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02.03.2025

MAXXXINE (2024)

Maxine ist in den 80er Jahren eine erfolgreiche Pornodarstellerin, die sich jüngst eine Hauptrolle in einem Horrorfilm ergattern konnte. Mit einem Mal gerät sie ins Visier eines Serienkillers, der schon seit einiger Zeit Hollywood unsicher macht...

Vom Lustschrei zum Angstschrei wechseln...

"MaXXXine" bildet den Abschluss der mit "X" begonnenen und noch im selben Jahr mit "Pearl" fortgesetzten Trilogie, von welchen der dritte Teil den mit Abstand geringsten Unterhaltungswert besitzt, wirkt die Geschichte doch arg austauschbar, in eher belanglosen Punkten verbunden mit dem Rest. Ursprünglich hätte ich gedacht, zu erleben, wie es mit Maxine weiter geht, wäre interessanter als Pearls Vorgeschichte zu erfahren, da man weiß wie die Person endet. Das Gegenteil ist der Fall, und alles was uns als Verbindungspunkt zur Restreihe bleibt sind weiterhin zu direkt gesetzte Parallelen zwischen den beiden von Mia Goth verkörperten Figuren, kurze Erwähnungen der Vergangenheit, die Weiterentwicklung der zur Industrie gewordenen Pornobranche und die Wiederkehr einer Person, von der wir aufgrund der Abschluss-Pointe in "X" wussten, dass sie noch von Wichtigkeit werden wird. Allein deswegen macht die Art, wie sie eingebracht wird, psychologisch wenig Sinn und wird in ihrer zugedachten Position geradezu erwartet, anstatt als Überraschungsmoment zu dienen. 

Dadurch dass Ti West der Spannungsbogen diesmal so gut wie gar nicht interessiert, ist das Spiel mit dieser Figur, ob nun in ihrer Rolle erwartet oder nicht, umso uninteressanter, so dass spätestens im Finale, das keinerlei reizvolle psychologische Spielereien mit der erkannten Situation aufweist, das lose Gerüst, das "MaXXXine" inhaltlich darstellt, erfolglos zusammenstürzt. Schnelle Tode, uninspirierte Rache, idiotische Hintergründe, das alles besitzt nicht mehr die Klasse und das Niveau der beiden Vorgänger, die außerdem im dramaturgischen Bereich weit tiefer gingen. Klar, Maxines Welt soll oberflächlicher Natur sein, und das Kino der 80er Jahre war auch diesbezüglich schlichter gestrickt als jenes der eher um Kunst bemühten 70er Jahre, aber ironisch umgesetzt wirkt der Streifen mit seiner frei gewählten Oberflächlichkeit nur im Ansatz, es hebt sich daraus keine Klasse hervor, weder durch Parodie, Zitat oder Ehrfurcht dieser Filmdekade. Das Spiel mit Szenen, die wie in den 80ern inszeniert scheinen (meist durch die damals beliebten Blau- und Rot-Einsätze), liefern nicht halbwegs solch beeindruckende Bilder ab wie das gekonnte Wiederbeleben der 70er im Erstling, sowie das Spiel mit klassischem Kino in dessen Prequel. Mia Goth, die diesmal nicht nur als Executive Producer unter den Finanzgebern genannt wird, weiß weit weniger zu wirken, als in ihren anderen mir bekannten Filmen, weiß ihre Rolle aber überzeugend auszufüllen. Es ist das von Ti West verfasste Drehbuch, das derart zu enttäuschen weiß und einem hübsch abgefilmte Momente und einzelne Szenen mit mehr Kaliber egal sein lassen. Letztgenannte besitzt "MaXXXine" aber ohnehin kaum.  Wiki

02.02.2025

THE VVITCH - A NEW-ENGLAND FOLKTALE (2015)

Eine streng christliche Familie verlässt das Dorf, in dem sie bislang wohnte, aufgrund von Differenzen im Glauben. An einem Waldrand lässt man sich hoffnungsvoll nieder, doch schon wenige Jahre nach der Ankunft ist die Ernte vertrocknet und das Geld knapp. Als das Neugeborene spurlos verschwindet, macht man einen Wolf dafür verantwortlich. Doch als das Unglück der Familie kein Ende nehmen will, scheint eher eine Hexe für all das Übel verantwortlich zu sein...

Lüge Apfel...

Ebenso wie in seinem Nachfolgefilm "Der Leuchtturm", so ist auch "The VVitch - Eine Volkssage aus Neuengland" von "Nosferatu"-Regisseur Robert Eggers nah an der Lebenswelt seiner Protagonisten angelehnt. Hier wird gesprochen wie einst, gelebt wie einst, geglaubt wie einst. Und während dieser Pluspunkt die "Shining"-Variante eines Leuchtturms nicht retten konnte, da das thematisierte Mysterium zu gewollt daher kam, da besitzt der auf Märchen und Tatsachenreporten basierende Grusler diese Vorteile auf beiden Seiten, ist es doch hoch interessant in die Lebenswelt einer völlig anders denkenden Mentalität einzusteigen, als auch dem düsteren Horrorgehalt der Geschichte zu folgen, der mit dem Zeigen der Hexe während der Babyentführung keinerlei Geheimnis aus der Existenz dieser macht. Und das ist wichtig für das Funktionieren der Disfunktion der Familie, die nach und nach immer mehr Misstrauen untereinander entwickelt, hochgekocht, wie zu erwarten mit einer Teenagerin im Zentrum, mit dem Verdacht die Tochter könne gar die Hexe sein. Dass sich Eggers darauf nicht allein versteift, diesen Aspekt sogar erst spät thematisiert, ist ein guter Kniff, würde es die Thematik des Stoffes doch zu sehr einengen und den langsamen Ablauf stören, mit dem das Grauen schleichend eingefangen wird, so sehr sogar, dass man manchmal vergisst einem Horrorfilm beizuwohnen. 

Das Drama ist hervorragend thematisiert, untermalt von künstlerisch wertvollen Bildern und besetzt mit herausragenden Mimen, egal ob im Erwachsenen- oder Kinderbereich. Hier geht jeder in seinem Spiel an seine Grenzen, und in jeglicher Phase weiß "The Witch" (Alternativtitel) zu überzeugen, dank psychologischer Raffinessen, seiner intellektuellen Art, dem authentisch anmutendem Szenario und den gelegentlichen Gruselmomenten, welche den Film nicht komplett durchziehen, aber zu wirken wissen, sobald Eggers darauf setzt. Die Überraschung am Schluss kommt unverhofft und führt zu einem konsequenten (Ent-)Schluss. "The VVitch" (Alternativtitel) ist in seiner Langsamkeit, der Konzentration auf Drama und den anders klingenden Dialogen sicherlich nicht jedermanns Sache, aber dieses Entführen in eine andere Zeit und eine andere Mentalität ist letztendlich das wofür Kino unter anderem existiert. So gekonnt umgesetzt, wie hier geschehen, wird aus diesem Anliegen ein Leckerbissen, der den Horroraspekt fast schon gar nicht mehr benötigt hätte. Es ist schön zu sehen, dass das unheilvolle Übernatürliche, bzw. das Spiel mit diesem solange es nicht in Erscheinung bzw. in den Vordergrund rückt, so viel besser zu funktionieren weiß als im diesbezüglich zu bemühten Nachfolger, der ebenfalls hervorragend fotografiert war. Kunst allein ist nicht alles, das hier besprochene Werk von Eggers vereint Unterhaltung und Kunst jedoch vorbildlich. Jetzt kann ich nur hoffen, dass seine Neuverfilmung von Murnaus "Nosferatu" eher wie sein erster Langfilm, anstatt wie sein zweiter ausgefallen ist.  Wiki

26.01.2025

PEARL (2022)

Pearl lebt 1918 unglücklich auf der Farm ihrer Eltern. Die jung Verheiratete wäre lieber Tänzerin, anstatt Ställe auszumisten und die Tiere zu füttern. Ihr Ehemann ist im Krieg, ihr Vater ein Pflegefall, die Mutter dominant und kontrollsüchtig. Doch sie hat ihre Gründe dafür...

Die beste Vorstellung ihres Lebens...

Nach "X" erfahren wir im Prequel die Vorgeschichte von Pearl noch im selben Entstehungsjahr. Diese mag sich oberflächlich betrachtet nicht von vielen vergleichbaren Stoffen unterscheiden, es ist jedoch die Umsetzung, die "Pearl" alles andere als gewöhnlich erscheinen lässt. Der Mittelteil der Trilogie ist so hervorragend abgefilmt, wie sein Vorgänger, spielt freilich mit anderen Sehgewohnheiten und Anspielungen und verweist eher gelegentlich stilistisch mit seinen eingefangenen Bildern auf vergangene Filmzeiten. Die beziehen sich nicht zwingend auf das Genre Horror, ebenso wie die verwendeten Zitate, die auch mal aus "Das zauberhafte Land" stammen können. Mehr denn je lebt der zweite Teil von der Performance Mia Goths, so sehr wie sie diesmal im Zentrum steht, und erneut liefert sie eine Glanzleistung ab. Bewusst verwenden West und Goth direkte Parallelen zur Protagonistin aus dem Vorgänger, da wäre aufgrund zu extremer Zufälle weniger manchmal mehr gewesen, aber dieses Spiel an sich reizt dennoch. Trotz mancher Ähnlichkeit zu Stephen Kings "Carrie - Des Satans jüngste Tochter" erzählt "Pearl" letztendlich das Gegenteil. Hier ist die Mutter Opfer und die Tochter Täter. Und es erfreut im Laufe der Zeit festzustellen, dass wir keineswegs der Entstehungsgeschichte einer Psychopathin beiwohnen, sondern immer deutlicher bemerken dürfen, dass diese bereits vorhanden ist, und dies keineswegs aufgrund der traurigen Umstände, in denen die junge Frau verweilt. Derart dämliche Klischees bedient der Film nicht, und reflektiert wie er ist streift er die dennoch vorhandenen bewusst. 

