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04.08.2025

Ein böser Affe, Gefühle in Dorf, Stadt und Weltall - Kurzkommentare (5)

 

The Monkey (2025)

Die zweite Hälfte ist pointiert schwarzhumorig, mit herrlich skurrilen und toll getricksten Splattermomenten versehen. Leider kommt die erste Hälfte dank Drehbuchschwächen umso weniger überzeugend daher, am schlimmsten wohl in seiner Art, wie es die Hauptperson das Geheimnis des Affen entdecken lässt. Auch der Zugang zu den Figuren ist zunächst äußerst sperriger Natur. Zumindest könnte eine mögliche Fortsetzung überzeugen, so rund wie sich die letzte Hälfte dieser Verfilmung einer Stephen King-Kurzgeschichte guckt. Da gab es weit zäheres in der Vergangenheit.  Wiki

 

Doc Hollywood (1991)

Klar handelt es sich um eine direkte Manipulierung den Zuschauer von der Romantik und den sympathischen Tücken des Dorflebens zu überzeugen, aber wenn das Erzählen einer gar nicht so neuen Geschichte derart sympathisch ausfällt wie hier, angehäuft mit charmanten Charakteren, gespielt von gut aufgelegten Profis, dann herzlich Willkommen, lieber Doc Hollywood! Fox als unreifer Erwachsener wurde nicht ohne Grund seine persönliche Marke, die Romantik springt auf den Zuschauer über, die Pointierung funktioniert, lediglich das Titellied ist völlig fehl am Platz und spiegelt nicht die Stimmung des Streifens wieder. Dass sich Disneys "Cars"etliche Jahre später so dreist am Stoff bedient hat, ist zwar traurig, aber deren mageres Ergebnis spricht für sich.  Wiki 

 

Pretty Woman (1990)

Manch einer mag nörgeln, dass das Bild der Frau hier als ziemlich oberflächlich dargestellt wird, also von heutigen Wahrnehmungen überholt ist. Letztendlich handelt diese Komödie jedoch von der Romantik zwischen zwei oberflächlichen Menschen, die charakterlich keine Vorzeigemenschen sind, sowohl der Mann, als auch die Frau. Und dass man mit diesen Zwei dennoch so wunderbar mitfiebert und ihre Gesellschaft bei Nichtigkeiten genießt, spricht schlichtweg für Drehbuch, Regie und die treffende Besetzung in großen und kleinen Rollen, so gekonnt wie hier alles ineinander greift. Der Soundtrack, ob mittels eingekaufter Hits oder Film-eigener Hintergrundkomposition, sorgt für den Rest in einem Film, der einen bei jedem Sichten immer wieder zu verzaubern weiß.  Wiki  

 

Star Trek Beyond (2016)

Ein letztes Mal die vollständige Besetzung der neuen Crew aufgrund eines Trauerfalls zu sichten, ein bewegender Verweis auf Spock und die alte Mannschaft aufgrund eines weiteren Trauerfalls, das lässt einen durch kurze, bewegende Momente nicht zu streng mit einer Fortsetzung ins Gericht gehen, die definitiv schwächer ausgefallen ist als die zwei Filme, denen sie folgt. Dennoch ist unübersehbar wie sehr das von Simon Pegg mitgeschriebene Drehbuch seine arg actiongeladene Geschichte zu geradeaus erzählt, was umso mehr auffällt, da es sich keineswegs um eine innovative handelt. Was hätte man mit dem mystischen Nebel für ein Abenteuer ins Unbekannte schaffen können. Was hätte man echte Gefahren, die ungewohnt gemeistert werden müssen, einbringen können durch die ungewollte Trennung der Mannschaft. In seiner zu ideenlosen und blauäugigen Art schafft es der Streifen durch das Grundrezept der Marke und der mittlerweile ins Herz geschlossenen neuen Mannschaft, dennoch zu unterhalten. Aber eben nur schlicht, kein großes Abenteuer zum Mitfiebern bietend wie die Teile 1 und 2.  Wiki  

 

Synecdoche, New York (2008)

Ich bin ja jedes Mal fasziniert von dem Einfallsreichtum eines Charlie Kaufman, und auch die Idee, die mit "Synecdoche, New York" erzählt wird, ist nicht von schlechten Eltern. Mit der Umsetzung wurde ich jedoch nicht warm. Nicht nur dass die eigentliche Idee einer Stadt in der Stadt erst viel zu spät Fuß im Hauptplot fasst, auch der Hauptcharakter blieb mir unnahbar, soll ein selbstverschuldeter Versager sein, dem böse mitgespielt wird und der sich aufgrund mangelnder Reflexion nicht zum Sympathiecharakter wandelt, das hab ich verstanden, aber er wird nicht zur Identifikationsfigur. Es gibt keine emotionale oder intellektuelle Motivation sich für sein Schicksal zu interessieren. Kurzum: ich bekam keinen Zugang zu einem einfallsreichen Film, der handwerklich professionell umgesetzt war - wieder mal. Liegt wahrscheinlich an mir...  Wiki

17.05.2023

DOLORES (1995)

Das Leben ist ungerecht, und wenn man eine Frau verheiratet mit einem alkoholkranken Mann ist, erst recht. Wir blicken ins Leben einer unter ärmlichen Bedingungen kämpfenden Frau, die für ihre Tochter alles gab, schuftete und Demütigungen erduldete, stets hart arbeitete und sich den Widrigkeiten der Gesellschaft stellte. Haben die Umstände sie zur Mörderin gemacht, oder ist dieser Vorwurf nur ein weiteres ungerechtes Leid in einem Leben voller Hürden? Die Tochter weiß es nicht einzuschätzen, verdrängte was einst geschah. Denn die Frage stand schon einmal im Raum. Ist ihre Mutter eine Mörderin? Kann der Vorwurf zweimal innerhalb von 18 Jahren Zufall sein? Trickreich werden wir zu Beginn des Films Zeuge der angeblichen Tat aus einem Blickwinkel, der Schuld suggeriert. Das soll kein Mordversuch sein? Zurecht beginnen wir trotzdem mit der Zeit zu zweifeln, in einem Szenario, das glücklicher Weise trotz allerhand Klischees nicht rein zum Betroffenheitsdrama wird, sondern dank guter Mimen, toller Fotografien und gekonnter Inszenierung zu einem sehenswerten Psycho-Drama wird, durch die Vorlage Stephen Kings in mancherlei Punkten freilich vorhersehbar ausgefallen (seinetwegen auch das Meer an Klischees). Nichtsdestotrotz ist das fertige Produkt ein interessanter Film, und er bleibt dies bei immerhin über 120 Minuten Laufzeit. Neben der Frage nach Täterin oder nicht, geht es mitunter auch um die persönlich empfundene Rechtfertigung. Hat man unter bestimmten Lebensumständen das Recht zu morden? Leider bekommt man in "Dolores Claiborne" (Originaltitel) stets das Gefühl, die Frage unterschwellig beantwortet zu bekommen. Ein Schweben dieser Frage unbeantwortet über den Geschehnissen hätte mir besser gefallen. Ebenso der Aspekt, dass der Verdacht des sich an der Tochter vergreifenden Vaters ungelüftet bliebe, Interpretation für den Zuschauer quasi. Doch "Dolores" ist kein europäisches Drama, in den USA muss alles beantwortet werden und am Schluss Gerechtigkeit erhalten. Das mag nicht konsequent sein, ändert aber auch im Bereich des sich zur Unterhaltung verpflichtenden US-Dramas nichts daran, einen bewegenden Stoff mitzuerleben, der erst nach und nach seine Wahrheiten lüftet.  Wiki

10.09.2021

FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE (2019)

"Friedhof der Kuscheltiere" von Mary Lambert mag kein Highlight unter den Stephen King-Verfilmungen gewesen sein, aber er ist ein gut erzählter Horrorfilm, der es nicht nötig hatte neu verfilmt zu werden. Stammleser wissen, dass ich dennoch stets neugierig auf Remakes bin und ihnen immer eine Chance gebe, im hier vorliegenden Falle hätte man es aber besser sein gelassen. Zwar fängt die Chose recht ähnlich wie die Vorlagen an, beginnt aber schon mit der Art und Weise zu wanken, wie der mit John Lithgow gut besetzte Nachbar auf die Idee kommt, dem Familienvater die Stelle zu zeigen. Dies ist der Beginn eines auf mangelndem psychologischem Hintergrund aufbauenden Drehbuchs, welches stets bemüht ist, die zuvor konsequent erzählte Geschichte zu verändern und mit jeder Neuerung der Geschichte zu schaden, so wie sie lediglich auf den äußeren Effekt abzielen, anstatt glaubwürdig integriert zu sein. 

Damit geht nicht nur der Hintergrund des Originals verloren (die Beweggründe werden empathielos abgefrühstückt), es wird auch kein anderer sinnvoller Hintergrund gesetzt. Von Ursache und Wirkung hat man so wenig Ahnung wie von psychologisch sinnvoller Figurenzeichnung. Dementsprechend plump fällt auch das Traumata der Mutter aus, deren Betreuung ihrer geistig zurückgebliebenen Schwester im Buch und im Original so gruselig umgesetzt war. Auch hier wird lediglich auf reißerischer Ebene gearbeitet, anstatt ein packendes Szenario nachvollziehbarer Angst zu kreieren. Einzig die Schlusspointe des Films weiß zu gefallen, aber da diese eben nur auf Vorereignissen aufgebaut hat, die aufgrund mangelnder Glaubwürdigkeit nicht zu überzeugen wussten, steht sie für sich alleine da. Zumindest entschied man sich mit Blick auf das Bonusmaterial der DVD für den besseren Schluss beider abgedrehter Versionen. Alles andere kann man lediglich als Fehleinschätzung betrachten. Manchmal sollte man sich einfach an das vorliegende Rezept halten, zumindest dann wenn man keine Ahnung hat wie man ein psychologisch überzeugendes Drehbuch schreibt.  OFDb

23.08.2020

DEAD ZONE (1983)

Stephen King trifft auf David Cronenberg, das verspricht ein faszinierendes Erlebnis, gerade auch weil "Dead Zone" in die erste Phase fällt, in welcher die Romane des Kult-Autors verfilmt wurden. Die Geschichte selbst klingt etwas unaufgeregt, kommt eher Episoden-artig daher und hätte in ihrer Art auch höchst esoterisch ausfallen können. Die beiden Verantwortlichen dieses Werkes basteln daraus jedoch ein bitterböses Drama, welches Nähe und Distanz gleichermaßen schafft. Cronenberg lässt den Protagonisten gnadenlos leiden, zaubert aus der Vorlage einen erwachsenen Stoff, der sich in seiner nüchtern und sachlich dargebotenen Art keinem trügerischem Optimismus hingibt, gleichzeitig leidet man mit Johnny mit, der hervorragend vielschichtig von Christopher Walken verkörpert wird. Interessant an den einzelnen Phasen des Streifens sind die jeweiligen Schwerpunkte, die nie schlicht das Vorangegangene wiederholen. Johnny macht nicht nur eine schleichende Charakterentwicklung durch, während er seine Gabe mit all ihren Tücken kennen und mit ihr umzugehen lernt. Er durchlebt unterschiedlichste Situationen während dieses sich stets im Wandel befindlichen Prozesses. 

