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05.01.2025

LIFEFORCE - DIE TÖDLICHE BEDROHUNG (1985)

Eine Weltraum-Crew entdeckt im Inneren des Halleyschen Kometen ein Raumschiff. Neben allerhand Fledermauskreaturen stößt man dort auch auf drei humane, tadellose Körper in gläsernen Särgen. Man lädt sie an Bord. Als das Erdenschiff nach langer Zeit ohne Funkkontakt geborgen werden kann, lebt nur noch ein einziges Crew-Mitglied. Die geborgenen Wesen erweisen sich als lebendig. Sie können dem Forschungsinstitut entfliehen und werden zu einer Gefahr für die Menschheit, da es sich um Außerirdische handelt, welche die Lebensenergien ganzer Welten abzapfen können...

Seelenfresser in der Kirche...

"Lifeforce" (Originaltitel) verfügt über allerhand Schauwerte, angefangen bei der wunderhübschen Nackten, deren schönen Körper man nicht nur kurzfristig erhascht bekommt, weiter zu entdecken im Bereich der Effekte, insbesondere was die ausgesaugten Menschen betrifft, sowie bezüglich der Krawalle, die sich im Laufe der Geschichte in der Bevölkerung bis hin zum Kriegszustand zuspitzen. Trotz lautem Getöse strahlt der Film immer eine gewisse Ruhe, ja sogar Nüchternheit aus, was im Widerspruch dazu steht, dass man eigentlich stets auf mehr, mehr und mehr setzt. Es scheint sich um ein Werk zu handeln, bei dem Produzenten viel mitreden wollten, das ließe zumindest das bunt zusammengewürfelte Szenario vermuten, das stets auf zur Entstehungszeit beliebte Kriterien setzt, auch wenn manche davon, wie der unübersehbare Zombieaspekt, auch gerade zu den abebbenden Modewellen der Kinowelt dieser Dekade gehörten. Ich habe gelesen, dass es Probleme mit den Kosten während der Produktion gab. Das würde auch erklären, warum der Streifen trotz seines immensen Einsatzes von Spezialeffekten immer dann Sprünge in der Geschichte wagt, wenn eine optische Umsetzung besonders aufwändig geworden wäre. 

Besonders auffällig ist dieser Verzichten beim Verladen der drei nackten Körper auf das Erdenschiff. In Zeiten handgemachter Effekte war ich neugierig auf die Umsetzung dieser Prozedur, sie wurde jedoch einfach übersprungen. Zum Mehrwert wird diese Herangehensweise eigentlich nur in jenem Szenario, in welchem wir mit dem zeitlichen Sprung auf der Erde, aufgrund der Auslassung von Informationen während des Fluges, einer wundervoll rätselhaften Situation beiwohnen, wenn wir erst so nach und nach erfahren, was auf dem Schiff bis zur Landung los war. Die Ähnlichkeit zum klassischen, literarischen  "Dracula"-Stoff, der auf der Schiffsreise nach England ebenfalls etliche Seefahrer aussaugte, kommt nicht von ungefähr, denn Horrorregie-Legende Tobe Hooper liefert hier einen Stoff über Weltraumvampire ab, und geht dabei sehr direkt die Verwandtschaft zu den klassischen Blutsaugern dieses Genres an. Doch während die Sprunghaftigkeit im besagten Beispiel förderlich für das Wecken der Neugierde beim Zuschauer ist (obwohl dieser zu diesem Zeitpunkt ohnehin nach mehr Informationen lechzt), wirkt die ruppige Erzählweise des Gesamtwerkes eher schroff. 

Hier wird dann doch deutlich, wie die finanziellen Zustände der Produktion ausgesehen haben mögen und was aus "Space Vampires" hätte werden können, wenn er alle Möglichkeiten gehabt hätte, die ursprüngliche Vision umzusetzen. Ob dann auch die eigentliche Geschichte, in ihrem Drang sämtliche Zuschauerinteressen zu integrieren, weniger zerfahren ausgefallen wäre, bleibt jedoch fraglich, denn die etwas wirre Natur der Sachlage, mit sich gegenseitig Energie abziehenden Opfern, zwei Vampirwesen die parallel zueinander abgestimmt sein müssen, sowie der, meiner Meinung nach, unnötige Part, dass es ein Hauptopfer gibt, das in geistiger Verbindung mit dem Wesen stehen muss, verkomplizieren das reizvolle Geschehen zu sehr, bzw. vereinfacht es auch an anderer Stelle, ist die geistige Verbundenheit, die ich für diese Geschichte als so unattraktiv empfinde, doch gleichzeitig Ausrede des Drehbuchs möglichst schnell möglichst viel über die Außerirdischen zu begreifen, sowie zügig ihren jeweiligen Standort zu erfahren, um der Menschheit doch noch womöglich ein glückliches Ende zu bescheren. Dabei wäre es gerade der Forschungsaspekt gewesen, der dem Stoff gut getan hätte. Das beweist die Vorgeschichte im All ebenso wie die ersten Untersuchungen und Ermittlungen auf der Erde. 

Stattdessen wird noch unnötig ein wenig Körpersprungthematik mit in den wilden Cocktail gepackt, und fertig ist das etwas zu gewollte, inhaltlich, wie finanziell überfrachtete Etwas, das auch unter dem Alternativtitel "Vampires from Outer Space" erschienen ist. Obwohl vieles gegen ihn spricht, funktioniert er rein zum Unterhaltungszweck eigentlich ganz gut, zumal er ,wie erwähnt, trotz dem vielen Brimborium genügend ruhige Phasen besitzt. Aber ein gut strukturierter Film sieht freilich anders aus. Und gerade der ruppige Wandel von der uns gewohnten Welt zu England im Chaos, vergeigt was an Intensität mit diesem Stoff möglich gewesen wäre, wenn man den Zuschauer empathischer an den Beginn der Endzeit herangeführt hätte, wenn dieser hätte dabei zusehen müssen, wie die bisherige Realität in Angst, Tod und Hysterie versinkt. Das doch recht leichte Aufhalten der Außerirdischen, lässt ihre bislang Welten verschlingende Erfolgsquote final nicht gerade glaubwürdig erscheinen. Nichtsdestotrotz schließt "Lifeforce - Die tödliche Bedrohung" nicht gerade mit einem Happy End. Das hätte auch nicht zum düsteren und pessimistischen Grundton gepasst, den Hooper konsequent aufrecht erhält. Der Autor der Buchvorlage äußerte sich nur negativ über das Ergebnis dieser Verfilmung. Das kann ich verstehen, auch wenn ich mit diesem Flickenteppich an Science Fiction-Horror als Trivialunterhaltung durchaus zufrieden war. Statt auf drei Autoren hätte man einfach einzig auf Dan O'Bannon setzen sollen, der wusste wie man gute Drehbücher schreibt.   Wiki