Dass mit Pearl etwas nicht stimmt, merken wir früh, wenn Kleinvieh getötet und auf "Lake Placid"-Art ans ortsansässige Krokodil verfüttert wird. Wie weit die Störung jedoch tiefer geht, erfahren wir erst im Laufe der Zeit. Wenn die dunkle Seite aus Pearl auch für Randfiguren erkennbar hervor bricht, erlebt man eine Naturgewalt. Dies nicht nur bei den zu erwartenden Morden, sondern auch bei seelischen Zusammenbrüchen, von denen zwei hervorhebenswert sind, da sie zu den Höhepunkten des Streifens gehören. Neben einer intensiven Heulszene, welche die filmtypischen Mauern in ihrer Extreme durchbricht (vergleichbar mit den hysterischen Schrei-Szenen aus "The Blair Witch Project"), bildet die andere von beiden die erste Hälfte des Finales, das entgegen der üblichen Vorgehensweise einen sehr langen Monolog präsentiert, anstatt uns neue Ereignisse und Erkenntnisse zu präsentieren, die zu den endgültigen Schlussmomenten führen. Für ein Publikum, das nicht nur den Standard bedient bekommen möchte, zahlt sich der Mut von Ti West und Mia Goth, die beide das Drehbuch schrieben, aus. Man klebt regelrecht an Pearls Lippen. Und eine endgültig am Schluss gesetzte, wundervolle Pointe, deren Abblende fast schon verärgert, so gerne wie man davon mehr gesehen hätte, entschuldigt für die offene Frage, wie unsere Pearl wohl den heimgekehrten Ehemann davon überzeugt hat, bei ihr zu bleiben, so wie wir es aus "X" schließlich wissen. Wahrscheinlich wäre auch dies eine erzählenswerte Geschichte. Aber der Schlussteil der Trilogie spielt stattdessen in den 80er Jahren und konzentriert sich auf die andere Rolle, die Goth im Erstling mimte. Leider kann "MaXXXine" an die beiden Vorgänger nicht so gekonnt anknüpfen, wie diese ausgefallen sind. Aber davon erzähle ich ein andermal.  Wiki

19.01.2025

SKINAMARINK (2022)

Zwei kleine Geschwister wachen nachts in ihrer Wohnung auf. Da die Eltern nicht da sind, wird erst einmal Fernsehen geguckt. Plötzlich vernehmen sie eine fremde Stimme...

Nichts zu sehen...

Kunst im Film, schön und gut, ich mag es auch wenn die laufenden Bilder nicht einzig dem Konsum dienen, ich kann es jedoch gar nicht leiden, wenn der Ruf nach Kunst und Intellekt zu gewollt herüber kommt, worunter stets auch der, meiner Meinung nach dennoch wichtige, Unterhaltungswert leidet. Was soll man an "Skinamarink" bewundern, wenn er die endlose Stille und Dunkelheit nicht für eine düstere, spannungsgeladene Atmosphäre nutzt, wie es beispielsweise ein "The Blair Witch Project" tat? Was klang es im Vorfeld genial, ein derartiges Szenario alternativ abgefilmt über Kinder im Kindergartenalter erleben zu lassen. Das Ergebnis ist ein dröges, wenn man stets in übler Videoqualität Aufnahmen von Dunkelheit wahrnimmt, deren einzige Lichtquelle oftmals der Fernseher ist. Das kaum verständliche Gequassel der Kinder, die nachts durchs Haus huschen, zunächst um nach den nicht vorhandenen Eltern zu gucken, und schließlich um sich eine Antwort auf eine plötzlich auftauchende, fremde Stimme aus dem Nichts zu verschaffen, erweckt im Flüsterton leider ebenso wenig den Zustand von Grusel, wie die grausame Optik. 

Was in der Theorie äußerst förderlich für einen stimmigen Grusler klingt, wird derart monoton und unaufgeregt präsentiert, dass die Authentizität durch die Konsequenz auf Künstlichkeiten, wie z.B. Hintergrundmusik zu verzichten, Desinteresse hervorruft, anstatt ein Schauergefühl zu verursachen, dass aufgrund dessen hätte realer erscheinen können. Hätte man auf die komplette Nüchternheit verzichtet, die intellektuell gewollt ist, um selbige Methoden für einen Spannungsaufbau zu nutzen, indem man dennoch genügend sieht, versteht und eine Chance bekommt, sich mit den Kindern und deren Angst zu identifizieren (bzw. zuvor ein Unbehagen beim Zuschauer zu entfachen, während die Kinder noch gedankenlos damit rechnen, dass nichts weiter los ist), hätte ein wundervoller, dennoch andersartiger Horrorfilm entstehen können, einer der rein auf Urängste setzt, wie man sie als Kind seinerzeit empfunden hat. Die Vermarktung dieses kargen Kunstfilmes verspricht derartiges, vergeigt es aber durch seine Unterkühlung das Versprechen einzuhalten. Wer auf Sterilität zur Erzeugung einer unheimlichen Atmosphäre steht, sollte sich lieber "Hotel" ansehen. Der ist ebenso Kunstfilm, tatsächlich intellektuell zu nennen, und nicht ohne Wirkung, für ein Werk, das nur unterschwellig Horror liefert.  Wiki

12.01.2025

GIRLHOUSE (2014)

Um nach dem Tod ihres Vaters ihr Studium weiter finanzieren zu können, beschließt eine junge Frau in das Girlhouse zu ziehen, wo man vor der Kamera nackt Geld verdienen kann. Ein Stammuser fühlt sich von den Bewohnerinnen des geheim gehaltenen Ortes gemobbt und geht auf blutigen Rachefeldzug...

Eher Playhouse anstatt Houstler...

Ein erfolgreiches Pornohaus als Handlungsort eines konservativ gehaltenen Slashers zu verwenden, sollte eine Idee sein, auf die auch nur die Amis kommen können. Das Quoten sprengende Haus der hübschen, jungen Girls ist sicher nicht nur mit europäischen Augen zahm geraten, wenn uns Beispiele der Erotik gezeigt werden, welche die Klickzahlen geradezu hoch triggern. Anspielung auf Hardcore sind durchaus gegeben, doch die User rasten schon aus wenn sie seitlich einen Busen erkennen können. Umso erstaunlicher ist es, dass wir es hier mit einem kanadischen Film zu tun haben. Entweder sind diese ähnlich bieder, oder "Girlhouse" atmet US-Luft, in Kanada produziert, da dort günstiger gedreht werden kann. Wie auch immer, dass ein solches Szenario nicht zur unfreiwillig komischen Witznummer verkommt, liegt an der souverän routiniert umgesetzten technischen Durchführung. Denn während andere das Ganze locker angehen würden, ist "Girlhouse - Töte, was du nicht kriegen kannst!" (Alternativtitel) komplett ernst umgesetzt, mit einer dramatisch gehaltenen Hauptfigur im Zentrum. Da man es mit der Tragik aber nicht übertreibt, funktioniert das theoretisch zum Scheitern verurteilte Projekt recht gut, und dies obwohl auch die Darsteller, bzw. die Figuren, die sie verkörpern sollen, ziemlich 08/15 ausgefallen sind. Vielleicht ist es aber auch diese Routine, die Unauffälligkeit von allem, die dem Film dabei hilft so unterhaltsam zu werden, denn der einzig interessant verkörperte Charakter, der des Killers, wird damit umso mehr gepuscht. 

Dass man ihn als Gewalttäter ernst nehmen sollte, zeigt uns ein Rückblick auf seine Kindheit zu Beginn, der weit roher ausfällt, als ähnliche Szenarien aus anderen Werken. Und wenn er zur zweiten Hälfte des Streifens Amok laufen darf, dann tut er das auch richtig, Wut schnaubend, außer Kontrolle, ein gewaltiger Körper mit minderbemittelten Geist, der nur noch rot sieht. Dass man ihn vorher hat sprechen hören, stört ab dem Massaker nicht weiter, das uns nun fast ausschließlich klassisch den maskierten, stummen Aggressor präsentiert, der so wichtig ist für einen funktionierenden Horrorfilm dieser Art. Ja, er wirkt, aber die mögliche Unterstützung durch Durchschnitt funktioniert komischer Weise bereits in der ersten Hälfte, in welcher der Killer sie nicht benötigen würde. Mag sein dass hier der gern von mir verdrängte, konservative Teil meines Ichs froh ist gefüttert zu werden, so spießig wie sich hier die Figuren verhalten. Wobei das Drehbuch mir diesbezüglich zu weit geht, kritisiert es letztendlich doch die Prostitution, eben typisch bieder und engstirnig moralisch, wie die USA (und Kanada?) nun einmal sind, was aber auch die Heuchelei offenbart, wenn man seinen Film doch unbedingt an einem solchen Ort spielen lassen möchte, und auf verklemmte Art ständig bemüht ist erotische Hingucker zu inszenieren. Aber das soll nicht unser Problem sein, wenn der von Trevor Matthews so kurzweilig inszenierte Film so sympathisch, als kleiner, unbedeutender Film für zwischendurch, zu funktionieren weiß. Für den Stammzuschauer des Slashers liefert er die nötige Dosis Gewalt an Hohlbroten ab, die dieser benötigt, um zufriedengestellt zu sein.  Wiki

10.11.2024

HUNTER HUNTER (2020)

Eine kleine Familie lebt mitten im Wald von der Jagd und ihrem Anbau. In die Zivilisation geht es lediglich zum Tausch von Pelzen gegen Einkäufe. Als Vater und Tochter bei der Jagd einen abgenagten Tierfuß in einer ihrer Fallen finden, wissen sie, dass der Wolf zurück ist, der ihnen schon einmal das Leben schwer machte. Der Vater geht auf die Jagd nach ihm und kehrt nicht zurück, Mutter und Tochter bleiben allein zurück und treffen am Fluss schließlich auf den Wolf...

Tierschlachtung von der Tochter gelernt...

