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02.12.2024

ADVENTURELAND (2009)

Weil sich seine Eltern sein Studium, anders als geplant, doch nicht leisten können, nimmt James einen Job als Spielebegleiter in einem Freizeitpark an und verliebt sich in die weit erfahrenere Kollegin Em. Als es zwischen den beiden funkt, steht Em ihre Vergangenheit im Weg, von der sie James bislang nicht berichtete...

Betrügereien im Spiel, nicht in der Liebe...

"Adventureland" kommt überraschend unaufgeregt daher, selbst die obligatorischen auf sonderbar getrimmten Randfiguren betreffend. Das ist Fluch und Segen zugleich für den Film, fühlt sich doch die Hauptfigur des James, wie gewohnt gekonnt verkörpert von Jesse Eisenberg, unerfahren, aber nicht schüchtern an, zurückhaltend, aber nicht feige, reflektierend, aber nicht verkopft. Das macht ihn zu einer angenehmen Identifikationsfigur. Und im Gegensatz zu ihrem großen Erfolg "Twilight" wirkt Kristen Stewart dank ihrer herrlichen Anti-Aufmachung unglaublich niedlich, mit ihrem enttäuschten Blick vom Leben, dem Abfinden mit wenig Erwartungen und dem Aufleuchten in ihren Augen, dass sich da wer ehrlich für sie interessiert. Auch den Part des sich schuldig Fühlens beherrscht sie, umso überraschter war ich, dass sie selbst in der Phase des zu erwartenden Happy Ends noch immer viel zu kränklich und depressiv wirkte, anstatt glücklich darüber ihre Liebe gegen alle Erwartungen doch noch bestätigt und ausgelebt zu bekommen. Das verwässert das an sich romantische, aber sehr typisch inszenierte Finale etwas zu sehr. Und die angenehm unaufgeregte, relativ bodenständige Art der Gesamtgeschichte, tendiert aufgrund der überraschungsfreien Standardgeschichte ab und an zur Austauschbarkeit. Letztendlich siegt jedoch die Wohlfühl-Atmosphäre, eben weil die Figuren sympathischer Natur sind, kleine Rollen ebenso wie große, unschuldige ebenso wie durchtriebene. Selbst die "Bösewichter" bleiben Alltag, werden nicht zu fiesen Kinofiguren, und das ist für eine US-Romanze, die eine derart häufig ähnlich erzählte Klischee-Geschichte besitzt, schon recht ungewöhnlich. Der meist sexuell geartete Provo-Humor von Greg Mottolas vorangegangener Regiearbeit "Superbad" ist glücklicher Weise nicht vorhanden, hätte dies den stillen Tönen, mit denen "Adventureland" trumpft, doch trotz gelegentlich lauterer Momente geschadet. Es ist erstaunlich dass ihm mit der wilderen Komödie trotzdem das bessere Werk gelungen ist, als mit dieser angenehm zurückhaltenden Tragikomödie, die aus seiner eigenen Feder stammt.  Wiki

30.10.2022

THE SOCIAL NETWORK (2010)

Wie toll der Vorteil einer Großproduktion in den richtigen Händen sein kann, zeigt "The Social Network", der als biographisches Drama das Geld nicht in einen Haufen Spezialeffekte stecken muss, sondern auf Ausstattung, ein durchdachtes Drehbuch und tatsächlich talentierte Mimen zurück greifen darf. Dass in einer Geschichte, um die Erfindung Facebooks, der biographische und der phantastische Aspekt vermischen und nicht immer klar auseinander gehalten werden können, ist klar. Dass Fincher die durchaus faszinierende Geschichte tückischer Taten nicht rein der Vorurteilsbestätigung inszeniert und aus "The Social Network" weder einen Pro- noch Contra-Zuckerberg-Film macht, ist ihm hoch anzurechnen. Ebenso, dass er trotz der Erzählebene über Rückblicke während zwei parallel laufender Anhörungen, das Gezeigte einfach verständlich umsetzt, während das Ergebnis dennoch anspruchsvoller Natur ist. 

