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03.08.2023

MORD IN DER RUE MORGUE (1986)

Die dritte Verfilmung einer Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe ("Mord in der Rue Morgue" von 1971 war als angeblich dritte Version lediglich eine Täuschung) ist die bislang Vorlagen-getreueste und präsentiert den Stoff erstmals rein im Kriminalfilm-Gewandt ohne Horroreinfluss. Leider ist der US-amerikanische TV-Film aber auch sehr nüchtern inszeniert und plätschert eher träge daher, anstatt Interesse für die Materie zu wecken. Eingeweihte des Stoffes bekommen kaum Zusatzreize geboten, Unwissende werden von der Auflösung erschlagen und diese auf solche Art sicherlich als unbefriedigend und an den Haaren herbei gezogen empfinden, könnte ich mir vorstellen. Das eigentliche Problem des Streifens ist jedoch seine verkrampfte Art. Selbst der auf locker getrimmte, zwangspensionierte Ermittler kommt arg bieder daher, Val Kilmer darf lediglich sein hübscher Stichwortgeber sein und ist unterfordert. Zwar ist man in dieser kostengünstigen Umsetzung erfolgreich im Einfangen einer vergangenen Zeitepoche, handwerklich macht "The Murders in the Rue Morgue" (Originaltitel) einen anständigen Eindruck, aber das Langziehen einer für einen Kurzfilm geeigneten Geschichte sticht doch deutlich hervor. Zum ausschlaggebenden Mord kommt es erst nach einem Drittel Laufzeit, und ein halbherzig angegangener Sub-Plot um Betrug und Sehnsucht erfährt nicht einmal durch die Festnahme des Fremdgängers mehr Elan, zumal dieser Rahmenstoff immer leicht moralinsauer anmutet. Und der Täter am Schluss, der für Nichtkenner der Materie hier nicht verraten wird, weiß trotz Verzichtes auf künstliche Tricks wenig zu überzeugen. "Mord in der Rue Morgue" kann man sich mal geben, ist aber eher theoretisch interessant, anstatt packend, tragisch oder zumindest spannend erzählt zu sein. Der augenwinkernde Ton zwischen den beiden Ermittlern lockert die Atmosphäre ein wenig auf. Doch die zwischenmenschlichen Aspekte lassen einen meist kalt, und dies obwohl das Drehbuch genau auf diese baut. Den Darstellern kann man keinen Vorwurf machen, die sind gut gewählt und tragen die müde Umsetzung zumindest tapfer für ein neugieriges Publikum über die Ziellinie.  OFDb

23.07.2023

DER WÜRGER VON PARIS (1954)

Die zweite Verfilmung von Poes Kurzgeschichte "Der Doppelmord in der Rue Morgue" ist etwas besser ausgefallen, als der magere "Das Geheimnis des Dr. Mirakel" aus dem Jahr 1932. Zwar interpretiert er die Geschichte noch immer um, baut jedoch mehr Elemente aus dieser mit ein, so z.B. den Nagel am Fensterrahmen. Wieder darf der Affe als Werkzeug eines irren Forschers herhalten, und im Gegensatz zu dem was im klassischen Horrorfilm üblich ist, wird der Wahnsinnige uns nicht von Beginn an als Schurke vorgeführt. Ganz im Gegenteil erleben wir ihn zunächst gut getarnt freundlich präsentiert, bevor sich in einem für das finale Opfer bedrohlichen Szenario sein wahres Ich offenbart. Dies kann man aufgrund des Einbringens zur Konditionierungs-Thematik sicherlich zuvor vermuten, offensichtlich für das Publikum von einst wird es jedoch nicht gewesen sein. Es ist das Konditionieren, welches den einzig tatsächlich etwas lächerlich anmutenden Schwachpunkt dieser Version darstellt, sind die dämlichen Klingelchen-Armbänder doch derart nervig, dass man sich kaum vorstellen kann, dass Frauen diese freiwillig längere Zeit getragen haben. Zwar lassen sie sich nicht öffnen, wie ein Teil des teuflischen Plans des diabolischen Wissenschaftlers beinhaltet, wir erleben jedoch nie, dass eine Frau von dem ewig klingelnden Schmuck genervt wäre, geschweige denn dass eine zumindest versucht dieses Armband abzulegen. Ansonsten ist "Phantom of the Rue Morgue" (Originaltitel) ordentlich inszeniert, gerade für Nichtkenner der Geschichte rätselhaft genug erzählt, und mit Karl Malden, bekannt aus "Die Straßen von San Francisco", in der Schurkenrolle sympathisch besetzt. Das Kostüm des mordenden Affen ist zwar ein offensichtliches, jedoch nicht so plump ausgefallen wie in manch anderem Film, glücklicherweise gerade eben noch glaubwürdig genug wirkend, um die Tierszenen nicht ins Lächerliche zu ziehen. Andere tatsächliche Wildtiere, sowie Artisten, verraten die Beteiligung eines Zirkus' an dieser Produktion, die diesmal nicht von Universal, sondern von Warner Brothers finanziert wurde.  OFDb