Es geht ziemlich schnell um einen Wolf, um die Angst in der sonst so heimischen Umgebung, in der man der Kopf der Nahrungskette war, um Selbstverteidigung, abgebrochenen Kontakt, Hilflosigkeit und gewohnte Selbstständigkeit zugleich durch veränderte Rollenverteilung. Letztendlich ist der Theorieteil, wenn die Bedrohung in der Luft liegt, wieder einmal der Pluspunkt eines Filmes, zumindest bezogen auf seine Horrorgrundlage. Interessanter, durch einige der aufgezählten Punkte, ist jedoch der Blick auf die hier präsentierte alternative Art zu leben. Die wird in ihrer Härte recht überzeugend dargeboten, Charakterzeichnungen und Besetzungen stimmen, hier wird nichts schön geredet, mit kleinen Dialogen schnell erklärt warum man so lebt und kleine psychologische Hintergründe der Figuren sogleich mit abgefrühstückt. Das macht aus "Hunter Hunter" nun nicht den sonderlich cleveren Film, aber einen relativ glaubwürdigen, was wichtig ist, damit die Atmosphäre aus Drama und Thrill im einsamen Wald einen zu fassen kriegt. 

Dachte ich nun aufgrund der Inhaltsangabe der DVD, es mit einem Werk wie den überraschen geglückten "The Pack - Die Meute" aus dem Jahr 2015 zu tun zu haben, so überrascht die Handlung ab einem Punkt in der Mitte, den ich ebenfalls in meiner oben verwendeten Inhaltsangabe ausgeblendet habe, um zukünftigen Zuschauern nicht dem Spaß am Ganzen zu nehmen. Der ernst und trocken erzählte Film vernachlässigt es zwar uns alles aus der Perspektive der Frauen der Familie zu zeigen, hin und wieder gibt es Szenen mit anderen Figuren zu sichten, und damit verspielt er eine Konsequenz, die ihn hätte packender ausfallen lassen können, betrachtet auf die mehr oder weniger überraschende Wendung, der eine tatsächliche finale folgt, geht das aber in Ordnung. Man sollte "Hunter Hunter", ob er einem nun schmeckt oder nicht, auf jeden Fall bis zum Schluss gesichtet haben, wenn er seine wahre Horror-Orientierung nach all der Täuschung erst sehr spät offenbart. Dass dies zügig angegangen wird, anstatt sich für die neue Sichtweise Zeit zu lassen, verstört auf diese Art umso mehr, zumal psychologisch gute Vorarbeit geleistet wurde, so dass man der Person ihr Handeln im erreichten Zustand auch zutraut. Das ist nicht nur wichtig, um sich Erklärungen sparen zu können, sondern auch damit das was im Finale passiert nicht wie ein nachgereichter Paukenschlag der stumpfen Art wirkt, der nur plump für sich allein steht. Spätestens hier erweist es sich als großer Trumpf professionelle Schauspieler engagiert zu haben.  Wiki

27.10.2024

TURBO KID (2015)

Ein Teenager, der in einer postapokalyptischen Welt möglichst unauffällig agiert, gerät durch eine neue Bekanntschaft versehentlich in einen Kampf mit dem mächtigsten Mann dieser Welt, welcher die Wasservorräte kontrolliert und barbarische Spiele mit seinen Untertanen treibt...

Die BMX-Bande...

Der Film spielt in der Zukunft, in den 90er Jahren, nach einer postapokalyptischen Katastrophe in den 80ern. Allein für diesen Ansatz könnte man die Verantwortlichen von "Turbo Kid" bereits umarmen. Und diesen nutzt man nicht ohne Grund, lieferte man doch einen Stoff ab, der ebenso in den 80er Jahren in der Videothek hätte stehen können. Optisch, stilistisch und von der Mentalität her ist er den B-Movies dieser Zeit nicht fern und unterscheidet sich nur insofern, als dass er das, was er ist oder präsentiert, offensichtlicher augenzwinkernd auslebt, mit Humor anreichert und die Nostalgie dieser Zeit eingeplant für sich zu nutzen weiß. Freilich ist das auf alt getrimmte Bildmaterial qualitativer als das Filmmaterial von einst mittlerweile, aber ich glaube kaum, dass ein Filmfreund, egal welcher Dekade seines Hobbys, gerne einen Beitrag in milchiger VHS-Qualität gesichtet hätte. Letztendlich geht man mit dieser Herangehensweise dennoch konsequent vor, wesentlich mehr sogar als im Folgewerk "Summer of 84", ebenfalls geschrieben und inszeniert von Francois Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell. 

In diesem hervorragenden Film lebte dieses Trio lediglich die Zeit der 80er Jahre gekonnt auf, inmitten einer Inszenierung, die technisch in der aktuellen Kinozeit zu Hause war. Zwar finde ich den Horrorbeitrag noch eine Spur besser, aber auch der Vorgänger ist durchaus sehenswert in seinem herrlichen Genremix, der zwischen Kopie, Ideenreichtum und damaligem Standard hin und her pendelt. Als eine Art Anti-"Mad Max" konzipiert, existiert in dieser staubigen, einödigen Wüstenwelt kein Benzin mehr. Deswegen dürfen selbst die krassesten, mit Totenkopfmaske gekleideten, Krieger Verfolgungsjagden auf dem Fahrrad absolvieren, so dass Bedrohung und Belustigung charmant Hand in Hand gehen, ein Beispiel das Pate für den kompletten Film steht. Die Freundschaft zu einem schrägen Mädchen, deren Geheimnis man zwar erahnen kann, aber trotzdem als Freund solcher Stoffe dankend annimmt, kommt empathisch und schrill zugleich daher. Die oftmals seichte Komik in Form der Genre-Parodie trifft kompatibel auf manch derbe Späße, die eher in einer japanischen Gore-Komödie daheim wären, und das Verwenden und das Erkennen nutzloser Überbleibsel aus den 80er Jahren trifft auf wahre Liebe für derartige Popkultur-Gegenstände und entfacht eine sich wunderschön anfühlende Nostalgie inmitten einer kalten, rauen Zukunftswelt. 

Die Hauptfigur lebt letztendlich das versteckte Einigeln in der eigenen Blase, welche der Film-, Comic- und Gamer-Freak von damals und heute eher sinnbildlich um sich entfacht. Und jeder der in einer solchen lebt, weiß dass das Leben einen immer wieder aus dieser herauszieht, so wie es dem Protagonisten aus "Turbo Kid" passiert, der sich jedoch weit übleren Herausforderungen der echten Welt stellen muss, als es der Couch Potatoe in der unseren muss. Als Antagonist glänzt Michael Ironside so spielfreudig und wirksam, wie schon lange nicht mehr, was dem ohnehin schon gelungenen Werk einen weiteren Pluspunkt beschert. Freilich verläuft alles, der Pflicht der Vorlagen geschult, etwas zu typisch nach Schema F, Überraschungen gibt es stets nur in den Beilagen, nicht im grundlegenden Rezept der Handlungsabfolge, aber dieses Makel nimmt man gerne in Kauf, oder heißt es gar willkommen, eben weil man weiß worauf sich der Streifen bezieht. Dass der Film in seiner pulpigen Art auch Filmfreunden gefallen kann, die nicht wissen auf welche Art vergangenes Kino man schielte, liegt an den Identifikationsmöglichkeiten von heute, wo der sich mit kindlichen Hobbys beschäftigende Nerd längst nicht mehr einer belächelten Randgruppe angehört. Auch die eher nebenbei mitschwingende Superhelden-Thematik hilft diesbezüglich in der Hochzeit des Superhelden-Genres entstanden.  Wiki

13.10.2024

BLOODWORK - EXPERIMENT AUSSER KONTROLLE (2012)

Zwei Studenten nehmen für zwei Wochen, in einem medizinischen Institut untergebracht, an einer Medikamentenstudie teil - mit fatalen Folgen...

Placebo-Patient oder nicht?...

Die mental anders gearteten Menschen, mit denen man mehr oder weniger zwangsweise am steril anmutenden Ort von Medizin und Forschung für zwei Wochen zusammen leben muss, beschert "Bloodwork" (Originaltitel) bereits Unbehagen, wenn wir uns in der klassisch erzählten Eingangsphase der Haupthandlung befinden. Sie ist ein toller Einstieg eines Ritts, der Schritt für Schritt immer wilder werden wird. Und er wird nicht uninteressanter oder ungewöhnlicher mit der Zeit, Eric Wostenbergs bislang letzte Regiearbeit lebt nicht von einem neugierig machenden Aufbau, der danach letztendlich irgendwann in Austauschbarkeit verpufft, wenn der Film schließlich ans Eingemachte geht. Und das weiß zu gefallen innerhalb eines Streifens, der einerseits sehr gewöhnlich ausgefallen ist, weil er klassisch erzählt ist und bereits bekannte Elemente variiert, diese Variation und manch individueller Gedankengang lassen jedoch auch stets das Interesse aufrecht erhalten und den Film einen gewissen Grad Individualität atmen. "Phase One" (Alternativtitel) ist somit weder Meisterwerk noch Dutzendware, mich hat er einen Abend lang gut unterhalten und beschäftigt, so reizvoll wie mancher Gedankengang ausgefallen ist. Das Drehbuch geht interessanten Fragen nach, auch wenn er letztendlich "nur" in einem Szenario mündet, das wie ein Zombiefilm anmutet, wenn der Abhängigkeitsaspekt längst nicht mehr als Drogenmetapher subtil um die Ecke schaut. 

Wenn sich Charaktere um einen herum verändern, liebgewonnene Menschen ebenso wie der kritisch betrachtete Freak, wenn eine Studie immer rätselhafter wird, da man den Probanden scheinbar etwas vorgemacht hat, dann ist die Geschichte an einem Punkt der Erwartungshaltung angelangt, an einem Punkt an dem man spätestens eine Identifikation mit dem gar nicht so sympathischen Protagonisten aufbaut, der Punkt an dem ein irrationales Unbehagen zu einem berechtigten wird. Und dann kommt er, der Moment, der uns teilweise aufklärt und der Frage nach einem gewissen Schutzmechanismus unseres Körpers und der Psyche nachgeht, wenn diese Eigenschaft plötzlich verloren geht: der Ekel. Nicht falsch verstehen, "Bloodwork - Experiment außer Kontrolle" wird mit diesem Schwerpunkt nun kein Kotzreiz-Horror für Gorehounds, er bleibt Mainstream, sucht also nicht den dauerhaften Ekeleffekt. Ganz im Gegenteil konzentriert er sich auf die Faszination dieses Prozesses und klärt dann schließlich die Hintergründe, bevor der verzweifelte, klassische, finale Kampf ums Überleben stattfinden darf und muss. Wie erwähnt, ist "Bloodwork" nun nicht gerade außergewöhnlich ausgefallen, aber er erzählt eine packend inszenierte, neugierig machende Geschichte mit dem nötigen Hauch Intelligenz, der ihm, trotz Standard-Handlungsabfolge-Schritte, das Gewisse Etwas beschert, um sich hinterher gut unterhalten gefühlt zu haben.  OFDb

22.09.2024

DERANGED (1974)

Ezra Cobb lebt einzig für seine kranke, pflegebedürftige Mutter, die ihn in ihrem religiösen Wahn stets vor fleischlichen Versuchungen warnt. Als sie stirbt, kommt Ezra nicht damit zurecht. Er gräbt sie wieder aus und pflegt sie weiter. Er driftet derart von der Realität ab, dass er auch zum Mörder wird, von den Mitmenschen in der Kleinstadt nicht bemerkt, die ihn für einen harmlosen, schrulligen Kerl halten...