20.10.2024

BLUTGERICHT IN TEXAS (1974)

Als es im Heimatort von Sallys Großvater zu Grabschändungen kommt, reist die Jugendliche gemeinsam mit ihren Freunden und ihrem Bruder Franklin vor Ort, um zu erfahren, ob auch Opas Grab betroffen ist. Hinterher machen sie Halt im heruntergekommenen Haus, in welchem sie als Geschwister viel Zeit verbracht haben. Zwei aus der Truppe suchen den See, den es in der Nähe geben soll und geraten stattdessen an ein weiteres abgelegenes Haus. In der Hoffnung dort auf Benzin zu stoßen, nachdem die Tankstelle vor Ort nichts mehr hatte, werden sie von einem bulligen Kerl niedergeschlagen und wie Schlachtvieh aufbewahrt und verarbeitet. Nachdem Sallys fester Freund auf der Suche nach den beiden, selbiges Schicksal erfährt, macht sie sich unwissend von den bisherigen Ereignissen zusammen mit Franklin in der Dunkelheit selbst auf die Suche nach den Vermissten. Während der arme Junge im Rollstuhl Opfer der Bestie wird, wird Sally von dem Irren mit einer Kettensäge verfolgt...

Arbeitslosigkeit und Astrologie...

Ich weiß noch wie wir als junge Jugendliche den damals in Deutschland beschlagnahmten Film im örtlichen Comicbuchladen aufgetrieben bekommen haben und, geil auf oberflächliche Schauwerte, total enttäuscht waren, dass es solche in dem sehr langsam erzählten Werk kaum zu entdecken gab. "Kettensägenmassaker" (Alternativtitel) ist ein Lehrstück darüber, wie man mit wenig sichtbarem Blutvergießen puren Terror verbreiten kann und gehört neben "The Last House on the Left" und "Hügel der blutigen Augen" zum Mitbegründer der sogenannten Terrorwelle, die der Vietnamkriegs-Generation realeren Schrecken anstatt Dracula und Co im Horror-Genre präsentierte. Pate für Leatherface, der noch so einige weitere Filme beschert bekommen sollte, war der Psychopath Ed Gein, dessen Störung zu den grausamsten Taten eines Massenmörders zählen, und auch als Vorlage für Werke wie "Deranged", "Psycho" und "Das Schweigen der Lämmer" diente. Hier wie dort wird nicht seine reale Geschichte erzählt, aber einige seiner Taten erschreckend wiedergegeben und dies von Autor, Produzent und Regisseur Tobe Hooper derart kalt und oftmals unerwartet plötzlich präsentiert, dass es nur völlig abgestumpfte Individuen kalt lassen kann. Entsprechend verstörend weiß dieses in dreckigen Bildern eingefangene Stück Kunstfilm noch heute zu funktionieren, wenn man sich auf das was er erzählt einlassen kann.

Wenige Jahre nach eben erwähnter Enttäuschung konnte ich das auch, erkannte in etlichen Sichtungen die satirischen Ansätze und manch psychologische Raffinesse, welche der nach Blut lechzende Gorehound oder der Möchtegern-Feingeist in dem Werk nicht zu erkennen weiß, geblendet von Gräueltaten, die nicht dem puren Voyeurismus dienen, wie letztgenannte Gruppierung gern behauptet. Wenn Sally nach einer Ohnmacht am Tisch einer kannibalischen Psychopathenfamilie erwacht, wird manch wenig aufgeschlossener Zuschauer von einer plumpen Szene berichten, die niedrigste Geschmäcker befriedigt. Stattdessen lässt uns Hooper ungeschönt in drei verschieden gestörte Gesichter blicken, deren Psyche zwischen kindlich und bestialisch pendeln und fern jeder meist üblichen Filmcharakterisierung für die Empfänglichkeit und Identifikation für das Publikum nicht zurechtgerückt wurden. Was an dem Tisch abgeht, ist Terror pur, noch bevor der Großvater für besonders ungeschönten schwarzen Humor mit ins Spiel kommen darf. "Die Bestie mit der Ledermaske" (Alternativtitel) ist weder Grusel noch Splatter, und sein psychologisches Spiel zeigt sich nicht im üblichen Gewand des subtil daher kommenden, psychologisch orientierten Horrorfilms, für den sich auch Horror-fremde Cineasten interessiert bekommen. Es ist die direkte, ungeschönte Art mit welcher der frei von phantastischen Elementen erzählte "The Texas Chainsaw Massacre" (Originaltitel) Teil dieses Genre wird, einer anderen Art des Psycho-Horrors angehörend.

Ich habe "Leatherface" (Alternativtitel, den auch die zweite Fortsetzung und ein Beitrag dieser Marke von 2017 trägt) schon mehrere Male gesichtet, bislang jedoch nie im Originalton und auf der großen Kinoleinwand, und genau dies durfte ich vor einigen Tagen nachholen. Und ich muss als Kenner dieses oftmals unterschätzten Werkes sagen, dass er auf diese Art noch intensiver wirkt, als ohnehin schon. Was hier Ton und Bild in der Lage sind zu verursachen, wenn wir mit plötzlich auftretenden Grausamkeiten inmitten einer ruhig erzählten, naiv scheinenden Chose konfrontiert werden, ist phänomenal und weiß einen selbst dann zu erschrecken und zu verstören, wenn man weiß was gleich passiert. Die Stimmen sind weniger comicartig ausgefallen, als in der Deutschvertonung, womit auch der trockene Humor des Familienkochs weit ernster, nüchterner und bedrohlicher herüberkommt, als in der zu albernen Betonung in der Synchronfassung. Auch die Vorphase der Geschichte wirkt in ihrer trockenen Art in der Kinoatmosphäre intensiver, gerade wenn es um mangelnde Bildung zu den Themen Astrologie und Arbeitslosigkeit geht, um die Angst Franklins eventuell verfolgt zu werden und um das Thema der Tierschlachtung im Wandel der Zeit. Das Mitgefühl für Schlachtvieh hielt sich in der damaligen Mentalität noch in Grenzen. Der Mangel an Empathie, den man heutzutage meint diesbezüglich festzustellen, trifft auf das komplette Fehlen von Empathie und Mitgefühl in Gestalt der Gestörten.