Die flotte, meiner Meinung nach inszenatorisch ein wenig von "Trainspotting" abgeguckte, Umsetzung, kann nicht überspielen, dass das Drehbuch, trotz einiger Klischees im Mittelpunkt, ein durchdachtes ist, sowohl strukturell, als auch in psychologischen Bezügen von Ursache, Wirkung, Kenntnisstand und Begabung einzelner Charaktere, die Wichtigkeit jeweiliger Einflüsse, das Aufheben von Schwarz/Weiß-Zeichnungen innerhalb eines von Schurken bevölkerten Business, sowie analytischer Tiefgründigkeit. Mit Jesse Eisenberg ideal besetzt, in toller Videoästhetik-Optik umgesetzt und mit einem wunderbar funktionierenden Soundtrack untermalt, der mit Monotonie und aufkeimender Stimmung auf elektronischer Ebene gleichermaßen je nach Filmphase gekonnt spielt, lässt sich der perfekt anfühlende Streifen kurzweilig, poppig und doch erwachsen, da ernst genommen anmutend, schauen. Man fühlt sich nicht manipuliert, darf an Beobachtungen und Gedankengängen teilhaben, innerhalb eines Filmes verschiedener Blickwinkel. Momente, die sich nach Vorurteilen anfühlen, gehören in Wirklichkeit zu subjektiven Blickwinkeln einzelner Figuren, so z.B. die häufig aufkommende Verabscheuung Privilegierter. 

Zuckerberg beim Aufbau seines berüchtigten Zugpferdes zuzusehen, funktioniert auf verschiedenen Gefühlsebenen zwischen Mitleid, Scham, Schadenfreude und menschlicher Enttäuschung. Das zeigt wie wichtig dem Film die Figuren sind, wie wichtig es war sie persönlich zu zeichnen, anstatt sie auf Stereotypen zu reduzieren. Dass derartige dennoch immer irgendwie aufblitzen, lässt sich aber wohl in einem US-amerikanischen Werk nicht verhindern. Vielleicht muss man in den USA leben, um es nicht wie ein Europäer zu empfinden.  OFDb

14.02.2021

VIVARIUM (2019)

Ob es nötig war das kommende Gleichnis mit dem Kuckucksnest in einer der ersten Szenen zu erklären, sei einmal dahin gestellt. So schön das gnadenlose Spiel der Natur im Vorspann auch eingefangen wird, es benennt etwas, das es eigentlich selbst zu entdecken geben sollte, was mich vermuten lässt, dass wir diese Ausnahme innerhalb eines Filmes, der ansonsten von seinen Rätseln und manch nicht gelöster Mystik lebt, dem amerikanischen Einfluss verdanken. Ansonsten schaut sich "Vivarium" angenehm europäisch und damit unter stärkerem Einfluss der Teilnehmer-Länder Belgien, Dänemark und Irland stehend. Ohne trivial-oberflächliche Spielereien ziehen die Verantwortlichen des Streifens ihre Ausgangsidee gnadenlos durch, ohne auf das Wohl des Zuschauers zu schielen. Ob diesem die Chose zu zäh, unaufgeregt oder zu codiert erscheint, ist den Autoren ziemlich egal, zu denen auch Regisseur Lorcan Finnegan gehört, für den dieses Projekt nach dem Mystery-Drama "Without Name" seine zweite Langfilm-Arbeit darstellt. 

Die an "Twilight Zone" und Co erinnernde Geschichte wird in schlichten Kameraaufnahmen eingefangen, die sich den herrlich künstlich anzusehenden, an die "Teletubbie"-Welt erinnernden, Spielorten unterordnen. Als Gegenpol dazu sind Imogen Poots und Jesse Eisenberg sehr natürlich agierend besetzt. Diese psychologische Raffinesse hilft zudem dabei zu erkennen, dass das Ding, welches die beiden großziehen sollen, nicht aus einem miesen Charakter oder aus einer ethischen Fehlleistung heraus von den beiden verachtend behandelt wird, sondern der Situation entsprechend aus einem natürlichen Instinkt heraus. In seiner konsequenten Art zeigt der unpassend in Deutschland alternativ betitelte "Vivarium - Das Haus ihrer (Alp)Träume" in einer entsprechend passenden Phase der Geschichte, wie wenig effektiv ein alternativ kindgerechter Umgang mit dem kleinen Wesen ist, das auf befremdliche Art seine Umwelt nachahmt, sehr schnell wächst und nichts Menschliches an sich hat. Derartige Konsequenzen finden sich ohnehin auch in jedem anderen Bereich, und versteht man erst einmal was "Vivarium" erzählt, bemerkt man wie durchdacht das komplette Konstrukt ist, das hier kreiert wurde, begonnen mit dem späten Verstehen des skurrilen Verhaltens des Maklers, der Frage warum die Siedlung/die Inneneinrichtung so künstlich gestaltet ist, bishin zur Fremderziehung eines Unbekannten betreffend, der sich den beiden Hauptfiguren nicht zeigt, sowie der Konsequenz in der alles endet und die Rolle der beiden Menschen in diesem Prozess betreffend. 

