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24.04.2024

PARANORMAL ACTIVITY - NEXT OF KIN (2021)

Als Baby wurde Dokumentarfilmerin Margot von ihrer leiblichen Mutter in einer Klinik ausgesetzt, nun nimmt dank eines DNA-Test einer ihrer Verwandten Kontakt zu ihr auf. Es ist ein Amish, und obwohl Kameras in seinem Dorf nicht gern gesehen sind, gestattet man ihr und ihrem Doku-Team innerhalb der Sekte ihren familiären Ursprung zu erforschen. Geräusche aus dem angeblich leer stehenden Zimmer über ihnen und eine per Drohne entdeckte, versteckte Kirche am anderen Ende des Waldes, lassen die Drei allmählich misstrauisch werden, was es mit den Amish hier vor Ort auf sich hat...

Schneesturm im Paradies...

Als sich das alte Konzept mit "Paranormal Activity - Ghost Dimension", aufgrund dessen Unbeliebtheit, scheinbar nicht mehr finanziell zu genüge ausschöpfen ließ, versuchten sich die Produzenten Jason Blum und Oren Peli an einen Neuansatz, der so gar nichts mehr mit der bisherigen Reihe zu tun hat. Wir haben die Aufnahmen im Found Footage-Stil, und im Laufe der Zeit kristallisiert sich auch hier eine Dämonengeschichte heraus, aber das war es auch schon an Übereinstimmungen. Durch die Waldkulisse gepackt in einige stimmige, an "The Blair Witch Project" erinnernde, Aufnahmen, durchbricht man das bisher hauptsächlich in Innenräumen stattfindende Muster der Vorgänger. Und zwei weitere Werke sind aufgrund ihrer Sektenthematik ebenfalls näher am hier zu erlebenden Geschehen orientiert, anstatt an "Paranormal Activity" und seine Fortsetzungen, und das sind "The Sacrament" und "Apocalyptic - Their World Will End". Dass in Neuansätzen einer beliebten, aber tot gerittenen, cineastischen Marke, alles anders ist und nur der Titel erhalten bleibt, ist nichts Neues, darüber kann man denken wie man will, einmal akzeptiert macht der hier präsentierte Neustart zumindest neugierig. 

Sich merkwürdig benehmende, alternativ lebende Menschen, machen im Horror-Genre grundsätzlich misstrauisch, dennoch war ich in meinem Empfinden für das was richtig oder falsch ist, lange Zeit eher an den Gläubigen gebunden, anstatt am Trio, um dessen Nähe zum Publikum man stark bemüht ist. Das eigentlich sympathische Grundmuster dieser kleinen Gruppe moderner Menschen, wird immer wieder durch penetrante Neugierde und Selbstgerechtigkeit durchbrochen, durch mangelnden Respekt vor den Gastgebern und durch das Missachten von Privatsphäre, Grundstücksrecht und vielem mehr. Sich stets im Recht sehende Menschen, die sich nicht an Vereinbarungen und grundlegende soziale Richtlinien halten, kann man nicht als Sympathiefiguren betrachten, erst recht wenn sie bereits vor dem ersten berechtigten Misstrauen derart agieren. Identifikationsfigur bleiben sie freilich dennoch, und dass ihr stets im Halbwissen voreilig stattfindendes Verhalten zur wichtigsten Eigenschaft der arg vorhersehbaren Schlusspointe führen wird, zeigt dass man sich durchaus dieses zwielichtigen Verhaltens bewusst war. Es macht das Mitfiebern mit den Dreien in mancher Phase jedoch unglaublich schwierig. 

Im Finale ist man dennoch dicht dran am Empfinden der in Panik agierenden Helden, zu einer Zeit wo das gefürchtete Gewackel des Found Footage-Stil nun überhand nehmen darf und uns trotzdem faszinierende Aufnahmen liefert. In der langen Phase zuvor wurde hingegen recht wenig für diese Art Kameraaufnahmen gewackelt. Außerdem lässt sich positiv hervorheben, dass "Paranormal Activity 7" (Alternativtitel) weit unaufgeregter erzählt ist, als der überraschend gut funktionierende, laute, ständig auf Spezialeffekte setzende, Vorgänger. Man geht also wieder einen Schritt zurück, setzt auf subtilen Grusel, auf das Entfalten von Charakteren und Situationen, und dementsprechend viel Geduld muss der Zuschauer aufbringen, bevor etwas Genre-spezifisches passiert. Ich persönlich hatte damit kein Problem, das Geschehen weiß stets zu interessieren, mehr sogar als im eingeweihten Zustand der letzten halben Stunde. Jedoch fiel mir auch in der besseren Phase auf, dass wir viel zu dicht an den Protagonisten dran sind, und der Alltag der Amish viel zu kurz kommt. Da aus einer Grundlage mit viel Potential, trotz wenig innovativer Aufhänger, letztendlich aber doch eine zu austauschbare Geschichte wird und sich in der späten Phase das Angstgefühl des Trios nicht auf den Zuschauer überträgt, ist "Paranormal Activity - Next of Kin", der bislang letzte Beitrag der Reihe, für meinen Geschmack etwas zu unbefriedigend ausgefallen, als dass ich mit Wohlwollen auf ihn zurückblicke. Was bleibt sind zumindest interessante Aufnahmen in ungemütlicher Schneeatmosphäre, einige, wenige Überraschungen im sonst zu erwartenden Plot, und eine Geduld in der ersten Filmhälfte, die ruhig wieder öfter Fuß im Mainstream-Kino heutiger Tage fassen könnte.  OFDb

23.04.2024

PARANORMAL ACTIVITY - GHOST DIMENSION (2015)

Als sein Bruder zu Besuch kommt, entdeckt ein Familienvater im Haus einen Karton mit Videobändern und einer ungewöhnlichen Videokamera, wie sie nicht im Netz zu finden ist. Schnell finden sie heraus, dass damit im Haus merkwürdige Phänomene zu sehen und aufzunehmen sind. Die Ehefrau hält dies für eine der typischen Spielereien, die aufkommen, wenn die beiden erwachsenen Brüder aufeinander treffen. Als die beobachtete Präsenz jedoch immer stärker wird und es scheinbar auf die kleine Tochter abgesehen hat, beginnen alle Erwachsenen sich Sorgen zu machen...

Beobachten und zurück beobachtet werden...

Er ist lauter als alle anderen Teile der Reihe, er baut wesentlich mehr auf Spezialeffekte, anstatt auf subtilen Grusel, und doch ist es Regisseur Gregory Plotkin ("Hell Fest"), zusammen mit den üblichen Produzenten und einer kleinen Gruppe von Autoren und Ideengebern gelungen die meiner Meinung nach bislang beste Fortsetzung des äußerst gruseligen "Paranormal Activity" abzuliefern. Ob es sich hierbei nun um Teil 5 oder 6 handelt, lässt sich schwer sagen, war "Paranormal Activity - Die Gezeichneten" doch eher ein alternativer Ableger der eigentlichen Reihe, und baut die hier besprochene Fortsetzung doch nun wieder auf den Hebammenkult auf, den "Paranormal Activity 4" nach einigen Andeutungen in "Paranormal Activity 3" präzisierte. Interessanter Weise kann man "Paranormal Activity 5" (Alternativtitel) durchaus trotzdem ohne Vorkenntnisse jeglichen anderen Teils gucken, setzt er doch durch das Nichtwissen und Erforschen der Protagonisten so an, dass man gemeinsam entdecken kann, was es zu entdecken gibt, und wird besagter Kult, der in den Vorgängern etwas zu sehr aufgebauscht wurde, doch nur erwähnt und ist nicht zwingend wichtig für die paranormalen Ereignisse in diesem Kapitel. 

