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30.03.2025

Filmtagebuch - Zuletzt gesichtet (7)

Da mir zur Zeit die Motivation üblicher Besprechungen fehlt, möchte ich die letzten Sichtungen zumindest mal mit Kurzkommentaren versehen:

 

Wenn Louis eine Reise tut (1958)

Da ist der gute Louis in den schwarz/weißen Klassikern nicht so hibbelig wie in den deswegen manchmal leicht nervig ausgefallenen Werken seiner Promi-Zeit, da nervt stattdessen sein Filmsohn, der in der deutschen Fassung zudem eine penetrante Synchronstimme erhalten hat. Aber ohnehin fällt zu wenig Licht auf Louis und sind Plot und Pointen doch zu austauschbar, um etwas Nennenswertes zu zaubern. Zumindest die Altherrenwitze funktionieren mit einem lüstern fremdflirtenden de Funès-Ehemann mit strenger Ehe-Frau im Anhang recht gut.  OFDb

 

War Inc. - Sie bestellen Krieg: Wir liefern (2008)  

John Cusack als Auftragskiller funktioniert erneut wunderbar, diesmal eingebettet in eine bissige Satire um die Haltung der USA zum Thema Krieg und sämtlichen weiteren in den Medien zu beobachtenden Abarten in solchen Zeiten. Auch die Musikindustrie bekommt ihr Fett weg, und dem Drehbuch gelingt es mit Hilfe der wundervollen Darsteller Charme und Liebe inmitten von schwarzem Humor aufkommen zu lassen, ganz ohne mit Gefühlsduselei und Kitsch das alles zu verwässern.  Wiki

 

American Psycho 2 (2002)

Aus einer echten Gesellschafts-Satire wird ein lockeres Teeniefilmchen, welches eher verspielt mit der Serienkiller-Thematik umgeht, anstatt durchdacht. Da das Original für meinen Geschmack immer eine Spur zu verkrampft umgesetzt war, finde ich persönlich diesen eher plumpen Ansatz lockerer an die Sache heranzugehen gar nicht verkehrt. Mila Kunis ist süß wie immer, die Ironie, das zu verkörpern was man später bekämpfen will, wirkt was aufgesetzt, der Gesamtplot ist aber ohnehin nicht durchdacht. Aber durch seine leichtfüßige Art funktioniert der schlicht heruntergekurbelte Trivial-Streifen für einen schnell vergessenen Film eigentlich recht gut.  Wiki

 

Monk - Staffel 8 (2009)

Selbstverständlich wird in der finalen Staffel das Geheimnis um Trudy gelüftet, wenn auch mit banalerem Hintergrund als erhofft. Randy erfährt von allen Hauptfiguren das schönste Happy End, und es gibt zudem ein Wiedersehen mit Sharona. Zu den Highlights zählen Monk in der Rolle eines Gangsters zu sehen, eine Folge in welcher man sich mit Monks Lieblinsserie damit austobt die Brady Family zu parodieren und der Kriminalfall in welchem Monk von Ufo-Freaks für ein Alien gehalten wird. Es ist schön zu sehen, dass die Reihe bis zum Schluss auf einem Niveau blieb und nicht, wie in anderen Serien so oft der Fall, gegen Ende schwächelte.  Wiki

 

Mr. Monks letzter Fall (2023)

14 Jahre nach Serienende buddelte man den berühmten Meisterdetektiv mit der Originalbesetzung der vier wichtigsten Rollen wieder aus. Der Ansatz, dass die Welt seit Corona mehr Richtung Monk tendiert, ist wundervoller Natur, wird aber kaum genutzt. Stattdessen widmet sich die durch einen Streamingdienst finanzierte Film-Fortsetzung der Serie einem klassischen Fall, wie er auch in der damaligen Reihe hätte stattfinden können. Trotz Retrogefühle und Wiedersehensfreude im Gepäck wirkt das alles etwas zu langgezogen und auch etwas unnötig. Verkehrt ist ein Blick auf den sympathisch seichten Stoff trotzdem nicht zu nennen.  Wiki

01.08.2014

THE BOOK OF ELI (2010)

