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03.09.2022

SCREAM (2022)

Wieso "Scream" und nicht "Scream 5"? Das beantwortet sich im Laufe des Films und dies humoristisch treffsicher und reflektiert. Und da, trotz ansonsten spürbar ernsterer Herangehensweise, auch die anderen Bereiche mit letztgenannter Eigenschaft trumpfen, kann man den Verantwortlichen ruhig zugestehen verstanden zu haben, was der mittlerweile verstorbene Vater der Reihe, Wes Craven, mit seinem Werk gemeint hat, so dass dieses im Geiste respektvoll fortgesetzt wird. Freilich erreicht man nicht ganz das Niveau der guten Teile der Reihe (und den genialen Teil 1 ohnehin nicht), aber großteils weiß es zu gefallen, was man hier geboten bekommt, und somit ist der fünfte Teil besser ausgefallen als der magere "Scream 3". Die Altstars der Reihe werden zurückhaltend, aber mit genügend Präsenz ins pseudo-frische Geschehen gesetzt. Zwar gefiel mir die Positionierung der beiden ursprünglichen Hauptfrauen im Finale nicht, da fragt man sich zurecht wo ihre Natürlichkeit geblieben ist bei derart viel Kampfbitch-Mentalität, aber das ist die Ausnahme von der Regel, dass ansonsten gut abgeguckt von den Vorgängern vorgegangen wird. 

Das brauchbare Ergebnis ist jedoch nicht nur erzielt durch das Abgucken von Vorgegebenen, eigene Ideen bereichern den Plot ebenso. Da man zudem zum Mördermitraten eingeladen wird, es an spannenden Szenen nicht mangelt und die Grundatmosphäre des Streifens ebenso zu gefallen weiß, wird man zumindest unterhaltungstechnisch befriedigend bedient. Zudem weiß der Kniff zu gefallen, dass "Scream" sich nicht nur an uns bekannten Filmen orientiert, wenn über das Horror-Genre diskutiert wird, sondern sich zu einem guten Teil auch an der seit "Scream 2" in der "Scream"-eigenen Welt existierenden fiktiven "Stab"-Reihe bedient. Immerhin leben die Figuren des Streifens in einer Welt, in welcher "Stab" zur Endlosreihe herangewachsen ist, mit all den Krankheiten die eine solche befallen kann. Und das wird nicht einzig der augenzwinkernden Spielerei wegen genutzt, es wird zu einem wichtigen Eckpunkt der Ereignisse. Manch psychologisch gewolltes Spiel fällt hingegen weniger raffiniert aus, als von den Autoren scheinbar vermutet. So verdächtigt man beispielsweise nie das erste Opfer Täter zu sein, eben weil man mit ihr die Eingangssequenz aus dem Original variierte und sie es somit nicht sein kann. 

An derartigen Stellen baut man wahrscheinlich auf die Vergesslichkeit einer sich nicht mehr sonderlich gut konzentrierenden Generation, denn diese ist im Gegensatz zu "Scream 4" Zielpublikum, anstatt der Stammzuschauer, aber selbst der wird mit nicht all zu hohem Anspruch solide unterhalten. Ja, "Scream 5" (Alternativtitel) ist nicht der Leckerbissen, den man sich nach dem überraschten geglückten vierten Teil elf Jahre später gewünscht hat, und die Fortsetzungsart, welcher er sich diesmal annimmt, ist so konstruiert wie jene aus Teil 3, so dass nur extreme Filmfreunde darin tatsächlich eine eigene Art Fortsetzung erkennen werden (jene, für die "Creed" kein "Rocky 7" ist), aber darüber zu stolpern und sich davon den Sehspaß verderben lassen, wäre nicht minder engstirnig. Da man zudem Gefallen an den neuen Figuren finden kann und auch die Dramaturgie nicht vernachlässigt wurde (die in zwei Szenen allerdings kurzfristig aufgrund ihrer Theatralik eher wie eine Seifenoper anmutet), kann man auch als älteres Semester zu Genüge mitempfinden und sich für die Geschehnisse interessieren, anstatt das Ganze nur theoretisch mitverfolgen zu können. 

Gerne kann es so weiter gehen, das vorhandene Niveau reicht mir für kommende Fortsetzungen. Hauptsache sie fühlen sich weiterhin als Teil des Ganzen an, so wie es "Scream 5" geschafft hat. Im Gegensatz zu den Teilen 2 und 3 weiß zudem die Mörderauflösung zu gefallen, auch in ihrer (überraschend nicht störend geschwätzigen) Begründung.  OFDb

04.04.2021

DER HEXENCLUB (1996)

Der mit Robin Tunney und dem späteren "Scream"-Star Neve Campbell sympathisch besetzte "Der Hexenclub" ist ähnlich wie Andrew Flemings vorangegangenes Werk "Einsam, zweisam, dreisam" einfühlsam an der Gefühlswelt junger Amerikaner orientiert. In einem Mix aus Fantasyfilm und seichtem Teenager-Horror geht es eigentlich um das typische Leid der Jugend. Die Suche nach dem eigenen Platz im Leben, der Wunsch wer anders zu sein, um Freundschaften, Entfremdungen, Versuche beim anderen Geschlecht zu landen, Mobbing, Methoden von Problembewältigungen, der Wunsch schön auszusehen, mit geringem Aufwand große Ziele erreichen wollen, die Messlatte an Themen die "The Craft" (Originaltitel) angeht ist nicht niedrig. Und er erfüllt sie alle inmitten einer Geschichte, die nicht so moralisch herüber kommt, wie sie eigentlich ist. Das liegt aber auch daran, dass sich die theoretisch in Stereotype badende Charakterschar aufgrund der passenden Darstellerwahl und eines gefühlsnahen Drehbuchs recht natürlich anfühlt. 