Die Ausgangslage hätte locker eindimensional thematisiert werden können, das zeigt die 2002 entstandene, gleichnamige Serie mit Anthony Michael Hall, die den Krimi-Aspekt jenes Kapitels hervorhebt, in welchem die Hauptfigur der Polizei bei ihren bislang erfolglosen Ermittlungen bei der Suche nach einem Serienmörder hilft. Stattdessen wird ein großes Spektrum dessen zelebriert, was es mit der Gabe des leidenden Helden zu erzählen gibt. Und jegliche Phase weiß gleichermaßen zu faszinieren, da die psychologische Raffinesse und die ureigene Dramatik eines jeden Kapitels gekonnt erkannt werden und auf Höhepunkte hinaus arbeiten, die ein wahres Seherlebnis entfachen. Ob es die Täteraufdeckung in besagter Krimi-Episode ist, oder die politische Entscheidung im Finale, jeder Bereich der Geschichte genießt eine Besonderheit. Hinzu gesellen sich Erkenntnisse über den Einfluss Johnnys auf das was er sieht und die körperlichen Nebenwirkungen, die mit der Gabe einhergehen. 

Mag die Geschichte auch auf die kritischen Genesungspunkte der Ausgangslage verzichten, zu ihrem Vorteil, da das Übergehen sie vor zu starken Unglaubwürdigkeiten bewahrt, auf psychologischer, tragischer und der Spannungsebene leistet "Dead Zone - Der Attentäter" (Alternativtitel) jedoch unglaubliches. Dass er so gut funktioniert, liegt aber auch an dem sehr trockenen Grundton in den er getaucht ist, innerhalb einer ruhig und besonnen erzählten, langsam dargebotenen Geschichte. Zudem wird dem Zuschauer zugetraut eigene Beobachtungen zu machen. Nicht jedes Detail wird ihm auf dem silbernen Tablett serviert. Das überrascht gerade mit Blick darauf, dass Stephen Kings Werke in Buch- und Filmform zur Entstehungszeit gerade ein halbwegs frisch entdeckter Publikumsmagnet waren, der sich gerade auf seinem Höhepunkt befand, und die Herangehensweise Cronenbergs, wie typisch für den Ausnahme-Regisseur, nicht gerade massentauglich ausgefallen ist. Sein "The Dead Zone - Das Attentat" (Alternativtitel) weiß zu packen, zu berühren und zu verunsichern. Man durchlebt Aufs und Abs diverser Gefühlsebenen, eingebettet in einen erwachsenen Plot, der von einem empathischen Publikum die Bereitschaft erwartet auszuhalten, was ihm vorgesetzt wird - komplett befreit von Ekelszenen, reißerischer Härte und anderen Quantitäten, die des öfteren von anderen Produkten verwendet werden, um das vernachlässigte Psychologieverständnis zu überspielen, welches effektiver zum Ziel gelangt, wie "The Dead Zone" (Originaltitel) beweist.  OFDb

20.07.2020

RHEA M - ES BEGANN OHNE WARNUNG (1986)

Als sich Stephen King nicht mehr nur im Buchbereich als erfolgreich herausstellte, sondern Verfilmungen seiner Printvorlagen auch an den Kinokassen gut ankamen, da übernahm der Mann, der nicht immer glücklich über die cineastischen Versionen seiner Visionen war, selbst die Regie und schrieb für dieses Debüt freilich sein eigenes Drehbuch. Es sollte seine einzige Regie-Arbeit bleiben, denn sonderlich beliebt ist "Rhea M - Es begann ohne Warnung" nicht ausgefallen. Sicherlich kann man King nicht zugestehen nennenswerte Arbeit abgeliefert zu haben, aber für den kleinen Horrorfilm zwischendurch reicht sein Regie-Talent durchaus aus, da wird meiner Meinung nach etwas zu viel über den guten Mann diesbezüglich geschimpft. Kleine Produktionen oder Videofilme hätte er ruhig weiter abliefern können. Dass sein Film um rebellierende Maschinen nur dem Liebhaber und Vielseher simpler und halbwegs schundiger Stoffe zufrieden stellt, liegt viel eher am Drehbuch, das so einige Schwächen parat hält. So bietet es weder interessant ausgearbeitete Charaktere, noch den Anflug irgendwelcher sinnvollen, oder zumindest halbwegs gehaltvollen, Dialoge. Der Film konzentriert sich plump auf seine Hauptattraktion: die rebellierenden, mordenden Maschinen.

Wie gesagt, als kleiner Genre-Beitrag ohne Anspruch geht das in Ordnung, schließlich sind die Mimen okay gewählt, die Tricks passabel genug eingebracht und das Endergebnis unterhaltsam ausgefallen. Trotz durchaus vorhandener Monotonie der Ereignisse wird "Es begann ohne Warnung" (Alternativtitel) niemals langweilig. Letztendlich ist für den Freund abgedrehter Ideen die Ausgangslage einfach ein Selbstläufer, den man nur schwerlich komplett in den Sand setzen kann. Die Vorstellung alle Maschinen der Welt würden sich selbst kontrollieren und zur Gefahr werden (und nicht nur die künstlichen Intelligenzen, wie im wesentlich besseren "Terminator") besitzt etwas verspielt morbides, in den richtigen Händen umgesetzt wäre es sogar ein wahrlich bedrohliches Szenario. Doch nicht nur dass der Film brav seine 90 Minuten-Grenze einhalten muss, womit er das Gedankenspiel nicht konsequent durchsetzen kann, ohnehin kommt das Geschehen undurchdacht, lückenhaft und widersprüchlich daher. Ein elektrisches Messer kann ohne Strom attackieren, Lastwagen benötigen jedoch Sprit. Wozu? Viel gefährlicher wäre doch der Gedanke, dass der Komet die Maschinen frei von Treibstoff und Elektrizität fernlenkt und sie somit niemals müde werden und erst nach ihrer kompletten Zerstörung auch wirklich außer Betrieb sind. Scheinbar schenkt der Schweif ihnen schließlich auch ein System in ihrem Tun. Die Maschinen attackieren bewusst, erkennen Menschen, arbeiten solidarisch und nach Plan. Ein Blick mehr hinter die Kulissen, welcher das Treiben der Maschinen nicht zu willkürlich erscheinen lässt, wäre reizvoll gewesen.

Leider fehlt es "Maximum Overdrive" (Originaltitel) nicht nur an zusammenhängenden Erklärungen und einem konsequenten Hintergrund der Ereignisse, der Streifen kommt zudem arg inkonsequent daher und nutzt nie das volle Potential seiner Möglichkeiten. Zum einen geben sich die Überlebenden viel zu hilflos und überwinden nicht einmal lösbare Probleme. Zum anderen spielen manche Maschinen verrückt, andere stehen still. So stimmig der Einstieg in die Geschichte auch erzählt ist, inklusive angenehmer Augenzwinkereien, die der anfänglich durchaus spürbaren Bedrohung nicht schaden, das Massensterben, was hier eigentlich stattfindet, zeigt "Rhea M... Es begann ohne Warnung" (Alternativtitel) nicht auf. Dafür schien es an Geld zu fehlen. Menschen, wie Maschinen sind im Film rar verteilt. Der Planet scheint fast menschenleer, noch bevor der Siegeszug der Maschinen auch nur im Ansatz erfüllt ist. Würde man tatsächlich jegliches Elektrogerät und jedwedes automatische Fahrzeug gegen die Menschheit agieren lassen, könnte man daraus ein Weltuntergangs-Szenario schaffen, dass von den Möglichkeiten her eine komplette Serie im Stil von "The Walking Dead" Staffel-weise füllen könnte, inklusive philosophischer Konsequenzen, wie die Rückkehr zur Natur und die Rückbesinnung der Fehler der vergangenen Gesellschaft. Einen tiefsinnigen Hintergrund vermisst man in der tatsächlich angegangenen Version jedoch komplett. Und selbst der interessante Aspekt außerirdischen Einflusses, der sich erst lieblos in einem Abschluss-Text findet, wird nicht nur lediglich am Rande abgefrühstückt, ohne ihn auch nur im Ansatz zu nutzen, er wird zudem auf äußerst plumpe, wenn auch augenzwinkernd und Regierungs-kritisch gedachte, Art prompt gelöst, so dass jener Teil der Menschheit, der noch übrig ist, gerettet ist. Ob es sich hierbei um die Masse, oder nur um einzelne, letzte Überlebende handelt, macht der Film nicht deutlich.

"Rhea M - Es begann ohne Warnung" fehlt die Zeit und das Geld ausführlich zu erzählen, was die Ausgangsidee und ihre Begleitideen an Möglichkeiten geboten hätten. Wenn man bedenkt wie viele Stephen King-Verfilmungen mittlerweile eine 3 Stunden-Version beschert bekamen, und ausgerechnet jener Stoff, der sie dringend benötigt hätte, nicht, kann man schon die Augen verdrehen. Andererseits hätte man selbst dann einen Drehbuch-Autor benötigt, der mehr beherrscht als das Einbringen simpelster Stereotype und oberflächlicher und nur rar verteilter Ideen. Was mich aber, selbst die simple Variante dieses Stoffes für kurzweilige Unterhaltung mögend, an dem abgelieferten Produkt am meisten stört, ist das zu extreme Konzentrieren auf die Trucks als Hauptaggressoren. Den Rasenmäher, die elektrische Säge, ja selbst den brutalen Getränkedosen-Automaten fand ich reizvoller, bzw. das Zusammenspiel all dieser Geräte, als die sich schließlich fast nur noch auf Lastwagen konzentrierende zweite Hälfte des Streifens. Wie erwähnt, trotz all dieser Defizite geht "Rhea M - Es begann ohne Warnung" als Trivialfilm seines Genres in Ordnung, zumal er mit seinem Soundtrack, der mir eigentlich wenig schmeckenden Band AC/DC, eine wirkungsvolle Musikuntermalung bietet, die dem Werk auch akustisch ein flottes Tempo beschert. Eigentlich war es eine tolle Idee, ausgerechnet dieses Werk neu zu verfilmen. Aber leider kam "Trucks - Out of Control" 1997, wie der Titel bereits verrät, sich noch stärker auf die Lastwagen konzentrierend daher und fiel wesentlich schlechter aus, als das simple Ergebnis, welches Stephen Kings unterhaltsames Debüt bot. Wann widmet sich endlich mal wer konsequent dieser reizvollen Idee, gerade jetzt wo Endzeit-Stoffe noch immer so beliebt sind?  OFDb

BRENNEN MUSS SALEM (1979)

"Brennen muss Salem" ist nach "Carrie - Des Satans jüngste Tochter" die zweite Verfilmung nach einem Buch von Stephen King. Der drei Jahre später erschienene Horrorfilm ist im Gegensatz zu seinem Vorgänger jedoch eine TV-Produktion, die in der ungekürzten Fassung drei Stunden geht. Mag der Streifen meiner Meinung nach auch nicht wirklich geglückt sein, so sei doch trotzdem zu dieser, anstatt zur oftmals nur als 102-Minüter erhältlichen Version geraten, ist der Trumpf des Streifens doch seine Langsamkeit, die alles stimmig vorbereitet. Auch wenn man dem Produkt seine Fernseh-Herkunft ansieht, so ist er zunächst doch recht ordentlich ausgefallen, weiß einen für seine Figuren zu interessieren und auf nüchtern trockene, besagte langsame Art eine bedrohliche Stimmung aufzubauen. Kings Geschichte serviert die Vampir-Thematik sehr klassisch, aber nicht altbacken. Angereichert mit unheimlichen Elementen, wie der wandernden Kiste oder der Eiseskälte, welche diese ausstrahlt, lebt "Salem's Lot" (Originaltitel) von diesem urigen Zustand. Moderne Leute treffen auf ein klassisches Gruselszenario, das weiß zu gefallen.