„The Book Of Eli“ ist ein nicht ganz ungefährlicher Film, verkauft er doch eingepackt in das allseits beliebte Endzeit Science Fiction-Genre die Worte Gottes, ist also nicht einzig dafür geschaffen um zu unterhalten, er soll auch missionieren. Der kritischen Worte werden zwar auch geäußert, so z.B. dass die Bibel, jenes Buch von welchem der Fremde das letzte Exemplar bei sich trägt, seinerzeit eine Teilschuld an jenem Krieg trug, der die menschliche Zivilisation schließlich vernichtete und die Natur weitestgehenst zerstörte. Aber das ist nur Teil einer der Hauptaussagen dieses Filmes. Religion wird gerne von falschen Predigern ausgenutzt. In den richtigen Händen würde sie jedoch Wunder bewirken und den Menschen neue Hoffnung geben.

Das wird Christen gefallen. Menschen wie ich, die lieber der Wissenschaft und dem sozialen Miteinander verbunden sind, bemerken den faden Beigeschmack der Manipulation. Ich mag es nicht missioniert zu werden, und ich mag es erst recht nicht aus einer Richtung die so viel Unheil über die Menschheit brachte. Deswegen ist ein Werk wie „Book Of Eli“ meiner Meinung nach mit Vorsicht zu genießen. Im Gegensatz zu meiner üblichen Grundüberzeugung solchen Dingen aus dem Wege zu gehen muss ich jedoch gestehen, dass ich den Film der Hughes Brüder durchaus mag und finde, dass er einen Blick wert ist. Die Art wie er erzählt ist, ist geradezu packend angegangen. Auch als Atheist wird man zart von der Atmosphäre des Streifens berührt, während einem gleichzeitig die bedrohlichen, warnenden und traurigen Bilder einer untergegangenen Welt faszinieren.

Psychologisch recht schlicht gestrickt beginnt der Film mit einem Farbfilter nahe dem Schwarz/Weiß und wird im Laufe seiner Erzählung immer bunter, wenn auch passend zur Welt noch recht dreckig gehalten. Aber was ein so simples Stilmittel ist, weiß gekonnt zu wirken dank großartig eingefangener Bilder, einem stimmigen, fast meditativen Soundtrack und allerhand talentierter Mimen vor der Kamera. Mila Kunis und Denzel Washington habe ich nur selten besser erlebt, trotzdem stehen sie im Schatten des großartigen Spiels von Gary Oldman. Die Regie baut jedoch nicht nur auf sie, sondern auch auf die Kraft der Ruhe. „The Book Of Eli“ ist langsam erzählt, und selbst seine überzeugenden Actionszenen wirken sanfter als in anderen Filmen, wahrscheinlich auch weil Spielereien wie unnötige Schnittgewitter gemieden werden.

Die Hughes Brüder verlassen sich voll und ganz auf die Charaktere ihrer Geschichte und auf die Wirkung der erweckten Endzeitwelt, irgendwo pendelnd zwischen Motiven des klassischen Western-Genres und der Inspiration aus der „Mad Max“-Trilogie. „The Book Of Eli“ zieht einen in seinen Bann und könnte damit ein wirklich großartiger Film sein - wenn, ja wenn er nicht christlich missionieren würde. Eli, Teil der Worte Religion und selig, ist leider kein neutraler Charakter der glaubt eine Mission zu haben, was den Streifen wesentlich vertrauenswürdiger gestaltet hätte, er wird geradezu von Gott auf seiner Reise beschützt. Seine übernatürliche Erfahrung mit der Stimme die er einst empfing wird im Finale bestätigt. Gott existiert. Die Bibel kann weiter leben.

Von daher kann ich verstehen, dass mancher Nicht-Christ keinen Gefallen an „Book Of Eli“ finden wird und jemanden wie mich, der den Kompromiss wagt, als Paradebeispiel nennt wie es Religion immer wieder schafft Leute derart zu manipulieren, dass sie beginnen zu glauben oder Teilaspekte des Glaubens anzunehmen. Immerhin fühlte ich mich von der Handschrift der Hughes-Brüder tatsächlich zärtlich berührt. Aber das empfinde ich nur auf rein cineastischer Ebene so, und auf dieser lasse ich es auch all zu gerne zu.

