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25.12.2023

BRUCE ALLMÄCHTIG (2003)

In seiner etwas arg anbiedernden, moralischen Art mag "Bruce Allmächtig" nicht zu den großen Komödien Jim Carreys gehören, mit etwas Wohlwollen betrachtet und freilich dem Akzeptieren des göttlichen Glaubens in diesem Film kann der Streifen aber durchaus Kurzweile bereiten, so gut aufgelegt wie hier jeder Beteiligte zu Werke geht, um einem Stück Routine einen halbwegs besonderen Anstrich zu verleihen. Steve Carrell darf für einen Moment in direkter Konkurrenz zum Star Grimassen schneiden (und übernahm vier Jahre später in der Fortsetzung "Evan Allmächtig" die Hauptrolle), kleine individuelle Witzchen reihen sich zu den naheliegenden der Ausgangsidee hinzu, Spezialeffekte sind förderlich für die Geschichte eingebracht, und die Moral kommt herzensnah daher, anstatt einzig nervig. Carrey beherrscht die Balance aus Herumgekasper und Dramaturgie besser als in "Der Dummschwätzer", der inhaltlich unter ähnlichen Mainstream-Problemen leidete. Das hilft dem Gesamtergebnis trotz schwächerer Pointen als im Vergleichsfilm ein akzeptables Ergebnis zu erzielen. Man genießt Carrey in der Egophase, schmunzelt über die Konsequenzen seines Tuns und wünscht ihm trotzdem ein Happy End, eben weil, typisch Mainstream, nie etwas zu bösartig stattfindet, als dass es dem Feel Good-Movie-Prinzip schaden könnte. Das wird manchem zu weichgespült erscheinen, zu zahm umgesetzt, schlichtweg zu sehr die Standardformel derartiger Werke anwendend, aber für ein moralisches Stück Routine geht "Bruce Almighty" (Originaltitel) gerade so in Ordnung, weder den Gläubigen, noch den Ungläubigen verletzend, sondern stets darum bedacht darin möglichst vielen Freude zu bereiten. Hätte die Geschichte Potential zu mehr gehabt? Selbstverständlich, sogar mit einem schwächeren Mimen an Bord, dementsprechend braucht es nicht verwundern, dass ich "Bruce Allmächtig" seinerzeit eher nicht überzeugend fand, als er frisch veröffentlicht wurde. Aber mit weit weniger strengem Blick und wenig Erwartungen, wissen die harmlosen Späßchen in diesem Film mittlerweile auch mich zu erheitern. Als Zwischendurchverzehr an einem regnerischen Nachmittag reicht eine Fantasy-Komödie wie diese hier einfach mal aus.  Wiki

19.05.2020

BATMAN BEGINS (2005)

Nach Burtons Fetisch-Versionen und Schumachers kunterbuntem Rückschritt in die 60er Jahre Version der Thematik war das Medium Kino 8 Jahre später soweit Batman endlich eine ernsthafte Umsetzung zu bescheren. Gewöhnungsbedürftig muten die ersten 30 Minuten an, wenn Bruce Wayne erst durch Ninja-ähnliche Geheimbündler in dem trainiert wird, was er als Fledermaus schließlich in Gotham City anwenden wird. Aber selbst in diesem so gar nicht traditionellen Part der Comicverfilmung stimmen Stimmung und Erzählwert, und eine Fortführung der dort angegangenen Ereignisse bishin zum Trilogie-Ende "The Dark Knight Rises" machen diesen Part sogar wichtig für Nolans Vision aller drei Filme, bei denen er auch jeweils am Drehbuch mitgewirkt hat. Ob der realistische Touch fern einer tatsächlichen Comic-Welt nun besser oder schlechter ist als die übliche Herangehensweise, sei einmal dahin gestellt, er ist aber auf jeden Fall eine interessante Alternative zu den üblichen "Batman"-Filmen und passt zum erwachsenen Grundton des Streifens, der sich auch tiefgründigerer Betrachtungen und politischer Thematiken nicht scheut. Mit diesem weniger verspielten Blick guckt sich "Batman Begins" vielleicht ein wenig zu starr auf ernst getrimmt, aber dieser Grundton ist letztendlich nichts ungewöhnliches im Gesamtwerk Nolans und braucht somit nicht überraschen.

Interessant ist die fast konsequente Verweigerung Batman gegen einen klassischen Gegner aus den Comics kämpfen zu lassen. Mit der Vogelscheuche wird nicht nur ein relativ unbekanntes Gesicht eingebaut, durch seine in der Realität verorteten Charakterisierung und seiner nur am Rande wichtigen Positionierung innerhalb einer vielschichtigen Gesamtgeschichte, fällt kaum auf dass überhaupt einer vorhanden ist. Derartiges verzeiht man Nolan jedoch all zu gerne, denn sein detaillierter Blick auf die Anfänge Batmans, der ohne zu entmystifizieren spannende Hintergrundfragen im Perfektionieren der Verbrecherjagd-Idee Waynes beantwortet, weiß in technisch makelloser Umsetzung bei rundum guter Besetzung zu überzeugen - zumal Nolan sein für Comic-Verhältnisse verkopftes Werk nicht in Sachen Action, Spannungsbogen und Schauwerte vernachlässigt. Ihm ist ein rundum sehenswerter Film gelungen, den man kaum noch dem Fantasy-Genre zuordnen kann, der aber nicht nur durch seine Andersartigkeit innerhalb des Batman-Universums fasziniert, sondern auch die Ur-Tragik der Figur gekonnt zu greifen und zu vertiefen weiß und in eine spannende Geschichte steckt, die inhaltliche Überraschungen ebenso bietet, wie kleine verschmitzte Momente und stille Anspielungen an die reichhaltige Comic-Welt Batmans. Mit "The Dark Knight" gelang es Nolan hinterher sogar, den bereits recht ausgereiften hier angewendeten Ansatz noch einmal zu perfektionieren.  OFDb

25.02.2018

DER KNALLHARTE PRINZIPAL (1989)

Filme um Ghettoschulen und der Frage wie man der Situation die auf diesen herrscht Herr werden kann, gibt es zuhauf, begonnen beim eher verspielten „Die Klasse von 1984“, der den sozialen Untergang im Teenagerverhalten eher für den reißerischen Effekt nutzte. Seit dem das Thema in vielen Ländern Realität geworden ist, wird es eher in Dramenform angegangen. Authentische Stoffe wie „Heute trage ich Rock“ sind rar gesät, zumal die meisten Werke, die sich dieser Problematik annehmen, aus Amerika stammen, wo ein Drama meist den verträumten Kinostempel aufgesetzt bekommt und mit der Realität mittels Kitsch, Theatralik und dem Ignorieren wahrer Probleme nicht mehr viel zu tun hat. Glaubwürdige Filme wie „Detachment“ bilden hier die Ausnahme, ärgerliche Stoffe wie „Dangerous Minds“ bedienen den massentauglichen Sektor und wurden zurecht mit der Komödie „High School High“ aufgrund ihrer extremen Naivität aufs Korn genommen.

„Der knallharte Prinzipal“ steckt irgendwo dazwischen, neigt auch zur Klischeebildung und lässt viel zu oft Sozialkitsch aufblitzen, er geht auf der anderen Seite aber auch sehr ehrlich mit der Thematik um, ignoriert nicht den politischen Einfluss der Situation, zeigt die Grenzen des Möglichen auf und stößt vor allen Dingen Sozialträumern vor den Kopf, wenn es um die Methoden Joe Clarks geht, der die Schule keinesfalls mit Samthandschuhen umzukrempeln versucht. Hierbei rutscht „Lean on Me“ (Originaltitel) nie in den reißerischen Unterhaltungsfilmbereich eines „Der Prinzipal“ mit James Belushi ab, das Genre Drama ist das Kernstück und wird nicht zu oberflächlichen Unterhaltungszwecken in den Hintergrund gedrängt, um einem anderen Filmbereich Platz zu machen. Das Genre Drama bleibt sich immer treu, und da einer der Schwerpunkte des hier besprochenen Filmes in der Charakterzeichnung Clarks steckt, der ein Idealist mit allen Vor- und Nachteilen dieser Art Mensch ist, verlangt er einiges vom demokratisch denkenden Zuschauer ab.

