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27.03.2022

POSEIDON REX (2013)

Zur Erscheinungszeit von "Poseidon Rex" war es nichts neues mehr, dass Mark L. Lester längst nicht mehr so kultiges Zeug ablieferte wie seinen "Die Klasse von 1984". Acht Jahre zuvor enttäuschte er bereits mit "Pterodactyl" und bewies, dass sein Einfluss mit seiner B-Movie-Erfahrung in einem TV-CGI-Tierhorror nicht automatisch ein verbesserter Zustand für diese Art Film sein muss. Den hier besprochenen Streifen hat er sogar gleich selbst produziert. Der ist zwar nicht, wie die meisten Produktionen dieser Art, für den Fernsehsender Sci-Fi entstanden, schaut sich aber wie ein eben solcher Streifen aus diesem Hause. Mit einem "Godzilla"-ähnlichen Riesen verwertet man die seit "Jurassic Park" ausgeschlachtete Dinosaurier-Thematik und setzt es in Sachen Drehbuch, Location und Besetzung so um wie die Fließband-Hai-Horror-Filme der 00er und 10er Jahre. Herausgekommen ist zwar kein kurzweiliges Werk, aber zumindest schaut sich diese maue Routine einen Hauch besser als die lahmen Beiträge dieser Art. 
 
Die Hauptfiguren können zumindest ansatzweise ein Minimum an Charme versprühen, Ausnahmeszenen, wie der Kampf mit dem jüngst aus einem Ei gezogenen Babydino, frischen das vorhersehbare Standardszenario ein wenig auf, und der Dino selbst ist zwar eine kostengünstige CGI-Kreatur, aber zumindest versuchte man sie ein wenig detaillierter umzusetzen. So spritzt das Wasser halbwegs glaubwürdig, wenn es aus den Tiefen des Meeres aufsteigt oder wieder abtaucht, die Haut bekam ein wenig Kontur beschert, und Mensch und Dino dürfen bei Attacken und beim Verschlingen gleichzeitig im Bild sein, wenn auch nicht wirklich überzeugend umgesetzt. Zumindest sind die extrem plumpen Zeiten eines "Raptor Island" vorbei, man schafft es auch auf Sparkurs mehr zu liefern, als noch neun Jahre zuvor geschehen. Es ist dennoch schade, dass man nicht versucht hat die Story zumindest ein wenig auf anderen Kurs zu erzählen, als die ewig gleiche Soße des Tier-Horrors dieser Zeit stets präsentierte. "Dinosaurus Rex" (Alternativtitel) dümpelt überraschungsfrei auf seichter See für Allesgucker vor sich hin. Aufregend sind da maximal die schönen Körper eines jeden Anwesenden vor der Kamera. Hier wird selbst die Biologin zur vollbusigen Bikini-Blondine. Wäre nicht auch dies bereits Standard bei dieser Art Film, könnte es noch den Trash-Aspekt erhöhen. Aber selbst diesbezüglich herrscht mittlerweile Gewöhnung.  OFDb

16.09.2020

DIE KLASSE VON 1999 (1990)

1982 drehte Mark L. Lester "Die Klasse von 1984" und thematisierte damit den immer roher werdenden Umgang der Jugend und wagte einen Blick in die Nahe Zukunft von Amerikas Alltag an städtischen Schulen. Realistisch fällt der Film nicht wirklich aus, ist er doch zu reißerisch angegangen, als dass man ihn all zu ernst nehmen könnte, ein gelungener Beitrag ist Lester rein unterhaltungs-technisch dennoch geglückt. Sein Nachfolger "Die Klasse von 1999" (den man nicht mit dem Drama "Die Klasse von '99" verwechseln sollte) versucht gar nicht mehr das Thema ernsthaft anzugehen. Das Buch baut auf einer völlig übertriebenen, realitätsfernen Spinnerei auf und gibt sich gar nicht erst die Mühe Ungereimtheiten auszubügeln. So unsinnig das Ganze auch völlig freiwillig, dem äußeren Schauwerten wegen, ausgefallen ist, die Nicht-Wirklich-Fortsetzung des acht Jahre zuvor entstandenen Streifens macht unglaublich viel Spaß. Auch wenn wer anders das Drehbuch verfasst hat, die Idee zu dieser hanebüchenen Geschichte stammt von Lester selbst, der den Science Fiction-Actioner auch gleich mit produziert hat.