DAS GEHEIMNIS DES DR. MIRAKEL (1932)

"Frankenstein" und "Dracula" liefen bereits, da kam in der frühen Phase des Tonfilms auch eine freie Interpretation von Poes "Mord in der Rue Morgue" (Alternativtitel) in die Lichtspielhäuser und präsentierte erneut Bela Lugosi in der Rolle des Schurken. Der überzeugt wieder einmal herzlich wenig, verliert sich in jener Theatralik, die auch den halben Film umweht, während der Rest des Streifens einen unpassenden humoristischen Touch beschert bekam, was wohl den grotesken Gehalt der Geschichte unterstützen sollte. Was in der Kurzgeschichte Poes Auslöser ist, landet in Robert Floreys Inszenierung im Finale, was die Dramaturgie des Stoffes nicht gerade verbessert. Simpel dümpelt "Murders in the Rue Morgue" (Originaltitel) Standardrezepturen abarbeitend vor sich hin, überzeugt weder mit dem Antrieb des irren Wissenschaftlers, noch mit einer Identifizierung mit den Protagonisten. Einzig der Affe wird relativ überzeugend eingesetzt, zumindest versucht man sich in den realen Tierszenen mit passenden Aufnahmen, dafür dass Mensch und Tier nur selten gemeinsam das Bild teilen, und die Kostümierung künstlicher Tierauftritte wird recht geschickt eingesetzt, gern aus der Ferne gefilmt. Dass hier ein Größenunterschied zu bemerken ist, wäre nur in einem besseren Werk relevant zu kritisieren. Für seine Zeit ist das anständig getrickst. Auch die Hintergründe, die künstlich eine Stadt präsentieren sollen, gehören zu den Pluspunkten, erinnern sie doch ein wenig an die expressionistische Herangehensweise manchem Stummfilms diesbezüglich. "Das Geheimnis des Dr. Mirakel" ist ein arg austauschbares Horrorfilmchen und bereits für seine Zeit zu banal erzählt. Man sieht ihm an, dass er für den Schnellverzehr gedreht wurde, um dem Publikum, heiß gemacht auf Horror, möglichst eilig eine neue Mahlzeit servieren zu können. "King Kong und die weiße Frau" kam anbei erst ein Jahr später heraus.  Wiki

09.05.2013

DER RABE - DUELL DER ZAUBERER (1963)

Eines Abends bekommt der um seine vor zwei Jahren verstorbene Ehefrau Lenore trauernde Zauberer Craven Besuch von einem Raben. Der kann zur Überraschung des Magiers sprechen und bittet ihn um seine Hilfe. Vom bösen Zauberer Scarabus in das Federvieh verzaubert, möchte er gerne wieder ein Mensch werden. Nach getaner Arbeit reisen die beiden zum Schloss von Scarabus, denn der ehemalige Rabe Bedlo beteuert dort definitiv Lenore gesichtet zu haben. Craven glaubt der böse Zauberer habe einen Fluch über ihren Geist verhängt...
 
Was vom Raben übrig blieb...
 
Wer sich mit Monstern, Gruselfilmen und Trash im allgemeinen befasst, kommt um Regisseur und Produzent Roger Corman nicht herum, der seit etlichen Jahrzehnten im alternativen Filmgeschäft tätig ist und es mit geprägt hat. Jack Nicholson sagte einmal in einem Interview, Corman habe zwar auch hin und wieder gute Filme gedreht, aber er habe in keinem dieser Werke mitgespielt. Ich weiß nicht was der heute so berühmte Schauspieler unter einem guten Film versteht, aber „Der Rabe - Duell der Zauberer“ scheint es seiner Meinung nach nicht zu sein, in welchem er ab dem zweiten Drittel einen größeren Part übernimmt.