Und die haben es in sich, sowohl visuell im CGI-Verfahren umgesetzt, als auch vom Spannungspotential her. Vereinzelt gibt es funktionierende Schockszenen, die Effekte werden Teil der beängstigenden Elemente, ein hoher Spannungsbogen ist somit durchaus gegeben. Wirklich gruselig, so wie einst Teil 1, ist er aber dann doch nicht ausgefallen, zumindest nicht in dieser Konsequenz. Allerdings hängt dies auch stark vom Zuschauer ab, leicht zu beängstigende Menschen werden es natürlich anders sehen. Soll aber auch egal sein, weil das Funktionieren von "Paranormal Activity: Ghost Dimension" nicht zwingend davon abhängt, so interessant wie er seine Geschichte erzählt - und dies freilich erneut im Found Footage-Verfahren, dennoch wesentlich wackelfreier als erwartet abgefilmt, und trotz dem Verwenden von vier Kameras immer mitten im Geschehen drin, anstatt zu distanziert, wie seinerzeit in "Paranormal Activity 2" geschehen. Auch die Figurennähe ist endlich wieder gegeben, da man sich vor der Kamera angenehm menschlich verhält. Der Sinn des Weiterfilmens ist meist gegeben, wird somit auch nicht zur Schwäche wie in manch anderer Werke dieser Art Drehverfahren, und selbiges gilt für den Ton, der nur auf jene Geräusche der tatsächlichen Momente baut, anstatt mit Hintergrundmusik oder ähnlichem verwässert zu werden. Manche Schnitte zur Beschleunigung wären nicht nötig gewesen und sind nur ein Eingeständnis an das unkonzentrierte Publikum, insgesamt lässt man sich jedoch die nötige Zeit zur Entfaltung der Bedrohung, während sich die Gesamtgeschichte zügig erzählt anfühlt.

Ob es nachvollziehbar ist, im besagten Haus wohnen zu bleiben, bzw. das Kind in dem Zimmer zu lassen, nur weil ein herbeigerufener Experte, so wie in Teil 1, noch einmal bestätigt, dass derartige Erscheinungen sich Personen und nicht Orte aussuchen, sei einmal dahingestellt. Und auch die anfängliche Skepsis der Ehefrau, mag nicht zum glaubwürdigen Teil des Szenarios gehören, bei all den Beweisen die aufgenommen wurden und all den Zufällen die aufkommen, wenn die Brüder sich die gefundenen Bänder von einst angucken. Es gibt also Abstriche, die diesen fünften oder sechsten Teil in seiner Wirkung etwas einschränken. Und dass ein Film dieser Art geradezu typisch endet, wie Found Footage meistens endet, kann dem Sichten, je nachdem wie kritisch das Publikum ist, eine Sinnlosigkeit oder Belanglosigkeit attestieren. Ich finde jedoch, dass derart viel dazwischen passiert und packend, da nah am Empfinden der Figuren inszeniert, erzählt ist, dass ich auch dieses übliche Manko gerne in Kauf nehme. Nennt es Wohlwollen, aber wenn ich bedenke auf welch simplen Niveau die tauglichen Fortsetzungen funktioniert haben, und wie schwach und mau die ein oder andere war, hat man es in "Paranormal Activity: Ghost Dimension" endlich mal wieder geschafft, etwas Packendes auf die Beine zu stellen. Die Genialität des ersten habe ich hier ohnehin nicht mehr erwartet.  Wiki

26.12.2015

INSIDIOUS 2 (2013)

Es wäre naiv darauf zu hoffen, dass die Fortsetzung eines gelungenen Spuk-Horrors einem ebenfalls das Gruseln lehren könnte. Zu inflationär wird das Genre um weitere Werke bereichert, zu sehr wiederholen sich immergleiche Szenarien und Schreckversuche, und das Beleuchten von Hintergründen, eine typische Fortsetzungsmotivation, nimmt dem Grauen in der Regel seine Faszination und das Unheimliche. Das Dunkle ist gruseliger als das Licht. Und dies wird nun im Wissensbereich überall angeknippst. Der Spuk bekommt ein Gesicht, das Gesicht bekommt Persönlichkeit, die Persönlichkeit ein eigenes Drama, das Drama beschert Mitgefühl, Mitgefühl zerstört die Angst.

Interessanter Weise funktioniert „Insidious 2“ trotzdem ganz gut. Er ist recht spannend erzählt ohne wirklich zu gruseln, und verändert weder die Charaktere noch die Geschehnisse des Vorgängers. Damit vereinen sich Teil 1 und Teil 2 gekonnt zu einer Einheit, zumal Wan auf tatsächlich in Teil 1 ungeklärte Momente zurückgreift, denen er nun in einem Plot um diverse Zeitebenen einen Sinn gibt. Damit wird das Ärgernis des Geheimnisselüftens zumindest für eine interessante Idee genutzt, die neue Perspektiven ermöglicht. Freilich wird nichts aufgedeckt, was man als Zuschauer aufgedeckt haben wollte, und das Geheimnis um den Vater hat bereits der Schluss von „Insidious“ verraten, keine Ahnung warum man da wieder ein Mysterium drum spinnen möchte. Aber als gruselfreier Popkornfilm des Horrorbereiches reicht das alles um routiniert nett unterhalten zu werden.

Ärgerlich wird es erst gegen Ende, wenn sich die Ereignisse überschlagen und Wan verkrampft auf ein Ende lenken muss. Dann verhält sich der Besessene so geisteskrank, dass es unglaubwürdig wird, dass er sich überhaupt so lange als normal tarnen konnte. Der eher passive Sohn, der bei seinen Reisen einst verloren ging, wird urplötzlich zum raffinierten Problemlöser, der selbst in einer lebensgefährlichen Situation auf Kommando einschlafen und ganz bewusst seinen Körper verlassen kann. Und das Jenseits ist ein Ort alter Bekannter, an dem sich zwar auch viele Schreckgespenster aufhalten, der aber längst kein solch unheimlicher Ort mehr ist, wie es uns im Vorgänger suggeriert wurde.

Und wieso ist es für den Familienvater so leicht den parasitären Geist aus seinem Körper zu locken und in ihn zurück zu kehren, wenn selbst ein mächtiger Dämon in Teil 1 so lange Zeit benötigte um die leere Hülle zu betreten? Wo zuvor keine Widersprüche sind, da sprudeln die Unsinnigkeiten im Finale nur so hervor, was an einem ärgerlichen Drehbuch liegt, dessen Autoren wohl dachten dass inmitten vieler Parallelereignisse der Zuschauer das chaotische Treiben wohl nicht mehr mit dem Kopf mitverfolgen würde, was einer Beleidigung gleicht.

All zu streng sollte man mit „Insidious 2“ trotzdem nicht umgehen, ist er auf simpler Unterhaltungsebene doch interessant genug ausgefallen um sich nie zu langweilen, zumal er sich selbst in den ruhigeren Passagen nie zu langatmig guckt. Die Rückkehr aller bekannten Gesichter und die tatsächliche Fortführung von Geschehnissen aus Teil 1 sorgen zudem dafür, dass sich „Insidious 2“ auch wirklich wie eine Fortsetzung anfühlt und nicht nur wie ein schnell nachgedrehtes Stück Geldkuhmelken. Das Anknüpfen an Teil 1 läuft teilweise sogar so rund, dass man sich ernsthaft fragt, ob all das in Teil 2 erzählte in Teil 1 schon immer so gedacht war. Falls ja darf es verwundern, dass die Fortsetzung drei Jahre auf sich warten ließ, in Zeiten in denen schnell abzudrehende Werke jährlich aufs Publikum losgelassen werden.  OFDb

INSIDIOUS (2010)

„Insidious“ beginnt wie der klassische Spukhaus-Film und wirkt aufgrund der eindimensionalen Figuren zunächst ziemlich austauschbar und vorhersehbar. Doch das ändert sich ziemlich genau zu jenem Zeitpunkt, in welchem die Familie Lambert aus dem vermeintlichen Spukhaus auszieht. Zwar bleiben die Figuren weiterhin ziemlich oberflächlich und damit lediglich Figuren in einem Film, aber die Geschichte wird zu einer interessanten, die zwar theoretisch gesehen lediglich die Geschehnisse von Spielbergs „Poltergeist“ erneut erzählt, dabei jedoch völlig andersartig wirkt. Auf den zeitlichen Unterschied beider Werke kann man dies wohl kaum zurückführen, vertraut Regisseur Wan doch dem klassischen Erzählstil, sowie den typischen inhaltlichen Komponenten dieser Thematik. Nicht einmal die Geisterexperten überraschen mit neumodischen Methoden.