Viel Geld stand nicht zur Verfügung, und das was man hatte wurde in ein paar Karacho-Momente gesteckt, in herrlich billig, aber sympathisch anzusehende Cyborg-Effekte investiert (die Großteils erst im Finale auf den Zuschauer warten) und in die prominenten (Neben)Besetzungen mit Pam Grier und Malcolm McDowell. Stacy Keach war kurzfristig durch die Serie "Mike Hammer" ebenfalls semi-berühmt, mag sein dass auch er als Prominenter eingekauft wurde. Nötig hätte man diese Gesichter nicht zwingend gehabt, ist die Geschichte zusammen mit der recht simplen, aber effektiv ausgewählten Besetzung ein Selbstläufer für den Freund anspruchsloser Actionkost. Das garantiert Lesters kompromisslose, flotte und wuchtige Umsetzung, bei der man nie ganz weiß was unfreiwillig komisch ist und augenzwinkernd gewollt. Zur Lachnummer verkommt "Class of 1999" (Originaltitel) nie, dafür ist er zu charmant und selbstironisch umgesetzt. Allein dass sich die Lehrer in ihrer Militär-strategischen Intrige gegen Ende dadurch verraten, dass sich die Gangs nachts in der Schule gegenseitig zum Duell treffen sollen, obwohl keines der Kids freiwillig in seiner Freizeit das Gelände betreten würde, zeigt schon wie herrlich leichtfüßig die Parodie auf gesellschaftspolitisch kritische Werke daher kommt, der übertriebene Härtegrad der Jugendlichen und der Cyborgs spricht ebenfalls für sich selbst. Am schönsten fallen stets jene Momente aus, in denen beides gleichzeitig aufeinander stößt, so z.B. bei einem Einblick in die Disco der Zukunft, in welcher wir Gangs während des Tanzens mit Maschinengewehren herum feuern sehen.

"Die Klasse von 1999", der vier Jahre später mit "Class of 1999 2" eine tatsächliche inhaltliche Weitererzählung des hier Erlebten beschert wurde (welche man trotzdem als Mogelpackung bezeichnen kann), ist fortwährend flott und interessant erzählt und zieht seine Stärken aus seiner konsequent stumpfen Umsetzung, sowohl im herrlich dämlichen, als auch im effektiven Sinne, so völlig ohne Umschweife, wie hier alles erzählt ist. Nie bremst sich die Geschichte aus, nie sieht man sich an irgend etwas satt, stets geht es interessant genug weiter ohne auf der Stelle zu treten, immer werden dem Zuschauer augenzwinkernde optische Gimmicks beschert, wie z.B. den Banane essenden Forschungsleiter. Eine zur Filmmentalität passend gewählte Hauptrollenbesetzung und drei herrlich mit anzusehende Mimen in den Rollen der Erziehungsroboter sorgen dafür, dass auch alles Film-intern glaubwürdig genug herüber gebracht wird. Lediglich der völlig unsinnig gesetzte Schnitt, durch welchen wir nicht erfahren wie es die Hauptrolle lebend aus der Disco seiner eigenen ehemaligen Gang geschafft hat, ist jene Art Patzer, die dem Gesamtwerk keinen Mehrwert beschert, sondern stattdessen Irritation. Mit jeder anderen Unsinnigkeit kann man sich bei solch hohem Unterhaltungswert jedoch bestens arrangieren, meist geht beides ohnehin Hand in Hand vonstatten.  OFDb