Es wäre zu schade „Book Of Eli“ rein aus Prinzip aus ideologischen Gründen komplett zu ignorieren. Dafür ist er einfach zu stark erzählt, düster und emotional zugleich, staubig und trocken und doch optimistisch. Der Mix stimmt. Und die Botschaft des Streifens kann man durchaus annehmen, teilen und leben: Tu für andere mehr als Du für Dich selbst tust. Das ist ein schöner Leitsatz. Aber man sollte nicht so naiv sein zu glauben, dass dieses Motto erst mit dem Beginn des Christentums oder dem Schreiben der Bibel entstanden ist. Soziale Menschen gab es schon immer, und die ehrlichen und geistig gesunden findet man sicherlich nicht in der Kirche.  OFDb

18.03.2013

RAN AN DIE BRAUT (2001)

Für einen Teenager zerbricht die große Liebe. Um die Holde zurück zu erobern bekommt er Hilfe von einer hübschen Mitschülerin, die heimlich selbst in ihn verliebt ist...
 
Singen und tanzen fördert nicht die Romantik...
 
Ganz lose beruht der hier besprochene Film auf Shakespeare, allerdings so lose, dass es der Erwähnung kaum wert ist. So lose, dass der bescheuerte deutsche Titel verziehen bzw. ignoriert ist und so lose, dass sich der gute alte Schriftsteller nicht im Grabe umdrehen muss.

Nach Erfolgen wie „Romeo und Julia“ und „Eiskalte Engel“ glauben einige Produktionen halt immer noch, es verkaufe sich besser, einen Teenie-Film auf klassischer Grundlage aufzubauen. „Ran an die Braut“ folgt seinem Vorbild nur extremst grob und hält sich eher an die Regeln des Filmgenres als an irgend ein Buch.

Ein besonders toller Film seiner Art ist „Ran an die Braut“ nicht geworden, dafür ist er zu gewöhnlich. Maue Routine bekommen wir allerdings auch nicht vorgesetzt, dafür gibt es zu viele Stärken. Eine davon ist Kirsten Dunst, die wieder einmal bezaubernd spielen darf. Um so erstaunlicher, da der romantische Part des Streifens, der eigentlich Schwerpunkt ist, überhaupt nicht zündet. Die Enttäuschungsszenen der Rolle der Dunst sind das einzige, das in dieser Richtung funktioniert.

Das romantische Hineinträumen in die hier gezeigte junge Liebe will einfach nicht passieren. Dabei geht auch Dunsts Partner in Ordnung, die Chemie würde stimmen. Trotz alledem bleibt auch die Hauptrolle recht blass. Das liegt weniger an Foster, der eigentlich recht brauchbar spielt, es ist sein Gegenspieler West, der einfach wesentlich mehr Persönlichkeit ausstrahlt als der olle Held. Dass Foster zu Beginn blasser wirken muss ist für die Story typisch und richtig, aber er gewinnt im Laufe des Streifens nicht an Profil und bleibt einfach so wie er zuvor war. Storytechnisch auch nicht verkehrt, für einen Alltags-Filmhelden aber einfach doch zu wenig.

Während die Jungstars sich wacker schlagen und schlicht auch zu begeistern wissen, darf man am Rande auch zwei Altstars bewundern. Der eine ist Ed Begley, Jr., der leider nur eine sehr kleine Rolle abgekriegt hat, sich in den paar wenigen Auftritten die er hat aber auch nicht in den Mittelpunkt spielt. Er schafft gekonnt den Spagat aus Zurückhaltung und Wirkung.

Der andere Oldie hat da schon wesentlich mehr Screentime. Es ist Martin Short, der nicht nur als bekanntes Gesicht auf die schnelle für einen Teeniefilm verheizt wird, so wie beispielsweise Chevy Chase für „Nix wie raus aus Orange County“ oder Eugene Levy für „Dumm und dümmerer“. Short hat eine wichtige Rolle, in der er sich zudem noch ordentlich austoben darf. Seit „Die Reise ins Ich“ habe ich mich schon oft gefragt, warum sein Erfolg ausblieb und er so wenige Hauptrollen ergattern konnte. Hier darf er nun völlig in Fahrt kommen, inklusive Traum/Rückblickssequenzen, in denen er auch verkleidet rumblödeln darf. Short ist ein großer Trumpf des Streifens.