Selbst wenn man uns per Lehrbuch und TV-Programm aus einer anderen Welt, und später auch mit einem Blick hinter die Kulissen, nach und nach mehr über die Hintergründe erfahren lässt, so bleibt jedoch alles was die Strippenzieher betrifft rätselhaft und unbeantwortet. Das wenige das man aufgrund des Gesichteten über diese Spezies erfährt, folgt einem durchdachten System, das sich, ebenso wie das Gesamtkonzept des Streifens, keine Widersprüche leistet. Die Verantwortlichen von "Vivarium" schaffen sogar etwas, das ich in den meisten Science Fiction-Filmen der letzten 20 - 30 Jahre immer wieder vermisst habe: sie schaffen es eine uns fremde Kultur zu entwickeln, ohne dass diese zu stark an die unsere, oder eine alternativ wirklich existierende auf unserem Planeten erinnert. "Vivarium" wirkt auf angenehme Art unangenehm und befremdlich auf uns, trifft mit seiner bitteren Witzigkeit den Nerv des interessierten Publikums und den seiner Geschichte, durchdenkt Szenarien und Reaktionen, auch wenn man sicherlich an vielen Punkten anders gehandelt/reagiert hätte. Alles folgt einer logischen Reihenfolge und Konsequenz. Und dennoch kann man meist nicht erahnen was als nächstes passiert. Der Wunsch des Enträtselns der Situation bleibt, neben der Neugierde was uns als nächstes Groteskes erwartet, stets ein wichtiger Motor für das Funktionieren des Unterhaltungswertes. 

Wer gelegentlich langsamere, subtilere Filme mit treffsicherem Satire-Touch konsumiert, ist in "Vivarium" bestens aufgehoben. Er weiß in seiner durchdachten, aber nicht verkopften Art weder zu unter- noch zu überfordern, intellektuell zu stimulieren, ohne sich dabei pseudo-intellektuell anzufühlen und Irreales und Groteskes zu präsentieren, das dennoch einer Gesetzmäßigkeit unterliegt. "Vivarium" macht keine Kompromisse für mehr Verständnis, für mehr Zugänglichkeit, zum Anbiedern an ein größeres Publikum, oder zum Einbringen quantitativer Schauwerte. Derartige Methoden liegen den Verantwortlichem und dem fertigen Endprodukt fern, und somit sei er allen Freunden alternativen Kinos herzlichst empfohlen. Dass man derartiges nicht gerade an einem müden Tag sichten sollte, sollte allein schon wegen der nüchternen, leicht monotonen Tonart selbstverständlich sein.  OFDb

09.09.2016

BATMAN V SUPERMAN - DAWN OF JUSTICE (2016)

Es schien nicht der beste Zeitpunkt zu sein um nach Jahren des Wartens den Konflikt der beiden Superhelden Superman und Batman auszutragen, wurde doch mit „Man of Steel“ aufgrund seines ethisch fragwürdigen Weltbildes und seiner unsinnigen Zerstörungswut der bislang schlechteste Superman-Film gedreht, und auf dessen Ereignissen fußt der hier besprochene Film. Ein Ben Affleck als Batman ließ auch nur die wenigsten Fans im Vorfeld in Entzückung geraten, und das Nacheifern von Marktführer Marvel war auch kein gutes Zeichen für den angegangenen Zeitpunkt, sind die Werke aus den Konkurrenzstudios doch meist hohle Materialschlachten, so wie besagter Superman-Film aus den DC-Studios, denen es an Mystik, Geist und Stil fehlt.

Um so überraschter darf man sein wie gut „Batman v Superman - Dawn of Justice“ funktioniert. Zwar bezieht sich der alternativ benannte „Man of Steel 2“ inhaltlich stark auf seinen Vorgänger, die Mentalität übernahm er glücklicher Weise jedoch nicht von ihm. Ganz im Gegenteil reflekltiert man im hier vorliegenden Film die Positionen der unterschiedlichen Superhelden im Bezug zur Gesellschaft, zueinander und zu sich selbst und wirft damit unbeantwortete philosophische Fragen auf, die aus dem Werk nun kein hochtrabenes Kopfkino machen, aber zumindest ein geistreiches Stück Popkorn-Kino, das sich somit nicht so leer und aufgeblasen guckt wie die Marvel-Konkurrenz.