Zudem erfindet man das Rad nicht neu. Man verlässt sich auf die klassischen Entwicklungen innerhalb der Gruppe, um die es geht, und beleuchtet die Veränderungen, die Erfahrungswerte, das Erwachsenwerden im Umgang mit Faktoren wie z.B. der Entwicklung von Gerechtigkeitsempfinden, dem Wachsen mit den Aufgaben/der Verantwortung und dem Erlangen von Selbstbewusstsein. Dank kichernder Teenager und sehnsüchtigen Tolpatschigkeiten bleibt die Mentalität des Streifens auch im düsteren Fantasygewandt stets lebensnah, jugendorientiert und unverkrampft, bevor sich das Geschehen gegen Ende in ein Gut gegen Böse-Szenario wandelt, welches in einer Pointe mündet, die zur Drogenmetapher wird. Zielgerichtet, aber nicht immer den leichtesten Weg wählend, arbeitet das Drehbuch die üblichen Stationen einer solchen Geschichte ab, jedoch nicht ohne den Zeitgeist der 90er Jahre einzufangen, wozu neben Soundtrack und Mode auch Flemings entspannter und flotter Inszenierungsstil beiträgt, welcher die Ereignisse weit aufregender einfängt, als sie großteils eigentlich sind. Das wahre Zauberstück an "Der Hexenclub" ist jedoch, dass er die Zielgruppe der Teenager zeitlos erreicht und somit nicht nur den ehemaligen Teens der Entstehungszeit gefallen dürfte, sondern auch noch den Kids (vorrangig freilich den Mädels) von heute. Und mich würde es nicht wundern, wenn bereits die Erwachsenen der 90er Jahre seinerzeit nicht vom Sehwert ausgeschlossen wurden.  OFDb

13.04.2020

EIN DATE ZU DRITT (1999)

Eine US-Liebeskomödie, die auf Irrtümern aufbaut und zudem noch ein heikles Thema anspricht, schafft es selten gut aus der Sache herauszukommen. Dass es der leichtfüßig erscheinende "Ein Date zu dritt" so toll schafft aus all dem ein gelungenes Ergebnis zu zaubern, weiß umso mehr zu beeindrucken, wenn man bedenkt, dass Regisseur Damon Santostefano seinerzeit mit Horrorfilmen wie "The Thing - Gene außer Kontrolle" anfing und nach dem tollen Ergebnis des hier besprochenen Filmes eher maue Werke wie "Girls United Again" fertigstellte. Mit "Three to Tango" (Originaltitel) schafft er es die Geschichte charmanter erscheinen zu lassen als im Themen-ähnlichen "Ein Concierge zum Verlieben", während er gleichzeitig die Schwulen-Thematik in einem angenehmeren Gleichgewicht zu halten vermag, als es bei Werken wie "In und out" der Fall war. Das unverkrampfte Ergebnis verdankt er aber auch den talentierten Mimen, deren gemeinsame Chemie zu wirken weiß, im romantischen Bereich ebenso wie in jedem anderen.

Die humoristische Mimik Matthew Perrys, die mich immer ein wenig an jene von Bastian Pastewka erinnert, funktioniert auf ähnlich brillante Art wie bei seiner noch besseren Leistung in "Keine halben Sachen". Neve Campbell ist wahrlich bezaubernd anzusehen und in dieser charakterstarken Rolle wahrlich zum Verlieben. Dylan McDermott schafft es den Oberarsch von Reichem zu spielen, ohne zu aalglatt zu wirken. Und Oliver Platt spielt einen gekonnten Mix aus typisch schwulem Charakter und gegen viele Klischees agierenden Homosexuellen. Aber all diese Talente könnten nur halb so viel erreichen, wenn das Drehbuch es nicht immer wieder schaffen würde Klischees zu entschlacken und Standards aufzubrechen, während es zugleich nicht gegen die Sehgewohnheiten des Publikums ankämpft. Schließlich soll "Ein Date zu dritt" ein Wohlfühlfilm sein, einer an dessen Happy End man nie zweifeln würde, denn die Figuren hat man viel zu lieb, als dass man es ihnen nicht gönnt. Santostefano weiß gekonnt das Knistern des wachsenden Verlangens herauszukitzeln und gleichzeitig die Misere der Situation emotional gekonnt einzufangen, genau jenen Grad Drama integrierend, der einen empathisch mitfühlen lässt, ohne aus dem Ergebnis gleich eine Tragikomödie werden zu lassen. Kurzum: der Mix stimmt, die Chemie ebenso, vielleicht ist einiges am Gelingen mehr dem Glück als wahrem Können zu verdanken, dennoch ist in diesem schönen Film allerhand Talent vieler Beteiligter bemerkbar.  OFDb