Dass der nüchtern und gnadenlos erzählte "Das Texas Kettensägen-Massaker" (Alternativtitel) nicht frei von Empathie ist, und somit kein fragwürdiges Werk bezüglich der Würde des Menschen ist, wie ihm zum Verbot in Deutschland führend angekreidet wurde, zeigt er allein in jener genialen, subtil dargebotenen Sequenz, in welcher er sich dem Gefühlsleben von Leatherface nähert, der nicht nur debil wie ein zurückgebliebenes, gefühlskaltes Kind anmutet, sondern auch entsprechend ängstlich und verstört reagiert, wenn zum wiederholten Male ein Fremder in sein trautes Heim eindringt, in welchem er sich (unüblich wie wir erst später erfahren) alleine aufhält. Dieser Moment wird für jene, die ihn nicht von selbst erkennen, nicht noch einmal als solcher benannt und verdeutlicht, eine Methode die in mündigen Filmen häufig vorzufinden ist und von Moralisten und anderweitigen dümmlichen und verurteilenden Gruppierungen deswegen nicht erkannt werden kann. Mit heutigen Sehgewohnheiten schaut sich "Kettensägen-Massaker - The Texas Chain Saw Massacre" (Alternativtitel) langsamer, wiederholend, monoton, nüchtern, sowie blut- und dialogarm, sein Terror lässt jedoch das Blut in den Adern gefrieren, ein Zustand, den bluttriefende Genre-Beiträge der Moderne, in ihrem versimpelten Anliegen nach purer Unterhaltung, nicht hinbekommen. Von den bislang weiteren acht Filmen der Reihe, zu der "Massacre" (Alternativtitel), anfangs von Hooper selbst, ausgeweitet wurde, versuchte nie wieder wer das Ganze so blutarm zu erzählen, wie hier geschehen. Jede Fortsetzung, das Remake und jede Vorgeschichte setzt auf viel Blut und erntet ironischer Weise damit weniger harte Bilder und weniger schockierte Zuschauer, als es das Original zu leisten imstande war und noch immer ist.  Wiki

20.07.2020

BRENNEN MUSS SALEM (1979)

"Brennen muss Salem" ist nach "Carrie - Des Satans jüngste Tochter" die zweite Verfilmung nach einem Buch von Stephen King. Der drei Jahre später erschienene Horrorfilm ist im Gegensatz zu seinem Vorgänger jedoch eine TV-Produktion, die in der ungekürzten Fassung drei Stunden geht. Mag der Streifen meiner Meinung nach auch nicht wirklich geglückt sein, so sei doch trotzdem zu dieser, anstatt zur oftmals nur als 102-Minüter erhältlichen Version geraten, ist der Trumpf des Streifens doch seine Langsamkeit, die alles stimmig vorbereitet. Auch wenn man dem Produkt seine Fernseh-Herkunft ansieht, so ist er zunächst doch recht ordentlich ausgefallen, weiß einen für seine Figuren zu interessieren und auf nüchtern trockene, besagte langsame Art eine bedrohliche Stimmung aufzubauen. Kings Geschichte serviert die Vampir-Thematik sehr klassisch, aber nicht altbacken. Angereichert mit unheimlichen Elementen, wie der wandernden Kiste oder der Eiseskälte, welche diese ausstrahlt, lebt "Salem's Lot" (Originaltitel) von diesem urigen Zustand. Moderne Leute treffen auf ein klassisches Gruselszenario, das weiß zu gefallen.

Leider bleibt "Schrecken im Marsten Haus" (Alternativtitel) nicht so stimmig, wie er beginnt, aber es dauert lange Zeit bis sich eine gewisse Ernüchterung in das doch zu routiniert ausgefallene Szenario einschleicht. Je konkreter die Geschichte ihr Unheil thematisiert, desto mehr geht die zuvor gut funktionierende Mystik verloren, welche die eher typischen Elemente der Geschichte aufwertete. Je bewusster den Protagonisten die Gefahr wird, desto austauschbarer wird der Plot, dem es mit der Zeit an einem gut funktionierenden Spannungsbogen mangelt. Schuld daran ist auch der so gar nicht gruselig aussehende Obervampir und die etwas arg lächerlich anmutenden Kindervampire. Erstgenannter weiß mein Monsterfilm-Herz höher schlagen zu lassen, aber eben aus Retro-Charme, nicht weil er Schrecken und Grusel verbreiten könnte. Es ist aber auch eine gewisse Lückenhaftigkeit zu dominierend vorhanden, welche "Blood Thirst" (Alternativtitel) trotz seiner Überlänge besitzt. Anstatt diese zu nutzen um derartiges zu verhindern, liefert der Film stattdessen sprunghafte Erkenntnisse, eine wenig überzeugende Zusammenkunft der zunächst einzeln tätigen Eingeweihten, sowie Ungereimtheiten, gerade im gar nicht unspannend ausgefallenem Finale.

Regisseur Tobe Hooper hält genug Tricks und Methoden bereit, um den ursprünglich als Miniserie konzipierten Film nicht komplett zu ruinieren und den Zuschauer halbwegs bei Laune zu halten. Man hat aber schon deutlich bessere Arbeiten des späteren "Poltergeist"-Regisseurs gesehen, der einst mit "Kettensägenmassaker" das Terror-Kino der 70er Jahre mitbegründete. Es ist aber ohnehin eher die Schuld des inkonsequenten Drehbuchs, welches den Film schwächer werden lässt, als er eigentlich hätte ausfallen können, vielleicht auch die der Buchvorlage. Ich kann es nicht beurteilen, da ich diese nicht gelesen habe. Aber wie kann man bitte den Aspekt, dass der Junge, der später zum Vampirjäger und -gejagten wird, ein bekennender Monster-Fan ist, so gar nicht für die Erkenntnisse des Übernatürlichen und die Konsequenzen daraus nutzen? Gerade in den 80er Jahren haben viele Filme aus diesem Element einen nützlichen Vorteil gezogen, während der Junge in "Brennen muss Salem" sich ebenso für Briefmarken hätte interessieren können. Das Haus, welches sich stimmig eingefangen bedrohlich über die komplette Stadt hebt, erinnert in dieser dominierenden, erhöhten Position sicherlich nicht zufällig an jenes aus "Psycho", welcher in einer Szene melodisch gar geehrt wird, wenn auch, unerklärlicher Weise nicht in einem Moment, in welchem es um das Haus geht. Zudem erinnert die historische Geschichte des Gebäudes stark an "Bis das Blut gefriert". Umgekehrt wurde Hoopers Film, der 2004 deutlich besser als "Salem's Lot - Brennen muss Salem" neu verfilmt wurde, in "Fright Night" geehrt, was man an der Innenarchitektur des jeweiligen Hauses beider Obervampire erkennt. Dass "Brennen muss Salem" an sich jedoch selten erwähnt wird, wenn es um das Thema Stephen King-Verfilmungen geht, braucht in seiner lediglich schlichten Mittelmäßigkeit, die er erreicht, nicht verwundern.  OFDb