Wan gibt den einzelnen Elementen aus Spielbergs Film jedoch ein anderes Gesicht. So wirkt das Medium menschlicher und weltoffener als die rein esoterische Vergleichstante aus dem berühmten Vorbild. Die Familie wirkt anders, die Gründe sich an Geisterexperten zu wenden wirken nachvollziehbarer, das Jenseits ist anders dargestellt. So gaukelt der Film einem gekonnt vor etwas halbwegs Frisches im immergleichen Sub-Genre des Spukfilms zu sichten.

Dank einer aufregenden Geschichte und eines hohen Gruselpotentials reicht diese Täuschung auch vollkommen aus um Gefallen an „Insidious“ zu finden. Etwas überrascht darf man sein, war Wan für mich doch nie der Gruselexperte. Sein Holzhammer-Thriller „Saw“ hat mich nicht vom Hocker gehauen, seinen „Dead Silence“ empfand ich lediglich als ganz nett, womit besagter Film allerdings wesentlich besser wegkommt als der vergeigte „Conjuring - Die Heimsuchung“, der trotz gruseliger Momente nicht wirklich zu überzeugen wusste. Warum „Insidious“ sich über all diese anderen Werken Wans hinweg setzt, liegt vielleicht bei Olen Peri begründet, der als Produzent mit an Bord war und uns mit „Paranormal Activity“ und „Chernobyl Diaries“ so einige spannende Momente bescherte, die ich als Film-Fan nicht missen möchte.

Wem auch immer wir das angenehme Ergebnis von „Insidious“ zu verdanken haben, der Film ist ein Glückstreffer - zwar einer der auf etwas wackeligen Beinen steht, da das enge Klammern an Klischees die positive Wirkung manches Mal blockiert und auch Schuld daran ist, dass man am Einstieg ins Geschehen zunächst nicht wirklich interessiert ist. Aber die positiven Aspekte überwiegen schließlich. Die Geschichte ist spannend und wendungsreich erzählt, die Musik kitzelt selbst dann noch eine Gänsehaut hervor, wenn sie im Abspann keine Szenen mehr untermalt, und auch die Optik weiß den Zuschauer so manches Mal zu erschrecken. Auch gelegentliche Momente von Stille wurden sinnvoll für den Grusel-Effekt eingesetzt, und im Gegensatz zu vielen anderen Gruselfilmen geht der spannungsgeladene Effekt nicht flöten, wenn die zunächst unsichtbaren Kreaturen sichtbar werden.

Menschliche Geistererscheinungen wissen auch in vielen Konkurrenzprodukten noch zu wirken. Aber wenn dämonische oder monströse Gestalten ins Geschehen treten, ist es oft vorbei mit der Gruselwirkung. In „Insidious“ steht uns eine Begegnung mit Erstgenanntem bevor, und da das Wesen zunächst in einem düsteren Rückblick in Erscheinung tritt und später in einem aufregenden Szenario, zerstört es nie die Wirkung der jeweiligen Szenen in denen es auftaucht. Und das darf schon verwundern, entspricht es doch optisch einigen Klischees die üblicher Weise dem Teufel zugeschrieben werden. Und das hätte dann so peinlich ausfallen können wie das Aussehen des Dämons in „Devil's Rock“.

Eine gute Inszenierung sei Dank blieb uns dies im hier besprochenen Film erspart. Stattdessen erleben wir mit „Insidious“ einen wirksamen, wenn auch etwas innovationsfreien, Horrorfilm, der einem wahrlich das Gruseln lehrt. Dass man Ahnung davon besitzt etwas wirksam in Szene zu setzen, beweist allein schon der Schriftzug im Vor- und Abspann, der mit seiner Schriftart und der Tonabfolge, mit welchem er untermalt wurde, etwas Bedrohliches ausstrahlt und einem für diesen Bruchteil von Sekunden suggeriert gerade großes Kino zu sehen. Das ist freilich von der Wahrheit ein wenig entfernt, „Insidious“ erfindet das Kino nicht neu, aber als Freund von gruseligen Stoffen sollte man sich Wans ersten Teil der bislang dreiteiligen Reihe ruhig einmal angesehen haben.  OFDb

13.08.2015

PARANORMAL ACTIVITY - DIE GEZEICHNETEN (2014)

Die „Paranormal Activity“-Reihe will einfach kein Ende nehmen. Gestartet von Olen Peri, der die Nachfolger nur noch produzierte, wurde aus einem der unheimlichsten Horrorwerke der Filmgeschichte eine Filmreihe mit qualitativ sehr unterschiedlichen Teilen, die je mehr sie am Unbekannten des Teil 1 herumgedoktort haben sich immer mehr vom reinen Spuk-Horror entfernt haben. Der (Schock-)Effekt wurde irgendwann wichtiger als das grundlegende Grusel-Feeling, und schaut man sich einmal „Paranormal Activity - Die Gezeichneten“ an, darf man sich bei all dem was man hier erzählen möchte fragen, warum die Reihe nicht endlich die Pfade des Found Footage verlässt und stattdessen eine klassisch gedrehte Geschichte erzählt.

Teil 5 der 2007 gestarteten Reihe, der eher ein Nebenableger der Hauptreihe sein soll (warum auch immer, mit seinem direkten Bezug zu den Erkenntnissen von Teil 4 schaut er sich wie eine direkte Fortsetzung), versucht verschiedene Seiten der Geschichte zu durchleuchten, lässt die einzelnen Figuren auch mal unabhängig voneinander Verschiedenes erleben, so dass eigentlich eine Horrorgeschichte erzählt wird, die den Rahmen der pseudo-selbstgedrehten Perspektive sprengt, zumal nicht einmal mehr im Ansatz hinterfragt wird, warum der ganze Mist den wir hier miterleben dürfen überhaupt noch von wem mitgefilmt wird. Je mehr sich „Paranormal Activity - The Marked Ones“ (Originaltitel) Richtung Finale bewegt, desto weniger Sinn macht das Mitschleppen der Videokamera, bzw. das Aufzeichnen mit dieser.

Found Footage, so sehr ich dieses Filmverfahren auch liebe, macht in der hier erzählten Geschichte keinen Sinn mehr und weist die gegebenen Möglichkeiten in ihre Schranken, so dass man nur begrenzt erschrecken kann und mit vielen Szenensprüngen arbeiten muss, um alles erzählt zu bekommen was erzählt werden soll. Sinn macht da wenig, zumal sich keiner im Film in der Realität zu befinden scheint, so wie man mit den einzelnen Begebenheiten, die nicht gerade alltagsnah zu nennen sind, umgeht. Dennoch weiß der Streifen zu unterhalten. Mancher Schockeffekt weiß zu wirken, immer dann wenn mit Stille gearbeitet wird entsteht auch ein zumindest leichter Spannungsbogen, und die Geschichte ist trotz einiger Vorhersehbarkeiten interessant genug erzählt um für 90 Minuten dran bleiben zu können.

Leicht orientiert am Erfolg von „Chronicles“ legt „Paranormal Activity - The Oxnard Tapes“ (Altzernativtitel) ein anderes Tempo vor als die Vorgänger und erzählt wie bereits erwähnt inhaltlich auch einiges mehr. Es gibt allerhand Verweise auf die Vorgänger, von denen ich nur noch die wenigsten nachvollziehen kann, ist die Sichtung von Teil 1 doch mittlerweile etwas her und sind die Fortsetzungen doch nicht interessant genug gewesen, als dass man sich über all die Jahre jegliche Kleinigkeit der Story merken würde. Und eine Neusichtung von vier Filmen tue ich mir bei der unterschiedlichen Qualität auch nicht an, nur um Unwichtigkeiten genauer einordnen zu können.

