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26.06.2025

Kurzkommentare (3)

 

Reine Nervensache (1999)

DeNiro parodiert seine Paraderolle comicmäßig herrlich übertrieben und könnte dies wahrscheinlich im Schlaf, und das Drehbuch liefert wundervolle, alberne Pointen und Dialoge dazu ab. Es ist die Verspieltheit, die kindliche Freude die Sichtweise eines Kriminellen, eines Gewalttäters auf die Welt eines Analysten stoßen zu lassen, was den Film zum funktionierenden Selbstläufer werden lässt. DeNiros Gegenpol ist zu brav und steif gespielt von Billy Crystal, wie man ihn kennt, aber umringt von spielfreudigen weiteren Akteuren. Lediglich den Frauenrollen wurde keine Bemerkung geschenkt, deswegen sind sie wohl auch so austauschbar besetzt.  Wiki

 

Doctor Who - Die Heimsuchung (1982)

Böse Reptilien in der Vergangenheit der Erde, der Doktor inmitten des letzten Pestausbruchs, ferngesteuerte Einwohner und ein schelmischer Helfer aus der dort gerade stattfindenden Gegenwart, das alles ergibt im Mix einen unterhaltsamen Vierteiler, der nicht wirklich aus der Masse herausragt, aber keinerlei Längen besitzt. Der fünfte Doktor beweist sich ein weiteres Mal als sympathische Neubesetzung, lediglich die hohe Anzahl an Begleitern schadet den Abenteuern in dieser Phase ein wenig, ähnlich wie in den Anfängen des 13. Doktors, in dem sich selbige Fehlentscheidung einschlich.  Wiki

 

We Are Zombies (2023)

"We Are Zombies" ist durchaus eine amüsante Angelegenheit und kurzweilig zu konsumieren. Die Treffsicherheit eines "Turbo Kid" und die Brillanz eines "Summer of 84" ist in der erneuten Zusammenarbeit des Regie- und Drehbuch-Teams Simard und der beiden Whissells jedoch nicht zu bemerken, dafür fällt das Ergebnis trotz einiger weniger Besonderheiten dann doch zu austauschbar aus. Die Verspieltheit mit den Vorbildern und ihren Klischees wirkt aufgesetzter als üblicher Weise von diesem Trio zu erwarten war. Aber interessant genug ist die Horror-Komödie durchaus ausgefallen, es fehlt lediglich am Charme der Vorgänger.  Wiki

 

Saturday Night Fever (1977)

Es ist erstaunlich, wie neutral der Film über eine Figur berichtet, die sich für unglaublich toll und talentiert hält, während um sie herum die Tristheit des restlichen Alltags außerhalb der Disco trotz allerhand Klischees recht realistisch anmutend beleuchtet wird. Travoltas Rolle soll nur Identifikationsfigur sein, niemand mit Sympathie. Meiner Meinung nach hätte die Geschichte jedoch jemanden mit diesem Attribut benötigt, so arrogant und selbstverliebt der Held hier eine plumpe Modewelle zelebriert. Soziale Fragwürdigkeiten, wie eine Vergewaltigungsszene, die als zu verzeihende Selbstverständlichkeit eingebaut wurde, machen den Zugang für Menschen, denen die Tanzmaterie fremd ist, nicht gerade leichter.  Wiki  

 

Perfide (2014)

Müder Horrorfilm, der trotz des reizvollen Herkunftlandes Chile keinerlei fremdartige Atmosphäre aufweisen kann, geschweige denn eine dem Horrorfilm geschulte düstere. Uninteressant plätschert das sich auf wenige Figuren konzentrierende Geschehen dahin, welches durch das Auftauchen bedrohlicher Fremder nicht an Fahrt oder wohligem Unbehagen gewinnt. Ich konnte diesem dünnen Plot immer uninteressanter und unsympathischer werdender Figuren tatsächlich so gar nichts abgewinnen.  OFDb  

23.03.2025

Filmtagebuch - Zuletzt gesichtet (2)

Da mir zur Zeit die Motivation üblicher Besprechungen fehlt, möchte ich die letzten Sichtungen zumindest mal mit Kurzkommentaren versehen:

 

Margos Spuren (2015)

Die Geschichte mag manches Mal emotional recht distanziert erzählt sein, aber das hat seine Gründe und passt psychologisch zu den Fantastereien des Jungen, der im Klischee vergleichbarer Stoffe Recht behalten müsste, sowie zur Charakterzeichnung des abenteuerlichen Mädchens, nach dem gesucht wird. Anstatt uns den Standardschluss zu bescheren, erweist sich die Literaturverfilmung als erwachsen, wenn sie glaubwürdige Reifeprozesse an den beiden zentralen Figuren demonstriert.  Wiki 

 

Downsizing (2017)

Der vielschichtig reflektierende, sehr erwachsen erzählte "Downsizing" geht vielen Gedankengängen zum Thema Schrumpfen im gesellschaftlichen Zusammenhang nach, weiß auch politisch vielfältig zu überzeugen und beweist ein Verständnis für Psychologie gerade gegen Ende, wenn man zunächst vermutet, er würde auf den modernen politischen Zug der Klimawandelfanatiker aufsteigen. Der zu weit reichende Umweg unter Einbezug der asiatischen Zwangsgeschrumpften im letzten Drittel tut dem Gesamtergebnis jedoch nicht gut und tendiert in eine Richtung, in welcher das zentrale Thema zu lange ignoriert wird.  Wiki 


Thanksgiving (2023)

Sein satirisches Potential beweist der Streifen bereits in seiner längeren, pointenreich ausgekosteten Eingangssequenz, der theoretisch das klassische Slasherkonzept folgt. Dank spannender und kurzweiliger Umsetzung, sowie manch individuell anmutender Gore-Effekte erweist er sich dennoch als überdurchschnittlich, da er gekonnt inszeniert ist und sich keine größeren Schnitzer in Sachen Logik erlaubt, die für sein Sub-Genre unüblich wären.  Wiki

 

Brazil (1985)

Ich erkenne den hohen Einfluss auf andere Werke in "Brazil" und schätze seine tiefgehenden Gedanken, seine Pointenstärke, die Fantasie, die hier inhaltlich und in Bildern zelebriert wird. Aber "Brazil" ist gleichzeitig auch ein unzugänglicher Film für mich persönlich, so wie es mir noch mit fast jedem Werk von Terry Gilliam ging. Ich wurde nicht warm mit diesem wundervollen Film, den ich gern so sehr mögen würde, wie ich ihn schätze. Aber das ist leider nicht der Fall, emotional und in Identifikation mit der Hauptfigur ausgegrenzt, blieb er für mich zu sehr Theorie.  Wiki  

 

The Tracey Fragments (2007)

Die Idee einen Film über zeitgleich eingeblendete, kleine Fenster zu erzählen ist im Zeitalter des Internets eine gar nicht mal uninteressante, und mancher Freund von Neo-Kunst mag begeistert sein. Aber dieser Kunstaspekt hat eine Haltwertzeit, wenn er psychologisch nicht raffinierter greift. Und anstatt uns parallel verschiedene Szenarien zu zeigen, vergeigt man das Experiment mit nur leichten Zeitverzögerungen und Perspektivwechseln ein und der selben Szene zugleich. Dank emotionaler Distanz und mangelnder Identifikationsmöglichkeiten mit Tracey bleibt nur ein hektisches Stück Optik, das auf diese Art keine tieferen Einblicke gewährt und zu oberflächlich bleibt.  Wiki

01.10.2024

MAKELLOS (1999)

Nach einem Schlaganfall ist der harte Sicherheitsbeamte Walt einseitig gelähmt, isoliert sich und verliert die Motivation am Leben. Um sein Sprachvermögen zurückzuerlangen, soll er Gesangsunterricht nehmen. Und da er die Öffentlichkeit meidet, überwindet sich Walt den bislang aufgrund seiner Homosexualität verachteten Nachbarn Rusty um Gesangsunterricht zu bitten, der den verfeindeten Macho nur deswegen nicht abweist, da er gerade Geldprobleme hat. Die Drag Queen und der Konservative lernen sich dabei besser kennen und mögen...