05.07.2020

DER FEUERTEUFEL (1984)

"Der Feuerteufel" gehörte in der ersten, längeren Phase der Stephen King-Verfilmungen zu den weniger beliebten Beiträgen, ist er doch nicht so dynamisch ausgefallen, wie die meisten anderen Buchumsetzungen des beliebten Horror-Autors. Ganz im Gegenteil kommt der Streifen zunächst etwas zäh erzählt daher und verwendet Rückblicke, wo eine zeitlich klassisch angeordnete Vorgeschichte die bessere Wahl gewesen wäre. Der Film wirkt in seiner zu monotonen und dramaturgisch unterkühlten Art etwas zu hölzern inszeniert. David Keith, der wie ein magerer Kurt Russell-Abklatsch aussieht, wirkt in seinem passablen Spiel zu bemüht und versteift. Und die kleine Drew Barrymore ist eher niedlich, als dass sie schauspielerisch beeindrucken würde. Beide spielen gerade so, dass es dem Film nicht vollends schadet, zumindest passt diese Routine zur durchschnittlichem Umsetzung von "Die Klasse von 1984"-Regisseur Mark L. Lester. Da sich der Grundton des Streifens jedoch eher dem trockenen 70er Jahre-Stil, anstatt dem poppigen 80er Jahre-Stil, zuwendet, ist er zumindest in einem erwachsenen und bedrohlichen Ton erzählt, was das theoretisch etwas arg plumpe Geschehen reifer wirken lässt, als es tatsächlich ist.

Deutlich besser wird "Firestarter" (Originaltitel) zur zweiten Hälfte, wenn die Geschichte durch die Gefangennahme beider und den Experimenten, die an ihnen durchgeführt werden, interessanter wird. Je mehr es Richtung Finale geht, desto mehr bekommen die Verantwortlichen der Spezialeffekte zu tun. Und glücklicher Weise geht diese Entwicklung Hand in Hand mit einem Szenario, für das man sich endlich wirklich interessiert. In der letzten halben Stunde wird "Der Feuerteufel", der 2002 eine Fortsetzung beschert bekommen hat, dramatischer, bösartiger, spannender und wuchtiger. Vielleicht ist die Schluss-Sequenz vor dem Abspann etwas zu optimistisch ausgefallen, andererseits hatte man damals ein anderes Verhältnis zu dem dort eingebundenen Medium. Und für das älterer Farmer-Paar, das sich immer schon eine Tochter wünschte, freut man sich, umgeht der Regisseur, der für seinen harten und direkten Ton bekannt ist, doch glücklicher Weise hierbei so gut wie möglich den Kitschbereich. Ein Action-reiches Finale, das an Sehwert nichts zu wünschen übrig lässt, lässt einen ohnehin milder mit diesem Schluss umgehen. Auch der Mangel an psychologischem Einfühlungsvermögen, der im kompletten Drehbuch spürbar ist, hilft dabei den Schluss nicht all zu kritisch zu sehen. Dass der Stoff eine deutliche Nähe zu "Carrie - Des Satans jüngste Tochter" aufweist, gerade gegen Ende, kann man wohl eher der Buchvorlage vorwerfen, anstatt dem Film. Aber es ist verständlich, dass man nach Jahren des großen Erfolges von Brian De Palma an diesen anschließen wollte.  OFDb

15.11.2017

ZWEI UNTER VOLLDAMPF (1986)

So richtig wusste man in der Mitte der 80er Jahre noch nicht wie man den talentierten Komiker John Candy in den Kinobereich einbinden könnte. Eine alleinige Hauptrolle traute man ihm nicht zu, meist durfte er Randfiguren verkörpern wie in „Alles hört auf mein Kommando“ oder in „Zum Teufel mit den Kohlen“. Wenn er dann mal eine Haupfigur mimen durfte, dann stets im Partnergewand, wie in „Ein Ticket für zwei“ mit Steve Martin an der Seite, oder wie in dem hier besprochenen, weit weniger bekannten „Zwei unter Volldampf“, in dem er Eugene Levy zur Seite gestellt bekommt, der hierzulande erst spät durch die Rolle des Vaters in der „American Pie“-Reihe berühmt werden sollte.

