John Badham, ein Regisseur bei dem man Genre-mäßig mit allem rechnen muss, lieferte nach den zwei eher seichten Stoffen "Die Abservierer" und "Auf die harte Tour", sowie dem missglückten "Nikita"-Remake "Codename: Nina" (zu diesem Zeitpunkt also gerade auf den Actionbereich eingeschossen), eine Fliegeraction der anderen Art ab. "Drop Zone" rückt das Fallschirmspringen in den Mittelpunkt und beweist, dass damit flotte Szenarien möglich sind. Ich persönlich hatte zunächst ein reduziertes Tempo erwartet, so wie man es beispielsweise bei Unterwasser-Action häufig erlebt, aber dank eines den physikalischen Gesetzen widersprechendem Szenarios, in welchem man Menschen im Fall überholen kann u.ä., und natürlich dank der Höhe, die bei solch tollen Aufnahmen, ähnlich wie in "Cliffhanger", nicht erst Menschen mit Höhenangst Nervenkitzel verursachen, weiß der Film mit dem gerade angesagten Wesley Snipes in der Hauptrolle und mit seinen Schauwerten zu überzeugen. Sehr viel mehr benötigt er nicht, um zu funktionieren. Aber manch kniffliger Coup, der die Gegner interessanter macht als die arg prollig eingefangenen Helden, wertet den an sich dünnen Plot zusätzlich auf. Dazu gehört auch der Aufhänger des theoretisch Unmöglichen was zu Beginn passiert und der damit geschulten Tatsache, dass niemand dem trauernden Bruder glaubt. Das bindet einen schneller an Figuren und katapultiert einen schneller in eine hohle Alibigeschichte, als man meinen sollte. Bei dem Tempo, das Badham bietet, denkt man nicht lange darüber nach wie dünn Handlung und die Charakterzeichnungen sind. Lediglich die arg bemühte Lässigkeit mancher Begleitung im Heldentrupp nervt tatsächlich etwas zu sehr, allen voran "Parker Lewis" Corin Nemec, der hier recht früh eine Chance für den Kinosektor erlebte, später aber bei billigen SyFy-Produktionen landete. Derartige Schwachpunkte, zu denen auch das stets jammernde Computergenie zählt, sind inmitten eines flott umgesetzten Werkes, an das man sicherlich selbst als Genre-Fan keine hohen Erwartungen hegt, jedoch nicht wirklich der Rede wert. Ich für meinen Teil wurde zumindest kurzweilig unterhalten. Wiki
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
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16.04.2023
02.05.2020
DIE ABSERVIERER (1993)
Den Charme des Vorgängers "Die Nacht hat viele Augen" kann John Badham in der Fortsetzung "Die Abservierer" nicht ganz aufleben lassen, dafür wirkt dann doch alles zu sehr im Lehrlauf befindlich, ohne intensive Schwerpunkte spüren zu lassen. Da sich aber bereits der Vorgänger mehr dem Bereich der Komödie, anstatt der Action, zugewendet hat, kann das lockerleichte Rezept, welches "Another Stakeout" (Originaltitel) vorzuweisen hat, dennoch für simple Unterhaltungszwecke funktionieren. So wird in bereits bekannter Hauptbesetzung hemmungslos herumgealbert, was deswegen brauchbar funktioniert, da man einerseits nicht zu zotig vorgeht und andererseits die scheinbar gute Stimmung am Set, und somit auch die Spielfreude von Emilio Estevez und Richard Dreyfuss, spürbar zu erkennen ist. Unterstützt werden sie von der eigentlich meist eher unangenehm agierenden Rosie O'Donnell, die hier jedoch passend besetzt ist und das bisherige Duo tatsächlich auf ein funktionierendes Trio erweitert. Damit hätte ich nicht ernsthaft gerechnet.
Um als wahrlich gelungen gelten zu können, macht "Die Observierer" (Alternativtitel) leider nicht ansatzweise deutlich, dass er sich für seinen eigentlichen Kriminalfall interessiert. Er ist lediglich Vorwand, um die Figuren in unangenehme Situationen zu bringen und sich gegenseitig kabbeln zu lassen. Letztendlich benimmt sich hier jeder entweder kindisch, oder peinlich berührt, was dank der dazu passenden Charakterzeichnungen und der Grundstimmung des Streifens tatsächlich funktioniert, wenn auch nur oberflächlich und simpel angegangen. Kleine Spielereien, wie das Schmollen der Rolle Estevez' um den für den Fall zum Opfer gefallenen Schnurrbart, werden derart zelebriert, dass derartige Nichtigkeiten zu einer Freude inmitten eines Programms werden, das sich ohnehin nur der simplen, leicht verdaulichen Unterhaltungskost zuwendet. Wenn die Nachbarn, mit denen man gegen alle Polizei-Regeln viel zu schnell und viel zu intensiven Kontakt aufnimmt, übereilt den Nachtisch aufessen, da sie ihre neuen Nachbarn für vollkommen Banane halten, die Rolle Dreyfuss' auf sein Alter angesprochen einen auf tapsiger Opa macht, oder die Rolle O'Donnells aus einer Verzweiflung heraus so tut, als ob sie übersinnlich wäre, befindet sich der Streifen stets auf einem Hoch.