31.05.2020

LEATHERFACE (2017)

Nachdem wir in der meiner Meinung nach bislang besten Fortsetzung von "Blutgericht in Texas" namens "Texas Chainsaw" 2013 gezeigt bekommen haben was aus dem gealterten Leatherface wurde, geht "Leatherface" nun der gegenteiligen Frage nach, wie er wurde was er wurde. Neu ist die Idee selbst innerhalb des Franchises nicht, wurde die Vergangenheit des an Ed Gein orientierten Psycho-Killers doch bereits in "Texas Chainsaw Massacre 2 - The Beginning" thematisiert. Allerdings war dies dort eher ein Etikettenschwindel, da er die Entstehung Leatherfaces zugunsten der im Zentrum stehenden Familie und ihrer Feinde nur oberflächlich und nebenbei abarbeitete. Zudem bezog sich der Film auf die Neuverfilmung "The Texas Chainsaw Massacre". "Leatherface" hingegen orientiert sich an Hoopers Original und hält diesmal ein, was er verspricht. Mitproduziert von den Schöpfern der Reihe Tobe Hooper und Kim Henkel, sowie von Boaz Davidson, ist ein Film entstanden, der sich inhaltlich wie zeitlich an den Film von 1974 orientiert, wenn dessen Ereignisse auch nicht all zu genau nehmend. So hat das von Beginn an psychopathische Verhalten der kompletten Familie doch nur noch wenig mit deren Hintergründen eines geschlossenen Schlachthofes gemein, die in Hoopers Film nebenbei gesellschaftskritisch angerissen wurden.

Wirklich überzeugend kann man die Entstehung des Kettensägen schwingenden Menschenhaut-Trägers ohnehin nicht nennen. Mal ganz davon abgesehen, dass mit derartigen Versuchen stets eine Entmystifizierung einhergeht, opfert man die psychologische Glaubwürdigkeit der Entwicklung des Leatherface-Charakters zugunsten eines plumpen Überraschungsversuches von Seiten des Drehbuches aus. Dieser glückt schon allein deswegen nicht, weil hierfür im Vorfeld billig von neuen Namen gesprochen wird, die man den Kindern des Heims zu ihrem Schutz gab. Und auf der Grundlage dessen riecht man den Braten schnell, wer Leatherface ist, auch wenn man uns mit wen anders ködert. Hätte man besagten Fake tatsächlich zum echten Leatherface gemacht, hätte der Film sein Versprechen ohnehin nicht eingehalten, hatte dieser doch bereits derart viele Parallelen zu Gunnar Hansens Kult-Rolle, dass von einer Entstehung des Charakters nicht mehr hätte gesprochen werden können. Die tatsächliche Figur und ihr Weg zu dem, was viele Horror-Fans verehren, ist zwar alles andere als glaubwürdig durchleuchtet, um zu Leatherface zu werden, interessanter Weise funktioniert der Film auf triviale Art jedoch trotzdem recht gut.

Verwundern darf das schon, krankt "Leatherface - The Source of Evil" (Alternativtitel) doch nicht nur an der Glaubwürdigkeit seiner zentralen Figur, er ist ohnehin auf Kosten äußerer Schauwerte und reißerischer Elemente ziemlich unsinnig ausgefallen. Zudem erkennt man deutlich die Inspiration durch Rob Zombies Werke, besonders den White Trash-Bereich betreffend, der in einer Szene nicht einmal vor Nekrophilie Halt macht. Das verwundert in sofern, als dass das Regie-Duo Alexandre Bustillo und Julien Maury als seit je her gemeinsame Verbündete in diesem Beruf aus der französischen Terrorwelle stammen und für die Filme "Inside - Was sie will ist in Dir" und "Livid - Das Blut der Ballerinas" verantwortlich waren und somit bereits ihren eigenen, harten Stil prägten. Allerdings muss man ihnen zugute halten, dass sie die Rob Zombie-Masche nicht so extrem auskosten, wie dieser selbst, und damit eine Katastrophe umgehen, ohne auf einen harten Gesamt-Look verzichten zu müssen. Die nicht inflationär eingebrachten Morde fallen blutig und gnadenlos aus, die Verfolgungsjagd nachts im Wald, in welcher die Heldin vor ihrem Kettensägen schwingenden, ehemaligen Beschützer fliehen muss, ist stimmig eingefangen, und ohnehin schaffen es die beiden Regisseure "Leatherface" atmosphärisch angenehm schmutzig, hart und asozial erscheinen zu lassen. In sinnvollerer Geschichte wäre das Ergebnis zwar wünschenswerter gewesen, bedenkt man aber, wie plump "Texas Chainsaw 4" (Alternativtitel) von seiner Geschichte her ist, darf man überrascht sein, wie gut er mit heruntergeschraubten Erwartungen doch noch funktioniert.  OFDb

08.02.2013

EATEN ALIVE - DIE NACHT DER BESTIE (1977)

Ein geisteskranker Mann betreibt ein Hotel in den Sümpfen und verfüttert die Gäste an sein Krokodil...
 
Die Wahrheit nach der Kettensäge...
 
"Eaten Alive" ist in seiner Blödartigkeit kaum noch in Worte zu fassen. Ganz deutlich angetrieben durch den Erfolg von "Blutgericht in Texas" wollte Hooper auf ähnlicher Schiene erneut Geld scheffeln. Dass er nicht verstand was an seinem Kultfilm so gut war, bewies er später mit dessen Fortsetzung „The Texas Chainsaw Massacre 2“ und lässt sich auch in dem Buch „Leatherface-Chronikles“ nachlesen, in dem berichtet wird, dass der Film nur aus Kostengründen unblutig umgesetzt wurde.