Clark hat Erfolg, aber er setzt komplett auf seine Autorität, Schüler und Lehrer gleichermaßen betreffend. Ihm hat man zu gehorchen, egal wie extrem Clarks Methoden sind - und wie hart der Mann durchgreift erfährt man auch gleich kurz nach seinem Antritt als Direktor, wenn er alle verbrecherischen Schüler von der Eastside High ausschließt, um mit dem lernwilligen Rest einen Neuanfang zu starten. In einer staatlichen Schule wäre dies nicht möglich gewesen, diesbezüglich macht es sich das Drehbuch mit diesem ersten Schritt vielleicht ein wenig zu einfach, aber wie Clark nach und nach die Schule rettet und allen Mitmenschen um sich herum, inklusive seiner Vorgesetzten, vor den Kopf stößt, ist schon ein faszinierendes Schauspiel, an dem wir schrittchenweise teilnehmen dürfen, so dass es sich das Drehbuch an anderer Stelle keinesfalls zu einfach macht.

Dies betrifft auch die Charakterisierung Joe Clarks. Der nach einem wahren Fall orientierte Film ist sich der Fragwürdigkeit seiner zentralen Figur durchaus bewusst, was auch ausführliche Wortgefechte mit verärgerten Erwachsenen immer wieder verdeutlichen. Joe ist Idealist, ruiniert mit Kleinkämpfen oftmals das große Ziel, ist nicht fähig nach der Grundsäuberung der Situation auf Teamwork umzuschwenken und glaubt sich mit seiner selbstherrlichen Art immer im Recht. Seine Methoden sind effektiv, und ein derartiges Desaster bekommt man auch sicher nicht mit Samthandschuhen bewerkstelligt. Trotz aller extremen Methoden und der Fragwürdigkeit des Charakters leistet der Mann eine hervorragende Arbeit, er darf zurecht stolz auf sich sein, und dafür feiert „Lean on Me - Joe Clark gibt nicht auf“ (Alternativtitel) seine Hauptfigur und macht sie zum Helden. Sie macht dies aber keinesfalls blauäugig. Auch Clarks Wandel zum halbwegs teamfähigen Chef findet nicht auf die schlichte, blauäugige Kinoart statt, auch hier arbeitet sich der Film Schritt für Schritt durch. Man ist stets hin und hergerissen zwischen den Erfolgen des Mannes und seiner ärgerlichen Methoden, und dieser Effekt ist gewollt und soll sich am Ende keinesfalls einpendeln. Das Leben ist nun einmal so wie es ist, und damit hat sich der Zuschauer ebenso abzufinden wie der autoritäre Rebell Clark, der sich ebenfalls irgendwann der Realität stellen muss.

Die Stärken des Films liegen zum einen in John G. Avildsen gewohnter Routine sich mit dem Ghettoleben und anderer Mentalitäten auszukennen, so wie er es bereits mit seinen Erfolgen „Rocky“, „Karate Kid“ und diesbezüglich nicht zu unterschätzen auch „Karate Kid 2“ bewiesen hat. Dass er auch stets zu Klischees neigt zeigen diese Vergleiche ebenso, aber doch schafft es der gute Mann immer wieder, trotz kurzfristigem Abrutschen in den Kinomainstream, sehenswerte Filme hervorzubringen, so auch geschehen mit „Der knallharte Prinzipal“, der viel von seinem Hauptdarsteller Morgan Freeman lebt. Man sollte das Drama im Originalton gesehen haben, ist es doch eine Wucht den Propagandareden, den verirrt scheinenden Prinzipschimpfereien und Wutausbrüchen und den mutmachenden Worten dieser redegewandten Hauptfigur in Freemans Tonlage beizuwohnen. Die deutsche Synchronisation degradiert einen hervorhebenswerten Film zur Mittelmäßigkeit, eben weil die Stimme Freemans bereits der halbe Preis zum Erfolg dieses Streifens ist.

Wer sich politisch linksgerichtet zu sehr über die Methoden Clarks aufregt, dem sei gesagt dass „Lean on Me“ trotz seiner Heldenverehrung gen Schluss keinesfalls unkritisch mit der Hauptfigur umgeht. Gelingt es einem einen rationalen Blick auf Avildsens Werk zu werfen, erkennt man die vielschichtigen Perspektiven, mit denen hier gearbeitet wird, so dass der Film vom Testerfolg am Ende einmal abgesehen ansonsten frei jedes Einmischens funktioniert. Er zeigt die Dinge wie sie geschehen, er zeigt Methoden die wirksam sind, ob sie uns schmecken oder nicht, und er zeigt Menschen in ihrer Vielschichtigkeit und zeigt wie unterschiedlich positive und negative Charaktereigenschaften im selben Körper wohnen. Mit solchen Methoden entzieht sich der Film einer klassischen Gut-Böse-Trennung. Dass er an anderer Stelle mit Sozialkitsch verägert oder eine Gruppe singender Jugendlicher auf dem Klo wie professionelle Tenöre wirken lässt, entrückt ihn immer wieder kurzfristig von diesem Wahrheits- und Realitätsgehalt. Dank einer ungerechten Gewichtung übertrumpft meiner Meinung nach jedoch der positive, vielschichtige Aspekt des Stoffes und wird immer nur kurzfristig von solchen Kinokrankheiten befallen. In der Deutschfassung schaden diese Schwachpunkte dem Ergebnis jedoch erheblich mehr als im Originalton.  OFDb

03.05.2016

TED 2 (2015)

Wer damals aufgrund der provokativen Cartoon-Serien Seth MacFarlanes vom ersten „Ted“ eine provokative Komödie erwartet hat, der hat zum einen „American Dad“ und „Family Guy“ auf ein zu hohes Podest gestellt, so Publikums-berechnend die dortigen Provokationen ausfallen und zum anderen nicht bedacht, dass man nicht gleich eine Komödie frei von Gefühlen und Feel-Good-Momenten kreieren muss, um zu provozieren. Wie sähe so ein reiner Asi-Film aus, den sich manche Filmfreunde scheinbar wünschen, wenn sie den Film verurteilen weil er zu brav ausgefallen sei?

Wenn man etwas zu Recht kritisieren konnte und durfte, dann war das die zu innovationsfrei geratene Geschichte, welche von einem Klischee zum nächsten hüpfte. Und wer damit Probleme hatte sollte sich „Ted 2“ am besten gar nicht angucken, denn viel geändert hat sich an diesem Zustand nicht. Dass beide Filme meiner Meinung nach dennoch konsumierbar bleiben, liegt an den kleinen aber feinen Randideen, welche die ganze Chose entkrampfen. Zwar geht mir das ewige Pro-Kiffer-Getue nach wie vor auf die Nerven, weswegen ich es auch nicht dazu zähle, aber an sich weiß „Ted „2“ zu unterhalten wenn man sich auf ein kleines überraschungsfreies Sonntag-Nachmittags-Filmchen ohne Anspruch einstellt und akzeptieren kann, dass es sich an einer Idee aus dem Film „Nummer 5 gibt nicht auf“ bedient.

Wirklich unerträglich ist erst der Schluss ausgefallen, für dessen mieseste Szenen auch noch Morgan Freeman herhalten musste. Es wäre traurig gewesen der alte Mann hätte hier seine letzte Vorstellung gegeben. Gut dass er scheinbar noch kerngesund ist, solch einen erbärmlichen Abschied von der Leinwand hätte ich ihm auch nie im Leben gewünscht. Aber was kann den guten Mann dazu veranlasst haben für solch eine anbiedernde Rolle, die frei jeglicher Herausforderung ist, mit an Bord zu kommen? Die Figur ist eindimensional ausgefallen, wird so wenig wie möglich eingebaut, und ist rein des Schnulzeffektes da, den jene Art Film benötigt, welche die „Ted“-Reihe gerne verarschen würde. Scheinbar ist es in Amerika einfach nicht möglich auf dem Markt der Familienfilme ohne ein dick aufgetragenes überkitschtes Happy End zu bestehen.

Wirklich ärgerlich ist hingegen die Tatsache, dass der Film arg heuchlerisch daherkommt wenn er Lebewesen mit Seele Gehör schenken will, quasi die Botschaft vermitteln will dass jedes fühlende Wesen Rechte besitzt, dies aber scheinbar gleichgestellt wird mit der arg fragwürdigen Haltung, dass es sich dann automatisch um einen Menschen handeln müsse. So streitet man im Film nicht um die Frage ob Ted ein Lebewesen mit Menschenrechten ist, weil er wie diese denkt und empfindet, sondern darüber ob der Teddybär als Mensch anerkannt wird oder nicht. Leider gehört dieser Blödsinn für jeden der Augen im Kopf hat um zu erkennen dass Ted kein Mensch ist zu den Dingen die man im Film ernst nimmt. Und da wird es schon schwierig als Erwachsener noch zum Zielpublikum dazuzugehören.