Ein Randaspekt, der zur Wichtigkeit wird: die Berufskriminellen... 

Der Prozess von Gegensätzen, die ihre Vorurteile ablegen können, um über ungewöhnliche Umstände doch mental zueinander zu finden, findet in der verträumten Hollywood-Welt oftmals überraschend gut funktionierend statt. Bei "Makellos" kommt das alles jedoch, auch trotz humoristischer Herangehensweise, zu sehr mit der Brechstange erzwungen, also zu gewollt daher und wirkt somit unglaubwürdig. Das ist insofern schade, als dass die beiden Hauptdarsteller im Gegensatz zur Geschichte in ihrem Spiel zu überzeugen wissen. Robert DeNiro legt sogar eine ähnlich beeindruckende Leistung ab, wie bereits in "Zeit des Erwachens" geschehen. Aber letztendlich sind die Fronten zu stark, der Homosexuelle selbst in emotionalen Situationen zu schrill und oberflächlich, so dass man das einander Nähern, geschweige denn die Probleme, die zusammenschweißen sollen (abgesehen von der Behinderung durch einen Schlaganfall), entweder als zu banal und dekadent, oder, wie im Falle der sozialen Verachtung der Drag Queen, als zu oberflächlich thematisiert empfindet. "Flawless" (Originaltitel) besitzt immer wieder seine Momente, die zeigen, was aus ihm im Gesamten hätte werden können, wenn er kurzfristig zu bewegen weiß, oder winzige Phasen einer tatsächlich glaubwürdigen Annäherung der beiden Protagonisten besitzt. Aber das sind immer nur kurze Momente inmitten von Fehlentscheidungen, die es einem schwer machen zu glauben, was der Film erzählen möchte, manchmal sogar verhindern, dass man sich eine Annäherung der beiden überhaupt wünscht.  Wiki

13.05.2023

TAXI DRIVER (1976)

"Taxi Driver" im Zeitgeist zu sehen, ist in manchen Punkten äußerst schwierig, so selbstverständlich wie uns manches heutzutage scheint, zur Entstehungszeit aber noch revolutionär, geradezu provokativ bzw. aufrüttelnd war. Die Großstadt ist nicht mehr der stolze Vorzeigeort des bisherigen Hollywood, die neue Filmmentalität zeigt sie so dreckig wie sie tatsächlich ist. Und die Hauptfigur ist schwer zu greifen, nicht nur kein strahlender Held, sondern auch für eine Bösewichtrolle viel zu facettenreich ausgefallen, als dass diese Bezeichnung greifen würde. Eine große Charakterstudie ist mit ihr jedoch auch nicht ausgefallen, da bleibt der Film unter seinen Möglichkeiten. Letztendlich lebt er von den Überraschungen einer Figur, die traumatisiert von Vietnam ihren Platz in der Gesellschaft sucht, und kaputt wie sie ist meint eine Mission für sich entdeckt zu haben, viele Überraschungen sei Dank pointensicher letztendlich aber auch mit dem völlig anderen Ziel am Schluss des Streifens zufrieden ist und somit alles andere als ein Idealist ist. 

Wenn Travis seine Verabredung mit einem Kinobesuch der besonderen Art schockt, oder den Präsidentenkandidat nach plumpen, aber bürgerlichen Eindruck mit radikalen Vorschlägen während einer Taxifahrt konfrontiert, dann ist "Taxi Driver" auf seinem Hoch, oder eben bei gerade bereits erwähntem Schluss, der ein wenig an den von "Uhrwerk Orange" erinnert. Ansonsten plätschert der Film etwas arg in bedeutungsschwangeren Nichtigkeiten dahin, zwar immer die Faszination der pessimistischen Grundhaltung seiner Betrachtung von Personen, Orten und Geschehnissen aufrecht erhaltend, aber doch nie konsequent genug, um sich in eine interessante Erzählung hineingezogen zu fühlen. Ich konnte in dem Szenario nie wirklich aufgehen, blieb immer nur fremder Beobachter, in einer Welt, von der ich nicht Teil wurde, und damit blieb der professionell umgesetzte und hervorragend besetzte Film zu sehr Theorie für mich. Ob nun der psychologische Aspekt, oder die oberflächlichen Erlebnisse an sich, sie blieben mir alle zu flach, kamen mir nicht intensiv genug vor, um von ihnen zehren zu können. Dieser Meilenstein der Filmgeschichte, den die meisten ganz anders erleben werden, als ich es tat, hat mir zwar gefallen und mich zumindest phasenweise begeistert, das große cineastische Werk wurde er für mich persönlich jedoch nicht. Das finde ich sehr schade.  Wiki

30.11.2021

IMMER ÄRGER MIT GRANDPA (2020)

Wer glaubt mit "Immer Ärger mit Grandpa" einem frechen oder gar anarchistischen Stoff beizuwohnen, oder auf Unterhaltungsebene ein etwas gehobeneres Niveau aufgrund der Beteiligung von Robert De Niro zu erleben, der irrt. Schon zu Zeiten von "Meine Braut, ihr Vater und ich" beklagte manch einer De Niro würde sich mittlerweile zu einfache Stoffe suchen, die seinem Können nicht gerecht würden. Menschen, die derartig denken, werden an der hier besprochenen Komödie verzweifeln, ist es doch eher ein Kinder- bzw. ein Familienfilm, und dies in einer derart braven Mentalität präsentiert, dass auch ich, der sich gerne mal schlichteren Stoffen zuwendet, mich nicht gut aufgehoben gefühlt habe. Letztendlich verläuft alles zu aalglatt an Stellen, an denen Situationen nicht nur extremer eskalieren sollten, sondern auch in der bereits vorhandenen Dosis theoretisch nicht so einfach wieder gerade zu biegen wären, wie dann doch von den Autoren blauäugigst angegangen. In wie weit die Buchvorlage bereits den arg zahmen Ton vorgibt, kann ich nicht beurteilen, aber die Extreme des von mir verabscheuten Disney-Niveaus wird bereits gestreift. Es fehlt lediglich die zu dick aufgetragene Moral und die Propaganda, die den Zuschauer zum braven Bürger erziehen soll. Zum Glück - denn so lässt sich der Streifen zumindest bis zum Ende durch schauen, zumindest wenn man neugierig wie ich herausfinden möchte auf welche Art sich alles zum Guten wendet. Zumindest diesen Hauch Interesse weiß der zu durchschnittlich geratene Film zu wecken. 

Regisseur Tim Hill, der oft Werke mit zentralen Animationsmethoden (von Puppentrick bishin zu Computeranimation) drehte, ist ohnehin eher ein Mann gewöhnlicher Mainstreamstoffe. Das war er schon bei seinem Debüt "Muppets aus dem All", dem es trotz angenehmen Ergebnisses am nötigen Biss fehlte. Im Vergleich dazu ist er mit Beiträgen wie "Garfield 2", "Alvin und die Chipmunks" und dem hier besprochenen Streifen dann doch noch wesentlich mehr in jene Richtung Kino tendiert, die bloß nicht anecken will. Umso erstaunlicher finde ich es, dass er sich stets Stoffe angelt, die nach Außen zumindest vorgeben frech zu sein. De Niro macht in "War with Grandpa" (Originaltitel) zumindest das beste daraus, und die (Zwischendurch)Erkenntnisse zum Thema Krieg haben freilich das Herz am rechten Fleck und sind so wie dargeboten zu unterstreichen (von daher ist die Thematik zumindest nicht Fehl am Platz in einem Werk für ein noch stark zu beeinflussendes Alter). Letztendlich ist "Roomies" (Alternativtitel) aber einfach zu banal ausgefallen, als dass ein Erwachsener herausgefordert genug mit an Bord ist, und derartiges erwarte ich eigentlich schon in einem Familienfilm, der, wie die Bezeichnung bereits beinhaltet, den Erwachsenen eigentlich nicht vom Zielpublikum her ausschließen sollte. Wer Komödien in seichten Gewässern noch mehr zugeneigt ist als ich es bereits bin, der kann freilich seine Freude mit dem Endergebnis haben. Kurzweilig ist das Ganze zumindest ausgefallen. Das hat der Streifen manch anderem annehmbaren Film zumindest voraus. Und mit all den gern gesehenen Stars, die er mit an Bord hat (Christopher Walken, Uma Thurman, Cheech Marin), hält er sich zumindest wacker über Wasser.  OFDb