Der Parodiegehalt auf Starruhm und Boygroups ist nett, hätte aber auch weiter vertieft werden können. Dies hätte allerdings vielleicht das Zielpublikum irritiert, so kann ich mir zumindest das Produzentendenken vorstellen. Dass man mit dem richtigen Angehen der Thematik ein anderes Publikum gefunden hätte (vielleicht so Richtung „Election“) ist den Geldgebern sicherlich gar nicht erst in den Sinn gekommen. Stattdessen geht die Orientierung in „Ran an die Braut“ eher in die entgegengesetzte Richtung, denn die Boygroup-typische Musik wird auch hier angewandt.

Im musikalischen Bereich fallen dann auch die Jungstars besonders positiv auf, sie tanzen und singen (letzteres hatte ich von Dunst zuvor nicht erwartet) und haben sichtlich Spaß dabei. Hervorzuheben wäre hier der Vorspann, der auf kurzweilige und lustige Art zeigt, wie man ihn einbringen kann ohne mit blöden Landschaftsfahrten zu langweilen. Im Abspann wurde ebenfalls getanzt, ich habe aber leider eine Tele 5-Version gesehen. Der selbsternannte kinoliebende Fernsehsender war dreist genug das Bild während dieser Sequenz klitzeklein zu machen, so dass nichts mehr zu erkennen war. Dass diese Szene dann auch voreilig beendet wurde ist somit auch nicht mehr sonderlich gravierend.

Zwischendurch gibt es kleine Fantasysequenzen zu sichten, nichts besonderes und auch immer zu kurz um wichtig zu sein, aber nicht uninteressant. Einige Handlungsabläufe werden zu kurz angeschnitten, z.B. das Problem dass sich der beste Freund in die Schwester verliebt (wesentlich besser in „Eis am Stiel 5“ herausgearbeitet) oder der schwierige Spagat der Hauptrolle zwischen Sport und Kunst (in „Die Liebenden von Notre-Dame“ und "American Pie" besser herausgearbeitet).

An sich ist der Film aber auch zu routiniert um sich über derartiges zu ärgern. Er ist schlicht, weiß aber auf seine belanglose Art zu unterhalten. Das ist schon mehr als manch andere Produktion schaffte. Um in Erinnerung zu bleiben reicht es allerdings nicht, sympathische Gesichter schafften es immerhin den Einheitsbrei etwas aufzuwerten.  OFDb

10.03.2013

DIE FANTASTISCHE WELT VON OZ (2013)

Der Jahrmarktmagier Oz gerät mit seinem Fesselballon in einen Wirbelsturm und wird in das fabelhafte Land Oz geweht, dessen Bewohner sehnsüchtig auf den prophezeiten Zauberer warten, soll er ihnen doch den Frieden zurück bringen, in dem er die böse Hexe des Landes besiegt. Da es zudem Macht und jede Menge Gold gibt, spielt Oz den Bewohnern vor er könne zaubern...
 
Das zauberhafte Prequel...
 
„Das zauberhafte Land“ war eine von vielen Verfilmungen des Buches „The Wonderful Wizard Of Oz“ und war zudem auch nicht die erste. Aber er ist die bis heute eindruckvollste und zeitloseste Kinoversion des Stoffes und einer der ganz großen cineastischen Klassiker, so dass man es als mutig betrachten kann 84 Jahre später die Vorgeschichte ins Kino zu bringen, in einer Zeit eines völlig anderen Publikums und in einem Genre, das auch gerne von jüngeren geguckt wird, die sich mit dem Original zur Vorbereitung auf „Die fantastische Welt von Oz“ sicherlich schwer tun werden.

Das ältere Publikum hingegen darf zunächst mal zu recht kritisch sein, kommt der kunterbunte Streifen doch in moderner 3D-Technik daher und auch noch aus dem Hause Disney, zwei Aspekte die eher für sterile als für einfühlsame Kinounterhaltung stehen. Zudem hatten die Disney-Studios bereits 1985 die Fortsetzung des Originals mit dem Titel „Oz - Eine phantastische Welt“ vermurkst, da sie die so seelenlos haben aussehen lassen wie seiner Zeit die Verantwortlichen ihr Werk von „Die unendliche Geschichte 2“. Es herrscht eine stille Verwandtschaft zwischen beiden Werken.