Die größten Schwachstellen von „Dawn of Justice“ (Alternativtitel) finden sich schließlich auch gleich in deren Parallelen. Der CGI-Overkill mit einem etwas zu phantastisch geratenen Monster beschert uns ein Finale, welches schwächer ausgefallen ist als der restliche Gesamtfilm anstatt, wie eigentlich üblich, zu dessen Höhepunkt zu werden. Und das krampfhafte Vorbereiten, inspiriert durch Marvels „Avengers“-Erfolg, auf die im Kino bevorstehende Gerechtigkeitsliga nervt bereits in ihren ersten Andeutungen und dem Gastauftritt Wonder Womans. Wenn diese sich im Finale nun noch dazu mischt, geht dies jedoch definitiv zu weit, immerhin kann man nicht davon ausgehen, dass jeder Comic-Freund, der dem Kampf Superman gegen Batman beiwohnen will, automatisch begeisterter Anhänger der Gerechtigkeitsliga ist. Andeutungen hätten reichen sollen, damit der Film bleibt was er verspricht. Das aktive Einbringen Wonder Womans im Finale macht dieses Versprechen jedoch kaputt und schwächt das fertige Werk recht heftig.

Zumindest bleibt „Batman vs. Superman“ (Alternativtitel) auch im Finale eine optische Wucht, wenn mit Effekten, wie typisch für sein Sub-Genre, für meinen Geschmack dort auch zu sehr übertrieben wird. Im Restfilm stimmt hingegen das Gleichgewicht aus Actionszenen und Zwischenmomenten. Und ob es nun die Fotografie des Streifens ist, die Kostüme sind oder die Spezialeffekte, Zack Snyders neuer Comicstreich ist ein Fest für die Augen und dank einer Tempo-reichen Geschichte mit Gehalt auch niemals langweilig.

Zudem überrascht der sonst so müde agierende Affleck mit charismatischen Auftritten, die von ihm zum Glück nicht erwarten schauspielern zu müssen. Es sind einfach Szenen in denen er optisch wirken muss. Und dies tut sein gealtertes Ich gegen alle Erwartungen gut. Als weniger überraschend erweist sich Jesse Eisenberg als tolle Besetzung Lex Luthors. Zwar wirkt sein Bösewicht ein wenig angelehnt an Heath Ledgers Interpretation vom Joker, allerdings taucht Eisenberg ihn eher in ein nerdiges als in ein all zu psychopathisches Gewand, und dies ist eine gute Entscheidung dafür, dass Lex mit Eisenberg eigentlich viel zu jung besetzt ist.

Mag man sich auch etwas zu sehr auf die Idee mit der Gerechtigkeitsliga fixieren und das Finale in Sachen Effekte etwas zu derb ausgefallen sein, so bleibt dennoch ein sehenswerter Superhelden-Film, der zwar auf Batman-Seite nicht mit „The Dark Knight“ und „Batmans Rückkehr“ mithalten kann und auf Supermans Seite nicht mit „Superman - Der Film“, der aber in Zeiten von meist geschmacksirritierten Superhelden-Filmen zumindest wieder in die richtige Richtung tendiert.  OFDb

23.12.2012

VERFLUCHT (2005)

Während ihre Freundin am Angriff eines Wolfes starb, kommt das Geschwisterpaar Jimmy und Ellie unversehrt davon. Jimmy beobachtet jedoch, dass er und seine Schwester sich verändern. Er ist felsenfest davon überzeugt, dass sie sich in Werwölfe verwandeln werden...

Der Fluch des Ideenmangels...
 
Der Werwolf ist aus dem Horrorgenre einfach nicht wegzudenken. Immer wieder kommen Filmemacher und hauchen dem urigen Ungeheuer neues Leben ein. Würde man sich allerdings lediglich an Werken wie „Verflucht“ orientieren, könnte man fälschlicher Weise den Eindruck gewinnen, der Wolf gehöre eingeschläfert und das Subgenre, das er beherbergt, gehöre in Vergessenheit.

„Verflucht“ versucht sich ungeheuer flott und modern zu geben, plündert aber alle möglichen Vorgängerfilme zur Werwolfthematik (und auch andere Gebiete des Horrorfilms) lediglich gnadenlos aus, ohne auch nur den Hauch neuer Ideen einzubringen. Ein solcher Mix kann eigentlich nicht gut gehen. So erblicken wir Christina Ricci in Situationen, die Nicholson in „Wolf“ erleben durfte (die Wolfsinstinkte entdecken und im Arbeitsalltag zum Vorteil nutzen), Jesse Eisenberg darf die Geschehnisse um Michael J. Fox in „Teen Wolf“ nachspielen, dabei wechselt die Sportart vom Basketball zum Ringen, Klassiker wie „Der Wolfsmensch“ werden zitiert, zudem sind Parallelen zu erkennen zu „Ginger Snaps“, „Lost Boys“ und in der Auflösung zu „Scream“ (ein erster Täter lenkt vom Hauptverdächtigen ab, der nach der ersten Auflösung ebenfalls Täter ist, gähn). Gerade letzter Punkt ist ärgerlich, da im Bereich Regie und Drehbuch die selben Leute an beiden Filmen beteiligt waren.