In "Blutrausch" (Alternativtitel) vergießt Hooper, wieder mit Partner Henkel am Werk, dann auch gleich etwas mehr Blut, was den Film aber auch nicht mehr retten kann. Was man hier zu sichten bekommt sind eine Reihe schräger Figuren, ähnlich denen der Kettensägen-Fortsetzung, allerdings ohne deren Humor aufkommen zu lassen. So begleitet man diese skurrilen Gestalten durch einen entweder völlig humorlosen Film, oder einen humorvoll gemeinten, der durch extremste, trockene Komik diesen Witz nicht auf den Zuschauer transferieren kann.

Dank der Extreme der Personen bekommt man als Zuschauer auch keine Identifikationsfigur, an der man sich orientieren kann. Das würde in einem guten Film funktionieren, fordert es doch dementsprechend vom Zuschauer das Geschehen objektiv begleiten zu können (so in "Zombie 2" geschehen). In "Eaten Alive" funktioniert dies allerdings nicht, weil der ganze Film nur auf Hau-Ruck-Methode gedreht wurde. Hooper fehlt jegliches Feingefühl, das war bereits im Vorgängerfilm bemerkbar. Dort fruchtete das mangelnde Talent Hoopers, weil es einfach schockierend war zuzusehen, wie einer Frau von nebenan so etwas extremes widerfährt.

Aber das Extreme welches auf das Extreme stößt, so wie man es in "Blutrausch" zu sichten bekommt, ist völlig uninteressant, auch weil da nirgendwo im Film ein Hauch von logischem Verhalten auftaucht. Es werden auch keine Beweggründe irgendwelcher Personen präsentiert, mit Ausnahme des ersten Opfers. Da man als Macher eines solchen Werkes doch eigentlich davon ausgehen sollte, dass der Zuschauer kein solcher Freak ist wie die Filmfiguren, wäre es zwingend nötig gewesen einem diese Figuren nahe zu bringen, um mit dem Gezeigten auch nur irgend etwas anfangen zu können.

Der übel synchronisierte "Skinned Deep" schaffte es beispielsweise ein ähnliches Manko mit Humor zu überspielen, so dass das Werk noch irgendwie brauchbar, wenn auch nicht übermäßig gut wurde. Das mag die simpelste Lösung sein ein solches Werk zu retten, aber nicht einmal das hat Hooper begriffen und umgesetzt. Schade ist es nur um die schräge Ausgangssituation mit dem Krokodil, die beim Sichten selbst eher enttäuscht, und um die wunderbare Location bei Nacht. Da diese jedoch der von „Blutgericht in Texas“ ähnelt, ist es auch nicht so gravierend. Dann guckt man halt einfach den, um sich atmosphärisch mit der Wirkung dieser Gegend unterhalten zu lassen.

Dass auch der ewige B-Film-Star Robert Englund in seiner peinlichen Rolle nichts reißen kann braucht man wohl kaum noch zu erwähnen. Das einzig positive an "Eaten Alive" ist eigentlich die recht frühe Offenbarung Hoopers an die Zuschauer, zu zeigen, dass er kein Talent besitzt und sein Meisterwerk eine Eintagsfliege war. Im Jahre 1976 muss das nach einem so guten Kettensägenschocker wohl der eigentliche Schock für den Genrefan gewesen sein. Filme wie "Living Nightmare", "Im Bann des Grauens" und "The Mangler" bestätigten das mangelnde Talent Hoopers später. Selbst seine gelungeneren Werke wie "Lifeforce" und "Invasion vom Mars" sind nur als "ganz nett" einzustufen und waren ganz klare Ausnahmefilme. Und dass "Poltergeist" eigentlich mehr ein Spielberg als ein Hooper war muss man auch kaum noch erwähnen.

An "Blutrausch" ist wirklich nichts gelungen. Er ist nicht nur nicht spannend und schockend, er geht beim Schauen auch tierisch auf die Nerven und beleidigt die Intelligenz des Filmkonsumenten in einem Genre, in dem man ohnehin schon oft genug für blöd gehalten wird.  OFDb

30.12.2012

THE TEXAS CHAINSAWMASSACRE 2 (1986)

Der ehemalige Gesetzeshüter Lefty sucht nach der Psychopathen-Familie, die seinerzeit seinen Bruder getötet hat. Den Mythos der Kettensägen-Familie glaubt nach all den Jahren ohnehin niemand mehr, deswegen wird Leftys Besessenheit von Kollegen auch belächelt. Eine neue Spur tut sich auf, als Radiomoderatorin Vantia während ihrer Sendung ein Telefonat mitschneidet, bei dem die Anrufer mittels einer Kettensäge getötet werden. Da auch die Kannibalen-Familie einen Mitschnitt vermutet schwebt die Moderatorin in Lebensgefahr. Lefty kontaktiert Vantia...

Das menschlichste Chili der Welt...
 
Wenn ein kultiger Kunstfilm, der zudem noch sehr umstritten ist, eine Fortsetzung erfährt, darf man zurecht misstrauisch sein. Da der künstlerisch wertvolle Gehalt des Erstlings keine Erweiterung oder Vertiefung benötigte und im psychologischen Sinne zwischen den Zeilen auch alles gesagt war, war ein Film im selben Stile gar nicht mehr nötig. Den einzigen Grund zur Weiterführung gab es in der dünnen Geschichte. Jede Story, egal wie sie endet, lässt sich weitererzählen. Und da bereits der Titel „The Texas Chainsaw Massacre“ nicht frei von Realsatire ist, erscheint es zunächst konsequent von Hooper den Erzählstil zu wechseln und aus Teil 2 einen albernen kunterbunten Horror auf Comicart zu machen.

So sehr es den Gedanken einer würdigen Fortsetzung entehrt, so sehr steckt auch ein gewisser Reiz in dieser Idee. Natürlich nur wenn man auch mit dem nötigen Anspruch an das Projekt herangegangen wäre, Albernheiten und Niveau gaben sich schon öfters die Hand (z.B. in Filmen mit Stan Laurel, Dieter Hallervorden und im verwandten Bereich z.B. in „Shaun Of The Dead“ und „Return Of The Living Dead“). Es wäre also möglich gewesen. Aber Hooper ist leider kein guter Geschichtenerzähler, legt die Schwerpunkte stets an falschen Stellen und versiebte dieses Projekt somit fast total.