Von diesen Ärgernissen einmal abgesehen, mit denen ich leider mittlerweile in amerikanischen Komödien automatisch rechne, schaut sich „Ted 2“ eigentlich recht spaßig und kurzweilig, allerdings habe ich nach dem ebenso schlichten Teil 1 auch keine hohen Ansprüche an den Stoff gestellt, den man in den Händen guter Autoren zu einer richtig guten Geschichte hätte werden lassen können. Andererseits ist es erstaunlich dass sich ein an sein Publikum so anbiedernder Film überhaupt noch brauchbar guckt, zumal man mit Mark Wahlberg eine der Schnarchnasenstars schlechthin in der Hauptrolle besetzt hat, ein Typ über dessen Starruhm ich mich bei seiner blassen Ausstrahlung und dem mangelnden Schauspieltalent immer wieder nur wundern kann.  OFDb

04.06.2014

OBLIVION (2013)

Bereits in Spielbergs Science-Fiction Hit „Krieg der Welten“ fiel mir erstmals auf, dass Tom Cruise nach jahrelangem abgefilmt werden endlich so etwas wie ein Schauspielern in seinem Tun erkennen ließ. Nun, Jahre später in „Oblivion“ muss ich sagen: der Mann kann es endlich. Er weiß in einer Rolle zu überzeugen. Meist agierte er bisher mehr schlecht als recht in sehenswerten Filmen, oft so besetzt, dass er innerhalb seiner Grenzen glaubwürdig blieb und nicht zu viel Schaden anrichten konnte. Hier nun darf er mehr denn je im Mittelpunkt stehen, tragische wie actionreiche Taten bestehen und simsalabim: man glaubt es ihm.

Schön dass sich Cruise gerade jetzt in seinem langjährigen Job weiterentwickelt hat, denn „Oblivion“ ist ein kleiner Geheim-Tipp im Science Fiction-Kino der Neuzeit, auch wenn er durchaus Ansätze bekannter Stoffe besitzt. Aus relativ jungen Jahren erinnert so manches an „Wall-E“ und „Moon“, aber auch klassische Werke wie „Planet der Affen“ und "Der Omega Mann" linsen immer wieder um die Ecke. Die bekannten Elemente sind dabei nie zu dominant vorhanden, so dass sich „Oblivion“ nicht wie ein Zusammenklau vergangener Erzählungen a la „Harry Potter“ und „Krieg der Sterne“ anfühlt, sondern eher eine Weiterführung des gesellschaftskritischen Endzeit-Kinos geworden ist, anstatt nur ein naiv-charmanter Ableger dessen.

Zur wichtigsten Grundlage um dies überhaupt erreichen zu können, gehört ein für unsere Kinozeiten erstaunlich gelungenes Drehbuch mit psychologisch glaubwürdigem Szenario und ebensolchen Figuren, allerhand überraschender Wendungen, genügend Potential zur Dramatik und einer Geschichte, der stets mehr Beachtung geschenkt wird als den Spezialeffekten, die Blockbuster-typisch nicht gerade zweitklassig und selten zu sehen sind. „Oblivion“ lebt von seinen glaubwürdigen Charakteren und macht sich den Erzählstil modernerer Popkorn-Filme a la „Pacific Rim“ zu Nutze einen schnell abgearbeiteten Großteil der Vorgeschehnisse zu präsentieren, um diesen für einen gewitzten Kniff zu nutzen.

Was einst passierte ist glaubwürdig vorgetragen und umgesetzt, schnell findet sich der Zuschauer im Geschehen zurecht und recht schnell baut man eine Identifikation mit dem Helden Jack auf. Geschickt wird mit den Vermutungen des Zuschauers gespielt, mit denen teilweise offen gepokert wird. Manches Mal fliegen dem Publikum aber auch Überraschungen urplötzlich um die Ohren. Dabei hält der Film immer ein tolles Gleichgewicht aus Spannungsmomenten, Action und dem Dramenbereich, während die Geschichte gekonnt Popkorn-Kino mit tiefgehender Story zu vereinen weiß, so dass modernes Kino endlich mal wieder nicht nur geistlos daher kommt, sondern ganz im Gegenteil auch so einige Herausforderungen für den Geist des Publikums bietet.

Zudem schaffen es Regie und Autor ihr Werk zu möglichen Diskussionsgrundlagen werden zu lassen, z.B. in seiner höchst Ethik-kritischen Schluss-Szene, die weit über das hinaus geht was bereits in Szenen-ähnlichen Werken wie „Appleseed 2“ erzählt wurde. In solchen Momenten weiß „Oblivion“ gekonnt zu provozieren und dem Zuschauer nicht nur Altbewährtes schlucken zu lassen.

Danke für so viel Mut, Ideenreichtum und Respekt an der Sache, denn nur auf diesem Wege konnte dem Science Fiction-Fan mal wieder mehr beschert werden als kurzweilige Sinnlos-Kost zum Kopfabschalten. Mir hat das moderne Blockbuster-Kino mit „Oblivion“ ein überraschendes, völlig unerwartetes Geschenk bereitet, von dem ich froh bin, dass ich es überhaupt entdeckt habe, bei all den wenigen aktuellen Großproduktionen die ich überhaupt noch gucke.  OFDb

31.12.2013

BRUCHREIF (2009)

Da holt man sich Morgan Freeman, Christopher Walken und William H. Macy an Bord für eine Geschichte um charmante alte Herren, die im Alter ein Verbrechen planen, und dann verschenkt man die Möglichkeiten an einen Plot wie er nicht noch mehr 08/15 sein könnte. Um so erstaunlicher ist das nüchterne Ergebnis, wenn man bedenkt dass Freeman sogar als Produzent mit an Bord sprang, scheinbar überzeugt der Stoff könne was bieten. Stimmt theoretisch schon, aber dann hätte man auch ein Drehbuch benötigt, dass mehr Ideen gehabt hätte als jene die den Auslöser allen Geschehens darstellt. „Bruchreif“ kommt nicht zu Potte, schafft es aber immerhin dank sympathischer Charaktere über die Ziellinie, ohne dass man vor Müdigkeit vorzeitig ausschalten muss. Interesse weckt die Geschichte nach etwa 20 Minuten aber leider nicht mehr. Den Schauspielern sieht man ihre Unterforderung an, und der lobenswerte Aspekt wieder mehr Respekt vor Kunst in einer von Wirtschaftsinteressen dominierten Welt zu haben geht fast unter in einer sich an Nichtigkeiten klammernden Geschichte. Das beste am Film ist noch sein deutscher Werbespruch: „Sie sind keine schlechten Menschen - nur schlechte Diebe“.  OFDb

11.05.2013

MISS DAISY UND IHR CHAUFFEUR (1989)

Miss Daisy bekommt gegen ihren Willen von ihrem Sohn einen Chauffeur engagiert, nachdem sie mit ihrem Wagen einen Unfall gebaut hat. Nach einiger Zeit der Ignoranz kann der schwarze Hoke sie dazu bewegen, sich von ihm endlich fahren zu lassen. Im Laufe der Jahre entwickelt sich auf seine ganz eigene Art eine Freundschaft zwischen den beiden...
 
Was das Leben wichtig macht...
 
Es darf schon ein wenig verwundern, dass ein Film, in dem relativ viel Auto gefahren wird, ausgerechnet auf einem Bühnenstück basiert. Schaut man sich „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ an, lässt sich dies allerdings auch gar nicht übersehen, so sehr stehen Dialoge im Vordergrund, wirken Abfolgen von Geschehnissen episodenhaft und schaut sich die Geschichte trotz häufiger Ortswechsel doch fast Kammerspiel-artig.

Das großartige an Beresfords Regie-Arbeit ist die unaufgeregte Erzählweise, entwickelt sich die Geschichte doch ebenso still und sensibel wie die Freundschaft von der sie erzählt. Klischees werden nie bedient, und ins Reißerische rutscht man auch nie ab. Das hätte passieren können, wenn man von einer Jüdin und einem Schwarzen in den Südstaaten erzählt, zu einer Zeit in der rassistische Ansichten zum Alltag gehörten. Aber diese Problematik und der Wandel der Gesellschaft (der Film spielt über mehrere Jahrzehnte) ist ohnehin nie Zentrum des Films. Solche gesellschaftlichen Probleme und Veränderungen sind nur einflussbare Randerscheinungen zweier Menschen, die sich auf recht ungewöhnliche Art durchs Leben begleiten.