Jung anstatt alt, eigene Mutter anstatt fremder Leichen...

Die Taten des Serienkillers Ed Gein schockierten die Welt, bei all den Abartigkeiten, die im Zuge seiner Festnahme zutage kamen. Während die Filmwelt sich seiner in den populäreren Werken stets stark verändert annahm, was die großen Unterschiede zwischen "Psycho", "Das Schweigen der Lämmer" und "Blutgericht in Texas" sehr deutlich machen, wollten die Verantwortlichen von "Besessen" (Alternativtitel) möglichst nah von den Geschehnissen berichten, die einst tatsächlich geschahen. Wirklich rekonstruiert hat man dies jedoch nur bedingt, denn auch ein Werk wie dieses sollte an den Kinokassen lukrativ ankommen, entsprechend ein Publikum locken, und so veränderte man dann doch genug, als dass man nicht von einem authentischen Bericht sprechen kann. Ein angeblicher Reporter von einst wird als Erzähler gewählt und wird damit bereits zu Beginn zu einer Fiktion des angeblich wahren Stoffes. Selbst Ed Geins Name wurde verändert. 

Ich bin nicht bös drum, tu ich mich doch immer mit jenen cineastischen Ergüssen etwas schwer, die das Thema realer Serienkiller auskosten, angeblich um zu informieren, meist jedoch um dann doch reißerischer Natur ein Publikum zu bedienen, dass sich an derartigen Taten aufgeilt. "Deranged - Geständnisse eines Nekrophilen" ist ein Alternativtitel, der derartiges vermuten lässt, und so ganz kann sich das Werk nicht davon freisprechen etwas derartiges zu sein. Aber er ist nicht ohne Reiz inszeniert, irgendwo pendelnd zwischen dem Willen etwas relativ nah an realen Ereignissen orientiert zu erzählen und dem Unvermögen der Versuchung zu widerstehen, doch nur einen schmuddeligen Horrorfilm abzuliefern, der dem abseitigen Kino angehört. Derartiges Kino meide ich nicht und hat hervorragende Werke hervorgebracht, aber der Mangel an psychologischem Verständnis zur Erörterung von Cobbs geistigem Abdriften jenseits üblich gewordener Filmklischees und die Versuchung mit Gewalt und Attraktivität Schauwerte zu integrieren, verhindern ein meisterliches Ergebnis dieses gar nicht mal schlecht erzählten Films, in welchem auch Bob Clark ("Porky's", "Dead of Night") ungenannt als Produzent und Mit-Regisseur seine Hände im Spiel hatte. 

Als reißerischer Außenseiterfilm ist "Deranged - Confession of a Necrophile" (Alternativtitel) jedoch geglückt genug, wirkt er doch nie lächerlich oder unlogisch, ist er doch in dreckige Bilder gepackt und trifft er doch für diese Art Film stets den richtigen Ton. Und der größte Pluspunkt ist jener der Hauptbesetzung. Roberts Blossom spielt glaubwürdig, rutscht nie zu stark in die Position von Opfer und Täter ab, obwohl er beides verkörpert, was mitunter aber auch an der angenehm emotionslosen Herangehensweise der Erzählung liegt, womit der schmutzig anmutende Stil gekonnt eine Position zur Sachlichkeit vorgaukelt. Ich mag diesen Film, obwohl ich nicht nur Reißer realer Serienkiller verurteile, sondern mich auch allgemein mit jenen Killerfilmen schwer tue, in denen psychologisch schlicht und meist mit viel Geschwätz und Folter angeblich die Psyche des Täters erkundet wird. Ich denke es fiel mir schlichtweg leichter mich in diesem Falle darauf einzulassen, da die Originalereignisse letztendlich doch zu stark entfremdet wurden, und der Film der Welt um Ezra herum genug Einfluss gewährt, um nicht einzig seiner Entgleisung ausgesetzt zu sein. So oder so ist "Deranged" ein Film für Freunde abseitigen Kinos. Dies nicht nur aufgrund seiner abscheulichen Thematik, sondern auch wegen seiner trockenen, emotional distanzierten Erzählweise und seinem Hang zu quantitativen Schauwerten, auch wenn er diese nicht inflationär einsetzt.  OFDb

16.06.2024

THE TOLL MAN (2020)

Erschöpft steigt eine junge Frau in ein Taxi. Auf dem langen Weg heim verhält sich der Fahrer merkwürdig. Eine vom Navigationsgerät vorgeschlagene Abkürzung erscheint ihr ebenso abenteuerlich, aber müde wie sie ist, nimmt sie diese wahr. Als das Auto auf der abgelegenen Straße mitten in einem Wald den Geist aufgibt, weckt dies nicht gerade Vertrauen in den ominösen Fahrer, der sich aber ebenso wie sie zu fürchten scheint...

Zahle den Zoll!...

Eine Situation zweier sich fremder Menschen, die schon im Alltag zu Misstrauen führt, und der Beginn merkwürdiger Begebenheiten, lassen "The Toll Man" interessant genug starten, auch wenn man schnell merkt, dass mehr als angenehmer Durchschnitt nicht zu holen sein wird. Das Rätselraten um die mögliche Unschuld des sich verdächtig verhaltenden Fahrers, hält einen aber zumindest auf Trab, und das Spiel beider Mimen, sowie deren vom Drehbuch vorgegebenen Charakterzeichnungen, wissen zu gefallen, um es uns diesbezüglich schwerer zu machen. Mit der Wanderung geradeaus, um letztendlich doch wieder beim Auto anzukommen, sowie mit einer plötzlich erschienenen Botschaft auf der Heckscheibe, steigert sich zwar das Mysterium der Geschichte, all dies deutet jedoch zu sehr Altbekanntes für den Stammzuschauer des Horror-Genres an, so wie man es beispielsweise aus "Dead End" kennt. Dessen Auflösung steuert man nicht an, "The Toll" (Originaltitel) will auf etwas anderes hinaus, aber je mehr sich die Geschichte Richtung Klarheit bewegt, desto uninteressanter wird sie schließlich. 

Dass die ersten konkreten Hinweise von wem zufällig Vorbeikommendes kommen, der selbiges Erlebnis bereits hinter sich hat, zeugt nicht gerade von Einfallsreichtum. Es soll das Unbehagen steigern, die Ausweglosigkeit einer bevorstehenden Entscheidung suggerieren, und doch wirkt es zu zufällig, zu unkreativ und auf diesem Weg vorgetragen alles andere als mystisch. Wenn die Protagonisten sich im letzten Drittel nun damit abfinden müssen, dass die Reisende keinen Unsinn erzählt hat und man sich der vorgepredigten Situation stellen muss, vergeigt es das Drehbuch das Finale zwei Unschuldige erleben zu lassen, die rein menschliche Fehler begangen haben. Nein, eine ewige, ziemlich unglaubwürdige, Täuschung kommt nun ans Tageslicht, macht aus dem zuvor so schönen Gut-Böse-Spiel klare Fronten, so dass alles wesentlich plumper verläuft, als erhofft. Ein Spannungsbogen findet in dieser späten Phase kaum noch Raum, der war in der Orientierungsphase inmitten merkwürdiger Begebenheiten wesentlich höher und selbst dann nicht das große Gruselerlebnis auf das man heimlich beim Antesten unbekannter Werke hofft. "The Toll Man" bleibt insgesamt zu austauschbar, um mit ihm vergnüglichen 1 1/2 Stunden zu erleben. Er umgeht die unangenehmsten Schwächen eines solchen Filmes, bietet aber ebenso keine Innovationen, Auffrischungen bereits bekannter Elemente oder zumindest Kurzweile. Am Ende war ich froh, dass endlich Schluss war.  OFDb

12.05.2024

JOHN WICK - KAPITEL 2 (2017)

John muss eine ehemalige Schuld begleichen. Er soll die Frau, die nun einen Mafiaclan leitet, töten, obwohl er mit seinem Leben als Auftragskiller eigentlich abgeschlossen hat...

Nicht gerade Feuer und Flamme...

"John Wick" war bei dünner Sinnlos-Handlung ein kurzweilig anzuschauender Hirnlos-Actioner, und weil er Spaß bereitete, war ich auch zur Sichtung der Fortsetzung bereit. Die spielt mit Konsequenzen des ersten Teiles, bietet einen Hauch mehr Handlung, hat aber freilich, abgesehen von allerhand Baller- und Kampfsequenzen, ebenfalls nicht wirklich Inhalt zu bieten. Aber das geht schon in Ordnung, zumal "John Wick: Chapter 2" (Originaltitel) mir eine Spur besser gefallen hat als der Vorgänger. Teil 2 besitzt sämtliche Vorzüge des ersten, baut dort getroffene Gesetzmäßigkeiten einer uns Normalbürgern unbekannten Subkultur wieder ein und erweitert diese, und bietet uns hin und wieder auch Überraschungen, so z.B. bei der sehr frühen Zusammenkunft von Auftragskiller und Opfer, und dies nicht, um diese von nun an zusammenarbeiten zu lassen, wie es bei Stallone und Co der Fall gewesen wäre. Alles ist nach wie vor stylisch inszeniert, Optik geht über Hirn, Wick ist wie gehabt unkaputtbar, aber das ist eben das was man sehen will, wenn einem Teil 1 gefallen hat. Und die Fortsetzung versprüht eine Energie innerhalb eines theoretisch infantilen Szenarios, der ich mich nicht entziehen wollte, einfach weil ich Lust auf derartigen Stuss hatte und das an manchen Tagen einfach genau das Richtige ist. Wick ist eine Comicfigur in einer alternativen Welt, und die gut choreographierte Action (wenn auch mithilfe vieler Schnitte), die edle Optik und die temporeiche Regie machen daraus ein spaßig anzuschauendes Stück Trivialkino. Wer mehr drin sehen will, tut mir jedoch leid.  Wiki

13.04.2024

MANIA (1986)

Episodenfilm! Episode 1: Ein Mann beobachtet einen Mord und sagt nichts der Polizei, obwohl der Mörder ihn am Fenster gesehen hat. Episode 2: Ein Paar schafft sich gegen den Willen des Gatten einen Wachhund an. Der ist ihm nicht geheuer. Episode 3: Eine Frau wird erpresst. Das Leben ihrer Tochter steht auf dem Spiel. Episode 4: Ein Mann rettet nachts in der U-Bahnstation eine Frau vor einem Wahnsinnigen. Sie werden von dem Angreifer verfolgt.