Leider bleibt "Schrecken im Marsten Haus" (Alternativtitel) nicht so stimmig, wie er beginnt, aber es dauert lange Zeit bis sich eine gewisse Ernüchterung in das doch zu routiniert ausgefallene Szenario einschleicht. Je konkreter die Geschichte ihr Unheil thematisiert, desto mehr geht die zuvor gut funktionierende Mystik verloren, welche die eher typischen Elemente der Geschichte aufwertete. Je bewusster den Protagonisten die Gefahr wird, desto austauschbarer wird der Plot, dem es mit der Zeit an einem gut funktionierenden Spannungsbogen mangelt. Schuld daran ist auch der so gar nicht gruselig aussehende Obervampir und die etwas arg lächerlich anmutenden Kindervampire. Erstgenannter weiß mein Monsterfilm-Herz höher schlagen zu lassen, aber eben aus Retro-Charme, nicht weil er Schrecken und Grusel verbreiten könnte. Es ist aber auch eine gewisse Lückenhaftigkeit zu dominierend vorhanden, welche "Blood Thirst" (Alternativtitel) trotz seiner Überlänge besitzt. Anstatt diese zu nutzen um derartiges zu verhindern, liefert der Film stattdessen sprunghafte Erkenntnisse, eine wenig überzeugende Zusammenkunft der zunächst einzeln tätigen Eingeweihten, sowie Ungereimtheiten, gerade im gar nicht unspannend ausgefallenem Finale.

Regisseur Tobe Hooper hält genug Tricks und Methoden bereit, um den ursprünglich als Miniserie konzipierten Film nicht komplett zu ruinieren und den Zuschauer halbwegs bei Laune zu halten. Man hat aber schon deutlich bessere Arbeiten des späteren "Poltergeist"-Regisseurs gesehen, der einst mit "Kettensägenmassaker" das Terror-Kino der 70er Jahre mitbegründete. Es ist aber ohnehin eher die Schuld des inkonsequenten Drehbuchs, welches den Film schwächer werden lässt, als er eigentlich hätte ausfallen können, vielleicht auch die der Buchvorlage. Ich kann es nicht beurteilen, da ich diese nicht gelesen habe. Aber wie kann man bitte den Aspekt, dass der Junge, der später zum Vampirjäger und -gejagten wird, ein bekennender Monster-Fan ist, so gar nicht für die Erkenntnisse des Übernatürlichen und die Konsequenzen daraus nutzen? Gerade in den 80er Jahren haben viele Filme aus diesem Element einen nützlichen Vorteil gezogen, während der Junge in "Brennen muss Salem" sich ebenso für Briefmarken hätte interessieren können. Das Haus, welches sich stimmig eingefangen bedrohlich über die komplette Stadt hebt, erinnert in dieser dominierenden, erhöhten Position sicherlich nicht zufällig an jenes aus "Psycho", welcher in einer Szene melodisch gar geehrt wird, wenn auch, unerklärlicher Weise nicht in einem Moment, in welchem es um das Haus geht. Zudem erinnert die historische Geschichte des Gebäudes stark an "Bis das Blut gefriert". Umgekehrt wurde Hoopers Film, der 2004 deutlich besser als "Salem's Lot - Brennen muss Salem" neu verfilmt wurde, in "Fright Night" geehrt, was man an der Innenarchitektur des jeweiligen Hauses beider Obervampire erkennt. Dass "Brennen muss Salem" an sich jedoch selten erwähnt wird, wenn es um das Thema Stephen King-Verfilmungen geht, braucht in seiner lediglich schlichten Mittelmäßigkeit, die er erreicht, nicht verwundern.  OFDb

06.07.2020

CREEPSHOW - DIE UNHEIMLICH VERRÜCKTE GEISTERSTUNDE (1982)

In den 50er und 60er Jahren waren die von Erwachsenen verpönten Monster-Hefte und Grusel-Comics erfolgreiche Trivialware. "Creepshow" (Originaltitel) widmet sich in seiner Rahmenhandlung nicht nur dieser und dem umstrittenen Umgang mit derartigen Publikationen, er kommt komplett im Gewandt einer solchen daher. Die Kurzgeschichten beginnen und enden mit Zeichnungen, einige Bilder werden nebeneinander in Comicbild-Umrahmung präsentiert, die heute nostalgisch anmutenden Werbeseiten mit skurrilen Artikeln, zum Verschleudern des Taschengeldes, werden eingebaut, und auch die präsentierten Geschichten an sich baden in genau jenem charmant verschmitzten, schwarzhumorigen Ton, wie er typisch für diese Art Produkt war. Ernstzunehmender Horror wird hier nicht präsentiert, eher Schelmereien geschmückt in Horrorthematiken. Umso schöner ist es, dass diese kindliche Herangehensweise getaucht ist in oftmals blutrünstige Bilder. Die US-Amerikaner hatten noch nie Probleme damit beides zu vereinen. Für die Effekte verantwortlich zeichnet sich Tom Savini, der Genre-Künstler seiner Zeit schlechthin, das Drehbuch steuerte der gerade besonders beliebte Stephen King bei (der in der zweiten Geschichte auch sympathisch dümmlich spielend die Hauptrolle besetzt), und mit George A. Romero hatte man einen professionellen Veteran des modernen Horrorfilms auf dem Regie-Stuhl sitzen.

So braucht es gar nicht verwundern, dass direkt zu Beginn eine Zombiegeschichte auf den Zuschauer wartet. Allerdings ist sie ganz anders als Romeros "Die Nacht der lebenden Toten" und "Zombie" ausgefallen. Im zum verspielten Grundton verpflichtenden Look erinnert sie mit ihrem charmanten Monster, das dem Grabe entsteigt, und der mündlich dargebotenen Aufforderung auf einen längst fälligen Geburtstagskuchen eher an den erst später erschienen "The Return of the Living Dead". Romero beweist, dass er die Thematik auch auf völlig andere Art beherrscht. Die darauf folgende Geschichte, um einen dümmlichen Farmer, der nach dem Berühren eines frisch herunter gestürzten Meteors zum Pflanzenwesen mutiert, schlägt einen ähnlichen Ton an. "Creepshow" (Originaltitel) liefert jedoch selbst in verschmitzter Form auch ernstere, nicht ganz so extrem auf Comic getrimmte, Gangarten. So z.B. in der meiner Meinung nach besten Geschichte, in welcher Leslie Nielsen einen rachsüchtigen, besitzergreifenden Ehemann spielt, der den Betrug seiner Frau auf besonders scheußliche Art rächt. Während die meisten Episoden auf sehr direkte Art erzählt sind, kommt eine Geschichte, um ein affenähnliches Monster mit unnötigen Ausschweifungen daher, welche die Geschichte eher lang ziehen, anstatt ihr dienlich zu sein. Eine professionelle Besetzung macht einiges wieder wett, meiner Meinung nach wird diese nett getrickste Chose jedoch zum Tiefpunkt des Streifens. Eine Abschluss-Story um ein Kakerlakenproblem entlässt wieder verschmitzt sympathisch aus dem Film.

So nett das alles klingt, "Die unheimlich verrückte Geisterstunde" (Alternativtitel) macht genau jenes Problem deutlich, welches ich meistens mit Episodenfilmen, gerade aus dem Horrorbereich, habe. Die Episoden greifen nie tiefer, als ihr eigentlicher Aufhänger und enden mit einem augenzwinkernden Schluss dann, wenn es am interessantesten wird. Die liebevolle Comicgestaltung und die professionelle Umsetzung machen zwar einiges wieder wett, aber über eine Laufzeit von zwei Stunden schießt "Creepshow - Die unheimlich verrückte Geisterstunde", der bislang zwei Fortsetzungen beschert wurden, dann doch über sein Ziel hinaus. Am Stück konnte ich mir den damit viel zu lang ausgefallenen Streifen nicht angucken. Und so charmant ich auch vieles an ihm finde, letztendlich hängen mir die sympathischen Geschichten zu sehr an ihrem Aufhänger fest. Das reicht um eine Art morbid kindliche Freude zu entfachen, überfordert in seiner Überlänge jedoch. Filmfreunde, die weit weniger skeptisch mit Episodenfilmen umgehen als ich, werden mit genügend Geduld jedoch ein feines, verspieltes, wie blutrünstiges Happening erleben, wie es eben nur Freunde dieses Genres mögen, vorausgesetzt man steht nicht nur auf die bierernsten Varianten des übernatürlichen Films.  OFDb

05.07.2020

CUJO (1983)

Die Idee eines Hunde-Horrors war zur Entstehungszeit von "Cujo" nicht neu zu nennen. Ob "Zoltan - Draculas Bluthund", "Killerhunde", "In der Falle - Angriff der Killerhunde" oder der gerade ein Jahr vor dem hier besprochenem Film erschienene "Bloodline - Zum Killen dressiert", allein durch die 70er Jahre Tier-Horror-Welle eroberten so einige aggressive Kläffer die Leinwand. Nur selten wurde der Auslöser ihrer Aggression so simpel und natürlich angegangen, wie in dem auf einem Roman von Stephen King basierenden Genre-Beitrag. Cujo hat schlichtweg Tollwut. Deswegen bangt man nicht nur vor dem Bernhardiner, er tut einem zudem leid und ist somit ein tragisches Monster, wie es im klassischen Horrorfilm-Bereich geradezu üblich war. Ansonsten guckt sich Cujo für seine Entstehungszeit modern, kommt angenehm unaufgeregt daher, kümmert sich um das Wesentliche und bietet eine Konsequenz im Minimalismus, wie man sie wohl seit "Duell" nicht mehr gesehen hatte: Mutter und Kind stecken ab der zweiten Filmhälfte im Auto fest. Wer glaubt das sei langweilig, der irrt, denn Regisseur Lewis Teague, der bereits mit "Der Horror-Alligator" 1980 einen Kinoerfolg im Tier-Horror-Bereich verbuchen konnte und mit "Katzenauge" später auch einen weiteren Film nach Stephen King inszenierte, beherrscht den Spannungsbogen gekonnt und lässt die Bedrohung durch den kranken, stets in der Nähe lauernden Hund, stets über allen Dingen schweben. Ein spannungsgeladenes Unbehagen ist fortwährend spürbar, gepaart mit der Dramatik einer verzweifelten Mutter, deren Kind gesundheitlich allmählich abdriftet.