20.11.2016

HOUSE OF CARDS - STAFFEL 4 (2016)

Auf Staffel 4 durfte man zu Recht neugierig sein, war der Cliffhanger der Trennung des Underwood-Paares doch ein echter Einschnitt in die Sehgewohnheiten der Serie und schien reizvolle Wendungen folgen zu lassen. Dementsprechend darf man nach Sichtung der bislang letzten „House of Cards“-Staffel ein wenig enttäuscht sein, steht Frank Underwood doch weit weniger unter Druck als erwartet, und nutzen die Autoren doch einen recht billigen, wenn auch nicht unglaubwürdigen, Ausweg der Lage wieder Herr zu werden, um alles wieder so zu biegen, wie es zuvor war. In dieser versöhnlichen, weniger aufgeregten Phase ist es zwar dann nach wie vor interessant mit anzusehen wie das Paar agiert um seine Zwecke zu erfüllen, da man diesmal nicht unter Druck steht und ein Scheitern dementsprechend nicht zum Skandal werden würde, fehlt es dabei jedoch an echtem Spannungspotential.

So ist es gut dass die Autoren bereits parallel dazu die nächste Krise vorbereiten. Ob diese aber so gewaltig einschlägt wie man zunächst vermuten würde, bleibt fraglich, nachdem die letzte Folge der vierten Staffel bereits aufweist wie es Underwood gelingt mittels schlichtester Rhetorik auch dem ersten Anschlag dieser Phase Herr zu werden. Es wäre schade, wenn „House of Cards“ inmitten der bevorstehenden Thematik wieder ähnlich schlicht vor sich hinplätschern würde wie in den letzten beiden Staffeln geschehen, schaut sich das Konzept zwar nach wie vor interessant, intelligent und unterhaltsam, aber das wahre Potential der Serie wird nun schon einige Zeit nicht mehr ausgeschöpft.

Zudem gewinnt die Reihe nun immer mehr an Seriencharakter, sprich „House of Cards“ hebt sich in seiner Inszenierungsform nicht mehr derart qualitativ von anderen Produkten ab wie zuvor, da sich mit dem Einhalten wiederkehrender Pflichtzutaten kleine Serienkrankheiten eingeschlichen haben. So gehört es z.B. zum Rezept der Reihe dazu, dass Underwood Skandale um seine Person beheben muss. Aber bei all den Angriffen die Underwood in seinen zwei Jahren der Präsidentschaft und gerade nun in den wenigen Monaten des Wahlkampfes öffentlich glatt zu bügeln hatte, wird es immer unglaubwürdiger, dass das amerikanische Volk so schnell vergisst, bzw. durch andere Ereignisse perfekt abgelenkt wird.

Erst der finale Gegenschlag Underwoods, der selbst für seine Verhältnisse ein sehr aggressives Vorgehen ist, richtet wieder die Glaubwürdigkeit der Serie her, da die Geschichte Amerikas bereits gelegentlich bewiesen hat, dass diese Taktik tatsächlich aufgeht. Sollte dieser Aspekt nicht wieder nur als schnell verpuffender Cliffhanger wie der letzte genutzt werden, könnte mit Staffel 5 darauf aufbauend eine tatsächlich faszinierende Geschichte erzählt werden, die etwas kritisch thematisiert, worüber Michael Moore seit je her versucht das amerikanische Volk zu warnen und aufzuwecken.  OFDb

11.04.2015

SCREAM 3 (2000)

Wenn es nach dem „Scream"- und „Scream 2“- Autor Kevin Williamson gegangen wäre hätte die drei Jahre nach Teil 2 fertiggestellte zweite Fortsetzung des Slashers von Wes Craven erneut an der Universität gespielt. Williamson blieb aufgrund eines anderen Projektes jedoch nur noch als einer der Produzenten mit an Bord, und der neue Drehbuch-Autor Ehren Kruger wollte der Reihe etwas frischen Wind bescheren und noch weiter als der Vorgänger die Idee des Films im Film ausbauen und verlagerte die Story ans Set von „Stab 3“. So treffen diesmal die Überlebenden der ersten Teile mit ihren Filmdoubles häufiger zusammen, recherchieren teilweise sogar mit ihnen gemeinsam, und auch die an Originalschauplätzen orientierten Set-Bauten lassen Realität und Fiktion aufeinander treffen.

Um auch auf der Ebene der auf Filme bezogenen Morde für frischen Wind zu sorgen wird uns „Scream 3“ nicht nur als weitere Fortsetzung vorgestellt, immerhin wurde bereits im Vorgänger zu genüge über Fortsetzungen debattiert, sondern als letzter Teil einer Trilogie, die laut dem Film anderen Gesetzen unterliegt. Im Filmbereich kann man das Wort Trilogie wohl als Modebegriff sehen. Zumindest weiß ich nicht wieviel Sinn es macht etwas das ewig fortgesetzt werden kann als Trilogie darzustellen, das eigene Gesetzmäßigkeiten hätte, nur weil es drei Teile beschert bekommen hat.