Ein Messer im Kronleuchter...

Die auf unheimlich getrimmten 4 Kurzfilme dieses 86-Minüters sind eher dem Thriller- anstatt dem Horrorgenre zuzuordnen. Auch wenn sie alle bemüht auf düster getrimmt sind, so weiß das Grauen doch nie tief zu sitzen. Zudem wird nie der Bereich des Übernatürlichen eingesetzt, nicht einmal gestreift. Geschrieben sind alle 4 Geschichten, in denen es stets um selbst verursachte, morbide Situationen geht, von John Sheppard, der bei der ersten und ödesten Episode selbst die Regie übernahm. Sie erzählt kein Dilemma, das nicht schon von etlichen Krimiserien zuvor besser, und durch eine längere Geschichte intensiver, umgesetzt wurde. Die Person kennt man zu kurz, ihr Verhalten ist nicht greifbar, da will das Gefühl, welches der Autor anvisiert, einfach nicht aufkommen. Nur einen Hauch besser mutet die zweite Geschichte an, die es aber nicht schafft den Hund bedrohlich wirken zu lassen, um den Zuschauer in der Schwebe darüber zu lassen, ob die Angst des Gatten begründet ist oder nicht. 

Wie alle der vier in "Mania" präsentierten Geschichten, so meint auch diese eine gewitzte Pointe zu liefern, und setzt letztendlich doch nur den Standardschluss einer solchen Kurzgeschichte ein. Immerhin in Episode 3 kommt die Pointe etwas gewitzter daher, auch wenn man sie kurz vor Schluss von selbst erraten kann. Leider ist das was vorher geschieht nicht sonderlich aufregend erzählt und findet sich ebenfalls in etlichen Krimisendungen besser umgesetzt wieder. Zumindest zeigt das Nebenthema rund um die einfach zu beschaffenden Informationen eines Fremden, dass dies schon lange vor dem Internet möglich war, so dass Sheppard per Zufall einen Aspekt einbaut, der heute aktueller denn je ist. Zwar geht der Spannungsgehalt in der vierten und letzten Episode ein Stückchen mehr nach oben, die beiden Fluchten, zunächst vor Punks, schließlich vor einem Angreifer, sind immerhin packend umgesetzt und versetzen einen in die Gefühlswelt der Hauptfigur hinein. Im Heim mit der Geretteten angekommen, lässt aber auch diese mittelmäßige Geschichte nach, deren schwarzhumorige Wendung zu aufgesetzt wirkt und zudem nicht zu dem passen will, was man schauspielerisch zuvor vom Verfolger sehen durfte. Somit ist "Mania - American Tales of Terror" (Alternativtitel) für keine der vier Kurzfilme das Einschalten wert. Maximal weht ein wenig Retro-Feeling um die einfallslosen Geschichten, die höchstens noch ein altes Waschweib erschrecken können.  OFDb

09.03.2024

ROBOCOP - TÖDLICHES NETZWERK (1994)

Dass nach den negativen Reaktionen auf "RoboCop 3" so schnell keine weitere Kino-Fortsetzung zu erwarten war, überrascht nicht. Dass es allerdings bereits ein Jahr danach mit einer kanadischen TV-Serie weitergehen sollte, dann doch. "Tödliches Netzwerk" ist der auf Spielfilmlänge gedrehte Pilotfilm von dieser, der seinerzeit in Deutschland auf VHS als "RoboCop 4 - Law and Order" vermarktet wurde. Ebenso wie die 1988 entstandene Zeichentrickserie "RoboCop", so baut auch die hier besprochene Realfilmserie auf den letzten Kinovorgänger auf. Die Entstehungsgeschichte RoboCops wird also nicht erneut thematisiert, die TV-Reihe sieht sich als Fortsetzung der drei Filme. Von den Darstellern ist keiner mehr übrig geblieben, einige Rollen kehren anders besetzt jedoch zurück. Murphy selbst ist nicht mehr ansatzweise markant besetzt. Was im Roboterkostüm noch mittels einer Kinnüberdeckung zu tarnen ist, erweist sich mit dem Abnehmen des Helms als Katastrophe, so weichgespült sanft, wie der menschliche Teil des Cyborgs ausschaut, ohne dass man sich die Mühe aus Teil 3 gab, eine Ähnlichkeit zum Originalgesicht zu tricksen. 

Letztendlich passt dieses sanfte, ruhige und so gar nicht charismatische Gesicht aber zum Seelenleben des Maschinenpolizisten und zur Neuausrichtung der Serie, denn die ehemalige Familie Murphys wird nun wichtiger, und damit setzt die Geschichte viel auf die Dramatik eines Mannes, der nicht mehr Vater und Ehemann sein kann. Das tut der Grundatmosphäre nicht sonderlich gut, da zu sehr auf Kitsch und Theatralik, anstatt auf nachvollziehbare, reflektierte Gefühle gesetzt wird. Und dies in Kombination mit einer Ausrichtung zur Jugendunterhaltung, noch mehr als im ein Jahr zuvor erschienenen Kinovorgänger geschehen, lässt den Pilot viel sanfter als nötig erscheinen, wobei dieser im Vergleich zur Restserie noch am erträglichsten bleibt. Von Folge zu Folge wurde der Seifenoperngehalt gefühlt immer dominanter, so dass ich ein Sichten der Serie nicht empfehlen kann. Der Pilotfilm kann hingegen noch manch charmanten Comictouch vorweisen. Und dass er trotz diesem dennoch eine wackelige Angelegenheit geworden ist, sagt schon alles. 

Der comicartige Erzfeind Pudface, der wie aus dem "Dick Tracy"-Universum entlaufen scheint, gehört zu diesen Pluspunkten, so klassisch wie er auf Superschurke getrimmt ist, letztendlich kommt er aber hier noch zu kurz (kehrt aber in weiteren Folgen zurück). Der mit Cliff deYoung so angenehm besetzte Morllado, wirkt mit seiner wirren Frisur und den kranken Ideen wie die Billigvariante von Dr. Brown aus "Zurück in die Zukunft", jedoch als Bösewicht positioniert. Seine Vision einer automatisierten Stadt, die von einem menschlichen Gehirn mittels K.I. gesteuert wird, klingt herrlich grotesk. Und wenn sein Gehilfe unter Obdachlosen nachts auf der Straße mit einer Spritze auf Gehirnjagd geht, hat das was von Jack the Ripper oder dem schrägen Randszenario aus "Der Mann mit zwei Gehirnen". Auf dem Papier liest sich das meiste davon bunter und schriller, als es in dieser zu brav angegangenen Umsetzung letztendlich thematisiert wird. Und auch die eigentlich reizvolle Idee einer sich gedanklich materialisierenden Frau, im Herzen der Maschine, als Restaspekt des angezapften Gehirns, teilt sich dieses Schicksal mit den anderen bizarren Ideen, wird sie doch eher des Soapgehalts wegen genutzt, anstatt als pfiffiger, übernatürlicher Gegenspieler Morllados. Als Helferin des Titelhelden wird sie in jeder weiteren Episode als Teil der Stammbesetzung weiter eingebaut, aber leider nicht reizvoller ausgebaut.

So schräg wie in "RoboCop 2" oder ansatzweise in Teil 3 wird der Ausflug von Verhoevens "RoboCop" in ein klassischeres Superheldenuniversum mittels der hier besprochenen Serie somit nicht, oder zumindest nur bedingt. Jegliche Idee wird zu wenig ausgeschöpft, zu viel zwischenmenschliches Leergeschwätz und kitschige Gefühlsduselei verwässern den möglichen Anarchocharme von Story und Vorlage, und die Besetzung sämtlicher Nichtbösewicht-Rollen fällt auch eher mittelmäßig aus. In Sachen Spezialeffekte und Settings weiß "RoboCop" in seinen 22 Folgen jedoch positiv aufzufallen. Aber das nutzt recht wenig bei solch jugendgerechten Schwerpunkten, welche die Serie am Entfalten ihrer Möglichkeiten hindert. Der stumpfe Vierteiler "RoboCop - Prime Directives", der 6 Jahre später ebenfalls in Kanada entstehen sollte, weiß da als wieder auf Härte getrimmte Miniserie schon eher zu überzeugen, wenn auch nicht frei von unfreiwilliger Komik.  Wiki

14.01.2024

DAY OF THE DEAD - STAFFEL 1 (2021)

Ging es in George A. Romeros "Day of the Dead" seinerzeit um eine Indianerlegende? Um Fracking? Um durch verseuchtes Wasser auferstandene Tote? Um den Beginn einer Zombieepidemie? Um Schwulenouting? Um einen Softie, der sich vor der Hochzeit gegen den dominanten zukünftigen Schwiegervater behaupten musste? Um eine Bürgermeisterwahl? Um Zombies, die nicht mit einem Kopfschuss zu erledigen waren und deren Einzelteile noch weiter leben, wenn sie vom Körper getrennt werden? Um eine Wissenschaftlerin, die ein Unsterblichkeitsserum erschaffen will, um ihre todkranke Tochter zu retten? Nein? In der hier besprochenen Serie aber sehr wohl, die im Vorspann behauptet auf besagten Romero-Film zu basieren. Dessen Remake "Day of the Dead" von Steve Miner und "Day of the Dead - Contagium" hatten bereits wenig Bezug zu "Zombie 2" (und beim bisher nicht von mir gesichteten "Day of the Dead - Bloodline" wird dies sicher auch der Fall sein), es ist also grundsätzlich schade, dass einfach jeder, der die Rechte am Titel besitzt, einfach ohne wirklichen Bezug Fortsetzung und Neuverfilmung rufen darf. 