Gerade sie ist ein Aspekt des damals modernen Zeitgeistes dieser Kino-Dekade. So hilflos Donna zunächst auch der Gefahr ausgeliefert ist, sie gehört nicht zu den Frauen, die, wie sonst typisch für das Genre, gerettet werden müssten. Auch wenn das Drehbuch einen Rettungsakt von außen einfädelt, so dient dieser Aspekt doch lediglich der Täuschung, denn die von Dee Wallace so gekonnt verkörperte Frau muss sich selber helfen, um ihr Kind zu retten. Hier wird gesunde Emanzipation gezeigt: Mutter und Überlebenskämpferin in einem und zudem bereits in der Ehe kein braves Hausmütterchen. Zwar frustriert gezeichnet, aber dennoch taff ist sie es, im Gegensatz zum Klischee, die fremd geht. Und sie ist es zudem, die diese Beziehung beendet, egal wie sehr sie auch bedrängt wird es nicht zu tun. Der Ehemann steht dem passend klassisch entgegen. Er ist der Verletzte, gleichzeitig der Ernährer der Familie, mit beruflichen Problemen, aber ein sensibler Mann und ein liebevoller Vater. Vielleicht ist er in seiner Ehe einfach zu brav, dass sich Donna in ihr Abenteuer mit wem stößt, der das Gegenteil verkörpert, nämlich den egoistischen Sturkopf, dessen Männlichkeit es nicht verknusen kann von einer Frau sitzen gelassen zu werden. Das sind Nebensächlichkeiten, die mit dem Horroraspekt des Streifens wenig zu tun haben, aber sie sind wichtig für die Charakterzeichnung und in einer Selbstverständlichkeit eingebracht, die beweist wie weit die Emanzipation seinerzeit auf unverkrampfte Art in die Gesellschaft eingezogen war.

Was den eigentlichen Horrorbereich betrifft, so hat nicht nur Teague mit seiner spannenden Inszenierung gute Arbeit geleistet. Die Tierdressur ist erste Sahne, nur selten sieht man Cujo mit dem Schwanz wedeln. Der schleichende Krankheitsverlauf wurde beachtet, und je dreckiger und kränker der Bernhardiner wird, desto furchterregender sieht er aus. Die Attacken kommen mit schnellen Schnitten daher, welche aber genügend erkennen lassen, im Gegensatz zu heutigen, oft angewandten, hektischen Kamerawackel-Momenten. Sie dienen der Glaubwürdigkeit der Hundeangriffe, denen man nicht ansieht, dass zwischendurch ein Mensch in ein Hundekostüm gesteckt wurde. Die Illusion bleibt stets erhalten, das stärkt das enorme Spannungspotential des Streifens und lässt ihn somit auch in solch wichtigen Phasen weiterhin bestens funktionieren. Selbst der plötzliche Schluss wird nicht zum Negativpunkt dieses geglückten Werkes, ist bis zu diesem Augenblick doch alles erzählt, und der Zuschauer darf für sich selbst überlegen, wie es mit dem unglücklichen, sich aber liebenden Paar weiter geht. Was an "Cujo" ebenfalls positiv auffällt, ist die Kinderbesetzung. Danny Pintauro, dem kein weiterer Erfolg als Schauspieler beschert wurde, wirkt als Donnas Sohn authentisch, selbst bei seinen Krampfanfällen, die - gute Maskerade hin oder her - für ein solch junges Kind schwierig zu spielen sind. Zudem nervt der Junge nur dann, wenn er es von der Geschichte her auch soll. So wird er diesbezüglich z.B. eingebaut, um die Situation der sich an ihren Grenzen befindenden Mutter noch hoffnungsloser zu gestalten, muss sie ihrem Sohn gegenüber doch Liebe und Stärke zeigen. Der Aspekt, dass hier ein junger Mensch beschützt werden muss, wird somit nicht durch eine schlechte Besetzung, oder durch eine fatale Kinder-Charakterzeichnung vergeigt, sondern ganz im Gegenteil gestärkt.  OFDb

DER FEUERTEUFEL (1984)

"Der Feuerteufel" gehörte in der ersten, längeren Phase der Stephen King-Verfilmungen zu den weniger beliebten Beiträgen, ist er doch nicht so dynamisch ausgefallen, wie die meisten anderen Buchumsetzungen des beliebten Horror-Autors. Ganz im Gegenteil kommt der Streifen zunächst etwas zäh erzählt daher und verwendet Rückblicke, wo eine zeitlich klassisch angeordnete Vorgeschichte die bessere Wahl gewesen wäre. Der Film wirkt in seiner zu monotonen und dramaturgisch unterkühlten Art etwas zu hölzern inszeniert. David Keith, der wie ein magerer Kurt Russell-Abklatsch aussieht, wirkt in seinem passablen Spiel zu bemüht und versteift. Und die kleine Drew Barrymore ist eher niedlich, als dass sie schauspielerisch beeindrucken würde. Beide spielen gerade so, dass es dem Film nicht vollends schadet, zumindest passt diese Routine zur durchschnittlichem Umsetzung von "Die Klasse von 1984"-Regisseur Mark L. Lester. Da sich der Grundton des Streifens jedoch eher dem trockenen 70er Jahre-Stil, anstatt dem poppigen 80er Jahre-Stil, zuwendet, ist er zumindest in einem erwachsenen und bedrohlichen Ton erzählt, was das theoretisch etwas arg plumpe Geschehen reifer wirken lässt, als es tatsächlich ist.

Deutlich besser wird "Firestarter" (Originaltitel) zur zweiten Hälfte, wenn die Geschichte durch die Gefangennahme beider und den Experimenten, die an ihnen durchgeführt werden, interessanter wird. Je mehr es Richtung Finale geht, desto mehr bekommen die Verantwortlichen der Spezialeffekte zu tun. Und glücklicher Weise geht diese Entwicklung Hand in Hand mit einem Szenario, für das man sich endlich wirklich interessiert. In der letzten halben Stunde wird "Der Feuerteufel", der 2002 eine Fortsetzung beschert bekommen hat, dramatischer, bösartiger, spannender und wuchtiger. Vielleicht ist die Schluss-Sequenz vor dem Abspann etwas zu optimistisch ausgefallen, andererseits hatte man damals ein anderes Verhältnis zu dem dort eingebundenen Medium. Und für das älterer Farmer-Paar, das sich immer schon eine Tochter wünschte, freut man sich, umgeht der Regisseur, der für seinen harten und direkten Ton bekannt ist, doch glücklicher Weise hierbei so gut wie möglich den Kitschbereich. Ein Action-reiches Finale, das an Sehwert nichts zu wünschen übrig lässt, lässt einen ohnehin milder mit diesem Schluss umgehen. Auch der Mangel an psychologischem Einfühlungsvermögen, der im kompletten Drehbuch spürbar ist, hilft dabei den Schluss nicht all zu kritisch zu sehen. Dass der Stoff eine deutliche Nähe zu "Carrie - Des Satans jüngste Tochter" aufweist, gerade gegen Ende, kann man wohl eher der Buchvorlage vorwerfen, anstatt dem Film. Aber es ist verständlich, dass man nach Jahren des großen Erfolges von Brian De Palma an diesen anschließen wollte.  OFDb

27.06.2020

NACHTSCHICHT (1990)

Sehr beliebt ist "Nachtschicht" nicht bei den Freunden üblicher Stephen King-Filme, ist die einzige Langfilm-Regiearbeit von Ralph S. Singleton doch nicht gerade so massentauglich ausgefallen, wie die üblichen cineastischen Versionen, die auf Werken des berühmten Horror-Schriftstellers basieren. Singletons Film ist schmutzig und grotesk ausgefallen, schwer zu greifen in einer Welt, die fast nur aus Fieslingen zu bestehen scheint und in der es keinen Lichtblick auf Besserung gibt. Doch gerade aus dieser Konsequenz heraus und dem bitter-düster comic-artigen Touch dieser sich unwirklich anfühlenden, bizarren Schweiß- und Müllwelt besteht der Reiz eines Werkes, das keine Kompromisse macht. Entweder man mag und versteht den Ton des Streifens, oder eben nicht. Das Monster ist Nebensache, lange Zeit geht es um die zwischenmenschlichen Probleme dieses Mikrokosmos. Der böse Chef, dümmlich asoziale Mitarbeiter und Konkurrenten, selbst die Love Interest des mit David Andrews so passend besetzten Helden, besitzt einen asozialen, schmuddeligen Touch, hinein geboren in die schlichte und dumpfe Arbeiterwelt, ohne große Erwartungen und Ambitionen naiv ein Glück suchend das es dort nicht gibt. Interessant ist gerade der mit dem durchschnittlichem Namen John geprägte Charakter, der weit mehr auf dem Kasten hat als jeder andere in dem Kaff, freiwillig in diese Welt eintaucht um persönliches zu verarbeiten, jedoch Teil einer Geschichte wird, in welcher er nicht aufgrund der Umstände und Herausforderungen zu sich selbst zurück besinnen muss, geschweige denn seinen Ur-Typ, den Gelehrten in sich, ausgraben muss um sich zu retten.

"Graveyard Shift" (Originaltitel) ist nicht die typische Art US-Film moralischer Stereotype und Handlungsmuster. Klar sind Gut und Böse hier deutlich getrennt, aber es geht um keine Charakterentwicklung, um keine Lehre, die man dem Publikum servieren will. "Nachtschicht" ist ein Film für ein mündiges Publikum, das sich selbst zurecht findet und mit dem arrangiert was ihm geliefert wird, dabei jedoch kein versteckt intellektuelles Kino sichtet, sondern eine verspielt-düstere Welt kennen lernt, in welcher die Figuren tun was sie tun müssen. Während man innerhalb dieser Struktur lange Zeit den Eindruck erweckt bekommt, es im eigentlichen Horrorbereich mit der klassischen Thematik um Killerratten zu tun zu bekommen, ist dies nur die halbe Wahrheit, ist das weit größer ausgefallene Monstrum dieses Streifens doch nur zum Teil Ratte. Es ist zudem Fledermaus, in den kurz zu erhaschenden Aufnahmen nett anzuschauen, aber auch definitiv nur etwas für Retro-Freunde, die es auch dann handgemacht mögen, wenn das düster Böse eines Filmes auch den Bereich der Lächerlichkeit streift. "Nachtschicht" ist kein Trash, selbst in seinem Finale nicht, in welchem die Kreatur sehr verspätet ins Zentrum der Geschehnisse rückt, dafür ist die Geschichte zu konsequent angegangen und zu düster schmuddelig inszeniert. Aber wirklich ernst nehmen kann man die Kreatur dennoch nicht. Aber das ist der Vorteil der Groteske, nach außen humorlos angegangen, aber bizarr und augenzwinkernd erzählt, trifft er in dieser gnadenlosen, etwas surreal anfühlenden, Welt genau den Ton, der einen eine solche Kreatur als Aggressor akzeptieren und annehmen lässt. Ist sie besiegt, fühlt sich der Ort, in dem alles spielt, bei weitem nicht sympathischer an. Von einem Happy End, auch aufgrund der Verluste auf dem Weg dort hin, kann nicht wirklich gesprochen werden.  OFDb

14.06.2020

ES - KAPITEL 2 (2019)

Dass die zweite Hälfte der Verfilmung "Es" nicht so stark ausfallen würde wie die erste, war vorher zu sehen. Bereits in der 90er Jahre-TV-Version wussten die Kindheitserlebnisse mehr zu packen, als jene der Erwachsenen. Bereits dort wurde in der Gegenwart angekommen der dramatische Aspekt zurückgeschraubt, um sich lediglich dem Horror zu widmen. So waren es in Muschiettis erster Hälfte der Verfilmung eines Stephen King-Buches doch mehr die dramatischen Hintergründe und das Leiden der Kinder, in einer sie ignorierenden Stadt, welche den Film so interessant und sehenswert machten, als das eigentliche Kern-Genre. Der Horror kam eher abenteuerlich mit manchem Gruselmoment daher, sich mehr den Effekten zuwendend, als einem wahrlich düsterem Horror-Feeling. Wie zu erwarten, konzentriert man sich auch bei der Neuverfilmung in dieser Phase der Geschichte verstärkt auf den Horrorpart, nur dass dieser erneut nun nicht mehr als Kindheits-Retro-Abenteuer stattfinden kann und somit einiges an Reiz einbüßt.