Unterschiedlicher könnten beide nicht sein, und so ist es wichtig zwei so starke Persönlichkeiten von guten Schauspielern verkörpern zu lassen. Während Jessica Tandy bereits durch Bühne und Film eine Berühmtheit war (sie durfte bereits eine alte Dame im 26 Jahre zuvor gedrehten „Die Vögel“ spielen), bedeutete die späte Rolle Freemans den Durchbruch für den damals 62jährigen, der 2006 in „The Contract“ noch einmal für Regisseur Beresford vor der Kamera stand.

Der Sohn, die drittwichtigste Rolle, wurde gegen den Strich mit US-Komiker Dan Aykroyd besetzt, was sich als für viele Menschen überraschend passend herausstellte, so dass er später in „Chaplin“ und in „My Girl - Meine erste Liebe“ ebenfalls in dramatischen Rollen vergangener Zeiten eingesetzt wurde, bevor es ruhig um den talentierten und improvisationsfreudigen Aykroyd wurde.

So gut das Trio auch schauspielert, gebührenden Respekt muss man auch der Maske aussprechen, welche die drei auf beeindruckende Art durch 25 Jahre Alterungsprozess begleitet und dabei immer glaubwürdig bleibt. Fallen bei Freeman eher die heller werdenden Haare auf, sind die Erscheinungen des Alterns bei den anderen beiden doch recht raffiniert umgesetzt, bis hin zu den Altersflecken auf Aykroyds Haut, die eher unterschwellig wahrgenommen werden, so wenig wie sie sich aufdrängen.

Aber das ist ohnehin genau der Clou des Films: er drängt sich niemals auf. Man muss schon ein recht unsensibler Zeitgenosse sein, um „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ langweilig zu finden. Ereignislos ist die simple Geschichte nie, und wer selbiges doch so sieht, hat gar nicht erst verstanden worum es in dem Film geht. Um so mehr darf man Beresford und den Autor des Films, der auch für die Vorlage im Theater verantwortlich war, dazu beglückwünschen, die Geschichte nicht mit dem Tod von einem der beiden Protagonisten enden zu lassen, denn der ist gar nicht wichtig für das Zentrum dessen was erzählt werden soll. Am Ende zählen die wichtigen gemeinsamen Augenblicke in einem Lebensabschnitt dem manch einer aufgrund seiner Endgültigkeit schon keine Bedeutung mehr einräumt.

Es ist wichtig was wir aus unserem Leben machen, wie wir es mit Leben füllen. Und es ist wichtig dem Charakter treu zu bleiben. „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ bleibt der Zeit in der er spielt und seinen Charakteren immer treu und spiegelt damit nicht jene Freundschaft wieder, wie wir sie heutzutage verstehen würden. Miss Daisy selbst erkennt diese ohnehin erst recht spät, was aber nicht einmal zum dramatischen Aspekt der Geschichte wird, hat sie doch keine Zeit verloren, sondern, ganz im Gegenteil, diese intensiv gelebt mit Hoke verbracht.

Sicherlich ist das Leben vergänglich, und das sieht man auch am Sohnemann, der im Laufe der Zeit selbst mit diesem Bewusstsein konfrontiert wird und irgendwann selbst ein alter Mann wird, der sich um seine noch ältere Mutter noch immer kümmert. Aber es geht nie um die Erlebnisse auf den letzten Metern, sondern einfach um die Erlebnisse selbst, so schlicht sie auch sein mögen. Und es geht freilich um die Gefühle, die mit ihnen einhergehen. Dass zu Zeiten der Streitgesellschaft, das Gegenstück der heute gelebten Political Correctness, auch die Auseinandersetzungen, die Diskussionen und der Streit zu den positiven Momenten des Gelebten dazu gehören, mag manch einer der in der modernen heutigen Mentalität feststeckt nicht mehr nachvollziehen können, aber das zeigt nur wieviel reifer der Film im Vergleich zur heutigen Gesellschaft ist.

„Miss Daisy und ihr Chauffeur“ begleitet mich nun schon seit meiner Jugend durch mein von Filmleidenschaft geprägtes Leben, und er schafft es noch immer mich zu beeindrucken, mich zu unterhalten und mir ein Wohlgefühl zu bescheren. In einer Zeit der Hektik, der Oberflächlichkeiten und in welcher Leistungsdruck von vielen zum immer wichtiger werdenden Element der Welt wird, zeigt er einem was im Leben wirklich wichtig ist.  OFDb

09.02.2013

SIEBEN (1995)

Detective Mill soll den Posten des in Rente gehenden Detective Somerset übernehmen. In der Übergangszeit arbeiten sie zusammen an einer kranken Ritual-Mordserie. Ein Psychopath ermordet seine Opfer nach und wegen der sieben Todsünden...
 
Feiner Sand...
 
„Sieben“ ist ein spannender Thriller mit einem guten, wenn auch etwas aufgesetzten Thema. Die Umsetzung ist sehr düster gehalten, das betrifft sowohl Bilder, wie auch Thematik, Umfeld, Psychologie und die Morde selbst. Diese werden trotz ihrer Extreme nie voyeuristisch eingesetzt, obwohl die provozierende Story auch gegenteiliges hätte zulassen können. Allein aus diesem Grund würden sich „Sieben“ und „Saw“ auch nie ernsthaft vergleichen lassen, wie es das Poster zu „Saw“ dennoch tat.

In „Sieben“ werden zwar unglaublich widerlich ermordete Tote gezeigt, aber die düsteren Bilder ersparen einem den letzten Schritt zum Kotz-Feeling. Das könnte beim zartbesaiteten Publikum allerdings anders sein. Interessant ist hierbei, dass die dunklen Bilder sowohl verstören als auch abschwächen sollen. Meist werden Leichenfundorte mit der Taschenlampe untersucht, da streift der Lichtstrahl nur hin und wieder über die furchtbar zugerichteten Toten. David Fincher war sich aber im klaren, dass das kurze Zeigen in Kombination mit der Phantasie des Zuschauers wesentlich extremere Ergebnisse erzeugt, als eine Voyeurnummer wie „Saw“ und Co.

Aber Fincher setzt noch auf andere Methoden. Ich fand es z.B. eine sehr gelungene Idee, die Großstadt so laut wirken zu lassen, wie sie wirklich ist. Am Anfang noch gewöhnungsbedürftig, sind die Stimmen leicht runtergeschraubt. Ständig sind die Hintergrundgeräusche der Stadt zu hören. Das kommt bei einem gewissen Teil der Zuschauer sicherlich nur unterbewusst an, so dass der psychologische Effekt beim Sichten verstärkt, da von ungewisser Herkunft, wirken kann.

Wer sich von der wirklich gelungenen dreckigen Atmosphäre des Kriminalfalles nicht komplett einlullen lässt, kann auch sehr interessante gesellschaftskritische Aspekte in „Sieben“ entdecken. Das beginnt nicht erst mit den Erklärungen des Täters auf der Fahrt zum finalen Handlungsort. Bereits die Figur, die Brad Pitt so gelungen spielen darf, ist erster Auslöser, und damit ja letztendlich auch der geniale Trick der bitterbösen Schlusspointe. Es drängt sich gerade zu die Frage auf, was das für eine Gesellschaft ist, in der ein so jähzorniger Mann wie Mill bei der Polizei arbeiten darf. Und mehr noch, wie konnte eine so fragwürdige Person überhaupt zum Detective befördert werden? Die Antwort gibt der Mörder selbst im besagten Autogespräch.

Man hat sich an das viele Schlechte im Alltag viel zu sehr gewöhnt. Lügende Politiker werden als normal angesehen, gewalttätige Polizisten sind keine Ausnahme mehr, fast jeder denkt nur noch an sich. Da dies ein Nerv ist, der jeden von uns trifft, ist es nicht verwunderlich, dass mit „Sieben“ und „Falling Down“ gleich zwei Filme gedreht wurden, in denen es um dieses Thema geht. Sie sind mit nur 2 Jahren Unterschied fast zeitgleich erschienen, zu einer Zeit, in der das Problem langsam auch in das Bewusstsein des Durchschnittsbürgers eingedrungen ist.