Zur Zeit, bezogen auf die hier besprochene Serie, sind das die Köpfe des TV-Senders SyFy, der zwar mit "Z Nation" eine interessante Serienalternative zum Erfolgs-Hit "The Walking Dead" erschuf, in "Day of the Dead" jedoch nur sein billiges Filmniveau erkennen lässt, welches er üblicher Weise auf den Zuschauer los lässt. Dementsprechend dürfen wir allerhand Leuten bei ihren eigenen Erfahrungen mit dem Beginn der Zombiewelle zusehen, deren Schicksal zwar mit der Zeit verwoben wird, deren individuelle Erlebnissee und Motivationen jedoch Einzelbeispiele bleiben, die irgendwann zu Ende erzählt sind, ohne tieferen analytischen Bezug zum Rest, um vereint all das fallen zu lassen was für sie vorher wichtig war, um zu der solidarischen Einheit zu werden, die das 08/15-Ende für jede Art Fließband-Horror von ihnen erwartet. Freilich werden alle wichtigen Figuren auf dem Weg dahin geläutert, so dass die Vielschar an Figuren am Ende wie ein geklonter Charakter wirkt. Es sterben viele, selbst Sympathiecharaktere, man weiß also nicht welche der Figuren zu jenen gehört, welche die Ziellinie durchschreiten, das ist aber auch das einzig wirklich reizvolle an "Day of the Dead". 

In seiner abgeschlossenen Art weiß man nicht, ob er als 1-Staffel-Idee konzipiert ist, oder ob dem doch noch was folgt. Veröffentlicht wurde er auf DVD als erste Staffel, nicht als komplette Serie, und theoretisch könnte es weiter gehen. Aber die offenen Szenarien wirken wie ein augenzwinkernder, fast schon obligatorischer Schlussgag, und das was wirklich darauf bauen würde, würde andere, meist uns unbekannte Figuren zunächst betreffen. Es kann also am Schauspielerstreik liegen, dass die Serie bislang nicht fortgeführt wurde, aber auch daran dass keine zweite Staffel geplant ist. Wie auch immer, für mich persönlich müsste es nicht weiter gehen. Zwar wissen die Zombies nett auszusehen, kommen teilweise sogar endlich mal wieder aus dem Friedhofsboden gekrochen, anstatt einem Virus entsprungen zu sein, und manche Randgeschichten- und Charaktere wissen kurzfristig ebenfalls zu funktionieren, aber was sich zunächst sympathisch auf simple Art schaut, wird immer gewöhnlicher, austauschbarer und fühlt sich im letzten Drittel angekommen schließlich egal an, was echt schade ist. 

Die Idee der immer weiter lebenden Zombies wird aus "The Return of the Living Dead" übernommen (ebenso das Ansammeln/Weglocken einer Zombiegruppe durch das Zuwerfen von für die Zombies essbare Körperteile in einer der ersten Episoden), zu Beginn wirkt das Produkt eher wie eine Serie zu diesem Film, anstatt zum eigentlich anvisierten. Doch während Dan O'Bannon aus dieser Variante die Unmöglichkeit zauberte, der Situation Herr werden zu können, beschert uns "Day of the Dead - Staffel 1" hier und da mal einen umher krabbelnden Arm, wieder auferstehende Tote nach einem Kopfschuss, und das war es auch schon. Das Potential wurde nicht erkannt, wie auch wenn es nur ums Nachäffen und dem Zelebrieren bereits bekannter Szenarien geht? Und dies wird freilich unreflektiert vollzogen, so dass sich immer mehr Ungereimtheiten sammeln. So wird die Möglichkeit, dass sich die Zombieseuche weltweit ausbreiten könnte, immer darin gesehen, dass ein Untoter überlebt oder andernorts mit dem Serum der Wissenschaftlerin ähnliches geschehen könnte. Dass aber der Auslöser Wasser viel gefährlicher und relevanter ist, sich zu verbreiten, einmal ins Grundwasser gelangt, wird gar nicht erst in Betracht gezogen. 

Richtig dümmlich wird es gegen Ende, wenn möglichst alle Zombies gleichzeitig einem Köder folgen sollen, man dafür quer durchs verseuchte Gebiet tuckert, die Zombies aber trotzdem nur von einer Seite aus dem Köderfahrzeug folgen, selbst wenn sie zuvor von verschiedenen Richtungen kommen. Die ums Auto versammelten, mit wandernden Helden werden nicht attackiert und die Zombies tatsächlich komplett eingesammelt. Den Rest erzählten diverse Horrorfilmthematiken, von Bienen, über Außerirdische, über was auch immer, schon seit der 60er Jahre, die Auflösung ist nicht neu, ebenso der angehangene, böse Schluss. Hatte "Day of the Dead" nun gar nichts mit "Day of the Dead" am Hut? Nun ja, die Zombies sind langsam, fressen Menschen, und es gibt einen durch einen Wissenschaftler konditionierten Zombie. Dies in der SyFy-Welt freilich wesentlich plumper und schneller erschaffen, als es glaubwürdig wäre, und dessen Potential wird freilich kaum genutzt (nur einer der wenigen offenen Aspekte, der die Helden in eine Geschichte einer zweiten Staffel führen könnte, so dass das Potential vom intelligenteren Zombie eventuell absichtlich noch nicht genutzt wurde), das war es aber auch schon mit Parallelen zum Originalfilm, auf welchen man im Schriftzug in jeder der 10 Folgen zu Beginn verweist. 

Das ist arg wenig und leider auf Dauer auch zu einfallslos geraten, als dass man sich trotzdem von dem Produkt unterhalten lassen könnte. Mit fortschreitender Laufzeit wird immer deutlicher: es ist nur ein Produkt, ein Konstrukt, ein zu starres, alles imitierendes, nicht atmendes Stück geistloser Kopie, eine Auftragsarbeit, etwas an dem kaum wem etwas lag. Zumindest mancher Darsteller erweckt den Eindruck, dass ihm seine Rolle wichtig war.  OFDb

07.12.2023

VERNETZT - JOHNNY MNEMONIC (1995)

Als ähnlich kunterbunter Science-Fiction-Action wie "Judge Dredd", erschien im selben Jahr "Johnny Mnemonic" (Originaltitel), den man rein logisch nicht zu ernst nehmen sollte. Stattdessen sollte man seine irren Spielereien, die im uns mittlerweile bekannten Jahr 2021 spielen, schlichtweg genießen. Da sind 360 GB unglaublich viel Datenvolumen, Mini-CDS werden ebenso benutzt wie Videokassetten und Faxgeräte, das Internet verschmilzt auf "Der Rasenmähermann"-Niveau mit der virtuellen Realität, während Röhrenfernseher noch immer als Bildschirm dienen. So überholt manches ist, "Vernetzt" ist absichtlich augenzwinkernd erzählt, will unterhaltsamer Pulp wie Carpenters ein Jahr später nachgerückter "Flucht aus L.A." sein, unfreiwillig komisch ist das alles somit nicht. Autor William Gibson, der die auch zu Grunde liegende Kurzgeschichte schrieb, weiß was er abliefern möchte. Und in den Händen von Regisseur Robert Longo erfüllt sich das Ergebnis recht gut, mitten im Zeitgeist badend, wie die vielen zeitnahen Vergleichsstoffe, wie "Strange Days" bis hin zu "Dark City", zeigen, einiges davon Werke, die "Matrix" erst möglich machten, von dem manche Sequenzen, nicht erst durch den gemeinsamen Hauptdarsteller Keanu Reeves an "Vernetzt - Johnny Mnemonic" erinnern, so z.B. die Yakuzas zu Beginn, wenn sie mit Sonnenbrille, ernster Mine und ähnlicher Bekleidung wie dort zur Bekämpfung eines Datenspions den Fahrstuhl eines Hotels besteigen. 

Der kunterbunte, fast schon kindische Internetkampf im Kopfe Johnnys im Finale erinnert hingegen an bereits damals nostalgische Zeiten bezüglich Effekte und Computerverständnis, weht doch hier ein guter Hauch "Tron" mit, mit mittlerweile zwar veralteten Computereffekten, aber nach wie vor reizvollen. Langweilig wird es dem Auge so wenig, wie dem Kopf, inmitten einer wirr getarnten, simplen Story um böse Konzerne, Bandenkriege, Cyberkriminalität und dem üblichen Klassenkampf solch links orientierter Stoffe. Noch einen über High Tech-Kenntnisse verfügenden, hochintelligenten Delphin mit ins Geschehen gebracht, und fertig ist das kunterbunte, absichtlich naive, trotzdem eher erwachsene Treiben dieses sympathischen Science-Fiction-Action-Streifens, den man sich als Freund derartiger Stoffe ruhig einmal geben sollte. Dank solch skurriler Gegner, wie dem von Dolph Lundgren verkörperten, Mechanikmensch-Pfarrer, werden auch Erinnerungen an "Running Man" und vom Umfeld her natürlich auch dem klassischen "Die Klapperschlange" wach, anstatt nur an dessen Fortsetzung. Ein Erfolg war der nicht gerade kostengünstig inszenierte Film nicht, somit blieb "Johnny Mnemonic" Logos letzte Regiearbeit. In Zukunft trat er lediglich als Schauspieler in Spielfilmen auf.  Wiki

12.11.2023

PREDATOR - UPGRADE (2018)

"Predator - Upgrade" ist ein Paradebeispiel für jene Art Mainstream-Kino, für das man sich fremdschämt. Der Plot ist derart dünn und infantil ausgefallen, dass er früher lediglich für einen B-Movie, der direkt auf Video verwertet wird, benutzt worden wäre, nicht aber für eine Großproduktion, die zudem noch einem großen Franchise des Kinos angehört. Tatsächlich jeder halbwegs interessante Aspekt wird lediglich zügig überflogen. Figuren und Handlung werden als nervige Pflicht empfunden, die oberflächlich integriert werden muss, um endlich intensiv Actionszenen und Sprüche liefern zu können. An CGI-Effekten darf es freilich nicht mangeln, oberflächlich muss stets etwas geschehen, was das Auge beschäftigt. Das Ganze wird betäubend in einem Tempo serviert, das verhindern soll das Erzählte als Unsinn zu erkennen und den logischen Zusammenhalt, der mit kurzen Sätzen vorgenommen wird und bei jedem kurzen Anflug von Nachdenken bereits als Unfug entlarvt wird, zu akzeptieren. Dass die teilweise durchaus talentierten Darsteller lediglich verfeuert werden, ebenso wie das legendäre Predator-Monster, sowie der halbwegs sympathische Aufhänger eines durch die DNA anderer Spezies gepuschten Predators, ist so traurig, wie die Respektlosigkeit dem Zuschauer gegenüber und den vorangegangenen Stoffen diverser Filme, an denen man sich unkreativ, hemmungslos bedient.