Wie auch immer, mit niedrigsten Erwartungen macht der Film durchaus Spaß, so lange man sich keine Antworten zu den offenen Fragen erhofft. Die Auflösung der Hintergründe geht so schleichend vonstatten wie bisher, aber zumindest konzentriert man sich stark an der Idee des in Teil 4 aufgedeckten Hexenzirkels, was den dort zunächst mau scheinenden neuen Aspekt interessanter gestaltet als erwartet. „Paranormal Activity - Die Gezeichneten“ ist das Regie-Debut des Drehbuch-Autors von „Paranormal Activity 2“ bis „Paranormal Activity 4“, und damit ist zumindest wer an Bord, der sich mit der Reihe besser auskennt als irgendwer anders.

Dass Christopher Landon, so der Name des Regisseurs, der konsequenter Weise auch das Drehbuch zur hier besprochenen Fortsetzung geschrieben hat, auch für das Drehbuch von „Disturbia“ verantwortlich war, macht deutlich was man in etwa vom Film zu erwarten hat: Kurzweile im nicht immer logisch nachvollziehbarem Gewandt. „Paranormal Activity - Die Gezeichneten“ soll nur noch ein Film fürs Teen-Publikum sein, so wie Landons Teen-Version von „Das Fenster zum Hof“. Und als solch geistloser Trivialverzehr bereitet er genügend Freude um die Reihe weiterzuverfolgen. Teil 5 kann es am ehesten mit „Paranormal Activity 3“ aufnehmen - jedoch ohne dessen Grusel-Potential zu besitzen.  OFDb

29.09.2013

THE BAY - NACH ANGST KOMMT PANIK (2012)

„The Bay“, den man keinesfalls mit dem gleichnamigen Soap-Schmuse-Hai-Horror aus dem Jahr 2005 verwechseln sollte, springt auf der angesagten Found Footage-Welle auf, jene Filme, die den Eindruck machen als seien sie durch Amateur- oder Doku-Aufnahmen entstanden. Während im allgemeinen solche Werke eher von Neulingen im Filmgeschäft umgesetzt werden, nahm im hier besprochenen Film Barry Levinson auf dem Regie-Stuhl platz, jener Mann der uns Werke wie „Rain Man“, „Good Morning, Vietnam“, „Wag The Dog“ und „Sleepers“ bescherte. Unterstützt wurde er von Produzent Oren Peli, der mit seiner Found Footage-Regiearbeit „Paranormal Activity“ einen großen Erfolg landete und uns in seiner Funktion als Produzent zudem deren Fortsetzungen und den wundervollen „Chernobyl Diaries“ bescherte.

Stilistisch gesehen geht „The Bay“ etwas andere Wege als die üblichen Werke dieser Art, ist der Film doch eher eine fiktive Collage diverser Videoaufnahmen, anstatt das visuelle Ergebnis einer festen Gruppe von Menschen, die ihre Erlebnisse aufgezeichnet haben. Am Ende entsteht dadurch ein Fake-Dokumentarfilm, am ehesten noch vergleichbar mit dem ersten Found Footage-Film „Die Delegation“ aus dem Jahr 1970. Allerdings wurden auch hier nur Aufnahmen eines festen Journalisten-Teams verwendet. Donna Thompson, die Amateur-Reporterin aus „The Bay“, hingegen verwendet jegliche Aufnahmen, die sie ergattern konnte.

Da gibt es Aufzeichnungen von Kameras an öffentlichen Plätzen, Handy- und Skype-Übertragungen, Videoaufnahmen einer Polizeiauto-Kamera, selbstgedrehtes Material, Videochat-Aufzeichnungen, usw. So wie „Paranormal Activity 4“ im geringeren Maße mit verschiedenen Möglichkeiten der Aufnahmequellen arbeitete, ist „The Bay“ wohl auf dem abwechslungsreichsten und modernsten Stand dessen, was neben einer Videokamera noch alles für Amateuraufnahmen Verwendung finden kann.

Prinzipiell ist „The Bay“ so aufgebaut wie eine typische amerikanische Doku. Deswegen ist er auch der erste Found Footage-Film, bei dem mich eingespielte Musik nicht genervt hat. Mehr sogar: zum ersten Mal ging damit nicht die authentische Wirkung des Bildmaterials flöten, verwenden reißerische Dokumentarfilme, die mehr auf Schauwerte als auf Informationen setzen (und genau das soll das „The Bay“-Material (hoffentlich) augenzwinkernd sein), doch auch gerne Hintergrundmusik, um den ungebildeten Zuschauer emotional einzulullen.

Dumm nur, dass der Hintergrund der angeblich vorgefallenen Geschehnisse und das was danach geschah dem eigentlichen Werk seine innereigene Logik nehmen. Der Staat selbst hat verhindert dass Informationen an die Öffentlichkeit geraten. Es ist viel Geld geflossen um Menschen zum schweigen zu bringen. Videomaterial wurde konfisziert. Woher hat Thompson also die ganzen Aufnahmen? Für die Geschichte selbst wäre es also glaubwürdiger gewesen klassisch auf die Amateuraufnahmen eines festen Kamerateams zurückzugreifen, anstatt eine Video-Collage zusammen zu zimmern, die aus reichlich unterschiedlichen Quellen stammt, an die man als kleiner Bürger nicht (mehr) herankommt. Das gibt einen kleinen Punkteabzug im Gesamtergebnis.

Außerdem wäre „The Bay“ näher am Stil eines echten Dokumentarfilms gewesen, wenn man sich nicht einzig auf Videoaufnahmen verlassen hätte, sondern stattdessen Dokumentarfilm-typisch Standbilder, Fotos und nachgespielte Szenen eingesetzt hätte, um die Geschehnisse zu dokumentieren. Einzig auf Videoaufnahmen zurückzugreifen, und mögen sie aus noch so unterschiedlichen Quellen stammen, wirkt ein wenig zu gewollt und als Dokumentarfilm noch primitiver, als die Ergebnisse echter reißerischer Veröffentlichungen ohnehin schon sind, auf die sich Levinson im gewählten Stil beruft.

Davon einmal abgesehen kommt „The Bay“ allerdings erschreckend realistisch daher. Er zeigt auf, was wir in den Nachrichten sonst nur im Ergebnis präsentiert bekommen. Er zeigt Ursprung, Übergang, das Hoch des Ausbruchs sowie Momente aus der Zeit vor und nach den Geschehnissen. Am erschreckendsten ist der Film jedoch nie dann, wenn er die grauenvollen Bilder dessen zeigt, was den Menschen passiert, sondern viel mehr wenn er mangelnde Kommunikation und Hilflosigkeit von Stellen zeigt, die eigentlich dafür da sind den Menschen zu helfen. Die kühle Gefühllosigkeit des Seuchenschutzes, der für diesen Beruf nun einmal sein muss, ist fast schon selbstverständlich, wirkt aber dennoch emotional auf den Zuschauer, der ohne eingreifen zu können mit anschauen muss, wie es wirklich in den verantwortlichen Etagen während eines solchen Ereignisses aussehen könnte.

Da wird über Ursachen diskutiert. Informationen werden zu spät weitergegeben. Da kann einem schon anders werden, wenn man sonst so blauäugig und idealistisch glaubt, die guten Leute wären auf alles vorbereitet und sofort zur Hilfe fähig, wie es einem die Endergebnisse in den Nachrichtensendungen gerne einmal suggerieren. In solchen Punkten ist „The Bay“ ein gelungener, gesellschaftskritischer Film geworden, der zudem auch in manch psychologischem Punkt zu überzeugen weiß, beispielsweise in der Charakterzeichnung von Donna Thompson, deren Erfahrungen in Claridge keinesfalls dazu geführt haben ihr journalistische Professionalität zu bescheren. „The Bay“ als Doku betrachtet wirkt teilweise billig dahingerotzt, und das ist gewollt mit Blick auf die Person, die für die Collage verantwortlich ist.