Mit einer Geschichte ist nur offiziell Schluss wenn kein weiterer Teil gedreht wird. Jede Geschichte kann man weiter erzählen, wirklich jede. Und spätestens „Scream 4“ beweist, dass das ewige Reden über Trilogien Unsinn ist. George Lucas selbst erweiterte seine „Krieg der Sterne“-Trilogie um drei weitere Filme, drei weitere folgen nun produziert von den Disney Studios. Und wer eine Unterscheidung zwischen klassischer Fortsetzung und Trilogie damit untermauert in Trilogien würde etwas zum Abschluss kommen, das zwei einzelne Teile nicht erreicht haben, der kann auch gerne einen Blick auf Tarantinos beide „Kill Bill“-Filme werfen, der einen Teil weniger dazu benötigte.

Und darin liegt eines der Probleme von „Scream 3“. Trilogie, das klingt so unglaublich wichtig, aber es existieren keine Gesetzmäßigkeiten die eine solche von einer regulären Fortsetzung trennen. Wie mutig eine Fortsetzung ist entscheiden Autoren und Produzenten. Das ist alles. Und da „Scream 3“ der Teil eines lukrativen Franchises war, kann man sich denken wie mutig Autor und Produzenten hier waren - nämlich gar nicht. Bis auf die Tatsache dass es ungeahnte Hintergründe im Familienleben der Prescotts gab, entlarvt sich der Film mit dem Nichtanwenden der aufgesagten Regeln selbst mit der Unsinnigkeit seiner Thesen.

Das wäre ein toller Kniff für eine solch Kino-reflektierende Reihe. Nur leider ist dieses Entlarven der Trilogie-Lüge in Teil 3 gar nicht beabsichtigt. Und das macht die Anwendung eines Pseudo-Faktes den man vertiefen will selbstverständlich unausgegoren. Somit kann man mit lästerndem Unterton behaupten, dass die ebenso unausgegorene Inszenierung des kompletten Streifens trefflich an diesem Fehler orientiert ist. Zu ruhige Passagen bremsen den Film immer wieder aus. Parallelen zwischen Realität und Nachahmung beginnen spätestens dann zu nerven, wenn die Kino-Gale Weathers viel zu schrill eingesetzt wird, so als wolle man diesmal doch endgültig zur Horror-Komödie werden, was der Rest der Inszenierung in seiner ernsteren aber weiterhin augenzwinkernden Art glücklicher Weise aber dann doch zu verhindern weiß.

Im Gegensatz zu den Hintergründen der beiden ersten Teile, die man mit viel Wohlwollen noch als halbwegs glaubwürdig annehmen kann, wenn auch nur angewendet in der Welt des Kinos, wird das Konstrukt das in „Scream 3“ erschaffen wird, um sich an die Pseudo-Trilogie-Regel zu halten dass etwas nicht Gewusstes in der Vergangenheit schlummert, nie glaubwürdig und bedient sich zudem noch dreist an den Hintergründen von Teil 1, verändert dessen Auflösung auf lächerlichste Art und serviert uns zusätzlich schon wieder wie in Teil 2 einen Täter, der im Laufe des Films kaum von Bedeutung war. Wie unsinnig dessen Beweggrund ist weiß Sidney zumindest selbst zu äußern, da geht der Film ehrlich mit sich selbst um, aber zu befriedigen weiß selbst diese selbstkritische Positionierung nicht.

Es reicht eben nicht nur mit sich selbst und reflektiert mit den Regeln des Genres zu spielen. Und es reicht auch nicht das bisherige Geschehen damit zu bereichern, dass der Anrufer von nun auch Stimmen immitieren kann. Ich gebe zu dass diese Idee für manch tolle Szene gesorgt hat, und ohnehin hat „Scream 3“ manch gut inszenierte Szenen vorzuweisen. Aber er ist zu sehr Produkt geworden und in seiner eigenen Welt gefangen, sich selbst einen immer enger werdenden Strick bindend mit jedem Herumspinnen mit Metaebenen. Da wird teilweise fruchtbar herausgeholt was diesbezüglich aus ihnen herauszuholen ist, leider aber auch darüber hinaus in ihnen geschwommen, so sehr bis man sich selbst für viel zu clever hält. „Scream 3“ will so viel sein und vergisst darüber hinaus leider den Charme einzusetzen, den seine beiden Vorgänger stets ausgestrahlt haben.

Um so mehr darf es einen verwundern, dass die neu hinzugefügten Figuren zu interessieren wissen und interessante mögliche Täter sind. Auch die bereits von den Vorgängern bekannten Figuren erscheinen wieder in einem verdächtigen Licht, und wäre das Drehbuch so mutig wie eine der Pseudo-Regeln für Trilogien lautet, wären sie auch glaubwürdig verdächtig. Aber „Scream 3“ setzt lieber auf Nummer sicher, will das Stammpublikum nicht verschrecken indem wer Sympathisches plötzlich zum Täter wird oder zumindest sterben darf, und diese Mutlosigkeit ist schon sehr schade.