Wo „Falling Down“ provokativ damit spielt, den Zuschauer zum Sympathisanten der Rolle Michael Douglas' zu machen, erwicht man sich bei „Sieben“ nur für kurze Momente dabei dem religiösen Mörder recht zu geben. In beiden Filmen würde man zwar nie die Taten gut heißen, dennoch steht der Zuschauer orientierungslos mit der Frage im Kopf da, wie er sich sonst von diesen Ungerechtigkeiten in der Welt frei machen kann. Er kennt die Antwort nicht, und die radikalen Lösungen der Mörder kann er mit seinem Gewissen nicht vereinbaren. In gewisser Hinsicht mag das Heuchelei sein, denn beim Akzeptieren der Lügen und Gewalttaten im Alltag ist das Gewissen ohne große Mühen ausgeschaltet. Der Mensch ist ein Gewöhnungstier und reagiert in „Sieben“ nur deshalb so allergisch auf das was er sieht, weil es (glücklicher Weise) nicht Alltag ist.

Interessant ist, dass diese Thematik nur gestreift wird. Finchs Thriller ist zwar dafür da genau davon zu berichten, er ist aber so dicht und düster erzählt, dass er dies gut zu verstecken weiß, um über Umwege beim Zuschauer anzukommen. Der Nachteil einer solchen Erzählweise ist sicherlich der, dass diese Botschaft nicht bei jedem ankommt. Aber Kino ist nur selten bloßes hirnlos Filme gucken. Wer das Medium missversteht, dem kann man nicht helfen. Immerhin weiß „Sieben“ auch diesen Menschen dennoch zu gefallen, eben weil er so ein spannendes Stück Kino ist, das zudem noch hervorragend besetzt ist.  OFDb

30.12.2012

THE DARK KNIGHT RISES (2012)

Seit seiner dramatischen Entscheidung vor acht Jahren lebt Bruce Wayne zurückgezogen und hat sich auch als Batman nicht mehr blicken lassen. Als ein gewisser Bane Gotham City terrorisiert und dort schließlich für Anarchie sorgt, kehrt er gegen den Willen von Alfred zurück...

Willkommen in der Matrix...
 
Als großer Freund von „The Dark Knight“ habe ich mich sehr auf die Fortsetzung gefreut, darauf vorbereitet dass diese mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht so genial ausgefallen ist wie sein Vorgänger. Mir hätte es schon gereicht, wenn „The Dark Knight Rises“ das Niveau eines „Batman Begins“ erreicht hätte, aber mit einem derart mauen Ergebnis wie vorliegend habe ich so gar nicht gerechnet, waren doch alle wichtigen Beteiligten von Teil 2 auch in diesem Teil 3 wieder mit dabei, ausschließlich Heath Ledger, der leider nicht mehr unter uns weilt.

Schade, dass das Thema Joker gar nicht mehr angesprochen wird, es hätte mich interessiert was genau aus ihm geworden ist. Aber das ist inhaltlich die einzige Vernachlässigung, die man Nolan vorwerfen kann, denn eins muss man ihm lassen: er macht aus seinem Teil 3 tatsächlich eine Trilogie, so dass Handlungsfäden aus den Vorgängern zusammengefügt werden, neue Perspektiven eröffnet werden und am Ende des hier besprochenen Filmes alle drei Teile zu einem Ganzen werden. Allerdings bezieht sich die Vereinigung der drei Filme lediglich auf den Inhalt. Von seiner Wirkung her stellt sich Nolan mit dieser Fortsetzung selbst ein Bein, denn die will intellektuell so gar nicht zu den beiden Vorgängern passen, was schon schade ist, da „The Dark Knight Rises“ neben toller Actionszenen, gutem Design und toller Darsteller auch eine interessante Geschichte erzählt, in der es wie im Vorgänger hoch politisch her geht, die aktuellen Zustände Amerikas beachtet werden und mal wieder vor dem falschen Erlöser in Zeiten von Betrug am Volk gewarnt wird.

Cleverer Weise ist „The Dark Knight Rises“ nicht der Anwalt des bestehenden Systems, wie man in mancher Besprechung lesen durfte, sondern lediglich die Warnung vor einer Alternative, die ebenso fragwürdig ist. Die Alternative zu schlecht ist nun einmal nicht zwingend ihr Gegenteil und kann im übelsten Fall sogar ebenso schlecht sein. Ein solcher Fall ist Bane. Leider ist Bane alles andere als ein würdiger Gegner Batmans. Was uns hier als Bösewicht vorgesetzt wird ist schon sehr enttäuschend, ist Bane doch lediglich ein kleiner Prolet mit Minderwertigkeitskomplexen, und da seine Gesichtsbekleidung nichts anderes zulässt, kann auch sein Darsteller mimisch nichts aus dieser Figur herausholen. In der deutschen Fassung redet er gar wie der letzte Vollproll, womit man Freunden billigster Schundfilm-Unterhaltung im Action-Bereich eine Freude gemacht hat, nicht aber dem Cineasten, der nun voller Erschrecken feststellen muss, dass die in den Vorgängern verwendete deutsche Batman-Stimme, die so albern und kindisch das Gesamtbild seiner Auftritte schädigte, in „The Dark Knight Rises“ nun erweitert zu Hause angekommen ist inmitten von Kindergarten-würdigen Elementen, die der erwachsenen Thematik des Filmes nicht gerecht werden.

Da haben wir also zwei Proleten in den wichtigsten Rollen, die nicht nur durch ihre Stimmen und ihr Tun infantil wirken, sondern auch noch durch die ihnen zugeschriebene Dramatik, die es diesmal nicht, im Gegensatz zu den Vorgängern, schafft als Comic-artige Mystik zu wirken, sondern schlichtweg als überzogenes Getue ohne emotional beim Zuschauer anzukommen. Damit teilt sich „The Dark Knight“ nun das selbe Schicksal wie seinerzeit „Matrix“. Beiden großen Filmen wurde in der Fortsetzung die Seele geraubt, um Gefühle und Intelligenz zu heucheln, anstatt tatsächlich an die Inhalte der Geschichte und ihrer Figuren zu glauben. Zumindest sind die Spezialeffekte in „The Dark Knight Rises“ besser umgesetzt als in „Matrix 2“. Ansonsten sind beide Werke jedoch wunderbar zu vergleichen, wenn statt Denkansätze Leergeschwätz um die Ohren weht, das gerne tiefsinnig wäre und Schicksale präsentiert werden, die in ihrer Dramatik so dick aufgetragen werden, dass sie nur noch lächerlich wirken (schönes Beispiel hierfür ist Waynes Rückzug in den abgelegensten Winkel seiner Villa).

Im Gegensatz zu „Matrix 2“ ändert „The Dark Knight Rises“ zumindest nichts an den Nebenfiguren des Vorgängers, die mit ihrer Stärke aber leider gegen Windmühlen ankämpfen. Der stets sympathisch besetzte Michael Caine kommt zu kurz vor um etwas retten zu können und wird, ganz im Gegenteil, gegen Ende in eine Szene eingebaut, die es im Vorgänger erstens so nie gegeben hätte und die zweitens, wenn es sie denn gegeben hätte, nicht so mit den Holzhammer vorbereitet worden wäre, wie hier geschehen - ein weiteres Beispiel dafür, dass man lieber den denkfaulen Kinogänger unserer Zeit glücklich machen wollte, als den mündigen Cineasten, der noch mit zum Zielpublikum von Teil 2 gehörte. Morgan Freeman und Gary Oldman spielen souverän wie immer, und von Oldmans Rolle kann man zumindest behaupten, dass diese in ihrer Dramatik zumindest meist zu funktionieren weiß. Interessant da nicht zu dominant eingebracht wird Catwoman, und auch die Vorbereitung auf eine weitere bekannte Figur des Batman-Universums kann sich sehen lassen. Sie ist ein weiteres Beispiel dafür, wie gut die Geschichte in ihrer Theorie ist und in der Praxis hätte funktionieren können.

Also, wer schon immer dachte eine gute Geschichte, eine tolle Optik und rasante Action machen in dieser Kombination automatisch einen guten Film, der wird von „The Dark Knight Rises“ eines besseren belehrt, zumindest dann wenn er sich ein wenig mit Psychologie auskennt und gefühlsmäßig noch nicht auf plumpe Kino-Klischees hereinfällt. Wer Kino mit Köpfchen sehen will, ist im falschen Film. „The Dark Knight Rises“ unterscheidet sich in diesem Punkt nicht von den meisten anderen Blockbuster-Kollegen. Er ist in diesem und den anderen im Text erläuterten Defiziten sogar so stark betroffen, dass er sogar kaum als eigenständiger Film punkten kann. „The Dark Knight Rises“ ist nicht nur eine enttäuschende Fortsetzung, er ist somit auch ein mauer Film, selbst ohne Blick auf „The Dark Knight“.  OFDb

11.11.2012

THE DARK KNIGHT (2008)

Ein Psycho, geschminkt wie ein Clown, beklaut die Mafia und schafft es diese in die Knie zu zwingen. Der Joker, wie er sich selber nennt, verbreitet Terror in ganz Gotham City und scheint kein wirkliches Ziel zu haben. Den Staatsanwalt Dent erwartet durch Jokers Spiel ein besonders übles Schicksal. Kann Batman den Psychoclown aufhalten?...