Ob es für eine derartige Story wirklich nötig war einen anderen Film fortzusetzen, anstatt etwas Eigenes daraus zu machen, sei einmal dahingestellt. Und an große Werke Badhams, wie "Das fliegende Auge" und "Nummer 5 lebt", erinnert das viel zu belanglose Treiben nicht ansatzweise. Verglichen damit und mit dem ersten Teil von "Stakeout 2" (Alternativtitel) arbeitet der Regisseur weit unter seinem bisherigen Niveau. Letztendlich muss man den Streifen aber so annehmen, wie er gemeint ist. Und da hat keiner der Beteiligten weder Herzblut gezeigt, noch in ihm einen großen Schritt innerhalb der eigenen Karriere gesehen. Er ist aus einer verspielten Laune heraus entstanden, die den Gewinnaspekt basierend auf einem vorangegangenen finanziellen Erfolg kaum bemerken lässt, und aus dieser lockeren, entspannten Sicht heraus, soll man ihn auch konsumieren. Dass "Stakeout 2 - Die Nacht hat noch mehr Augen" (Alternativtitel) deswegen auch schnell wieder vergessen ist, ist ebenso wenig zu übersehen, wie die Tatsache, dass er auf seine Laufzeit gesehen bei wenig Erwartung tatsächlich seicht, trivial und auf handwerklicher Ebene professionell angegangen auf schlichter Ebene funktionieren kann. OFDb
10.06.2018
DAS FLIEGENDE AUGE (1983)
Bereits vor dem hohe Wellen schlagenden "Der Staatsfeind Nr. 1" gab es Filme über die Perversitäten von Überwachungssystemen und die zwangsläufig damit einhergehende Ausnutzung dieser Gerätschaften. Einer dieser Filme ist "Das fliegende Auge", der einem noch einmal bewusst macht wie lange bereits das aktueller denn je geratene Thema für Kopfzerbrechen sorgt und wie schon damals die heutige Lügenpropaganda der Terror- und Verbrechensbekämpfung als Vorwand vorgebracht wurde, um die Bürger eines angeblich freien Staates hemmungslos ausspionieren zu können. Die Selbstverständlichkeit mit der diese Gefahr ohne direkte Benennung in Dialogen im hier besprochenen Werk wahrgenommen wird, zeigt wie sensibler man einst auf das Verbrechen reagierte, zu versuchen die Privatsphäre eines jeden Mitmenschen zu durchbrechen. Heute, in Zeiten in denen Menschen zum Erhalt von Schutz regelrecht um jedes Verbot und jede Überwachung betteln, schaut sich ein solcher Film wesentlich subtiler, so dass man sich automatisch die kritische Grundhaltung der Mitbürger von einst zurückwünscht.
Das mag ein bitterer Beigeschmack sein, aber da "Blue Thunder" (Originaltitel) trotz seines Hauptaugenmerks auf Spannung und Action nicht einzig des Unterhaltungswertes wegen gedreht wurde, sondern auch zur Warnung (was die Texteinblendung zu Beginn des Streifens belegt) tut es gut dass es Werke wie ihn gibt, auch wenn sie einem die schrecklichen Zustände heutiger Tage ungewollt bewusst machen. John Badham, der mittlerweile nur noch für TV-Serien wie "12 Monkeys", "Nikita", "Psych" und "Heroes" arbeitet, inszeniert den Film mit einer Ernsthaftigkeit, die in diesem Genre irgendwann Ende der 80er Jahre fast endgültig verloren ging, zumindest in dieser mündigen Ausfertigung, die aus "Das fliegende Auge" weit mehr macht als eine olle geistfreie Rächerstory oder einen simplen Kampf um Verrat. Der in verschiedenen Genres tätige Regisseur ("Dracula '79", "Nummer 5 lebt", "Codename: Nina", ...) entfacht einen Spannungsbogen, der wahrhaft zu packen weiß. Wenn der Film in seinem mindestens über 20 Minuten laufenden Finale actionlastiger wird, dann steht doch stets trotzdem noch der Nervenkitzel im Zentrum, so gekonnt weiß Badham die endlos scheinende Verfolgungsjagd in der Luft und auf der Straße in Szene zu setzen. Hirnloses Herumgeballer findet hier nicht statt.
