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27.08.2017

DER GIFTZWERG (1991)

Zwei Menschen, die sich nicht ausstehen können, reisen zur Erntedankfestfeier gemeinsam quer durch Amerika. Als das Auto mit dem man unterwegs ist kaputt geht, greift man in der Not auf allerlei Alternativen zurück um vorwärts zu kommen. Auch wenn diese Alternativen ebenfalls lediglich die Straßen benutzen, so erinnert das Szenario doch stark an John Hughes brillanten „Ein Ticket für zwei“, der mit Steve Martin und John Candy besetzt war. Auch „Der Giftzwerg“ ist ein John Hughes-Film. Der übernahm zwar nicht die Regie, aber als Autor und Produzent trägt das Werk dennoch ganz deutlich seine Handschrift.

Der Kampf zwischen Arbeiterklasse und den bösen Reichen wird ebenfalls nicht zum ersten Mal in einer Hughes-Produktion thematisiert. Ob eher zweitrangig in „Allein mit Onkel Buck“, versöhnlich in „Pretty in Pink“ und „Der Frühstücksclub“, oder angreifend in „Ist sie nicht wunderbar?“, Hughes benötigt dieses Thema ähnlich stark wie das Arbeiten mit jungen Menschen, in „Dutch“ (Originaltitel) wird das Thema gar aggressiv wie in letztgenanntem Vergleichsfilm betrieben. Die Reichen sind die Bösen, die körperlich Arbeitenden die Guten. Das ist etwas klischeeüberladen, aber das ist „Driving Me Crazy“ (Alternativtitel) ohnehin, darf doch auch der Festtagsschmalz ebenso wenig fehlen, wie das Hineinschnuppern in die Armut zur obligatorischen charakterlichen Läuterung am Schluss.

Wer jedoch die Bücher von John Hughes kennt, der weiß, dass seine Filme stets trotzdem gourtierbar sind, und so ist es freilich auch mit „Der Giftzwerg“, der sicherlich nicht zu den Höhepunkten von Hughes Schaffen gehört, allein schon weil er sich ständig an seinen eigenen Werken bedient, aber ein gut aufgelegter Ed O‘Neill, der sowohl gegen sein Al Bundy-Image anspielt, als auch diverse Zutaten aus dieser Rolle für seinen Dutch verwendet, und ein wie immer sympathischer, wenn auch diesmal auf unausstehliche Art, agierender Ethan Embry (der sich hier noch Ethan Randall nennt) machen aus dem motralinsauren Stück ein routiniert nettes Unterhaltungsfilmchen, das man sich durchaus mal geben kann, wenn man denn nichts Besonderes erwartet.

Hughes tendiert diesmal überraschend stärker zur Tragik anstatt zur Komik, bietet in beiden Bereichen jedoch simple Routine, im Tragikbereich leider auch allzuoft Kitsch, was aufgrund der ohnehin schon starken Tendenz zu Stereotypen und Vorurteilen gegenüber Besserverdienenden dem ein oder anderen nicht schmecken wird. Wahre Höhepunkte hat „Der Giftzwerg“ nicht zu bieten. Ein zweiter „Kevin - Allein zu Haus“ ist mit diesem Werk nicht entstanden. Dass dies die Idee hinter dem Projekt war, erkennt man sofort. Aber wer die Nachteile des Stücks übersehen kann, wird ohnehin nicht all zu streng mit einem Werk umgehen, dass, typisch Hughes, das Herz am rechten Fleck hat. Damit ergeht es dem weniger kritischen Publikum ähnlich wie Doyle mit Dutch: am Ende sympathisiert man mit dem was (angeblich) fehlerhaft war.  OFDb

08.01.2015

RALPH REICHTS (2012)

Der hart umkämpfte, Filme im Überschuss produzierende Bereich des computeranimierten Zeichentrickfilms hat nur selten innovatives zu bieten und grast meist bekanntes Terrain neu ab. Mit Abscheu blicke ich dabei meist auf Werke, die sich mit Achterbahn-artigen Actionszenen bei dem schwer konzentrieren könnendem und nach wenig Qualität lechzendem jüngstem Publikum anbiedern. Interessanter Weise ist „Ralph reichts“ eine solche Szene ausgedehnt auf Spielfilm-Format, und ich mag ihn dafür.

