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30.04.2016

GOLDENE ZEITEN (2006)

Während „Bang Boom Bang“ und „Was nicht passt, wird passend gemacht“ trotz ihrer unterschiedlichen Schwerpunkte recht gut miteinander harmonieren, will der dritte Teil von Thorwarths Unna-Trilogie nicht wirklich zu den Vorgängern passen. Das liegt sicherlich unter anderem daran, dass das Klientel von dem der Film handelt ein völlig anderes ist. Ob arbeitslose Gammler und Kriminelle, oder der kleine Arbeiter von nebenan, die ersten beiden Filme arbeiteten mit den einfachen, ungebildeten Menschen, meist mit Proleten verschiedenster Art, „Goldene Zeiten“ widmet sich nun den Golf-spielenden Besserverdienern, eine Gesellschaft die im zweiten Teil der Reihe zwar bereits angerissen wurde, hier aber nun von Seiten der Unternehmer und Karriere-geilen Leute gezeigt wird, quasi der High Society Unnas, die nicht weniger kriminell ist als der Personenkreis der Vorgänger.

Auch wenn gerade die Komik mit den Asis der Gesellschaft so viel am Funktionieren der ersten beiden Teile ausgemacht hat, so ist die Idee sich nun der dritten Gesellschaftsschicht zum Abschluss zuzuwenden eine gar nicht mal schlechte. Nur leider wollte Thorwarth diesmal wohl völlig andere Wege beschreiten. Anders ist es nicht zu erklären, dass er den überraschend angenehmen Weg aus dem Mittelteil der Trilogie, sich den charmanten Unnötigkeiten am Rande der Hauptgeschichte zuzuwenden, komplett außer Acht lässt und diesen nun vollends streicht für eine arg konstruierte Geschichte, die im kriminellen Bereich für das Spießertum gerne das wäre, was „Bang Boom Bang“ für die Asis ist.

Mit einem pointenreicheren Drehbuch hätte vielleicht sogar das funktioniert. Aber „Goldene Zeiten“ kommt arg verkrampft daher, zeigt deutliche Startschwierigkeiten, bevor der Zuschauer sich erst nach etwa einer halben Stunde halbwegs für das Szenario interessieren kann, aber selbst dann wird aus dem dritten Streich kein wirklich unterhaltsames Werk, so witzarm wie das Ganze ausgefallen ist.

Die Lauflänge von über zwei Stunden macht die ganze Sache freilich nicht besser. Und so darf man einer viel zu lang gezogenen, nur halb interessanten Geschichte beiwohnen, die zwar recht ordentlich verästelt ist und mit bekannten, wie sympathischen Darstellern besetzt wurde, der aber der bürgernahe und verspielte Charme der Vorgänger fehlt. Das Didi-Feeling fegt überhaupt nicht mehr durch den Film. Ein Kampmann, Jr.-Wiedersehen ernüchtert eher anstatt zu begeistern, und da der Part von Ralf Richter diesmal arg klein ausgefallen ist, weiß auch er nichts zu retten.

Sehr geduldige Zuschauer werden sicherlich bis zum Ende durchhalten. Aber es fällt schwer bis zum Schluss dranzubleiben, obwohl interessante Elemente in die Geschichte eingewoben sind, deren Ausgang man als neugieriger Mensch miterleben möchte. „Goldene Zeiten“ ist sicherlich nicht so schlecht wie es sich lesen mag, aber er ist nicht nur inkompatibel mit dem Rest der Ruhrpott-Trilogie, auch als eigenständiges Werk besitzt er zu viele Längen und zu wenig Pfiff um über ein Mittelmaß herauszuragen. Schade, gerade nach Teil 2 hatte ich mir in Zeiten genormter Drehbücher wesentlich mehr von einem Geschichtenerzähler erhofft, der ohne Nostalgie den Wind jener vergangenen Kinotage hat aufwehen lassen, als Kinogeschichten noch nicht bestimmten Regeln unterworfen waren. Vielleicht gibt es für so etwas aber auch einfach keine Geldgeber mehr.  OFDb

BANG BOOM BANG - EIN TODSICHERES DING (1999)

Mit „Bang Boom Bang“ startete Regisseur und Autor Peter Thorwarth seine Ruhrpott-Trilogie. Die Verspieltheit unnötiger Abschweifungen, welche dem Plot erst den nötigen Charme beschert, ist noch nicht so ausgereift wie im Folgewerk, aber bereits hier Trumpf, die dort so enorme Gag-Dichte hingegen im Erstling überhaupt nicht nötig, lebt der Film doch hauptsächlich von seinen witzigen Charakteren, und besitzt „Bang Boom Bang“ im Gegensatz zum Baustellenfilm doch eine unglaublich pfiffig erzählte Geschichte, die gekonnt über Umwege erzählt wird und deren Fäden sich nach und nach immer deutlicher zu einem Gesamten verdichten.

Ich habe keine Ahnung wie es Thorwarth geschafft hat für seinen ersten Langfilm so viel Prominzenz an Bord zu holen, sieht man aber mit wieviel Freude an deutschen Klischees sie ihre Charaktere geradezu verspielt zum Leben erwecken, erkennt man wie gut allen das Projekt gefallen haben muss. Diether Krebs mimt den als Chef geborenen Oberproll Kampmann, Lindenstraßen-Benny Christian Kahrmann spielt dessen herrlich dümmlichen Sohn, eine Rolle die er noch zwei Mal wiederholen sollte, Ralf Richter spielt fern jeder Realität völlig überzogen den aggressiven Oberasi, und man dankt es ihm, und Martin Semmelrogge muss man in seiner grandiosen Darbietung des tragikomischen Verlierers Schlucke erst einmal erkennen, so wunderbar erbärmlich wurde er von der Maske zurecht gemacht.

Sie zusammen mit den eigentlichen Helden des Filmes, gespielt von Oliver Korittke und Markus Knüfken, sowie diversen Gaststars, von welchen das herrlich absichtlich schlechte Schauspiel von Til Schweiger der witzigste Part darstellt, hauchen der intelligent erzählten Geschichte voller skurriler Situationen, charmanter Unmöglichkeiten, deutscher Charaktere der Moderne und Ganovenklischees Leben ein und formen es zu einem Liebhaberstück der deutschen Komödie, das nicht zufällig zu einem Kultfilm wurde.

Thorwarth beherrscht die perfekte Mischung aus Gangsterstory, lautem und leisem Humor, dem nötigen Hauch Dramatik und dem Gefühl für interessante Charaktere und Situationen, so dass die eigentlich so stillos klingende Story um einen Haufen Asis und Proleten zu einem niveauvollen komödiantischen Erlebnis wird, in einer Verspieltheit umgesetzt wie die damaligen Kinofilme Hallervordens. „Bang Boom Bang“ dürfte den meisten Zuschauern besser munden als der etwas spezieller ausgefallene Folgefilm „Was nicht passt, wird passend gemacht“, bietet er doch sowohl etwas für Sonderlinge und große Kinder, als auch für den Massengeschmack. Ein Hauch Mainstream weht dennoch nie, dafür besitzt die Erzählung zu viel Persönlichkeit.  OFDb