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30.08.2020

MORD IM PFARRHAUS (2005)

Der sich sonst so gern in den Vordergrund spielende Rowan Atkinson hält sich in "Mord im Pfarrhaus" überraschend zurück. Er ist ohnehin der werbewirksame Publikumsmagnet, der gegen aller Erwartungen nicht zum Mittelpunkt der Komödie wird. Wichtiger sind zwei andere Figuren, die Ehefrau des Pfarrers und die alte Dame, die zur neuen Haushälterin wird. Auf das Konto dieser liebenswürdigen Oma gehen die im Titel angekündigten Morde, daraus macht der Film kein Geheimnis. Er besitzt keinen Krimi-Plot und er zieht aus der Offensichtlichkeit des Täters einen Großteil seines Humors. Schwarz ist dieser nur bedingt, spielt er zwar schelmisch mit dem Ableben der Figuren und dem morbiden Treiben der Haushälterin, ihre Beweggründe bleiben jedoch stets nachvollziehbar und ehrenhaft, lediglich ihre Methoden sind rabiat zu nennen und völlig übertrieben ausgefallen. Da sich die Geschichte somit nicht in gewagtere Gebiete hinaus wagt, bleibt "Keeping Mum" (Originaltitel) an sich doch recht zahme Familienunterhaltung, spätestens dann erkennbar, wenn der wahre Hintergrund der Anwesenheit der alten Dame in besagter Familie offenbart wird. 

Aber schon zuvor atmet der Genre-Beitrag von Regisseur Niall Johnson, der mit "The Ghost of Greville Lodge" auch einmal ernster unterwegs war, recht brave Familienluft, wird die Mörderin doch zum guten Engel der Familie, der alles gerade rückt, was diese bekümmert. Da "Mord im Pfarrhaus" gar nicht erst vortäuscht düsterer sein zu möchten, geht das sogar in Ordnung, zumal das britische Werk kurzweilig und charmant genug erzählt ist, um als angenehmer Durchschnitt zu unterhalten. Wer nichts all zu Düsteres erwartet, der bekommt immerhin eine ordentliche Leistung aller Beteiligten vor der Kamera serviert, lediglich das Drehbuch zaubert an sich nichts individuelles aus der reizvollen Grundlage. Atkinsons Wandel vom in sich Gekehrten zurück ins wirkliche Leben wird überzeugend dargestellt und weiß um so mehr zu wirken, da einem die Gefühlswelt der vernachlässigten Frau tatsächlich zu Herzen geht. Ein comic-artig agierender Patrick Swayze ergänzt die ganze Chose herzerfrischend am Rande, so dass es an der etwas unbekannten Komödie bei geringer Erwartungshaltung nicht wirklich etwas zu meckern gibt. Sie ist sicherlich schnell vergessen und wird nur in seltensten Fällen zu einem Lieblingsfilm werden. Nett unterhalten habe ich mich mit diesem simplen Produkt jedoch allemal gefühlt.  OFDb

06.03.2013

JOHNNY ENGLISH - DER SPION, DER ES VERSIEBTE (2003)

Da keine Alternativen vorhanden sind, wird der bisher unterforderte und zum Chaos neigende Agent Johnny English auf einen brisanten Fall angesetzt. Ein prominenter Franzose hat es auf die Kronjuwelen und den Thron von England abgesehen. Johnny muss ihn aufhalten...
 
Agent Bean...
 
Es ist erstaunlich wie gut "Johnny English" funktioniert, wenn man bedenkt wie viele Witze Rohrkrepierer oder schlichtweg vorhersehbar sind. Das sind so einige! Immerhin gibt es aber auch einige nette Schmunzler und vereinzelt sogar den großen Lacher (z.B. das Phantombild eines angeblichen Täters nach Englishs Beschreibung, die Verfolgungsjagd mit einem Abschleppwagen und deren Ende auf einem Autoanhänger).

Die vielen etwas zu gewollten Witze werden großteils überspielt von Atkinsons herausragendem, mimischen und komödiantischen Talent, dem Stile der Schauspielleistung Pastewkas im ersten "Der Wixxer" ähnlich. Die Rolle des English (talentlos, uneinsichtig, aufgeblasen, Fehler nicht zugebend) erinnert hingegen an Steve Martins Rolle in "Der rosarote Panther". Was dort mit Peinlichkeiten und einer Fehlbesetzung gescheitert ist, trägt hier Blüten. Das mag mitunter daran liegen, dass der Charakter des English in seltenen Fällen auch mal Talent durchfunkeln lässt.

Ein ebenfalls hervorragendes Spiel bietet John Malkovich in einer sehr comichaft angelegten Rolle. Aber da stehen ihm die Bösewichter aus den Bond-Filmen, die einem nach Sichten von "Johnny English" als erstes in den Sinn kommen, in nichts nach. Ihm kauft man den lässigen Franzosen in all seinen am Rande eingebrachten Eigenarten komplett ab. Seinen stillen Höhepunkt erreicht die Rolle meiner Meinung nach in der Sitzhaltung in jener Szene, in der English glaubt ungehört im Hauptquartier der Bösen einen Angriff planen zu können. Diese Körperhaltung gepaart mit der arrogant gelangweilten Mimik Malkovichs sorgt für einen köstlichen Lacher.

Den überschätzten britischen Humor trifft man hier selten an. In seiner Erscheinung hätte das Werk genau so gut aus Amerika stammen können. Das ist in diesem Falle ausnahmsweise nichts negatives. Und wundersamer Weise funktioniert hier sogar der Fäkalhumor, der sich an einigen wenigen Stellen eingefunden hat. Nun ist Fäkalhumor auch nicht immer Fäkalhumor, die Art wie er inszeniert wird ist entscheidend, und allein wie English nach dem Spruch "Stellen sie sich nicht so an, ist doch nur ein bisschen AA" unter die Dusche gezerrt wird, ist das Einbringen dieser ungeliebten Komik schon wieder wert.

Sehr glaubhaft ist die Geschichte nicht. Die Grundsituation erinnert an "King Ralph" und viele Gags zünden nicht. Dennoch ist "Johnny English" ein kurzweiliger Vertreter der Gattung Agentenfilm-Parodie geworden, der mit seinen Stärken weiß, wie er die Negativseiten wieder wett macht. Er ist wesentlich unterhaltsamer und kurzweiliger als der neue "rosarote Panther" und als der maue "Agent 00" mit Leslie Nielsen.  OFDb