So positiv sich das alles liest, insgesamt ist mir „The Bay“ ein wenig zu nüchtern ausgefallen. Nicht dass er nicht zu unterhalten und zu schocken wüsste, aber ich wurde nicht in einen solch intensiven authentisch wirkenden Sog gezogen, wie es die guten Found Footage-Beiträge zu schaffen wissen. Und das liegt an dem Mangel einer echten Identifikationsfigur, die nicht entstehen kann, wenn man es mit zu vielen Videoquellen zu tun hat. Für die Geschichte selbst ist diese Distanz nötig, aber am Ende zählt wie der Film auf mich gewirkt hat, und da war mir das Ergebnis etwas zu theoretisch. Interessant ist eine Sichtung von Levinsons Film aber durchaus.  OFDb

14.09.2013

PARANORMAL ACTIVITY 4 (2012)

Es ist so ein Hin und Her mit der „Paranormal Activity“-Reihe. War der erste Teil ein richtig guter Grusler, ging es mit Teil 2 ins Langweilige steil bergab. Machte der dritte Teil mit einer sympathischen Umsetzung wieder Freude, so landet Teil 4 nun im Gebiet der Mittelmäßigkeit, damit nicht so tief gestürzt wie mit der ersten Fortsetzungen, aber weit hinter dem Erwarteten zurückbleibend.

Das Problem mit Teil 4 ist eines, das in anderen Filmen ein Vorteil wäre: er will eine Geschichte erzählen. Während die Vorgänger beiläufig eine Geschichte erzählten, während sie die Gruselatmosphäre in den Vordergrund rückten (was nicht immer mit Erfolg gesegnet war), scheint man in „Paranormal Activity 4“ nicht mehr sonderlich interessiert daran zu sein den Zuschauer zu gruseln. Da gibt es vereinzelte Momente, meist jedoch Schock- anstatt Gruselszenen, aber im Prinzip ist man viel eher daran interessiert die Fragmente der einzelnen Hintergrundideen der Vorgänger zusammenzuflicken.

Da die anklingenden Ideen der ersten drei Teile nicht völlig unsinnig wirkten, auch wenn das Bemühen eines Spukhintergrundes immer einen zu konstruierten Beigeschmack mit sich zog, ist es durchaus eine vernünftige Idee offene Fragen, die dem Stammzuschauer auf dem Herzen brennen, beantworten zu wollen. Aber mit Vernunft haben es die Verantwortlichen der dritten Fortsetzung des Originals nicht so, immerhin haben sie ein lukratives Franchise in der Hand, und das Beantworten aller Fragen würde das Ende von diesem bedeuten, zumindest im Kopf einfallsloser Autoren. Also wurde aus Teil 4 ein Wischi-Waschi-Beitrag, der zwar die Geschichte krampfhaft zu einer einheitlichen zusammenhalten will, gleichzeitig aber doch kaum Fragen beantworten will. Was bedeutet: am Ende erzählt er doch wieder nicht wirklich etwas.

Wer nach Teil 4, der immerhin recht interessant endet, noch immer glaubt ein Teil 5 würde ihn endlich aufklären, mag arg naiv sein. Dabei würde das Ende von Teil 4 durchaus eine Chance geben die Reihe mit der nächsten Fortsetzung zu Ende zu führen. Auch wenn ich das Prinzip der Found Footage-Umsetzung mag, so müsste Teil 5 meiner Meinung nach diesen Bereich verlassen, um sinnvoll zu schließen. Man müsste den Kult beleuchten, der hinter den Dämonenaktivitäten steckt. Teil 4 hat es allerdings nun so weit getrieben, dass der Standart-Zuschauer daran kein wirkliches Interesse mehr hat, im Gegensatz zum Fan der Reihe.

Der Kult-Hintergrund ist in meinen Augen eine lahme Idee. Das völlig Unbekannte hinter der ganzen Sache war Auslöser für das wohlige Grusel-Feeling des Originals. Das Wissen es mit einem Dämon anstatt mit einem Geist zu tun zu haben, sorgte für die nötige Gänsehaut. Dabei zuzusehen wie Storyfäden einer unheimlichen Kultgemeinde zusammengefügt werden, eingepackt in eine „in unserer Wohnung scheint es zu spuken“-Story die Vierte, ist nicht sonderlich erfolgreich darin ein Interesse aufrecht zu erhalten, das bereits im dritten Teil trotz passablem Ergebnisses kaum mehr vorhanden war. Was soll es bringen noch mehr über den Kult zu erfahren, wenn das Kernstück dieser Kino-Reihe, die Gruselatmosphäre, dabei auf der Strecke bleibt?

Zumindest ließ sich Teil 4 gucken ohne gelangweilt auf die Uhr zu schauen. Zudem besitzt der Film mit der sehr süß aussehenden Kathryn Newton in der Rolle der Alex einen optischen Pluspunkt. Ganz zart besaitete Persönchen werden sicher den ein oder anderen Gruselmoment erleben. Sich nach dem Gucken allein im eigenen Heim unwohl zu fühlen, ein Ergebnis das Teil 1 noch beim x-ten Sichten hervorruft, ist jedoch ein Ergebnis das „Paranormal Activity 4“ nicht zu erreichen weiß. Mehr noch: scheinbar gar nicht möchte.  OFDb

20.01.2013

CHERNOBYL DIARIES (2012)

Amerikaner auf einer Tour durch Europa nehmen an einer Extrem-Tourismus-Veranstaltung teil und besuchen den leer stehenden Ort neben dem Reaktor von Tschernobyl, bei dem es einst zum Unglück kam. Nach einigen Stunden vor Ort springt bei dem Versuch den Heimweg anzutreten das Auto nicht mehr an. Es wird Nacht, und so langsam wächst in dem abenteuerlustigen Team der Verdacht, dass sie in der radioaktiven Stadt doch nicht so allein sind wie gedacht...

Der Titanic unter den Horrorfilmen...
 
Regisseur Oren Peli feierte Jahre zuvor einen riesen Erfolg mit dem Spukfilm „Paranormal Activity“, da kam ihm die Idee Extremtouristen im Gott verlassenen Tschernobyl stranden zu lassen. Er übergab den Job der Regie Neuling Bradley Parker und produzierte lediglich seine selbst niedergeschriebene Idee. Aber eine Kameraführung, die einen glauben macht hier würde eine Semi-Doku a la „Blair Witch Project“ und Pelis eben erwähnter Kinoknüller gedreht, lässt einen die ganze Zeit spüren, dass Peli nie sehr fern ist.

Der Kamerastil macht viel am Ergebnis von „Chernobyl Diaries“ aus. Wie erwähnt guckt er sich so, als ob einer der Protagonisten alles mit einer Handkamera festhält, aber wir erleben hier einen Film aus der Sicht eines Dritten, die klassische Erzählweise seit es Kino gibt, lediglich mit einer dynamischeren Kameraführung umgesetzt. Das guckt sich recht sympathisch, da nicht so verwackelt wie der Typ Film aus dem man das kennt, und damit passt der Stil zum Rest des Streifens, der ebenfalls meine Sympathie gewinnen konnte.

Setdesigner und die Verantwortlichen für die Drehorte leisten hervorragende Arbeit. Abgedreht irgendwo in Ungarn glaubt man tatsächlich vor Ort in Tschernobyl zu sein, so trostlos leer kommen die Plattenbauten daher und so düster wirkt in der Nähe das Atomkraftwerk.

Durch den Farbfilter und der heruntergekommenen Stadt schleicht sich optisch durch die Psyche des Zuschauers immer ein Gefühl von Radioaktivität ein, und das ist nur eine dieser Grundstimmungen, die den Betrachter des Filmes mulmig werden lassen. Noch lange bevor etwas passiert ist man schon mitten eingetaucht in die dichte und unglückselig stimmende Atmosphäre eines Streifens, dessen Story manch Pseudo-Intellektuelle sicherlich aufgrund des tatsächlichen Unglücks aus den 80er Jahren und dessen Opfern verurteilen. Einen Unterhaltungsfilm auf derartige Schicksale aufzubauen halte ich persönlich für legitim, zumal das Kino seit seiner Entstehung, wie man am Beispiel der vielen Verfilmungen von „Titanic“ sehen kann, immer wieder auf derartige Themen zurückgreift.