Damit kämen wir dann auch zu einem besonders peinlichen Bereich. Drehbuchautor Kevin Williamson ist für seinen Größenwahn bekannt (setzte ausgelutschte Themen moderner um und verkündete nach den ersten Erfolgen, er würde sich nun jedes Genre vorknöpfen), bei ihm wundert eine solch durchschnittliche Leistung nicht. Aber dass Wes Craven einem solche Magerkost vorsetzt, ist nun wirklich ärgerlich und vor allen Dingen peinlich zu nennen. Dieser Mann ist zwar dafür bekannt Filme unterschiedlichster Qualität zu drehen, dementsprechend ist öfters auch mal Bockmist mit drunter, schaut man sich aber „Verflucht“ an, würde man einen Regieneuling vermuten, der aus dem Bereich der Musikvideoindustrie kommt, nicht aber einen jahrzehntelange erfahrenen Regisseur, der zudem noch im Genre Horror zu Hause ist.

Ja o.k., auch ich habe gelesen, dass er von den Produzenten mit Nachdrehs und anderen Korrekturen arg verarscht wurde, aber ich wüsste nicht, wie aus dem Streifen mehr hätte werden können als Routine. Würden wir hier nur von der endlosen Storyklauerei verwandter Produkte sprechen könnte die Inszenierung noch einiges raushauen. Aber Cravens Werk kann bei all den gleich aufgezählten Beispielen nicht nur das Produkt ärgerlicher Produzentenverwurstung gewesen sein.

Z.B. ist Christina Ricci nun seit Kinderbeinen an als besonders talentierte Schauspielerin bekannt. Sichtet man sie in „Verflucht“ könnte man meinen, sie sei die 08-15-Besetzung eines solchen Streifens. Relativ lustlos, wenn auch gekonnt routiniert, spielt sie ihre Rolle mit halber Backe runter (zur äußerlichen Freude wenigstens wieder mit der richtigen Haarfarbe) und bezieht ihre Wirkung lediglich über ihre Niedlichkeit. Nicht einmal in den Momenten, in denen sie das Tier im Menschen verkörpern durfte, schimmert so etwas wie gekonntes Schauspiel hervor. Warum? Wir wissen doch sie kann es anders! Jeder andere Darsteller dieses Genrebeitrags weiß anbei auch nicht zu überzeugen. Nur die wenigsten spielen schlecht, aber zu mehr als Routine kommt es bei keinem der Beteiligten vor der Kamera.

Die Spezialeffekte sind ein zweischneidiges Schwert. Huscht der Werwolf relativ kurz durchs Bild, sieht das Ergebnis schon recht toll aus. Und glücklicher Weise geht das Debakel, den Wolf lange im Bild zu halten, erst zum Finale hin los, dann wird es aber richtig brutal. In solchen Momenten wirkt das Tier wie die Figur aus einem computeranimierten Zeichentrickfilm. Es mag nach Übertreibung klingen, aber das haarige Etwas war nicht weit von der Animationsklasse von dem Vieh aus „Monster AG“ entfernt.

Ganz schlimm war allerdings die Verwandlungssequenz gegen Ende. „Hulk“ gehört wirklich zu den miesesten Großproduktionen der letzten Zeit, wenn es um die Wirkung der Computeranimation in einem Realfilm geht. „Verflucht“ stellt diesen digitalen Dünnschiss allerdings locker in den Schatten. Was hier gezeigt wird sieht unecht aus und weiß nicht einmal zu gefallen wenn einem die Echtheit einer solchen Szene egal wäre.

Es ist traurig mit was sich die Teens von heute scheinbar zufrieden geben („I Am Legend“ wäre in diesem Punkt auch ein gutes Beispiel). Man fragt sich, warum ewig krampfhaft mit dem Computer getrickst wird, wenn handgemachte Effekte bereits in den 80ern bei „American Werewolf“ wesentlich effektiver und echter umgesetzt wurden. Ich habe nichts gegen Computeranimation, diese wäre sicherlich ein Hit, wenn man genügend Geld in diesen Bereich gesteckt hätte („Jurassic Park“ ist heute immer noch eine optische Wucht), aber wenn man einen auf Schotte machen will, kann man auch gleich zu handgemachten Methoden greifen. Dann enttäuscht man wenigstens nicht den Konsumenten, der immerhin Geld ausgibt, um sich einen Film anzuschauen.