Beide machen nicht gerade den Eindruck die Idealbesetzung für eine Buddy-Actionkomödie zu sein, und tatsächlich wirken sie in den härteren Szenen wie die Waschlappen-Variante von „Lethal Weapon“. Allerdings kommt es „Zwei unter Volldampf“ zu Gute, dass trotz der Regie Mark L. Lesters, der eher für harte Stoffe wie „Die Klasse von 1984“ steht, der Komödienfaktor weit mehr in den Fokus rückte als der Bereich der Action, was die Mitarbeit von Harold Ramis am Drehbuch verdeutlicht, der in den 80er Jahren für so manchen Komödienerfolg zuständig war. Lesters Film konzentriert sich auf das Losersein seiner beiden Hauptfiguren und fährt damit, gerade mit Blick auf die Ausbildung zum Sicherheitsbeamten und der damit verbundenen trotteligen Gruppe Mitauszubildenden, im Fahrwasser der zur Entstehungszeit erfolgreich laufenden „Police Academy“-Welle mit.

Candys Figur wirkt ein wenig unausgegoren, womit ich auf die Einleitung dieses Artikels zurückkomme. In der ersten Szene ist er ein Feigling ohne Selbstbewusstsein, im Rest des Filmes ist er der zwielichtige, aber mit dem Herz am rechten Fleck agierende, Sprücheklopfer, der für einen erfolgreichen Einsatz alles geben würde, selbst wenn er dafür, wie die LKW-Szene im Stau verdeutlicht, mehr Leben riskiert als es zu retten gilt. Hin und wieder darf Candy etwas zotiger agieren, z.B. wenn er als dicke Tunte getarnt herumschwulen darf. Meist aber bleibt er der unnütz wirkende Angeber, der schlechte Umgang der Rolle Eugene Levys, wie die Rolle Meg Ryans an einer Stelle des Films zu früh anmerkt, lange bevor der Charakter Candys tatsächlich so wirkt wie er abgestempelt wird. Der gutmütige Trottel, die Paraderolle Candys, bleibt diesmal fast gänzlich zu Hause, was zur Abwechslung aber auch einmal okay ist.

Eugene Levy bleibt überraschend blass, obwohl er doch schon lange vor „American Pie“, z.B. in seiner kleinen Rolle in „Ein Geschenk des Himmels“, beweisen durfte wie lustig er sein kann. Tatsächlich mimt er hier nur den Ängstlichen, der vom Sprücheklopfer stets zu Heldentaten verführt werden muss, auch wenn diese, mit ehrlichem Blick auf das Ablenkungsmanöver der vielen chaotischen Füllszenen, recht rar gesät sind und selbst im Finale, wenn er über sich hinaus wächst, noch immer nicht ganz überzeugen wollen. Meg Ryan ist hier eigentlich nur unnötiger Anhang. Aufgrund ihrer wenigen Szenen und der vergessenen Vertiefung ihres Charakters versteht man nie so ganz, warum sie irgendwann anfängt den beiden Unglücksraben zu helfen. Und selbst wenn sie dies tut, erlangt ihre Rolle nie eine wirkliche Bedeutung. In „Die Reise ins Ich“ durfte sie kurz darauf bei ähnlicher Rollenposition weit mehr Einfluss auf eine Handlung nehmen als hier noch.