Ein Comicheld wird real... 
 
Was, schon wieder ein Superhelden-Film? So wird sicherlich der ein oder andere reagiert haben. Und kaum eine Frage könnte irrtümlicher sein. Die Antwort lautet ganz klar nein, und sie kommt nicht von mir sondern von Regisseur Christopher Nolan persönlich. Und die Antwort ist ein zweifaches Nein. Denn die Frage impliziert ja eigentlich die Erwartung an etwas durchschnittliches, halt „wieder ein Superheldenfilm“. Doch was Nolan dem Zuschauer alles an Action, Informationen, Bildern, Philosophischem, Sozialkritischem und Unterhaltung zuwirft ist alles andere als Routine. Hier also schon mal ein klares Nein.

Das zweite betrifft die Formulierung Superheld. Die kompletten 150 Minuten befasst sich Nolan mit dem Widerlegen der allgemeinen Annahme Batman wäre ein Superheld. Er war schon immer anders als die anderen Helden im Kostüm, und Nolan erklärt uns warum, und er beantwortet dies mit der Feststellung dass der Fledermausmann überhaupt nicht zu dieser Gruppierung dazugehört. Und das ist nun kein Geschwätz eines Reviewautors, der meint tolle analytische Entdeckungen gemacht zu haben, Nolan selber beantwortet diese Frage mit klaren Worten am Ende des Filmes. Dass Batman kein Superheld ist, ist die Kernaussage von „The Dark Knight“, Nolan braucht die komplette Laufzeit um auf diese Information hinzuarbeiten.

Durch die Jahrzehnte seiner Präsenz in Heftform, TV-Serie und Film ist Batman eine besonders bekannte Figur geworden. Selbst wer sich mit ihm nicht näher befasst hat, kennt einige Elemente, die immer wieder auftauchen. Der Fledermausmann ist einfach legendär. Diese nach Fangeschwätz klingende Thematik reiße ich deshalb an, weil Nolan seine Batman-Filme sehr anders erzählt. Eigentlich sind die Geschichten um Batman sehr phantastisch, obwohl der Held selber keine Superkräfte hat. Aber in „Batman Begins“ und „The Dark Knight“ zaubert Nolan etwas ganz besonderes. Er zaubert Batman in unsere Welt hinein.

Batmans bisherige Welt war an der unseren orientiert, wirkte aber dennoch immer wie eine fremde Comicwelt. Klar war Gotham City immer nur ein Synonym für New York, durch die düsteren Bilder wirkte es dennoch immer wie ein phantastischer Ort. Und ganz besonders die Figuren schienen nicht von dieser Welt zu sein. Nolan verfrachtet die bekannten Batman-Elemente nun in unsere Welt. Er verfremdet nicht mehr. Die Stadt sieht aus wie die Großstädte, die wir kennen. Die Figuren haben nachvollziehbare Hintergründe, sie sind, trotz ihrer Extreme und freakhaften Art, in unserer Welt durchaus denkbar.

Noch nie konnte man sich einen Rächer im Tierkostüm real vorstellen, aber die beiden neueren Verfilmungen des dunklen Rächers gehen durch den Verzicht reiner Verfremdung den Schritt in diese Richtung. Batman wird zu Fleisch, er wird auch in unserer Welt denkbar. Die Aktionen selber sind reines Actionkino a la James Bond und fern jeder Realität. Die Grundlagen selber sind es nur bedingt. Was in den Filmen geschieht ist sehr individuell und zufällig. Was hier geschieht könnte nicht jeden Tag geschehen, es ist realistisch gesehen nicht einmal wahrscheinlich. Wenn mehrere unerwartete Extreme aufeinander treffen ist es allerdings möglich. Und die beiden Filme zeigen uns diese unsere Welt, in der das Unerwartete möglich geworden ist. Das macht die beiden Werke für mich so interessant.

Trotz aller Phantastereien wirken die Filme so unglaublich realistisch. Gerade die Menschlichkeit der Schurken macht da viel dran aus. Ihre Optik ist keine reine Maske mehr, sie ist entweder nachvollziehbar, schlicht oder gleich beides. Hier hüpfen übelste Figuren durchs Bild, die man so auch auf der Straße sichten könnte. Man tut es nicht, sie sehen nicht alltäglich aus, aber sie sind denkbar. Diese Realitätsnähe (und ich betone, dass ich dies nur in diesem Punkten meine, nicht in den feuerwerkartigen Aktionen der Action) funktioniert nur deshalb, weil Batman so unglaublich bekannt ist.

Wäre Batman auf diese Art geboren, wäre er kaum beachtet worden. Es wäre langweilig und lächerlich gewesen. Aber jetzt, wo ihn jeder kennt, da wirkt ein zu Fleisch gewordener, verkleideter Rächer in realer Umgebung plötzlich positiv. Erst aus dem Phantastischen auferstanden bekommt er realitätsnah seine Wirkung. Zu Tim Burton-Zeiten war dies, trotz des bereits damaligen Bekanntheitsgrades, noch nicht möglich. Man wäre sich verarscht vorgekommen, Hollywood musste sich zunächst einmal auf klassische Art mit der Thematik austoben. Aber mit „Batman Begins“ war die Zeit reif und mit „The Dark Knight“ wird dieser Eindruck erneut bestätigt.

Möglich ist diese Realitätsnähe mitunter auch nur deshalb, weil wir hier eines sehr erwachsenen Film vorliegen haben. Voreilig wurde dies schon von den „X-Men“-Werken behauptet, und ganz abstreiten kann man es nicht, die Thematik die da ab und an aufblitzte war recht erwachsen, die kompletten Filme an sich waren es allerdings nicht. Auch bei „The Dark Knight“ bin ich da etwas vorsichtig, stimmt die Behauptung doch immerhin nur bedingt in einer Welt mit Faszination für Comicverfilmungen. Erwachsene freuen sich ihre Comichelden auf der Leinwand zu sehen. (auch eine Grundlage ohne die das im Absatz zuvor besprochene Thema kaum möglich gewesen wäre). Nichts klingt ferner der Reife.

Innerhalb dieser Realität aus kindlicher Freude kann man „The Dark Knight“ allerdings durchaus als sehr erwachsen betrachten. Der Film nimmt seine Figuren ernst. Er baut aktuelle Thematiken aus Politik ein. Er geht mit der Figur des Helden kritisch um. Er überrascht immer wieder mit Doppelbödigkeit. Und auch das Reinprojizieren der Comicelemente in unsere Welt sorgt letztendlich für diesen Eindruck. Die tiefergehenden Themen werden meist nicht nur angerissen. Fast jedes Thema ist ebenso diskutabel wie die Figur des Helden selber. Sozialkritische oder auch weniger kritische Äußerungen sind anfechtbar und somit ebenso zum Diskutieren geeignet wie die politischen Ansichten, die der Film aufwirft, oft auch nur in zweiter Reihe, von einigen vielleicht nicht bemerkt.

Am auffälligsten ist die Thematisierung des immer wieder aktuellen Überwachungsstaates. Hier zeigt Batman erneut wie fragwürdig er ist. Dass er kein Charakter ist den man gutheißen könnte. Der Film selber kann sich gerade in diesem Bereich von kritikmöglichen Schwachpunkten nicht frei sprechen. Auf der einen Seite wird das Ausspionieren der Gesellschaft als etwas Böses angekreidet (verkörpert durch die Rolle von Freeman), auf der anderen Seite heißt der Gegner dieser Möglichkeiten das Anwenden der von ihm kritisierten Vorgehensweise das eine mal gut. Dieses eine Mal darf es aber gar nicht geben. Es ist dieses eine Mal, das für Ungerechtigkeit sorgt. Nur das eine Mal, und dann hat man solche Ideen für immer an der Backe. Nur das eine Mal, für das eine große Ausnahmeziel. Ein solches wird es immer geben.