Nachdem bekannt wurde, dass der Kultfilm fortgesetzt werden sollte, bot sich sofort Dennis Hopper an, der kein Unbekannter im Filmgeschäft war. Diesen nahm man mit offenen Armen auf, eine würdige Rolle bekam er leider nicht. In der ersten Hälfte wird er mehr schlecht als recht in die Geschichte eingefügt und in der zweiten Hälfte darf er nur sinnlos herumsägen, was viel zu oft, viel zu lange und viel zu unnötig gezeigt wird. Lustig wäre es gewesen, wenn man den Charakter langsam in den Wahnsinn hätte hinabgleiten lassen. Dieser Gedanke war von Hooper, denk ich mal, durchaus gewollt, wird aber zu ruppig und undeutlich umgesetzt.

Interessant, der Rest braucht sich nicht den Vorwurf des Undeutlichseins anhören müssen. Im Gegenteil, der Rest glänzt durch völlige Übertreibung, wie sie im Comicsinne auch sein muss. Die Ekeleffekte erfüllen das, was der Gorehound durch den reißerischen Titel bereits bei Teil 1 erhoffte (und in den Remakes später auch im sinnlosen Überfluss serviert bekam). Die Figuren wirken einer Geisterbahn entsprungen, auch das Oberhaupt der Familie, das den komischen Part in Teil 1 erwischte, wird in seiner Albernheit noch einmal um einige zusätzliche Übertreibungen intensiver dargestellt als im Vorgänger. Dass das Herangehen mittels Übertreibungen nicht grundsätzlich was schlechtes sein muss zeigt sich z.B. in den lustigen Ideen rund um den Chili-Wettbewerb.

Den Familienmitgliedern im normalen Alltag des Großstadtlebens zu begegnen ist ohnehin der erste provokative und nicht uninteressante Schock, den man beim ersten Sichten erfahren muss. Sofort kommen einem Fragen in den Sinn, die in der sehr dünnen Story sogar großteils beantwortet werden. Ob man mit den einzelnen Antworten nun zufrieden ist oder nicht liegt bei jedem selbst. Theoretisch kann ich mit der Erklärung leben, warum die Familie wo und warum nun dort lebt und ihrem Treiben nachgeht, wo sie es nun einmal jetzt tut.

Auch wenn Leatherface ein paar sehr originelle Szenen zugeschrieben bekam (die Kettensäge als Phallussymbol (nicht nur komisch gemeint, sogar recht nervenkitzelnd eingesetzt) oder auch die Szene, in der er der Heldin helfen will, in dem er sie mit einer seiner frischen Masken tarnt), liegt gerade in seiner Fortsetzungs-Metamorphose eine der großen Enttäuschungen von Teil 2. Aus Leatherface ist ein Hampelmann geworden. Alles psychologisch zutreffende aus Teil 1, was nur am Rande aufblitzte, wird über Bord geworfen, um aus ihm einen Freak zu machen, dem letzten Endes die Würde fehlt, um als Freak a la Freddy Krueger gefallen zu können. Wie provokativ, interessant und gelungen man Leatherfaces Charakter hätte ändern können, wird z.B. in „Texas Chainsaw Massacre 4 – Die Rückkehr“ deutlich, der aus dem Kettensägenschwinger eine Tunte machte, sehr zum Ärgernis ignoranter Fans.

„Texas Chainsaw Massacre 2“ ist kein Totalreinfall, er hat für eine bessere Bewertung aber einfach zu viele Leerläufe. Gerade in der zweiten Filmhälfte gibt es zu viel, was man in Teil 1 wesentlich besser und cleverer gesichtet hat. Zudem wirkt die Location nicht, in der die Kannibalenfamilie nun haust. Dies ist ein entscheidender Fehler, wenn man bedenkt wie viele Filmminuten dort verbracht werden.

Kleine Überraschungen, wie der Fund von Franklyns Leiche, gibt es in der 2. Hälfte kaum noch. Dennis Hopper als Kettensägenschwinger, was in der 1. Hälfte beim Einkauf dieses Werkzeuges noch recht lustig umgesetzt wurde, erfährt in der 2. Hälfte endlosen Leerlauf. Ewig wird gesägt und gesägt. Wer will das sehen? Ja, Holz kann man sägen! Danke für diese Info. Aus dieser Sinnlosigkeit, gerade wegen der Gefahr die wegen seines Handels der Hauptrolle widerfahren könnte, hätte man einige gute Ideen ernten können. Dann hätte man aber so pfiffig arbeiten müssen wie in Teil 1. Und dessen Intelligenz scheint mir nach Sichtung diverser anderer Hooper-Filme eher zufällige Intuition gewesen zu sein, statt gewollte psychologische Raffinesse.

Teil 2 ist blutiger, alberner und rasanter. Trotz seiner actionreicheren Geschichte tritt Hooper aber ständig unnötig auf die Bremse, so dass das fertige Werk dann doch sehr langweilig ist. Gegen Ende wünscht man sich den Schluss geradezu herbei. Kettensägenmassaker auf „Muppets“-Niveau hätte etwas radikales, provokatives und innovatives werden können. Die Umsetzung der gewagten Herangehensweise lässt allerdings so stark zu wünschen übrig, das von Innovation, Mut oder gar Kunst nicht mehr gesprochen werden kann. Damit könnte ich noch leben. Aber da das ganze auch unterhaltungstechnisch nicht funktionieren will, bin ich doch sehr enttäuscht.  OFDb

16.09.2012

THE TOOLBOX MURDERS (2003)

Eine Frau zieht mit ihrem Mann in ein altes Mehrfamilienhaus. Dort geht unauffällig ein Mörder um, der seinen Opfer mit Werkzeugen das Lebenslicht raubt. Als die neue Mieterin auf das merkwürdige Treiben im Haus aufmerksam wird und keiner ihr glauben will, stößt sie auf das unheimliche Geheimnis hinter den Morden...

Werkzeug zweckentfremdet...
 
1978, vier Jahre nach dem legendären Horror-Schocker "Das Kettensägenmassaker", erschien eine kleine amerikanische Independent-Produktion namens "Der Bohrmaschinenkiller". In Fan-Kreisen zum kleinen Geheim-Tipp erklärt, erfuhr dieser nach einem viertel Jahrhundert die zur Entstehungszeit obligatorische Neuverfilmung, und wer wäre wohl eher dafür prädestiniert Hand an ein solches Projekt zu legen, als Tobe Hooper, der mit "Kettensägenmassaker" schon zuvor im Horror-Genre ein Werkzeug zum Mordwerkzeug umfunktionierte. Nun darf er dem damaligen Mitläufer in der harten Horrorwelle, die er selbst mit ans Laufen gebracht hat, seine persönliche Note bescheren, und auch wenn er die motorisierte Handsäge diesmal zu Hause lässt, so ließ sich Hooper doch unübersehbar von sich selbst inspirieren und jenem Werk, welches ihn einst so berühmt machte.