Wenn man nun noch bedenkt dass die Actionszenen in ihrer Extreme nicht wirklich mit der Leichtigkeit der Restszenen harmonieren und der billige, austauschbare 80er Jahre-Soundtrack endgültig die härteren Szenen nur routiniert umgesetzt erscheinen lässt, darf man sich schon wundern, dass „Armed and Dangerous“ (Originaltitel) eigentlich ein recht sympathischer, wenn auch austauschbarer und nicht lange im Gedächtnis heften bleibender, Film ist, der gerade in der ersten Hälfte mit manch schlichter, aber humorvollen Idee zu punkten weiß. Glücklicher Weise macht bereits die Einstiegsszene mit der Katze auf dem Baum recht deutlich was man vom Restfilm zu erwarten hat. Man sichtet dort einen lustigen Candy in einer Szene, aus der man in einer guten Komödie weit mehr geerntet hätte. Es reicht um simpel zu unterhalten, aber eben nicht für eine wahre Empfehlung. In schwächeren Szenen zuckt man mit den Achseln, in besseren grinst man vor sich hin, trotz aller Einfältigkeit und dem Fehlen wahrer zum Lachen einladender Pointensetzung.

Mark L. Lester inszeniert das unbeholfene Stück Action-Komödie recht solide, lässt die Klischees und Stereotype für sich selber wirken und lässt mittendrin die Sprüche klopfende Naturgewalt John Candy auf das Szenario los, in der Deutschfassung ein wenig gewöhnungsbedürftig synchronisiert, aber das passt ja recht gut zur ungewöhnlich ausgefallenen Rolle des kanadischen Komikers, der sonst eher die sympathische Art Loser-Typ mimen durfte. Zwar fragt man sich hinterher bei so viel dünner Luft warum „Zwei unter Volldampf“ trotz dem Fehlen großer Ideen und Gags und trotz seiner enorm klingenden Makel so unterhaltsam zu schauen war, aber das war er nun einmal, warum sollte ich es ihm nun abstreiten, nur weil theoretisch alles dagegen spricht?  OFDb

03.09.2017

DIE KLASSE VON 1984 (1982)

Um das Verrohen der Jugend wurde sich schon mindestens seit der 50er Jahre im Medium Film Gedanken gemacht. Dass es ganze Schulen treffen kann, war 1982 aber noch ein recht neuer Gedanke und damit vorausschauend mit Blick auf die Ghettoschulen, die gerade in 90er Jahre-Filmen zu diesem Thema ins Visier geraten sollten. Mark L. Lester nutzt die Thematik für einen Reißer. Manch einer mag den Tiefgang vermissen, die glaubwürdige gesellschaftskritische Aussage, die analytische Frage nach dem Warum, die Sensibilität mit solch einem schwierigen Thema umzugehen. „Die Klasse von 1984“ ist ein Thriller, der sich einzig auf die Konfrontation Lehrer und Schüler konzentriert, auf das Eskalieren der Situation, auf die äußeren Schauwerte. Aber will man den Streifen fair beurteilen, muss man auch bedenken, dass der Film nichts anderes sein will. Im Gegensatz zu einem „Dangerous Minds“ ist er somit nicht heuchlerisch ausgefallen, und das erspart ihm im Vergleich zu diesem manche Peinlichkeiten.

Da die Zeit nicht unübersehbar an „Class of 1984“ (Originaltitel) vorbeigezogen ist und der Film schon zu seiner Zeit kein Werk mit Tiefgang war, haben sich trotzdem manche Lächerlichkeiten eingeschlichen. Die Beleidigungen der Teens wirken viel zu kindlisch, Subkulturen wie die Punk- und Gothicszene werden hier noch als Buhmann verkauft. Aber diese Schwachpunkte nagen kaum am Gesamtwerk, erst recht wenn man es sich im etwas weniger reißerisch ausgefallenen Originalton zu Gemüte führt. Trotz fehlendem Tiefgangs ist Lester immerhin ein unglaublich packender Film gelungen, der dank der sehr zugänglichen Figur des Mr. Norris den Zuschauer nicht außen vor lässt.