Nur selten kommt die Geschichte zur Ruhe, immer wieder wird der Turbogang eingelegt, und so kommt es immer wieder zu actionreichen Situationen, die ich mir in Konkurrenzproduktionen sofort hinfort wünschen würde. Vielleicht mag ich „Ralph reichts“ einfach für seine Konsequenz diesbezüglich, zumal er humoristische Momente, Hintergrundspielereien und sympathische Charaktere bei all seiner Rasanz nicht vernachlässigt. Zudem ist das komplette Rezept in eine Geschichte integriert, welche das jüngste Publikum, das sich eigentlich die Finger nach solch hohemTempo lecken würde, überfordert und damit ausgrenzt.

Den Überblick zwischen Fiktion und Realität fordernd erinnert „Wreck-It Ralph“ damit stark an eine weitere Disney-Solo-Produktion ohne Pixar. Er erinnert an „Bolt“, der sich ebenfalls an einem jugendlichen bis erwachsenen Publikum orientierte. Inhaltlich gibt es sogar den Bösewicht betreffend eine kleine Parallele zum cineastischen Zeichentrick-Meilenstein „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“, während ansonsten die Gesetze des modernen computeranimierten Trickfilms eingehalten werden. Dank seiner flotten, kurzweiligen und sympathischen Umsetzung entsteht daraus für den Zuschauer jedoch keinesfalls ein Gefühl von Langeweile aufgrund immer wieder erkennbarer alter Muster.

Das liegt mitunter daran dass die Moral nicht bis zum Nervpegel zentimeterdick aufs Brot geschmiert wurde und tatsächlich der reine Unterhaltungswert im Zentrum steht. Da kann man den Köpfen hinter dem Projekt ruhig ein großes Lob für aussprechen, zumal man sich auch auf ewige Verweise der Computerspielszene etlicher Jahrzehnte hätte ausruhen können. Klar lebt „Ralph reichts“ viel von diesen Verweisen, aber ein Nichtkenner der Materie wie ich, den Computerspiele nach dem C64 kaum noch interessiert haben, hat fast ebenso viel Freude an den Abenteuern von Randale-Ralph und Co wie Gamer mit jahrelanger Erfahrung, und das spricht doch sehr deutlich für den Film.

Ich will gar nicht wissen was ich da alles nicht kapiert habe, während ich mich auf Verweise der Ur-Games der 80er Jahre um so mehr gefreut habe. Mit links gelingt es den Schöpfern alte Welten mit neuen zu verbinden, ohne dabei anbiedernd zu wirken oder der Geschichte einen zu gewollten Touch zu bescheren. „Ralph reichts“ schaut sich als erzähle er sich wie von selbst. Nichts wirkt unnötig eingebracht, alles wirkt wie ein erzählerischer Mehrwert. Lediglich das Product Placement hätte man ruhig streichen können. Nesquick hätte einfach Kakao sein können, Mentos lediglich Pfefferminzbonbons. Aber was soll man diesbezüglich schon von einer Großproduktion eines Megakonzerns erwarten? Zumindest baut diese Disney-Produktion bei verwandter Thematik nicht ständig zum Selbstverweis auf „Tron“ auf, der ebenfalls aus den Disneystudios stammt. Das hätte ich denen auch noch zugetraut.

„Ralph reichts“ ist trotz der Verwandtschaft zu dieser cineastischen Berühmtheit ein eigenständiges Werk geworden, das es schafft Tempo und Charme unter einen Hut zu zaubern und sich dabei wohlig von den Massenprodukten seines Genres zu distanzieren, obwohl es streng genommen vom roten Faden her eine klassische Trickfilm-Geschichte wie jede andere erzählt. Auf das Rezept kommt es an, und das weiß im hier besprochenen Streifen bestens zu funktionieren, vielleicht auch weil Regisseur Rich Moore bereits Erfahrungen in den nicht weniger temopreichen Zeichentrickserien „Futurama“ und „Die Simpsons“ sammeln durfte. Zudem kommen dem Film hilfreich seine deutschen Sprecher zugute, die auch die Synchronfassung von „Ralph reichts“ zu einem besonderen Filmerlebnis machen. Ganz besonders Christian Ulmen sticht mit seiner ungewöhnlichen Stimme hervor und bekam zum Glück den Part der Hauptrolle Ralph beschert.  OFDb