Ja, ich schimpfe auf dieses Werk, und ich denke mal das ist bei der Anzahl der Gründe auch gerechtfertigt. Ich möchte dennoch darauf hinweisen, dass „Verflucht“ funktionieren kann, wenn man seine Erwartungen weit zurückschraubt. Dann ist er immerhin guckbare Routine, der man nur immer wieder einen Hauch mehr Individualität wünscht. Alles läuft nach Strickmuster X ab, selbst das Happy End ist unerträglich zuckersüß, auch wenn man mit einem Schluss dieser Art rechnet.

Psychologisch stimmt mal wieder gar nichts, dafür geht ordentlich die Post ab (wenn auch recht unblutig), vereinzelt gibt es flotte Sprüche, und das Vieh sieht in den kurzen Sequenzen, wie bereits erwähnt, auch recht interessant aus. Insgesamt ist „Verflucht“ aber einfach viel zu brav umgesetzt, zwar für das Jugendpublikum konzipiert, dürfte aber selbst für diese Altersstufe schon ausgelutscht wirken. Dennoch kann man sich wohl an folgendem Rezept orientieren: Je jünger man ist, desto besser könnte einem Wes Cravens Ausflug in den Werwolf-Bereich gefallen.  OFDb

04.10.2012

ZOMBIELAND (2009)

Ein Verklemmter und ein Zyniker ziehen durch ein von Zombie bevölkertes, fast menschenleeres Amerika und stoßen auf zwei Schwestern, die sie in Schwierigkeiten bringen...

Die Suche nach dem Naheliegenden...
 
Zombiefilme gibt es wie Sand am Meer, und erstaunlicher Weise lag es nie an einer einfallsreichen Geschichte, ob ein Beitrag in der Masse auf sich aufmerksam machte oder nicht. Seit je her läuft das Sub-Genre nach selbem Muster mit leichten Veränderungen ab, und schon seit der 80er Jahre rettete man sich innerhalb dieser Filmgattung hin und wieder in den Humorbereich.

Dieser ist auch in den 00er Jahren gut besucht gewesen, brachte Geheim-Tipps wie „Fido“ hervor, intelligente Innovationen wie „Shaun Of The Dead“ und manchmal einfach die kurzweilige Unterhaltung ohne Anspruch für zwischendurch wie „Dead And Deader“. Zur letzten Kategorie darf sich auch „Zombieland“ zählen, der von seiner eigentlichen Geschichte her belangloser nicht sein könnte. Aber er hat Stil und vor allen Dingen einige lustige Ideen parat, so dass sich ein Blick tatsächlich lohnt.

Schon die Einführung macht es einen leicht mit dem Werk zu sympathisieren. Man vereint die Kennenlernphase mit der Identifikationsfigur mit den Umständen und Überlebensregeln in Zombieland und bekommt dabei auch gleich den augenzwinkernden Grundton zu spüren, der dominant vor dem Horroraspekt steht. Im Vergleich zu anderen Zombiefilmen mag „Zombieland“ im Gore-Bereich etwas zahmer ausgefallen sein, dennoch darf man staunen was heutzutage so alles als FSK 16 durchgeht. Die Zeiten einer FSK 18 für „Carrie“ und „Schreckensmacht der Zombies“ ist schon lange rum.

Dass das Blut meist aus dem Computer kommt, stört ausnahmsweise mal weniger, was daran liegen mag, dass die Ekeleffekte ohnehin wenig beachtet werden. Wozu auch? Der Amateursektor hat sich seit je her bemüht diesen Bereich überzubewerten und den Allesgucker zu übersättigen. So macht es Spaß stattdessen mit Situationskomik unterhalten zu werden und den Bereich gelungener Spezialeffekte auf anderer Ebene genießen zu können.

„Zombieland“ funktioniert mit wenig Figuren, und diese haben recht grobe Charaktere, sind gar Stereotype, die in ihrer Übertreibung jedoch nie zu einseitig dargestellt werden. Der Verklemmte scheut sich nicht jeder Lebenslage, der Draufgänger wütet nicht pausenlos, usw. Das macht auch die Dialoge erträglicher, die jeder Figur zwei innere Seiten herausarbeiten, so monoton sie eigentlich auch für den eigentlichen Filmzweck als Figur eingebaut werden.

Eigentlich zeigt uns Regisseur Fleischer auf bissige und übertriebene Art die typischen Amerikaner, wie sie allgemein gerne in Filmen dargestellt werden: etwas dümmlich, aber lebensfroh und liebenswürdig, etwas gedankenlos, aber die Welt als Spielplatz betrachtend. Das findet in Zombieland freilich auf sehr extreme Weise statt, wird dafür aber auch deutlicher als eh und je, vor allen Dingen dann, wenn das Finale in einem Freizeitpark stattfindet, der den Figuren allerhand Möglichkeiten gibt sich den Untoten spielerisch zu entledigen.