Klar, „Scream 3“ hat durch seine beiden Vorgänger eine große Konkurrenz denen er gegenüber steht. Als Film für sich kann er aufgrund der Vorkenntnisse die man besitzen muss um mit dem Inhalt etwas anfangen zu können jedoch leider nicht existieren. Und als solcher wäre er auch nur als lediglich „ganz nett“ ausgefallen. Manch einer mag ihn auch so sehen, aber dafür muss man einige Ärgerlichkeiten herunterschlucken. Bei einer Zweitsichtung klappt das besser. Da weiß man an welchen Ecken es krieselt. Und da macht die zweite Fortsetzung als überzogenes Konstrukt zumindest teilweise Spaß, mitunter weil für den Zuschauer die Geschichte um seine liebgewonnenen Charaktere weiter geht. Aber das sollte 11 Jahre später in „Scream 4“ auf angenehmere Art funktionieren. Der badete zwar auch tief in Metaebenen und der Gedankenwelt von Film-Freaks, mit der Thematik „Remake“ hatte er im Gegensatz zur Thematik „Trilogie“ aber zumindest eine wahrlich existierende Filmform vorliegen über die er sich hermachen konnte und keine krampfhaft theoretisch erstellte. Das war ein ungemeiner Pluspunkt für ihn.  OFDb

SCREAM 2 (1997)

Hatte ich in meiner Review zum ersten „Scream“ noch behauptet die Fortsetzung klammere sich arg brav an die Formel des ersten Teils und sei eher mittelmäßig ausgefallen, so muss ich das nach erneuter Sichtung großteils doch revidieren. „Scream 2“ erzählt die Geschichte des ersten Teils interessant und mit anderen Schwerpunkten versehen gekonnt weiter, nimmt sich Zeit die bereits bekannten Figuren psychologisch näher zu vertiefen, vernachlässigt darüber hinaus aber neue Figuren so gut kennen zu lernen wie die alten in Teil 1. Das ist schon etwas schade, schadet dem Streifen aber nicht wirklich.

Dass die Intensität der Eingangssequenz vom Vorgänger nicht so leicht ein weiteres Mal einzufangen ist, geschweige denn getoppt werden kann, ist klar, aber sie kann sich sehen lassen, die Eröffnungssequenz von Teil 2, die einem vernachlässigten Thema zu den Überlegungen der Gesetzmäßigkeiten eines Horrorfilms nachgeht. Auch sie ist packend inszeniert, doch das ist nichts gegenüber manch spannender Sequenz die uns im Laufe der Story noch erwartet. In Sachen Spannungsgehalt toppt Teil 2 den Vorgänger sogar, innerhalb einer Inszenierung die ebenso flüssig ohne Stolpersteine daher kommt wie Teil 1.

„Scream 2“ könnte mit all seinen neuen Ideen (alles zum Thema Fortsetzungen) und Erweiterungen alter Ideen (Cotten in die Haupthandlung einzubauen), sowie mit dem Luxus sich Zeit für ausgefallene Suspense-Momente zu nehmen (die Theater-Probe) locker mit dem Erstling mithalten, wenn... ja wenn die Auflösung nicht völlig enttäuschend ausgefallen wäre. Da wird geredet und geredet um der Begründung für die Morde einen Sinn zu geben, aber das ist vergebens, weiß das alles doch nicht wirklich zu überzeugen, zumal die Figur, soviel sei verraten, zuvor nur hin und wieder unbedeutend durchs Bild huschte und deswegen eine Zuschauerverarsche als der aufgedeckte Täter ist.

Zudem ist das Finale nach der Aufdeckung zu lang geraten, ohne mit ausgefallenen Überraschungen eine solch ausgedehnte Sequenz zu legitimieren. Hier hatte Teil 1 die Nase um Längen vorn, konnte noch einmal als individuelles Produkt trumpfen, welches den Kult-Status zurecht verdient, während das Gebrabbel in Teil 2 ziemlich viel vom eigentlich positiven Restergebnis kaputt macht. Schade, aber wenn man drauf eingestellt ist macht der Streifen trotzdem viel Spaß. Mit „Scream 4“ kann er, entgegen dem was ich zuvor behauptet habe, also doch locker mithalten.  OFDb

09.04.2015

SCREAM (1996)

Es war der Erfolg von „Scream“ der 1996 jene Horrorwelle los löste, die bis heute noch anhält. Zuvor war Horror für etwa ein Jahrzehnt im Kino für Tod erklärt worden, und ausgerechnet ein parodistisch angelegtes Stück augenzwinkernde Ironie brachte frischen Wind ins Genre. „Scream“ wurde ein eigener Klassiker, der unzählige Werke wie „Muttertag", „Blutgericht in Texas" und „Halloween - Die Nacht des Grauens" zitierte, umgesetzt von einem Regisseur, der mit „Nightmare - Mörderische Träume“, „The Last House on the Left“ und manch anderem Genre-Beitrag bereits selbst einige Klassiker abgeliefert hatte.