Ich höre schon Leute zu der Thematik reden, dass die Bedrohung, die vom Joker ausgeht, aber nun auch sehr groß. Beachtet werden muss aber auch, dass diese Bedrohung nicht aus dem Nichts kommt. Der Joker konnte auch erst durch die Umstände innerhalb der Gesellschaft entstehen. Und was man anbaut sollte man auch ernten und die Konsequenzen daraus ziehen. Man kann nicht Hunderte von Fehlern bauen, und um diese zu beheben plötzlich alle möglichen Grundrechte außer Gefecht setzen. Dass Batman kein reiner Strahlemann a la Superman ist dürfte klar sein. Aber das Gute wird zu dem hier angesprochenen Thema von der von Freeman gespielten Figur verkörpert, nicht von Batman. Und mit der Einwilligung dieses eine Mal mitzumachen ist eine Fragwürdigkeit entstanden, die am Film zu recht hart kritisiert werden muss, auch wenn es für die meisten nur eine kleine Randerscheinung ist, wenn überhaupt.

Dass das was das Volk bekommt, dieses auch selber schuld ist (in diesem Falle den Joker) wird sehr deutlich, wenn man sich unsere Welt ansieht. Ein Blick auf diese verweist auch auf den nächsten kritikanfälligen, möglichen Schwachpunkt von „The Dark Knight“ in seiner politischen Thematik. Der Joker ist die reine, bösartige Anarchie. Und er sieht sich als Alternative zur Demokratie. Den Ruf danach hört man auch in unserer Gesellschaft recht häufig. Wir leben in einer demokratieorientierten Gesellschaft, eingeredet wird uns seit klein auf es wäre eine Demokratie. Wenn nun Leute von unserer Staatsform enttäuscht sind, glauben sie fälschlicher Weise sie wären von der Demokratie enttäuscht, einem System was sie praktisch nie kennen lernten. Und dann rufen sie nach Anarchie, Faschismus und anderen fragwürdigen Antworten.

Eine solche Antwort ist der Joker. Er ist Anarchie in böser Reinform, er ist das schlimmste was Anarchie hervorbringen könnte. Er ist das extreme Endergebnis jener, welche die falsche Antwort auf das Verlogene des Systems forderten und nun feststellen müssen, welche Auswirkungen dies annehmen kann. Anarchie kann so verlockend klingen, sie kann aber auch so extrem und bösartig sein, wie durch den Joker in „The Dark Knight“ hervorragend verkörpert. Unglaublich dass ein solcher Comickasper einem derart Angst vor Terrorismus einjagen kann.

Der Schwachpunkt von „The Dark Knight“ ist nun allerdings die Gegenseite. Man baut zu sehr auf die Demokratie, auf den Staatsanwalt, die Polizei. Am Rande werden Korruption und Politlügen angesprochen, der Glaube an die angewandte Demokratie wird damit aber nicht gänzlich gestürzt. Somit steht dem glaubhaften Joker kein echter Gegenpart zur Verfügung. Der Joker als reine Konsequenz gesellschaftlichem, ignorantem Alltags wird nicht beantwortet mit dem Ruf nach wahrer Demokratie. Und damit wirkt die recht tief gehende Thematik des Streifens arg lückenhaft.

Das was den Joker hervorbringen konnte soll gleichzeitig die Lösung sein. Zumindest aus der Sicht Batmans. Während der Film uns sehr wohl die Abgründe der Gesellschaft zeigt (wenn auch nicht ohne Hoffnung, wie es gerade zum Schluss hin betont wird), glaubt Batman trotzdem noch blind an das vorgelebte Staatssystem, ausgerechnet ein Mann, der sich ihm eigentlich widersetzt. Ein Mann, der dem Joker ähnlicher ist, als ihm lieb ist. Es wird nicht ganz deutlich, was der Film als Lösung gegen Joker vorschlägt. Dent, als weitere Demokratielüge? Nur eines ist klar. Feuer soll nicht mit Feuer bekämpft werden. Batman will nicht auf das selbe Niveau wie der Joker herabrutschen, auch wenn er dieser Versuchung sehr nahe kommt.

Im fertigen Film ist der Joker fast wichtiger als Batman selbst. Und nach Sichten versteht man auch, warum der tote Heath Ledger lange Zeit als Oscar-Anwärter für die beste Nebenrolle gehandelt wurde und die Trophäe schließlich auch erhielt. Ledger verkörpert den Joker einfach genial. Und er verkörpert ihn völlig anders als Nicholson. Er ist eine völlig andere Interpretation des berühmtesten Batman-Gegners aus den Comicheften, die ja selber schon verschiedenste Interpretationen hervorbrachten. Wie oben schon erwähnt ist er für eine olle Comicfigur recht furchteinflössend. Seine Charakterzeichnung könnte böser nicht sein. Er kennt keinerlei Grenzen, kaum wer vor ihm war je böser auf der großen Leinwand. Die Leistung Ledgers muss man wirklich loben.

Der restliche Cast weiß großteils auch zu gefallen. Alle die es aus dem Vorgänger zu „The Dark Knight“ herüber geschafft haben sind auf der positiven Seite zu nennen (Bale, Caine, Freeman, der Darsteller von Gordon, ...).

Der Darsteller des zukünftigen Two-Face wirkt zunächst einmal durch seine schleimig strahlende Aura zu blank, soft und lahm. Aber auch sein Spiel ist als gut zu bezeichnen, und wenn man ihn im letzten Drittel als den zweigesichtigen Schurken sichtet, weiß man auch, warum es gut war, ihn zuvor so aalglatt zu verkörpern. Das Gute und das Böse stehen sich so in seinem Gesicht deutlicher gegenüber, als es in einem Durchschnittsgesicht jemals möglich gewesen wäre. Zur Rolle des Two-Face möchte ich noch ergänzend hinzufügen, dass ich ihn schon immer für den uninteressantesten Gegner des Fledermausmannes hielt und es deswegen schätze, dass er hier nur, wenn auch auf positivem Wege, als Nebenfigur verheizt wird. An sich finde ich es eigentlich besser wenn ein Comicheld nur einen Gegner vorgesetzt bekommt (ganz schlimm war es in „Spider-Man 3“). In „The Dark Knight“ heiße ich es gut und finde es auch toll umgesetzt.

Die Rolle der Rachel ist auf der Negativseite zu nennen. Gyllenhaal spielt unglaublich blass, wirkt die ganze Zeit über wie ein schlechter Kirsten Dunst-Klon, bekommt zum Glück aber auch nicht so unglaublich viel Screentime als dass sie den Film damit ins unangenehme kippen könnte.

Dass der Joker in diesem Werk so viel Raum beschert bekommt, Cineasten fast nur von ihm sprechen und er Batman fast an den Rand drängt, wirft die Frage auf, wann Hollywood endlich einmal daran denkt, solchen Figuren einen eigenen Film zu widmen. Darth Vader war interessanter als Luke, in fast jedem Batman-Film waren die Gegner wichtiger als der Held, wann also bekommt der Bösewicht mal seinen eigenen Film? Gerade nach dem Hype um Leadgers Joker sollten sich die Produzenten mit dieser Frage mal befassen. Im Horror-Genre ist diese Herangehensweise schon Routine. Freddy, Michael und Co bekamen nicht nur ihre Filme, sie wurden auch endlos fortgesetzt. Wieso wird der Schritt zum Bösen im Mittelpunkt nicht auch in anderen Filmbereichen begangen, wenn der Zuschauer sich doch scheinbar daran so gerne ergötzt? Wer weiß, vielleicht kommt so etwas ja bald. Vielleicht war auch die Enttäuschung vom, auf Trashfilmbasis amüsanten, „Catwoman“ deshalb so groß. Vielleicht kam sich der Fan verarscht vor, weil er statt eines Bösewichts nun eine seelenlose Pseudo-Heldin vorgesetzt bekam. Man weiß es nicht!

Meiner Meinung nach ist „The Dark Knight“ besser als sein Vorgänger, ich hatte mit „Batman Begins“ nämlich ein großes Problem: Die erste halbe Stunde. Ich weiß bis heute nicht was diese bescheuerte Ninja-Thematik in einem Batman-Film zu suchen hatte. Sie war einfach fehl am Platz. Da der Film recht lange ging, hatte man nach diesen bescheuerten 30 Minuten trotzdem noch einen tollen Film auf Spielfilmlänge. Und diese restlichen ca. 90 Minuten waren das was ich sehen wollte. Und da der Ninjaaspekt zur Entstehungsgeschichte gehörte, und diese ja nun auch in „Batman Begins“ endete, konnte ich nur hoffen, dass der Nachfolger sich am Stil des Restfilmes orientierte. Wenn er es täte wäre es ein großartiger Film, wohl der beste Batman-Film bisher. Und er wurde es.