Was hier einst geschah ist perfekte Grundlage für einen Horrorfilm, und Neuling Parker weiß die Spannungsfäden immer in der Hand zu halten. Nie bricht sie ab, die unangenehme Atmosphäre, die mich selbst beim ersten Sichten um 1 Uhr nachts nie losgelassen hat. Für einen Debütanten ist das Ergebnis schon beeindruckend. Einen Film auf diese Art aufbauen, das können viele. Aber oft wenn der eigentliche Horror anfängt, beginnen solche Werke zu schwächeln. „Chernobyl Diaries“ ist da anders, auch wenn man eingestehen muss, dass das letzte Drittel, in welchem die Post abgeht, im direkten Vergleich schwächer ist.

Und nein, was hat es die erste Stunde in sich, wenn sich aus den unangenehmen Standard-Teenies der US-Horrorfilmwelt so langsam Persönlichkeiten herauskristallisieren, mit denen man mitfiebern kann, noch lange bevor etwas geschieht. Allein die böse Ahnung schwebt in der Luft, immer wieder bestätigt durch kleine Momente wie der Vertuschung der Feuerstelle vom Reiseleiter aus in einer der verlassenen Wohnungen.

Seine stärksten Momente hat „Chernobyl Diaries“ immer dann, wenn er sich dem Tier-Horror zuwendet. Inmitten der Einöde auf streunende Hunde zu treffen weiß einem den Atem zu stocken. Und auch wenn die für den Zuschauer noch unsichtbaren Verfolger thematisiert werden liegt Hochspannung in der Luft, zumal man als äußerer Betrachter auch immer die Frage nach der Radioaktivität in der Luft und ihre Auswirkung im Hinterkopf hat. Dementsprechend wirksam kommt ein simpler Sturz einer Frau in ein Gewässer daher. Sofort ist er da, der Gedanke der Verseuchung. Ob er nun Sinn macht oder nicht, packend ist das alle Male.

Meiner Meinung nach wäre Parker ein gelungeneres Stück Film geglückt, wenn man die Thematik eines „Hügel der blutigen Augen“ außer Acht gelassen hätte und die Bedrohung die Radioaktivität sowie streunende Hunde oder vielleicht noch eine handvoll heimatloser Gammler hätte sein lassen, anstatt mit der tatsächlichen Hauptthematik zu arbeiten, die ganz deutlich auch ihre Reize besitzt, inklusive eines kaum angedeuteten Sub-Plots einer Verschwörungstheorie, aber nicht wirklich hätte sein müssen.

Die Teens durch ein trostloses Stück radioaktives Land stampfen zu lassen mit zu wenig Munition, nur einem Menschen welcher der Landessprache mächtig ist, und dem eigentlichen Verbot überhaupt vor Ort sein zu dürfen, hätte in Kombination mit der Hundemeute für mich durchaus gereicht um einen geglückten Film abzuliefern. Orientierungslos laufend durch die Nacht in der Hoffnung lebend die Grenze zu erreichen, das hätte Potential gehabt als lupenreiner Thriller ohne tatsächliche Horror-Elemente zu wirken. Ähnliches dachte ich mir einst bei „The Descent“, und hier wie da ist die unnötige unheimliche Alternative auch nicht von schlechten Eltern, also was soll‘s.

„Chernobyl Diaries“ sollte man sich auf jeden Fall nicht entgehen lassen, ist er doch trotz seines eher einfallslosen letzten Drittels ein spannender hochatmosphärischer Gruselfilm, der durch zu viel Aktion und Hektik im Finale leider zum eher ungruseligen Horrorfilm umschwenkt, dort auf seine Art aber auch noch zu gefallen weiß. Der Schluss hätte meiner Meinung nach etwas individueller ausfallen können, aber konsequente Alternativen gibt es da nur sehr wenige. Von meiner Seite aus gibt es trotz der vorhandenen Schwächen auf jedem Fall eine Empfehlung. Ohne Erwartungen herangegangen und derart überrascht werden, das gibt es im Cineastenleben nicht so oft wie man es gerne hätte und im Mainstream-Bereich, zu dem „Chernobyl Diaries“ ganz deutlich zählt, noch weniger. Dass der Film auch bei einer Zweitsichtung funktioniert, davon habe ich mich bereits persönlich überzeugt. Also auch hier: grünes Licht!  OFDb

08.12.2012

PARANORMAL ACTIVITY (2007)

Micah hat sich eine Kamera organisiert, um Spuk zu erforschen. Seine Freundin Katie erlebt paranormale Erlebnisse seit sie 8 Jahre alt ist, Micah hat davon noch nichts mitbekommen und möchte Beweise sammeln. Nachts beim schlafen filmt die Kamera Geräusche und eine fremdbewegte Tür. Ein herbeigerufener Geisterforscher verweist auf einen Kollegen, da die Taten dämonischer und nicht geistiger Herkunft seien. Während Katie den Ball flach halten möchte, provoziert Micah die Erscheinung, um bessere Aufnahmen zu erhaschen. Es funktioniert, der Dämon wird immer wütender...

Der unsichtbare Dritte...
 
In der Presse ist häufig der Vergleich zu „Blair Witch Project“ zu lesen, und dass eine ähnliche Angst in den Kinoreihen herrschte wie dort. Nach meinem Gang ins Kino kann ich diese Aussage bestätigen. Zwar war der Gruseleffekt dort nicht so stark ausgeprägt wie im besagten Hexenhorror, aber er war da und lehrte einem phasenweise das Fürchten. Aufgrund der Amateurkamera und ihrer Position in der Geschichte als eine Art ergänzender Hauptfigur ist der Vergleich zu „Blair Witch Project“ legitim, und wenn man ihn daheim sichtet, kann die Gruselwirkung auch eher übergreifen als mit vielen Menschen vereint im Kino. Selbst eine zweite und dritte Sichtung fielen für mich dort weit unheimlicher aus als bei meiner Erstsichtung auf der großen Leinwand.

Der Anfang bietet zunächst für manch einen Leerlauf, mir hat der Einstieg jedoch zugesagt, findet man doch schnell Zugang zu den natürlich wirkenden zwei Hauptfiguren und kann ihrem Treiben im Alltag folgen, interessant gehalten durch den zunächst schlicht gehaltenen Spuk. Zudem wird das Mitfilmen, auch im späteren Verlauf, nie unlogisch und leidet nie unter Erklärungsnot. Gerade da weisen selbst geglückte Werke wie „Cloverfield“ einen Schwachpunkt auf. Auch der inhaltliche Kniff, dass hier nicht von einem Pärchen erzählt wird, das jüngst Spuk erlebte, sondern von einer Frau zu erzählen, der solche Erscheinungen nicht neu sind, werten die Geschichte auf. Für ihren Lebensgefährten Micah hingegen ist das alles recht neu. Die Partnerschaft besteht seit 3 Jahren, von Spuk bekam der gute Mann bislang noch nichts mit, und im Gegensatz zu Katie fehlt ihm aufgrund der mangelnden Erfahrung auch der Respekt vor den paranormalen Ereignissen.

Genau diese Rezeptur ist es, die einem ein unwohliges Gefühl beschert, noch bevor sich die Situation hochschaukelt. Micah könnte man ohrfeigen, so sehr wie er die Spuksteigerung provoziert, gleichzeitig wirkt seine Charakterzeichnung jedoch nie übertrieben dargestellt. Im Gegensatz zum Kinozuschauer lebt er in der Realität und nicht wissendlich in einem Horrorfilm. Bei klarem Verstand würde manch einer sicherlich ebenso handeln wie Micah. Um das Gruselgefühl noch ein wenig weiter auszureizen, ist die Komponente es hier nicht mit einem Geist, sondern mit einem Dämon zu tun zu haben, ebenfalls eine kleine Wunderwaffe. Der Gedanke ein solches Wesen im Haus zu haben ist unangenehmer, und dank Katies Vorerfahrungen weiß man, dass ein Ortswechsel nicht zur Lösung werden kann.