„Scream“ ist so sehr kopiert, rezensiert und parodiert worden, dass er sich nie mehr so flüssig guckt wie damals. Ein Großteil ist selbst zum Zitat geworden. Die hier gekonnte Art Ironie mit echtem funktionierendem Horror zu vereinen hat viele Nachahmer inspiriert, die es für irre intelektuell hielten stets die Ironiefahne weit hoch zu halten, sodass mancher Kino-Hit es gar nicht mehr wagte mutig auf puren Horror zu setzen. Diesbezüglich war „Scream“ lange Zeit Fluch und Segen zugleich für den Horrorbereich, der es irgendwann aber dann doch schaffte ein breit gefächertes Sortiment dessen was alles unter Horror fällt abzudecken.

Wie gesagt funktioniert der augenzwinkernde Umgang in „Scream“ bestens. Schwächen des Genres werden aufgedeckt, ihre Wichtigkeiten für diese Art von Geschichten gleichzeitig aber auch demonstriert. Dabei geht man meist recht subtil vor. Ohnehin verkommt Wes Cravens Überraschungs-Hit nie zur reinen Horror-Komödie. Wahre Witzchen, wie eine offensichtliche Anspielung an den Killer Freddy Krueger, sind die Ausnahmen in einer Geschichte, die es sogar schafft glaubwürdig die Tragik der Rolle der Sidney auszuarbeiten, die von Newcomerin Neve Campbell gekonnt verkörpert wird.

Kennt man „Scream“ erst einmal als vierteilige Reihe, fällt einem kaum noch auf, dass beim ersten Sichten eigentlich so ziemlich jede Figur als Mörder in Frage kommt. Sprich das Mörderraten macht in Cravens Teil 1 unglaublich viel Spaß, spielt aber auch falsch wie die Auflösung zeigt, die irgendwo zwischen Traditionen brechend und Traditionen befolgend schwankt, der man aber so oder so nie bös wäre bei solch einem vielschichtigen Finale, welches auf endlose Erklärungen verzichtet und auch gerne Mal den Spieß dessen was man erwartet umdreht.

Meiner Meinung nach ist „Scream“ zu Recht ein Klassiker geworden. Er ist unglaublich spannend in Szene gesetzt, präsentiert eine Vielzahl an interessanten Figuren und weiß ehrlich zu zitieren, anstatt lediglich anbiedernd zu zeigen wie toll man sich im Genre auskennt. Freilich geht es im Tunnelblick-Land USA lediglich um amerikanische Filme, aber das ist schon okay, da es schließlich um den Slasher-Bereich geht der in diesem Land nun einmal zu Hause ist.

Wer sich an „Scream - Schrei“ (Alternativtitel) heranwagt wird schnell überzeugt sein, zieht einen doch allein schon die recht lange und drastische Eingangssequenz in seinen Bann, in welcher Drew Barrymore einen Gastauftritt absolviert. Danach lässt der Film einen nicht mehr los, zumal er nach besagter Szene weiterhin zügig genug inszeniert ist, immer etwas zu erzählen hat, den Horror nie in der zweiten Reihe parkt und es gleichzeitig trotzdem schafft sich genug Raum zur Charakterentfaltung frei zu halten.

Leider habe ich mittlerweile bei fast jeder Szene die Parodie „Scary Movie“ im Kopf, die „Scream“ fast 1 zu 1 aufs Korn nimmt. Dass es der Film trotzdem schafft auch beim x-ten Schauen noch immer relativ spannend zu wirken, zeigt um so mehr wie viel Stärke Wes Cravens Wiederbelebung des Genres doch besitzt, auch wenn er sich von Mal zu Mal immer theoretischer guckt. Auch mein Bonus von einst ist dahin, empfand ich Neve Campbell damals doch als unglaublich süß, was ich heute nach der letzten Sichtung nicht mehr verstehe. Oder sagen wir es mal so: ihren Depri-Stil in Teil 2 fand ich rückblickend dann doch süßer. Da die gute Frau ihre Rolle der Sidney aber sehr glaubwürdig verkörpert, ist es sowieso egal ob ich sie nun niedlich finde oder nicht.

Die meisten Fortsetzungen schafften es nicht mehr das Niveau des ersten Teils auch nur ansatzweise zu erreichen. Teil 2 war eine annehmbare Kopie mit mauer Auflösung und sich zu sicher ans vorgegebene Konzept klammernd. Teil 3 war eine eher unbefriedigende Angelegenheit, die zwar neue Aspekte mit einbrachte, aber doch ziemlich mutlos daher kam. Erst Jahre später mit „Scream 4“ fand Craven zur alten Form zurück, übertrieb es vielleicht das ein oder andere Mal mit dem Spiel der Metaebenen, schaffte es aber eine intelligente Fortsetzung abzuliefern, die zwar verkopft aber trotzdem unterhaltsam war. Spaß hat man mit diesem Teil freilich nur, wenn man die zu routinierten „Scream 2“ und „Scream 3“ ebenfalls geguckt hat. Aber egal was man von den Fortsetzungen auch haltem mag, Teil 1 sollte man unbedingt gesehen haben - und dies nicht nur als Fan des Genres.  OFDb

08.02.2013

THE DARK - MÖRDERISCHE NACHT (1994)

Während einer brutalen Auseinandersetzung mit Dorfproleten in einem Lokal, lernen sich die Bedienung Tracy und der rätselhafte Hunter kennen. Durch ihn erfährt sie, dass unter dem Friedhof des Städtchens eine Kreatur lauert, welche die moderne Medizin einen großen Schritt vorwärts bringen würde. Andere, die von dem Vieh wissen, wollen es lieber tot sehen...
 