22.05.2021

SLEEPERS (1996)

"Sleepers" nimmt sich einer bitteren Thematik an, die auf wahren Begebenheiten beruhen soll. Wie nah oder nicht spielt eigentlich keine Rolle, ist es doch kein Geheimnis dass es zu derartigen Vorfällen kam, so dass der hier geschilderte spezielle Fall als Pate für alle anderen steht. Ich habe mit dem an sich engagierten Drama von "Rain Man"-Regisseur Barry Levinson jedoch mein übliches Problem großer Hollywood-Produktionen. Der mit allerhand Stars besetzte Film wirkt zu weichgespült. Dies nicht, weil er das Schicksal der Jungs nicht drastisch genug herausarbeiten würde, dafür bedarf er keiner deutlicheren Bilder, psychologisch geht man hier diesbezüglich erfolgreich vor. Es ist vielmehr die Blauäugigkeit an anderer Stelle, wenn der Film fragwürdige Umstände romantisiert, Abläufe und Zusammenhänge dramaturgisch passend für eine klassische Kinogeschichte zusammenstutzt, Beziehungen zu harmonisch sieht, diverse Berufsgattungen in ihren jeweiligen Klischees (positiv wie negativ) bestätigt und letztendlich Wohlfühlmomente zum höheren Ziel erklärt, auch genährt durch die entfachte Rachsucht der Protagonisten übertragen auf den Zuschauer. Letztgenanntes ist stets ein leichtes Ziel, um das Massenpublikum zu packen. 

Ich kann mich bis zu einem gewissen Grad mit derartigen Werken arrangieren, finde manche von ihnen teilweise sogar richtig gut. Bei "Sleepers" kam für mich jedoch zusätzlich unangenehm hinzu, dass kein echter Zugang zu den Charakteren aufgebaut wurde. Das beginnt bereits in der langen Phase vor der Haftanstalt. Was hätte ich mir hier ein Näherbringen der jugendlichen Seelen so stark empathisch ausgefallen wie in "Stand By Me" oder der Neuverfilmung von "Es" gewünscht. Stattdessen bekam man hauptsächlich verschmitzt erzählte, kriminelle Versuche in zu oberflächlichen Charakterzeichnungen geboten, die vier stets als Gruppe wahrnehmend, nie einen einzelnen zu exakt. Vom weiblichen Mitglied der Gruppe brauchen wir gar nicht erst sprechen, die wird nie von Bedeutung für den Gesamtfilm und ist einzig der Quote wegen mit eingebaut. "Sleepers" ist kein missglückter Film, aber er erscheint mir in vielen Punkten nicht konsequent und ehrlich. Er will bitter sein, er will nostalgisch sein, er will freundschaftliche Romantik knüpfen, gleichzeitig von Rache erzählen, zwielichtig sein und doch nur auf verständnisvolle Taten setzen. Ein oftmals zu bedeutungsschwanger anmutender Umgang mit den Einzelsituationen, wie z.B. das Ringen des Pfarrers mit seiner Entscheidung, greift dramaturgisch ebenfalls nicht tief genug. Vieles bleibt auf Gefühlsebene, im Gegensatz zum inhaltlichen Bereich, zu oberflächlich abgehandelt zurück. 

Somit lebt der Film fast einzig von seiner handwerklich professionellen Machart, den sympathischen Mimen, der Grundthematik, die wohl kaum wen kalt lässt, und bei mir persönlich durch sein nostalgisches Flair. Deshalb haben mir die letzten fünf Minuten, die einen Monat nach der Verhandlung spielen, auch am besten gefallen, wissentlich wie sehr ich hier von Levinson und Co manipuliert wurde. Der hat zusammen mit DeNiro und Hoffman ein Jahr drauf "Wag the Dog" gedreht, was man bei der lockeren Darbietung dort wohl als eine Art Entspannungstherapie nach dem bitteren, bemühten "Sleepers" verstehen kann.  OFDb

21.05.2021

MIDNIGHT RUN - 5 TAGE BIS MITTERNACHT (1988)

Für eine Buddy-Komödie ist "Midnight Run" (Originaltitel) erstaunlich zurückhaltend in der Differenz beider zentraler Figuren ausgefallen. Zwar sind sie nicht vom gleichen Schlag, können sich in gewisser Weise aber gut leiden und sind nur rein von der Grundsituation her mental in zwei verschiedenen Lagern verortet. Während Robert DeNiro geradezu klassisch den leicht reizbaren Ex-Cop mimen darf, fällt der Charakter, den Charles Grodin angenehm zurückhaltend zum Besten gibt, überraschend normal aus. Ich hatte mit einer Nervensäge gerechnet, eine die dem Begleiter ordentlich auf den Senkel geht. Doch abgesehen von einigen aufdringlichen Fragen, von denen die Rolle DeNiros unpassend viele überraschend ehrlich beantwortet, ist der ehemalige Buchhalter ein normaler Typ, dessen Sorgen und Beweggründe man mit der Zeit verstehen lernt. Es ist der Kopfgeldjäger, der charakterlich geläutert werden muss. Und davon erzählt der Film, der dies mit allerhand Rasanz und Witz als Action-Komödie verarbeitet. 

"Midnight Run - Fünf Tage bis Mitternacht" inszenierte "WarGames"-Regisseur Martin Brest zwischen seinen Erfolgsfilmen "Beverly Hills Cop" und "Der Duft der Frauen". Scheinbar blieb aber auch der hier besprochene, in Deutschland eher unbekannte Streifen nicht völlig erfolglos, zog er doch in anderer Besetzung sechs Jahre später drei Fortsetzungen nach sich, die alle im selben Jahr erschienen sind. Ein großer Wurf ist Brest nicht geglückt, aber das liegt weniger an seinem Stil, als viel mehr an einem zu gewöhnlich ausgefallenem Drehbuch, dem sogar funktionierende flotte Sprüche fehlen, auch wenn sie bemüht obligatorisch eingebaut wurden. Es ist schließlich das flotte Tempo des Streifens und die nötige Nähe, die er zu seinen Figuren aufbaut, was "Midnight Run - 5 Tage bis Mitternacht" trotzdem zu einem solch angenehmen Vertreter seines Genres macht. Die Besetzung ist großartig ausgefallen, auch in den Nebenrollen, welche den eigentlich humoristischen Part, häufig in Konfrontation mit DeNiro, ausmachen. Ob es der von John "Beverly Hills Cop" Ashton wunderbar unangenehm verkörperte, konkurrierende Kopfgeldjäger, oder der von Yaphet "Alien" Koto sehr speziell dargebotene FBI-Agent ist, Figuren wie sie bringen mit Running Gags und lustiger Mimik die nötige Komik mit ein. So fällt einem kaum noch auf, wie schlicht die Geschichte selbst geraten ist. Ich habe mich zumindest gut unterhalten gefühlt.  OFDb

13.05.2021

WAG THE DOG (1997)

Zwei Jahre nachdem Michael Moore in seinem einzigen Spielfilm "Unsere feindlichen Nachbarn" einen Fake-Krieg gegen Kanada thematisierte, griff "Wag the Dog" eine ähnliche Idee auf, die wiederum auf einer Buchvorlage basiert. Im Gegensatz zur etwas klamaukigen Variante Moores kommt die von Robert DeNiro mitproduzierte Satire weit reflektierter und realitätsnäher daher und scheut dabei auch keine konkreten Verweise auf Amerikas Vergangenheit. Wie nah man der Wahrheit tatsächlich war, bewies sich einige Jahre darauf im inszenierten Irakkrieg von George Bush Jr. Barry Levinsons Folgewerk von "Sleepers" vollbringt zudem das Kunststück neben dem Politikbereich zugleich die Kino- und Medienwelt der USA kritisch mitzuverarbeiten, ernst genug um die Fragwürdigkeit, die dort Alltag ist, als Warnung zu thematisieren, lustig genug um mit "Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt" (Alternativtitel) zugleich unterhaltsames Kino abzuliefern. Gut aufgelegte Mimen agieren in einer Geschichte, in welcher die kritischen Aspekte ganz nebenbei im Vordergrund abgearbeitet werden, da die eigentliche Geschichte sich stets auf die Protagonisten konzentriert, wie sie stets ein Problem nach dem nächsten beheben müssen. 