Ich liebe Burtons zweiten Streich, das Düstere seiner Verfilmungen blitzt auch immer wieder, wenn auch auf andere Art, in Nolans Interpretation auf. Aber „The Dark Knight“ schlägt „Batmans Rückkehr“ um Längen. Ich denke mal, dass wir es hier mit der besten Comicverfilmung zu tun haben, die es bisher gab. Und die Konkurrenz ist immerhin nicht ohne, das muss man ja auch mal berücksichtigen um zu verstehen, wie gut „The Dark Knight“ nun wirklich ist.

Im Gegensatz zu dem was in der Filmbranche Amerikas gerade so angesagt ist, fällt „The Dark Knight“ damit positiv auf, trotz schneller Schnitte übersichtlich zu sein. Werke wie „Resident Evil 2“ haben so schnelle Schnitte, dass man teilweise gar nicht sehen kann was passiert. „The Dark Knight“ verzichtet nicht auf schnelle Schnitte, wendet diese zum einen aber auch nicht pausenlos an und zum anderen sind die Schnelleinstellungen deutlicher eingefangen, so dass man keine Informationslücken oder Augenwischerei zum Verheimlichen schlechter Effekte vorgesetzt bekommt. Da sollten sich andere Großproduktionen ruhig mal eine Scheibe von abschneiden.

Insgesamt ist „The Dark Knight“ mit seinem düsteren Comicstil der auf Realitätsnähe stößt, einfach ein Augenschmaus für sich, ein Fest für Augen, Gehirn und Seele, einfach ein Film, der einem wieder klar macht wofür es Kinos eigentlich gibt. Der Mix aus Dunkelheit und Realismus orientiert sich meiner Meinung nach etwas an dem Frank Miller-Comic „The Dark Knight Returns“. Das dort eingebrachte Element mit den Batman-Nachahmern kommt immerhin auch in dem hier besprochenen Film vor, wenn auch anders thematisiert. Da Millers Comic so unglaublich gut ist wäre es mal toll, dieses detailgetreu umgesetzt im Kino zu sichten. Bis es so weit ist (was wohl ohnehin nie geschehen wird) ist „The Dark Knight“ zumindest der Schritt in die richtige Richtung, ja eigentlich mehr noch: ein bereits großartiges Ergebnis.

Nolans Film braucht den Vergleich mit anderen Batman-Werken nicht zu scheuen, wenn überhaupt müsste es umgekehrt sein. Was Burton Batman an seelischer Grausamkeit auf sehr beeindruckende Art zuschrieb, bekommt der Fledermausmann von Nolan auf gesellschaftlicher Ebene aufgelastet. Für welchen Preis Batman in „The Dark Knight“ den Sieg erringt, ist kaum in Worte zu fassen. Für einen dritten Batman-Film wäre „The Dark Knight“ das, was „Das Imperium schlägt zurück“ für „Star Wars“ war. Alles ist anders als zuvor, eine Rückkehr wäre nicht mehr auf die klassische Art möglich. Zu vieles ist zerstört, zu vieles nicht mehr zu reparieren.

Da Batman nicht so weiter machen kann wie bisher, wäre ein dritter Teil höchst interessant. Die hohen Einspielergebnisse sprechen zwar deutlich für eine weitere Fortsetzung, es bleibt nur zu hoffen dass Nolan weiter Regie führt und den Schluss von „The Dark Knight“ konsequent weiterführt. Ein Ignorieren der finalen Geschehnisse von Teil 2 wäre der größte Fehler, den ein Teil 3 machen könnte.  OFDb

25.07.2012

LUCKY NUMBER SLEVIN (2006)

Eigentlich wollte Slevin nur für ein paar Tage bei seinem Kumpel Nick unterkommen. Doch der ist nicht da, und stattdessen stehen Gangster vor der Tür, die Slevin für Nick halten, und diese bringen ihn zu ihrem Big Boss. Über einige Umwege und Missverständnisse weiter gerät Slevin zwischen die Fronten zweier Gangster-Bosse mit allerhand Schulden am Hals und dem Auftrag einen Menschen zu töten...

Zur falschen Zeit am falschen Ort...
 
Wer könnte widerstehen bei dieser Vielzahl an Stars, die sich in „Lucky Number Slevin“ tummeln? In der Hauptrolle erleben wir Josh Hartnett, in seiner liebsten Rolle als Auftragskiller ist Bruce Willis wieder mit dabei, Lucy Liu steht für die Frauenquote, Morgan Freeman und Ben Kingsley agieren als zwei gealterte Rivalen. Regisseur Paul McGuigan hat für seine 5. Regiearbeit einiges an Prominenz an Bord geholt für die Verfilmung eines Drehbuches, welches an die typischen Werke Tarantinos erinnert.

So einiges ist in dieser Welle mit geschwommen und meist verdienter Maßen untergegangen. Und auch das Buch zu „Lucky Number Slevin“ ist von dem Niveau eines „True Romance“ und „Pulp Fiction“ weit entfernt, was bereits zu Beginn auffällt, wenn man besonders kluge Dialoge servieren möchte, und diese als solche nicht wirklich zu wirken wissen. Doch dies ist nur eines der wenigen Wermutstropfen in einem Film, der ansonsten zu gefallen weiß.

Ein weiterer wäre, wie sollte es anders sein, Lucy Liu, die zwar nicht wirklich negativ auffällt in ihrem eindimensionalen Spiel, aber der Gedanke ließ mich nicht los, was wohl manch begabte Schauspielerin aus dieser Rolle heraus geholt hätte. Andererseits is der weibliche Part ohnehin eher Nebensache, auch wenn zunächst Gegenteiliges den Eindruck macht. Aber wenn man ansonsten ein Werk serviert bekommt, welches mit einer wirklich guten Besetzung glänzt, dann darf man auch mal auf hohem Niveau maulen.

„Lucky Number Slevin“ ist fast ein Genre-Cocktail. Sein Schwerpunkt liegt im Thriller-Bereich. Zudem ist er gespickt mit einer leichten Priese Humor, ohne deshalb gleich zur Komödie zu werden, und dem Bereich der Dramatik ergeht es ebenso. In gewisser Hinsicht spielt auch die Action eine wichtige Rolle, auch wenn es keine Autoverfolgungsjagden und keine Zerstörungsorgien zu bewundern gibt. Aber es wird häufig geschossen, und es gibt eine Explosion. Eventuell könnte man zudem von einem kleinen Hauch Erotik sprechen. Immerhin darf Frauenschwarm Josh Harnett zunächst einige Zeit lediglich mit einem Handtuch bekleidet mitspielen, was nur eine von wirklich vielen treffenden Ideen von Situationskomik ist.

Bis der Film sich nach über 100 Minuten dem Ende neigt, gibt es interessante Wendungen mitzuerleben und dies meist zu einem Zeitpunkt wo man sich ohnehin gerade gefragt hat, wohin die ganze Erzählung nun führen soll. Zwar kann man am Ende behaupten dass „Lucky Number Slevin“ nur viel heiße Luft in sich trug, immerhin ist die Geschichte nicht gerade neu, und die etwas wirr mit Informationen um sich her schießende Erzählweise verschleierte keinen all zu kniffligen Plot. Allgemein fühlte ich mich von diesem Film jedoch sehr gut unterhalten, eben weil er flott und kurzweilig erzählt ist. Außerdem weiß die kühne Art Slevins zu gefallen, der diese Wirkung immer dann auf die Spitze treibt, wenn er unüberlegt etwas sagt. Er ist nun mal ein Klugscheißer.

Außerdem imponiert es in Zeiten, in denen im Kino immer die Post abgehen muss, dass das Finale einer Gangstergeschichte derart ruhig abläuft, anstatt sich im Actiongewitter dem Massengeschmack hinzugeben. Zwar wird im Finale nichts mehr erzählt was man nicht längst begriffen hätte, aber auch hier weiß der Film in seinem Stil zu gefallen und bleibt sich mit dieser Ruhe in seiner Art treu.

Vielleicht liegt es genau daran, dass „Lucky Number Slevin“ in Deutschland nur auf DVD erschien. Zu einer Kinoveröffentlichung kam es nur bei Spezialaufführungen. Somit reiht sich der Film in die lange Schlange der dem deutschen Publikum im Kino verweigerten Veröffentlichungen ein neben „Der blutige Pfad Gottes“ und „Donnie Darko“, alles Werke die dem Stammbesucher im Lichtspielhaus hätten zeigen können, wie ein guter Film aussieht. Aber dort serviert man ja lieber Blockbusterquatsch mit Soße.  OFDb