Auf Nagerjagd...
 
„The Dark“ bietet Routine und Klischees, so viel ein B-Film hergibt, schafft es aber durch seine augenzwinkernde Erzählweise zu gefallen. Anfangs macht Pryces Streifen diesen positiven Eindruck überhaupt nicht. Er guckt sich wie ein typischer Videofilm aus seiner Zeit, wirft uns anfangs Figuren zu, mit denen man wegen ihrer sterilen Art nicht warm wird und belustigt unfreiwillig mit aufgesetzter Action, die spätestens dann zur Lachgranate wird, wenn Motorräder aus völlig übertriebenem Grunde direkt explodieren.

Auch der große Nager, den man jagt, ist keine Filmgestalt, die man ernst nehmen kann. Bekommt man ihn im letzten Drittel mal zu Gesicht, wirkt das Vieh schon recht comicartig, macht den Eindruck mehr belustigen als äng-stigen zu wollen. „The Dark“ ist jedoch keine Komödie, und so ist es gut, dass Hyce den Schrottgehalt von Geschichte und verwendeter Puppe erkannt hat, um das ganze wenigstens lustig angehaucht zu präsentieren.

Nach etwas zähem Anfang beginnt zwar nicht die eigentliche Horrorgeschichte, aber man darf drolligen Dialogen lauschen, mit den Figuren wird man auch endlich warm und für Stimmung in der Bude sorgen des öfteren die beiden Friedhofsbuddler, die in ihrer Art den Mitarbeitern von Uneda aus „The Return Of The Living Dead“ ähneln (oder wahlweise den Friedhofsschmarotzern aus „The Return Of The Living Dead 2“).

Kleiner Pluspunkt aus heutiger Sicht ist die süße, durch „Scream“ bekannt gewordene, Neve Campbell, die eine Sheriffsgehilfin spielen darf, auch wenn sie dafür zu jung wirkt. Das macht jedoch herzlich wenig, denn wie ein Gesetzeshüter verhält sie sich nicht gerade, eher wie ein helfender Schulfreund.

Sicherlich werden Freunde ernstgemeinter Horrorunterhaltung enttäuscht, aber der Tierhorror-Fan, für den es oft nicht logisch oder unwitzig sein muss, wird sich über das kleine Filmchen für zwischendurch freuen, sollte jedoch wissen, dass das Tier selbst relativ selten vorkommt. Dafür wird aber immerhin die Erwartungshaltung recht hoch gehalten, auch wenn von Spannung kaum die Rede sein kann. Vielgucker, Trashfreunde und Tierhorror-Freaks werden Spaß bekommen bei diesem etwas halbgaren Routinewerk. Der Rest wird sich für Riesenratten ohnehin nicht interessieren.  OFDb

05.08.2012

SCREAM 4 (2011)

Als Sidney für eine Werbetour ihres Buches nach Jahren zurück nach Woodsboro kommt, geht erneut eine Mordserie los. Der Täter verbirgt sich wie immer hinter einer Ghostface-Maske...

Es bleibt in der Familie...
 
Jamie Lee Curtis benötigte einige Jahre mehr, um zu ihrer Stamm-Horror-Reihe „Halloween“ zurückzukehren. Neve Campbell brauchte hierfür 10 Jahre, ebenso wie der Rest der Crew, wurde „Scream 3“ doch glücklicher Weise in all den Jahren nie Genre-bedingt typisch mit schnell herunter gekurbelten Filmchen fortgesetzt, womit Teil 4 direkt an das Ende der Original-“Trilogie“ ansetzen darf.

Die von mir gesetzten Gänsefüßchen verweisen schon darauf warum so manchem die Rückkehr dieser Horrorfilm-Reihe egal sein könnte, blendete Teil 3 doch mit einer Thematik, die er nie wirklich besaß. Teil 2 komplett ignorierend glaubte Craven es reiche sich Trilogie zu nennen, in dem man in der bisher ungenannten Vergangenheit einer Familie herum stochert. Dass er schlichtweg nur eine weitere Fortsetzung ablieferte, war um so ärgerlicher, da das Thema Trilogie nach „Horrorfilm“ und „Fortsetzung“ im Zentrum der Tätermotivation stand.

10 Jahre später war die Zeit reif für eine gute Idee. Die logische Weiterführung der bisherigen Herangehensweise der Killer war das Erschaffen eines Remakes der Originalmorde. Dieser Stoff bietet einige positive Ausgangspositionen, so z.B. jenen, dass man den eher schwächeren Teil 2 und den besonders schwachen Teil 3 halbwegs ignorieren konnte, um sich am Original zu orientieren, ein Film der auch nach all den Jahren noch immer eine Perle seines Genres ist, und der für die Wiederbelebung des Horrorfilms verantwortlich war, der nun 15 Jahre später seit dem noch immer nicht an Beliebtheit eingebüßt hat.