Stilistisch kann man auch ein Lob aussprechen. Durch Filme wie „Diary Of The Dead“ und „Zombie Diarys“ ist es modern geworden, den „Blair Witch“-Dokustil mit üblichen Sehgewohnheiten zu mixen. Am deutlichsten wird dies durch die dort angewandte Fremdmusik-Untermalung. „Paranormal Activity“ geht wieder den glaubwürdigen und gruseligeren Weg, und lässt dank Auslassen von Musikuntermalung und Verzicht auf gekünstelte Zusatzbeleuchtung, sein Gezeigtes wieder authentisch wirken. Für den Gruseleffekt ist das ebenso wichtig wie für den Aufbau einer Gruselatmosphäre an sich.

Zunächst dachte ich beim ersten Sichten das Bildvorspulen in der Nacht wäre ein schlecht gewählter Erzählstil, eben weil man nach dem Stoppen nun vorbereitet ist, dass genau nun etwas passieren wird, aber Peli nutzt diese Methode gekonnt. Fühlt man sich in den ersten Szenen dieser Art bestätigt, wenn auch mit funktionierender Gruselwirkung, so sind spätere genauso angewandte Szenen tatsächlich unheimlich ausgefallen, gerade dann wenn Katie Stunden lang vor Micahs Bettseite steht. Auch das Spukverhalten des Dämons habe ich zunächst als zu sprunghaft empfunden, so als könne jederzeit alles geschehen. Hier benötigte ich gar erst eine zweite Sichtung um zu erkennen, dass die Vorgehensweise der unsichtbaren Kreatur tatsächlich einem Muster folgt, auch an den Kräften des Wesens scheinbar orientiert.

"Paranormal Activity" lebt vom weniger ist mehr-Prinzip, bietet nicht pausenlos Spezialeffekte oder anderweitige Quantitäten, und letztendlich betrifft dies auch den Gruselfaktor. Wer sich nicht mehr in seine kindlichen Ängste vor Dunkelheit und Spuk hinein finden kann, der wird sich auch nicht gruseln können, arbeitet Peli doch mit simplen Methoden, wie er es im 90er Jahre Hexen-Horror dieser Art gelernt hat. Der Streifen ist für ein sensibles Publikum inszeniert, welches aufgrund vorhandener Ur-Ängste noch auf solche reagieren kann. Mancher Horror-Stammzuschauer benötigt harte Kost, aber selbst unter diesem Publikum gibt es Menschen, die zurückgeschraubt auf den elementarsten Grusel ängstlich auf solch stimmiges Treiben reagieren. Andere belächeln solche Filme, sie können diese authentische Furcht nicht nachvollziehen.

„Paranormal Activity“ ist ein stimmiger Grusler, der nicht nur mit tatsächlichen Ereignissen zu fürchten weiß. Oft ist es der Gedanke dessen was nun passieren könnte, bzw. dass nun etwas passieren könnte der Motor, der den Film funktionieren lässt. Mal passiert dann doch nichts, ein anderes Mal erwicht uns Peli, indem er doch einen Schocker präsentiert. „Paranormal Activity“ ist definitiv eine Empfehlung wert. Auf das Gruselniveau eines „Bis das Blut gefriert“ und „The Grudge – Der Fluch“ schafft er es locker und gehört somit zu den gruseligsten Filmen, auch bei der x-ten Neusichtung, die ich je sehen durfte.  OFDb

14.08.2012

PARANORMAL ACTIVITY 2 (2010)

Eine Familie zieht in eine Villa, von welcher die Haushälterin behauptet, sie wäre von einem bösen Geist bewohnt. Als sie deshalb mit weißem Zauber gegen hält, wird sie kurzerhand von Familienvater Dan entlassen. Ein Fehler...

Viele anstatt wenig, laut anstatt leise...
 
Als seinerzeit „The Blair Witch Project“ fortgesetzt wurde, verdrehte ich die Augen und dachte mir: „Muss denn wirklich alles fortgesetzt werden?“ Eine Weiterführung dieses Filmes machte in meinen Augen keinen Sinn. „Blair Witch 2“ hat mich schließlich eines besseren belehrt. Der war zwar allgemein unbeliebt, aber ein interessantes Sequel seines besseren Vorgängers. Dementsprechend offen habe ich mich auf die Fortsetzung von „Paranormal Activity“ eingelassen. Dem fehlte ohnehin der Pionierstatus von „Blair Witch Project“, dennoch gingen hohe Erwartungen voraus, so immens wie es Teil 1 schaffte zu gruseln.

Nachdem ich gelesen hatte worum es gehen soll, habe ich auch nicht ernsthaft eine direkte Fortsetzung erwartet. Aber „Paranormal Activity 2“ hat eng mit Teil 1 zu tun, bildet inhaltlich jedoch eine Vorgeschichte zum Vorgänger, so dass uns auch hin und wieder die zwei bekannten Gesichter des Erstlings begegnen, wenn auch nur durch Gastauftritte.

In völliger Missachtung der Geschehnisse aus Teil 1 wissen die Übergänge zum ersten Film sogar zu faszinieren. Aber dass dies allein nur unter solcher Voraussetzung funktioniert, zeigt bereits, dass eine Fortsetzung wohl sinnvoller gewesen wäre. Diese Ungereimtheiten zu Teil 1 zeigen sich jedoch erst mit der Zeit, meist gegen Ende, so dass ein sonstiges positives Ergebnis gegen diesen Wermutstropfen halten könnte. Aber leider muss ich verkünden, dass Regisseur Tod Williams, der in seiner 12jährgen Tätigkeit als Regisseur bislang nur drei Filme geschaffen hat und deshalb nicht zu den Schnellschuss-Vieldrehern gehört, so ziemlich alles falsch gemacht hat, was es falsch zu machen gibt.

Beginnen wir mit dem endscheidendsten Element: die uns präsentierten Figuren sind nur leere Hüllen. Man lernt sie weder kennen, noch agieren sie glaubhaft untereinander. Die Figurenkonstellation wirkt nicht wie eine echte Familie, für das Sub-Genre der Pseudo-Doku müsste sie dies jedoch. Es fallen seelenlose Sätze, die immer auf Inhalt und Wirkung, aber nicht auf Authentizität bedacht sind. Das könnte man eventuell noch als Kritik an einer Gesellschaft verstehen, die es verlernt hat zu kommunizieren. Ich denke mal, dass es sogar trauriger Weise einige Familien wie die hier präsentierte gibt. Aber Sinn eine solche für einen Film zu wählen, der dringend eine Identifikationsfigur benötigt, macht das nicht, nicht ohne eine Figur als Sympathieträger hervorzuheben.

Anstatt eine solche präsentiert zu bekommen, wirft man uns die komplette Familie vor die Augen, die nicht nur aus inhaltslosen Stereotypen besteht, sondern auch, das Baby, Haushälterin und Gäste mitgezählt, viel zu viele an der Zahl sind. Und das ist das Problem, welches einen ungeheuren Einfluss auf das Grusel-Flair hat: man will zu viel. Anstatt einer Kamera gibt es mehrere, anstatt eines Pärchens gibt es eine Familie, anstatt eines kleinen Hauses gibt es die große Villa.

Die an ihr installierten Kameras sind nie nah genug am Geschehen dran, wie die handliche Kamera aus Teil 1. Das bemerkten auch die Filmverantwortlichen und ließen die Tochter des Hauses mit einem Camcorder weitere Aufnahmen drehen. Allerdings wird die Motivation dies zu tun nicht glaubwürdig eingebracht, was einen entscheidenden Unterschied zum Vorgänger ausmachte, der die Motivation nicht nur erwähnte, sondern zum zentralen Problem zwischen dem sonst so harmonischen Pärchen machte.