Glücklicher Weise bleibt "Es 2" mit etwas herunter geschraubten Erwartungen dennoch ein unterhaltsamer Film für zwischendurch, und das trotz seiner Lauflänge von über 160 Minuten. Das weit weniger tiefgründige und sich manchmal etwas zu sprunghaft anfühlende Treiben ist glücklicher Weise flott genug umgesetzt, um nie zu langweilen, brauchbar genug vertieft, um dem Ganzen auch interessiert zu folgen und zumindest in einigen Rollen gut genug besetzt, um in ihnen die Figuren von einst glaubhaft erkennen zu können. Allen voran trumpft freilich Bill Skarsgård als Clown Pennywise, der mir nach wie vor besser gefällt als Tim Curry in der ersten Verfilmung. Aber auch die anderen Darsteller sind brauchbar ausgesucht, insbesondere die erwachsene Besetzung von Richie, der meiner Meinung nach zur besten Figur der Geschichte wird, ist sie doch die einzige, die einen empathischen Umgang mit ihrem Schicksal gewährt bekommt, während die Dramatik der anderen erwachsenen Mitglieder des Clubs der Verlierer zwar benannt, aber nie wirklich mitfühlend inszeniert wird. Dem Drehbuch sind ohnehin, wie erwähnt, die Horrormomente wichtiger, und die wissen zumindest mit ihren kreativen Ausarbeitungen zu gefallen.

Was uns hier, für nur kurze Momente, an Kreaturen und anderweitigen Horrorphantasien geboten wird, ist wahrlich eine Augenweide. Mancher kurz auftauchenden Gestalt hätte ich einen eigenen Film gewünscht, so einfallsreich und optisch hervorragend umgesetzt wissen diese Momente zu wirken. Allerdings wird mit derart lauten Knalleffekten auf der anderen Seite nie eine Gruselstimmung erzeugt, so dass "It - Chapter 2" (Originaltitel) zwar mit derartigen Gimmicks unterhält, jedoch nie wahres Horror-Feeling erzeugt. Wen das nicht weiter stört, wird zumindest solide unterhalten. Und als Trost für das etwas mauere Ergebnis schauen zumindest in Rückblicken immer wieder die uns in Teil 1 ans Herz gewachsenen Kindervarianten der Charaktere vorbei. Das Ende ist diesmal nicht so plump ausgefallen wie jenes der TV-Verfilmung, ist allerdings Geschmackssache. Mir persönlich hat es gefallen, auch wenn es für meinen Geschmack etwas psychologisch raffinierter hätte ausfallen können, manch einer wird sich jedoch vielleicht verarscht vorkommen, unabhängig davon ob er den schlicht analytischen Clou dahinter begreift oder nicht. Ein Finale eines derart aufgeregten Filmes hat man sich sicherlich anders vorgestellt, letztendlich ist es aber ein gekonntes und gewitztes Spiel mit den Erwartungen des Zuschauers.

Dem gewährt man ohnehin immer wieder kleine Seitenhiebe auf Bekanntes aus dem Vorgänger und dem Leben, manch humorvolle Passagen mit wahrlich geglückten Sprüchen, und diesbezüglich sogar einen Seitenhieb auf das Buch, auf welchem der Film basiert, ist dessen Ende unter Stephen King-Fans doch ebenfalls umstritten, was "Es - Kapitel Zwei" (Alternativtitel) gewitzt mittels eines Running Gags zu thematisieren weiß. Mag die zweite Hälfte des von Anfang an als Zweiteiler konzipierten Kinofilms auch nicht so intensiv ausgefallen sein wie die erste, glücklicher Weise besitzt sie noch genügend Charme, um als Unterhaltungsfilm zu funktionieren, obwohl sein Horrorpart weder furchteinflößend, schockierend, noch gruselig ausfällt, sondern lediglich verspielt, sowie manches Mal sadistisch und schwarzhumorig. Mir persönlich hat das ausgereicht. Das hat es schließlich bereits im ersten Teil. Diesmal habe ich lediglich die gekonnt dramaturgische Grundlage vermisst, auf welcher der Horror fußt, was aber zu erwarten war. Umso schöner ist es, dass diese zumindest durch die Richie-Figur als Restelement vorhanden ist und exzellent zu funktionieren weiß.  OFDb

10.08.2019

KINDER DES ZORNS (2009)

Stephen Kings Kurzgeschichte um eine Gruppe religiöser Kinder, die alle Erwachsenen als Sünder verstehen und deswegen ermorden, wurde vor der hier besprochenen Version schon einmal fürs Kino 1984 unter dem Titel "Kinder des Zorns" umgesetzt und zweitverfilmt auch als Kurzfilm mit in die Veröffentlichung "Night of the Crow" eingebunden. Beide Versionen haben mir nicht zugesagt, obwohl die Geschichte zunächst einmal reizvoll klingt, von daher war ich nicht abgeneigt, dass man sich erneut an jenem Stoff versucht hat, der bis heute 8 Fortsetzungen nach sich zog. Freilich geht man bei einer TV-Verfilmung mit herunter geschraubten Erwartungen heran, viel erwartet habe ich trotz meiner Hoffnung auf eine bessere Verfilmung ohnehin nicht. Trauriger Weise war das auch gut so, sollte die dritte Version doch ebenfalls nichts Herausragendes bieten. Das beginnt schon damit, dass man sich anfangs ganz treu an den oberflächlichen Ablauf der Erstverfilmung hält und einzig die Figuren modernisiert. Gestrichen wurde der Aspekt um zwei Kinder, die gegen die Sekte handeln, und wie schon damals, so verzichtet auch Borchers "Kinder des Zorns" nicht darauf uns zuvor aufs Brot zu schmieren, was am eigentlichen Handlungsort Unheimliches abläuft. Erneut wird kein Geheimnis daraus gemacht, erneut vergeigt man die Chance eine rätselhafte, düstere Atmosphäre als Schleier über die kommenden Ereignisse zu werfen.

Das könnte man als Respekt vor der Vorlage verstehen, wenn sich "Children of the Corn" (Originaltitel) auch weiterhin an diese halten würde. Aber nach der langen Autophase, in welcher wir das zentrale Paar besser kennen lernen, verlässt der Streifen den gewohnten Weg und modernisiert den Stoff. Da wird noch kurz über niedrige Preise, den verlassenen Ort und anderweitiges gestaunt, dann biegt der Film urplötzlich ab, nimmt uns eine der Identifikationsfiguren (glücklicher Weise jene, die derart penetrant nervig charakterisiert wurde, dass ihre Anwesenheit Gefahr lief dem kompletten Film zu schaden) und lässt uns die eine, die sich als erfahrener Militärdienstleister entpuppt, und sich somit zu wehren weiß. Trotz des Versuchs des Schauspielers dieser Figur eine Spur Entsetzen in seine Mimik einzubauen, funktioniert die mörderische Gegenwehr ohne große Hemmungen, den Reiz der Thematik eines "Ein Kind zu töten" gar nicht erst anvisierend, in der Hoffnung über die Figur des Soldaten würde das schon glaubwürdig genug herüberkommen. Diese Zutat kann man als Ärgernis sehen, in meinen Augen war sie aber genau jenes Element, welches dem zu routinierten Film zumindest kurzfristig den nötigen Zunder bescherte und aus seiner braven Lethargie der Routine riss.

Je weiter der Film voranschreitet, desto weniger glaubwürdig wird die Hauptfigur allerdings, die in Sachen Taktik, Deckung und anderweitigem Expertenverhalten so gar nichts zu bieten hat, aufgrund einer Verletzung zwar menschlicher gezeichnet wird, aber eben so gar nicht glaubwürdig als Kriegserfahrener herüber kommt. Der Kinderkult hingegen wird ausführlich zelebriert, wir erfahren so ziemlich alles über die Sekte, was es zu wissen gibt, mit Ausnahme des zentralen Isaac, der mit Blick auf die Eingangssequenz nicht älter zu werden scheint. Ist dem so? Und warum thematisiert der Film dies nicht, wenn er alle anderen Kinder doch wachsen lässt und in alter "Flucht ins 23. Jahrhundert"-Art erwartet, dass man sich ab einem gewissen Alter opfert? Er der hinter den Reihen geht wird diesmal auf "Tanz der Teufel"-Art tricktechnisch mit lebendig gewordenem Gestrüpp als real existierend dargeboten (in der ersten Verfilmung erinnerte seine Anwesenheit eher an die unterirdischen Sandbewegungen aus "Invasion vom Mars"), den Hintergrund was er die Kinder warum tun lässt, kann man erahnen, wird aber nur angedeutet. Das wird in einem solch oberflächlich abgehandeltem Film wie diesem zu einem negativen Element, da man aufgrund fehlender Erklärungen nicht zum selber phantasieren verführt wird, sondern sich fragt warum einem das hier präsentierte, simple und brave Einerlei eines Horror-Genres vorgesetzt wurde, wenn es sich sämtlicher Vertiefungen, mit Ausnahme des Alltags im Kult, verweigert.