Da wird kurz nach "Forrest Gump" noch einmal demonstriert wie täuschend echt sich optische Fälschungen als Wahrheiten verkaufen lassen, aber auch wie leicht der einfache Bürger in einer Überflutung manipulierter Medien beeinflussbar ist. Bei all dem satirischen Engagement kommen die Charakterzeichnungen nicht zu kurz, so dass man mit den handelnden Figuren auch etwas anzufangen weiß. Das ist insbesondere deswegen wichtig, weil sie nicht alltäglichen Branchen angehören, und es deshalb, im Zusammenhang mit einem sie ins asoziale Licht rückenden Plots, sonst unmöglich wäre eine Identifikation mit ihnen aufzubauen. Dass Hoffman und DeNiro eigentlich je eine Art bodenständig dargebotene Comicfigur spielen zerstört keineswegs die Glaubwürdigkeit, sondern unterstützt lediglich die gängige Übertreibung einer Satire. Wer Hackmans Darbietung aus "Das Urteil - Jeder ist käuflich" kennt, der kann schmunzelnd darüber mutmaßen in wie weit DeNiros Interpretation seiner Figur im hier besprochenen Film Vorbild für dort war. 

Andere Figuren kommen neben der zentralen zwei stets zu kurz. Gerade die wichtigste weibliche Rolle, gespielt von Anne Heche, wirkt so, als hätte man sie auch weglassen können. Und so manchen Nachhall manch gelöster Situation hätte ich dann doch gerne erzählt bekommen, auch wenn das wahrscheinlich den zeitlichen Rahmen zu sehr gesprengt hätte. Aber gerade das Bemerken der (von Dunst wunderbar naiv verkörperten) Schauspielerin, in was sie da hinein geraten ist, wäre doch ein interessanter Aspekt gewesen, der uns das Treiben der beiden Hauptfiguren noch einmal aus einer anderen Perspektive aufgezeigt hätte und dies zudem aus einer aussichtslosen, gefesselten und wehrlosen. "Wag the Dog - Ein hundsgemeiner Trick" (Alternativtitel) bietet einfallsreich einen vielfältigen Blick auf eine Seite der Geschehnisse, intensiver wäre das Ergebnis jedoch mit umfangreicherem Blick gewesen, eben weil Levinsons Film keines jener Werke ist, das über das Gefühlsleben seiner Figuren zu funktionieren weiß. Bei aller Professionalität fühlt sich "Wag the Dog" auf diese Art trotz seiner hohen Qualitäten deswegen für mich etwas zu unterkühlt und oberflächlich an, als dass ich ihn als die große Filmempfehlung betrachten könnte, unter deren Ruf er meist abgehandelt wird. Er ist nun einmal kein "Schtonk".  OFDb

16.03.2020

JOKER (2019)

Der Joker ist eine der faszinierendsten Figuren des Batman-Universums. Und mag der Superheld in Jokers Solofilm auch nicht auftauchen, das Werk macht uns klar wie eng das Schicksal beider Comicfiguren miteinander verwoben ist, innerhalb der Entstehungsgeschichte des Erzgegners des dunklen Ritters. Mögen die einzelnen Zutaten, die Arthur beeinflussen, auch arg nach Klischee klingen, das Drehbuch setzt diese plump klingenden Elemente clever ein innerhalb einer Geschichte, die facettenhafter ausfällt, als man vermuten würde. Eine traumatische Kindheit, Lügen, alternative Glücks-Phantasien, Unterdrückung vom Arbeitgeber und Fremden, Opfer von Gewalttaten, hier kommt allerhand persönliches zusammen, während zeitgleich ein gesellschaftspolitischer Hintergrund gestrickt wird, der deutlich macht wie korrupte Politik gegen das Volk zu Anarchie und Gewalttaten führen kann. Wirkliche Positionen nimmt das Drehbuch nie ein, es ist kein moralisches, es zeigt uns lediglich was warum passiert, bis die Freiheit des einfachen Mannes schließlich in etwas mündet, dessen tiefe Schattenseite diese Anhänger ihrer Clowns-Ikone noch nicht erahnen können. Die Alternative zu etwas Unangenehmen ist nun einmal nicht automatisch das Angenehme.

"Joker"erzählt seine Geschichte in ruhigem Ton, das langsame Tempo nimmt sich Zeit für die Charakterzeichnung, toll eingefangene Bilder lassen das zurückhaltende Treiben zeitgleich nie zu schlicht erscheinen. Überzeugende Schauspieler, ein durchdachtes Drehbuch und eine gute Inszenierung lassen einen schnell manche Klischeehaftigkeit vergessen, eben weil das detailreich dargebotene Schicksal Arthurs zwischen Tragik und Bedrohung zu faszinieren weiß, einen weder auf der mitfühlenden Perspektive kalt lässt, noch aus der wissenden zu was der Mann als Joker später fähig sein wird. Ich dachte schon in dem grandiosen "her" hätte Joaquin Phoenix die Vorstellung seines Lebens abgegeben, aber hier in der Rolle der Titelfigur gibt er endgültig alles, vom sensiblen, angedeuteten Spiel, bishin zum Überagieren in den richtigen Momenten. Rhythmus, Körperhaltung, Mimik in all den grauen Zwischenstufen vom untergebutterten Arthur bishin zum endgültig entfalteten Joker, seine Darbietung ist überzeugend und beeindruckend, eigenständig trotz mancher Erinnerung an das typische Spiel eines Jim Carreys, und allein diese Performance ist bereits das Reinschalten wert. Aber auch der mit den "Hangover"-Filmen bekannter gewordene Regisseur Todd Phillips, dem wir den lustigen "Road Trip" zu verdanken haben und mit dessen "Old School", sowie "Starsky und Hutch" ich nicht viel anfangen konnte, liefert eine überzeugende Arbeit ab, mittels eines zurückhaltenden Inszenierungsstils in eher unauffällig großartigen Bildmotiven gepackt, während andere Sequenzen aus der Ruhe heraus brechen und in nie reißerisch verkommene laute Momente münden, die kurz darauf wieder inmitten des zurückhaltenden Stils untertauchen und dort unterschwellig nachhallen.

Somit wird aus einem guten Drehbuch, in professioneller Besetzung, mittels guter Kameraarbeit und sensibel dirigiertem Inszenierungsstil die Entstehungsgeschichte Jokers zu einem großen Filmerlebnis, auch für Zuschauer fern von üblichen Superhelden- und Comicverfilmungen. Das Semi-Publikum wird endlich mal wieder vereint mit dem des Mainstreams, mittels eines intelligenten Plots und der Kraft in der Ruhe, ohne gleich verkopftes Arthouse-Kino zu werden. Und dass die Entstehungsgeschichte derartiger Figuren stets der interessanteste Aspekt ihrer Gesamtgeschichte ist, habe ich schon des öfteren behauptet und beweist sich um ein weiteres Mal mit diesem Werk, dessen Verantwortliche im Finanz- und Planungsbereich einmal mutig auf das richtige Pferd gesetzt haben, nachdem DC mit Streifen wie "Suicide Squad" und "Man of Steel" schon das ein oder andere Mal stark zu enttäuschen wusste. Alle Jahre wieder kommt ein Werk aus deren Comicuniversum daher, das weit über den anderen steht. Und mag "Joker" auch nicht die Intensität und Vielfältigkeit eines "The Dark Knight" besitzen, er kommt nah an dessen Genialität heran. Zumindest entpuppt er sich als ein nicht auf Nummer Sicher konzipiertes Stück individuelles Kino, welches anbei trotz seiner thematischen Nähe zur Batman-Figur keinesfalls den Bereich des Fantasy-Kinos streift.  OFDb

29.02.2020

FESSELN DER MACHT (1981)

"Fesseln der Macht" verarbeitet einen anspruchsvollen Stoff und kommt, wie alle sieben Regie-Arbeiten von Ulu Grosbard, Star-besetzt daher, ist aber alles andere als typischer Hollywood Mainstream. Viel mehr handelt es sich bei diesem Mix aus Drama, Krimi und Politfilm um einen späten Vertreter des New Hollywood, bei derart unangenehmen Themen, die er schonungslos anspricht, und damit Religion und Politik in ein authentisches Licht rückt, anstatt die Fassade dessen zu präsentieren, was der brave Bürger in solchen Institutionen sehen will. Ein passendes Fazit von Tom Spellacy persönlich dazu ist es, dass ein Polizist gesellschaftlich nichts zu melden hat. Um eine öffentliche Institution mit Verantwortung und Macht zu sein, musst du Zuhälter gewesen sein. Stets geht es im Film um Korruption, und in eine solche ist der Bruder des Ermittlers, ein Pfarrer, involviert, was beide an Grenzen ihres Handelns und ihres Gewissens heranführt. Denn so sehr beide Charaktere in ihrer Vergangenheit auch Fehler gemacht haben und nicht dem Standard des konservativen Bürgers entsprechen, so sind sie im Herzen doch ehrbare Menschen, denen Aufgedecktes nicht kalt lässt.