Noch ein paar schwachsinnige Behauptungen hinein ins hohle Geschwätz, wie die Überlegenheit eines Behinderten als nächster evolutionärer Schritt des Homo Sapiens und etwas Propaganda über dessen eigene Auslöschung in nur zwei Generationen aufgrund der Erderwärmung, zusätzlich schnell ein paar peinliche Predatorhündchen für den geringen Frauenanteil im Männerkino hinzu gemischt, und das Fremdschämen eines besonders oberflächlichen, undurchdachten und sich einer Geschichte verweigernden Bumm-Bumm-Proletenkinos für Denkverweigerer ist fertig konzipiert. Freilich ist jede Form von Außenseiter in Wirklichkeit sympathisch, egal wie radikal, gewalttätig und sozial unkompatibel er mit dem Rest der Menschheit ist, Experten sind allein schon deswegen Experten, weil sie studiert haben und irgendwann einmal schriftlich einen verträumten Wunsch geäußert haben, und Wissenschaftler sind von grundauf böse, obwohl es ohne sie nie Kino, CGI und ähnliches gegeben hätte, von denen der Hirnloszuschauer, der immer nur das selbe bereits vorgekaute Konzept frisst, nicht genug kriegen kann und sich beim Sichten der immergleichen Soße für einen Cineasten hält. Freilich ist das alles derart kurzweilig und schwungvoll konzipiert, dass man es selbst halb interessiert und geistig unterfordert bis zum Schluss schafft und mit wuchtiger Action genug beschäftigt wurde, um sich nicht zu langweilen. Deswegen bekommt dieser Mist auf diesem Blog auch großzügig die vorletzte Bewertungsebene beschert.  Wiki

03.10.2023

DIE ADDAMS FAMILY (2019)

Wer hätte gedacht, dass ein farbenfroh gezeichneter Computeranimationfilm in gewöhnungsbedürftiger Optik das Seelenleben der Addams Family besser einzufangen weiß, als die Real-Serien-Vision eines Tim Burton? Aber so ist es geschehen. Hier dürfen die Addams wieder alternativ morbide neben der üblichen Gesellschaft co-existieren, bestreiten wie gehabt den üblichen passiven Kampf gegen diese mit Leichtigkeit und Selbsttreue und beweisen sich als autonom und lebenswert, so wie sie als "Freaks" sind, während "Wednesday" in seiner ersten Staffel davon berichtete, wie jemand Andersartiges der Norm angeglichen werden musste. Manche Figur mag zu niedlich und, typisch CGI-Stil, zu steril ausgefallen sein, das Herz der Zeichentrickversion sitzt aber an der rechten Stelle, was sich auch durch überraschend kompatible Neuerungen beweist. Dem Haus ein eigenes Leben zu bescheren und dem Sohn Selbstbewusstsein im Umgang mit Sprengstoff bereichert das Grundkonzept. 

Nur selten gibt es Fehlentscheidungen zu sichten, wie etwa jene, dass das eiskalte Händchen ein Auge beschert bekam und damit optische Nähe zu den dämlich aussehenden Minions erhält (glücklicher Weise bleibt das Auge meist zu). Völlig daneben ist Onkel Fester geraten, der eher an die fröhlich-dämliche Disneyversion aus "Die Addams Family und die lieben Verwandten" erinnert, anstatt an den ungehobelten Schelm, dem der Stil seines Bruders fehlt. Der wiederum ist der typische Verweis auf die Rückbesinnung auf die Addams-Historie, ist er doch weder an Raul Julia, noch an John Astin angelehnt, sondern an den Comics, mit denen in den 30er Jahren alles seinen Anfang nahm. Auch verweist man andernorts in vielerlei Hinsicht auf die 60er Jahre-Serie, manches Mal auch auf die Kinofilme der 90er Jahre, so z.B. in der Bewegungsform des eiskalten Händchens geschehen. Die Besetzungen mit Chloë Grace Moretz als Wednesday und Snoop Dog als Vetter It sind ein kleiner Geniestreich für sich, und die Handlung wirkt wie ein chaotisch, typisch auf Cartoon-Stil, aufgeblasener Klassiker eines ansonsten typischen Addams-Abenteuers. 

Freilich bekommt der Mainstream mit seinem Hang zur Angleichung sein Fett weg (so gar nicht subtil), der Wandel Richtung Addams-Mentalität wird treffsicher durch einen klassischen Look der Gothic-Szene dargestellt, und am etwas zu fröhlichen Ende akzeptieren beide Seiten ihre Andersartigkeit - ja, auch die Addams den Mainstream, und dies gar nicht so moralinsauer und anbiedernd verpackt wie man meinen sollte und wie leider in Burtons Netflix-Produktion geschehen. Dennoch wirkt das Ganze am Schluss eine Spur zu verwässert, während typische Mainstreameinflüsse heutiger US-Trickfilme sich im Rest des Streifens gerade eben noch passend kompatibel als wackeliger Drahtseilakt mit der Addams-Kultur arrangiert bekommen. Viele eigenständige Ideen, klassische Verweise, recycelte Gags, allerhand Hintergrundideen, Schelmereien, Insiders und manch überraschend morbide Randerscheinungen sorgen für kurzweilige Unterhaltung, weit über dem Niveau welches ich pessimistisch im Vorfeld erwartet hatte. 

Zwar ist "The Addams Family" (Originaltitel) kein großes Kino geworden, wie die beiden Werke aus den Lichtspielhäusern der 90er Jahre, aber nach den ganzen Fehlversuchen der Wiederbelebung seit den zwei Realfilmen, tat es gut mal wieder eine positiv ausgefallene Version über die Addams zu sichten, welche sich mit dem Franchise auch tatsächlich auskennt, anstatt es lediglich zu plündern ohne dessen Mentalität zu teilen oder gar zu verstehen. Dass das Abspannlied so überhaupt nicht zum Flair der Addams passen will, kann man wiederum schon fast als Verweis auf den schrecklichen Abspann des 90er Jahre "Addams Family"-Films verstehen.  Wiki

02.07.2023

LEPRECHAUN - ORIGINS (2014)

Wenn man die Rechte an einem einst erfolgreichen Franchise besitzt und es wieder aufleben lassen möchte, zeigen Neuverfilmungen wie "Nightmare on Elm Street", dass Filmfans manche Kultfigur auch bei brauchbarer Umsetzung anders besetzt nicht akzeptieren, und Werke wie "Freitag der 13." zeigen, dass die Stimmung von einst nicht immer neu aufgelebt werden kann. Während manche Filmschaffende um dies zu verhindern zu dem Kniff eines Mixes aus Fortsetzung und Neuverfilmung greifen, wie in "The Thing" geschehen, oder im finanziell möglichen Idealfall zur Freude der Fans sogar auf Legacy-Versionen dieser Vorgehensweise setzen, wie beispielsweise in "Das Erwachen der Macht" und "Scream" geschehen, gehen andere Produzenten so vor, dass sie für eine neue Version das Ur-Konzept komplett ändern. Welchen Sinn (abgesehen des finanziellen Blickwinkels) es haben soll einem solchen Produkt den Titel von etwas aufzusetzen, mit dem es nur noch wenig gemein hat, habe ich noch nie begriffen. Und manch reizvoll klingende Alternative, wie die Roboterversion von "Child's Play", wurde unter geldgeilen Verantwortlichen zur seelenlosen Sache, "Wrong Turn" erlebte gar mit dem Neuansatz "Wrong Turn - The Foundation" einen neuen Tiefpunkt, obwohl die Reihe bereits mit Teil 2 stark nachgelassen hatte.

Nach sechs "Leprechaun"-Filmen, sollte ein solcher Versuch nun auch mit dieser Marke versucht werden, und ähnlich wie bei "Wrong Turn - The Foundation" war ich im Vorfeld nicht bös drum. Zwar war meine Sichtung der ersten vier "Leprechaun"-Werke schon etliche Jahre her, aber ich erinnere mich noch gut, dass mir der Sprüche klopfende Kobold, bei seinem Versuch in Freddys Fußstapfen zu treten, eher auf den Wecker ging, als dass er zu unterhalten wusste. Die Neuverfilmung setzt nun auf ein düsteres Wesen, eines das gar nicht erst spricht und quasi als Urgewalt der irdischen Historie monströs jenen ans Leder will, welche seinen Goldschatz entwenden. Tatsächlich funktioniert "Leprechaun - Origins" besser als die Originalfilme, wirklich geglückt ist aber auch er nicht, konzentriert er sich doch viel zu lang auf die Einheimischen, welche zu ihrem eigenen Schutz junge Touristen dem übernatürlichen Wesen opfern wollen, wie sie es schon mit etlichen Fremden zuvor getan haben, die einen Fuß in ihre Kleinstadt setzten. Diese Hinterwäldler wirken wie die nicht degenerierte Version der Familie rund um Leatherface und machen aus dem Szenario zunächst ein Backwood-Erlebnis mit uninteressanten Aggressoren. Etwas reizvoller wird ihr unnötig ins Zentrum gerücktes Treiben durch den Sohn des Anführers, der nicht gut heißt was sein Vater seit vielen Jahren treibt. Aber auch sein bis zum Schluss unentschiedenes Verhalten reißt die Sache kaum raus.

