film angesprochene Problem ob man aufgrund der gesellschaftlichen Umstände auch kommenden Montag noch miteinander befreundet ist, bleibt absichtlich unbeantwortet und gehört damit zu den größten Stärken des Streifens, spielt dieser doch wirklich nur bis zur Verabschiedung vor der Schule nach dem Nachsitzen. Wir durften nur fünf liebenswerte junge Charaktere kennen lernen und müssen uns selbst damit auseinandersetzen wie ihr weiterer Lebensweg und das Wiedersehen am nächsten Schultag wohl aussehen mag.

John Hughes ist ein ehrlicher gefühlsintensiver Film gelungen, versehen mit einem Minimum an Geschichte, das durch seinen konsequenten Blick auf die Charaktervertiefung ein Maximum an Ergebnis herausholt und dabei witzige wie traurige Momente auf wundervolle Art in Einklang bringt. Was nicht über Worte vermittelt wird, wird über die Mimiken der talentierten Schauspieler deutlich, ohne dass das Drehbuch uns diese noch einmal erklären muss. Es wäre ja auch traurig, wenn ein Film der das Teenageralter so ehrlich und sensiblel versteht, den Zuschauer nicht für mündig genug halten würde Kleinigkeiten selbst zu erkennen.

Das Sahnehäubchen bilden die Momente des Lehrers, dessen Gefühlsleben nicht weniger sensibel und ehrlich eingefangen wurde und dessen Randerlebnisse inhaltlich konsequent im Zusammenhang mit den Erkenntnissen und Erlebnissen der Jugendgruppe steht. „Der Frühstücksclub“ ist ein wichtiger und einzigartiger Film und zusammen  mit „Hart auf Sendung“ wohl auch der beste US-amerikanische Teenie-Film, der je gedreht wurde. Mag John Hughes auch mit „Ferris macht blau“ und „Das darf man nur als Erwachsener“ noch zwei weitere gelungene Teenie-Komödien gedreht haben, so treffsicher und sensibel wie „Breakfast Club“ waren selbst die nicht, vielleicht einfach weil sie keine Tragikomödien waren, wer weiß.  OFDb