„Scream 4“ orientiert sich an seinen Wurzeln, ist also wieder sehr ironisch erzählt, verkommt dabei jedoch nie zur Horror-Komödie, was aufgrund der Lustigkeit zwischen den Zeilen schon einem kleinen Wunder gleich kommt, bietet das clevere Drehbuch doch allerhand Seitenhiebe in jede Richtung und verliert dabei nie sein Niveau, welches es um zu gefallen nicht einmal zwingend nötig gehabt hätte.

Haupttrumpf der dritten Fortsetzung ist der Respekt vor dem Original und seinem Publikum. Musste „Halloween - H20“ damals noch den Spagat zwischen klassischem und modernen Horror bewerkstelligen, ist „Scream 4“ schlichtweg für die Freunde der Original-Reihe gedacht, setzt die Geschehnisse dieser als bekannt voraus und erzählt seine Geschichte im gewohnten Stil. Modernisierungen werden nur thematisch angegangen. Die Stars von einst agieren nicht in uninteressanten Nebenrollen, sondern werden erneut in den Vordergrund gesetzt, so dass die Teens der Geschichte in zweiter Reihe agieren, auch wenn es der Killer meist auf sie abgesehen hat.

Auch Kenner der Originalfilme wird für einen schlichten Popkorn-Film einiges an Aufmerksamkeit abverlangt, spielt der Film durch seine Remake-Thematik doch auf allerhand Ebenen und wird hauptsächlich in der filmischen Gedankenwelt des aktuellen und der vergangenen Täter von den Protagonisten ausdiskutiert, so dass „Scream 4“ sich längst eine eigene Wirklichkeit erarbeitet hat, ein polizeiliches Kombinieren aus einer völlig anderen Wahrnehmung heraus, während zwischendurch der Sinn und Unsinn von Remakes, Fortsetzungen und den diversen Arten moderner Horrorfilme thematisiert wird, innerhalb einer Jugendkultur, die medial viel aktiver und hemmungsloser geworden ist als jene, in welcher die „Scream“-Reihe startete.

„Scream 4“ fehlt eine sympathische Identifikationsfigur, und das ist einer seiner Trümpfe. Die Teenager sind diesmal nicht durch ihre Dummheit unsympathisch, was Subgenre-klassisch wäre, sie sind es diesmal aufgrund ihrer Art zu leben, zu reflektieren und ihrer Art zu fühlen. Einzig eine kleine Nebenrolle, die Teenagerin mit den kurzen Haaren, welche Interesse am Schulnerd aufbaut, bietet das was die anderen Figuren vermissen lassen und steht damit für die Ausnahme, welche die Regel bestätigt.

Auch die wichtigen Figuren der Originalreihe erscheinen eine Spur asozialer, ohne den Ur-Charakter zu verraten oder diesem zu widersprechen. Selbst Sidney verkommt zur Medienhure um eine Identität zu finden, Gale war dies schon immer, und Dewey kann sich in der Position des Sheriffs nun nicht mehr hinter seiner Unsicherheit verstecken, die noch manches egoistische Verhalten in der Vergangenheit entschuldigen konnte. Trotz alledem ist sein Part wohl noch der freundlichste von allen.

Ansonsten schwirren allerhand anderer Personen durch den Film, seien es Mitarbeiter der Polizei, Lehrer, Verwandte, verdächtig scheinen viele, manch einer offensichtlicher als der andere, aber das Spiel mit dem Zuschauer funktioniert. Zwar glaubt in Teil 4 nun niemand mehr einer der Ur-Figuren könnte der Täter sein, dennoch versucht Craven auch diesmal erneut diese verdächtig erscheinen zu lassen.

Die Auflösung des munteren Täterratens ist diesmal gelungen, ein Punkt der den an sich geglückten „Scream 2“ am Ende fast das Genick brach und Teil 3 endgültig zur Belanglosigkeit verkommen ließ. Teil 4 orientiert sich wieder an Teil 1, in dem die Geschichte nicht mit der Enttarnung des Mörders endet, sondern mit der Auflösung noch einige Minuten seiner Laufzeit weiterspielt, bis in einem finalen Satz die Ur-Weisheit über Neuverfilmungen verkündet wird, die einen schon vorher den Mörder hätte erahnen lassen können. Hinterher ist man immer schlauer.

Und da auch das Drehbuch sehr clever ist, schließt der Film mit einem erneuten Seitenhieb auf die Medien, und dies nicht auf eine so klägliche Art wie jene eines George A. Romero, sondern treffsicher und im gewissen Sinne sogar nachdenklich stimmend, zumindest wenn man sich als Zuschauer die Alternativen des Filmgeschehens oder die nicht gezeigten Folgen besagter Mediensatire durch den Kopf gehen lässt.

Also, „Scream 4“ sei gegen aller Erwartungen jedem Fan des Original-Filmes ans Herz gelegt und bildet, falls nicht mehr fortgesetzt, einen wesentlich würdigeren Abschluss der Reihe als der damalige Teil 3. Mag sein dass die Rückkehr des original Drehbuchautors der Teile 1 und 2 daran beteiligt ist, dass Teil 4 so positiv ausfiel. Zumindest liegt eine Vermutung nahe: Kevin Williamson scheint nun mit 46 Jahren erwachsener geworden zu sein.  OFDb