Professionell die Vergangenheit am Set wiederbelebend und ebenso professionell in den wichtigsten Rollen besetzt, punktet "True Confessions" (Originaltitel) in erster Linie damit nie reißerisch zu erscheinen. Egal wie sehr es um Sex, Skandale und blutige Tatsachen geht, stets kommt das auf einem Roman basierende Drehbuch sachlich und zurückhaltend daher und zeigt sich nicht nur aufgrund seiner schonungslosen Tatsachen unserer Welt erwachsen, sondern auch im Umgang mit dem Zuschauer, der im oftmals subtil dargebotenen Treiben nie etwas zusätzlich erklärt bekommt. Man erwartet Aufmerksamkeit, und das macht einem allein der sehr trocken umgesetzte, arg ruhige Umgangston von Anfang an deutlich. Generell hätte ich kein Problem damit, zumal der Streifen inhaltlichen Anspruch und handwerklich hohes Niveau gleicher Maßen präsentiert. Einzig die zu sperrige Art der Erzählung hindert mich daran in "Gefährliche Beichte" (Alternativtitel) das große Werk zu sehen, das er eigentlich sein könnte. Zwar sind der Geschichte seine Charaktere unglaublich wichtig, und diese gehen tief und lassen einen schlussendlich gekonnt an ihrem Dilemma teilhaben, aber es dauert bis man Zugang zu ihnen gewinnt, so distanziert alles in eher theoretischer Tonlage vorgetragen wird. Und das sorgte dafür, dass mich der eigentlich fesselnde Plot phasenweise nicht mehr richtig interessiert hat. Es war der optischen Professionalität und dem Spiel der beiden Hauptdarsteller zu verdanken, dass ich in solchen Momenten dennoch dran blieb, um schließlich wieder emotional den Zugang zu den Figuren zu finden. Und ich bin dankbar dafür, allein schon weil mich die Schlussszene des Streifens wahrlich berührt hat.  OFDb

04.07.2019

COP LAND (1997)

Hinter der simplen Oberfläche einer klassischen Geschichte um Korruption und Mafia, und eingebettet in eine Handlung, die eigentlich keine großen Überraschungen oder unerwartete Wendungen offenbart, verbirgt sich eine von Stallone toll dargebotene Charakterstudie eines vom Schicksal geprügelten Mannes, der von Seinesmöchtegerngleichen klein gehalten wird, von seiner verheirateten Love Interest lediglich Mitleid erntet und unter einer Hörbehinderung leidet, weil er besagter Frau einst das Leben gerettet hat. Dies wiederum ist der Grund, warum der hervorragende Schütze nie Polizist in New York werden konnte. Eher lethargisch, mit Solidarität seiner ihn belächelnden Kollegen gegenüber agierend, geht er seinem Job nach und guckt zu lang über vieles hinweg. Dass hier weit mehr schief geht, als das Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit, nimmt er kaum noch wahr. Zu tief sitzt er teilnahmslos selbst im Sumpf, der in dieser Stadt herrscht, nicht einmal wirklich etwas gegen häusliche Gewalt tun könnend, ohne sich mit der Polizeipräsenz vor Ort anzulegen.

Dementsprechend hält er halb ahnungslos, halb wissend dass hier etwas nicht richtig läuft, den Mund als ihn wer von der Inneren um Hilfe bittet. Der Einfluss dieser Spezialeinheit endet an der Brücke, die verdächtigen New Yorker Polizisten wohnen nun einmal in Garrison. Trotz seines Schweigens lassen Freddy Fotos, die ihm während dieser Unterredung gezeigt werden, nicht kalt. Sie zeigen den Cop Ray, der hier vor Ort den meisten Einfluss hat, zusammen mit mächtigen Leuten der Mafia, und so langsam ahnt Freddy, warum so viele Polizisten hier ein günstiges Haus erstanden haben. Als es schließlich um Leben und Tod geht, schaut Freddy nicht länger weg, und es ist bei seiner finalen Entscheidung sein Glück, dass die hier wohnenden Polizisten ihn stets unterschätzten. So wie viele Kritiker stets Sylvester Stallone unterschätzten und erst mit Sichten von "Cop Land" das bemerkten, was sie längst hätten entdecken können. Aber so geht es Tunnelblickdenkern, die eine gute Darstellung erst in seriös umgesetzten Stoffen erkennen, anstatt auch in einem schlichten Actionreißer auf schauspielerisches Talent achten zu können. Allerdings hatte Stallone auch jenseits solcher Stoffe mit "Rocky" und "F.I.S.T." längst sein Können bewiesen, was die später Erkenntnis mancher Kritiker nur noch peinlicher erscheinen lässt.

"Cop Land" ist ein besonnener, durchdachter Film, in aller Ruhe erzählt, nie den reißerischen Weg wählend, und doch sowohl für den Cineasten, als auch für den Freund von leicht verdaulicher Feierabendunterhaltung gleichermaßen genießbar, vorausgesetzt man erwartet kein Actionfeuerwerk. Dass der von Mangold inszenierte und selbst verfasste Stoff immer eine winzige Spur anders ausfällt, als ähnlich funktionierende Vergleichsfilme, beweist er z.B. mit der mutigen Idee, das relativ kurz ausfallende Finale in reduzierter Akustik ausfallen zu lassen. Nachdem dem auf einem Ohr tauben Sheriff eine Waffe am gesunden Ohr abgefeuert wurde, stampft er taub durch die schussintensive Schlussphase des Streifens, und Mangold lässt uns dies großteils aus Freddys Akustik heraus miterleben. Mit dieser Entscheidung wird ironischer Weise auf etwas lautere Art das deutlich, was der Komplettfilm ansonsten eher subtil vermittelt. Er schert sich nicht um reißerische Elemente, will keinen Knalleffekt vorbereiten, er will eher sachlich eine gute Geschichte, die schlichter scheint als sie ist, interessant aufbereitet erzählen.

In guter Besetzung mit Keitel, DeNiro und vielen anderen talentierten Mimen, gelang es Mangold ein größeres Publikum zu erreichen als es für derartige Stoffe oft üblich ist. Um so mutiger darf man die Entscheidung Stallone in der Hauptrolle zu besetzen betrachten, gibt es doch viele Vorurteile diesem Mann gegenüber, so dass manch einer diesen sensibel umgesetzten Mix aus Thriller und Drama aufgrund seiner Anwesenheit wohl nie gesehen hat. Glücklicher Weise trifft dieser Verlust ignorante Menschen, also was soll's? Warum die späte Anerkennung Stallone nicht zu einer Wende in seiner Karriere verholfen hat, weiß ich nicht. Stattdessen kehrte er erst drei Jahre später mit "Get Carter" in einer Hauptrolle besetzt zurück. Verstehe das wer will. Gerade nach seiner überraschend guten, aber auch unterschätzten 90er Jahre-Phase hätte ich ihm gegönnt, dass ihm aufgrund des Erfolges von "CopLand" (Alternativtitel) reizvolle Projekte angeboten worden wären. Wie stattdessen mit ihm umgegangen wurde, macht die traurige Entstehungsgeschichte des Filmes "Driven" deutlich.  OFDb

19.04.2015

GODSEND (2004)

Ich finde es immer schade wenn Filme vielversprechend beginnen und dann aus irgend einem Grund zur zweiten Hälfte ins extreme Gegenteil kippen und nur noch enttäuschen. Schwächelt der Rest in harmloserer Form mag man mit dem Streifen trotzdem noch etwas anfangen können, so wie in „Flightplan" geschehen oder im ersten „Jeepers Creepers". Werke wie „Godsend" werden jedoch so unterirdisch, dass es eigentlich nichts mehr zu retten gibt.