Von psychologischer Tiefe braucht man da nicht sprechen, und Gesellschaftskritik findet dadurch auch nicht wirklich statt. „Zombieland“ ist ein Unterhaltungsfilm und soll Laune machen, und er macht dies, in dem sich die Figuren des Films selbst pausenlos Laune machen.

So bleibt Fleischers Werk ein eher oberflächlicher Film, der dank einer rasanten Inszenierung und guter Gags zu mehr wird als es klingen mag. Wenn ein Prominenter einen Gastauftritt absolviert, kommt sogar ab und an Komik auf Monty Python-Niveau auf. An anderer Stelle orientiert man sich mehr an der lauten Hau drauf-Komik und an zynischen Kommentaren.
 
Während ein Running Gag über die verzweifelte Suche nach Twinkys etwas überreizt wird, im Finale aber eine wundervolle Pointe findet („Worte können das nicht beschreiben“), läuft eine an sich interessante andere Idee, die Angst vor Clowns, leider ins Gewöhnliche. Nachdem was einem zuvor an tollen Ideen präsentiert wurde, hätte man hier mit mehr gerechnet, wird besagte Clown-Phobie doch recht früh eingebaut, wissendlich dass sie für eine spätere Szene wichtig sein wird.

Aber es ist ohnehin das letzte Drittel, das dem Werk einiges von seinem Potential raubt. Im Freizeitpark-Finale setzt man die Gagzahl zurück, um sich Schauwerten zuzuwenden. Laute Musik, blinkende Lichter, schrille Mordmethoden vor schriller Kulisse. Da sind nette Ideen vertreten, aber man ist doch froh wenn die Action ihr Ende findet und kurz vor Schluss noch mal auf Dialog und Situationskomik gesetzt wird.

Zwar bietet der Film auch einige klischeeartige Emotionsmomente, weiß aber immer wieder Wege zu finden diese humoristisch zu stützen, so dass sie letzten Endes nur dazu dienten einen Gag vorzubereiten. Die beste Szene dieser Art dürfte das Weinen des harten Mannes sein, der berichtet wie er seinen Sohn verloren hat, und sich die Tränen im nächsten Moment mit Bargeld von den Augen wischt.

„Zombieland“ ist ein kurzweiliger Zombie-Spaß, weit entfernt von dem Niveau eines „Shaun Of The Dead“ aber unterhaltsam genug um auch außerhalb der Fankreise für Vergnügen zu sorgen. Improvisierfreudige Darsteller und ein gutes Timing für Gags sorgen für das gewisse Etwas.  OFDb

18.07.2012

SEX FÜR ANFÄNGER (2002)

Der 16jährige Nick besucht seinen ihm kaum bekannten Onkel Roger, einen zynischen Werbetexter aus New York. Dieser schleppt den Jungen durch das Nachtleben der Großstadt, um ihm beizubringen, wie man eine Frau abschleppt. Überraschender Weise kommt die sensible, schüchterne Art der Jungfrau beim anderen Geschlecht wesentlich besser an als jegliche Tricks des selbsternannten Frauenkenners...

Der Sexperte...
 
Wer beim deutschen Titel eine von diesen anspruchslosen Sexklamotten vermutet, von denen nur die wenigsten zu zünden wissen, der irrt. „Sex für Anfänger“ verfolgt eine dialogreiche, interessante Geschichte, die innerhalb von 24 Stunden spielt und den erwachsenen Part ein wenig mehr in den Mittelpunkt stellt als die Jungfrau. Der als Frauenheld in der Familie bekannte Zyniker Roger möchte seinem Neffen zeigen wie man eine Frau ins Bett bekommt. Klar sagt Nick nicht nein, aber um diesen Gefallen gebeten hat er seinen Onkel eigentlich nicht, den er ohnehin kaum kennt.

Roger fällt dies nicht auf, ist er doch ohnehin Egomane, alles andere als ungebildet, aber in all seinen Theorien über Männer und Frauen hat er sich doch zu sehr verrannt um zu erkennen, dass er gesellschaftlich davon driftet. Er selbst lebt im Glauben die Distanz zu den anderen Menschen selbst zu wollen und zu beeinflussen, Tatsache ist jedoch, dass Roger mit den Sprüchen die er seinen Mitmenschen als Ehrlichkeit an den Kopf wirft, zum Arschloch mutiert ist, jene Art des Arschlochseins, die nicht nützlich ist um Freundschaften zu pflegen, geschweige denn Frauen kennen zu lernen.