Generell muss man bei der Geschichte um den Zauberer von Oz jedoch an „Alice im Wunderland“ denken, ebenfalls ungeheuer oft verfilmt, thematisch sehr verwandt und kürzlich erst erfolgreich verfilmt von dem kultig verehrten Tim Burton. Deswegen war es wichtig für das Projekt „Die fantastische Welt von Oz“ einen ebenso talentierten Regisseur zu finden, und der bot sich mit dem nicht ganz so kultig verehrten Sam Raimi geradezu an, bewies der mit der „Tanz der Teufel“-Reihe doch seinen Hang zur Düsternis und mit seiner Umsetzung der „Spider-Man“-Trilogie den richtigen Umgang mit Fantasy und Mainstream-Tauglichkeit.

Ob ein Märchenfilm in seine Hände gehört, konnte er jedoch erst mit dem hier besprochenen Werk beweisen, aber was soll man da kritisch sein, bei einem Mann der so viele Genres beherrscht und bei einem Projekt, das scheinbar nicht komplett von Disney Studio-Vorstellungen dominiert wurde.

Vielleicht haben die Disney Studios auch einfach endlich dazu gelernt. Ginge es nach ihren konservativen Ansichten wäre „Zurück in die Zukunft“ nie verfilmt worden, wäre „Fluch der Karibik“ aufgrund einer anders gewünschten Darstellung Johnny Depps gefloppt, und es gibt noch jede Menge anderer Beispiele bei denen die Studios gerade noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen sind, oft mit dem Ergebnis am Ende für etwas gefeiert zu werden, an dem sie eigentlich nicht verantwortlich waren.

Was nun den hier besprochenen Film betrifft, so hat es Sam Raimi meiner Meinung nach geschafft die Erwartungen des heutigen Publikums mit einer ehrlich gemeinten und wirksamen Verbeugung vor dem Original und damit den Erwartungen der Cineasten zu einen. Letzteres sieht man offensichtlich an der in schwarz/weiß gehaltenen Einleitung, die erst in Oz ihre Farbe erhält, aber es zeigt sich noch mehr im Laufe der Geschichte, die manche Ereignisse des Originals mit neuem Hintergrundwissen in einem anderen Licht erstrahlen lassen.

Trotz modernster Farbsetzung und der aktuellen Technik wird „Die fantastische Welt von Oz“ zu einem nostalgischen Filmerlebnis, in welchem so manche Erinnerung an den Vorgänger wach wird, gleichzeitig aber auch nicht lediglich kopiert oder sich an der Rezeptur des ersten Teils bedient wird. Figuren erfahren nur dann ein Wiedersehen, wenn es Sinn macht, womit glücklicher Weise z.B. auf den Zinnmann verzichtet wurde. Zudem macht die neu erzählte Geschichte in Bezug zu „Das zauberhafte Land“ Sinn und widerspricht sich nur in eher unnötigen Randerscheinungen mit diesem.

Einziger kleiner Wermutstropfen neben manch zu kitschigem, kleinen Moment sind die Figuren, die dem Zauberer als Wegbegleiter an die Seite geschrieben wurden. Der viel zu brav aussehende und sich für einen Esel-Klon aus „Shrek“ auch zu brav benehmende fliegende Affe ist hierbei das größte Ärgernis, das aber immerhin mit zwei oder drei funktionierenden Gags ein wenig versöhnlich stimmt. Ein Porzellanpüppchen hingegen ist im positiven Sinne für gar nichts gut, ist Pate für das wandelnde Gewissen des Zauberers, jedoch auf derart kitschige und brachiale Weise, dass es echt schade ist, dass Raimi nicht mehr Feingefühl bewiesen hat in einem Film, der sonst die richtigen Töne zu treffen weiß.

Anbei macht er dies nicht musikalisch, was naheliegend wäre, war „Das zauberhafte Land“ doch schließlich ein Musical. Wie das in heutiger Zeit ausgesehen hätte in den Händen von Disney zeigen die Zeichentrickfilme seit „Arielle die Meerjungfrau“ und unter ihnen auch „Das Dschungelbuch 2“, das nichts vom Charme des ersten aufzufangen wusste. So kann man also von Glück reden, dass in „Oz The Great And Powerful“ (Originalfilm) nur einmal ein Gesang anklingt, um augenzwinkernd auch gleich wieder damit aufzuhören.