Der Film beginnt traurig, zeichnet den Charakter des Paares in seiner Verzweiflung jedoch so, dass der illegale Schritt den sie gehen glaubwürdig wirkt. Die Trauer wird also an einer relativ kurzen Leine gehalten, und auch der Vorschlag des Professors kommt sehr schnell und unverblümt daher. Da der achte Geburtstag zum Zentrum der Geschehnisse in „Godsend“ wird sind auch die acht Jahre dazwischen schnell übersprungen und der Film kann sich auf das Wesentliche konzentrieren. Von nun an kippt der Film vom traurigen Grundton hinüber zum spannenden. Die Karten werden interessant verteilt, die Möglichkeiten dessen was tatsächlich los ist sind hoch. Die Art wie der Sohn gestorben ist lässt davon aber schon so einige ausschließen.

In dem Alter angekommen, in welchem der Originalsohn verstarb, verhält sich der Klon merkwürdig. Da das erste Kind jedoch an einem Unfall gestorben ist, ist ein Einfluss der Gene schon einmal keine mögliche Option. Was bleibt sind Ideen wie ein göttlicher Wille, vielleicht in der Art eines "Final Destination" erzählt, oder vererbte Erinnerungen, sowie Geistererscheinungen. So hätte man beim letzten Beispiel die phantastische Möglichkeit zu erzählen gehabt, dass der Geist des verstorbenen Originals sein Recht zu leben zurückfordert, welches nun wer anders für ihn lebt. Außerdem ist bei der Aufzählung all der Hintergrundmöglichkeiten auch die Idee möglich, dass es einen Pfusch bei der Operation gab, was zu den langweiligere Alternativen zählt. Und jetzt ratet einmal für was man sich in „Godsend“ entschieden hat!

Auch mit dieser Möglichkeit hätte man durchaus noch etwas Brauchbares auf die Beine stellen könmnen, aber leider krankt bei Nick Hamms Film so einiges an der Umsetzung. Hat man in der ersten Hälfte noch gekonnt, wenn auch mit Genre-bewährtem Rezept, mit dem Zuschauer gespielt, wird nun alles etwas zu vorhersehbar. Schnell ist klar auf welche Art einst gepfuscht wurde, und der Drehbuchautor greift auf billigste Wege der Nachforschungen zurück. So darf z.B. eine ehemalige Babysitterin auf Nachfrage Dinge erzählen, die man wem Fremdes auf die Schnelle sicherlich nicht einfach so anvertraut.

Der Hinweis diverser abgebrannter Häuser zeugt auch nicht gerade von Einfallsreichtum. Für einen richtig bösen Buben, der eines Michael Myers würdig wäre, fehlt die Extreme seiner Taten. Auf recht feigem Weg suchte der Drehbuch-Autor die schnelle Abkürzung zu einem Inhaltsumschwung, quasi von der Phase des Nichtwissens des Zuschauers auf die Schnelle zum Mitwissen. Okay, alles darf er immer noch nicht wissen, aber offiziell nun mehr als zuvor. Zu dumm dass der Autor noch immer davon ausgeht, dass der Zuschauer im Dunkeln tappt. Dabei ist alles viel zu offensichtlich erzählt.

Da ist es auch nicht gerade hilfreich, dass DeNiro eher lustlos spielt. Gerade dann wenn sein böser Charakter deutlich wird erwartet man wesentlich mehr von ihm. Viel unverschämter ist jedoch, wie die Geschichte zum Ende hin keinen Hinweis auf dessen Verbleib und seine weiteren Pläne gibt. Jetzt lassen wir den Zuschauer mal rätseln und seine Phantasie benutzen? Schön wär‘s! Dann wär ja alles okay. Viel eher wirkt die Erzählung aufgrund dieser nichtgenannten Fakten lückenhaft, so als habe man einen Pilotfilme zu einer nie weiter gedrehten Serie gesichtet. Und dieser Eindruck in Kombination mit den restlichen Fehlern gibt mir nur die Wahl vor dem Film zu warnen. Hände weg! Auch wenn die erste Hälfte gelungen ist, so ist das Endergebnis von „Godsend“ doch einfach nur enttäuschend. Schade um die interessante Geschichte und die so positiv agierende Besetzung!  OFDb

22.02.2015

THE SCORE (2001)

Dieser Film beweist mal wieder, dass es keiner großen Story bedarf um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Zunächst einmal haben wir hier hervorragende Schauspieler, die zeigen was in ihnen steckt. Klar hatte DeNiro schon schwierigere Rollen zu meistern, aber auch in diesem kleinen Film zeigt er wie man einem Charakter mehr Tiefe verleihen kann als es für ein Werk mit solcher Handlung eigentlich nötig wäre. Dieser Mann hat sich seinen Charakter soweit zu Ende gedacht, dass es unmöglich sein kann dass er nur das was im Drehbuch steht nachgespielt hat. Dafür ist seine Rolle viel zu perfekt ausgearbeitet, insbesondere in den Feinheiten erkennbar die jeder selbst entdecken muss.

Zu Edward Norton muß man eigentlich genau so wenig sagen wie zu DeNiro. Neben DiCaprio zählt er von seinem Talent her zu den wenigen die DeNiro schauspielerisch das Wasser reichen können. Und das darf er in „The Score“ auch direkt unter Beweis stellen. Mag er als Behinderter zunächst etwas aufgesetzt wirken, so wird man im weiteren Verlauf der Geschichte doch eines besseren belehrt, so dass man nicht zu frühzeitig maulen sollte.

Die Freundin der DeNiro-Hauptrolle hüpft nur einige Male durchs Bild, sorgt weder für ein echtes Fortschreiten der Geschichte noch für ernsthafte dramatische Tiefe und theoretisch ließe sich der Film auch ohne sie erzählen. Aber genau das ist es was mir an dieser Rolle so gefällt. Man versuchte nicht krampfhaft eine Frau in die Geschichte zu integrieren, machte auf der anderen Seite aber auch nicht den Fehler diese Figur komplett zu streichen. Nein, man beschränkte sie auf das was sie ist: das geringe Privatleben des Profidiebes.

Trotz hervorhebenswerter Mimen gibt es auch eine Schwachstelle unter den Stars zu vermelden. Das Spiel des ehemaligen Paten Marlon Brando kann man maximal als mittelmäßig bezeichnen. Er darf zwar eine interessante Rolle verkörpern, spielt diese aber so mau, dass man auch einem No-Name-Darsteller eine Chance hätte geben können. Das hätte dem Film sicher nicht geschadet - ganz im Gegenteil. Dass es ausgerechnet Brando gewesen sein soll, der die Dreharbeiten immer wieder behinderte, ist ein Witz bei dieser mangelhaften Leistung. Glücklicher Weise ist sein Part recht klein ausgefallen und sorgt immerhin für eine der Wahrscheinlichkeiten, was am Überfall falsch laufen könnte, so dass die Figur zumindest von Nutzen ist.

Der Spannungsbogen des Streifens entsteht erfreulicher Weise nicht durch eine bahnbrechende aufwendige Geschichte, die penetrant auf Schauwerte zusteuert, sondern durch die ruhige Erzählweise des langsamen Fortschreitens eines Coups, der zwar immer schwieriger zu bewältigen wird, aber stehts scheint gemeistert werden zu können. Somit ist der Zuschauer immer wieder in der Situation zu rätseln was wohl schief gehen könnte. Dass etwas schief gehen wird ist sicher, die Story ist schließlich genau darauf ausgelegt.