Gemordet wird mit allem was schön weh tut. Da greift der Killer mal zur Bohrmaschine a la "Driller Killer" und "Slumber Party Massacre" oder zur Nagelpistole a la "Nail Gun Massacre". Hooper spart im Gegensatz zu seinem Werk aus dem Jahr 1974 diesmal auch nicht mit gewalttätigen Bildern, und so manche Idee, wie der halb abgetrennte Kopf eines bis zu seinem Tode verdächtig erscheinenden Mannes, verlangt vom Zuschauer schon so einiges ab. Einen harten Magen oder jahrelange Horrorerfahrung sollte man im neuen Schreckenshaus des Herrn Hooper schon besitzen.

Was neues erzählt "The Toolbox Murders" nicht, nicht einmal wenn er kein Remake wäre. Langweilig wird es trotzdem nie, erschafft Hooper in der ersten Hälfte doch eine angespannte Atmosphäre mit gelegentlichen Gewalttaten und lässt ab der zweiten Hälfte die sympathische Hauptfigur in einen Alptraum hineinlaufen, der dem Horror-Fan aus dem Herzen spricht. Morbide Bilder, perverse Gewalttaten, eine dreckige Kulisse, ein krankhafter wie phantasiereicher Hintergrund der Geschehnisse und ein Soundtrack wie aus dem Lehrbuch für Terror-Filme sorgen für einen atmosphärischem Sog, dem man sich trotz Lücken im Drehbuch und einer altbackenen Geschichte nur schwer entziehen kann.

"The Toolbox Murders" setzt auf vordergründigen Horror ohne Tiefgang. Aber das ist geradezu typisch für Regisseur Tobe Hooper, ebenso wie der degeneriert wirkende Täter, der nicht von ungefähr an Leatherface und dem Mörder aus "Das Kabinett des Schreckens" erinnert und Hooper schon des öfteren einen faschistischen Ruf unter halbgebildeten Intellektuellen beschert hat. Lediglich das verdrehte Spiel mit dem Werkzeug, Werkzeug benutzen um zu verhindern dass es für das gebraucht wird wofür es eigentlich erfunden wurde, ist eine halbwegs gewitzte Hintergrund-Idee, welche dem Film eine gewisse Ironie beschert. Ob dies dem Remake oder dem Original zu verdanken ist, kann ich nicht beurteilen, habe ich den "Bohrmaschinenkiller" bislang doch nicht gesichtet.

Am gelungenen Ergebnis sind neben all den morbiden Zutaten und Tobe Hooper in erster Linie das an das "Dark Water"-Remake erinnernde Grundszenario eines heruntergekommenen Hauses und dessen hier lebende und arbeitende Personen beteiligt, die alle einen schrulligen Touch beschert bekommen. Ein großes Plus geht an Hauptdarstellerin Angela Bettis, die bereits Horrorerfahrungen im gelungenen "May - Schneiderin des Todes" und dem weniger geglückten Remake "Carrie" in den jeweiligen Titelrollen sammeln durfte, dort jeweils einen bedrohlichen Charakter spielend. Für "The Toolbox Murders" hat sie die Position gewechselt und spielt diesmal das hilflose Fräulein, das in Gefahr gerät.

"The Toolbox Murders" erfindet das Genre nicht neu und ist sicherlich auch nicht geeignet für gelegentliche Besucher im Horror-Genre. Für die Fans des Terror-Kinos hingegen ist er jedoch ein kleiner Festschmaus für zwischendurch, nicht ganz so gut wie das Remake "The Hills Have Eyes", aber definitiv besser als die Remakes "The Texas Chainsaw Massacre" und "Freitag der 13."  OFDb

29.04.2012

DAS KABINETT DES SCHRECKENS (1981)

Eine Gruppe Jugendlicher nächtigt in einer Geisterbahn und beobachtet den Mord an einer Wahrsagerin. Ihr Mörder, ein deformierter Wahnsinniger, jagt nun die Zeugen...
 
Nachts auf dem Rummel...
 
Nach seinem großen Erfolg mit “Blutgericht in Texas” glänzte Regisseur Tobe Hooper nicht gerade mit hervorhebenswerten Filmen. Das Folgewerk “Eaten Alive” war gelinde ausgedrückt ein schlechter Scherz. In den 90er und 00er Jahren drehte er von dem was ich an Hooper-Werken sah nur selten einen halbwegs guten Film, und selbst die Fortsetzung “The Texas Chainsaw Massacre 2“, quasi die Weiterführung jenen Projektes welches ihm seinen Ruhm einbrachte, konnte nicht überzeugen.

In den 80er Jahren stand es um Hooper noch ein wenig besser. Unter der Fuchtel von Steven Spielberg drehte er immerhin mit dessen Handschrift den berühmten “Poltergeist” und Werke wie “Lifeforce” eigneten sich zumindest zum einmal Ansehen. Ich muss sagen, dass mir der hier besprochene “The Funhouse” (Originaltitel) von allem was von Hooper nach der Kettensäge kam bislang am besten gefällt.

“Das Kabinett des Schreckens” ist bei weitem kein großer Wurf. Das sieht man allein schon daran, dass die erste halbe Stunde, wenn auch erst nach einer Verbeugung vor Alfred Hitchcock und John Carpenter, von einem arg langgestreckten, ereignislosen Aufenthalt auf dem Jahrmarkt handelt. Diese Szenen sind keineswegs langweilig ausgefallen, aber man fragt sich als Zuschauer schon, warum man nicht einfach selbst auf den Rummel gegangen ist, um all die Schauwerte dessen gucken zu gehen. Dann hätte man aktiv noch selbst etwas von all den Attraktionen gehabt.