Interessanter ist da schon der Leprechaun selbst, der tatsächlich lediglich als Monster, meist auf Tierhorror-Art, eingesetzt wird. Aber inmitten der routinierten Regie von Zach Lipovsky, dessen Langfilm-Debüt "The Tasmanian Devil" war, und der auch für "Freaks - Sie sehen aus wie wir" verantwortlich war, wird auch dies lediglich zum klassischen Standard in der überfluteten Horrorfilmwelt. Zwar ist es clever das Wesen kaum zu zeigen, erst recht wenn man es im mageren Outfit dann mal gesichtet hat, aber letzten Endes bleibt seine Mystik so austauschbar wie die kompletten Geschehnisse, die man uns präsentiert, so dass der Film nicht genügend eigene Substanz aufbaut, um trotz durchschnittlicher Geschehnisse ein individuelles Gesicht zu erlangen, welches in Erinnerung bleibt. Das Verhalten der jungen Männer und Frauen im Zentrum der Geschehnisse ist nicht gerade hilfreich dabei mehr Sympathie für "Leprechaun - Origins" zu entwickeln, verhalten sie sich doch einfallslos, verstritten und verwöhnt und lassen die mögliche Intelligenz ihres Studenten-Daseins schmerzlichst vermissen, so sehr sogar, dass es ihnen auch am Forschungsgeist fehlt, wenn es darum geht herauszufinden, wie man aus der Situation heraus kommt. Zwar setzt das Drehbuch zumindest auf emanzipierte Frauen (sie sind es die Lösungsmöglichkeiten finden, sie sind es die Sex einfordern (und nicht erhalten), die Heldin ist diejenige, die eine Tür zur Flucht einschlagen darf, ...), aber stumpf sind sie dennoch alle Vier.

So bleibt am Schluss ein Routine-Horror, der einem zu egal ist, um in Erinnerung zu bleiben, aber auch zu sehr das Nötige abgrast, um nicht komplett zu scheitern. Große Ärgernisse gibt es nicht, die im Weg stehen, das Geschehen kommt einem lediglich zu bekannt vor, als dass es wahres Interesse wecken könnte. Die kurze Laufzeit hilft dabei nicht all zu sehr zu enttäuschen. Zwar handelt es sich bei der ungekürzten Variante um einen 86-Minüter, der Abspann, der gleichzeitig den Vorspann nachholt, erstreckt sich jedoch auf über 11 (!!!) Minuten, so dass wir es mit einem weit kürzeren Werk zu tun haben, als der übliche Durchschnitt bietet. Erfolgreich lief "Leprechaun - Origins" anbei scheinbar nicht, denn nur 4 Jahre später drehte man stattdessen doch lieber einen siebten Teil der Original-Reihe. Warwick Davis kehrte nach sechs Filmen für "Leprechaun Returns" jedoch nicht mehr als titelgebender Kobold zurück.  Wiki

04.06.2023

NIGHT OF THE DEMONS 3 (1997)

Schon die ersten beiden Teile der Reihe waren ziemlich gewöhnliche Horror-Dutzendware (auch wenn mir Teil 2 zumindest im Teenie-Alter unglaublich gut gefallen hat), die zweite Fortsetzung von "Night of the Demons", die in Deutschland zunächst unter dem Titel "Demon Night" erschien, ist leider noch eine Spur schwächer ausgefallen. Inszeniert von Jim Kaufman, der meist als Regisseur an TV-Serien wie "Outer Limits", "Teenage Werewolf", "Vampire High" und "Poltergeist - Die unheimliche Macht" beteiligt war und somit über Genre-Erfahrung verfügte, schaut sich der von Ur-Regisseur Tenney zumindest noch geschriebene und produzierte Teil 3 unglaublich billig. Das fängt bereits in den schlecht eingefangenen Bildern und Choreographien an (die komplette Szene, in welcher die ursprüngliche Teen-Clique während einer Autofahrt aneinander gerät, ist höchst verkrampft gespielt und mit verzweifelt rettenden Schnitten versehen) und ist außerdem unübersehbar in der unglaubwürdig zusammengewürfelten Charakterkonstellation einer Truppe Jugendlicher vorzufinden, von denen man sich fragt wie sie privat aneinander geraten sind, um etwas gemeinsam unternehmen zu wollen. 

Auch jeder für sich ist sehr extrem auf Stereotyp getrimmt, was die hanebüchene Eingangsstory, in welcher aus einem Einkauf ein Polizistenmassaker Halbstarker wird, noch einmal unterstreicht. Doch bereits vorher wird schon jede Figur zu dick aufgetragen. Der Aggressor der Truppe würgt das Weichei am Steuer während der Fahrt, die blonde Schlampe geilt sich an der Gefahrensituation selbst dann noch auf, wenn einer ihrer Bekannten mit offener Bauchwunde auf dem Rücksitz leidet, und die als intelligent dargestellte, und deswegen natürlich mit einer Brille versehene, weibliche Rolle auf der Seite der Guten, die jeden vor der Dämonenpräsenz im Unterschlupf nach der Flucht warnt, geht Dämonin Abigail höchst persönlich auf den Leim, wenn diese ihr inmitten einer mehrfach unangenehmen Situation verspricht ihr beizubringen, wie man Männer richtig verführt (freilich doppeldeutig angekündigt, um sie auf "Wishmaster"-Art in die Irre zu führen). Angereichert wird all dies mit nicht wirklich beeindruckenden Spezialeffekten und mancher Sexualprovokation, die eigentlich nur ein 14jähriger geil finden könnte. 

Zum Zielpublikum der USA passt das somit. In Deutschland freilich wieder aufgrund der Brutalitäten ab 18 Jahren freigegeben, guckt sich das Ganze gleich noch eine Spur infantiler. Zumindest bekam das Produkt aufgrund seiner Erscheinungszeit trotz billigem Look in Deutschland zur VHS-Veröffentlichung noch eine professionelle Synchronisation mit bekannten Stimmen beschert. Das wäre bei einem Werk dieses Niveaus heutzutage undenkbar. Auch der Vorspann fällt nicht unsympathisch aus, erreicht aber nicht den selben Charme wie jener des Erstlings seinerzeit. Da alles zu reißerisch, unglaubwürdig und frei von Spannungsbogen oder anderem Reiz umgesetzt ist, kann ich mich trotzdem kein bisschen für "Demon House" (Alternativtitel) begeistern. Dieses maue Franchise schafft es, dass ausnahmsweise einmal die Neuverfilmung "Night of the Demons" zum Highlight wird, und selbst die war lediglich simple, aber nette Unterhaltung.  Wiki

26.03.2023

SLAXX (2020)

Was aufgrund der Thematik um lebende Jeans, die nach Blut dürstet, purer Trash hätte werden können, schließt diesen Aspekt zwar nicht völlig aus (wie auch bei diesem Aufhänger?), entpuppt sich gleichzeitig aber auch als nicht völlig geistfrei inszeniert, haben wir es bei "Slaxx" doch mit einer Satire zu tun. Der humorvoll erzählte Horror-Beitrag rechnet mit der Modeindustrie ab, zeigt uns die Marktstrategien berühmter Massenmodehäuser zum kleinen Preis, thematisiert die Heuchelei hinter der angeblichen Fairness der Produkte und ist in seiner Wirkung am effizientesten, wenn er die sektenähnlichen Rituale, Bräuche, sowie den Umgang untereinander innerhalb des Betriebs aufzeigt, Strukturen an die sich jeder zu halten hat und manch Gehirngewaschener pure Verehrung für Vorgesetzte als Vorbilder und für die Zwänge und Erniedrigungen empfindet. Ebenso wie der Horrorbereich, so ist auch der Satiregehalt alles andere als neu, derartiges hat man gerade im Bereich dieses Genres schon des öfteren gesichtet. Aber Elza Kephart, deren charmanter Erstling "Graveyard Alive - Die liebeskranke Zombie-Krankenschwester" bis zum hier besprochenen zweiten Werk 17 Jahre zurück liegt, inszeniert das Ganze flott genug, um trotz des individuellen Aufhängers der Killer-Jeans, zumindest angenehme Routine abzuliefern. 

Die Spezialeffekte können sich in ihrer schlichten Art sehen lassen. Gerade die Aggressoren kommen für einen derart günstig inszenierten Streifen weit besser weg als erwartet. Hier herrscht keine billige CGI-Stimmung wie in so vielen Asylum und SyFy-Beiträgen aus dem TV, teilweise wurde hier, wie im Abspann zu sehen, mit echten Jeans gearbeitet, und ähnlich bei Tricks zur Unsichtbaren-Thematik der Spieler der Jeans grün gekleidet, um ihn gut weg animiert zu bekommen. Dann bewegen sich die Jeans aufrecht von allein, so als wäre jemand nicht Sichtbares mit ihnen gekleidet. In anderen Sequenzen nutzt man den geschlossenen Bereich einer Hose von oben, um dem schlicht scheinenden Objekt gelegentlich eine Monstermimik bescheren zu können. Dem Freund augenzwinkerndem Horrors und ungewöhnlicher Monster wird es sicher gefallen, perfekt sieht anders aus, aber derartiges will der Konsument dieser Gattung Film ohnehin nicht sichten. Und wer sich fragt wie die gegen Ende thematisierte Gerechtigkeit erfüllt werden soll, der wird sich über den bitteren Schluss freuen, der nicht gerade zimperlich mit seinen Figuren umgeht. "Slaxx" hat definitiv noch Luft nach oben, ist abgesehen von den Killerjeans recht klassisch erzählt und weiß auch nicht durch besondere Dialoge oder gewitzte Figuren aufzufalllen. Er ist jedoch jene Art Genrebeitrag, die bei all dem Bekannten nicht langweilt und trotzdem genügend Energie besitzt das Allbekannte unterhaltsam genug dem Stammzuschauer vorzusetzen. Die Laufzeit von unter 75 Minuten hilft dabei. Man genießt "Slaxx" als Zwischendurchverzehr, sagt danke und vergisst das Gesehene dann schnell wieder.  OFDb