Zum Vorteil eines höheren Tempos streicht man allerhand Elemente, die es im Vorgänger noch mitzuerleben gab, so z.B. die Rebellion in den eigenen Reihen. Der Helfer Isaacs bleibt ein treu glaubender Partner, wissentlich dass seine Lebenszeit bald ebenfalls endet. Und mit der Streichung der Finaldebatte aus der Erstverfilmung, geht auch der einzige nennenswerte Tiefgang der Geschichte unter, bzw. jener analytische Aspekt, welcher dem oberflächlichen Treiben zumindest ein wenig Rückhalt in seiner Daseinsberechtigung gab. Die Neuverfilmung "Kinder des Zorns" bleibt oberflächlich abgearbeitet, bietet einige wenige, etwas härtere Bilder und ein höheres Tempo und vergeigt es im letzten Drittel das positivere, da flottere Seherlebnis zu einem interessanten Finale zu führen. Da das erste Drittel über die Charaktereigenschaften der Ehefrau kaum auszuhalten war, sorgt nun der Schluss dafür, dass der Streifen ein mageres Filmchen bleibt, das beweist, dass es ebenfalls nichts aus der interessanten Grundidee herauszuholen weiß. Ganz im Gegenteil erdreistet man sich uns vor dem Abspann ein pseudo-schockierendes Schlussbild zu präsentieren, so als wäre das was dort gezeigt wird, nicht selbstverständlich gewesen inmitten des Treibens, was uns in der letzten Szene dargeboten wird. Manche Denkweise Filmschaffender muss man als Cineast wohl nicht begreifen.  OFDb

16.12.2018

CHRISTINE (1983)

Von den noch recht frühen Beiträgen John Carpenters ist "Christine" meiner Meinung nach jenes, das am wenigsten seine typische Handschrift trägt. Der Film schaut sich aus dem üblichen Guss einer Hollywood-Produktion, was damals noch eine positive Eigenschaft war. Aufgrund der stark klischeebelasteten Figuren des Streifens guckt sich das Ergebnis stattdessen eher wie ein waschechter Stephen King-Film, was verwundern darf, war Stephen King zwar der Autor der Buchvorlage, doch von dessen phantastischem und vor allen Dingen auch sehr einfallsreichen Roman ist in der Filmversion nicht mehr viel übrig geblieben. Statt die hochgradig interessante Geschichte des Romans zu verfilmen, handelt "Christine" lediglich von einem mordenden Auto und ihrem besessenen Fahrer.

Interessanter Weise hat Carpenter diese Versimpelung recht gut im Griff. Wo die meisten Szenen auch aus der Hand vieler anderer Regisseure stammen könnten, da entpuppen sich jene Momente, in der Carpenters Handschrift zu erkennen ist, auch gleich als die Höhepunkte des Streifens. Die Attacken der rachsüchtigen Karre, begleitet von Carpenters selbst komponierter Hintergrundmusik, wissen selbst dann zu wirken, wenn Christine noch gleich reißerisch brennen muss, während sie den viel zu alt besetzten Oberbösewicht verfolgt und tötet. Die nur selten, aber dann zum richtigen Zeitpunkt, eingesetzten Spezialeffekte wissen ebenfalls zu gefallen, ebenso wie der Wandel Arnies, was nicht nur der Maske Keith Gordons zu verdanken ist, sondern auch dem Schauspieler selbst, der die kleinen Graustufen seiner Verwandlung gut einzufangen weiß. Leider führte er irgendwann nur noch Regie. Gerade in seinen Teenie-Zeiten, wie beispielsweise in "Combat Academy", empfand ich ihn als sympathischen Mimen leichter Stoffe.

Während die Deutschvertonung die ohnehin schon gewaltigen Stereotype um einige weitere Grade aufpuscht, lohnt sich "Christine" im Originalton. Normale Stimmen begleiten dort die Klischeefiguren, das lässt den Film weit angenehmer gucken. Aber ohnehin hat mich der hohe Unterhaltungswert bei meiner erneuten Sichtung nach etlichen Jahren überrascht, hatte ich "Christine" doch eher als Durchschnittsfilm in Erinnerung, und das ist er meiner Meinung nach so gar nicht, so toll wie er sich aus einem Guss schaut, so gut wie Horror und Drama nebeneinander harmonieren, so seicht wie beide Bereiche angegangen werden. Und es ist erstaunlich wie gut der Streifen funktioniert, wenn man bedenkt dass es Arnie ist der im Zentrum steht und gegen Ende von wem bekämpft werden muss, zu dem man weit weniger Bezug erhalten hat. Auch hier ist der Roman völlig anders vorgegangen, da er von Anfang an die Sichtweise der jeweiligen Phase der Erzählung wechselte. Interessanter Weise schadet der Verzicht dieser Vorgehensweise nicht dem Film, der auf seine seichte, zurückhaltende Art, versehen mit seinen kleinen Höhepunkten am Rande, einfach gelungen ist wie er ist.  OFDb

02.12.2018

KINDER DES ZORNS (1984)

Nicht nur für Stephen King, der das Thema mörderische Kinder mit seinem Hang zur Kritik an religiösem Fanatismus kombinieren konnte, besitzt die Geschichte ihren Reiz. Da aus beiden Elementen bestehend, zu einer Zeit in welcher mörderischen Kindern nur gelegentlich Beachtung im Kino geschenkt wurde, weiß die Geschichte von "Kinder des Zorns" theoretisch gesehen auch das Publikum zu interessieren. Es sei denn man setzt die Geschichte um, wie es Fritz Kiersch mit seinem Regiedebut getan hat. Ich verstehe nicht warum er den Zuschauer nicht in eine rätselhafte Situation hineingeschubst hat, um einen gewissen Spannungsbogen zu erzeugen. Stattdessen dürfen wir direkt zu Beginn den Taten der Kinder beiwohnen, und auch jedes weitere Rätsel, wie die Frage ob es um etwas Übernatürliches oder schlicht um religiösen Fanatismus geht, wird viel zu voreilig aufgelöst.

Dementsprechend zu schlicht ist das Ganze heruntergekurbelt. Zu den beiden Hauptfiguren baut man keinen wirklichen Bezug auf. Sie fahren ewig Auto, sind einem zu egal um sie zu mögen oder dies nicht zu tun, und man hat das Gefühl dass es ebenso ihren Darstellern erging, die sie lustlos spielen. Immer wenn die Geschichte Potential bietet, entscheidet man sich für die falsche weitere Vorgehensweise. Die gefangen gehaltene Frau im Maisfeld wird wieder zurück ins verlassene Dorf geschleppt. Der hintergangene Kinderanführer darf am Maiskreuz befestigt herumfluchen, ohne dass die Rache von der er redet eintritt. Das Entgegenwirken der stets wiederholten Propaganda, ein Weckversuch der Hauptfigur den gläubigen Kindern gegenüber, wird zu kurz und lieblos angerissen, anstatt gerade in diesem Punkt den wahren Kernmoment der Geschichte zu erkennen. Passend dazu wirken die zu banal gewählten Worte überraschend schnell für eine mehrjährige Gehirnwäsche, so dass das Grauen schneller beendet ist als vermutet.

Aber ohnehin hätte auch bei besserer Umsetzung genau jene Idee mehr Sinn gehabt, wenn es einzig um religiöse Fehlleitung ginge. Stattdessen muss auf "Blood Beach"-Art optisch eine übernatürliche Präsenz preisgegeben werden, was bei der fast schon öden Umsetzung aber zumindest für etwas Schauwert sorgt. Dass das Ehepaar die ihnen gestellten Rätsel auf der einen Seite dank billigster Drehbuchideen schneller löst als es der Geschichte gut tut, während sie auf der anderen Seite den Ernst der Lage nie ganz zu begreifen scheinen, braucht bei der bisher erwähnten Vorgehensweise nicht wirklich zu wundern. Über das zu mittelmäßig geratene Ergebnis könnte man klagen, braucht man aber nicht wenn man weiß, dass acht Jahre zuvor in Spanien mit "Ein Kind zu töten" ein wesentlich besserer Film mit der Ausgangslage, dass ein ganzes Dorf von seinen Kindern getötet wird, entstanden ist. Der hat alles was "Children of the Corn" (Originaltitel) fehlt: interessante Hauptfiguren, eine trockene, geladene Atmosphäre und eine rätselhafte Ursache die über all den schrecklichen Ereignissen schwebt.  OFDb

02.11.2018

GESCHICHTEN AUS DER SCHATTENWELT (1990)

Sechs Jahre nachdem die Serie "Geschichten aus der Schattenwelt" startete, drehte John Harrison die Spielfilmvariante davon, die ebenfalls diverse Horrorepisoden beinhaltete. Zusammengehalten werden sie durch die Rahmenhandlung eines von einer Hexe gefangengehaltenen Jungen, der die drei Hauptgeschichten aus einem Buch vorliest. Sicherlich darf man sich fragen, ob ein solches Vorhaben Sinn macht, wenn bereits die TV-Serie nicht miteinander verbundene Horrorgeschichten präsentiert, aber vielleicht lag der Reiz im finanziellen Umfeld. Ich kenne die Serie nicht, auf welcher der hier besprochene Film beruht, aber an Geld für tolle Spezialeffekte schien es nicht zu mangeln, lassen diese doch nichts zu wünschen übrig. Mit John Harrison hatte man zudem jemanden für die Regie verpflichtet, der innerhalb der Serie bereits mehrfach tätig war, und sein Gespür für Stil ist es dann auch, der "Tales from the Darkside - The Movie" (Originaltitel) so wundervoll funktionieren lässt.

Denn auch mir als jemand, der sich mit Episodenfilmen ein wenig schwer tut, hat dieser Ausflug in harmlose, kleine Horrorideen durchaus gemundet. Wahre Highlights präsentiert uns der Film nicht, aber alle drei Geschichten sind eine wunderbare Ablenkung von der grauen Realität. Der fast schon familiengerechte Touch wird nie zu extrem zelebriert, als dass das Ergebnis zu harmlos ausfallen würde. "Geschichten aus der Schattenwelt" schwankt zwischen blutleer, aber morbide. Seine Geschichten umweht ein düsterer Touch. Und schwarzhumorige Pointen weiß jede der vier Erzählstränge aufzuweisen. Wie bei einem Episodenfilm üblich fehlt jeder Geschichte eine entscheidende Zutat, und so kann jede von ihnen aufgrund ihrer begrenzten Spielzeit nicht sein volles Potential ausschöpfen. Um so verwunderter darf man darüber sein, dass die sich oft halb anfühlenden Erzählungen gelungen genug umgesetzt wurden, selbst dann, wenn sie wie in Geschichte Nummer 1, so gut wie keine eigenen Ideen aufweisen, die es nicht anderswo bereits gegeben hätte.

Der einzige wirkliche Schwachpunkt des Streifens liegt in der Rahmenhandlung, die zwar eingangs, wenn der Vorspann läuft, liebevoll und augenzwinkernd umgesetzt ist, mit der Auflösung der Identität der Frau und ihrer Pläne jedoch die letzte schöne Idee dieser Zwischensequenzen präsentiert, da von da an nur noch stur vorgelesen wird. Und auch die Schlusssequenz lässt Einfallsreichtum kläglich vermissen. Manch nette Pointe steckt zumindest in den Dialogen zwischen Kind und Hexe, und da die Sequenzen recht kurz ausgefallen sind, macht es die angenehm routinierte Qualität des Restfilmes auch nicht kaputt. Während die Mumiengeschichte trotz ihres Mangels an Innovationen verspielt und düster ausgefallen ist, besetzt mit Christian Slater und Steve Buscemi, ist es ausgerechnet sie, die zum Höhepunkt des Streifens wird, obwohl sie die banalste Geschichte erzählt. Der sehr interessant klingende Aufhänger der zweiten Geschichte, dass ein reicher Mann einen Auftragskiller engagiert um eine angebliche Killerkatze zu töten, wird leider nicht vollends genutzt (hier gefiel mir die Katzenhorror-Kurzgeschichte aus "Der Makler" besser), aber bis man erkennt, dass aus der hervorragenden Grundidee zu wenig herausgeholt wurde, lebt sie immerhin von ihrer hervorragenden Grundidee (von den tollen Settings, die jede der drei Geschichten zu bieten hat, einmal ganz zu schweigen).