Dass der Auslöser des Schieflaufens keine Überraschung ist, ist nicht schlimm, immerhin gibt man uns drei Wahrscheinlichkeiten vor die eintreten könnten. Das sorgt bereits für einen gewissen Spannungsbogen. Vom eigentlichen Einbruch selbst erzählt die Geschichte erst recht spät. Aber da man nicht weiß woran der Coup scheitern wird, zittert man bereits vorher schon an anderer Stelle, so z.B. an der Frage ob es die Rolle des Norton schafft dauerhaft als Behinderter durchzugehen. Nicht nur dass er einen Fehler in dem was er tut oder redet begehen könnte, er könnte ja auch mal außerhalb seiner Rolle als Normalbürger von einen Kollegen gesichtet werden. Der Spannungsbogen steht somit aus unterschiedlichsten Gründen fast immer im Zentrum und wird nur für wenige Szenen unterbrochen.

Das Ende darf man wohl als pfiffige Idee bezeichnen, zumindest wenn man leise Töne mag. Zu einem Showdown zwischen Norton und DeNiro kommt es gegen aller Erwartungen nicht. Die Psychologie die der Film nebenbei unauffällig aufbaut wird zur finalen Raffinesse, so dass sich „The Score" auch hier von seinem Niveau her von anderen Produktionen dieser Art unterscheidet. Ob die wunderbare Idee, die einer von beiden Charakteren Recht gibt, auch beim Massenpublikum ankommt weiß ich nicht. Man darf es aufgrund des üblicher Weise nach Schauwerten lechzenden Standardprogramms in den Kinos zumindest anzweifeln. Der Cineast hingegen darf sich freuen. Mit dem Ende des Films beginnt die Phantasie des Zuschauers. Es macht Spaß sich die einzelnen Möglichkeiten auszudenken, wie es für den jüngeren von beiden nun weiter gehen könnte.

Dass Filme wie "Verlockende Falle" einen mehr an den Überfallsvorbereitungen teilhaben lassen als "The Score", kann ich nicht abstreiten. Der Thriller von Frank Oz, eigentlich Profi komödiantischer Stoffe, lässt uns lange im Glauben einer trivialen Geschichte, um heimlich die Karten zu mischen, die zu einem ähnlich guten Ergebnis führen wie die Alternative anderer Thriller kniffelige Vorbereitung für einen komplizierten Raubzug aufzuzeigen. Aber das ist einfach das schöne an Kino. Da gibt es Filme wie „Matrix 2“ und „Matrix 3“, die scheinbar viel erzählen und am Ende doch nur ein recht simples Szenario aufpuschten, und dann gibt es auf der anderen Seite Werke wie "The Score", die nichts aufregendes zu erzählen scheinen, die hinter dieser banalen Fassade aber um so tiefer gehen. Nicht falsch verstehen! "The Score" ist keine große Filmkunst, die uns philosophische oder psychologische Neuanstöße zum eigenen Nachdenken beschert. Aber für einen reinen Unterhaltungsfilm ist er doch recht gewitzt ausgefallen.  OFDb

16.11.2014

ZWEI VOM ALTEN SCHLAG (2013)

Machen wir uns nichts vor. Ohne die legendären Boxerfilme „Wie ein wilder Stier“ und „Rocky“ würde „Zwei vom alten Schlag“ nicht existieren. Und würde wer anders die Hauptrollen spielen als Robert DeNiro und Sylvester Stallone, die Originalbesetzungen beider Filme, würden sich nur die wenigsten für einen Film über zwei verfeindete Boxlegenden, die viel zu alt noch einmal gemeinsam in den Ring steigen, interessieren. Ernst umgesetzt würde man nur den Trash-Fan hinter den Ofen hervor locken, von daher war es gut, dass man erkannte, dass ein solches Projekt als Komödie umgesetzt werden muss. Und so sehr das Projekt auch jegliche Innovationen ausblendet, so sehr muss man doch trotzdem sagen: gelungen.

Letztendlich weiß „Grudge Match“ (Original) nur aufgrund der guten Leistungen seiner Stars und der Chemie zwischen den beiden zu gefallen. Stallone spiel was er immer spielt, weiß dabei aber neben den schauspielerisch stärkeren DeNiro zu bestehen, der eine herrlich infantile Rolle beschert bekommen hat und in dieser Unreife eine großartige Performance abliefert, locker aus der Hüfte gespielt, ohne sich groß abmühen zu müssen. Profi halt! Das Gekabbel zwischen den beiden Hauptfiguren weiß zu belustigen. Beide Charaktere sind interessant vertieft, ihr Zwist weiß einige kleine Überraschungen inmitten einer vorhersehbaren Handlung zu offenbaren, und der kleine Schuss Dramatik, der zu jeder gefühlsechten Komödie dazugehört, ist auch nicht von schlechten Eltern.

Glücklicher Weise setzt man bei „Zwei vom alten Schlag“ nicht auf die Klamaukebene. Der Humor kommt herzlich daher, der Film ist trotz des Zwists im Mittelpunkt friedfertig ausgelegt, und am Ende ist alles freilich arg heile Welt. Aber vom Feeling her soll Nostalgie umher wehen, wenn auch nicht so stark wie im überraschend geglückten „Rocky 6“. Genau wie dort soll es auch ums Alter gehen. Um den Sinn im Alter, um verpasste Chancen und ganz besonders um Fehlentscheidungen, von denen nicht jede wieder gerade zu biegen ist. Es geht ums Zwischenmenschliche, um Annäherung sich fremder Charaktere und um Geld in einer Welt, in der du an Altersarmut leiden kannst, obwohl Du eine Legende bist. Wirklich gesellschaftskritisch kommt Peter Segals Werk diesbezüglich jedoch nicht daher.

Der hat mit „Tommy Boy“, „Die nackte Kanone 33 1/3“ und diversen Adam Sandler-Filmen sonst einen ganz anderen Ton drauf. Da darf man schon erleichtert sein mit „Zwei vom alten Schlag“ eine so liebevolle Komödie sichten zu dürfen, mit in Würde gealterten Stars (diesbezüglich sei mal Kim Basinger hervorgehoben) und einem Respekt vor dem Alter, selbst dann wenn absichtlich die Trainingsszenen ins Lächerliche abrutschen. Zu den beiden legendären Boxfilmen, aus denen man sich die Stars entlieh, gibt es freilich auch die ein oder andere Anspielung, am deutlichsten wohl jene die in einem Schlachthaus stattfindet. Und so kann man sagen, dass man so köstlich wie innovationsfrei mit hier besprochenem Film unterhalten wird. „Zwei vom alten Schlag“ ist leichte Kost in gemütlichem Tempo, und da fern jeglichem Holzhammers präsentiert ein wohltuender, ur-sympathischer und treffsicherer Film, den ich mir mit Sicherheit noch des öfteren ansehen werde.  OFDb

07.07.2014

RED LIGHTS (2012)

Magie und Zaubertricks gibt es tatsächlich. Man findet sie tagtäglich vor, als Cineast häufiger als andere Menschen. Erst kürzlich berichtete „Die fantastische Welt von Oz“ von den Taschenspielertricks eines Scharlatanes, und pries ihn gerade weil er lügt zum Zauberer. Warum? Um hinten herum das Kino zu ehren, den Lichtspielzauber dem wir seit Generationen verfallen sind. Von daher ist es ein bisschen schade, dass der Autor von „Red Lights“ mit dem Erwähnen einer zuvor plazierten Münze Licht auf seinen eigenen Budenzauber wirft. Betrachtet man die Täuschung von Filmen als Zauberei, verrät der Autor damit seinen eigenen Zaubertrick. Ich habe als mir dies beim Sichten auffiel zwar auf eine andere Münze gesetzt, die Pointe wird durch diesen Lichtblick also nicht verraten, aber dass man durch diese Erwähnung sensibel für das Einbringen einer zuvor gesetzten Fährte wird, beraubt „Red Lights“ ein klein wenig von seiner Täuschung.