Ebenfalls zugute kommt dem Film sein langsamer Einstieg ins Geschehen, dauert es doch überraschend lange bis der Testhubschrauber überhaupt in die Story integriert wird, einfach weil man zuvor intensiv die Figuren und den seltenen Job, welchen der Protagonist leistet, beleuchtet. Und dies wird derart interessant erzählt, dass der Film auch wunderbar als simpler Polizeifilm ohne High Tech-Hubschrauber und Überwachungsthematik funktioniert hätte. Dieser Schritt erlaubt es der Geschichte in der zweiten Hälfte um so flotter erzählt werden zu können, so dass das Geschehen nicht nur ohne Umschweife erzählt wird, sondern auch zu erwartende Standardphasen überraschend über Bord geworfen werden, so dass man sich schneller im entscheidenden Prozess des Ganzen befindet, als man zuvor vermutet hätte. Dies beschert dem angenehm ruhig erzählten, aber stets spannungsgeladenen Film eine Energie, die man in dieser Art weder im ruhigen 70er Jahre-Kino, noch im oberflächlich flotten 80er Jahre-Kino all zu oft zu sichten bekam. Die leicht mit trockenem Humor angereicherte Perspektive aus einer unverfälschten Männermentalität beschert dem Streifen zudem seinen zweiten Sehwert, der einen die Gesellschaft von einst zurückwünschen lässt, so dass man es als Gewinn des Streifens erachten kann, dass er nicht zeitlos wirkt, sondern in seiner Entstehungszeit verankert ist. OFDb
26.06.2016
PSYCH - STAFFEL 1 (2006)
Was in seiner Mixtur aus „Dexter“ und „Sherlock“ zunächst recht reizvoll klingt, entpuppt sich als schnell zusammengezimmerte Massenunterhaltung, in der weder die Psychologie der Figuren zu überzeugen weiß, noch deren Umstände und Situationen in denen sie sich befinden. Anstatt auf den intellektuellen Reiz seiner Geschichte zu setzen, wählt das Drehbuch den hanebüchenen Weg eine Übersinnlichkeits-Lüge ins Zentrum zu setzen, was der kompletten Grundgeschichte nicht nur ihre Würde nimmt, sondern dem Umfeld in dem Shawn agiert ebenso. Denn wenn man nach „Psych“ geht leben in den USA nur Esoteriker oder anderweitig leichtgläubige Menschen, zumindest Leute die stets an das Übersinnliche glauben, und dies in einem solch alltäglichem Ausmaß, dass die Polizei ganz selbstverständlich ohne zu zögern oder Zweifel zu hegen Hellseher zu ihren Kriminalfällen hinzuzieht.
Als Lightversion dessen was möglich wäre könnte das Ganze eventuell noch funktionieren, wenn nicht alles so absichtlich albern, vorhersehbar und durchschnittlich umgesetzt wäre. Vom austauschbaren, peppigen, Massen-anbiederndem Titellied, bis hin zu seinen blassen Helden in lahmer stereotypischer Rollenverteilung will sich so gar nichts Einfallsreiches erkennen lassen. Die Fälle fallen lahm aus, Zufälle häufen sich zu sehr, der ohnehin schon nervige und unnötige Hellsehermumpitz wird mit zotigem Herumalbern auf die Spitze getrieben, und nie holt man wirklich etwas aus der zentralen Begabung Shawns heraus.
Psychologisch gesehen will auch der ganze zwischenmenschliche Bereich wenig bis keinen Sinn ergeben. Allein Shawns Beziehung zum Vater will nie einleuchten. Da wird man einfach mit einer Tatsache abgespeist, ohne sie zu begründen oder einen Sinn herzuleiten. Selbiges betrifft Shawns Position innerhalb der Serie. Warum macht er einen auf übernatürlichen Detektiv anstatt anderweitig zu helfen - eventuell gar als Polizist? Die Basis auf die alles aufbaut will so gar keinen Sinn ergeben.
Der absichtlich spießig, lahme und kritische Softie-Sidekick Gus will in den wenigen Folgen die ich „Psych“ eher gelangweilt als interessiert durchgezogen habe so gar nichts nützliches zum Ermittler-Duo beitragen, ist also lediglich dafür gedacht Shawn besser aussehen zu lassen, und dies teilweise mit Eigenschaften die gar nicht so lobenswert sind wie es die immergeile Spaßgesellschaft Amerikas gerne hätte. Wozu Ernsthaftigkeit ins Leben bringen, über etwas nachdenken oder einen gewissen Grad Sicherheit wollen, wenn man doch auch der gedankenlose Partymensch sein kann, für den sich auf gut Glück immer doch noch alles zum Guten wendet?
Von daher: weder die Mentalität, noch der psychologische wie inhaltliche Anspruch an den Stoff entspricht dem was für mich eine gute Serie ausmacht. „Psych“ kommt plump, einfallslos und viel zu massentauglich daher, als dass einen die 08/15-Kriminalfälle irgendwie reizen könnten. Selbst als denkfaule Feierabendunterhaltung kommt die Serie viel zu dümmlich und belanglos daher, als dass ich sie zumindest noch als Trivialverzehr ernst nehmen könnte. OFDb
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