Die Bilder des Streifens sind wunderschön, bleiben nicht so kitschig wie bei der Ankunft in Oz und wechseln ebenso wie die Geschichte immer wieder in düstere Gebiete. Auch mit einer FSK 6 sollte man nicht zu blauäugig mit Kindern dieses Alters den Film aufsuchen. Allein die Laufzeit von über zwei Stunden spricht dagegen, aber so mancher Schockeffekt und eine mit Kinderaugen schwierige Unterteilung von Gut und Böse dürften eher für Alpträume als für ein freudiges Kinoerlebnis sorgen. Sinn macht das Sichten des Streifens sicherlich erst mit etwa 8 Jahren.

Die 3D-Effekte kann man als geglückt bezeichnen, wissen im schmalen Bild der Schwarz/weiß-Momente jedoch mehr zu wirken als im bunten Breitbild. Außerdem muss mir mal wer erklären warum die alte Sehgewohnheit eines unscharfen Hintergrundes und eines deutlich sichtbaren Vordergrundes auch in einem 3D-Film so gehandhabt wird. Technisch ist es mittlerweile kein zwingender Zustand mehr. Dass man von dieser Herangehensweise in einem 2D-Film nicht loslässt, halte ich für legitim. In einem Film der einen die dritte Dimension vorschwindeln will gehört so etwas aber nun gar nicht hinein.

Über 3D oder nicht mag man wie immer streiten können, ich selbst bin auch kein Fan dieses Verfahrens. In „Die fantastische Welt von Oz“ gehört es meiner Meinung nach aber fast automatisch dazu, entpuppt sich Oz doch als eine andere Art Zauberer als von den Bewohnern des zauberhaften Landes vermutet, und mit der Deutung was alternativ ebenfalls den Begriff Zauberei tragen darf (anbei eine recht nette Idee) erklärt sich Raimi und seine Berufsgattung ebenfalls zum Zauberer. Und wo wäre diese Botschaft sinnvoller aufgehoben, als in einem 3D-Film, der ebenso billiger Taschenspielertrick ist um etwas toller dastehen zu lassen als es ist, wie der Zauberer von Oz selbst.

Der Film ist toll besetzt (allen voran mit dem verspielt eitel agierenden James Franco und mit Mila Kunis in einer Rolle, die gewisse Parallelen zu Darth Vader aufzeigt), mal still und mal imposant inszeniert und behält immer das nötige Gleichgewicht zwischen Abenteuer und Komik. Das Finale beweist richtig Zunder und schließt den Film mit einer Gefühlsintensivität, die man sich an manch anderer Stelle mitten im Film ähnlich gewünscht hätte.

Wo das Finale und die Geschichte um die böse Hexe mitzureißen weiß, da wird die Geschichte um die gute Hexe, um den Wandel des Zauberers zum Guten und um das Porzellanpüppchen einen Quent zu kitschig angegangen. Nicht in einer Konsistenz welche den Unterhaltungswert zerstört, aber nervig genug um diesen leicht zu drücken. Auch für einen kunterbunten und kindgerechten Ausflug in den meist fröhlichen Fantasybereich wäre ein ehrlicher Umgang mit den Gefühlen besagter inhaltlicher Bereiche angebrachter gewesen.

Es kann aber auch sein, dass man das in vielen Jahren anders sieht, wenn auch „Die fantastische Welt von Oz“ ein nostalgisches Filmchen geworden ist. Immerhin sind die Kitschmomente im Original wesentlich dicker aufgetragen, und sie zerstören diesen Meilenstein des Unterhaltungskinos nicht nur, sie gehören auch zu den positiven Elementen des Originals. Vielleicht benötige ich einfach noch einige Jahre, um die hier verwendete Gefühlsduselei auch im Prequel als angenehm empfinden zu können. Immerhin bin ich Nostalgiker, träume gerne dem Vergangenen hinterher, und da ist man manchmal etwas ungerecht mit den Dingen des Heute.  OFDb