Wirklich schlimm ist das nicht. Rodrigo Cortés, der mit „Buried Alive“ einige Jahre zuvor bereits eine andere interessante Geschichte verfilmt hat, ist ein guter Genrebeitrag gelungen. Interessanter Weise setzt er in seiner Geschichte auf das Gehirn, sprich Spinnereien müssen durch Logik enttarnt werden, die Stärke damit der Film funktioniert besitzt er jedoch im Manipulieren der Gefühle des Zuschauers. Die Story ist nicht sonderlich gewitzt, letztendlich ist sie bei Licht betrachtet sogar nur eine olle kleine Kriminalstory, von der man sich lediglich Antworten auf zuvor gesetzte Lücken erhofft. Aber die teilweise recht düstere Atmosphäre, das Einbringen von Dramatik und Rachegefühlen, das macht „Red Lights“ erst zu dem Hingucker, der er wirklich ist.

Somit verzaubert uns ein Film, während er gleichzeitig von dem Aufdecken von Schwindel getarnt durch Zauber erzählt. Und als Legitimation hierfür setzt er sich eine Pointe, die nicht wirklich durchdacht ist, aber die - schon wieder - aufgrund der Emotionen die sie mit einher trägt, vom Zuschauer als angenehm empfunden wird. So wie es im Kino üblich ist funktioniert dieser Zaubertrick, den wir schließlich als angenehme Unterhaltung wahrnehmen, nur deshalb so gut, weil technisch und schauspielerisch gesehen alles professionell umgesetzt wurde. Hier waren ausgebildete Fachleute am Werk, um uns nach etwas über 100 Minuten ein zufriedenes Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. „Red Lights“ ist Kino. Kurzweilig, nicht tiefsinnig und eigentlich nur Ablenkung vor dem schlichten Kern, aber optisch und emotional gut verpackt.  OFDb

23.08.2012

THIS BOY'S LIFE (1993)

Tobias Wolff ist nicht gerade ein Vorzeigeschüler. Als er nach dem x-ten Umzug in eine andere Stadt suspendiert wird, beschließt seine Mutter, dass es so nicht weiter gehen kann. Da sie ohne Zukunftsperspektive ist, schlägt sie vor Tobias solle für einige Wochen zu ihrem neuen Freund Dwight ziehen. Wenn es mit den beiden funktioniert, kommt sie nach um zu heiraten. Dwight hat sich in den Kopf gesetzt Tobias um jeden Preis zu erziehen, und so erträgt der Teenager, der unbedingt ein besserer Mensch werden will, die fragwürdigen Erziehungsmethoden Dwights. Es kommt zur Hochzeit und das tyrannische Treiben des Stiefvaters schaukelt sich immer weiter hoch...

Die Jugend eines Literaturprofessors...
 
Als im Jahre 1997 Leonardo DiCaprio große Erfolge mit seiner Darstellung der Hauptrolle in „Titanic“ feierte, da erkannten viele noch nicht sein großes Talent. Durch seine vorherige Rolle in „Romeo und Julia“ wurde er von uninformierten Zuschauern zunächst als eine Art Romantik-Softi gesehen, also eine Form des Schauspielerdaseins, welches keine sonderliche Begabung erfordert. Übersehen hatten solche Kritiker jedoch die Leistungen, die der junge Mann zuvor vollbracht hatte, allein in den drei Jugend-Dramen „Jim Carroll - In den Straßen von New York“ (1995), in welchem er überzeugend jemand Drogensüchtigen verkörperte, „Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa“ (1993), in welchem er einen geistig behinderten Jugendlichen in einer Nebenrolle verkörperte, ohne in ein Klischee abzurutschen und „This Boy‘s Life“ (1993), in welchem er sich früh neben Robert DeNiro bewies, einem Mann, dem er nun in der Gegenwart angekommen ebenbürtig geworden ist.

Robert DeNiro zählt seit Jahrzehnten zu den talentiertesten und anerkanntesten Schauspielern der Vereinigten Staaten von Amerika. DiCaprio war noch jung und hatte noch einiges zu lernen. Aber dass er sehr begabt war und einmal eine echte Konkurrenz DeNiros werden könnte, bewies er bereits im hier besprochenen Film. Allerdings muss man hinzufügen, dass DiCaprio nicht so jung war, wie es in diesem Drama den Eindruck macht. Zur Zeit des Drehs war er bereits 19 Jahre alt. Es ist erstaunlich wie jung manche Menschen wirken können, erst recht wenn sie ein rundes Babyface besitzen wie Leonardo. Worüber andere spotteten, war sein Trumpf.

Man kann nicht gerade behaupten, dass der Film nicht etwas zu dick auftragen würde. „This Boy‘s Life“ basiert zwar auf der Autobiographie des späteren Literaturprofessors Tobias Wolff, aber ob solche Szenen wie die Autofahrt nach Concret zum Besserungsurlaub tatsächlich so stattgefunden haben wird, wie dargestellt, darf ebenso bezweifelt werden, wie manch andere Übertreibung. Dennoch sollte man in vielen anderen Bereichen nicht zu früh Übertreibung und Klischee schreien, immerhin spielt der Streifen im Amerika der 50er Jahre und dazu noch in einem winzigen Hinterwäldlerkaff. Da kann ich mir schon vorstellen, dass das meiste in etwa so stattgefunden haben könnte wie hier erzählt. Es dürfte lediglich manche Reihenfolge der Ereignisse für den dramaturgischen Effekt geändert worden sein.

Dramen aus Amerika wollen in erster Linie Unterhaltungskino sein, und das ist bei „This Boy‘s Life“ nicht anders. Trotz diverser Ausrutscher schafft er es jedoch, dass man ihn trotz dieses Schwerpunktes ernst nehmen kann. Das Anliegen Unterhaltung ist ohnehin nicht gefährdet mit den zwei heutigen Top-Stars in der Besetzung. Gerade in der Rolle des Dwight weiß auch wieder einmal die deutsche Stammsynchronstimme DeNiros zu überzeugen. Dem tyrannischen Stiefvater in den Mund gelegt, wirkt sie wahre Wunder den Kerl zu hassen, während DeNiro selbst alle Register seines Könnens zieht, um den Bösewicht psychologisch stimmig und glaubhaft als das darzustellen, was er ist: ein infantiler, dummer Mann ohne Begabung mit aufgepumpten Selbstbewusstsein.

Wolffs Geschichte spielt über mehrere Jahre. Und da ändern sich mehr als nur die Frisuren, sonst würde ich auch wohl kaum das Spiel DiCaprios so loben, welches eines seiner Höhepunkte in jener Szene erlebt, wenn der Teenager vom Lachen ins verzweifelte Heulen abrutscht. Dass er mit einem anderen Ausgang der Concret-Geschichte irgendwann zum Psychopathen hätte werden können, lässt der damalige Jungschauspieler kurz vor Schluss aufblitzen, wenn der befreite Wolff beim Jubeln aufgrund der Abreise kurz die düstere, verletzte Seite seiner Seele aufblitzen lässt, die Dwight in ihm entfacht hat.

Regisseur Michael Caton-Jones ist mit Hilfe aller Beteiligter ein kurzweiliger, intensiver und sensibler Film gelungen, der die 50er Jahre glaubwürdig auferstehen lässt und sich mit der eigentlichen Geschichte viel Zeit lässt. DeNiro selbst hat seinen ersten Auftritt erst nach etwa 30 Minuten. Dass Caton-Jones keine Eintagsfliege gelungen ist, bewies er zuvor mit „Doc Hollywood“ und danach mit dem „Der Schakal“-Remake. Mit „Basic Instinct 2“ soll er sich dann doch noch in die Brennnesseln gesetzt haben, was ich jedoch nicht beurteilen kann, da ich diese Fortsetzung nicht kenne.

„This Boy‘s Life“ ist einen und mehrere Blicke wert. Ich selbst habe ihn schon sehr oft geguckt und bin immer wieder aufs neue überrascht wie gut er funktioniert. Mag er auch manches Mal für klitzekleine Momente ins Reißerische abrutschen, in anderen Bereichen, die geradezu geeignet hierfür wären, beispielsweise in der eher kurz angerissenen Schwulenthematik, umgeht er einen solchen Stil um so mehr, was sichtlich gut tut.  OFDb