Nick stößt an einem ungünstigen Tag in Rogers Leben, hat seine Geliebte, die gleichzeitig seine Chefin ist, doch gerade mit ihm Schluss gemacht, was sein enormes Ego erst einmal verarbeiten muss. Ohnehin ist die so selbstlos klingende Idee einer Teenie-Jungfrau beizubringen wie man sich Frauen angelt reiner Eigennutz zum Wiederaufbau des angeknacksten Selbstbewusstseins. Roger kann reden wie ein Wasserfall, berufsbedingt die Wahrheit verdrehen wie es ihm gerade passt, und so verkauft er so ziemlich jede eigennützige Tat als Wohltätigkeit, eine Masche die der naive Nick nicht begreift.

Angeblich um sein Selbstbewusstsein zu wecken und um ihm Übung zu verschaffen führt Roger den armen Nick immer wieder vor, stellt ihm peinliche Fragen vor den Augen und Ohren des anderen Geschlechts und erteilt ihm idiotische Aufgaben. Bei jeglicher Frauensituation übernimmt jedoch Nick immer wieder mit der Zeit das Ruder, durch seine sensible, schüchterne Art, die eher ungewollt immer wieder durchbricht, wenn er doch eigentlich die von Roger gewollten Lektionen durchgehen soll. Die Frauen sind gerührt, angetan und auch etwas angemacht von dem jungen Mann. Roger, der hin und wieder bissige Kommentare von sich gibt, wird zwar wahrgenommen, jedoch als unangenehme Nebenerscheinung Nicks, die einfach nicht die Klappe halten will und sich mit jedem Satz unbeliebter macht.

Wieder unter vier Augen ist es Roger der zum Chef des Duos wird, den Teenager tadelt, weil er mit seiner Art nicht zum Schuss kommt und ihm immer wieder seine nicht dankbar angenommene Selbstlosigkeit aufs Brot schmiert. Klar, Nick lernt nicht wie man Frauen sofort ins Bett bekommt, aber er lernt wie man auf natürliche Art mit ihnen reden kann, und dass es eben nicht darauf ankommt schnell im Bett zu landen. Das lernt er jedoch nicht von Roger, und zum tollen Aufreißer, wie es nun Pflichtprogramm in einer Sex-Klamotte wäre, mutiert Nick ebenfalls nicht. Er bleibt im Grunde der naive Junge aus der Kleinstadt, der selbst am nächsten Morgen im verkaterten Zustand seinem unnützen Lehrmeister noch immer Dankbarkeit zeigt und sich für sein sexuelles Scheitern der vergangenen Nacht entschuldigt.

Das ist ein cleverer Schachzug des Films, der zum einen mit den Erfolgen Nicks keinesfalls moralisch wird und den Teenager in seiner Entwicklung einfach Teenager sein lässt. Viel wichtiger ist jedoch die Erfahrung um die Roger reicher geworden ist. Und die kommt nicht psychologisch plump daher, sondern entwickelt sich aus einer natürlichen Situation heraus von selbst und bedarf von da an ihrer Zeit sich zu entwickeln. Wenn der Film schließt haben wir sicherlich noch nicht alles vom neuen Roger gesehen. Und wie Nick in Zukunft mit dem anderen Geschlecht umgeht, überlässt Regisseur Dylan Kidd, der zur Zeit leider nur noch Serien dreht, der Phantasie des Zuschauers auf eine ziemlich gemeine Art. Und doch danke ich ihm für diese Idee, eine die den Film noch reichhaltiger macht als ohnehin schon, denn so kann „Roger Dodger“ (Originaltitel) nach dem Sehen noch nachklingen.

„Sex für Anfänger“ ist somit alles andere als eine olle Teenie-Klamotte oder ein gesellschaftlicher Befreiungsversuch aus einer biederen Zeit a la „Die Reifeprüfung“. Kidds Werk ist ein dialogreicher, trocken erzählter erwachsener Umgang mit der heutigen Unreife im Erwachsenenleben, mit der Frage nach dem Unterschied von Praxis und Theorie, wo Letztere sich doch meist nicht nur so originell sondern auch so wahrhaftig anhört. Diese Tragikomödie zeigt uns den Reifeprozess zweier unterschiedlich alter Menschen, die voneinander lernen, und dies auf eine so realitätsnahe Art, wie es sie in Amerika auch nur im Independent-Kino zu sehen gibt. Was wäre das US-Kino nur ohne diese wertvolle Nische, die schon solche Perlen wie „Lars und die Frauen“ und „Vergiss mein nicht“ hervorgebracht hat?  OFDb