Sicherlich war ein langsamer Aufbau der große Trumpf des Kinos vor der großen Blockbuster-Flut, die leider von solch ruhiger Umsetzung die Finger ließ. Und Charaktere könnten theoretisch anhand dieses Erzählstils ebenfalls sehr intensiv eingefangen werden. Aber diese bleiben im hier besprochenen Film trotzdem ziemlich flach, und selbst die finale Heldin, die ausschaut wie die untalentierte Schwester von Jessica “Suspiria" Harper, bleibt lediglich das unartige Töchterchen, welches nach einem jungen Mann von der Tankstelle schmachtet. Zumindest schafft Hooper trotz geringer Charakterzeichnung eines: man hält zu den Opfern und nicht zum Killer, was im Slasherbereich nicht selbstverständlich ist.

Wie erwähnt langweilt diese etwas monotone erste halbe Stunde nicht. Und mit dem Ende des Rummelalltags und dem heimlichen Aufenthalt nachts in einer Geisterbahn beginnt nun der wirklich interessante Teil der an sich banal angelegten Geschichte. Wenn der alles ausschlaggebende Mord beobachtet wird und unsere Helden unbemerkt bleiben wollen, dann ist “The Funhouse” auf einem Spannungshoch. Der Zuschauer ist mittendrin in einem Geschehen, in welches er sich trotz überagierendem Spiel des Killers problemlos einfühlen kann. Und wenn aus einem guten Grund heraus die Eindringlinge entdeckt werden, kann die Jagd auf sie losgehen und “Das Kabinett des Schreckens” wird kurzweiliger denn je, zumal nun alles recht schnell vonstatten geht.

Untermalt mit einem wirklich gut gewähltem Terror-Soundtrack, flüchten und verstecken sich die vier Jugendlichen, verfolgt von einem minderbemitteltem Psychopathen und dessen Vater, die beide sicherlich nicht zufällig an Figuren aus “Blutgericht in Texas” erinnern, der zur Entstehungszeit bereits 7 Jahre her war. Ist nur noch das Finalmädchen lebendig, wird viel mit Stille und Geräuschen gearbeitet. Allerspätestens hier darf man Hoopers Gespür für Suspense bemerken. Er wusste wann er die Musik pausieren lassen musste, spielte mit Überraschungen für Schockmomente zum richtigen Zeitpunkt und ließ die Location des öfteren für sich alleine wirken.

Der Weg zum finalen Sieg kommt auf sehr zufällige Art und ist damit ein interessanter Bruch der damals aufkommenden Tradition der taffen Heldin in Slashern, die über sich hinauswachsen muss um zu überleben. Dass der Film mit dieser Art Schluss nicht negativ wirkt, liegt an der minutenlangen Zelebrierung des Ablebens der zur Fleisch gewordenen Bedrohung und daran, dass die Heldin im Gesamtwerk ohnehin nie Format bekommen hat und es zu ihrer schlichten unbeholfenen Art passt, dass sie sich dem Monster nicht wirklich stellen muss.

In der ereignisreichen Stunde des Streifens serviert Hooper dem Fan das wonach dieser seinerzeit gelechzt hat. “Das Kabinett des Schreckens” wird Terrorkino in interessanter Kulisse, mit nachvollziehbarer Geschichte, in der weniger mehr ist und noch weniger noch mehr geworden wäre. Überdrehte Figuren, meist Schausteller, waren theoretisch für die Wirkung und den Inhalt des Streifens ebenso unnötig, wie die ungewöhnlich lange Vorphase, in der nicht wirklich etwas passiert. Da hätte man das ein oder andere streichen können für ein noch besseres Ergebnis.

Die DVD-Fassung zeigt uns zwei Szenen, die in der damaligen deutschen Version nicht vorhanden waren. Das ist insofern schon eine augenzwinkernde Erwähnung wert, da es sich beide Male um eine Szene handelt in der gekifft wurde. Zufall oder nicht, keine Ahnung, andererseits schade für das damalige Publikum, hatte man es somit doch mit nicht völlig unschuldigen Teenagern zu tun, wie uns die Deutschfassung weiß machen will. Immerhin war das Kiffen damals ein größerer Buhmann als heute.

Für die Psychologie des Filmes ist dies jedoch nicht wirklich wichtig. Da arbeitet eher die einem recht sinnlos vorkommende erste halbe Stunde für Hooper, und dies nicht zufällig, wenn man allein schon den Hinweis im Mutantenstadel vergleichen darf mit dem Look des deformierten Killers.

Dass es ein solcher ist, der wie ein Wahnsinniger Menschen tötet, wurde von manchem Kritiker seinerzeit als menschenverachtend, teilweise gar als faschistisch bezeichnet. Wie so oft begriffen solche Moralapostel nicht das Werk im Gesamten und betrachteten nur Teilbereiche zusammenhanglos für sich, um solch unsinniges Feedback in die Welt zu rufen. Allein die Anwesenheit und Mentalität des wahren Monsters, des Vaters, steht bereits für das Gegenteil dessen was Hoopers Werk vorgeworfen wurde. Nun sollte man sich mit solchen Spinnereien jedoch nicht wirklich auseinandersetzen, sonst bekommen solche Möchtegernanalytiker zu viel Aufmerksamkeit geschenkt.

Wer die DVD besitzt, sollte ruhig einmal ins Interview mit Tobe Hooper hinein schauen, welches sehr anekdotenreich ausgefallen ist. Zu den interessantesten und bittersten Erzählungen dort zählt die sehr schwarzhumorige Information, dass Statisten während des Drehs leiden mussten. Auf einem Karussell, das in der Regel vier Minuten fährt, und bei dem eine Fahrt mit 20 Minuten an den Nerven zerren würde, blieben besagte Statisten 30 Minuten drauf, weil ein Mitarbeiter Hoopers vergessen hatte es bei Drehstopps anzuhalten.

Auch warum der Jahrmarkt, seine Leute und das Inventar in der Geisterbahn so authentisch und ungewöhnlich wirken, wird in diesem Interview verraten. Und dass der Schauspieler des Mördervaters mehrere Rollen spielt, wird dort ebenso aufgedeckt. Der Kauf der DVD lohnt sich somit meiner Meinung nach.

“Das Kabinett des Schreckens” ist ein kleiner aber effektiver später Beitrag der Terrorkino-Welle, irgendwo angesiedelt zwischen “Freitag der 13.” und “Kettensägenmassaker”. Das erstaunliche an ihm ist, dass seine positive Wirkung viel mit dem Talent des Regisseur zusammenhängt. Da darf man sich doch zurecht fragen wo er dieses bei so vielen seiner anderen Filmen gelassen hat. Warum hat dieser Mann so viele Gurken gedreht?  OFDb