Auch Norris hat seine Schattenseiten, tut Dinge die sich für einen Pädagogen nicht gehören, aber in einem Film der brutalen Schauwerte kann man Norris Taten zumindest emotional mitempfinden. Man versteht warum sein inneres Gleichgewicht aus den Fugen gerät. Und das diesbezüglich oftmals zu übertrieben ausgefallene Finale ist derart düster mit hohem Spannungsbogen nah am Horrorfilm-Stil orientiert, dass man dort längst die Spielfilmmentalität akzeptiert hat und den Realismus längst nicht mehr vermisst. Das Finale ist Nervenkitzel pur, hervorragend inszeniert und der Leckerbissen eines Streifens, der sich ohnehin sehen lassen kann.

Wer Hauptdarsteller Perry King nur aus „Trio mit vier Fäusten“ kennt, wird sich wundern wie vielschichtig sein Spiel ausfällt und wie gut sein Talent tatsächlich geartet ist. Ihm zur Seite stehen die stets gern gesehenen Stars Roddy McDowall, der es auch hier nicht lassen kann manches mal mimisch überzuagieren (aber genau darum mag man ihn doch eigentlich) und der am Anfang seiner Karriere stehende Michael J. Fox, hier noch ohne J., der in seiner zu klein geratenen Rolle aber noch nicht beweisen darf zu was er fähig ist. Dass der Gegenpart der Jugendgang viel zu alt besetzt wurde, ist man aus amerikanischen Filmen gewohnt, besitzt in „Guerrilla High“ (Alternativtitel) aber den Vorteil körperlicher Überlegenheit gegenüber Mr. Norris, so dass seine aussichtslos scheinende Position hierdurch noch verstärkt wird.

Mark L. Lester dreht die Gewaltschraube mit fortschreitender Laufzeit immer höher, verliert darüber hinaus aber nicht den emotionalen Aspekt der Geschichte aus den Augen, der weit mehr Einfluß auf den Action und Thrill orientierten Film ausmacht, als die meisten Anhänger des Streifens wohl zugeben würden. Das verschenkte Talent Stegmans, die Attacke auf Arthur, der komplette Terry Corrigan-Charakter und nicht zuletzt das was Norris Frau vor dem Finale angetan wird sorgen für Empathie beim Zuschauer, wissen zu bedrücken und vereinfachen damit freilich fast schon manipulativ den Zugang zu Norris‘ Racheakt als eine Art emotionale Befreiung.

Intellektuell ist „Die Klasse von 1984“ zu keinem Zeitpunkt ausgefallen, und pseudo-intellektuelle Zuschauer werden ihm genau dies ankreiden. Dass die Stärken woanders zu suchen sind, übersehen solche Gestalten gerne und glauben ein Film wie dieser würde lediglich den Voyeurismus nach Gewalt und Nacktheit fröhnen. Hierbei wird gerne übersehen, dass zumindest das Zusammenspiel von Ursache und Wirkung, von einigen Übertreibungen abgesehen, die aber zu solch einer Art Film dazugehören, glaubwürdig ausgefallen ist und großteils psychologisch stimmig angegangen wurde.

Winzige analytische Ansätze und das Verständnis für die einzelnen Figuren zeigen zudem, dass Lesters Werk keineswegs dümmlich ausgefallen ist. Man verweigert sich lediglich dem Tiefgang. Freilich muss man ein guter und vorurteilsfreier Beobachter sein um dies zu bemerken, aber sowohl den Fans als auch den Gegnern des Streifens ist dies eigentlich egal. Die lieben und hassen den Film meist aufgrund seiner ausgearteten Situationen, anstatt für die Treffsicherheit, mit der Lester jenseits wahren Bahnhofskino-Feelings ein solch bedrückendes Szenario fast einzig durch das Verwenden von Klischees kreiert.  OFDb