Die letzte der drei Geschichten, besetzt mit der kurzfristig berühmteren Rae Dawn Chong, fängt sehr interessant an, konzentriert sich aber zu sehr auf die Schlusspointe, als dass sie im Mittelfeld mit den stimmigen zwei Geschichten zuvor mithalten könnte. Das Monster hat mir optisch wenig zugesagt, die Charakterzeichnung des Künstlers war mir nicht interessant genug angegangen, aber die Schlusspointe gibt der Geschichte recht, und ein stimmiger Einstieg, in einer dunklen Gasse spielend, ist besonders düster inszeniert. So hat jede der hier erzählten Geschichten ihre Schwachpunkte, aber das Restergebnis weiß zu gefallen, so dass "Geschichten aus der Schattenwelt - mehr als ein Film" (Alternativtitel) dem neugierigen Horror-Fan für zwischendurch trotzdem schmecken müsste. Immerhin bietet er solides Grundlagenprogramm, in welchem die inszenatorischen Aspekte mehr beachtet wurden als die Innovation der Geschichten. Wirklich schade ist es aber eigentlich nur um den Katzenhorror, den ich gern woanders noch einmal neuverfilmt sichten möchte, das volle Potential ausschöpfend, welches in ihm schlummerte.  OFDb

18.03.2018

ES - KAPITEL 1 (2017)

Alle 27 Jahre kehrt Es wieder. Es ist schön, dass die Verantwortlichen der Neuverfilmung diese Aussage der Geschichte wörtlich genommen haben und genau 27 Jahre nach der TV-Version nun den ersten Teil der zweiteiligen Kinoversion vorgelegt haben. Als Nichtkenner des Buches von Stephen King kann ich das Remake nur mit dem 90er Jahre „Es“ vergleichen, und um diesen kommt man bei all den vielen Parallelen, die sich eng an das Buch halten, nicht herum. Es wäre ein Kampf gegen Windmühlen gewesen zu versuchen „Es“ als eigenständigen Film zu sehen, zu oft habe ich das Original gesichtet, zu sehr habe ich es und seine sympathisch besetzten Figuren verinnerlicht. Ich mochte die TV-Version trotz all ihrer Schwächen, gerade gegen Ende, schon immer, ohne in ihm das große Meisterwerk zu sehen. Die Geschichte zur Zeit der Kindheit war mir im Vergleich stets die liebste, und so kommt nun der Kinofilm genau mit dieser liebgewonnenen Hälfte daher und scheint es zunächst schwer zu haben.

Der erste Blick auf die Kinder suggerierte mir, es hier mit typisch leblosen Kinofiguren der Moderne zu tun zu haben. Eine erste Szene, die aufgrund der Vorlage exakt der ersten des Vergleichsfilmes entspricht, macht mich ein wenig mutlos eventuell nur bereits Bekanntes vorgesetzt zu bekommen. Zumindest der Clown wusste hier zu überzeugen, bei dem ich mir schon aufgrund diverser Fotos im Internet dachte, dass er besser wirken müsste als die überschätzte Darstellung Tim Currys im Original. In seiner ersten Szene erkennt man zwar noch nicht sein vollkommenes Potential, aber er wirkt bereits unheimlicher als in der TV-Version. Schon recht kurz nach dem Start der Geschichte stellte ich erleichtert fest, dass die Kinder doch gut besetzt und nachempfindbar charakterisiert wurden, so dass aus „Es“ tatsächlich eine ebenso runde Sache wurde, wie die Tommy Lee Wallace-Version. In vielen Punkten weiß sie dessen Film gar zu toppen, nur selten, so wie in der Szene der Dia-Sichtung, guckt sich das liebgewonnene Original intensiver.

Interessanter Weise lebt „Es“ weit weniger von seinen Horrorszenen, als viel mehr von der gefühlvollen Geschichte rund um eine Gruppe von Außenseitern, die mit den Tücken der Erwachsenenwelt und mit anderen Schwierigkeiten, welche die Kindheit so mit sich bringt, zurecht kommen muss. Diese Probleme rücken keineswegs beiseite, wenn Pennywise zum Hauptgeschehen der Kinder wird, was den Umgang mit ihm und der Angst vor Es um so mehr Schwierigkeiten bereitet. Der alte „Es“ wies selbige Eigenschaft auf, funktionierte doch auch dort der Dramenbereich weit besser als der des Horrors. Doch so ungruselig auch beide Verfilmungen ausgefallen sind, im Horrorbereich hat Muschiettis „Es“ im Vergleich die Nase vorn, gibt es doch herrlich düstere Momente zu sehen, nur wenig widergekäuerte Horrorerlebnisse, die es auch im Vorgängerfilm zu sehen gab, und dank der Kinoauswertung im Vergleich zum TV auch professionellere Möglichkeiten der Ausarbeitung dieser. Das blutübertränkte Badezimmer ist eine Augenweide, mancher Auftritt Pennywises für Zartbeseitete gar angsteinflößend, für weniger Zartbeseitete aber zumindest effektiv gelungen.

In Zeiten von Jumpscare-Überflutungen tut es gut zu sehen, dass eine Hand, die von hinten an die Schulter greift, dort auch einmal liegen bleiben darf, bevor der Erschreckte sie bemerken darf. Dies und manch andere Momente wissen ein sympathisches Horrorfeeling zu erzeugen, ansonsten guckt sich die neue Verfilmung im Vergleich zur alten allein deswegen besser, weil vieles wesentlich subtiler angesprochen wird als im Original, so dass die Sterotypen nicht mehr ganz so dick aufgetragen wirken, freilich aber noch immer, typisch King, Klischeefiguren bleiben die Klischees erleben. Das Wesen Pennywise macht trotz aller erhalten bleibender Rätsel um seine Existenz herum bei dem was wir über ihn wissen mehr Sinn als Gesamtwesen. Und auch manch angenehm ausgebügelter Handlungsstrang weiß durch eine Vereinfachung die Geschichte flotter zu gestalten, ohne Wichtigkeiten zu vernachlässigen oder zu gehetzt zu wirken. Die meisten Änderungen gefallen mir, lediglich Beverly als Köder für die Kids zu verwenden stört mich aus mehreren Gründen, hauptsächlich aber deswegen, weil ein mächtiges Wesen wie Es es nicht nötig hätte Geiseln zu nehmen.

Zumindest ist die Entführung Beverlys für etwas anderes gut, glaubt man doch nun zu verstehen, wie Es in etwa mit seinen Opfern vorgeht und was diese Methode verursacht. Aber freilich bleibt auch hier vieles unausgesprochen und rätselhaft, und das passt zur Perspektive des Films, die stets auf Kinderhöhe ist. Wir erfahren nie mehr als die, so dass ein Enträtseln jedes Geheimnisses auch keinerlei Sinn ergeben würde. Außerdem muss es ja auch noch Unerklärliches geben, was im kommenden zweiten Teil enträtselt werden muss, wenn die Geschichte 27 Jahre später die Gruppe Kinder als Erwachsene wieder zusammenkommen lässt. Der 2017er „Es“ hat mir besser gefallen als die oft von mir gesichtete, sympathische 90er Jahre-Version, zum großen Event mangelt es aber auch der Kinoversion an spürbarem Grusel, so dass der Horrorpart im Gegensatz zum gefühlvollen Dramenpart trotz toller Bilder und düsterer Momente zu theoretisch bleibt, um wirklich Angst zu erzeugen. Zumindest Pennywise wirkt diesbezüglich in die richtige Richtung, der sieht teilweise herrlich schauderhaft aus, hat auch in der synchronisierten Fassung eine wundervoll kranke Stimme beschert bekommen und lässt auch in spaßigen Aktionen stets das Düstere seines Ichs im Fokus stehen. Das wirkt weit mehr als der olle Curry.  OFDb

28.01.2017

PULS (2016)

Was Stephen King eher in bemühter als in gelungener Form versucht, ist das zur Zeit allseits beliebte Zombie-Genre lediglich als Grundlage zu nutzen, um daraus etwas Eigenständiges zu zaubern. Sein etwas wirrer Mix aus „Die Nacht der lebenden Toten“, „The Signal“ und „Puppet Masters“, angereichert mit Ideen aus „Nightmare - Mörderische Träume“ und „The World's End“, ist nicht der große Wurf geworden, den manch einer sich eventuell erhofft hat. Für unterhaltsame 90 Minuten ist dennoch gesorgt, entdecken wir mit unseren Helden doch nicht nur die Welt nach einer schrecklichen Katastrophe, so wie es fast jeder Zombiefilm erzählt, durch den Wandel den die Kreaturen durchmachen bleiben wir auch immer neugierig was wohl als nächstes passiert.

Wirklich spannend ist „Puls“ nicht geraten, er guckt sich ein wenig zu steril, setzt zu sehr auf Bewährtes, fühlt sich nicht lebendig an. Weder John Cusack noch Samuel L. Jackson spielen in Hochform. „Puls“ ist zu statisch geraten, zu sehr auf das gesetzt was man Genre-bedingt im Kino nun einmal zu sehen bekommt. Aber der Drang Kings sich nicht auf einer Idee auszuruhen und immer Neues bieten zu wollen, eine Eigenschaft die einem gut erzählten Film geschadet hätte, wird hier zum Antriebsmotor, dass das Ganze trotzdem noch auf Routinebasis funktioniert.

Wie jeder Film ähnlicher Grundlage lässt sich das Geschehen als Sinnbild auf vielerlei Elemente in unserer Gesellschaft anwenden, durch den Auslöser mittels Funknetztelefonen mehr denn je. So richtig ehrlich will sich die Gesellschaftskritik in diesem Mainstream jedoch nicht anfühlen, zumal die Fantastik der Geschichte überwiegt, als dass man den Stoff all zu ernst nehmen könnte. Ein Verweis auf Kanada bleibt ein kleiner direkter Bezug auf das Denken Alternativer, gewaltigere Aspekte, wie das Mitläufertum durch die Beeinflussung medial eingebläuter Meinungen, sind in dieser Thematik im Kino nicht neu und werden im hier besprochenen Film nicht tief genug genutzt.

Letztendlich versucht King etwas, was jemand Anderem bereits mit „Pontypool“ gelungen ist: er möchte ein Zombieszenario mit einer wahnwitzigen Idee anreichern, um dem Ganzen neuen Zunder und Tiefsinn zu geben. Leider funktioniert „Puls“ nur als schlichter Film für zwischendurch, und dies auch nur wenn man großzügig über das zu bemühte Drehbuch hinwegsehen kann.  OFDb

27.12.2015

DER WERWOLF VON TARKER MILLS (1985)

Stephen King-Filme - es gibt solche und solche. Ob in der Hochphase oder heutzutage, nie weiß man was einen erwartet. Und wenn ein früher Vertreter wie „Der Werwolf von Tarker Mills“ solch ein unbekanntes Schattendasein führt, dann geht man nicht gerade optimistisch an eine Sichtung heran, zumal es für meinen Geschmack kaum taugliche Horrorbeiträge zum Thema Werwolf gibt. Dennoch wollte ich einmal antesten ob der Film mich trotzdem überzeugen kann, zumal er mit dem mir sehr sympathischen Jungdarsteller Corey Haim in einer der wichtigsten Rollen besetzt ist. Und als ich auch noch den Namen von „Stepfather“ Terry O‘Quinn im Vorspann las, war ich erst recht guter Dinge.