Verstehe einer Jack, „Der Rabe“ ist ein wundervoller, kurzweiliger Film, ganz selten vielleicht eine Spur zu albern und definitiv kostengünstig produziert, aber dennoch ein charmantes Werk das erreicht was es möchte und dessen simple Geschichte kaum auffällt dank antiquierter, aber den Produktionsumständen durchaus angemessener Spezialeffekte, improvisationsfreudiger Mimen, atmosphärischem Dekor, stimmiger Kostüme und einem Drehbuch mit Mut zur Extreme.

Dass sich das berühmte Poe-Gedicht „Der Rabe“ nicht für eine werkgetreue Verfilmung eignet, dürfte klar sein. Das Maximum dessen was möglich war erreichte man wohl im ersten Halloween-Special der Serie „Die Simpsons“. Aber was man in dem 30er Jahre Streifen „Der Rabe“ gar nicht erst versuchte, wird in der hier besprochenen Corman-Produktion durchaus ausprobiert: einen Bezug zum Gedicht zu schaffen. Den Anfängen dieser berühmten Zeilen darf man zu Beginn des Filmes lauschen, die Trauer um Lenore ist enthalten, der titelgebende nächtliche Besucher natürlich auch, sowie, am Ende und augenzwinkernd mit Absicht sinngemäß verdreht, das berühmte Nimmermehr.

Nach Ankunft des Raben verlässt man jedoch die Fährten Poes und stürzt sich in eine Geschichten um rivalisierende Magier und um Lug, Trug und Verrat. In einem Setting, welches Freunden gotischer Filme nichts zu wünschen übrig lässt und das wie der Film selbst mit den ursprünglich ernstgemeinten Elementen des Genres ironisch spielt, tapsen in stimmigen Kostümen gut aufgelegte Stars umher, die das beste aus einer eigentlich sinnfreien Geschichte machen und einem gar keine Chance geben, sich an der dünnen Story gelangweilt aufzuhängen.

Nein, „Der Rabe“ bleibt konsequent kurzweilig, in der zweiten Filmhälfte gar mehr als in der ersten, da man den manchmal arg verspielten Humor als Zuschauer dort besser einzuordnen weiß als im etwas orientierungslosen und ereignisreichen ersten Drittel. Ist man dort noch überrascht von einem Schauspieler, der mit Rabenflügeln herumblödelt, da die Verwandlung nicht hundertprozentig funktioniert hat, und über Leichen, die unverhofft Warnungen aussprechen und deren ungewöhnliche Tat von den Protagonisten keinerlei Interessen weckt und maximal zu Angstzuständen führt, gewöhnt man sich irgendwann an diesen Zirkus skurriler Ideen und lässt die Verantwortlichen des Streifens vor und hinter der Kamera einfach mal machen, während man sich zurücklehnt um sich unterhalten zu lassen.

Und die Besetzung lässt mit Vincent Price, Jack Nicholson, Peter Lorre und allen voran Boris Karloff nichts zu wünschen übrig. Letztgenannter überrascht mit einem breiten Repertoire interessanter Gesichtsausdrücke, von welchen die komischen am meisten Freude bereiten, darf man sich in anderen Filmen der Horrorlegende durch das Fehlen dieser in der Regel doch eher nicht an ihnen ergötzen. Ebenso spielfreudig erlebt man Vincent Price, dem es sichtbar Spaß macht den Zuschauer zu belustigen und auch mal den Naivling spielen zu dürfen, den man lange Zeit an der Nase herumführt.

Dass die seelischen Abgründe der Figuren nicht nur in dem Bereich der Magie liegen, verleiht dem eigentlich so sinnlosen Streifen einen letzten Rest Klasse, der zwar nie tatsächliche dramatische Bereiche erreicht, aber treffsicher augenzwinkernd mit solchen Momenten ernstgemeinter Produktionen spielt, genau jener Aspekt, der den kompletten Film ausmacht: das treffsichere Spiel mit dem ernsten Genre, das in „Der Rabe - Krieg der Magier“ (Alternativtitel) nur als Grundlage für eine Komödie dient.

Da alle Beteiligten durch ihre Erfahrung als Dauergäste des Grusel-Genres (mit Ausnahme des damals noch sehr jungen Jack Nicholson) sich mit Horrorfilmen gut auskennen, wissen sie auch wo und wie dieses parodiert werden muss, so dass man am Ende ein Ergebnis hat, welches eben den Freunden dieses Genres zu gefallen weiß und nicht nur dem Publikum komödiantischer leichter Stoffe. Zu empfehlen ist dieser kleine Kultfilm dementsprechend beiden Seiten. Wer sich nicht an der (meiner Meinung nach kaum wahrzunehmenden) Leere der Geschichte stört, wird ein Sichten nimmermehr bereuen.  OFDb