Als Durchschnitt wäre ein Film mit all diesen Problemen noch durchgekommen, wenn ansonsten die Suspense-Momente gestimmt hätten. Aber an Gruselstimmung war den Verantwortlichen der Fortsetzung scheinbar gar nicht gelegen. Und falls doch dachten sie, ruhige, beunruhigende Szenen könne man durch Aktion ersetzen. Kann man aber nicht, und so verpuffen selbst die wenigen Highlights, wie die explosionsartige paranormale Tat in der Küche, die jegliche Schränke gleichzeitig öffnen lässt. Auch ein Knalleffekt weiß nur inmitten stimmiger Atmosphäre emotional zu wirken. So wie hier inszeniert lässt er einen jedoch kalt.
 
Zwar versucht man sich auch an stillen Momenten, aber solche wissen nicht einzig dadurch zu wirken, dass man ereignislos die immergleichen Zimmer zeigt. Das mag zum Aufbau zu Beginn des Streifens noch funktionieren, aber wenn in immer gleicher Reihenfolge immer wieder die gleichen Räume gezeigt werden, in denen einfach nichts passieren will, dann ödet das irgendwann an.

Wenn nun noch die ohnehin schon unsympathische Familie damit beginnt Nichtigkeiten als Spuk zu deuten, dann wird auch endgültig der letzte psychologische Fehler begangen. Dass wir uns einen Horrorfilm ansehen, wissen wir selbstverständlich. Aber warum sollte eine Familie, die vor Ort ihren ganz gewöhnlichen Alltag lebt, bitte von paranormalen Phänomenen ausgehen, wenn beispielsweise die gusseiserne Pfanne von alleine zu Boden fällt? Lustiger Weise gibt es auch den umgekehrten Fall, in welchem der Vater, trotz frühen Beweises einer übernatürlichen Anwesenheit (das wandernde Gerät vom Pool), stur behauptet alles sei in Ordnung, obwohl sich eine gefilmte Tatsache kaum logisch erklären ließe.

Da kann man nur sagen: schade, schade! Einzig die Idee warum der Dämon in Teil 1 zuschlagen wird und wie die Familie ihr finales Schicksal erlebt, wissen zumindest ein wenig zu überzeugen. Aber wie ich bereits eingangs erwähnte: Sinn zu den Informationen, die wir in Teil 1 erhalten, macht dies nicht. Es funktioniert in seiner Glaubwürdigkeit also nur Fortsetzungs-intern. Mal sehen was uns Teil 3 bringt, der bereits in Arbeit ist. Sein Ergebnis wird darüber entscheiden, ob man trotz des schlechten Ergebnisses zu Teil 2 greifen muss oder nicht. Wäre mit der Fortsetzung Schluss gewesen, hätte ich empfohlen die Finger ganz von ihm zu lassen, auch wenn er vielerorts hochgelobt wird, warum auch immer.  OFDb

22.04.2012

PARANORMAL ACTIVITY 3 (2011)

Der Hochzeitsfotograf Dennis wohnt mit seiner Freundin und deren zwei Töchter zusammen in einem kleinen Haus. Eines der Mädchen unterhält sich des öfteren mit einem imaginären Freund. Und da Dennis ohnehin das Gefühl hat, dass dieser „Freund“ mit ungewöhnlichen Dingen zu tun hat, die im Haus passieren, platziert er im Kinderzimmer eine Videokamera. Seine Lebensgefährtin Julie ist davon zwar nicht begeistert, aber trotzdem folgen recht bald weitere Kameras, die Unglaubliches zutage fördern...
 
Zurück in die Kindheit...
 
„Paranormal Activity 2“ war nach dem gruseligen Teil 1 ein Schlag ins Gesicht. Komplett falsch angegangen und damit im Ergebnis höchst ungruselig, war dieser eine der enttäuschendsten Fortsetzungen der letzten Jahre, so dass ich mich an Teil 3 eher reserviert herangewagt habe. Dieser ist ein Prequel, über das Finden alter VHS-Bänder im Heute beginnend, und obwohl ich den Weg in die Vorerlebnisse bisheriger Teile eher nicht so gerne gucke (weshalb ich mich noch immer vor „Cold Prey 3“ drücke), muss ich doch sagen war „Paranormal Activity 3“ wieder ein Schritt in die richtige Richtung.

So unheimlich wie das Erstling ist auch diese zweite Fortsetzung nicht, aber zumindest wird es wieder gruselig, wenn auch nicht so dauerhaft wie beim großen Vorbild. Auch Teil 3 spielt großteils mit starren Kameras, was eines der Mankos von Teil 2 war. Aber diesmal werden diese besser eingesetzt und eine interessante Variante findet sich in jener Idee, in welcher eines der Geräte auf einem ehemaligen Ventilatorschwenker platziert wird. Die Bilder, die mit dieser Kamera eingefangen werden gehören zu den unheimlichsten, auch dann wenn nichts passiert.

Passieren tut diesmal wieder so einiges, und klagte ich in Teil 1 schon über ein nicht konstantes Spukgeschehen, so muss man diesmal urteilen, dass es der Dämon in Teil 3 doch gleich um einiges unsinniger angeht als jemals zuvor. Ein System innerhalb der Gruselgeschehnisse darf da suchen wer will, was jedoch nicht davon ablenkt, dass gerade die abgedrehteren Ideen jene sind, die für die stärksten Spannungs- oder Schockmomente sorgen. Ein plötzlicher Zusammenstoß mit dem unsichtbaren Wesen, ein an den Haaren ziehen aus dem Nichts, oder das unerwartete Auftauchen und Verschwinden eines Bettlakengespenstes sind alles Highlights des hier besprochenen Filmes. Wenn die Schwenkkamera plötzlich eine leere Küche aufnimmt und die Regisseure Joost und Schulman uns kurz daraufhin zeigen was mit dem Mobiliar geschah, dann ist „Paranormal Activity 3“ nicht zu toppen.

Inhaltlich wird erneut eine Brücke zu den beiden Vorgängern geschlagen. Der Spuk erfährt sogar einen genaueren Hintergrund, der wiederum nur recht kurz angesprochen wird, so dass er mehr Fragen aufwirft als beantwortet. So darf man sich jetzt schon auf einen Teil 4 freuen. Ich hoffe dennoch, dass auch dieser sich wieder mehr dem Spuk als dessen weltlichem Hintergrund widmen wird, auch wenn mich auf der anderen Seite eine genauere Auflösung der Ereignisse reizen würde. So oder so bietet der neue Blick auf die Geschehnisse eine tolle Grundlage wieder nach Teil 1 anzusetzen, der bekanntlich damit endete dass der Mann tot und seine Lebenspartnerin (besessen oder nicht) auf der Flucht war. Mit einer weiteren Prequel-Fortsetzung braucht man sicherlich nicht zu rechnen. Wer möchte schon auf geräuschlose Super 8-Bänder zurückgreifen?
 
Authentisch wirkt das VHS-Material im übrigen nicht. Die alten Bänder bieten alle Hochglanzmaterial mit stechend sauberem Bild. Da würde ich von träumen in einer Realität, in welcher man nur wenige Bänder abspielen kann ohne zur Reinigungskassette greifen zu müssen. Sicherlich ist „Paranormal Activity 3“ hauptsächlich für die heutige Jugend gedreht, aber ich denke selbst der hätte man ein paar verunreinigte Streifen im Bild und eine etwas grobkörnigere Optik zumuten können, um realistischer zu wirken.

An sich gibt es an Teil 3 nichts zu meckern. Er weiß zu unterhalten und zu gruseln, womit seine zwei Hauptanliegen erreicht sind, ein Ziel das u.a. deswegen erneut erreicht wurde, weil die Menschen untereinander vertraut und glaubwürdig wirken. Das ist eine Pflicht bei diesen Pseudo-Dokus, die Teil 2 vernachlässigte.

Man verpasst sicherlich nicht viel, wenn man diesen Film nicht geguckt hat, so aufregend wie Teil 1 ist er nun wirklich nicht, aber es wird nie langweilig und höchst wahrscheinlich sollte man Teil 3 geguckt haben, um Teil 4 im Gesamten folgen zu können. In Produktion ist die dritte Fortsetzung bereits. Ich freue mich nun weit aus mehr auf eine Weiterführung, als nach Teil 2.  OFDb