Mit den prominenten Größen wie „Shining“, „Misery“, „Stand By Me“ und „Carrie“ kann es „Silver Bullet“ (Alternativtitel) nicht aufnehmen. Dennoch war ich überrascht welch gelungenes Werk Daniel Attias Regiearbeit ist. Warum war der gute Mann danach nur noch für TV-Serien tätig, wenn auch immerhin für solch prominente wie „Buffy - Im Bann der Dämonen“, „Lost“ und „Dr. House“? Attias ist ein wahrhaft dicht erzählter Film gelungen, der Spielberg-ähnlich aus familienabenteuerlicher Perspektive den Horror heraufbeschwört, der in seinen reinsten Momenten richtig spannend ausgefallen ist.

„Der Werwolf von Tarker Mills“ ist einer dieser Horror-Wohlfühl-Filme. Er ist ein wenig märchenhaft erzählt, lässt einen Hauch „Stand By Me“-Mentalität durch die Kinderperspektive entstehen, ist aber trotz alledem nicht zu brav ausgefallen, als dass man ihn als Horrorfilm nicht ernst nehmen könnte. Nicht selten geht der Werwolf blutig zu Werke, und Attias weiß ihn gekonnt einzusetzen. Zunächst ist er immer nur recht kurz im Bild zu sehen, und später scheut der Regisseur auch nicht die Totale auf eine Kreatur, die nur in wenigen Momenten optisch zu naiv ausgefallen ist - ein Zustand den die Kreaturen in den meisten Werwolffilmen permanent besitzen. Die Verwandlungssequenzen sind wahre Hingucker, und die Traumsequenz eines innerlich gequälten Pfarrers lässt die Spezialeffekt-Spezialisten einmal so richtig austoben.

Zudem gefällt es, dass „Cycle of the Werwolf“ (Alternativtitel) nicht nur in den Nachtsequenzen Spannung aufzubauen weiß. Wenn z.B. die Schwester von Marty versucht den Werwolf zu identifizieren, da eine Attacke des Jungen Spuren bei einem der Bewohner hinterlassen haben muss, ist die Atmosphäre bei ihrem Streifzug durch die Stadt mitten am Tag auf einem Hoch. Die Auflösung um wen es sich handelt ist geradezu Stephen King-typisch ausgefallen und hat mich trotzdem überrascht. Von diesem Zeitpunkt an funktioniert die Geschichte ähnlich wie der im selben Jahr entstandene „Fright Night“, denn die Bestie weiß nun wer von seiner Existenz weiß und lauert jenem, dem keiner glaubt, auf.

„Der Werwolf von Tarker Mills“ versucht nicht nur zu erklären warum die Bestie auch dann aktiv ist wenn kein Vollmond ist (womit der Werwolf nicht nur in wenigen Nächten aktiv sein darf wie in manch vergleichbarer Geschichte), er weiß es auch zu nutzen um sich einen zeitlichen Vorteil zu verschaffen wenn es um das unausweichliche Finale geht. Dies ist nach einem hohen Spannungsbogen zwar relativ schlicht ausgefallen, aber es erzählt was es erzählen muss. Eine im Laufe der Story aufkommende Dramatik des Besessenen, die begründet warum das Monster sich nicht selber richten kann, wird im Finale geschlossen, ohne dass Attias mit dem Finger drauf zeigt. Der Zuschauer weiß es einfach, auf unnötigen Kitsch wird verzichtet.

„Der Werwolf von Tarker Mills“ ist erfreulicher Weise keine dieser mittelmäßgen King-Verfilmungen wie „Christine“, „Rhea M“ oder „Desperation“, sondern spielt in etwa in einer Liga mit „Der Nebel“, „Thinner - Der Fluch“, „Friedhof der Kuscheltiere“ und „Der Rasenmähermann“ (falls man den überhaupt als Vergleich heranziehen darf, so wenig wie er mit Kings Vorlage zu tun hatte), sprich er spielt nicht in der ersten Liga mit, weiß aber bestens zu unterhalten und ist damit sogar besser ausgefallen als die ebenfalls sympathischen Werke „Cujo“, „Schlafwandler“, die erste „Es“-Verfilmung und „Needful Things“. Mit solch einem tollen Ergebnis hatte ich wahrlich nicht gerechnet.  OFDb

15.06.2014

CARRIE (2013)

Wenn man Brian De Palmas „Carrie - Des Satans jüngste Tochter“, die erste Verfilmung eines Buches nach Stephen King, so wie ich auch gleich als die bislang beste Verfilmung eines King-Buches empfindet, gibt es eigentlich nur einen echten Grund einen Blick auf das mittlerweile zweite Remake zu werfen: Chloe Grace Moretz. Diese Jungmimin begeisterte mich mit ihren provokativen Auftritten als Hitgirl in den beiden „Kick-Ass“-Filmen ebenso wie mit ihrem sensibleren Spiel in „Let Me In“. Ob „Amityville Horror“ oder „Zombies“, beides Filme bei denen sie nicht sonderlich auffiel, das Mitwirken in eher morbiden Werken schien es ihr angetan zu haben. Und da „Carrie“ sowohl dies als auch die erkennbare Tendenz vorzugsweise Außenseiter-Rollen zu verkörpern ermöglicht, sollte man meinen, dass es für Moretz eine Leichtigkeit sein dürfte diese Rolle zu verkörpern.

Dass auch sie mit gerade mal 16 Jahren noch viel Berufserfahrung sammeln muss, liegt nicht nur klar auf der Hand, es zeigt sich leider auch recht deutlich im hier besprochenen Werk, weiß Moretz zwar in den stillen, gebrochenen und leicht fröhlichen Szenen zu überzeugen (eigentlich die im Vergleich schwierigeren), gerade der Rachepart im Finale gelingt ihr mimisch jedoch nicht wirklich, schaut sie doch noch viel zu niedlich drein und verkommt ihr Grummelgesicht doch eher zum offensichtlichen Schauspiel als zur Zuschauer-täuschenden Überzeugung. Fairer Weise muss man eingestehen, dass die Maske die negative Wirkung noch zu verstärken weiß, läuft Moretz doch, nachdem sie überdeutlich von einem Eimer mit CGI-Blut nicht getroffen wird, nicht als bluttriefender, halbwegs glaubwürdiger Racheengel umher, sondern eher als ein Mädchen, das sich erlaubt hat an Halloween mal die Carrie zu spielen.

Da zeigen sich Bluttropfen im Gesicht, die viel zu gemalt aussehen, so als hätte ein Laie die Maske übernommen, vergleichbar mit der Art und Weise wie manche beim Schminken eine Träne unter das Auge malen. Da weht einem nichts authentisches an, obwohl man sich lediglich an De Palmas Original hätte orientieren können, etwas das die Verantwortlichen des Streifens in anderen Bereichen recht häufig gemacht haben. Warum also nicht hier? Sicherlich sind einige Parallelen der Nähe zur Printvorlage Kings zuzuschreiben, aber „Carrie“ kopiert recht häufig „Carrie“, interpretiert den Stoff jedoch nur durch das Modernisieren anders und erreicht nicht die Tiefe des Originals, da das Zielpublikum deutlich erkennbar im Teenie-Bereich vorzufinden ist.

„Carrie“ ist die Teenie-Variante von De Palmas Werk. Das merkt man an den psychologischen Oberflächlichkeiten, an dem Drang Unnötigkeiten hochzuschaukeln, so z.B. die Fähigkeiten Carries, die an mancher Stelle nichts mehr mit Telikinese zu tun haben, oder der Hang aufgrund des aktuell brutalen Grundtons in US-amerikanischen Horrorfilmen die Bluttaten Carries näher ins Visier zu nehmen und ein wenig mehr zu zelebrieren. Was man hier, im Vergleich zur Standardware Amerikas noch recht harmlos, radikal wirken lassen möchte, steht im Gegensatz zu einer Bravheit an anderer Stelle, die zeigt wie zahm der Streifen tatsächlich ist. Am deutlichsten zeigt sich dies im Vergleich zu den beiden jeweiligen Umsetzungen der Menstruation in der Dusche-Szene, wo in der Neuverfilmung die Prüderie der Amis nur wieder all zu deutlich wird.

Ob „Carrie“ eine Neuverfilmung benötigt hätte, kann man aufgrund der Genialität des Originals wohl locker mit einem nein beantworten. Doch bös bin ich nicht dass es eine Teenie-Variante des Stoffes gibt, weiß doch auch sie, im Gegensatz zur ersten Neuverfilmung, die ebenfalls „Carrie“ hieß und eine TV-Produktion war, zu unterhalten, wenn auch viel schlichter und oberflächlicher als das Original. Mit dieser naiven Art ist er praktisch perfekt zugeschnitten auf die Wahrnehmung von Pubertierenden. Dass das Schauen der Teen-Version auch für Erwachsene ganz unterhaltsam sein kann, liegt neben dem sensiblen Spiel Moretz in erster Linie an Julianne Moores hervorragendem Agieren als religionsfanatische Mutter, die der Konkurrenz der Erstverfilmung die Hand reichen kann.

Moore ist die einzige Schauspielerin des Streifens, die an das Talent ihrer Vorgängerin heran reicht. Alle anderen, inklusive Moretz, bleiben im Vergleich ein blasser Schatten dessen was dort an hohem Schauspielniveau herrschte. Das ist eben der Nachteil wenn man solch ein Meisterwerk nachspielt. Die hier agierenden Jungmimen und die paar wenigen Erwachsenen spielen alle nicht schlecht, aber eben bei weitem nicht so gut wie die Besetzung des 70er Jahre Originals.

Das abgewandelte Ende der Geschichte gefällt mir als Horror-Nerd eigentlich ganz gut. Mögen anspruchsvolle Cineasten bei dem Gedanken auch die Augen verdrehen, und mag es ein Tritt in den Arsch für Stephen KIng sein, sowie eine Nichtachtung seines Werkes, der Gedanke Carrie könnte in der Art eines Jason Vorhees wieder auftauchen, um hirnlos in ein paar Fortsetzungen Teenager zu meucheln, fänd ich persönlich recht reizvoll, wissentlich wie plump der Gedanke eigentlich auch sein mag. Aber mit Moretz in der Hauptrolle hätte eine Fortsetzung dieser Art, die mit dem hier angewendeten Schluss durchaus möglich wäre, einen echten Trumpf zu bieten. Es bestünde durchaus die Möglichkeit Kings Vision von Carrie hinter sich zu lassen, sich quasi von der zu Ende erzählten Ur-Geschichte zu lösen, um sich im Filmbereich als Horrorikone a la Freddy selbstständig zu machen. Das wäre immer noch einfallsreicher als die damalige Idee zum gar nicht mal so schlechten „Carrie 2“, der in den 90er Jahren gedreht wurde.  OFDb